Biographisches Lexikon

Beiträge zu einem biographischen Lexikon der Deutschen aus der ehemaligen Provinz Posen

  • Politiker-

 

Ahlemann, Georg

* 08. Februar 1870 in Krotoschin

 

Eintritt in die Armee als Fahnenjunker, ab 1889 Dienst im Feldartillerie- Regiment Nr. 6 in Breslau.

Militärische Karriere :

1890 Leutnant

1904 Hauptmann

1914 Major

1920 Oberstleutnant

Unternahm während seiner Dienstzeit größere Reisen nach Norwegen, England, Frankreich, Spanien, Italien und Afrika. Ab 1910 Chef der Marinefeldbatterie des 3. Seebataillons in Tsingtau.1911 zur Teilnahme an den Manövern nach Japan kommandiert. In China größere Reisen in das  Innere des Landes.

Während des 1. Weltkrieges zweimal schwer verwundet. Ab Januar 1917 Regimentskommandeur.

Aus der Armee 1920 ausgeschieden als Oberleutnant. Nach dem Kriege führend im Berliner Selbstschutz.

1922 Mitbegründer der Deutschvölkischen Freiheits-Partei. Seit  1925 Nationalsozialist. Nach Trennung Ludendorffs von den Parteien 1926 Austritt aus der NSDAP. 1929 nach der Trennung von Ludendorff (1865-1937)  Rückkehr zu Adolf Hitler.

1932 Mitglied des Preußischen Landtages.

Mitglied des Reichstages während der 2. Wahlperiode 1924 und seit der 9. Wahlperiode 1933.

 

Lit.:

M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Hrsg. Von Martin Schumacher. Düsseldorf ² 1992 S.91

Schwarz; Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.608

 

 

Adamski, Stanisław

* 12.April 1875 in Grünberg in der Gemeinde Obersitzko,  + 12.Nov.1967  in Kattowitz.

Am 12. November 1899 zum Priester geweiht. Saß ab 1904 im Stadt-parlament von Posen. In der Zeit des Großpolnischen Aufstandes 1918/19 war er Leiter des Obersten Volksrates in Posen. In den Jahren 1919 bis 1922 war er Sejm-Abgeordneter, später von 1922 bis 1927 Senator und 1924 bis 1927 Geschäftsführer der Unia Związków Spóldzielczych. Er war mehrere Jahre Direktor der Posener Bücherei Sw.Wojciech. Ab 1929 leitete er die „Akcja Katolicka“

Am 2. September 1930 wurde er von Papst Pius XI. zum Bischof von Kattowitz ernannt, konsekriert wurde er am 26. Oktober 1930 durch den Erzbischof von Gnesen-Posen August Kardinal Hlond (1881-1948)

Nach dem deutschen Überfall auf Polen  wurde er 1941 ausgewiesen und konnte erst 1945 in sein Bistum zurückkehren. In dieser Zeit wurde er durch die zur deutschen Volksgruppe gehörenden Generalvikare Franz Strzyz  († 1942) und Franz Wosnitza (1902-1979) vertreten. Mit Wosnitza verband ihn auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Vertrauensverhältnis.

Eine Woche nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht  forderte Bischof Adamski am 15. Mai 1945 die Deutschen auf, Schlesien zu verlassen. Er bereitete damit den politischen Boden für die bald darauf einsetzende zwangsweise Aussiedlung der Deutschen aus Schlesien vor.

Er begann mit dem Neuaufbau religiösen Lebens in seinem Bistum, wurde aber 1952 von den polnischen Behörden aus dem Amt entfernt. Nach 1956 wurde sein Arbeiten eingeschränkt; auf Grund seines fortgeschrittenen Alters und schlechten Gesundheitszustandes zog er sich zurück und ver-fasste zahlreiche Werke über die katholische Soziallehre.

 

 

 

Akt , Erich

*03.Juli 1898 in Krotoschin, + unbekannt

Nach dem Besuch der Volksschule  und Oberrealschule nahm Erich Akt ab 1914 am Ersten Weltkrieg  teil, in dem er an der Ost- und an der Westfront eingesetzt und zweimal verwundet wurde. Außerdem wurde er mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen ausgezeichnet. Nach dem Krieg verdiente Akt seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter beim Landratsamt Königsberg und als Bankangestellter in Berlin.

Am 1. November 1929 trat Akt in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 160.354). Am 1. Januar 1930 übernahm er in dieser die Aufgaben eines Sektionsführers und 1932 die eines Kreisschulungsleiters. 1933 wurde Akt Stadtverordneter und ehrenamtlicher Bezirksstadtrat in Berlin-Friedrichsfelde. 1934 folgte die Ernennung zum Gauausbildungsleiter, 1935 zum besoldeten Stadtrat und 1936 zum Gauinspekteur III der Gauleitung von Groß-Berlin.

Von April 1938 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 saß Akt als Abgeordneter für den Wahlkreis 3 (Berlin Ost) im Reichstag. In der SA  wurde Akt am 20. April 1944 zum Oberführer ernannt. Von 1941 bis 1943 leistete er Militärdienst.

  • Literatur
  • Lilla, Joachim (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Düsseldorf 2004.
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich. Kiel 2000,

 

 

Arndt, Paul Friedrich

* 28. Juni 1884 in Zachasberg (Krs. Kolmar), + 17.Okt. 1964 in Kassel

Von 1915 bis 1925 Fabrikarbeiter in Helsen, heute Stadtteil von Bad Arolsen (Krs. Waldeck- Frankenberg), ab 1925 in Kassel. Abgeordneter des Waldeckischen Landtags von 1923 bis 1925 für die USPD

 

Lit.:

* König, Reinhard: Die Abgeordneten des Waldeckischen Landtags von 1848 bis 1929. Marburg 1985. S.29

* Lengemann, Jacob : MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index.Marburg 1996 S.56

* Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in  den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.348

 

 

Aronsohn, Lewin Louis

 

* 18.Okt.1850 in Wissek, +       1928 in Berlin

Die Familie Aronsohn siedelte 1864 nach Bromberg über, wo er die Volks-und anschließend die Handelsschule besuchte. A.arbeitete in einer Bank und mit dem Erbe seines Vaters (er verstarb 1876) machte er sich als Bankier selbständig.

Am 01. Januar 1878 wurde er zum Stadtrat in Bromberg gewählt- diese Funktion hatte er bis 1890 inne. Danach berief man A. zum Ratgeber des Magistrats, wobei er dieses Amt bis zum Jahr 1918 ausübte, das er dann aus gesundheitlichen Gründen niederlegte.

Ab 1875 leitete er auch die jüdische Gemeinde in Bromberg.

Als Vorsitzender der „Freisinnigen Volkspartei“ in Bromberg kandidierte er 1903,1908 und 1913 für den Preußischen Landtag, wo er Vorsitzender der Rechnungskommission war. Darüber hinaus war er Mitglied im Provinzial-landtag der Provinz Posen und im Provinzialausschuß.

Während des 1. Weltkrieges war A. finanztechnischer Berater für das besetzte Russisch-Polen.

Mit der Wiedererrichtung des polnischen Staates verließ A. 1918 Bromberg.

Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) vertrat er in der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung.

In Anerkennung seiner beruflichen Verdienste erhielt er die Würde eines „Geheimen Kommerzienrates“ verliehen.

 

Lit.:

  • Balde, Joachim Heinrich: Aronsohn, Louis. In : Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003. S.21
  • Romaniak, Marek: Aronsohn, Lewin Louis. In: Bydgoski Słownik Biograficzny. Bydgoszcz 1994 S.19-20
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.50
  • Balde, H.J. : Aronsohn, Louis. In: Kulturwart 31 (1983) Heft 152  S.152

 

 

Asch, Bruno

 

* 23. Juli 1890 in Wollstein; † 15. Mai 1940 in Amsterdam

 

Asch war seit 1920 als hauptamtlicher Wirtschaftsdezernent in Höchst am Main tätig. Er wurde 1922 Bürgermeister von Höchst, das zu dieser Zeit französisch besetzt war. 1923 wies ihn die Besatzungsverwaltung wegen Widerstands gegen eine ihrer Anordnungen aus. Asch leitete seine Amtsgeschäfte telefonisch von Frankfurt am Main aus, bis er 1925 von Bruno Müller als Bürgermeister abgelöst wurde. Von 1925 bis 1931 war Asch dann Stadtkämmerer in Frankfurt. 1931 wechselte er als Stadtkämmerer nach Berlin. Die Nationalsozialisten verjagten den Sozialisten und Juden 1933 aus dem Amt.

Asch emigrierte zusammen mit seiner Frau Margarete Asch-Hauschner (* 1886) und seinen beiden Töchtern Ruth Eva (* 1923 in Höchst) und Renate Charlotte (* 1928 in Frankfurt) in die Niederlande. Er überlegte, ob er nach Palästina auswandern sollte, wohin er bereits 1935 eine längere Reise gemacht hatte. Aber diese Überlegungen nahmen keine konkrete Gestalt an und er nahm sich beim Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande  im Mai 1940 das Leben. Aschs Familie wurde deportiert und 1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

 

 

 

Aßmann , Julius

* 5. Oktober 1868 in Posen ; † 8. September 1939 in  Bedlno, Landkreis Kutno (unsicher)

 

Nach dem Abitur auf dem Gymnasium in Posen studierte Aßmann, der evangelischen Glaubens war, von 1888 bis 1891 Theologie und Philosophie an der Albertus-Universität Königsberg. Anschließend leistete er beim 46. preußischen Infanterie-Regiment seinen Wehrdienst ab. Ab 1892 arbeitete Aßmann zwei Jahre als Hauslehrer und Erzieher bei einem Grafen in Melkof in Mecklenburg. Nachdem er zunächst Provinzialvikar in Klein-Bartelsee (Landkreis Bromberg) gewesen war, wurde Aßmann 1897 Pfarrer in Bromberg. Im Ersten Weltkrieg diente Aßmann als Lazarettpfarrer, zugleich war er in der christlich-nationalen Arbeiterbewegung sowie im Evangelischen Bund tätig. 1920 ernannte man ihn zum  Superintendenten  der beiden Bromberger Kirchen-bezirke.

Nach dem deutschen Angriff auf Polen wurde Aßmann „im Verlauf einer polnischen Reaktion auf einen deutschen Hinterhalt verschleppt“ und wahrscheinlich am 8. September 1939 ermordet. Sein Leichnam wurde am 14. Dezember 1939 in Bedlno gefunden.

 

Aßmann war von 1919 bis 1920 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Von 1919 bis 1921 war er zudem Landtagsabgeordneter in Preußen. Er gehörte der Deutschen Volkspartei  an. Als Bromberg im Januar 1920 polnisch wurde, entschied sich A. bei seiner  Gemeinde zu bleiben und gab weitere politische Ambitionen in Deutschland auf.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.610/611
  • Neubach, Helmut : Assmann, Julius. In : Kulturwart 26 (1978) Heft 132 S.17/18
  • Schumacher, Martin: (Hrsg.):MdR, die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 – 1945. (Veröffentlichung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien) Düsseldorf ²1992.S.97
  • Schumacher, Martin : M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995. S.5
  • Bydgoscz Slownik  S.22-24

 

 

 

 

Baarth, Arthur (Dr.)

*28.Februar 1858 in Modrze (Kreis Posen-West)

1899 Landrat in Posen( zur Disposition gestellt)

Ab 1903 Regierungsrat beim Polizeipräsidium in Berlin.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.51

 

 

Bahnik, Wilhelm

 

* 15. Mai 1900 in Gnesen ; † 12. März 1938 in Spanien

 

Als Sohn eines Eisenbahnarbeiters in der Provinz Posen aufgewachsen, kam er mit seinen Eltern 1919 nach Magdeburg. Er trat 1921 der SPD bei, wechselte  1923 zur KPD über. 1925 wurde er Mitglied der Bezirksleitung der KPD in Magdeburg- Anhalt und dort mit militärpolitischen Aufgaben betraut.

1927 wurde er verhaftet und in einem Hochverratsprozess zu zwei Jahren und neun Monaten Festungshaft verurteilt, kam aber bereits 1928 durch eine Amnestie wieder auf freien Fuß.

Von 1928 bis 1930 als Druckerei-Hilfsarbeiter in Magdeburg tätig.

Die KPD schickte ihn 1930/31 zum Studium nach Moskau. Anschließend übernahm er leitende Funktionen in der Partei. Nach 1933 ging er in die Illegalität und emigrierte 1935 in die Sowjetunion, wo sich seine Familie bereits befand. B. wurde 1936 in Deutschland in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er meldete sich als Freiwilliger für die Spanische Volksfront (*), ging 1936 nach Spanien und wurde Offizier im Edgar-André-Bataillon der XI. Brigade. Nach einer Verwundung starb er 1938.

 

In der Zeit der DDR trugen diverse öffentliche Einrichtungen, so eine Oberschule in Berlin, ein Grenzregiment in Kalbe (Milde), das Erholungsheim des Ministerium des Innern in Benneckenstein und seit 1981 der Sportplatz des TuS 1860 Magdeburg seinen Namen. Noch heute ist eine Straße in Magdeburg nach ihm benannt.

 

Literatur

  • Hans-Rainer Sandvoß: Die „andere“ Reichshauptstadt: Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945. Berlin 2007. Seite 400ff
  • Rudolf Engelhardt (Hrsg.): In unverbrüchlicher Treue zur Sache der Arbeiterklasse. Magdeburg 1980
  • Hermann Weber/Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin: Dietz 2004, S. 71

 

(*) Spanische Volksfront: war ein von linken  und liberalen  Politikern getragenes Wahlbündnis, das sich in der Endphase der Zweiten Spanischen Republik anlässlich der Neuwahlen zu Beginn des Jahres 1936 bildete. Als Vorbild diente das im Jahr zuvor gegründete Volksfront -Bündnis in Frankreich, das sich dort gegen rechte Parteien formiert hatte.

Nachdem Staatspräsident Niceto Alcala Zamora Spaniens Parlament, die Cortes aufgelöst und für den 16. Februar 1936 Neuwahlen angesetzt hatte, kam es am 15. Januar zur Bildung der Frente Popular.

Sie umfasste im Wesentlichen die gemäßigten Republikaner der Izquirierda Republicana und der Union Republicana, die Sozialisten der PSOe  und der UGT, die Kommunisten der PCE  sowie die Links-kommunisten der POUM. Unterstützt wurde sie außerdem von der katalanischen ERC sowie den Anarchisten; letztere verzichteten zum ersten Mal auf einen Aufruf zum Wahlboykott.

Die Mitglieder der Volksfront verstanden ihr Bündnis als Verteidigung der „nationalen Interessen der Republik“ gegen die „ Reaktion“ im Lande und verständigten sich auf eine Reihe von Maßnahmen, die die Grundlagen der Republik stärken sollten. Die übrigen politischen Absichtserklärungen waren eher moderat gehalten und im Kern von Aussagen der republikanischen Parteien geprägt, die beispielsweise der Verstaatlichung von Grundbesitz und der Einführung einer Arbeitslosenversicherung eine Absage erteilten.

 

 

 

Elern-Bandels, Karl August von

*24.März 1841 in Krotoschin; + 27. Oktober 1912 Gut Bandels /Krs. Preußisch-Eylau

 

Privatunterricht, Besuch des Gymnasiums in Groß-Glogau und der Kadettenanstalten Bensberg.

Von 1858 bis 1883 preußischer Militärdienst. Anschließend Landwirt und Rittergutsbesitzer in Bandels (Ostpreußen)..

Von 1896 bis 1901 Landrat des Kreises Preußisch-Eylau und ab 1889 Mitglied des Kreistages Preußisch-Eylau.

 

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd : Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010 S.89

 

 

Bartoszewskiewicz, Jan Nepomucen ( Dr.theol.)

 

*16. Mai 1813 in Pudewitz, * 14. Dez. 1900 in Kulm

Gymnasium in Posen, anschließend von 1835 bis 1837 als Hauslehrer tätig. Von 1837 bis 1842 Studium der Theologie und Philosophie in Breslau.

Besuch des Priesterseminares in Pelplin, 1843 Priesterweihe.

1843-1846 Kaplan in Danzig. Ab 1846 Probst in Kulm und ab 1851 Dekan.

1848 Mitglied der Liga Polska.

Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

 

 

Baur, Georg

*17.Dez. 1881 in Zimnawoda (Krs. Koschmin), + 16.Dez. 1965 in Kettwig.

.

Baur besuchte Gymnasien in Oels und Sagan (Schlesien). Nach mehreren Lehrjahren im Rheinland, Hannover und Schlesien arbeitete Baur in der Landwirtschaft. Von 1900 bis 1901 war er Freiwilliger im 3. Niederschlesischen Infanterie-regiment 50. Seit 1907 war Baur selbständiger Landwirt in Dittersbach im Kreis Sagan.

Am Ersten Weltkrieg nahm Baur als Kompanieführer seines alten Regiments teil. 1916 wurde er bei Verdun schwer verwundet. Später im Krieg wurde er in leitenden Stellungen in den landwirtschaftlichen Abteilungen der Militärverwaltung von Litauen Oberost und Bug eingesetzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann Baur sich im Landbund, einer eng mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) verbundenen Interessensvertretung, zu betätigen. Bis in die späten 1920er Jahre brachte Baur es bis zum stellvertretenden Vorsitzenden der nieder-schlesischen Sektion des Landbundes, deren Vorsitzender der Freiherr von Richthofen(1879-1952) war. Nach einem Streit mit dem DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg (1865-1951) schied Baur schließlich aus dem Bündnis mit der DNVP aus. Stattdessen engagierte er sich nun in der Christlich-Nationalen Bauern und Landvolk Partei (CNBL). Bei der Reichstagswahl vom September 1930  zog Baur als Kandidat der CNBL in den Reichstag ein, in dem er bis zum Juli 1932 den Wahlkreis 8 (Liegnitz) vertrat.

1927 wurde Baur Pächter der Domäne Liebsen im Kreis Sagan und Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins Sagan. Außerdem wurde er Kreistagsabgeordneter des Kreises Sagan und  Provinziallandtagsabgeordneter für Niederschlesien.

1934 wurde Baur verhaftet. Bis 1935 wurde er in verschiedenen Konzentrationslagern, unter anderem im Konzentrationslager Columbiahaus  in Berlin, gefangen gehalten. Nach seiner Haftentlassung floh er ins Ausland. In den folgenden Jahren betätigte er sich in der Landwirtschaft und im Getreidehandel in Rudnik (Jugoslawien). 1941 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Baur im Rahmen der  „Aktion Gitter“ (*) erneut verhaftet.

Von 1951 bis 1965 war Baur Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Siedlungsbank. Außerdem war er Gründer, Präsident und Ehrenpräsident des Bauernverbandes der Vertriebenen e.V.

 

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.615
  • Schumacher, Martin:(Hrsg.): MdR, die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 – 1945. (Veröffentlichung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien) Düsseldorf ²1992.S.106
  • Markus Müller: Die Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 1928-1933, 2001, S. 424.

(*)Die Aktion Gitter (teilweise auch Aktion Gewitter genannt) war eine umfassende Verhaftungsaktion nach dem gescheiterten Attentat  des 20.Juli 1944 auf Adolf Hitler. Ziel war allerdings nicht die Verfolgung unmittelbar oder mittelbar gegen das NS-Regime handelnder Personen, sondern die Angehörigen dieser Personen. Die Aktion betraf vor allem Angehörige von Personen, die am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligt gewesen waren, von solchen, die das Gründungsmanifest des Nationalkomitees Freies Deutschland vom 13. Juli 1943 unterzeichnet hatten, und von solchen, die früher Mitglieder der bürgerlichen Parteien der Weimarer Republik sowie der KPD gewesen waren.

 

Bazynski, Francisek

*01.März 1801 in Posen; + 12. März 1876 in Posen

Besuchte ab 1821 das Priesterseminar in Posen, danach Studium der Theologie in Breslau. Hier wurde er zum Priester geweiht. Zwei Jahre Kaplan in Posen, Pfarrer in Ceradz Koscielny, 1836 Verhaftung, 1841 Freilassung, 1841 Pfarrer in Niepruszew, ab 1845 in Neustadt/Pinne und ab 1849 in Posen. Gründer des Verlags für billige, aber gute Bücher.

Gehörte dem preußischen Abgeordnetenhaus von 19850 bis 1852 an. Sein Mandat legte er am 14. Feb. 1582 nieder.

 

 

Behn, Hermann Julius

*23.Dez.1805 in Bromberg; + 31. März 1879 in Bromberg

 

Sanitätsrat in Bromberg. Von 1849 bis 1873 Leiter der Medizinalangelegenheiten im Regierungsbezirk Bromberg.

Gehörte dem Preußischen Abgeordnetenhaus von 1849 bis 1851 an. Legte sein Mandat nieder.

 

 

Behrendt, Ernst

*1894 in Bromberg, + 1944 in Auschwitz

 

Bezirkssekretär des Gewerkschaftsbundes der Angestellten für Oberschlesien.

Ab 1919 Vorstandsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei.

Ab 1923 Stadtverordneter in Beuthen.

1937 Leiter der Auswanderungsabteilung des Hilfsvereins der deutschen Juden.

1943 deportiert nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz.

 

 

Beleites, Albert

*08. Dez.1833 in Bromberg, + 19. Sept. 1899 in Nordhausen

 

Studium in Berlin und Heidelberg. 1869 Kreisrichter in Landsberg a.d.W. 1873 Kreisgerichtsdirektor in Küstrin.

1880 Oberlandesgerichtsrat in Celle; 1887 bis 1894 Landgerichtspräsident in Konitz, 1895 in Nordhausen.

Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses.

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867- 1918. Düsseldorf 1988 S.59

 

Bendt, Bernhard

*19. Mai 1916 in Bromberg

Abitur, kaufmännische Lehre. Studium der Wirtschaftswissenschaften, Abschluss: Diplom-Ökonom.1948 Eintritt in die National- Demokratische Partei Deutschlands( NDPD), eine Blockpartei  in der DDR. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen FDP  auf.

Von 1965 bis 1981  Vorsitzender des Bezirksverbandes Erfurt der NDPD.

Mitglied des Bezirkstages Erfurt. Von 1967 bis 1987 Mitglied des NDPD-Hauptausschusses.

 

Lit.:

  • Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/ Winkler, Jürgen: So funktionierte die DDR. Band 3. Lexikon der Funktionäre. Reinbek bei Hamburg 2004. S. 32

 

 

Berger, Gotthilf

*21.Mai 1794 in Posen; + 09.Feb. 1874 in Posen

Kaufmännische Ausbildung in Hamburg, bis 1861 Kaufmann in Posen, danach Rentner und Gutsbesitzer.

Mäzen, Stifter einer Oberrealschule. Vorstandsmitglied der nationalliberalen Partei.Von 1859 bis 1870 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses

 

Stadtverordneter, Stadtrat, MdL

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867- 1918. Düsseldorf 1988 S.62

 

 

 

Berwinsky, Richard Vinzenz

 

*1819 in Posen; + 17.Nov.1879 in Konstantinopel

 

Studium in Berlin.

1845 auf einer Reise durch Galizien verhaftet und an Preußen ausgeliefert, die ihn erst 1847 aus der Haft entließen.

1848 war er Mitglied des Nationalkomitees in Posen, Redakteur der „Gazeta polska“ und der „Dziennik polski“. Ab 1852 Abgeordneter des preußischen Landtages. Zwei Jahre später legte er dieses Mandat nieder.

1855 Übersiedlung nach Konstantinopel und dort Aufstellung einer sultanischen Kosakenformation.

 

 

Besler, Dietrich

 

* 22. September 1919 in Posen, +

Von 1933 bis 1937 landwirtschaftliche Lehre und dann in  der elterlichen Landwirtschaft tätig. Von 1937 bis 1941 Soldat, dann wegen Kriegsuntauglichkeit entlassen.

1945 zunächst Landarbeiter, ab 1946 Neubauer in Fröhden, Kreis Jüterborg. In demselben Jahr Eintritt in die SED.

Mitglied der Gemeindevertretung und Bürgermeister von Fröhden.

1948 Mitbegründer und Vorsitzender des Kreisverbandes Jüterborg der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD). 1949 Geschäftsführer des Landesverbandes Brandenburg der DBD und Abgeordneter des branden-burgischen Landtages.

Von 1950 bis 1952 Minister für Land- und Forstwirtschaft des Landes Brandenburg. Vizepräsident der Länderkammer von 1950 bis 1954.

Studium an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“.

Seit 1954 Abgeordneter der Volkskammer. Seit 1956 Vorsitzender der LPG „1. Mai“ in Berlin-Wartenberg.

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957. S.298
  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. 3. Wahlperiode. Berlin 1959. S.435/436
  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Bonn/Berlin 1961 S.34
  • Buch, Günther: Namen und Daten. Biographien wichtiger Personen der DDR. Berlin/Bonn 1973 S.21
  • Werner-Tietz, Bernhard: Bauernverband und Bauernpartei  in der DDR. Die VdgB und die DBD 1945-1952. Köln 1984

 

 

Bethe, Hellmuth Albrecht von

*25.Juli 1842 in Hammer(Krs. Czarnikau); + 23. Juli 1914 in Czarnikau

Nach Beendigung des Militärdienstes zunächst Verwalter seines Gutes, dann Landschaftsrat und von 1887 bis 1907 Landrat in Czarnikau.

Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867 bis 1918. Düsseldorf 1988 S.64

 

 

Boeck, Oscar Heinrich Alexander

*16.Jan.1823 in Posen, + 04.Oktober 1882 in Schöneberg /Berlin

Hüttenbesitzer und Ingenieur in Berlin. Glashüttenbesitzer in Charlottenburg. Mitinhaber der offenen Handelsgesellschaft Boeck& Kersten.

Von 1863 bis 1867 vertrat er den Wahlkreis Oppeln im Preußischen Abgeordnetenhaus.

 

Bolze, Waldemar

* 11. Januar 1886 in Buk (Posen); † 14. Dezember 1951 in Salzgitter

 

Der gelernte Tischler Bolze trat 1904 dem Holzarbeiter-Verband bei, 1906 der SPD. Auf der Wanderschaft kam er nach Berlin, wurde dort Funktionär von Gewerkschaft und Partei. Aus Protest gegen die „Burgfriedenspolitik“ (1) verließ er 1914 die SPD. Er wurde als Soldat einberufen. 1917 trat er der USPD bei.

 

1919 wurde er Mitglied der KPD und 1920 Redakteur der „Roten Fahne“. W.Bolze war ab 1921 in der Gewerkschaftsabteilung der KPD-Zentrale tätig, dort arbeitete er eng mit Jacob Walcher (1887-1970) zusammen. 1924 wurde er abgesetzt, er gehört zu den sog. „Brandleristen“, die sich jeder Gewerkschaftsspaltung widersetzen. Nach dem Scheitern der ersten ultralinken Welle in der KPD wurde er 1926 wieder in die Gewerkschaftsabteilung zurückgerufen. Durch die einsetzende Stalinisierung der KPD fand seine Tätigkeit in der Zentrale ein rasches Ende. Wegen seiner Ablehnung der Sozialfaschismusthese und vor allem des RGO-Kurses wurde er Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen. W.Bolze trat der KPD(O) (2) bei und wurde Mitglied der KPD(O)-Reichsleitung. Seine journalistische Tätigkeit setzte er als Redakteur bei der „Arbeiterpolitik“ fort.

 

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933, musste er sofort fliehen. Er emigrierte zuerst nach Frankreich und im November 1936 nach Spanien, wo er während des Spanischen Bürgerkrieges in einem Flugzeugwerk der Republikaner arbeitete. Er hielt enge politische Verbindung zur Partido Obrero de Unificacion Marxista (POUM). 1937 wurde er von der GPU(3) bezichtigt,  Faschist zu sein. W.Bolze wurde verhaftet und ein Jahr ohne Prozess und Urteil in Haft gehalten. Als Anfang 1939, zum Ende des spanischen Bürgerkriegs, die stalinistischen Gefängniswärter vor Francos Truppen flohen, konnte er über die Pyrenäen im Fußmarsch nach Frankreich zurückkehren. 1939 führte ihn seine Flucht nach Belgien und 1940 wieder zurück nach Frankreich. Dort wurde er erneut interniert, konnte aber erneut fliehen. Die Kriegszeit überlebte er in der Illegalität.

 

Anfang 1949 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er als Modellschreiner in der Gießerei der Reichswerke Salzgitter Arbeit fand. W. Bolze wurde wieder politisch aktiv. Er engagierte sich in der Gruppe Arbeiterpolitik und in ihrer zentralen Leitung, nahm an ihren Reichskonferenzen teil und war auf zahlreichen Vortragsreisen unterwegs. Er starb am 14. Dezember 1951 in Salzgitter an Tuberkulose.

 

Werke:

 

  • Der Weg der Gewerkschaften. Bremen 1971

 

 

Literatur

 

  • Bergmann, Theodor : „Gegen den Strom“. Die Geschichte der KPD (Opposition). 2. Auflage, Hamburg 2001
  • Tjaden, Karl Hermann: Struktur und Funktion der „KPD-Opposition“ (KPO). Meisenheim am Glan 1964
  • Weber, Hermann: Die Wandlung des deutschen Kommunismus – Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. Frankfurt am Main 1969
  • Weber, Hermann und Dietrich Starnitz (Hrsg.): Kommunisten verfolgen Kommunisten. Stalinistischer Terror und „Säuberungen“ in den kommunistischen Parteien Europas seit den dreißiger Jahren. Berlin 1993
  • Jarck, H.-R./Scheel, G.: Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hannover 1996 S.79/80
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2. München 2001 S.14
  • Weber, Hermann/Herbst, Andreas: Deutsche Kommunisten. Biographische Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004. S.112
  • Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Bearbeitet von Bruno Jahn. München 2005 S.113

 

(1) Als B. wird im Allgemeinen das Zurückstellen innenpolitischer Konflikte und Auseinandersetzungen in Deutschland während des 1. Weltkrieges bezeichnet.

Das Parlament des Deutschen Reiches stimmte bei zwei Enthaltungen für die zur Kriegsführung benötigten Kriegskredite, obwohl die SPD noch Massendemonstrationen  für den Frieden organisiert hatte. Die Gewerkschaften erklärten am 02. Aug.1941, während des Krieges auf Lohnforderungen und Streiks zu verzichten.

(2) Die Kommunistische Partei- Opposition war im Jahr 1928 entstanden. Abspaltung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aus Protest gegen die von der KPD vertretene „Sozialfaschismusthese“. Hatte 3-4000 Mitglieder

 

(3) seit 1922 die Bezeichnung für die Geheimpolizei der UdSSR

 

 

 

Bonstedt, Karl Hugo

* 17.Nov.1844 in Bromberg, + 25. Oktober 1888 in Iserlohn

 

  1. begann im Wintersemester 1865 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin.

Zum Wintersemester 1867 wechselte er an die Universität  Heidelberg. Am deutsch-französischen Krieg 1870/71 nahm er teil und daher konnte er erst 1872 das Assessor-Examen ablegen. Im Dezember desselben Jahres wurde er Gerichtsassessor in Elberfeld. Diese Stadt ernannte ihn zum Ersten Beigeordneten, bevor er 1877 zum Bürgermeister von Iserlohn gewählt wurde.

 

 

Borchardt, Bruno

 

* 17. Nov. 1859 in Bromberg, + 14. August 1939 in Falkensee

 

Nach seiner schulischen Ausbildung studierte B. Mathematik, Physik und Philosophie an der Universität Berlin. 1895 promovierte er in Kiel und arbeitete anschließend als Gymnasiallehrer für Physik in Spandau.

1888 schloss er sich der Bodenreformbewegug an. Er trat darüber hinaus der SPD bei und war ab 1890 als Lehrer in Arbeiterbildungsvereinen tätig. Er wirkte ab 1901 als Stadtverordneter der bis 1920 eigenständigen Stadt Charlottenburg.

Ab 1912 war er Mitglied des Provinziallandtages Brandenburg, zu dessen Präsidenten er 1919 gewählt wurde. Seit 1919 wissenschaftlicher Assistent im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

Von 1921 bis 1926 war er Mitglied des Preußischen Staatsrates für Berlin.

Als Gegner des Nationalsozialismus und als Jude wurde er ab 1933 verfolgt.

Das Novemberpogrom 1938 erlebte er in Falkensee, wo ihn die SA überfiel und er dabei so schwer verletzt wurde, dass er an den Folgen verstarb.

 

Werke:

  • Die Sozialdemokratie und die Wahlen zum Deutschen Reichstage. Berlin 1907
  • Die Sonne. Berlin 1926
  • Der Mond. Berlin 1927
  • Wandlungen der Atomvorstellung. Berlin 1928

 

Lit.:

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2. München 2001. S.26
  • Lilla, Joachim: Der Preußische Staatsrat 1921-1933. Ein biographisches Handbuch. Düsseldorf 2005 S.17/18

 

 

 

Borchardt, Julian

 

* 30. Dezember 1868 in Bromberg ; † 16. Februar 1932  in Berlin

 

Borchardt war Sohn eines jüdischen Kaufmanns und machte nach dem Abschluss der Schule ebenfalls eine Lehre als Handlungsgehilfe. Anschließend war er einige Jahre ab 1876 als Kaufmann in Berlin tätig. In den Jahren 1896 bis 1900 arbeitete Borchardt als Bibliothekar und Lehrer in Brüssel. Gleichzeitig studierte er an der dortigen Universität. Borchardt arbeitete seit den 1890er Jahren als Redakteur für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen. Unter anderem war er in Königsberg und in Harburg tätig. In den Jahren 1907 bis 1913 war er angestellter Wanderlehrer beim zentralen Bildungsausschuss der SPD. Es galt als einer der nationalökonomischen Lehrer der Partei.

Von 1911 bis 1913 war er Abgeordneter des Preußischen Abgeordnetenhauses. Während der Plenumssitzung des Abgeordnetenhauses vom 9. Mai 1912 sorgte Borchardt für einen Eklat, als er die Rede des liberalen Abgeordneten Anton Schifferer (1871-1943) durch Zwischenrufe unterbrach und sich nach Ausschluss von der Sitzung durch den Versammlungsleiter Hermann von Erffa (1845-1012) weigerte, den Saal zu verlassen. Der Parlamentspräsident ließ Borchardt und den Abgeordneten Robert Leinert (1873-1940) zweimal von der Polizei aus dem Saal entfernen. Später wurden beide wegen Hausfriedensbruch und Widerstand angeklagt. Zur Revisionsverhandlung vor dem Reichsgericht in Leipzig (1913) traten Hugo Haase (1863-1919), Wolfgang Heine 1861-1944) und Hugo Heinemann (1863-1919)  als Verteidiger der Angeklagten auf.

 

Aus nicht bekannten Gründen geriet Borchardt noch im selben Jahr mit der Parteiführung in Konflikt. Borchardt gründete daraufhin die „Lichtstrahlen“. Zeitschrift für internationalen Kommunismus. Diese war zunächst ein Kristallationspunkt der innerparteilichen Opposition. Unmittelbar nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges und der Bewilligung der Kriegskredite durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, rief Borchardt den linken Flügel der Partei auf, die SPD zu verlassen. Er selbst vollzog diesen Schritt bereits 1914. Im Laufe des Jahres 1915 warben die Lichtstrahlen intensiv für eine Abspaltung. Verbindungen bestanden zu den Bremer Linksradikalen etwa Anton Pannekoek (1873-1960)  oder Karl Radek (1865-1939), die regelmäßig in Borchardts Zeitung schrieben.

Eine Gruppe um Borchardt in Berlin und die Bremer Radikalen bildeten ab 1915 die Internationalen Sozialisten Deutschlands (später: Internationale Kommunisten Deutsch-lands). Diese schloss sich der Zimmerwalder Gruppe an. Der einzige Teilnehmer der Zimmerwalder Konferenz (*) von Seiten der Internationalen Sozialisten war Borchardt. Nach dem Verbot der Lichtstrahlen gründete er 1916 die Zeitschrift „Leuchtturm“, die allerdings ebenfalls kurz darauf verboten wurde. Die scheinbare Handlungs- und Initiativlosigkeit der breiten Bevölkerungsschichten ließ Borchardt resignieren und er stimmte ab 1917 nicht mehr mit den vorherrschenden Meinungen der Internationalen Sozialisten überein.

Im Dezember 1918 wurde Borchardt von den Internationalen Kommunisten ausgeschlossen, machte aber einem  Anschluss an die KPD nicht mit. In den folgenden Jahren gehörte Borchardt keiner Partei mehr an. Nach der Novemberrevolution war er dann allerdings bis 1921 erneut Herausgeber der Lichtstrahlen. Er war während der Republik Mitglied im Schutzverband Deutscher Schriftsteller und Mitbegründer des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. (*)Außerdem war er Lehrer an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH). Im Jahr 1931 erhielt Borchardt eine Berufung an das Marx-Engels-Institut in Moskau, konnte aber die Stelle wegen einer schweren Erkrankung nicht mehr annehmen.

Borchardt war auch als Übersetzer, insbesondere der englischen Literatur zur Lage der Arbeiterklasse, tätig. Außerdem war er Autor und Herausgeber zahlreicher volkswirtschaftlicher und politischer Schriften; darunter war eine oft aufgelegte Volksausgabe des Kapitals von Karl Marx (erste Auflage 1920).

 

  • Der Kampf ums tägliche Brot. Königsberg 1901

 

 

 

Literatur

  • Hans Manfred Bock: Geschichte des linken Radikalismus in Deutschland. Ein Versuch. Frankfurt 1976.
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.76
  • Schröder , Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867–1933. Biographien, Chronik und Wahldokumentation. Ein Handbuch. Düsseldorf 1995
  • Weber, Hermann / Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.112/113

 

(*) Die Konferenz von Zimmerwald fand vom 05. Bis 08.September 1915 im schweizerischen Ort  Zimmerwald in der Nähe von Bern statt. Die Konferenz wurde von dem Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm mit dem Ziel organisiert, die „Sozialistische Internationale“ neu zu organisieren. Die antimilitaristische, revolutionäre sozialistische Bewegung, die sich um Lenin während dieser Konferenz bildete, wurde als „Zimmerwalder Linke“ bezeichnet. Damit begann die Spaltung der Arbeiterbewegung in revolutionäre und  reformistische Sozialisten. Aus dem Deutschen Reich nahm u.a. Julian Borchardt teil.

(*) Der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, gegründet 1928, war ein der KPD nahestehender Schriftstellerverband in der Weimarer Republik. Johannes R. Becher, Bruno Apitz und Willi Bredel waren Mitglied des BPRS

Boretius , Alfred Erwin

* 27. Februar 1836 in Meseritz; † 1. August 1900  in Karlsfeld, Sachsen

Alfred Boretius studierte Rechtswissenschaft  in Berlin und Halle. Johannes Merkel und Alfred Pernice (1841-1901) lenkten sein Interesse auf die deutsche Rechts-geschichte. 1858 promovierte er über den Charakter der Fehde  zum Dr. jur. (De jure bellorum privatorum ex legibus imperii Romano-Germanici). Von 1860 bis 1868 war er Mitarbeiter bei den Monumenta Germaniae Historica. 1864 habilitierte er sich in Berlin mit einer Arbeit über die Kapitularien im Langobardenreich für deutsche Rechtsgeschichte und deutsches Privatrecht. 1868 wurde er ordentlicher Professor für deutsches und öffentliches Recht  an der Universität Zürich.1871 wurde Boretius ordentlicher Honorarprofessor in Berlin. Von 1871 bis 1873 war er Mitarbeiter der National-Zeitung. Ende 1874 nahm er den Ruf nach Halle auf den Lehrstuhl für deutsches und öffentliches Recht an. Boretius war auch politisch aktiv. 1875, 1879 und 1885 gehörte er der preußischen Generalsynode an. In der Stadtverordnetenversammlung gehörte er der nationalliberalen Fraktion an. 1878 gelang es ihm als nationalliberaler Abgeordneter für Halle in den Reichstag gewählt zu werden. 1881 verlor er jedoch die Wahl. 1885 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Depressionen und eine Erkrankung des Gehirns führten 1890 zur Versetzung in den Ruhestand.

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Lit.:

  • Rudolf Buchner: Boretius, Alfred.In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, , Berlin 1955, S. 462.
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.276
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.77
  • Alfred Boretius. Ein Lebensbild in Briefen 1849–1874. Lehr- und Wanderjahre. Hrsg. von Agathe Boretius. Berlin 1900.
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918.Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S.81
  • Alfred Boretius. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2. überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Band 1, Saur, München 2005, S. 835f

 

 

Born , Stephan (ursprünglicher Namen Simon Buttermilch

 

*18. Dezember 1824 in Lissa ; † 4. Mai 1898 in Basel , Schweiz)

 

Als Gründer der Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung schuf er die erste überregionale gewerkschaftliche Organisation der deutschen Arbeiterbewegung. Nach seiner Beteiligung an der letztlich gescheiterten Revolution von 1848/49 lebte er im Schweizer Exil und nahm die dortige Staatsbürgerschaft an. 1860 wurde er Honorarprofessor in Basel.

Born wurde als Simon Buttermilch als Sohn eines Maklers geboren. Er besuchte zwar erfolgreich das Gymnasium, ein Universitätsstudium scheiterte jedoch an mangelnden finanziellen Mitteln der Familie. Er gehörte ursprünglich der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Nach seiner Konversion zum Protestantismus ließ er seinen Namen in Stephan Bornändern. In Berlin erlernte er das Buchdrucker- handwerk. Den Beruf erlernte er in einem Verlag, der auch wissenschaftliche Arbeiten herausgab und dies motivierte Born zu autodidaktischen Studien; unter anderem durch den Besuch von universitären Vorlesungen als Gasthörer. Er wurde Mitglied des „Berliner Handwerkervereins“ und war in der sich entwickelnden Arbeiterbewegung aktiv. Born verfasste vor allem politische Streitschriften, daneben aber auch Theaterkritiken und eine Erzählung.

Im Jahr 1846 ging er ins Ausland, kam 1847 in Kontakt mit Robert Blum (1807-1848) und traf in Paris Friedrich Engels (1820-1895). Etwas später trat er in Brüssel, wo Born als Schriftsetzer bei der „Deutschen-Brüsseler-Zeitung“ arbeitete, auch in Kontakt zu Karl Marx (1818- 1863).In der Folgezeit war Born für den „Bund der Kommunisten“, der wesentlich von Marx und Engels geprägt war, aktiv.

Als ihn die Nachricht von der Märzrevolution in Preußen und anderen Staaten des Deutschen Bundes erreichte, ging Born nach Berlin zurück. Dort war er war maßgeblich an der Gründung des „Zentralkomitees der Arbeiter“ beteiligt. Er wurde dessen Präsident und Herausgeber seines publizistischen Organs „Das Volk“. Als Vorsitzender des Berliner „Vereins der Berliner Buchdruckergesellen“ leitete er Ende April und Anfang August zwei Streiks mit unterschiedlichem Erfolg.

Er war einige Zeit später maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des ersten allgemeinen Arbeiter-kongresses beteiligt. Nachdem der Kongress die Gründung der „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung“ beschlossen hatte, war es vor allem Borns organisatorisches Talent, das den Erfolg der Bewegung ausmachte. Nach dem Sieg der Gegenrevolution in Preußen wurde Leipzig Sitz der Organisation. Dort gab Born als Chefredakteur die Vereinszeitschrift „Verbrüderung“ heraus.

 

Born entfernte sich in dieser Zeit angesichts aktiver politischer Gestaltungsspielräume inhaltlich von den Theoretikern Marx und Engels. In der letzten Phase der Revolution beteiligte sich Born während der so genannten Reichsverfassungskampagne (*) zum Teil am Barrikadenkampf, so zum Beispiel während des Maiaufstandes in Dresden, später auch in Baden und Böhmen am Widerstand der Radikaldemokraten gegen die Kräfte der Reaktion, die die Märzrevolution bis Juli 1849 endgültig niederschlugen. Nach dem Ende der Revolution emigrierte er in die Schweiz. Hier wurde er später Schweizer Staatsbürger.

Zunächst arbeitete er als Lehrer in Küsnacht im Kanton Zürich. Im Jahr 1860 wurde er für etwa zwanzig Jahre Professor am Gymnasium und der Akademie von Neuchâtel. Später war er Redakteur der „Basler Nachrichten“ und lehrte als Honorarprofessor an der Universität Basel deutsche und französische Literatur. Dabei widmete er sich unter anderem auch dem Werk von Heinrich Heine (1797-1856) und war Herausgeber der Erinnerungen von Jodocus Donatus Hubertus Temme (1798-1881).

 

Werke:

 

 

  • (Anonym erschienen): Der Verein zur Hebung der arbeitenden Klassen und die Volksstimmen über ihn. Berlin, 1845.
  • Beaumarchais. Vortrag, gehalten im Bernaullianum in Basel. Basel, 1881.
  • Buch der Lieder von Heinrich Heine. Mit einer biographisch-literarhistorischen Einleitung von Stephan Born. Stuttgart, 1902.
  • Temme, Jodokus Deodatus Hubertus: Erinnerungen. Hrsg. von Stephan Born. Leipzig 1883.
  • Erinnerungen eines Achtundvierzigers. Berlin, 1978 [erstmals erschienen Leipzig, 1898]
  • Die Verbrüderung : Correspondenzblatt aller deutschen Arbeiter. Erschienen: Leipzig: [1848], [Probenr.](25. Mai); 1848,1(1. Juni)-33(29. August); 1.1848,3.Okt. = Probe-Nr. 1/2 – 3. 1850, 29. Juni
  • Das Volk : Organ des Central-Komitees für Arbeiter. Eine sozialpolitische Zeitschrift. (Neuausg. Leipzig 1923)

 

Literatur

  • Helga Grebing: Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung. München, 1966. S.43f.
  • Detlef Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848-1983. Frankfurt, 1983 S.36ff.
  • Paul Mayer: Born, Stephan. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 467.
  • Tenfelde, Klaus: Die Entstehung der deutschen Gewerkschaftsbewegung: Vom Vormärz bis zum Ende des Sozialistengesetzes. In: Ulrich Borsdorf (Hrsg.): Geschichte der Deutschen Gewerkschaften. Von den Anfängen bis 1945. Bonn, 1987 S.51f., S.55-57, S.97
  • Franziska Rogger: „Wir helfen uns selbst!“: Die kollektive Selbsthilfe der Arbeiterverbrüderung 1848/49 und die individuelle Selbsthilfe Stephan Borns; Borns Leben, Entwicklung und seine Rezeption der zeitgenössischen Lehren. Erlangen. 1986

 

(*)Die Reichsverfassungskampagne hatte die Anerkennung der vom ersten gesamtdeutschen und demokratisch gewählten Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung, ausgearbeiteten „Paulskirchenverfassung“ zum Ziel. Ausgelöst wurde die Kampagne nach der Ablehnung der ihm angebotenen Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV und der Auflösung der Nationalversammlung. Deren übriggebliebene Parlamentarier wichen für wenige Wochen nach Stuttgart, der Hauptstadt des Königreichs Württemberg, ins sogenannte „Rumpfparlament“  aus, bis auch diese Versammlung von württembergischen Truppen gewaltsam aufgelöst wurde.

In der Folge dieses Aufrufs kam es zu republikanisch motivierten Aufständen, vor allem im Großherzogtum Baden, wo für kurze Zeit eine Republik ausgerufen wurde.

Mit der militärischen Niederschlagung dieses letzten Aufbäumens der Revolutionäre durch vor allem preußische Truppe  endete die Märzrevolution von 1848/1849 in den Staaten des Deutschen Bundes,  zuletzt am 23. Juli 1849 mit der Kapitulation der Bundesfestung Rastatt,  der letzten Bastion der badischen Revolutionäre, vor preußischen Belagerern.

 

 

Brandt, Alfred

* 18. Mai 1895 in Waldsee (Kreis Gnesen), +  1945 bei Stolp erschossen

 

Gymnasium, Ausbildung in der Landwirtschaft. 1914 freiwillige Meldung zum Kriegsdienst. Nach Kriegsende engagierte er sich in Freikorps und  im „Grenzschutz Ost“ hatte er von 1920 bis 1929 eine führende Stellung.

Bis 1924 Mitglied der Deutsch- Völkischen Freiheitspartei (*). Ab 01. Oktober 1930 Mitglied der NSDAP.

Erwarb in Pommern ein Gut und war ab August 1931 Kreisleiter und Kreisbauernführer in Rummelsburg. Anfang 1933 Landrat in Rummelsburg.

Im Herbst 1934 wurde B. wegen Differenzen mit dem Oberpräsidenten und Gauleiter Franz Reinhold Schwede-Coburg (1888-1960) seines Amtes enthoben. Bis Ende 1939 Abschnittsfachberater im agrarpolitischen Apparat der NSDAP. Vom 01. Jan. 1940 bis 1944 Kreishauptmann in Puławy (Generalgouvernement Polen). In Dezember 1944 in den Warthegau abgeordnet.

 

Lit.:

  • Roth, Markus: Herrenmenschen. Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen. Göttingen 2009S.94/95 und S.462

(*)Die Deutschvölkische Freiheitspartei (Kurzbezeichnung DVFP, zeitgenössisch auch DFP) war eine radikal völkische  Partei in der Weimarer Republik. Die Partei propagierte mit einem radikal rassistischen, antikommunistischen und antisemitischen Programm eine völkische Diktatur. Die DVFP entstand im Dezember 1922 als Abspaltung der Deutschnationalen (DNVP). 1923 wurde die wahrscheinlich an Putschplänen beteiligte Partei vorübergehend verboten. 1924 ging die DVFP eine Listenvereinigung mit Ersatzorganisationen der seinerzeit verbotenen NSDAP ein, die Anfang 1925 zerbrach. Im Konkurrenzkampf mit der NSDAP war die ab 1925 als Deutschvölkische Freiheitsbewegung (DVFB) auftretende Partei bald unterlegen und versank spätestens 1928 in der Bedeutungslosigkeit.

 

 

Brandt, Christoph

*22.Aug.1938 in Schneidemühl; + 05. Nov. 2011 in

 

1958 Abitur an der Erweiterten Oberschule in Bad Doberan. Anschließend Lehre als Elektromonteur.

Bis 1968  Besuch der Ingenieurschule in Wismar und Ausbildung zum Ingenieur für Schiffselektotechnik.

Tätig als Abteilungsleiter Technik im VEB Kombinat Getreidewirtschaft Rostock von 1975 bis 199o. Berufsbegleitend bis 1977 Studium der Informationstechnik.

  1. trat 1968 der CDU bei.

Nach der Wende vom 18. März bis zum o2. Oktober 1990 Mitglied der Volkskammer (CDU-Fraktion) für den Wahlkreis 13 (Rostock).

Von 1991 bis 1998 war er Mitglied des Landtages von  Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.

 

 

 

Brandt, Heinrich August

*02. Aug. 1789 in Lakie bei Schneidemühl, +23. Jan. 1868 in Berlin

 

1807 Fähnrich im 2. Westpreußischen Reservebataillon.1807 Feldwebel in einem Regiment in Sochaczew.

1808-1812 Secondelieutnant im 3. Corps der Legion de la Vistule (Herzogtum Warschau).1808-1811 Teilnahme am Spanienfeldzug Napoleons. 1812 Premierlieutnant. 1812 Teilnahme am Russlandfeldzug Napoleons und 1813 Teilnahme an der Schlacht bei Leipzig.

1815-1816 Kapitän und Kompaniechef im 7. Regiment der neugebildeten polnischen Armee.

1817 Eintritt in  die preußische Armee. Verschiedene militärische Aufgaben (u.a. in den 1830er Jahren Übernahme verschiedener diplomatischer Missionen sowie militärischer Privatlehrer des Prinzen Waldemar von Preußen ).

1848 Chef des Generalstabes des 5. Armeekorps in Stettin.

Von März bis Juli 1848 Kommandeur der 10. Infanterie-Brigade in Posen.

1857 Austritt aus der preußischen Armee im Range eines Generals der Infanterie.

Vom 09. bis 18. Juni 1848 vertrat er die Provinz Posen als Fraktionsloser in der Frankfurter Nationalversammlung.

Von 1849 bis 1852 war er Abgeordneter des Preußischen Landtags.

 

Lit.:

  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989 S.98
  • Best, Heinrich/Weege, Wilhelm : Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/1849 Düsseldorf 1988 S.105/106
  • Autobiographie : Aus dem Leben des Generals der Infanterie Dr. von Brandt. 3 Bände Berlin 1868-1882

 

 

 

Brandt , Heinz

* 16. August 1909 in Posen; † 8. Januar 1986 in Frankfurt am Main

 

Der Sohn einer jüdischen Posener Familie studierte Volkswirtschaft in Berlin. 1931 trat er der KPD bei, wo er zur innerparteilichen Oppositionsströmung-  den sogenannten Versöhnlern (*) gehörte. 1933 nach der Machtübernahme durch die NSDAP gab er die illegale kommunistische Betriebszeitung „Siemens-Lautsprecher“ mit heraus. 1934 wurde er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, nach deren Verbüßung wurde er 1940 in das KZ Sachsenhausen gebracht. Von dort wurde er 1942 ins KZ Auschwitz deportiert. Dort beteiligte sich Brandt an der Dokumentierung des Vernichtungsprozesses, die aus dem Lager herausgeschmuggelt werden konnte und in die Hände der Alliierten gelangte. 1945 wurde Brandt in das KZ Buchenwald überstellt und erlebte dort die Befreiung. Er gelangte nach Berlin, wurde wieder Mitglied der KPD und bekam eine Anstellung bei der Stadtverwaltung als Mitarbeiter des unter der Leitung von Karl Raddatz (1904-1970) stehenden Hauptausschusses „Opfer des Faschismus“. Ende 1945 wurde er Abteilungsleiter für Pressearbeit bei der KPD in Berlin und nach der Vereinigung für die SED. 1949/50 besuchte er die Parteihochschule Karl Marx und wurde anschließend Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin, zuständig für Propaganda (Schulung) und später für Agitation.

Während des Streiks am 16. Juni 1953 erwirkte Brandt eine Herabsetzung der hohen Arbeitsnormen, die im Zuge des „Neuen Kurses“ der SED nicht herabgesetzt waren. Während des Aufstandes vom 17. Juni 1953 versuchte Brandt, die Demonstrationen zu kanalisieren, da er sie als Tragödie empfand: Der vorher eingeleitete Neue Kurs der SED war gefährdet, Walter Ulbrichts (1893-1973) Machtposition erneut gestärkt. Im Zuge der Zaisser-Herrnstadt-Affäre (*) wurde er von seinem Posten als Sekretär im August 1953 entbunden und erneut als Abteilungsleiter für die Westberlin-Arbeit der SED eingesetzt. Am 4. August 1954 erhielt er eine strenge Rüge wegen „unmoralischen Verhaltens“ und ein Jahr Funktionsverbot. Er wurde in einen Verlag versetzt.

1956 nahm Brandt über alte Bekannte im Westen Verbindung mit dem Ostbüro der SPD (*)auf. Bis zu seiner Flucht 1958 berichtete er über oppositionelle Strömungen in der DDR, die er durch die Zusammenarbeit mit dem Ostbüro der SPD stärken wollte. Nach dem 20. Parteitag der KPdSU konnte Brandt nach Moskau reisen, um dort das Schicksal seiner Geschwister zu erkunden. Er erfuhr, dass sein Bruder den Stalinschen Repressionen zum Opfer gefallen, seine Schwester nach Sibirien verbannt worden war. Im September 1958 floh Brandt in die Bundesrepublik, da er eine Verhaftung zu befürchten hatte. Er fand eine Anstellung als Redakteur beim IG-Metall-Organ „Metall“. Am 16. Juni 1961 wurde er in die DDR entführt. 1962 wurde er zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt, u. a. wegen des Vorwurfs, Beziehungen zum Ostbüro der SPD unterhalten zu haben.

Eine weltweite Kampagne der IG Metall, von Linkssozialisten, Amnesty International und Bertrand Russell (1893-1973) führte 1964 zu seiner Freilassung. Nach der Rückkehr in die Bundesrepublik stritt Brandt für einen humanen Sozialismus. Ein enger Kontakt bestand zu seinem Großcousin Erich Fromm (1872-1970). Beide betonten die Notwendigkeit einer moralischen Linken, die überall gegen Unterdrückung und Entrechtung eintritt.

Als IG-Metall-Redakteur hatte Brandt eine gewisse Diskursmacht in den späten 60er Jahren und den 70er Jahren. Allerdings verhielt er sich weitgehend organisationsloyal, erst nach seiner Pensionierung 1974 agierte Brandt sehr offen in der sozialistischen Linken. 1977 kritisierte Brandt die einseitige Pro-Atomkrafthaltung vieler Gewerkschafter und gründete gemeinsam mit anderen DGB-Mitgliedern die gewerkschaftliche Antiatomkraftinitiative Aktionskreis Leben, was ihm ein Ausschlussverfahren seitens des IGM-Vorstandes einbrachte, welches jedoch schnell – auch bedingt durch eine breite innergewerkschaftliche Solidaritätskampagne – eingestellt wurde.

 

Werke

 

* Heinz Brandt: Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost und West. Erweiterte Ausgabe. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M 1975.

 

Literatur

  • Knud Andresen: „Verräter an Staat und Partei?“ – Heinz Brandt und das Ostbüro der SPD 1956 bis 1958. In: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. 39, Berlin 2004
  • Knud Andresen: Heinz Brandt – Ein streitbarer Intellektueller und die IG Metall. In: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen. Heft 35, Bochum 2006
  • Anja Mihr: Die internationalen Bemühungen von Amnesty International im Fall Heinz Brandt. In: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. 37, Berlin 2001
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2. München 2001 S.69
  • Müller-Engbers, Helmut u.a. (Hrsg.):Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. Berlin 2001 S.102/103
  • Niemann, Marion/Herbst, Andreas (Hrsg,): SED –Kader. Die mittlere Ebene. Biographisches Lexikon 1946 bis 1989. Paderborn u.a. 2010 S.128-130

 

(*) Versöhnler war die abwertende Bezeichnung für eine innerparteiliche Oppositionsströmung innerhalb der KPD während der Weimarer Republik und des Dritten Reiches. Die V. traten für eine einheitsfrontpolitik mit der SPD und eine aktive Mitarbeit in den freien Gewrkschaften ein und standen der ab 1928 forcierten Linie der „Sozialfaschismus- und RGO-Politik“ ablehnend gegenüber.

 

(*) Rudolf Herrnstadt (*18.März 1903 in Gleiwitz ; † 28. August 1966 in Halle )

Herrnstadt, der nach seinem abgebrochenen Jurastudium von seinem Vater gezwungen wurde, zwei Jahre in einer Papierfabrik zu arbeiten, wurde sehr früh zu einem leidenschaftlichen Kommunisten. Um der kommunistischen Idee zum Durchbruch zu verhelfen, war er für den sowjetischen Militär-Nachrichtendienst GRU  tätig. Er emigrierte 1939 in die Sowjetunion, wo er ab 1944 im Nationalkomitee Freies Deutschland tätig war. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Herrnstadt nach Berlin zurück, war zunächst in der  DDR  Chefredakteur der Berliner Zeitung und an der Gründung des Berliner Verlags und der Zeitung „Neues Deutschland“ wesentlich beteiligt. Von 1950 bis 1953 war er Mitglied im ZK der SED  Er setzte sich in den frühen 1950er Jahren für eine Demokratisierung innerhalb der SED ein, verlor aber den Machtkampf gegen Walter Ulbricht 1953 verlor Herrnstadt gemeinsam mit anderen Opponenten gegen Ulbricht wegen „parteifeindlicher Fraktionsbildung“ den Sitz in Politbüro und ZK und im selben Jahr auch seine Stellung als Chefredakteur von ‚Neues Deutschland‘. 1954 wurde er auch aus der SED ausgeschlossen.Bis zu seinem Lebensende war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralarchiv Merseburg tätig.

(*) Das Ostbüro der SPD war die organisatorische Basis der Arbeit von Funktionären und Mitgliedern der SPD nachder Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED am 21. April 1946. Da eine freie und legale Parteiarbeit der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone nach der Zwangsvereinigung nicht mehr möglich war, wurde 1946 das sog. „Ostbüro“ gegründet, um die Arbeit in der Illegalität fortführen zu können. Im Jahr 1966 wurde das Ostbüro in das „Referat für gesamtdeutsche Fragen“ in der SPD umgewandelt.

Wesentliche Aufgaben

+ Unterstützung der verbliebenen Mitglieder in der DDR zur Wiedergründung einer SPD

+ Bertreuung von politischen Gefangenen

+ Schmuggel von Propagandamaterial in die SBZ bzw. DDR

+Informationsbeschaffung über Personen, Gesellschaft und Wirtschaft in der SBZ bzw. DDR

 

Brauer, Fritz

* 18.Oktober 1883 in Buchen (Kreis Wirsitz) , + Juni 1970

 

Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Bromberg, danach  Ausbildung zum  Forstwirt.

Bis 1918 Berufsoffizier und von 1919 bis 1943 Geschäftsführer land – und holzwirtschaftlich-technischer Fachorganisationen. Wegen Konflikten mit NS-Organen erfolgte von 1943 bis 1945 eine freiberufliche Tätigkeit.

1945 Mitbegründer der CDU und Mitglied des CDU-Vorstandes Potsdam.

Ab 1946 Leiter des Ausschusses für Forstwirtschaft, Landeskultur und Naturschutz beim CDU-Hauptvorstand.

Von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Landtages Brandenburg.

1947 bis 1951 Mitglied des Hauptausschusses und des Hauptvorstandes der „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ als einziger Vertreter einer „bürgerlichen Partei“ in diesem Gremium.

Ab 1949 Mitglied des Deutschen Volksrates und anschliessend bis 1954 Abgeordneter der Volkskammer.

1953/54 Mitglied des Hauptvorstandes der CDU.

 

 

Brodek , Paul

* 16. Oktober 1884 in Krotoschin, + 05. Sept.1942 in Bremen

Nach seiner Schulzeit begann er eine kaufmännische Lehre in Berlin. Als Matrose auf verschiedenen Überseedampfern und der Militärzeit kam er 1910 nach Brake. Paul Brodek wurde von seiner Gewerkschaft als Streikleiter anlässlich des großen Seemannsstreikes an die Unterweser entsandt. Den Arbeitskampf führte er als geschulter Gewerkschaftler und guter Organisator zwar erfolgreich durch, es kam aber zu einem Konflikt mit der Obrigkeit. So wurde er mehrere Monate in Untersuchungshaft genommen; letztlich musste er aber wieder freigelassen werden, da ihm eine strafbare Handlung nicht zur Last gelegt werden konnte.
Er blieb in Brake, fand zunächst Arbeit im Hafen und war später Lagerleiter beim Konsum. Bei Beginn des 1.Weltkrieges wurde er sofort eingezogen und erlitt 1917 eine Verwundung, die ihn wehruntauglich machte. Er wurde jedoch bei den Thyssenwerken in Mühlheim/Ruhr dienstverpflichtet und kam erst nach der Revolution nach Brake zurück, wo er sofort in den örtlichen Arbeiter- und Soldatenrat gewählt wurde.
Im Jahre 1919 wurde er Leiter des neugeschaffenen Arbeitsnachweises (Arbeitsamt) in Brake, 1931 zusätzlich auch noch Direktor beim Arbeitsamt Wesermünde-Bremerhaven. Paul Brodek war während der Zeit der Weimarer Republik Ratsherr und Mitglied des Magistrats der Stadt Brake und von 1923 bis 1931 Abgeordneter des Oldenburgischen Landtages. Die schlimme Zeit begann für ihn 1933. Als Sozialdemokrat und jüdischer Herkunft war er den neuen Machthabern besonders verhasst. So musste er 1938 sein Eigenheim in der Kirchenstraße 50 verkaufen (Gedenktafel am Hause) und in das „Judenhaus“ ziehen, aus dem er nach den Novemberprogromen 1938 über Bremen in das KZ Sachsenhausen kam.
Nach der Entlassung fristete er als Hilfsarbeiter in Bremen ein kärgliches Leben, bevor er 1941 wieder ins Konzentrationslager kam. Durch die unmenschliche Behandlung dort verschlechterte sich sein Gesundheitszustand so sehr, dass man ihn noch einmal frei ließ. Er war jedoch schon völlig gebrochen und verstarb am 5. September 1942. Vorher hatte er auch noch seine bescheidene Wohnung in Bremen durch einen Luftangriff verloren.
Die Stadt Brake hat diesen Mitbürger  mit der Paul-Brodek-Straße geehrt.

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz : Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995
  • Schumacher,Martin:(Hrsg.): MdR,die Reichstagsab-geordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 – 1945. Düsseldorf ²1992.S.106
  • Schumacher, Paul: M.d.L. Das Ende der Parlamente 1933 und die Abgeordneten der Landtage und  Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.19
  • Herlemann, Beatrix: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919-1945. Hannover 2004 S.63

 

 

Brodnicki, Wladislaw Constantin von

*17. Mai 1837 in Miloslawice/Krs.Wongrowitz, 27. Jan.1908

 

Leutnant a.D. ab 1903 Privatier. Mitglied des preussischen Abgeordnetenhauses.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.85

 

 

Brudzewo, Mathias Graf von

*13.Oktober 1869 in Posen

Besuchte Gymnasien in Berlin, Schneidemühl und in Lissa/Posen. Nach einem zweijährigem Studium an der Universität München Kunstmaler in München. Anschließend aktiver Offizier im Leib-Kürassier-Regiment Nr.1.1897 reichte er seinen Abschied ein. Seit 1896 als Landwirt tätig. Mitglied des Reichstages seit 1903.

 

 

Brunk, Ernst

* 20. März 1883 in Bromberg, + 30.August 1942 in Bonn

 

Nach seiner Reifeprüfung im Jahr 1901 durchlief B. eine Offizierslaufbahn bei der preußischen Armee, die er als königlich-preußischer Hauptmann beendete.

Später war er als Beauftragter des Vorstandes der Gelsenkirchener Bergswerks –AG sowie als Industrieller in Berlin-Zehlendorf tätig.

  1. war von 1921 bis 1932 Mitglied des Preußischen Landtages. Im November 1932 erfolgte seine Wahl in den Reichstag, dem er bis 1933 angehörte.

 

Lit.:

 

  • Wenzel, Georg: Deutsche Wirtschaftsführer. Hamburg 1929 S.27
  • Schumacher,Martin:(Hrsg.): MdR,die Reichstagsabge-ordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 – 1945. Düsseldorf ²1992.S.176

 

  • Emil Buchholz  

 

*17.05.1884 in Driewcen (Kreis Birnbaum); + Ermordet am 30.04.1945 in der Umgebung von Schwerin (Todesmarsch/KZ Sachsenhausen)

 

Emil Buchholz wurde als Arbeitersohn am 17. Mai 1884 in Driewcem im Kreis Birnbaum (heute: Drzewce) geboren. Er absolvierte eine Maurerlehre und trat 1904 der SPD  und der Konsum-genossenschaft bei. 1910 kam er als Angestellter in den Dienst der AOK, seit 1916 war er in Schöneberg bei Berlin tätig. Zwischen 1929 und 1933 gehörte Emil Buchholz dem Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft Berlin an und vertrat die SPD in der Berliner Stadtverordnetenversammlung.

Aufgrund der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung vom 7. Juli 1933 wurde Buchholz das Mandat entzogen und nach dem Gesetz zur Wiederhersstellung des Berufsbeamtentums  entließ ihn die gleichgeschaltete AOK am 14. September 1933 aus politischen Gründen. In den nächsten neun Jahren verdiente er sich den Lebensunterhalt als Vertreter der Volksfürsorge. Im September 1942 stellte ihn die AOK wieder ein, weil infolge der Wehrpflicht kompetente Mitarbeiter ihren Einsatz an der Front leisten mussten. Im Rahmen der „Aktion Gitter“ einer Verhaftungswelle – auf der Grundlage von vorbereiteten Listen – nach dem misslungenen Attentat auf Hitler, kam Emil Buchholz mit 68 Jahren in das KZ Sachsenhausen. Hier wurde er dem Kommando der Kraftfahrtechnischen Versuchsanstalt der SS zugeteilt. Kurz vor Ende des Krieges wurden die Häftlinge von der SS vor der heranrückenden Roten Armee auf den Todesmarsch nach Mecklenburg getrieben. Wahrscheinlich wurde Emil Buchholz dabei zwischen dem 22. und 30. April 1945 von der SS erschossen.

 

Buchowski , Cajetan von

* 1812 in Posen ; † 12. Januar 1900  in Pomarzanki

Cajetan von Buchowski war Rittergutsbesitzer in Pomarzanki im Landkreis Wongrowitz. Von 1867 bis 1871 war er Abgeordneter des Wahlkreises Bromberg 5 (Gnesen, Wongrowitz) im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Hierdurch war er auch Mitglied des von 1868 bis 1870 tagenden Zollparlaments. Er gehörte im Reichstag der Polnischen Fraktion (*)  an.

Lit:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904. S. 64
  • Haunfelder, Bernd/ Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Düsseldorf 1989,S.386

(*) Die Polnische Fraktion war von 1871 bis 1918 die Vertretung der polnischen Minderheit im Deutschen Reichstag. Im preußischen Landtag bestand ein Zusammenschluss polnischer Politiker bereits seit 1849. Dieser wurde spätestens seit den 1850er Jahren bereits polnische Fraktion genannt.

Bublitz, Karl

*19.Jan .1882 in Posen – + 1945 verschollen nach KZ-Haft
Stadtverordneter
1926 – 1933 Wahlkreis 2 Tiergarten (SPD)

 

Der kaufmännische Angestellte wurde 1910 beim Zentralverband der Angestellten, der damaligen Angestelltengewerkschaft. Vor dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein. Von 1917 bis 1922 gehörte er der USPD an und kehrte dann zur SPD zurück. Vom Oktober 1928 war er beim Arbeitsamt Nord in der Erwerbslosenfürsorge angestellt, 1931 wurde er Direktor des Arbeitsamts Nord. Im März 1933 wurde er aus politischen Gründen entlassen.

Karl Bublitz wurde im Juli 1933, nach bereits erfolgtem Verbot der SPD, auf der Grundlage der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung, das Mandat entzogen und ihm die Tätigkeit als Stadt- und Bezirksverordneter verboten.
Er verlor auch seinen Vorstandsposten bei der AOK der Stadt Berlin und seine Stelle als Direktor des Arbeitsamtes. Hinzu kam die Verfolgung der Familie Bublitz aus „rassischen“ Gründen, denn seine Frau Klara war jüdischer Herkunft. Nach dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 geriet Bublitz ins Visier der Terrormaßnahmen der „Aktion Gewitter“. Er wurde am 22. August 1944 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht. Anfang 1945 gab es ein letztes Lebenszeichen von ihm in Form eines Briefes an seine Frau, seit dem galt er als verschollen. Das Amtsgericht Tiergarten erklärte den 8. Mai 1945 zum Todesdatum von Karl Bublitz.

 

 

 

Buddenbrock, Alfred Heinrich Theodor Freiherr von

*14. Feb.1827 in Nakel, + 27.April 1905 in Berlin

 

Von 1844 bis 1872 aktiver Offizier, dann Landwirt.

Ab 1894 Privatier.

Er vertrat den Wahlkreis Liegnitz 3 im preussischen Abgeordnetenhaus.

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.89

 

 

Busse, Georg (Dr. jur.)

 

* 22 .Jan.1871 in Tuplady (Krs. Schubin), + 24. Jan. 1945 zwischen Czarnikau und Margonin

 

Der Sohn eines Gutsbesitzers besuchte das Gymnasium in Bromberg und studierte anschließend Jura und Volkswirtschaft in Leipzig, Jena und Breslau. Nach seiner Promotion war er von 1899 bis 1902 als Regierungsassesor tätig.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Bewirtschaftung des Gutes Tuplad.

Von 1905 bis 1918 war er Abgeordneter des Provinziallandtages in Posen und ab 1912 auch Mitglied des Provinzialausschusses.

Dem Preußischen Landtag gehörte B. von 1908 bis 1918 an.

Nach der Wiedererrichtung des polnischen Staates setzte er seine politische Arbeit im Rahmen der deutschen Minderheit fort. Von 1922 bis 1936 war er im polnischen Senat vertreten.

Als Vorsitzender des Hauptvorstandes der Westpolnischen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (WELAGE)(*) wirkte er bis 1935.

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges unter schweren Misshandlungen verschleppt.

  1. wurde 1945 mit seinem Treck auf der Flucht von der sowjetischen Armee eingeholt und mit weiteren Flüchtlingen auf der Landstrasse zwischen Czarnikau und Margonin erschossen.

 

Lit.:

  • Saat und Ente. Lebensbilder Posener deutscher Landwirte. Hameln 1978 S.29/30
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1876-1918. Düsseldorf 1988 S.93

 

(*) Am 09. Nov. 1923 gegründet. 1938 zählte sie 10.900 Mitglieder, die in 203 Orts- und 27 Kreisgruppen zusammengefasst waren und über eine Besitzfläche von 300 TSD Hektar verfügten. Die Aufgabe der WELAGE bestand in der Wahrung der Interessen der deutschen Bauern und Landwirte soie in der beruflichen Förderung ihrer Mitglieder. Zu diesem Zweck wurden landwirtschaftliche Fortbildungskurse, Jungbauerntagungen, Vortragsreihen, Flur- und Lehrschauen usw abgehalten. Daneben wurdeVersuchs – uns Wirtschaftsringe eingerichtet und bei den angeschlossenen Betrieben Millchkontrollen durchgeführt. Die Mitglieder wurden in allen landwirtschaftlichen sowie in rechtlichen Fragen beraten.

 

Calujek, Anton

*23.Okt. 1889 in Smalitz (Kreis Gostyn); + 15. Jan.1962 in Gelsenkirchen

 

  1. kam bereits als Kind nach Gelsenkirchen.

Der gelernte Schlosser wechselte in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Bezirksleiter der Gewerkschaft der Eisenbahner  nach Mainz über.

Nach der Auflösung der Gewerkschaften durch die National-sozialisten schlug er sich hauptsächlich als Handelsvertreter und Versicherungsagent durch.

1944 wurde er in das KZ Dachau eingeliefert.

Nach 1945 reaktivierte er in Mainz die Gewerkschaft der Eisenbahner und 1947 erfolgte seine Berufung als Ministerial-direktor in das Ministerium für Wirtshaft und Verkehr.1946 wurde er in den Mainzer Stadtrat und in den Kreistag des Landkreises Bingen gewählt.

Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz.

 

Lit.:

  • Neubach, Helmut : Ostdeutsche Abgeordnete im Landtag von Rheinland-Pfalz 1947-1985. In : Jahrbuch der schlesischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Breslau XXVI/1985 Sigmaringen 1985 S.267/268

 

 

 

Cegielski, Hipolit (Dr.phil.)

 

*06. Jan.1815 in Lawki b.Gnesen, + 01. Dez. 1868 in Posen

 

1835 bis 1839 Studium der klasischen Philologie, der Literatur und Geschichte in Berlin, daneben Studium der Philosophie.1840 Promotion und tätig als Gymnasialllehrer in Posen.

Später Entlassung aufgrund Umgangs mit „konspirativen Kräften“. Kaufmännische Lehre in Berlin.

1855 Gründung einer Maschinenfabrik für landwirtschaftliches Gerät. 1848 Gründer der Zeitung „Gazeta Polska“ und 1859 Gründer des „Dziennik“- beide Periodika extrem nationalpolnisch ausgerichtet.

Gehörte der Stadtverordnetenversammlung in Posen sowie dem preußischen Abgeordnetenhaus an.

 

Cegielski, Stephan Cäsar Zephirin

* 26. August  1852 in Posen; † 29. Januar 1921 in Posen

Cegielski war der Sohn des Maschinenfabrikanten Hipolit Cegielski (1813-1868), besuchte die Realschule in Posen und machte 1870 das Abitur. Bis 1873 besuchte er die Gewerbe-Akademie in Berlin. Er unternahm umfangreiche Reisen und wurde 1879 Sekonde-Lieutenant in der Reserve des Posenschen Ulanenregiments Nr. 10, 1897 nahm er seinen Abschied. Seit 1880 war er Direktor der väterlichen Fabrik H. Cegielski – Poznań zur Produktion landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte, Dampfmaschinen, Brennereien und Kesselanlagen, die 1846 gegründet wurde. 1899 wandelte er diese in eine Aktiengesellschaft um. Weiter war er Mitglied der Handelskammer in Posen.

Von 1884 bis 1893 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 1 (Stadt Posen) und gehörte der Polnischen  Fraktion an.  Von 1898 bis 1903 vertrat er als Abgeordneter den Wahlkreis Posen 4 (Kosten – Schmiegel – Grätz), außerdem war er von 1890 bis 1904 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. 1904, S. 55
  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.287
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf:. 2007, S. 281-283 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

Chełkowski, Franz  Kembtan von

*06.April 1839 in Kuklinow (Krs. Krotoschin), + 02. März 1893 in Starygrod (Krs. Krotoschin)

 

Studium der Rechte in Berlin. Praktische landwirtschaftliche Ausbildung.Rittergutsbesitzer und Verwalter seiner Güter.

Aktionär und  Mitbegründer der Landwirtschaftsbank in Posen.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.94

 

Chełmicki , Julian Stanisław (Dr.med.)

* 18. April 1825 in Gnesen; † 31. Mai 1909 in Zydowo ( Kreis Gnesen)

Chelmicki besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Posen. Er studierte Medizin an der Universität in Berlin und promovierte 1850. 1877 zog er nach Posen und übernahm er nach dem Tod seines Vaters das Rittergut Żydowo und betrieb dort Landwirtschaft.

Er war Abgeordneter zum Provinzial-Landtag für den Kreis Gnesen und Kreistags-Mitglied des Gnesener Kreises. Von 1884 bis 1890 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 5 ( Gnesen, Wongrowitz, Witkowo ) und die Polnische Fraktion. Zwischen 1889 und 1893 war er auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Mitbegründer der polnischen Zeitung „Lech“ in Gnesen.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. 1904, S. 64.
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.288
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988. S. 94

 

 

Chlapowski , Alfred von Chlapowo (polnisch: Alfred Stefan Franciszek Chłapowski )

* 5. Oktober 1874 in Bonikowo; † 19. Februar 1940 in Kościan

Chlapowski besuchte das Mariengymnasium in Posen von 1888 bis 1894 und studierte Nationalökonomie (bes. Agrarpolitik), Jura, Geschichte und Philosophie in Berlin, Paris, Halle und München bis 1899, wo er auf der staatswirtschaftlichen Fakultät promovierte. Er übernahm die Güter Bonikowo und Chlapowo  1897 bzw. 1899. Bis 1903 bereiste er die meisten Länder Europas, Kleinasien, Nordafrika und den Sudan. Er war Mitglied des Verwaltungsrats bzw. Vorstand verschiedener Genossenschaften bzw. Vereine und Mitarbeiter verschiedener politischer Zeitungen.

Ab März 1904 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 7 (Schrimm, Schroda) und gehörte der  Polnischen Fraktion an. Sein Mandat legte  er am 20. November 1908 nieder.

1922 wurde er Abgeordneter des Sejms  und vom 27. Oktober bis 14. Dezember 1923 war er polnischer Landwirtschaftsminister. Am 22. März 1924 wurde er Gesandter und vom 27. November 1924 bis 20. Juni 1936 war er polnischer Botschafter in Frankreich. Nach dem deutschen Überfall auf Polen  wurde er verhaftet und starb im Gefängnis in Kościan (Kosten).

 

Lit.:

  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.288

 

Chlapowski, Anton von polnisch: Antoni Chłapowski

* 15. Januar  1855 in Ustaszewo (Kreis Wongrowitz) ; † nach 1918

Chlapowski besuchte das Gymnasium in Posen  und machte das Abitur als Externer  in Wongrowitz. Er studierte Medizin in Breslau und Halle, absolvierte das Staatsexamen in Halle und promovierte  in Leipzig. Er betrieb ärztliche Praxen in West-preußen und Posen und war Badearzt in Zoppot, Landeck und Kolberg. Weiter war er Stadtverordneter in Crone und Posen und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses von 1901 bis 1908. Außerdem war er Mitglied des polnischen Kreis- und Provinzialwahlkomitees bis 1907.

Von 1903 bis 1907 und von 1912 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstages für den Wahlkreis Posen  8 (Wreschen, Pleschen, Jarotschin) und gehörte der  Polnischen Fraktion an

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin:, S. 60
  • Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin 1913, S. 86 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250)
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.288
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.95

 

Chlapowski , Casimir von  polnisch: Kazimierz Chłapowski,

* 24. Dezember 1832 in Turew ( Kreis Kosten)  † 5. März 1916 in Posen

Er besuchte das Gymnasium in Posen und unternahm danach Reisen nach England und Frankreich, um die praktische Landwirtschaft zu erlernen. Sein Gut befand sich in Kopanewo bei Choryn. Während des Kulturkampfes (*) gehörte er dem ultramontanen Lager an und organisierte Kundgebungen in Posen, Gnesen und Thorn.

Zwischen 1902 und 1915 war er Mitglied der Preußischen Ersten Kammer und von 1881 bis 1887 des Deutschen Reichstages für die Polnische Fraktion und vertrat hier den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 5 Kröben.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 58
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.288

(*) Die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche hat ihren Ursprung bereits im Jahr 1864: Schon damals sah sich Papst  Pius IX. genötigt, auf den Liberalismus zu reagieren, der sich in der modernen europäischen Gesellschaft immer weiter durchsetzte. Das Kirchenoberhaupt hielt diese gesellschaftliche und politische Strömung für eine Gefahr, die die Position der katholischen Kirche entscheidend schwächen konnte.

Er ließ daher eine Liste von sogenannten Irrtümern und Irrlehren veröffentlichen, von denen er glaubte, sie schadeten dem Einfluss und dem Standpunkt der katholischen Kirche. Als Irrlehre wurde darin zum Beispiel der Sozialismus bezeichnet. Aber besonders im Liberalismus sah der Papst eine große Gefahr für den Katholizismus.

In vielen liberal ausgerichteten Ländern Europas begann nun ein politisches Ringen mit dem Vatikan das sich vor allem in Deutschland 1870 dramatisch zuspitzte: Beim Ersten Vatikanischen Konzil erklärte sich der Papst für unfehlbar in „Religion und Sitten“, wie es in dem Dogma hieß. In diesem Versuch, die päpstliche Autorität und Einflussnahme zu festigen, sah der deutsche Reichskanzler Bismarck einen Angriff auf den gerade entstandenen deutschen Nationalstaat.

Konnte sich Bismarck als preußischer Staatsmann noch auf die Loyalität der überwiegend protestantischen Bevölkerung verlassen, drohte seine politische Position in einem vereinten Reich, zu dem nun auch sehr viele katholisch geprägte Regionen gehörten, schwächer zu werden.

Hinzu kam, dass sich Bismarck auf politischem Parkett gegen die Zentrumspartei behaupten musste, die der katholischen Kirche nahestand und die Position des Papstes uneingeschränkt unterstützte. Bismarck musste auf diese politische und gesellschaftliche Bedrohung reagieren, um seine Position nicht in Gefahr zu bringen.

 

Der Streit zwischen dem Vatikan und Bismarck brach offen aus, als die Kurie verlangte, Kirchenkritiker aus dem Schul- und Universitätsdienst zu entfernen. Hinzu kam, dass die Geistlichen in den östlichen Reichsgebieten im Religionsunterricht nicht die deutsche, sondern die

 

Chłapowski , Dezydery

* 23. Mai 1788  in Śmigiel; † 27. März 1879

Dezydery Chłapowski trat 1807 in das polnische Heer ein, er wurde Ordonnanzoffizier Napoleons I. (1769-1821) und dann Eskadronschef der Gardekavallerie. Er machte den Feldzug in Russland mit und wusste sich die Gunst Napoleons zu erwerben, nahm jedoch 1813, weil er sich zurückgesetzt glaubte, seinen Abschied.

Nach dem Ausbruch der polnischen Revolution von 1830 (*) schloss er sich den Aufständischen an, wurde von Józef Chłopicki zum Brigadegeneral ernannt und zeichnete sich in der Schlacht bei Grochów aus. Später drang er nach Litauen vor, unterstützte den dortigen Aufstand und unternahm gemeinschaftlich mit Giełgud an der Spitze von 5.000 Litauern einen Angriff auf Wilna, wurde aber zurückgeschlagen und musste sich 1831 über die preußische Grenze zurückziehen. Hier streckte er die Waffen, wurde zur Bezahlung einer bedeutenden Strafsumme verurteilt und verbüßte eine längere Haftstrafe.

Noch im Gefängnis schrieb er ein landwirtschaftliches Standardwerk. Zurück auf seinen Gütern experimentierte er mit neuen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden. Er gehörte ab 1854 der ersten Kammer des preußischen Landtages und später dem preußischen Herrenhaus an.

Lit.:

  • The Polish Biographical Dictionary. Mundelein, 1992  S.63
  • Grot, Zdislaw: Dezydery Chlapowski 1788-1879. Poznan 1983

(*)Der Novemberaufstand von 1830/1831 (auch Polnisch-Russischer Krieg 1830/1831  oder Kadettenaufstand genannt) war der erste größere Aufstand der Polen  nach dem „Wiener Kongress“, der die Unabhängigkeit Polens zum Ziel hatte. Der russische Zar Nikolaus I  wurde in seiner Eigenschaft als König von „Kongresspolen“ für abgesetzt erklärt. Es kam zur Bildung einer nationalen Regierung. Die militärischen Auseinandersetzungen verliefen zunächst für die Polen günstig, bis sie schließlich der Übermacht der russischen Armee erlagen. Vor allem aber gelang es nicht, den Aufstand zu einer wirklich nationalen Bewegung zu machen. Da es zu keinen sozialen Verbesserungen für die Bauern kam, blieben diese abseits. Auch  Adel  und Bürgertum standen nicht geschlossen hinter der Bewegung. Nach der Niederlage kam es zur politischen Emigration zahlreicher Anhänger des Aufstandes. Das Königreich Polen (seit 1815  Kongresspolen) verlor seine Verfassung und die Bürger-rechte wurden eingeschränkt.

 

Chlapowski, Franz von (Dr. med)

+17. Sept. 1846 in Czernowawies (Kr. Kosten), + 10. April 1923 in Zegocinie (Krs.Pleß)

Studium der Medizin in Berlin und Heidelberg.

1872 Arztpraxis in Königlich Hütte/Schlesien.1877 tätig in Breslau und seit 1884 in Posen.1918 Honorarprofessor in Posen.

Mitbegründer und 1. Vorsitzender der  Wissenschafts-gesellschaft der polnischen Akademiker Berlin.

1870 Kriegsfreiwilliger

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard : Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-198. Düsseldorf 1988 S.95

 

Chlapowski , Stanislaus von

Polnisch : Stanisław Chłapowski;

* 12. August 1822 in Posen; † 1. Oktober 1902 in Szoldry bei Schrimm

Chlapowski besuchte das Gymnasium in Posen und absolvierte danach die vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin. Er war Kommandeur des Papstes Pius IX (1792-1878) und Artillerieoffizier und besaß das Rittergut Szoldry. C. war Mitglied des Norddeutschen Parlaments von 1867 bis 1871. Von 1877 bis 1888 war er Mitglied des Preußischen Hauses der Abgeordneten.Weiter war er Mitglied des Provinziallandtages des Großherzogtums Posen von 1852 bis 1893. Ab 1887 gehörte er der Preußischen Ersten Kammer  an.

Von 1881 bis 1884 und von 1893 bis 1898 war er Mitglied des Deutschen Reichstages und vertrat hier den Wahlkreis Posen 6  (Fraustadt). C. gehörte der „Polnischen Fraktion“ an.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. 1904, S. 57-59
  • Phillips, A. (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Berlin. 1883, S. 37
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.288
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.95
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1780. Bearb. von Bernd Haunfelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989.S.389

 

Chlapowski, Thaddäus Baron von polnisch Tadeusz Chłapowski

* 12. Februar 1826 in Turew (Krs. Kosten); † 28. August 1879 ebenda)

 

Thaddäus von Chlapowski war Rittergutsbesitzer auf Gut Turew im Landkreis Kosten. Er studierte Rechtswissenschaft, war als Gerichtsassessor  tätig und übernahm dann die Bewirtschaftung seines Guts.

Von 1859 bis 1867 und von 1870 bis 1873 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Außerdem war Thaddäus von Chlapowski von 1867 bis 1871 Abgeordneter des Wahlkreises Posen 5 (Kröben) im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Hierdurch war er seit 1868 auch Mitglied des Zollparlaments. Er gehörte der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. S. 58
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.288
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S. 94/95
  • Bernd Haunfelder/  Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Düsseldorf 1989

 

Cohnheim, Max , eigentlich Marcus Cohnheim

* 08. Nov. 1826 in Fraustadt, ; † 25. Sept. 1896 in Newark, New Jersey

Cohnheim stammte aus einer jüdischen  Familie in Fraustadt, heute Wschowa. Bis zur Jahrgangsstufe Tertia, die er im Schuljahr 1841/1842 verließ, besuchte er das Königliche katholische Gymnasium von Glogau.  Als Handlungsgehilfe  ist er danach nach Berlin zugezogen. Dort gehörte er zu jenen, die in der Weinstube von Jacob Hippel, einem Treffpunkt junger Intellektueller, ein- und ausgingen. Am 1. Oktober 1847 verpflichtete er sich als „einjährig Freiwilliger“ bei der preußischen Armee

Einige Wochen nach dem Barrikadenaufstand  vom 18. März 1848, dem Höhepunkt der Märzrevolution in Berlin, wurden Cohnheim und Adolph Reich, ein Freund Cohnheims, Mitglieder des Volksvereins. Der Volksverein war eine politische Vereinigung, die für  Urwahlen eintrat, die Vertretung der Interessen von Arbeitern und Besitzlosen verfolgte und nach ihrem Tagungsort  „In den Zelten“  auch Volksverein unter den Zelten genannt wurde. Reich übernahm im April 1848 in diesem Verein die Funktion eines Sekretärs. Als Extrablätter der Zeitung des Volksvereins, der Volks-Stimme, erschienen im April 1848 vier Nummern der Schrift Konstitutioneller Katechismus, einer Flugschrift gegen die Fürsten- und Königsherrschaft, verfasst von Cohnheim und Reich. Von der Resonanz ermutigt unternahmen Cohnheim und Reich anschließend den Versuch, ein Satireblatt zu gründen. Am 1. Mai 1848 erschien Der Satyr. Blatt für offene Meinung und freies Wort. Allerdings scheiterte dieser Versuch schon mit der Erstausgabe. In der Folgezeit arbeitete Cohnheim als Redakteur an der von David Kalisch  herausgegebenen Zeitschrift  „Kladderadatsch  mit. Im Juni 1848 unternahm Cohnheim mit der Flugschrift Republikanischer Katechismus für das deutsche Volk erneut den Versuch, die Revolution anzuheizen. Der Untertitel Von den überflüssigen Fürsten bildete darin den Auftakt einer scharfen Kritik an der monarchischen Staatsform.  Mit dem Ausruf Es lebe die deutsche demokratische Republik! ließ er die Flugschrift, die in hoher Auflage gedruckt wurde und rasch bis in die Rheinprovinz Verbreitung fand  in einem Fanal ausklingen.

Im Juni 1848 denunzierte ein Mitglied des mit dem Volksverein konkurrierenden Patriotischen Vereins  Cohnheim als den Autor des  Republikanischen Katechismus bei den Behörden. Daraufhin begannen sie, Cohnheim wegen des Verdachts auf Hochverrat  zu verfolgen. Er entging seinen Verfolgern, indem er untertauchte. Am 7. Juli 1848 erschien im Amtsblatt ein Steckbrief vom 30. Juni 1848, der den damals 21-Jährigen zur Ergreifung ausschrieb.

Cohnheim flüchtete nach Südwestdeutschland, wo er im September 1848 am Struve- Putsch  teilnahm. Das Verfahren wegen Hochverrats, das in Berlin gegen ihn eröffnet worden war, endete am 28. September 1848 zunächst mit einem Freispruch, wogegen die Staatsanwaltschaft auf Revision appellierte. In seiner Abwesenheit führte die Verhandlung in zweiter Instanz am 9. Juni 1849 zu einer Verurteilung zu langjähriger Haftstrafe.  Im November 1848 wurde Cohnheim in Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Badischen Revolution  in Bruchsal  inhaftiert.   Die Bildung einer badischen Revolutions-regierung  führte im Frühjahr 1849 zu seiner Befreiung. Am 12. Mai tagte ein Freiburger Geschworenengericht rasch für unschuldig befand. Die neue Regierung unter Lorenz Brentano  ernannte Cohnheim in der Phase der sog. „Reichsverfassungskampagne“  sodann zum Zivilkommissär von Wiesloch. Als preußische und hessische Interventionstruppen in Baden  eindrangen, um die Revolution niederzuwerfen, wurde unter dem General Ludwig Mierosławskis  eine badische Revolutionsarmee  aus Linien- und Volkswehr- einheiten  zusammengestellt. Cohnheim bildete in Wiesloch ein Volkswehr-Bataillon, das der 1. Division Badens angehörte .Wenig später, noch im Sommer 1849, wurden die badischen Revolutionstruppen endgültig nieder-gerungen. Dies führte zur erneuten Verhaftung Cohnheims, der anschließend im Amtsgefängnis zu Freiburg  einsaß. Am 21. November 1849 gelang ihm von dort die Flucht in die Schweiz. Ein Gericht des preußischen Armeecorps in Baden ließ Cohnheim am 7. Dezember 1849 wegen „Kriegsverrathes und Entweichung“ steckbrieflich verfolgen. Der Prozess, der ihm in seiner Abwesenheit in Wiesloch gemacht wurde, trug ihm 1851 eine Verurteilung zu acht Jahren Festungshaftstrafe und zu anschließenden acht Jahren Polizeiaufsicht ein.

In der Schweiz fand sich Cohnheim in Genf ein. Zusammen mit Eduard Rosenblum, Sigismund Ludwig Borkheim, Adolf Korn und Max Joseph Becker, alle Teilnehmer der Revolution, bildete er dort eine Gruppe von Gleichgesinnten. Eine satirische Zeitschrift mit dem Titel Rummeltipuff. Organ der Lausbubokratie, die diese Gruppe herausgab, schaffte höchstens zwei Auflagen. Mitte 1850 wurde die Gruppe ausgewiesen. Rosenblum und Cohnheim begaben sich nach London.

1851 verließ Cohnheim Europa und emigrierte in die Vereinigten Staaten.

 

 

Choslowsky , Joseph von

* 16. Dezember  1821 in Sienno bei Posen; † 10. November  1881 in Ulanow

Choslowsky war Rittergutsbesitzer auf Ulanowo bei Kletzk. 1848 war er Mitglied des Polnischen Nationalkomitees in Poznań.

Von 1857 bis 1858 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses  für den Wahlkreis Bromberg 3 (Wongrowitz- Mogilno). Zwischen 1874 und 1877 war er Mitglied des Deutschen Reichstages und vertrat hier den Wahlkreis Bromberg 5 (Gnesen-Wongrowitz). Er war Mitglied der „Polnischen Fraktion“

Literatur

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin, 1904, S. 64
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.28
  • Haunfelder, Bernd : Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Droste, Düsseldorf 1994, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5)
  • Polski słownik biograficzny. Band 3, Polska Akademja Umietętności, Kraków [u. a.] 1937
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski.  Warszawa 1995

 

Chrzanowski , Bernard von

* 27. Juli 1861 in Wojnowice, Kreis Grätz; † 12. Dezember 1944 in Konstancin

Chrzanowski besuchte das Mariengymnasium in Posen und die Universitäten in Krakau und Berlin. Ab 1885 war er als Rechtsanwalt in Sachsen und Thüringen tätig und ab 1890 in Posen. Weiter war er Präsident der polnischen Turnvereins Sokol. 1919 wurde er polnischer Unterstaatssekretär und von 1922 bis 1928 war er Kurator der Schulbehörde von Posen. 1935 wurde er polnischer Senator. Weiter war er auch in der Pfadfinderbewegung aktiv.

Von 1901 bis 1909 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 1 (Stadt Posen).

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. 1904, S. 55
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.289

 

 

Czarnecki, Erasmus

*o3.Juni 1892 in Pakosch,+ 04.September 1949 in Gdansk

Architekt, zuletzt Leiter der Vertretung der Polnischen Staatsbahnen und der Häfen.

Gehörte dem Landtag von Danzig in den Jahren 1931 bis 1935 an.

Seit 1938 in Bratislava, während des Krieges untergetaucht.

Lit.:

  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des National-sozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.176

 

 

Coppik , Manfred

* 01. November 1943 in Bromberg

 

1972 gewann Coppik im hessischen Wahlkreis Offenbach ein Bundestagsmandat für die SPD.

Aus Protest gegen den sog. „Nato-Doppelbeschluß“ (*) trat der Bundestagsabgeordnete C. 1982  aus der SPD aus. Gemein-sam mit Karl-Heinz Hansen (* 1927, MdB, 1981 aus der SPD ausgeschlosen)  gründete er die Demokratischen Sozialisten. Doch der  Aufbau einer neuen Partei gelang nicht- der erhoffte Zustrom enttäuschter SPD- Mitglieder blieb aus. Sein Direktmandat im Bundestag behielt Coppik noch bis zu den Wahlen im Jahr 1983.

In den 1980er und 1990er Jahren engagierte sich Coppik  in der Friedensliste, bei den Grünen,  der PDS  und ab 1993 wieder in der SPD. Im Jahre 1999 trat Coppik wegen des Kosovo-Einsatzes der Bundeswehr zum zweiten Mal bei den Sozialdemokraten aus; im Jahre 2005 trat er in die WASG  ein, wo er bereits zuvor mitarbeitete und die Vereinigung mit der PDS mit auf den Weg brachte.

Auf ihrem hessischen Landesparteitag im August 2008 in Lollar, der wegen der möglichen Tolerierung einer Minderheitsregierung von SPD und Grünen in der Medienöffentlichkeit stand, wählte die Partei Die Linke Coppik zu einem von zwei stellvertretenden Landesvorsitzenden. Bei den hessischen Landtagswahlen 2009 kandidierte Coppik als Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 43 (Offenbach). Dort erreichte er 6,2 % der Erststimmen. Er ist Mitglied des Ältestenrates der Partei Die Linke.

 

Lit.:

* Rudolf Vierhaus und Ludolf Herbst  (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 1, A–M, München 2002, S. 125–126

(*)Der Doppelbeschluss der NATO vom 12. Dezember 1979 bestand aus zwei Teilen:

1.Die NATO kündigte die Aufstellung neuer mit Atomsprengköpfen  bestückter Raketen und Marschflugkörper – der Pershing II und BGM-109 Tomahawk – in Westeuropa an. Diese begründete sie als Modernisierung und Ausgleich einer Lücke in der atomaren Abschreckung, die die sowjetische Aufrüstung bewirkt habe.

  1. Sie verlangte bilaterale Verhandlungen der „Supermächte“  über die Begrenzung ihrer atomaren Mittelstreckenraketen (Intermediate Nuclear Forces– INF – mit einer Reichweite zwischen 1000 und 5500 km) in Europa. Dabei blieben die französischen und ein Teil der britischen Atomraketen ausgeklammert.

Beide Teile, Nachrüstung und Rüstungskontrolle, sollten einander ergänzen und parallel vollzogen werden.

Nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen im November 1982 lehnten Bevölkerungsmehrheiten mehrerer NATO-Staaten die geplante Aufstellung ab. Eine Abgeordnetenmehrheit des Deutschen Bundestages  stimmte ihr am 22. November 1983 jedoch zu. Ab Dezember 1983 wurden die neuen Atomraketen aufgestellt.

 

Czartoryski , Alexander Titus Idzizlaw Prinz  polnisch: Zdzisław Aleksander Tytus Czartoryski

* 4. Januar 1859 in Posen; † 24. Januar 1909 in Sielec

Czartoryski besuchte das Gymnasium in Posen und die Universität Krakau. Er war Rittergutsbesitzer auf Sielec bei Jutrosin.

Von 1889 bis 1893 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses  und von 1890 bis 1903 des Deutschen Reichstages für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen  4 (Buk, Schmiegel, Kosten) und gehörte der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.291
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.100/101

 

 

Hutten-Czapski, Bogdan Graf von

* 13. Mai 1851 in Smoguluc bei Exin,† 7. September 1937  in Posen

 

Bogdan Graf von Hutten-Czapski wurde 1851 als Sohn von Joseph Napoleon Graf Hutten-Czapski (1797–1852) und Eleonora, geb. Gräfin Mielzynski (1815–1875) auf der elterlichen Herrschaft in der preußischen Provinz Posen geboren. Gerade ein Jahr nach seiner Geburt starb sein Vater an der Cholera, wodurch Bogdan bereits als Kind Chef seines Hauses wurde. Die Familie gehörte zu jener Gruppe polnischer Aristokraten, die nach den  Teilungen Polens loyale Untertanen des Königs von Preußen geworden waren, ohne ihr polnisches Nationalbewusstsein zu verleugnen. In diese Tradition stellte sich auch der junge Graf Hutten-Czapski.

 

Am 1. Oktober 1873 trat der Zweiundzwanzigjährige in die preußische Armee ein und diente als Einjährig-Freiwilliger beim 2. Garde-Dragoner-Regiment in Berlin. Zwei Jahre darauf, im August 1875, wurde er zum  Reserveoffizier dieses Regiments ernannt. Im selben Jahr bestand er sein Referendarexamen und trat in den juristischen Staatsdienst beim Kreisgericht Charlottenburg. Am 31. Januar 1877 wurde er zum aktiven Sekondeleutnant befördert und war seither bis 1899 Berufsoffizier.

In seiner Zeit bei den Gardedragonern, bei denen er bis 1881 stand, lernte Hutten die Berliner Gesellschaft der Gründerzeit kennen und spielte bereits früh eine führende Rolle in der beau monde der Hauptstadt: Er verkehrte in den Salons von Marie Gräfin Schleinitz, Anna von Helmholtz und Helene von Lebbin und knüpfte enge Beziehungen zu dem alten Kaiserpaar an, mit dem er dank seiner Herkunft schon seit Längerem in persönlicher Verbindung gestanden hatte. Er wurde regelmäßig zu den „Donnerstagabenden“ im Salon des Stadtpalais des Kaisers Unter den Linden eingeladen, wo sich vor allem die liberale, katholikenfreundliche Kaiserin Augusta an der Gegenwart des strengkatholischen polnischen Magnaten erfreute. Allerdings trug ihm diese Nähe zur Kaiserin bei konservativen Staatsmännern, allen voran Bismarck, auch die Verdächtigung ein, ein „Agent Augustas“ oder Vertreter antipreußischer Interessen zu sein, was seine Karriere im Staatsdienst behinderte. In Berlin trat er auch in Verbindung mit Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1819–1901), der damals Reichstagsabgeordneter und dessen Sohn Philipp Ernst sein Regimentskamerad bei den 2. Gardedragonern war. Hohenlohe wurde für ihn bald die wichtigste Bezugsperson seiner beruflichen Existenz.

Am 11. Oktober 1882 wurde Hutten zum Premierleutnant befördert und zugleich zu den Gardehusaren nach Potsdam versetzt, wo er den späteren Kaiser Wilhelm II (1859-1941) kennen lernte, der damals im selben Regiment diente. Bereits im August 1884 wurde er, dessen Mutter eng mit der 1879 verstorbenen Gräfin Manteuffel befreundet gewesen war, zum Adjutanten des Reichsstatthalter von Elsass-Lothringen, Generalfeldmarschall Edwin von Manteuffel (1809-1885) ernannt – ein prestigeträchtiger Posten, den er allerdings bald, nach dem Tod Manteuffels am 17. Juni 1885, wieder aufgeben musste. Hutten kam nun als Brigadeadjutant zur 20. Kavallerie-Brigade nach Hannover, wo er bis 1888 verblieb. Am 22. März 1887 versetzte ihn der alte Kaiser Wilhelm I. (1797—1888) an seinem neunzigsten Geburtstag unter Beförderung zum Rittmeister zum 2. Kurhessischen Husarenregiment „Landgraf Friedrich II.“ Nr. 14, wo er im November 1888 Eskadronchef wurde.

 

Am 8. April 1895 wurde Hutten-Czapski auf Empfehlung seines alten Gönners Hohenlohe, der seit 1894 Reichskanzler war, in das Preußische Herrenhaus berufen.

 

Nachdem seine vom Kriegsminister Walther Bronsart von Schellendorff (1839-1914) favorisierte Berufung in den Generalstab vom Kaiser mehrfach abgelehnt worden war, entschloss sich Hutten 1896, einen längeren Urlaub anzutreten, der 1899 in die Versetzung zur Landwehr umgewandelt wurde. Allerdings blieb Hutten auch als Politiker in untergeordneter Position, die ihm wohl Einfluss, nicht aber Macht einräumte. Sein enges Verhältnis zu Fürst Hohenlohe bewirkte indessen, dass er verstärkt ins politische Zeitgeschehen eingreifen konnte: So wirkte er in den 1890er Jahren an der Durchsetzung der Militärstrafgerichtsreform mit, die gegen den Widerstand der Konservativen schließlich auch gelang.

Mit dem Abgang Hohenlohes im Jahr 1900 wurde sein Einfluss indessen spürbar geringer. Zum neuen Reichskanzler Bernhard von Bülow (1849-1929) hatte er zwar ein leidlich gutes Verhältnis; doch sein seit 1906 geführter Kampf gegen das von der preußischen Staatsregierung geplante Enteignungsgesetz, das die Überführung einiger im polnischen Teil Preußens gelegener Güter in Staatseigentum erleichtern sollte, blieb letztlich vergeblich. Hutten, der ja selber Pole war, gehörte mit Feldmarschall Gottlieb von Haeseler (1836-1919)  zu den wenigen Konservativen, die sich gegen das Gesetz wandten, das damals aufkommende, auch rassistisch motivierte Germanisierungstendenzen in rechtliche Form bringen wollte. Anfang 1908 wurde es im Abgeordnetenhaus, dann auch im Herrenhaus angenommen.

Im Herbst 1901 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) zum Schlosshauptmann von Posen.

 

Mit dem Ersten Weltkrieg begann der bedeutungsvollste Abschnitt in Huttens politischem Lebenslauf. Unmittelbar nach Kriegsausbruch im August 1914 wurde er, mittlerweile Oberstleutnant der Reserve, ins Referat für Ostfragen im Großen Generalstab versetzt. Nach einem kurzen Zwischenspiel im besetzten Belgien kommandierte man ihn am 10. September zum Stab der 8. Armee nach Ostpreußen, die damals General von Hindenburg führte. Hier erlebte er den Sieg bei Tannenberg, die Zurückwerfung der russischen Armee und – nach einem Intermezzo als Vermittler in der italienischen Frage im Frühsommer 1915, das allerdings erfolglos endete – die Einnahme Warschaus am 5. August 1915 durch die 9. Armee unter Feldmarschall Prinz Leopold von Bayern (1846-1930). Anschließend spielte er eine einflussreiche Rolle als Berater des Militärgouverneurs von Polen, Generaloberst Hans von Beseler (1850-1921).

Als Spross eines polnisch-deutschen Geschlechtes mit weitläufigen politischen und gesellschaftlichen Verbindungen war Hutten-Czapski, mittlerweile über sechzig Jahre alt, für eine Vermittlerrolle im angespannten Verhältnis zwischen preußischer Regierung und polnischer Minderheit wie kein Zweiter prädestiniert. Hoffnungen auf eine offizielle politische Verwendung in gehobener Stellung durfte sich der polnische Aristokrat und loyale preußische Staatsdiener allerdings auch jetzt nicht machen, wie ein Telegramm Kaiser Wilhelms vom 14. August belegt:

„Seine Majestät der Kaiser und König haben zu befehlen geruht, dass der Oberstleutnant Graf v. Hutten-Czapski beim Armeeoberkommando 9 dem Gouvernement Warschau zugeteilt werden solle. Allerhöchstdieselben sind überzeugt, dass der Oberstleutnant Graf v. Hutten-Czapski infolge seiner genauen Kenntnis der polnischen Verhältnisse und seiner guten Beziehungen zu den polnischen Kreisen dem Kaiserlichen Gouvernement eine wertvolle Stütze und ein guter Berater sein werde. Der Herr Gouverneur solle seine Dienste in ausgiebiger Weise in Anspruch nehmen.“

Auch jetzt noch blieb Hutten politisch in der zweiten Reihe, in jener „Zwitterstellung“ zwischen informellem Einfluss und formeller Bedeutungslosigkeit, die er im Nachhinein selber treffend charakterisiert hat:

„Als preußischer Pair sprach ich von der Tribüne des Herrenhauses; als persönlicher Sekretär des Reichskanzlers und Vertrauter Holsteins übte ich einen gewissen politischen Einfluss aus; als Führer meiner Schwadron auf dem Kasernenhofe, in der Reitbahn und im Übungsgelände war ich nichts anderes als Hunderte in gleicher Stellung. Wenn mich meine parlamentarischen Verpflichtungen nicht nach Berlin riefen, tat ich den gewohnten Dienst in Kassel. Aber es lag in den Verhältnissen, dass ich auch als simpler Eskadronchef in Berührung mit historischen Persönlichkeiten geriet.“

Gleichwohl setzte sich Hutten beim Generalgouvernement Warschau energisch für die geplante Wiedererrichtung des Königreichs Polen unter deutschem Protektorat ein. Er vertrat ein großpolnisches Programm im Sinne der historischen Einheit des früheren Königreichs Polen, ungeachtet der modernen ethnographischer Gegebenheiten, forderte aber mit Rücksicht auf die Mittelmächte vorerst nur russische Gebiete: Litauen, Weissrussland und bedeutende Teile der Ukraine. Im Gespräch mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg im Juni 1916 trat er gegen die „austropolnische Lösung“, also die Vereinigung Russisch-Polens mit Galizien unter habsburgischer Herrschaft, auf. Der Umschwung der Kriegslage und der schließliche Zusammenbruch der deutschen Monarchien 1918 machten diesem Vorhaben, das sein Herzenswunsch als preußischer Staatsbürger polnischer Herkunft gewesen war, ein jähes Ende.

.Der Name Czapski stammt vom Familienbesitz, den Dörfern Czaple und Czapelki in Pomerellen, im Kreise Schwetz. Die Abstammung von den Hutten war eine reine Familienlegende, der Beiname der Czapskis „Hutten“ taucht erst Anfang des 18. Jahrhunderts auf und ist eine Übersetzung des polnischen Wortes Tschapka – in deutscher Sprache „Militärhut“. Der preußische Grafentitel (mit Bestätigung des Beinamens „Hutten“) kam in die Familie durch die Verleihung des Königs Friedrich Wilhelm III. vom 27. September 1804 an zwei ehemalige Generale des alten Königreiches Polen, Josef und Nikolaus, die aber mit Bogdan Hutten-Czapski und seinem Vater nur entfernt verwandt waren. Die Verleihung des Titels (gegeben Berlin am 3. September 1861) an den unmündigen Graf Bogdan wurde durch seine Mutter erwirkt, die mit der Familie des Königs Wilhelm I. befreundet war.

1922 adoptierte der kinderlose Graf Bogdan einen entfernten Verwandten, Emeryk August Hutten-Czapski (1897-1979) aus einer bei Minsk begüterten Linie der Familie, der einen Teil seines Vermögens erbte. Sein Majorat Smogulec vermachte Graf Bogdan einer Stiftung, die die Erträge aus den Gütern an die Warschauer Hochschulen weiterleiten sollte. Seine riesige Dokumenten- und Büchersammlung wurde an das Czapski-Museum in Krakau überwiesen und wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstreut.

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Nach seinem Rückzug aus der Politik schrieb Hutten-Czapski seine Memoiren „Sechzig Jahre Politik und Gesellschaft“ und veröffentlichte sie in zwei umfangreichen Bänden. (Berlin 1936) Bis heute stellen seine Erinnerungen eine sozial- und kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges dar und sind bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Kaiserreich ein unerlässliches Hilfsmittel.

 

Literatur :

 

  • Hutten-Czapski, Bogdan Graf von. In: Walther Killy, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 5. Saur, München 1997, S.236f.
  • Hutten-Czapski, Bogdan Graf von. In: Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage, Band 10. F.A. Brockhaus, Mannheim 1989, S. 321.

 

 

Czeminski, Franz

* 11. Februar 1876 in Schneidemühl; † Februar 1945 in der Neumark

Bereits 1894 wurde Franz Czeminski Mitglied der SPD. 1919 wurde er erstmals für diese Partei in das Schöneberger Stadtparlament gewählt. In der von Martin Wagner und Heinrich Lassen (1864-1953) begründeten Siedlungs-genossenschaft  Lindenhof wurde er 1921 Aufsichtsratsvorsitzender. Von 1928 bis 1933 war er hauptamtlicher Stadtrat und Stadtverordneter in Berlin.

Am 13. April 1933 wurde Czeminski verhaftet, um die „Gleichschaltung“ der von ihm geführten Genossenschaft durchzusetzen. In dem „wilden KZ“ SA-Gefängnis Papestraße wurde er gefoltert und schwer misshandelt.

Die Czeminskistraße in Berlin-Schöneberg ist nach ihm benannt.

 

 

Czwalina, Alexander

*24. März 1830 in Posen, + 24.Nov.1893 in Posen

1886-1893 Landgerichtsrat in Posen

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.101

 

 

Dallmann, Fritz

*17.Juni 1923 in Kaisersdorf bei Schneidemühl, + 04. Mai 1999 in Priborn

Fritz Dallmann wurde als Sohn eines Gutsschmiedes geboren und arbeitete nach dem Abschluss der Volksschule von 1938 bis 1941 als Gutsarbeiter. 1941 wurde er zur Marine  eingezogen und geriet 1944 in Gefangenschaft.

1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, zog D. zu seiner nach Priborn (Mecklenburg) vertriebenen Familie und übernahm hier eine Neubauernstelle. 1948 trat er der SED bei und von 1952 bis 1958 war D. Vorsitzender der „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ (VdgB.)

Im Jan. 1958 gründete er die LPG “Fortschritt“ in Priborn mit und war seitdem deren Vorsitzender.

Von 1954 bis 1963 gehörte er als Abgeordneter dem Bezirkstag Neubrandenburg an und von 1955 bis 1963 war er Mitglied der Bezirksleitung der SED Neubrandenburg

Ab 1964 war er Mitglied des ZK der SED und ab 1963 Mitglied des Rates für landwirtschaftliche Produktions-und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR.

Nach einem Fernstudium Qualifizierung 1980 zum Diplom-Agraringenieur. Ab dem 10. September 1982 war er Vorsitzender des Zentralvorstandes der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. Unter seiner Leitung fand ein Neuaufbau der VdgB statt. Weiterhin engagierte Dallmann sich stark für die Rückgängigmachung der KAP und damit der Trennung von Pflanzen- und Tierproduktion.

Von 1986 bis März 1990 gehörte D. der Volkskammer der DDR als Abgeordneter an.

Nach 1990 wirkte Dallmann als Gemeinderatsmitglied in Priborn für die PDS und war Mitglied des Aufsichtsrates der aus der LPG heraus gegründeten Agrargenossenschaft.

 

Mitglied des Staatsrates.

Fritz Dallmann wurde 1959 mit dem Titel „Held der Arbeit“ geehrt. Neben dem Vaterländischen Verdienstorden  in Gold (1983) erhielt er 1970 den Karl –Marx-Orden

Der Maler Walter Womacka  benannte eine Folge von Ölgemälden nach ihm („Der Bauer Fritz Dallmann“, 1985).

Lit.:

  • Kuntsche, Siegfried : Dallmann, Fritz In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Berlin 2010,

 

 

Dallwitz, Johann Sigismund Adolf von

* 24. April 1803 in Fraustadt; † 19. April 1882 in Nieder-Hertwigswaldau bei Jauer (Schlesien)

Sigismund von Dallwitz studierte Rechtswissenschaften in Halle und Berlin. Von 1831 bis 1832 war er Landgerichtsassessor in Bromberg, 1832 bis 1838 Oberlandesgerichtsassessor, zunächst in Breslau, ab 1835 in Lauban, von 1838 bis 1839 Land- und Stadtgerichtsdirektor sowie Kreisjustizrat in Lauban. 1840 wurde er zum Oberlandesgerichtsrat in Bromberg ernannt. Vor dem Antritt als Abgeordneter der Nationalversammlung schied er aus dem Staatsdienst aus. In der Nationalversammlung gehörte er der konservativ-liberalen Casino-Fraktion(*) an, mit der er sich für eine Konstitutionelle Monarchie und einen deutschen Nationalstaat einsetzte.

(*)Casino war die Bezeichnung einer seit dem 25. Juni 1848 bestehenden politischen Fraktion  der rechten Mitte in der Frankfurter Nationalversammlung. Wie bei den meisten Fraktionen der Nationalversammlung bezieht sich der Name auf den üblichen Versammlungsort der Fraktionsangehörigen in Frankfurt/Main. Man kam nach den ersten Anfängen im Großen Hirschgraben  in den exklusiven Räumlichkeiten der Frankfurter Casinogesellschaft im  Gebäude Roßmarkt 10  zusammen, wo sich sonst seit 1802 ein großer Teil der politischen Elite Frankfurts traf. Die Vertreter der Casino-Fraktion waren überwiegend gemäßigt liberal bzw. nationalliberal eingestellt.

 

 

Damerow, Erich

* 14. Juli 1886 in Glienke (Kreis Bromberg), + 14. Feb.1972 in Berlin

 

  1. studierte von 1907 bis 1910 Rechts-und Staatswissenschaften an den Universitäten Berlin, München und Kiel. Promotion in Erlangen 1911 zum Dr. jur. Ab 1915 war er Hilfsrichter bei verschiedenen Amtsgerichten der Provinz Posen und Magistratsassesor in Bromberg und Cottbus. Der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) schloss er sich 1919 an.

Die Bromberger Stadtverordneten wählten ihn am 11. März 1920 zum Stadtrat. Doch infolge der Versailler Verträge wurde die Provinz Posen polnisch, so dass sich D. Im Laufe des Jahres 1920 zur Übersiedlung nach Zerbst entschied. Seit 1922 Bürgermeister von Zerbst, war er von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister von Köthen (Anhalt) und bestätigte sich nach seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten als Angestellter und Syndikus.

1945 gehörte er zu den Gründern der Demokratischen Volkspartei in Halle/Saale, die sich der Liberal-Demokratischen Partei (LDPD) anschloss. war von 1946 bis 1950 Landesvorsitzender der LDPD in Sachsen-Anhalt und gehörte dessen Zentralvorstand von 1947 bis 1972 an.

  1. wurde Präsidialdirektor bei der Provinzialverwaltung Sachsen und war von 1946 bis 1950 Vizepräsident der Provinz Sachsen.

Nach der Landtagwahl im Dezember 1948 wirkte er als Minister für Land-und Forstwirtschaft.

  1. war starken Anfeindungen ausgesetzt, die von der SED ausgingen und sich gegen seine Amtsführung als Minister für Land-und Forstwirtschaft, Handel und Versorgung richteten. Die SED wollte das Ministerium mit ihren eigenen Vertretern besetzen, weil sie die sozialistische Umgestaltung der landwirtschaftlichen Strukturen selbst kontrollieren und steuern wollte.

Da sich D. gegenüber der von der SED vorgegebenen Linie auch weiterhin anpassungs- und kompromissbereit verhielt, wurde er nicht nur Mitglied der Volkskammer, sondern im Oktober 1949 stellvertretender Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.

Mit dem Ende der 1. Wahlperiode des Landtages von Sachsen-Anhalt endeten D. Funktionen in der Landesregierung.

  1. ging 1951 nach Berlin und war hier u.a. als Justitiar im Finanzministerium der DDR tätig.

 

Lit.:

  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945 -1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Ebig. Band 1. München u.a. 1996 S.110/111
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2. München 2001 S.436
  • Trittel, Christina: Die Abgeordneten des ersten Landtages von Sachsen-Anhalt 1946-1950. Vom Scheitern demokratischer Hoffnung. Magdeburg 2007. S. 136-139
  • Müller- Engbergs, Helmut: Wer war wer in der DDR? Band 1. Berlin 2010.

 

 

 

 

Danilelewski, Ignacy

+29.Nov.1829 in Bork, + 1907 in Thorn

 

Seminarbesuch in Paradies in Posen; Lehrer in Tremessen und Bromberg. Übersiedlung nach Kulm und hier Redakteur einer polnischen Zeitung

1863-1872 Buchdruckereibesitzer in Kulm, dort auch Buchhändler.

Ab 1872 wohnhaft in Thorn.

Von 1863 bis 1866 vertrat er den WK 8/ Bromberg im preußischen Abgeordnetenhaus.

 

 

Davidsohn, Georg

* 20. August 1872 in Gnesen; † 15. Juli 1942 in Berlin

 

Nach dem Abitur 1892 in Berlin studierte Davidsohn, der jüdischen Glaubens war, in Berlin Philosophie. 1897/98 leistete er beim 2. preußischen Grenadier-Regiment seinen Militär-dienst ab. Von 1895 bis 1905 war er als Privatlehrer und Übersetzer tätig, anschließend war er als Nachfolger Kurt Eisners (1867-1919) von 1905 bis 1910  Redakteur der SPD-Zeitung „Vorwärts“. Seit 1911 war er Deutschland-Korrespondent der Brüsseler Zeitschrift „Peuple“. Daneben war von 1903 bis 1919 Schriftleiter der Zeitschrift „Der abstinente Arbeiter“. Im Ersten Weltkrieg wurde er bei der Grenadiertruppe, zuletzt im Range eines Vizefeldwebels, eingesetzt.

Davidsohn gehörte dem Schutzverband deutscher Schriftsteller, dem Verein Arbeiterpresse sowie dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer an. In Letzterem war zeitweilig Vorstandsmitglied. Nach 1920 war er weiterhin publizistisch tätig, seine Schriften wurden u.a. im von Gustav Laukant (1869-1938)  geleiteten Klassenkampf-Verlag der USPD veröffentlicht.

Er setzte sich insbesondere für die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs ein. Nachdem er 1920 nicht als Kandidat für die Reichstagswahl aufgestellt worden war, trat er aus der SPD aus.

Davidsohn gehörte von 1912 bis 1918 dem Reichstag des Kaiserreiches an, wo er den Wahlkreis Grünberg-Freystadt vertrat. 1919/20 war er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurde Davidsohn für drei Wochen Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates Emden.

Im Zweiten Weltkrieg gelang es D. in Berlin unterzutauchen, wo er 1942 starb.

 

 

 

Lit.:

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy.

Band 2. München 2001 S.453

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.94
  • Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf ² 1992 S.171
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.633
  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968 S.508/509

 

 

Deter, Adolf

 

*23.Juni 1900 in Czarnikau , – †14. November 1969 in Berlin

 

Deter wurde als Sohn eines Arbeiters geboren und verdingte sich nach dem Verlassen der Volksschule von 1914 bis 1918 selbst als Lagerarbeiter. Danach machte er eine Ausbildung zum Schlosser und trat der Transportarbeiterverbindung bei. Er wurde 1917 Mitglied der Arbeiterjugend und ein Jahr später der USPD. Er absolvierte 1918 seinen Militärdienst und war Teilnehmer der Novemberrevolution. Von 1918 bis 1919 war er in der Republikanischen Soldatenwehr. Danach ging er nach Berlin, wo er für wenige Jahre bei der Berliner Straßenbahn arbeitete. Ab 1920 war er in der KPD, für die er verschiedene Tätigkeiten übernahm. In Berlin wurde er 1924 zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates und Leiter der KPD-Zelle bei der Berliner Hoch- und U-Bahn. Von 1925 war er bis 1929 Bezirks- und Stadtverordneter von Berlin. Von 1928 bis 1933 war er für die KPD Landtagsabgeordneter in Preußen. Ab 1928 gehörte er zu der sogenannten Versöhnlergruppe innerhalb der KPD. Er war 1929 Sekretär des KPD-Unterbezirks in Frankfurt an der Oder und 1930 Bezirksleiter der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) in Hamburg, wo er bei der Organisation von Streiks der Seeleute und Hafenarbeiter beteiligt war. Im Auftrag der KPD organisierte Deter zusammen mit der NSDAP 1932 den Berliner Verkehrs-Streik.

Ab 1933 musste er illegal arbeiten. Im Mai 1933 wurde Deter Mitglied der Reichsleitung der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition. Im Juni 1933 flüchtete er nach Dänemark und arbeitete bis 1934 für die Rote Gewerkschafts-Internationale (RGI) in Kopenhagen. Im Jahr 1934 war er Sekretär der Internationalen der Seeleute und Hafenarbeiter (ISH) zunächst für kurze Zeit ebenfalls in Kopenhagen, später bis 1936 in Antwerpen. Von 1935 bis 1938 war er Sekretär der ISH mit Sitz in Paris. Er nahm im Januar 1939 an der Berner Konferenz der KPD in Paris teil und wurde zwischen 1939 und 1941 in Frankreich interniert. Im Mai 1941 versuchte er per Schiff nach Mexiko zu fliehen, wurde aber unterwegs von US-Behörden gestoppt. Nach einer kurzen Haftzeit in den Vereinigten Staaten, arbeitete er dort bei deutschen Zeitungen wie der „The German American“. Von 1941 bis 1946 arbeitete er zudem als Dreher in New York. Er veröffentlichte außerdem noch über die Gründung der NKFD in den UdSSR. Ein Jahr nach Ende des Krieges kehrte er 1946 nach Deutschland zurück und trat der SED bei. Von 1946 bis 1949 war er Sekretär der SED-Landesleitung von Groß-Berlin, von 1948 bis 1949 auch zweiter Vorsitzender. Im März 1949 war er zudem 1. Vorsitzender des FDGB in Berlin. Zudem war er von 1949 bis 1954 Abgeordneter der provisorischen Volkskammer der DDR. Von 1950 bis 1954 war er Kandidat des ZK der SED. Im Jahr 1954 wurde er als Sekretariatsmitglied des FDGB abgelöst. Von 1954 bis 1962 war er Mitarbeiter, ab 1955 Sekretär des Ausschusses für Deutsche Einheit. Im Jahr 1958 war er Spitzenkandidat der SED bei der Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin-West. Später war er in den 1960er Jahren noch Leiter der Westkommission des FDGB-Bundesverbands. Im Jahr 1960 wurde er mit dem Banner der Arbeit geehrt und 1962 wurde er pensioniert. Ab 1963 war er Mitglied des Friedensrates der DDR und ab 1964 Vizepräsident der Gesellschaft Neue Heimat zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur im Ausland. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift „Gewerkschaftseinheit“ und bekam 1965 die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen.

 

Werke:

  • Das neue China und die chinesischen Gewerkschaften Berlin 1954
  • Vorschläge der D[eutschen] D[emokratischen] R[epublik] zur Verständigung der beiden deutschen Staaten 1949-1960: Eine chronol. Dokumentation vom Ausschuß f. dt. Einheit Berlin. 1961

 

  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Berlin/Bonn 1961 S.64/65
  • Schumacher, Martin: M.d.L Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.25
  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig. 1. Band. München u.a. 1996 S.18/119
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2. München 2001
  • Weber, Hermann/ Herbst, Andreas: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.151/152
  • Müller-Enbergs, Helmut / Barth, Bernd-Rainer: Adolf Deter . In: Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon . Berlin 2006. S.148
  • Niemann, Marion/Herbst, Andreas (Hrsg.): SED-Kader. Die mittlere Ebene. Biographisches Lexikon 1946 bis 1989. Paderborn u.a. 2010 S. 151/152

 

 

Dewitz, Kurt (Ludwig Karl) von

* 29. November 1847 in Bromberg, + 02. März 1925 in Naumburg/Saale

Nach dem Abschluss seines Jura-Studiums an den Universitäten Bonn und Berlin trat D. 1869 in den preußischen Justizdienst ein. Er war seit 1875 Gerichtsassessor in Naumburg, Kreisrichter in Naumburg, Kreisrichter in Rummelsburg (Pommern) und von 1877 bis 1883 und von 1884 bis 1890 jeweils Landrat in Dramburg (Hinterpommern) bzw. in Rüdesheim.

1893 berief man D. zum Oberregierungsrat in Breslau, der 1899 eine Berufung zu Regierungspräsidenten in Erfurt bzw. 1903 in Frankfurt/Oder folgte.

Bevor er ab 1912 Mitglied des preußischen Herrenhauses wurde, war er 1906/07 Oberpräsident von Schleswig-Holstein.

Lit.:

  • Schwabe, Klaus (Hrsg.): Die preußischen Oberpräsidenten 1815-1945. Boppard am Main 1985. S.317 (= Büdinger Forschungen zu Sozialgeschichte, 15)
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 2 München 2001 .509/510

 

Diederichs, Fritz von

* 25. Oktober 1805 in Posen ; † 3. Dezember  1888 in Berlin

Diederichs besuchte das Werdersche  und Friedrich-Wilhelms-Gymnasium  in Berlin und das Pädagogium in Halle. 1828 wurde er Auskultator (*) am Berliner Stadtgericht. Nach dem 2. Staatsexamen war er bei den Regierungen in Köln, Düsseldorf  und als Rat in Minden und Potsdam tätig. 1858 wurde er Oberregierungsrat und Abteilungsdirektor für Kirchen- und Schulwesen in Potsdam. 1861 war er Referent über die Schwerinsche Kreisordnung, von 1862 bis 1866 Vorsitzender der Gemeinde-kommission. 1863 erfolgte seine Versetzung nach Marienwerder, wo er als Dirigent der Regierungsabteilung für Kirchen- und Schulwesen arbeitete.

Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses  war er von 1858 bis 1866 (zuerst Fraktion Vincke, dann Grabow, zuletzt im linken Zentrum) und von 1873 bis 1876. Zwischen 1874 und 1877 war er Mitglied des Deutschen Reichstages für die Nationalliberale Partei (*) und den Wahlkreis Potsdam 9 (Zauch-Belzig, Jüterborg-Luckenwalde).

Lit.:

  • Kalkoff, Hermann (Hrsg.): Nationalliberale Parlamentarier 1867–1917 des Reichstages und der Einzellandtage. Schriftenvertriebsstelle der nationalliberalen Partei Deutschlands, Berlin 1917
  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.295
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus (1867–1918). Düsseldorf 1988, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Band 3)
  • Haunfelder, Bernd : Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Düsseldorf 1994, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5)
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004.2.110/111.

(*) Auskultator– Bezeichnung für die unbezahlte erste Stufe der dreistufigen Ausbildung der Juristen nach der universitären Ausbildung. Der A. wurde 1869 mit dem Gesetz über die juristischen Prüfungen und die Vorbereitung zum höheren Justizdienst abgeschafft.

(*) Die Nationalliberale Partei (NLP) war eine liberale Partei während des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Kaiserreiches , die 1866/67 aus einer Abspaltung des rechten Flügels der  Deutschen Fortschrittspartei hervorgegangen war und 1918 in der Deutschen Volkspartei aufging.

Anlass der Spaltung war die Indemnitätsvorlage Otto von Bismarcks. Nachdem eine Reihe von bekannten Liberalen auf dem parlamentarischen Bewilligungsrecht bestanden hatte, konstituierte sich die erste „Fraktion der nationalen Partei“ am 17. November 1866 im preußischen Abgeordnetenhaus mit 19 Mitgliedern, darunter Karl Twesten, Eduard Lasker  und Friedrich Hammacher , die eine Zusammenarbeit mit Bismarck anstrebten. Im Frühjahr 1867 schlossen sich Abgeordnete im norddeutschen Reichstag zur „Fraktion der Nationalliberalen Partei“ zusammen. Das offizielle Parteigründungsprogramm wurde am 12. Juni 1867 verabschiedet.

Kernpunkte des Parteiprogrammes waren die nationale Einigung, zu deren Erreichung Parteivertreter auch auf Bismarck setzten, ein parlamentarischer und konstitutioneller Rechtsstaat  und Umwandlung des Deutschen Kaiserreiches in einen modernen Industriestaat.

Die Nationalliberale Partei vertrat hauptsächlich die Interessen des national und/oder liberal gesinnten protestantischen Bildungs- und Besitzbürgertums sowie des industriellen Großbürgertums.

 

 

Diest, Gustav Friedrich Heinrich Paul von

*16. April 1826 in Posen, + 27. Februar 1911 in Merseburg

 

Sohn des königlich-preußischen Generalleutnants Heinrich von Diest (1785-1847), kaiserlich-russischer Generalstabsaoffizier und Flügeladjutant des Zaren Alexander II (1818-1881) und Militärattache in Berlin.

1845 immatrikulierte sich D. an der Universität Berlin (Rechtswissenschaft) und setzte sein Studium in Genf und Heidelberg fort. und begann im Jahr 1848 seine Laufbahn als Auskultator in Frankfurt/Oder. Er  wurde 1850 Regierungs-referendar in Potsdam, war 1851/1852 interimistisch Landrat des Landkreises Ruppin  in Neuruppin (anstelle des bisherigen Landrats von Schenckendorff, der zum Landtagsabgeordneten gewählt war)  und wurde 1854 Regierungsassessor  in Düsseldorf. 1857 ging er an das  Oberpräsidium in Koblenz, wurde 1858 Landrat des Landkreises Wetzlar  und erst nach 1,5 Jahren, in denen er das Amt kommissarisch verwaltet hatte, wurde D. im März 1860 zum Landrat ernannt.

Am 29.  Juli 1866 übernahm er die Verwaltung des Herzogtums Nassau als Zivil-kommissar, nachdem das Großherzogtum Teil Preußens wurde. Am 02. März 1867 erfolgte seine Ernennung zum Regierungspräsidenten.

Zwischen 1867 und 1874 war Diest zunächst Mitglied im Reichstag des Norddeutschen Bundes und danach des Deutschen Kaiserreiches. Er gehörte der konservativen Partei an.

Von 1867 bis 1869 war er Regierungspräsident in Wiesbaden. Bereits 1869 wurde er nach Danzig versetzt, da er als Konservativer heftige Auseinandersetzungen mit dem Liberalen Karl Braun hatte. Bismarck wollte sich Braun, der einer der Führer der nationalliberalen Reichstagsfraktion war, gewogen halten und betrieb deshalb Diests Versetzung. 1869 bis 1876 wirkte er als Regierungspräsident in Danzig und 1876 bis 1894 in Merseburg.

Er war Mitglied der Generalsynode und Wirklicher Geheimrat. In den Jahren 1867 bis 1874 war er für die Konservative Partei Mitglied des Deutschen Reichstag und von 1894 bis zu seinem Tod (1911) Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Diest war Dechant des Domstifts Merseburg und Rechtsritter des Johanniterordens.

Werke :

  • Meine Erinnerungen an Kaiser Wilhelm den Großen. Berlin 1898
  • Meine Erlebnissse im Jahre 1848 und die Stellung des Staatsministers v. Bodelschwingh vor und an dem 18.März 1848. Berlin 1898
  • Meine Orientreise im Frühjahr 1899. Berlin 1899
  • Heinrich v. Diest, weiland General-Inspekteur der Artillerie. Ein Lebensbild nebst Mittteilungen zur Geschichte der Familie v. Diest. Berlin 1899
  • Aus dem Leben eines Glücklichen. Erinnerungen eines alten Beamten. Berlin 1904

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.296
  • Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Wiesbaden 1985 S.72
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haufelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989. S.392/393
  • Deutsche Bographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Kily. Band 2. München 2001 S.525
  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010.S..80

 

 

Diest- Daber, Otto Karl Erhard Heinrich von

 

* 23. Juli 1821 in Posen, + 29. August 1901 in Daber (Pommern)

 

Nach dem Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften (1840-1843) wurde D. Kriminalrichter und 1850 Vorsitzender der Kriminalabteilung bei dem Kreisgericht in Frankfurt/Oder.

Ab 1851 als Landrat in Elberfeld tätig, deckte er u.a. ein Bestechungssystem auf, durch das sich die Söhne reicher Kaufmänner der Wehrpflicht entzogen.

Wegen seiner Stellungnahme um das Finanzgebaren des Handelsministers August von der Heydt (1801-1874) wurde D. 1858 seines Amtes enthoben und nach einem Disziplinarverfahren ohne Zahlung einer Pension entlassen.

Als konservatives Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses geriet er 1868 wegen eines Gesetzentwurfes über den Hannoverschen Provinzialfonds mit Otto von Bismarck (1815-1898) in heftige Auseinandersetzungen. Dieser Konflikt mit Bismarck führte 1877 zur Beleidigungsklage und Verurteilung Ds. zu drei Monaten Gefängnis.

Die Gegenklage Ds. wurde verschleppt und  schließlich abgewiesen – trotz der Unterstützung durch den Kronprinzen Friedrich Wilhelm.

 

 

Lit.:

  • Knabe, Lotte: Diest- Daber, Otto Karl Ernst Erhard Heinrich von. In : Neue Deutsche Biographie 3 (1957) S.664
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.106
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Bd.2. München 2001 S.525

 

 

Dietz, Ernst Heinrich

*13. März 1840 in Bromberg, + 11. Aug.1901 in Bromberg

167 bis 1892 Inhaber eines Eisenwarengeschäftes, danach Rentner.

Provianziallandtag und Provinzialausschuß

Seit 1891 Mitglied des Magistrates von Bromberg.

Mitglied des preußischen Abgeordnetenhaus für den WK Wirsitz-Bromberg ( national-liberal)

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abge-ordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988  S.107

 

 

 

Dinse, Klaus

 

* 30. April 1912 in Schwerin/Warthe; + 27. März 1994 in Rüdesheim

Klaus Dinse verließ mit seinen Eltern 1920 im Alter von acht Jahren seine Heimat, als der größte Teil der Provinz Posen nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages an Polen fiel und auch der Landkreis Schwerin (Warthe) zwischen Polen und dem Deutschen Reich aufgeteilt wurde. Die Familie ließ sich in Nauen bei Berlin nieder. Nach dem Abitur studierte Klaus Dinse Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Berlin. Nach dem Referendariat war er ab 1938 als Regierungsassessor beim Landratsamt des Main-Taunus-Kreis in Frankfurt-Höchst tätig und bei der Bezirkshauptmannschaft im Bezirk Imst in Tirol und im Bezirk Bludenz in Vorarlberg. Nach dem Krieg kam er im Oktober 1946 nach Hofheim am Taunus.

Von 1951 bis 1965 war er Bürgermeister von Rüdesheim am Rhein. Der Wiederaufbau der bei einem Bombenangriff im November 1944 schwer zerstörten Stadt und die Förderung des Tourismus waren Schwerpunkte seines Wirkens. Während seiner Amtszeit wurde 1954 die Seilbahn von Rüdesheim zum Niederwalddenkmal in Betrieb genommen.

Nach dem Ausscheiden des Landrats Leopold Bausinger wurde Klaus Dinse 1965 zum Landrat des Rheingaukreises gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seiner Pensionierung Ende 1976 aus und war damit der letzte Landrat des Rheingaukreises vor dessen Verschmelzung mit dem Untertaunuskreis zum Rheingau-Taunus-Kreis. Die Förderung des Weinbaus und der Weinkultur im Rheingau waren ihm ein Hauptanliegen. 1973 konnte er die Rheingauer Riesling Route eröffnen, die durch alle Orte der Weinlandschaft Rheingau führt und um deren Verwirklichung er sich besonders verdient gemacht hat.

 

 

 

 

 

Dittloff, Fritz (Dr.)

*18.Juli1894 in Schleusendorf (Krs. Bromberg), + 08. Feb.1954 in Hannover

Lehre als Maurer .1914-1918 Kriegsfreiwilliger. 1926 landwirtschaftliche Lehre und Inspektorentätigkeit in Ostpreußen. Studium von Landwirtschaft und Handel in Königsberg. 1926 bis 1934 Alleinvorstand der dem Deutschen Reich gehörenden Deutsch-Russischen Saatbau AG Berlin und Leitung der „Konzession Drusag“ im Nordkaukasus.

1934 bis 1945 Führung der eigenen Firma „Saatgutwirtschaft Siebenschlösschen“ in Pyritz/Pommern.

Mitglied des Niedersächsischen Landtags der 2. Wahlperiode vom o6. Mai 1951 bis o2. Mai 1952 (BHE-Fraktion)

 

Lit.:

  • Simon, Barbara (Bearb.): Abgeordnete in Niedersachsen 1946-1994. Biographisches Handbuch. Hannover 1996 S.74

 

 

Drewke, Karl

*27.April 1895 in Bromberg ; + 03. Oktober 1960  in Soltau

Drewke besuchte die Volksschule in Hannover und begann nach dem Abschluss eine Lehre zum Maschinenschlosser.

Er wurde Mitglied der SPD im Jahr 1909. Drewke war zwischen 1914 bis 1918 Kriegsteilnehmer. Im Jahr 1919 legte er die Prüfung als Lokführer-Anwärter ab, wechselte später jedoch seinen Beruf und gründete ein Obst-, Gemüse- und Feinkostgeschäft in Soltau. Nach der „Machtergreifung“  im Jahr 1933 wurde er für ca. neun Monate unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Auch 1944 wurde er für kurze Zeit in Haft genommen.

Drewke war Mitglied des ernannten Hannoverschen Landtags  vom 23. August 1946 bis 29. Oktober 1946.

Lit.:

  • Barbara Simon: Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994.Biographisches Handbuch. Hannover 1996, S. 79

 

 

 

 

Drucker, Salo  (Dr.med)

*17.Sept.1885 in Lissa, +19.Aug.1940 im KZ Sachsenhausen

 

Als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, besuchte er das Gymnasium seiner Geburtsstadt,

Von 1904 bis 1910 studierte D. Medizin in Berlin. Im Juli 1909 bestand er das Staatsexamen und erhielt die Approbation als Arzt. Danach absolvierte er sein praktisches Jahr in Dresden und  Berlin.

1910 Promotion.

Neben seiner fachlichen Ausbildung in der Kinderheilkunde wandte sich D. der Sozialdemokratie zu, hier stellte er sich dem Zentralbildungsauschuß als Wanderredner zur Verfügung. Die Tätigkeit im Zentralbildungsausschuß förderte Ds. Entscheidung für sein künftiges Engagement im öffentlichen Gesundheitswesen und hier insb. für das Thema „ Sozialhygiene“. So vertrat er die These, wonach Ärzte die Anwälte der Armen zu sein hätten.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach, wurde D. zum Dienst als Arzt an die Ostfront einberufen.

Er lehnte eine Fortsetzung des Krieges durch die kaiserliche Regierung ab, ebenso die von der SPD-Führung propagierte „Burgfriedenspolitik“ fand nicht seine  Zustimmung. D.trat  aus der SPD aus und wurde Mitglied der USPD. Als diese sich 1922 auflöste, kehrte D. zur SPD zurück.

Mit Wirkung vom 01. Mai 1922 wurde D. als Stadtarzt des Bezirksamtes Wedding eingestellt.

Mit über 375 ooo Einwohnern gehörte der Wedding nach Kreuzberg zu den dichtbesiedelsten Bezirken Berlins und hinsichtlich seiner sozialen Struktur war er ein Arbeiterbezirk.

Als Stadtarzt leitete er das Gesundheitsamt des Bezirks.

Eine Lebensaufgabe bedeutete für D. sein Engagement im Deutschen Arbeiter-Abstinenten-Bund.

Im Zuge der „Säuberung der Verwaltung von marxistischen und jüdischen Elementen“ kündigten die Nationalsozialisten D 1933.

Von 1935 bis zum Entzug seiner Bestallung als Arzt am 30. Sept.1938 durfte D. in seiner Wohnung jüdische Kinder behandeln.

1940 erfolgte seine Deportation.

 

 

Lit.:

  • Meyer, Berngard/Mende, Hans-Jürgen (Hrsg.): Berliner jüdische Ärzte in der Weimarer Republik. Berlin 1996 S.41-82

 

 

Dyllick, Paul

*26. Nov.1908 in Posen, + 30.März 1991 in Berlin

 

Studium der Rechtswissenschaft, der Volks-und Betriebswirtschaft sowie Versicherungslehre an der Universität Berlin und der Handelshochschule Berlin.

1933 Abschluss als Diplom-Kaufmann. Bis 1947 Angestellter der AEG als Revisor, Organisator, Abteilungsleiter und Fabrikleiter.

Selbständiger Wirtschafts – und Steuerberater.

Ab 1945 Mitglied der CDU

1985 Verleihung der Würde eines Stadtältesten von Berlin.

Gehörte dem Abgeordnetenhaus von Berlin von der 2. bis zur 7. WP an.

 

Lit.:

  • Breuning, Werner/Herbst, Andreas: Biografisches Handbuch der Berliner Stadt-verordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011 S.88/89

 

Dzialynski, Johann Graf von (polnisch :Jan Kanty Działyński)

* 28. September 1829 in Kurnik; † 30. März 1880 ebenda)

  1. besuchte die Schule in Posen und studierte in Berlin. Von 1849 bis 1851 diente er in der preußischen Armee. Er war der Besitzer des Gutes Kurnik, zu dem ein Schloss mit einer bedeutenden Bibliothek gehörte, sowie Mitglied der Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaft und Redakteur ihrer Publikationen. Von 1861 bis 1862 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses 1863 beteiligte er sich am polnischen Januaraufstand (*) und floh nach dessen Niederschlagung nach Frankreich. Er wurde 1864 in Abwesenheit in Berlin des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. 1869 wurde er amnestiert und er konnte aus dem französischen Exil nach Kurnik zurückkehren. In der Folgezeit erweiterte er die Kurniker Bibliothek, gründete eine Bauernbank und finanzierte Stipendien für polnische Studenten.

1869 wurde er in einer Ersatzwahl im Wahlkreis Posen 1 (Stadt und Landkreis Posen)  in den Reichstag des Norddeutschen Bundes  gewählt, wodurch er auch Mitglied des Zollparlaments wurde. Seine Wahl wurde am 2. April 1870 wegen formalen Verfahrensfehlern durch den norddeutschen Reichstag für ungültig erklärt.

Literatur

  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.300
  • Haunfelder, Bernd / Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870., Düsseldorf 1989 S.396

(*)Als Januaraufstand (polnisch: Powstanie styczniowe) wird eine vor allem gegen die russische Teilungsmacht  gerichtete polnische Erhebung in Kongresspolen sowie in litauisch-weißrussischen Gouvernements des Russischen Kaiserreichs  in den Jahren 1863/64 bezeichnet. Der Aufstand, dem sich auch Teile des Bürgertums und Bauern anschlossen, wurde hauptsächlich von den adligen Schichten  geführt. Der Kampf der schlecht ausgerüsteten Aufständischen, die trotz Sympathien in England  und Frankreich  keinen militärischen Beistand gegen die russischen Truppen  erhielten, wurde vor allem als Partisanenkrieg  geführt. Trotz einiger Erfolge wurde der Aufstand brutal niedergeschlagen, auch weil es nicht gelang, ähnlich wie zu Zeiten des Novemberaufstandes 1830/31 die große Masse der Bauern für den Aufstand zu gewinnen. In der Folge wurden sämtliche polnischen Sonderrechte aufgehoben und es begann eine Politik der verstärkten Russifizierung.

 

Działyński , Adam Tytus Graf

* 24. Dezember 1797 in Posen; †12. April 1861 in Posen

Działyński setzte seine zu Hause begonnenen Studien nach der Ernennung seines Vaters zum Senator und Gesandten bei Napoleon I (1769-1821) in Paris fort. 1812 kehrte er in die Heimat zurück und besuchte dann in Prag die Polytechnische Schule. Beim Ausbruch des Novemberaufstands 1830 (*)kehrte Działyński nach Warschau zurück und war nach der Schlacht bei Dembe als Adjutant Skrzyneckis tätig.

Nach dem Scheitern der Revolution musste er fliehen. Nachdem seine Güter neun Jahre lang beschlagnahmt waren, kehrte Działyński aus Galizien nach Posen zurück und wirkte dann als Abgeordneter im Provinziallandtag. 1850 war er der einzige polnische Deputierte im Erfurter Unionsparlament. 1859 wurde er in das preußische Abgeordnetenhaus (Berlin) gewählt.

Sein Sohn Jan Działyński  (1832–1880) war ebenfalls polnischer Abgeordneter im preußischen Abgeordnetenhaus.

Lit.:

  • Lengemann, Jochen: Das Deutsche Parlament (Erfurter Unionsparlament) von 1850. München/Jena 2000 S.127-129

(*)Der Novemberaufstand von 1830/1831 (auch Polnisch-Russischer Krieg 1830/1831 oder Kadettenaufstand genannt) war der erste größere Aufstand der Polen nach dem Wiener Kongress, der die Unabhängigkeit Polens zum Ziel hatte. Der Zar Nikolaus I. wurde in seiner Eigenschaft als König von Kongresspolen für abgesetzt erklärt. Es kam zur Bildung einer nationalen Regierung. Die militärischen Auseinandersetzungen verliefen zunächst für die Polen günstig, bis sie schließlich der Übermacht der russischen Armee unterlagen. Vor allem aber gelang es nicht, den Aufstand zu einer wirklich nationalen Bewegung zu machen. Da es zu keinen sozialen Verbesserungen für die Bauern kam, blieben diese abseits. Auch Adel und Bürgertum standen nicht geschlossen hinter der Bewegung. Nach der Niederlage kam es zur politischen Emigration zahlreicher Anhänger des Aufstandes. Das Königreich verlor seine Verfassung und die Bürgerrechte wurden eingeschränkt.

 

Dziembowski , Konstantin von

* 1827; † 21. Juni 1890 in Posen

 

Konstantin von Dziembowski war Rittergutsbesitzer in Roszkowo bei Schokken  (Kreis Wongrowitz).

1871 bis 1874 vertrat Dziembowski den Wahlkreis Bromberg 5 (Gnesen-Wongrowitz) im deutschen Reichstag. Dort gehörte er der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Georg Hirth (Hrsg.): Deutscher Parlaments-Almanach. 9. Ausgabe 1871
  • Max Schwarz: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. 1965, S. 301

 

Sigismund (Zygmunt) von Dziembowski  (Dr.jur.)

* 5. Mai  1849  auf Gut Bobelwitz, Landkreis Meseritz; † 22. Oktober 1915 ebenda

Dziemsbowski war Gutsherr auf Gut Bobelwitz und Kommendator des Johanniterordens der Provinz Posen.

Er begann nach dem Dienst in der preußischen Armee, die er als königlich preußischer Oberleutnant verließ, seine berufliche Laufbahn im Jahr 1870 als Gerichtsreferendar, wurde 1876 Gerichtsassessor in Beuthen (Oberschlesien), 1877 Regierungsassessor in Bromberg und war 1877–1878 kommissarischer Landrat des Kreises Wongrowitz. Von 1879/1880 bis 1886 war er Landrat des Kreises Samter.

Im Jahr 1887 wurde er Regierungsrat in Posen, 1890 Oberregierungsrat und er war von 1891 bis 1893 Oberpräsidialrat der Provinz Posen, bis er schließlich von 1893 Landeshauptmann vom Provinzialverband der Provinz wurde, was er bis 1911 blieb.

Im Jahr 1895 wurde er als Sachverständiger zum preußischen Staatsrat hinzugezogen. Er war Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat und von 1901 bis zu seinem Tod im Jahr 1915 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Lit.:

  • Aus dem Posener Lande 10(1915) S.570-572

 

 

Dziembowski-Pomian , Sigismund von

* 5. Oktober 1858 in Goranin (Krs.Witkowo); † 20. Juli 1918 in Posen

Dziembowski besuchte das Marien-Gymnasium in Posen und die Universität Breslau, er promovierte 1880 in Göttingen. Er war Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Posen, so war er u.a. Verteidiger im Prozess wegen der Schulstreiks in Wreschen(*). Von 1903 bis 1908 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und ab 1889 Stadtverordneter in Posen. Nachdem er in einer Ersatzwahl 1889 für den Wahlkreis Posen 8 (Wreschen, Pleschen) gewählt worden war, vertrat er diesen Wahlkreis bis 1903 im Reichstag. Von 1907 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4 (Gnesen – Wongrowitz) und  gehörte der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin.  1904, S. 60
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf:. 2007, S. 320-323 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus.1867-1918. Düsseldorf 1988 S.115

(*)Der Wreschener Schulstreik  war ein Unterrichtsboykott polnischsprachiger Schüler, der 1901 in der Stadt Wreschen durchgeführt wurde.

Bis zur Mitte des 19. Jh. gab es in der preußischen Provinz Posen kaum Probleme in den Landes- und Stadtschulen mit der Unterrichtssprache. Die Instruktion des Kultusministers vom 24. Mai 1842] bestimmte, dass die Kinder in den Landes- und Stadtschulen (nicht zu verwechseln mit Gymnasien!) den Unterricht in ihrer Muttersprache erhielten und für die polnischen Kinder Deutsch nur ein Unterrichtsfach war.

Die Situation änderte sich zuerst in Oberschlesien, wo durch die Verfügung vom 14. Februar 1863 in Volksschulen Deutsch als Unterrichtssprache vom zweiten Schuljahr an eingeführt wurde], und dann in Westpreußen, wo durch den Erlass des Kultusministers vom 25. Oktober 1865 „eine Regelung getroffen wurde, die von Klasse zu Klasse eine stärkere Berücksichtigung des Deutschen als Unterrichtsprache (in den Volksschulen)… festlegte. In der Oberstufe sollte das Polnische nur noch zur Erläuterung unbekannter Ausdrücke herangezogen werden“

Nach der Gründung des Kaiserreiches wurde in Oberschlesien (20. September 1872), Ost- und Westpreußen (24. Juli 1873) und dann Posen (27. Oktober 1873) Deutsch als Unterrichtssprache in den Volksschulen eingeführt. Ausgenommen waren nur die Fächer Religion und Kirchengesang. Polnisch wurde von nun an nur zum Unterrichtsfach. Dieses wurde per Erlass des Kultusministers v. Goßler am 7. September 1887 auch abgeschafft.

„Am 11.4.1891 ordnete der Kultusminister… an, dass die Regierung in Posen künftig privaten polnischen Schulunterricht in den Schulräumen auf Antrag zuzulassen habe. Dies wurde aber per Erlass seines Nachfolgers… am 16. März 1894 wieder aufgehoben – privater Polnisch-Unterricht war künftig verboten. Stattdessen wurde ein begrenzter polnischer Schreib- und Leseunterricht in den Schulbetrieb aufgenommen. Damit wurde aber keine Wiederherstellung des status quo von 1873 vorgenommen; denn den auf 1-2 Wochenstunden und auf Schüler der Mittel- und Oberstufe begrenzten und gesondert zu beantragenden Unterricht konnten nur die polnischen Schüler in Anspruch nehmen, die auch den Religionsunterricht in polnischen Sprache erhielten… Es erklärt, warum sich in der Folgezeit die Auseinandersetzungen auf den Religionsunterricht konzentrierten, die Polen die polnische Sprache dort so erbittert verteidigten.

Am 16. Juli 1900 wurde Deutsch im Religionsunterricht in der Mittel- und Oberstufe der Schulen der Stadt Posen eingeführt. Es bedurfte zwar keines Gesetzes, denn diese Möglichkeit war schon in den Regelungen von 1873 vorgesehen, wenn Kinder ausreichend Deutsch verstanden. Es wurde vorher aber nur wenig Gebrauch davon gemacht. Mit der neuen Regelung fiel der 1894 bedingt erlaubte Unterricht des Polnischen in der Mittel- und Oberstufe aus. Es hatte zwei Folgen. Erstens, der private polnische Sprachunterricht – 1894 verboten – wurde wieder belebt, und Behörden gingen gegen die Lehrer mit Geld- und Gefängnisstrafen vor. Zweitens, es kam zu einem Boykott in der Stadt Wreschen, wo im Frühling 1901 die deutsche Sprache im Religionsunterricht an der Oberstufe der Volksschule ebenfalls eingeführt wurde.

Nachdem am 1. April 1901 die preußische Regierung verordnet hatte, in der mehrheitlich von Polen bewohnten Stadt Wreschen müsse nun auch der Religionsunterricht ausschließlich in deutscher Sprache stattfinden, traten am 20. Mai 1901 118 Schülerinnen und Schüler der katholischen Volksschule  unter Anleitung des Priesters Jan Laskowski (1872–1939) in einen Unterrichtsstreik. Sie verweigerten die Annahme des deutsch gedruckten Katechismus, sie lernten die religiösen Texte nicht und verweigerten jede Antwort auf Deutsch. Schulinspektor Winter ordnete daraufhin körperliche Züchtigungen an. Aufgebrachte Eltern forderten den Inspektor wie auch die Lehrer auf, die   Prügelstrafen zu unterlassen.

Der Prozess gegen die Eltern in Gnesen erregte europaweites Aufsehen. Das harte Urteil sprach von „schweren Verbrechen des Aufruhrs und  Landesfriedensbruches““. Insgesamt wurden 18 Wreschener Bürger verurteilt. Als 1906 für weitere 200 Volksschulen die deutsche Sprache im Religionsunterricht verbindlich wurde, streikten etwa 48.000 Schüler an 755 Schulen. Auf diese Massenbewegung in der Provinz Posen reagierte die preußische Verwaltung mit harten disziplinarischen Maßnahmen.

Auch im Reichstag wurde die Vorgehensweise der preußischen Regierung scharf kritisiert.

 

 

 

Dziembowski-Bomst , Stephan von

* 24. Dezember 1828 in Powodowo; † 15. September 1900 in Meseritz

  1. war Rittergutsbesitzer auf Schloss Meseritz, Schlosshauptmann von Posen und Landtagsmarschall der Provinz Posen. Er war Landrat des Kreises Meseritz von 1874 bis 1880, Landrat des Kreises Samter von 1880 bis 1886 und seit 1877 Mitglied und seit 1889 Vorsitzender des Provinzialausschusses für die Provinz Posen.

Von 1877 bis zu seinem Tode 1900 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, ab 1894 Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 3 (Meseritz, Boms) und die Deutsche Reichspartei.

  • Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf 1988, S. 115 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3
  • zu den Wahlergebnissen siehe Kühne, Thomas: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867 – 1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. Düsseldorf: 1994, S. 280-282 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 6)
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf 2007, S. 273-281 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)
  • Haunfelder, Bernd : Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010 S.88

 

Morawski-Dzierzykraj, Franciczek Dionizy (dt. Franz von Morawski-Dzierzykraj

* 8. August 1868 auf Gut Lubonia; † 1938

Er erhielt zunächst Privatunterricht und besuchte später das Gymnasium in Lissa. Danach besuchte er die Universitäten in Breslau  und München, sowie die „Ecole des sciences politiques“ und das „Institut agronomique“ in Paris. Danach bewirtschaftete er seine vor allem in Österreich gelegenen Güter. Später lebte er als Rentier und Publizist. Er schrieb zu politischen und nationalökonomischen Themen. Diese erschienen in polnischer, deutscher und französischer Sprache. Er war auch Herausgeber und Redakteur eines konservativ-klerikalen Blattes.

Er war Mitglied des Provinziallandtages  der Provinz Posen, zeitweise war er Vizemarschall der Versammlung. Von 1910 bis 1918 war er Mitglied des Reichstages  und von 1913 bis 1917 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses In beiden Parlamenten gehörte er der polnischen Fraktion  an. Am 17. Januar 1917 wurde er ins preußische Herrenhauses berufen. Nach der Wiedergründung des polnischen Staates gehörte er dem Sejm an.

Veröffentlichungen

  • Der kommende Tag. Erwägungen über die Neuordnung des Bodenbesitzes in Deutschland. Selbstverlag, 1909

Lit. :

  • Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin:, 1913, S. 92 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250)
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.406
  •  Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf:. 2007, S. 281-283 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

Dziorebek, Leon ( Dr.jur.)

*04. April 1858 in Posen; + 12. Nov. 1898 in Schrimm

Studium zunächst der Geschichte und neueren Sprachen, dann der Rechte in Leipzig. Seit 1888 Rechtsanwalt in Schrimm.

Stadtrat.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.115

 

 

Ehrlich  , Ludwig

* 24. Dezember 1813 in Filehne; † 04. Juli 1884 in Murzyno (Krs. Hohensalza)

 

Ludwig Ehrlich war von 1846 bis 1884 evangelischer Pastor in Klein-Morin, Provinz Posen. Erzogen wurde er als Hausschüler an der Lateinischen Schule der Franckeschen Stiftungen in Halle vom Oktober 1829 bis zum März 1835. Das Abitur legte er im September 1835 allerdings am Gymnasium Eisleben ab. Nach seinem theologischen Studium an der Universität Greifswald und der neu gegründeten Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin bestand er 1839 mit Erfolg die theologische Prüfung vor dem Königlichen Konsistorium in Posen. 1846 übernahm er die im selben Jahr neu gegründete Parochie Klein-Morin (Diözese Inowraclaw), die er bis zu seinem Tode 1884 betreute. Im Oktober 1848 wurde er als Ersatzmann für den Abgeordneten Emil Alexander Wilhelm Senff (1807-1879), der den Wahlbezirk 1 Inowraclaw (Hohensalza) vertrat, in die Frankfurter Nationalversammlung berufen. Ludwig Ehrlich gehörte der Frankfurter Nationalversammlung von November 1848 bis März 1849 an. Er hat die Verfassungsurkunde vom 28. März 1849, die Paulskirchenverfassung, mitunterzeichnet als „Ludwig Ehrlich aus Murzinek, Abgeord. für den Kreis Inowraclaw“.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.55/56
  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989 S.144
  • Ehrlich, Ulf ( Hg.) : Ludwig Ehrlich, Pastor und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. München 1993

 

 

Eckel, Ingrid

* 09.April 1944 in Schönwinkel ( Kreis Jarotschin)

 

Nach dem Besuch der Grundschule setzte E. ihre Ausbildung am Aufbaugymnasium für Mädchen in Speyer fort.

Nach dem Abitur studierte sie Germanistik, Geographie und Pädagogik an den Universitäten Saarbrücken und Mainz. Nach dem  Examen war E. zunächst als Realschullehrerin in Speyer tätig und von 1977 bis 1998 (bis zu ihrer Wahl in den Landtag von Niedersachsen) in Wolfsburg.

Seit 1972 ist E. Mitglied der SPD. Ab 1986 gehörte sie dem Rat der Stadt Wolfsburg an.

Von 1991 bis 1996 war sie 1. Bürgermeisterin und anschließend bis 2001 ehrenamtliche Oberbürgermeisterin der Stadt Wolfsburg.

Dem Niedersächsischen Landtag gehörte sie von 1998 bis 2008 an.

 

Lit.:

  • Biographisches Handbuch der deutschen Politik. Bearb. von Bruno Jahn. Bd.1 München 2004. S.148

 

 

Elern, Karl August von

*24. März 1841 in Krotoschin; + 27.Okt. 1912 in Bandels

Von 1858 bis 1883 aktiver Offizier.

Landrat des Kreises Pr.-Eylau.

1903-1912 Mitglied des Reichstages.

 

Lit.:

  • Schwarz,  Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage 1965. S.303
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abge-ordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.120

 

 

Ernst, Eugen Oswald Gustav

* 20. Sept. 1864 in Murowana –Goslin, + 31. Mai 1954 in Werder-Havel

 

E.erlernte von 1878 bis 1882 das Schriftsetzerhandwerk und trat 1884 dem Verband der deutschen Buchdrucker und der SPD bei.

Während der Zeit des „Sozialistengesetzes“ (*)gehörte er seit 1886 der „inneren Bewegung „der illegalen Organisation der Berliner SPD an.

Bereits 1889 wurde er Vorsitzender von sechs Berliner Wahlkreisen und hatte von 1906 bis 1919 den Vorsitz der Groß-Berliner und der Preußischen Landesorganisation der SPD inne. In dieser Eigenschaft hatte er entscheidenden Anteil an der Durchführung der Wahlrechtsdemonstration.

Beruflich arbeitete er ab 1892 als Drucker für den „Vorwärts“ und von 1903 bis 1918 als Hausverwalter der Buchdruckerei Vorwärts.

Bis zur Gründung der Weimarer Republik bekleidete er höchste Ämter in der SPD- so war er von 1900 bis 1903 und von 1917 bis 1919 Mitglied des Parteivorstandes und von 1905 bis 1917 Mitglied der Kontrollkommission.

Nach der Novemberrevolution 1918 war er bis Juni 1919 preußischer Innenminister. Von April 1919 bis April 1920 war E. Polizeipräsident in Berlin und übernahm im Mai 1920 das gleiche Amt in Breslau, das er aber im September 1920 niederlegte, nachdem eine aufgebrachte  Menge am 26. August die Konsulate Frankreichs und Polens in Breslau gestürmt hatte.

Mitglied der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung.

  1. war von 1926 bis 1933 Stadtrat in Werder, sonst trat er politisch nicht mehr in Erscheinung.

Nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft trat er 1945 zunächst wieder der SPD bei und vollzog 1946 die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED mit.

 

Werke:

  • Ein Leben für die Arbeiterbewegung. Ansporn für unsere Jugend ( Autographie). Berlin 1948

 

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.642
  • Kotowski, Georg: Ernst,  Eugen Oswald Gustav. In : Neue Deutsche Biographie 4 (1959) S.628
  • Mingerzahn, Frauke : Eugen Ernst. Lebensbild eines Sozialdemokraten im Spannungsfeld zwischen Reaktion und gesellschaftlichem Fortschritt. Potsdam Diss. 1989
  • Schumacher, Martin u.a.: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation Düsseldorf 1994.S. 203
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995. S.429
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 3 München 2001 S.163

 

(*)Sozialistengesetz ist die Kurzbezeichnung für das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, das von 1878 bis 1890 galt und während dieser Zeit mehrfach verlängert wurde. Wegen der verschiedenen Einzelbestimmungen 30 Paragraphen der jährlichen Neuvorlage und wegen kleiner Modifizierungen spricht man oft auch im Plural von den Sozialistengesetzen.

Das Gesetz verbot sozialistische, sozialdemokratische und kommunistische  Vereine, Versammlungen und Schriften, deren Zweck der Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sei. Aus dem Sozialistengesetz resultierte die Verlagerung sozialdemokratischer Aktivitäten in den Untergrund bzw. ins Ausland sowie Massenverhaftungen und -ausweisungen. Lediglich die Sozialdemokraten im Reichstag blieben aufgrund ihrer parlamentarischen Immunität unangetastet. Trotz der massiven Repressionspolitik war die Kandidatur und Wahl sozialdemokratischer Politiker als Privatpersonen weiterhin möglich und die einzige legale Möglichkeit zur politisch-rechtlichen Interessenvertretung.

Anlass für das Sozialistengesetz waren zwei erfolglose Attentate auf Kaiser Wilhelm II im Jahre 1878. Reichskanzler Bismarck nahm diese Anschläge zum Anlass, mit dem Sozialistengesetz rigoroser gegen die in der Arbeiterschaft zunehmend einflussreicher werdende Sozialdemokratie vorzugehen.

 

 

Ekke, Elise

* 14. Oktober 1877 in Krotoschin ; † 3. Dezember 1957 in Kiel

 

Ekke besuchte in die Luisenschule und das Lehrerinnenseminar in Posen. Ab 1899 nahm sie als Gasthörerin an Vorlesungen der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin teil. Später hörte sie an der Akademie zu Posen. Von 1900 bis 1905 unterrichtete Ekke als Lehrerin an einer Volksschule, dann von 1905 bis mindestens 1919 an einer städtischen Mittelschule in Posen. 1914 unternahm Ekke eine Studienreise nach England. Politisch tat sie sich im Kaiserreich nicht hervor.

Nach dem Ersten Weltkrieg trat Ekke in die Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein.

Nachdem sich am 11. November 1918 der Polnische Volksrat Posen gebildet hatte, wurde E. am 14. November in den Deutschen Volksrat gewählt.

Am 19. Januar 1919 wurde Ekke als Kandidatin der DDP für den Wahlkreis 8 (Posen) in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, der sie bis zum Zusammentritt des ersten Reichstags der Weimarer Republik im Juli 1920 angehörte. Ihr Mandat erlosch mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages. Anschließend verschwand sie wieder von der öffentlichen Bildfläche. In der Zeitschrift „Die Brücke“  vom 21. Februar 1920 findet sich noch ein Aufsatz Ekkes mit dem Titel:  „Das Deutschtum in Polen. Wie organisieren wir uns?“, der nahelegt, dass sie nach 1920 der deutschen Minderheit in Polen angehörte. Die nächste auffindbare Information zu ihrer Person ist die Feststellung ihres Todes in Kiel am o3. Dezember 1957.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.641
  • Schumacher, Martin u.a.: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation Düsseldorf 1994 S.275

 

 

 

Erdmann, Joseph

 

* 4. Dezember 1900 in Labischin, +  07. August 1942

 

Hilfsarbeiter, Heizer und Schlosser in Bromberg, dann in Essen, seit 1922 in Berlin. 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1926 Bezirksverordneter in Berlin-Neukölln, wurde Erdmann wegen seiner Aktivitäten für die linke Opposition im Mai 1927 aus der KPD ausgeschlossen, im Mai 1928 nach »Selbstkritik« aber wieder aufgenommen. Von 1929 bis 1933 Stadtverordneter der KPD in Berlin sowie Funktionen im AM-Apparat (*). Erdmann wurde in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet und kam in das KZ Sonnenburg. Nach seiner Entlassung lebte er illegal,  emigrierte 1935  in die Tschechoslowakei und war als Instrukteur für die KPD tätig. Er organisierte u. a. einen Gegenprozeß unabhängiger Prager Juristen zum Richardstraße- Prozess in Berlin, den die Nationalsozialisten groß inszenierten. Denn im Oktober 1931 war es zu einem kommunistischen Überfall auf ein SA-Vereinslokal in der Neuköllner Richardstraße gekommen, bei dem zwei Personen getötet wurden. Im Berliner Prozess wurde Joseph Erdmann in Abwesenheit als »intellektueller Urheber« angeklagt. 1936 kam er in die UdSSR, dort wurde er Anfang November in Anwesenheit seiner Tochter Annemarie (*28. 10. 1924) im Moskauer Emigrantenhotel »Baltschuk« verhaftet. Seine Frau Margarethe Erdmann (* 16. 8. 1906 – † 13. 1. 1976) befand sich zu einem längeren Kuraufenthalt auf der Krim. Alle Nachforschungen blieben ergebnislos. Frieda Schimanski, mit der sie seit ihrer Berliner Zeit befreundet war und die selber in NKWD-Haft saß, berichtete in den fünfziger Jahren, dass sie während ihrer Haft zufällig Joseph Erdmann in einem Raum kauernd, zusammengesunken und apathisch gesehen hatte und ihm zurief, »nichts zu sagen. Alles sei erlogen«, er reagierte aber nicht. Etwa ein halbes Jahr nach der Verhaftung erhielt Margarethe Erdmann einen Brief ihres Mannes mit Absender Halbinsel Kola (Polarkreis/Uranbergbau). Margarethe Erdmann ließ sich 1937 auf Druck der Partei scheiden. Sie lernte 1940 den deutschen Emigranten Erich Wolf-Dollwetzel (1912-1966)  kennen und heiratete ihn später. Dollwetzel hatte fünf Jahre Arbeitslager verbüßt. Nach der Heirat wurde Erich Wolf-Dollwetzel erneut verhaftet und in den Norden der SU verbannt. 1954 erhielt Margarethe Erdmann ein offizielles Schreiben mit der Information, das ihr erster Mann Joseph Erdmann 1936 wegen »Verdachts auf Spionage für Deutschland« zu 10 Jahren Lager verurteilt worden war. Zurzeit sei er in keinem der Lager registriert. Später wurde ihr eine Sterbeurkunde übermittelt, nach der Joseph Erdmann angeblich am 7. August 1942 gestorben sein soll. Sie selbst wurde im Januar 1941 nach Alexandrow verbannt, gehörte seit November 1942 der Arbeitsarmee (1) an und verrichtete schwere körperliche Arbeit in verschiedenen Waldsiedlungen. 1954 wurde die Verbannung aufgehoben. Margarethe Erdmann kam 1955 in die DDR, durfte aber erst 1964 nach Ost-Berlin ziehen.

 

(1) Russ. Trudowaja armija. –war eine militaristische Form der Zwangsarbeit in der Sowjetunion.

 

Lit.:

  • Weber, Hermann/Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004. S.192

 

 

(*)Als Deutsche Tscheka bezeichnete die Justiz und Presse in der Zeit der Weimarer Republik  eine kommunistische Untergrundorganisation, die nach dem Scheitern des sog. „Hamburger Aufstandes“  Ende 1923 gegründet wurde und bis Herbst 1924 existiert haben soll. Ziel dieser „T-Gruppe“ war demnach, durch Verübung von terroristischen Aktionen wie Sprengstoffanschlägen und Attentaten gegen politische Gegner doch noch die deutsche Revolution auszulösen.

 

 

Fellisch, Alfred

 

* 01. Juni 1884 in Fraustadt, + 04. März 1973 in Radebeul

 

Obwohl F. aus der preußischen Provinz Posen stammte, wuchs er als Sohn eines Wurstmachers im niederschlesischen Haynau (poln. Chojnów) auf, wo er von  1890 bis 1898 die Volksschule besuchte und anschließend den Beruf eines Handschuhmachers erlernte. Unmittelbar nach Beendigung der Lehre 1902 vollzog er den Beitritt zur SPD und zur Einzelgewerkschaft der Handschuhmacher.  Bereits sehr früh wurden F.s rhetorische, organisatorische und publizistische Begabungen wahrgenommen und gefördert. Noch während seiner Wanderschaft als Handschuhmacher durch Schlesien, Sachsen, die thüringischen Staaten und Preußen veröffentlichte der 19-Jährige seinen ersten Leitartikel im Gewerkschaftsorgan „Der Handschuhmacher“. Nur ein Jahr später avancierte er bereits zum Zweiten Vorsitzenden der SPD im niederschlesischen Liegnitz (poln. Legnica) und wiederum ein Jahr darauf zum Ersten Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells von Ilmenau (Thüringen) . Im Anschluss an die Beendigung seines Militärdiensts wurde er als Handschuhmacher 1908 in Johanngeorgenstadt sesshaft. Dort gründete er eine Familie und betätigte sich gleichzeitig als Wahlkampfredner und Organisator für die SPD. Aufgrund seiner erfolgreichen Wahlkampfarbeit wurde er von der Chemnitzer Bezirksorganisation der SPD 1912 auf die zentrale SPD-Parteischule nach Berlin geschickt. Der halbjährigen Schulung schloss sich in dem darauffolgenden Jahr die Tätigkeit als Berichterstatter und später als Redakteur (1917) für die sozialdemokratische „Chemnitzer Volksstimme“ an. Während des Ersten Weltkriegs vermochte sich F., der Mitglied der MSPD blieb, als Leiter des Bezirks-Jugendausschusses und als wichtigster Chemnitzer Nachwuchspolitiker seiner Partei zu profilieren, sodass er im April 1918 bei einer Nachwahl im 47. Wahlkreis (Thalheim und Umgebung) den Sprung in die Zweite Kammer des Sächsischen Landtags schaffte. F., der während der Revolution von 1918/19 zeitweilig als paritätischer Vorsitzender des Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrats und als Ernährungskommissar amtierte und in diesen Funktionen sein organisatorisches Talent (v.a. bei der Lebensmittelbeschaffung) unter Beweis stellen konnte, begann nun zunehmend auch auf der Landesebene eine maßgebliche Rolle zu spielen. Anfang 1919 als Chemnitzer Abgeordneter in die Sächsische Volkskammer gewählt (1920-1926 MdL), begründete der orthodox-marxistisch geprägte Sozialdemokrat noch im Spätsommer desselben Jahres mit der „Chemnitzer Richtung“ (*), eine neue linke Plattform innerhalb der MSPD. Als ihr Wortführer machte er sich innerhalb der Partei für eine umfassende Sozialisierung und den Aufbau einer zentral gelenkten Staatswirtschaft sowie für eine Annäherung an die USPD stark – Vorstellungen, die das sozialliberale Kabinett unter Georg Gradnauer (MSPD) (1866-1946)  nicht erfüllte oder gar ablehnend gegenüberstand. Als publizistisch-intellektuelles Sprachrohr schuf F. für diese Auseinandersetzungen das Theorieorgan „Die Brücke. Wochenschrift zur Förderung sozialer Erkenntnis“, mit dem er bald weit über die Grenzen von Chemnitz hinaus enttäuschte Anhänger mobilisieren konnte. Im Laufe des Jahrs 1920 wurde die von ihm repräsentierte linke innerparteiliche Richtung mehrheitsbildend, worauf er bereits Ende des Jahrs eine Koalition aus MSPD und USPD unter Tolerierung der KPD durchzusetzen vermochte. In das neue linksrepublikanische Kabinett trat er schließlich im April 1921 selbst als Wirtschaftsminister ein. Allerdings gelang es ihm weder in diesem Amt, das er bis Anfang 1924 bekleidete, noch als Ministerpräsident (November 1923 bis Januar 1924) einer sozialdemokratischen Minderheitsregierung, die im Gefolge der Reichsexekution gegen die sozialdemokratisch-kommunistische Regierung Erich Zeigners (1886-1949)  entstanden war, seine hochgesteckten wirtschaftssozialistischen Ziele zu erreichen. Immerhin darf die politische und wirtschaftliche Beruhigung, die im Krisenwinter 1923/24 eintrat, mit als sein Verdienst angesehen werden. Obwohl F. nach den dramatisch verlaufenen Monaten der Ära Zeigner und der Reichsexekution nunmehr eine Große Koalition aus SPD und den liberalen Parteien favorisierte, um so politisch Erreichtes zu bewahren, verzichtete er Anfang 1924 auf die Übernahme eines Ministerpostens, da die Mehrheit seiner Partei – im Gegensatz zur Landtagsfraktion – den Gang in die Opposition favorisierte. Während des nun anbrechenden sog. Sachsenkonflikts (*) der SPD (1924-1926) schwankte F. innerparteilich zwischen der Unterstützung der von der Mehrheit der Landtagsfraktion realisierten Großen Koalition und der linkssozialistischen Mehrheitsstimmung in der SPD, was ihm schließlich die Wiederaufstellung als Landtagsabgeordneter kostete. Als Amtshauptmann von Großenhain (1924-1932) ging er immer stärker auf Distanz zur linkssozialistisch geprägten eigenen Landespartei und verließ ihre Reihen 1931. Der Bruch mit seiner Partei resultierte aber auch aus dem Umstand, dass er sich in dem neuen Verwaltungsamt verstärkt für die agrarischen Interessen seines Amtsbezirks engagierte und letztlich auch als einer seiner bedeutendsten Lobbyisten in Erscheinung trat.

Durch den Tod seiner Frau seelisch tief getroffen, wurde er 1932 aus dem Dienst entlassen.

Während der ersten Phase des Dritten Reichs lebte F. – nach ersten widerständischen Aktionen – arbeitslos und zurückgezogen in der Nähe Dresdens, im Erzgebirge und in Norddeutschland. Durch einen schweren Unfall zudem auch körperlich beeinträchtigt, arbeitete er zwischen 1939 und 1945 als kaufmännischer Angestellter in einem Privatunternehmen in Dresden. Dort ausgebombt, schlug sich F. im Mai 1945 mit seiner zweiten Frau zu Fuß durch das mittlere Erzgebirge, wo er in der unbesetzten Zone in Schwarzenberg vorübergehend Quartier bezog. Ohne Kontrolle der alliierten Siegermächte gab er dort bis zum Einzug der sowjetischen Truppen im Juni 1945 das Wochenperiodikum „Schwarzenberger Zeitung“ heraus, für die er nahezu alle Artikel, die zumeist einer antifaschistisch-sozialistischen und rechtsstaatlichen Überzeugung folgten, auch selbst verfasste. Nach dem Verbot der Zeitung arbeitete F., der im Spätsommer 1945 wieder Mitglied der SPD geworden war, zuerst als Regierungsrat in Stollberg/Erzgebirge und ab November 1945 als Landrat in Annaberg. Dort setzte er auch als Einheitsbefürworter die organisatorische Verschmelzung von SPD und KPD auf Kreisebene durch und avancierte anschließend im Mai 1946 zum Staatssekretär im sächsischen Wirtschafts-ministerium, in dem er v.a. für Reparationsangelegenheiten verantwortlich zeichnete. Nach dem Aufstieg seines Ressortchefs Fritz Selbmann (1899-1975)  (KPD/SED) an die Spitze des zentralen Wirtschaftsapparats nach Berlin im April 1948 wurde dem mittlerweile 64-Jährigen noch einmal kurzzeitig das sächsische Wirtschaftsministerium übertragen. In diesem Amt hoffte er, an eigene wirtschaftssozialistische Vorstellungen aus den ersten Jahren der Weimarer Republik anknüpfen zu können. Auch wenn sich maßgebliche Forderungen zu erfüllen schienen (Sozialisierung, Wirtschaftsplanung), so musste er jedoch im März 1949 aus gesundheitlichen und politischen Gründen sein Amt wieder aufgeben. In einer Zeit, in der durchsetzungsstarke stalinistische Kader immer mehr den Ton angaben, erschien der kränkelnde, politisch zögerliche und parteimarxistischen Auffassungen der SPD verhaftete Politiker nicht mehr zeitgemäß. Um F. jedoch einen würdevollen Abschied zu verschaffen, übertrug ihm Ministerpräsident Max Seydewitz (1892.-1983), ein früherer Parteifreund, den verwaisten Posten des Direktors der Sächsischen Landesbibliothek (SLB) in Dresden. In seiner dreijährigen Amtszeit (bis 1952) gelang dem Quereinsteiger F. immerhin die Etablierung eines eigenen Buchmuseums und der Berufssparte des Bibliothekstechnikers (als Ergänzung des wissenschaftlichen Bibliothekars und des Bibliotheksgehilfen) sowie die Einrichtung einer Lehrwerkstatt für Buchbinder. Mit der Berufung des langjährigen SLB-Mitarbeiters Helmut Deckert (1913-2005) zu seinem Stellvertreter schuf sich F. zudem eine gleichermaßen vertrauenswürdige wie fachlich kompetente Stütze, was überdies den Wissenschaftscharakter der Einrichtung wahren half. Auch nach seinem Ausscheiden als SLB-Direktor blieb F. noch mehrere Jahre lang gesellschaftlich aktiv, so v.a. mit seinem ehrenamtlichen Engagement für den Kulturbund in seiner neuen Heimatstadt Radebeul und im Kreis Dresden-Land. Ende der 1960er-Jahre näherte er sich aus Enttäuschung über die Entwicklung in der DDR (im Vordergrund stand für ihn der Verlust der Meinungsfreiheit) wieder sozialdemokratischen Vorstellungen an. 1968 zählte er trotz seines hohen Alters zum aktiven Kern von DDR-Sympathisanten, die den „Prager Frühling“ im Nachbarland sowohl ideell wie materiell unterstützten.

 

 

Lit. :

  • Berger, Willi: Sachsen unter der Revolution.O.O. 1920 S.254
  • Minister Fellisch 64 Jahre. In : Sächsische Zeitung vom 03. Juni 1948
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995. S.435
  • Schumacher, Martin Schumacher, Martin u.a.: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995. S.37
  • Schmeitzner, Mike : Alfred Fellisch 1884-1973. Eine politische Biographie. Köln, Weimar, Wien 2000 (= Geschichte und Politik in Sachsen, 12)

 

(*) In der sächsischen SPD bildete sich in den Jahren 1921 bis 1923 ein starker linker, marxistischer Flügel heraus, welcher die Koalitions- und Tolerierungspolitik der Gesamtpartei kritisierte und sich aus zwei Quellen speiste. Zum einen kehrten in Sachsen nach dem Zusammenschluss von SPD und USPD mit Politikern wie beispielsweise Hermann Fleißner oder Richard Lipinski starke Regionalverbände der USPD (mit dem traditionsreichen Organ der SPD-Linken vor 1914, der Leipziger Volkszeitung ) zur SPD zurück. Zum anderen entwickelten sich auch unter in der SPD verbliebenen Mitgliedern linksoppositionelle Tendenzen, zu nennen sind hier Politiker wie Erich Zeigner und vor allem Max Seydewitz.

Am 21. März 1923 wählten die Fraktionen von SPD und KPD im sächsischen Landtag Erich Zeigner (SPD) zum Ministerpräsidenten. Er stand einer Minderheitsregierung vor, der kommunistische Minister nicht angehörten, und stellte sich bewusst und öffentlich gegen die Politik des Reichsvorstandes der SPD. Letzterer war auf eine Abgrenzung zur KPD und auf eine Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien bedacht. Am 10. Oktober 1923 trat die KPD mit zwei Ministern in die Regierung Erich Zeigners ein. Am 20. Oktober 1923 rückten, auf Weisung des Reichswehrministers Otto Geßler, Reichswehrtruppen in Sachsen ein. Am 21. Oktober versuchte die KPD auf der Chemnitzer Betriebsrätekonferenz eine Mehrheit für die (reichsweite) Ausrufung eines Generalstreiks zu erhalten. In der Meinung, diese sei erreicht, löste der Hamburger Kurier der KPD den Hamburger Aufstand aus. Am 29. des Monats veranlasste Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) die Reichsexekution gegen Sachsen, die Regierung wurde für aufgelöst erklärt und der frühere Ministerpräsident Rudolf Heinze zunächst als Reichskommissar eingesetzt. Nach Protesten der SPD wurde allerdings nach dem Rücktritt von Zeigner am 30. Oktober einen Tag später und auch mit den Stimmen bürgerlicher Parteien Alfred Fellisch zum Ministerpräsidenten gewählt. Er bildete ein rein sozialdemokratisches Kabinett, das sich auf keine verlässliche Mehrheit im Landtag stützen konnte (Minderheitsregierung).

Am 1. Dezember 1923 fand ein außerordentlicher Parteitag der sächsischen SPD statt. Wegen des Festhaltens der SPD-Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes an der Großen Koalition im Reich wurde beiden Organen mit 89 gegen 20 Stimmen das Misstrauen ausgesprochen. Die gewaltsame Beseitigung der Regierung Zeigner verurteilte der Parteitag als Verfassungsbruch. Gleichzeitig plädierte er dafür, dass die sozialdemokratische Minderheitsregierung die Zusammenarbeit mit der KPD suchen sollte. An diesen Beschluss seien die Landesorganisation der Partei und die Landtagsfraktion gebunden und er mache jede Koalitionsbildung von der Zustimmung eines Parteitages abhängig. Nachdem die DDP der sächsischen Regierung das Vertrauen entzogen hatte, kam es zwar zu Verhandlungen mit den Kommunisten, die allerdings Mitte Dezember an deren Forderungen nach Neuwahlen scheiterten.

Am 4. Januar 1924 wurde der bisherige Finanzminister Max Heldt(SPD) zum Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen  gewählt. Er regierte das Land in Koalitionen mit DDP, DVP und ab 1927 auch mit Wirtschaftspartei, DNVP und Volksrechtpartei Der Schritt der Landtagsfraktion in eine Koalition mit den bürgerlichen Parteien wurde vom Parteivorstand in Berlin unterstützt. Allerdings traf dieses Vorgehen in Teilen der sozialdemokratischen Landtagsfraktion auf Widerspruch. 15 Abgeordnete erklärten, dies stehe im Widerspruch zu den Beschlüssen des Parteitages.

Erstmals am 6. Januar 1924 forderte der Landesparteitag der sächsischen SPD mit 77 zu 16 Stimmen Max Heldt auf, die bestehenden Koalitionen aufzulösen und Koalitionsverhandlungen mit der KPD aufzunehmen. Dem verweigerten sich Max Heldt und die Mehrheit der SPD-Landtagsfraktion. In der folgenden Zeit wurde die SPD auch auf Reichsebene vom so genannten „Sachsenstreit“ belastet und dieser war ein Thema der Reichsparteitage von 1924 und 1925. Auf dem Parteitag von 1924 wurde beschlossen, dass Koalitionsvereinbarungen Sache der Landtagsfraktionen seien. Einer Koalition mit der KPD erteilte er auf absehbare Zeit eine Absage, und die Reichspartei behielt sich das Recht vor, notfalls Beschlüsse der Landesparteien zu suspendieren, bis ein Reichsparteitag darüber entschieden hätte.

 

Fest , Johannes

* 6. Februar 1898 in Ottorowo (Kreis , † 15. September 1960 in Berlin

 

Johannes Fest besuchte die Volksschule. Danach ging er zu einer Präparandenanstalt, um dort seine Volksschullehrerausbildung zu absolvieren. Ab 1916 wurde Johannes Fest Lehrer in Berlin-Neukölln. Das letzte Jahr im Ersten Weltkrieg war er Soldat. Von 1918 bis 1933 war Johannes Fest Vorstandsmitglied der Deutschen Zentrumspartei in Berlin. Ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg setzte er sein Studium fort (1919 bis 1922 Studium der Philologie und Volkswirtschaft an der Universität Berlin). Von 1925 bis 1933 war er Mitglied des Gauvorstands Berlin-Brandenburg und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (*). Später wurde Johannes Fest Bezirksverordneter in Berlin-Lichtenberg. Vier Jahre lang (1929 bis 1933) war er Rektor in Berlin-Lichtenberg. Im Jahre 1933 wurde Johannes Fest aus politischen Gründen als Rektor entlassen. 1944 diente er der Wehrmacht, woraufhin er einige Zeit später in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) war er Mitglied der CDU. Von 1945 bis 1954 arbeitete er als Bezirksschulrat in Berlin-Tempelhof. 1948 bis 1950 und 1958 bis 1960 wurde Johannes Fest Bezirksverordneter in Berlin-Neukölln. Am 24. Juni 1960 wurde ihm die Würde des Stadtältesten verliehen. Johannes Fest war von 1950 bis 1958 (1. bis 2. Wahlperiode) Abgeordneter von Berlin.

 

Lit.:

* Fest, Joachim: Ich nicht. Erinnerungen an die Kindheit und Jugend. Reinbek 2006

* Breunig, Werner/ Herbst, Andreas : Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011 S.95

(*)Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner, das am 24. Februar 1924 zum Schutz der Weimarer Republik gegen ihre Feinde gegründet wurde. Nach der Machtübernahme verboten die Nationalsozialisten den Verband.

Rechte und nationale Kampfbünde, wie der „Stahlhelm“ oder die SA  sowie der KPD –nahe Rote Frontkämpferbund, hatten den politischen Kampf immer weiter radikalisiert. Zunächst gründeten sich eine Reihe von lokalen sozialdemokratischen Selbstschutzorganisationen. Auf diesen aufbauend wurde als Reaktion auf die rechten (Hitlerputsch) und linken /Hamburger Aufstand) Umsturzversuche von 1923 am 22. Februar 1924 von Mitgliedern der SPD, der Deutschen Zentrumspartei, der Deutschen Demokratischen Partei sowie Gewerkschaftern in Magdeburg das Reichsbanner gegründet. Allerdings überwog der Anteil der Sozialdemokraten in der Mitgliedschaft deutlich. Schätzungen gehen von bis zu 90 Prozent aus.

Das Reichsbanner war ein Veteranenverband, in dem Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges ihre Kriegserfahrungen mit ihrem Eintreten für die Republik verbanden. Seine Hauptaufgabe sah das Reichsbanner somit in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen Feinde aus den nationalsozialistischen, monarchistischen und kommunistischen Lagern. Dabei verstand sich das Reichsbanner als Hüter des Erbes der demokratischen Tradition der Revolution von 1848 und der verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold.

 

Fiebig, Anna

*07. Juni 1889 in Posen; + 03.Mai 1964

Mitglied des  Landtages von Nordrhein-Westfalen vom 19. Dezember 1946 bis 19. April 1947

 

 

Franke, Hermann

 

*      1829 in Bromberg, + 29. Juli 1913 in Bromberg

 

Als Sohn des Firmengründers August Franke, dessen Spiritus-raffinerie sich zu einem überregional bedeutenden Unternehmen entwickelte, übernahm nach dem Tode des Vaters 1859 die Firma.

1872 baute F. eine neue Fabrik, die die Leistungsfähigkeit bedeutend  erhöhte. Zielstrebig baute er sein Unternehmen weiter aus.

Seine Wahl zum Stadtrat erfolgte 1875.Dem Magistrat der Stadt Bromberg gehörte er bis zum Jahre 1905 an. Sein Wirken für die Stadt würdigte man 1900 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. 1905 wurde  F. Mitglied des Provinziallandtages und des Provinzialrates.

  1. gehörte zu den Mitbegründern der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt, dessen Vorstand er 27 Jahre als Schatzmeister angehörte.

 

Lit.:

  • Historische Monatsblätter für die Provinz Posen 14 (1913) S.136
  • Dies und Das aus dem Posener Lande. Beilage zu den Monatsblättern „ Aus dem Posener Lande“ September 1913 S.33
  • Ohlhoff, Gerhard: Franke, Hermann August Robert. In : Joachim Heinrich Balde (Hrsg.): Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.56/57

 

 

Frasunkiewicz, Adam

* 23. Dez. 1873 in Bromberg, + 31. Juli 1923 in Bremen

 

Der gelernte Schuhmacher begab sich auf eine berufliche Wanderschaft, um Arbeit zu finden.

1897 trat er der SPD bei und bis 1917 war F. Funktionär einer christlichen Gewerkschaft in Stettin.

Von 1911 bis 1917 bestätigte er sich als Expedient der „Bremer Bürgerzeitung“ in Hemelingen, wo er auch Mitglied des Gemeinderates war.

  1. absolvierte die Zentrale Parteischule der SPD in den Jahren 1913 und 1914.

1917 trat er zur USPD über, die er aber 1922 wieder verließ, um zur SPD zurück zu kehren.

Zwischen 1917 und 1918 befand er sich 18 Monate in Haft und nach seiner Entlassung im November gehörte er dem Arbeiter-und Soldatenrat in Bremen an. Volksbeauftragter in der Bremer Räteregierung war er von Januar bis April 1919 und anschließend bis September 1922 Bezirksparteisekretär der USPD. Dem Landtag von Bremen gehörte F. von 1920 bis 1923 an.

Von März 1923 bis zu seinem Tode arbeitete er als Lagerhalter in der Verkaufsstelle Arsten des Bremer Konsumvereins „Vorwärts“, nachdem er von Oktober 1922 bis zum Februar 1923 Parteisekretär der Bremer SPD war.

 

Lit.:

 

* Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs – und Landtagen 1867-1933 #####

* Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000 S.127/128

 

 

Frehse, Gertrud (geb. Domien)

 

* 18.Juni 1878 in Schubin/Landkreis Bromberg, + 26.März 1964 in Hamburg
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (DNVP, 1924–1931 u. 1932–1933
1933 Kampffront “Schwarz-Weiß-Rot(*).Vorsitzende des Fachverbandes der Wäsche-schneiderinnen, Obermeisterin. Nach dem Besuch der Volksschule in Hamburg und einer Lehre als Wäscheschneiderin arbeitete Gertrud Frehse zunächst als Verkäuferin, ab 1897 dann als Direktrice einer Modewerkstatt. 1913 machte sie sich selbständig. 1917 wurde sie Vorsitzende des von ihr ins Leben gerufenen Hamburger Fachverbandes der Wäscheschneiderinnen. Seit 1918 gehörte sie als einzige Frau dem Vorstand des Arbeitgeberverbandes der Wäschehersteller an. 1919 wurde sie in den Vorstand des Bundes der Innungen gewählt und 1923 Obermeisterin der Zwangsinnung der Wäscheschneiderinnen. In dieser Funktion kümmerte sie sich um soziale Schutzmaßnahmen und um die „Ertüchtigung des weiblichen Geschlechts im Lehrlingswesen“. Außerdem lag ihr stets die handwerkliche und fachgewerbliche Ausbildung von Frauen am Herzen. Sie war Vorsitzende des Beirats der Fachgewerbeschulen und Vorsitzende des Verwaltungskörpers der Staatlichen Schulen für Frauenberufe. Darüber hinaus fungierte sie als Sachverständige der Gewerbekammer für Textilien. Während ihrer Abgeordnetenzeit (Deutsch Nationale Volkspartei) engagierte sie sich in den Bereichen der Berufsschul- und Wohlfahrtsbehörde, wurde Mitglied des Ausschusses für den Bau von Wohnungen für die ärmere Bevölkerung und des Beschwerdeausschusses.

 

(*)Die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot war ein nach den alten Reichsfarben des Deutschen Reiches  benanntes Wahlbündnis aus Deutschnationaler Volkspartei (DNVP), Stahlhelm und Landbund. Die de facto von der DNVP dominierte Kampffront wurde am 11. Februar 1933 gegründet und trat nur zur Reichstagswahl am o5. März 1933 an, bei der sie 8 % der Stimmen erreichte. Beim Geheimtreffen vom 20.Februar 1933 wurde der NSDAP zusammen mit der Kampffront ein Wahlfonds von 3 Millionen Reichsmark von Industriellen zur Verfügung gestellt, von dem die Kampffront 25 % erhielt.

 

 

 

Freymark, Emil Gustav Hermann

*28. Juni 1825 in Bromberg, + 04.Sept. 1894 in Rudolstadt/

Thüringen

 

Freymark absolvierte das Studium der Rechte in Berlin  und in Heidelberg. 1851 war er Kreisrichter bzw. Regierungsassessor in Schrimm. Er wirkte als Landrat im Kreis Wreschen (1853–1863) und im Kreis Wirsitz  (1863–1882). Zudem war er Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus  von 1855 bis 1858 sowie von 1879 bis 1882.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.136

 

 

Freund, Wilhelm Salomon

* 28. September 1831 in Schmiegel; † 27. August 1915 in Breslau

.Freund studierte Rechtswissenschaften in Breslau und war seit 1856 dort als Rechtsanwalt tätig. 1871 wurde er dort zum Stadtverordneten gewählt und von 1887 bis zu seinem Tode war er dort Stadtverordnetenvorsteher. Er wurde in die schlesische Anwaltskammer gewählt und war ab 1884 für 30 Jahre deren Vorsteher. Er war Ehrenbürger der Stadt Breslau und Ehrendoktor der juristischen Fakultät.

Weiter war er Mitglied des Schlesischen Provinziallandtages und von 1876 bis 1879 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Am 21. Februar 1879 wurde er in einer Nachwahl für den verstorbenen Abgeordneten Heinrich Bürgers (1820-1878)  in den Deutschen Reichstag für den Wahlkreis Breslau 7 (Breslau westlicher Teil) und die Deutsche Fortschrittspartei gewählt. Dieses Mandat hatte er nur der Tatsache zu verdanken, dass die Sozialdemokraten infolge des Verbots ihrer Partei keinen aktiven Wahlkampf betreiben konnten. Er blieb dessen Mitglied bis zum Ende der Legislatur-periode 1881.Freund wirkte dort an der Rechtsanwaltsordnung und der Anwaltsgebührenordnung als Vorsitzender der betreffenden Ausschüsse mit.

Lit.:

  • Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : D 1988, S. 136 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  • Scheuermann, Gerhard: Das Breslau-Lexikon.1. Band. Dülmen 1987 S.337
  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchistischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968. S.296-298
  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1907. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnisse der gewählten Abgeordneten. 2., ergänzte Aufl. Berlin 1908, S. 70
  • Heilberg, Adolf: Wilhelm Salomon Freund. In : Schlesische Lebensbilder 1/1922 S.94-97
  • Neubach, Helmut: Parteien und Politiker in Schlesien. Dortmund  1988 S.95/96
  • 93. Jahres-Bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur 1915. Breslau 1916 S.17-20
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S.143

 

 

Friedlaender, Dagobert

 

* 19. Februar 1826 in Kolmar, Provinz Posen; † 1904 in der Villa Breitenstein bei Ermatingen, Schweiz

 

Friedlaender stammte aus einem einfachen jüdischen Elternhaus und war zwischen 1846 und 1857 Buchhändler in Wollstein. Später gründete er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, der in Kalifornien ein Vermögen verdient hatte, in Bromberg das Bank-haus Gebrüder Friedlaender. Dieses gewann rasch an Bedeutung. In Bromberg gehörte Friedlaender zum angesehenen Wirtschaftsbürgertum. Er gründete zahlreiche Wohlfahrts-einrichtungen und wurde zum ehrenamtlichen Stadtrat und in den Provinziallandtag gewählt. Auf Vorschlag der Stadt wurde er 1874 auf Lebenszeit ins preußische Herrenhaus berufen. Er war eines von zwei jüdischen Mitgliedern des Hauses.

Friedlaender wurde so zum Angriffspunkt der wachsenden antisemitischen Bewegung im Deutschen Kaiserreich der 1880er Jahre. Die Angriffe gipfelten in einem Disziplinarverfahren gegen ihn. Empört wegen dieser Anschuldigungen und auch als Folge persönlicher Bedrohungen legte Friedlaender 1882 seine städtischen Ehrenämter und auch den Herrenhaussitz nieder. Er zog zunächst nach Frankfurt am Main, wo er eine Darstellung des Falles niederschrieb und drucken ließ. Dort war er zunächst erneut als Bankier tätig und verzog später in die Schweiz.

 

Lit.:

  • Friedlaender, Waldemar: Dagobert Friedlaender 1826-1904. Ein Lebensbild. München 1908
  • Hamburger, Ernst: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen  Zeit 1848- 1918. Tübingen 1968.S.281
  • Mose, Werner Eugen (Hrsg.): Juden im Wilhelminischen Deutschland 1890-1914. Tübingen 1998 S.187

 

 

Friedmann, Isidor

* 29. Jan.1841 in Kempen , + 18. Nov.1920 in Glogau

 

  1. war der jüngste Sohn einer in Kempen alteingesessenen Kaufmannsfamilie, die 1856 nach Breslau umzog.

Hier legte er 1860 sein Abitur am Elisabeth-Gymnasium ab und begann an der Universität Breslau zunächst ein Studium der Geschichte, Philosophie und Theologie, wechselte dann aber über zu Jura.

1864 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen ab, dem ein Referendariat am Breslauer Stadtgericht folgte. Das zweite Staatsexamen erfolgte 1869 und seine Ernennung als Gerichtsassessor.

Von 1870 bis 1873 war er kommissarischer Richter an verschiedensten Kreisgerichten in Schlesien und der Provinz Posen. Als Rechtsanwalt und Notar am Kreisgericht Suhl/Thüringen wirkte er bis 1876, bis er dann in gleicher Funktion an das Kreisgericht in Sprottau und 1879 an das Landgericht in Glogau wechselte.

1892 erfolgte seine Ernennung zum Justizrat, 1914 zum geheimen Justizrat.

Mehrere Jahre fungierte er als Berater und Notar des Schwiegervaters von Kaiser Wilhelm II (1849-1941) sowie des Herzogs Friedrich August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg.

  1. nahm regelmäßig an Juristen- und Städtetagen teil. Bekannt wurde er durch seine Reden auf den Deutschen Juristentagen 1910 in Danzig und 1912 in Wien, wo er die Diskussion über die Todesstrafe neu belebte, deren entschiedener Gegner er war.

Von 1886 an war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Glogau, 1899 wurde er zum stellvertretenden, 1903 zum Vorsitzenden dieses Gremiums gewählt- dieses Amt übte er 17 Jahre lang bis zu seinem Tode aus. F. war Vorsitzender der liberalen Fortschrittlichen Volkspartei in Glogau.

Auch in der jüdischen Gemeinde Glogaus war F. in leitender Funktion engagiert.1886 erfolgte seine Wahl in den Vorstand der jüdischen Gemeinde und 1914 zu dessen Präsidenten.

 

Lit.:

* Lucas, Franz D./ Heitmann, Margret : Stadt des Glaubens. Geschichte und Kultur der Juden in Glogau. Hildesheim/Zürich/New York ² 1992 S. 414-416

* Neubach, Helmut: Posener Juden als Stadtverordnetenvorsteher. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 55 (2009) S.109

 

 

  • Friedländer, Leo

* 7.5.1895 in Posen, † 4.8.1937 in Moskau

Geboren am 7. Mai 1895 als Sohn eines jüdischen Pferdehändlers. Er studierte Medizin und wurde Arzt. Von August 1914 bis Februar 1919 Kriegsfreiwilliger, Nachrichtensoldat. Seit 1920 Mitarbeiter des Proletarischen Gesundheitsdienstes, als Kurslehrer referierte er über sexuelle Aufklärung. Von 1924 bis 1926 an der Berliner Charité tätig, wo er auch promovierte. Leo Friedländer arbeitete 1926/27 als Arzt in Berlin-Rummelsburg und hatte anschließend bis 1933 eine eigene Praxis. 1925 Mitarbeit im Volksentscheid-Ausschuss zur Fürstenenteignung. 1926 KPD-Mitglied, 1927 im Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Dort gehörte er zur kommunistischen Ärztefraktion, war seit 1928 stellvertretender Vorsitzender und gründete nach dem Ausschluss 1929 den Fichte-Samariter-Bund. 1928 Bürgerdeputierter in Berlin-Mitte, war zu den Reichstagswahlen 1932 und im März 1933 als KPD-Kandidat aufgestellt. Im März 1933 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, konnte er sein Mandat wegen der einsetzenden Verfolgung nicht mehr ausüben. Friedländer emigrierte im Mai 1933 in die Sowjetunion. Bis Februar 1934 Arzt in der Kremlklinik. Ab April 1934 zunächst Oberarzt, dann Chefarzt am Ambulatorium der KUNMS. Am 22. März 1936 beantragte er die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurde im Juni 1936 in die KPdSU(B) übernommen. Der Versuch, mit einer freiwilligen Meldung zu den Interbrigaden in Spanien den »Säuberungen« zu entkommen, scheiterte. Am 4. August 1937 in Moskau vom NKWD festgenommen. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts wurde Leo Friedländer am 3. Oktober 1937 wegen der »Teilnahme an einer konterrevolutionären trotzkistischen Organisation« zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Noch 1939 wurde Leo Friedländer von den NS-Behörden ausgebürgert.

 

 

 

Fürst, Julius

*12. Mai 1805 in Zerkow (Kreis Jarotschin) gestorben am 09. Feb. in Leipzig

Fürst studierte in Berlin (Breslau und Halle. Er wurde ein anerkannter Gelehrter für semitische Sprachen sowie ein Vertreter der Hakala. Sein Forschungsfeld umfasste im Wesentlichen semitische Linguistik und Literatur  sowie Geschichte des Vorderen  Orients. 1840 bis 1851 gab er die jüdisch-aufklärerische Wochenzeitschrift „Der Orient“ heraus.

Er war Mitglied des Frankfurter Vorparlaments.

Lit::

  • Auerbach, Jacob: Fürst, Julius. In : Allgemeine Deutsche Biographie, Band 8. Leipzig 1878. S. 211-213

 

 

Fuß, Tobias August Paul

 

* 29. Juni 1844 in Posen, + 07. Januar 1915 in Charlottenburg

 

Schulbesuch in Münster/Westfalen und Französisches Gymnasium in Berlin.  Sein Abitur legte er 1862 ab und studierte Rechts-und Staatswissenschaften an  den Universitäten Berlin und Heidelberg. Bestand die Prüfungen als Auskulatator, Referendar und Gerichtsassessor und erhielt durch Patent vom 18.Mai 1870 die Befähigung zum Richteramt.

Nach kommissarischer Verwaltung von Richter- und Staatsanwaltsstellen in Beuthen / Oberschlesien und Thorn Ausscheiden aus dem Staatsdienst . Ab dem 01. März 1876 besoldeter Stadtrat im Magistrat der Stadt Danzig.

Übernahme der schon seit 1878 nebenamtlich verwalteten Stelle eines Landesrats in der Provinz Westpreußen am 01. Mai 1879.

1883 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Danzig.

Mai 1988 Bewerbung um Bürgermeisterstelle der Stadt Kiel. Am  25. Juli 1888 gewählt, trat er am 01. Dezember 1888 seinen Dienst bei der Stadt Kiel an. Nach 12jähiger Amtszeit 1900 wiedergewählt. Am 01. Dezember 1912 trat F. in den Ruhestand.

1890 Verleihung des Titels Oberbürgermeister. 1907 erhielt F. die Würde eines Doktors der medizinischen Fakultät der Universität Kiel.

Setzte sich neben der Förderung kultureller Aufgaben im Bereich der Schule, des Musik –und Theaterlebens vor allem für das öffentliche Gesundheitswesen ein.

Mitglied des preußischen Herrenhauses und des Provinziallandtages von Schleswig-Holstein.

Mitherausgeber der „Zeitschrift für Kommunalwissenschaft und  Kommunalpolitik“.

 

Lit.:

* Oberbürgermeister Dr. Fuß + .In : Zeitschrift für Kommunal-wissenschaft und Kommunalpolitik Jg.1915 Heft 2 Seite 45

* Balde, Joachim Heinrich (Hrsg.): Beiträge zu einem biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003. S.63

 

 

 

Gawrecki, Jan Leopold

*10.März 1818 in Schönlanke, + 21. April 1866 in Rogasen

Gymnasium in Bromberg, ab 1840 Studium der Altphilologie und Philosophie in Berlin und  Breslau, danach Studium der Theologie in Posen.

1843 Priesterweihe, Kaplan in Tremessen und Schneidemühl.

Von 1848 bis 1857 Direktor des Lehrerseminares in Paradies. Ab 1857 Pfarrer, später Probst in Rogasen.

Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

 

Gehl , Julius

 

* 4. Juli 1869 in Bromberg; † März 1945 in Danzig-Zoppot

 

Julius Gehl war der Sohn eines Maurers und besuchte von 1875-1883 die Seminarschule in Bromberg; von 1884 bis 1887 Maurerlehre in Bromberg, dann auf Wanderschaft und Wehrdienst.

1890-1908 Angestellter und Mitglied des Hauptvorstandes der Freien Vereinigung der Maurer Deutschlands mit Sitz in Berlin. Von 1908 bis Juni 1912 angestellter Gauleiter des Maurerverbandes mit Sitz in Bromberg, später Danzig. Ab 1911 Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Bromberg. Von Juli 1912 bis April 1919 Bezirksparteisekretär für Westpreußen mit Sitz in Danzig, zugleich Vorsitzender der SPD-Bezirksorganisation und 1917-1918 nebenamtlicher Redakteur der Danziger Volkswacht. Ab 1914 Firmenträger der Volkswacht und Vorsitzender des SPD-Bildungsausschusses in Danzig. Von 1915 bis 1918 Mitglied der Preisprüfstellen des Regierungsbezirks Danzig. Nach Bekanntwerden des Versailler Vertrages, der eine Abtrennung des Hauptteils Westpreußens und des Netzedistriktes vom Deutschen Reich vorsah, berief die Reichsregierung G. zum Reichskommissar für Westpreußen und den Netze-Distrikt, wobei er insbesondere die deutschen Grenzschutzverbände von militärischen Aktionen abzuhalten und auf die Einhaltung der von den Siegermächten festgelegten Demarkationslinien zu achten hatte. Weiterhin oblag es ihm, die Übergabe des Gebietes an Polen 1920 sicherzustellen. 1919 wurde er zudem für den Wahlkreis 2 (Provinz Posen-Westpreußen) in die Weimarer Nationalversammlung gewählt.

Von 1924 bis 1936 war Gehl Geschäftsführer des Verlages der Volksstimme in Danzig. Nach der Wahl zum erstem „Volkstag“ am 16. Juni 1920 zog er in dieses Parlament ein, dem er einschließlich der 5. Wahlperiode ohne Unterbrechung angehörte. Von Juni 1923 bis Januar 1924 und von Dezember 1930 bis März 1931 war Gehl Präsident des Volkstages der Freien Stadt Danzig; in anderen Zeiträumen (1923, 1924-1930 und 1933) Vizepräsident des Parlaments. In den Jahren 1925-1926, 1928-1930 und 1933 gehörte Gehl als Vizepräsident dem Senat der Freien Stadt Danzig an. Zwischen 1920 und 1933 war er − mit Unterbrechungen − Vorsitzender der SPD-Volkstagsfraktion.

1933 errang die NSDAP 51 Prozent der Stimmen und bildete allein den Senat. Gehl trat daraufhin politisch in den Hintergrund und lebte nach Auflösung seiner Partei 1936 zurückgezogen in Zoppot.

 

Lit.:

  • Matull, Wilhelm: Ostdeutsche Arbeiterbewegung. Abriß ihrer Geschichte. Leistung und Opfer. Würzburg 1973
  • Schwarz, Max : MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.652/653
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.111/112
  • Rasmus, Hugo : Julius Gehl.  Seine Heimat Schicksal bestimmte seinen Lebensweg. In : Westpreußen-Jahrbuch 43 (1993) S.142-146
  • Rasmus, Hugo : Julius Gehl. In : Ostdeutsche Gedenktage 1995. Bonn 1994 S.68 ff.
  • Schumacher, Martin/Lübbe Katharina/Heinz, Wilhelm: MdR. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf ³ 1992 S. 231
  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.46
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 3. München 2001 S.598
  • Rasmus, Hugo: Gehl, Julius. In : Joachim Heinrich Balde: Beiträge zu einem biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003. S.63-67
  • Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Bearbeitet von Bruno Jahn. München 2005. S. 321

 

 

Gersdorff, Hans Otto von

 

* 10. Januar 1864 in Bauchwitz, + 1. Oktober 1908 auf Schloß Bauchwitz

 

 

  1. besuchte von 1874 bis 1884 das Gymnasium in Meseritz und die Klosterschule in Roßleben. Er studierte von 1884 bis 1885 in Berlin Jura, diente von 1885 bis 1892 beim 2. Garde- Ulanen – und 5. Kürassier-Regiment, widmete sich dann theoretisch und praktisch der Land – und Forstwirtschaft. Bevor er 1892 den väterlichen Großgrundbesitz übernahm, machte er noch längere Reisen in Italien und besuchte Algier.

1900 wurde er als Vertreter des Wahlkreises Meseritz-Bomst in den Reichstag  gewählt.

  1. war ein überzeugter Konservativer und auch ein entschlossener Gegner der Sozialdemokratie.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.321
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. Band 3. München 2001. S.656
  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010 S.103/104

 

 

Giesler, Otto

*19.September 1878 in Czarnikau

 

Nach dem Besuch einer Handelshochschule, war G. bis 1945 als Steuerberater tätig.

1945 trat er in die Liberaldemokratische Partei (LDPD) ein, zu dessen Landesvorsitzender er in Brandenburg gewählt wurde.

Von 1946 bis 1950 war er Mitglied des Brandenburger Landtages, wo er Mitglied des Ältestenrates und Vizepräsident war.

Von März 1948 bis Mai 1949 war G. Mitglied des Volksrates.

 

Lit.:

  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990.Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig. Band 1. München u.a. 1996 S.222

 

 

Gladisch, August

*28.Aug.1804 in Altenhof b. Meseritz, + 16. Nov.1879 in Berlin

Gymnasium in Glogau. Ab 1823 Studium der Theologie, Philosophie und der Geschichte in Breslau.

1834 Lehrer an einem Gymnasium in Posen, später Amtsenthebung auf Veranlassung des Erzbischofs von Gnesen, weil er die Reformation nicht im Sinne der katholischen Kirche darstellte.

Konvertierte zum Protestantismus, Versetzung nach Halle

Von 1849 bis 1875 Direktor des Gymnasiums in Krotoschin.

Gehörte dem preußischen Abgeordnetenhaus von 1852 bis 1855 an.

 

Glebocki, Josef von polnisch: Józef Głębocki,

* 19. März 1856 in Psarskie (Krs. Samter) ; † 27. November 1903 in Posen

Glebocki besuchte das Mariengymnasium in Posen und studierte fünf Jahre an der Universität Breslau Geschichte und Geographie. Danach war er Gutsbesitzer auf Czerlejno (Kreis Kosten). 1896 war er ein Jahr interimistischer Chef-Redakteur der Zeitung „Dziennik Poznanski“ in Posen.

Ab 1893 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und ab 1898 des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 7 (Schrimm, Schroda). Er starb am 27. November 1903 vor dem Zusammentreten des Reichstags.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin:, 1904, S. 59
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.145

 

 

Goeden , Adolph

*   1811 in Krotoschin; † 30. April 1888 in Stettin

Goeden studierte Medizin in Breslau und Göttingen und promovierte 1832 in Breslau zum Dr. med. 1835 wurde er Kreisphysikus in Krotoschin und ab 1850 wirkte er als Direktor der Pockenschutzimpfanstalt in Stettin, zuletzt mit dem Titel eines Geheimen Medizinalrats.

Vom 6. Juni 1848 bis 30. Mai 1849 war er fraktionsloses Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Goeden gehörte zu der Gruppe, die Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795-1861) zum Deutschen Kaiser wählte und war Mitglied der Kaiserdeputation. Im Juni 1849 nahm er an der Gothaer Versammlung teil.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.61/62
  • Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter National-versammlung 1848/49. Düsseldorf 1996, S. 157

 

 

 

Goerdeler,  Carl Friedrich

 

* 31.Juli 1884 in Schneidemühl , Provinz Posen; † 02. Feb. 1945  in Berlin

.

Goerdeler entstammte einer preußischen Beamtenfamilie. Er war seit 1911 als Kommunalpolitiker tätig und von 1930 bis 1937 Oberbürgermeister von Leipzig. Geistig orientierte Goerdeler sich an der preußischen Tradition und einem wirtschaftsliberalen Wertkonservatismus. Der Verwaltungsfachmann war in den 1920er Jahren mehrfach als Reichskanzler im Gespräch, bevor er 1931/1932 und 1934/1935 das Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung innehatte.

Die nationalsozialistische Machtergreifung bewertete Goerdeler zunächst positiv. Aus seiner konservativen Weltanschauung heraus weigerte er sich jedoch von Anfang an Mitglied der NSDAP zu werden und entwickelte sich bis 1936 zu einem entschiedenen Gegner des Regimes. Als in Leipzig im November 1936 das Denkmal des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1874) abgerissen wurde, trat Goerdeler demonstrativ vom Amt des Oberbürgermeisters zurück. In den folgenden Jahren reiste er durch die Staaten der Westmächte, um vor dem Nationalsozialismus zu warnen und die alliierten Regierungen zu beraten.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges bildete sich um Goerdeler ein konservativer Kreis des zivilen Widerstands heraus, der das Ende der NS-Herrschaft herbeiführen wollte. Dieser sogenannte „Goerdeler-Kreis“ stellte ein geistiges Zentrum der Opposition gegen Adolf Hitler (1889   -1945) dar und verfügte über zahlreiche Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen, insbesondere zum militärischen Widerstand um Ludwig Beck (1880-1944). Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli wurde Goerdeler im August 1944 denunziert, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

 

Carl Friedrich Goerdeler wurde am 31. Juli 1884 als dritter Sohn von Julius Goerdeler und seiner Frau Adelheid, geborene Roloff, in Schneidemühl, Kreis Kolmar i. Posen geboren. Seine Familie gehörte sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits zur preußischen Beamtenelite. Bereits sein Urgroßvater Christian Goerdeler, ursprünglich aus Lüchow, war als Oberrevisionsrat zur Zeit Friedrich Wilhelms III. (1744-1797)  in Berlin tätig gewesen. Sein Großvater, Dietrich Wilhelm Goerdeler, arbeitete am Oberlandesgericht Hamm in der Provinz Westfalen. Seitdem er 1852 an das Appellationsgericht Marienwerder in der Provinz Westpreußen versetzt worden war, war die Familie eng mit dem ländlichen Ostelbien verbunden. Der Vater, Julius Goerdeler, noch in Hamm geboren, wuchs in Marienwerder auf und heiratete die Tochter des dortigen Appellationsgerichtsrats Carl Roloff, nachdem er als Offizier der Reserve aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zurückgekehrt war. Über die Jugendzeit Goerdelers liegen aufgrund seiner erhaltenen „Jugenderinnerungen“, die er kurz vor seiner Verhaftung 1944 verfasste, detaillierte Quellen vor.

Nach der Geburt des dritten Sohnes Carl Friedrich gab Julius Goerdeler seine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Schneidemühl auf und ergriff die Chance, als Amtsrichter und gleichzeitig als Geschäftsführer der Landwirtschaftsbank „Neue Westpreußische Landschaft“ zu arbeiten. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wuchs Carl Friedrich Goerdeler in der kleinen Landstadt Schneidemühl auf, bevor sein Vater 1890 ins nahe Marienwerder versetzt wurde und die Familie dorthin umzog. Goerdeler erfuhr eine Erziehung zu preußischen Tugenden und königstreu-konservativer Grundeinstellung. Auch politische Diskussionen fanden im Hause der Familie häufig statt, besonders, seitdem der Vater 1899 für die Freikonservative Partei in den preußischen Landtag eingezogen war.

Seit 1891 besuchte Goerdeler das humanistische Gymnasium Marienwerder, wo schon sein Vater das Abitur gemacht hatte. Auch wenn er nicht zu den besten Schülern gehörte, so beurteilte er im Rückblick seine Schulzeit als „vorzüglich“. Am humanistischen Gymnasium erwarb er eine bürgerlich ästhetisch-geschichtlich ausgerichtete Bildung. Am 22. März 1902 legte Carl Friedrich Goerdeler dort die Reifeprüfung erfolgreich ab. Anschließend meldete er sich, der Mode der Jahrhundertwende folgend, zur Offiziersausbildung bei der kaiserlichen Marine. Er verbrachte aber nur wenige Monate als Schüler der Marineakademie in Kiel, da ihn „furchtbares Heimweh“ packte. Nach dem kurzen Zwischenspiel als Marinesoldat entschloss sich Goerdeler schließlich doch noch, die Familientradition fortzusetzen und Jurist zu werden.

Am 13. November 1902 nahm Goerdeler an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen das Jura-Studium auf. Dort hatten bereits seine beiden älteren Brüder studiert und wie sie wechselte auch Carl Friedrich nach drei Semestern die Universität: 1905 ging er an die Albertina nach Königsberg. Die juristischen Fakultäten dieser beiden Hochschulen galten als besonders konservativ und elitär. Neben Vorlesungen der Rechtswissenschaft besuchte Goerdeler auch historische, da er sich sehr für die Geschichte des 19. Jahrhunderts, insbesondere für die Preußischen Reformen interessierte. Dieses historische Interesse prägte später auch seine politischen Ansichten.

Zu seinen Kommilitonen gehörte Eugen Bolz (1891-1945), der als Zentrumspolitiker 1928 bis 1933 württembergischer Staats-präsident war und später im Widerstandskreis des 20. Juli mitwirkte. Nach Goerdelers Wechsel nach Königsberg legte er am 31. Oktober 1905 sein erstes Staatsexamen mit dem Prädikat „befriedigend“ ab. Wenige Tage später erfolgte seine Ernennung zum Referendar. In Königsberg lernte er die Arzttochter Anneliese Ullrich kennen, mit der er sich 1903 verlobte.

Vom 1. November 1905 bis zum 30. September 1906 stand Carl Friedrich Goerdeler als Einjährig-Freiwilliger beim „1. Ostpreußischen Feldartillerie-Regiment Nr. 16“. Nach Beendigung der militärischen Dienstpflicht begann er mit einer praktischen Ausbildung als Referendar. Er absolvierte seinen Vorbereitungsdienst an verschiedenen Stationen, so in Fischhausen, Braunsberg, Königsberg und Marienwerder. Neben seinem Referendariat hat Goerdeler die Zeit gefunden, zum Thema „Das Bewusstsein der Pflichtwidrigkeit im Schuldinhalte und Behandlung in der Literatur und den wichtigsten deutschen Gesetzbüchern des 19. Jahrhunderts“ zu promovieren. 1907 reichte er die Dissertation bei Professor Robert von Hippel an der Universität Göttingen ein. Insgesamt erhielt er hierfür aber nur die Note „rite“.

Drei Jahre später beendete er seine Referendariatszeit und legte am 31. März 1911 in Berlin das zweite Staatsexamen ab. Wenig später wurde er zum Gerichtsassessor ernannt. Dies bedeutete jedoch keineswegs die Übernahme in den dauerhaften Beamtenstatus; vielmehr verdiente die Mehrheit der Juristen in der Kaiserzeit erst ab Mitte vierzig ihr erstes Gehalt. So war Goerdeler veranlasst, auf anderen Gebieten einen Arbeitsplatz zu finden. Aufgrund seines politischen Interesses entschied er sich, wie später auch sein Bruder Fritz, für eine kommunalpolitische Laufbahn. Um hierauf besonders gut vorbereitet zu sein, entschloss sich Carl Friedrich Goerdeler auf Anraten des mit seinen Eltern befreundeten Königsberger Oberbürgermeisters Siegfried Körte (1861-1919) zunächst dafür, Praktika im Bankwesen zu absolvieren. Zu diesem Zweck ließ er sich am 21. April 1911 für ein Jahr aus dem Justizdienst beurlauben.

Vom 24. April bis zum 14. September arbeitete Goerdeler bei der Bank der „Ostpreußischen Landschaft“ und anschließend bis zum 10. Oktober in der Königlichen Seehandlung, der preußischen Staatsbank, am Gendarmenmarkt in Berlin. Das Praktikum im Bankwesen verschaffte ihm Einblicke in ökonomische Zusammenhänge, die ihm später in der Kommunalverwaltung von Nutzen waren. Nach Abschluss der Praktika und des Referendariats strebte Goerdeler, nunmehr Jurist, einer ersten festen Anstellung entgegen.

Am 15. Oktober 1911 trat Goerdeler als Gerichtsassessor in den Dienst der Stadtverwaltung von Solingen ein, der Oberbürgermeister August Dicke (1859-1929) vorstand. Er fand zunächst neben der reinen Verwaltungstätigkeit durch die Teilnahme an den Stadtverordnetenversammlungen einen Einblick in die kommunalpolitische Praxis, bevor er seit dem 17. Oktober auch das Recht hatte, den Kommissionssitzungen beizuwohnen. Am 10. Juni 1912 erfolgte seine dauerhafte Anstellung als besoldeter juristischer Hilfsarbeiter. Der Posten des juristischen Hilfsarbeiters war für die Vorbereitung auf höhere Beamtenposten geschaffen worden, weshalb Oberbürgermeister Dicke Goerdeler auch von Anfang an mit der Leitung kleinerer Dezernate betraute. Die Stadt Solingen stellte in vielerlei Hinsicht einen Gegensatz zu den Orten seiner Jugend dar: Sie war eine moderne Industriestadt, politisch eine Hochburg der Sozialdemokratie. So entwickelte der konservative Preuße eine stärkere Offenheit gegenüber anderen politischen Strömungen, ohne in irgendeiner Weise von seinen nationalkonservativen Überzeugungen abzurücken.

Am 17. Dezember 1912 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung für zwölf Jahre in das Amt des Beigeordneten. Goerdeler hatte zuvor erwogen, als Stadtrat nach Halberstadt zu wechseln. Wegen seiner besonderen fachlichen Befähigung war die Stadtverordnetenversammlung schließlich bereit, ihn ungewöhnlich schnell zu befördern, um ihn auf diese Weise in Solingen zu halten.

Zu den Aufgaben als Beigeordneter gehörte die Leitung des Schul-, Sozial-, Finanz-, Steuer- und Versicherungswesens sowie die Vertretung des Bürgermeisters, womit er auch tatsächlich während einer Abwesenheit Dickes betraut wurde. Bereits in Solingen bildete sich heraus, was Goerdeler in späteren Schriften häufig betonte: Im Vergleich der beiden Kommunalverfassungen, der Bürgermeister- und der Magistratsverfassung bevorzugte er eindeutig die Bürgermeisterverfassung, weil diese die seines Erachtens effektivste Verwaltungsstruktur hätte. Aus der geregelten Tätigkeit als Beigeordneter wurde Goerdeler schließlich durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs herausgerissen.

Seit Beginn des Krieges kämpfte er „mit größtem Optimismus bis zum letzten Tag“. Sein patriotischer Enthusiasmus entsprang einer unbedingten Übereinstimmung mit den Kriegszielen des Kaiserreichs. Diese Haltung behielt er bis zum Kriegsende, trotz der grauenhaften Kriegserfahrungen, darunter auch dem Tod seines Bruders Franz 1918 bei Saint-Quentin an der Westfront. Auf der anderen Seite teilte Goerdeler nicht die Erfahrungen des Grabenkrieges im Westen, die seine Generation prägen sollten.

Zu der schweren Enttäuschung durch die Kriegsniederlage kam bei Goerdeler das Entsetzen über die politischen Umbrüche im Zuge der Novemberrevolution. Nach seiner Rückkehr kämpfte er am 3. und 4. März 1919 in Straßenkämpfen in Berlin als Freikorps-Mitglied gegen den Spartakusbund. Später sah er dies kritisch: Angesichts der politischen Entwicklung 1918 sei der Versuch einer Revolution rückblickend „eine natürliche Selbstverständlichkeit“ gewesen. Die veränderte Situation führte bei Goerdeler 1918/19 zu seiner Sinnkrise. So bezweifelte er, dass es überhaupt sinnvoll sei, unter diesen Bedingungen wieder in den Verwaltungsdienst einzutreten. Letztendlich nahm er seine Tätigkeit als Beigeordneter in Solingen aber wieder auf. Der jungen Weimarer Republik stand Carl Friedrich Goerdeler vom ersten Moment an ablehnend gegenüber und setzte sich in den folgenden Jahren auch für die Wiedererrichtung der Hohenzollern-Monarchie ein.

 

Im Februar 1919 trat Goerdeler in die junge Deutschnationale Volkspartei ein. Die DNVP stand rechts im politischen Spektrum der Weimarer Republik und verstand sich als Erbin der konservativen Parteien aus der Kaiserzeit. Zudem meldete sich Goerdeler freiwillig zum vom Alldeutschen Verband (*) ausgerufenen „Volkskampf“ gegen Polen. Für Carl Friedrich Goerdeler stellte das „Diktat von Versailles“ einen Verlust der Heimat und eine Erniedrigung Deutschlands dar. Nachdem die Nationalversammlung aber für den Versailler Vertrag gestimmt hatte, waren die Pläne eines militärischen Konflikts mit Polen zur Rückgewinnung der abgetrennten Gebiete endgültig gescheitert. Goerdeler zog aus seiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema des polnischen Korridors die Konsequenz, sich in revanchistischen und nationalistischen Organisationen zu betätigen. Hierzu zählt unter anderem seine Mitgliedschaft im „Deutschen Ostbund“, (*) der seine Aufgabe in der Herstellung einer „Einheitsfront des ostmärkischen Deutschtums“ gegen „slawische Überflutung“ sah. So trug Goerdelers verstärktes politisches Engagement seit 1919 nicht nur reaktionär-revanchistische, sondern auch deutlich völkische Züge. Er hatte sich weltanschaulich verstärkt von einem traditionellen Wert-konservatismus altpreußischer Prägung hin zu einem aggressiv-völkischen Nationalismus bewegt; eine Geisteshaltung, gegen die Goerdeler später kämpfte und deren Opfer er selbst wurde. Goerdeler war zu diesem Zeitpunkt auch von der Dolchstoßlegende überzeugt, die er später als „Gift“ bezeichnete.

Da sich die Familie Goerdeler nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr in Solingen heimisch fühlte und sie in Gedanken bei ihrer ostdeutschen Heimat war, entschloss sich Goerdeler, für das Amt des Zweiten Bürgermeisters von Königsberg zu kandidieren. Am 14. Januar 1920 setzte er sich in der Wahl nur knapp gegen den sozialdemokratischen Gegenkandidaten durch. Als 11. Februar 1920 fand in der Königsberger Stadtverordnetenversammlung seine Amtseinführung statt, während der die SPD- und USPD-Fraktionen unter Protest den Saal verließen: Da der liberale Oberbürgermeister Hans Lohmeyer (1881-1968) mit ihren Stimmen gewählt worden war, beanspruchten sie Goerdelers Posten für einen Linken. Obwohl Goerdeler in seiner Amtseinführungsrede seine Verpflichtung für das Allgemeinwohl, nicht für Parteiinteressen, bekräftigte, beherrschte vor allem heftiger Parteienstreit seine Zeit als Zweiter Bürgermeister. So gelang es etwa seit 1927 nicht mehr, den Haushalt in der Stadtverordnetenversammlung durchzubringen.

Goerdeler sah die Selbstverwaltung der Städte, die auf den von ihm bewunderten Freiherrn vom Stein zurückging, als wichtigsten kommunalpolitischen Grundsatz an. Da die Verwaltungsstrukturen nach den Umbrüchen der Revolution noch ungeordnet waren, gelang es Goerdeler, den Verwaltungsapparat durch Neuordnung zu straffen und gleichzeitig mehr Gewicht gegenüber der Stadtverordnetenversammlung zu geben. Auf dem Deutschen Städtetag engagierte er sich für eine einheitliche deutsche Gemeindeordnung, die eine starke Stellung des Bürgermeisters garantieren und gleichzeitig die Parteipolitik „aus dem Rathaus heraushalten“ sollte. Nach Goerdelers Konzeption führe dies schließlich zu besseren Ergebnissen für alle Seiten, obwohl das tatsächliche demokratische Mitspracherecht geschwächt würde. Ähnliche Verfassungspläne entwickelte er später auch für die Reichsebene, wo er mehr Macht für einen überparteilichen Reichspräsidenten (oder Monarchen) forderte. Da Goerdeler über seine Tätigkeit beim Deutschen Städtetag in Politikerkreisen überregionale Bekanntheit erlangt hatte und für seine kommunalpolitischen Vorstellungen und seinen Pragmatismus auch Zuspruch aus der Zentrumspartei und der DVP erhielt, war er in den 20er Jahren mehrfach als Reichskanzler im Gespräch. Als Carl Friedrich Goerdeler 1930 nach Leipzig wechselte, lobten auch SPD-Vertreter seine Verdienste um die Stadtverwaltung; die linken Parteien nahmen geschlossen an seiner feierlichen Verabschiedung teil. Aus pragmatischen Gründen hatte sich Goerdeler in seiner Königsberger Zeit an die Weimarer Republik angenähert und insbesondere positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten gemacht.

 

Am 23. Mai 1930 „geschah das Unerwartete“: Der konservative Ostpreuße Goerdeler wurde mit den Stimmen des „Vereinigten Bürgerblocks“ (DNVP, Zentrum und Vertreter von konservativen Kleinparteien) sowie einzelnen Stimmen sowohl aus der SPD- als auch aus der NSDAP-Ratsfraktion zum Oberbürgermeister der sächsischen Metropole Leipzig gewählt. Leipzig hatte nicht nur als Messestadt mit 700.000 Einwohnern und einem pulsierenden Geschäftsleben überregionale Bedeutung, sondern auch als Sitz des Reichsgerichts, der Deutschen Bücherei und kultureller Institutionen wie dem Gewandhaus-Orchester. So bedeutete dies für Goerdeler einen enormen Karrieresprung. Unmittelbar nach seiner Amtseinführung begann Goerdeler mit der Umstrukturierung der Leipziger Stadtverwaltung hin zu einer schlanken, klar hierarchischen Struktur nach Königsberger Vorbild. So begann er, gleichartige Verwaltungsstellen zu großen Dezernaten zusammenzulegen und auch den Einfluss der Parteien über die Verringerung der Ratsmitgliederzahl zu beschränken. Zudem gehörte er seit seiner Wahl zum Oberbürgermeister dem Vorstand des Deutschen Städtetages an, wodurch seine kommunalpolitischen Vorstellungen deutschlandweit an Gewicht gewannen.

Kurz bevor Goerdeler sein Amt übernommen hatte, hatte die Weltwirtschaftskrise eingesetzt. Die schwierige Finanzsituation infolge dessen belastete seine Amtszeit schwer. Zudem hatten sich die Arbeitslosenzahlen erheblich erhöht und mit ihnen die Wahlergebnisse für die extremen Parteien, insbesondere die NSDAP. Gleichzeitig gab es in Leipzig Probleme mit der zunehmenden Verstädterung: Weite Teile der Stadt waren nicht kanalisiert, hinzu kam Wohnraummangel. Es gelang Goerdeler dennoch, diese Probleme weitgehend zu lösen und dabei das Haushaltsdefizit durch eiserne Sparpolitik zu beseitigen. Der Wohnungsnot begegnete er durch eine Intensivierung der Vorstadtbebauung. Goerdeler erarbeitete sich zudem den Ruf eines Experten für öffentliche Finanzen, was ihn in Verbindung zu Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970) brachte, der auf Reichsebene eine ähnliche Politik verfolgte. Brüning leitete ein Präsidialkabinett, das mit Notverordnungen eine rigide Deflationspolitik betrieb. Als die ersten Einsparungen kaum Wirkung zeigten und die politische Radikalisierung zunahm, suchte Brüning nach einem geeigneten Preiskommissar, der staatlich verordnete Preissenkungen von 10 Prozent gegen den Widerstand der Wirtschaft durchsetzen sollte. Für diese Aufgabe wählte er 1931 Goerdeler aus. Dieser zögerte zunächst, da derartige staatliche Eingriffe seinen wirtschaftsliberalen Über-zeugungen vom „freien Spiel der Kräfte“ entgegenstanden. Schließlich entschloss er sich nach einem Gespräch mit Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) die Aufgabe parallel zum Oberbürgermeisteramt anzunehmen. Dies war eine bewusste Entscheidung für Brünings Deflationspolitik und gegen die Deutschnationalen und insbesondere ihren Vorsitzenden Alfred Hugenberg, der Fundamentalopposition gegen das verhasste „schwarz-rote System“ betrieb. Diese grundsätzliche Differenz führte schließlich zum Austritt Goerdelers aus der DNVP 1931.

 

Für Brüning war Goerdeler sein Wunschnachfolger im Amt des Reichskanzlers. Doch als er selbst 1932 den Intrigen des rechten Lagers zum Opfer fiel und seinen Abschied nahm, kam eine Kanzlerschaft Goerdelers nicht mehr in Frage. Er erkannte, dass die drängende Frage der Umgang der Deutschnationalen und des Zentrums mit der NSDAP war. Er schrieb: „Schon nach dem Sturz Brünings musste sofort die NSDAP vor die Entscheidung gestellt werden, nunmehr die Verantwortung mit zu übernehmen oder nicht mehr zu einer neuen Wahl zu kommen.“ Hierbei handelte es sich nicht um eine Unterstützung der nationalsozialistischen Ideologie, sondern Goerdeler sah lediglich zwei Möglichkeiten, den Aufstieg der NSDAP aufzuhalten: Entweder, sie an Regierungsverantwortung zu beteiligen, sie zu „zähmen“, oder sie zu verbieten und „Hitler und seine gesamte entourage endgültig hinter Schloss und Riegel“ zu bringen. Die Kanzlerschaft Franz von Papens (1879-1969) unterstützte er nicht. Als dieser ihm anbot, als Innen- oder Finanzminister in sein Kabinett einzutreten, lehnte Goerdeler ab. In der Folgezeit verlor er rasch an Einfluss und wurde nicht länger als Preiskommissar zu Kabinettssitzungen herangezogen. Später machte er sich wegen dieses Entschlusses schwere Vorwürfe, dass er die Chance verpasst hätte, den weiteren Aufstieg Hitlers zumindest etwas abzubremsen.

Seine Forderung, die NSDAP mit in die Regierungsverantwortung zu nehmen, wird von einzelnen Historikern als Unterstützung für den Nationalsozialismus gewertet. Hierbei werden belegte Äußerungen Goerdelers über ein Verbot der NSDAP aus den Jahren 1932 und 1933 nicht beachtet. Andererseits kann von einer konsequenten Ablehnung des Nationalsozialismus von Beginn an ebenso wenig die Rede sein, wie von einer begeisterten Unterstützung. In den politischen Auffassungen Goerdelers gab es durchaus einen Konsensbereich mit der NSDAP, der zu einer gespaltenen Haltung Goerdelers und einer anfänglichen Kooperation zwischen ihm und den neuen Machthabern führte.

 

Goerdelers Haltung zur Machtergreifung der Nationalsozialisten ist ambivalent: Einerseits erschienen seiner bürgerlichen Natur das lärmende Auftreten der Nazis, ihre wirtschaftlichen Vorstellungen und ihre Gewalttätigkeit als bedenklich. Neben dieser Distanz gab es allerdings auch Schnittmengen zwischen seinen politischen Vorstellungen und dem Programm der NSDAP: Insbesondere die Beseitigung des „Diktats von Versailles“ und die Stärkung der Reichsexekutive führten dazu, dass Goerdeler der Machtergreifung 1933 auch positive Seiten als „nationale Revolution“ abgewinnen konnte. Zu einer Stellungnahme gegen die politischen Umwälzungen konnte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht durchringen, obgleich er sie kritisch sah. Trotz seiner Hoffnungen auf eine baldige Beseitigung des Versailler Vertrags und einer innenpolitischen Umformung weg vom reinen „Parteienstaat“ kann von einer euphorischen Unterstützung der Machtergreifung nicht gesprochen werden. Dass Deutschland sich aber gerade durch den stetigen Machtausbau der NSDAP in den von Goerdeler abgelehnten Parteienstaat verwandelte und seine Ideale von Recht, die auf einem tiefen Vertrauen in die preußische Rechtsstaatlichkeit beruhten, in ihren Grundfesten erschüttert werden sollten, erkannte er nicht. So unterschätzte er insgesamt – trotz gegenteiliger Äußerungen aus der Weimarer Zeit – die aufsteigende Gefahr.

In Sachsen war Goerdeler der einzige Oberbürgermeister, der auch nach der Machtergreifung im Amt verblieb – auf Reichsebene waren es nur vier Oberbürgermeister, die Großstädten weiterhin vorstanden. Sein Bruder, Fritz Goerdeler, der bis 1933 das Amt des Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt Marienwerder inne hatte, wurde aus dem Amt gedrängt, da er sich weigerte, in die NSDAP einzutreten. Da Carl Friedrich Goerdeler in der Metropole Leipzig nach wie vor über großen Rückhalt in der Bevölkerung verfügte, konnten die Nationalsozialisten ihn nicht einfach aus dem Rathaus zwingen. Durch den Vorfall mit seinem Bruder hatte sich seine Skepsis den neuen Machthabern gegenüber noch verstärkt. Er beschloss, im Amt zu bleiben, um die gemäßigten Kräfte zu stärken und die nationalsozialistische Regierung zu beraten, um dem Allgemeinwohl weiterhin dienlich zu sein. Dies als aktive Unterstützung Hitlers zu interpretieren, erscheint verkürzt.

Besonders deutlich zeigte sich seine Skepsis im sogenannten „Flaggenkonflikt“: Goerdeler war nicht bereit, am Leipziger Rathaus und dem Reichsgericht die Hakenkreuzflagge zu hissen. Stattdessen flaggte Goerdeler, wie es zu diesem Zeitpunkt das Gesetz vorschrieb, am Rathaus mit der sächsischen Landesflagge sowie der Stadtflagge Leipzigs und am Reichsgericht mit Schwarz-Weiß-Rot. SA und SS forderten eine unbedingte Verwendung der Hakenkreuz-Flagge und drohten, dies mit Terroraktionen zu untermauern. Die Flaggenkrise wurde schließlich durch einen Erlass Hindenburgs entschärft, wonach Hakenkreuzflagge und schwarz-weiß-rote Fahne gemeinsam zu hissen seien. Als am Tag von Potsdam die Nationalsozialisten ihre vermeintliche Anknüpfung an die Traditionen Preußens inszenierten, war Goerdeler nicht, wie die meisten Konservativen, begeistert von diesem Wiederaufleben des „preußischen Geistes“. Er schrieb: „Der Geist von Potsdam will nicht nur angerufen sein, er muss auch lebendig werden.“ Hiermit verknüpfte Goerdeler, der der NS-Propaganda mit mäßig beeindruckter Distanz begegnete, zahlreiche Kritikpunkte an die nationalsozialistische Regierung, welche er im Sommer 1934 in einer Denkschrift an Adolf Hitler formulierte: Er setzte die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten, die durch Neuverschuldung und Geldschöpfung die Arbeitslosenzahlen senkten, in Gegensatz zur Sparsamkeit des Großen Kurfürsten. Für Goerdeler galt: „Wirtschaftspolitik ist Friedenspolitik.“ Die nationalsozialistischen Wirtschafts-vorstellungen, die letztlich zur Autarkie, der Loslösung vom Weltmarkt führen würden, hielt er für gefährlich und lehnte sie aus wirtschaftsliberaler Überzeugung ab, jedoch auch, weil er bereits 1934 militärische Auseinandersetzungen in Form von Wirtschaftskriegen fürchtete

 

Ein wichtiger Bezugspunkt der zunehmenden Gegnerschaft Goerdelers zum Nationalsozialismus war die Verfolgung von politischen Gegnern und der jüdischen Minderheit. Der NS-Schutzhaftpraxis fielen allein bis März 1933 über 1.000 Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten zum Opfer, die seit Ende April in die Konzentrationslager Colditz, Hainichen und Sachsenburg überstellt wurden. Goerdeler nannte diese Vorgänge ein „gesetzloses Treiben“, dem ein „Ende zu machen“ sei. Die nationalsozialistische „Judenpolitik“ kritisierte er ebenfalls seit Beginn der NS-Herrschaft. Aus humanistischer und rechtsstaatlicher Überzeugung setzte er sich für betroffene jüdische Bürger ein. Zunächst betraf dies vor allem die Reaktionen Goerdelers auf die Verdrängung von Juden aus dem kulturellen Leben Leipzigs: Er bemühte sich, wenn auch vergeblich, um den Verbleib des Kapellmeisters am Leipziger Gewandhaus, Bruno Walter (1876-1962), und des Direktors des Alten Theaters, Detlef Sierck (1897-1987) , der wegen seiner jüdischen Ehefrau aus dem Amt gedrängt wurde. Im Falle des Leipziger Jura-Professors Ludwig Ebermayer (1858-1933) war Goerdelers Einsatz sogar vorerst erfolgreich. Daneben äußerte Carl Friedrich Goerdeler seinen Widerspruch gegenüber der antisemitischen Praxis durch demonstratives Grüßen von renommierten jüdischen Intellektuellen in Anwesenheit einflussreicher Nationalsozialisten.

Als am 1. April 1933 während des sogenannten Judenboykotts in ganz Deutschland jüdische Geschäfte boykottiert wurden, ging Goerdeler auf den Brühl, das damalige Zentrum des Pelzhandels in Leipzig, wo sich viele jüdische Geschäfte befanden. Dort besuchte er trotz der Wachposten der SA, die vor den Warenhäusern stationiert waren, die jüdischen Geschäfte. Dieser ungewöhnliche Vorgang, dass sich ein amtierender Oberbürgermeister in dieser Form gegen die Politik des NS-Regimes stellte, sorgte auch überregional für gewisses Aufsehen; so berichtete die Frankfurter Zeitung darüber. In der Diskussion, die sich in der Folgezeit zwischen führenden Leipziger Nazis und Goerdeler ergab, führte dieser vor allem den außenpolitischen Schaden, insbesondere in Leipzig als Messestadt, an, zu dem solche Aktionen führten.

Die Verabschiedung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums bedeutete den Übergang von willkürlichen antisemitischen Maßnahmen hin zu einer gesetzlich geregelten Diskriminierung der Juden. Das Gesetz vom 7. April 1933 bestimmte in seinem sogenannten Arierparagraphen, dass „Beamte nicht-arischer Abstammung […] in den Ruhestand zu versetzen“ seien. Davon ausgenommen waren jüdische Beamte, die bereits vor dem 1. August 1914 Beamte gewesen sind oder am Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite teilgenommen haben bzw. einen gefallenen Vater oder Sohn hatten. Goerdeler äußerte sich nicht explizit gegen das Gesetz, da ein Protest wegen des offiziellen Charakters des Arierparagraphen nicht ohne einen vollständigen Bruch mit dem NS-Regime möglich gewesen wäre. Diesen wollte er jedoch nach wie vor vermeiden.

 

Am 30. Januar 1935 wurde die Deutsche Gemeindeordnung (DGO) erlassen, eine grundlegende Reform des Kommunalverfassungsrechts. Die Nationalsozialisten griffen hierbei in Teilen auf Vorschläge Goerdelers, die er im Deutschen Städtetag geäußert hatte, zurück. Gleichzeitig bedeutete die DGO das Ende der kommunalen Selbstverwaltung, die für Goerdeler eines der bedeutendsten Elemente der deutschen Bürokratie überhaupt war. Durch das neue Gesetz war die unmittelbare oder mittelbare Mitwirkung der Bevölkerung an innergemeindlicher Willensbildung beseitigt worden, weite Teile der städtischen Aufgaben waren an den Staat oder an die Partei übertragen worden. Die verbliebenen Aufgaben der Gemeinde waren nach dem „Führerprinzip“ auf die Person des Bürgermeisters übergegangen. Obwohl Goerdeler einen ähnlichen Machtausbau immer gefordert hatte, lehnte er das Gesetz als ganzes jedoch ab. Auf die Beteiligung der Bevölkerung wollte er nicht verzichten, ebenso beklagte er das Ende der Selbstverwaltung. Er selbst suche nach dem Mittelweg zwischen „überspitzten demokratischen Gedankengängen“ und den „uns wesensfremden faschistischen“. Die DGO bedeutete für ihn aber die „Tötung der Idee der Selbstverwaltung“. Diese grundsätzliche Argumentation im Spannungsfeld zwischen Bejahung autoritärer Strukturen preußischer Prägung und der Ablehnung nationalsozialistischer Politik weist bereits den Weg, der Goerdeler in den Widerstand führte.

Am 5. November 1934 erfolgte die Berufung Carl Friedrich Goerdelers auf das Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung. Für dieses Amt hatten ihn seine praktischen Erfahrungen als Preiskommissar unter Brüning sowie die Beratung der Regierung durch die Denkschrift vom August 1934 empfohlen. Trotzdem zögerte er, das Amt unter diesen politischen Bedingungen anzunehmen. Für seine Entscheidung spielte der Wunsch, mäßigend auf die Regierung einwirken zu können, eine große Rolle. Seine Befürchtung, als Preiskommissar die Konfrontation mit der NS-Politik nicht vermeiden zu können, bestätigte sich. Am zweiten Tag als Preiskommissar erschien Robert Ley (1890-1945), der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (*), der Vollmachten für die NSDAP forderte und vorschlug, „einige Wucherer und Hamsterer aufzuhängen“, um den Preiserhöhungen ein Ende zu machen. Goerdeler war entsetzt von dieser Forderung willkürlicher Gewalt und stattete die Landesbehörden bzw. in Preußen die Regierungspräsidenten mit den Vollmachten zur Preissenkung aus. Dieser Schritt führte zu Differenzen mit Hitler, der damit Kompetenzen aus dem Bereich der NS-Regierung verloren hatte.

Im März 1935 führte das NS-Regime die allgemeine Wehrpflicht ein und proklamierte den Bau einer deutschen Luftwaffe. Die Kosten für die Aufrüstung machten eine geordnete Haushaltspolitik für die Zukunft unmöglich. Im Juni 1935 fand eine Aussprache zwischen Goerdeler und Hitler statt, in der der Preiskommissar erweiterte Vollmachten verlangte. Als diese ihm nicht zugestanden wurden, stellte er sein Amt im Spätsommer 1935 zur Verfügung. Eine letzte wirtschaftspolitische Kooperation zwischen ihm und dem NS-Regime stellte die von Hermann Göring angeforderte „Oktober-Denkschrift“ dar, in der er den nationalsozialistischen Wirtschaftspolitikern seinen Standpunkt unzweideutig darlegte und ihnen ein letztes Mal seine Unterstützung anbot, solange sie umdachten: Er war zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich bei der von ihm beklagten Politik nicht um negative Begleiterscheinungen handelte, sondern, dass eine vollständige Neuorientierung notwendig war. Göring bewertete diese Kritik am Vierjahresplan als „vollständig unbrauchbar“. Seine Erfahrungen als Preiskommissar und seine Einblicke in wirtschafts- und rüstungspolitische Angelegenheiten des NS-Regimes hatten zu einer direkten Konfrontation mit Führungsgrößen der NSDAP geführt und seine in der Kommunalpolitik angesammelten Zweifel zum Kulminieren gebracht: Seine kritische Begleitung der nationalsozialistischen Politik schlug in Opposition um. Er war nicht nur bei der Führung in Ungnade gefallen, sondern wollte von sich aus „nur noch mit Anstand aus der Sache herauskommen“. Der Rücktritt vom Oberbürgermeisterposten zeichnete sich ab.

 

Die Richtlinien der DGO verschlechterten die Situation der Kommunalverwaltung immer weiter. Goerdeler kritisierte die „öde Mechanisierung und Gleichmacherei“, die sich als ein „Unglück für unser Vaterland“ erweisen werde. Seine Tätigkeit als Oberbürgermeister empfand er nicht länger als interessant und seine Position als einflussreich, sondern sämtliche Prozesse nur noch als abstumpfend. Daher erwog er im Frühjahr 1936, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Am 5. Mai 1936 erklärte er sich bereit, in den Dienst des Krupp-Konzerns einzutreten. Bereits seit Oktober 1935 stand Goerdeler in Kontakt mit Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870-1950). Seit seinem Besuch auf der Villa Hügel am 4. Dezember 1935 arbeitete Goerdeler auf seinen Eintritt in das Krupp-Direktorium hin. Dennoch wollte er seine anstehende Wiederwahl abwarten, um eine Machtprobe mit dem Reichsinnenminister Wilhelm Frick (1877-1946) zu provozieren. Am 22. Mai 1936 erfolgte schließlich die Wiederwahl Goerdelers durch den von den Nationalsozialisten instrumentalisierten Rat der Stadt Leipzig. Ausschlaggebend für die Wiederwahl des parteilosen NS-Kritikers Goerdeler durch die Nazis war, dass er „trotz seiner politischen Unzulänglichkeit das Vertrauen unseres Führers besaß.“ Die Differenzen zwischen Goerdeler und der NS-Führung vom Sommer 1935 müssen vor den national-sozialistischen Ratsherren verborgen geblieben sein. Der wiedergewählte Goerdeler selbst wartete nun lediglich auf einen Anlass für seinen Rücktritt.

Noch vor Goerdelers Wiederwahl wandte sich der Leiter des Amtes für Handwerk und Handel der NSDAP-Kreisleitung Leipzig, Eckert, an den Oberbürgermeister: Er forderte den Abriss des „vor dem Gewandhaus aufgestellten Denkmals des Vollblutjuden“ Mendelssohn Bartholdy. Zu diesem Zeitpunkt bestand im gesamten Deutschen Reich bereits ein Aufführverbot „nicht-arischer Kompositionen“, zu denen die Nazis auch die Werke Mendelssohns zählten. Als Carl Friedrich Goerdeler vom 8. bis 13. November nach Skandinavien reiste, um u.a. am 10. November in Helsinki einen Vortrag über Wirtschaft, Preise und Währung zu halten, ergriffen die Nationalsozialisten die Initiative und entfernten in der Nacht vom 9. auf den 10. November eigenmächtig das Mendelssohn-Denkmal. Die Nachricht vom Abriss erhielt Goerdeler auf seiner Rückreise in Stockholm. Nach seiner Rückkehr warf er seinem NS-Stellvertreter Haake Illoyalität vor, und als er bemerkte, dass der Stadtrat und auch die Reichsregierung gegen ihn standen und eine Wiedererrichtung des Denkmals auf keinen Fall unterstützen würden, reichte er am 25. November 1936 sein Pensionierungs-gesuch ein. Er wurde sofort beurlaubt. Später, als er im Gefängnis über seinen Rücktritt berichtete, schrieb er: „Damals führte ich den klaren Entschluss aus, nicht die Verantwortung für eine Kulturschandtat zu übernehmen.“ Am 22. März 1937 erfolgte schließlich Goerdelers Verabschiedung aus dem Dienst der Stadt Leipzig.

 

Nach dem offenen Konflikt mit der NSDAP wagte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach(1870-1950) nicht mehr die Berufung Goerdelers in den Krupp-Vorstand ohne Rücksprache mit Hitler. Noch im März 1937 teilte er Goerdeler mit, dass Hitler einen Mann mit den wirtschaftspolitischen Ansichten Goerdelers nicht in der Schwerindustrie sehen möchte. Stattdessen kam dieser über Theodor Bäuerleie (1882-1956) in Kontakt mit dem Kreis oppositioneller Demokraten in Stuttgart, der sich um den Industriellen Robert Bosch (1861-1942) gebildet hatte. Bosch verfolgte das Ziel, die westeuropäischen Staatsmänner vor der Gefährlichkeit des Nationalsozialismus zu warnen. Aus diesem Grund schloss er 1937 mit Goerdeler einen Beschäftigungsvertrag ab, der nun als Berater der Firma Bosch in Finanzfragen angestellt war. Dieses Vertragsverhältnis gab seiner bevorstehenden ausgedehnten Reisetätigkeit ein legales Aussehen – sogar Hermann Göring (1893-1946), bei dem er wegen einer Visa-Angelegenheit vorsprach, unterstützte das Vorhaben in Unkenntnis des tatsächlichen Zwecks. Gleiches gilt für Krupp von Bohlen und Halbach, der Goerdelers Reisen finanziell unterstützte. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bereiste Goerdeler mehr als zehn europäische Länder, den Nahen Osten und Nordafrika sowie Kanada und die Vereinigten Staaten. Ausführliche Berichte über seine Reiseeindrücke sandte er an Krupp, Bosch, Göring, Schacht, daneben an die Generäle Werner von Fritsch (1861-1942), Georg Thomas, Franz Halder (1894-1972) und Ludwig Beck (1880-1944) . Diesen kannte er vermutlich bereits seit seiner Zeit als Preiskommissar 1935. Die Auslandsreisen Goerdelers legten den Grundstein für die Zusammenarbeit mit Beck, die später den Kern des konservativen Widerstandes bildete.

Seine erste Reise führte ihn nach Brüssel (4. bis 16. Juni 1937) und England (bis 15. Juli). In Belgien knüpfte er nicht nur Kontakte zu einflussreichen Wirtschaftsführern, sondern wurde auch von König Leopold III. (1901-1983) und Premierminister Paul van Zeeland (1893-1973) empfangen. Die Weise, auf die Goerdeler aufgenommen wurde, obwohl er ohne Auftrag irgendeiner Behörde oder Partei reiste, zeigt, dass er im Ausland durchaus als politische Persönlichkeit hohen Ranges und in gewisser Weise auch als Vertreter eines „anderen Deutschlands“ angesehen wurde. Sein Aufenthalt in London bot ihm gleichermaßen Anlass zur Kritik wie zur Bewunderung: Mit Sorge betrachtete er die unsichere Sozialpolitik und das Nachlassen der wirtschaftlichen Kraft. Dagegen machten vor allem der englische Lebensstil und die politischen Traditionen des Vereinigten Königreichs, wie etwa das britische „selfgovernment“, großen Eindruck auf ihn. Auch zeigte er sich von der Verhandlungsbereitschaft Großbritanniens überrascht, obgleich die Juden- und Kirchenpolitik der Nationalsozialisten das Verhältnis schwer getrübt hatten. Besonders intensive Gespräche ergaben sich mit Außenminister Anthony Eden (1897-1977). Später, als der Widerstand seine außenpolitischen Ansichten formulierte, blieb Goerdeler der Anglophile, während Ludwig Beck (1880-1944) vor allem auf eine Verständigung mit der „Grande Nation“ Frankreich setzte.

Ende Juli plante Goerdeler eine ausgedehnte Südamerika-Reise, zog es dann aber vor, zunächst nach Paris zu fahren. In seinem Bericht aus Frankreich schilderte er die große Verständigungsbereitschaft, aber auch die Empfindlichkeit wegen der Beteiligung deutscher Truppen im Spanischen Bürgerkrieg. Es gelang ihm, dauerhafte Kontakte zum französischen Politiker Paul Reynaud (1878-1966) zu knüpfen. Von Boulogne aus setzte er im September 1937 nach Kanada über. In Ottawa sprach er von großen Möglichkeiten einer deutsch-kanadischen Kooperation, da Deutschland als Industrie- und Forschungsnation für eine Partnerschaft mit dem rohstoffreichen Kanada besonders geeignet sei. Über diese Idee sprach er auch mit Premierminister Mackenzie King. Ab dem 2. Januar 1938 hielt sich Goerdeler in den Vereinigten Staaten auf, wo der emigrierte Anwalt Gotthilf Bronisch (1900-1982) in New York als sein Vertrauter agierte. Ausführlich kritisierte er die New Deal-Politik Roosevelts (Franklin.D./1882-1945), wobei er gleichzeitig von beachtenswerten Chancen für eine Achse Washington-London-Berlin berichtete. Würde Deutschland die europäischen Probleme durch eine friedliche Verständigung mit seinen Nachbarstaaten und Großbritannien lösen können, erhoffte er sich dadurch auch eine transatlantische Zusammenarbeit. Falls das Deutsche Reich aber den kriegerischen Konflikt heraufbeschwören sollte, so stünde Amerika als einer seiner stärksten Gegner fest. Auch in Amerika kam er mit einflussreichen Männern des öffentlichen Lebens zusammen, u.a. mit Außenminister Cordell Hull (1871-1955), dem ehemaligen Präsidenten Herbert C. Hoover (1874-1964), Finanzminister Henry Morgenthau (1891-1967) sowie dem Industriellen Owen D. Young.

Nach seiner Rückkehr im Januar 1938 erfuhr er in einem langen Gespräch mit den Generälen Beck und Fritsch von Hitlers Kriegsplänen, die seinen Hoffnungen auf eine politische Verständigung die Grundlage entzogen. Goerdeler versuchte die Militärs, zu einem Putsch zu bewegen, was jedoch auch dadurch scheiterte, dass General Fritsch zwei Wochen darauf im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise (*) abgesetzt wurde. Mitte März, unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs brach Goerdeler zu seiner zweiten Reise nach Frankreich und England auf. In der britischen Hauptstadt hielt er vor der renommierten London School of Economics and Political Science (LSE) einen Vortrag zum Thema „Wirtschaft und öffentliche Verwaltung“, der äußerer Vorwand der Reise war. Zudem begleiteten ihn seine Frau und seine Tochter, um dem London-Aufenthalt einen „familiären Anstrich“ zu verleihen. In seinem Vortrag vor der LSE unterstrich Goerdeler seine wirtschaftsliberalen Ansichten und warnte vor Lohnregulierung und dem bevormundenden Wohlfahrtsstaat. Gleichzeitig polemisierte er gegen den damals überaus populären John Maynard Keynes (1883-1946) und dessen Vorstellungen von staatlich beeinflussten Wirtschaftsprozessen. Ein von Heinrich Brüning (1885-1970)  arrangiertes Zusammentreffen mit Winston Churchill (1874-1965) kam auf dieser Reise nicht zustande. Neben dem Anschluss Österreichs, den er sorgenvoll beobachtete, stand die Frage des Sudetenlandes in den Gesprächen mit dem Diplomaten auf der Agenda. Goerdeler betonte, dass er vor allem einen klaren Kurs gegenüber NS-Deutschland für notwendig halte, zweitrangig, wie die Entscheidung Großbritanniens in dieser Frage ausfallen würde.

 

1938 reiste Goerdeler fünf weitere Male nach Großbritannien, um den Manager Arthur Primrose Young zu teilweise mehrtägigen Gesprächen zu treffen. Der Kontakt war über Robert Vansittart zustande gekommen. Die Gesprächsprotokolle ergaben die sogenannten „X-Dokumente“, die das Foreign and Commonwealth Office sowie über Owen D. Young US-Präsident Franklin D. Roosevelt erreichten. So war das Weiße Haus en Detail über Goerdelers Vorstellungen informiert. Im Wesentlichen forderte dieser, der in den Gesprächsprotokollen nur „X“ genannt wurde, ein entschiedenes Auftreten zumindest Frankreichs und der USA. Großbritannien betreffend kritisierte er Premierminister Neville Chamberlain (1869-1940), den er als „Hemmschuh“ für ein aktives Auftreten gegen den Nationalsozialismus bezeichnete. Die schwache Appeasement-Politik lehnte er als unmoralisch und in höchstem Maße gefährlich ab. Da die „X-Dokumente“ nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von A.P. Young veröffentlicht wurden, ist es heute möglich, sich ein differenziertes Bild von Goerdelers Ansichten im Jahr 1938 zu machen. Doch statt einer Kursänderung seitens der britischen Regierung zeichnete sich ein Abkommen mit dem Deutschen Reich über die Sudetenfrage ab. Noch am 11. September richtete Goerdeler eindringliche Briefe nach London, in denen er berichtete, dass Hitler fest zum Krieg entschlossen sei.

Als am 30. September das Münchner Abkommen zwischen England und Frankreich einerseits und dem Deutschen Reich und Italien andererseits geschlossen wurde, sprach Goerdeler vom „Verrat von München“. Aus Sorge vor polizeilicher Verfolgung reiste er Mitte Oktober 1938 in die Schweiz. Seine außenpolitischen Ansichten versuchte er auf weiteren Reisen 1938 und 1939 in alliierte und neutrale Staaten darzulegen.

Im Zusammenwirken mit dem früheren Generalstabschef des Heeres Ludwig Beck (1880-1944) entwickelte Goerdeler – ausgehend von der bereits seit 1863 in Berlin bestehenden Mittwochsgesellschaft, einem Kreis nationaler und konservativer Politiker – in den folgenden Jahren den Kern einer Widerstandsgruppe gegen die NS-Regierung. Zu diesem Kreis stießen nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs auch Sozialdemokraten wie Wilhelm Leuschner (1890-1944) und Gewerkschafter wie Jakob Kaiser (1888-1961).

Ziel des Widerstands war für den Kreis um Goerdeler der Sturz Adolf Hitlers, um den Krieg zu beenden. Dabei lehnte Goerdeler persönlich die Tötung Hitlers ab und plädierte für dessen Verhaftung und einen anschließenden rechtsstaatlichen Prozess. Die Gruppe sah für die Zeit nach dem Umsturz Goerdeler als Reichskanzler vor. In dieser Eigenschaft erarbeitete er umfangreiche Pläne zu einer Verfassung und Ministerlisten, die vielen Mitverschwörern später zum Verhängnis geworden sind.

Goerdelers Verfassungspläne können als konservativ, wirtschaftsliberal und antikommunistisch bezeichnet werden. Von den jüngeren Angehörigen des Kreisauer Kreises und dem sozialistischen Widerstand wurden sie deshalb abgelehnt. Auch wenn Goerdeler die zutage tretende Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten in Osteuropa vehement ablehnte, änderte sich „an Goerdelers Antisemitismus […] bis zu seinem Lebensende nichts“. Andere Forschungen lehnen dagegen eine einseitig antisemitische Auslegung ab und sehen in den Schutzrechten, die auch ein jüdischer Staat über seine Bürger ausbreitet, den eigentlichen Kern von Goerdelers Konzept. Er habe darin „den Schutz der Juden einem jüdischen Staat anvertraut“ und somit „in ihre eigenen Hände“ legen wollen.

Mehrere Tage vor dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde gegen Goerdeler ein Haftbefehl erlassen. Davon durch Freunde in Kenntnis gesetzt, floh er in seine westpreußische Heimat. Dort wurde er in einem Wirtshaus von der Buchhalterin Helene Schwärzel erkannt, verraten und am 12. August 1944 verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn wegen Verrats am Volke am 8. September 1944 zum Tode. In der Hoffnung, von ihm die Namen weiterer Verschwörer erfahren zu können, wurde seine Hinrichtung immer wieder verschoben. Schließlich wurde er, nach umfangreichen Protokollen über die beabsichtigte Neuordnung, am 2. Februar 1945 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet und nicht, wie die meisten anderen Verschwörer, erhängt. Sein damaliger Richter, Roland Freisler (1893-1945), kam einen Tag später in einem alliierten Bombenangriff ums Leben.

 

Seit dem Jahr 1999 wird der Carl Goerdeler Preis für Kommunalwissenschaft verliehen. Die Prämie wird jährlich in Verbindung mit der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung vergeben.

 

Literatur :

 

  • Hoffmann, Peter: Carl Goerdeler gegen die Verfolgung der Juden. Köln ² 2013
  • Brakelmann , Günter , Manfred Keller (Hrsg.): Zeitansage. Der 20. Juli 1944 und das Erbe des deutschen Widerstandes. Schriftenreihe der Evangelischen Akademikerschaft Westfalen. Münster 2005
  • Sabine Gillmann, Hans Mommsen (Hrsg.): Politische Schriften und Briefe Carl Friedrich Goerdelers. München 2003.
  • Weiß, Hermann (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. Frankfurt/Main 2002 S.154-156
  • Ines Reich: Carl Friedrich Goerdeler. Ein Oberbürgermeister gegen den NS-Staat. Köln 1997.
  • Drobisch, K. : Goerdeler, Carl. In : Biographien zur deutschen Geschichte von den Anfängen bis 1945. Berlin 1991 S.186/187
  • Marianne Meyer-Krahmer: Carl Goerdeler und sein Weg in den Widerstand. Eine Reise in die Welt meines Vaters. Freiburg 1989.
  • Ritter, Gerhard : Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung. 4. Auflage, Stuttgart 1984.
  • Wilhelm von Schramm (Hrsg.): Beck und Goerdeler. Gemeinschaftsdokumente für den Frieden 1941-1944. München 1965.
  • Friedrich Tomberg: Weltordnungsvisionen im deutschen Widerstand. Berlin 2005.
  • Graml, Hermann: Goerdeler, Carl. In : Wolfgang Benz/Hermann Graml (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik. München 1988 S.107/108
  • A. P. Young: Die X-Dokumente. Die geheimen Kontakte Carl Goerdelers mit der britischen Regierung 1938/1939. München 1989.
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus, Band 4, München 2001. S.55-56
  • Krause, Friedrich (Hrsg.): Goerdelers Politisches Testament. Dokumente des Anderen Deutschland. New York 1945
  • Reich, Ines : Carl Friedrich Goerdeler. Ein Oberbürgermeister kämpft gegen den Nationalsozialismus. Weimar/Berlin 1997
  • Meyer-Krahmer, Marianne: Carl Goerdeler. Mut zum Widerstand. Eine Tochter erinnert sich. Leipzig 1998
  • Mast, Peter: Goerdeler, Carl Friedrich. In : Ostdeutsche Gedenktage 1995. S.39

 

(*) Der Alldeutsche Verband (bis 1894 Allgemeiner Deutscher Verband) bestand von 1891 bis 1939. In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs  zählte er zeitweise zu den größten und bekanntesten Agitationsverbänden. Er wurde als eine der lautstärksten und einflussreichsten Organisationen des völkischen Spektrums wahrgenommen. Sein Programm war expansionistisch, pangermanisch, militaristisch und nationalistisch. Regional trat der Alldeutsche Verband in Personalunion mit sogenannten Kriegervereinen auf.

Lit.hinweis:

Hering, Rainer : Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband 190 bis 1939.Hamburg 2003

 

(*) Deutscher Ostbund, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, unterstützte die Tätigkeit des Deutschen Ostmarkenvereins. Sein Ziel war es u.a., deutschen Umsiedlern aus Polen zu helfen.1934 aufgelöst.

(*)Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war in der Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und wird teilweise auch als nationalsozialistische Einheitsgewerkschaft bezeichnet.

Die DAF wurde am 10. Mai 1933 durch die gesetzliche Auflösung der freien Gewerkschaften, der Beschlagnahme ihres Vermögens und unter Abschaffung des Streikrechts und der Zwangsintegration sämtlicher Angestellten- und Arbeiterverbände gegründet. Mit dem „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ vom 20. Januar 1934 wurde die Gründung legitimiert und im Oktober 1934 offiziell der NSDAP angeschlossen. Sie war nach dem  Führerprinzip bis hinab zum Blockwart gegliedert, Die DAF bestand aus 18 Reichsbetriebsgemeinschaften (später reorganisiert in 16 Fachämter) und 33 Gauwaltungen bis Kriegsende 1945 und hatte 22 Millionen Mitglieder.

(*)Als Blomberg-Fritsch-Krise werden jene Vorfälle bezeichnet, die im Deutschen Reich zu Jahresbeginn 1938  zur Entlassung des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht, Werner von Blomberg , und des Oberbefehlshabers des Heeres, Werner von Fritsch, führten. Die beiden Affären, deren Vorwürfe sich im Falle Fritschs als haltlos erwiesen, boten Hitler die Möglichkeit, sich der wichtigsten Kritiker (Blomberg, Fritsch und Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath ) seiner aggressiven, konfliktträchtigen Außenpolitik zu entledigen und im Rahmen der Etablierung des Oberkommandos der Wehrmacht den Oberbefehl über die Wehrmacht zu übernehmen.

 

 

Goerdeler, Fritz Hermann

* 06. März 1886 in Schneidemühl; † 01. März 1945 in Berlin-Plötzensee

Fritz Hermann Goerdeler wurde als jüngerer Bruder von Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945) geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Rechtsanwalt und seit 1920 als Bürgermeister in Marienwerder tätig. Auf Druck der Nationalsozialisten  musste er diese Ämter im Jahr 1933 aufgeben.

Goerdeler wurde danach von 1933 bis 1944 Stadtkämmerer von Königsberg. Er wollte sich genau wie sein Bruder mit den Zuständen im nationalsozialistischen Deutschland nicht abfinden und folgte diesem in den Widerstand. Zu Beginn des Jahres 1943 übernahm Fritz Goerdeler die Aufgabe, in Königsberg Verbündete für den geplanten Staatsstreich zu werben. Er unterhielt hierfür enge Kontakte zu militärischen Widerstandskreisen.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftete die Gestapo  neben anderen Mitgliedern der Familie auch Fritz Goerdeler. Am 23. Februar 1945 wurde er zum Tod verurteilt und am 1. März 1945 in Plötzensee erhängt.

Lit :

  • Marianne Meyer-Krahmer: Carl Goerdeler – Mut zum Widerstand. Eine Tochter erinnert sich. Leipzig 1998.
  • Harald Schultze und Andreas Kurschat (Hrsg.): „Ihr Ende schaut an …“ Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. 2., erw. u. verb. Aufl. Leipzig. 2008, S. 282f.

 

 

 

Graebe, Kurt

* 09. Feb,1878 in Karniszewo bei Gnesen, + 08.Aug.1952 in München

 

Der Sohn eines Rittergutsbesitzers schlug nach dem Besuch des Gymnasiums in Gnesen eine militärische Laufbahn ein. Er wurde während des 1. Weltkrieges  Regimentskommandeur und wurde 1920 auf eigenen Antrag als Oberstleutnant verabschiedet.

Von 1919 bis 1937 war G. Hauptgeschäftsführer des Deutschtumsbundes zur Wahrung der Minderheitenrechte. (*)

Trotz zeitweiliger Verhaftungen wurde er 1922 deutscher Sejm –Abgeordneter und Vorstandsmitglied des Deutschen Parlamentarischen Klubs in Warschau, später Vertreter der deutschen Minderheiten beim Völkerbund.

Mitgründer, Vorstandsmitglied, stv. Vorsitzender und ab 1937 Präsident des Verbandes der deutschen Volksgruppen in Europa.

 

Lit. :

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 4. München 2001 S.19
  • Ostdeutsche Gedenktage 1977. S.86

(*)Der Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte (DB) war eine Partei  der deutschen Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik von 1921 bis 1923. Nach dem Verbot der Partei wurde mit der Deutschen Vereinigung im Sejm und Senat für Posen, Netzegau und Pommerellen (DV) eine Nachfolgeorganisation gegründet. Der DB wurde am 8. Mai 1921 gegründet. Sie vertrat rechtsorientierte Positionen und war überwiegend vom Großgrundbesitz geprägt und geführt. Die Partei wurde am 23. August 1923 verboten und behördlich aufgelöst.

Nach dem Verbot wurde 1923 die Deutschen Vereinigung im Sejm und Senat für Posen, Netzegau und Pommerellen gegründet. Diese Gruppierung war formell überparteilich, setzte aber die konservative, rechtsstehende Politik der DB fort.

 

 

Grabski, Josef Anton von

*12. Juni 1839 Skotniki bei Papros (Krs. Strelno); +

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussiche Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.151

 

Grabski , Leon von

* 1. Juli 1853 in Skotniki ( Krs.Strelno ) ; † 10. Oktober 1918 in Gnesen

 

Grabski besuchte von 1861 bis 1872 das Gymnasium in Bromberg. Anschließend ging er von 1872 bis 1874 in Antwerpen auf die Handelshochschule „Institut superieur de commerce“. Danach vervollständigte er seine kaufmännische Ausbildung in London, Königsberg und Warschau. Im Jahr 1882 war er Gründer der Firma Zuckerfabrik „Gnesen von Grabski, Jescheck & Comp.“.

In Gnesen gehörte Grabski zwischen 1884 und 1888 auch der Stadtverordnetenversammlung an. Danach war er bis 1894 Mitglied des dortigen Magistrats. Seit 1894 war Grabski Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Gnesen. Außerdem gehörte er der Handelskammer in Bromberg seit 1895 an.

Zwischen 1898 und 1908 war er als Mitglied der Polnischen Fraktion Abgeordneter des preußischen Abgeordnetenhauses Dem Reichstag gehörte er seit 1903 an. Er vertrat dort von 1903 bis 1918 den Wahlkreis Bromberg 6 (Gnesen – Wongrowitz).

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 65
  • August Ludwig Degener: Wer ist’s?, 1908, Band 8 Teil 1, Seite 482
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.327
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abge-ordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.151
  • Polski słownik biograficzny, Band 8, 1989, Seite 518

 

Günter Graf

*01. Dez. 1941 in Schönlanke

Graf flüchtete 1945 mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Jever(Niedersachsen). Von 1948 bis 1956 besuchte er die Stadtknabenschule in Jever und bis 1957 die Mittlere Handelsschule. Von 1957 bis 1960 machte er eine Ausbildung zum Rechtsanwaltsgehilfen und trat danach in den Dienst der Polizei Niedersachsen ein. Bis 1961 besuchte er die Landespolizeischule Niedersachsen in Hann. Münden und bis 1963 war er Mitglied der Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen. Anschließend arbeitete er bis 1972 bei der Polizeistation Friesoythe, bis er 1972 in den gehobenen Polizeivollzugsdienst aufstieg. Bis 1987 war er dann Leiter des Verkehrsdienstes im Lagezentrum Oldenburg, Leiter im Außendienst im Landkreis Cloppenburg und Leiter des Polizeireviers Westerstede.

Graf trat 1973 der SPD bei und wurde 1976 Mitglied des SPD-Unterbezirksvorstandes Cloppenburg sowie Mitglied des Bezirksausschusses Weser-Ems. In den Rat der Stadt Friesoythe wurde Graf erstmals 1974 gewählt und gehörte diesem bis zum September 2008 an. Im Jahr 1987 zog er erstmals über die Landesliste seiner Partei in den Deutschen Bundestag ein, dem er bis 2002 angehörte. Hier war er Mitglied der Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft, stellvertretendes Mitglied des Kontroll-ausschusses beim Bundesausgleichsamt und schließlich stellvertretender innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Bei der Bundestagswahl 2002 verzichtete Graf auf eine erneute Kandidatur. Von seinen  Ämtern als Mitglied des Friesoyther Stadtrats und des Kreistags des Landkreises Cloppenburg trat Graf am 1. Oktober 2008 zurück.

 

 

Graf, Ulrich

*17.Dez.1912 in Nakel, + 04. April 2006 in Worpswede

Der Vater war Beamter in Nakel, der 1919 – als die Provinz Posen an die neu entstandene Republik Polen fiel- nach Berlin versetzt worden.

In Berlin besuchte er das Kaiser-Friedrich-Gymnasium –eine Reformschule, in der Lehrer und Schüler gemeinsam den Arbeitsplan eines Schuljahres festlegten.

Bereits als Schüler schloss sich Graf der Sozialistischen Arbeiterjugend und später der SAP (*) an.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten (Graf war Jura-Student an der Berliner Humboldt-Universität) plante er eine berufliche Ausbildung als Kraftfahrzeugmechaniker, da er Dritten Reich nicht als Jurist tätig sein wollte. Auf Drängen seines Vaters beendete er jedoch sein Studium und arbeitete dann bei der AEG.

Von 1939 bis 1945 war er Soldat, zuletzt Flak-Batteriechef in Wilhelmshaven. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft wurde er nach Bremen entlassen, wo er stellvertretender Leiter des Arbeitsamtes Bremerhaven, nahm aber kurz darauf ein Angebot der Handelskammer Bremen an.

1945 Geschäftsführer der Handwerksabteilung der Handels-kammer Bremen und 1947 Geschäftsführer der wieder selbständigen Handwerkskammer Bremen, trat Graf 1951 in die FDP ein.

Im November 1951 erfolgte seine Wahl in die Bürgerschaft Bremens.

Am 21. Dezember 1959 wurde G. in den Senat der Freien Hansestadt Bremen gewählt. Er erhielt das Justiz- Ressort anvertraut, das er 12 Jahre innehatte.

 

Lit.:

  • Adamietz, Horst : Die fünfziger Jahre. Bremer Parlamentarier 1951-1959. Bremen 1978. S.366-369

(*) Die „Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“ (SAP) war eine linkssozialistische, marxistische Partei. Gegründet am 04. Okt. 1931

 

Graeve, Alexander von

* 10. Juli 1819 in Baben ( Krs. Ostrowo) ; † 30. Januar 1883 in Karlshof

von Graeve besuchte die Gymnasien zu Breslau und Posen und studierte in Jena und Berlin Rechtswissenschaften. Seit 1846 war er Landwirt auf Borek bei Koschmin.

Von 1867 bis 1871 war er Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes und des Zollparlaments für den Wahlkreis Posen 9 (Krotoschin) und  der Polnischen Fraktion.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin.1904, S. 60
  • Phillips, A. (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Berlin:, 1883, S. 39
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.328

 

 

Graeve, Ludwig Edler von

* 19. März 1857 in Borek; † 1920 in Philadelphia

Graeve studierte an den Universitäten in Krakau, Halle und Breslau Rechtswissenschaften. Er war von 1880 bis 1882 Kammergerichtsreferendar in Berlin. Grave machte größere Reisen im Ausland, besonders zu politischen Studien bereiste er die Balkanländer. Im übrigen betrieb er Landwirtschaft auf seinem Rittergut in Slowikowo (Krs. Mogilno).

Von 1884 bis 1890 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk  Posen 7 (Schrimm, Schroda) und gehörte der  Polnischen Fraktion an. Kurz nachdem er zum dritten Mal die Reichstagswahl in diesem Wahlkreis gewonnen hatte, legte er am 14. Juni 1890 das Mandat nieder.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin, S. 59
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.328

 

 

 

 

 

Greiser , Arthur Karl

 

* 22. Januar 1897 in Schroda ; † 14. Juli 1946 in Posen

 

 

Ab 1903 besuchte Greiser die Volksschule, die zweijährige Mittelschule und das Königlich-Humanistische Gymnasium in Hohensalza, das er jedoch ohne Abschluss im August 1914 verließ. Er erlernte in seiner Kindheit und Jugend die polnische Sprache und beherrschte sie fließend.

Am 4. August 1914, bei Beginn des Ersten Weltkrieges, meldete sich Greiser als Kriegsfreiwilliger. Er war zunächst bei der Kaiserlichen Marine, dann von August bis Oktober 1917 als Führer einer Flugstaffel beim Jagdgeschwader Richthofen. Im Oktober 1917 zu einer Seeflugstation im belgischen Ostende kommandiert, wurde er im Oktober 1918 abgeschossen und dabei schwer verwundet. Seine Genesung zog sich bis in den Frühling 1919 hin, eine Kriegsbeschädigung von 50 Prozent blieb zurück. Von 1919 bis 1921 gehörte er als Freikorpskämpfer zum Grenzschutz Ost (*) und wurde bei den Kämpfen im Baltikum eingesetzt. Im Mai 1921 endgültig demobilisiert, versuchte er im Zivilleben als Volontär in einem Exportgeschäft und als selbstständiger Handelsvertreter für die Stettiner Ölwerke in Danzig Fuß zu fassen. Im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise ging Greiser 1928 bankrott, bis 1930 war er Kapitän eines Motorbootes für Passagierrundfahrten in der Danziger Bucht.

 

Greiser war 1922 und 1923 Mitglied der Deutschsozialen Partei (Mitglieds-Nr. 520) (*)von Richard Kunze (1872-1945). Von 1924 bis 1926 gehörte er dem deutschnationalen Stahlhelm (*) an.

Am 1. November 1929 trat Greiser auch der NSDAP (Mitglieds-Nr. 166.635) und der SA bei. Am 30. Juni 1931 trat er von der SA zur SS (Mitglieds-Nr. 10.795) über. In der SS wurde er stetig befördert und erreichte am 1. Januar 1935 den Rang eines SS-Brigadeführers. Im Oktober 1930 kurzzeitig kommissarischer Gauleiter des Gaues Danzig, arbeitete er dann bis 19. Juni 1933 als Gaugeschäftsführer hauptberuflich für die NSDAP. Von Oktober 1933 bis Oktober 1939 war Greiser stellvertretender Gauleiter von Danzig.

Danzig lag damals als Freie Stadt außerhalb des Deutschen Reiches. Im November 1930 wurde Greiser in den Danziger Volkstag gewählt und war dort bis Juni 1933 der Fraktionsführer der NSDAP. In diese Zeit fiel eine Verurteilung durch das Landgericht Elbing wegen „Beschimpfung des Republik-schutzgesetzes“ zu einer Geldstrafe von 200 Reichsmark oder einer Woche Haft. Die Strafe wurde Greiser im Zuge einer Amnestie erlassen. Am 28. Mai 1933 erreichte die NSDAP die absolute Mehrheit im Danziger Volkstag; Greiser wurde Vizepräsident des Senats und zugleich Senator für Inneres. Am 28. November 1934 löste er Hermann Rauschning (1887-1962) als Präsident des Senats ab und wurde damit Regierungschef der Freien Stadt Danzig.

Schon ab 1930 entwickelte sich zwischen Greiser und dem Gauleiter Albert Forster (1902-1952) ein innerparteilicher Konkurrenzkampf. In der Partei Forster unterstellt, rangierte er als Senatspräsident staatspolitisch über dem Gauleiter.

Nach dem deutschen Angriff auf Polen wurde Arthur Greiser am 8. September 1939 Chef der Zivilverwaltung im Militärbezirk Posen. Am 21. Oktober 1939 wurde er Gauleiter und mit Wirkung vom 26. Oktober 1939 Reichsstatthalter für den Reichsgau Posen, der am 29. Januar 1940 in Warthegau umbenannt wurde. Sein Beauftragter für alle rassenpolitischen Fragen war Erhard Wetzel (1903-1975), der spätere Verfasser des so genannten Gaskammerbriefes (*). Daneben bekleidete Greiser noch eine Vielzahl weiterer Funktionen: so war er ebenfalls ab 21. Oktober 1939 Reichsverteidigungskommissar für dem Wehrkreis XXI, ab dem 15. November 1941 Gauwohnungskommissar unter Robert Ley (1890-1945) und ab dem 6. April 1942 Gaubeauftragter des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel (1894-1946). Im Oktober 1939 wurde er zum Preußischen Staatsrat ernannt, ab dem 7. Juli 1940 war er Abgeordneter im, während der Zeit des Nationalsozialismus bedeutungslosen, Deutschen Reichstag.

Greiser pflegte engen Kontakt zu Heinrich Himmler (1900-1945). In der SS wurde er auch während des Zweiten Weltkrieges weiter befördert und erreichte am 30. Januar 1942 den Rang eines SS-Obergruppenführers. Besondere Bedeutung erlangte Greisers Amt als regionaler Vertreter von Himmler in dessen Funktion als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (RKFDV): Der neu geschaffene Reichsgau bestand nur aus Gebieten, die vor dem deutschen Angriff polnisches Staatsgebiet waren. Die Bevölkerung setzte sich aus einer starken polnischen Mehrheit (85%) und etwa gleichgroßen jüdischen (8%) und deutschen (7%) Minderheiten zusammen. Mit verschiedensten Maßnahmen versuchte Greiser eine „Germanisierung“ des Warthegaus zu erreichen:

Die Bevölkerung wurde hinsichtlich ihrer „Eindeutschungs-fähigkeit“ in Gruppen aufgeteilt und in der Deutschen Volksliste erfasst.

Die jüdische Bevölkerung des Gaus wurde insbesondere in das Ghetto Litzmannstadt in Łódź deportiert. Ab Dezember 1941 wurden mindestens 150.000 Juden, auf Initiative Greisers im Vernichtungslager Kulmhof in Chełmno ermordet. Dieses Vernichtungslager lag ebenso wie die Stadt Łódź im Reichsgau Wartheland.

Am 1. Mai 1942 wandte sich Greiser an Himmler mit dem Vorschlag, 35.000 an offener Tuberkulose erkrankte Polen töten zu lassen, was er mit dem Begriff „Sonderbehandlung“ umschrieb. Polnische Intellektuelle und Priester waren in besonderem Maße das Ziel von Morden und Deportationen in Konzentrationslagern.

Etwa 500.000 Polen wurden in das Generalgouvernement deportiert.

Im „Warthegau“ wurden etwa 350.000 volksdeutsche Umsiedler angesiedelt, die nach den Vereinbarungen des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages überwiegend aus der Sowjetunion und den baltischen Staaten ausgesiedelt wurden. Die Ansiedlung in Greisers Gau wurde von der Volksdeutschen Mittelstelle der SS und der Einwandererzentralstelle im damaligen Litzmannstadt organisiert.

Die im Warthegau verbliebenen Polen waren vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt. Zahlreiche Kirchen, aber auch Schulen und Universitäten wurden geschlossen. Private Kontakte zwischen Polen und Deutschen wurden ebenso verboten wie der Gebrauch der polnischen Sprache in der Öffentlichkeit.

In der Schlussphase des Krieges war Arthur Greiser ab dem 25. September 1944 auch Führer des „Deutschen Volkssturms“ im Gau Wartheland. Als die Rote Armee am 12. Januar 1945 ihre Großoffensive startete, gab es keine Evakuierungspläne für die Zivilbevölkerung. Greiser flüchtete in der Nacht zum 21. Januar 1945 aus Posen nach Frankfurt an der Oder. Seine Flucht wurde von Joseph Goebbels (1897-1945)  und Martin Bormann (1900-1945 als „Feigheit“ angesehen, ein zunächst zur Bestrafung erwogener Einsatz als Führer eines Volkssturmbataillons kam jedoch nicht zustande. Stattdessen wurde Greiser zur Kur nach Karlsbad geschickt, von wo er sich im März 1945 in die bayerischen Alpen absetzte.

 

Arthur Greiser wurde am 17. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen in Oberbayern in Haft genommen. Am 30. März 1946 erfolgte seine Auslieferung an Polen. Sein Prozess fand vom 21. Juni 1946 bis zum 7. Juli 1946 vor dem Obersten Polnischen Gerichtshof statt. Greiser wurde wegen Verbrechen gegen die polnische Bevölkerung, des hunderttausendfachen Massenmordes, der massenhaften Deportation von Polen zur Zwangsarbeit in das „Altreich“ und der Ausplünderung des polnischen Volkes und Staates angeklagt und überführt. Am 9. Juli 1946 wurde er zum Tod durch den Strang verurteilt. Am 14. Juli 1946 erfolgte die öffentliche Hinrichtung Greisers vor seiner zeitweiligen Residenz, dem Schloss in Poznań.

 

 

Literatur

  • Proces Artura Greisera przed Najwyzszym Trybunalem Narodowym (Das Verfahren gegen Arthur Greiser vor dem Obersten Gerichtshof). Warszawa 1946
  • Hüttenberger, Peter: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP. Stuttgart, 1969. (= Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte).
  • Olschewski, Ch.: Greiser, Arthur Karl: In : Biographien zur deutschen Geschichte von den Anfängen bis 1945. Berlin 1991 S.192/193
  • Łuczak, Czesław : Arthur Greiser. Hitlerowska władca w Wolnym Mieście Gdansku i Kraju Warty.Poznań 1997
  • Weiß, Hermann (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. Frankfurt/Main 2002 S.161-163
  •  Lilla, Joachim (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Düsseldorf. 2004.
  • Epstein, Catherine: Model Nazi. Arthur Greiser and the Occupation of Western Poland. Oxford 2010
  • Klein, Peter: Behördenbeamte oder Gefolgschaftsmitglieder? Arthur Greisers Personalpolitik in Posen. In : Gewalt und Alltag im besetzten Polen 1939-1945. Hrsg. von Jochen Böhler u.a. Osnabrük 2012. S.187-204
  • Kranz , Alexander: Reichsstatthalter Arthur Greiser und die „Zivilverwaltung“ im Wartheland1939/1940. Die Bevölkerungspolitik in der ersten Phase der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen. Potsdam 2010.
  • Przybylski, Marek: Publiczna egzekucja Arthura Greisera w poznanskiej prasie. W. Media wobec smierci.Warsazawa 2012 S.119-133

 

(*)Die Deutschsoziale Partei (DS bzw. DtSP, DSoP oder auch DsP) war eine völkisch-antisemitische  in der Weimarer Republik und in der Freien Stadt Danzig.

Die Partei wurde am 23. Februar 1921 in direkter Konkurrenz zur Deutschsozialistischen Partei  gegründet. Parteigründer und Vorsitzender war der Volksschullehrer und Publizist Richard Kunze  (1872–1945), der „in seinen eigenen Reihen immer diktatorisch herrschte“. Ihr organisatorisches Zentrum lag in Berlin. Reichsweit kam die DtSP zu ihrer Hochzeit um 1925 auf 34.000 Mitglieder. Staatliche Behörden hielten die Partei im Dezember 1922 mit ihren Zielen mit der NSDAP vergleichbar.

 

(*)Grenzschutz Ost ist die Sammelbezeichnung für die 1918/1919 aufgestellten Verbände (Freikorps, Freiwilligen-Verbände, Selbstschutz Oberschlesien etc.), die bis zur endgültigen Grenzziehung den Schutz der Ostgrenze bzw. Ostgebiete des Deutschen Reichs übernehmen sollten. Folgende Situationen waren dabei bedrohlich:

  • Posener Aufstand ab Dezember 1918
  • Aufstände in Oberschlesien ab August 1919

Der Grenzschutz Ost bildete einen Teil der Vorläufigen Reichswehr und gliederte sich in die Armeeoberkommandos Nord mit Sitz in Bartenstein/Ostpreußen und Süd mit Sitz in Breslau. Die operative Führung wurde durch die Oberste Heeresleitung(OHL), deren Hauptquartier sich seit Februar 1919 in Kolberg befand, ausgeübt. Daneben wurde beim Preußischen Kriegsministeriums eine „Zentrale Grenzschutz Ost“ (Zegrost) eingerichtet, die für organisatorische Fragen zuständig war.

(*) Der „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ war ein paramilitärisch organisierter Wehrverband zur Zeit der Weimarer Republik, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges im Dezember 1918 in Magdeburg gegründet worden war. Diese galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). So stellte der Stahlhelm bei Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) Saalschutz.

(*)Als Gaskammerbrief wird ein von Erhard Wetzel verfasster Briefentwurf bezeichnet, der mit Datum vom 25. Oktober 1941 an den Reichskommisar Hinrich Lohsenach Riga adressiert ist. Der Brief ist das erste bekannte Dokument, in dem von der beabsichtigten Vernichtung arbeitsunfähiger Juden in Gaskammern berichtet wird. Zugleich bezeugt dieses Dokument eine Verbindung zwischen der Aktion T4, die von der Kanzlei des Führers gesteuert wurde, und dem Massenmord an den Juden (Holocaust)

 

 

 

Gründer , Marianne

* 3. April 1907 in Posen; † 1. März 1972

 

Marianne Gründer machte nach der Volksschule eine kaufmännische Berufsausbildung und arbeitete später als Fotolaborantin.

 

Marianne Gründer war seit 1927 Mitglied der SPD. Als Stadtverordnete in Kassel war sie vom 5. Mai 1952 bis 1. März 1972 kommunalpolitisch tätig.

Am 12. Oktober 1960 rückte sie für den Abgeordneten Dr. Tassilo Tröscher (1902-2003) erstmalig in den Hessischen Landtag nach und behielt das Mandat bis zum Ende der Wahlperiode am 30. November 1962. Auch in der folgenden Wahlperiode gelangte sie als Nachrücker in das Parlament. Sie folgte Edwin Zerbe (1916-1992)  am 6. Dezember 1965 nach. In der nächsten Wahlperiode kam sie erstmals direkt in das Parlament und schied am 30.November 1970 endgültig aus.

 

Marianne Gründer war seit 1948 in verschiedenen Verbrauchergremien und in der Konsumgenossenschaft aktiv tätig. Sie war nebenamtliches Vorstandsmitglied in Kassel, 1950 Bundesvorsitzende der Frauengilde im Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK) und im Genossenschaftsbeirat im ZdK Hamburg.

 

Lit.:

  • Lengemann,Jochen : Das Hessen-Parlament 1946- 1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtages. Frankfurt/Main 1986. S.270/271

 

 

Grützmacher; Robert

*20.Juli 1891 in Bromberg, +01. Dez. 1970 in Berlin

 

 

1904 bis 1908 Besuch der kaufmännischen Fortbildungsschule.

Lehre und Arbeit als Drogist, Angestellter und Vertreter in der Berliner chemischen Industrie.

Vor 1933 Mitglied der SPD, nach 1933 illegale Arbeit.

Nach 1945 selbständiger Handelsvertreter der chemischen Industrie.

1945/46 Kreisleiter der SPD in Berlin – Friedrichshain.

Gehörte der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin (1.WP) an.

Lit.:

  • Breuning,Werner/Herbst, Andreas : Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011 S.109

 

 

Guderian, Adolf

*06.Sept.1788 in Posen, + 16. April 1861 in Posen

 

Gymnasium in Berlin(1804 Reifeprüfung), später Justizrat in Posen.

Bürgermeister in Posen

Gehörte dem preußischen Abgeordnetenhaus von 1852 bis 1858 an.

 

Günter, Herbert

*21. Mai 1913 in Ostrowo, gest. 11. Sept.1994 in Bad Münder

Geschäftsführer

Mitglied des Niedersächsischen Landtages der 2. WP vom 04. Nov.1954 bis o5. Mai 1955. Gehörte der SPD-Fraktion an.

Lit.:

  • Simon, Barbara (Bearb.): Abgeordnete in Niedersachsen 1946-1994. Biographisches Handbuch. Hannover 1996. S. 134

Guttry, Alexander

*1813 in Paryź/Krs. Wongrowitz, + 04. Jan.1891 in Piotrkowice

Gutsbesitzer in Paryź bei Exin. Ausbildung in Posen und vermutlich auch an der Universität in Krakau.

1830/31 Teilnehme am Novemberaufstand.

1846 Arrestierung in Posen; Gefängnisaufenthalt in Glogau, Sonnenburg und Moabit.1847 Freilassung

1863 Teilnahme am polnischen Aufstand, das Zentralkomitee als provisorische Zentralregierung ernannte ihn zum Generalkommissar im Großherzogtum Posen.

1864 in Abwesenheit zum Tode verurteilt-1871 amnestiert.

Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

 

 

Hanow, Gustav Ludwig Rudolf

 

*04.Dez.1806 in Lobsens

1826727 Studium der Philologie in Greifswald und Halle.

1830 Lehrer am Pädagogium in Züllichau und ab 1835 Adjunkt am Joachimthalschen Gymnasium in Berlin und Prorektor in Cottbus .

1835 Konrektor in Sorau, 1838 Professor und 1840 Direktor des Pädagogiums und Waisenhauses  in Züllichau

Preußische Nationalversammlug 1848

1849 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

 

 

Hartwig, Theodor

 

* O4.April 1878 in Xions;  +  1949  in  Magdeburg;

 

Bis 1901 Fleischergeselle, dann bis 1907 Fabrikarbeiter. 1903-1907 Funktionär des Fabrikarbeiterverbands, Vorstandsmitglied der Filiale in Harburg a. d. Elbe, Vorsitzender der Filialen in Winsen a. d. Luhe, Buchholz i. Hannover und Buxtehude; Nov. 1907-Dez. 1912 Geschäftsführer und Agitationsleiter des Fabrikarbeiterverbands für Ostpreußen mit Sitz in Königsberg; Jan. 1913-1918 Bezirksparteisekretär für Posen mit Sitz in Bromberg; Vorstandsmitglied des Konsumvereins Bromberg; 1915-1918 Kriegsteilnehmer; 1918-1933 Bezirksparteisekretär für Pommern mit Sitz in Stettin, seit 1920 zugleich Mitglied des zentralen SP-Parteiausschusses; Vorstandsmitglied der SP-Landtagsfraktion in Preußen; zeitweise Vorsitzender des Bezirksausschusses der Arbeiterwohlfahrt für Pommern; Von 1919 bis 1993 Mitglied des preussischen Landtages. 1924-1933 Gauvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold für Pommern.
In der NS-Zeit Haft und Emigration: zunächst Schutzhaft, Juni 1933 Tschechoslowakei, Mai 1938 Schweden. Im Oktober 1939 ausgebürgert. 1948 Rückkehr nach Deutschland.
MdL: Landtag Preussen 1919-1933
Reichstagskandidatur 1912 (LP15) Königsberg 5 (Heiligenbeil – Preußisch-Eylau).

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagkandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.124.
  • Schumacher, Martin .: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1994 S.58/59

 

 

 

Heiber, Gerhard

* 30.Okt. 1912 in Posen, +

 

Der Sohn eines Obersteuersekretärs war als Bauingenieur tätig, bis er im Dezember 1953 zum 1. Vorsitzenden des Bezirksfriedensrates Cottbus gewählt wurde.

Dem Bezirkstag in Cottbus gehörte H. als Abgeordneter bis 1958 an.

 

Lit. :

* SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone. Berlin/Bonn 1961 S.133

 

 

 

Heine , Wolfgang

 

* 03. Mai 1861 in Posen; + 09. Mai 1944 in Ascona

 

H.studierte in Breslau, Tübingen und Berlin Rechtswissenschaften.

1884 trat er als Gerichtsreferendar in den preußischen Staatsdienst. Heine, der seit 1889 als Rechtsanwalt in Berlin tätig war, machte sich einen Namen als Strafverteidiger in politischen Prozessen.

Er arbeitete regelmäßig an den „Sozialistischen Monatsheften“ und an dem „Berliner Tagblatt“ mit. 1917 nahm er, der einen Verständigungsfrieden(*) befürwortete, an einer Berner Konferenz teil, die sich mit Fragen eines zu schaffenden Völkerbundes befasste.

Heine, Mitglied des Reichstages von 1898 bis 1918, wurde noch in den Revolutionswirren preußischer Justizminister und kurze Zeit später Innenminister.

Ideologisch einer der namhaftesten Vertreter des Revisionismus in der SPD, bekämpften ihn die Unabhängigen Sozialdemokraten ebenso wie Gustav Noske (1868-1946) als „Verräter“.

Die Fraktion verlangte seine Ablösung mit der Begründung, er verhindere eine rasche Demokratisierung der Verwaltung. Tatsächlich hatte sich der Jurist schwer damit getan, politisch korrumpierte Landräte in Pommern und Ostpreußen abzusetzen.

Ausgelöst wurde sein Sturz im März 1920 dadurch, dass Heine als Innenminister versucht hatte, den selbsternannten Reichskanzler Wolfgang Kapp (1858-1922) zum Aufgeben zu bewegen.

Heine wurde durch den von ihm selbst vorgeschlagenen Carl Severing (1875-1952) abgelöst.

Als Anwalt vertrat Heine später Severing und 1922 Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) in einer Verleumdungssache.

Von 1923 bis 1925 Mitglied des Staatsgerichtshofes zum Schutz der Republik.

1933 emigrierte er in die Schweiz.

 

Werke:

  • Kultur und Nation. Chemnitz 1914

 

Lit.:

 

  • Malettke, Klaus : Heine , Wolfgang .In : NDB 8 Berlin 1961 S.296
  • Kosch, Wilhelm: Biographisches Staatshandbuch. Lexikon der Politik, Presse und Publizistik.Bd.1.Bern/München 1963 S.494
  • Schwarz, Max: MdR.Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.342
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.126
  • Först, Walter : Heine, Wolfgang. In : Wolfgang Benz/Hermann Graml (Hrsg.): Biografisches Lexikon zur Weimarer Republik. München 1988. S.131/132
  • Biewer, Ludwig: Erinnerungen des Sozialdemokraten Wolfgang Heine (1861-194) an seine Studentenzeit an der Universität Breslau (1881-183). In : Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bresalu .Bd. XXIX/1988 S.273-286
  • Wilhelm Heinz Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867- 1933. Biographien, Chronik und Wahldokumentation. Ein Handbuch. Düsseldorf, 1995. S.496
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. Düsseldorf ²1994. S. 263
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. Von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 4. München 2001 S.511
  • Kupfer, Torsten: Heine, Wolfgang. In : Demokratische Wege. Ein biographisches Lexikon. Hrsg. von Manfred Asendorf und Rudolf von Bockel. Stuttgart/Weimar 2006 S.249/250
  • Marc Zirlewagen :Wolfgang Heine. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 28, Nordhausen 2007, Sp. 769–778.

 

(*) Bei einem „Verständigungsfrieden“ handeln die Kriegsparteien Bedingungen im gegenseitigen Einvernehmen aus, in dem Kompromisse eingegangen werden.

 

Heymann , Berthold

 

* 25. Juli  1870 in Posen; † 6. September 1939 in Zürich

 

Heymann besuchte das Gymnasium in Posen und in Berlin, machte dann eine kaufmännische Lehre und arbeitete bis 1897 als Handlungsgehilfe. 1895 schloss er sich der der Sozialdemokratischen Partei an. 1897 begann eine vielfältige journalistische und politische Tätigkeit. Er übernahm die Redaktion des „Volksfreund“ in Braunschweig und war von 1901 bis 1919 Chefredakteur des satirischen SPD – Wochenblattes „Der wahre Jacob“.

Im Jahr 1900 heiratete er Anna Auer, die Tochter des Reichstagsabgeordneten Ignaz Auer (1846–1907), der zu den führenden Sozialdemokraten gehörte. Dieser förderte seine Parteilaufbahn. Er kandidierte für den Reichstag 1903 und 1907 in einem Hannoverschen Wahlkreis ohne Erfolg, zog dann 1903 nach Stuttgart und war dort von 1903 bis 1908 Parteivorsitzender der SPD.

Ab 1906 war er Abgeordneter im württembergischen Parlament. 1912 wählte ihn die SPD in Stuttgart zum Delegierten für den Parteitag. Er gehörte dem reformistisch–gemäßigten Flügel der Partei gegenüber Clara Zetkin (1857-1933), Rosa Luxemburg (1871-1919) u.a.

Im Oktober 1918 strebten die württembergischen Parteiführer den Sturz der Monarchie nicht an. Als das Verhalten Wilhelms II (1859-1941) ihn unvermeidlich machte, stellte sich H. an die Spitze der Bewegung.

Vom 9. November 1918 bis zum 31. Oktober 1919 war er Kultusminister und vom 1. November 1919 bis 23. Juni 1920 Innenminister im Kabinett der ersten württembergischen Regierung. Von 1920 bis 1933 war er Abgeordneter der SPD im württembergischen Landtag. Für einen neuen Ministerposten fand er nach 1920 keine Akzeptanz mehr in der eigenen Partei. Ab 1920 war er ein vom Landtag gewähltes Mitglied des Württembergischen Staatsgerichtshofs, dies bis 1933.

Im April 1933 wieder in den Landtag gewählt, war er als Jude heftigen Diffamierungen durch die NSDAP ausgesetzt. Er verzichtete auf sein Mandat und emigrierte in die Schweiz, um sich dem Zugriff der Gestapo zu entziehen. Dort betrieb er eine kleine Pension in Zürich, die zur Anlaufstelle für viele verfolgte Politiker aus ganz Deutschland wurde. Er starb am 6. September 1939 in Zürich, also eine Woche nach Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall auf Polen.

Sein politisches Interesse galt neben den Rechts- und Verfassungsfragen vor allem der Bildungs- und Kulturpolitik. Im Mai 1919 ermöglichte er, überzeugt von dem Konzept einer einheitlichen Volks- und Höheren Schule ohne Auslese nach dem Berechtigungswesen und mit breitem praktischen und künstlerischen Bildungsangebot die Genehmigung der ersten Freien Waldorfschule durch den Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart, indem er ein württembergisches Gesetz aus dem Jahre 1836 heranzog, dass privaten Schulträgern die Einstellung nicht staatlich geprüfter Lehrer einräumte. So ermöglichte er die später weltweit sich ausbreitende Waldorfpädagogik.

 

Lit.:

* Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815 – 1933, Stuttgart 2001, S.353/35

 

* W. Keil: Erlebnisse I und II, Stuttgart 1947/48

 

  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968. S.538-539
  • E. Molt: Entwurf meiner Lebensbeschreibung, Stuttgart 1972 S. 204
  • Biographisches Handbuch der deutschsprachigen  Emigration, München u.a.1980, S.293.
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.128
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.507
  • Schumacher, Martin : M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.66/67
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 5. München 2001 S.24

 

Hempel , Karl

* 12. August 1827 in Bromberg; † 18. August 1899 in Bromberg

Hempel besuchte das Bromberger Gymnasium und wurde auf Gütern der Provinz Posen, Sachsen und Hannover zum Landwirt ausgebildet. 1850 besuchte er zwei Semester zur theoretischen Ausbildung auf der landwirtschaftlichen Akademie in Jena. 1851 übernahm er nach dem Tode seines Vaters das Gut Grostwo, welches 1858 der Stadt Bromberg eingemeindet wurde. Von 1868 bis 1880 war er Stadtverordneter, ab Oktober 1880 als Stadtrat tätig. Weiter war er Mitbegründer und Vorstands-Mitglied der Bromberger Gewerbebank und Vorstand der Netzewiesen-Meliorations-Genossenschaft.

Von 1881 bis 1884 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Bromberg 3 Bromberg-Stadt und die Deutsche Fortschrittspartei.

Die Wahl wurde 1882 für ungültig erklärt, jedoch konnte sich Hempel in der Ersatzwahl im August 1882 erneut behaupten

Lit.:

  • Specht, Fritz/Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. Berlin ² 1904 S.63
  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1865 S.343
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 190

 

 

Wolfram Heyn

* 7. Dezember 1943 in Schneidemühl; † 30. August 2003

Nach dem Abitur im Jahre 1963 und zwei Jahren bei der Bundeswehr studierte Heyn 1965 bis 1970 Soziologie und Volkswirtschaft an der Universität Frankfurt. Im Jahr 1973 wurde Wolfram Heyn als Professor in den Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule Frankfurt berufen.

Heyn war Mitglied der SPD und für diese ab 1972 Mitglied des Kreistages des Landkreis Hanau bzw. des Main-Kinzig-Kreises. Für die SPD saß Wolfram Heyn acht Jahre vom 1. Dezember 1974 bis zum 30. November 1982 im Hessischen Landtag. Er war lange Zeit bildungspolitischer Sprecher der Fraktion.

Er war Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Elternbundes Hessen (ebh)

Lit::

* Jochen Lengemann:(Hrsg.): Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Frankfurt am Main 1986

 

 

 

Hepner , Adolf  (Ps. A.Ephren)

 

* 24. November 1846 in Schmiegel (Posen); † Ende April 1923 in München

 

Hepner stammte aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie: Sein Vater war Bäckermeister. Er besuchte die Elementarschule in Schmiegel und seit 1859 das Gymnasium in Lissa (Posen). 1863 bis 1866 studierte Hepner am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, einem Rabbinerseminar. Nachdem er sich von der Theologie abgewandt hatte, machte er machte er 1867 Abitur am Gymnasium in Gnesen. Danach studierte er Philosophie und Nationalökonomie an der Universität Breslau und in Berlin. In Breslau war er als Buchhändler und Verleger tätig.

 

Er beschäftigte sich zu der Zeit mit den Schriften von Ferdinand Lassalle (1825-1864). Im Sommer 1869 wurde er Mitglied im Demokratischen Arbeiterverein Berlin. Er lernte August Bebel (1840-1913) und Wilhelm Liebknecht (1826-1900) kennen und wurde bald ihr engster Mitarbeiter. Am Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) 1869 in Eisenach nahm er teil. Er arbeitete journalistisch für das sozialdemokratische Zentralorgan „Der Volksstaat“ und wurde Ende Dezember 1869 in Leipzig zweiter Redakteur dieses Blattes.

Mit Bebel und Liebknecht wurde er in seiner Funktion als Redaktionsmitglied von „Der Volksstaat“  verhaftet. Im Leipziger Hochverratsprozess (*) vom 11. bis 26. März 1872 wurde er mit Bebel und Liebknecht angeklagt, er in seiner Funktion als Redakteur von „Der Volksstaat.“ Er wurde als einziger freigesprochen.

Trotz Verbots des Leipziger Polizeidirektors Rüder den Internationalen Arbeiterkongress in Haag zu besuchen (mit der Androhung von vier Wochen Gefängnis bei Zuwiderhandlung) besuchte Hepner den Kongress. Hepner wurde im Frühjahr 1873 aus Leipzig ausgewiesen. Er wollte sich in der Umgebung von Leipzig aufhalten, wurde aber aus den einzelnen Bezirken nacheinander von Rüder in Leipzig vertrieben, bis er Sachsen verlassen musste. Da Hepner wegen Preßvergehens bestraft war, konnte er für ein Jahr, wie jeder andere Verurteilte in Sachsen, aus seinem Wohnort ausgewiesen werden.

Dazu kamen Konflikte mit dem Parteiausschuss und hier insbesondere mit Theodor Yorck (1830-1875). Bebel bezeichnete Hepner und Yorck als verbissene Gegner. So schied Hepner 1873 aus der Redaktion von „Der Volksstaat“ aus.

Hepner zog wieder nach Breslau. Dort war er geschäftlich erfolglos. 1882 wanderte er aufgrund der Repressionsmaßnahmen gegen die Sozialdemokratie durch das Sozialistengesetz wie viele seiner Genossen in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. 1886 zog er nach St. Louis. Dort gab er bis 1897 das St. Louis Tageblatt, eine sozialdemokratische Zeitung, heraus. Des Weiteren war er Herausgeber der „Westliche Post“. Während seiner Zeit in den USA war er auch schriftstellerisch und als sozialistischer Journalist tätig. 1908 kehrte er nach Deutschland zurück. Er wurde in den folgenden Jahren zum rechten Flügel der SPD gezählt.

 

1894 schrieb Hepner den Einakter „Gute Nacht, Schatz“.

 

Literatur :

  • J. Seidel: Hepner, Adolf. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Biographisches Lexikon, Dietz Verlag, Berlin 1970

(*)Als Leipziger Hochverratsprozess wird der Prozess gegen die prägenden Führungsgestalten der frühen deutschen Sozialdemokratie Gründungsinitiatoren und Mitglieder der damaligen am Marxismus ausgerichteten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), August Bebel, Wilhelm Liebknecht sowie Adolf Hepner, vor dem Leipziger Schwurgericht  März 1872 bezeichnet.

Bei der Abstimmung zur Bewilligung der Kriegskredite  im  Reichstag des Norddeutschen Bundes  für den Deutsch-Französischen Krieg am  19. Juli 1870 hatten sich August Bebel und Wilhelm Liebknecht der Stimme enthalten. Bei einer erneuten Debatte am 26. November desselben Jahres um die Bewilligung weiterer Kriegsgelder brachten die beiden einen Friedensvorschlag „unter Verzichtleistung auf jede Annexion französischen Gebietes“ ein. Die Diskussion zu diesem Vorschlag mündete in den Vorwurf des Landesverrates  gegen die beiden Abgeordneten. Nach späteren Tumulten und tätlichen Angriffen vor allem gegen Liebknecht wurden die beiden zusammen mit Adolf Hepner, dem zweiten Redakteur des Zentralorgans der SDAP,  Der Volksstaat,  am 17. Dez. 1870 verhaftet (Anlass war die Veröffentlichung von Bebels Briefen an die Parteiführung). Nachdem in der Folge der Gründung des deutschen Nationalstaats  als am monarchischen Prinzip ausgerichtetes Kaiserreich  am 3. März 1871 der deutsche Reichstag  gewählt worden war, und August Bebel ein Mandat dabei erhalten hatte, beugte sich die Regierung dem wachsenden Druck, und entließ die drei am 28. März 1871 vorerst aus der Haft.

Da der Krieg mit Frankreich beendet war, konnte kein Prozess wegen Landesverrates mehr stattfinden. Bismarck  drängte jedoch weiterhin auf eine Verurteilung, und so wurde aus der Anklage wegen Landesverrates eine Anklage wegen Hochverrates, was aber einige Zeit in Anspruch nahm. Am 11. März 1872 begann der Prozess gegen Bebel, Liebknecht und Hepner vor dem Leipziger Schwurgericht unter dem Vorsitz des Bautzner Bezirksgerichtsdirektors von Mücke.

 

Ein konkreter Anklagegrund konnte nicht gefunden werden (man zog hauptsächlich sämtliche Veröffentlichungen der drei Angeklagten heran), und so betonte man, dass „sich aus dem einen oder anderem Artikel […] nicht die Anklage begründen läßt, daß aber aus der Zusammenwirkung […] sämtlicher Artikel, in Verbindung mit anderen Tatsachen die Anklage hervorgegangen ist“. Nach einer von beiden Seiten vor allem politisch eingefärbten Verhandlung hielt der Staatsanwalt Hoffmann alle drei Angeklagten für schuldig, stellte aber den Geschworenen die Verurteilung Hepners anheim. Das Geschworenenurteil erging am 26.März  1872. Hepner wurde freigesprochen, gegen Liebknecht und Bebel war das Urteil schuldig (es stimmten jedoch nur genau die notwendige Mindestzahl von acht Geschworenen für schuldig). Das Gericht verhängte daraufhin zwei Jahre Festungshaft gegen Bebel und Liebknecht, zwei Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. August Bebel wurde sein Reichstagsmandat aberkannt. Die Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Oberlandesgericht Dresden als unbegründet zurückgewiesen.

 

 

Heppe, Hans von

*09. Aug. 1907 in Fraustadt; + 02.April 1982 in Bad Godesberg

 

Der Sohn des Landrates Theodor von Heppe (1870-1954) studierte Jura an den Universitäten Tübingen, Königsberg und Berlin. Nach seiner Promotion trat er in den Dienst der Reichsbahn und dann des Reichsverkehrsmininisterium.

1943 wechselte er in die Hamburger Verwaltung, wo er Bevollmächtigter für den Nahverkehr wurde.

Nach dem Krieg war H. Hochschulreferent in Hamburg, von 1952 bis 1955 Ministerialdirigent im nordrhein-westfälischen Kultusministerium und von 1955 Senatssyndikus und Staatsrat in Hamburg.

1966 berief ihn der damalige Minister für Bildung und Wissenschaft, Gerhard Stoltenberg (1928-2001) als Staats-sekretär nach Bonn.

Über den Regierungswechsel 1969 hinaus, blieb H. im Amt, bis er 1971 in den Ruhestand trat.

 

Alfred Herrmann

* 26. Dezember 1879 in Hohensalza; † 19. November 1960 in Berlin

 

 

Nach dem Abitur auf dem Gymnasium in Breslau studierte Herrmann von 1899 bis 1903 in Breslau, München und Bonn Geschichte, Germanistik und Philosophie  1903 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert. Drei Jahre später wurde er Privatdozent für neuere und mittlere Geschichte an der Universität Bonn. Von 1905 bis 1912 war er Schriftleiter der „Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein“.1913 wurde er als Professor der Geschichte an die Akademie in Posen berufen. Im Ersten Weltkrieg war er Leiter der Presseabteilung beim stellvertretenden Kommandeur des V. Artillerie-Korps. 1924 wurde er Redakteur des Hamburger Fremdenblattes und 1927 Honorarprofessor für neuere Geschichte an der Universität Hamburg. 1933 legte er aus Protest gegen die Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Lehrtätigkeit nieder und war nur noch publizistisch tätig. Hauptgeschäftsführer des Reichs-verbandes der deutschen Presse.

Nach dem 2. Weltkrieg war Herrmann von 1947 bis 1949 erneut als Honorarprofessor in Hamburg tätig, bevor er einen Ruf an die Technische Universität Berlin annahm. Dort trat er 1954 in den Ruhestand.

Sechs Jahre, nämlich von 1951 bis 1956 bekleidete er das Amt des 1. Vorsitzenden der Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.

Herrmann gehörte 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung an. (Fraktion der DDP)

 

1955: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.670
  • Milatz, Alfred: Hermann, Alfred. In : Neue Deutsche Biographie 8 (1969) S.687
  • Schumacher, Martin u.a.: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation Düsseldorf ²1994 S. 277
  • Schmeitzner, Mike : Deutsche Polenpolitik am Ende?. Alfred Hermann, der Deutsche Volksrat und die Nationalitätenkämpfe in Posen 1918/19. In : Johannes Frackowiak (Hrsg.): Nationalistische Politik und Ressentiments. Deutsche und Polen von 1871 bis zur Gegenwart. Göttingen 2013. S. 63-103

 

 

 

 

 

 

 

Herzberg, Ernst Günther

*20.Dez.1923 in Schneidemühl; + 07. Aug,1989 in Münster

 

 

Nach dem Besuch der Volksschule und der Oberschule wurde Herzberg 1942 zur Kriegsmarine eingezogen und nahm als Seeoffizier am Zweiten Weltkrieg teil. Anschließend absolvierte er ein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Kiel. Er arbeitete zunächst als Bibliothekar im Lübecker Schuldienst, wechselte dann als Handelslehrer und stellvertretender Schulleiter an die kaufmännische Tagesschule Münster und nahm 1956 eine Tätigkeit als Grundschullehrer an der Martin-Luther-Schule in Münster auf. Im Zuge seiner politischen Tätigkeit wurde er später Mitglied des Rundfunkrates  des WDR  und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Haus des Deutschen Ostens.

Herzberg war von 1955 bis 1960 nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender und von 1958 bis 1960 stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Jungdemokraten. Er trat in die FDP ein und wurde 1956 in den Landesvorstand der Partei gewählt, dem er bis 1968 angehörte. Von 1957 bis 1959 war er zunächst stellvertretender Vorsitzender, von 1959 bis 1968 dann Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Westfalen-Nord.

Herzberg betätigte sich zunächst in der Kommunalpolitik und war von 1956 bis 1964 Bürgervertreter im Münsteraner Sozialausschuss. Von 1958  bis zu seinem Ausscheiden am 27. Januar 1967 war er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen und dort seit 1962 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion sowie Vorsitzender des Ausschusses für Flüchtlings- und Vertriebenenfragen. Herzberg amtierte vom 26. Januar 1967 bis zu seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand im Juli 1970 als Staatsekretär im Kultusministerium des Landes Nordrhein – Westfalen. Gleichzeitig übernahm er die Leitung des Landes-amtes für Politische Bildung, Jugend und Sport in der  Staatskanzlei

 

 

 

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd: Nordrhein-Westfalen. Land und Leute.1946-2006. Ein biographisches Handbuch. Münster 2006

 

 

Hindenburg , Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von

 

 

* 2. Oktober 1847 in Posen; † 2. August 1934 auf Gut Neudeck, Westpreußen

 

Paul von Hindenburg entstammte väterlicherseits einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht, der Familie von Hindenburg. Er wurde 1847 als Sohn des preußischen Offiziers und Gutsbesitzers Hans Robert Ludwig von Beneckendorff und von Hindenburg (* 21. Mai 1816 auf Gut Neudeck; † 16. April 1902 ebd.) und seiner bürgerlichen Ehefrau (17. Oktober 1845 zu Posen) Luise Schwickart (* 21. April 1825; † 5. August 1893) geboren. Als Sohn eines preußischen Offiziers beschritt Hindenburg ebenfalls die militärische Laufbahn. Nach jeweils zweijährigem Besuch der Bürgerschule (Grundschule) und des evangelischen Gymnasiums in Posen besuchte er von 1859 bis 1866 die Kadettenanstalt in Wahlstatt (heute Legnickie Pole, Polen) im damaligen Landkreis Liegnitz und ab Ostern 1863 die Hauptkadettenanstalt in Berlin. Im Jahre 1865 wurde er Königin Elisabeth, der Witwe des verstorbenen preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., als Page zugeteilt. Im April 1866 wurde er als Leutnant in das 3. Garderegiment zu Fuß aufgenommen und nahm an der Schlacht von Königgrätz teil.

Er kämpfte 1870/1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Am 18. Januar 1871 repräsentierte er sein Garderegiment bei der Kaiserproklamation im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. Von 1873 bis 1876 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin, die er mit der Qualifikation für den Generalstab verließ. 1877 wurde er in den Großen Generalstab berufen und im folgenden Jahr zum Hauptmann befördert. 1881 diente er im Generalstab der 1. Division in Königsberg und wurde zum Major befördert. 1890 leitete er die II. Abteilung im Kriegsministerium und wird im Jahr darauf Oberstleutnant. 1893 kommandiert er das Oldenburgische Infanterieregiment Nr. 91 und wird im Jahr darauf zum Oberst ernannt.

1896 wird er Chef des Generalstabes des VIII. Armee-Korps in Koblenz und im Jahr darauf Generalmajor. 1900 Ernennung zum Generalleutnant und Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe. 1905 wird er kommandierender General des IV. Armee-Korps in Magdeburg. 1911 wird er unter Verleihung des Schwarzer Adlerordens in den Ruhestand verabschiedet. Am 22. August 1914 wurde Paul von Hindenburg reaktiviert und Ober-befehlshaber der 8. Armee. Bereits am nächsten Morgen reiste er nach Ostpreußen ab, wo er 4 Tage später bei der Schlacht bei Tannenberg zum Generaloberst befördert wurde. Am 2. September 1914 wurde ihm der Orden Pour le Mérite verliehen. Vom 6. bis 14. September nahm er an der Schlacht an den Masurischen Seen teil. Er wurde am 1. November 1914 Oberbefehlshaber Ost und am 27. November 1914 zum Generalfeldmarschall befördert. Am 23. Februar wurde von Hindenburg mit dem Eichenlaub zum Pour le Mérite geehrt. Am 29. August 1916 erfolgte eine weitere Beförderung zum Chef des Generalstabes des Feldheeres. Er wurde am 9. Dezember 1916 mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes geehrt. Am 25. März 1918 bekam Paul von Hindenburg die Sonderstufe zum Großkreuz des Eisernen Kreuzes, den sogenannten Hindenburgstern. Am 25. Juni 1919 ist Paul von Hindenburg als Chef des Generalstabes des Heeres zurückgetreten. Am 3. Juli 1919 wurde die Mobilmachungsbestimmung aufgehoben.

 

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges bemühte sich Hindenburg zunächst vergeblich um ein Kommando. Erst als die Lage an der Ostfront außer Kontrolle zu geraten drohte, wurde er zum Oberbefehlshaber der 8. Armee mit Generalmajor Erich Ludendorff (1865-1937) als Stabschef ernannt. Unter seinem Kommando wurde die nach Ostpreußen eingedrungene russische Narew-Armee in einer klassischen Umfassungs- und Vernichtungs-schlacht, die vom 26. bis zum 30. August 1914 andauerte, geschlagen. Dieser Sieg war für Hindenburg in zweierlei Hinsicht von entscheidender Bedeutung. Zum einen war er der Beginn der engen Zusammenarbeit mit Ludendorff, dessen strategischem Geschick der Sieg in erster Linie zu verdanken war – Hindenburg selbst traf kaum Entscheidungen und erwähnte wiederholt, dass er während der Schlacht sehr gut geschlafen habe. Zum anderen begründete er Hindenburgs ganz außerordentliches Prestige, das ihn im weiteren Verlauf des Krieges zum mächtigsten Mann in Deutschland machen sollte. An diesem politischen Mythos, der sich um seine Person und den Sieg ranken sollte, arbeitete er selbst aktiv mit. Unmittelbar nach der Schlacht setzte er durch, dass sie nach dem vom Kampfgeschehen am Rande betroffenen Ort Tannenberg genannt werden sollte. Hier hatte ein polnisches Heer im Jahr 1410 das Heer des Deutschen Ordens vernichtend geschlagen, eine Scharte, die der auf die Wirkung in der Öffentlichkeit bedachte Hindenburg durch die Namensgebung auszuwetzen versuchte. Der triumphale Sieg wurde von der Öffentlichkeit in der Folge Hindenburg zugeschrieben und brachte ihm die Ernennung zum Generalfeldmarschall und die Verleihung des Sterns zum Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Von großer Bedeutung und Nachwirkung war seine und Ludendorffs Rolle bei der ab 1915 erfolgenden Etablierung des Militärstaates „Land Ober Ost“.

Hindenburgs Rolle im Ersten Weltkrieg beruht vor allem auf dem Mythos als „Sieger von Tannenberg“, weniger auf seinen tatsächlichen militärischen Leistungen. Im August 1916 übernahm er mit Ludendorff die Oberste Heeresleitung, die schnell an Einfluss auf die Politik des Deutschen Reiches gewann und Wilhelm II. praktisch entmachtete. Kritiker bezeichnen diese Form der Machtausübung als Militärdiktatur.

Durch die Zusammenarbeit mit der neuen republikanischen Regierung versuchte er, Unruhen innerhalb des Heeres entgegenzuwirken. Mit Abschluss des Versailler Vertrages im Juli 1919 erteilte Reichspräsident Ebert Hindenburg auf dessen Wunsch den Abschied. Vor dem Untersuchungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung verbreitete er die Dolchstoßlegende, wonach das deutsche Heer „im Felde unbesiegt“ geblieben und von den November-revolutionären durch einen Waffenstillstand „von hinten erdolcht“ worden sei.

 

Am 25. Juni 1919 trat Hindenburg von seinem Posten als Chef des Generalstabes des Heeres zurück und verließ seinen letzten Dienstort Kolberg. Er wählte Hannover, das ihn im September 1918 zum Ehrenbürger ernannt hatte und ihm in diesem Zusammenhang eine Villa in der heutigen Bristoler Straße (ehem. Seelhorststraße) im Zooviertel zum Geschenk gemacht hatte, zu seinem Alterssitz. Das Haus steht heute noch und ist mit einer Gedenktafel versehen. Von dort unternahm er in den folgenden Jahren viele Reisen durch das ganze Reich, besonders durch Ostpreußen, wo er sich als Befreier Ostpreußens einer großen Popularität erfreute. Als Adjutant arbeitete in diesen Jahren der Oberstleutnant a. D. Wilhelm von Kügelgen (Enkel des Malers Wilhelm von Kügelgen) für Hindenburg.

Nachdem beim ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl am 29. März 1925 kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreichte, drängten die Rechtsparteien den parteilosen Hindenburg zur Kandidatur, die der 77-jährige aber nicht anstrebte.

 

Am 26. April 1925 wurde Hindenburg im zweiten Wahlgang im Alter von 77 Jahren als Nachfolger Friedrich Eberts (1871-1925) zum Reichspräsidenten gewählt und am 12. Mai vereidigt.

Im Urteil über Hindenburgs Amtsführung bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise ist die Forschung gespalten. Hagen Schulze etwa betont seine Treue zur Weimarer Reichsverfassung, der er als Monarchist zwar distanziert gegenüberstand, die er aber bis 1930 hoch gehalten habe „wie die preußische Felddienstordnung“; er habe sich durch seinen Amtseid strikt an sie gebunden gefühlt und daher auch bis 1930 ihren Notstandsartikel 48 nie angewandt. Schulzes Berliner Kollege Henning Köhler bestätigt zwar, dass Hindenburg sich bis 1930 verfassungskonform verhielt, macht aber darauf aufmerksam, dass der durchaus machtbewusste Präsident Ansätze, seine Amtsbefugnisse durch ein Ausführungsgesetz zum Artikel 48 einzuschränken, hintertrieb. Auch habe er deutlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Kabinette genommen und dabei „deutlich konservative Politiker bevorzugt“.

 

Wegen seiner Unterschrift unter den Young-Plan(*), der von den rechtsradikalen Parteien als Verpflichtung zu jahrzehntelanger Versklavung des Volkes hingestellt wurde, rückten seine ehemaligen politischen Freunde immer mehr von ihm ab. Hindenburg beschloss, die derzeit regierende Große Koalition unter Kanzler Hermann Müller (SPD) (1876-1931)  durch eine antimarxistische und antiparlamentarische Regierung zu ersetzen. Die Gelegenheit hierzu ergab sich, nachdem die Große Koalition an der Frage des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung zerbrochen war. Am 29. März 1930 berief er Heinrich Brüning (Zentrum) (1885-1970)  zum Reichskanzler eines Minderheits-kabinetts, ohne das Parlament zu konsultieren. Damit begann die Zeit der Präsidialkabinette, in denen der jeweilige Kanzler hauptsächlich vom Vertrauen des Präsidenten abhängig sein sollte. Ganz gelang die geplante Ausschaltung des Parlaments indes nicht, da der Reichstag die von der Regierung gemäß Artikel 48 der Reichsverfassung erlassenen Notverordnungen jederzeit aufheben konnte. Als er das im Juni 1930 tat, löste Hindenburg ihn kurzerhand auf – ein verhängnisvoller Fehler, denn dieser Reichstag war der letzte, in dem die demokratischen Parteien die Mehrheit hatten. Durch die beginnende Weltwirtschaftskrise radikalisiert, gaben die Bürgerinnen und Bürger zunehmend den republikfeindlichen Parteien KPD, DNVP und nicht zuletzt der NSDAP ihre Stimme. Damit war die politische Notlage, die nach dem Sinn der Verfassung durch die Anwendung der Artikel 48 und 25 doch eigentlich behoben werden sollte, durch die Politik Hindenburgs erst herbeigeführt worden.

Um weitere Parlamentsauflösungen zu verhindern, beschloss daraufhin die SPD, künftig die Regierung Brüning zu tolerieren, das heißt gegen weitere Anträge der extremistischen Parteien auf Aufhebung der Notverordnungen zu stimmen. Damit war auch der zweite Teil von Hindenburgs Plan gescheitert: Die Regierung blieb weiter abhängig vom Parlament und von den verhassten Sozialdemokraten. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 wurde Hindenburg für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass sich alle demokratischen Parteien, einschließlich der Sozialdemokraten und des Zentrums, hinter den überzeugten Monarchisten stellten, um so Hitler als Reichspräsidenten zu verhindern.

 

Hindenburg hatte 1927 zu seinem 80. Geburtstag den alten Familienbesitz Gut Neudeck von einem Freundeskreis um Elard von Oldenburg-Januschau geschenkt bekommen. Die Wohltäter hatten das Gut zurückgekauft, nachdem Hindenburgs Familie es aus finanziellen Gründen nicht mehr halten konnte. Um Erbschaftsteuern zu sparen, wurde es gleich auf seinen Sohn Oskar überschrieben. Dieses im Prinzip legale, aber für einen Mann in seiner Position anrüchige Verhalten schädigte sein Ansehen. Außerdem gab es Korruptionsvorwürfe gegen Hindenburg im Zusammenhang mit dem zwei Jahre darauf verabschiedeten „Ostpreußengesetz“, das den Kreis der Schenker und andere Junker wirtschaftlich begünstigte. Diese Vorgänge und die anschließenden Auseinandersetzungen und Untersuchungen gingen als Osthilfeskandal in die Geschichte ein.

Nach der Wahl geriet Hindenburg noch stärker als zuvor unter den Einfluss der Kamarilla, eines Kreises von Freunden und Weggefährten der politischen Rechten. Zu dieser gehörte unter anderen Oskar von Hindenburg, der „in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten“ (so ein viel zitiertes Bonmot Kurt Tucholskys), ferner sein Nachbar auf Neudeck Elard von Oldenburg-Januschau sowie Generalleutnant Kurt von Schleicher und schließlich auch Franz von Papen. Diese überredeten Hindenburg, Brüning zu entlassen und stattdessen von Papen zum Reichskanzler zu ernennen. (Hindenburgs Biographen, insbesondere Wolfram Pyta und sein früherer Biograph Dorpalen heben allerdings hervor, dass Hindenburg diese Entscheidungen in eigener Verantwortung getroffen habe. Beide Biographien und auch Memoiren von Beteiligten – etwa Staatssekretär Meißner – relativieren den Einfluss der Berater und heben Hindenburgs Eigenverantwortung bei diesen Entscheidungen hervor). Als dies nicht zum Erfolg führte, erwog der Kreis kurzfristig einen Staatsstreich, um ein autoritäres Regime zu errichten, doch weigerte sich Schleicher, dafür die Reichswehr zur Verfügung zu stellen. Der neu zum Kanzler ernannte Schleicher versuchte noch, Teile der NSDAP um Gregor Strasser (1892-1934) von Hitler loszubrechen, doch dies misslang.

Letztlich stand der Reichspräsident nur noch vor der Alternative: Entweder würde er erneut eine Präsidialregierung ohne Rückhalt im Volk einsetzen, was möglicherweise zu einem Bürgerkrieg führen würde, den die Reichswehr – wie entsprechende von Reichswehrminister Schleicher in Auftrag gegebene Planspiele in seinem Ministerium Anfang Dezember 1932 zeigten – nicht gewinnen könne – oder er bildete eine Mehrheitsregierung im Reichstag bzw. eine Regierung, die zwar formal eine Minderheitsregierung war, aber begründete Aussicht haben würde, eine Mehrheit im Reichstag zu erlangen. Dieses war seit den Wahlen im Juli und im Dezember 1932 ohne eine Beteiligung der Nationalsozialisten aber nicht mehr möglich. Am 19. November 1932 erhielt er eine Eingabe von führenden Industriellen mit der Aufforderung, Adolf Hitler (1889-1945) zum Reichskanzler zu ernennen.

 

Am 30. Januar 1933 berief Präsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler (Machtergreifung). Außer Hitler gehörten mit Innenminister Wilhelm Frick (1877-1946) und Hermann Göring (1893-1946) als Minister ohne Geschäftsbereich nur zwei Nationalsozialisten dem neuen Kabinett Hitler an. Trotz seiner anfänglichen persönlichen Abneigung gegen Hitler, den er abschätzig den „böhmischen Gefreiten“ nannte, geriet Hindenburg immer stärker in dessen Einflussbereich. Am 1. Februar 1933 löste er den Reichstag auf. Die Verordnung zur Auflösung des Reichstages ist unterschrieben von Hindenburg, Hitler und Frick. Im Laufe des Februars wurde eine ganze Reihe von Maßnahmen wie die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ oder (unmittelbar nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933) die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ erlassen, mit denen die Grundrechte bis auf Weiteres (faktisch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges) außer Kraft gesetzt wurden. In der Folge kam es zu Massenverhaftungen von Anhängern der KPD und der SPD. Bei der von Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) am 21. März 1933 (dem so genannten Tag von Potsdam) inszenierten Eröffnung des neu gewählten Reichstags in der Garnisonkirche wurde durch eine symbolische Verneigung Hitlers vor dem greisen Reichspräsidenten eine symbolträchtige Kontinuität zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich hergestellt und Hindenburgs hohes Ansehen für das neue Regime instrumentalisiert und vereinnahmt. Das am 23. März 1933 verabschiedete Ermächtigungsgesetz setzte dann mit Hindenburgs Zustimmung auch die in der Weimarer Verfassung festgelegte Gesetzgebungs-kompetenz des Parlaments außer Kraft und trug dazu bei, dass Hitler die totale Kontrolle über die politischen Verhältnisse in Deutschland erlangte. Das Ermächtigungsgesetz enthielt auch einen weniger bekannten Artikel, der die formelle Mitwirkung des Reichspräsidenten an der Gesetzgebung aufhob und damit diesem seine Kontroll-möglichkeiten entzog. Auch Hindenburg verzichtete also auf seine Befugnisse, und zwar obwohl gerade diese Befugnisse maßgeblich dazu beigetragen hatten, die bürgerlichen Parteien zu beschwichtigen, so dass sie dem Ermächtigungsgesetz zustimmten.

 

Hindenburg verfiel seit längerer Zeit geistig und körperlich. Er starb am 2. August 1934 auf Gut Neudeck. Dort sollte er eigentlich begraben werden, jedoch organisierte Hitler eine Beisetzung im Denkmal der Schlacht bei Tannenberg. Das politische Testament Hindenburgs, von seinem Sohn Oskar an Hitler zur Veröffentlichung übergeben, wurde von diesem beiseitegelegt. Nach dem Tod des Reichspräsidenten war für Hitler endgültig das letzte Hindernis für die nationalsozialistische Diktatur aus dem Weg geräumt.

Das Kabinett Hitler setzte schon am 1. August, also dem Tag vor Hindenburgs Tod, eine Volksabstimmung über die Zusammen-legung des Amtes des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in der Person des „Führers“ Hitler für den 19. August 1934 an. Wenige Wochen zuvor hatte Hitler anlässlich des so genannten Röhm-Putsches seine letzten potenziellen Konkurrenten ermorden lassen – darunter seinen Vorgänger im Amt des Reichskanzlers General von Schleicher sowie seinen Duz-Freund Ernst Röhm (1887-1934)– und durch Gleichschaltung der SA die Reichswehr für sich gewonnen. Am Tag vor der Abstimmung warb Oskar von Hindenburg, der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, in einer Rundfunkrede für Hitler als den einzig legitimen Nachfolger seines Vaters.

Im Januar 1945 wurde Hindenburgs Sarg und der seiner Frau beim Anrücken der Roten Armee von der Wehrmacht aus dem Tannenberg-Denkmal entfernt und von Königsberg nach Pillau und von dort nach Stettin abtransportiert, um anschließend zusammen mit den Särgen der Preußenkönige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm I. in ein thüringisches Salzbergwerk eingelagert zu werden. Die Amerikaner, die weite Teile Thüringens eroberten, verbrachten die berühmten Toten nach Marburg, wo Hindenburg mit seiner Frau in der Nordturmkapelle der Elisabethkirche endgültig beigesetzt wurde.

 

 

Schriften

  • Aus meinem Leben. Leipzig 1920
  • Briefe, Reden, Berichte, Herausgegeben u. eingeleitet von Fritz Endres. Ebenhausen 1934

 

Literatur

 

  • Bernhard von Hindenburg: Paul von Hindenburg. Ein Lebensbild. Berlin 1915 (spätere Auflagen unter dem Titel Feldmarschall von Hindenburg).
  • Lindenberg, Paul : Das Buch vom Feldmarschall Hindenburg. Berlin 1920
  • Lessing, Theodor: Hindenburg . Berlin 1925
  • Ybarra, T.R.:Hindenburg. Seine drei Leben. Berlin 1932
  • Endres, Fritz (Hrsg.): Hindenburg. Briefe, Reden, Berichte.Ebenhausen b. München 1934
  • Vogel, Hugo: Erlebnisse und Gespräche mit Hindenburg. Berlin 1935
  • Hindenburg-Bibliographie. Verzeichnis der Bücher und Zeitschriftenaufsätze von und über den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg. Hg. Deutsche Bücherei Leipzig 1938
  • Görlitz, Walter: Hindenburg. Ein Lebensbild. Bonn 1953
  • Lucas, Friedrich J. Hindenburg als Reichspräsident. Bonn 1959
  • „Hindenburg zwischen den Fronten.“. Zur Vorgeschichte der Reichspräsidentenwahlen. In : Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. VIII/1960 S.75-84
  • Marcks, Erich : Hindenburg. Feldmarschall und Reichspräsident. Göttingen 1963
  • Andreas Dorpalen: Hindenburg in der Geschichte der Weimarer Republik. Frankfurt am Main 1966.
  • Walther Hubatsch: Hindenburg und der Staat. Aus den Papieren des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von 1878 bis 1934. Göttingen 1966.
  • John Wheeler-Bennett: Der hölzerne Titan. Paul von Hindenburg. Wunderlich, Tübingen 1969.
  •  Ruge, Wolfgang : Hindenburg. Porträt eines Militaristen. Berlin (DDR) 1974
  • Stribrny, Wolfgang: Hindenburg, Paul von Beneckendorff und von. In : Ostdeutsche Gedenktage 1984 S.154
  • Mai, Gunther: Hindenburg und Benckendorf, Paul von. In : Wolfgang Benz/Hermannn Graml (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik. München 1988 S. 145
  • Maser, Werner : Hindenburg. Eine politische Biographie. Rastatt 1989.
  • Ruge, W.: Hindenburg, Paul von Beneckendorff und von.
  • In : Biographien zur deutschen Geschichte von den Anfängen bis 1945. Berlin 1991 S.240/241
  • Walter Rauscher: Hindenburg. Feldmarschall und Reichspräsident. Wien 1997.
  • Zaun, Harald : Paul von Hindenburg und die deutsche Außenpolitik 1925 -1934. Köln/Weimar/Wien 1999
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 5. München 2001S.52/53
  • Jesko von Hoegen: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914–1934). Köln 2007.
  • Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. München, 2007,
  • Goltz, Anna von der : Hindenburg. Power, Myth and the Rise of the Nazis. Oxford 2009
  • Mühleisen, Horst (1996): Das Testament Hindenburgs 1934, in: Vierteljahresschrift zur Zeitgeschichte, 44, 3.Heft, Juli, S.355-372..

 

(*)Der Young-Plan war der letzte der Reparationspläne, der die Zahlungsverpflichtungen des Deutschen Reiches auf Grundlage des Versailler Vertags regelte. Er wurde von einem Gremium internationaler Finanzexperten vom Februar bis Juni 1929 in Paris ausgehandelt, die endgültige Ausformulierung erfolgte auf zwei Regierungskonferenzen im August 1929 und im Januar 1930 in Den Haag. Er trat am 17. Mai 1930 rückwirkend zum 1. September 1929 in Kraft und setzte eine durchschnittliche Annuität von rund zwei Milliarden Reichsmarkfest, die zum überwiegenden Teil in Devisen zu zahlen waren. Er sollte bis 1988 gelten, wurde aber bereits im Juni 1931 durch das Hoover-Moratorium ausgesetzt und im Juli 1932 von der Konferenz von Lausanne aufgehoben.

 

 

Hinze, Paul

*08. Juni 1889 in Falkenburg (Krs.Schneidemühl), + 1936

Dr.med.

Mitglied des Hannoverschen Provinziallandtages

 

 

Hoch , Gustav

* 10. Januar 1862 in Neubrück, Provinz Posen; † 4. Oktober 1942 im KZ Theresienstadt

 

Nach der Realschule absolvierte Hoch zunächst eine kaufmännische Lehre in Danzig. Anschließend besuchte er das Gymnasium in Stolp, wo er 1885 das Abitur ablegte. Im selben Jahr nahm er ein Studium der Staatswissenschaft an der Universität zu Berlin auf, das er nach dem Militärdienst (1886/87) in Königsberg fortsetzte und 1890 an der Universität Zürich beendete. Anschließend war er als Schriftsteller und als Redakteur der Frankfurter Volksstimme in Frankfurt am Main tätig. 1895 zog er nach Hanau, wo er ein Buch- und Tabakwarengeschäft betrieb und von 1903 bis 1919 als Arbeitersekretär tätig war. Nebenberuflich war er bis 1916 Redakteur des Gewerkschaftsblattes Dachdecker-Zeitung. Er schrieb auch für die sozialdemokratische Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“

Die Nationalsozialisten inhaftierten Hoch zunächst 1933 aus politischen Gründen. Später wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung, er war aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, zur Zwangsarbeit verpflichtet und schließlich 1942 im KZ Theresienstadt ermordet. Hoch war verheiratet, sein Sohn Fritz war nach dem zweiten Weltkrieg der erste Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel.

Hoch trat 1888 der − damals illegalen − SPD bei. Gemeinsam mit dem späteren Reichstagsabgeordneten Friedrich Brühne (1855-1928) gründete er 1890 den SPD-Ortsverband Bad Homburg vor der Höhe.

 

Von 1902 bis 1908 und von 1910 bis 1919 war Hoch Stadtverordneter in Hanau. Bei der Reichstagswahl 1898 gewann Hoch den Wahlkreis Hanau-Gelnhausen und zog so erstmals in das Parlament des Kaiserreichs ein. 1903 verlor er das Mandat wieder, konnte sich aber bei der Reichstagswahl 1907 im selben Wahlkreis erneut durchsetzen und gehörte dem Reichstag dann bis 1918 an. 1919/20 war er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, anschließend war er bis 1928 Reichstagsabgeordneter.

Von den Nationalsozialisten 1933 inhaftiert, später als Zwangsarbeiter eingesetzt, wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und ermordet.

 

 

 

Lit.:

 

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.674
  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848 -1918. Tübingen 1968 S.492-498
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.130
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. Düsseldorf ² 1992 S. 287
  • Schröder, Wilhelm Heinz : Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.510
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 5. München 2001 S.79

 

 

Hoffmann, Martin

* 18.10.1901 in Hohensalza  † 1945

Geboren als Sohn eines Volksschullehrers am 18.Oktober 1901 in Hohensalza; besuchte die Realschule und dann ein Realgymnasium bis zur Reifeprüfung und war anderthalb Jahre kaufmännischer Lehrling. 1918 wegen seiner Antikriegshaltung zu einem Jahr Festung verurteilt. Martin Hoffmann wurde Mitbegründer des Spartakusbundes und 1919 der KPD in Königsberg, er arbeitete zunächst als Volontär dann bis 1926 als Redakteur an der »Roten Fahne des Ostens«. 1923 Chefredakteur des »Echos des Ostens«, als Anhänger der Rechten vom ZK 1924 wieder abgelöst. Für einige Zeit Bezirkssekretär in Danzig, dort von Frühjahr bis Herbst 1925 in »Schutzhaft«. Anfang 1926 bis Ende 1928 ging er nach Jena an die »Neue Zeitung«, anschließend bis April 1929 Redakteur beim Pressedienst in Berlin. Bei den Auseinandersetzungen 1928/29 aktiver Anhänger der Versöhnler, deshalb als Redakteur entlassen, Hoffmann kehrte nach Ostpreußen zurück. Da er zunächst nicht kapitulierte, zusammen mit anderen führenden Versöhnlern (*) Ostpreußens (Glagau u. a.) am 23.August 1929 aus der Partei ausgeschlossen. Nach einer Reueerklärung 1930 wieder in die KPD aufgenommen, war zunächst in der Erwerbslosenbewegung im Rheinland tätig, danach Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. Bis 1933 Gewerkschaftsredakteur dieser Zeitung, zeitweise (unter Alexander Abusch,1902-1982) stell-vertretender Chefredakteur. Am 13. April 1933 in Duisburg verhaftet, kam Hoffmann in das KZ Brauweiler, im Oktober nach Essen in Untersuchungshaft. Am 17. Mai 1934 entlassen, er flüchtete nach Holland, kehrte aber im gleichen Jahr nach Deutschland zurück. Gemeinsam mit Wilhelm Firl (1894-1937)   leitete Hoffmann in Berlin die illegale Reichsarbeit der KPD und wurde am 19. Februar 1936 in Berlin erneut festgenommen. Im Mai 1937 stand er mit Firl vor dem VGH, der ihn am 22. Mai 1937 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte (Firl erhielt die Todesstrafe). In der Komintern-Zeitschrift »Rundschau« Nr. 28/1938 machte Ernst Weber (Albert Norden, 1904-1982) auf Martin Hoffmanns Schicksal aufmerksam. Zunächst war er im Zuchthaus Münster, vom Februar bis Dezember 1941 in der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden inhaftiert. Am 1. Dezember 1942 wurde Hoffmann auf Anordnung des Reichsjustizministers der Gestapo übergeben. Hier verliert sich seine Spur. Martin Hoffmann ist vermutlich noch vor Kriegsende ermordet worden.

Lit.:

  • Weber, Hermann/Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004. S.324/325

(*)Die Versöhnler waren eine innerparteiliche Oppositionsströmung innerhalb der KPD im Zeitraum der Weimarer Republik und des Dritten Reiches.

Die Versöhnler traten für eine Einheitsfrontpolitik mit der SPD und eine aktive Mitarbeit in den freien Gewerkschaften ein und standen der ab 1928 forcierten ultralinken Linie (Sozialfaschismuspolitik) ablehnend gegenüber; anders als die „Rechten“ übte man keine Kritik an der Vorherrschaft der KPdSU in der Komintern und lehnte eine Parteispaltung um jeden Preis ab

 

 

 

Hoffmeyer, Fritz

*20.März 1860 in Zlotnik

Rittergutsbesitzer

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.187

 

 

 

 

 

Hohlfeld, Johann Friedrich (Dr.med.)

* 16. Februar 1809 in Posen ; † 16. August 1861 in Springfield, Illinois

 

Von 1829 bis 1831 Buchdrucker –und Lithographen-Ausbildung in Warschau und Berlin.

1832 übernahm Hohlfeld von seinem Schwiegervater den Löbauer Druckereibetrieb und Zeitungsverlag am Theaterplatz und wurde Redakteur des Tagesblattes „Sächsischer Postillion“, die am meisten gelesene Zeitung der Oberlausitz, des benachbarten Böhmens und Preußens. 1840 kaufte er die Hähnelsche Steindruckerei und 1846 das Gut Jauernick bei Löbau.

Hohlfeld wurde damals zum geistigen Initiator der demokratischen Revolution 1848/49 in der Oberlausitz. In Löbau war er Stadtverordneter und Stadtrat. Als Vertreter des 7., 8. und 9. Wahlkreises gehörte er 1849 der I. Kammer des Sächsischen Landtags an und übernahm das Amt eines Sekretärs der Kammer. Vom 30. Mai bis zum 18. Juni 1849 war er fraktionsloser Abgeordneter des 2. sächsischen Wahlkreises (Löbau) im „Rumpfparlament“ der Frankfurter Nationalversammlung.

Hohlfeld war 1849 Sekretär der Provisorischen Regierung Sachsens und beteiligte sich am Dresdner Maiaufstand. Nach dem Scheitern der Revolution wurde Hohlfeld wie auch die anderen Revolutionäre verfolgt. Er floh in die Schweiz, dann nach Nordamerika. Dort wurde er Farmer, studierte Medizin und diente schließlich als Feldarzt in der Armee der Nordstaaten in den Sezessionskriegen der Vereinigten Staaten. 1861 wurde er in einer Schlacht bei Springfield in Illinois schwer verwundet und verstarb am 16. August.

Das Strafverfahren wegen Aufruhrs gegen ihn wurde in seiner Abwesenheit vor dem Amtsgericht Löbau geführt. Als „Vaterlandsverräter“ verlor er in Sachsen seine bürgerlichen Rechte und sein Vermögen.

 

Lit.:

  • Artikel im Biographischen Lexikon der Oberlausitz Literatur in der Sächsischen Bibliographie
  • Best, Heinrich/Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998 S.185
  • Löbauer Journal, Heft 9, Löbauer Museumsgesellschaft 1999

 

 

Holthoff , Paul

* 26. Januar 1897 in Filehne , † 6. Dezember 1967 in Wunstorf

 

Nach dem Besuch eines Gymnasiums nahm Paul Holthoff am Ersten Weltkrieg teil. Danach gehörte er wohl den Freikorps  Weichmann und Libow an.

Über seine berufliche Entwicklung in den Jahren 1919 bis 1932 ist nur wenig bekannt, eine pädagogische Ausbildung, was angesichts seiner späteren Tätigkeit nahe gelegen hätte, besaß er jedenfalls nicht.

Im April 1931 trat Holthoff in die SA und im Mai 1931 in die NSDAP ein. In der Zeit vor 1933 führte Holthoff die SA-Brigade 60 in Uelzen bei Hannover und die SA-Brigade 61 in Hannover. Im Hannoverschen Provinziallandtag gehörte er 1933 der parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft an, die die NSDAP mit dem Zentrum und der DHP gebildet hatte. Am 1. September 1937 übernahm er die Leitung der National-politischen Erziehungsanstalt (NAPOLA)(*) in Bensberg, die er auch nach der Verlegung der Anstalt von Bensberg nach Hardehausen  in Ostwestfalen am 2. November 1944 und darüber hinaus bis zu ihrer faktischen Auflösung Ende März 1945 beibehielt. In diesem Zusammenhang war er mitverantwortlich für den Einsatz von KZ-Häftlingen als Zwangsarbeiter für Baumaßnahmen und ähnliche Arbeiten auf dem Gelände seiner NAPOLA.

Von November 1933 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Jahr 1945 saß Holthoff als Abgeordneter im nationalsozialistischen Reichstag, in dem er nacheinander die Wahlkreise 15 (Osthannover, 1933−1936), 6 (Pommern, 1936−1938) und 20 (Köln-Aachen, 1938−1945) vertrat.

 

Literatur :

* Stockhorst, Erich : 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich.  Arndt, Kiel 2000.

* Herlemann, Beatrix: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919-1945. Hannover 2004 S.164/165

 

 

(*)Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (amtlich: NPEA, auch: Napola – Nationalpolitische Lehranstalt) waren Internatsoberschulen, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 als „Gemeinschaftserziehungsstätten“ gegründet wurden. Der Besuch der Schulen führte zur Hochschulreife. Ähnlich wie bei den Adolf-Hitler-Schulen (AHS) und den SS-Junkerschulen handelte es sich um Eliteschulen zur Heranbildung des nationalsozialistischen Führernachwuchses.

 

 

Jaffé, Benno

* 23. Sept. 1840 in Posen; *+ 29. Sept.1923  in Berlin

Jaffé studierte Chemie in Berlin und Heidelberg und promovierte 1865 in Berlin. 1867 gründete er am Charlottenburger Salzufer die Berliner Ammoniak- und Glycerin -Fabrik Dr. Benno Jaffé. Ab 1874 betrieb er das Unternehmen gemeinsam mit Ludwig Darmstaedter unter der Firma Benno Jaffé & Darmstaedter und eröffnete ein zweites Werk an der Kaiserin-Augusta-Allee. 1884 erwarb die Firma von Oskar Liebreich  das Patent zur Gewinnung von Wollfett, das unter dem Namen Lanonin bekannt wurde. Jaffés Unternehmungen waren besonders in der kosmetischen Industrie mit Produkten erfolgreich, die unter der Marke Pfeilring vertrieben wurden. Im Jahr 1900 wurde die Firma unter dem Namen Vereinigte Chemische Werke AG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aufsichtsrat Jaffé bis zu seinem Lebensende vorstand. Nach seinem Tod wurde das Unternehmen in Pfeilring Werke AG umfirmiert.

Jaffé war von 1895 bis 1901 Stadtverordneter und von 1901 bis 1918 Charlottenburger Stadtrat. In dieser Eigenschaft leitete er jahrelang die Charlottenburger Elektrizitätswerke.

Benno Jaffé war Mitglied der Gesellschaft der Freunde, eines Berliner  jüdischen Kultur- und Wohltätigkeitsvereins. 1906 gründete er die Benno- und-Helene-Jaffé-Stiftung für Bedürftige. Verschiedene sozialreformerische Initiativen Charlottenburgs, wie das Jugendheim, Ferienkolonien und das städtische Mütter- und Säuglingsheim wurden von Jaffé und seiner Frau aktiv unterstützt.

1905 wurde Jaffé für sein kommunales Engagement mit dem Roten Adlerorden IV .Klasse ausgezeichnet.

Die Stadt Charlottenburg, seit 1920 Stadtteil Berlins, verlieh ihm 1910, anlässlich seines 70. Geburtstages, den Titel eines Stadtältesten und im Jahr 1919 die Ehrenbürgerwürde.

Nach ihm ist die Jafféstraße am Berliner Messegelände benannt.

 

 

 

Janiszewski, Konstantin

* 31. August 1855 in Grätz, + 22. Juli 1923 in Berlin

 

Der gelernte Buchbinder und Schriftsetzer gehörte ab 1879 dem Komitee der polnischen Sozialisten an und betätigte sich in Deutschland und der Schweiz politisch.

  1. wurde im Ersten und Zweiten Posener Geheimbundprozess zu Gefängnisstrafen verurteilt, die er von 1882 bis 1884 und von 1888 bis 1890 in Berlin verbüßte.

Aus Protest gegen seine Verfolgung nominierte ihn die SPD 1890 zum Reichstagskandidaten des Wahlbezirkes Berlin II. Bis zu seinem Tod führte J. zwei Druckereien in Berlin, wo u.a. die „Gazeta Robotnica“ und die „Sozialistischen Monatshefte“ gedruckt wurden.

In Rixdorf engagierte er sich kommunalpolitisch.

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz : Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986. S. 186

 

Jahnow, Hedwig

* 21. März 1879 in Rawitsch; † 23. März 1944 in Theresienstadt

Hedwig Jahnow wurde im März 1879 als Hedwig Inowraclawer geboren. Ihr Vater Alfred war Lehrer am Oelser Gymnasium im schlesischen Oels. Um eine Chance auf eine Verbeamtung zu haben, legte Hedwig Jahnows Vater den jüdischen Nachnamen ebenso wie seinen ursprünglichen Vornamen Aaron ab und trat vom jüdischen zum evangelischen Glauben über.

Hedwig Jahnow bestand bereits im November 1898, also im Alter von 19 Jahren, die Lehrerinnenprüfung für höhere und mittlere Mädchenschulen. Zuvor war sie Schülerin an den privaten höheren Mädchenschulen in Breslau und Strehlen und von 1895 bis 1898 besuchte sie drei Jahre ein privates Lehrerinnenseminar in Berlin. Ihre ersten beiden Lehreranstellungen hatte Jahnow in der Zeit von Herbst 1899 bis Frühling 1900 beziehungsweise von Frühling 1900 bis Sommer 1903 an zwei Berliner Mädchenschulen. Von 1903 bis 1906 absolvierte sie ein sechssemestriges Studium als Gasthörerin an der Berliner Universität, ehe sie im November 1906 das Oberlehrerinnen-Examen für die Fächer Geschichte und Religion bestand. Zum damaligen Zeitpunkt war es für Frauen an der Berliner Universität noch nicht möglich, ein reguläres Studium zu absolvieren. Nach ihrer erfolgreich absolvierten Examensprüfung bewarb sie sich um die Stelle einer akademisch gebildeten Oberlehrerin an der Elisabethschule in Marburg, wo sie ab 1907 tätig war.

Jahnow trat nach Ende des Ersten Weltkriegs in die neu gegründete Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein. Bei der Kommunalwahl am 3. März 1919 wurde sie in den Stadtrat Marburgs gewählt, ein Jahr später entsendet die Partei sie in den Magistrat der Stadt. Sie war die erste Frau überhaupt, die dieser Einrichtung angehörte. Jahnow ist während ihrer Zeit im Stadtrat Mitglied in verschiedenen Ausschüssen, unter anderem im Armenausschuss und Friedhofsausschuss. Mit der Kommunalwahl im Jahr 1924, bei der die Deutsche Demokratische Partei dramatisch an Stimmen verlor und nur noch zwei Sitze im Stadtrat erhielt, fand Jahnows politische Tätigkeit ein Ende.

1925 wurde Jahnow zur Oberstudienrätin befördert und zur stellvertretenden Schulleiterin der Elisabethschule ernannt. Ein Jahr später wurde sie von der Universität Gießen mit der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät für ihre wissenschaftliche Arbeit vor allem im Fachgebiet Altes Testament, die sie bereits ab 1909 leistete, geehrt. 1935 wurde sie von den Nationalsozialisten aus ihrer Position als stellvertretende Schulleiterin gedrängt und anschließend auf Grund ihrer jüdischen Vorfahren aus dem Schuldienst suspendiert. Zum 31. Dezember 1936 wurde sie in den Ruhestand versetzt.

Nachdem der Verfolgungsdruck auf Juden und jüdischstämmige Personen in Deutschland immer mehr zunahm, versuchte Jahnow Ende 1938 nach England zu emigrieren. Allerdings wurde die damals 59-Jährige von den dortigen Behörden wegen ihres hohen Alters abgelehnt. England nahm damals nur junge Emigranten auf. Im Juni 1942 verurteilte man  Jahnow wegen Hörens von Fremdsendern, also Radiosendern aus dem Ausland, zu einer Haftstrafe von fünf Jahren. Eine Untermieterin hatte sie und ihre Mitbewohnerin verraten und vor Gericht gegen sie ausgesagt. Jahnow wurde daraufhin im Gefängnis in Ziegenhain untergebracht. Am 7. September 1942 deportierte man sie gemeinsam mit anderen Juden und jüdischstämmigen Menschen aus Marburg nach Theresienstadt, wo sie am 23. März 1944 an Unterernährung starb. Sie wurde in einer Urne mit der Nummer 22710 beigesetzt.

Nach Hedwig Jahnow ist eine Straße in einem Marburger Neubaugebiet benannt. Auch ein Forschungsprojekt trägt ihren Namen.

Auf dem Bürgersteig der Wilhelmstraße des Marburger Südviertels (gegenüber der Hausnummer 4) ist zum Andenken an diese Frau und ihr Schicksal ein Stolperstein verlegt worden.

Lit.:

  • Neumann, Regina: Hedwig Jahnow. Lehrerin, Stadträtin, Frauenrechtlerin und Jüdin. In : Frauen in Marburg. Marburg 1993 S.179-191
  • Metz-Becker, Marita: Frauen in der Marburger Stadtgeschichte. Ein biographisches Handbuch. Marburg 2012. S.77/78

 

Janiscewski, Johannes Chrysostamus ( Prof.Dr.)

*27. Jan.1818 in Pudlitzki(Krs. Kröben), + 11. Okt.1891 in Gnesen

 

Studium der katholischen Theologie und Philosophie in Breslau und Berlin von 1841 bis 1843. Seine Priesterweihe erfolgte 1844 in Gnesen.

1844 bis 1846 Vikar in Tremessen.

1846 bis 1855 Prof.der Kirchengeschichte und Moraltheologie in Posen.

Seit 1848 auch Regens am Klerikalseminar in Posen.1846 bis 1852 Redakteur der „Polnischen Kirchlichen Zeitung“.

1855 bis 1868 Probst in Koscielec.

1868 bis 1871 Domherr in Posen.

1871/72 Weihbischof in Posen (Amtsenthebung)

Seit 1872 Priester in Gnesen.

Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung vom 01. Juni 1848 bis o3.Aug.1848

Mitglied der Polnischen Fraktion im Preußischen Landtag 1849-1851 und von 1862-1866

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.70
  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989 S.227
  • Best, Heinrich/Wege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 184871849. Düsseldorf 1998 S.191.

 

 

 

Jazdzewski, Ludwig von (poln. Ludwik Józef Walenty Jazdzewski)

* 10. Februar 1838 in Posen; † 23. Januar 1911 in Berlin

Er besuchte nach dem Gymnasium in Posen die theologischen Seminare in Posen und Gnesen und studierte anschließend in München. Dort promovierte er 1861 zum Dr. theol. Anschließend unternahm er ausgedehnte Reisen durch ganz Europa. Ebenfalls 1861 wurde er zum Priester geweiht. Er war zunächst Religionslehrer in Posen und Krotoschin. Später war er Domprediger an der Kathedrale in Warschau. Außerdem war Jadzewski Professor für Exegese an der geistlichen Akademie und dem theologischen Seminar in Warschau. Für zwei Jahre war er apostolischer Missionar in England, ehe er 1866 Propst in Zduny wurde. Seit 1890 war er Propst des Kollegiatstifts in Schroda.

Er veröffentlichte: „Zeno, Veronensis episcopus“ (Regensburg. 1861). Außerdem ließ er einige Kanzel- und andere Reden drucken. Jadzewski war Mitglied der historisch-literarischen Gesellschaft in Paris.

Jazdzewski gehörte von 1873 bis zu seinem Tod dem preußischen Abgeordnetenhaus an. Zwischen 1872 und 1874, 1878 und 1897, 1890 und 1898 war er auch Mitglied des Deutschen Reichstages. In beiden Parlamenten gehörte er der polnischen Fraktion an. Er beteiligte sich vor allem an Debatten zu Kirchen- und Schulfragen.

 

Literatur

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 10. Leipzig 1907, S. 214.
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.360
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.199/200

 

 

Janiszewski, Jan Chryzostom

* 27. Januar 1818 in Pudliszki (Krs. Kröben) ; † 11. Oktober 1891 in Gnesen

Er studierte katholische Theologie sowie Philosophie in Breslau und Berlin. Er schloss das Studium mit der Promotion ab. Janiszewski wurde 1844 in Gnesen zum Priester geweiht. Danach war er bis 1846 Vikar in Tremessen. Anschließend war er bis 1855 Professor für Kirchengeschichte und Moraltheologie in Posen. Dort war er seit 1848 auch Regens (*) des Klerikalseminars.

Daneben arbeitete er zwischen 1846 und 1852 auch als Redakteur der „Polnischen Kirchlichen Zeitung.“ Er war auch als katholisch-polnischer Sozialpolitiker tätig. Zu Beginn der Revolution von 1848/48 war er während des Posener Aufstandes Mitglied des polnischen Nationalkomitees. Er gehörte auch der Deputation an, die dem König die Petitionen der Polen überbrachte. Janiszewski war vom 1. Juni 1848 bis 3. August 1848 als fraktionsloser Abgeordneter des Wahlkreises 12. Provinz Posen (Samter) Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Dort gehörte er dem Katholischen Club an. Er tat sich in Frankfurt als Verfechter der polnischen Sache hervor. So protestierte gegen die Einverleibung eines Teils der Provinz Posen in den Deutschen Bund. Er kritisierte auch nationalistische Äußerungen einiger liberaler und rechter Abgeordneter. Sein Nachfolger in Frankfurt war Karol Libelt (1807-1875). Janiszewski nahm 1848 auch am Slawenkongress in Prag teil. Er trat im selben Jahr als Mitbegründer und Organisator der Liga Polska* hervor. In den Jahren 1849 bis 1851 sowie von 1862 bis 1866 war er Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus. Er gehörte der polnischen Fraktion  an und war zeitweise deren Vizepräsident.

Zwischen 1858 und 1868 war er Propst in Koscielec und anschließend Domherr in Posen. Seit 1866 war er Generalvikar und Offizial der Erzdiözese Gnesen-Posen. Er wurde am 26. Juni 1871 zum Weihbischof  in Gnesen-Posen bestellt. Die Bischofs-weihe am 23. Juli 1871 wurde durch Mieczysław Halka Ledóchowski vollzogen. Nach der Absetzung des Erzbischofs Mieczysław Halka Ledóchowski (1822-1902) 1874 im Zuge des preußischen Kulturkampfes, weigerten sich die Domkapitel von Gnesen und Posen, einen Bistumsverweser zu wählen, da sie die Amtsenthebung für unrechtmäßig hielten. Insgeheim hat der Papst Janiszewski zum Verwalter der Erzdiözese bestellt. Die Regierung ließ am 4. Juli die Wohnung von Janiszewski vergeblich durchsuchen, um die entsprechende Urkunde zu finden. Einige Zeit später wurde er vom Kreisgericht Posen wegen gesetzwidriger Anstellung von Geistlichen zu einer Geldstrafe von 2200 Talern und ersatzweise zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Da er die Strafe nicht zahlte und eine Pfändung nur einen geringen Betrag ergab, wurde Janiszewski verhaftet und bis Februar 1875 inhaftiert. Danach wurde er in Brandenburg interniert und lebte zeitweise in Berlin. Später war er erneut in Gnesen inhaftiert. Im Jahr 1877 wurde er als Domherr und Weihbischof abgesetzt. Er lebte danach längere Zeit im Exil in Krakau und konnte erst 1886 nur als Privatperson nach Posen zurückkehren.

Janiszewski war auch Autor theologischer Schriften. So veröffentlichte er 1860 „Die Ehelosigkeit der Geistlichen der Katholischen Kirche.“

 

(*)Nach dem Scheitern des polnischen Aufstandes in der Provinz Posen zu Beginn der Revolution von 1848 verloren die Untergrundbewegungen an Anhängern. Das Konzept der „Organischen Arbeit“-also die Förderung polnischer Interessen im gesetzlichen Rahmen- gewann immer mehr Sympathien.

Die „Liga Polska“ –gegründet im Sommer 1848 in Berlin- stellte die moralische und wirtschaftliche Stärkung der Polen mit Hilfe legaler Mittel an. Einer der führenden Köpfe war Karol Libelt (                ).

Innerhalb kürzester Zeit hatte die Liga 40.000 Anhänger.

Die „Gazeta Polska“ war ihr publizistisches Sprachrohr. Die preußischen Behörden lösten 1850 ihre zentrale Organisation auf; lokale Grppen setzten ihre Arbeit jedoch fort.

 

(*)Der Regens ist in der katholischen Kirche der Leiter eines bischöflichen Seminars, insbesondere des Priesterseminars einer Diözese.Der Regens steht der Lebens- und Ausbildungsgemeinschaft der Seminaristen vor und regelt alle äußeren Fragen des Seminarbetriebs

 

 

 

 

Jerzykiewicz, Wladislaw

*23.Mai 1837 in Samter, + 04. Aug.1920 in Posen

 

Handelsgeschäfte in Posen und Warschau. Mitbegründer der Polnischen Landesbank.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S. 200

 

 

Regina Jeske

*05.Dez.1944 in Schneidemühl

Die Tochter eines Angestellten studierte nach der Oberschule und dem Abitur von 1963 bis 1967 an der Theaterhochschule Leipzig. Einem dreijährigen Engagement in Leipzig folgte ein Engagement am Staatstheater Dresden, zu dessen Ensemble sie bis zum Sommer 2010 gehörte. Dem Fernsehpublikum ist sie durch drei Rollen beim DFF in der Reihe „Der Staatsanwalt hat das Wort“ bekannt: Das Bleiglasfenster (1983), Ich werde dich nie verraten (1987) und Im Regen tanzen (1990). Regina Jeske wurde 1982 Mitglied der NDPD  und gehörte von 1986 bis 1990 als NDPD-Abgeordnete der Volkskammer der DDR  an.

Literatur

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik, 9. Wahlperiode, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 1987

 

Illing, Julius William

* 20. September 1816 in Bromberg; † 1893

Illing studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bonn.Nach Abschluss seiner Studien trat er in den preußischen Verwaltungsdienst und wurde 1844 Landrat des Kreises Mogilno. Ab 1850 war er bei den Regierungen in Koblenz, Düsseldorf und Arnsberg als Regierungs- und Oberregierungsrat sowie Vorsitzender des Spruchkollegiums für landwirtschaftliche Angelegenheiten tätig.

1873 wurde er vortragender Rat im Ministerium des Innern und im Nebenamt Mitglied des Disziplinarhofs für nichtrichterliche Beamte. Sein wichtigstes Arbeitsgebiet war das preußische Gefängniswesen. Er sorgte für die Hebung des Standes der Gefängnisbeamten, insbesondere für die Verbesserung der Lage der Unterbeamten durch Erstellung von Dienstwohnungen und Erhöhung des Einkommens. Auf seine Anregung hin wurde 1878 das Gesetz, betreffend die Unterbringung verwahrloster Kinder erlassen, auf dessen Grundlage bis Anfang der 1890er Jahre über 18.000 Kinder in Erziehungsheime eingewiesen wurden. Auch die Einrichtung von Kinderhorten in Berlin geht auf ihn zurück. Illing vertrat die preußische Regierung auf internationalen Strafanstaltskongressen in Stuttgart, Stockholm und St. Petersburg. Auch mit Militärangelegenheiten war er befasst. So war er Urheber eines neuen Prüfungsreglements für die Zulassung zum einjährig-freiwilligen Dienst. Am 1. Juni 1892 trat er in den Ruhestand.

1

 

 

Johlitz, Fritz

* 23. März 1893 in Schneidemühl; † 15. Juni 1974 in Duisburg

 

  1. besuchte die Volksschule seiner Geburtsstadt und erlernte das Schlosserhandwerk.

Am 1. Weltkrieg nahm er ab dem 02. Oktober 1915 als Freiwilliger teil.

Nach dem Kriege war J. von 1918 bis 1920 Mitglied eines Freikorps, das gegen aufständische Polen kämpfte.

Von 1925 bis 1927 besuchte er eine  Fachschule, wo er die staatliche Meisterprüfung ablegte. Er war im Motorenwerk der Krupp AG beschäftigt, wo er 1933 zum Vorsitzenden des Betriebsrates gewählt wurde.

Ab 1928 übernahm er die Leitung der Ortsgruppe Essen der NSDAP und zählte 1930 zu den Gründern der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation. J. war Herausgeber der Zeitung der Betriebs-Zellenorganisation im Gau Essen „Der Ruhr-Arbeiter“.

Ab 1931 war er Stadtverordneter in Essen und am 31. Juli 1932 erfolgte seine Wahl in den Reichstag, dem er bis 1945 angehörte.

Ab 1933 Vorsitzender des Betriebsrates der Firma Friedrich Krupp und ab November 1935 Leiter der Arbeitskammer Düsseldorf. Mitglied des Provinzialrates der Rheinprovinz seit dem 30. Januar 1935.

 

Literatur:

  • Schwarz, Max: MdR.. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.683
  • Essener Köpfe- wer war was? Essen 1985
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. Düsseldorf ² 1992 S. 311
  • Stadt Essen u.a. (Hrsg.) Essener Köpfe. Essen 2015 S.174

 

 

 

Kalckreuth, Carl Otto von

*15.Juli 1835 in Bielsko (Krs. Birnbaum), + 04.September 1900 in Muchozyn (Krs. Birnbaum)

 

Nach dem Besuch von Realschulen in Meseritz und Frankfurt/ Oder trat er in das Artillerie-Regiment Nr.2 in Stettin ein und besuchte die Artillerieschule in Berlin.

Versetzung 1857 als Offizier zum Kürassier-Regiment Nr. 8 in Köln –Deutz versetzt und ab 1862 Adjutant des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, dem Chef dieses Regiments.

1864 starb sein Vater, K,. bat um Entlassung und übernahm das Gut Muchocin.

Er vertrat den Landrat des Kreises Birnbaum 1872 und 1874 und ab dem 01. Mai 1874 war er kommissarischer Landrat dieses Kreises. 1875 definitive Übertragung dieses Amtes.

Am 07. Oktober 1879 erfolgte seine Wahl in den Preußischen Landtag, dem er bis 1988 angehörte. Hier vertrat er den WK Posen 2 (Landkreise Samter und Birnbaum). Er schloss sich der Fraktion der Konservativen an.

1894 erfolgte seine Berufung in das Preußische Herrenhaus, dem er bis zu seinem Tode angehörte.

 

Lit.:

  • Balde, Heinrich: Kalckreuth, Carl Otto von. In: Kulturwart 32 (1984) Heft 157 S.19-22
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.204
  • Balde, Hans Joachim: Beiträge zu einem biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003. S.96/97

 

Kalinke , Margot

 

* 23. April 1909 in Bartschin bei Bromberg; † 25. November 1981 in München

 

Nach der Oberprimarreife auf dem Deutschen Lyzeum in Bromberg wurde Margot Kalinke 1925 aus Polen ausgewiesen. Sie besuchte die höhere Handelsschule und war seit 1929 im Bereich der Sozialversicherung tätig. Von 1937 bis 1952 war sie Bezirksgeschäftsführerin einer Angestelltenkrankenkasse in Hannover. Sie gehörte 1946 zu den Mitbegründerinnen des Verbandes Weiblicher Angestellter (VWA), in dessen Vorläuferorganisation, dem Verband der weiblichen Handels-Büroangestellten, sie schon vor 1933 ehrenamtlich tätig war. Von 1949 bis zu ihrem Tode war sie Vorsitzende des VWA. 1953 bis 1974 war sie Leiterin des sozialpolitischen Büros der privaten Krankenversicherungen. Sie gehörte zeitweise dem Vorstand der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte an und war in den 1950er Jahren Mitglied des Beirates für die Neuordnung der sozialen Leistungen beim Bundesminister für Arbeit.

 

1946 bis 1949 gehörte Frau Kalinke dem niedersächsischen Landtag an. 1947/48 war sie Mitglied des Zonenbeirates.

Von 1949 bis 1953 und vom 3. Juni 1955, als sie für Heinrich Hellwege (1908-1991)  nachrückte, bis 1972 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an, wobei sie 1957 den Wahlkreis Celle gewinnen konnte und damit dazu beitrug, dass die Deutsche Partei (*) auch mit weniger als fünf Prozent der gültigen Stimmen bei der Sitzverteilung berücksichtigt wurde. Gemeinsam mit Ernst August Farke (1895-1975) vertrat sie den Arbeitnehmerflügel der DP im Parlament. Von September 1955 bis 1957 war sie stv. Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Fragen der öffentlichen Fürsorge. 1957 bis zu ihrem Parteiaustritt am 1. Juli 1960 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der DP. Am 20. September 1960 trat sie der CDU/CSU-Fraktion bei. 1969 bis 1971 war sie Landesvorsitzende der Frauen-Union in Niedersachsen.

 

Margot Kalinke war – anders als die Mehrheit auch der Frauen in ihrer Partei – eine vehemente Gegnerin des sog. Stichentscheides in der Ehe, mit der der Mann bei Streitfällen in allen die Ehegatten betreffenden Angelegenheiten seine Ansicht hätte durchsetzen können. Gemeinsam mit Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) (1901-1986) stimmte sie im Rechtsausschuss des Bundestages für den Änderungsantrag der FDP-Fraktion und sorgte damit für eine Niederlage der Regierungsfraktionen CDU/CSU, GB/BHE und DP. Das „Gesetz über die Gleichstellung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ wurde am 18. Juni 1957 ohne diese diskriminierende Klausel verabschiedet.

  1. war nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik als Bundesvorsitzende des Verbandes der weiblichen Angestellten e.V. aktiv. Viele Jahre gehörte sie dem Beirat der Heimatkreise Bromberg an.

Lit. :

  • Ostdeutsche Gedenktage 1979, S.49
  • Bromberg 68/1982
  • Rasmus, Hugo: Lebensbilder westpreussischer Frauen in Vergangenheit und Gegenwart. Münster 1984 S.74/75
  • Kulturwart 32(1984) Heft 155 S.27/28
  • Simon, Barbara (Bearb.):Abgeordnete in Niedersachsen 1946-1994. Biographisches Handbuch. Hannover 1996 S.188.
  • Vierhaus, Rudolf/Herbst, Ludolf (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002.Band 1. München 2002 S.402/403
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 5. München 2001 S.412
  • Rasmus, Hugo: Kalinke, Margot. In : Hans Joachim Balde: Beiträge zu einem biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003. S.98/99

 

(*)Die Deutsche Partei (DP) war eine rechtsgerichtete politische Partei in Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den späten 1940er Jahren bis in die 1950er Jahre ihre größte Bedeutung erreichte. Sie war von 1949 bis 1960 an der Bundesregierung beteiligt und hat sich 1961 auf Bundesebene de facto aufgelöst, existierte jedoch auf Landesebene bis 1980 als Partei, dann als Verein weiter.

 

Kalinski, Felix , Dr.

*19.Nov.1810 in Powidz, + 23. Aug. 1885 in Jaksice

Von 1832 bis 1836 Studium der Theologie in Breslau.1836 Priesterweihe .

Von 1836 bis 1845 Kaplan und  Religionslehrer in Tremessen.

1845/46 Direktor des Lehrerseminars in Posen.1846 Pfarrer in Kaksice.

Mitglied der Liga Polska (*), später zeitweise Regens des Priesterseminars in Posen. Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses

(*)Nach der Niederlage des polnischen Aufstandes in der Provinz Posen zu Beginn der Revolution von 1848 verloren die Untergrundbewegungen an Anhängern. Wichtiger wurde das Konzept der organischen Arbeit also die Förderung polnischer Interessen im Rahmen des gesetzlichen Rahmens.

Vorangetrieben durch den Philosophen und Ökonomen August  Vieszkowski wurde die Liga Polska im Sommer des Jahres 1848 in Berlin gegründet. Ihr Ziel war es innerhalb der gesetzlichen Grenzen für die moralische und wirtschaftliche Stärkung der Polen einzutreten. An der Spitze stand eine Generaldirektion, darunter existierten Kreis- und Bezirksligen sowie Spezialligen.

Innerhalb kurzer Zeit hatte die Liga 40.000 Anhänger. Sie hatte Anhänger in den Provinzen Posen und Westpreußen und griff auch auf Pommern und Oberschlesien über. Allein in Posen und Westpreußen hatte die Organisation 246 lokale Vereine. Ihr gehörten Personen aller politischen Richtungen und sozialen Schichten an. Ihre Führung war allerdings eher konservativ ausgerichtet. Mit der Gazeta Polska verfügte sie über ein publizistisches Sprachrohr.

Trotz ihrer begrenzten Ziele haben die preußischen Behörden die zentrale Organisation der Liga 1850 aufgelöst. Die lokalen Gruppen existierten aber teilweise noch weiter.

 

 

Kamm, Udo

*01. Feb.1942 in Posen

Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Halle. Später Fernstudien Jura und Biologie ( Diplomlehrer ). Im Schuldienst tätig.

Vom 18. März bis o2. Okt. 1990 vertrat er den Wahlkreis 07 (Halle) in der Volkskammer. Erster stellvertretender Vorsitzender der CDU/DA-Fraktion in der Volkskammer war K. von Mai bis Oktober 1990.

Von 1991 bis 2000 war er in der Landesverwaltung Sachsen-Anhalts tätig und von 2000 bis 2007 war er Präsident des Landesamtes für Umweltschutz des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Kaempfer, Richard

*29.Aug.1884 in Posen

 

1910 Eintritt in die SPD, 1916 Übersiedlung nach München und hier in der Friedensbewegung aktiv.

Dez.1918 Delegierter zum 1. Rätekongreß in Berlin (USPD-Fraktion)

Mitbegründer und USPD-Vorstandsmitglied in München. Wegen seiner Teilnahme am Januarstreik 1919 inhaftiert.

November bis Dezember 1919 Mitglied des Soldatenrates München.

Redakteur der „Neuen Zeitung“ in München.

Mitbegründer und ehrenamtlicher Bezirksvorsitzender Oberbayern-Schwaben der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) (*) und deren Kandidat für die bayrische Landtagswahl April 1932.

1933 Emigration nach Frankreich.

Lit.:

  • Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/1919 Düsseldorf 2000 S.156

(*)Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD, häufig auch Sozialistische Arbeiterpartei, SAP genannt) war eine linkssozialistische, marxistische Partei, die am 04.Oktober 1931 in Berlin gegründet wurde und bis 1945 bestand. Als Partei der Einheitsfront gegen den Faschismus spielte sie eine wichtige Rolle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

 

Kandler, Max

*28. Aug.1868 in Lissa

Studium der Rechte in Greifswald, München und Berlin.

Amtsrichter in Pinne, Wollstein und Grätz. Seit 1910 Landgerichtsdirektor in Gnesen.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-191. Düsseldorf 1988 S.205

 

Kantak, Kasimir

* 22. März 1824 in Posen; † 28. Dezember 1886 in Posen

Von 1834 bis 1841 Gymnasium in Posen, Breslau und Kulm ohne Reifeprüfung.

Kantak wurde bereits 1845 wegen konspirativer Tätigkeit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aber 1847 freigesprochen. Während der Revolution von 1848 war er Mitglied der polnischen akademischen Legion und beteiligt am polnischen Aufstand. Dafür wurde Kantak zu Festungshaft verurteilt.

Nach seiner Freilassung kaufte er das Rittergut Dobieszewko. Er war Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften. Außerdem war er Vorsitzender verschiedener Genossenschaften und seit 1861 Sekretär des Zentralen Verbandes der polnischen Gutsbesitzer.

Zwischen 1862 und 1886 war Kantak Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Er gehörte der polnischen Fraktion an. Zwischen 1867 und 1871 war er auch Mitglied des norddeutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4.

Er kritisierte unter anderem das Vorgehen der Regierung gegen den polnischen Aufstand von 1863 und forderte die Anerkennung der polnischen Nationalrechte. Die Annexion von Schleswig-Holstein lehnte er ab. Gegen die Integration der ehemals zu Polen gehörenden Gebiete in den deutschen Nationalstaat ab 1867 hat Kantak vergeblich protestiert. Persönlich eher liberal eingestellt, plädierte er zur Erreichung seiner politischen Ziele für ein Bündnis der Polen mit der Zentrumspartei. Im Jahr 1883 traten Kantak und andere polnische Abgeordnete vergeblich mit einer Interpellation an die preußische Regierung heran, in Posen wieder die polnische Sprache im Schulunterricht zuzulassen.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 64
  • Meyers Konversationslexikon. 4. Auflage, Leipzig und Wien 1885–1892, Band 9, S. 472
  • Schwarz,Max: MdR.Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.363
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haufelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989 S.424
  • Polski Slownik Biograficzny. Band XI S.612-614
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.206

 

 

Kaul, Kurt

* 5. Oktober 1890 in Brodowo ( Kreis Schroda) ; † 25. Dezember 1944 in Budapest

Kaul, Sohn eines Gutsbesitzers, absolvierte nach dem erfolgreichen Abschuss eines humanistischen Gymnasiums ein landwirtschaftliches Studium. Er nahm ab Anfang September 1914 am Ersten Weltkrieg an der Westfrontt teil und war dort ab 1916 als Batterieführer eingesetzt. Nach Kriegsende war er ab Februar 1919 im Baltikum  als Batterieführer der Baltischen Landwehr (*)  eingesetzt. Nachdem die Baltische Landwehr unter englisches Kommando kam war er bis zum 01. April 1920 Angehöriger der Eisernen Division  (Russische Westarmee). Zwischen 1920 und 1932 führte Kaul als Selbstständiger Unternehmen, so eine Yachtwerft und einen Autohandel, und war auch als Angestellter tätig. Ab 1920 war er Mitglied im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund *, ab 1924 bei der Deutsch-Völkische Freiheitspartei und 1925 beim „Bund Der Kamerad“ (Saalschutz für NSDAP-Redner) in Danzig. Nach einem Auslandsaufenthalt Ende der 1920er zog er zunächst nach Berlin.

Der SA  trat Kaul 1929 bei, von der er 1930 in die SS (Mitgliedsnr. 3.392) wechselte. Ebenfalls 1930 wurde Kaul Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 244.954). Von 1932 bis August 1933 war Kaul Stabsführer bei einem SS-Abschnitt. Von August 1933 bis Ende Februar 1934 war er Kommandeur des SS-Abschnitts IV, vom 1. März 1934 bis Mai 1935 Kommandeur des SS-Abschnitt XXII mit Dienstsitz in Allenstein sowie von Mai 1935 bis März 1937 Kommandeur des SS-Abschnitts XXIII mit Dienstsitz in Berlin.

Nachdem Kaul bereits bei der Reichstagswahl am 29. März 1936 erfolglos kandidiert hatte, war er ab 1938 für die 11. Wahlperiode Reichstagsabgeordneter  der NSDAP für den Wahlkreis 31 Württemberg.

Ab März 1937 führte Kaul den SS-Oberabschnitt Südwest mit Dienstsitz Stuttgart. Von Anfang September 1939 bis zum 21. April 1943 war Kaul Höherer SS- und Polizeiführer Südwest. Im Frühjahr 1943 wurde Kaul seines Amtes enthoben und kam als SS-Sturmbannführer der Reserve (Waffen-SS) zur Reiterei.

Kaul nahm an der Gruppenführer-Tagung am 4. Oktober 1943 in Posen teil, bei der Heinrich Himmler (1900-1945)  die erste Posener Rede hielt.

Ab November 1944 war er bei der 22. SS-Freiwilligen-Kavallerie-Division eingesetzt und kam Ende Dezember 1944 während der Schlacht um Budapest ums Leben.

  • Klee, Ernst: : Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007.
  • Patzwall, Klaus : Das Goldene Parteiabzeichen und seine Verleihungen ehrenhalber 1934–1944.Norderstedt 2004,
  • Birn, Ruth Bettina: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten. Droste Verlag, Düsseldorf

(*)Die Baltische Landeswehr war von 1918 bis 1920 der Name eines baltischen militärischen Verbandes, der zum Großteil aus deutschbaltischen Freiwilligen bestand. Im Lettischen Unabhängigkeitskrieg wurde die Landeswehr vor allem gegen Truppen der Bolschewiki beziehungsweise die Rote Armee eingesetzt. Nachdem die aus diesen Wirren entstandene Republik Lettland 1920 einen Friedensvertrag mit Sowjetrussland abgeschlossen hatte, ging die Baltische Landeswehr in den Streitkräften Lettlands auf.

* Der Deutschvölkische Schutz-und Trutzbund war der größte und einflussreichste antisemitische Verband in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg, der das demokratisch-parlamentarische System der Weimarer Republik radikal ablehnte. Nach dem Mord von Außenminister Walter Rathenau wurde der „Bund“ verboten.

Siehe auch : Lohalm, Uwe: Völkischer Radikalismus. Die Geschichte des DSTB 1914-1923. Hamburg 1970

 

 

Kazmierczak,Michael

* 18.Sept. 1898 in Sokołowo (Krs.       ); † 20. Nov. 1933 in Berlin

Der Bauarbeiter Kazmierczak war seit seiner Jugend gewerkschaftlich organisiert und schloss sich im März 1919 der KPD an. Er war später Mitglied der KPD-Bezirksleitung Westsachsen und der Gauleitung des  RFB. (*) Von 1930 bis 1932 war er Stadtverordneter in Leipzig, seit 1930 auch Unterbezirkssekretär der KPD in Riesa. Im Herbst 1932 delegierte das Zentralkomitee der KPD Kazmierczak zum Studium an die Internationale Lenin-Schule nach Moskau. Trotz der Unterdrückung und Verfolgung der Arbeiterbewegung durch die Nationalsozialisten kehrte er im Juli 1933 nach Deutschland zurück, um die Leitung des Reichskurierdienstes der KPD zu übernehmen. Am 18. November 1933 wurde Kazmierczak verhaftet und zwei Tage später ermordet.

(*)Der Rote Frontkämpferbund (RFB) − auch Rotfrontkämpferbund − war ein  paramilitärischer Kampfverband unter Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Weimarer Republik

  • Literatur

Kraushaar, L.:(Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933–1945. Biographien und Briefe. Band 2. Berlin 1970, S. 504f.

  • Hans-Joachim Fieber et al. (Hrsg.): Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Band 4 [K], Berlin 2002.S. 45.
  • Kaczmierczak, Michael. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage., Berlin 2008

 

 

Kegel, Eduard

* 13. Februar 1821 in Rosenthal; † 1900

Kegel besuchte das Gymnasium und das katholische Priesterseminar in Posen, später die katholisch-theologische Akademie in Münster. Darauf war er drei Jahre Propst in Schwersenz und 15 Jahre Gymnasial-Religionslehrer in Trezemszo, sieben Jahre Dekan und Propst in Zrzemeszno und Propst in Krotoschin.

Von 1874 bis 1877 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 9 (Krotoschin) und die Polnische Fraktion.

Lit.:

Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 60

 

 

Kempner, Maximilian

*03. Juni 1854  in Kempen;+11. Mai 1927 in Amsterdam

Kempner war Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Ab 1910 war er Vorsitzender des Deutschen Kalisyndikates  und des Reichskalirates.

Im Oktober 1918 wurde er in einer Nachwahl als Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Berlin 1 und die Fortschrittliche Volkspartei  gewählt, es kam jedoch nicht mehr zur Mandatsübernahme durch den Ausbruch der Revolution. Zwischen 1920 und 1927 war er Mitglied des vorläufigen Reichswirtschaftsrates.

 

Lit. :

  • Tetzlaff, Walter: 2000 Kurzbiografien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts. Lindhorst 1982 S.172
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004. S.226

 

 

Kehnscherper, Gerhard

*16.Nov. 1903 in Bromberg

 

1922 Abitur, anschließend Studium der evangelischen Theologie an den Universitäten Berlin und Tübingen.

1926 1. Theologisches, 1928 2. Theologisches Examen.1927 Promotion in Berlin.

Danach 1 Jahr Hilfsprediger an der auslands-deutschen Gemeinde in Rio de Janeiro/Brasilien. Anschließend 5 Jahre im Gemeindepfarramt im Dorf Zechlin/Ostprignitz.

Aktive Betätigung für die NSDAP ab 1931. Mitglied des Bundes nationalsozialistischer Pfarrer.

1935 wegen Gefährdung der Disziplin und Geschlossenheit aus der NSDAP ausgeschlossen.

Kriegsdienst als Armeepfarrer.

Nach 1945 Mitglied der CDU, Hochschulprediger in Potsdam.

Abgeordneter des Bezirkstages Potsdam.

Seit Aug. 1958 Professor für angewandte Theologie an der Ernst-Moriz-Arndt-Universität in Greifswald.

Seit dem 16. Nov. 1958 Mitglied des Bezirkstages Rostock. Kreisvorsitzender der CDU in Greifswald.

 

Lit.:

  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Bonn/Blin 1964 S.174/175

 

 

Kiehn, Carl

* 24. Dez. 1833 in Zalesie, Kreis Schubin † 03. Dez.1894

  1. studierte in Berlin, in Heidelberg und in Bonn. Nach dem Studium wurde er Landwirt und Besitzer des Ritterguts Zalesie bei Exin. Am Deutschen Krieg und Deutsch-Französischen Krieg nahm Kiehn als Offizier teil. Sein letzter Dienstgrad war Rittmeister.

Seit einer Nachwahl am 4. August 1870 saß Kiehn bis 1882 als Abgeordneter des Wahlkreises Bromberg 3 (Schubin, Inowraclaw) im Preußischen Abgeordnetenhaus. Er gehörte der Fraktion der Nationalliberalen Fraktion  an.

Sein Sohn Georg Kiehn  war ebenfalls Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

 

 

Kiehn, Georg

*15.Juni 1862 in Zalesie bei Exin, + 16.März 19??       in Berlin

 

Nach Gymnasialbesuch Studium an den Landwirtschaftlichen Akademien in Halle/Saale und Berlin. Bewirtschaftung der Güter Zalesie, Turczyn(Krs. Schubin) und Großdorf bei Wollstein. Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Regierungsbezirk Bromberg als freikonservativer Abgeordneter.

Lit.:

  • Kulturwart 29 (19181), Heft 143 S.10
  • Mann, Bernhard : Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918 Düsseldorf 1988 S.213
  • Balde, Joachim Heinrich: Kiehn, Georg. In : ders.: (Hrsg.). Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 203 S.101

 

 

 

Kindler, Hugo

*18. Aug.1855 in Posen

Architekt, Bauunternehmer

Stadtrat

Mitglied des preußischen Abgeodnetenhauses (Freisinnige Volkspartei)

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867 -1918. Düsseldorf 1988 S.214

 

 

Kienitz, Georg Rudolf Heinrich

* 30. Januar 1831 in Lojewo; † 20. November 1902

Der Sohn eines Ritt- und Rentmeisters studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Bromberg ab 1848 Rechtswissenschaften in Königsberg. 1858 ernannte man ihn zum Kreisrichter. 1862 kam er als Kreisrichter in Bromberg in Konflikt mit seinem Dienstvorgesetzten Appellations-gerichtspräsidenten v. Schroetter. 1862 versuchte das Preußische  Staatsministerium die bevorstehenden Wahlen im Mai durch „Wahl-Erlasse“ Ende März zu beeinflussen. Darin wurden die Beamten an ihre Verpflichtung zur Staatstreue auch bei der Wahl erinnert und indirekt zur Wahl von Regierungskandidaten aufgefordert. Da Kienitz diese Wahlbeeinflussung abgelehnt hat, wurde er dienstlich abgemahnt. Er legte vergeblich Einspruch beim Abgeordnetenhaus ein. 1867 erfolgte die Beförderung zum Kreisgerichtsrat. Von 1870 bis 1872 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses für die Nationalliberalen. 1872 kam er als Tribunalrat an das ostpreußische Obertribunal in Königsberg. 1875 wechselte er als Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat in das Reichskanzleramt. 1877 wurde er in das Reichsjustizamt versetzt. Dort war er als Oberregierungsrat zuständig für Gebühren- und Kostenwesen, Kassen- und Etatwesen, Strafvollzugs- und Gefängniswesen, Zoll- und Steuersachen, Statistisches Amt, Reichsbank, Vereinsrecht. 1880 war er Bundesratskommissar für die Beratung über das „Gesetz, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen“   im Reichstag. 1880 kam er zum Reichsgericht. Er war im II. Strafsenat tätig. Er trat 1896 in den Ruhestand.

Lit. :

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867 -1918. Düsseldorf 1988 S.213

 

 

Klein, Günter

* 21. Juli 1900 in Wiesenhaus (Kreis Wongowitz),+ 22.Okt.1963 in Bonn

 

Der Sohn eines Revierförsters studierte Rechtswissenschaften in Marburg und Freiburg/Br. und arbeitete 1930/31 als Regierungsassesor bzw. Regierungsrat in der Polizeiabteilung des preußischen Innenministeriums.

Seit 1923 SPD-Mitglied, amtierte er von 1931 bis 1933 als Landrat des Kreises Dinslaken, wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten entlassen und war im Versicherungswesen tätig. So war er Direktor einer Filiale der Allianz in Posen, die ihn 1945 mit Sonderaufgaben in Berlin betraute.

Seit 1947 Vertreter Berlins beim Frankfurter Wirtschaftsrat, gehörte er von 1949 bis 1953 dem Magistrat von Groß-Berlin bzw. dem Senat von Berlin an und wurde 1955 Senator für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund in Bonn.

Er war treibende Kraft bei der Verabschiedung des 3. Überleitungsgesetzes, das die Bindung Berlins an die Bundesrepublik Deutschland stärkte.

1954 wurde er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und war von 1955 bis 1962 Mitglied des Bundesrates. 1961 schied K. aus der Regierung aus und war danach Abgeordneter im Bundestag.

 

Lit. :

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy. 5. Band München 2001 S.575
  • Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002.Bd.1 München 2002 S.423
  • Breuning, Werner/Herbst, Andreas: Biographisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963.                    S.145

 

 

Klement, Eduard

*06.März 1867 in Nekla, + 02.Okt. 1940 in Kaiserslautern

Der Sohn eines Bäckers absolvierte nach dem Besuch der Volksschule von 1882 bis 1886 eine Ziseleurlehre in Berlin.

Seit 1890 Partei- und Gewerkschaftsfunktionär in Kaiserslautern.

1893 bis 1898 Gastwirt in Kaiserslautern, bis er ein Kolonialwarengeschäft in Kaiserslautern übernahm, das er bis 1901 als Inhaber leitete.

1901-1905 Lagerhalter im Konsumverein in Kaiserslautern. Seit 1905 Inhaber eines Galanterie-und Schreibwarengeschäfts.

1895 bis 1905 und von 1910 bis 1933 Stadtrat in Kaiserslautern.

1901 bis 1906 und von 1912 bis 1933 Mitglied des Distrikts- bzw. Bezirkstags.

Nov. 1918 Mitglied des provisorischen Nationalrats Bayern.

1905 bis 1924 MdL Bayern

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.552
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsab-geordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918. Biographisch-Statisches Handbuch. Düsseldorf 1986 S.143/144

 

 

 

 

Kley, Conrad Max Gisbert

* 3. August 1904 in Meseritz; † 23. März 2001

 

Kley wurde als Sohn eines Oberverwaltungsgerichtsrats geboren. Nach dem Abitur 1922 an einem Gymnasium in Berlin studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin. Er legte 1926 das erste juristische Staatsexamen ab, promovierte 1928 zum Dr. jur. und beendete sein Studium 1930 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. Anschließend war er als Assessor im Reichswirtschaftsministerium tätig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kley Ministerialrat im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.  Von 1950 bis 1969 war er bei der Fa. Siemens & Halske AG in Berlin und München beschäftigt.

 

Kley gehörte dem Deutschen Bundestag von 1969 bis 1972 an. Er war über die Landesliste der CSU Bayern in das Parlament eingezogen.

 

Klitzing , Ernst Bogislaw von

* 1. August 1861 auf Gut Dziembowo bei Schneidemühl; † 18. August 1942 ebenda

Er entstammte einem alten mittelmärkischen Adelsgeschlecht, das im Jahr 1265 urkundlich erstmals erwähnt ist, und war der Sohn des Gutsbesitzers Lebrecht von Klitzing (1822-1899), Gutsherr auf Dziembowo und Demerthin (Prignitz, Brandenburg), und dessen zweiter Ehefrau Gertrud von Rundstedt (1829-1906).

Klitzing heiratete am 26. September 1893 auf Gut Gorgast (Ortsteil der Gemeinde Küstriner Vorland) Regine von Rosenstiel (* 15. Mai 1866 auf Gut Gorgast; † 12. November 1943 auf Gut Dziembowo), die Tochter des Gustav von Rosenstiel (1824–1888), Domänenpächter auf Gorgast, und der Clara Wahnschaffe.

Er war der Großvater des Physik-Nobelpreisträgers Klaus von Klitzing (* 1943).

Klitzing studierte in Heidelberg, Leipzig und Berlin Jura. Er war Gutsherr auf Dziembowo (Kreis Kolmar) und königlich preußischer Landrat sowie Generallandschaftsdirektor. Er war außerdem Rechtsritter des Johanniterordens und Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Lit.:

  • Balde, Joachim Heinrich: Klitzing, Ernst Bogislaw von. In : ders: Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.101/102

 

 

Klinke, Joseph

*21. Okt. 1869 in Wysgoda (Krs.Wreschen), +23.Nov. 1932 in Posen

 

Erster Unterricht in der Volksschule Kempen, später besuchte er das hiesige Progymnasium und dann –infolge der Versetzung seines Vaters nach Gnesen- das dortige Gymnasium, in dem er 1888 das Abitur ablegte.

Er studierte  Philosophie, diente als Einjähriger, war Hauslehrer in einer polnischen Adelsfamile und trat Ostern 1890 in das Priesterseminar in Posen ein, wo er 1894 die Priesterwürde erhielt.

Bis zu seiner Ernennung zum Domherrn am 01.Jan. 1905 war er zweiter Präfendar an der Franziskanerkirche und Religionslehrer am Friedrich-Wilhelm- Gymnasium .1895 übertrug ihm der Erzbischof die Redaktion des „Katholischen Wegweisers“, dessen erste Nummer am 06. April 1895 erschien.

1901 ernannte ihn der Erzbischof zum „Geistlichen Rat“.

Die königliche Regierung übertrug Klinke im Einvernehmen mit dem Erzbischof die Domherrenstelle

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig und wurde Divisionspfarrer der 49.Reserve-Divison.

Im Dezember 1919 bereitete Klinke dann die Wahlen zur National-und Landesversammlung in der Provinz für die Zentrumspartei vor und  wurde daraufhin für mehrere Wochen interniert.

Dem verfassungsgebenden Sejm gehörte K. von 1922 bis 1927 an, wo er auch Mitglied des Vorstandes der deutschen Fraktion war.

1928 durfte er sich- infolge eines allgemeinen Verbots für die Geistlichen der Erzdiözesen Gnesen-Posen- nicht mehr als Kandidat für die Wahlen zum Sejm aufstellen lassen.

 

Lit.:

  • Wertheimer, F.: Von deutschen Parteien und Parteiführern im Ausland. Berlin 1927 S.95
  • Schuster, Maria : Der Posener Domherr Joseph Klinke. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 48 (2002) S.85-87

 

 

Klos, Joseph ; polnisch: Józef Kłos

 

* 1. März 1870 in Lubasch (Krs. Czarnikau) ; † 1938

 

Klos besuchte das Mariengymnasium zu Posen, dann die Priesterseminare zu Posen und Gnesen. 1893 wurde er zum Priester geweiht. Zuerst war er Domvikar an der Kathedrale zu Posen, seit 1895 I. Präbendar an der Dominikanerkirche zu Posen. Ab 1895 war er Chefredakteur des Przewodnik Katolicki. Klos war Verfasser mehrerer Publikationen, meist homiletischen Inhalts.

Von März 1914 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 2 (Samter, Birnbaum, Obornik, Schwerin (Warthe) und gehörte der  Polnischen Fraktion an.

Lit::

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.370

 

Klupsch, Franz

*22.Sept.1874 in Deutsch-Jeseritz (Krs. Fraustadt);+ 28.Dez.1957 in Jeseritz

Zimmererlehre.

Vorsitzender des Gewerkschaftskartells von 1902 bis 1906 und Vorsitzender der Filiale des Zimmerer-verbandes in Dortmund von 1903 bis 1907.

Von 1905 bis 1918 Parteisekretär für den Wahlkreis Dortmund-Hörde.

In der Zeit bis 1914 war Klupsch maßgeblich am Aufbau der Parteiorganisation im westlichen Westfalen beteiligt.

Während und nach der Novemberrevolution  war Klupsch führendes Mitglied im Vorstand des Arbeiter- und Soldatenrates  für den Wahlbezirk Dortmund-Hörde. Er trug dazu bei, die stärker linken Positionen zurückzudrängen und die Streikbewegungen der unmittelbaren Nachkriegszeit zu beenden. Seine legalistische Position vertrat Klupsch als Delegierter auch auf dem ersten Reichsrätekongress  in Berlin. Anstelle von Max König, der in Arnsberg Regierungspräsident geworden war, übernahm er die Position eines hauptamtlichen Bezirkssekretärs und Vorsitzenden der SPD im westlichen Westfalen. Klupsch war auch Mitglied des zentralen Parteivorstandes. Außerdem war er Redakteur  der sozialdemokratischen Westfälischen Allgemeinen Volkszeitung.

Bezirksparteisekretär für den Bezirk Westliches Westfalen von 1918-1933, zugleich Vorsitzender des SPD- Bezirksvorstandes. War MdL von 1919 bis 1933 und von 1915 bis 1933 Stadtverordneter in Dortmund.

1924 bis 1933 Gauleiter des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ab 1933 Rentner.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war er zunächst einer der Wiederbegründer der SPD. Danach sprach er sich allerdings für die Vereinigung von SPD und KPD aus.

Nach der organisatorischen Trennung von SED und West-KPD im Jan.1949 war K. Vertreter der West-KPD im zentralen SED-Parteivorstand.

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867 -1993. Düsseldorf 1995 S. 554
  • Schumacher, Martin:M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des National-sozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.82
  • Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000 S.159
  • Faulenbach, Bernd u.a.(Hrsg.): Sozial-demokratie im Wandel. Der Bezirk Westliches Westfalen 1893-2001. Essen 2001

 

Knoll, Horst-Erhardt

* 08. November 1931 in Bromberg

Horst-Erhardt Knoll besuchte die Volksschule und das Gymnasium bis zur Obersekundastufe. Er absolvierte eine Lehre als Kaufmann im Zeitschriftenverlag.  Danach arbeitete er als Werbeassistent und Fachberater, sowie als Handlungsreisender für Bürobedarf.

Horst-Erhardt Knoll war von 1950 bis 1955 Kreisgruppenführer der Deutschen Jugend des Ostens, Kreisgruppe Recklinghausen. 1955 wurde er Mitglied der FDP und der Deutschen Jungdemokraten (DJD). Kreisvorsitzender DJD und Mitglied des Kreisvorstandes der FDP Aachen war er von 1955 bis 1958. Als Kreisvorsitzender der DJD Dortmund und Mitglied des Kreisvorstandes der FDP war er von 1960 bis 1962 tätig. 1961 wurde er stellvertretender Kreisvorsitzender. Seine weiteren politische Ämter waren: Ab 1963 Schriftführer  im Landesvorstand der DJD NW, ab 1964 stellvertretender Landesvorsitzender, ab 1964 Schatzmeister  der FDP Bezirksverband Ruhr-Ost sowie ab 1965 Mitglied des Landesvorstandes der FDP. 1964 wurde Knoll in den Rat der Stadt  Dortmund gewählt. Hier fungierte er als Fraktionsgeschäftsführer. Auch wurde er  Mitglied im Landesbeirat für Immissionsschutz und  Mitglied im Kuratorium der Stiftung Haus des Deutschen Ostens * tätig.

Horst-Erhardt Knoll war vom 25. Juli 1966 bis 25. Juli 1970 Mitglied des 6.  Landtages von Nordrhein-Westfalen, in den er über die Landesliste einzog.

*Stiftung „Haus des deutschen Ostens“- heute Stiftung „Gerhard-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum“.

 

Koebnick , Hans-Jürgen

* 1. Juni 1938 in Schneidemühl

Koebnick machte eine Ausbildung zum Diplom-Kaufmann. Er war 1971 Mitglied des Saarbrücker Stadtrats für die SPD und Fraktionsgeschäftsführer, wurde 1972 Parteivorsitzender des SPD-Ortsvereins St. Johann anschließend Bürgermeister in Saarbrücken und folgte dort 1985 seinem Parteifreund Oskar Lafontaine im Amt des Oberbürgermeisters. 1991 wurde er zum Präsidenten der Landeszentralbank des Saarlandes ernannt. Seine Karriere beendete er als Präsident der Landeszentralbank Rheinland-Pfalz und des Saarlandes. 2002 trat er in den Ruhestand.

Literatur

  • Hanns Klein: Kurzbiographien der Bürgermeister (Alt-)Saarbrückens, St. Johanns, Malstatt-Burbachs und der Großstadt Saarbrücken. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, XIX, Saarbrücken 1971, S. 510–538. Zu Koebnick S. 537.

 

 

Kohnert,Hans Joachim

 

* 28.06.1905 in Posen, † 26.06.1972 Unterpfaffenhofen-Harthaus

 

Hans Kohnert wuchs in Bromberg auf. Nach seinem Abitur 1923 am deutschen Privatgymnasium erlernte der spätere politische Vertreter der deutschen Minderheit in Polen auf zwei Gütern die praktische Landwirtschaft. 1927 leistete er seine Dienstpflicht beim polnischen Militär ab. Danach absolvierte er an der Technischen Hochschule in Danzig ein agrarwissenschaftliches Studium, das er 1930 mit der Prüfung als Diplomlandwirt abschloss. Er blieb dort als Assistent im Institut für landwirtschaftliche Betriebslehre, wo er 1931 promoviert wurde. (das Thema seiner Dissertation lautete „Die Betriebsverhältnisse der deutschen Bauern-wirtschaften in der ehemaligen Provinz Westpreußen“) Danach wechselte er zur Landwirtschaftlichen Bank in Danzig, für die er als Sachverständiger für das Kreditwesen und Berater für Betriebswirtschaft in Pommerellen und dem Kulmer Land tätig wurde.

Der Abschluß des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes im Jahre 1934 bot die Voraussetzung zur Gründung der ”Deutschen Vereinigung für Westpolen” (DV). Sie sollte die einheitliche Volkstumsorganisation für Posen und Pommerellen mit Sitz in Bromberg sein. Auf deren Gründungsversammlung am 24. Mai 1935 wurde der kaum 30jährige Kohnert zum Hauptgeschäftsführer berufen und schon ein Jahr später geschäftsführender Vorsitzender der DV.

Mit großem Einsatz widmete er sich dem organisatorischen Aufbau der DV, entwickelte eine reiche Versammlungstätigkeit und betrieb Jugendarbeit. Nach Gründung von 280 Ortsgruppen erreichte er die Rekordzahl von 70.000 Mitgliedern. Zu den Aufgaben seiner Geschäftsstelle gehörten insbesondere die Rechtsberatung, die Schulabteilung, die Erarbeitung von Interpellationen und Beschwerden. Mit Vehemenz vertrat er die Anliegen der deutschen Volksgruppe gegenüber dem polnischen Staat.

Zudem arbeitete Kohnert in dem 1934 vom Senator Ervin Hasbach (1875-1970) gegründeten  ”Rat der Deutschen in Polen” mit und gewährleistete damit die Zusammenarbeit aller Gruppen der Deutschen im damaligen Polen. Die Wirkungen der polnischen „Entdeutschungspolitik“ bereiteten der Volksgruppe erhebliche Sorgen, zumal Polen den Minderheiten-schutzvertrag einseitig gekündigt hatte (13.9.1934) und dadurch der –  wenn auch schwache – Rückhalt durch den Völkerbund entfiel. So konnte Kohnert nur noch auf den diplomatischen Weg Berlin –  Warschau und die internationale europäische Minderheitenbewegung setzen. Er nahm an deren Kongressen teil und entwickelte in Wort und Schrift aufgrund seiner Erfahrungen programmatische Vorschläge und Forderungen und arbeitete an Resolutionen mit.

Da die Anwendung des sogenannten „Grenzzonengesetzes“ sich auf den Besitz und den Erwerb von Grundstücken durch Angehörige der deutschen Minderheit auswirkte und deren Lage zunehmend verschärfte, veröffentlichte Kohnert 1938 eine Sammlung der Eingaben der DV. Das Grenzzonengesetz galt in einem breiten Grenzstreifen, so im gesamten “Korridor” ohne Bromberg und Thorn; es machte Aufenthalt, Zuzug und Grunderwerb, auch im Erbfall, von Genehmigungen abhängig, die vorwiegend versagt wurden, und ermöglichte Ausweisungen ohne Angabe von Gründen. Die Sammlung der Eingaben verdeutlichte das Ausmaß der Bedrückung und Nöte, denen die Deutschen ausgesetzt waren. Die Veröffentlichung einer weiteren Ausgabe im Februar 1939 wurde durch Beschlagnahmung seitens der polnischen Behörden verhindert. Gleichzeitig verweigerte der Starost Kohnert ein das Ausreisevisum. Die Verbindung nach Berlin sollte unterbunden werden. Vergeblich ersuchte er in Vorsprachen bei Repräsentanten des polnischen Staates angesichts polnischer Übergriffe auf die Deutschen um Schutz der deutschen Minderheit. Um nicht von sich aus zur Verschärfung der Lage beizutragen und damit die eigene Situation weiter zu erschweren, stellten die DV und die anderen Organisationen ihre ohnehin eingeschränkte Arbeit ein.

Als in den Frühjahrs- und Sommermonaten 1939 die Bedrückung durch die polnischen Behörden in eine offene Verfolgung überging und eine große Fluchtbewegung nach Danzig und in das Reich einsetzte, blieb Kohnert trotz persönlicher Gefährdung bei seinen Landsleuten in Bromberg. Er lehnte eine Flucht ab, weil er befürchtete, Polen würde später eine Rückkehr nicht erlauben und den Besitz einziehen. Als am 1. September 1939 der verhängnisvolle Krieg ausbrach, wurden er und tausende anderer ”verdächtiger” Deutsche verhaftet und unter drangvollen Begleitumständen in das Innere Polens verschleppt. Vor Warschau, bei Lowitsch, von deutschen Truppen befreit, wurde er durch einen Unfall schwer verletzt und nach Berlin überführt. Der bekannte Berliner Chirurg Professor Sauerbruch (1875-1951) rettete zwar sein Leben, aber ein Bein war verloren. Währenddessen wurden alle maßgebenden Funktionen in der Heimat an NS-Parteigänger vergeben. Kohnert wurde am Krankenbett mit dem von Hitler verliehenen Goldenen Parteiabzeichen und von Himmler mit einem höheren SS-Rang ”ehrenhalber” abgefunden.

Nach Rückkehr in die Heimat wollte sich Kohnert jeglicher politischer Arbeit enthalten und ging zur Wehrmacht. Doch die enttäuschten Landsleute setzten seine Ernennung zum Landesbauernführer im Wartheland durch. Diese Tätigkeit übte er bis zum Kriegsende zum Wohle des Landes aus, allen Widerständen zum Trotz, auch zum Wohle des polnischen Bevölkerungsteiles. Nachdem ihn die Engländer nach dem Kriege in Haft genommen hatten, wurde er bald wieder entlassen, weil die Polen auch in jenen hasserfüllten Jahren nicht seine Auslieferung forderten und weil bekannt wurde, dass Kohnert Beziehungen zum Widerstand, vor allem zur Abwehr (Admiral Canaris) unterhalten und sich in mehreren Fällen für verfolgte Personen eingesetzt hatte.

Es folgte die Berufung Kohnerts zum Geschäftsführer des ”Niedersächsischen Landvolk”. Einige Jahre später übernahm er die Hauptgeschäftsführung des ”Verbandes deutscher Fleischwarenfabriken” in Bonn. Dem Ruf seiner Landsleute folgend, war er von 1956 bis 1960 Sprecher der Landsmannschaft Westpreußen. Kohnert lebte zuletzt bei München, wo er vor seinem 67. Geburtstag unerwartet verstarb.

Lit.:

  • Rasmus, Hugo: Dr. Hans Kohnert- er trug Verantwortung in schwerer Zeit. In:  Westpreußen-Jahrbuch 1990 Bd. 40 S. 68 – 75
  • Romaniuk, Marek: Kohnert, Hans Joachim Peter. In : Bydgoski Słownik Biograficzny. Band 3. Bydgoszcz 1996 S.79-81
  • Rasmus, Hugo: Kohnert, Hans. In : Ostdeutsche Gedenktage 1997. S.137
  • Altpreußische Biographie S. 1408 (mit Angabe weiteren Quellenmaterials).

 

 

 

Kohz, Martin

*02.Nov.1902 in Posen, + 11. März 1971 in

 

K., promovierter Jurist, kam als Vertriebener nach Schleswig-Holstein, wo er als Rechtsanwalt und Notar tätig war.

Von 1950 bis 1954 war er Landtagsabgeordneter für den Gesamtdeutschen Block/ Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten. (*)  K. vertrat den Wahlkreis Eutin-West. Er war u.a. stv. Vorsitzender des Landtagsausschusses für Justiz und Mitglied der 2. Bundesversammlung.

 

(*)Der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (Kurzbezeichnung: GB/BHE) war eine politische Partei  in der Zeit von 1950 bis 1961. Sie war eine Partei der nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen und betrieb eine entsprechende Interessenpolitik.

Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) wurde im Januar 1950 von Waldemar Kraft  als politische Partei in Schleswig-Holstein gegründet und errang schon ein halbes Jahr später bei der  Landtagswahl 23,4 Prozent – Schleswig-Holstein war das Bundesland mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Vertriebenen und Flüchtlingen in Westdeutschland. Der BHE war damit nach der SPD zweitstärkste Partei und bildete eine Koalition mit CDU, FDP und DP. Die zwar stimmenschwächere, aber mandatsstärkere CDU stellte den Ministerpräsidenten und Kraft wurde Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Im November 1952 benannte sich der BHE in Gesamtdeutscher Block/BHE um in der Erwartung, hierdurch auch deutschnational gesinnte Nicht-Vertriebene ansprechen zu können. Bei der Bundestagswahl 1953 erreichte er 5,9 Prozent der Zweitstimmen und zog in den Deutschen Bundestag ein.

 

 

Komierowski, Roman von

 

Studium der Rechte in Bonn, Paris, Berlin und Leipzig. Promotion.

Gerichtsreferendar in Breslau, dann Landwirt.

Päpstlicher Geheimkämmerer.

Von 1876 bis 1884 und von 1887 bis 1903 Mitglied des Reichstages. K. gehörte auch dem preußischen Abgeordnetenhaus an.

Mitbegründer der Wissenschaftsgesellschaft in Thorn und Mitglied der binationalen Provinzialgesellschaft  zur Bekämpfung sozialdemokratischer Tendenzen.

Veröffentlichung zur Geschichte der polnischen Vertretung im preußischen Landtag.

 

 

 

 

Kosch, Raphael Jakob

*O5.Okt.1803 in Lissa; +27. März 1872 in Berlin

 

Seit 1812 lebte K. in Königsberg, wo er von 1822 bis 1826 Medizin an der Albertus-Universität studierte.

Seinen Berufswunsch, Militärarzt zu werden, konnte er nicht realisieren, da die Behandlung preußischer Soldaten durch Juden unerwünscht war.

Er wurde als Assistenzarzt an der chirurgischen Klinik in Königsberg zugelassen und 1832 eröffnete er eine eigene Praxis.

  1. wurde 1848 als Abgeordneter der Stadt Königsberg in die preussische Nationalversammlung gewählt und war zeitweise ihr zweiter Vizepräsident.

Bereits im Mai 1848 gründete K. gemeinsam mit dem Berliner Stadtrat Karl Friedrich Duncker (1781-1869) die Fraktion „Zentrum Duncker-Korsch“ die sich politisch auf der linken Mitte des preußischen Parlamentes ansiedelte.

Im Jahre 1861 gründete er mit anderen Königsbergern die „Fortschrittspartei“, eine gemäßigt liberale Gruppierung. K. wurde als deren Vertreter für Königsberg in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte.

Er setzte sich insbesondere für die Gleichbehandlung der Juden ein und machte sich vor allem durch Bemühungen um die Abschaffung des Judeneids in Preußen verdient.

Neben seinen allgemeinen politischen Tätigkeiten war er 20Jahre lang Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde in Königsberg.

 

Lit.:

  • Gause, Fritz: Raphael Kosch. In : Altpreußische Biographie 3 (1975) S.981
  • Mann, Bernhard:  Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.227
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie Bd.6. S.49

 

 

 

Kościelski , Józef

* 9. November1845 in Służewo, Kreis Inowraclaw; † 22. Juli 1911 in Posen

Er besuchte Gymnasien in Posen und Braunsberg (Ostpreußen) und studierte anschließend Rechts-wissenschaften in Berlin und Heidelberg. Während seiner Studienzeit leitete er in Berlin die Polnische Akademische Gesellschaft (Towarzystwo Polskich Akademików). Nach dem Studium unternahm er 1871 bis 1872 Reisen nach Frankreich, Afrika und in den Nahen Osten. Nach der Heimkehr leitete er zunächst die Familien-ländereien, betätigte sich literarisch und engagierte sich politisch. 1881 wurde er Landtagsabgeordneter im Preußischen Landtag. Von 1884 bis zu seiner Mandatsniederlegung am 9. März 1894 war er auch Reichstagsabgeordneter in  der polnischen Fraktion. Er befürwortete die gemäßigte Ausgleichspolitik mit Preußen und wurde dafür von den meisten anderen polnischen Abgeordneten kritisiert.

1895 erwarb er das Landgut Miłosław, wandte sich sozialen und kulturellen Aktivitäten zu, unterstützte polnische Studenten in Deutschland (u.a. Jan Kasprowicz, 1860-1926).1899 gründete und leitete er die Polnische Literatur und Presse Gesellschaft (Towarzystwo Dziennikarzy i Literatów Polskich). Er engagierte sich in zahlreichen Handels- und Industriegesellschaften (u.a. war er Aufsichtsratsvorsitzender der „H. Cegielski AG”).

Lit. :

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 1904, S. 64
  • Edward Pieścikowski: Józef Kościelski. In: Wielkopolski Słownik Biograficzny. Warschau und Posen 1981

 

 

Kozlowski, Thomas von

* 21. Dezember 1839; † 13. Februar 1911 in Hohensalza

Kozlowski besuchte das Königliche Marien-Gymnasium in Posen und die landwirtschaftliche Akademie in Proskau (Oberschlesien). Anschließend widmete er sich der Landwirtschaft auf seinem Rittergut Jaronty bei Inowraclaw.

Von 1874 bis 1878 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4 (Inowrazlaw – Mogilno) und die Polnische Fraktion. Am 3. Januar 1878 legte er sein Mandat nieder.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 64
  • Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 16, 1911, Berlin

 

 

Kromarek, Richard

*05.Juni1904 in Grundorf (Krs. Adelnau)

Volkschule

Landarbeiter Berliner Stadtgut

Transportarbeiter

1927 Eintritt in die KPD

Dienstverpflichtet in Metallindustrie

  1. Vorsitzender VdgB Berlin-Rosenthal

Abgeordneter der Volkskammer

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957 S.390

 

 

Krzyminski , Josef (polnisch: Józef Krzymiński)

* 01. März 1858 in Kajele (Schrimm); † 20. Oktober 1940 in Szczeglino

Krzyminski besuchte die Gymnasien in Schrimm und  Lissa und studierte Medizin an den Universitäten in Greifswald und ab 1882 in Berlin. Ab 1885 bis zum Ende seines Lebens praktizierte er als Arzt in Inowroclaw. Von 1891 bis 1905 war er einer der wenigen polnischen Mitglieder des Stadtrats von Inowroclaw. Hier protestierte er gegen die Umbenennung der Stadt in Hohensalza.

Von 1894 bis 1907 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4 (Inowroclaw, Mogilno, Strelno) und die Polnische Fraktion. Am 10. November 1918 wurde er Mitglied der örtlichen Arbeiter –und Soldatenräte und am 24. November Vorsitzender des Distrikt-Volksrats. 1919 wurde er der erste polnische Regierungspräsident von Inowroclaw. Zwischen 1920 und 1928 war er Aufsichtsratsvorsitzender einer Sparkasse. Ab 1927 war er Vorsitzender eines Ärzteverbands. Im September 1939 organisierte er eine Bürgerwehr in seiner Heimatstadt, er wurde in einem Konzentrationslager in Szczeglino interniert, in dem er verstarb.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 64

 

Kubicki , Karl

* 13. September 1824 in Posen; † 3. Dezember 1912

Kubicki besuchte das Marien-Gymnasium in Posen und studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Breslau. Er quittierte den Staatsdienst als Appellations-Gerichtsreferendar beim Zivilsenat Posen, um eine Stellung als Generalbevollmächtigter einer großen Gutsherrschaft zu übernehmen. Das eigene Gut Sarbinowo bei Znin verkaufte er und übernahm ein Handelsgeschäft (Kolonial- und Eisenhandlung) in Schroda.

Von 1893 bis 1898 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 7 (Schrimm, Schroda) und gehörte der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

* Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 1904, S. 59

* Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.379

 

 

 

 

Kühn, Walther

* 27. Dezember 1892 in Posen; † 4. Dezember 1962 in Bonn)

 

Kühn besuchte das Gymnasium in Bromberg und Frankfurt/Oder. Er studierte nach dem Abitur ab 1911 Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen, Wien und Halle an der Saale und nahm 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Zweiten Staatsexamen 1921 ging er in den Staatsdienst. Ab 1926 war er Regierungsrat in Frankfurt (Oder), 1931 wurde er Landrat im Kreis Oststernberg (Brandenburg). Zwei Jahre später übernahm er die Aufgaben des Dezernenten für Kommunal- und Wirtschaftssachen beim Präsidium in Breslau, kurze Zeit später wurde er wieder Landrat, nacheinander in Waldenburg und Liegnitz.

In Marienwerder Regierungsvizepräsident des damaligen Regierungsbezirks Westpreußen. Im Herbst 1939 Versetzung nach Danzig und mit dem Wiederaufbau der dortigen Regierung beauftragt. Zwei Jahre später übernahm er ab 1942 als Regierungspräsident die Verwaltung des Regierungsbezirks Bromberg.

 

Noch im Januar 1945 wurde Kühn auf Befehl von Heinrich Himmler (1900-1945) als „in jeder Beziehung unzuverlässig“ (weil er sich weigerte die Politik der verbrannten Erde in Westpreußen durchzuführen) entlassen. Er kam in das Konzentrationslager Matzkau und wurde dort zum Tode verurteilt, aber zum Einsatz einem SS-Strafbataillon begnadigt und an der Ostfront eingesetzt, wo er bei der Verteidigung von Danzig mehrfach verwundet wurde.

Durch die Vertreibung kam Kühn nach Westdeutschland. Er war zunächst als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft, später als Rechtsanwalt tätig. Er war Bundesvorsitzender des Verbandes der heimatvertriebenen Beamten, Angestellten und Arbeiter (Verbaost) und bis zu seinem Tode stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes. Zudem war er Sprecher der Landsmannschaft Westpreußen.

 

Kühn war in der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Volkspartei. (*) 1933 trat er der NSDAP bei. 1935 mahnte er die Ausstellung eines Mitgliedsausweises an, da der bereits vor der Aufnahmesperre seinen Beitritt erklärt habe und es ihm als Landrat wünschenswert erscheine „dass die leitenden Beamten nicht nur Nationalsozialisten sind, sondern auch formell der Partei als Mitglied angehören“.1945 war er Mitbegründer der FDP.

 

Er gehörte dem Deutschen Bundestag seit dessen erster Wahl 1949 bis zu seinem Tode an und war dort innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Von 1949 bis 1953 war er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. 1953 bis 1957 war er stv. Vorsitzender des Bundestagsausschusses für das Beamtenrecht. Von 1957 bis zu seinem Tode leitete er den Fraktionsarbeitskreis Innenpolitik.

 

Während seines Studiums wurde Kühn Mitglied der Tübinger Sängerschaft Zollern. Dass er außerdem noch den Sängerschaften Arion Leipzig, Fridericiana Halle, Bardia Bonn, Altpreußen Königsberg, Leopoldina Breslau, Thuringia Heidelberg und Prager Universitäts-Sängerschaft Barden zu München angehörte, führte zu seinem Spitznamen „Papa Kühn, der Vielbändermann“. Von 1955 bis zu seinem Tode war er Vorsitzender des Altherrenverbandes der Deutschen Sängerschaft.

 

Veröffentlichungen

Abriß der Geschichte der Sängerschaft Zollern, in: Zollern-Zeitung 1929, Seiten 27 bis 31

 

Literatur

  • Schuch, Hans- Jürgen : Ein bekannter Westpreuße: Walter Kühn . In : Der Westpreuße Nr 20/1961
  • Lönnecker, Harald: Zwei Seelen wohn(t)en, ach, in meiner Brust – Die Deutschlandpolitik der FDP, in: Balder, Hans-Georg (Hg.): Deutschlands Teilung und die Deutschen. Eine kritische Betrachtung, Hilden 2001, S. 180-203, hier S. 184 f.
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Herausgegeben von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 6. München 2001 S.145
  • Lönnecker, Harald: „… freiwillig nimmer von hier zu weichen …“ Die Prager deutsche Studentenschaft 1867-1945, Köln 2008 (= Abhandlungen zum Studenten- und Hochschul-wesen, Bd. 16), S. 223 f.
  • Stickler, Matthias: Ostdeutsch heißt Gesamtdeutsch. Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzungen der deutschen Vertriebenenverbände 1949-1972, Düsseldorf 2004 (= Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, Bd. 4), S. 294.
  • Schuch, Hans-Jürgen : Kühn, Walter. In : Ostdeutsche Gedenktage 1987. Bonn 1986 S. 182-184

 

(*)Die Deutsche Volkspartei (DVP) war eine nationalliberale Partei der Weimarer Republik, die 1918 die Nachfolge der Nationalliberalen Partei antrat. Bekannte Politiker waren die Außenminister Gustav Stresemann und Julius Curtius. Bis auf 1921/22 (Kabinett Wirth I, Kabinett Wirth II)war die DVP von 1920 bis 1931 in den Weimarer Regierungen vertreten.

 

 

Kurzawski, Josef  ; polnisch: Józef Kurzawski,

* 08. März 1870 in Kotlow, † 07. Feb. 1925 in Posen

Kurzawski besuchte die Gymnasien zu Rogasen und Ostrowo, die Priesterseminare zu Posen und Gnesen und wurde  am 23. Juni 1895 geweiht. . Er war Vikar zu Koscielec (Kreis Hohensalza) und Zippnow (Kreis Deutsch Krone), danach Vikar und Gymnasialreligionslehrer zu Hohensalza und seit 1902 Probst in Pakosch. Ferner war er Korrespondent für theologische Fachblätter, polnische und deutsche Zeitungen, besonders auf dem Gebiete der Sozialpolitik. Auch war er Mitglied und Vorsitzender mehrerer Vereine und Vorstandsmitglied zweier Genossenschaften.

In einer Nachwahl am 7. April 1911 wurde er im Wahlkreis Posen 8 (Jarotschin – Koschmin – Pleschen – Krotoschin) in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1913 angehörte. Von 1912 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 2 (Wirsitz-Schubin-Znin) und der Polnischen Fraktion.

Lit.:

  Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf  1988, S. 236 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3);

 

 

Kuss, Ulrich

*10.Feb.1925 in Inowroclaw

 

Abitur

1945 Krankenpfleger in Hagenow und Schwerin

Studium der Gesellschaftswissenschaften in Rostock

Mitbegründer und Vorsitzender der CDU-Hochschulgruppe

Pressereferent im Amt für Information Mecklenburg

CDU-Parteileitung Berlin

1950 CDU-Landesvorstand Mecklenburg

Studium der Medizin an der Humboldt-Universität

FDJ – Hochschulgruppenleitung

CDU-Kreisvorstand Berlin-Treptow

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957 S.391

 

 

Kraft , Waldemar Erich

 

* 19. Februar 1898 in Brzustow (Kreis Jarotschin), † 12. Juli 1977 in Bonn

 

 

Nachdem Kraft bis zur  Obersekunda die Oberrealschule in Posen besucht hatte, absolvierte er anschließend eine landwirtschaftliche Lehre. Von 1915 bis 1920 war er dann Soldat und nahm am Ersten Weltkrieg teil, wo er schwer verwundet wurde. Zuletzt war er als Kompaniechef eingesetzt. Von 1921 bis 1939 war er Direktor des „Hauptvereins der Deutschen Bauernvereine“ in Posen, ab 1925 zusätzlich Direktor des „Deutschen Landwirtschaftlichen Zentralverbandes in Polen“. Von 1939 bis 1940 amtierte er dann als Präsident der Landwirtschaftskammer Posen. Von 1940 bis 1945 war er Geschäftsführer der „Reichsgesellschaft für Landbewirtschaftung in den eingegliederten Ostgebieten mbH“ („Reichsland“) in Berlin, die kurz vor Kriegsende nach Ratzeburg verlegt wurde. Von 1945 bis 1947 war er in Schleswig-Holstein interniert und lebte bis 1950 als Arbeitsloser in Ratzeburg.

Von 1949 bis 1951 war er Sprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe und unterzeichnete die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Später wurde er Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft Weichsel-Warthe.

 

1933 trat Kraft der NSDAP bei. Er wurde am 13. November 1939 außerdem zum Ehren-Hauptsturmführer der allgemeinen SS ernannt.

1950 gehörte er zu den Mitbegründern des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), dessen Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein er von 1950 bis 1951 war. 1951 wurde er zum Bundesvorsitzenden des BHE gewählt, der ab dem 14. November 1952 Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) hieß. Nach dem Eklat auf dem Bundesparteitag am 8. und 9. September 1954 um die nicht erfolgte Wiederwahl der Pressereferentin Eva Gräfin Finck von Finckenstein (1903-1994) nahm Kraft seine anschließende Wiederwahl zum Bundesvorsitzenden (90 von 131 Stimmen) nicht an.

 

Von 1950 bis 1953 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein, wo er den Wahlkreis Lauenburg-West vertrat.  Der BHE errang bei den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen im Juli 1950 einen sensationellen Erfolg: er wurde mit 23,4 % zweitstärkste Partei.

Von 1953 bis 1961 war er danach Mitglied des Deutschen Bundestages, zuerst für den GB/BHE gewählt, trat er 15. Juli 1955 der CDU/CSU-Fraktion bei. Hier war er von 1960 bis 1961 Vorsitzender des Ausschusses für den Lastenausgleich.

Waldemar Kraft war zuletzt (3. Wahlperiode 1957) über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen.

 

Vom 5. September 1950 bis zum 25. Juni 1951 war Kraft in der von Ministerpräsident Walter Bartram (1893-1971) geführten Landesregierung Finanzminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein. Ab dem 28. Juni 1951 amtierte er dann in gleichen Funktionen in der von Friedrich-Wilhelm Lübke (1887-1954) geleiteten Landesregierung, ab dem 8. Oktober 1951 noch zusätzlich als geschäftsführender Justizminister.

Nach der Bundestagswahl 1953 schied er am 20. Oktober 1953 aus der Landesregierung aus und wurde am selben Tag als Bundesminister für besondere Aufgaben in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) geführte Bundesregierung berufen.

Der NATO- Beitritt der Bundesrepublik und die Saarfrage verschärften die Krise im GB/BHE; Mitglieder der Bundestagsfraktion  verlangten den Wechsel in die Opposition.

Am 11. Juli 1955 trat er mit der sogenannten „K.O.-Gruppe“ (nach ihm und Theodor Oberländer (1905-1998) benannt) aus dem GB/BHE aus und trat am 20. März 1956 der CDU bei.

 

Am 16. Oktober 1956 schied er aus der Bundesregierung aus. Dem Bundestag gehörte er bis 1961 an.

Literatur:

  • Ostdeutsche Gedenktage 1973. S.27
  • Rosen, Hans Freiherr von: Waldemar Kraft zum Gednken. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 24 (1978) S.16-20
  • Rainer Salzmann: Kraft, Waldemar. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12, Duncker & Humblot, Berlin 1980, S. 655 f.
  • Neumann, F. : Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten 1950-1960             1968
  • Waldemar Kraft. In : Hans Freiherr von Rosen (Hrsg.): Saat und Ernte. Lebensbilder Posener deutscher Landwirte. Hameln 1978. S.65-67
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Herausgegeben von Walther Killy und  Rudolf Vierhaus. Band 6. München 2001 S.65

 

 

Kramer, Erwin

 

* 22. August 1902 in Schneidemühl; † 10. November 1979 in Berlin

 

Kramer absolvierte nach dem Besuch der Realschule und einem Praktikum im Reichsbahnausbesserungswerk Schneidemühl 1923 bis 1929 ein Studium der Elektrotechnik und Eisenbahn-wissenschaft an der Technischen Hochschule Berlin. Er war seit 1919 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, 1924–1927 der Roten Studentenhilfe und ab 1929 der KPD. Von 1930 bis 1932 war er Bauführer bei der Reichsbahndirektion Berlin.

1932 wurde Kramer verhaftet und emigrierte wegen eines drohenden Hochverratsprozesses in die UdSSR. Er arbeitete am Zentralen Forschungsinstitut für Verkehrswesen in Moskau auf den Gebieten Rationalisierung und Automatisierung und besuchte Kurse an der Kommunistischen Universität des Westens. 1937 besuchte er einen Lehrgang Taktik an der Militärschule „Erste Reiterarmee“ in Tambow und nahm anschließend als Ingenieur-Offizier der XI. Internationalen Brigade am Spanischen Bürgerkrieg teil.

1939 wurde er im französischen Lager Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales) interniert, danach kehrte er in die UdSSR zurück. Er arbeitete als Ingenieur in einem Betrieb und ab 1941 als Sprecher und Übersetzer der deutschen Redaktion des Moskauer Rundfunks. Im Oktober 1941 wurde er aus dem Sender entlassen, durch die KPD-Führung verwarnt und nach Kuibyschew evakuiert. Nach dem Verkauf von Lebensmittelkarten auf dem Schwarzmarkt wurde er 1943 aus der KPD ausgeschlossen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland trat Kramer 1946 der SED bei. Er war 1946–1949 Leiter der maschinentechnischen Abteilung der Deutschen Wirtschaftskommission  und ab 1946 Vizepräsident der Reichsbahndirektion Berlin, ab 1949 stell-vertretender Generaldirektor und 1950–1970 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Außerdem war er seit 1953 Stellvertreter des Ministers und 1954–1970 Minister für Verkehrswesen. 1954–1970 war er Mitglied des Zentralkomitees der SED und 1958–1979 Abgeordneter der Volkskammer (u.a. im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten).

  1. hat u.a. den Bau des Berliner Außenrings geleitet und war einer der Konstrukteure des Doppelstockgliederzugs.

Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit in der Bundesrepublik, als sich K. in einer parallelen Aktion zu dem Brief des Ministerpräsidenten Willi Stoph (1914-1999) an den Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (1904-1988) mit einem Brief vom 12. Mai 1967 an das Bundesverkehrsministerium wandte und Vorschläge zu einer Normalisierung der Verhältnisse und zu Verhandlungen auf offizieller Ebene unterbreitete. Entgegen bisheriger Praxis wurden die Schreiben nicht ungeöffnet zurückgewiesen, sondern zur Kenntnis genommen und Bereitschaft zu sachlicher Prüfung erklärt.

Kramer wurde 1959 mit dem Nationalpreis, 1967 mit der Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden, 1970 mit dem Karl-Marx-Orden und dem Orden des Vaterländischen Krieges und 1977 dem Stern der Völkerfreundschaft ausgezeichnet.

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. 3. Wahlperiode. Berlin 1959 S.320
  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Bonn/Berlin 1961 S.188
  • Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/Winkler, Jürgen: So funktionierte die DDR. Band 3. Lexikon der Funktionäre. Reinbek bei Hamburg 1994 S.186
  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig. 1. Band. München u.a. 1996 S.431
  • Müller-Engbers, Helmut u.a. (Hrsg.):Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. Berlin 2001 S.469
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Herausgegeben von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 6. München 2001 S. 68

 

Krauthofer-Krotowski, Jakob

*28. Juli 1806 in Posen, +02. Aug.1852 in Berlin

Justizkommissar in Posen.

März 1848 Chef der polnischen Insurgenten, rief eine „Polnische Volksrepublik“ aus, wurde wegen  Hochverrats angeklagt. Im Dezember 1848 Freispruch.

Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Mandat am 27. Aug.1848 niedergelegt.

 

Kries , Georg Joseph von

* 20. Januar 1863 auf Gut Smarzewo bei Schmentau (heute ein Ortsteil von Kórnik),; † 21. Oktober 1922 auf Gut Klein-Watzmirs bei Swaroschin, Landkreis Dirschau, Westpreußen

Er entstammte einer thüringischen Familie, um 1600 in Lehesten erwähnt, und war der Sohn des Gutsbesitzers Robert von Kries (1830–1904), Gutsherr auf Watzmirs, und dessen erster Ehefrau Helene Baum (1834–1866).

Georg von Kries war Gutsherr auf Groß- und Klein-Watzmirs (1.141 Hektar), königlich preußischer Oberförster, Rechtsritter des Johanniterordens und Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Nebenbei betätigte sich Kries auch als Lyriker und veröffentlichte einige Werke, so zum Beispiel 1906 sein Gedicht Das Regiment Forcade (hat nie ein Feind besiegt), das von Hans Hertel vertont wurde.

 

 

 

Kries , Wolfgang Ludwig Moritz von

* 27. November 1868 auf Gut Smarzewo bei Schmentau (heute Ortsteil von Kórnik), † 15. Oktober 1945 in Potsdam)

Kries entstammte einer um 1600 in Lehesten erwähnten thüringischen Familie und war der Sohn des Gutsbesitzers Otto von Kries (1839–1916), Fideikommissherr auf den Gütern Kriesfelde (Smarzewo) mit Vorwerk Czerwinsk und Kulmaga, und der Martha von Dewall (1845–1920).

Nach dem Besuch der Gymnasien in Marienwerder und Bromberg studierte Kries Rechtswissenschaft an den Universitäten in Freiburg (Breisgau), Berlin und Königsberg. Er bestand das Erste Juristische Staatsexamen und absolvierte im Anschluss das Referendariat in Neuenburg und Berlin. Nach der Promotion zum Dr. jur.1891 und der Ablegung des Zweiten Juristischen Staatsexamens arbeitete er ab 1894 als Gerichtsassessor bei der Oberstaatsanwaltschaft des Berliner Kammergerichtes. Danach war er als Justitiar in Arnsberg (1900/01) und Münster (1901/02) tätig.

Von Mai 1903 bis Mai 1920, wirkte er als Landrat des Landkreises Filehne an der Netze. Das Amt hatte er bereits seit Oktober 1902 verwaltet. Von 1908 bis 1918 war er auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, wo er sich der Fraktion der Konservativen anschloss. Kries leistete von 1887 bis 1888 Militärdienst beim Füsilier-Regiment „Graf Roon“ (Ostpreußisches) Nr. 33 und war im Anschluss Reserveoffizier des 3. Garde-Regiment zu Fuß. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Hauptmann im 3. Garde-Landwehr-Regiment befördert und als Beamter der Zivilverwaltung ins besetzte Russisch-Polen, nach Kalisch und später nach Warschau berufen.

Anfangs war er Stellvertreter des Chefs der „Zivilverwaltung für Polen links der Weichsel“, des Regierungspräsidenten Hans von Brandenstein(1870-1950), wurde er 1915 Verwaltungschef der „Kaiserlich-deutschen Zivilverwaltung beim Generalgouvernement Warschau“. Als solcher erwarb er sich zusammen mit dem Kurator Bogdan Graf von Hutten-Czapski (1851-1937)große Verdienste um die Neugründung der Universität und der TH Warschau, die im Jahre 1915 den Unterricht (nach etwa 60 Jahren wieder in polnischer Sprache) aufnehmen konnten.

Ab November 1917 war er „Reichskommissar zur Erörterung der Fragen über Gewalttätigkeiten an Zivilpersonen im Feindesland“. Kries war auch der Vater der neuen Landeswährung, die er Polnische Mark nannte und die bis 1924 Zahlungsmittel war. Während des Krieges wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse, mit dem Preußischen Kronenorden II. Klasse sowie mit weiteren Ehrungen ausgezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kries Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (*) und der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung von 1919. Bis 1933 war er Abgeordneter der DNVP im Preußischen Landtag. Sowohl in der Landesversammlung als auch im Landtag bekleidete er ununterbrochen das Amt des Vizepräsidenten. Darüber hinaus war er Mitglied im Reichslandbund. (*)

  • Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 232 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)

(* )Die  Deutschnationale Volkspartei (DNVP) war eine national-konservative Partei  in der Weimarer Republik, deren Programmatik Nationalismus, Nationalliberalismus,  Antisemitismus, kaiserlich-monarchistischen Konservatismus sowie völkische  Elemente enthielt. Nachdem sie anfänglich eindeutig republikfeindlich gesinnt war und beispielsweise den Kapp-Putsch  von 1920 unterstützt hatte, beteiligte sie sich ab Mitte der 1920er Jahre zunehmend an Reichs-und Landesregierungen. Nach der Wahlniederlage von 1928 und der Wahl des Verlegers Alfred Hugenberg  zum Parteivorsitzenden vertrat die Partei jedoch wieder extreme nationalistische Ansichten und Forderungen. Infolge der Kooperation mit der NSDAP  verlor die DNVP ab 1930 zunehmend an Bedeutung. Nach der Selbstauflösung im Juni 1933 schlossen sich ihre Reichstagsabgeordneten der NSDAP-Fraktion an.

(*)Der Reichs-Landbund (RLB) war der bedeutendste Interessenverband der deutschen Landwirtschaft während der Weimarer Republik.

Der Reichs-Landbund entstand 1921 durch die Fusion der beiden großen protestantisch-rechtsgerichteten Landwirtschaftsverbände „Bund der Landwirte“ (BdL) und „Deutscher Landbund“, um die agrarischen Interessen wirkungsvoller – etwa in Fragen der Zwangswirtschaft – gegen die erstarkenden Kräfte der Arbeiterschaft und Großindustrie durchsetzen zu können. Die Führung verfolgte einen antidemokratischen, nationalistischen Kurs mit einer Ablehnung der Weimarer Republik, wobei gleichzeitig unter dem bestehenden System möglichst viel Einfluss besonders für die Großagrarier und ostelbischen Junker gewahrt werden sollten. Ostelbische Großagrarier waren in Führungsgremien stark vertreten. Der Reichs-Landbund war die einflussreichste deutsche Bauernvereinigung während der Weimarer Republik.

 

 

Kritzinger , Friedrich Wilhelm

* 14. April 1890 in Grünfier bei Filehne; † 25. April 1947 in Nürnberg

Kritzinger war der Sohn eines Pfarrers in Grünfier (Netzekreis) ,  heute Zielonowo. In seiner Jugend besuchte er nach drei Jahren Privatunterricht von 1899 bis 1904 das Berger-und Auguste-Victoria-Gymnasium in Posen und von 1904 bis 1908 das Gymnasium in Gnesen. Anschließend studierte er Jura in Freiburg, Berlin und Greifswald. Nach dem Bestehen des Referendarexamens im Oktober 1911 wurde er in den Juristischen Vorbereitungsdienst aufgenommen. Diesen leistete er von 1911 bis 1913 und – unterbrochen durch seine Einberufung zum Militärdienst im Jahr 1913 – von 1920 bis 1921 bei Gerichten in Mogilno  und Berlin und bei der Staatsanwaltschaft Hirschberg ab.

Von 1914 bis 1918 nahm Kritzinger mit dem Jäger-Bataillon 5 am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Rang eines Leutnants der Reserve. Im Krieg wurde Kritzinger mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen und dem Hausorden der Hohenzollern ausgezeichnet. Zu Kriegsende geriet er 1918 in französische Kriegsgefangenschaft, in der er bis Februar 1920 verblieb.

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft setzte Kritzinger seinen Vorbereitungsdienst fort, den er schließlich im Mai 1921 mit dem Bestehen des Großen Juristischen Staatsexamens (Assessorexamen) abschließen konnte. Von Juli bis September 1921 war Kritzinger als Assessor beim Amtsgericht Striegau tätig. Anschließend kam er als „Hilfsarbeiter“ ins Reichsministerium der Justiz, wo er bis 1925 verblieb und sich mit Fragen des Völkerrechts befasste. Anschließend wurde er bis 1926 als Assessor bzw. Landgerichtsrat mit Arbeitsgebiet „Depositenbanken und Aufwertung“ im Preußischen Handelsministerium beschäftigt. 1926 wechselte Kritzinger wieder ins Reichsjustizministerium, wo er nun bis 1938 tätig bleiben sollte: Dort bearbeitete er als Referent zunächst Angelegenheiten des Völkerrechts und ab 1928 Angelegenheiten des Staatsrechts. Während dieser Zeit wurde er nacheinander zum Regierungsrat, Oberregierungsrat und – 1929 oder 1930 – zum Ministerialrat befördert. Einer politischen Partei gehörte Kritzinger in der Weimarer Republik nicht an. Eigenen Angaben bei Vernehmungen nach dem Zweiten Weltkrieg zufolge stimmte er bei den Reichstagswahlen bis 1933 für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP).

In den ersten Jahren nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verblieb Kritzinger auf seinem Posten im Reichsjustizministerium. Anfang 1938 forderte ihn der Leiter der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers (1879-1962) auf, in die Reichskanzlei zu wechseln, da diese einen Fachmann für Staatsrecht benötigte. Eigenen Angaben zufolge lehnte Kritzinger dieses Ersuchen zunächst ab, änderte seine Meinung aber. Einerseits hatte Lammers seine Bitte mehrfach wiederholt und andererseits hatte ihm der Reichsjustizminister Franz Gürtner (1881-1941) erklärt, dass es seine „Pflicht“ sei, der Aufforderung nachzukommen. Daraufhin trat Kritzinger im Februar 1938 als Ministerialdirektor in die Reichskanzlei ein, in der ihm die Leitung der Abteilung B übertragen wurde. Zur selben Zeit wurde er Mitglied der NSDAP.

Anfang 1942 wurde er zum Unterstaatssekretär und am 21. November desselben Jahres von Hitler zum Staatssekretär in der Reichskanzlei befördert.

Während seiner Tätigkeit in der Reichskanzlei war Kritzinger unter anderem auch mit der Bearbeitung des Sachbereiches „Judenproblemen“ befasst. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich im Jahre 1939/40 an der Erarbeitung der so genannten Verordnung gegen Volksschädlinge und an der Elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz, der Grundlage für den Einzug des Vermögens der deutschen Juden anlässlich ihrer Deportation. Als Staatssekretär war er 1942/43 außerdem mit der Ausarbeitung von Verordnungen zur Rechtsmittelbeschränkung für Juden befasst.

Im Frühjahr 1942 gehörte Kritzinger zu den Teilnehmern der Wannseekonferenz. Hier wurden die Grundlagen für die Ermordung der sich im Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten aufhaltenden Juden beschlossen bzw. durch Vertreter führender staatlicher und parteiamtlicher Dienststellen untereinander abgestimmt. Nach einem Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte verfügte Kritzinger zu diesem Zeitpunkt noch nicht über ein gesichertes Wissen vom Völkermord.

Kurz vor der Eroberung Berlins durch die Rote Armee verließ Kritzinger die Stadt am 23. April 1945, nachdem er vom 20. April 1945 an mit der Leitung der Evakuierung der verbliebenen Minister und Ministerialbeamten beauftragt gewesen war. Nachdem er noch im Mai 1945 Staatssekretär in der Regierung Dönitz in Flensburg geworden war wurde er schließlich am 23. Mai im Ausweichregierungssitz Flensburg von den Briten verhaftet.

Nach einem Aufenthalt im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf wurde Kritzinger nach Bruchsal überstellt. In der Folgezeit wurde er mehrfach vernommen, so unter anderem vom amerikanischen Ankläger in den Nürnberger Prozessen Robert Kempner (1899-1993). Als einziger Teilnehmer der Wannseekonferenz von 1942 gab Kritzinger seine Teilnahme von sich aus zu und bestätigte den verbrecherischen Charakter derselben. Ferner erklärte er sich „der deutschen Politik […] während des Krieges“ geschämt zu haben und stimmte der Charakterisierung von Hitler und Himmler als „Massenmördern“ zu.

Im April 1946 wurde Kritzinger aus der Haft entlassen, jedoch im Dezember erneut inhaftiert. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er schließlich erneut auf freien Fuß gesetzt und starb kurze Zeit später.

 

 

Krzyzanowsky, Johann

*19.Juni 1802 in Posen;+ 14. Juli 1864 in Samter

Studium der Rechtswissenschaft in Breslau und Berlin von 1820 bis 1824.

Von 1830 bis 1848 Land-und Stadtgerichtsassesor in Gnesen, Grätz und Samter.

Von 1848 bis 1864 Kreisgerichtsrat in Samter. Als fraktionsloser Abgeordneter gehörte er vom 04. April 1849 bis zum 30. Mai 1849 der Frankfurter Nationalversammlung an.

Lit.:

  • Best, Heinrich/Wege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998. S. 211
  • Koch, Rainer (Hrsg): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989 S.256
  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 74

 

 

Kuhnt, Werner

*09. Juni 1911 in Ostrowo; † 26. Feb.2000 in München

Nach dem Besuch der Volksschule in Ostrowo zog Kuhnt 1920 nach Cottbus. Er bestand das Abitur am dortigen Reform-Realgymnasium und absolvierte anschließend ein Studium der Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft an den Universitäten in Breslau, Königsberg  und Berlin. 1929 Eintritt in die NSDAP. Später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg  teil, zuletzt als Leutnant. 1945 geriet er in US-amerikanische Gefangenschaft, aus der er nach Internierung 1947 entlassen wurde.

Kuhnt arbeitete nach seiner Entlassung als Handelsvertreter. Daneben war er als Referent bei der Gesellschaft für Freie Publizistik tätig. 1976 wurde er in Stuttgart  wegen Volksverhetzung und Verleumdung des Andenkens Verstorbener angeklagt, nachdem er zuvor in einer Ausgabe der „Deutschen Stimme“ behauptet hatte, dass das Tagebuch der Anne Frank  „eine Fälschung“ und „ein Schwindel“ sei und nicht von Anne Frank  geschrieben, sondern das Produkt „eines New Yorker Drehbuchautors in Zusammenarbeit mit dem Vater des Mädchens“ sei. Wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung wurde er später freigesprochen.

Kuhnt trat 1929 in die NSDAP (Mitgliedsnr. 135.664) und die SA ein. Er arbeitete seit dem 1. Januar 1930 für die Hitler-Jugend (HJ), war seit 1934 hauptamtlicher HJ-Führer Kurmark in Frankfurt (Oder)  und wurde 1942 HJ-Obergebietsführer. Von 1938 bis 1945 war er Mitglied des Reichstages.  Am 30. Januar 1938 bekam er das Goldene Ehrenabzeichen der DSDAP  verliehen.

Nach 1947 schloss Kuhnt sich zunächst der Deutschen Partei (DP) (*)  an, war seit 1961 Mitglied der „Gesamtdeutschen Partei (GDP) und wechselte 1965 zur NPD über. Später wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD in Baden-Württemberg gewählt. Dem Landtag von Baden –Württemberg gehörte er von 1968 bis 1972 an. Hier war er 1968/69 zunächst stellvertretender Vorsitzender und von 1969 bis 1972 dann Vorsitzender der NPD-Fraktion.

(*)Die Deutsche Partei (DP) war eine rechtsgerichtete politische Partei in der Bundesrepublik, die nach dem Zweiten Weltkrieg  von den späten 1940er Jahren bis in die 1950er Jahre ihre größte Bedeutung erreichte. Sie war von 1949 bis 1960 an der Bundesregierung  beteiligt und löste sich 1961 auf Bundesebene de facto auf, existierte jedoch auf Landesebene bis 1980 als Partei, dann als Verein weiter. 1993 erfolgte unter dem Namen “Deutsche Partei“  eine Neugründung.

 

Literatur:

  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe.Wer war wer im Dritten Reich. Kiel 2000,
  • Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945.Frankfurt am Main 2007, S. 345.

 

Kurnatowski , Stanislaus von

* 16. Juni 1823; † 22. Juli 1912

Kurnatowski war Rittergutsbesitzer auf Pozarowo bei Wronke. Von 1852 bis 1884 war er Mitglied im Posener Provinziallandtag und auch in dessen Präsidium.

Zwischen März 1878 und 1884 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4 und die Polnische Fraktion.

Lit.

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 64
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 380

 

 

 

Kwilecki . Hektor Graf von

* 20. Januar 1859 in Posen; † 3. Februar 1912 in Kwilcz

Kwilecki besuchte das Königlich Französische Gymnasium in Berlin und das Gymnasium St. Maria Magdalena in Posen. Von 1879 bis 1884 diente er beim 2. Garde-Ulanen-Regiment, im Oktober 1880 wurde er zum Sekonde-Lieutenant befördert und später wurde er zum Rittmeister der Garde-Landwehr-Kavallerie. Er war Rittergutsbesitzer auf Kwilcz. Weiter war er Geheimer Kämmerer di cappa e spada des Papstes und 1891 Mitglied des Präsidiums des Katholikentags in Danzig.

Von 1887 bis 1903 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 2 (Samter, Birnbaum, Obornik, Schwerin (Warthe) und gehörte der  Polnischen Fraktion an.

 

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 56
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.380

 

 

 

 

Kwilcz-Kwilecki,                                                                                                                                                                                                        Mieczysław Maria Napoleon Graf

* 15. August 1833 in Ober-Zedlitz, Landkreis Fraustadt; † 5. Juni 1918 in Oporowo bei Wronke, Kreis Samter).

 

Zwischen 1851 und 1855 diente er in der preußischen Armee. Danach war er Gutsverwalter seines Besitzes, des Ritterguts Oprorowo. Er war 1864 in der polnischen Nationalbewegung aktiv. Aus diesem Grund wurde er auch angeklagt. Im Jahr 1872 war er Mitbegründer der Posener Landesbank. Außerdem unterstützte er eine Reihe polnischer Vereinigungen. Im Jahr 1895 wurde er Sachverständiger für den preußischen Staatsrat.

Kwilecki war stellvertretender Landtagsmarschall des Provinziallandtags Posen. Zwischen 1867 und 1871 gehörte er dem Reichstag des Norddeutschen Bundes an. Seit 1866 war er zudem Mitglied des preußischen Herrenhauses. Dort beteiligte er sich in Kommissionen und als Schriftführer. Seit 1916 war er Vizepräsident der polnischen Partei Kola Polskie.*

 

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 59
  • Protokolle des preußischen Staatsministeriums. Band 8/II, S. 577
  • Hermann Krüger (Hrsg.): Chronik des preußischen Herrenhauses. Ein Gedenkbuch zur Erinnerung an das dreißigjährige Bestehen des Herrenhauses. Berlin 1885, S. 183
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.380
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haunfelder und Klaus Pollmann. Düsseldorf 1989 S.4289

* siehe auch : Komierowski, R.: Kola polskie w Berlinie 1975-1900. Poznan 1905

 

 

Kwilecki , Stephan von

 

* 29. Mai 1839 in Dobrojewo ( Krs. Samter) ; † 25. Januar 1900 ebenda

Kwilecki studierte Agrarwissenschaften in Hohenheim und widmete sich seinem Rittergut in Dobrojewo.

Von 1877 bis 1887 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 2 (Samter, Birnbaum, Obornik) und gehörte der Polnischen Fraktion an.

 

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin:, 1904, S. 56
  • Samuel Orgelbrand: Encyklopedja powszechna. Band 9, Orgelbrand, Warszawa 1901
  • Wielka encyklopedya powszechna ilustrowana. Band 42, Sikorski [u. a.], Warszawa 1908
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.380
  • Polski słownik biograficzny. Band 16, Polska Akademja Umietętności, Kraków [u. a.] 1971
  • Wielkopolski slownik biograficzny. Panstwowe Wyd. Naukowe, Warszawa [u. a.] 1981
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Wyd. Wiedza Powszechna, Warszawa 1995

 

Landé, Thekla

*1864 in Ostrowo; †20. Nov.1932 in Wuppertal-Elberfeld

.

Thekla Landé wurde als Tochter von Sophie und Moritz  Landé geboren, einer Familie jüdischer Herkunft. Der Vater war Architekt und hatte nach der Übersiedlung von Ostrowo nach Berlin direkt am Kurfürstendamm ein eigenes Haus für seine Familie errichtet. Dort wuchs die Tochter Thekla zusammen mit vier Geschwistern in wohlsituierten großbürgerlichen Verhältnissen auf und besuchte in dieser Umgebung die Schule.

 

1887, im Alter von 23 Jahren, heiratete sie ihren fünf Jahre älteren Cousin Hugo  Landé, der sich im Frühjahr 1886 mit eigener Kanzlei in Elberfeld niedergelassen hatte.

Seit dem 22. Oktober 1878 versuchte man im Deutschen Reich mit dem als Sozialistengesetz bekannten „Gesetz gegen die allgemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ Aktivitäten und Ziele der Arbeiterbewegung  zu unterdrücken. Die Städte Barmen und Elberfeld wurden zu den Hochburgen der Sozialdemokraten gerechnet. Vor dem Hintergrund dieses Gesetzes begann im Herbst 1889 am Landgericht Elberfeld ein großer Prozess gegen insgesamt 91 Personen, darunter fünf sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, denen illegale Betätigung für die SPD vorgeworfen wurde.

Es ist davon auszugehen, dass die Landés diesen Prozess aufmerksam verfolgt haben, da sich das junge Ehepaar im Volksbildungsverein zu Elberfeld engagierte. Dieser Verein war parteipolitisch unabhängig konstituiert, in ihm waren jedoch zahlreiche SPD-Mitglieder aktiv.

Im März 1890 gab ihr Ehemann seine vier Jahre genutzte Kanzlei auf und bezog in der Casinogartenstraße 15 a (heute: Kolpingstraße) neue Kanzleiräume, die dem zwischenzeitlich angewachsenen Kreis seiner Klientel Rechnung trugen.

Am 30. September 1890 trat das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ nach zwölf Jahren außer Kraft, so dass sozialdemokratisches Engagement ein wenig einfacher wurde. Gleichwohl wurden Aktivitäten wie Zusammenkünfte, Vorträge und Publikationen, von Spitzeln der preußischen Polizei überwacht und protokolliert. Noch im gleichen Jahr traten Hugo und Thekla Landé in die SPD ein.

Wie viele überzeugte Sozialisten dieser Zeit war das Ehepaar nicht religiös orientiert und war demzufolge auch nicht in der jüdischen Gemeinde engagiert.

1892 wurde der Bildungsverein für Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes in Elberfeld gegründet, in dem sich Thekla Landé von Beginn an engagierte und mit eigenen Vorträgen Stellung bezog. Sie trat vehement für eine Gleichberechtigung von Frauen ein und fokussierte auf das Bildungswesen, in dem Mädchen und Frauen der Zugang zu höheren Abschlüssen wie Abitur und akademischen Graden verwehrt wurde.

Als ihre Tochter Charlotte nach dem Besuch der Höheren Töchterschule (auch: Sarresschule) in Elberfelds Weststadt mit 15 Jahren in das Alter kam, eine weiterführende Schule besuchen zu wollen, dies dem herrschenden Bildungssystem nach als Mädchen aber nicht zu dürfen, arrangierte Thekla Landé für sie und weitere Mädchen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren ab 1905 privat abgehaltene Realgymnasialkurse, die von entsprechend aufgeschlossenen (männlichen) Lehrern des Städtischen Gymnasiums Elberfeld gegen Honorar gehalten wurden. Für die Naturwissenschaften wurden die Laboratorien des Realgymnasiums zur Verfügung gestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg  kandidierte Thekla Landé im Januar 1919 bei den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung für die SPD. Nur wenige Wochen später zog sie als eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Rheinland in den Elberfelder Stadtrat ein und gehörte nach der Vereinigung zur Stadt Wuppertal am 1. August 1929 auch dessen Stadtrat an.

In ihrer Funktion setzte sie sich maßgeblich für das Wohlfahrtswesen ein, forderte Hilfsangebote für die mit starken gesellschaftlichen Vorurteilen und konkreten Nachteilen belasteten ledigen Mütter und deren (uneheliche) Kinder sowie die Einrichtung von städtischen Kindergärten und -tagesstätten.

Ihr Ehemann Hugo war als Rechtsanwalt und Justizrat im Jahr 1919 Fraktionsführer der SPD im Elberfelder Stadtparlament sowie Regierungspräsident in Düsseldorf.

Insgesamt war Thekla Landé über 13 Jahre als Stadtverordnete aktiv, sie musste sich im Februar 1932 aus gesundheitlichen Gründen von diesem Amt zurückziehen und ihr Mandat niederlegen. Wenige Monate später, am 20. November, starb sie im Alter von 67 Jahren.

Im Jahr 2000 wurde ein Portrait von Thekla Landé in der so genannten „Ahnengalerie“ auf den Fluren des Rathauses Barmen angebracht.

Literatur

  • Elke Brychta, Anna-Maria Reinhold, Arno Meersmann (Hrsg.): Mutig, streitbar, reformerisch. Die Landés. Sechs Biografien 1859 – 1977, Essen 2004,
  • Julie Grunewald: Eine jüdische Kindheit am Niederrhein: Die Erinnerungen des Julius Grunewald (1860 bis 1929). Köln, Weimar 2009

 

 

Langner, Edith

*23. Jan. 1913 in Posen; + 07. Dez.1985 in Siegen

  1. kam 1919 nach Schlesien und nach der schulischen Ausbildung an einer Realschule besuchte sie das Kindergärtnerinnen- und Hörtnerinnen-Seminar. Von 1932 bis 1938 arbeitete sie als Kindergärtnerin und Hauslehrerin.

1945 Flucht nach Siegen, wo sie als Mitarbeiterin der Inneren Mission tätig war.

1947 wurde L. Mitglied der CDU, wo sie u.a. Mitglied des Kreisvorstandes des CDU-Kreisverbandes Siegen wurde. Dem Stadtrat von Siegen gehörte sie von 1952 bis 1971 an. Von 1966 bis 1975 war L. Mitglied des Landtages von Nordrhein- Westfalen.

 

 

Laßen, Heinz

* 03.Juli 1910 in Bromberg, + 12. Juli 1977 in

  1. studierte Volkswirtschaft und wurde 1928 Mitglied der NSDAP.

1933 war er Angestellter des Studentenwerkes, ab 1934 stv. Geschäftsführer der „Langemarck- Spende“.*  Später war er Bannführer und ab 1940 Oberbannführer in der Reichsjugendführung.

1948 wurde er Mitglied der NDPD. Er war Mitglied des Landesausschusses  Brandenburg der Nationalen Front und bis 1964 1. Vorsitzender des NDPD-Bezirksverbands Frankfurt/Oder.

Von 1955 bis 1967 Mitglied des Hauptausschusses der NDPD.

Zeitweise war er Abgeordneter des Bezirkstages Frankfurt/Oder.

 

Lit.:

  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Bonn/Berlin 1961 S.202
  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig.1. Band München u.a. 1996 S.463
  • Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/Winkler, Jürgen: So funktionierte die DDR. Band 2. Lexikon der Funktionäre. Reinbek b. Hamburg 2004 S.200

*“Langemarck“ stand synonym für die Verklärung einer verlustreichen militärischen Auseinandersetzung während des 1. Weltkrieges. Das Gefecht fand am 10.Nov.1914 in der Nähe des belgischen Ortes Langemarck nördlich von Ypern statt.

Ab 1929 organisierten zum „Langemarck-Ausschuß“ zusammengeschlossene Studenten – und Jugendverbände sowie Veteranenverbände jährliche Langemarck-Feiern.

Studenten beschlossen, den „Deutschen Soldatenfriedhof Nr. 123“ nahe Langemarck auszubauen. Zur Finanzierung wurde die „Langemark-Spende der Deutschen Studentenschaft“ begründet, mit deren Hilfe der Friedhof bis 1932 fertig gestellt werden konnte.

 

 

Laser, Otto  Karl

*30. März 1869 in Krotoschin ; † 07.Mai 1926 in Pillkallen

Laser besuchte die Volksschule und das Gymnasium in Krotoschin. Er machte eine Mauererlehre und besuchte parallel dazu die Baugewerkschule in Breslau. Er war zwei Jahre Teilhaber im Baugeschäft des Vaters. 1890/1891 absolvierte er den Militärdienst im Füsilier-Regiment Nr. 37 „von Steinmetz“ in Krotoschin.

Von 1893 bis 1898 war er Königlicher Bausekretär und bis 1905 Kreisbaumeister des Kreises Angerburg. Seit 1905 war er Bürgermeister in Angerburg. Zwischen 1899 und 1905 war er Mitglied des Magistrats und seit 1905 Mitglied des Kreistages und des Kreisauschusses. Ferner war er Amtsanwalt und Mitglied des  Aufsichtsrates der Ofen- und Tonindustrie-Aktien-Gesellschaft Angerburg.

Von 1912 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen II (Angerburg, Lötzen) und die Nationalliberale Partei.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Soldat teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

1919 und 1920 war er Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung für die Deutsche Demokratische Partei. Am 29. Oktober 1920 wurde er zum Landrat des Kreises Pillkallen ernannt, was er bis 1925 blieb.

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S.251
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 383
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf.2007, S. 48-50 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

 

Lasker, Eduard (eigentlich Jizchak Lasker)

 

* 14. Oktober 1829 in Jarotschin; † 5. Januar 1884 in New York City

 

Lasker war der Sohn des jüdischen Nagelfabrikanten Daniel Lasker und dessen Frau Rebecca. Seine erste Schulbildung genoss er durch Privatlehrer und auf einer Talmudschule in Ostrowo. Mit 13 Jahren besuchte er ab 1842 das Gymnasium in Breslau. In der Gymnasialzeit änderte er seinen Vornamen in Eduard. Nach Erreichen des Abiturs 1847 begann er noch im selben Jahr Mathematik und Philosophie an der Universität Breslau zu studieren.

Die Revolution von 1848/49 erlebte Lasker in Wien. Ende des Jahres war er aber wieder in Breslau an der Universität zu finden. Durch die politischen Ereignisse beeinflusst, begann er jetzt, Jura zu studieren. 1851 legte er sein Auskultator-Examen ab und zwei Jahre später bestand er sein zweites Staatsexamen. Anschließend ging er nach Großbritannien, wo er drei Jahre, bis 1856 lebte.

1857 kehrte er nach Deutschland zurück. Am Stadtgericht in Berlin bestand Lasker sehr erfolgreich sein Staatsexamen; hatte aber als jüdischer Staatsbürger keinerlei Chance, in den Staatsdienst übernommen zu werden. Während dieser Zeit trat Lasker publizistisch für die politischen Ideen seines Freundes Heinrich Bernhard Oppenheim (1819-1880) ein. Im Verfassungskonflikt 1865 bekam Lasker bei der Nachwahl ein Mandat im Preußischen Abgeordnetenhaus.

 

Bis zu ihrer Spaltung 1866 war Lasker Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei. 1866 gehörte Lasker zusammen mit Karl Twesten (1820-1870) und Hans Victor von Unruh (1806-1886) zu den liberalen Abgeordneten, welche das Indemnitätsgesetz (*) befürworteten. 1867 half Lasker dann mit, die Nationalliberale Partei (NLP) mitzugründen. Nach kurzem schon war Lasker der Führer des linksliberalen Flügels dieser Partei. Er verkörperte für die öffentliche Meinung die Idee des Parlamentes, dessen Macht er erweitern und zum entscheidenden Faktor in der Politik machen wollte. Als 1879 diese Politik zusammenbrach, erinnerte die Frankfurter Zeitung, das „Tintenfass“ der Nationalliberalen, an einen Ausspruch Bambergers: „Wer die Parlamente einsetzt, ehe das Reich der Freiheit im Fundament gegründet ist, der bahnt nicht dem Fortschritt, sondern dem Verrat den Weg“. Lasker trennte sich 1880 von den Nationalliberalen, um gemeinsam mit anderen langjährigen Weggefährten, insbesondere mit Heinrich Rickert (1833-1902) und Ludwig Bamberger (1823-1899), die Liberale Vereinigung zu gründen. Diese erzielte vor allem in Preußen beachtliche Wahlerfolge und fusionierte 1884 mit der Deutschen Fortschrittspartei zur Deutschen Freisinnigen Partei unter Eugen Richter und von Stauffenberg.

Obwohl er nicht zuletzt wegen seiner Herkunft immer stärkeren antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war, gelangen Lasker große parlamentarische Erfolge in den Reichstagen des Norddeutschen Bundes und Kaiserreiches und im Preußischen Abgeordnetenhaus. Lasker klärte den Skandal um die Berliner Nordbahn maßgeblich parlamentarisch mit auf. In den Wirtschaftsskandal (*)um den Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg (1823-1884) und die Gründer der Eisenbahngesellschaft Fürst Putbus und Prinz Biron von Kurland waren auch mehrere Politiker verwickelt – das brachte den an sich regierungsloyalen Abgeordneten auch in Konflikt mit Otto von Bismarck (1815-1898) , der es sich zum Ziel machte, Lasker innerhalb der Nationalliberalen Partei zu isolieren.

Ab 1875 erkrankte Lasker schwer und erlitt schließlich, da er sich nach wie vor im politischen Geschäft aufrieb, 1883 einen völligen Zusammenbruch. Durch einen längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wollte er sich auskurieren. Doch bereits im Jahr darauf starb Eduard Lasker im Alter von 54 Jahren am 5. Januar 1884 in New York.

Ein Kondolenzschreiben des amerikanischen Kongresses an den Reichstag diesem auch zu übergeben wurde von Bismarck verboten. Er ließ es nach Washington zurücksenden mit der Begründung, die Tätigkeit des Verstorbenen sei dem deutschen Volk nicht nützlich gewesen. Ministern und Beamten wurde von Bismarck verboten, an seinem Begräbnis teilzunehmen. Dennoch würdigte er ihn in seinen Memoiren als „ehrlichen Gegner“. 1901 wurde Eduard Lasker auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in Berlin bestattet. Jetzt ruht er dort zusammen mit Ludwig Bamberger (1823-1899) in einem Ehrengrab.

Eine seiner wichtigsten Errungenschaften ist wohl die Lex Miquel-Lasker, welche er als nationalliberaler Abgeordneter zusammen mit Johannes von Miquel schließlich 1873 durchsetzen konnte. Es weitete die Gesetzgebungskompetenzen des Reiches unter anderem auf das gesamte bürgerliche Recht aus und bereitete so maßgeblich den Weg für die einheitliche Zivilgesetzgebung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

 

(*)Der spätere König Wilhelm I  seit 1858 Regent für seinen geistig erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV  ließ 1860 einen Gesetzentwurf zu einer umfassenden Heeresreform ins preußische Abgeordnetenhaus einbringen. Die zweite Kammer des preußischen Landtags bewilligte die dafür notwendige Erhöhung der Haushaltsmittel nur unter Vorbehalt. Nach den preußischen Landtagswahlen vom Dezember 1861, aus denen die linksliberale Deutsche Fortschrittspartei als deutlicher Gewinner hervorging, lehnte das Abgeordnetenhaus weitere Kompromisse in der Heeresreformfrage ab. In den Folgejahren verweigerte es die Zustimmung zum Militäretat. Der Heereskonflikt entwickelte sich zu einem schweren Verfassungskonflikt: Es ging nicht mehr nur um die Finanzierung der Heeresreform, sondern um die Machtverteilung zwischen Krone und Parlament in Preußen. Auf dem Höhepunkt der verfahrenen Situation berief Wilhelm I. 1862 den konservativen Otto von Bismarck  zum preußischen Ministerpräsidenten. Bismarck vertrat die Auffassung, dass bei einem von der Verfassung nicht geregelten Streitfall zwischen Parlament und Regierung letztere befugt sei, nach eigenem Ermessen zu handeln. Seine Durchsetzung der Heeresreform ohne parlamentarische Zustimmung führte zur weiteren Verschärfung des Konflikts und ließ eine einvernehmliche Lösung in weite Ferne rücken. Erst die militärischen Erfolge im  Deutsch-Dänischen Krieg  1864 und im Deutschen Krieg 1866 sowie Bismarcks wachsender Rückhalt in der Bevölkerung führten zum Bruch der liberalen Opposition. Mit Inkrafttreten des „Gesetzes betreffend die Ertheilung der Indemnität in Bezug auf die Führung des Staatshaushalts vom Jahre 1862 ab und die Ermächtigung zu den Staatsausgaben für das Jahr 1866“ endete der preußische Heeres- und Verfassungskonflikt. Der von Ministerpräsidenten Otto von Bismarck eingebrachten Indemnitätsvorlage stimmte das Abgeordnetenhaus am 3. September 1866 mit deutlicher Mehrheit zu. Damit wurden die Militärausgaben der vorherigen Jahre nachträglich gebilligt und dem Kabinett, das seit 1862 ohne einen vom Parlament genehmigten Haushalt regiert hatte, die gewünschte Indemnität erteilt. Als Entgegenkommen an die Liberalen räumte Bismarck mit der Indemnitätsvorlage zugleich ein, die preußische Verfassung gebrochen zu haben und zukünftig das in der Verfassung verankerte Budgetrecht des Landtags ausdrücklich anzuerkennen. Erst durch die Annahme des nur vier Artikel umfassenden Gesetzentwurfs war die Rückkehr zu einer verfassungsgemäßen Regierungsarbeit möglich. Zugleich hatte der Kompromiss große Auswirkungen auf das preußische Parteienspektrum: Die beiden neu entstandenen bürgerlichen Parteien, die Freikonservative Partei und die Nationalliberale Partei  zählten bis in die 1870er Jahre zu den wichtigsten Unterstützern der Politik Bismarcks auch im Kaiserreich.

(*) Wirtschaftsskandal- Stroussberg war ein Unternehmer in der „Gründerzeit“, der sich hauptsächlich im Eisenbahnbau engagierte. Neuartig war die von S. praktizierte Methode von Ausführung und Finanzierung der Bauprojekte.

Er beauftragte Generalunternehmer mit der Ausführung der Arbeiten, deren Leistungen mit Aktien der neugegründeten Eisenbahngesellschaften bezahlt wurden. Unseriös war daran, dass das Aktienkapital höher als die tatsächlichem Baukosten angesetzt wurde- der Generalunternehmer erhielt damit Wertpapiere, deren Nennwert höher als die Baukosten waren. Eduard Lasker machte. 1873 prangerte der Reichstagsabgeordnete Lasker diese Finanzierungsprojekte an. Der Förderer von S., Graf Heinrich Friedrich August von Itzenplitz (1799-1883)  musste als Minister zurücktreten.

 

 

Werke

  • Wege und Ziele der Culturentwicklung (1881)
  • Zur Geschichte der parlamentarischen Entwicklung Preussens (1873)

 

Literatur

  • Rosemarie Schuder: Der „Fremdling aus dem Osten“. Eduard Lasker – Jude, Liberaler, Gegenspieler Bismarcks. Berlin: 2008
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004. S. 251253
  • Matthiesen, Michael: Lasker, Eduard. In : Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 6. München 2001 S.256
  • Laufs, Adolf: Eduard Lasker (1829-1884). Ein Leben für den Rechtsstaat. In : Deutsche Juristen jüdischer Herkunft. Hrsg. Von Helmut Hinrichs u.a. München 1993 S.429-281
  • Seeber, G.: Lasker, Eduard. In : Biographien zur deutschen Geschichte von den Anfängen bis 1945. Berlin 1991 S.303
  • Hamburger, Ernst : Juden im öffentlichen Leben Deutschlands – Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848 – 1918. Tübingen 1968
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-180. Bearb. von Bernd Haunfelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989 S.430
  • Langewiesche, Dieter : Liberalismus in Deutschland. Frankfurt 1988
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 198 S.239
  • Harris, James F.: A study in the theory and practice of German liberalism. Eduard Lasker. Lanham 1984
  • Laufs, Adolf: Eduard Lasker. Ein Leben für den Rechtsstaat. O.O. 1984
  • Pollmann, Klaus Erich: Lasker, Eduard. In : Neue Deutsche Biographie . Band 13. Berlin 1982. S.656 ff
  • Seeber, Gustav (Hrsg.): Gestalten der Bismarckzeit. Berlin (Ost) 1978
  • Sheehan, James J.: German Liberalism in the Nineteenth Century. Chicago 1978
  • Ostdeutsche Gedenktage 1979. S.95
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.383
  • Winkler, Heinrich August : Preussischer Liberalismus und deutscher Nationalstaat. Studien zur Geschichte der Deutschen Fortschrittspartei 1861-1866.Tübingen 1964
  • Dill, R.W.: Der Parlamentarier Lasker. Diss. Erlangen 157
  • Eduard Lasker. In : Schay, Rudolf: Juden in der deutschen Politik. Berlin 1929. S.180-190
  • Köster, Hellmut: Eduard Laskers politische Frühzeit.Diss.phil Leipzig 192
  • Bamberger, Ludwig: Eduard Lasker Gedenkrede gehalten am 28. Januar 1884 im Saale der Sing-Akademie zu Berlin, Leipzig, 1884 (2. Auflage)
  • Wolff, Arthur: Zur Erinnerung an Eduard Lasker. Berlin 1884
  • Wippermann, Karl: Lasker, Eduard. In : Allgemeine Deutsche Biographie. Band 19. Leipzig 1884 S. 746-753

 

 

 

Leipziger, Hermann von

*22. März 1814 in Gluchow; + 19. Okt. 1861 in Lyck

Sein Vater war August Wilhelm von Leipziger, Königlich preußischer Regierungspräsident in Posen und Bromberg, (* Glogau, Schlesien, 30. Oktober 1764, † Posen 29. April 1829), verheiratet mit I. Glogau (Schlesien/Preußen) 31. Dezember 1787/89 Marie Auguste Wolfframsdorff v., II. 1813 Wilhelmine Friederike Sophie Steinwehr von.

  1. besuchte die Gymnasien in Bromberg und Posen und die Kriegsschule zu Danzig. Von seiner Mutter übernahm er 1840 das Rittergut Pietrunke.1848 war er Mitglied der Preußischen Nationalversammlung. Von 1848 bis 1850,  von 1860 bis 1865 und von 1873 bis 1876 saß er im Preußischen Abgeordnetenhaus. 1867 war er Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes für den Wahlkreis Bromberg 3 (Bromberg-Stadt) und die Nationalliberale Partei.

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd/ Pollmann , Klaus Erich (Bearb.): Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. Düsseldorf: 1989, Foto S. 207, Kurzbiographie S. 431 (Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 2
  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 63

 

 

Levy, Leopold

* 15. Juli 1870 in Inowrazlaw, + ermordet Sept. 1939 in Inowrazlaw

 

  1. absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Leipzig, München und Berlin, das er mit einer Promotion in Jena abschloss.

Ab 1900 war er Hilfsrichter bei dem Landgericht Bromberg. Seine Wahl in die Stadtver-ordnetenversammlung von Inowrazlaw erfolgte 1904 und bereits ein Jahr später wählte man L. zum stv. Stadtverordenetenvorsteher. Ab 1908 war er Stadtverordnetenvorsteher von Inowrazlaw.

  1. gehörte dem Vorstand der Nationalliberalen Partei an. Er gehörte weiterhin der Leitung des Altnationalliberalen Reichsverbandes an, der sich als Gegenpart gegen den linken Flügel darstellenden Jungliberalen gebildet hatte.

Von 1911 bis 1918 war L. Mitglied des preussischen Abgeordnetenhauses.

Er war profilierter Gegner einer Reform des Reichstagswahlrechtes in Preußen, da er wusste, dass nach erfolgter Reform sein Wahlkreis ein Pole gewinnen würde.

Politisch bekämpfte er die eigenwirtschaftliche Tätigkeit des Staates und wandte sich gegen den Aufbau eines Filialnetzes der preußischen Staatsbank.

Mit der Eingliederung der preußischen Provinz Posen in die neuerstandene polnische Republik fand sein parlamentarisches Wirken ein Ende.

Nach dem Tode seines Vaters begann er die industriellen Familienunternehmen zu leiten. Er war u.a. Mitglied des Vorstandes des Verbandes Deutscher Industrieller, Vorsitzender des Vereins Deutscher Kalkwerke und Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Juden.

Bei Kriegsbeginn im September 1939 von deutschen Armeeeinheiten erschossen.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard : Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 988 S.243/244

 

 

Liebehenschel , Arthur

* 25. November 1901 in Posen; † 24. Januar 1948 in Krakau

 

Liebehenschel, seit 1932 Mitglied der NSDAP und der SS (Mitgliedsnr.: 39.254) war ab 1934 Adjutant im KZ Lichtenburg bei Torgau, ebenso im berüchtigten Berliner Columbia-Haus* und wechselte 1937 als Abteilungsleiter in den Stab des Führers der SS-Totenkopfverbände (Theodor Eicke/ 1892-1943) nach Berlin über. 1940 stand er im Dienstrang eines Stabsführers und Vertreters des Inspekteurs der Konzentrationslager.

1942 war Liebehenschel Leiter der Abteilung D 1/Zentralamt im SS-Wirtschafts- und Verwaltungs-hauptamt (WVHA) unter Oswald Pohl (1892-1951). Als Rudolf Höß (1900-1947) in ein höheres Amt berufen wurde, teilte Pohl die Verwaltungsaufgaben neu auf.

Liebehenschel wurde am 11. November 1943 Kommandant im KZ Auschwitz I (Stammlager); zum gleichen Zeitpunkt wurden mit Friedrich Hartjenstein (1905-1954) in Auschwitz II (Birkenau) und Heinrich Schwarz (1906-1947) in Auschwitz III (Monowitz) erstmals eigene Lagerkommandanten eingesetzt. Nach wenigen Monaten, am 8. Mai 1944, verlor Liebehenschel dieses Amt wieder.

Nach Aussagen von Häftlingen läutete Liebehenschel eine neue Epoche im Stammlager ein. Als Funktionshäftlinge sollen nun „politische“ Gefangene bevorzugt worden sein, das umfassende Spitzelsystem sei ungenutzt geblieben. Die periodischen Selektionen mit darauf folgenden Erschießungen im Block 11 seien eingestellt worden. Liebehenschel habe die Stehzellen abreißen lassen, die keinen Platz zum Sitzen oder Liegen boten und in die bis dahin Häftlinge strafweise eingeschlossen worden waren. Er habe eine generelle Bunkeramnestie erlassen und später die „Schwarze Wand“ (Hinrichtungswand) entfernen lassen. Ferner habe er den Befehl aufgehoben, jeden wieder eingefangenen Flüchtling zu erschießen.

Es gibt Spekulationen darüber, dass Liebehenschels Abberufung auf seine Änderungen zurückzuführen sei. Ab dem 19. Mai 1944 wechselte Liebehenschel als Kommandant in das bereits geräumte KZ Majdanek und nach dessen Auflösung in das Amt des Höheren SS- und Polizeiführers Triest Odilo Globocnik (1904-1945).

 

Nach der Auslieferung durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten an Polen wurde er am 22. Dezember 1947 vom Obersten Volkstribunal im Krakauer Auschwitzprozess zum Tode verurteilt und am 24. Januar 1948 im Krakauer Montelupich-Gefängnis durch Erhängen hingerichtet. Sein letzter Dienstrang war SS-Obersturmbannführer.

 

Literatur

  • Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien. München 2004
  • Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz . Wien, München 1995

*Das „Columbia-Haus“ war ein frühes nationalsozialistisches Konzentrationslager am Nordrand des Tempelhofer Feldes im Berliner Ortsteil Tempelhof.

Es wurde am 27. Dezember 1934 eröffnet und bestand bis zum 05. Nov. 1936.

 

 

Libelt,  Karol Fryderyk (deutsch: Karl Friedrich Libelt)

* 8. April 1807 in Posen; † 9. Juni 1875 in Brdów

 

Er studierte zwischen 1826 und 1830 Klassische Philologie,  Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften in Berlin. Bereits in seiner Studienzeit engagierte er sich politisch im demokratischen Flügel der polnischen Jugend in Berlin. Er war Mitbegründer der Gesellschaft der Polnischen Bibliothek in Berlin. Das Studium beendete er mit der Promotion zum Dr. phil. In der Folgezeit unternahm er eine Forschungsreise nach Göttingen, Heidelberg, Brüssel und Paris. Er arbeitete daneben als Korrespondent für die Gazeta W. Ks. Poznanskiego aus Posen.

Im Jahr 1831 nahm er am polnischen Novemberaufstand teil. Er diente zunächst als Soldat bei der Artillerie und stieg zum Unteroffizier und schließlich zum Unterleutnant auf. Nach dem Ende des Aufstandes wurde er in Troppau interniert. Im Jahr 1832 wurde er zu neun Monaten Festungshaft wegen der Beteiligung am Aufstand verurteilt, die er in der Magdeburger Festung verbüßte.

Seit 1832 lebte Libelt als wissenschaftlicher und politischer Publizist in Posen. Im Jahr 1833 kam es zu einem Strafverfahren wegen politischer Vergehen gegen ihn. Er wurde in zweiter Instanz freigesprochen.

Danach war er bis 1835 Pächter des Gutes Ulejno(Kreis Schroda). Seit 1838 war er außerdem Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften in Warschau und Posen. Im Jahr 1840 wurde er Redakteur der Zeitschrift Tygodnik Literacki (Literarisches Wochenblatt) in Posen. Zwischen 1840 und 1841 leitete er ein privates Knabenpensionat in Posen. Danach war er bis 1844 Hilfslehrer an dem deutschen Gymnasium. In diesem Jahr veröffentlichte er ein Lehrbuch der Mathematik. Um das Jahr 1842 gründete er die Zeitschrift Dziennik Domowy (Familienblatt) und seit 1843 war er Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift „Rok“ (Das Jahr). Diese Zeitschrift war Zentrum der philosophischen polnischen Diskussion in den 1840er Jahren. Daneben hielt er in den 1840er Jahren zahlreiche Vorträge in polnischer Sprache zur deutschen Literatur und Ästhetik in Posen. Eines seiner Ziele war es, eine national polnische Philosophie zu etablieren.

Libelt blieb weiterhin auch politisch aktiv. Zwischen 1839 und 1845 bestand das Libelt-Komitee zur Vorbereitung eines polnischen Aufstands. Libelt war 1841 Mitbegründer, Sekretär und ab 1844 Vizepräsident des Vereins für Unterrichtshilfe in Posen. In Posen gehörte er seit 1844 dem Stadtrat an. Im Jahr 1845 war er Mitbegründer des örtlichen Gewerbevereins. Im Jahr 1845 war er auch Mitglied des polnischen Zentral-Revolutionskomitees. Zu Beginn des Jahres 1846 nahm er am Krakauer Aufstand (*) teil. Er war Mitglied der revolutionären polnischen Nationalregierung und Verfasser eines Krakauer Manifests.

Seit 1846 kam es in Preußen zu einem Strafverfahren gegen ihn wegen Hochverrats. Die Untersuchungshaft verbrachte er in Posen, Küstrin und zum Schluss in Moabit. Er war einer der Hauptangeklagten im Polenprozess vor dem Berliner Kammergericht. Dieses verurteilte ihn zu 20 Jahren Festungshaft. Die folgenden Monate war er in Moabit inhaftiert.

Nach der Befreiung im Zuge der Märzrevolution von 1848 nahm er am polnischen Aufstand in der Provinz Posen teil. Zwischen März und April des Jahres gehörte Libelt dem polnischen Nationalkomitee und dem Komitee zur Reorganisation der Provinz Posen an. Er gehörte zu einer Abordnung die im März 1848 in Berlin über die nationale Reorganisation der Provinz Posen verhandelte. Seit April 1848 war er Mitglied der geheimen polnischen Nationalregierung. Er war einer der Mitunterzeichner der Konvention von Jaroslawiec zwischen dem Reorganisationskomitee und General von Willisen(1790-1879). Im Mai 1848 nahm er am Polenkongress in Breslau und im Juni am Slawenkongress in Prag teil. Er war dort Vorsitzender der polnisch-russischen Sektion. Er war Mitverfasser des Manifests der slawischen evangelischen Kirche an die Völker Europas. In Berlin gehörte er ab Oktober 1848 dem Redaktionsausschuss der Zeitschrift Die Reform an. Zwischen Oktober 1848 und Januar 1849 gehörte er der Frankfurter Nationalversammlung an. Er war Mitglied der Fraktion Donnersberg. *

Seit Juni 1848 bis 1850 war er Mitglied in der Interimsdirektion der „Polnischen Liga“ und dabei amtierte er als Direktor und Leiter der Abteilung Publikation und Bildung. Im Dezember 1848 gehörte er dem Polnischen Wahlausschuss für die Wahlen zum Preußischen Landtag an. Im Jahr 1849 war er Mitglied der zweiten Kammer des preußischen Landtages und gehörte der polnischen Fraktion an. Daneben war er bis zum Verbot durch die Behörden 1850 Redakteur der Zeitschrift Dziennik Polski (Polnisches Tageblatt). Seit 1850 war er Besitzer des Rittergutes Czeszewo. Er war Gründer und Mitglied des örtlichen Bauernvereins. Er gehörte nach 1860 der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaft in Posen an. Zwischen 1868 und 1875 war er deren Vorsitzender. Libelt war Mitgründer der Kommission für Orthographie und der Abteilung für Wirtschaftswissenschaften und Statistik.

Zwischen 1859 und 1870 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und war von 1863 bis 1866 Vorsitzender der polnischen Fraktion.

Literatur .

 

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 505.
  • Pierer’s Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 337.
  • Krap, Berthold: Karol Libelt 1807-1875. Ein Leben für Polen. In : Kulturwart 35 (1987), Heft 169 S.7-15
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.244
  • Best, Heinrich/Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998 S.220/221
  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 199 S.266

 

 

(*)Der Krakauer Aufstand vom 18. Februar 1846 sollte neben dem Aufstand in der Provinz Posen Teil eines allgemeinen Krieges um die Wiederherstellung des polnischen Staates werden. Er blieb allerdings isoliert und wurde rasch niedergeschlagen. Er endete in Übergriffen gegen die polnischen Gutsbesitzer durch die Bauern und der Annexion der Republik Krakau durch das österreichische Kaisertum.

*Donnersberg war die Bezeichnung einer seit dem 27.Mai 1848  bestehenden politischen Fraktion  in der Frankfurter Nationalversammlung. Wie bei den meisten Fraktionen der Nationalversammlung bezieht sich der Name auf den üblichen Versammlungsort der Parlamentarier. Bis September 1848 trafen sich die Abgeordneten der Fraktion Donnersberg im Holländischen Hof, danach im Donnersberg am Mainufer (Am Holzpförtchen 1).

Die Donnersberg-Fraktion entstand als Abspaltung der radikalen Linken von der linken Fraktion Deutscher Hof. Sie unterstützte den Weg der Revolution  zur Schaffung einer Demokratie und der Gewährung von Bürgerrechten. Hierzu agitierten die Abgeordneten gegen den Adel, das besitzende Bürgertum und alle Vermögenden. Sie verlangten nach Volkssouveränität und stellten sich ein Staatsmodell nach dem Vorbild der USA vor. Den Ideen der „Kleindeutschen“ setzten sie ein Selbstbestimmungsrecht der Völker entgegen, was oft aber meist lediglich als Recht der Deutschen auf Gebiete interpretiert wurde, die irgendwann einen Bezug zum Heiligen Römischen Reich oder einem von dessen Gliedstaaten hatten. So vertraten Vertreter des Donnersbergs vehement die Integration Schleswigs, Posens, Böhmens, Mährens sowie der italienischen Teile Österreichs in den deutschen Staat und propagierten einen starken   Nationalismus

 

 

Lichnowsky, Karl Maria Faustus Timoleon Fürst von

* 19. Dezember 1819 in Grätz; † 18. Oktober 1901 in Grätz

Er entstammte dem böhmisch-schlesischen Adelsgeschlecht Lichnowsky und war Sohn des Fürsten Eduard von Lichnowsky (1789- 1845). Nachdem sein Bruder Felix 1848 in Frankfurt ermordet worden war, folgte er diesem als fünfter Fürst von Lichnowsky und Oberhaupt der Familie nach. Er war außerdem Graf zu Werdenberg, Edler Herr zu Woschütz sowie Besitzer des Majorats Kuchelna. Im Jahr 1861 wurde ihm erlaubt, den Titel Durchlaucht zu tragen. Er war außerdem seit 1884 Generalleutnant à la suite der Preußischen Armee und wurde 1893 zum General der Kavallerie à la suite befördert.

Lichnowsky war auf Grund seines Besitzes Mitglied im Vereinigten Landtag von 1847/48. Zwischen 1852 und 1854 gehörte er der zweiten Kammer des preußischen Landtages an. Ab 1854 war er erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Er war Mitglied der Deutschen Reichspartei und gehörte seit 1867 dem Reichstag des Norddeutschen Bundes  und in den ersten beiden Wahlperioden dem Deutschen Reichstag an. Er war auch Mitglied des schlesischen Provinziallandtags.

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd / Pollmann, Klaus Erich (Bearb.): Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. Düsseldorf: 1989, S. 432 (Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 2)
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.77
  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 8

 

Liebelt,Carl (Dr. phil.)

*08.April 1808 in Posen

 

Der Schriftsteller gehörte vom 06.Okt. 1848 bis zum 18. Jan. 1849 der Frankfurter Nationalversammlung für den Wahlkreis Posen an.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 77

 

Lippmann, Max

 

* 16. Februar 1906 in Posen,  † 26. Januar 1966 in Mainz

Max Lippmann wurde nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium Redakteur, Rundfunk-kommentator beim Breslauer Rundfunk und Filmjournalist. Nachdem den Nationalsozialisten die Macht übergeben worden war, emigrierte Lippmann von 1933 bis 1948 nach Prag, Paris und später London. Während seiner Zeit in Frankreich wurde Lippmann interniert. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er ein ständiges Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)(*)und hatte Ehrenämter in kulturellen Vereinigungen inne. Weiterhin war er Direktor in der Europäischen Forschungsgruppe für Flüchtlingsfragen (AFR). Im Deutschen Institut für Filmkunde engagierte sich Lippmann, der jüdischer Herkunft war und selbst die Folgen von Emigration und Internierung erfahren hatte, für die kritische Aufarbeitung der NS-Filmindustrie.

Vom 1. Dezember 1954 bis zum 30. November 1958 war er Mitglied des Hessischen Landtags für die SPD. Bis zu seinem Tod wohnte Lippmann in Wiesbaden.

 

(*)Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist eine deutsche, von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft /SPIO) getragene Einrichtung mit Sitz in Wiesbaden.

 

Die Hauptaufgabe der FSK besteht in der Prüfung der Altersfreigabe von Film- und sonstigen Medienträger, die in Deutschland zur öffentlichen Vorführung vorgesehen sind.

 

 

Lipsky, Wojciech von

*28.Feb.1805 in Lewkow b. Ostrowo, + 2. Aug. 1855 in Bad Kissingen

Gymnasium in Breslau, Studium der Rechte in Halle und Leipzig.

1830 Teilnahme am polnischen Aufstand, danach Gefängnisaufenthalt in Glogau. Nach der Freilassung publizistische Tätigkeit, 1846 erneute Verhaftung unter dem Vorwurf konspirativer Tätigkeit. Erneute Inhaftierung, Nov. 1846 Freilassung.

Gründer der Zeitschrift „Dziennik Polski“, Mitglied der Liga Polska.

Gutsbesitzer in Lewkow.

Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

 

Lisiecki, Arkadyusz Marian

*12. Jan.1880 in Posen; 13. Mai 1930 in Cieszyn

 

Studium der Theologie am Geistlichen Seminar in Posen. Später Professor am Geistlichen Seminar Gnesen.1926 Bischof in Kattowitz. 1918 Volksrat Polen.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.248

 

 

Liste, Heinz

*05.Mai 1923 in Nordheim (Krs. Posen)

 

1937 bis 1940 landwirtschaftliche Ausbildung und von 1941 bis 1942 Besuch der Landwirtschaftsschule in Lüben.

Kriegsdienst und Gefangenschaft.

1950 Neubauer in Barby (Elbe).

1958 Mitbegründer und Vorsitzender der LPG „Neue Heimat“ in Zeitz.

Seit 1951 Mitglied der DBD und seit 1957 Stadtverordneter in Barby

DBD-Fraktion/Volkskammer

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. 3.Wahlperiode. Berlin 1959. S.332/333

 

 

Lubienski, Boguslaw von

*03. Feb.1825 in Kiaczyn(Krs. Samter)

 

Rittergutbesitzer.

Gehörte dem Posener Provinziallandtag von 1864 bis 1867 an, ebenso dem preußischen Abgeordnetenhaus.

 

 

Ludendorff , Erich Friedrich Wilhelm

* 9. April 1865 in Kruszewnia bei Schwersenz (heute Swarzędz);† 20. Dezember 1937 in Tutzing

 

 

Ludendorff wurde als Sohn eines Rittergutsbesitzers und Reserveoffiziers in der Nähe von Schwersenz (poln: Swarzędz) geboren. Der Vater entstammt einer pommerschen Kaufmannsfamilie, deren Stammbaum bis hin zu Erik XIV. von Schweden (1533-1577) zurückverfolgt werden kann. Ludendorffs Vater kämpfte als Kavallerieoffizier in den deutschen Einigungskriegen (1866, 1870/71) und bestimmte Erich für die Offizierslaufbahn. Seine Mutter entstammte der preußischen Adelsfamilie von Tempelhoff, einer ihrer Urgroßväter war der preußische General Georg Friedrich von Tempelhoff 1737-1807). Nach seiner Ausbildung im Kadettenvorkorps Plön und der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde in den Jahren 1877 bis 1882 kam Erich Ludendorff 1882 als junger Leutnant zum Infanterieregiment 57 (8. Westfälisches). 1887 wurde er zur Marineinfanterie versetzt und diente unter anderem auf mehreren Schiffen („Niobe“, „Baden“, „Kaiser“).

1890 wurde er zur Kriegsakademie nach Berlin für die dreijährige Generalstabsausbildung abkommandiert, während der sein hauptsächliches Interesse Russland galt. Nachdem er sich umfassende Sprachkenntnisse angeeignet hatte, wurde er 1894 nach Russland als Militärbeobachter entsandt. Nach seiner Rückkehr erfolgte die Beförderung zum Hauptmann und die Ernennung zum Generalstabsoffizier. 1896 wurde Ludendorff zum IV. Armeekorps in Magdeburg versetzt und 1898 wurde er Kompaniechef im Infanterieregiment 61 (8. Pommersches). 1901 erfolgte die Versetzung in den Stab der 9. Division; 1902 wurde er zum Major befördert und zum V. Armeekorps versetzt. 1904 erfolgte dann die von ihm favorisierte erneute Kommandierung in den Generalstab, welchen er jedoch 1906 verließ, um Dozent an der Kriegsakademie zu werden. 1908 wurde Ludendorff zum Oberstleutnant und 1911 zum Oberst befördert. 1912 wurde er als Kommandeur des Füsilierregiments 13 nach Düsseldorf versetzt, am 22. April 1914 zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur der 85. Infanteriebrigade in Straßburg ernannt.

Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich Ludendorffs Karriere rapide. Zunächst stieg er schnell in der Oberen Heeresleitung auf. Im Laufe des Weltkrieges wurden Paul von Hindenburg (1847-1934)  und er die eigentlichen Machthaber im Reich. Gegen Ende des Weltkriegs verlor Ludendorff seinen Einfluss auf die deutsche Politik jedoch fast völlig.

Am 22. August 1914 wurde er zum Chef des Stabs der 8. Armee nach Ostpreußen berufen. Die Ostfront des Reiches war nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans (*) gegen eine russische Übermacht in eine schwierige Lage geraten. Ludendorff schien sowohl aufgrund seiner Vorerfahrungen als Militärbeobachter in Russland als auch aufgrund seiner Erfolge an der Westfront für diese Aufgabe prädestiniert. Als Stabschef des späteren Reichspräsidenten Hindenburg war er als strategischer Kopf an den Siegen in der Tannenbergschlacht und der Masurenschlacht gegen die russischen Truppen maßgeblich beteiligt. Nach den Kämpfen um Lodz wurde Ludendorff zum Generalleutnant befördert. Während der folgenden Kriegsjahre war Ludendorff weiterhin als Stabschef beim inzwischen zum Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber Ost (OB Ost) aufgestiegenen Hindenburg eingesetzt. Aufgrund der Ballung von militärischen Kräften an der Westfront (Verdun) war die Ostfront zeitweilig nachrangig. Dadurch galt Ludendorffs Arbeit ab 1915 überwiegend der Etablierung des Militärstaates Ober Ost (*) als eines Musterbeispiels kolonisierender „deutscher Arbeit“ im Osten.

Nach der Entlassung Erich von Falkenhayns (1861-1922) als Chef des Generalstabs am 29. August 1916 stieg Ludendorff zum General der Infanterie und als Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Hindenburgs zum eigentlichen Kopf der dritten Obersten Heeresleitung (OHL) auf. Als vermeintlich einzige Hoffnungsträger für einen Sieg hatten beide eine nahezu unangreifbare Machtstellung und übten eine faktische Militärdiktatur aus, neben der die Stellung des Kaisers als auch die des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921) verblasste. Aufgrund dieser Machtposition wurden Hindenburg und Ludendorff letztlich wesentlich mitverantwortlich für die militärische Niederlage des Deutschen Reichs.

Das von Hindenburg und Ludendorff durchgesetzte „Hilfsdienstgesetz“ vom Dezember 1916 sollte Massenstreiks verhindern und die Arbeiterschaft bei der Stange halten.

Eine der ersten entscheidenden Meinungs-verschiedenheiten Ludendorffs und Hindenburgs mit Bethmann Hollweg (1856-1921)  war die von letzterem aus Furcht vor einem daraus resultierenden Kriegseintritt der USA abgelehnte Eröffnung eines U-Boot-Krieges. Gegen den expliziten Widerstand des Reichskanzlers setzten die beiden Generäle den Eintritt in jenen als Antwort auf die britische Seeblockade durch. In der Folge traten jedoch die USA, wie von Bethmann Hollweg erwartet, öffentlich auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein.

Im Osten erstrebte Ludendorff sehr weitgehende Kriegsziele, die noch über das im Friedensvertrag von Brest –Litowsk (*) Erreichte hinausgingen; Ludendorff betrieb eine Abtrennung Estlands, Finnlands, Livlands und der Ukraine vom Russischen Reich und wollte die Armee bis Sankt Petersburg vorrücken lassen. Zur Destabilisierung der russischen Regierung ermöglichte er in einem versiegelten Zug die Durchreise einer Gruppe russischer Revolutionäre, darunter Lenin, aus der Schweiz über Deutschland nach Russland.

Neben militärstrategischen Fragen war Ludendorff besonders an der Rolle von Propaganda für die Kriegsführung interessiert, wie er sie vom britischen Crewe House realisiert sah.

Ludendorff beschränkte seine Propaganda-bemühungen nicht auf die traditionellen Medien. Er erkannte früh die Möglichkeiten des Films und richtete so am 13. Januar 1917 das Bild- und Filmamt (Bufa), eine Vorläuferorganisation der Ufa, ein. Die Aufgabe dieser Behörde bestand darin, auch im eigenen Land den Film für die psychologische Kriegführung nutzbar zu machen. Die Pläne des Generalstabs und insbesondere Ludendorffs gingen jedoch weit über die Einrichtung des Bufa hinaus. Ihm schwebte ein großer Filmkonzern vor, der – vom Staat gesteuert – den nationalen Interessen dienen sollte. Unter diesem Vorzeichen wurde die Universum-Film AG (Ufa) am 18. Dezember 1917 in Berlin als Zusammenschluss privater Filmfirmen gegründet, der jedoch zur Hälfte mit Reichsmitteln anfinanziert wurde. Das Startkapital der Firma, an der neben der Reichsregierung und dem Kriegsministerium auch die Deutsche Bank beteiligt war, betrug 7 Millionen Mark.

Die Macht Ludendorffs, des wahren Chefs der Dritten OHL, war immer mehr gestiegen, während der fügsame Hindenburg alles deckte und als Fassade für Ludendorffs diktatorischen Manipulationen diente. Die stille Diktatur der OHL war auch durch die Schwäche Kaiser Wilhelms (1859-1941) bedingt, der in den beiden letzten Kriegsjahren immer hilfloser agierte, was die Position der OHL stärkte. Eine offene Diktatur war für Ludendorff nachteilig, sie brauchte einen Kanzler als „Blitzableiter“, als „Sündenbock“ für die Fehler und Unzulänglichkeiten der deutschen Politik. Bethmanns Nachfolger Georg Michaelis /1857-1936) und Georg von Hertling (1857-1936) betrachteten sich selbst ganz bewusst nur als Ludendorffs Gehilfen an der Heimatfront. Die OHL unter Ludendorff hatte zeitweise die totale Autorität in allen Bereichen, sie war unter anderem für die Rücktritte von Bethmann Hollweg, Kriegsminister Adolf Wild von Hohenborn (1860-1925), Admiralstabschef Henning von Holtzendorff (1853-1919), Kabinettschef Rudolf von Valentini (1855-1925), Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873-1948) und Kanzler Michaelis verantwortlich.

Bereits ab Frühsommer 1917 entwickelte Ludendorff eine solche politische Aktivität, dass es fast schien, als hätte die OHL ein eigenes Außenministerium gebildet und der Generalstabschef unbegrenzt Zeit zur Bearbeitung politischer Fragen gehabt.

Bethmann Hollweg hätte sich notfalls mit einem Status quo-Frieden abgefunden, weil die „Selbstbehauptung“ gegen die stärkstmögliche Koalition in Europa als Erfolg zu werten sei. Für Ludendorff hätte der Status quo bedeutet, dass Deutschland den Krieg verloren hätte. Angesichts der steckengebliebenen Offensiven an der Westfront sprach sich Ludendorff am 29. September 1918 auf einem Zusammentreffen der Heeresleitung mit dem Kaiser in Spa für ein sofortiges Waffenstillstandsangebot an US-Präsidenten Woodrow Wilson (1856-1924)  und – aus taktischen Gründen – für eine Parlamentarisierung der Regierung aus. Die genauen Umstände dieses Sinneswandels sind bis heute strittig, aber unstrittigerweise gilt diese bisweilen als Affekthandlung bewertete Entscheidung als wichtigster Drehpunkt für die Einführung der Republik und die militärische Kapitulation. Zivile, insbesondere sozialdemokratische Politiker sollten damit die Verantwortung für die Beendigung des Krieges übernehmen; hierin lag der Keim für die Dolchstoßlegende.

Mit der Regierungsübernahme durch Maximilian von Baden (1867-1929) Anfang Oktober 1918 schwand Ludendorffs Einfluss auf die deutsche Politik rasch; alle folgenden Differenzen mit dem Reichskanzler wurden zugunsten des letzteren entschieden. Friedrich Graf von der Schulenburg (1865-1939)  nutzte die Tatsache, dass Ludendorff de facto die deutsche Kapitulation eingeleitet hatte, um ihn unter Druck zu setzen. Als Ludendorff Ende Oktober in eklatantem Widerspruch zu seinen vorherigen Schritten eine Fortsetzung des „Widerstands mit äußersten Kräften“ forderte, wurde er am 26. Oktober 1918 auf Geheiß des Reichskanzlers, formell jedoch auf eigenem Wunsch hin entlassen. Zu Beginn der Novemberrevolution floh er nach Schweden.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland spielte Ludendorff eine führende Rolle in den republikfeindlichen und chauvinistischen Kreisen der völkischen Bewegung und war sowohl am Kapp- als auch am Hitler-Ludendorff-Putsch aktiv beteiligt.

1923 versuchte Ludendorff gemeinsam mit Adolf Hitler (1889-1945) die Reichsregierung zu stürzen und die Macht an sich zu reißen. Hitler betrachtete zu dieser Zeit Ludendorff noch als Führer der rechtsradikalen Kräfte. Der Putschversuch schlug fehl; Ludendorff wurde im folgenden Prozess trotz des schwerwiegenden Belastungsmaterials auf Grund seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg freigesprochen. Das Verhältnis zu Hitler, der zur Festungshaft in Landsberg verurteilt wurde, verschlechterte sich Anfang 1924 zusehends, vor allem deshalb, da Hitler sich nun selbst zum Führer der Nationalsozialisten berufen sah. Er verachtete Hitler, dem er „Desertion“ am 9. November vorwarf. Ludendorff, der stark antiklerikale Ansichten vertrat, entfernte sich außerdem von Hitler aufgrund dessen pragmatischen Kurses im Verhältnis zur Katholischen Kirche. Hitler beschuldigte Ludendorff im Gegenzug, die völkische Bewegung mit der Deutschgläubigkeit zu spalten.

Ludendorff übernahm derweil gemeinsam mit Gregor Strasser (1892-1934) die Führung der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) (*), eine der völkischen Splittergruppen mit antisemitischem Leitmotiv, die das Erbe der nach dem Hitlerputsch vorübergehend verbotenen NSDAP antreten wollte.

Von 1924 bis 1928 saß er als Abgeordneter für die nach dem NSDAP-Verbot als Nationalsozialistische Freiheitspartei entstandene Listenverbindung von NSDAP und DVFP im Reichstag.

1925 ließ sich Ludendorff als Kandidat der Völkischen für die Wahl zum Reichspräsidenten nominieren. Hitler war zu diesem Zeitpunkt noch kein deutscher Staatsbürger und konnte so nicht selbst antreten; die Nationalsozialisten unterstützten indes stillschweigend Ludendorff im ersten Wahlgang, in dem er jedoch lediglich 1,1 Prozent der Stimmen erlangte. Nachdem Hitler, auf dessen Unterstützung er gerechnet hatte, seine Anhänger dazu aufgefordert hatte, für Hindenburg zu stimmen, trat Ludendorff im zweiten Wahlgang nicht mehr an.

Ludendorff zog sich nach diesem blamablen Ergebnis aus der Parteipolitik zurück. Das Scheitern seiner parteipolitischen Karriere erklärte er verschwörungs-theoretisch mit dem „Wirken überstaatlicher Mächte“. Damit waren der Jesuitenorden, die Freimaurerei, das Judentum und die kommunistische Internationale gemeint, die sich, so wähnte der immer paranoider werdende Ludendorff, zusammengetan hätten, um Deutschland zu demütigen und zu knechten. Ihr Ziel sei letztlich die Weltherrschaft. Zu diesem Zweck hätten sie unter anderem schon 1914 das Attentat von Sarajevo inszeniert, die russische Revolution, den Kriegseintritt der USA, die Novemberrevolution und den Versailler Vertrag. Dass die einzelnen Gruppierungen in dieser angeblichen Weltverschwörung einander zum Teil spinnefeind waren, hielt Ludendorff nicht davon ab, immer mehr „konspiratives Garn“ dieser Sorte zu spinnen.

Forum für diese Verschwörungstheorien bot ihm der politische Ziele verfolgende Tannenbergbund. Ursprünglich hatten Ludendorff und Konstantin Hierl (1875-1955) diese Organisation 1925 als Dachverband völkischer Kräfte gegründet, um kleinere Organisationen, aus anderen konservativen und rechtsnationalen Vereinen ausgestoßene Völkische und Reste der verbotenen NSDAP zu sammeln. Unter dem Einfluss von Ludendorffs zweiter Frau Mathilde entwickelte sich der Bund aber zu einer Gruppierung, in der zunehmend antichristliches Gedankengut vertreten und an die Stelle des Christentums die Philosophie Mathilde Ludendorffs (1877-1966)  gestellt wurde. In den späteren Veröffentlichungen des Tannenbergbundes konstruierte Ludendorff nicht nur weitere Verschwörungstheorien, sondern vermutete kabbalistische Hintergründe bei bestimmten Geschichtsdaten: Da die Ziffern 10 und 5 als kabbalistische Zahlwerte der ersten beiden Buchstaben des Gottesnamens JHWH den Juden heilig sind, müsse der nächste Weltkrieg, der von ihnen ausgelöst werden würde, am 1. Mai 1932 oder 1941 beginnen, denn die Zahlen 1932 und 1941 haben als Quersumme 15.

Die meisten völkischen Kräfte, insbesondere auch die meisten Nationalsozialisten, die ansonsten Verschwörungstheorien wie den Protokollen der Weisen von Zion(*) nicht abgeneigt waren, teilten die Ideen des ehemaligen Kampfgenossen jedoch nicht in vollem Umfang. Alfred Rosenberg (1893-1946)vermutete, der ehemalige Generalquartiermeister sei psychotisch geworden, während Joseph Goebbels (1897-1945) über Mathilde Ludendorff in seinem Tagebuch ätzte: „Diese Frau ist sein böser Geist“. Bereits am 5. Februar 1927 war ein Rundschreiben an alle Gauleitungen der NSDAP ergangen, das parteioffiziell feststellte:

„Exz. Ludendorff ist nicht Mitglied der N.S.D.A.P. und hat deshalb auf diese keinerlei Einfluß. Dasselbe gilt von den Exz. Ludendorff nahestehenden, im Tannenbergbund zusammengeschlossenen Wehrverbänden“.

1933 wurden der Tannenbergbund mit seinen angeschlossenen Organisationen und seine Zeitschrift Ludendorffs Volkswarte verboten. Nur die Zeitschrift Am heiligen Quell Deutscher Kraft durfte bis 1939 weiter erscheinen. Ebenso unangetastet blieb auch der von 1931 bis zu seiner letzten Veröffentlichung 1940 von seiner Frau Mathilde geführte Ludendorff-Verlag in München.

Im Laufe des Jahres 1928 begann Ludendorff auch Faschismus und Nationalsozialismus als Teil der „überstaatlichen Mächte“, von denen er sich verfolgt sah, und die er öffentlich scharf bekämpfte, zu betrachten. Da die Nationalsozialisten ihn als Helden des Weltkrieges und der „Kampfzeit“ verehrten, blieb das Ehepaar Ludendorff persönlich unbehelligt, nach Hindenburgs Tod 1934 versuchten sie sich mit ihm auszusöhnen und ihn als nationale Identifikationsfigur aufzubauen. Hitlers Angebot, ihn zum Generalfeldmarschall zu ernennen und ihm ein wertvolles Rittergut zu schenken, lehnte Ludendorff brüsk ab, da er von einem Gefreiten nicht den Feldmarschallstitel bekommen wollte. Schließlich kam es am 30. März 1937 zu einer Aussprache zwischen Hitler und Ludendorff, auf die Ludendorff nur unter der Bedingung eingegangen war, dass der Bund für Deutsche Gotterkenntnis wieder zugelassen würde. Dieser wurde als „Deutsche Gotterkenntnis (L)“ gleichberechtigt zu den christlichen als Religionsgemeinschaft staatlich zugelassen. Am 20. Dezember 1937 starb Ludendorff an einem Krebsleiden. Die nationalsozialistische Regierung ehrte ihn gegen seinen ausdrücklichen Willen und den seiner Ehefrau mit einem Staatsbegräbnis am 22. Dezember 1937 in München, beigesetzt wurde er am selben Tag auf dem Neuen Friedhof in Tutzing. Die dortige Gedenkstätte verfügt über das Ludendorff-Archiv.

 

Werke:

  • Meine Kriegserinnerungen 1914–1918. Berlin 1919, 1936.
  • Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916–1918. München 1922.
  • Kriegführung und Politik. Mittler, Berlin 1923.
  • Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse. , München 1927, 1940.
  • Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren. , München 1928, 1939.
  • Ludendorff, Erich, u. Mathilde Ludendorff Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende. Ludendorffs, München 1929, 1934.
  • Weltkrieg droht auf deutschem Boden. München 1930.
  • Mein militärischer Werdegang. Blätter der Erinnerung an unser stolzes Heer. , München 1933.
  • Eine Auswahl aus den militärischen Schriften. Leipzig 1935.
  • Der totale Krieg. , München 1935.
  • mit Mitarbeitern: Mathilde Ludendorff – ihr Werk und Wirken. Ludendorffs, München 1937.
  • Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9.11.1923. München 1937.
  • mit Mathilde Ludendorff Die Judenmacht, ihr Wesen und Ende. München 1939.
  • Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter deutscher Volksschöpfung. (Lebenserinnerungen, 3 Bände) München 1940.
  • Wie der Weltkrieg 1914 „gemacht“ wurde. München 1924.
  • Die Revolution von oben. Lorch 1926.
  • Gefesselte Arbeitskraft. Ludendorffs, München 1931.
  • Der Rettungsweg; Weg mit Goldwährung und Börse., Hamburg 1931.
  • Meine Kampfziele. München 1932.
  • Schändliche Geheimnisse der Hochgrade. München 1932.
  • Ludendorff, Erich, u. Mathilde Ludendorff Weihnachten im Lichte der Rasseerkenntnis. Ludendorffs, München 1933.
  • Das Marne-Drama. Der Fall Moltke-Hentsch. München 1934.
  • Des Volkes Schicksal in christlichen Bildwerken. München 1934.
  • „Tannenberg“. Zum 20. Jahrestag d. Schlacht. München 1934.
  • Die politischen Hintergründe des 9. November 1923. München 1934.
  • „Dirne Kriegsgeschichte“ vor dem Gericht des Weltkrieges., München 1934.
  • Deutsche Abwehr. Antisemitismus gegen Antigojismus. München 1934.
  • Über Unbotmäßigkeit im Kriege., München 1935.
  • Französische Fälschung meiner Denkschrift von 1912 über den drohenden Krieg., München 1935.
  • Judengeständnis: Völkerzerstörung durch Christentum. München 1936.
  • Erich Ludendorff und Mathilde Ludendorff Das große Entsetzen. Die Bibel nicht Gottes Wort. München 1936.
  • (Hrsg. + Autor) Abgeblitzt! Antworten auf Theologengestammel über „Das große Entsetzen“. München 1936
  • Tannenberg. Geschichtliche Wahrheit über die Schlacht. München 1939.
  • Feldherrnworte. Ludendorff, München 1938–40.
  • Ludendorffs Volkswarte , Wochenzeitung, erschienen 1929 bis zum Verbot 1933 in München
  • Am heiligen Quell Deutscher Kraft 1930 bis 1939, München

 

Lit:

  • Kronthal, Arthur: Die Posener Jugendjahre Erich Ludendorffs. In : Aus dem Ostlande 13 (1918) S.75-81
  • Buat, Edmond: Ludendorff. Lausanne 1920
  • Margarethe Ludendorff: Als ich Ludendorff’s Frau war. München 1929.
  • Karl Tschuppik: Ludendorff. Die Tragödie des Fachmanns. Wien und Leipzig 1931
  • Ludendorff und der drohende Weltkrieg. Das nat.-soz. Problem. Lorch 1931.
  • Kurt Fügner: General Ludendorff im Feuer vor Lüttich und an der Feldherrnhalle in München 1935.
  • Beckmann, Walter: Ludendorff als Mensch und Feldherr. Berlin 1935
  • Mathilde Ludendorff und Mitarbeiter: Erich Ludendorff – Sein Wesen und Schaffen., München 1938.
  • Löhde, Walter: Erich Ludendorffs Kindheit und Elternhaus. München 1938
  • Foerster, Wolfgang: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges. Wiesbaden 1952
  • Breucker, Wilhelm. Die Tragik Ludendorfs. Eine kritische Studie auf Grund persönlicher Erinnerungen an den General und seine Zeit. Stollhamm/Oldenburg 1953
  • Kaehler, Siegfrid August: Zur Beurteilung Ludendorffs im Sommer 1918. Göttingen 1953
  • Breucker, Wilhelm: Die Tragik Ludendorffs. Eine kritische Studie auf Grund persönlicher Erinnerungen an den General und seine Zeit. Stollhamm 1953
  • Gert Borst: Die Ludendorff-Bewegung 1919–1961. Eine Analyse monologer Kommunikationsformen in der sozialen Zeitkommunikation. (phil. Diss. 1967) München 1969 [Auswertung des Nachlasses des Tannenbergbund-Führers Herbert Frank]
  • Hans Buchheim: Die organisatorische Entwicklung der Ludendorff-Bewegung und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. In: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. 1. Band, Mü-SV 1958, S. 356–370
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.707
  • Weber, Hellmuth: Ludendorff und die Monopole. Deutsche Kriegspolitik 1916-1918. Berlin 1966 (= Schriften des Instituts für Geschichte, Reihe 1, 28)
  • Baumgart, Winfried: Ludendorff und das Auswärtige Amt  zur Besetzung der Krim 1918. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 14 (1966) S.529-538
  • Biese, Franz: Ludendorff wie er wirklich war. Pahl 1968
  • Goodspeech, Donald J.: Ludendorff. Soldat, Diktator, Revolutionär. Gütersloh 1968
  • Frentz, Hans : Der unbekannte Ludendorff. Der Feldherr in seiner Umwelt und Epoche. Wiesbaden 1972
  • James Cavallie: Ludendorff und Kapp in Schweden. Aus dem Leben zweier Verlierer. Frankfurt am Main 1995
  • Hans Frentz: Der unbekannte Ludendorff. Wiesbaden 1972
  • Wolfgang Förster: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges. Wiesbaden 1952
  • Konrad Fuchs: Erich Ludendorff. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Herzberg 1998, , Sp. 1191–1195.
  • Donald J. Goodspeed: Ludendorff. London 1966; dt. unter dem Titel Ludendorff. Soldat, Diktator, Revolutionär. Gütersloh 1968
  • Bruno Thoss: Der Ludendorff-Kreis. 1919–1923. München 1978
  • Venohr, Wolfgang: Erich Ludendorff.In : Sebastian Haffner/Wolfgang Venohr: Preußische Profile. Königstein/Taunus 1980 S.173-199
  • Bebenburg, Franz von (Hrsg.): Ludendorff. Studie eines Revolutionärs. Pähl 1985
  • Biewer, Ludwig: Erich Ludendorff. In : Ostdeutsche Gedenktage 1987. Bonn 1986. S.198-201
  • Bruno Thoß: Ludendorff, Erich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15. Berlin 1987, S. 285–290.
  • Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik.Hrsg. von Wolfgang Benz und Hermann Graml. München 1988 S.212-213
  • Weißbecker, M.: Ludendorff, Erich v. In : Biographien zur deutschen Geschichte von den Anfängen bis 1945. Berlin 1991. S. 320/321
  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Hrsg. Von Martin Schumacher. Düsseldorf ²1992 S.375
  • Venohr, Wolfgang: Ludendorff. Legende und Wirklichkeit. Frankfurt/Main 1993
  • Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. Frankfurt/Main 1998 S.306- 308
  • Lothar Gruchmann: Ludendorffs „prophetischer“ Brief an Hindenburg vom Januar/Februar 1933. Eine Legende. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 47, 1999, S. 559–562
  • Kroener, Bernhard R.: Ludendorff, Erich. In : Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 6. München 2001. S.494
  • Chickering, Roger: „Ludendorffs letzter Krieg“. In : Rainer Herin (Hrsg.): Lebendige Sozialgeschichte. Gedenkschrift für Peter Browsky. Wiesbaden 2003 S.261-277
  • Markus Pöhlmann: Der moderne Alexander im Maschinenkrieg. In: Stig Förster (Hrsg.): Kriegsherren der Weltgeschichte. 22 historische Porträts. München 2006, S. 268–286
  • Amm, Bettina: Die Ludendorff- Bewegung. Vom nationalsozialistischen Kampfbund zur völkischen Weltanschauungssekte. Hamburg 2006
  • Andreas Schwab: Vom totalen Krieg zur deutschen Gotterkenntnis. Die Weltanschauung Erich Ludendorffs. In: Schriftenreihe der Eidgenössischen Militärbibliothek und des Historischen Dienstes. Nr. 17, Bern 2005
  • Wegehaupt, Phillip: Ludendorf, Erich. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus.Bd. 2. Berlin 2009
  • Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. München 2010
  • Uhle-Wettler, Franz: Erich Ludendorff. Soldat-Feldherr-Revolutionär. Graz ³“2013

(*)Der Schlieffen-Plan war ein strategisch-operativer Plan des Großen Generalstabs im Deutschen Kaiserreich der auf eine Denkschrift zurückgeht. Er wurde nach ihrem Autor Alfred Graf von Schlieffen benannt und bildete eine Grundlage der deutschen Operationen zu Beginn des Ersten Weltkrieges.

Die 1905 entwickelte Denkschrift sah für den Fall eines möglichen Zweifrontenkrieges vor, zunächst die Masse des deutschen Heeres im Westen gegen Frankreich einzusetzen, mit dem Nordflügel die französischen Befestigungen zu umgehen und das französische Heer entscheidend im Rücken zu fassen. Nach einem Sieg über Frankreich innerhalb weniger Wochen sollten die deutschen Truppen nach Osten verlegt werden, um gegen Russland vorzugehen. Schlieffens Absicht war, auf diese Weise den Krieg gegen Frankreich und Russland in zwei aufeinander folgende Feldzüge aufzuteilen.

Die Umsetzung entsprechender Planungen im Ersten Weltkrieg 1914 scheiterte, weil sich die dem Plan zugrunde liegende politische und militärische Ausgangslage inzwischen weiter zu Ungunsten Deutschlands verändert hatte. Der deutsche Angriff auf das neutrale Belgien, das dem Durchmarsch deutscher Truppen nach Frankreich nicht zugestimmt hatte, war Anlass für den Kriegseintritt Großbritanniens.

(*)Ober Ost ist die Kurzbezeichnung für das Gebiet des Oberbefehlshabers der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten während des Ersten Weltkrieges. Das Gebiet des Oberbefehlshabers erstreckte sich mit einer Fläche von rund 108.808 qkm über Kurland, das Gebiet des heutigen Litauens, einige damals noch überwiegend litauische, jetzt polnische Distrikte wie Augustow und Suwalki und die westlichen Distrikte Weißrusslands.

(*)Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde im Ersten Weltkrieg zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Er wurde nach längeren Verhandlungen am 3. März 1918 in Brest-Litowsk unterzeichnet. Damit schied Sowjetrussland als Kriegsteilnehmer aus.

Bei dem Friedensschluss konnte vor allem die deutsche Oberste Heeresleitung ihre Vorstellungen hinsichtlich einer territorialen Neugliederung der ehemals russischen Gebiete durchsetzen. Die Regierung der Bolschewiki unterzeichnete den Vertrag angesichts der deutschen militärischen Drohung unter Protest, weil sie fürchtete, ansonsten den Erfolg der  Oktoberrevolution zu gefährden.

(*)Die Deutschvölkische Freiheitspartei (Kurzbezeichnung DVFP, zeitgenössisch auch DFP) war eine radikal völkische Partei in der Weimarer Republik. Die Partei propagierte mit einem radikal rassistischen, antikommunistischen und antisemitischen Programm eine völkische Diktatur. Die DVFP entstand im Dezember 1922 als Abspaltung der Deutschnationale Volkspartei (DNVP). 1923 wurde die wahrscheinlich an Putschplänen beteiligte Partei vorübergehend verboten. 1924 ging die DVFP eine Listenvereinigung mit Ersatzorganisationen der seinerzeit verbotenen NSDAP ein, die Anfang 1925 zerbrach. Im Konkurrenzkampf mit der NSDAP war die ab 1925 als Deutschvölkische Freiheitsbewegung (DVFB) auftretende Partei bald unterlegen und versank spätestens 1928 in der Bedeutungslosigkeit.

(*)Die Protokolle der Weisen von Zion sind ein auf Fälschungen beruhendes antisemitisches Pamphlet. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von unbekannten Redakteuren auf der Grundlage mehrerer fiktionaler Texte erstellt und gilt als einflussreiche Programmschrift antisemitischen Verschwörungsdenkens. Die Protokolle geben vor, geheime Dokumente eines Treffens von jüdischen Weltverschwörern zu sein.

Lit.: Benz Wolfgang: Die Protokolle der Weisen von Zion Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung. München 2003.

 

Ludewig, Friedrich Max

* 31. August 1852 in Schneidemühl; † Oktober 1920

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Marienburg und Berlin studierte Ludewig Rechtswissenschaften an den Universitäten Leipzig und Berlin. Im Anschluss an eine längere Tätigkeit als Kammergerichtsreferendar und die Promotion zum Dr. jur. erlangte Ludewig 1880 die Befähigung zum Richteramt. Er arbeitete nun als Syndikus und Rechtsanwalt in Aachen und später in Erfurt, wo er als Stadtverordneter der Erfurter Stadtverordnetenversammlung sein erstes politisches Amt übernahm.

Während des Kaiserreiches wurde Ludewig Mitglied des Provinziallandtages der Provinz Sachsen und von 1913 bis 1918 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Erfurt Stadt und Land.

Am Ersten Weltkrieg nahm Ludewig von 1914 bis 1917 als Hauptmann der Landwehr teil.

Von Januar 1919 bis Juni 1920 saß Ludwig als Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) für den Wahlkreis 36 (Thüringen) in der Weimarer Nationalversammlung.

Ludwig war zudem als Syndikus und Vorstandsmitglied im privaten Feuerversicherungswesen tätig und gehörte dem Versicherungsbeirat beim Aufsichtsamt für Privatversicherung seit dessen Gründung an.

Lit.:

  • Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf . 1988, S. 255 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien: Bd. 3)
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.

 

Lukomski, Joseph von

*12. Feb.1839 in Parussewo/Krs. Wreschen

Studium der Rechte in Berlin und Breslau. Landwirt. Rittergut in Conice/Krs. Wreschen. Landschaftsdeputierter.

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.

 

 

Machowicz, Anton

*16.Jan.1864 in Schmiegel, + nach 1931

 

Kommunalpolitiker Berlin, Unternehmer

Stadtältester (21.Mai 1924)

 

 

Maier, Adolf

* 11. Mai 1871 in Tremessen; † 17. Oktober 1963 in Oberstdorf

Nach dem Jurastudium und der Promotion zum Dr. jur. war er als Gerichtsassessor tätig. In der Zeit von 1910 bis 1919 war er Bürgermeister von Charlottenburg.

Während der Zeit der Weimarer Republik gehörte er der DDP an.

Adolf Maier wurde nach dem Rücktritt Friedrich Wilhelm von Loebells (1855-1931) , den dieser aus Protest gegen die revolutionären Veränderungen in Preußen  im März 1919 vor dem Provinziallandtag erklärte, von der preußischen Staatsregierung zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt. Vom April 1919 bis zu seiner Ablösung durch einen NSDAP-Mann am 25. März 1933 blieb er in diesem Amt.

 

Literatur

  • Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy, Brandenburgische Geschichte. Berlin 1995.
  • vgl. Horst Möller: ’’Die preußischen Oberpräsidenten der Weimarer Republik als Verwaltungselite’’, in: Klaus Schwabe: ’’Die preußischen Oberpräsidenten 1815 – 1945’’, Boppard 1985, S. 198, Anm. 35

 

 

Magdzinski, Theophil (pl.: Teofil Magdziński)

* 13. Oktober 1818 in Samter; † 04.Feb.1889 in Bromberg

Er besuchte das Gymnasium in Posen und studierte danach in Breslau, Berlin und Leipzig Rechts- und Staatswissenschaften. Anschließend trat er als Referendar in den preußischen Justizdienst ein. Im Jahr 1846 war er am polnischen Aufstand beteiligt. Nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst unter-nahm er bis 1849 ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Österreich, der Schweiz und in andere Länder. Danach war er Gutsbesitzer. Er lebte längere Zeit im (russischen) Königreich Polen,  ehe er seit 1865 Rentner in Bromberg war.

Er gehörte zahlreichen wissenschaftlichen und anderen Vereinen an. Magdzinski war auch Mitglied des Aufsichtsrates der Bromberger Gewerbebank. Er war einer der Führer der polnischen Nationalbewegung in Bromberg.

Dem preußischen Abgeordnetenhaus gehörte er von 1872 bis 1889 an. Mitglied des Reichstages, zeitweise als Vorsitzender der polnischen Fraktion, war er von 1877 bis 1889.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 394
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1996 S.25

 

 

 

Maaß, Hermann

 

* 23. Oktober 1897 in Bromberg; † 20. Oktober 1944  in Berlin-Plötzensee)

.

Hermann Maaß wurde als Sohn eines Bahnbeamten in Bromberg (Provinz Posen) geboren. Nach dem Abitur nahm er am Ersten Weltkrieg teil, in dem er 1918 schwer verwundet wurde. Maaß studierte anschließend an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Philosophie, Psychologie und Soziologie. 1924 wurde er Geschäftsführer des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen.

Ein Angebot der Harvard-Universität, in den USA einen neuen Wirkungskreis zu finden, lehnte M. ab, weil er in Deutschland bleiben wollte.

In den folgenden Jahren war er Mitarbeiter und Geschäftspartner von Wilhelm Leuschner (1890-1944).Er baute gewerkschaftsnahe Widerstandsgruppen auf und unterhielt Kontakte zum Kreisauer Kreis. Aufgrund dieser Kontakte – auch mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) hatte er sich getroffen – wurde er am 8. August 1944 verhaftet.

Am 20. Oktober 1944 wurde er zusammen mit Julius Leber (1891-1944) und Adolf Reichwein (1898-1944) vom Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler (1893-1945) zum Tode verurteilt und noch am selben Tage im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee erhängt.

 

In unmittelbarer Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee wurde 1980 in Berlin-Moabit eine Brücke der Seestraße über den Verbindungskanal zum Westhafen nach Hermann Maaß benannt.

 

Literatur

  • Hermann Maass. In: Leber, Annelore: Das Gewissen entscheidet. Berlin/Frankfurt 1957 S.64-66
  • Sigrid Grabner, Hendrik Röder: Im Geist bleibe ich bei Euch – Texte und Dokumente zu Hermann Maaß. Berlin.2003.
  • Einzigartig – Dozenten, Studierende und Repräsentanten der Deutschen Hochschule für Politik (1920–1933) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin 2008, S. 320–323.

 

 

Maltzahn, Gustav Robert von

* 20.Okt. 1897 in Filehne, + 13.Aug.1882 in Karlsbad

Sein Vater war Offizier und Postmeister. Er studierte zwischen 1825 und 1831 Rechtswissenschaften  in Berlin. Anschließend trat er in den preußischen Justizdienst ein. Zwischen 1836 und 1845 war er Oberlandesgerichtsassessor in Landsberg an der Warthe und ab 1840 in Frankfurt an der Oder. Zwischen 1845 und 1848 war er zunächst kommissarischer Landgerichtsdirektor und danach bis 1856 Land- und Stadtgerichtsdirektor in Küstrin. Danach war er Kreisgerichtsdirektor in Bromberg und ab 1863 in Frankfurt an der Oder.

Danach war er von 1878 bis 1882 Landgerichtspräsident in Frankfurt an der Oder.

Seit 1878 trug er den Titel eines Geheimen Justizrates.

Seit dem 18. Mai 1848 bis zum 16. April 1849 war er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Er vertrat den Wahlkreis Königsberg in Brandenburg. Er war zunächst Mitglied der Casinofraktion (*)  und später der Fraktion Landsberg. Er war vom 3. Oktober 1848 und dem 16. April 1849 Schriftführer der Nationalversammlung. Er wählte Friedrich Wilhelm IV  zum Kaiser der Deutschen mit.

Mitglied des Volkshauses des Deutschen Parlaments 1850.

 

  • Lit.:
  • NDB,15. S.643
  • Best, Heinrich/Weege, Wilhelm : Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998 S.227
  • Lengemann, Jochen: Das Deutsche Parlament (Erfurter Unionparlament) von 1850. München, Jena 2000 S.209

 

(*)Casino war die Bezeichnung einer seit dem 25. Juni 1848 bestehenden politischen Fraktion der rechten Mitte in der Frankfurter Nationalversammlung.

Wie bei den meisten Fraktionen der Nationalversammlung bezieht sich der Name auf den üblichen Versammlungsort der Fraktionsangehörigen in Frankfurt am Main. Man kam nach den ersten Anfängen im Großen Hirschgraben in den exklusiven Räumlichkeiten der Frankfurter Casinogesellschaft im Gebäude Roßmarkt 10 zusammen, wo sich sonst seit 1802 ein großer Teil der politischen Elite Frankfurts traf.

So wie auch die Einberufung der Nationalversammlung wesentlich auf Vorarbeiten von zum Casino zählenden Personen zurückgeht, vor allem die Paulskirchenverfassung, wesentlich von Vertretern der Casino-Fraktion bestimmt. Die Casino-Fraktion war in der Frankfurter Paulskirche die größte und einflussreichste Fraktion. Im Oktober 1848 gehörten ihr 122 Abgeordnete an, in der gesamten Tagungszeit der Nationalversammlung zählte die Fraktion insgesamt über 200 Mitglieder.

 

 

Mankowski,  Napoleon Xaver von

 

* 13. August 1836 in Posen; † 13. September 1888 in Görbersdorf; polnisch: Napoleon Ksawery Mańkowski

 

Mankowski war Graf und Rittergutsbesitzer in Rudki bei Samter. Von 1871 bis 1874 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für die Polnische Fraktion und für den Wahlkreis Posen 7 (Schrimm-Schroda)

 

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 59
  • Schwarz, Max: Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.396
  • Polski słownik biograficzny. Band 19, Polska Akademja Umietętności, Kraków [u. a.] 1974
  • Michał Czajka, Marcin Kamler, Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Warszawa 1995

 

Manthey, Arno

* 06. Sept. 1888  in Schubin; † 12. September 1941 an der Straße von Salla nach Alakurtti,Finnland)

Manthey erlernte den Beruf des Landwirts. 1911 übernahm er den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters, 1912 ein Hotel in Schubin. Von 1914 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil, in dem er den Dienstrang eines Offiziers erreichte.

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg organisierte Manthey im Januar 1919 einen Kampfverband, der im Gebiet Schubin  − Bromberg auf das zu dieser Zeit das Deutsche Reich und der neugegründete polnische Staat gleichermaßen Ansprüche erhoben − gegen ähnliche Gruppen aus Polen  kämpfte. Ende der 1920er Jahre stieß Manthey zur NSDAP und wurde im November 1933 Abgeordneter des Reichstags, in dem er den Wahlkreis 5 (Frankfurt/Oder)  vertrat. Daneben gehörte er dem Provinziallandtag der Provinz Brandenburg an. Ferner war Manthey Führer der SA-Gruppe Ostmark.

Literatur

  • Lilla,Joachim: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945.Düsseldorf 2004.
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war Was im Dritten Reich?, Kiel 1985.

 

 

Manzke, Ernst

 

*30.Juli 1878 in Gnesen; + 22.Sept.1952 in Saalfeld/Thüringen

 

Manzke besuchte von 1885 bis 1893 die Vor- und Knabenschule in Neutomischel in Posen. Von 1893 bis 1895 absolvierte Manzke eine Bauschlosserlehre in Neutomischel und Schlawe (Pommern). Von 1901 bis 1902 studierte Manzke Maschinenbau am Technikum Mittweida in Sachsen. 1902 legte er die Ingenieurprüfung ab. Anschließend arbeitete er als Techniker in einer Maschinenfabrik in Bielefeld. Später war er als Techniker und Ingenieur in Maschinen-fabriken in Schwiebus, Rössel, Fraustadt und Freystadt  in Niederschlesien ab. 1910 gründete er eine Reparaturwerkstatt für Landmaschinen und Geräte. 1913 legte er die Schlossermeisterprüfung in Glogau ab.

1919 trat Manzke in die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ein. Bei der Reichstagswahl vom Mai 1924 wurde er als Kandidat der DNVP für den Wahlkreis 8 (Liegnitz) in den Reichstag gewählt. Daneben war er erster Bezirksvorsitzender des Deutschen Handwerkerbundes Berlin-Friedenau e.V. in Niederschlesien, Mitglied des Kreis- und des Provinziallandtages, Obermeister der Schlosser- und Schmiedeinnung zu Freystadt.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.710
  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Hrsg. von Martin Schumacher. Düsseldorf ² 1992. S.385

 

 

Martini, Emil

*21. Mai 1854 in Ludom(Krs. Obornik)

Landwirtschaftliche Ausbildung.1886 Übernahme des väterlichen Gutes in Dembowo bei Sadke /Bez. Bromberg.

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen1867-1933. Düsseldorf 1995 S.262

 

 

Marx, Werner

 

* 12. Mai 1916 in Jarotschin, +

 

Der Sohn eines Lokomotivführers erlernte von 1932 bis 1934 den Beruf eines Gärtners. Nach Kriegsende und Gefangenschaft verpflichtete er sich 1945 zur Deutschen Volkspolizei. Ab 1947 pachtete er einen landwirtschaftlichen Betrieb in Berlin-Alt Glienicke.

1954 trat er der „ Demokratischen Bauernpartei Deutschlands“ (DBD) (*) bei, die er als Stadtverordneter von 1954 bis 1958 in Ost-Berlin vertrat.

Seit 1958 war er 1. Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Thomas Müntzer in Berlin-Alt Glienicke. Von 1954 bis 1958 war M. Mitglied der Länderkammer der DDR.

 

Lit:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik.3. Wahlperiode. Berlin 1959 S.451
  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Bonn/Berlin 1961 S.223

 

(*)Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) wurde im April 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone auf Initiative der SMAD gegründet. Gründungszentrum war Mecklenburg. In der Landeshauptstadt Schwerin fand am 29. April 1948 die Gründungskonferenz der Bauernpartei Mecklenburgs statt. Den Auftrag zur Gründung erhielt das SED—Mitglied Ernst Goldenbaum der ihr 1. Vorsitzender wurde und bis 1982 blieb. Ziel war es, die Landwirte für den „Aufbau des Sozialismus“ zu gewinnen. Sie war damit eine der vier Blockparteien in der DDR und propagierte in wesentlichen Punkten die SED-Linie. Zunächst gab sie vor, die Interessen der Neu-, Klein- und Mittelbauern zu vertreten, in den 1950er Jahren diente sie aber vor allem zur Durchsetzung der Kollektivierung in der Landwirtschaft der DDR.

 

Massenbach, Freiherr Adolf von

*23. Aug.1868  in Fraustadt; + 1947

Adolf von Massenbach legte 1887 in Züllichau die Abiturprüfung ab. Anschließend studierte er in Göttingen und Berlin Rechtswissenschaften. 1891 wurde er zum Dr. jur. promoviert. Nach Referendar- und Assessorexamen sowie dem Militärdienst beim Kürassierregiment von Seydlitz Nr. 7 in Magdeburg wurde er 1901 Landrat in Wreschen. 1908 wurde er zum Vortragenden Rat in das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten berufen. 1916 erfolgte seine Ernennung zum Direktor und Abteilungsleiter im Kriegsernährungsamt. 1917 wurde er Regierungspräsident in Potsdam. Aus dem Amt schied er 1919 auf eigenen Wunsch aus.

Er wurde Generaldirektor der Graf von Arnim’schen Waldgutstiftung und zugleich Generalbevollmächtigter des Grafen von Arnim-Muskau. Er war Aufsichtsratsmitglied des Ostelbischen Braunkohlensyndikats GmbH.

  • Auszeichnungen
  • 1908 Ernennung zum Geheimen Regierungsrat
  • 1913 Ernennung zum Geheimen Oberregierungsrat
  • Ritter des Johanniterordens
  • Ritter des Königlichen Preußischen Kronenordens
  • Eisernes Kreuz II. Klasse
  • Literatur
  • Massenbach, Adolf, Friedrich, Albrecht, Heinrich, Freiherr von in Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft – Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Zweiter Band, S. 1203.Berlin 1931

 

 

Massenbach , Christian Freiherr von

*07. Dez. 1832 in Pinne als Christian Julius Albert Karl; †25. Sept.1904 in Konin

Er wirkte von 1862 bis 1870 als Landrat im Kreis Samter und von 1870 bis 1875 als Landrat im Kreis Posen. Im Jahr 1881 ernannte man Massenbach zum Regierungspräsidenten im Regierungsbezirk Marienwerder, wo er bis 1890 im Amt blieb.

Massenbach war auch Mitglied im Preußischen Staatsrat.

Literatur:

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I, Teilband 4, Heidelberg 2000, S. 42–43.

 

Menger, Alfred

*12. Okt. 1901 in Bromberg; † 31.Juli 1979 in Berlin

Menger besuchte nach der Übersiedlung der Familie nach Berlin im Stadtteil Schöneberg die Fichte-Realschule. Anschließend belegte er mehrere Semester in der Wirtschaftshochschule. 1927 fand er Anstellung als Industriekaufmann bei den Siemens-Schuckertwerken. Als er 1931 aus wirtschaftlichen Gründen entlassen wurde, eröffnete er eine Leihbücherei in der Neuköllner Weserstraße 83, unweit des Hermannplatzes

Menger bewegte sich seit seiner Jugend im Umfeld der SAJ beziehungsweise der SPD, trat der Partei jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Mitglied bei. Gewerkschaftlich war er im Zentralverband der Angestellten engagiert. Im Sommer 1933 trat Menger in Kontakt zum „Roten Stoßtrupp“(*) und Proletarischer Pressedienst, womöglich war er Verbindungsmann zwischen beiden Widerstandsgruppen. Für den Roten Stoßtrupp legte er dessen gleichnamige Widerstandsschrift in seiner Leihbücherei zwischen die Bücher und fungierte zudem als Großverteiler in Berlin-Britz und Neukölln.

Am 17. Oktober 1933 wurde er festgenommen und auf dem Polizeipräsidium am Alexanderplatz verhört. Laut eigener Aussage misshandelte man ihn dort schwer. Nach nur neun Tagen entließ man ihn wieder aus der Polizeihaft – wie er selbst vermutete, um ihn als „Köder“ zur Enttarnung weiterer Widerstandskämpfer zu benutzen. Anfang Februar 1934 wurde Menger in Schutzhaft genommen und nachdem man ihn erneut kurzzeitig freigesetzt hatte, in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit gebracht. Bereits am 12. Februar 1934 erfolgte die Anklageerhebung gegen ihn und 25 weitere Mitglieder des Roten Stoßtrupps vor dem Kammergericht Berlin. Laut der Anklageschrift befand Menger sich erst ab dem 28. Februar 1934 offiziell in Untersuchungshaft, seine vorherige Haftzeit wäre demnach willkürlich gewesen.

Am 24. Mai 1934 wurde er im Hochverratsverfahren gegen „Bruno Senftleben und andere“ zu zwei Jahren Zuchthaus unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Seine Haftzeit verbrachte er in Berlin-Plötzensee und Brandenburg-Görden. Ein Gnadenersuchen vom 28. Oktober 1934 wurde abgelehnt, sodass Menger am 24. März 1936 aus der Haft entlassen wurde.

In den kommenden Jahren musste er sich mehrfach Untersuchungen und Verhören unterziehen. Er trat in die Deutsche Arbeitsfront  ein und erhielt durch Vermittlung des Arbeitsamtes eine Anstellung bei der Deutschen Benzinuhren GmbH (DBU). Die DBU wurde damals als Rüstungsbetrieb eingestuft und produzierte unter anderem Flugzeugteile. Diese Beschäftigung kam offensichtlich nur zustande, da man bei Mengers neuem Arbeitgeber von seinen vorhergehenden Inhaftierungen nichts wusste. Er wurde zur Elsässischen Armaturenfabrik GmbH in St. Ludwig versetzt, musste jedoch 1942 von dort nach Berlin zurückkehren, da zwischenzeitlich seine Verurteilung öffentlich geworden war und man ihn als „Agitationskommunisten“ nicht mehr für tragbar erachtete.

Am 26. Juni 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und bei der Luftwaffe zum Kraftfahrer ausgebildet, anschließend bei den Fallschirmjägern auf dem Flughafen Marienborn in der Schreibstube eingesetzt. Auf diesem Posten blieb er bis zum Kriegsende.

Nach der Befreiung eröffnete er die Buchhandlung Menger in der Berliner Straße (heute Tempelhofer Damm).

Menger wurde als Opfer des Faschismus und später auch als politisch Verfolgter des Naziregimes anerkannt. Im Juli 1945 trat er in die SPD ein. Er gehörte von 1946 bis 1971 der Tempelhofer Bezirksverordnetenversammlung an. Dort war er mehrere Jahre SPD-Fraktionsvorsitzender und Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung. 1970 erhielt Menger das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse für seine Verdienste beim Aufbau Berlin-Tempelhofs. Zwei Jahre später wurde er zum Stadtältesten von Berlin ernannt.

  • Literatur
  • Küstermeier, Rudolf: Der Rote Stoßtrupp. Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 1982..
  • Dennis Egginger: Der Rote Stoßtrupp. In: Hans Coppi, Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter. . Berlin 2012. S. 91–106.
  • Sandvoß, Hans -Rainer: Die „andere“ Reichshauptstadt. Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945. Berlin 2007 (S. 76–84).
  • Sandvoß, Hans Rainer: Widerstand in Kreuzberg. Band 10 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin 1933 bis 1945. Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 1997. S. 53.
  • Ders.: Widerstand in Neukölln. Band 4 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin 1933 bis 1945. Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 1990. S. 58.
  • Mielke, Siegfried: (Hrsg.) unter Mitarbeit von Marion Goers, Stefan Heinz, Matthias Oden, Sebastian Bödecker: Einzigartig – Dozenten, Studierende und Repräsentanten der Deutschen Hochschule für Politik (1920–1933) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin 2008. S. 144–189.

 

(*)Der Rote Stoßtrupp war eine sozialistische Widerstandsgruppe im Nationalsozialismus.

Sie bestand aus Arbeitern, Studenten und Angestellten, die im Wesentlichen vom linken Flügel der Sozialdemokratie kamen und die wenig kämpferische Politik der Parteiführung kritisierten und eine Einheitsfront jenseits der großen Parteien der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus aufbauen wollte.

Er gab im wöchentlichen Rhythmus eine gleichnamige Zeitschrift, von welcher insgesamt mehrere 10.000 Exemplare verbreitet wurden, heraus und schickte diese in fast alle Teile des Dritten Reiches. Der Rote Stoßtrupp setzte sich für die politisch Verfolgten ein, gewährte ihnen Unterschlupf und versorgte sie mit gefälschten Papieren, um ihnen das Entkommen über die Grenze zu ermöglichen.

Außerdem sammelte er für die Familien politisch Gefangener oder Hingerichteter und verfälschte oder entfernte Plakate des NS-Regimes. Der Rote Stoßtrupp strebte eine enge Zusammenarbeit aller antinationalistischen Kräfte gegen das Nazi-Regime an. Eine enge organisatorische Zusammenarbeit gab es mit dem Berliner Büro der Quäker, wo sich der Vervielfältigungsapparat der Gruppe befand. Nahezu die gesamte Leitung der illegalen Organisation bestand aus ehemaligen Studenten und Dozenten der Deutschen Hochschule für Politik. Ende November 1933 kam die Gestapo der Organisation auf die Spur, verhaftete 240 Mitglieder und zerschlug die zentralen Koordinationsstrukturen

 

 

Metzig, Johann Christan Heinrich

*20. Mai 1804 in Schwerin/Warthe, + 01. Okt. 1868 in

 

Am 19. Jan.1816 verstarb der Vater mit 44 Jahren und obwohl die Witwe mit ihren 5 Kindern eine Pension erhielt, befand sie sich wirtschaftlich in Nöten.

Sie zog nach Berlin, wo ihr Vater Adjutant am Invalidenhaus war- hier erhielt die Familie mietfreien Wohnraum und durch Stickereien ernährte sie sich und ihre Kinder.

J.M. besuchte das Gymnasium und ab 1822 setzte er eine Ausbildung am Friedrich-Wilhelm –Institut –der militärärztlichen Bildungsanstalt-fort.

Promotion 1826 zum Dr. med., wurde er als Kompaniearzt dem 19. Infanterieregiment zugeteilt, um 1829 –auf eigenen Antrag- zu dem Gardeschützenbataillon nach Berlin versetzt zu werden, wo er seine Staatsprüfung bestand.

Ab 1831 war er als Arzt in Stralkow an der preußisch-russischen Grenze tätig. Hier heiratete er und diese Eheschließung brachte ihn mit polnischen Kreisen in Verbindung.

Ende 1831 wurde er  als Bataillonsarzt an das 1. Bataillon des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 19 nach Lissa versetzt.

Er arbeitete Vorschläge zur Reform des preußischen Medizinalwesens aus, wofür er 1837 mit dem „Roten Adlerorden“ ausgezeichnet wurde.

Als Polenfreund  trat er erstmals 1848 nach der Niederwerfung des polnischen Auf-tandes öffentlich in Erscheinung. Im Mai 1848 gab er seine erste politische Schrift heraus: „Friede sei mit Euch! Liebet Euch untereinander! Worte der Versöhnung an die Bewohner des Großherzogthums Posen“. Schon diese erste politische Schrift Ms stellte als fernes Ziel die Wiederherstellung Polens auf.

R erbat- da seine Sympathien für Polen negative Reaktionen hervorrief- seine Entfernung aus dem Staatsdienst und war dann als Privatarzt in Lissa tätig.

N den Jahren 1848/49 veröffentlichte er fünf weitre Schriften, die in der Forderung gipfelten, dass durch die Reorganisation der Provinz Posen die Wiederherstellung Polens als Staat nicht vereitelt werden dürft.

Im September 1849 erfolgte die Wahl Ms in die Lissaer Stadtverordnetenversammlung.

Zuvor war er für die im Sommer 1849 stattfindenden Neuwahlen zum preußischen Landtag seitens polnischer Kreise als Kandidat in Aussicht genommen worden, ohne jedoch schließlich als solcher aufgestellt zu werden.

Nov. 1861: Kandidatur im WK Lissa für den preußischen Landtag.

Nach der Auflösung des Abgeordnetenhauses am 28. Okt.1863 stattgefundenen Neuwahl wurde M. durch die Stimmen der Polen zum Abgeordneten des WK Fraustadt-Kröben gewählt.

1865 legte er sein Mandat nieder und nahm seine ärztliche Praxis wieder auf.

 

Lit.:

  • Bickerich, W.: Johann  Metzig, ein deutscher Idealist im Posener Lande. In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen 7 (1926) S.80-111

 

Micke, Otto

* 06. Juli 1879 in  Bromberg; Sterbejahr keine Angabe; Sterbeort keine Angabe

 

Buchdrucker, Lehre von 1893-1897

Buchdrucker in Eisenach von 1906-1924

MdL: Landtag Thüringen 1921-1924,
Landtag Sachsen-Weimar 1919-1920

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867 -1933. Düsseldorf 1995 S.618

 

 

Brudzewo-Mielzynski, Mathias von (Pseudonym: Nowina Doliwa)

* 13. Oktober 1869 in Köbnitz (Chobienice) bei Bomst, Provinz Posen; † 9. Januar 1944 in Wien

Mathias war der Sohn von Joseph von Brudzewo-Mielzynski (1824–1900) einem Rittergutsbesitzer und Mitglied im Preußischen Herrenhaus. Er besuchte das Gymnasium in Berlin, Schneidemühl und Lissa. Nach der Schule studierte er an der Universität München und war Kunstmaler in München. Es folgte sein Dienst als Offizier im Garde Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst” (Schlesisches) Nr. 1  in Breslau. Nach seinem Abschied 1897 war er auf seinem Rittergut Köbnitz (Chobienice) als Landwirt tätig. Ebenfalls arbeitete er für polnische Zeitungen im politisch-literarischen Bereich als Publizist.

Bei den Reichstagswahlen des Deutschen Kaiserreiches wurde er über die Polnische Liste im Wahlkreis 2 der Provinz Posen (Landkreis Samter,  Landkreis Birnbaum, Landkreis Obornik und Landkreis Schwerin (Warthe) als Vertreter in den Deutschen Reichstag gewählt.

Er hatte sein Mandat bereits am 4. Januar 1914 niedergelegt. Sein Nachfolger als Abgeordneter wurde der Posener Prälat Joseph Klos (1870–1938). Sein Rücktritt erfolgte wegen einer Mordanklage. Mielzynski erschoss seine Ehefrau und Neffen aufgrund einer ehebrecherischen Beziehung.

Während seiner Führungsrolle im Dritten Oberschlesischen Aufstand 1921 trug er das Pseudonym Nowina Doliwa.

Lit. :

  • Erinnerungen und Beiträge zur Geschichte des III. oberschlesischen Aufstandes, 1931.
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.403
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wlihelm Heinz Schröder : M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus,. 3. Aufl. Düsseldorf 1994, S. 56.
  • Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. Berlin ²1904, S. 56.
  • Zeitschrift für Ostforschung, Bd. 35 (1986), S. 148,
  •  Carl-Wilhelm Reibel (Bearb.): Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten, Erster Halbband (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15). Düsseldorf 2007, S. 268–273.

 

 

Brudzewo-Mielżyński,  Matthias Joseph Franz Graf von

* 15. Sept. 1799 bei Winna Góra/ Krs. Schroda ; † 05. März 1870 in Kaźmierz

Mielzynski entstammte der in Großpolen begüterten Magnatenfamilie Mielźyński, die 1798 in den preußischen Grafenstand erhoben wurde. Seine Eltern waren Joseph und Frances Niemojowski.

Mielżyński erhielt Privatunterricht und besuchte eine Schule in Berlin. In seiner Jugend hatte er sich immer wieder an separatistischen nationalpolnischen Aktionen beteiligt und war deswegen mit der preußischen Justiz in Konflikt gekommen. So beteiligte er sich am polnischen Aufstand 1830 unter dem Kommando von Dezydery Chłapowski. Nach dem Zusammenbruch lebte Mielżyński kurzzeitig im Exil und hatte nach seiner Rückkehr eine neunmonatige Haftstrafe zu verbüßen sowie eine hohe Geldstrafe zu leisten.

Mielżyński hatte in jungen Jahren von seinem Vater zahlreiche Güter im Kreis Bomst sowie östlich davon in Kongresspolen  geerbt. Nach der Übernahme widmete er sich der Verbesserung des Anbaus auf seinen Gütern nach dem Vorbild Chłapowskis.

Daneben blieb Mielżyński politisch aktiv und engagierte sich für die Interessen der polnischen Minderheit in Preussen, den Erhalt der polnischen Sprache und Kultur und stand damit in Opposition zur preußischen Administration in der Provinzverwaltung und der Zentralregierung.

1848 gehörte er dem Nationalen Komitee an, das mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) über die Reorganisation des Großherzogtums Posen verhandelte. Seit 1849 war er Mitglied des Landtages und von 1856 bis 1858 Vorsitzender der polnischen Fraktion. Seit 1855 war er Mitglied des Preußischen Herrscherhauses  auf Präsentation des Grafenverbandes der Provinz Posen.

  • Werke
  • Epizod z wojny 1831 roku opowiedziany wg broszury Macieja Mielżyńskiego, Posen 1897.
  • Wyprawa na Litwę opowiedziana według zapisków Macieja Mielżyńskiego, Krakau 1908.
  • Literatur
  • Zdzisław Grot: Maciej Mielżyński, in: Wielkopolski słownik biograficzny, Warszawa-Poznań 1981,

 

 

Wladislaus von Mieczkowski, polnisch: Władysław Mieczkowski,

* 10. Februar 1877 in Nieciszewo; † 6. April 1959 in Barzkowice

Mieczkowski besuchte die Gymnasien in Konitz und Kulm und die Universitäten in Krakau, Berlin, Leipzig und Breslau. Er studierte seit Ostern 1897 Rechtswissenschaften, bestand 1900 das Referendarexamen, 1905 das Assessorexamen und ließ sich sodann gemeinsam mit Bernard Chrzanowski als Rechtsanwalt in Posen nieder.

Ab Januar 1907 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 9 Krotoschin, Koschmin und gehörte der  Polnischen Fraktion an. Am 13. April 1907 hielt er dort eine Rede zur Reform des Strafprozesses. Am 28. Oktober 1907 legte er sein Mandat nieder.

Nach dem Ersten Weltkrieg war er von 1918 bis 1924 Stadtrat in Posen, in leitender Position bei der Bank Związku Spółek Zarobkowych in Posen und von 1924 bis 1934 war er Generaldirektor der Polnischen Bank Warschau. 1934 eröffnete er wieder eine Anwaltskanzlei in Posen, die er bis 1939 betrieb. 1940 wurde er verhaftet und nach Tschenstochau deportiert. 1945 kehrte er nach Posen zurück und eröffnete zum dritten Mal eine Anwaltskanzlei. 1946 wurde er zum Vertreter der polnischen Exilregierung in London bestimmt und am 28. November 1946 verhaftet. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Seine letzten Jahre verbrachte er in Lubon und Barzkowice, wo er auch verstarb.

Lit:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.403

 

 

 

Miersch, Karl Heinz

* 25. Sept. 1911 in Krotoschin

 

Von 1969 bis 1976 vertrat er für die CDU den Wahlkreis Soltau- Harburg im Deutschen Bundestag. Von 1973 bis 1977 war er Mitglied des Europäischen Parlamentes.

1930 trat er in die Reichsmarine ein. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft wurde er 1946 beim Seeschifffahrtsamt in Hamburg eingestellt.

Von 1949 bis 1969 im Bundesverkehrsministerium tätig-dort u.a. persönlicher Referent des Bundesverkehrsministers Hans-Christoph Seebohm (1903-1967)

 

Miessner,  Herwart

 

* 19. Februar 1911 in Bromberg ; † 7. Dezember 2002

 

Jura-Studium in Hamburg, München, Göttingen und Berlin.

Ab 1938 arbeitete er bei der Reichsverwaltung. 1940 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat. Von 1939 bis 1945 nahm er als Angehöriger der Wehrmacht am 2. Weltkrieg teil.

Nach dem Krieg Dezernent im Oberfinanzpräsidium in Hannover.

Ursprünglich gehörte Miessner der Deutschen Konservativen Partei- Deutsche Rechtspartei (DKP-DRP) (*) an, für die er 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Auf dem niedersächsischen Landesparteitag am 28. August 1949 unterstützte er den nationalsozialistischen Flügel um „Dr. Franz Richter“ (alias Fritz Rößler 1912-1987), der sich gegen den gemäßigteren nationalkonservativen Flügel um Adolf von Thadden (1921-1996) durchsetzen konnte. Miessner selbst, der sich mit einem Plädoyer für eine Synthese zwischen der „antiquierten DNVP-Linie und der revolutionären NSDAP-Linie“ beworben hatte, wurde zum Stellvertreter Richters gewählt.

Völlig überraschend schloss sich Miessner, dem zuvor eher Kontakte zur später verbotenen Sozialistischen Reichspartei (SRP) (*) – die sich in der Tradition der NSDAP sah- nachgesagt wurden, am 5. Oktober 1950 der FDP an.

 

Er gehörte dem Deutschen Bundestag von 1949 bis 1957 und erneut vom 21. Mai 1959, als er für Carlo Graaff (1914-1975) nachrückte, bis 1969 an. Vom 14. September 1955 bis zum Ende der zweiten Legislaturperiode war er stv. Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Bau- und Bodenrecht, von 1965 bis 1969 Vorsitzender des Postausschusses des Bundestages.

 

Von 1963 bis 1969 war Miessner, der Postbeamter war, stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes.

 

Lit.:

  • Verhaus, Rudolf/Herbst, Ludolf (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Band 1. München 2002. S.566

 

(*)Die Deutsche Konservative Partei – Deutsche Rechtspartei (Kurzbezeichnung: DKP-DRP) war eine politische Partei in der  britischen Besatzungszone (1946–1950).

Entstanden ist die DKP-DRP am 22. März 1946 durch den Zusammenschluss der Deutschen Aufbau-Partei (DAP) und der  Deutschen Konservativen Partei (DKP). Die DAP verstand sich als Nachfolgepartei der  Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP), die sich 1922 von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) abgespalten hatte, während die DKP versuchte, die Anhänger der DNVP wiederzugewinnen. Die Partei stand in der Tradition des monarchistisch orientierten preußischen Konservatismus.

(*)Die Sozialistische Reichspartei Deutschlands (Kurzbezeichnung: SRPD), auch Sozialistische Reichspartei (Kurzbezeichnung: SRP), war eine offen neonazistisch ausgerichtete Partei in der Bundesrepublik Deutschland, die sich selbst in der Tradition der NSDAP sah.

Die SRP war 1952 die erste politische Partei, die in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines Parteiverbotsverfahrens durch das Bundesverfassungsgericht verboten wurde

 

 

Mihaly, Jo

(eigentlich: Elfriede Steckel, Geburtsname: Elfriede Alice Kuhr)

* 25. April 1902 in Schneidemühl; †29. März 1989 in Seeshaupt, Bayern

Sie wurde 1902 als Elfriede Alice Kuhr geboren. Nach ihrer Hochzeit lautete ihr Name Elfriede Steckel. Sie absolvierte eine Ausbildung im klassischen Tanz und wurde Mitglied des Haas-Heye-Balletts Berlin.

Von 1923 bis 1925 machte sie Tourneen in Deutschland, Auftritte auch in Varietés und im Zirkus. In der Spielzeit 1925/26 war sie als moderne Tänzerin am Dreistädtetheater Beuthen-Gleiwitz –Hindenburg  engagiert. An der Berliner Volksbühne lernte sie den Schauspieler und Regisseur Leonard Steckel  kennen, den sie 1927 heiratete. Mit ihm zusammen wohnte sie zeitweilig in der Bonner Str. 12 der Berliner Künstlerkolonie. 1928–33 trat sie als Solotänzerin mit eigenen, sozialkritischen Programmen auf, u. a. „Die Verfolgung der Juden“ und „Vision des Krieges“. Seit 1927 schrieb sie Gedichte und hatte erste Veröffentlichungen in der von Gregor Gog  und der Bruderschaft der Vagabunden herausgegebenen Zeitschrift „Der Kunde“. In der Weimarer Republik führte sie erst selbst ein Vagantenleben und bündelte ihre Erfahrungen 1929 in der Ballade vom Elend, einem Liederbuch in der Tradition eines Francois Villon  oder Erich Mühsam. Politisch engagierte sie sich besonders für die „Rote Hilfe“ “ und des „Freidenkerbundes“. 1933 emigrierte sie mit ihrem Mann in die Schweiz und lebte bis 1949 in Zürich. Sie veröffentlichte Feuilletons und Artikel unter Pseudonymen in Schweizer Zeitungen und trat weiter als Tänzerin und Sängerin auf. Mihaly engagierte sich weiter für Flüchtlinge und hatte Kontakt zu Widerstandsgruppen in Deutschland. 1943 wurde sie Mitgründerin und Vorsitzende der Kulturgesellschaft der Emigranten innerhalb der Israelitischen Flüchtlingshilfe in Zürich. Weiterhin war sie Mitgründerin der Freien Deutschen Bewegung in der Schweiz. 1945 wurde sie Gründerin und Sekretärin des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller  (SDS) in der Schweiz.

Mit Schreiben vom 15. Mai 1946 wurde sie für den ausgeschiedenen Abgeordneten Werner Kraus  (KPD) als Vertreterin der Kommunistische n Partei Deutschlands KPD) in den Beratenden Landesausschuss Groß – Hessen ernannt. Das Mandat hatte sie bis zum 14. Juli 1946 inne.

Von Oktober 1945 bis Juli 1946 arbeitete sie in Frankfurt am Main, wurde von den US-Behörden aber an der Rückkehr in die Schweiz gehindert. Sie gründete  die Freie Deutsche Kulturgesellschaft in Frankfurt und war Mitglied der dortigen städtischen Kulturkommission.

Ab 1949 arbeitete sie als freie Schriftstellerin in Ascona; sie schrieb Romane, Erzählungen, Gedichte und Jugendbücher. Eine Gesamtwürdigung ihres verstreuten Werks steht noch aus.

Lit.:

  • Brigitte Bruns: Werft Eure Hoffnung über neue Grenzen. Theater im Schweizer Exil und seine Rückkehr.Deutsches Theatermuseum, Ausstellungskatalog. Berlin 2007
  • Walter Fähnders, Henning Zimpel (Hrsg.): Die Epoche der Vagabunden. Texte und Bilder 1900-1945. Essen 2009,  (Schriften des Fritz-Hüser-Instituts, 19)
  • Yvonne Hardt: Eine politische Dichterin des Tanzes: Jo Mihaly.In: Amelie Soyka (Hrsg.): Tanzen und tanzen und nichts als tanzen. Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman.  Berlin 2004, S. 138–151.
  • Petra Josting: ‚Zigeuner‘ in der Kinder- und Jugendliteratur der Weimarer Republik am Beispiel von Jo Mihalys „Michael Arpad und sein Kind. Ein Kinderschicksal auf der Landstraße“, 1930.In: Petra Josting, Walter Fähnders (Hrsg.): „Laboratorium Vielseitigkeit“. Zur Literatur der Weimarer Republik. Festschrift für Helga Karrenbrock zum 60. Geburtstag.  Bielefeld 2005,
  • Helga Karrenbrock: Mihaly, Jo Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17. Berlin 1994,  S. 490 f.
  • Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.): „Wohnsitz: Nirgendwo.“ Vom Leben und Überleben auf der Strasse. Berlin 1982
  • Pellaton ,Ursula: Jo Mihaly .In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, , Zürich 2005,  S. 1247.
  • Starck .Niklaus (Hrsg.): Liebesbriefe an den Tessin, geschrieben von Jo Mihaly. Bearbeitet und mit einem Geleitwort versehen von Anja Ott. Basel 2011,
  • Starck, Niklaus: Jo Mihaly und die Würde des Menschen. Eine illustrierte Biografie. Basel 2011
  •  Ostdeutsche  Gedenktage 1982. S.44
  • Lengemann, Jochen: Das Hessen-Parlament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtages. Frankfurt/Main 1986 S. 395/396
  • Langer, Ingrid (Hrsg.): Alibi-Frauen? Hessische Politikerinnen in den Vorparlamenten 1946 bis 1950. Frankfurt/Main 1994 S.167-220

 

 

 

Mittwoch, Hans

 

*04. Oktober 1875 in Posen; + 03. Dezember 1924  in Stuhm

 

Bis 1909 Setzer und Korrektor. 1896-1909 Setzer und Korrektor in Königsberg; 1909-März 1911 Berichterstatter und Apr. 1911-1917 Redakteur der „Volkszeitung“ in Königsberg; 1917 USPD, 1922 erneut SPD; 1917-1918 Kriegsteilnehmer; Dez. 1918 bis Sept. 1922 Redakteur der „Freiheit“, zunächst Organ des Königsberger Soldatenrats, später USPD-Zentralorgan für Ostpreußen in Königsberg; Nov. 1919 Verhaftung, Untersuchungshaft, Juni 1920 Verurteilung zu 2 Jahren Festungshaft (Landesverrat), nach Wahl zum MdR Freilassung; 1919-1924 Stadtverordneter in Königsberg; Okt. 1922 bis zu seinem Tode erneut Redakteur der „Volkszeitung“ in Königsberg.
MdR: Legislaturperiode 17: Juni 1920-Mai 1924 USPD-RV
Reichstagskandidatur 1924 (LP18) Wahlkreis 1 (Ostpreußen)

 

Lit:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.715

 

 

Mizerski, Ludwig Cajetan

*07. August 1843 in Borowo (Krs. Kosten), + 06.Feb. 1923 in Posen

 

Studium der Rechte in Breslau und Berlin.1874-1892 Bistumssyndikus in Pelplin, dann Erzbistumssyndikus in Posen.

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995. S. 273

 

 

Morawski-Dzierzykraj , Franciczek Dionizy (dt. Franz von Morawski-Dzierzykraj

  • 04. Aug.1868 auf Gut Lubonia; † 02. Jan. 1938.in Krakowiec

Er erhielt zunächst Privatunterricht und besuchte später das Gymnasium in Lissa. Danach besuchte er die Universitäten in Breslau und München, sowie die Ecole des sciences politiques und das Institut agronomique in Paris. Danach bewirtschaftete er seine vor allem in Österreich gelegenen Güter. Später lebte er als Rentier und Publizist. Er schrieb zu politischen und nationalökonomischen Themen. Diese erschienen in polnischer, deutscher und französischer Sprache. Er war auch Herausgeber und Redakteur eines konservativ-klerikalen Blattes.

Er war Mitglied des Provinziallandtages der Provinz Posen, zeitweise war er Vizemarschall der Versammlung. Vom 8. November 1910 bis 1918 war er Mitglied des Reichstags und von 1913 bis 1917 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, aus dem er mit seinem Übertritt ins Preußische Herrenhaus ausschied. In beiden Parlamenten gehörte er der  polnischen Fraktion an. Am 17. Januar 1917 wurde er in das Preußische Herrenhaus berufen. Nach der Wiedergründung des polnischen Staates gehörte er dem Sejm an.

  • Der kommende Tag. Erwägungen über die Neuordnung des Bodenbesitzes in Deutschland. Selbstverlag, 1909

Lit.:

  • Mann, Bernhard:  Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf .1988, S. 275/ 276 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)

 

 

 

 

 

Moses, Julius 

 

* 02. Juli 1868 in Posen; † 24. September 1942 im KZ Theresienstadt

 

 

Geboren wurde er als Sohn eines jüdischen Handwerkers geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Vier seiner acht Geschwister starben jung. Nach dem Abitur 1888 Studium der Medizin in Greifswald, wo er 1892 promovierte. 1893 Eröffnung einer Privatpraxis in Berlin-Nord.

1895 hielt er seine erste politische Rede bei der Märzfeier des Deutsch-Freisinnigen Arbeitervereines und forderte dort ein Denkmal für die Gefallenen von 1848. 1896 Heirat und Geburt von drei Kindern

1902 Beginn seiner „Jüdischen Epoche.“ 1902 bis 1910 Herausgabe des wöchentlich in Berlin erscheinenden Generalanzeigers für die gesamten Interessen des Judentums mit einer Auflagenstärke von 25000, 1910 Herausgabe des „Hausarztes“, dem Organ des Verbandes der Hausarztvereine in Berlin. 1933 Verbleib in Berlin, obwohl er als Jude und Sozialdemokrat doppelt gefährdet war. 1942 Deportation nach Theresienstadt. Dort erlag er am 24. September den Belastungen des Lebens im Konzentrationslager.

 

1912 Eintritt in die Sozialdemokratische Partei. Einsatz zur Verbreitung von sexualhygienischen Kenntnissen und Verhütungsmaßnahmen ein. Mit seinem propagierten „Gebärstreik“ machte er sich in konservativen Kreisen äußerst unbeliebt wegen demographischer Ziele der Militaristen, die sich eine militärische Überlegenheit Deutschlands durch hohe Geburtenziffern wünschten.

1913 Teilnahme an der Gründung des Sozialdemokratischen Ärzte-Vereins. 1920 bis 1932 Mitglied des Reichstages. Er gehörte zuerst dem Vorstand der USPD an. Seit 1922 im Parteivorstand der SPD.

Hier Engagement für eine „Reform der gesamten Gesundheitspflege im radikalsozialen Sinn“. Forderung besserer soziale Bedingungen für die Arbeiterklasse. Er wehrte sich gegen den §218, gegen Frauenarbeit während der Schwangerschaft und gegen die herrschende Wohnungsnot. 1928 Publikation zahlreicher Artikel in sozialdemokratischen Zeitschriften über bekanntgewordene Menschenversuche. 1930 Maßgebliche Beteiligung an der Entwicklung von Richtlinien für neuartige Heilbehandlung und für die Vornahme wissenschaftlicher Versuche am Menschen. Frühzeitiger Warner vor den Plänen Adolf Hitlers und dessen Anschauungen über die ärztlichen Aufgaben.

 

Literatur

  • Michael Schneider (Hrsg.): Julius Moses: Schrittmacher der sozialdemokratischen Gesundheitspolitik in der Weimarer Republik. Vorträge anlässlich der Ausstellungseröffnung am 15. Dezember 2005 in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin.
  • Friedrich-Ebert-Stiftung, Historisches Forschungszentrum, Bonn 2006 (= Gesprächskreis Geschichte, 65),
  • Nadav, Daniel: Julius Moses (1868-1942) und die Politik der Sozialhygiene in Deutschland. Gerlingen 1985
  • Nemitz, Kurt: Julius Moses und die Gebärstreik-Debatte 1913, in: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, herausgegeben und eingeleitet von Walter Grab, Bd. 2, 1973, Tel Aviv 1973, S. 321-335.
  • Nemitz, Kurt: Julius Moses-Nachlass und Bibliographie. In : Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. 10(1974), Heft 2 S.219-241
  • Nemitz, Kurt: Die Bemühungen zur Schaffung eines Reichsgesund-heitsministeriums in der ersten Phase der Weimarer Republik 1918-1922. Med. hist. J. 16 (1981), S. 424-445.
  • Nemitz, Kurt: Das geistige Erbe sinnvoll wahren. Zur Erinnerung an den Arzt und Parlamentarier Dr. Julius Moses. Sonderdruck aus Medizin und Judentum. Vorträge auf der Gedächtnisveranstaltung in Dresden aus Anlass des Novemberpogroms 1938. Eigenverlag des Vereins für regionale Geschichte und Politik Dresden e.V. Sonderheft der Historischen Blätter. Dresden 1994.
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen.1867-1933. Düsseldorf 1995. S.623
  • Mayer-Ahuja, Nicole: Massenerwerbslosigkeit, Sozialpolitik und die gesundheitlichen Folgen. Die Ärztebefragung des Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Moses aus dem Krisenjahr 1931 (Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 10), Pfaffenweiler 1999.
  • Fricke, Dieter: Jüdisches Leben in Berlin und Tel Aviv 1933 bis 1939 : der Briefwechsel des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Moses Hamburg : von Bockel, 1997
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.716

 

Mosse , Isaac Albert

*01.Okt.1846 in Grätz,; † 31. Mai 1925 in Berlin

Mosse besuchte die Gymnasien in Lissa  und in Guben. Anschließend studierte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Jura und legte die beiden juristischen Staatsprüfungen (1868 bzw. 1873) ab. Er war Freiwilliger Kriegsteilnehmer des deutsch-französischen Krieges. 1873 wurde er Gerichtsassessor.

1875 wurde er Hilfsrichter beim Kreisgericht in Berlin, 1886 schließlich Landrichter und 1888 wurde er zum Landgerichtsrat ernannt. Auf Einladung der japanischen Regierung war er von 1886–1890 Kabinettsberater.

Nach seinem Japan -Aufenthalt ließ er sich als Staatsanwalt in Königsberg nieder. 1903 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg, wo er im Folgejahr Honorarprofessor für Zivilverfahrensrecht und Handelsrecht wurde. 1907 gab er seinen Gerichtsposten auf, weil er aufgrund seiner jüdischen Abstammung bei einer Beförderung übergangen worden war. So kehrte er nach Berlin zurück, wo er sich in öffentlichen Angelegenheiten als Stadtrat und in der jüdischen Gemeinschaft engagierte.

Mosses Bedeutung liegt in seinem Beitrag bei der Ausarbeitung der japanischen Meiji-Verfassung und in seiner Weiterführung des Handelsrechtskommentars von Felix Litthauer. Des Weiteren hat an der Revision internationaler Verträge Japans mitgearbeitet. Mosse hatte maßgeblichen Einfluss bei der Erarbeitung der japanischen Gemeinde-, Kreis-, und Provinzialordnungen.

Stadtältester (o4. Feb.1911)

Mosses Bruder war der Berliner Verleger Rudolf Mosse . Seine Tochter Martha war die erste Polizeirätin Preußens.

Lit.;

  • Ishii Shirō: Fast wie mein eigen Vaterland: Briefe aus Japan 1886–1889. München. 1995.
  • Hans Jaeger: Mosse, Albert In: Neue Deutsche Biographie(NDB). Band 18, Berlin 1997, S. 216–218
  • Elisabeth Kraus: Die Familie Mosse: deutsch-jüdisches Bürgertum im 19. und 20. Jahrhundert. München. 1999.
  • Werner E. Mosse: Albert Mosse. A Jewish judge in imperial Germany. In: Yearbook / Leo Baeck Institute 28. 1983, S. 169–184.
  • Hamburger, Ernst: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968 S.45-47
  • Joachim Rott: Albert Mosse (1846–1925), deutscher Judeund preußischer Richter. In: Neue juristische Wochenschrift. München. Bd. 58 (2005), 9, S. 563.

 

Moszcenski , Miecislaw von

*07. März 1863 in Niemtschinek, Krs. Wongrowitz ; † nach 1893

Miecislaw von Moszcenski war Besitzer des Ritterguts Niemtschinek in der Nähe von Wongrowitz.

Im August 1890 gewann er eine Ersatzwahl im Reichstagswahlkreis Posen 7 (Schrimm, Schroda).Er gehörte dem Reichstag als Mitglied der  Polnischen Fraktion bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahre 1893 an.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.406

 

 

Motty, Lukaszs Augustyn Stanislaw

 

*28.Okto.1826 in Posen,+ 21.Dez.1900 in Posen

 

Studium der Rechte in Heidelberg und Berlin.1848 Teilnahme am polnischen Aufstand. Arrest ,nach der Freilassung Mitarbeit bei der „Gazeta Polska“ und der „Goniec Polski“. Ab Oktober 148 Wiederaufnahme des Studiums.1849 1. Juristisches Staats-examen. 1856 bis 1899 Kreis- und später Amtsgerichtsrat in Posen und Syndikus des „Posener Bazars“. 1863 Mitglied der Exekutivabteilung  der sog. Nationalregierung.

1863 bis 1867 geschäftsführender Sekretär des Zirkels polnischer Abgeordneter im preußischen Abgeordnetenhaus, dann Vorsitzender von 1898 bis 1900 der Fraktion .

 

Lit.:

 

  • Schwarz, Max: : Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.406
  • Zdzisław Grot, Stanisław Motty, w: Wielkopolski słownik biograficzny, Warszawa-Poznań 1981
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.276
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haunfelder/Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989.S.440

(*) Posener Basar- diese Immobilie entstand in den Jahren von 1838 bis 1842 auf Initiative von Karol Marcinkowski (1800-1846). Der „Basar“ war nicht nur das Zentrum des polnischen Wirtschafts- und Kulturlebens in Posen, sondern auch der Ort für gesellige Zusammenkünfte und Unterhaltungsveranstaltungen.

 

Müller, Hagen

* 17. November 1944 in Posen

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Postbeamten und war anschließend in diesem Beruf tätig. Von 1979 bis 1992 war er Mitglied des Personalrates, davon zwei Jahre Vorsitzender, beim Postamt Iserlohn.

Der SPD trat er 1972 bei. Er ist in zahlreichen Gremien der Partei tätig, beispielsweise als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Menden. Er ist außerdem seit 1959 Mitglied der Postgewerkschaft und Mitglied der Arbeiterwohlfahrt.

Vom 30. Mai 1985 bis zum 30. Mai 1990 und vom 5. März 1992 bis zum 31. Mai 1995 war Müller Mitglied des Landtags des Landes Nordrhein-Westfalen. Er wurde im Wahlkreis 151 Märkischer Kreis IV direkt gewählt .In der elften Wahlperiode rückte er erst nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofes nach, nachdem der Abgeordneten Petra Böckelmann (CDU) das Mandat wegen falscher Stimmenauszählung entzogen wurde.

Dem Stadtrat der Stadt Menden gehörte er seit 1975 an.

 

 

Mueller, Georg Waldemar

* 28. Juni 1851 in Lissa, Provinz Posen; † 30. Dezember 1924 in Berlin

Nach einem Jurastudium wurde Mueller 1877 Landrat des Kreises Schroda und 1881 Landrat des Kreises Marienwerder. 1884 wurde er zum Mitglied des Reichstags gewählt, wo er bis 1891 als Abgeordneter vertreten war. Von 1886 bis 1890 war er Bürger-meister der Stadt Posen und Vertreter der Stadt im Herrenhaus.

Bereits 1890 wurde er Mitglied im Direktorium der Reichsbank. 1896 schied er aus diesem Amt aus, um Vorstand der Dresdner Bank zu werden. 1914 wechselte er vom Vorstand der Bank in deren Aufsichtsrat.

Muellers Verdienst für die Dresdner Bank lag in der Erschließung der boomenden rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, die vorher ein schwieriges Verhältnis zu den Berliner Banken hatte. Umgekehrt hatte er wesentlichen Anteil an der Finanzierung des deutschen Kohlebergbaus, der Elektrifizierung Deutschlands und des Ausbaus der Eisen- und Stahlindustrie  im Rheinland und im Ruhrgebiet.

Mueller war unter anderem in den Aufsichtsräten der Saar- und Mosel-Bergwerks-Gesellschaft, des RWE, der Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG, der Zeche Nordstern sowie des Mülheimer Bergwerks-Vereins vertreten.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 17
  • Schwarz, Max: MdR.Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.407
  • Haunfelder,Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010 S. 195

 

 

Mycielski, Joseph Stephan von

* 15. November 1863 in Kobylepole, Landkreis Posen; † 10. Dezember 1913

Joseph von Mycielski war Besitzer des Ritterguts Kobylepole in der Nähe von Posen. Bei der Reichstagswahl 1903 gewann er das Mandat im Wahlkreis Posen 5 (Gostyn, Rawitsch). Er gehörte im Reichstag zur Polnischen Fraktion. Im Oktober 1904 trat er von seinem Mandat zurück.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.410
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf:2007, S. 284-286 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

Nagel, Wolfgang

 

* 03. August 1944 in Lüdden/Warthe, Landkreis Obornik

 

Nach dem Abitur 1965 in Bielefeld studierte Nagel ab 1966 Geschichte, Germanistik, und Pädagogik an der Freien Universität Berlin und an der Universität Münster. Von 1966 bis 1970 war er Erzieher in einem städtischen Kinderheim in Berlin-Wilmersdorf. Im Deutschen Institut für Urbanistik arbeitete er von 1971 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 1978 als Redakteur und Leiter der Pressestelle. Nagel ist seit 1971 Mitglied der SPD. Seit Juni 1981 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Als ehemaliger baupolitischer Sprecher der SPD Charlottenburg wurde Nagel 1989 bis 1996 Senator für Bau- und Wohnungswesen, nachdem er von 1987 bis 1989 als Wahlkampfleiter der SPD Berlins tätig war. Seit 1996 leitete er als Geschäftsführer die Fundus-Immobiliengruppe.

 

 

 

Napieralski, Adam (Pseudonyme: Marian Firlej, Robotnik Michał

 

* 12. Oktober 1861 in Kluczewo, Landkreis Schmiegel; † 24. Oktober 1928 in Karlsbad

 

Napieralski war ein polnischer Journalist. Er kam im Jahr 1889 nach Beuthen und übernahm die Zeitung „Katolik“ mit dem angegliederten Buchverlag, der zu einem der angesehensten Verlage im gesamten polnisch-sprachigen Raum wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Napieralski zum Inhaber und Herausgeber des bedeutendsten Zeitungsimperiums des Sprachraumes.

Diese Macht nutzte er für seine politischen Ambitionen. Er setzte sich in der deutsch-polnischen Auseinandersetzung Oberschlesiens für eine unabhängige Linie der Polen ein, wodurch seine engen Bindungen an die Zentrumspartei zeitweise erheblichen Belastungen ausgesetzt waren.

Die Versuche des Zentrums, die polnischen und pro-polnischen Aktivisten in den eigenen Reihen gewähren zu lassen, um die oberschlesischen Wähler für sich zu gewinnen, scheiterten mit der Zeit an der zunehmenden Radikalisierung der nationalen Frage und führten zur faktischen Abspaltung der Fraktion unter Napieralskis Führung bei den Wahlen zum Reichstag des Jahres 1903. Die sogenannte „Zentrumspolnische Bewegung“ (polnische Fraktion) innerhalb der Zentrumspartei nannte sich nach Napieralskis Zeitung auch „Katolik-Partei“ und gründete 1903 die neue Polnische Nationaldemokratische Partei

Am 12. Juni 1906 gewann der Pole Napieralski als Führer der „Katolik-Partei“ mit 28.264 Stimmen im Wahlkreis Beuthen-Tarnowitz  die Reichstagsersatzwahl vor dem Zentrums-Kandidaten, der nur 8.861 Stimmen erhielt. Die Presse der Zentrumspartei sieht in der Ostmarkenpolitik der Regierung die Ursache für die „Zunahme des oberschlesischen Polentums“. Die folgenden Jahre bis 1912 gehörte Napieralski dem deutschen Reichstag an.

Gemeinsam mit dem Priester Stanisław Radziejowski gründete Napieralski 1889 die „Gewerkschaft für Gegenseitige Hilfe der Christlichen Oberschlesienarbeiter“. In den folgenden Jahren hatte er damit entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung einer eigenständigen polnischen christlichen Arbeiterbewegung.

 

Veröffentlichungen

  • Der ‚Katolik‘ und das schlesische Centrum von 1889 bis 1903, Verlag Katolik, Beuthen (Oberschlesien) 1903
  • Deutschland, Österreich-Ungarn, Polen. Ein Beitrag zur Lösung der polnischen Frage, Verlag Katolik, Beuthen (Oberschlesien) 1918

 

Literatur

  • Marek Czapliński: Adam Napieralski 1861–1928. Biografia polityczna. Zakład Narodowy im. Ossolińskich, Wroclaw 1974 (Prace Wrocławskiego Towarzystwa Naukowego. Ser. A: 162

 

 

 

Naskrensky ,Karl

*01..Feb.1901 in Xions; + 21. Sept. 1944

 

SPD Politiker Leipzig

 

Lit.:

  • Schmitzner, Mike : Karl Naskrenskys Wirken in Leipzig und Jena. In : Sozial-demokratie und Nation. Der Hofgeismarkreis in der Weimarer Republik und seine Nachwirkungen.Hrsg. von Michael Rudloff. Leipzig 1995 S.211-224

 

 

Naumann, Eugen

*02.Jan.1874 in Mikuszewo, Krs. Wreschen,† 07. Sept. 1939 in Kruschwitz

 

Der Enkel des langjährigen Posener Oberbürgermeisters studierte Jura und Staatswissenschaften an den Universitäten in Lausanne, Freiburg, Baden und Breslau. Als Dezernent arbeitete er fünf Jahre bei der Preußischen Ansiedlungskommission in Posen, bevor  er 1909 Landrat des Posener Kreises Znin wurde. Da er aber selbständig dachte und an der damaligen preußischen Polenpolitik Kritik zu üben wagte, wurde er 1917 versetzt. Da nahm er seinen Abschied und widmete sich nur der Bewirtschaftung des kurz zuvor im Kreis Schubin erworbenen Gutes in Suchorencz.

1918 übernahm er die Verwaltung des Kreises Wesenberg in Estland und für kurze Zeit die Vertretung  des Deutschen Reiches bei der neugegründeten Republik Estland.

Als die Provinz Posen 1918/19 polnisch wurde, stellte sich Naumann dem in Posen gegründeten „Deutschen Volksrat“ zur Verfügung. Bald darauf wurde er mit anderen führenden Deutschen von der polnischen Polizei interniert und ins Gefangenenlager Szczypiorno (*) eingeliefert. Nach seiner Entlassung wurde Naumann Vorsitzender des Deutschen Volksrates. Als solcher wurde er schon bei den Parlamentswahlen des Jahres 1922 als Abgeordneter in den polnischen Sejm gewählt, dem er bis 1930 angehörte. Er wurde bald Vorsitzender der Fraktion der deutschen Sejmabgeordneten und zugleich Wortführer des gesamten Deutschtums in Polen.

Er setzte sich entschieden für die Belange der deutschen Volksgruppe ein. So hat Naumann u.a. auch die erste Minderheitenbeschwerde bei dem Völkerbund in Genf eingereicht. Er führte weiterhin den Deutschen Volksrat, der sich in „Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte“ umbenannt hatte. Doch wurde dieser schon 1923 aufgelöst.

Die politische Arbeit wurde nun in Posen und Pommerellen von dem 1925 gegründeten Hauptwahlausschuß und von der Geschäftsstelle der deutschen Sejmabgeordneten und Senatoren in Bromberg geleistet. Als Vorsitzender des genannten Ausschusses und als Sejmabgeordneter trat Naumann unentwegt für die Rechte der deutschen Minderheit, aber gleichzeitig auch für ein friedliches Zusammenleben mit dem polnischen Volk ein. In Genf wurde er auch Mitbegründer eines Verbandes der deutschen Minderheiten in Europa. Als sich die nationalen Gegensätze zusehends immer mehr verschärften, legte Naumann im Februar 1933 den Vorsitz im Hauptwahlausschuß nieder und zog sich von der politischen Arbeit zurück. Trotzdem wurde er bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 wie andere aktive Deutsche von Polen verhaftet, verschleppt und schließlich als Geisel am 7.9.1939 von polnischen Soldaten erschossen. Nachdem 1956 die Stadt Bergen im Kreis Celle die Patenschaft für Naumanns Heimatkreis Altburgund-Schubin übernommen hatte, erhielt die dortige neuerbaute Mittelpunktschule am 17.4.1964 den Namen „Eugen-Naumann-Schule“.

 

Lit.:

  • Scholz, Johannes : Landrat Eugen Neumann. Das Lebensbild eines deutschen Volkstumsführers. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 1956 S.79-84
  • Rosen, Hans Freiherr von (Hrsg.): Saat und Ernte. Lebensbilder Posener deutscher Landwirte. Hameln 1978 S.83-85
  • Bierschenk, Theodor : Naumann, Eugen. In : Ostdeutsche Gedenktage 1989. S.151

 

(*) Szczypiorno – S. ist seit 1978 ein Stadtteil der Kreisstadt Kalisz. Während des 1. Weltkrieges bestand hier ein Internierungslager für Soldaten der „Polnischen Legion. 1918 wurden in diesem Lager deutsche Kriegsgefangene untergebracht. Danach wurden ca. 16.000 Deutsche als angebliche „Staatsfeinde“ in dieses Lager deportiert.

 

Naumann, Richard Julius Eugen

*02.Jan.1874 in Mikuszewo, + Sept.1939 in Kruschwitz

 

Studium der Rechts-und Staatswissenschaften in Lausanne, Freiburg,Berlin und Breslau. Bis 1907 Verwaltungsdezernent bei der preußischen Ansiedlungskommission. Dann Landrat des Kreises Znin.1917/1918 Landrat des Kreises Neuhaus. Nach 1918 einer der Führer der deutschen Volksgruppe in Polen.

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.281

 

Nawrocki , Josef

*10.Feb. 1880 in Adenauer; †27. April 1940 in Sonnenburg

Nawrocki war seit 1898 Mitglied der SPD. Erlernte den Beruf des „Formers“ Während des  Ersten Weltkrieges wurde er Mitglied der USPD, deren linker Flügel sich im Dezember 1920 mit der  KPD vereinigte. Von 1921 bis 1923 war er für die KPD Stadtverordneter in Berlin.1923 wurde er in die KPD-Bezirks-leitung Berlin-Brandenburg und in die Bezirksverordnetenversammlung in Köpenick gewählt.

1926 wurde er zur Zentrale der Kommunistischen Internationale in Moskau delegiert und war dort für das Exekutivkomitee auf dem Gebiete der Landarbeiter- und Bauernbewegung tätig. 1928 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Mitglied der KPD-Bezirksleitung Ostpreußen. Später übernahm er Funktionen in der für das Pressewesen zuständigen Abteilung „Agitprop“ der KPD in Berlin. Nach Errichtung der NS-Diktatur und der Umstellung der KPD-Strukturen auf eine Tätigkeit im Untergrund leitete er die illegalen Parteiorganisationen in den nördlichen Stadtbezirken Berlins. Im Juni 1936 wurde Nawrocki von der Gestapo verhaftet und zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die er bis zu seinem Tod infolge der Haftbedingungen im KZ Sonnenburg verbrachte.

1958 wurde in Berlin-Friedrichshagen die Josef-Nawrocki-Straße nach ihm benannt.

  • Literatur
  • Kraushaar, Luise (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933–1945. Biographien und Briefe. Band 2. Dietz, Berlin 1970, S. 530.
  • Weber, Hermann , Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage. Berlin 2008,

 

 

Nemitz , Anna (geb. Voigt)

 

* 3. Januar 1873 in Bromberg ; † 6. Oktober 1962  in Berlin; geb. Voigt)

 

Nemitz stammte aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie. Sie war seit 1894 in der SPD aktiv und arbeitete zunächst als Hausangestellte und dann als Schneiderin in Bromberg. Sie hatte früh geheiratet; aus der Ehe stammt die 1893 geborene Tochter Elfriede Nemitz (1893-1979), die später ebenfalls als Sozialdemokratin in die Politik ging. Sowohl Anna Nemitz als auch ihr ebenfalls politisch engagierter Ehemann wurden wegen ihres Einsatzes für die Bromberger Arbeiter von den Arbeitgebern drangsaliert, sodass die Familie 1908 ins Ruhrgebiet zog. Im selben Jahr wurde Anna Nemitz als erste Frau Mitglied des Kreisvorstandes der SPD in Bochum. 1911 zog sie nach Berlin und verbrachte auch die Zeit des Ersten Weltkrieges dort. Als politisch links stehende Frau trat sie 1917 der neu entstandenen USPD bei und wurde 1918 als einzige Frau Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates der Stadt Charlottenburg. Seit März 1919 gehörte sie der Zentralleitung der Partei als Beisitzerin an. In den Jahren 1919 und 1920 amtierte sie auch als Stadtverordnete von Charlottenburg, das 1920 nach Berlin eingemeindet wurde. Im Juni 1920 wurde sie in den Reichstag gewählt, dem sie ununterbrochen bis 1933 angehörte. Im September 1922 wurde die USPD wieder mit der SPD vereinigt und Nemitz gehörte nun als Beisitzerin dem Vorstand der SPD an. Sie war zudem Mitglied des Hauptausschusses der SPD für Arbeiterwohlfahrt.

1933 setzte dann die Verfolgung durch die Nationalsozialisten ein. Nemitz wohnte zu dieser Zeit in Berlin-Köpenick und entkam den Ausschreitungen der SA während der Köpenicker Blutwoche im Juni, indem sie sich versteckte. Sie bewahrte außerdem den umfangreichen Nachlass von Julius Moses (1868-1942), ebenfalls SPD-Reichstagsabgeordneter und durch seine Heirat mit Elfriede Nemitz ihr Schwiegersohn, versteckt in ihrem Heizungskeller auf. Moses wurde als Jude nach Theresienstadt deportiert und kam dort 1942 ums Leben. Während der NS-Zeit verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt als Näherin.

1945 war Nemitz maßgeblich an der Wiedergründung der SPD in Köpenick beteiligt. Im selben Jahr wurde sie Parteisekretärin der SPD. 1946 wurde sie als Stadtverordnete in das Berliner Parlament gewählt. Bis 1954 gehörte sie dem Berliner Abgeordnetenhaus als Vertreterin des Ostsektors an. Zu ihrem 80. Geburtstag, am 3. Januar 1953, verlieh ihr der Berliner Bürgermeister Ernst Reuter (1889-1953)  als erster Frau überhaupt in der 133-jährigen Geschichte dieser Auszeichnung die Würde einer Stadtältesten von Berlin. Sie starb 89-jährig ein Jahr nach dem Mauerbau im Ostteil der Stadt; ihre Asche wurde dann aber in den Westteil überführt und auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt; der damalige West-Berliner Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992)  hielt ihre Grabrede. In Berlin erinnert auch eine nach ihr benannte Straße an sie.

Lit.:

 

  • Schwarz, Max: Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.719
  • Wikkert, Ch.: Unsere Erwählten. Sozialdemokratische Frauen im Deutschen Reichstag und im Preußischen Landtag 1919 bis 1933 (2 Bde.)        1986
  • Kurt Nemitz: Anna Nemitz. Blätter der Erinnerung. Berlin 1988
  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Hrsg von Martin Schumacher. Düsseldorf ² 1992 S.408
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.630
  • Fischer, Ilse : Nemitz, Anna. In : Neue Deutsche Biographie 19 (1999) . S.63
  • Romaniuk, Marek: Nemitz, Francisca Anna.In : Bydgoski Słownik Biograficzny. Bd.6 Bydgoszcz 2000. S.77-78
  • Rasmus, Hugo: Nemitz, Anna Franziska. In : Joachim Heinrich Balde: Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.137/138
  • Nemitz, Kurt: „ Ein der Gerechtigkeit gewidmetes Leben“. Erinnerungen an die Reichstagsabgeordnete und Berliner Stadtälteste Anna Nemitz (1873-1962). In : Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 2004 S.151-164
  • Breunig, Werner/Herber, Andreas: Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011 S.199

 

 

Nemitz, Elfriede

*16. Dez.1893 in Bromberg, + 10. April 1979 in Berlin

 

Die Tochter von Anna Nemitz wuchs in einfachen Verhältnissen auf, 1911 kam sie mit ihrer Mutter nach Berlin und engagierte sich bei den Jungsozialisten. Auf einer Kundgebung anlässlich der Gebärstreik-Debatten(*) lernt sie 1913 den Sexualreformer und SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Moses kennen, den sie heiratete. Während der Nazi-Herrschaft vermied Julius Moses den Kontakt zu seiner Frau, um sie und den gemeinsamen Sohn Kurt Nemitz nicht zu gefährden. Julius Moses wurde nach Theresienstadt deportiert, wo er 1942 ermordet wurde.

Nach 1945 Wiederaufbau der SPD in Charlottenburg, 1946-48 Bezirksverordnete in Charlottenburg

(*) Gebärstreik-unter einem G. wird die Verweigerung von Schwangerschaften oder deren Abbruch verstanden, um  damit auf politisch-gesellschaftliche Forderungen hinzuweisen.

Julius Moses unterstützte den G. und sah ihn als geeignetes Mittel an, um sozialstaatliche Forderungen nach besserem Mütter- und Säuglingsschutz öffentlich zur Geltung zu bringen.

 

 

Niegolewski, Felicyan von . polnisch: Felicjan Niegolewski

* 12. Oktober 1868 in Niegolewo (Krs. Grätz) ; † 8. Januar 1919 in Posen

 

Niegolewski besuchte das Friedrich Wilhelm-Gymnasium in Posen, das Luisen-Gymnasium in Berlin und die Universitäten Leipzig, Berlin,  München und Krakau. Nach Absolvierung des medizinischen Staatsexamens in München waren seine weiteren ärztlichen Stationen in Krakau, Berlin, Paris. Er spezialisierte sich in der Augenheilkunde.

Von 1903 bis 1918 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1909 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 7 (Schrimm, Schroda).

Lit.:

  • Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin 1913, S. 86 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250)
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.413
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.285

 

Niegolewski, Władysław (in Deutschland auch Wladislaus Moritz von Niegolewski)

 

* 12. September 1819 in Włościejewki (Krs. Schrimm) ; † 19. März 1885 in Murownica

 

Niegolewski stammte aus einer adeligen polnischen Gutsbesitzerfamilie. Er studierte zwischen 1841 und 1844 Rechtswissenschaften in Bonn. Im Jahr 1845 promovierte er.  Im Jahr 1847 wurde er im so genannten Polenprozess (*) mit angeklagt an der Vorbereitung des geplanten, aber nicht ausgebrochenen polnischen Aufstandes von 1846 beteiligt gewesen zu sein. Auch am Großpolnischen Aufstand von 1848  war er beteiligt. 1848 war Teil des nationalen Komitees in Posen. Als Mitglied der polnischen Delegation erschien er  in der Verteidigung der polnischen Angelegenheiten im Parlament in Frankfurt.

Zwischen 1850 und 1852 sowie von 1859 bis 1861 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Er gehörte der polnischen Fraktion  an. Im Jahr 1861 legte er sein Mandat nieder. Niegolewski beteiligte sich 1863 am Januaraufstand (*) im russischen Teil Polens und wurde in der Schlacht von Ignacew verwundet.

Zurück in Preußen erwartete ihn eine Anklage wegen Hochverrats und die Verurteilung  zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe in Glogau. Auf Grund einer Amnestie kam er nach einem Jahr wieder frei.

Zwischen 1867 und 1881 war er Mitglied zunächst des Reichstages des Norddeutschen Bundes und danach des Deutschen Kaiserreiches. Von 1867 bis 1871 vertrat er als Abgeordneter den Wahlkreis Posen 8, von 1871 bis 1877 den Wahlkreis Posen 2 und von 1878 bis 1881 den Wahlkreis Bromberg 5.

Er gründete polnische Wirtschafts- und Bildungsorganisationen mit.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.413

 

(*)Der sogenannte Polenprozess von 1847, in Polen Berliner Prozess genannt (Proces berliński), war der erste Gerichtsprozess in Preußen, der als für die Öffentlichkeit zugängliches politisches Verfahren verhandelt wurde. Unter anderem für diesen Prozess wurde das preußische Strafverfahrensrecht umgestaltet. Die neu eingeführte Staatsanwaltschaft warf den 254 Angeklagten vor, den polnischen Staat in den Grenzen von 1772 wiederherstellen zu wollen. Er endete mit zwei Todesurteilen und zahlreichen Gefängnisstrafen. Nach dem Beginn der Märzrevolution von 1848 wurden die Angeklagten amnestiert.

(*)Als Januaraufstand (polnisch:  Powstanie styczniowe) wird eine vor allem gegen die russische Teilungsmacht gerichtete polnische Erhebung in Kongresspolen sowie in litauisch-weißrussischen Gouvernements des Russischen Kaiserreiches in den Jahren 1863/1864 bezeichnet. Der hauptsächlich von den adligen Schichten geführte Aufstand, dem sich auch Teile des Bürgertums und Bauern angeschlossen hatten, hatte  die Wiederherstellung Polens in den Grenzen von 1772 zum Ziel

 

Neumann, Johannes

* 27. Februar 1918 in Czarnikau † 23. Juli 2012.

Als Kleinkind kam Neumann aus seiner Geburtsstadt Czarnikau, die nach dem Ersten Weltkrieg zu Polen kam, nach Stettin. Hier wuchs er auf und besuchte das Marienstiftsgymnasium bis zum Abitur. Zeitbedingt schlossen sich daran 1936 zwei Monate Reichsarbeitsdienst und danach zwei Jahre Wehrdienst in der Wehrmacht an. Er begann ein Studium, das er bald durch den Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg wieder beendete.. Da nach dem Zweiten Weltkrieg nun auch Stettin an Polen gekommen war, ging er nach Hamburg, begann dort ein Lehrerstudium und wurde 1956 Lehrer.

Neumann trat 1959 in die SPD ein. Er war während der 9. Wahlperiode (1978 bis 1982) Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Ferner war er Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Neumann engagierte sich auch in der Pommerschen Landsmannschaft. Bereits 1953 wurde er Vorsitzender der Pommernjugend und führte deren Beitritt in die Deutsche Jugend des Ostens herbei. Später wurde er Mitglied des Bundesvorstandes  der Pommerschen Landsmannschaft, die ihm 1995 die Ehrenmitgliedschaft verlieh.

 

 

Nobel, Günter Michael

 

* 9. März 1913 in Filehne, Provinz Posen; † 31. August 2007 in Berlin

 

Günter Nobel entstammte einer alten ungarischen Rabbiner-Familie und wuchs als jüngster von drei Söhnen in Schneidemühl auf, wohin sein Vater Israel Nobel (1879–1962) 1914 als Rabbiner versetzt wurde. 1924 zog er mit seiner Familie aufgrund einer erneuten Versetzung des Vaters nach Berlin-Moabit und 1930 in die Oranienburger Vorstadt. Günter Nobel erlangte im Frühjahr 1931 am Friedrich-Werderschen Gymnasium die Hochschulreife und begann anschließend ein Studium mit den Fächern Jura und Volkswirtschaft an der Friedrich-Wilhelm-Universität, von der er im April 1933 aus rassistischen Gründen relegiert wurde.

Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Genia Nobel (geb. Schmerling, 1912–1999), die er im Herbst 1931 durch die fast alltäglichen Auseinandersetzungen mit nationalsozialistischen Studenten an der Berliner Universität kennen lernte, schloss er sich der SAP an. Trotz aller politischen Differenzen, die beide hatten, prägte sie die frühe Einheitsfront-Erfahrung an der Universität für das weitere Leben. Nachdem die KPD ihre Sozialfaschismus-Doktrin* in Bezug auf die Sozialdemokratie aufgegeben hatte, wurden beide Mitglieder der KPD und beteiligten sich am antifaschistischen Widerstand im KPD-Unterbezirk Charlottenburg.

Ab Mai 1933 absolvierte Günter Nobel durch Vermittlung der Jüdischen Gemeinde im Berliner Taxibetrieb Tempo eine Ausbildung zum Autoschlosser, die er nach dessen Schließung bei der Schlosserfirma von Felix Hohl fortsetzte. Im Dezember 1935 wurde Felix Hohl als Widerstandskämpfer gegen den Faschismus verhaftet und Günter Nobel konnte seine Ausbildung erneut nicht beenden.

Am 28. Juli 1936 wurden Genia und Günter Nobel in ihrer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf von der Gestapo verhaftet. Am 1. Dezember 1937 wurden beide wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die Günter Nobel überwiegend im Zuchthaus Brandenburg verbrachte. Unmittelbar nach der Haftentlassung gelang beiden die Emigration nach Shanghai. Dort schlossen sie sich erneut einer KPD-Gruppe an und wurden Tass-Korrespondenten. Für den Lebensunterhalt verdingte sich Günter Nobel als Schweißer bei einer Einrichtung der US-Armee in Shanghai.

1947 kehrte er auf Initiative Bruno Baums, seines Zellengenossen im Zuchthaus Brandenburg, nach Berlin zurück. Von 1949 bis 1952 war er im SED-Parteiapparat tätig und Mitglied im Zentralkomitee, bis seine Tätigkeit für die US-Streitkräfte während der Emigrationsjahre bekannt wurde. Von 1952 bis 1956 wurde er Kulturdirektor im Funkwerk Berlin, danach folgten dann Tätigkeiten im Institut für Marktforschung und in der Staatlichen Plankommission. Von 1969 bis 1971 war er im Außenministerium der DDR verantwortlich für die Vertretung der DDR in Schweden.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Berlin-Johannisthal. Er war über viele Jahre Vorstandsmitglied im Jüdischen Kulturverein Berlin und aktiv tätig in der Liga für Völkerfreundschaft der DDR.

Günter Nobel starb während der Neueröffnung der umgebauten Synagoge Rykestraße in Berlin-Prenzlauer Berg. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Baumschulenweg im Ehrenhain für Verfolgte des Naziregimes.

 

Lit.:

  • Genia und Günter Nobel: Als politische Emigranten in Shanghai. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Jg. 21, 6/1979
  • Ursula Krechel: Shanghai fern von wo. Verlag Jung und Jung: Salzburg 2008

 

*Sozialfaschismus- Schlagwort der kommunistischen Propaganda zur Diskriminierung der deutschen Sozialdemokratie während der Weimarer Republik. Der S.-Theorie zufolge stellte die Sozialdemokratie den „linken Flügel des Faschismus“ dar und sei daher vorrangig zu bekämpfen.

 

 

Nolte, Heinrich

*25.Aug.1836 in Lissa, +

Studium in Breslau, Heidelberg und Berlin. 1873 bis 1876 Kreisrichter in Wollstein, danach Kreisrichter in Bromberg.

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs –und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.286

 

Nowicki, Stanislaw

* 6. April 1870 in Stenschewo (Krs. Posen –West) ; † 27. August 1948

Nowicki besuchte die Volksschule zu Stenschewo und die Volksschule zu Posen. Er erlernte dann das Buchdruckergewerbe und arbeitete ca. 20 Jahre hindurch als technischer Leiter in der Dr. Szymanskischen Buchdruckerei zu Posen. Er war Mitbegründer der polnischen Berufsvereinigung zu Posen und sechs Jahre lang unbesoldeter Vorsitzender derselben. 1908 begründete er eine Buchdruckerei verbunden mit einer Kautschukstempelfabrikation. Im Juli 1909 wurde er zum besoldeten Vorsitzenden der Handwerkerabteilung obiger Berufsvereinigung gewählt.

Von 1910 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 1 (Posen-Stadt) und der Polnischen Fraktion.

Lit.:

*  Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin 1913, S. 86 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250)

 

  •  Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der  Reichstage. Hannover 1965 S.414

 

 

Oltersdorf , Karl Julius

+13.Okt.1889  in Bromberg; † 10.Dez. 1973

Der gelernte Transportarbeiter war seit 1914 SPD -Mitglied und von 1920 bis 1933 Gewerkschafts-funktionär. Zeitweise gehörte er der USPD an. Als Vertrauensmann organisierte er 1909 einen Lohnkampf der Transportarbeiter und wurde fristlos entlassen. Seiner Einberufung zum Kriegsdienst 1914 entzog er sich durch Hungerstreik. 1921/22 besuchte er die Akadamie der Arbeit (*) an der Universität in Frankfurt/Main. Ab 1933 baute er Widerstandsgruppen in den Verkehrs- und Handelsbetrieben Berlins auf, weshalb er vom 22. bis 26. September 1936 zusammen mit weiteren 13 Sozialdemokraten vor dem Volksgerichtshof  stand. Der 2. Senat unter dem Vorsitz des Volksgerichtsrats Jenne verurteilte ihn wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter erschwerenden Umständen“ zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Es wurde außerdem die Polizeiaufsicht für zulässig erklärt.

1945 wurde er wieder Mitglied der SPD und 1946 durch die Zwangsvereinigung der SPD und KPD der SED, für deren Gründung er sich einsetzt hatte. Er war ein Mitbegründer der IG 15 „Öffentliche Betriebe und Verwaltungen“ und übte ab Juni 1946 den Vorsitz für die Sowjetische Besatzungszone  aus.

1948 kam es zu einer Kontroverse zwischen der SED-Führung und ihm wegen der Einschätzung des fachlichen Charakters der Bereitschaften der Volkspolizei. Oltersdorf drängte auf eine gewerkschaftliche Organisation der Polizei, was mit den Absichten der Parteispitze der SED nicht im Einklang stand. So wurde er bald von seiner Gewerkschaftsfunktion entbunden. In seinem Lebenslauf, der 1969 veröffentlicht wurde, nennt er dafür gesundheitliche Gründe. Von 1953 bis 1963 gehörte er der zentralen Revisionskommission des Bundesvorstandes des FDGB  an. Von 1958 bis 1963 war er Präsident des Ständigen Ausschusses der „Gesamtdeutschen Arbeiterkonferenz“.

Oltersdorf erhielt neben weiteren Auszeichnungen den Karl-Marx-Orden, den Vaterländischen Verdienstorden  in Gold und  den Orden „Banner der Arbeit“ Seine Urne wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten  auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

(*)Die Europäische Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt (bis zum 14. Oktober 2009 Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt (AdA)) ist eine gemeinnützige Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes des Landes  Hessen und der Stadt Frankfurt. Bei der Europäischen Akademie der Arbeit handelt es sich um eine Institution der Lehre und Forschung. Ihr Zweck ist die Ausbildung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen für Tätigkeiten in Wirtschaft und öffentlichem Leben. Die Akademie kooperiert mit der Goethe-Universität und der Fachhoch-schule Frankfurt

Zielgruppe der Akademie sind Studierende, die nach einer betrieblichen Ausbildung diese Bildungserfahrung mit Schwerpunkten in Sozialpolitik, Wirtschaft und Arbeitsrecht ausweiten wollen. Dadurch soll die demokratische Mitwirkung der Beschäftigten in Staat, Gesellschaft und Unternehmen gefördert werden.

 

 

Oppen, Konrad von

* 23. April 1904 in Posen; † 30. April 1987 in Friedrichsdorf

Von Oppen absolvierte nach dem Abitur im Jahr 1922 ein Studium der Rechtswissenschaften. Ab 1925 war er als Referendar tätig und im Jahr 1930 folgte die Promotion. Nach einer Tätigkeit als Gerichtsassessor, war er mehrere Jahre bei der Domänenbank in Berlin als Rechtsberater sowie als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Mitteldeutschen Bank in Weimar tätig. Nach einer Lehrzeit in der Landwirtschaft, übernahm er 1938 den Familienbesitz in der Uckermark. Von 1939 bis 1946 war er erst im Kriegsdienst eingesetzt und geriet danach in Kriegsgefangenschaft. Seine Familie wurde aus der Heimat vertrieben und der Besitz enteignet. Seit 1946 war er Vermögensverwalter des Grafen von Bernstorff und dessen Erben in Gartow. Er wurde Vorstandsmitglied des Gartower Deich- und Wasserverbandes und anderer wasserwirtschaftlicher Organisationen. Dort war er auch Mitglied des Kreistages, bevor er Mitglied des Niedersächsischen Landtages (Mitglied der  CDU-Fraktion) wurde. Von Oppen gehörte diesem von der vierten bis zur sechsten Wahlperiode, also von 1959 bis 1970 an.

Literatur

  • Simon, Barbara: Abgeordnete in Nieder-sachsen 1946–1994: Biographisches Hand-buch, 1996, S.280.

 

 

Pankratz, Arthur

 

* 01. Juli 1879 in Bromberg; † 5. September 1975 in Elmshorn.

 

Pankratz studierte Literatur und Orientalistik an der Universität in Halle. Im ersten Weltkrieg kämpfte er in der deutschen Armee an der französischen und türkischen Front. Hier war er insbesondere als Übersetzer und Dolmetscher tätig. Nach dem Krieg war er Vorsitzender der Deutschen Sozial-demokratischen Partei in Polen (DSPP), Redakteur der linken Volkszeitung und Stadtrat in der nun wieder polnischen Stadt Bydgoszcz. 1922 wurde er von der Liste des Minderheitenblocks (Blok Mniejszości Narodowych) in den polnischen Sejm gewählt. Pankratz vereinigte alle deutschen Mitte-links – Parteien in Polen in der Deutschen Sozialistischen Arbeitspartei (DSAP), und er war Mitbegründer der Deutschen Vereinigung in Polen. Nach dem Polenfeldzug arbeitete er im Bromberger Stadtrat. Von 1945 war er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, aus der er 1955 zurückkehrte.

 

Lit.:

* Balling, Mads Ole: Von Reval bis Bukarest. Statistisch-biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa 1919-1945. Kopenhagen 1991 1. Band S.196/197

* Romaniuk, Marek: Pankratz, Arthur Bruno Adolf. In : Bydgoski Słownik Biograficzny. 2. Band. Bydgoszcz 1995 S.111-113

 

Erasmus von Parczewski (polnisch: Erazm Parczewski)

* 12. April 1826 in Ociexz ; † 14. Juli 1915 in Posen

Parczewski studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft  in Breslau. Später war er Gutsbesitzer in Belno und von 1898 bis 1908 Besitzer der Rittergutsbrauerei Erasmus von Parczewski in Benau (Bienow).

Von 1874 bis 1877 war er Mitglied des Deutschen Reichstages für den Wahlkreis Marienwerder  5 (Schwetz) und der „Polnischen Fraktion“

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 419
  • Polski słownik biograficzny. Band 25, Polska Akademja Umietętności, Kraków [u. a.] 1980
  • Tadeusz Oracki: Slownik biograficzny Warmii, Mazur i Powisla XIX i XX wieku (do 1945 roku).  Warszawa 1983
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Wyd. Wiedza Powszechna, Warszawa 1995

 

 

 

Peltasohn, Martin

*11.Nov.1849 in Ostrowo; 23. Mai 1912 in Berlin

 

Peltasohn wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren und besuchte das Gymnasium in Ostrowo. Nach seinem Abitur Jura-Studium in Breslau Am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm er teil, wurde  1872 Referendar, 1876  Gerichtsassessor und 1877 Kreisrichter in  Grätz. Dort wurde er 1879 Amtsrichter, dann wechselte er 1885 nach Bromberg, wo er 1890 Amtsgerichtsrat und 1892 Landesgerichtsrat wurde

Er wurde zum Geheimen Justizrat ernannt.

Von 1899 bis 1910 war er Abgeordneter des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Wahlbezirk Bromberg 5 (Mogilno, Wongrowitz, Znin). Dort gehörte er der Freisinnigen Vereinigung, später der Fortschrittlichen Volkspartei  an. In Bromberg wurde er Mitglied der Jüdischen Repräsentanten-versammlung, deren Vorsitzender er bis 1905 war. 1905 ging er nach Berlin und wurde führendes Mitglied seiner Fraktion.

Lit.:

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I, Teilband 4, Heidelberg 2000, S. 284−285.

 

 

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.296

 

 

Peplinski, Franz

* 14. Feb. 1910 in Samotschin, + 12. Nov.1991 in Neu Fahrland (bei Potsdam)

 

Der Vater, Feliks Pepliński (Bauunternehmer in Samotschin) war ein (katholischer) Pole, der die (evangelische) Deutsche Pauline Kirchher heiratete.

Franz P. ging 1928 in das Deutsche Reich und trat noch in demselben Jahr dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD) bei.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten betätigte er sich illegal politisch und war mehrfach inhaftiert.

Ab 1940 arbeitete P. als Mechaniker bei der Siemens Apparate – und Maschinenfabrik in Berlin-Marienfelde.

1945 trat er in die KPD ein.

Von 1945 bis 1947 war P. Bürgermeister  von Zepernick (Brandenburg- heute zur Gemeinde Panketal gehörend), von 1948 bis 1950 Landrat des Kreises Osthavelland und Mitglied des dortigen SED-Kreisvorstandes.

 

1948/49 war Peplinski außerdem Mitglied des Kommunalpolitischen Beirates des Zentral-sekretariats der SED. Im Dezember 1950 wurde er vom Sekretariat der SED-Landesleitung Brandenburg zum Fernstudium an die Deutsche Verwaltungsakademie „Walter Ulbricht“ delegiert.

Von Dezember 1950 bis Juli 1952 war er als Nachfolger von Otto Falkenberg  bzw. dessen kommissarischen Vertreters Hans Wulfert von Zerssen  Minister für Wirtschaft und Arbeit der Landesregierung Brandenburg. Von Juli 1952 bis 1956 war er Vorsitzender des Rates des Bezirks Frankfurt an der Oder.  1954 absolvierte er ein Fernstudium an der Hochschule für Planökonomie der DDR, 1955 an der Parteihochschule der KPdSU. Von 1956 bis 1958 war Staatssekretär für örtliche Räte im Innenministerium der DDR.

Anschließend war er von 1958 bis 1960 Vorsitzender des Bezirkswirtschaftsrates Potsdam und von 1958 bis 1963 Mitglied des Bezirkstags Potsdam. Von 1960 bis 1962 war er schließlich Vorsitzender des Rates des Bezirkes Potsdam. Von 1963 bis 1970 leitete er den VEB Tiefbau Brandenburg an der Havel bzw. das VEB Tiefbaukombinat Potsdam. 1970 trat er in den Ruhestand.

Lit.:

  • Niemann, Marion/Herbst, Andreas (Hrsg.): SED-Kader. Die mittlere Ebene. Biographisches Lexikon 1946 bis 1989. Paderborn u.a. 2010 S.383/384

 

 

Petersohn, Erich Walter

* 24.September 1895 in Posen, + nicht ermittelbar

 

  1. trat 1914 als Kriegsfreiwilliger in den Militärdienst ein, schied nach schwerer Verwundung aus und setzte seine Ausbildung zum Lehrer fort.

Er verließ Posen 1919 und zog nach Kassel. Hier war P. im Schuldienst tätig.

1927 trat er der NSDAP bei, war Gauobmann im Nationalsozialistischen Lehrerbund und Stadtrat in Kassel.

 

Lit.:

  • Pelda, Dieter: Die Abgeordneten des Preußischen Kommunallandtags in Kassel 1867 -1933. Marburg 1999. S.136
  • Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Indes. Marburg 1996 S.291

 

 

 

Pilz, Joachim

* 24. Dezember 1932 in Krotoschin; † 13. Januar 2012

Er erlernte den Beruf eines Maschinenschlossers bevor er ein Hochschulstudium mit Abschluss als Dipl.-Ing. absolvierte. Von 1957 bis 1990 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungs-zentrum des Werkzeugmaschinenbaus und seiner Vorgängerinstitutionen. Pilz promovierte 1976 zum Dr.-Ing.

Pilz trat 1990 in die CDU ein. Von Juni 1990 bis April 1991 war er Stadtverordneter und Bürgermeister der westsächsischen Stadt Chemnitz. Als Nachfolger von Dieter Noll, der wegen Vorwürfen von Kompetenzüberschreitung und Unterwanderung des Stadtrates zurückgetreten war, übernahm er am 1. Juni 1991 zunächst amtierend die Amtsgeschäfte und wurde schließlich am 3. Juli 1991 zum Oberbürgermeisters von Chemnitz gewählt. Im September 1993 wurde Pilz vom Stadtrat abgewählt und der von den Ratsfraktionen SPD, PDS, FDP und Bündnis 90/Grüne unterstützte SPD-Kandidat Peter Seifert zu seinem Nachfolger bestimmt.

Anschließend war er als Immobilienbeauftragter der Landesbank Sachsen LB tätig. Ab Ende der 1990er stand Pilz neun Jahre lang dem Diözesanrat des Bistums Dresden-Meißenvor. Er starb am 13. Januar 2012 nach langer schwerer Krankheit.

 

 

Pilaski, Friedrich Wilhelm Julius (poln.: Fryderyk Wilhelm Juliusz P.)

  1. 0 Februar 1803 in Posen; † 27. März 1883 ebenda.

Jura-Studium in Berlin. Von 1831 bis 1861 beim Landgericht in Posen tätig. Pilaski war Besitzer des Rittergutes Zielenice bei Wreschen. Er war langjähriges Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1867 bis 1871 Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes und des Zollparlaments für den Wahlkreis Posen 10 (Adelnau, Schildberg) und gehörte der  Polnischen Fraktion an. Präsident seiner Fraktion.

Lit.:

* Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 61

*  Phillips, A. (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Berlin o.J. S. 39

* Mann , Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.301

* Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870.Bearb. von Bernd Haufelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989. S.447

 

 

 

Plath, Heinrich

*12.Dez.1835 in Schubin

 

Studium der Rechte in Halle und Berlin. 1864 Kreisgerichtsrat in Wongrowitz., ab 1879 Landgerichtsrat in Bromberg.

1881 Oberlandesgerichtsrat in Bromberg.

1883 Vortragender Rat im Reichsschatzamt.

Ab 1903 Vorsitzender der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds.

 

Lit:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.302

 

 

Plathner, Heinrich Otto Leopold von

 

* 31. Dezember 1811 in Widzim bei Wollstein ; † 03. Januar 1885 in Berlin

 

Seine Eltern waren der Gutsbesitzer Georg Plathner (1781–1859) und Henriette geb. Hoffmann-Scholtz (1791–1870).

  1. besuchte von 1822 bis 1828 das Friedrichs-Gymnasium in Breslau. Danach studierte er bis 1830 Rechtswissenschaften an der Universität Breslau und ging anschließend bis 1831 an die Universität nach Berlin. Er bestand 1831 die Auskultatorprüfung und trat in den preußischen Staatsdienst ein. Zunächst wirkte er am Patrimonialgericht in Kamenz und 1832 am Stadtgericht Breslau. Von 1833 bis 1834 war er Referendar in Schweidnitz und 1834 am Oberlandesgericht in Breslau. Es folgten weitere Einsatzorte wie Zobten, Jauer, Ratibor, Görlitz, Sprottau, Groß Salze und Halberstadt.

Vom 18. Mai 1848 bis zum 20. Mai 1849 war er Abgeordneter für Halberstadt in der Frankfurter Nationalversammlung. Plathner war Mitglied der Casino-Fraktion. Von Oktober 1848 bis Januar 1849 fungierte er als Schriftführer des Parlaments. 1849 nahm er an der Gothaer Versammlung teil, 1850 war er Abgeordneter im Erfurter Unionsparlament.

Ab 1849 wirkte er als Stadtgerichtsrat in Breslau, 1858 wechselte er als Kammergerichtsrat nach Berlin, 1879 als Reichsgerichtsrat nach Leipzig.

1881 wurde er von der Universität Leipzig zum Ehrendoktor ernannt. Am 1. Oktober 1882 erfolgte seine Pensionierung.

 

Lit.:

  • Plathner, Otto: Die Familie Plathner. Berlin 1866
  • Best, Heinrich/Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998 S.262/263
  • Lengemann, Jochen: Das Deutsche Parlament (Erfurter Unionsparlament) von 1850. München/Jena 2000 S.239/240

 

 

Ploetz , Hans von

* 27. November 1904 in Bromberg; † 23. Dezember 1993

Hans von Ploetz besuchte 1914 bis 1923 das Realgymnasium in Arolsen und legte dort das Abitur ab. Von 1923 bis 1945 diente er als Soldat. Bis 1938 war er in verschiedenen Funktionen im Heer eingesetzt; von 1939 bis 1945 diente er in der Luftwaffe. Mit dem Kriegsende 1945 schied er als Oberst, zu siebzig Prozent kriegsbeschädigt, aus der Truppe aus. Von 1945 bis 1954 betrieb er Obst- und Gemüseanbau in Arolsen. Von 1950 bis März 1951 war er Angestellter beim Suchdienst des Roten Kreuzes in Arolsen. 1955 wurde er Inhaber eines neu errichteten Hotelbetriebs in Arolsen. Nach Gründung der Bundeswehr wurde er 1956 wieder Soldat und stieg zum General auf.

Hans von Ploetz war von 1948 bis 1956 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Arolsen und des Kreistags Waldeck sowie vom 23. April 1951 bis zum 19. April 1956 Mitglied des Hessischen Landtags. Mit dem Eintritt in die Bundeswehr schied er aus dem Landtag aus.

Lit.:

* Lengemann;Jochen: Das Hessenparlament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtages. Rankfurt/Main 1986 Seite 351-352

 

Pluta,  Georg

*13. April 1888 in Zajenkowo (Kreis Samter), + 15. Feb. 1965 in Berlin

Gärtnerische Ausbildung im Dresdner Baumschulgebiet.

Als Obergärtner Leitung gräflicher Parklandschaften in Weißwasser.

Besitzer einer Gärtnerei in Berlin-Marienfelde.

Nach 1945 Treuhänder bzw. Gesellschafter der Deutschen Fleurop.

2.Vorsitzender der FDP im Bezirk Tempelhof.

Am 28. Februar 1955 für den Abg. Schefflerin das Berliner Abgeordnetenhaus  nachgerückt
mit Wirkung vom 2. Juli Austritt aus der FDP-Fraktion.

Lit.:

 

  • Breuning, Werner/Herbst, Andreas: Biografisches Handbuch der Berliner  Stadtverordneten und Abgeordneten 1946 -1963. Berlin 201 S.211

 

 

Dziembowski-Pomian , Sigismund von

* 5. Oktober 1858 in Goranin, Kreis Gnesen; † 20. Juli 1918 in Posen

Dziembowski besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium (Posen) und studierte an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. Er promovierte 1880 in Göttingen zum Dr. iur. Als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Posen führte er die Verteidigung in vielen polnischen Prozessen, so in dem Wreschener Schulprozess.

Von 1903 bis 1908 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und ab 1889 Stadtverordneter in Posen. Nachdem er in einer Ersatzwahl 1889 für den Wahlkreis Posen 8 (Wreschen,  Pleschen)  gewählt worden war, vertrat er diesen Wahlkreis bis 1903 im Reichstag. Von 1907 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 4 (Gnesen – Wongrowitz) und der Polnischen Fraktion.

Lit,:

  • Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf 1988, S. 115 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstags-wahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 60
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf: 2007, S. 320-323 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

 

 

 

Praetorius, Gisela geb. Illing

 

* 20. Januar 1902 in Posen ; † 03. Februar 1981

 

Gisela Praetorius wurde am 20. Januar 1902 in Posen als Gisela Illing geboren. Nach dem Besuch des dortigen Lyzeums und der staatlichen Studienanstalt absolvierte sie zunächst ein hauswirtschaftliches Praktikum in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. 1920/21 war sie Leiterin der deutschen einklassigen Schule in Santomischel. Sie besuchte von 1921 bis 1924 das Technische Seminar der Staatlichen Handels- und Gewerbeschule in Potsdam sowie das Gewerbeseminar des Lette-Vereins in Berlin. Beide Einrichtungen verließ sie mit den Abschluss-prüfungen. Gleichzeitig bildete sie sich an der Berliner Hochschule für Politik fort. Von 1924 bis 1929 war sie als Gewerbelehrerin an hauswirt-schaftlichen Berufsschulen und am Gewerbe-lehrerinnenseminar in Elberfeld tätig. Nachdem sie 1929 den Pfarrer Will Praetorius in Wuppertal-Barmen geheiratet hatte war sie von 1930 bis 1940 Hausfrau in Berlin-Lichterfelde. Aufgrund der Zugehörigkeit ihres Ehemannes zur Widerstands-bewegung wurde die Familie 1940 aus Berlin ausgewiesen.

Praetorius trat 1945 in die CDU in Düsseldorf ein.

Praetorius war von 1950 bis 1954 sowie von 1958 bis 1962 Mitglied des Nordrhein-Westfälischen Landtages. Dem Deutschen Bundestag gehörte sie von 1953 bis 1957 an. Im Parlament vertrat sie den Wahlkreis Mülheim.

 

Pridöhl, Ernst

*02.Sept.1901 in Prondy (Krs. Bromberg)

Besuch der Volksschule in Prondy, dann  Landarbeiter. Von 1924 bis 1927 Lehre und  anschließend Tätigkeit als Maurer. Kriegsdienst/ Gefangenschaft.

1945 bis 1953 Neubauer

1951 LDPD

Seit 1953 Mitglied des Gemeinderates Wittenförden (Kreis Schwerin).

1958 Eintritt in die LPG „Besseres Leben“ in Wittenförden.

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1959.S . 367

 

Potworowski, Gustav Graf von

*03. Juni 1800 in Bielew(Krs.Kosten) ;+ 23. Nov. 1860 in Posen

Gymnasium in Posen (Ohne Abschluß).1819-1822 Studium der Rechte in Berlin und Heidelberg.

1823 Erbe des Guts Gola ( bei Gostyn).

1830/31 Teilnahme am November-Aufstand, Flucht nach Preußen.

Führende Rolle in der nationalpolnischen Bewegung, März 1848 Begründer eines Nationalkomitees in Posen.Mitglied der geheimen Nationalregierung. 1848-1850 Vorsitzender der Liga Polska.

Mitglied des Posener Provinziallandtages, Mitglied der preußischen Nationalversammlung.

 

Quoos , Rudolf Johann Friedrich

* 15. Feb.18201820  in Altkloster bei Bomst ; † 05. Aug. 1904 in Oberbrockendorf b. Hynau

Quoos besuchte von 1830 bis 1837 das evangelische Gymnasium in Groß-Glogau und studierte Recht- und Kameralwissenschaften von 1837 bis 1840 in Bonn und Berlin und legte das erste und das zweite juristische Examen beim Oberlandesgericht in Groß-Glogau ab. Dort arbeitete er auch als Auskultator und Referendar bis zum dritten Examen. Vor Ablegung desselben trat er aus dem Staatsdienst, wurde Landwirt und 1847 Gutsbesitzer .Ab 1851 war er Rittergutsbesitzer auf seinem Besitz Oberbrockendorf, wo er auch Standesbeamter, Amtsvorsteher, Mitglied des Kreisausschusses, Kreisdeputierter und Mitglied des Schlesischen Provinziallandtages war.

Von 1864 bis 1866 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1877 bis 1878 des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Liegnitz 6 (Liegnitz, Goldberg, Haynau) und die Nationalliberale Partei.

Literatur

  • Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 9, 1904, Berlin
  • Hermann Kalkoff (Hrsg.): Nationalliberale Parlamentarier 1867–1917 des Reichstages und der Einzellandtage., Berlin 1917
  • Haunfelder, Bernd:Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Droste, Düsseldorf 1994, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5)
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S. 326

 

Haza-Radlitz , Albert Ludwig von

* 16. April 1798 in Lewitz  bei Meseritz,; † 21. April 1872 ebenda; polnisch: Wojciech Haza z Radlic)

Haza-Radlitz besuchte die Schule in Dresden  und Berlin und trat 1815 freiwillig als Jäger  in preußische Kriegsdienste. Nach der Rückkehr aus dem Feldzug als Seconde-Lieutenant studierte er ab 1816 in Leipzig und ab 1819 in Berlin. 1820 wurde er Auskultator  am königlichen Kammergericht Berlin und 1821 am Oberlandesgericht in Naumburg. Seit 1825 war er Kabinettssekretär des Herzogs Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen (1769-1830) und seit 1826 herzoglich anhaltinischer Kammerherr. 1829 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Sporn. Später war er Rittergutsbesitzer in Lewitz bei Birnbaum  und Landschaftsrat. Seit 1871 war er Mitglied des Deutschen Reichstags ( Polnische Fraktion) und vertrat hier den  Wahlkreis Marien-werder 6 (Konitz-Tuchel). Dieses Mandat legte er aus gesundheitlichen Gründen am 23. Oktober 1871 nieder.

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 20

 

  • Andreas Gottfried Schmidt: Anhalt’sches Schriftsteller-Lexikon. Gröning, Bernburg 1830
  • Georg Christoph Hamberger  (Begründer); fortgesetzt von Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland. 5. Auflage, Band 22, Teil 2, Lemgo 1831
  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 4, Leipzig 1863, S. 261
  • Teodor Źychliński: Kronika żałobna rodzin wielkopolskich od 1863–1876 r. Leitgeber, Poznań 1877
  • Eduard Maria Oettinger (Begründer); Hugo Schramm-Macdonald (Hrsg.): Moniteur des dates. Band 9, Bernhard Hermann, Leipzig 1882, S. 83
  • Wielka encyklopedya powszechna ilustrowana. Band 28, Sikorski [u. a.], Warszawa 1901
  • Samuel Orgelbrand :: Encyklopedja powszechna. Band 16, Orgelbrand, Warszawa 1904
  •  Kosch, Wihelm: : Das katholische Deutschland. Band 1,Augsburg 1933
  • Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. Reihe A, Band XIII, C. an der Lahn 1975,Limburg an der Lahn S. 222 (= Genealogisches Handbuch des Adels, Band 60)

 

Radonski, Severin von

*24. Juni 1833 in Tulce (Krs. Schroda)

 

Studium der Rechts-und Staatswissenschaften in Berlin, Heidelberg und Breslau

Rittergutsbesitzer im Kreis Pudewitz.

Vertrat den Wahlkreis 7 (Schrimm, Schroda, Wreschen) im preussischen Abgeordnetenhaus.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.310

 

 

Radonski , Taddeus von

*18.Feb.1804 in Grätz; + 06.Sept. 1873 in Belcina

 

1824 bis 1827 Studium der Rechte in  Berlin.1830/31 Teilnahme am Novemberaufstand. Internierung in Eichwalde bei Elbing.

Gutsbesitzer in Kocialkowa-Gorka/Krs. Schroda.

1846 Arrestierung in Posen, Gefängnisaufenthalt in Sonnenburg und Berlin, 1847 Verurteilung zu achtjähriger Haftstrafe, während der Märzereignisse 1848 Freispruch.

1853-1855 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

 

 

 

 

Rau, Heinrich 

* 12. April 1879 in Tirschtiegel; † 26. Mai 1963 in Stralsund

 

Der Sohn eines Schneidermeisters arbeitete nach dem Besuch der Volkshochschule als Handlungsgehilfe und später als Kaufmann in Gleiwitz und war sechs Jahre lang Offizier der Heilsarmee und danach zwei Jahre Prediger der Christlichen Gemeinschaft. 1910 trat Rau in die SPD ein und schloss sich während des Ersten Weltkrieges der USPD an, zu deren führender Vertretern er in Oberschlesien gehörte.

Im Januar 1919 wurde er in die verfassunggebende Landesversammlung Preußens gewählt. Daneben gab er die monatlich erscheinende Zeitschrift „Morgenröte“  heraus und war Vorstandsmitglied der Volkshochschule in Gleiwitz. Innerhalb der USPD gehörte Rau zum linken Parteiflügel, welcher sich Ende 1920 mit der KPD zur VKPD zusammenschloss. Nach den innerparteilichen Konflikten um die Märzaktion kehrte er 1922 in die USPD zurück, für welche er im gleichen Jahr in die Gleiwitzer Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde. Im Herbst 1922 gehörte Rau zu der Minderheit um Georg Ledebour (1850-1947)  und Theodor Liebknecht (1870-1948), welche den Zusammenschluss mit der SPD ablehnten.

Seine wirtschaftliche Existenz wurde von den Nazibehörden untergraben mit Beginn in den Jahren 1932-34. Der jüngste Sohn wurde in jener Zeit schon nach Sonnenburg ins Konzentrationslager gebracht. 1944 mit 65 Jahren steckte ihn die Gestapo als „Staatsfeind“ ins Konzentrationslager Sachsenhausen. 1945 machte er den Todesmarsch aus dem Lager mit. Heinrich Rau wirkte in Stralsund und 1946 in Greifswald als Bürgermeister, 1947 als Oberbürgermeister und ab 1947/48 als Landrat.

Das weitere Schicksal Heinrich Raus ist unbekannt.

 

Lit.:

 

  • Wilhelm Heinz Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995. S.664

 

 

 

 

Reinberger, Gustav

*11.Juni1828 in Posen

1877-1879 Kreisgerichtsdirektor in Neidenburg.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.315

 

 

Reinecke, Werner

* 21. Juni 1891 in Gusswitz, Bojanowo, ; † 26. Mai 1963 in Hannover

Nach dem Besuch eines humanistisch orientierten Gymnasiums ging Werner Reinecke zum Militär und arbeitete als Berufsoffizier bis 1920. Er absolvierte in Schlesien eine landwirtschaftliche Ausbildung und besuchte im Anschluss die Breslauer Landwirtschaftliche Hochschule. Er verwaltete ab 1923 den väterlichen Hof und Besitz, welcher im Rahmen des Versailler Vertrages zunächst polnisch geworden war und schließlich im Jahr 1924 durch Ausweisung der Familie aus Polen gänzlich verloren ging. Reinecke arbeitete anschließend als Landwirt in Schlesien. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1937 Soldat, aufgrund einer schweren Kriegsverletzung schied er 1943 Schwerbeschädigter aus der Wehrmacht aus. Zunächst übernahm er bei Bromberg einen Versehrtenhof, musste jedoch 1945 flüchten und ließ sich nach Kriegsende in Becklingen bei Celle nieder. Dort arbeitete er als Stromableser von 1946 bis 1951.

Vom 6. Mai 1951 bis 5. Mai 1955 war er Mitglied des Niedersächsischen Landtages (2. Wahlperiode), dabei zunächst bis 28. November 1952 als SPD-Fraktionsmitglied, dann für die GVP (*) ab 29. November 1952, weiterhin für die Fraktion Mitte ab 8. Oktober 1953 und schließlich wieder für die GVP ab 14. Januar 1955.

Literatur

  • Simon, Barbara: Abgeordnete in Nieder-sachsen 1946–1994: Biographisches Hand-buch, 1996, Seite 304

(*)Die Gesamtdeutsche Volkspartei (Kurzbezeichnung: GVP) war eine Partei in der Bundesrepublik Deutschland, die die Westintegration, wie sie vom christdemokratischen Bundeskanzler Konrad Adenauer angestrebt worden war, ablehnte.

Die Partei wurde 1952 gegründet, löste sich aber mangels Wahlerfolgen 1957 wieder auf. Viele Mitglieder schlossen sich der SPD an, darunter der einflussreichste Sprecher, Gustav Heinemann, ebenso wie Johannes Rau, beides spätere Bundespräsidenten.

 

 

 

Reinefarth,  Heinrich besser bekannt unter dem Namen Heinz Reinefarth

* 26. Dezember 1903 in Gnesen, ; † 7. Mai 1979 in Westerland, Sylt

 

Reinefarth, Sohn eines Landgerichtsrates, legte 1922 das Abitur ab und wurde 1923 Mitglied im Freikorps Oberland. Er studierte Rechtswissenschaft in Jena und war nach der Promotion als Richter tätig. 1932 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.268.933) und der SS (Mitgliedsnummer 56.634). Zwischen 1932 und 1939 war er als Rechtsanwalt und Notar tätig.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Reinefarth als Feldwebel der Reserve zur Wehrmacht eingezogen und nahm am Polenfeldzug 1939 teil. Mitte 1942 wurde er aufgrund schwerer, während des Russlandfeldzuges erlittener, Erfrierungen wehrdienstuntauglich. Er verließ die Wehrmacht im Rang eines Leutnants und wurde als Generalinspekteur der Verwaltung im Reichs-protektorat Böhmen und Mähren von Juni 1942 bis Mitte 1943 tätig. Nach einem einjährigen Aufenthalt im Hauptamt Ordnungspolizei wurde er im April 1944 zum Höheren SS- und Polizeiführer Warthe berufen. In dieser Funktion befehligte er zwölf Polizei-kompanien bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) (*) vom August bis zum Oktober 1944. Immer wieder kam es neben den Massenmorden, bei denen über 100.000 polnische Zivilisten getötet wurden, auch zu Massen-vergewaltigungen und anderen Exzessen, besonders durch Angehörige der SS-Einheiten Dirlewanger und die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS „RONA“, bei denen häufig auch Minderjährige die Opfer waren. Für seine Taten in Warschau zeichnete das Nazi-Regime Reinefarth am 30. September 1944 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes aus.

 

Am 2. Februar 1945  ernannte ihn Hitler zum Festungskommandanten der Stadt Küstrin an der Oder, die nach schweren sowjetischen Bombardements im März von der Sowjetarmee erobert wurde. Bei den Kämpfen um die Festung Küstrin fielen etwa 5.000 deutsche und 6.000 sowjetische Soldaten. Reinefarth setzte sich mit seinen SS-Offizieren ab und wurde wegen Feigheit vor dem Feind zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde wegen der kritischen Frontlage nicht vollstreckt, und Reinefarth gelang es, sich mit einer Heeresgruppe an der westlichen Front jenseits der Elbe den Briten zu ergeben.

Bei Ende des Zweiten Weltkriegs stand er im Rang eines SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Polizei.

Nach der Kapitulation der Wehrmacht war Reinefarth in britischer Kriegsgefangenschaft, entging aber einem Prozess wegen der Verbrechen seiner Einheiten bzw. der Auslieferung nach Polen, da ihn ein Hamburger Gericht aus Mangel an Beweisen freiließ.

Von Dezember 1951 bis 1964 war er Bürgermeister der Stadt Westerland auf der Nordseeinsel Sylt und wurde 1958 für den GB/BHE in den Schleswig-Holsteiner Landtag gewählt. Nach seinem durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Kriegsverbrechen erzwungenen Rückzug aus der Politik war Reinefarth ab 1967 beruflich als Rechtsanwalt in Westerland tätig. Die Ermittlungen gegen ihn wurden ohne Anklage eingestellt. Reinefarth starb am 7. Mai 1979 auf Sylt.

Weitere Funktionen:

Kreistagsabgeordneter und Mitglied des Kreisausschusses Südtondern

Mitglied des Landesvorstandes des GB/BHE

 

Auszeichnungen

Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse

Kriegsverdienstkreuz (1939) II. Klasse mit Schwertern

Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub

Ritterkreuz am 25. Juni 1940

Eichenlaub am 30. September 1944 (608. Verleihung)

Nahkampfspange in Bronze

Ehrendegen des RFSS

Totenkopfring der SS

 

Literatur

  • Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten. Düsseldorf, 1986.
  • Klaus Huhn, Annelie Thorndike: Der Massenmörder blieb ohne Strafe. Berlin 2008.

 

(*)Die Armia Krajowa (polnisch für Landesarmee, abgekürzt AK; im Deutschen meist als Polnische Heimatarmee bezeichnet) war eine Militärorganisation im besetzten Polen und die größte militärische Widerstandsorganisation zur Zeit des Zweiten Weltkrieges im besetzten Europa. Sie war eine Armee aus Freiwilligen, die sich die Befreiung Polens von den deutschen Besatzungstruppen zum Ziel gesetzt hatten. Als militärischer Arm des polnischen Untergrundstaates unterstand sie der Regierungsvertretung im Lande (Delegatura Rządu na Kraj), einer Abteilung der polnischen Exilegierung in London. Im Jahre 1944 hatte sie über 350.000 Mitglieder.

 

 

Reschke, Hans

* 22. März 1904 in Posen; † 17. Oktober 1995 in Mannheim

 

Reschke, dessen Vater der Regierungspräsident Franz Hermann Reschke (1871-1934) war, bestand nach dem Schulbesuch in Syke, Bremen und Berlin 1922 das Abitur. Anschließend studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und Heidelberg und promovierte 1927. Danach war er in verschiedenen Gemeinden als Regierungsreferendar und Regierungsassessor tätig. 1933 wurde Reschke Mitglied der NSDAP. 1934 wurde er Landrat im Kreis Höxter und 1939 im Kreis Recklinghausen (bis 1945). Von 1937 bis 1943 war er ehrenamtliches Mitglied im Sicherheitsdienst der SS. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er für zwei Jahre interniert und 1947 im Spruchkammerverfahren in die Gruppe V „Nichtbelastete“ eingestuft und wegen seiner Zugehörigkeit zum SD zu 2.000 RM Geldstrafe verurteilt, die durch Haft als verbüßt galt.

Nach seiner Haftentlassung arbeitete Reschke von 1948 bis 1951 als Geschäftsführer des amerikanischen Instituts zur Förderung öffentlicher Angelegenheiten in Frankfurt/Main. Der Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich (1885-1963) gewann ihn 1951 als Geschäftsführer der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar, einem Zusammenschluss der Städte Mannheim, Ludwigshafen, Frankenthal und Heidelberg sowie mehrerer Landkreise. Drei Jahre später wurde er zum Hauptgeschäftsführer der Mannheimer Industrie- und Handelskammer gewählt.

1955 stellte ein überparteilicher Block, bestehend aus CDU, DP, FDP und BHE, den parteilosen Hans Reschke zum Kandidaten zur Mannheimer Oberbürgermeisterwahl auf. Reschke konnte die Wahl gegen Werner Jacobi mit 51,1 Prozent für sich entscheiden. Wegen Einsprüchen und Klagen von Mannheimer Bürgern konnte er das Amt allerdings erst nach über einem Jahr und einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts am 10. Dezember 1956 antreten.

Bei der Wiederwahl 1964 konnte sich Reschke mit überwältigenden 99,8 Prozent der Stimmen durchsetzen. Von 1961 bis 1967 war er Vorsitzender des Städtetags Baden-Württemberg, anschließend bis 1969 stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetags. Von 1966 bis 1972 war er Vorsitzender der Kommission für die Reform der Staatlichen Verwaltung Baden-Württemberg (Reschke-Kommission) und 1970/71 Mitglied der Sachverständigenkommission für die Neugliederung des Bundesgebiets beim Bundesministerium des Innern. 1972 ging Reschke in den Ruhestand.

Reschke verbarg seine NS-Mitgliedschaft bei der Oberbürgermeisterwahl 1955 nicht, äußerte sich allerdings nicht zu seiner Zugehörigkeit zum SD. Der breiten Öffentlichkeit wurde dies erst durch einen Artikel der Frankfurter Rundschau einen Tag vor der Wahl bekannt. Fünf Bürger erhoben daher Wahlanfechtungsklage. Mehrere Gutachten – unter anderem vom stellvertretenden Hauptankläger der USA im Nürnberger Prozess Robert Kempner (1899-1993) – entlasteten Reschke. Sie hoben hervor, dass er nur ehrenamtlich im Rahmen seiner Landratsstellung tätig gewesen und bereits 1943 auf eigenen Wunsch aus dem SD ausgeschieden sei. Vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde daher die Wahl für rechtmäßig erklärt.

Während seiner Amtszeit arbeitete er eng mit dem Ersten Bürgermeister Ludwig Ratzel (1915-1996) zusammen. Es wurden die neuen Stadtteile Waldhof-Ost und Vogelstang gebaut. Die Friesenheimer Insel wurde für die Industrie erschlossen und die Fernwärme im Stadtgebiet ausgebaut. Das städtische Krankenhaus wurde zur Fakultätsklinik der Universität Heidelberg ausgebaut und die Wirtschaftshochschule 1967 zur Universität Mannheim erhoben. Auch Kunst und Kultur wurden von Reschke gefördert. 1957 konnte er den Neubau des Nationaltheaters eröffnen.

Trotz der Querelen um seine erste Wahl wurde Reschke schnell bei den meisten Mannheimern beliebt. Als 1962 bekannt wurde, dass der Deutsche Städtetag in Köln ihm die Stelle des Hauptgeschäftsführers anbot, zogen Tausende Mannheimer mit einem Fackelzug durch die Stadt, um für seinen Verbleib zu demonstrieren. 1964 verzichtete die SPD daher gleich auf einen Gegenkandidaten und er wurde mit 99,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Für sein Lebenswerk erhielt Hans Reschke zahlreiche Auszeichnungen. 1972 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mannheim. 1973 wurde er Ehrenmitglied des Deutschen Städtetags und die Universitäten Mannheim und Heidelberg verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. 1985 erhielt Reschke die Verfassungsmedaille des Landes Baden-Württemberg in Gold. Nach seinem Tod wurde 1996 in Mannheim eine Straße in Hans-Reschke-Ufer umbenannt.

 

 

Veröffentlichungen

  • Mannheimer Perspektiven: Aufsätze, Vorträge, Ansprachen. Mannheim 1974

 

Literatur

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 8. München 2001 S.248
  • Christian Peters: „Glücklicherweise bilden wir eine Ausnahme“: Mannheim in den fünfziger Jahren. Stuttgart 2002.
  • Walter Spannagel: Hans Reschke. In: Ulrich Nieß (Hg.): Die höchste Auszeichnung der Stadt: 42 Mannheimer Ehrenbürger im Portrait. Mannheim 2002, S. 153-156.
  • Lilla, Joachim: Leitende Verwaltungsbeamte und Funktionsträger in Westfalen und Lippe (1918-1945/46). Biographisches Handbuch. Münster 2004, S. 249

 

 

Retzlaw , Karl

* 10. Februar 1896 in Schneidemühl; † 20. Juni 1979 in Frankfurt am Main, eigentlich Karl Gröhl

 

Seine Memoiren sind eine faszinierende Quelle eines Arbeiters, der für die KPD wirkte. Sie vermitteln Einblicke in die Politik der Partei, aber auch in das Leben der Proletarier in der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, die jenseits von Schmähungen und Vergötterung sind. Der aus einer baptistischen Arbeiterfamilie stammende R. siedelte 1908 nach Berlin über, wo er nach Besuch der Volksschule in einer Bronze-giesserei arbeitete und sich einer sozialistischen Arbeiterjugendgruppe anschloss.

1905 kam er mit der „Spartakusgruppe“ (*) in Berührung, für die er sich fortan konspirativ engagierte.

Als Gegner der Burgfriedenspolitik der SPD, welcher er während des Ersten Weltkrieges beigetreten war, schloss er sich 1917 der USPD an. Im Berliner Kabelwerk Cassirer arbeitete er zu dieser Zeit als Werkzeugschleifer und wurde von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern als Vertrauensmann gewählt.

1918 verweigerte er mit 21 Jahren anlässlich eines Befehls zur Musterung den Kriegsdienst und wurde im gleichen Jahr noch verhaftet, wegen „Nichtbefolgung des Gestellungsbefehls“ zu sechs Monaten Haft verurteilt und in das Militärgefängnis Osowiec (Polen) gebracht. Anfang November 1918, wenige Tage vor Ende des Ersten Weltkriegs wurde Karl Retzlaw entlassen und kam nach Berlin zurück.

Dort erlebte er die Novemberrevolution, an der er als Mitglied des Spartakusbundes an der Seite von Karl Liebknecht (1871-1919)  aktiv teilnahm. Anfang 1919 trat Retzlaw der gerade neugegründeten KPD bei. Nach der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs (1871-1919)  im Spartakusaufstand kämpfte Retzlaw zusammen mit Leo Jogiches (1867-1919) gegen die Berliner Freikorps- und Polizeidiktatur von Gustav Noske (1868-1991) , durch welche die SPD-Regierung eine Revolution nach russischen Vorbild mit Gewalt zu unterdrücken suchte. Nach der Ermordung Jogiches in der Niederschlagung der Berliner Märzkämpfe (*) floh Retzlaw aus Berlin nach München.

In München angekommen, suchte er den Kontakt zu Max Levien (1865-1937), dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Bayerns. Hier unterstützte Retzlaw die Bildung der Münchner Räterepublik, gegen die, nach der Ermordung des ersten Bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1867-1919)  (USPD) an die Macht gekommene Regierung Hoffmann. Nach der Organisation des Generalstreiks vom 7. April 1919 wurde er Kommissar für das Polizeiwesen und Münchner Polizeipräsident. Nach den Erfahrungen mit dem Polizeiterror in Berlin und vor dem Hintergrund der sich formierenden Gegenbewegungen, ordnete Retzlaw als Sicherheitsmaßnahme die Vernichtung sämtlicher Polizeiakten an.

Nach der Niederschlagung der Räterepublik lebte Retzlaw längere Zeit unter falscher Identität und arbeitete als hauptamtlicher Funktionär der KPD, so als stellvertretender Bezirksleiter in Brandenburg, als Geschäftsführer des Komintern-Verlages/ Verlags-buchhandlung Carl Hoym Hamburg und als Leiter des illegalen Apparates der Partei, wobei er hier eng mit James Thomas zusammenarbeitete. In dieser Zeit baute er unter der Identität des „Karl Friedberg“ den Nachrichtendienst der KPD aus. Die Befreiung von Kommunisten aus dem Gefängnis und Sabotage bildeten den Schwerpunkt seiner damaligen Arbeit. So versuchte Retzlaw auch erfolglos den seit 1921 einsitzenden Max Hoelz (1898-1933)  zu befreien. Zwischen 1919 und 1926 unternahm Retzlaw mehrfach auch zusammen mit anderen Kommunisten – Walter Ulbricht (1893-1973), Hermann Duncker (1874-1960) oder August Thalheimer (1884-194) – Reisen in die Sowjetunion. Mehrere Besuche auf Einladung des neuen Mitgliedes des neuen Inneren Direktoriums der Sowjetregierung Josef Stalin (1878-1953) konnten nur unter hohen persönlichem Risiko unternommen werden, da diese bis 1920 in die Zeit des Russischen Bürgerkrieges fielen. Ein Höhepunkt seines Lebens stellte nach eigenen Berichten der Besuch des letzten öffentlichen Vortrages Lenins, anlässlich der Vorstellung einer „Neuen Ökonomischen Politik der Sowjetunion“ im Jahr 1921 dar, an der er auch mit Stalin zusammentraf.

Im Februar 1926 verhaftet, wurde Retzlaw im Juni 1927 wegen seiner politischen Aktivitäten vom Reichsgericht Leipzig zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt und im Juli 1928 amnestiert.

Retzlaw hatte sich mittlerweile vor dem Hintergrund der Politik der Führungen von KPD und Komintern und der Erfahrungen während der Besuche in der Sowjetunion zu einem Kritiker der Linie von Stalin und Thälmann /Ernst/ 1886-1944) entwickelt und sympathisierte mit den Positionen Trotzkis (Leo/1879-1940) . Dennoch fand er nach seiner Haftentlassung eine Anstellung als Geschäftsführer bei dem von Willi Münzenberg (1889-1940)  geleiteten Neuen Deutschen Verlag.

 

Nach der Machtübernahme der NSDAP und dem Reichstagsbrand tauchte Retzlaw zunächst unter und reiste dann im Februar 1933 nach Moskau, um der Kominternführung über die aktuellen Entwicklungen in Deutschland zu berichten. Hierbei warnte er ausdrücklich vor einer Fehleinschätzung der friedlichen Koexistenz Hitler-Deutschlands mit der Sowjetunion. Eine Meinung, die er später in einem persönlichen Brief an Stalin wiederholen sollte.

Um einer Verhaftung durch die Nazis zu entgehen, siedelte er nach seinem Aufenthalt in der Sowjetunion in die Schweiz über. Dort traf er mit dem späteren Herausgeber der Frankfurter Rundschau Karl Gerold (1906-1973) zusammen. Im November 1933 erklärte er dann seinen Austritt aus der KPD und schloss sich den trotzkistischen Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) an.

1934 siedelte er ins Saarland über, wo er sich intensiv am Kampf gegen den Anschluss des Gebietes an Deutschland beteiligte. Er arbeitete dort als Kultursekretär der saarländischen Sozial-demokraten. Nach der Abstimmungsniederlage flüchtete er im Januar 1935 nach Frankreich, hier beteiligte er sich an Aktivitäten gegen deutsche Waffenlieferung an Franco (Francisco/1892-1975)  während des spanischen Bürgerkrieges. Nach Kriegsbeginn 1939 bis 1940 kurzzeitig interniert, floh er im Sommer 1940 vor der anrückenden Wehrmacht über Südfrankreich nach Lissabon. In einem Zeitungskiosk in Marseille kaufte er eine Zeitung, aus der er von der Ermordung Leo Trotzkis (1879-1940)  erfuhr.

In Lissabon angekommen, flog ihn der britische Geheimdienst am 9. Oktober 1940 nach weiter nach Großbritannien. Im britischen Exil gründete er den Bund Deutscher Revolutionärer Sozialisten – BDRS – in der Deutschen Demokratischen sozialistischen Föderation und war in der Fight for Freedom-Gruppe aktiv. In London blieb er über die Kanäle des Britischen Nachrichtendienstes auch mit dem in der Schweiz gebliebenen Karl Gerold (1906-1973) in Verbindung. 1946 kehrte Retzlaw ins Saarland zurück und trat der SPD bei, hielt aber freundschaftliche Beziehungen zu seinen Genossen aus der IKD aufrecht.

Daneben arbeitete er als Angestellter bei der Frankfurter Rundschau für Karl Gerold (ab 1954 war Gerold der alleinige Herausgeber, Chefredakteur und Mehrheitsgesellschafter der FR) und war im Bund der Verfolgten des Naziregimes und dem Verband für Freiheit und Menschenwürde aktiv und gründete 1973 gemeinsam mit u.a. Augustin Souchy (1892-1984), Peter Bernhardi und Peter Maslowski (1893-1983)  das linke Diskussionsforum Arbeitskreis Karl Liebknecht.

Werke:

 

  • Spartakus – Aufstieg und Niedergang. Erinnerungen eines Parteiarbeiters, Frankfurt am Main 1971

 

 

Lit.:

 

  • Jörg Später: Die Kritik des „anderen Deutschland“. Otto Lehmann-Rußbüldt , Karl Retzlaw und Hans Jaeger im Londoner Exil. in: Gunther Nickel, Hg.: Literarische und politische Deutschlandkonzepte 1938 – 1949., Göttingen 2004, S. 163-185
  • Jörg Später: Die Kritik des »anderen Deutschland«. in „Jour fixe“-Initiative Berlin (Hg.): Fluchtlinien des Exils.  Münster 2004
  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2004, S. 610
  • Hoppe, Kurt: In Stalins Gefolgschaft. Moskau und die KPD 1928-1933. München 2007 S.323 ff.

 

(*)Der Spartakusbund war eine Vereinigung von marxistischen Sozialisten in Deutschland, die während des Ersten Weltkriegs am Ziel einer internationalen  Revolution des Proletariats festhielten, um Kapitalismus, Imperialismus und Militarismus weltweit zu stürzen.

Diese Ziele verfolgte ab August 1914 die „Gruppe Internationale“ als oppositionelle Gruppe innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Sie nannte sich ab 1916 „Spartakusgruppe“ und schloss sich 1917 der von der SPD abgespaltenen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) als linker Flügel an. In der Novemberrevolution 1918 gründete sich der Bund neu als deutschlandweite, parteiunabhängige Organisation mit dem Namen „Spartakusbund“ und dem Ziel einer gesamtdeutschen Räterepublik. Am 1. Januar 1919 ging er in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) auf.

(*) Die Berliner Märzkämpfe von 1919 forderten mehr als 1.200 Tote und gehören damit zu den blutigsten Konflikten im Rahmen der revolutionären Auseinandersetzungen in Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Sie können auf den Zeitraum vom 03.März bis zum 16. März 1919 datiert werden. Parallel zu den Berliner Märzkämpfen fanden auch im Ruhrgebiet und im damaligen mitteldeutschen Industrierevier um Halle/Merseburg Generalstreiks statt.

Ursache der Märzkämpfe war die Forderung weiter Teile der radikalisierten Arbeiterschaft nach einer Sozialisierung der Schlüsselindustrien sowie der Einführung des Rätesystems. Beide Forderungen waren zentrale Anliegen der Novemberrevolution, insbesondere die Sozialisierung war im Dezember 1918 bereits vom ersten „Reichsrätekongress“ aller deutschen Arbeiter- und Soldatenräte beschlossen worden

 

 Rickert; Ludwig

* 20. Juli 1897 in Scherze (Krs. Wreschen) ; † 04.Okt. 1963 in Wuppertal

Rickert begann nach der Schule eine Ausbildung zum Lehrer. 1917 unterbrach er diese und trat in den Militärdienst  ein. Im Krieg erlitt er schwere Verwundungen und geriet in britische Gefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde. Er schloss seine Ausbildung ab und trat in den Volksschuldienst ein. Doch schon 1923 nahm Rickert ein Studium  auf und erhielt 1927 das Handelslehrer-Diplom. Seit 1925 in Herne tätig, wechselte er nach seinem Abschluss an die städtischen Berufs- und Handelsschulen in Bonn. Bis 1930 blieb er an der Kölner Universität in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben.

Auf Anfang 1930 datieren Rickerts erste politische Aktivitäten: Er trat in die NSDAP ein, wo er als einer der wenigen Akademiker  rasch Karriere machte. Bereits 1931 war er Ortsgruppenleiter  von Beuel, 1932 übernahm er die Kreisleitung  Bonn-Land. Sein Eintreten für die Partei mit Redeauftritten und Artikeln im „Westdeutschen Beobachter“ führte bald zum Gegensatz mit seinem Arbeitgeber. Aufgrund seiner Angriffe auf den Oberbürgermeister und den Direktor der städtischen Handelsschule wurde er suspendiert und ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet.

Die Machtübernahme Adolf Hitlers  im Januar 1933 bereitete den Nationalsozialisten auch den Weg für die Eroberung der Gemeinden. Kurz nach den  Kommunalwahlen im März 1933 übernahm Rickert die kommissarische Leitung der  Stadtverwaltung  und im Juni 1933 wählte ihn die Mehrheit der Stadtverordneten auch formal zum Oberbürger-meister. In diesem Amt blieb er bis 1945. Kurz vor Sprengung der Bonner Rheinbrücke setzte er sich auf das rechte Rheinufer ab.

Im Mai 1945 kam er in Internierungshaft. Ein bereits 1945 eingeleitetes Verfahren wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit vor dem Landgericht Wuppertal  musste aus Mangel an Beweisen eingestellt werden. Ein weiteres vom Rat der Stadt Bonn 1946 angestrengtes Verfahren stellte das Landgericht Bonn nach  der Voruntersuchung 1951 ein. Im August 1948 war Rickert bereits von den Briten aus der Internierungshaft entlassen worden. Sein „Entnazifizierungsverfahren“  verzögerte sich, da die Akten für das Strafverfahren benötigt wurden und nicht zur Verfügung standen. Als das Ende des Strafverfahrens eintrat, hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung bereits den Abschluss der Entnazifizierung verkündet. Um ein Entnazifizierungsverfahren kam Rickert damit herum. Ein 1953 eingeleitetes Dienstordnungsverfahren zog sich vor dem Landesverwaltungsgericht bis 1957 hin und wurde dann eingestellt. Dadurch war Rickert berechtigt, ein  Ruhegehalt  zu beziehen. Da der Regierungspräsident  1956 verfügt hatte, die Oberbürgermeisterzeit nicht anzurechnen, klagte Rickert dagegen. Das Landesverwaltungsgericht wies die Klage 1958 jedoch zurück, was das Oberverwaltungsgericht Münster  ein Jahr später bestätigte.

Beruflich war Rickert wieder als Handelslehrer tätig, 1956 war er stellvertretender Leiter der privaten Handelsschule  in Rahden /Westfalen.

Lit.:

  • Lilla, Joachim: Dr Preußische Staatsrat 1921-1933. Ein biographisches Handbuch. Düsseldorf 2005 S.133

 

 Ritter, Emil

* 12. Januar 1858 in Stöwen (Kreis Kolmar); † 7. Oktober 1914 in Stieglitz, Kreis Czarnikau

Ritter besuchte von 1868 bis 1873 das Gymnasium zu Schneidemühl. Seit 1884 war er Gutsbesitzer in Stieglitz, Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Czarnikau und des Provinziallandtags der Provinz Posen. Er wurde ausgezeichnet mit dem Kronenorden IV. Klasse.

Ab 1908 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Bromberg 1 (Czarnikau, Filehne, Kolmar in Posen) und als Abgeordneter der Deutschkonservativen Partei.(*)

(*)Die Deutschkonservative Partei konstituierte sich am 07. Juni 1876. Sie trat für die Bewahrung monarchischer Vorrechte, Stärkung der Religion und gegen den Parlamentarismus und die Sozialdemokratie ein. Ihre Hochburgen hatte die Partei in Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und Sachsen.

Ein Großteil der Mitglieder dieser Partei beteiligte sich 1918 an der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

Siehe auch: Booms, Hans: Die Deutsch-konservative Partei. Preußischer Charakter, Reichsauffassung, Nationalbegriff. Düsseldorf 1954

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Münster 2010S.227

 

Ritter, Julius

*05. Jan. 1827 in Nakel,  † nach 1898

Ritter besuchte in den Jahren 1838 bis 1843 das Gymnasium in Thorn. Seit 1844 war er Landwirt und seit 1. Juli 1850 Besitzer von Rittershof. Weiter war er Mitglied des Magistrats-Kollegiums in Nakel und seit 1869 Mitglied des Provinzial-Landtages der Provinz Posen.

Von 1893 bis 1898 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Bromberg 2 (Wirsitz, Schubin, Znin) und die Deutsche Reichspartei.

  •  Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin.1904, S. 62
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 438
  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Münster 2010S.228

 

Rogalinski, Eustachius von

* 19. Oktober 1842 in Krolikowo (Krs.Schubin); † 1878

Rogalinski besuchte die Gymnasien in Posen und Ostrowo und studierte anschließend in Berlin. Er widmete sich der Landwirtschaft auf seinem Rittergut in Krolikowo bei Retkowo.

Von 1874 bis 1876 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 7 (Schrimm, Schroda) und von 1877 bis 1878 vertrat er den WK 5 Bromberg.

Er gehörte der Polnischen Fraktion an.

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 64
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S. 440

 

Rosenthal, Julius Isidor

* 16. Juli 1836 in Labischin ; † 02. Jan.1915 in Erlangen

Rosenthal wurde 1859 an der  Universität Berlin promoviert, wo er ein Student von Emil Heinrich Dubois-Reymond (1818-1896) war. Er blieb in Berlin als Assistent am Institut für Physiologie, wurde 1862 habilitiert und 1867 Assistenzprofessor. 1872 wurde er zum Professor für Physiologie an der Universität Erlangen berufen.

Seine Forschungsgebiete waren die Physiologie der Atmung  und der  Thermoregulation bei Warmblütern. 1881 wurde er Herausgeber der Zeitschrift Biologisches Zentralblatt.

1877 erhielt er auf Antrag das Bürgerrecht  von Erlangen. Politisch engagierte er sich in der Fortschrittlichen Volkspartei. Rosenthal setzte sich für den Bau des Erlanger Wasserleitungsnetzes ein und war maßgeblich an der Errichtung des Schlachthofes beteiligt. 1906 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Erlangen ernannt und 1908 wurde ihm der Titel Königlicher Geheimer Hofrat verliehen. 1909 wurde er Ehrendoktor der Erlanger philosophischen Fakultät. 1913 trat er in den Ruhestand.

Rosenthal wurde auf dem städtischen Zentralfriedhof beigesetzt, weil er aus der jüdischen Religions-gemeinschaft ausgetreten war.

Literatur:

  • Marco Ritter: Isidor Rosenthal. Festschrift der Physikalisch-Medizinischen Sozietät zu Erlangen zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens im März 2008. (1836–1915). Forscher – Arzt – Politiker. Ein bedeutender Physiologe zwischen Emanzipation und Antisemitismus im 19. Jahrhundert. „Direktor“ der Sozietät (1877/81 und 1907/1908), Festredner bei der Feier zu deren 100-jährigem Bestehen 1908 (= Sitzungsberichte der Physikalisch-Medizinischen Sozietät zu Erlangen. NF Bd. 11, H. 1). Erlangen u. a. 2008,

 

 

Rössler, Otto

*08. Jan.1904 in Hohensalza; +25. April 1978 in Hildesheim

 

Besuch einer Kunstgewerbe- und Handels-schule.Zwei Jahre kaufmännische Lehre. 1923/1924 Handelshochschule. Ab 1934 in Kassel als Heraldiker und Wappenmaler tätig. Referent für bäuerliches Wappenwesen beim Reichsnährstand in Berlin.

Ab 1939 beschäftigt bei der Polizei Kassel. Leiter des sozialen Betreuungsstabes beim Kommandeur der Schutzpolizei Kassel.Mitglied des Niedersächsischen Landtages von 1951 bis 1955. Seit dem 16. März 1953 als Mitglied der GB/BHE-Fraktion, ab dem 23. Januar 1955 fraktionslos.

Lit:

  • Simon, Barbara (Bearb.): Abgeordnete in Niedersachsen.1946-1994. Biographisches Handbuch. Hannover 1996 S. 314/315

 

Rost, Harald

* 26. November 1933 in Posen

 

Als Sohn eines Landwirts geboren, besuchte er ein Gymnasium und trat 1949 der FDJ bei.

Von 1952 bis 1956 studierte R.Ökonomie in Halle und war von 1956 bis 1957 wissenschaftlicher Assistent am Institut für G. der MSU Halle und ab 1957 bei dem VEB Leuna-Werk „Walter Ulbricht“ bechäftigt – zuletzt als Stellvertreter des Genaraldirektors. Ab 1958 war er Mitglied der SED. Von 1974 bis 1980 war er Mitglied der Ständigen Kommission des RGW für Erdöl und Gas.

Von 1967 bis 1981 war er Abgeordneter der Volkskammmer.

 

Lit.:

 

  • Buch, Günther : Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. Berlin/Bonn 1987 (4. Auflage) S.266/267
  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1045-1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig. 1. Band . München u.a. 1997 S.736

 

 

 

Rothe, Robert

* 20. Juli 1803 in Bromberg; † 12. April 1893 in Halle (Saale)

Der Sohn des Regierungspräsidenen, Johann Carl R. studierte bis 1825 Rechtswissen- und Kameralwisenschaften in Berlin, Königsberg und Halle. Seine Beamtenlaufbahn begann Rothe 1827 als Gerichtsreferendar in Marienwerder. Von 1861 bis 1876 war er Regierungspräsident des Regierungsbezirks Merseburg der preußischen Provinz Sachsen. Vom 21. Oktober 1848 bis zum 4. April 1849 gehörte er der Frankfurter Nationalversammlung an. Mitglied des Preußischen Landtages war er 1862, von 1867 bis 1869 und von 1870 bis 1872 (Freikonservative Fraktion).1875 wurde er Ehrenbürger von Halle. Auf dem dortigen Stattgottesacker wurde er 1893 beigesetzt.

  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus (1867–1918). Droste, Düsseldorf 1988, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Band 3)
  • Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Droste, Düsseldorf 1994, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5)
  • Heinrich Best /Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1996, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8) S. 286/287

 

 

Rothholz, Julius

*06. Dez.1864 in Schwersenz; + 02. Feb. 1939 in Berlin (Selbst-mord)

 

Stadtverordneter in Berlin

 

 

Rozanski, Stanislaus Kostka

*30.März 1832 in Kruchowo/Krs. Mogilno; 27.Okt.1894

 

1852 – 1852 Studium der Staatswissenschaften in Berlin.praktische landwirtschaftliche  Ausbildung.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S. 328/329

 

 

Rudloff, Franz Heinrich

*10.Aug.1807 in Hammermühle bei Chodziesen; + 26. Jan.1891 in Rogasen

 

Gutsbesitzer in Hammermühle, nach 1849 in Rogasen.

Fraktionsloses Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. (Ende April bis Mitte Mai 1849)

 

Lit:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.92
  • Best, Heinrich/Weege,Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998 S.287

 

 

 

Rutschke, Herbert

 

*  04.Okt. 1905 in Bromberg, +14. Mai 1978 in Potsdam

 

Kaufmännische Lehre von 1922 bis 1924 in Breslau.

Ab 1922 in der Gewerkschaftsjugend engagiert und seit 1925 Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1926 arbeitslos, anschließend bis 1932 Stenograph in den KPD-Bezirksleitungen Oberschlesien und Thüringen.1932 Besuch der KPD-Bezirksparteischule in Elgersburg und ab 1933 illegale politische Tätigkeit.

Nach 1933 zeitweise inhaftiert. 1936/(37 arbeitslos, anschließend Bauhilfsarbeiter und von 1938 bis Feb.1943 Buchhalter in einer Likörfabrik in Breslau.Ab. Feb, 1943 Soldat in verschiedenen Bewährungs – und Strafbataillonen.Nach 1945 FDGB-Funktionär in Thüringen (Abteilungsleiter im Landesvorstand) und ab 1950 2. Vorsitzender des FDGB in Thüringen.(*)

Von 1952 bis 1955 2.Sekretär der SED-Bezirksleitung Suhl und von 1955 bis 1957 war R. Mitarbeiter des ZK der SED.

  1. Vorsitzender des Rates des Bezirkes Potsdam war R. von März 1957 bis Juni 1960, bis er von Franz Peplinski (1910-1991) abgelöst wurde.

Danach Mitglied der SED-Bezirksleitung Potsdam und Abgeordneter des Bezirkstages Potsdam.

 

Lit. :

  • SBZ-Biographie.Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besazungszone Deutschland. Bonn/Berlin 1961 S.295
  • Niemann, Mario/Herbst, Andreas (Hrsg.): SED-Kader. Die mittlere Ebene. Biographisches Lexikon 1946 bis 1989. Paderborn u.a. 2010 S.414/415

 

(*)Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (abgekürzt FDGB) war der Dachverband der etwa 15 Einzelgewrkschaften in der DDR.

Der Gewerkschaftsapparat war Bestandteil und Instrument des politisch-ideologischen Machtgefüges der SED und wie alle anderen Massenorganisationen der DDR zentralistisch und hierarchisch organisiert. Die kleinste Einheit war die Gewerkschaftsgruppe, dem die Mitarbeiter, staatlichen Leiter und Parteifunktionäre eines Arbeitsbereichs angehörten. Aus diesem Kollektiv wurden die Vertrauensleute – ideologisch verlässliche Kollegen – als unterste FDGB-Funktionäre nominiert und in offener Abstimmung gewählt.

 

Rybinski, Leo Peter Paul von

* 28. Juni 1817 in Sarnowo; † 1904

Rybinski besuchte das Gymnasium in Bromberg und Kulm und studierte danach drei Jahre Jura in Berlin. Nach dem beim Kammergericht bestandenen Examen arbeitete er noch ein Jahr bei der Kriminalabteilung des Berliner Stadtgerichts und schied dann aus dem Staatsdienst aus. Er bewirtschaftete dann das elterliche Rittergut auf Debenz bei Rheden im Kreis Graudenz.

Seit 1860 war er Landschaftsdeputierter bei der königlich Westpreußischen Landschaft zu Marienwerder und von 1870 bis 1873 und von 1879 bis 1885 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Von 1871 bis 1877 war er Mitglied des Deutschen Reichstags, in beiden Parlamenten vertrat er die Polnische Fraktion und den Wahlkreis Danzig 4 (Neustadt – Putzig – Karthaus).

Lit.:

  • Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf .S.      (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul : Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin : Verlag Carl Heymann, 1904, S. 15
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.443
  • Polski słownik biograficzny. Band 33, Polska Akademja Umietętności, Kraków [u. a.] 1991.
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Wyd. Wiedza Powszechna, Warszawa 1995

 

 

 

Sabor, Adolf

 

* 26. September 1841 in Wollstein; † 27. Januar 1907 in Frankfurt am Main

 

Sabor stammt aus einer jüdischen Familie – sein Vater war Kantor. Adolf Sabor besuchte das Gymnasium in Breslau und begann dort ein Studium, wechselte später aber nach Berlin über. Ohne Abschluss des Studiums war er 1871/72 Lehramtskandidat und war anschließend wissenschaftlicher Hilfslehrer an der jüdischen Realschule in Frankfurt. Seit 1873 war er Privatlehrer, Schriftsteller und Privatier.

Seit 1872 war Sabor Mitglied der SDAP, anschließend nach der Parteivereinigung Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und ab 1890 der SPD. Im Jahr 1884 gelang es Sabor erstmals dem Linksliberalen Leopold Sonnemann (1831-1909) sein Frankfurter Reichstagsmandat abzunehmen. Dies konnte allerdings nur gelingen, weil sowohl Nationalliberale wie auch Konservative möglicherweise auf Betreiben Otto von Bismarck (1815-1898) – trotz Sozialistengesetz – für Sabor stimmten.

Wegen seines Vermögens konnte sich Sabor ganz der politischen und parlamentarischen Tätigkeit widmen, während die überwiegende Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktions-angehörigen daneben beruflich tätig sein musste.

Als es 1886 bei der Beerdigung des sozialdemokratischen Wirtes Hugo Hiller zu gewaltsamen Übergriffen der Polizei gegen die Trauergäste in Frankfurt kam, setzte unter anderem Sabor die Einsetzung einer Untersuchungskommission durch, die zur Verurteilung einiger Polizisten führte. Im Dezember 1886 wurde Sabor im Rahmen des Sozialistengesetzes vorübergehend aus Frankfurt ausgewiesen.

Sabor gehörte in der sechsten Legislaturperiode des Reichstags eine Siebener-Kommission der sozialdemokratischen Fraktion zur Erarbeitung eines sozialpolitischen Gesetzentwurfes an. Neben ihm waren darin Johann Heinrich Wilhelm Dietz , Ignaz Auer (1846-1907) , Karl Grillenberger, Heinrich Meister, Georg von Vollmar (1840-1922) und später auch August Bebel (1840-1913) vertreten.

In der breiteren Öffentlichkeit wurde Sabor durch seine blumige Sprache bekannt. Unter anderem ging auf ihn das geflügelte Wort: „Das lässt tief blicken“ zurück.

Bis 1890 blieb Sabor Mitglied des Reichstages und zog sich anschließend ins Privatleben zurück.

 

Lit.:

  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968 S.418
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.69

 

Sachweh, Kurt

*10.Juni 1906 in Posen ; † 07. Jan. 1961 in Hannover

Von 1913 bis 1916 besuchte Sachweh die Mittelschule Posen und von 1917 bis 1920 ebenda einHumanistisches Gymnasium. . Von 1920 bis 1926 besuchte er das Wilhelms-Gymnasium in Kassel. Von 1926 bis 1933 studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Marburg, München, Rostock, Göttingen und Berlin. 1933 absolvierte er die Erste Große Staatsprüfung am Oberlandesgericht Celle und 1937 die Große Staatsprüfung in Berlin. Von 1933 bis 1937 war er in Berlin Gerichtsreferendar beim Amtsgericht, beim Landgericht , beim Kammergericht und bei der Staatsanwaltschaft. Ab 19. Juli 1933 war er beim AG Lichterfelde, ab 3. Juli 1934 beim LG Berlin (Zivilsachen), ab 3. Januar 1935 bei einer Rechtsanwaltskanzlei, 3. Juni 1935 am LG Berlin (Anfragen), 8. August 1935 am AG Berlin, 30. Oktober 1935 am AG Schöneberg, 1. März 1936 im Reichsheimstättenamt. Von 1937 bis 1939 absolvierte er den juristischen Vorbereitungsdienst. Von 1938 bis 1939 war er Ermittlungsrichter beim Obersten Ehren- und Disziplinarhof und beim Ehren- und Disziplinargericht der DAF im Gau Berlin. Von 1939 bis 1945 war er Referent und Leiter der Finanzabteilung der Landesversicherungsanstalt Braunschweig (mit Freistellung für Wehrdienst).

Sachweh besuchte vom 24. August bis 17. Oktober 1936 das Gemeinschaftslager Hans Kerll in Jüterborg und nahm an einem Lehrgang für politische Schulung teil. Zum 1. Mai 1937 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnr. 4.575.991). 1938 absolvierte er einen außenpolitischen Lehrgang des außenpolitischen Schulungshauses der NSDAP in Berlin-Dahlem. 1937 war er in der NSV und von 1938 bis 1939 in der DAF. Im Juli 1933 war er in die SA eingetreten, wo er den Rang eines Rottenführers erreichte. Ab 1933 war er zudem Mitglied im NS-Rechtswahrerbund.

Von Juni bis November 1940 absolvierte Sachweh eine Funker-Ausbildung. Ab 2. März 1942 war er als Strafrichter in Shitomir in der Ukraine. Ab 1945 befand er sich in Kriegsgefangenschaft.

Vom Entnazifzierungs -Hauptausschuss Neustadt am Rüben-berge wurde Sachweh am 16. Oktober 1948 in Kategorie V entnazifiziert.

Sachweh war während der zweiten Wahlperiode vom 8. Mai bis zum 3. Juli 1953 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages,(GB/BHE)  in den er nach einer Neuauszählung der Stimmen nachrückte. Er schied nach wenigen Wochen wieder aus.

Lit.:

  • Stephan A. Glienke: Die NS-Vergangenheit späterer niedersächsischer Landtagsabgeordneter. Abschluss-bericht zu einem Projekt der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen im Auftrag des Niedersächsischen Landtages. Herausgegeben vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtages. Durchgesehener Nachdruck der ersten Auflage. Hannover 2012, S. 196f.
  • Simon, Barbara: Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994: Biographisches Handbuch, 1996, S. 319.

 

 

 

Sadler, Reinhold

* 10. Januar 1848 in Czarnikau , † 30. Januar 1906 in Eureka, Nevada

 

Reinhold Sadler besuchte die öffentlichen Schulen seiner Heimat. Er emigrierte in die USA und ging zunächst nachVirginia City, dann nach Eureka, wo er als Müller, Kaufmann und im Bergbau tätig wurde. Im Jahr 1880 wurde er zum Kämmerer im Eureka County gewählt. 1895 wurde er als Vizegouverneur Stellvertreter des Gouverneurs von Nevada. Er amtierte nach dem Tode von John Edward Jones (1840-1896) als „Acting Governor“, bis er als Mitglied der Silver Party 1898 dann formal zum Gouverneur von Nevada gewählt wurde.

Vom 10. April 1896 bis zum 5. Januar 1903 amtierte Sadler als Gouverneur. In dieser Zeit wurden Gesundheitsprogramme verabschiedet und eine Landwirtschaftsschule (Farmer’s Institute) gegründet. Außerdem wurden erste Maßnahmen für den Umweltschutz ergriffen. Im Jahr 1902 lehnte Sadler eine erneute Kandidatur ab.

Nach seiner Amtszeit kehrte Sadler nach Eureka zurück und widmete sich seinen privaten geschäftlichen Angelegenheiten. 1904 kandidierte er erfolglos für ein Mandat im Kongress.Reinhold Sadler starb im Januar 1906. Er wurde auf dem Friedhof in Carson City beigesetzt.

 

Literatur

 

  • Robert Sobel und John Raimo (Hrsg.): Biographical Directory of the Governors of the United States, 1789–1978. Band 3, Meckler Books, Westport, 1978. 4 Bände.

 

 

Samter, Hans Johann Julius

*05.Nov.1862 in Posen, 09.Feb.1929 in Berlin

Jurist

Stadrat von Charlottenburg.

Stadtältester (21. Mai 1924)

 

Saenger, Berndt von

*02. Jan.1891 in Polajewo (Krs.Obornik); + 25.Feb.1978 in Lüneburg

Studium der Volks-und Landwirtschaft in Heidelberg,Berlin und Breslau. War im 1. Weltkrieg nach schwerer Verwundung Regiments-und Brigade-Adjutant.

Am 01.Juli 1919 pachtete S.zwei Güter im Kreis Obornik und nach Ablauf der Pachtzeit 1930 das Gut Hilarhof (Krs.Jarotschin).

1921 wurde ihm der Vorsitz im deutschen landwirtschaftlichen Arbeitgeberverband übertragen.

1923 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der WELAGE, 1938 übernahm er den Vorsitz nach dem Rücktritt Georgs von Massenbach.

1934 wurde er auch Mitglied des staatlichen Genossenschafts-rates in Warschau.

Er gehörte dem polnischen Sejm bis  1935 an – zuletzt war er Sprecher der deutschen Fraktion.

Ene August 1939 wurde er in das KZ Bereza Kartuska,östlich von Warschau, gebracht und am 17. September von deutschen Truppen befreit

Stv. Sprecher der LWW

Lit.:

  • Saenger, Berndt von : Erinnerungen an meine Abgeordnetenzeit. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 22 (1976) S.27-35
  • Rosen, Hans von: Berndt von Saenger zum Gedenken. In : Kulturwart 26 (1978) Heft 131. S.1-2
  • : Saat und Ernte. Lebensbilder Posener deutscher Landwirte . Hameln 1978 S.99/100
  • Rosen, Hans Freiherr von: In memoriam Berndt von Saenger. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 25 (1979) S.26-29

 

 

Saenger, Karl Friedrich August

*05.April 1860 in Schneidemühl; 13. Nov.1901 in Frankfurt/Main

Prediger der Deutsch -Katholischen Gemeinde in Frankfurt/ Main.Stadtverordneter.

Hrsg. der Zeitschrift „Freies Wort“.

Bei der Freisinnigen Fraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses hospitierte K.Sänger.

Er war 2. Vorsitzender der süddeutsch-demokratischen Deutschen Volkspartei.

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988. S.331

 

Saenger, Karl, ab 1840 von Saenger, auch Sänger

* 18. Januar 1810 auf Gut Polajewo, Kreis Obornik,; † 7. März 1871 auf Gut Grabowo, Kreis Wirsitz

Er entstammte einer thüringischen Familie und war der Sohn des königlich preußischen Amtsrats Ernst Friedrich David Saenger, Gutsherr auf Grabowo und Grabionne (Kreis Wirsitz). Carl von Saenger, königlich preußischer Premierleutnant a.D., studierte von 1828 bis 1831 Kameralwissenschaft an den Universitäten Berlin und Heidelberg. . Anschließend wandte er sich der praktischen Landwirtschaft zu und übernahm 1840 die Familiengüter Grabowo und Grabionne.

Im Jahr 1848/49 war er für den Wirsitz-Chadzieswer Wahlbezirk Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung (Casino-Fraktion).  1850 des Erfurter Unionsparlaments, von 1851 bis 1855 und von 1858 bis 1866 des Preußischen Abgeordnetenhauses. Ab 1867 war er als Mitglied des Altliberalen Zentrums fraktionsloser Abgeordneter des Reichstags des Norddeutschen Bundes  und des Zollparlaments für den Wahlkreis Bromberg 2 (Wirsitz, Schubin). Später gehörte Saenger der Freikonservativen Partei an.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.443
  • Neubach, Helmut: Posener Vertreter im Norddeutschen Reichstag /1867-1870). In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 16(1970) S.97
  • Best, Heinrich/Weege,Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammmlung 1848/1849. Düsseldorf 1998. S.290
  • Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haunfelder und Klaus Erich Pollmann. Düsseldorf 1989. S.459
  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989 S.350
  • Lengemann, Jochen: Das Deutsche Parlament (Erfurter Unionsparlament) von 1850. München /Jena 2000 S.269/270
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Münster 2004 S.346

 

 

Schaul, Hans

* 13. Dezember  1905  in Hohensalza ; † 10. Mai 1988 in Berlin

Schaul besuchte ab 1915 ein humanistisches Gymnasium in Frankfurt an der Oder und studierte von 1925 bis 1928 an den Universitäten zu Berlin, Freiburg und Heidelberg die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Danach war er für drei Jahre an Gerichten in Berlin als Referendar tätig. Während dieser Zeit heiratete er 1929 die Kinder – und  Jugendbuchautorin Ruth Rewald (1906-1942).  Sie und die gemeinsame Tochter wurden in Auschwitz getötet. Ab 1932 erhielt er seine Rechtsan-waltszulassung und arbeitete fortan in Berlin als Rechtsanwalt. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft erhielt er ab 1933 ein Berufsverbot und flüchtete nach Frankreich, von wo aus er ab 1936 als Leutnant der Internationalen Brigaden  am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm. Zeitweise arbeitete er im Büro des General-Inspekteurs der Internationalen Brigaden Gallo mit. Im Jahr 1937 trat er der Kommunistischen Partei Spaniens bei und wurde Redakteur mehrerer Zeitungen. Er kehrte 1938 nach Frankreich zurück, wo er im Hilfskomitee für die deutschen Spanienkämpfer in Paris arbeitete. Ein Jahr später trat er der KPD bei und wurde im September gleichen Jahres in St. Jean-de-la-Ruelle bei Orléans interniert. Er kam in verschiedene Lager, bis er 1943 in Algerien einer britischen Arbeitskompanie beitrat. Im Jahr 1944 reiste er in die UdSSR, wo er im November ankam. Zunächst war er Instrukteur in Lagern für französische und japanische Kriegsgefangene, später dann Lehrer an verschiedenen sowjetischen Schulen, unter anderem an der Antifa-Schule  Nr. 2041.

Im Jahr 1948 verfügte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion über seine Rückkehr nach Deutschland, wo er später Dora Davidsohn (1913-1999)  heiratete.Zunächst war Schaul jedoch persönlicher Mitarbeiter bei Heinrich Rau (1899-1961). Später wurde er Leiter der Rechtsabteilung und Leiter einer Hauptabteilung in der Deutschen Wirtschaftskommission. Ab 1949 arbeitete er im Ministerium für Planung und ab 1950 in der Staatlichen Plankommission. Zwischen 1951 bis 1956 war Schaul Professor an der Hochschule für Ökonomie in Berlin. Danach war er bis 1972 Chefredakteur der SED-Zeitschrift Einheit. In den Jahren 1955 und 1971 bekam er den Vaterländischen Verdienstorden  und 1965 den Karl-Marx-Orden  verliehen.

Literatur:

  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagewerk über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Berlin/Bonn 1961. S.300
  • Buch, Günther: Namen und Daten. Biographien wichtiger Personen der DDR. Bonn 1973. S.242
  • Herbst,Andreas/Ranke,Wilfried/Winkler,Jürgen:So funkt-ionierte die DDR. Bd.3 Lexikon der Funktionäre. Reinbek b. Hamburg 1994 S.291/292
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 8, München u. Leipzig,  2001 S. 778.
  • Engebers, Helmut/ Andreas Herbst: Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. 5. Ausgabe. Berlin 2010. S.733

 

 

Schäfer, Willy

*02.Mai 1927 in Lettberg (Krs. Gnesen), +

Volksschule in Gnesen.

1940 bis 1944 landwirtschaftliche Lehre und anschließend in der Landwirtschaft tätig.

Kriegsdienst/Gefangenschaft

1952 Mitgründer und Vorsitzender der LPG “Freier Bauer“ in Groß Polzin (Kreis Anklam).

1952 bis 1954 Mitglied des Bezirktages Neubrandenburg.

1953-1958 Studium an der Hochschule für LPG in Meißen (Abschluß: Diplom- Agronom)

Seit 1953 Mitglied des Bezirksvorstandes Neubrandenburg und seit 1955 Mitglied des Parteivorstandes der DBD.

Seit 1954 Mitglied der Volkskammer.

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutchen Demokratischen Republik. Berlin 1957 S.359
  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. 3. Wahlperiode. Berlin 1959 S.384
  • Wernet-Tietz, Bernhard: Bauernverband und Bauernpartei in der DDR. Die VdgB un die DBD 1945-1952. Köln 198

 

Scheffler,Siegfried

* 5. November 1944 in Schillen, Landkreis Birnbaum

Nach dem Besuch der Volksschule begann Scheffler 1958 eine Lehre im Straßenbau, die er 1961 als Straßenbaufacharbeiter beendete. Von 1965 bis 1966 leistete er den Wehrdienst ab und bestand 1968 die Meisterprüfung für das Straßenbauhandwerk. 1971 schloss er die Fachschule als Bauingenieur ab und wurde 1978 Diplom-Ingenieur für Bauwesen (FH).

Seit 1989 ist er Mitglied der SPD und gehört seit 1990 dem Parteirat im SPD-Kreisverband Berlin-Köpenick an.

Von Mai bis Dezember 1990 gehörte Scheffler der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Köpenick an.

Von 1990 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier gehörte er von 2002 bis 2005 dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an.

Siegfried Scheffler ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Berlin-Köpenick – Lichtenberg II (1990) bzw. Berlin-Köpenick – Treptow (1994)  bzw. Berlin-Treptow – Köpenick (1998 und 2002) in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 unterlag er hier mit 33,2 % der Erststimmen dem Linkspartei.PDS-Kandidaten Gregor Gysi (* 1948), der 40,4 % der Stimmen erhielt.

Von Juni bis Dezember 1990 war er Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen in Berlin-Köpenick.

Am 27. Oktober 1998 wurde Scheffler als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (*1944) geführte Bundesregierung berufen. Nach dem Rücktritt von Bundesbauminister Reinhard Klimmt (*1942) schied auch Scheffler am 27. November 2000 aus dem Amt.

Lit.:

* Biographisches Handbuch der deutschen Politik. Bearb. Von Bruno Jahn. Bd.2. München 2004 S.701/702

 

Schinkel, Helmut

* 14.10.1902 in Kosten , † 31.5.1946

Sohn eines Eisenbahners; wuchs in Brandenburg auf, besuchte bis 1918 die Mittelschule, anschließend die Präparandenanstalt und von 1919 bis 1922 das Volksschullehrerseminar in Kyritz. Da er sich gegen die Prügelstrafe wandte und für reformpädagogische Ideen eintrat, verlor er bereits im September 1923 seine Stelle als Lehrer in Brandenburg. Seit 1920 Mitglied der KJD(*), 1922 der KPD, engagierte sich Schinkel besonders in dem 1924 auf der Reichskonferenz der Kommunistischen Kindergruppen gegründeten JSB(*). Im August 1924 kam er zunächst nach Berlin und fuhr anschließend nach Worpswede auf den Barkenhoff und arbeitete hier mit Heinrich Vogeler  zusammen. Bis Dezember 1925 Lehrer und Erzieher, verfaßte Kinder- und Jugendlieder sowie Bücher. Seit Januar 1926 wieder in Berlin tätig, Lehrer an Reformschulen. Im April 1929 Delegierung zur Arbeit in das Internationale Kinderbüro, einer Organisation der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau. Schinkel organisierte im Juli 1930 das Internationale Kindertreffen in Berlin, schied aber im selben Jahr aus dem Apparat der KJI aus und wurde Lehrer an einer deutschsprachigen Schule im Nordkaukasus. Von 1932 bis 1934 Direktor der deutschen Karl-Liebknecht-Schule in Moskau. Im September 1934 abgelöst, begann er 1934 an der KUNMS zu studieren. Zuletzt war er in der ASSR der Wolgadeutschen u. a. als Lehrer tätig. Er wurde am 5. Juli 1937 unter dem Vorwurf »Mitglied einer konterrevolutionären faschistischen Gruppe« zu sein, vom NKWD verhaftet, am 10. Januar 1938 zu acht Jahren Lager verurteilt, Helmut Schinkel starb am 31.Mai 1946 in einem NKWD-Lager im Nordosten des europäischen Teils der Sowjetunion.

 

 

(*) 1925 benannte sich die  Komunistische Jugend Deutschlands (KJD) in Kommunistischer Jugendverband Deutschlands (KJVD) u. Sie verstand sich als revolutionäre Jugendorganisation, deren ideologische Eckpfeiler der Marxismus und der proletarische Internationalismus waren.

 

(*) JSB= Jung-Spartakus-Bund. Die Roten Jungpioniere, gegründet 1919/20 als Jung-Spartakus- Bund, organsierten als Organsisation der KPD Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren. Siehe auch: Müller, Heiko: „Kinder müssen Klassenkämpfer werden! „ Der kommunistische Kinderverband in der Weiarer Republi (1920-1933) Marburg 2013

Lit.:

  • Weber, Hermann/ Herbst, Andreas: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.660/661
  • Plener, Ulla : Helmut Schinkel : Zwischen Vogelers Barkenhoff und Stalins Lager ; Biographie eines Reformpädagogen (1902 – 1946) 2., erg. Aufl. Berlin : 1998 (=  Biographien europäischer Antifaschisten ; Bd. 1)

 

 

Schlieper, Julius Traugott Leberecht

*03.Juni 1818 in Minikowo/krs. Bromberg +09.Mai 1879 in Suchary

Gutspächter in Suchary bei Nakel

Mitglied des Preussichen Abgeordnetenhauses 1863/64. Vertrat hier den Wahlkreis Broberg 2.

 

Schmidt, Erna

*30. Mai 1914 in Wreschen

 

1931 Besuch des Kindergärtnerinnen- Seminares.

Berufliche Tätigkeit  in Kinderheimen in Reichenbach und Görlitz.

Ab 1946 Kindergärtnerin in Weißenfels und ab 1948 Leiterin des Kindergartens in Naumburg.

Seit 1950 Stadtverordnete

Volkskammer-Abgeordnete; Fraktion FDGB

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957 S.363

 

 

Schmidt, Friedrich Gustav Hermann

* 11. Mai 1871 in Bromberg, + 04. Juli 1929 in Kassel-Habichtswald

 

Landgerichtsdirektor in Kassel.

Für die „Hessen-Nassauische Arbeitsgemeinschaft“ vertrat er von 1926 bis 1929 den Wahlkreis Kassel im Preußischen Kommunallandtag.

 

Lit.:

  • Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Marburg 1996 S.334
  • Pelda, Dieter: Die Abgeordneten des Preußischen Kommunallandtags in Kassel 1867-1933. Marburg 1999 S.187

 

 

Schmidtsdorff, Adolf

* 19. Februar 1878 in Dombrowka (Kreis Posen) ; † 3. April 1945 in Manow  oder im Mai 1943 in Zewelin

Schmidtsdorff besuchte die Volksschule und ein humanistisches Gymnasium in Lissa in Posen. Später absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre. Außerdem besuchte er die höhere Landwirtschaftliche Schule in Samter. Von 1897 bis 1898 gehörte Schmidtsdorff als Einjährig-Freiwilliger dem Feld-Artillerie-Regiment 20 an. Anschließend arbeitete er als Beamter in der Landwirtschaft. Seit dem 18. Januar 1901 war er Leutnant des Reserve-Feld-Artillerie-Regimentes 20. Am 1. Juli 1909 wurde er Rittergutspächter in Ottenburg im Kreis Rößel (Regierungsbezirk Königsberg). Am 17. Mai 1910 wurde er Oberleutnant der Reserve des Feld-Artillerie-Regiments 20.

Von August 1914 bis 1917 nahm Schmidtsdorff mit der 1. Division, der er als Hauptmann der Feld-Artillerie angehörte, am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam Schmidtsdorff in den Wirtschaftsbeirat beim Kreisamt Tauroggen im Militärgouvernement Litauen.

Am 15. September 1923 wurde Schmidtsdorff Gutspächter in Manow im Landkreis Köslin. 1930 wurde er Mitglied des Kreistages, später auch des Kreisausschusses. 1931 wurde Schmidtsdorff Mitglied, 1932 Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer der Provinz Pommern. Daneben gehörte er dem Vorstand der Kreissparkasse seiner Heimat an. Ferner wurde er Hauptabteilungsleiter II der Landesbauernschaft Pommern.

1930 trat Schmidtsdorff in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. Bei der Reichstagswahl vom Juli 1932 wurde Schmidtsdorff als Kandidat der NSDAP für den Wahlkreis 6 (Pommern) in den Reichstag gewählt, dem er bis zum März 1936 angehörte. Schmidtsdorff war bis August 1934 NSDAP-Kreisleiter für Köslin und bis November 1934 Mitglied im Reichsbauernrat.

Lit.:

  • Martin Schumacher (Hrsg.): d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933−1945. Düsseldorf 1991. S. 498.
  • Stockhorst, Erich: 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Kiel 2000

 

 

Schmirgal, Otto

*15. Dez.1900  in Bentschen, Kreis Meseritz , †24. Okt. 1944 im Zuchthaus von Brandenburg an der Havel.

Otto Schmirgal, Sohn eines Eisenbahnschaffners, war gelernter Schmied. Nachdem Bentschen infolge des Friedensvertrages von Versailles Grenzort auf polnischer Seite geworden war, musste er als Achtzehnjähriger mit seiner Mutter und vier kleineren Geschwistern flüchten. Es verschlug sie nach Reppen.(Lkr. Weststernberg) Er arbeitete dort erst bei der Eisenbahn, später als Emailbrenner. Als gewerkschaftlich organisierter Metallarbeiter wurde er in den Betriebsrat gewählt. Deshalb wurde er bei passender Gelegenheit als Erster entlassen. Bei zwei Firmen in Küstrin und in Thüringen ereilte ihn dasselbe Schicksal. 1924 siedelte er schließlich nach Berlin über.

Hier wurde er 1925 auch Mitglied der KPD. Er wurde auch hier mehrmals aus politischen oder gewerkschaftlichen Gründen entlassen. Seit 1927 war er bei der Straßenbahn beschäftigt. Auch hier wurde er bald wieder in den Betriebsrat gewählt. Nach der Spaltung der Gewerkschaft schloss er sich der RGO  an. 1929 entstand die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) als Zusammen-schluss der städtischen U-Bahn, der Straßenbahn und der Buslinien. 1932 wurde er für die KPD als Abgeordneter in den preußischen Landtag gewählt, konnte aber wegen der einsetzenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten sein Mandat nicht ausüben. 1932 war er auch an der Vorbereitung und Durchführung des Berliner BVG-Streiks (*) beteiligt. Er gehörte der Streikleitung an, in der auch mehrere Nationalsozialisten aus der NSBO vertreten waren. Schmirgal war der Hauptredner auf den Versammlungen, wie aus den Protokollen der mitschreibenden Polizei hervorgeht. Als sich Schmirgal und zwei weitere Streikführer am 5. November zu Verhandlungen in die BVG-Zentrale begaben, wurden sie verhaftet.

1933 ging Schmirgal in den Untergrund, wurde aber schon im August dieses Jahres erstmals wegen antifaschistischer Tätigkeit verhaftet und im KZ Columbiahaus inhaftiert. Anschließend war er im Zuchthaus Brandenburg sowie im KZ Esterwegen in „Schutzhaft“.Nach seiner Freilassung im September 1934 arbeitete er als Notstandsarbeiter beim Bau der Autobahn und ab 1937 als Rundschleifer bei der Zahnradfabrik Friedrichshafen in Wittenau.Ohne besondere Begründung wurde er 1939 nach dem gescheiterten Attentat Georg Elsers auf Hitler in München wieder für einige Zeit in Schutzhaft genommen. Während des Zweiten Weltkriegs wirkte er in der antifaschistischen Gruppe um Robert Uhrig (1903-1944). Er war Leiter der Zelle in der Zahnradfabrik in Wittenau. Am 4. Februar 1942 wurde er erneut verhaftet, diesmal unter dem Vorwand „systematischer Störung der Kriegsproduktion“. Inhaftiert im Zellengefägnis Moabit, wo er Werner Seelenbinder kennenlernte, dann im Arbeitser-ziehungslager Wuhlheide Von dort kam er ins Arbeits-erziehungslager Großbeeren . Am 5. September 1944 wurde er mit Werner Seelenbinder, Johannes Zoschke und zehn weiteren Angeklagten wegen „kommunistischer Parteiarbeit“ vom 5. Senat des Volksgerichtshofs zum Tod verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Otto Schmirgals Ehrengrab befindet sich auf dem Städtischen Urnenfriedhof Seestrasse in Berlin-Wedding.

Nach Schmirgal wurde 1962 eine Straße im Berliner Bezirk Lichtenberg benannt.

Bis zur Wende  hing im Vestibül des BVG-Gebäudes in der Rosa-Luxemburg-Straße Ecke Dircksenstraße eine Gedenktafel, die an die Widerstandskämpfer Otto Schmirgal und Albert Kayser erinnerte. Sie ist verschwunden.

  • Literatur:
  • Weber, Hermann/Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin: Karl Dietz Verlag 2004, S. 679-680
  • Kraushaar, Luise: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 bis 1945. Berlin 1970
  • Schumacher, Martin: MdL. Das Ende der Parlamente 1933 und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S. 142

(*)Der Streik bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG), der den Höhepunkt einer Welle von betrieblichen Teilstreiks bildete, die auf Reichskanzler Franz von Papens Notverordnung vom September 1932 folgten, gehört zu den spektakulärsten Arbeitskämpfen in der Endphase der Weimarer Republik.

Unmittelbar vor den Reichstagswahlen am 06. Nov. 1932 begonnen, richtete sich der Streik gegen eine Lohnkürzung, die zwischen der BVG und dem zu den freien Gewrkschaften gehörenden Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs ausgehandelt worden war. Diese Vereinbarung war ein Kompromiss zwischen beiden Seiten. Anfangs hatte das Unternehmen eine Senkung von 14 bis 23 Pfenning die Stunde gefordert. Der Gewerkschaft gelang es die Kürzung auf 2 Pfennig pro Stunde abzusenken. Gleichwohl führte dies zu heftigen Protesten der KPD und der von ihr abhängigen Revoliutionären Gewrkschafts-Opposition .(RGO).

Von den 22.000 Beschäftigten der BVG gehörten etwa 1.200 der RGO, 6.000 hingegen dem Gesamtverband an. Etwa 1.200 gehörten zur Nationalsozialsitischen Betriebszellenorganisation (NSBO). Etwa zwei Drittel der Beschäftigten (inklusive der NSBO-Mitglieder) waren nicht organisiert.

Lit.: Röhl, Klaus Rainer: Nähe zum Gegner. Kommunisten und Nationalsozialisten im Berliner BVG-Streik von 1932. Frankfurt/Main 1994

 

Schoeller, Winfried

*23.Feb.1941 in Posen

Studium Maschinenbau bis 1967 an der Technischen Hochschule Aaachen, Studium der Psychologie, Politologie und Soziologie an der Universität Bonn bis 1972. Seit 1972 als Angestellter bei der Bundesanstalt für Arbeit tätig.

Mitglied des Rates der Stadt Zülpich von 1969 bis 1976, seit 1970 Mitglied des Kreistages Euskirchen. Mitglied des NRW-Landtages von 1975 bis 1980.

 

Schöne, Martin Gottfried Julius

(* 18. Juli 1810 in Alt-Driebitz (poln. Stare Drzewce); † 1873 in Lombard, Illinois, USA)

war ein Theologe und Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung.

Am 4. April 1832 wurde Schöne „für den Abgang zur Universität geprüft und am 13. April mit dem Zeugnis des 2. Grades entlassen“. Dabei hatte er auch „die Reife im Hebräischen erlangt.“

Schöne war bis 1858 Pastor in Rothenburg an der Oder (poln. Czerwiensk). Er war Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung in Berlin (1848). 1858 wanderte er nach Amerika aus.

 

Literatur

  • Przemyslaw Goralczyk, Martin Gottfried Julius Schöne (1810 – 1873) [in] Zapisali sie w dziejach Srodkowego Nadodrza, Zielona Gora 2009.

 

 

Scholtz, Arthur

* 29. Januar 1871 in Bythin , + 14. Mai 1935 in Berlin

 

Mit Arthur Scholtz gelangte im Herbst 1929 ein Mann in die höchste Position der Berliner Kommunalverwaltung, der diesen Aufstieg – wie übrigens nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt – dem unvorhergesehenen, erzwungenen Verzicht des im Amte befindlichen Oberbürgermeisters zu verdanken hatte. Dabei erwiesen sich die Aufgaben, die auf Scholtz zukamen, als nahezu unlösbar. Durch den Sklarek-Skandal (*) waren das Amt des Oberbürgermeisters und darüber hinaus der Ruf der gesamten Verwaltung aufs äußerste beschädigt. Die Parteien der extremen Rechten und auch linke Parteien nutzten dies, um das Weimarer Staatswesen insgesamt anzugreifen. Das Bemühen, durch solide Arbeit das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder zu erringen und das Ansehen der kommunalen Institutionen zu heben, musste um so schwieriger sein, als es angesichts der verzweifelten finanziellen Situation, in der sich die Stadt aufgrund der Folgen der Weltwirtschaftskrise befand, kaum gelingen konnte, sichtbare Erfolge vorzuzeigen.

Arthur Scholtz wurde am 29. Januar 1871 in Bythin bei Posen als Sohn eines Domänenrates geboren. Nach dem Schulbesuch in Halle (Saale) studierte er in München, Berlin und Breslau (heute Wroclaw) Rechts- und Staatswissenschaften und arbeitete zunächst als Referendar. Seine kommunalpolitische Laufbahn begann in Posen, als er 1897 in die Verwaltung der Stadt eintrat. Drei Jahre später war er dort schon Stadtrat und Kämmerer. 1903 zog er nach Berlin und übernahm in Charlottenburg wiederum den Posten eines Stadtrates und Kämmerers. Er entwickelte sich dabei zusehends zu einem Experten für Haushalts-, Finanz- und Steuerangelegenheiten. So wurde er 1915, als seine erste 12jährige Amtsperiode zu Ende ging, für weitere 12 Jahre im Amte bestätigt. In dieser Eigenschaft war er Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender einer Vielzahl von Abteilungen, die sich allesamt mit Haushalts- und Finanzfragen beschäftigten. Darüber hinaus war seine Meinung auch zu anderen Themen gefragt. So gehörte er einer Reihe von Magistratsausschüssen an, zum Beispiel dem für für Personalangelegenheiten, für Fragen der Eingemeindung, der Unterstützung der Armen usw.
Bei den ersten Wahlen zum Groß-Berliner Magistrat im Jahre 1920 wurde Scholtz von der Deutschen Volkspartei (*), deren Mitglied er war, für das Amt eines Bürgermeisters vorgeschlagen. Das Rennen machte aber sein sozialistischer Gegenkandidat Ritter. Dennoch tat dies seiner kommunalpolitischen Karriere keinen Abbruch. Nachdem in Charlottenburg durch die Wahl von Ernst Scholz (1874-1932) zum Reichswirtschaftsminister der Stuhl des ersten Bezirksbürgermeisters frei wurde, wählte ihn die dortige Bezirksversammlung am 9. Februar 1921 in diese Funktion. Dieses Amt gewährte ihm auch genügend Entfaltungs-möglichkeiten, um sich intensiv mit grundsätzlichen Fragen von Organisation und Struktur der Berliner Verwaltung zu befassen. 1924, als Ritter überrraschend starb, unternahm er einen zweiten Anlauf, im Roten Rathaus als Bürgermeister einzuziehen. Diesmal sollte er aus dem Duell mit dem Nürnberger Stadtrat Heimerich als Sieger hervorgehen. Wieder sah er seine Hauptaufgabe darin, die Berliner Verwaltungsorganisation den Erfordernissen der Zeit anzupassen und das Verhältnis zwischen Zentral- und Bezirksverwaltung neu zu überdenken. Dabei gestaltete sich seine Beziehung zu Oberbürgermeister Gustav Böß (1873-1946) als nicht frei von Spannungen. Böß erblickte in den Ambitionen Scholtz‘ unliebsame Aktivitäten und übertrug ihm das mit ebenso umfangreichen wie undankbaren Aufgaben eingedeckte Sozial- und Fürsorgedezernat. Doch auch auf diesem Gebiet entwickelte Scholtz Kompetenz und Sachkenntnis. Unter seiner Führung kam es zu einer grundlegenden Neuordnung der Berliner Wohlfahrtspflege und zu einer Vereinheitlichung des gesamten städtischen Unterstützungssystems. Mit gleicher Energie widmete er sich dem Obdachlosenwesen, an das durch Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Zuwanderung hohe Anforderungen gestellt wurden.

Als im September 1929 Oberbürgermeister Böß zu einer Amerika-Reise aufbrach, ahnte Scholtz wohl kaum, daß er plötzlich von einem Tag zum anderen kommissarisch die volle Last und Bürde der Funktion des obersten Mannes der Stadt würde tragen müssen. Die Enthüllung, daß die windigen Textilgroßhändler Gebrüder Sklarek aus Berlin durch betrügerische Machenschaften um ca. 10 Millionen Mark geschädigt hatten, wobei der ganze Coup erst durch die Bestechlichkeit städtischer Beamter möglich wurde, trafen die Stadt und den in Vertretung von Böß die Amtsgeschäfte führenden Bürgermeister Scholtz mit voller Wucht. Er stand jetzt stellvertretend für die gesamte Stadtverwaltung im Rampenlicht. Die Öffentlichkeit war empört. Nationalsozialisten, aber auch Kommunisten versuchten, Mißwirtschaft und Unfähigkeit als Wesensmerkmale der gesamten Verwaltung an den Pranger zu stellen und eine grundsätzliche Abrechnung mit dem Weimarer Staat zu führen. Scholtz war bemüht, Böß vor ungerechtfertigten Angriffen in Schutz zu nehmen. Dabei geriet er selbst in die Schußlinie der Kritik; der Magistrat bekundete ihm gegenüber aber sein volles Vertrauen.

Scholtz‘ oberste Aufgabe in dieser Situation mußte es sein, Schadensbegrenzung herbeizuführen; alle anderen Angelegen-heiten rückten zwangsläufig erst einmal in den Hintergrund. Haupthindernis bei der Beruhigung der Lage war der katastrophale Zustand der Finanzen. Die Krise, in die die gesamte Weltwirtschaft geraten war, machte auch um Deutschland und um Berlin keinen Bogen. Massenarbeitslosigkeit griff um sich, immer breitere Teile der Gesellschaft gerieten in Armut und erwarteten verzweifelt Hilfe vom Staat. Nahezu 25 Prozent der Bevölkerung Berlins mußte aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Aber die Kassen waren leer. Die Stadt stand vor dem Offenbarungseid. Ein Schuldenberg von 400 Millionen Reichsmark drückte 1929 die Kommune! Auch der Finanzfachmann Scholtz konnte keinen Ausweg aus diesem Dilemma finden. Immerhin gelang es ihm, in- und ausländische Banken zur Gewährung von Krediten in zweistelliger Millionenhöhe zu bewegen. Das brachte keine grundsätzliche Lösung und schon gar nicht die Inangriffnahme neuer, großer Projekte, aber es verschaffte der Stadt wenigstens eine Atempause. Natürlich waren die Kredite keine uneigen-nützigen Geschenke, sondern an harte Konditionen gebunden. Sogar der Verkauf einer der „finanziellen Perlen“ der Stadt, der Elektrizitätsgesellschaft BEWAG, stand zur Debatte. Scholtz konnte dies zwar vorerst verhindern, seinem Nachfolger Sahm aber blieb es nicht erspart, diesen schmerzhaften Schritt doch noch tun.

Als ob das Renommee der Stadt durch den Sklarek-Skandal nicht schon genug beschädigt gewesen wäre, gesellte sich zu allem Übel noch eine weitere Affäre hinzu. Eigenartige Grundstücksankäufe der Berliner Verkehrs AG, besser bekannt unter dem Kürzel BVG, kamen an den Tag und ließen die Stadtverwaltung erneut im Zwielicht erscheinen. In der Tat hatte die BVG 1926 bis 1928 für 145 Millionen Reichsmark Grundstücke erworben, die für spätere Verkehrsprojekte wichtig waren. Da ein Bekanntwerden der Kaufabsichten den Preis gewaltig in die Höhe getrieben hätte, betrieben die Verantwortlichen der BVG eine Art verdeckte Operation an der Stadtverwaltung vorbei. Pikanterweise war die Stadt aber Eigentümerin der BVG, doch hatte sie im Laufe der Jahre nahezu jeden Einfluß auf die Geschäftsführung verloren, und so fiel man wieder einmal aus allen Wolken, als die Sache ruchbar wurde.

Waren in der Stadtverwaltung alle Aktivitäten darauf konzentriert, wenigstens punktuell Herr der überaus angespannten Lage zu werden, so hatte die preußische Staatsregierung zur selben Zeit Sorgen ganz anderer Art. Angebliche oder offenkundige Mängel in der Berliner Administration beschäftigten ihre Aufmerksamkeit, und man kam zu dem Schluß, daß es wieder einmal an der Zeit sei, die Stadt mit einem neuen Gesetz zur Reformierung der Verwaltung zu beglücken. Und so platzte sie mitten ins Geschehen hinein mit dem Entwurf eines „Selbstverwaltungs-gesetzes für die Hauptstadt Berlin“. In aller Heimlichkeit war daran gebastelt worden, und dementsprechend war der Zorn, den Magistrat und Stadtverordnetenversammlung diesem Werke angedeihen ließen. Neben der Neuregelung einiger bezirklicher Fragen war einer der entscheidenden Punkte die Neudefinierung der Rolle des Oberbürgermeisters. Der bislang nach dem Kollegialsystem strukturierte Magistrat sollte zwar weiterhin formell Gemeindevorstand bleiben, der Oberbürgermeister wurde aber in den Rang eines Führers der Verwaltung erhoben. Dieser Kompetenzzuwachs bedeutete im Klartext, daß ihm damit die Leitung und Beaufsichtigung sämtlicher Geschäftszweige der Verwaltung oblag. Ihm zur Seite sollten zwei Bürgermeister gestellt werden, deren Aufgaben vom Oberbürgermeister festgelegt wurden und die seinen Weisungen unterlagen.

Damit sah Scholtz seiner Tätigkeit die Geschäftsgrundlage entzogen; er fühlte sich in seiner Stellung als Bürgermeister beeinträchtigt und in seinen Rechten beschnitten. Seine Amtszeit wäre zwar erst 1936 zu Ende gewesen, er beschloß aber unter diesen Umständen, seine Demission einzureichen, jedoch verbunden mit der Bereitschaft, bis zur Neuwahl eines Nach-folgers von Böß die Geschäfte weiterzuführen. Falls er jemals mit dem Gedanken gespielt haben sollte, selbst als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt ins Spiel gebracht zu werden, so sollten derartige Rechnungen nicht aufgehen. Als neuer erster Mann an der Spitze der Stadt trat der ehemalige Senatspräsident von Danzig (heute Gdansk), Dr. Heinrich Sahm (1877-1939) , am 14. April 1931 sein Amt an.

Scholtz‘ kommunalpolitische Laufbahn war damit nach fast 30 Jahren zu Ende. Nur noch wenige Jahre sollte er seinen Ruhestand genießen können. Im Alter von 64 Jahren starb er am 14. Mai 1935 in Berlin.

 

Lit. :

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie.Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band9. München 2001 S. 107
  • Spiess, Volker (Hrsg.): Berliner Biographisches Lexikon. Berlin ² 2003 S.386

 

(*)Der Sklarek-Skandal bezeichnet einen Korruptionsprozess, der mit der Verhaftung der Brüder Max, Leo und Willi Sklarek am 26. September 1929 begann, und seine Folgen. Der Skandal spielte eine große Rolle in den politischen Auseinandersetzungen vor und während der Weltwirtschafts- krise, beeinflusste die Kommunalwahlen in Berlin.

1926 hatten die Brüder Sklarek die Lager der Kleider-Vertriebsgesellschaft, mit der die Stadt Berlin den Eigenbedarf ihrer Verwaltungsbeamten im Ersten Weltkrieg gedeckt hatte, erworben und erhielten das Recht, die städtischen Dienststellen weiterhin zu beliefern. In den folgenden Jahren stellte die Firma zahlreiche gefälschte Rechnungen aus. Als der Betrug entdeckt wurde, betrug der Schaden mehr als 10 Millionen Mark.

 

 

 

Schramm, Willy

05 Juli 1900 in  Bromberg; 27. Februar 1951 in Bremen;

 

Metall-, Berg- und Hafenarbeiter; Seit 1921 Funktionär und 1925-1931 Vorstandsmitglied der Filiale des Metallarbeiterverbands in Bremen; Maschinenarbeiter, später Betriebsratsvorsitzender in Bremen.
In der NS-Zeit in Haft: 1933 und 1935 Haft, Aug. 1944-1945 KZ Bremen-Farge und Kiel-Hassee.
1945 bis zu seinem Tode Bezirksparteisekretär und Vorstandsmitglied des SPD-Bezirksvorstands Hamburg-Nordwest in Bremen. Er starb an den Folgen eines schweren Leidens, daß er sich als Widerstandskämpfer zugezogen hatte
Er gehörte der Bremischen Bürgerschaft von 1930 bis 1933  als sozialdemokratischer Abgeordneter an, ebenso dem ersten Nachkriegsparlament Bremens 1946-1947.

 

Lit.:

  • Adamietz, Horst: Das erste Kapitel. Bremer Parlamentarier 1945 -1950. Bremen 1975 S.69
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994. S.145
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.734
  • Schumacher , Martin . M.d.L. Das Ende der Parlamente 1933 und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düseldorf 1995 S.145

 

 

 

Schroeder , Christa

 

* 17. Februar 1913 in Bromberg; † 15. Februar 1988 in Bückeburg

 

Mit der Abtretung Brombergs an Polen infolge des Versailler Vertrages musste sie die Stadt verlassen.

Nach dem Abitur 1931 am Mädchengymnasium in Detmold absolvierte Schroeder das Sozialpädagogische Seminar in Berlin und arbeitete anschließend in der Jugendpflege. Sie war von 1938 bis 1946 als Sachbearbeiterin für weibliche Vermittlung an den Arbeitsämtern in Detmold und Arnsberg beschäftigt. Im Anschluss wechselte sie in die christdemokratische Parteiarbeit. Seit 1957 war sie Angestellte des Landesvereins für Innere Mission und des Evangelischen Hilfswerks Lippe in Detmold.

Ihr beruflicher Werdegang weckte ihr Interesse für Sozialpolitik. Deshalb trat sie 1946 in die CDU ein und war bis 1957 als hauptamtliche Mitarbeiterin bei der Partei in Detmold tätig. 1957 wechselte sie als Angestellte zum Diakonischen Werk des Landesverbandes für Innere Mission und des evangelischen Hilfswerkes Lippe über, wo sie bis 1961 arbeitete. Von 1965 bis 1985 war sie Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Ostwestfalen-Lippe. Außerdem war sie stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Westfalen. (*)

Schroeder war seit 1946 Ratsmitglied der Stadt Detmold. Dem Deutschen Bundestag gehörte sie von 1961 bis 1976 an. Sie war stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen ins Parlament eingezogen. Hier gehörte sie dem Ausschuß „Jugend, Familie und Gesundheit“ sowie dem Ausschuß „Arbeit und Sozialordnung“ an.

 

Lit.:

  • Samel, Wilfried : Politik macht immer Spaß. In : Bromberg 15 (1973) Nr.42 S.9
  • Rasmus, Hugo : Lebensbilder westpreußischer Frauen in Vergangenheit und Gegenwart. Münster 1984. S.144
  • Vierhaus, Rudolf/ Herbst:, Ludolf,  (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002. Bd.2 München 2002. S.781
  • Rasmus, Hugo: Schroeder, Christa. In : Joachim Heinrich Balde (Hrsg.): Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus demm Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.169

 

 

(*) Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) ist eine Vereinigung der  CDU mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Gesellschaftspolitik“. Eine andere konkurrierende Eigen-Bezeichnung ist auch „CDU-Sozialausschüsse“.

Die Gründung der CDA wurde nach dem  Zweiten Weltkrieg vor allem von ehemaligen christlichen Gewrkschaften in den Arbeiterhochburgen Nordrhein-Westfalen betrieben. Die offizielle Gründung der CDA fand im Jahr 1946 im Kolpinghaus in Herne statt. In den Anfangsjahren stand für die CDA programmatisch vor allem die Soziale Frage , d.h. die materielle Sicherheit der Arbeitnehmer und deren Stellung in den Betrieben, im Vordergrund. Seit die Vereinigung 1967 mit der Offenburger Erklärung ihr erstes Grundsatzprogramm verabschiedete, wandte sie sich vermehrt auch gesamtgesellschaftlichen Fragen zu. Schwerpunkte in der Arbeit der CDA bilden heute neben der Arbeits- und Sozialpolitik auch die Renten-, Gesundheits- und Familienpolitik.

 

Schubert , Philipp Christian Theodor Conrad von

* 29. Oktober1847 in Wielkibor; † 21. Januar 1924 in Berlin

.

Conrad war der Sohn des Rittergutbesitzers Theodor von Schubert (1816-1890), Herr auf Bogislawitz, Rachelsdorf, Koschine, Kalmow und dessen Ehefrau Amalie, geborene Lebius. Schubert besuchte das Gymnasium zu Ostrowo und trat am 1. Oktober 1865 als Einjährig-Freiwilliger in das Pionier-Bataillon Nr. 7 in Koblenz  ein. Mit diesem nahm er 1866 als Unteroffizier am Deutschen Krieg teil und kämpfte in den Schlachten von Münchengrätz und Königgrätz. Am 9. November 1867 erfolgte seine Versetzung als Sekondeleutnant zur 3. Ingenieurinspektion. Vom 1. Oktober 1868 bis 16. Juli 1870 absolvierte er dann die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule. Mit der Mobilmachung anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges versetzte man Schubert zum Kurhessischen Pionier-Bataillon Nr. 11, mit dem er sich an den Schlachten von Weißenburg, Wörth, Sedan und Paris beteiligte. Bei Sedan wurde Schubert verwundet und für seine Leistungen am 26. September 1870 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Nach Kriegsende stieg Schubert am 1. April 1872 zum Bataillonsadjutant auf und wurde kurz darauf am 13. Juli zum Premierleutnant befördert. 1873 nahm er an der Generalstabsreise des XI. Armee-Korps teil und war während der Herbstmanöver mehrfach als Ordonnanzoffizier zum Stab der 21. Division kommandiert. Vom 5. Februar 1874 bis 14. Januar 1876 war Schubert dann Adjutant der 3. Pionier-Inspektion und kam anschließend zur Fortifikation Straßburg. Für ein Jahr kommandierte man Schubert zum Großen Generalstab. Danach fungierte er ab 13. November 1877 als Adjutant der Generalinspektion des Ingenieur- und Pionierkorps und wurde zwischenzeitlich am 11. Juni 1879 zum Hauptmann befördert. Am 13. September 1884 ernannte man Schubert zum Kompaniechef im Garde-Pionier-Bataillon. Von dieser Stellung wurde er am 11. Dezember 1886 entbunden. Schubert rückte in den Stab auf, wurde am 17. April 1888 Major sowie am 19. November 1889 Kommandeur des Bataillons. Als Oberstleutnant (seit 18. April 1893) beauftragte man ihn zunächst ab 27. Januar 1895 mit der Führung des Eisenbahn-Regiments Nr. 1 in Berlin und ernannte Schubert am 14. Februar 1895 zum Kommandeur. Am 20. Mai 1896 erfolgte seine Beförderung zum Oberst. Für seine Verdienst erhob man Schubert am 15. Januar 1899 in den erblichen Adelsstand und beauftragte ihn wenige Monate später mit der Führung der Eisenbahn-Brigade. Am 1. Juni 1899 erhielt Schubert dann die Ernennung zum Kommandeur sowie am 3. Juli 1899 seine Beförderung zum Generalmajor. Die kommenden drei Jahre führte Schubert, der am 12. September 1902 Generalleutnant geworden war, die Brigade. Im Dezember 1902 bat Schubert um seinen Abschied, den man ihm dann am 8. Januar 1903 mit der gesetzlichen Pension gewährte.

Von 1903 bis 1918 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1907 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Trier 6 (Ottweiler, St. Wendel, Meisenheim). Im Reichstag war er Hospitant der National-Liberalen.

Er heiratete 1881 Ida Louise Henriette, die älteste Tochter des Industriellen und Politikers Carl Ferdinand Stumm, die das später nach ihm benannte Weingut Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert in Mertesdorf in die Ehe einbrachte.. Nach dem Tod seines Schwiegervaters wurde er 1903 als Vertreter der Erben stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gebrüder Stumm GmbH

Literatur

  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum, Hamburg, Band 10, S.405-407
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.354
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen bgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S.369

 

 

Schultz, Karl

* 6. Juli 1902 in Posen; † nach 1945

Nach dem Besuch der Oberrealschule in Spandau, die er 1918 mit der Primareife verließ, absolvierte Schultz eine zweijährige landwirtschaftliche Lehre. Seit 1920 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Bankangestellter in Berlin-Spandau. Zu dieser Zeit begann Schultz sich in der völkischen Bewegung zu betätigen: Bis 1923 engagierte er sich im Deutsch-Sozialen Bund und dem Jugendbund Graf York von Wartenburg.  In diesem Jahr wurde Schultz eigenen Angaben zufolge wegen seiner „Beteiligung an den Vorgängen im Fort Hahneberg“ verhaftet. Das Fort war während des Küstriner Putsches (*) für kurze Zeit von den Putschisten besetzt.

Ende 1925 schloss Schultz sich der NSDAP an, in der er am 1. Juli 1928 mit der Ernennung zum Gauschatzmeisters im Gau Brandenburg erstmals Funktionärsaufgaben übernahm. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ im Frühjahr 1933 wurde Schultz am 1. Mai 1933 zum Gauschatzmeister des Gaus Kurmark ernannt.

Nachdem Schultz bereits von April 1932 bis zur Auflösung dieser Körperschaft im Herbst 1933 als Abgeordneter der NSDAP im Preußischen Landtag gesessen hatte, gehörte er von November 1933 bis zum Frühjahr 1945 dem nationalsozialistischen Reichstag an, in dem er den Wahlkreis 4 (Potsdam) vertrat.

Literatur

  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform.. Düsseldorf 2004.
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Arndt, Kiel 2000,.
  • Ernst Kienast (Hrsg.): Handbuch für den Preußischen Landtag, Ausgabe für die 5. Wahlperiode, Berlin 1933, S. 382.

(*)Der Küstriner Putsch vom 1. Oktober 1923 , nach dem Anführer auch Buchrucker-Putsch genannt, war eine unmittelbare Reaktion auf die Beendigung des passiven Widerstandes gegen die Ruhrbesetzung am 26. September 1923 durch die deutsche Reichsregierung.

Die von Major Buchrucker aufgestellten Verbände der Schwarzen Reichswehr wollten die Reichsregierung unter Reichskanzler Gustav Strsemann stürzen und die parlamentarisch-demokratische Republik durch eine nationale Diktatur beseitigen. Ein weiteres Motiv für den Putsch war die von der Reichswehrführung angeordnete Auflösung der Arbeitskommandos und dem damit verbundenen Wegfall der wirtschaftlichen Existenz vieler ihrer Angehörigen.

Der Versuch, die Garnisonsstadt Küstrin zu besetzen, wurde von Einheiten der Reichswehr verhindert, Buchrucker u.a. wurden verhaftet und wegen Hochverrats zu Festungshaft oder Gefängnisstrafen verurteilt. Die Masse der Putschisten ging jedoch straffrei aus.

 

 

 

Schultz, Georg

* 23. Mai 1860 in Karolewo, Kreis Bromberg; † 1. April 1945 in Bad Kissingen

Nach dem Abitur in Bromberg studierte Schultz Rechtswissenschaften in Tübingen und Berlin. Nach dem Bestehen beider juristischer Staatsexamina arbeitete er seit 1889 als Gerichtsassessor. Von 1895 bis 1899 war er Richter am Amtsgericht Wongrowitz, seit 1900 Richter am Landgericht Bromberg, seit 1904 Landgerichtsrat. Im Ersten Weltkrieg fungierte er als Beamter im Generalgouvernement Warschau (*) und nach 1918 als Landgerichtsdirektor in Breslau. 1930 nahm er seinen Alterssitz inBad Kissingen, wo er auch starb.

 

Im Kaiserreich gehörte Schultz der Freikonservativen Partei (*) an. 1918 beteiligte er sich an der Gründung der DNVP.

 

Schultz gehörte seit der Reichstagswahl 1907 für den Wahlkreis Bromberg dem Reichstag des Kaiserreiches an (bis 1918). 1910/12 war er Zweiter Vizepräsident des Reichstages. 1919/20 war er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Anschließend war er bis 1930 erneut Reichstagsabgeordneter.

 

 

Literatur :

  • Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Statistik der Reichstagswahlen von 1907. Berlin: Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, 1907, S. 81 (Sonderveröffentlichung zu den Vierteljahresheften zur Statistik des Deutschen Reiches); 1912: Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin:, 1913, S. 88 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250)
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.459
  • Erica Dombrowski: Georg Schultz-Bromberg. Ein konservativer Abgeordneter im Deutschen Reichstag. In: Westpreußen-Jahrbuch. Band 30, 1980, S. 127–131.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 5: R–S. Heidelberg 2002, S. 354.
  • Rasmus, Hugo: Schultz-Bromberg, Georg. In : Joachim Heinrich Balde (Hrsg.): Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.170/171
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994. S.520
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994. S.520
  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordnetendes Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010.S. 249

(*)Das kaiserlich deutsche Generalgouvernement Warschau (pl.: Cesarsko-Niemieckie Generalne Gubernatorstwo Warszawskie) war die Bezeichnung für den von den Deutschen besetzte Teil des bis dahin russichen Teil Polens während des Ersten Weltkrieges zwischen 1915 und 1918. In Russisch-Polen errichteten die Deutschen das zivil verwaltete Generalgouvernement Warschau. Dieses hatte etwa 6,4 Millionen Einwohner auf 62.000 km². In diesem Gebiet lagen mit Warschau und Lodz die wichtigsten industriellen Zentren des besetzten Gebietes. Mit Österreich-Ungarn einigte sich das Deutsche Reich im Vertrag von Teschen auf eine Aufteilung des Gesamtgebietes. Im Süden richtete Österreich-Ungarn das Generalgouvernement Lublin ein. Das österreichische Gebiet war 43.000 km² groß und umfasste etwa 3,5 Millionen Einwohner.

in Warschau wurde im August 1915 Generaloberst Hans von Beseler.. Die zivile Verwaltung wurde geführt vom Verwaltungschef Wolfgag von Kries (18. Oktober 1915 bis 26 November 1917) und danach von Otto von Steinmeister (26. November 1917 bis 6. Oktober 1918). Die Verwaltung bestand aus Angehörigen der Militärverwaltung und zivilen Beamten. Unterhalb der zentralen Ebene gab es militärische Gouverneure, zivile Kreischefs und Polizeipräsidenten. Der militärische Generalgouverneur war direkt dem Kaiser unterstellt. Dagegen bestand das Reichsamt des Innern darauf, dass die Zivilbeamten der zivilen Reichsleitung unterständen.

 

(*)Die Freikonservative Partei war eine überwiegend in Preußen aktive Partei des Deutschen Reiches bis 1918. Sie stand politisch zwischen der traditionelleren Deutschkonservativen Partei und der Nationalliberalen Partei . Nach dem Ersten Weltkrieg gingen ihre Anhänger großteils zur Deutschnationalen Volkspartei über.

Die Freikonservative Partei wurde 1867 gegründet. Sie entstand 1866 als Abspaltung von der preußischen Konservativen Partei, zunächst als Freikonservative Vereinigung unter Leitung von Graf Eduard Georg von Bethusy-Huc.Sie unterstützte die Einigungspolitik von Otto von Bisamrck und bestand überwiegend aus agrarkonservativen und bürokratischen Führungseliten. Auf der Ebene des Deutschen Reiches ab 1871 nannten sich die Freikonservativen Deutsche Reichspartei.

Lit.hinweis:

  • Alexander, Matthias: Die freikonservative Partei 1890-1918. Gemäßigter Konservatismus in der konstitutionellen Monarchie. Düsseldorf 2000

 

 

Schubert, Philipp Christian Theodor Conrad von

*29. Okt.847 in Wielkibor, + 12. Mai 1933 in Marburg

Schubert besuchte das Gymnasium zu Ostrowo und trat am 1. Oktober 1865 als Einjährig-Freiwilliger in das Pionier-Bataillon 7 in Koblenz ein. Mit diesem nahm er 1866 am Deutschen Krieg  teil. Am 9. November 1867 erfolgte seine Versetzung als Sekindeleutnant zur 3. Ingenieurinspektion. Vom 1. Oktober 1868 bis 16. Juli 1870 absolvierte er dann die Vereinigte Artilerie- und Ingenieurschule.. Mit der Mobilmachung anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges versetzte man Schubert zum Kurhessischen Pionier-Bataillon Nr. 11. Nach Kriegsende stieg Schubert am 1. April 1872 zum Bataillonsadjutant auf und wurde kurz darauf am 13. Juli zum Premierleutnant befördert. 1873 nahm er an der Generalstabsreise des XI. Armee-Korps teil und war während der Herbstmanöver mehrfach als Ordonnanzoffizier zum Stab der 21. Division kommandiert. Vom 5. Februar 1874 bis 14. Januar 1876 war Schubert dann Adjutant der 3. Pionier-Inspektion und kam anschließend zur Fortifikation Straßburg.. Für ein Jahr kommandierte man Schubert zum Großen Generalstab.. Danach fungierte er ab 13. November 1877 als Adjutant der Generalinspektion des Ingenieur- und Pionierkorps und wurde zwischenzeitlich am 11. Juni 1879 zum Hauptmann befördert. Am 13. September 1884 ernannte man Schubert zum Kompagniechef im Garde-Pionier-Bataillon . Von dieser Stellung wurde er am 11. Dezember 1886 entbunden. Schubert rückte in den Stab auf, wurde am 17. April 1888 Major sowie am 19. November 1889 Kommandeur des Bataillons. Als Oberstleutnant (seit 18. April 1893) beauftragte man ihn zunächst ab 27. Januar 1895 mit der Führung des Eisenbahn-Regiments Nr. 1 in Berlin und ernannte Schubert am 14. Februar 1895 zum Kommandeur. Am 20. Mai 1896 erfolgte seine Beförderung zum Oberst.. Für seine Verdienst erhob man Schubert am 15. Januar 1899 in den erblichen Adelsstand und beauftragte ihn wenige Monate später mit der Führung der Eisenbahn-Brigade. Am 1. Juni 1899 erhielt Schubert dann die Ernennung zum Kommandeur sowie am 3. Juli 1899 seine Beförderung zum Generalmajor.. Die kommenden drei Jahre führte Schubert, der am 12. September 1902 Generalleutnant geworden war, die Brigade. Im Dezember 1902 bat Schubert um seinen Abschied, den man ihm dann am 8. Januar 1903 mit der gesetzlichen Pension gewährte.

Von 1903 bis 1918 war er Mitglied des  Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1907 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Trier 6. Im Reichstag war er Hospitant der National-Liberalen.

Er heiratete 1881 Ida Louise Henriette, die älteste Tochter des Industriellen und Politikers Carl Ferdinand Stumm (1836-1901). Nach  dem Tod seines Schwiegervaters wurde er 1903 als Vertreter der Erben stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gebrüder Stumm GmbH.

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch Münster 2004. S. 369

 

 

Schubert, Karl Bruno

*08.Nov.1877 in Krossno(Kreis Schrimm); + 28. Feb. 1957 in Schlüchtern

 

Seine Laufbahn begann er bei dem Magistrat der Stadt Schwersenz, wechselte dann zur Gemeindeverwaltung Langenweddingen bei Magdeburg und von hier ging er zur Verwaltung der Stadt Meiderich, die heute Duisburg eingemeindet ist.

Von 1903 bis 1906 war er Magistratsassistent der Stadt Bad Homburg unter Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Sr. Ritter von Max (               ), dem späteren Landrat des Obertaunuskreises.

Am o1. April 1906 trat er eine Stelle als Verwaltungssekretär der Stadt Velbert im Rheinland an, wo er 16 Jahre lang wirkte- zuletzt als Verwaltungsdirektor.

Weihnachten 1921 erfolgte seine Wahl zum Bürgermeister von Griesheim am Main. Diese hessische Gemeinde zählte zum französischen Besatzungsgebiet und es erfolgte ein Ausweisungsbeschluss der Franzosen.

Schubert folgte daraufhin einer Berufung zum Fürsorgeamt für die Rheinischen Beamten in Berlin,

Während  seines “Exils“ beschlossen die Körperschaften von Griesheim die seit zwanzig Jahren schwebenden Verhandlungen zur Eingemeindung von Griesheim in Frankfurt/Main wieder aufzunehmen und der zurückgekehrte Bürgermeister führte diesen Beschluss aus. Mit der erfolgten Eingemeindung am 01. April 1928 wurde Bürgermeister Schubert in den Ruhestand versetzt.

Die Stadtverordnetenversammlung Frankfurts wählte ihn zum „unbesoldeten“ Stadtrat.

Am 26.April 1929 erfolgte die Einführung Schuberts in das Amt des Bürgermeisters von Bad Orb, das er bis zum 31. März 1933 innehatte.

Für die SPD vertrat er den Wahlkreis Gelnhausen von 1930 bis 1932 im Preußischen Komunallandtag.

Lit.:

  • Pelda, Dieter: Die Abgeordneten des Preußischen Kommunallandtags in Kassel 1867-1933. Marburg 1999. S.192

 

 

Schwichow, Leo Carl Hermann Albert Carl von

*28.Juni 1843 in Margoninsdorf; + 15. Mai 1902 in Colmar/Posen

1883 -1902 Landrat in Kolmar(Posen)

Rittergutsbesitzer

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1018. Düsseldorf 1988 S.361

 

Selke, Karl-Ernst

* 16. September 1944 in Zirke, † 12. Mai 2013 in Wusterhausen/Dosse

Selke besuchte die Grundschule und das Gymnasium in Berlin-Grunewald.. Nach einer Ausbildung zum kirchlichen Verwaltungsangestellten legte er an einer Abendschule das Abitur ab. Er studierte Theologie am Sprachenkonvikt in Ost-Berlin und schloss das Studium mit dem Examen ab. 1973 folgte seine Ordination zum Pfarrer, 1974 wurde er Gemeindepfarrer in Wusterhausen/Dosse. 2010 wurde er in den Vorstand des örtlichen Kulturvereins gewählt.

Selke trat im März 1990 der CDU bei, deren Kreisvorstand Ostprignitz-Ruppin er angehörte. Er war Mitglied der letzten Volkskammer sowie von Oktober bis Dezember 1990 Bundestagsabgeordneter.

 

Seyda, Wladislaus Kasimir

* 22. April 1863 in Lobsens; † 26. Februar 1939

Seyda besuchte das Gymnasium in Deutsch Krone und die Universität Breslau. 1883 wurde er Referendar, 1889 Assessor, 1889 Rechtsanwalt beim Amtsgericht Krotoschin, 1891 beim Landgericht Posen und 1903 beim Oberlandesgericht Posen. Weiter war er Mitglied verschiedener wissenschaftlicher, politischer und sozialer Vereine. Von 1907 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 8 Wreschen, Pleschen,  Jarotschin und gehörte der  Polnischen Fraktion an. Zwischen 1918 und 1919 war er Vorsitzender des Nationalen Polnischen Volksrats in Posen, von 1919 bis 1920 Minister für das ehemalige preußische Teilgebiet und von 1924 bis 1928 Vorsitzender des Obersten Gerichts.

  • Wielkopolski Slownik Biographichny
  • Best, Heinrich: Abgeordnete der Reichstag des Kaiserreichs
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.464

 

 

Seyda,Marian

* 7. Juli 1879 in Posen; † 17. Mai 1967 in Buenos Aires

Seyda engagierte sich seit seiner Jugend politisch. 1917 gehörte er zu den Gründern des Komitet Narodowy Polski (Polnisches Nationalkomitee), ab 1919 war er Mitglied der Polnischen Verfassunggebenden Nationalversammlung und war dort stellvertretender Leiter des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. 1922 wurde er als Sejmabgeordneter, 1928 als Senator gewählt. Zwischen dem 28. Mai 1923 und 27. Oktober 1923 hatte er das Amt des polnischen Außenministers inne. Während des Zweiten Weltkrieges war er Mitglied der polnischen Exilregierung. Nach dem Krieg blieb er im Exil.

 

 

 

Seyda, Sigismund ( Dr.jur.)

* 18. April 1876 in Posen, + 28. Jan.1925 in Warschau

 

Jura-Studium in Breslau, Berlin, Leipzig und Halle. Rechtsanwalt in Kattowitz von 1908 bis 1918.

Nach 1919 gehörte er dem Sejm an.

Vertrat den Wahlkreis 8 (Jarotschin, Koschmin, Pleschen, Krotoschin) im preußischen Abgeordnetenhaus.

Gehörte ab 1919 als Abgeordneter dem Sejm an.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düseldorf 1988. S.364

 

 


 

Siewert, Robert 

 

* 30. Dezember 1887 in Schwersenz † 2. November 1973 in Berlin

 

 

Siewert war Sohn eines Zimmermanns und wurde Maurer. Nach seiner Lehre ging er auf Wanderschaft und wurde 1906 Mitglied der SPD. 1908 bis 1915 arbeitete er als Maurer in der Schweiz und lernte dort Lenin (1870-1924) und Heinrich Brandler   (1881-1967) kennen.

Im Ersten Weltkrieg war Siewert als Soldat an der Ostfront und betätigte sich dort illegal für den Spartakusbund. 1918 gehörte dem Soldatenrat der X. Armee an und wurde danach Mitglied der KPD.

1919 wurde Siewert Polleiter im Bezirk Erzgebirge, war 1919 und 1920 Parteitagsdelegierter und schließlich Schriftführer auf dem Vereinigungsparteitag mit der USPD. Auf den KPD-Parteitagen 1921 und 1923 wird er in den Zentralausschuss gewählt. 1922 ist er Delegierter beim IV. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI). 1922 trat er in die Leitung der Parteiverlage ein. 1923 wird er Polleiter in Chemnitz.

Siewerts politischer Standort war zwischen den „Brandleristen“ und der „Mittelgruppe/Versöhnler“ angesiedelt, was zur Folge hatte, dass er 1924 seiner Parteifunktionen enthoben und nach Berlin gesandt wurde, wo er zunächst nur noch unbedeutende Funktionen ausüben durfte. Zusammen mit Hans Beck organisierte er ab 1926 die Arbeiterdelegation in die Sowjetunion. Später arbeitete er als Redakteur der Einheit, einer sich an linke Sozialdemokraten richtenden Zeitschrift. 1926 wurde Siewert in den sächsischen Landtag gewählt, welchem er bis 1929 angehörte

 

Weil er in seiner Parteitätigkeit die Position der „Brandleristen“ vertrat, wurde er Ende 1928, im Zuge der „Stalinisierung“ der KPD, seiner Funktionen enthoben und am 14. Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen.

Robert Siewert wurde aktiver Funktionär der KPO und Mitglied der Bezirksleitung Westsachsens und behielt sein Landtagsmandat als Mitglied einer fünfköpfigen KPO-Fraktion im Sächsischen Landtag. Von 1931 bis 1933 arbeitete er als Verlagsleiter der Tageszeitung Arbeiterpolitik zuerst in Leipzig, dann in Berlin.

Seit 1933 bis zu seiner Verhaftung am 08. April 1935 gehörte er gemeinsam mit Erich Hausen (1900-1973) und Fritz Wiest (1895-1983)  zur ersten illegalen Reichsleitung der KPO.

 

Von den Nationalsozialisten wurde er unter dem Vorwurf des Hochverrats vom Volksgerichtshof zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und für die gesamte Strafdauer in Luckau inhaftiert. Nach Strafverbüßung  wurde er in das KZ Buchenwald transportiert. Dort näherte Siewert sich politisch wieder der KPD an. Er wurde an führender Stelle in der illegalen Einheitsorganisation des Lagers, die aus Kommunisten und Sozialisten bestand, tätig; vielfach setzte sich Siewert für jüdische Mithäftlinge und im Lager gefangen gehaltene Kinder ein und organisierte für polnische und jüdische Jugendliche einen Maurerlehrkurs.

Nachdem er Ende August 1944 auf einer von Willi Bleicher (1907-1981) organisierten illegalen Gedenkfeier für den kurz zuvor ermordeten Ernst Thälmann (1886-1944) eine Rede gehalten hatte, war er zusätzlichen Repressalien ausgesetzt und wurde im April 1945 durch die Befreiung vor der drohenden Hinrichtung bewahrt.

Siewert trat der KPD bei und begann von Halle (Saale) aus mit dem Neuaufbau der Kommunistischen Partei in der Provinz Sachsen. Schon im Juli 1945 wollte ihn das Sekretariat des ZK wegen seiner KPO-Aktivität nicht als Parteimitglied akzeptieren, er wurde als Polleiter abgelöst. Dennoch konnte er 1. Vizepräsident der Provinz Sachsen, später Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt werden.

 

Seit 1950 folgten Kampagnen gegen ehemalige KPO-Mitglieder. Gegen Siewert und andere wurden Repressionsmaßnahmen eingeleitet: Siewert wurde abgesetzt und in das Ministerium für Bauwesen versetzt. Er musste einen „selbstkritischen“ Artikel im Neuen Deutschland verfassen, der auch am 25. Januar 1950 erschien, jedoch am 15. März als ungenügend bezeichnet wurde. Deshalb hatte er einen neuen Artikel mit größerer Selbstkritik abzuliefern. Seitens der Parteikontrollkommission (ZPKK) wurde Wert auf die Feststellung gelegt, dass die KPO nicht eine Agentur des Finanzkapitals geworden sei, sondern dies bereits von Anfang an gewesen sei.

 

Nach der Entstalinisierung wurde Siewert rehabilitiert und mehrfach mit Orden ausgezeichnet. Er blieb bis ins hohe Alter Mitarbeiter im Bauministerium und im Präsidium des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer.

Siewert starb am 2. November 1973 und wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet. In einem offiziellen Nachruf seitens der SED wurde er als „engster Kampfgefährte Ernst Thälmanns“ bezeichnet. In drei offiziellen Gedenkbroschüren fehlte jede Andeutung über die führende Mitarbeit in der KPO.

 

Literatur

  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Berlin/Bonn 1961 S.329
  • Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1993. S.401
  • Martin Schumacher: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.152/153
  • Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990. Hrsg. von Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig. 2 and. München u.a. 1996 S.863
  • Bergmann, Theodor: : Gegen den Strom. Die Geschichte der KPD(Opposition); Hamburg 2001.
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg von Walther Killy und Rudolf Vierhaus.Band 9. München 2001 S.323
  • Müller-Engbers, Helmut u.a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. Berlin 2001 S.799
  • Weber, Hermann/Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.738/739
  • Trittel, Christina: Die Abgeordneten des erten Landtages von Sachsen-Anhalt 1946-1950.Vom Scheitern demo-kratischer Hoffnung. Magdeburg 2007. S.98-100

 

 

 

 

Simon, Hugo

 

* 1. September 1880 in Usch ,† 1. Juli 1950 in São Paulo,Brasilien

 

Nach der Novemberrevolution 1918 war S. als Mitglied der USPD kurzzeitig im Rat der Volksbeauftragten preußischer Finanzminister. Diese kurze Zeit als Politiker verarbeitete Alfred Döblin (1878-1957)  in seinem Roman „November 1918“.

Hugo Simon stammte aus einer jüdischen Familie und wuchs auf dem Hof seines Vaters in Kahlstädt im Landkreis Kolmar (Provinz Posen) auf. Er absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung und in Marburg eine Banklehre. Nach dem Tod des Vaters und dem Verkauf des Gutes lebte Simon mit seiner Frau Gertrud und den Töchtern Anette und Ursula in Berlin-Zehlendorf. Er war Mitinhaber des Berliner Bankhauses Bett, Simon & Co., das er gemeinsam mit Kasimir Bett führte. Ursprünglich hatte er es mit seinem Partner Carsch unter dem Namen Carsch, Simon & Co. gegründet.

Er galt als engagierter Kunstmäzen und nahm als Mitglied der Ankaufskomission Einfluss auf die Erwerbspolitik der Nationalgalerie Berlin. Er war Aufsichtsratsmitglied bei dem S. Fischer Verlag und dem Ullstein Verlag und Bankier des Verlegers Paul Cassirer (1871-1926) In seinem Haus trafen sich wöchentlich Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Gelehrte. Dazu gehörten u.a. Bertolt Brecht (1898-1956) , Erich Maria Remarque (1898-1970) , Alfred Döblin (1878-1957), Arnold Zweig (1887-1968), Heinrich Mann (1871-1950) , Stefan Zweig (1881-1942) und Carl Zuckmayer (189-1977), auch bildende Künstler wie Max Pechstein(1881-1955), Oskar Kokoschka (1893-1959) und George Grosz, des Weiteren die Schauspielerin Tilla Durieux, die Verleger Samuel Fischer (1859-1934), Ernst Rowohlt(1887-1960) und die Ullsteinbrüder sowie Politiker wie der preußische Ministerpräsident Otto Braun. Darüber hinaus war Hugo Simon befreundet u.a. mit Albert Einstein (1897-1955), Karl Kautsky (1854-1938) und Thomas Mann (1875-1955) und die Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945) widmete 1920 „Hugo Simon dem Boas“ ihr Gedicht „Gott hör …“.

1921 kaufte Hugo Simon das ehemalige Ausflugslokal „Schweizerhaus“ in Seelow (Mark Brandenburg) und errichtete hier ein landwirtschaftliches Mustergut mit Vieh- und Geflügelzucht, Obst- und Gemüseanbau. 1923/24 ließ er auf dem Gelände einen Nachbau von Goethes Gartenhaus in Weimar bauen. Erbauer war der Architekt Ernst Rossius-Rhyn. Hinzu kam eine kleine Parkanlage mit Volièren für verschiedene Arten von Sittichen und Fasanen und einem von dem Keramiker Emil Pottner entworfenen Vogelbrunnen. Er war Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und arbeitete u.a. zusammen mit Prof. Erwin Baur, Direktor an dem von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft betriebenen Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Hugo Simon 1933 mit seiner Frau über die Schweiz nach Paris. Hier gründete er erneut ein Bankhaus, unterstützte die Flüchtlingshilfe und engagierte sich politisch u.a. als Gründungsmitglied des Bund Neues Deutschland. 1937 wurde Hugo Simon ausgebürgert. Kurz vor der Besetzung Paris´ durch die Wehrmacht gelang ihm und seiner Frau im Juni 1940 die Flucht nach Marseille. Schließlich konnten beide im Februar 1941 mit tschechischen Pässen unter den Decknamen „Hubert Studenic“ und „Garina Studenic“ über Spanien und Portugal nach Brasilien ausreisen.

Anfangs wohnte das Ehepaar in Rio de Janeiro, dann zogen sie nach Barbacena, wo sich Hugo Simon an einem staatlichen Institut der Seidenraupenzucht widmete. Er starb 1950 in São Paulo.

Simons umfangreiche Kunstsammlung wurde durch Emigration, Enteignung und Notverkäufe zerstreut. Der Bestand lässt sich heute nicht mehr im einzelnen rekonstruieren.1933 konnte er noch mehrere Kunstwerke ausführen, darunter befanden sich insbesondere Werke des deutschen Expressionismus und Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert. Mehrere Werke bot er in der Schweiz und in Frankreich einzelnen Kunsthändlern sowie Museen, wie dem Kunsthaus Zürich und dem Kunstmuseum Basel, zum Verkauf an. Etliche Kunstwerke blieben aber auch in Deutschland zurück und wurden zusammen mit dem weiteren Besitz Simons am 9. Oktober 1933 von den Nationalsozialisten konfisziert.

 

Das Schweizerhaus wurde 1936 durch das staatliche Versuchsinstitut in Landsberg/Warte übernommen und als „Staatliches Versuchsgut Oderbruch“ fortgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gut zunächst durch die Rote Armee besetzt und diente zu deren Versorgung. 1950 wurde das Gut durch die Vereinigung Volkseigener Betriebe übernommen und fortan als VEB Gartenbau betrieben. Das Schweizerhaus beherbergte in dieser Zeit die Verwaltung und diente als Lehrlingswohnheim. Nach 1990 stellte eine Erbengemeinschaft einen Antrag auf Restitution.

 

Literatur

Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (Hrsg.) : Fluchtgut – Raubgut. Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933-1945 und die Frage der Restitution, Zürich2001.

Kestler, Izabela Maria Furtado : „Die Exilliteratur und das Exil der deutschsprachigen Schriftsteller und Publizisten in Brasilien“, Frankfurt/M.1992

Trapp, Frithjof: Die Autobiographie des Bankiers und Politikers Hugo Simon: politische Reflexion im Medium des deutschen Realismus, in: Exil <Frankfurt, M.>, Bd. 6 (1986), 2, S. 30-38.

Koch, Edita: Hugo Simon/Hubert Studenic, in: Exil <Frankfurt, M.>, Bd. 3 (1983), 1, S. 50f.

 

 

Skorzewski , Leo  von

* 28. Juni 1845 in Posen; † 3. März 1903

Skorzewski war Herrschaftsbesitzer auf Schloss Lubostron bei Labischin. Von 1871 bis 1874, 1877 bis 1878 und 1881 bis 1887 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für die Polnische Fraktion für den Wahlkreis Bromberg 2 (Wirsitz – Schubin).

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin1904, S. 62
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.466/467
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski., Warszawa 1995

 

 

Skarżyński, Witold von

* 17. Oktober 1850 in Splawie ( Krs Schmiegel) ; † 1. September 1910 in Berlin

Er besuchte die Gymnasien in Lissa und Posen. Danach studierte er in Bonn, Paris, Berlin und Krakau. Außerdem besuchte er die landwirtschaftliche Akademie in Proskau. Er promovierte 1873 zum Dr. phil. Er schrieb als Habilitationsschrift eine Arbeit über Adam Smith. „Adam Smith als Moralphilosoph und Schöpfer der Nationalökonomie.“ Als diese nicht angenommen wurde, widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Güter. Im Jahr 1881 wurde er als Abgeordneter des Wahlkreises Bromberg 5 (Gnesen) in den Reichstag gewählt. Dem Parlament gehörte er zunächst bis 1884 an. Von 1903 bis zu seinem Tode 1910 vertrat er im Reichstag den Wahlkreis Posen 4 (Bug – Kosten).

Er betätigte sich daneben in verschiedenen Gremien. So war er Mitglied im Provinzialausschuss der Provinz Posen  er war Mitglied in einem Kreisausschuss sowie des Vorstandes der Landwirtschaftskammer für die Provinz Posen. Er gehörte dem Verwaltungsrat der landschaftlichen Bank, der Provinzialhilfskasse wie der Bank Ziemski an. Des Weiteren war er Vorstandsmitglied des polnischen landwirtschaftlichen Zentralvereins, des polnischen wissenschaftlichen Vereins und weiterer Organisationen.

Daneben war er auch als Autor tätig. Allein zwischen 1876 und 1898 verfasste er sieben Schriften in polnischer und fünf in deutscher Sprache.

Seit 1903 gehörte er erneut dem Reichstag und nunmehr auch dem preußischen Abgeordnetenhaus als Mitglied der polnischen Fraktion an.

Lit.

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 64
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuchder Reichstage. Hannover 1965. S.466
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.367
  • Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Erster Halbband. Düsseldorf:. 2007, S. 281-283 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

 

 

Skrentny, Konrad

* 23. April 1894 in Usch  ; † 20. April 1955 in Düsseldorf

Die katholische Familie von Zimmermann Thomas Skrentny und Ehefrau Pauline geb. Spicker siedelte mit fünf Kindern um 1905 von Usch, das eine Glashütte besaß, nach Gerresheim (Gerresheimer Glashütte) bei Düsseldorf über. Dies geschah im Zuge der Ost-West-Zuwanderung während der Hochindustrialisierung des Kaiserreiches.

Konrad Skrentny begann nach acht Jahren in der katholischen Schule von Düsseldorf-Vennhausen 1908 eine Ausbildung als Glasbläser oder Flaschenmacher in der Glashütte Gerresheim, in der auch Vater Thomas sowie dessen Brüder Peter und Franz beschäftigt waren. Bereits 1908 gründete er als 14-jähriger den Fußballklub Urania 08 mit, einen Vorläufer des heutigen TuS Gerresheim. 1913 trat er im Alter von 19 Jahren in den Deutschen Metallarbeiterverband und die SPD  ein.

Von 1914 bis September 1918 war Skrentny Soldat im Ersten Weltkrieg anschließend war er bis Oktober 1919 in britischer Gefangenschaft. Während des Krieges war er Ausbilder und hatte zuletzt den Rang eines Unteroffiziers. Vor der Gefangennahme an der Westfront heiratete er im August 1918 Helene Kark, die aus einer aus Nienburg/Weser nach Gerresheim zugewanderten Glasmacher-Familie stammte. Kennen-gelernt hatten sich beide im Arbeitersportverein Freie Turnerschaft (FT) Gerresheim.

Im Jahr 1920 trat Skrentny der KPD bei. Außerdem war er Leiter der kommunistischen Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO)*  am Niederrhein und war auch in der Reichsleitung vertreten. Für diese Organisation war er Betriebsratsvorsitzender der Firma Phönix Lierenfeld in Gerresheim. Wegen seiner Teilnahme an der Demonstration zum 1. Mai 1930 wurde er zusammen mit 200 weiteren Arbeitern entlassen. In Gerresheim vertrat er die KPD auch im Stadtrat.

Als aktives Mitglied der KPD war er zwischen 1930 und 1933 Mitglied des Reichstages. Außerdem wurde er 1933 noch in den preußischen Landtag gewählt, konnte aber wegen der nationalsozialistischen Machtergreifung dieses Mandat nicht mehr wahrnehmen. Nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er inhaftiert. Von 1933 bis 1935 saß Skrentny zunächst im Gefängnis, später kam er in ein Konzentrationslager. Nach der Entlassung arbeitete er zunächst als Bauarbeiter, ehe er 1937 erneut verhaftet wurde und für einige Monate in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert wurde. Anschließend arbeitete er als Schweißer, bevor er 1939 erneut für einige Wochen inhaftiert wurde. Von 1940 bis 1943 arbeitete Skrentny in einer Glashütte in Gerresheim.

In den Jahren 1943 und 1944 war er Kriegsteilnehmer und geriet in britische Gefangenschaft. Aus dieser wurde er 1945 entlassen und wurde sofort wieder in der KPD aktiv. Noch während des Dritten Reiches war Skrentny neben Karl Arnold (1901-1958), Georg Glock (1891-1959), Hans Böckler (1875-1951) und anderen an der Vorbereitung der Einheitsgewerkschaft beteiligt. Nach der Gründung des DGB saß er auch im Vorstand der Organisation.

Er wurde Mitglied des Ernannten Landtags von Nordrhein-Westfalen und war Vizepräsident des Parlaments. Im Jahr 1947 wurde er Arbeitsdirektor der Phoenix-Hütte in Duisburg. Da er die Politik der KPD nicht mehr mittragen konnte, trat er 1948 aus der Partei aus und wandte sich der SPD zu.

Nach Skrentny ist die Skrentnystraße in Duisburg-Meiderich in der Ratingseesiedlung benannt.

Literatur

  • Skrentny, Konrad. In: Martin Schumacher: M. d. R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage, Düsseldorf 1994, S. 481–482
  • Martin Schumacher: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.154
  • Peter Rütters: Skrentny, Konrad. In: Siegfried Mielke (Hrsg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch. Band 3. Berlin 2005, S. 158–172
  • Werner Skrentny: Durch Gerresheim: Im Reich des Glaskönigs: Dunkles Zimmer, Roter Platz. In: Udo Achten (Hrsg.): Düsseldorf zu Fuß. 17 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart. Hamburg 1989, S. 181–197
  • Werner Skrentny: „Konrad lauf, sie kommen!“ In: Landeshauptstadt Düsseldorf in Verbindung mit der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv (Hrsg.): Erlebtes und Erlittenes. Gerresheim unter dem Nationalsozialismus. 2. Auflage, Düsseldorf 1995, S. 223–227
  • Weber, Hermann/ Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.744/745
  • 60 Jahre Landtag Nordrhein-Westfalen. Das Land und seine Abgeordneten. Düsseldorf 2006, S. 596

*Die RGO war 1928 /29 zunächst eine organisierte kommunistische Strömung innerhalb der freien Gewerkschaften. Ab Ende 1929 trat die RGO als KPD-nahe Gewerkschaft auf, die 1930/31 einzelne Industrieverbünde gründete.

 

 

Sodtke , Arthur

* 25. Dezember 1901 in Hohensalza; † 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden

 

Arthur Sodtke entstammte einer alten Handwerkerfamilie. Sein Vater Gustav Sodtke arbeitete als Dachdecker zunächst in Hohensalza; 1904 kehrte er seiner Heimatstadt den Rücken und zog nach Berlin, wo er als Dachdeckermeister arbeitete.

Arthur Sodtke erlernte in Berlin das Schlosserhandwerk. Er lebte im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Heizer und betätigte sich aktiv im Betriebsrat der Berliner Schultheiss-Brauerei. Als Arbeitersportler übte er eine Funktion in der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit aus.

Seit 1929 gehörte Sodtke der KPD an. Ab 1933 war er aktiv am illegalen Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur beteiligt. Nach langer Erwerbslosigkeit erhielt er eine Beschäftigung im Berliner Betrieb der Dürener Metallwerke. 1936 wurde er wegen der Verbreitung antifaschistischer Flugblätter in diesem Betrieb verhaftet, aber bald darauf wieder freigelassen, weil dieselben Flugblätter von seinen Kameraden erneut verteilt wurden. Während des Krieges arbeitete er hier gemeinsam mit Heinrich Preuß (1886-1944) und Wilhelm Rietze in der von Robert Uhrig (1903-1944)  geleiteten Widerstandsgruppe mit, für die er Kontakte zu den Arbeitern von Borsig, Lindner und der Schultheiss-Brauerei herstellte.

Am 4. Februar 1942 erfolgte seine Verhaftung, er wurde zunächst ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Anschließend kam er ins Gerichtsgefängnis Potsdam. Am 21. Juni 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Das Urteil wurde im Zuchthaus Brandenburg-Görden im August 1944 vollstreckt.

Lit.:

  • Luise Kraushaar .: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 – 1945. Biografien und Briefe. Band 2, Dietz-Verlag: Berlin 1970, Seite 286f

 

 

Sommer, Paul

*03.März 1964 in Posen; + 16.April 1945 in Burg bei Magdeburg

  1. besuchte das Königliche Friedrich Wilhelm-Gymnasium und das Lehrerseminar in Rawitsch.

1884 wurde er Lehrer in Obudno (Kreis Schubin), bis 1893 war er Lehrer in Posen, bis 1895 Rektor in Laucha und ab 1895 wirkte er als Rektor in Burg.

  1. war Vorsitzender des Lehrergauverbandes Magdeburg und Mitarbeiter der „Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung“, des „Schulblattes der Provinz Sachsen“, der „Pädagogischen Zeitung“ und „Die deutsche Schule“.

Von 1907 bis 1912 gehörte er für die Freisinnige Volkspartei (*) dem Reichstag an (Wahlkreis Weißenfels).

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.468
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2004 S. 385/385

(*)Die Freisinnige Volkspartei (FVp) war eine liberale Partei während des Deutschen Kaiserreichs , die 1893 aus einer Aufspaltung der Deutschen Freisinnigen Partei hervorgegangen war und 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei aufgegangen ist. Sie knüpfte an die Tradition der Deutschen Fortschrittspartei an.

 

Sommer, Emil

*23. Juni 1882 in Alt-Obra (Krs. Bomst), * 18. Mai 1937 in Bremen

Sohn eines Ziegelstreichers. Gelbgießerlehre. Wanderschaft.Seit 1906 Funktionär des Metallarbeiterverbandes in Bremen.1912 Absolvent der zentralen Gewerkschaftsschule in Berlin.1913/14. Hauptamtlicher Kassierer der „Bremer Bürgerzeitung.194-1918 Kriegsteilnahme.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Sommer Anhänger der Idee einer Räterepublik und der Durchsetzung einer Bremer Räterepublik. . Schon am 6./7. November 1918, noch vor dem Waffenstillstand, gründete sich in Bremen im Gewerkschaftshaus an der Faulenstraße ein Aktionsausschuss (dem Sommer angehörte), bestehend aus vier USPD-Mitgliedern  und drei Linksradikalen (die MSPD war ausgeschlossen). Der Aktionsausschuss wurde durch den Arbeiter-und Soldatenrat, bestehend aus über 210 Delegierten der Großbetriebe und des Soldatenrates, ergänzt. Der Rat übernahm dann in Bremen die Macht. Die Räterepublik wurde am 4. Februar 1919 militärisch niedergeschlagen.

Sommer wurde dann 1919 Vorsitzender des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes(ADGB). Von 1919 bis 1920 gehörte er der Bremer Nationalversammlung an. 1920 wurde er zum Mitglied der Bremer Bürgerschaft gewählt. Etliche Gründungen gewerkschaftlicher Unternehmungen und Organisationen erfolgten durch seine Beteiligung. Er trat 1922, wie die meisten USPD-Mitglieder, wieder in die SPD ein.

Vom 17. April 1928 bis zum 6. März 1933 war er im Senat der Freien Hansestadt Bremen  als Senator für den Bereich des Bauwesens zuständig.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mussten die SPD-Senatoren Sommer, Wilhelm Kaisen(1887-1979) und Wilhelm Kleemann (1885-1956)  ihre Ämter Anfang März 1933 niederlegen. Bereits ab dem 27./28. Februar 1933 erfolgten die ersten Verhaftungswellen durch Polizei und SA-Hilfspolizei. Am 18. April gab es eine Aktion der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) gegen das Volkshaus, bei der fünf Gewerkschaftsvorsitzende, unter ihnen Sommer und der damalige ADGB-Vorsitzende Oskar Schulze verhaftet wurden. Die konstruierten Vorwürfe über finanzielle Verfehlungen erwiesen sich als haltlos. Am 5. August 1933 wurde er aus der Haft entlassen.

Die Emil-Sommer-Straße in Bremen- Vahr wurde 1958 nach ihm benannt.

 

Lit.:

  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.154
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.708

 

 

 

Spitzer, Wilhelm Adolf Stillfried

*08.Juli 1895 in Murowanitz (Krs. Bromberg); 04. Feb.1973 in Oberaula

Der Sohn eines Staatsförsters besuchte  das Gymnasium in Gnesen, wo er Ostern 1914 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Jura in Freiburg /Brsg. Berlin und Breslau, bis er im November 1916 zum Wehrdienst eingezogen wurde. Während eines Fronturlaubs legte S. das Referendarexamen ab. Nach Kriegsende kehrte er in seine  polnisch gewordene Heimat zurück, ging aber mit seinem Vater, der als Beamter nach Deutschland abwanderte, nicht mit, sondern entschloss sich, in Polen als Jurist zu arbeiten.

Am 01.Jan.1920 trat er in den polnischen Justizdienst ein, absolvierte sein Referendariat in Posen, arbeitete dann ein Jahr als Kreisrichter in Wongrowitz und dann ab Aug. 1923 als  Rechtsanwalt in Bromberg.

Von 1925 bis 1928 war S. Stadtverordneter in Bromberg und 1928 erfolgte seine Wahl in den Sejm als Abgeordneter des Minderheitenblocks. Dem Finanzausschuss des polnischen Parlamentes gehörte er von 1928 bis 1930 an.

1930 wurde er zur Wiederwahl nicht mehr aufgestellt. Nach der deutschen Besetzung Brombergs im September 1939 erhielt S. von den deutschen Behörden keine Zulassung als Rechtsanwalt und war daraufhin ein halbes Jahr arbeitslos. Er erwirkte eine Genehmigung, um als Notar zu arbeiten.

Am 01. Mai 1940 erfolgte seine Aufnahme in die SS, der er zuletzt im Range eines Oberscharführers angehörte.

  1. geriet 1945 in russische Gefangenschaft, aus der er Ende 1945 entlassen wurde.

Inder  hessischen Kleinstadt Oberaula arbeitete er wieder als Notar und  Rechtsanwalt.

Lit.:

  • Potocki, S.: Polozenie mniejszosc niemieckiej w Polsce 1918-1938 #### 1969 S. 151 f
  • Blazejewski, S. u.a. : Bydgoski Slownik Biograficzny. Teil 4. Bydgoszcz 1997 S.95-97

 

Stablewski, Florian (pl. auch Florian Oksza Stablewski)

* 16. Oktober 1841 in Fraustadt; † 24. November 1906 in Posen.

Stablewski studierte Theologie in Posen und München. Im Jahr 1866 promovierte er zum Dr. theol. und wurde im selben Jahr zum Priester geweiht. Zwischen 1866 und 1873 war er Vikar und Lehrer am Gymnasium in Schrimm. Seit 1873 war er Propst in Wreschen und erhielt den Ehrentitel eines päpstlichen Geheimkämmerers.

Von Bedeutung war Stablewski als bedeutender Politiker der polnischen Bevölkerung in Preußen. Zwischen 1873 und 1892 war er führender Politiker der Polenpartei (Kola Polski). Für diese saß er auch von 1877 bis 1892 im preußischen Abgeordnetenhaus.

Die preußische Regierung unter Leo von Caprivi (1831-1899) schlug dem Papst gegenüber Stablewski als Erzbischof von Posen und Gnesen vor. Das Ziel war die Entspannung nach der antipolnischen Politik der letzten Jahre unter Otto von Bismarck (1815-1898). Zwischen 1891 und 1906 übte Stablewski das Amt des Erzbischofs aus. In dieser Zeit bemühte er sich um einen Ausgleich in der Nationalitätenfrage. Er setzte nach langen Verhandlungen durch, dass in den Schulräumen die polnische Sprache wieder unterrichtet werden durfte.

Literatur

  • Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus: 1867–1918. Bearb. v. Bernhard Mann unter Mitarbeit v. Martin Doerry, Cornelia Rauh u. Thomas Kühne. Düsseldorf 1988. S.372

 

Stachnik, Richard  (Dr. theol.)

 

07.Juli.1894 in Schneidemühl, + 28.Feb. 1982 in Coesfeld

Studium: der Theologie und Philosophie am Priesterseminar Pelplin von 1913 bis 1917
Promotion: zum Dr.theol. im Jahre 1923
Seit März 1933 Vorsitzender der Danziger Zentrumspartei bis 1937. Am o5. Februar 1937 wegen eines formalen Verstoßes gegen das Pressegesetz  zu einer Gefängnis-strafe von 6 Monaten verurteilt. Nach dem Verbot der Zentrumspartei (193) Rede-, Predigt- und Unterrichtsverbot.
Verlust des Pensionsanspruches und zugleich Entlassung aus dem Dienstverhältnis;
Im August 1944 im Rahmen der Aktion „Gewitter“ Verhaftung und Verschleppung in das Konzentrationslager Stutthoff bei Danzig
1946 Vertreibung aus der Heimat ( zuvor mehrere Monate in russischer Gefangenschaft)
1946-1953 Religionslehrer in Herne
1957-1982 Hausgeistlicher im Provinzhaus der „Schwestern Unserer Lieben Frau“ in Coesfeld

Zu seinen Schülern in Danzig gehörte auch der Schriftsteller Günter Grass (+1927).Im Roman „Die Blechtrommel“ wird an Dr.Stachnik erinnert.

Der Autor, der jede Berührung mit den Vertriebenen vermieden hat, was deren Verbände angeht, hat doch für sein Buch „Das Treffen in Telgte“  den alten Prälaten Richard Stachnik besucht, in einem Kloster, wo dieser alte Chef der Danziger Zentrumspartei „Hahn im Korb“ unter so vielen Nonnen war.

Msgr. Stachnik war nicht nur der Politiker, er war zunächst einmal Grassens Lateinlehrer auf St. Johann gewesen. Diesen Stachnik konnte er nicht in Bausch und Bogen kritisieren, denn er hatte schon ganz zu Beginn der Nazi-Jahre im KZ Stutthof gesessen. Er hatte sich genötigt gesehen, jenem Lateinlehrer und, wie er fast unironisch hinzufügt, dem „unermüdlichen Fürsprecher der seligen Dorothea von Montau“ in seinem Roman Der Butt ein unüberlesbares Denkmal zu setzen. Grass deutet in diesem kleinen Kapitel an, er hätte gern für sein zu langes Schweigen eine Absolution bekommen. Den Kurzbericht über die wiederholten Reisen des Ehepaares Grass nach Gdansk hörte Stachnik mit Gefallen („Sankt Trinitatis soll ja so schön wie einst wieder aufgebaut sein…“), „doch als ich mein Schweigen, die unverjährte Schuld anklingen ließ, winkte Monsignore Stachnik lächelnd ab. Ich glaubte ein ‚Ego te absolvo‘ zu hören“.

1956 durch Papst Pius XII (1876-1958) zu seinem Geheimkämmerer ernannt, durch Papst Paul VI  (1897-1978) zum Päpstlichen Hausprälaten.
Lit.:

  • Balde, Joachim Heinrich: Stachnik,Richard. In : Kulturwart 32(1984),Heft 154 S.29/30
  • Martin Schumacher: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.155
  • Dickhoff, Coesfelder Biographien, 2002, S.234-235
  • Balde, Joachim Heinrich : Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.176

 

 

Stahl, Erwin

 

* 25. Juni 1931 in Eigenheim, Kreis Hohensalza

 

Nach der Internierung seiner Familie in Polen von 1945 bis 1949 (hier musste er sich in verschiedenen Internierungslagern als Knecht seinen Unterhalt verdienen ) begann Stahl eine Lehre im Bergbau, die er 1951 als Knappe und 1953 als Hauer beendete. Nach dem Besuch der Bergschule legte Stahl 1956 die Prüfung als Grubensteiger ab. 1963 erreichte er den Befähigungsnachweis zum Grubenbetriebsführer und zum Bergingenieur (grad.). Ab 1970 war Stahl als Sachbearbeiter bei der Bergbau AG Niederrhein tätig.]

Seit 1964 ist er Mitglied der SPD. Hier gehörte er dem Vorstand des SPD-Unterbezirks Viersen an.

Von 1970 bis 1975 gehörte er dem Stadtrat seiner Heimatstadt Kempen und ab 1984 dem Kreistag Viersen. .

Von 1972 bis 1990 war Stahl Mitglied des Deutschen Bundestages, u.a. Obmann der SPD im Ausschuss für Forschung und Technologie und stellvertretendes Mitglied des Innenausschusses.

Erwin Stahl ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag eingezogen.

Am 16. Februar 1978 wurde Stahl als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Forschung und Technologie in die von Bundeskanzler Helmut Schmidt (geb.1918)  geführte Bundesregierung berufen. Nach der Wahl von Helmut Kohl (1930-2017) zum Bundeskanzler schied er am 4. Oktober 1982 aus dem Amt.

Seit 1991 war er Arbeitsdirektor der Energiewerke „Schwarze Pumpe“ bei Spremberg in der Lausitz.

 

 

Starck, Alexander

* 5.10.1909 in Bromberg , † 6.3.1963 in Hessenwinkel bei Berlin

Der  Sohn eines Handelsreisenden  lernte Zimmerer. 1926 Mitglied des KJVD und 1931 der KPD. Er gehörte 1931/32 dem ZK-Büro des KJVD an, besuchte 1932 einen Lehrgang der Internationalen Leninschule in Moskau und kehrte 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Im Oktober 1933 inhaftiert, 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus Luckau emigrierte Starck 1937 in die CSR und im Herbst 1938 nach Großbritannien, wo er in Manchester Mitglied der Leitung der KPD-Gruppe wurde. Von 1940 bis 1944 interniert, arbeitete er als Holzfäller in North-Wales. 1945 Sekretär des Rückwanderungsbüros der Freien Deutschen Bewegung*, kam 1946 über Jugoslawien nach Deutschland. Starck stieg rasch in der Hierarchie des FDGB zum Mitglied und Sekretär des Bundesvorstandes auf, er wurde 1950 zum Stellvertreter von Herbert Warnke (1902-1975) berufen. Bereits im Mai 1951 wegen »Mängeln in der Arbeit und ungenügender Selbstkritik« seiner Funktion enthoben, als Direktor für Arbeit zum VEB Bau-Union Nord-Ost nach Torgelow abgeschoben, wegen seiner Haltung zum Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 am 27.August 1953 aus dem FDGB-Bundesvorstand und aus der SED ausgeschlossen. Im Zuge der »Rehabilitierungen« 1956 wieder Mitglied der SED, arbeitete er später im VEB Bau-Union Berlin.

 

Lit.:

Weber, Hermann/Herbst, Andreas ; Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918-1945. Berlin 2004 S.756

*Am 25.Sept. 1943 in London von deutschen Antifaschisten gegründet.

Zu den wichtigsten Anliegen der Organisation gehörten:

  • Die Schaffung eines breitestmöglichen antifaschistischen Bündnisses deutscher Emigranten unterschiedlicher Weltanschauungen und partei-politischer Richtungen, um den Hitlerfaschismus vom Ausland her zu bekämpfen
  • Die Gewinnung aller wehrfähigen deutschen Emigranten bis 35 Jahre in Großbritannien für den Kamp gegen das Naziregime
  • Die Bildung einer Freien Deutschen Brigade innerhalb der britischen Armee
  • Die Gestaltung eigener Rundfunksendungen nach Deutschland

 

 

Steffani, Winfried

 

* o2. Juni 1927 in Znin  ; † 14. August 2000

 

Seine Kindheits- und frühen Jugendjahre waren ausschlaggebend für die Themenauswahl seiner späteren Profession: das Verhältnis von Minderheiten zu Mehrheiten, Gerechtigkeit und Opposition und Widerstand, erlebte Steffani doch die sich stetig zuspitzenden, unseligen Spannungen zwischen Deutschen und Polen und gehörte er doch zu den Jugendlichen die zunächst als Flak-Helfer später als Soldaten im 2. Weltkrieg Dienst tun mussten. Nach dem Krieg siedelte Steffani mit seiner Familie zunächst nach Frankfurt (Oder), dann nach Ostberlin über.

In den 1950er-Jahren studierte Steffani an der Deutschen Hochschule für Politik, wo er auch 1958 promovierte. Steffani studierte u.a. bei Ernst Fraenkel (1898-1975), dessen Assistent er auch wurde. 1966 habilitierte er schließlich. Im selben Jahr wurde er Professor für Politikwissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Wenig später wechselte er an die Universität Hamburg, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1990 lehrte.

Er war jahrzehntelang Herausgeber der Zeitschrift für Parlamentsfragen der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen e.V.

Steffani versuchte sich aktiv in der CDU zu engagieren, der er über 30 Jahre angehörte. Als ihm und dem späteren Gründer der STATT Partei, Markus Wegner, die CDU vor dem Bundesparteigericht das Recht verweigerte, genauso wie ein Vorstandsmitglied wissen zu dürfen, wer mit ihm der jeweiligen Parteigliederung angehört (Az: CDU-BPG 5/91 R), trat er 1991 aus der CDU aus, da er hierin die ungestrafte Verweigerung innerparteilicher Demokratie sah, und gab seine Ehrenplakette der Konrad-Adenauer-Stiftung zurück.

Steffani forschte vorwiegend auf dem Gebiet der Vergleichenden Regierungslehre bzw. Systemlehre.

 

Werke

  • als Herausgeber: Parlamentarismus ohne Transparenz. Opladen 1973
  • Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien. Opladen 1979
  • Demokratischer Garant verantwortlicher Regierung. In: Das Parlament, Nr. 16 vom 24. April 1982
  • Parlamentarisches und Präsidentielles Regierungssystem. In: Manfred G. Schmidt (Hrsg.): Die westlichen Länder (= Lexikon der Politik, Bd. 3). München 1992
  • Gewaltenteilung und Parteien im Wandel. Opladen 1997

 

Lit.:

  • Uwe Thaysen u. Jürgen Hartmann: Winfried Steffani, 1927-2000. Annäherung an Programm und Person. Hamburg 2000

 

 

Stegmann, Ernst-Günther

*06.  Juni 1900 in Kaczagorka ; † 09. Nov.1991

Ernst-Günther Stegmann besuchte das Reform-Gymnasium  in Krotoschin und war 1918 bis 1920 Kriegsteilnehmer. Danach machte er eine Lehre der Landwirtschaft in verschiedenen Betrieben der Provinz Posen. Im Jahr 1923 wurde er wegen Teilnahme an Grenzschutzkämpfen ausgewiesen und begann 1923 ein Studium der Land- und Volkswirtschaft an der Universität in Breslau. Danach war er selbstständiger Landwirt und in der Industrie tätig.

1939 bis 1945 war er erneut Kriegsteilnehmer. Stegmann, der Polnisch sprach, erhielt als Führer eines „polnischen Kommandos“ am 12. Oktober 1939 die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse. Zwischen dem 11. März 1943 und dem 15. August 1944 leitete er in der Generalstabsabteilung „Fremde Heere Ost“ das Referat „Banden“, dann die Gruppe „Banden Polen“. Nach Flucht und Vertreibung wurde er ab 1. Juli 1960 Leiter der Außenstelle der Siedlungsgesellschaft Hessische Heimat Kassel in Marburg/Lahn.

Ernst-Günther Stegmann war bereits in der Weimarer Republik 1926 bis 1933 als Amtsvorsteher und Bürgermeister mehrerer Gemeinden politisch aktiv. Am 1. Mai 1937 wurde er in die NSDAP aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.295.702).

Vom 23. März 1966 bis zum 30. Juni 1975 war er Ehrenamtlicher Bürgermeister von Wehrshausen und dort ab 1. Juli 1975 Ortsvorsteher. Er war nach 1946 Mitglied des Kreistags Wolfhagen und ab 1958 des Kreistags Kassel-Land.

Vom 9. August 1966 bis zum 30. November 1966 war er Mitglied des Hessischen Landtags für die Gesamtdeutsche Partei.

1950 bis 1957 war er Kreisvorsitzender des BvD-Kreisverbandes Wolfhagen und von 1960 bis 1963 des Kreisverbandes Kassel. Seit 1966 war er Mitglied des Vorstandes des Landvolkausschusses im Landesverband des BvD Hessen in Wiesbaden.

Literatur :

  • Lengemann, Jochen Präsident des Hessischen Landtags (Hrsg.): Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Frankfurt am Main 1986, S. 396
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen : 1808 – 1996 ; biographischer Index. Marburg 1996, S. 368.
  • Albrecht Kirschner: Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommission des Hessischen Landtags für das Forschungsvorhaben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“. Wiesbaden 2013, S. 34.

 

Steinert, Paul

*06.Juni 1888 in Gnesen, + 04. Juli 1951

 

Mitglied der SPD ab 1910. Von 1910 bis 1933 gewerkschaftlich tätig. Von 1918 bis 1933 und ab Mai 1945 Vorsitzender des Betriebsrates der Zeche Dorstfeld. Mitglied des NRW-Landtages vom 02.Oktober 1946 bis 04. Juli 1951.

 

 

Stephan,  Bernhard Karl Eusebius (dr.jur)

* 10. November 1855 in Ostrowo; † 8. August 1914 in Schomberg

Stephan besuchte das Gymnasium in Schrimm und studierte Rechtswissenschaften an der Universität Breslau. 1876 wurde er zum Gerichtsreferendar ernannt und 1881 von der Universität Göttingen zum Doktor der Rechte promoviert und zum Gerichtsassessor ernannt.  1882 eröffnete  er als Rechtsanwalt eine Kanzlei in Breslau, aber 1883 bis einschließlich 1885 wurde er stellvertretender General-Bevollmächtigter einer größeren Land- und Forstwirtschaft sowie Bergbau und Industrie umfassenden oberschlesischen Verwaltung der Grafen Henckel von Donnersmarck bestellt.

Ab 1886 ließ er sich als Rechtsanwalt in Beuthen nieder und in dieser Zeit auch Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Tarnowitz und der Handelskammer in Oppeln. Ab 1895 war er auch Notar.

Im Jahre 1899 wurde er zum Generaldirektor des Grafen von Schaffgotsch ernannt. Den gesamten oberschlesischen Montanbesitz der Familie führte er in einer GmbH zusammen, deren Geschäftsführer er wurde.

Von Mai 1892 bis 1903 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für die Deutsche Zentrumspartei wo er den Wahlkreis Cosel-Groß Strehlitz vertrat  und  von 1893 bis 1898 war er auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Seine Sorge galt der sozialen Sicherung der Arbeiter in Oberschlesien, weiterhin engagierte sich S. in der „Mäßigkeitsbewegung“.

Lit.:

  • Zweiundneunzigster Jahres-Bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur 1914. Breslau 1915 S.38-40
  • Deutsches biographisches Lexikon. Hg. vom Verbande der Deutschen Akademie. Berlin/Leipzig 1925 S.313
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. 472
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.375
  • Haunfelder, Bernd: Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei 1871-1933. Düsseldorf 1999 S. 266

 

 

Stephan, Heinrich

*31. August 1898 in Witschenke (Kreis Lissa), + 01.Sept.1990 in Dortmund

 

  1. absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre. Er wechselte dann seine berufliche Tätigkeit aufgrund der wirtschaftlichen Not in seiner Heimat und nahm eine Arbeit als Stahlwerker auf. Er engagierte sich gewerkschaftlich von 192 bis 1933 im Deutschen Metallarbeiter- Verband (DMV).

1945 trat er der SPD bei und schloss sich der IG Metall an.

Von 1947 bis 1963 war er Betriebsratsvorsitzender sowie Aufsichtsratsmitglied der Dortmund-Hörder Hüttenunion. S. war von 1952 bis 1954 Ratsmitglied der Stadt Dortmund.

1954 erfolgte seine Wahl in den Landtag von Nordrhein-Westfalen, dem er bis zum 03.Oktober 1961 angehörte.

Nachseiner Wahl in den Deutschen Bundestag legte er sein Landtagsmandat nieder. Dem Deutschen Bundestag gehörte er bis 1969 an, wo er den Wahlkreis Dortmund 1 vertrat.

Nach ihm wurde 1998 eine Straße benannt.

 

 

Stolzmann, Viktor

*12. Dez.1882 in Czarnikau, + 05.Aug. 1959 in Berlin

 

Besuch des Königlichen Lehrerseminars in Schneidemühl.

Lehrer in Romanshof (Krs. Czarnikau) und in Znin.

Ab 1901 im Schuldienst der Stadt Berlin.

1912 Rektorprüfung.

Ab 1919 Mitglied der Deutschen Zentrumspartei.

1919 bis 1934 Rektor einer Volksschule in Berlin-Wedding.

1925 bis 1933 Bezirksverordneter in Berlin-Pankow.

1934 bis 1946 Rektor einer Volksschule in Berlin-Pankow.

Ab 1945 Mitglied der CDU und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Berlin-Pankow.

Ab Juli 1946 stv. Bezirksbürgermeister von Berlin-Pankow.

1947/48 Bezirksrat für Sozialwesen und Leiter des Jugendamtes in Berlin-Pankow.

Von Sowjets zum Rücktritt gezwungen.

ab 5. Juli 1951 Vertreter der an der Wahl verhinderten Kreise mit beratender Stimme im Abgeordnetenhaus der Stadt Berlin.

 

Lit.:

  • Breunig, Werner/Herbst, Andreas : Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011 S.256

 

 

Stössel, Paul  

 

  1. März 1871 in Bromberg; Sterbejahr keine Angabe; Sterbeort keine Angabe

 

Nach dem Besuch der Volksschule in Bromberg erfolgte von 1886 bis 1889 seine Ausbildung zum Tapezierer. Um 1890 trat S. der SPD und der Gewerkschaft bei.

Bis 1901 arbeitete er in seinem erlernten Beruf, um dann als Expedient und Berichterstatter der Posener „Volkszeitung“ in Bromberg zu wirken.

Von 1903 bis 1919 war S. Gewerkschaftssekretär der Freien Gewerkschaften in Bromberg, zugleich Vorsitzender der gewerkschaftlichen Agitationskommission für die Provinz Posen mit Sitz in Bromberg.

Nach der Novemberrevolution von 1918 erfolgte seine Wahl in den Arbeiter-und Soldatenrat von Bromberg und im Dezember 1918 war er als Delegierter Teilnehmer des  1. Rätekongreß in Berlin

Im Januar 19919 wurde S. in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, in der er den Wahlkreis Posen vertrat. Doch bereits einen Monat später verzichtete er auf sein Mandat. Er gehörte von 19919 bis 1921 dem Preußischen Landtag an.

Von 1919 bis 1925 arbeitete er als Gewerkschaftssekretär in Berlin, bis er dann in den  Ruhestand ging.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.770
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagkandidaten 1898-1918. Düsseldorf 1986 S.210/211
  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Hrsg. von Martin Schumacher. Düsseldorf ² 1992 S.569
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.760
  • Rasmus, Hugo: Stössel, Paul. In : Kulturwart 46 (1998) Nr.211 S.30/31
  • Romaniuk, Marek : Stoessel (Stössel) Paul. In : Bydgoski Słownik Biograficzny. Band 6. Bydgoszcz 2000 S.103-105
  • Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000 S.233
  • Rasmus, Hugo: Stößel, Paul. In : Joachim Heinrich Balde (Hrsg.): Beiträge zu einem Biographischen Lexikon der Deutschen aus dem Raum der Provinz Posen. Herne 2003 S.183/184

 

 

Straßmann, Ferdinand (auch Strassmann)

* 24. Februar 1838 in Rawitsch; † 19. April 1931 in Berlin

Ferdinand Straßmann besuchte von 1851 bis 1855 das Gymnasium in Lissa. Anschließend folgte er seinen Brüdern nach Berlin, um Medizin zu studieren. Als Arzt hatte er ab 1863 mit der Bekämpfung einer Choleraepidemie zu tun und war danach mit der Leitung eines Barackenlazaretts im Deutsch-Französischen Krieg betraut. Später hatte er eine Praxis in Berlin. Zusammen mit seinem Bruder, dem Mediziner Heinrich Straßmann (1834–1905), gab er die damals bekannte Fachzeitschrift „Graevelsche Notizen für praktische Ärzte“ heraus.

1884 folgte Straßmann seinem Bruder Wolfgang in die Stadtpolitik, zunächst in der Schuldeputation und ab 1889 als unbesoldeter Stadtrat für Medizin. Als Fachmann in Gesundheitsfragen machte er sich im Magistrat schnell unentbehrlich und gab schließlich seine eigene Praxis auf, obwohl er für seine Tätigkeit bis 1911 keine Bezahlung erhielt. Als Gesundheitspolitiker förderte er das Desinfektionswesen, das Sanitätswesen sowie den Bau neuer Krankenhäuser und Nervenheilanstalten.

Ferdinand Straßmann leitete als Stadtmedizinalrat 30 Jahre lang das Gesundheitswesen der Stadt Berlin. Für sein soziales Engagement verliehen ihm die Berliner Kommunalbehörden am 17./18. Dezember 1915 die Ehrenbürgerwürde. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee.

Literatur :

  • Wolfgang Paul Strassmann: Die Strassmanns. Schicksale einer deutsch-jüdischen Familie über zwei Jahrhunderte. Frankfurt/New York 2006,
  • Rolf Winau: Die Familie Straßmann. In: Jutta Lange-Quassowski, Volkmar Schneider: Eine bedeutende Ärztedynastie: Die Strassmanns. Berlin 2012, S. 13–26.

 

 

Straßmann, Wolfgang

* 8. Oktober 1821 in Rawitsch; † 6. Dezember 1885 in Berlin

Straßmann stammte aus einer jüdischen Tuchhändlerfamilie. Der Vater Heimann Straßmann war ein Anhänger der kulturellen Assimilation und schickte seine Kinder auf eine christliche Schule.

Wolfgang Straßmann studierte zunächst Philosophie und dann Medizin in Berlin. Während der Revolution von 1848 gehörte er zu den Revolutionären und wurde aus der Stadt ausgewiesen. Im Jahr 1854 promovierte er zum Dr. med. Zeitweise war er als Militärarzt in Schleswig-Holstein tätig. Seit 1855 arbeitete er als praktischer Arzt in Berlin.

Seit 1863 gehörte er in Berlin der Stadtverordnetenversammlung an. Zwischen 1877 und 1885 amtierte er sogar als Stadtverordnetenvorsteher. Eines der wichtigsten Kommunalpolitischen Projekte die Straßmann zusammen mit Rudolf Virchow maßgeblich vorangetrieben hatte, waren die Berliner Rieselfelder zur Klärung des Abwassers.

In den Jahren 1879–1885 war Straßmann in der Fraktion der Deutschen Fortschrittspartei Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Außerdem war er Direktor einer Genossenschaftsbank in Berlin-Stralau. Straßmann war überdies Gründer und Vorsitzender des Vereins gegen Verarmung, sowie Vorsitzender des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. Am 29. Mai 1883 trat er der überwiegend  jüdischen Wohltätigkeitsorganisation Gesellschaft der Freunde bei.

Als herausragender jüdischer Politiker war Straßmann besonders stark den antisemitischen Angriffen des Hofpredigers Adolf Stoecker ausgesetzt. Dieser kündigte auf einer Massenversammlung im Jahr 1883 an, seine Bewegung werde „Herrn Strassmann mit seinem ganzen Stadtverordnetenvorsteheramt zermalmen.“

Die Stadt Berlin ehrte ihn 1897 durch die Vergabe des Straßennamens Straßmannstraße. Im Jahre 1938 benannte der Berliner Magistrat sie als Ausdruck seiner antisemitischen Haltung in Ermelerstraße um. Dies machte der 1946 demokratisch gewählte Magistrat im Jahre 1947 rückgängig.

Seine letzte Ruhe fand er auf dem Jüdischen Friedhof im Prenzlauer Berg im Feld G, GA.

Literatur

  • Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Bearbeitet von Bernhard Mann unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne, Düsseldorf 1988, S. 378.
  • Wolfgang Paul Strassmann: Die Strassmanns. Schicksale einer deutsch-jüdischen Familie über zwei Jahrhunderte. Frankfurt am Main u. a. 2006,
  • Florian Tennstedt: Der Arzt Dr. Wolfgang Strassmann. Ein Gründer bürgerschaftlichen Wirkens in der Reichshauptstadt Berlin. In: Claus Leggewie (Hrsg.): Soziale Demokratie, Zivilgesellschaft und Bürgertugenden. Festschrift für Adalbert Evers. Frankfurt am Main u. a. 2008, S. 73–92.

 

 

Stychel, Anton polnisch: Antoni Stychel

* 13. Juni 1859 in Dlusk; † 13. Januar 1935 in Posen

Stychel war der Sohn eines Justizbeamten, besuchte das Mariengymnasium zu Posen und studierte in Berlin, an der Universität Würzburg und am Priesterseminar zu Gnesen. 1889 empfing er die Priesterweihe und war dann zuerst Mansionar ad St. Mariam Magdalena zu Posen. Dann war er Domprediger und Pönitentiar an der Kathedrale zu Posen, seit 1896 Prälat und Propst des Kollegiatstifts und der Pfarrkirche ad St. Mariam Magdalena zu Posen. Weiter war er Diözesanpräses der katholischen Arbeitervereine in den Diözesen Gnesen-Posen.

Er war einer der Pioniere der katholischen sozialen Bewegung in Polen. Von 1899 bis 1913 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1904 bis 1918 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 5 (Kröben) und die Polnische Fraktion.

Nach dem Ersten Weltkrieg war er Mitglied des polnischen Komitees zur Verteidigung Oberschlesiens und von 1919 bis 1922 Mitglied des Sejm. Zwischen 1922 und 1928 war er stellvertretender Sprecher des Senats. 1928 schied er wegen des Ausschlusses religiöser Kandidaten von der Wahl aus der aktiven Politik aus.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.477
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.381

 

 

Styczyński, Thaddeus

* 13. April 1870 in Schrimm, + 06. Februar 1942 im KZ Dachau

 

Studium der Theologie am Priesterseminar Posen-Gnesen. Ab 1900 Pfarrer und Probst in Witomischel ( Krs     ) und ab 1913 in Grätz.

Von 1908 bis 1918 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und von 1924 bis 1928 gehörte er dem polnischen Sejm an.

Am 06. Oktober 1941 in Gnesen festgenommen und am 30. Oktober desselben Jahres in das Konzentrationslager Dachau überführt.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.382
  • Martin Schumacher: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.160

 

Sulkowski, Antoni Pawel

(deutsch Anton Paul Fürst Sulkowski)

* 31. Dezember 1785 in Lissa; † 13. April 1836 in Rydzyna

Er war stammte aus der polnischen Fürstenfamilie Sułkowski und war Sohn von Anton Fürst Sulkowski. Er studierte in Breslau und Göttingen. Er war Besitzer der Ordination Reisen und der Grafschaft Lissa.

Er trat 1806 nach der Niederlage Preußens in die Dienste Napoleons beziehungsweise des Herzogtum Warschau ein. Er bildete im Range eines Obersten das 1. polnische Infanterieregiment. Er zeichnete sich die bei den Belagerungen von Kolberg und Danzig aus und wurde zum Brigadegeneral befördert. In den Jahren 1808 bis 1810 diente er in Spanien und hat sich dort auch militärisch bewährt. Dies war etwa der Fall bei der Verteidigung von Toledo, in den Schlachten von Almonacid und Ocassa. Zeitweise war er Gouverneur von Málaga. Im Jahr 1810 kehrte er in das Herzogtum Warschau zurück.

Beim Russlandfeldzug führte Sulkowski die Kavallerie-Brigade des V. Corps unter Josef Anton Poniatowski und wurde am 18. Oktober des Jahres schwer verwundet. Er wurde zum Divisionsgeneral befördert. In der Schlacht von Leipzig führte er ein mobiles Corps und kämpfte selbst er an der Spitze einer Kavalleriebrigade. Nach dem Tod von Poniatowski wurde er Befehlshaber der polnischen Truppen. Mit diesen machte er die Rückzugskämpfe mit. Bei Fulda kam es zum Konflikt mit Napoleon. Sulkowski hatte den polnischen Soldaten versprochen, sie nach Polen zurückzuführen. Napoleon überredete die übrigen Offiziere mit den Truppen bei der französischen Armee zu verbleiben. Daraufhin legte Sulkowski den Oberbefehl nieder und kehrte nach Polen zurück.

Dort hat er sich im Rang eines Generalleutnants führend an der Neuorganisation der polnischen Armee beteiligt. Er wurde Generaladjutant von Zar AlexanderI. Im Jahr 1816 trat er aus dem aktiven Militärdienst aus. Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt in den preußischen Teil Polens. Dort wurde er 1824 Marschall des ersten Provinziallandtags von Posen und Mitglied des preußischen Staatsrates.

Lit.:

* L. von Zedlitz-Neukirch: Neues preußisches Adelslexikon. Bd.4 Leipzig, 1837 S.253

 

Świnarski, Anton Joseph von

+07.März 1838 in Golaschin (Obornik)

Rittergutsbesitzer. Studium der Philosophie in Berlin. Seit 1882 Rentner.

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867 -1918. Düsseldorf 1988 S.382

 

Switalla, Anton (eigtl.: Stachus Switalla)

* 6.10.1896 in Koschmin  † 8.4.1970 in Berlin

 

Sohn einer Arbeiterfamilie. Hütejunge, von 1909 bis 1911 Lehrling in einem Kalibergwerk in Fallerleben. dann Wanderschaft, später Hafenarbeiter in Hamburg. 1915 zum Militärdienst eingezogen, war er nach der Revolution Betriebs-ratsvorsitzender in Hamburg, von Januar 1919 bis Januar 1920 Mitglied der AAU. Dann in der USPD und im Dezember 1920 Mitglied der VKPD. 1922/23 als Bauarbeiter tätig, nahm am Hamburger Aufstand 1923 teil und saß deswegen von 1924 bis 1926 in Festungshaft in Gollnow. Im Oktober 1927 Sekretär des KPD-UB Hamburg-Barmbek, von April 1928 bis Mai 1931 des UB Harburg-Wilhelmsburg. 1929 wegen »Widerstands gegen die Staatsgewalt« zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Switalla besuchte 1931 die M-Schule in Moskau, nach seiner Rückkehr Mitglied der engeren Bezirksleitung Wasserkante. Am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte er wegen des NS-Terrors sein Mandat nicht ausüben. Im April 1933 Polleiter des illegalen Bezirks Nordwest (Bremen), vom ZK im Juli 1933 als Polleiter für das Saargebiet eingesetzt. Er kam im Mai 1935 in die Sowjetunion, hier zunächst bei der Fraktion um Hermann Schubert, (1886-1938) mit dem er seit Hamburg verbunden war. Bis Dezember 1935 Instrukteur im Internationalen Klub der Seeleute, dann Gewerkschaftsinstrukteur für die ausländischen Arbeiter in Woroschilowgrad. Von Januar bis April 1937 absolvierte Switalla eine weitere militärische Ausbildung und war von Mai 1937 bis Februar 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, u. a. Politkommissar an einer Offiziersschule. Von Februar 1939 bis November 1941 in Frankreich interniert, anschließend bis Mai 1943 im Wüstenlager Djelfa in Nordafrika. Im Juni 1943 kam er mit einem Transport in die Sowjetunion, von Januar 1944 bis April 1945 Lehrer an Antifa-Schulen. Anfang Mai 1945 kehrte er mit der von Gustav Sobottka*  geleiteten Gruppe nach Deutschland zurück, von August bis Dezember 1945 Generalstaatsanwalt von Mecklenburg, ab Januar 1946 1. Sekretär der KPD bzw. ab April 1946 Vorsitzender der SED Schwerin. 1950 zur Polizei, bis 1952 Stellvertreter des Chefs der VP Sachsen, dann bis September 1955 der Politischen Verwaltung der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei. Er wechselte 1954 zeitweilig in das Staatssekretariat für Staatssicherheit, war bis August 1959 Leiter der Hauptabteilung Personal, zuletzt Leiter der Kaderverwaltung des Innenministeriums. Als Generalmajor 1964 ausgeschieden, erhielt er 1966 den Karl-Marx-Orden.

 

* Gustav Sobottka (1886-1953) war der Leiter der dritten Gruppe, die aus dem sowjetischen Exil kommend, die Rote Armee bei deren Bemühungen, das Nachkriegsleben im Besatzungsgebiet rasch zu normalisieren, die Wirtschaft zu beleben und geeignetes Personal für Führungsfunktionen in den Verwaltungen zu finden, unterstützen sollte. Im Vergleich zu den Gruppen Ulbrichts und Ackermanns, die bereits Ende April/Anfang Mai in Deutschland waren, begann diese Gruppe ihre Tätigkeit erst am 06. Mai 1945

Lit. :

  • SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands1945-1949. München 1990 S.455
  • Martin Schumacher: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.161
  • Müller-Engbergs, Helmut u.a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. Berlin 2001 S.841
  • Weber, Hermann/Herbst Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.774/775

 

 

Switala, Idzi

*01. September 1877 in Groß-Topola(Krs. Adelnau)

Studium der Medizin in Breslau, dann der Theologie in Münster. Danach Besuch der Handelsschule in Leipzig. Seit 1903 Redakteur, ab 1913 Schriftsteller in Würzburg,

 

Szembek, Peter Graf von

* 11. April 1845 in Siemianice; † 16. Mai 1896 ebenda

Szembek war Rittergutsbesitzer auf Siemianice bei Opatow. Von 1871 bis 1874 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für die Polnische Fraktion und für den Wahlkreis Posen 10 (Adelnau-Schildberg)

Lit. :

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 61
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.278

 

 

Szuldrzynski, Sigismund  polnisch: Zygmunt Szułdrzyński,

* 15. Oktober 1830 in Gutowo; † 29. Dezember 1918 in Bolechówie

Szuldrzynski war Rittergutsbesitzer in Lubasz.

Von 1866 bis 1870 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und 1867 des Konstituierenden Reichstags des Norddeutschen Bundes für den Wahlkreis Posen 7 (Schrimm, Schroda) und die Polnische Fraktion.

Lit.:

* Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin.1904, S. 59; vgl. auch Phillips, A. (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Berlin: 1883, S. 38

* Schwarz, Max: Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.478

* Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.383

* Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Bearb. von Bernd Haufelder und Klaus Erich Pollmann. Düseldorf 1989.S.477

 

 

 

Szuman, Henryk Moritz  (Dr.jur.)

*03. Februar 1822  in Althütte , Kreis Czarnikau, + 17. Okt. 1910  in Schwersenz

 

Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten  Breslau, Bonn und  Berlin. 1846 Promotion . Er arbeitete in der Justizverwaltung  in Magdeburg und Berlin; 1847 war er  Assistent des Anwaltes Crelingera, der die Verteidigung der polnischen Verschwörer von 1846 in Berlin übernommen hatte. 1848 Führer der Polenlegion in Berlin . Er war in den polnischen Kultur-und Wirtschaftsorganisationen aktiv. Er war 1957 einer der 42 Gründungsmitglieder der Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften. Von 1872 bis 1885 war er Vorsitzender des Zentralen Wirtschaftsverbandes.

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.383/384

 

 

Sznurkowski, Theodor

*30. Okt.1973 in Posen; +

Lit.:

  • Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Marburg 1996 S.379

 

Taczanowski, Władysław (von Taczanowski)

* 12. August 1825 in Szypłów bei Schrimm  † 13. März 1893

  1. war als Repräsentant der deutschen Polenpartei Mitglied des Reichstages vom März 1871 bis Januar 1877. Im Reichstag vertrat er als Abgeordneter den Wahlkreis Posen 8 (Wreschen – Pleschen – Jarotschin).

Lit.:

*  Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin1904, S. 59f

* Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.478

 

 

Tasch, Anton Joseph

*04.Juli 1845 in Striesewitz( (Kr. Lissa), + 19. Febr.1920 in Lissa

 

Tasch besuchte das Königliche Gymnasium in Lissa bis 1865 und studierte dann bis 1868 im theologischen Seminar in Posen und dann auf der Akademie in Münster Theologie und Naturwissenschaften. Er promovierte dort zum Lizentiaten der Theologie und war zuletzt im praktischen Seminar in Gnesen. 1871/72 war er Vikar in Deutsch Krone und von 1872 Prätendar an der Franziskanerkirche für die deutschen Katholiken und Religionslehrer am Königlichen Gymnasium in Gnesen. Außerdem war er von 1878 daselbst Administrator der St. Trinitatis- und der St. Laurentius-Kirche und seit 1887 Propst an der St. Nikolaus-Pfarrkirche in Lissa sowie Religionslehrer am dortigen Königlichen Gymnasium. Während der drei Jahre 1875 bis 1877 war er Redakteur der Zeitung Germania in Berlin.

Von 1898 bis 1903 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 6 (Fraustadt, Lissa) und die Deutsche Zentrumspartei.

Einzelnachweise

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin.1904, S. 59
  • Haunfelder, Bernd: Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei 1871-1933.Düsseldorf 1999 S. 271

 

 

Techow, Friedrich (vollständig: Friedrich Gustav Eduard Techow)

* 16.Dez. 1807 in Bromberg; + 18. Mai 1880 in Berlin

Techow studierte 1826 bis 1829 Theologie und Philosophie in Berlin, wo er auch promovierte. Ab 1829 war er an mehreren Gymnasien als Lehrer tätig, war von 1839 bis 1849 Professor an der Ritterakademie in Brandenburg und von 1849 bis 1870 Direktor des Königlichen Gymnasiums in Rastenburg / Ostpreußen. Nach seiner Pensionierung wurde er zum Stadtverordneten in Berlin gewählt und war dort als Dezernent für Kirchenangelegenheiten zuständig.

Zunächst Mitglied der Fraktion Vincke* gehörte er von 1862 bis 1866 der Deutschen Fortschrittspartei an, im Herbst 1866 war er einer der Mitbegründer und später Mitglied des Vorstandes der Nationalliberalen Partei. Er war von 1849 bis 1851 und 1859 bis 1880 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Bis 1866 vertrat Techow den Wahlkreis Rastenburg in der 2. Kammer des Abgeordnetenhauses, 1866 und 1867 den Wahlkreis Trier 4 (Saarlouis) und ab 1870 den Wahlkreis Frankfurt/Oder.

1871 bis 1878 war Techow Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Düsseldorf 1 (Lennep – Mettmann – Remscheid), im Reichstag gehörte er zur Fraktion der National-liberalen Partei.

  • Hermann Kalkoff (Hrsg.): Nationalliberale Parlamentarier 1867–1917 des Reichstages und der Einzellandtage. Schriftenvertriebsstelle der nationalliberalen Partei Deutschlands, Berlin 1917
  • Max Schwarz: Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965, S. 479.
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918. Düsseldorf 1988, S. 384
  • * Haunfelder, Bernd: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Düsseldorf 1994, S. 251
  • Walther Killy und Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 9, Saur, München 2001 S.668
  • Heinz Monz (Hrsg.): Trierer Biographisches Lexikon. Trier 2000
  • Gerke, Wilfried: Posener Biographisches Lexikon. Lüneburg 1975 S.66
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstages 1871-1918. Münster 2004 S.398/399

* Im preußischen Abgeordnetenhaus war die in der Mitte der 1850er Jahre entstandene Fraktion Vincke, benannt nach Georg von Vincke, eine als altliberal geltende Gruppierung im allgemeinen Sinn. Im Parlament stellte sie zunächst die Linke, da Linksliberale und Demokraten zum Teil der Repressionen der Reaktionsära ausgesetzt waren oder sich aus Protest gegen diese Politik nicht an Wahlen beteiligten. Erst mit Beginn der neuen Ära beteiligten sich auch Linksliberalen wieder verstärkt am politischen Leben. Ihre Abgeordneten schlossen sich dabei der Fraktion Vincke an.

Von 1858 bis 1861 hatte die Fraktion Vincke die Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Bei den Wahlen von 1858 stellten die Altliberalen 58 % der Abgeordneten. In dieser Zeit hatten die Altliberalen den größten politischen Einfluss. Auf Dauer ließen sich die Gegensätze innerhalb der Fraktion allerdings nicht überbrücken. Der linke Flügel legte ein Programm vor, das einen deutlicheren liberalen Kurs forderte. Die Mehrheit der Fraktion lehnte dies ab. Die Folge war im Februar 1861 die Abspaltung von 19 Abgeordneten, die sich zur Fraktion Forckenbeck, benannt nach Max von Forckenbeck,  zusammenschlossen. Aus dieser ging zusammen mit Mitgliedern des Deutschen Nationalvereins kurze Zeit später die Fortschrittspartei hervor.

 

Tempelhoff, Johann Friedrich Eduard Gottfried von

  1. Sept. 1807 in Obra bei Wollstein; + 15. Nov.1891 in Dombrowka bei Posen

 

Studium der Rechte in Heidelberg und praktische landwirtschaftliche Ausbildung. Seit 1891 Bewirtschafter des eigene Gutes. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereines für die Provinz Posen.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.384

 

Thiede, Dietrich

* 13. Nov.1937 in Schneidemühl

 

1956 beendete er seine schulische Ausbildung mit der Mittleren Reife. Anschließend besuchte er die Handelsschule und absolvierte eine Ausbildung zum Speditionskaufmann, die er 1959 beendete. Von 1959 bis 1965 war er als Angestellter und Versandleiter einer Möbelfabrik beschäftigt.

Von 1965 bis 1967 erfolgte eine Ausbildung zum Berufsberater und daran schloss sich eine Tätigkeit beim Arbeitsamt in Herford an.

Seit 1995 gehörte er dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an und seit 1975 war er Mitglied des Kreistages von Herford (CDU-Fraktion)

Lit.:

  • Biographisches Handbuch der deutschen Politik. Bearbeitet von Bruno Jahn. Bd.2 München 2004 S.834

 

Thiede, Erwin

*02. April 1899 in Fraustadt

 

Die Gerichtsassesorpüfung legte er 1915 ab und ging dann in die Lübecker Verwaltung, wo er Landesrat und beamtetes Vorstandsmitglied der Landesversicherungsanstalt wurde,

Von 1920 bis 1933 gehörte er dem Breslauer Magistrat an.

Die Vertreibung 1945 führte ihn nach Coburg, wo er eine Rechtsanwaltspraxis eröffnete.

1948 erfolgte seine Wahl für die SPD in den Stadtrat Coburgs.

 

 

 

 

 

Tiebel, Fritz

* 06. Aug.1889 in Polajewo

 

Besuchte die Volksschule in Schwenda (Harz) bis Ostern 1901, dann bis 1905 die Latina in den Frankelschen Stiftungen in Halle/Saale.

1980 trat er mit einem Einjährig-Freiwilligen –Zeugnis eine Stelle als Postgehilfe an.

Postassistent wurde er im Jahre 1912 und 1925 erfolgte seine Ernennung zum Postinspektor.

Im 1. Weltkrieg wurde er 1917 in Flandern schwer verwundet.

Seit 1920 Nationalsozialist und seit 1924 aktiv politisch tätig.

Bei der Reichstagswahl vom September 1930 wurde Tiebel als Kandidat der NSDAP für den Wahlkreis 11 (Merseburg) n den Reichstag gewählt, dem er zunächst bis zum November 1932 angehörte. Nachdem Tiebel sein Mandat durch die Wahl vom November 1932 verloren hatte, konnte er nach der Wahl vom März 1933 in den Reichstag zurückkehren, dem er fortan ohne Unterbrechung bis zum Ende der NS-Herrschaft im Mai 1945 angehörte Während der NS-Zeit war Tiebel als Hauptstellenleiter im Hauptamt für Beamte der NSDAP ständiger Vertreter des Reichsbeamtenführers und Reichswalters des Reichsbundes Deutscher Beamten. Ferner war er Herausgeber der Tageszeitung Die Kursächsische Tageszeitung.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.776
  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Hrsg. von Martin Schumacher. Düsseldorf ² 1992 S.587
  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Düsseldorf 2004,
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Kiel 2000.

 

 

 

 

Titze-Stecher, Uta  geb. Weber

* 28. Dezember 1942 in Posen

 

Titze-Stecher besuchte zunächst die Grundschule in Salzgitter-Lebenstedt und machte dort 1962 ihr Abitur am Gymnasium für Jungen. Von 1962 bis 1968 studierte sie Pädagogik, Psychologie, Romanistik und Germanistik in München. Von 1968 bis 1977 war sie Lehrerin, ehe sie von 1977 bis 1979 Sonderpädagogik studierte, wieder in München. Danach war sie bis 1990 Sonderschullehrerin für Erziehungsschwierige und Lernbehinderte in München und Ausbildungslehrerin für Studenten.

1971 trat Titze-Stecher der SPD bei, wo sie von 1975 bis 1979 Sprecherin der Jungsozialisten und danach bis 1979 bis 1983 stellvertretende Unterbezirksvorsitzende des Unterbezirks Amper-Lech war. Von 1992 bis 1994 war sie Mitglied des Bezirksvorstandes Oberbayern, von 1992 bis 1996 Mitglied des Landesvorstandes der SPD Bayern. Zudem war sie von 1978 bis 1990 Gemeinderätin. Dem Deutschen Bundestag gehörte sie von 1990 bis 2002 an.

 

  • Rudolf Vierhaus/ Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 2, N–Z, Saur, München 2002,, S. 881

 

 

Toller, Ernst

 

*01. Dez. 1893 in Samotschin; + 22. Mai 1939  in New York

In den 1920er-Jahren war er der bekannteste deutsche Bühnenautor. Leitmotiv in Tollers Werk und Leben ist der Kampf für eine neue, gerechtere Gesellschaft. In den Schützengräben von Verdun hat er seine sozialistischen und pazifistischen Ideen entwickelt.

T.wird als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in der Posener Provinzstadt Samotschin (heute Szamocin) geboren. Toller will Schauspieler werden, vielleicht auch Dichter, studiert aber zunächst in Grenoble Jura. 1914 rückt er mit dem „1. Kgl. Bay. Fuß-Artillerie-Regiment“ in München aus – als Kriegsfreiwilliger. Für seine Tapferkeit vor Verdun wird er ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert. Zugleich schreibt er erste Gedichte gegen den Krieg. 1916 ist Toller körperlich und seelisch so erschöpft, dass er aus der Armee entlassen wird.1917 studiert er weiter, nun aber Geisteswissenschaften in München. Bei Max Weber studiert er Politik, beim Literatur-wissenschaftler Artur Kutscher lernt er Thomas Mann und Rainer Maria Rilke kennen. Im Januar 1918 unterstützt Toller den Streik der Munitionsarbeiter. Als Regierungstruppen auf die Landeshauptstadt zumarschieren, steht der Pazifist in den Reihen der Revolutionsgarde. Die Kämpfe kosten über 1.000 Menschen das Leben. Toller wird steckbrieflich gesucht; die Kopfprämie liegt bei 810.000 Mark. Tollers erstes Drama „Die Wandlung“ vollzieht die historisch wie seelisch dramatischen Jahre nach.1918/19 gehört er zu den Hauptakteuren in Revolution und Räterepublik; nach der Ermordung von Ministerpräsident Eisner übernimmt er im März 1919 den Vorsitz der bayerischen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Nach der blutigen Zerschlagung der Räterepublik wird der „Hochverräter“ beinahe zum Tode, dann doch zu fünf Jahren Festungshaft in Niederschönenfeld nahe Augsburg verurteilt.

Die Haft verbringt Toller schreibend.

Die literarische Aufarbeitung der November-Ereignisse ist für Toller eine Art Katharsis. „Masse Mensch“ sei eine“ visionäre Schau“, die in zweieinhalb Tagen förmlich aus ihm heraus gebrochen sei, bekennt er später. 1920 wird das „Stück aus der sozialen Revolution des 20. Jahrhunderts“ im Nürnberger Stadttheater als geschlossene Veranstaltung vor Gewerkschaftern uraufgeführt. Jahre später wird es an der Berliner Volksbühne ein Publikumserfolg. Noch populärer wird „Hoppla, wir leben“, das Erwin Piscator 1927 auf die Bühne des Theaters am Nollendorfplatz zaubert. Vom Pathos der Expressionisten hat sich Toller jetzt zugunsten der „Neuen Sachlichkeit“ verabschiedet, lässt die Handlung auf mehreren Ebenen ablaufen und mit Filmprojektionen kombinieren. Der Erfolg ist von kurzer Dauer. Nachdem Bayern den Humanisten bereits 1924 nach Berlin abgeschoben hat, geht die Ausbürgerung 1933 weiter. Toller geht in die Schweiz, wo bei „Querido“ seine Autobiografie „Eine Jugend in Deutschland“ erscheint. Weitere Stationen seines Exils sind London und New York. Es sind bittere Jahre, die nicht milder werden dadurch, dass Toller den aufhaltbaren, aber nicht aufgehaltenen Aufstieg Hitlers und die Totalität seiner Machtergreifung präzise vorhergesagt hat. Zwar zählt Toller zu den führenden Stimmen im Chor des „anderen Deutschland“; sein unermüdlicher Kampf gegen die Zersplitterung der Linken aber bleibt ebenso folgenlos wie seine groß dimensionierten Hilfsprojekte zugunsten des republikanischen Spanien. Im März 1939 besetzen deutsche Truppen nach dem Sudetenland auch die „Rest-Tschechei“. Am 19. Mai 1939 veranstaltet Franco, von den Westmächten anerkannt, eine Siegesparade. Am 22. Mai 1939 erhängt sich Ernst Toller im Mayflower Hotel am Central Park in New York.

 

Lit.:

  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.164
  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs-und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.772
  • Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000

 

 

Tomasczewski, Benno (dr. jur.)

 

*04.Aug.1837 in Ostrowo, + 02. April 1895 in Würzburg

 

Zunächst Staatsanwalt in Mohrungen, dann Regierungsrat in Gumbinnen.1881 Oberregierungsrat .

1883 Oberpräsidialrat in Königsberg.1890 Oberverwaltungsgerichtsrat.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.388

 

 

Töpfer, Johanna geb. Schrocko

 

* 3. April 1929 in Schneidemühl, † 7. Januar 1990 in Berlin

 

Sie entstammte einer Arbeiterfamilie und besuchte Volks- und Handelsschule. Von 1945 bis 1950 war sie beruflich bei der Deutsche Reichsbahn als Wagenputzerin, Sekretärin, und zuletzt in der Kaderabteilung der Reichsbahndirektion Leipzig tätig. 1951-1952 erfolgte ein Besuch des Lehrerseminars in Dresden, mit einem Fernstudium an der Humboldt-Universität Berlin. 1955 erhielt sie ihren Abschluss als Diplom-Wirtschaftlerin. Seit 1952 war sie als Lehrerin tätig, es folgte von 1959-1964 die Aspirantur am Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED und die Promotion zum Dr. rer. oec.

 

Töpfer war seit 1945 Mitglied des FDGB, und seit 1949 der SED und ab 1955 Stellvertretende Direktorin der FDGB-Zentralschulen in Beesenstedt und Grünheide. Von 1956 bis 1959 übernahm sie eine Tätigkeit, zuletzt als Sektorleiterin, im FDGB-Bundesvorstand. Nach der Hochschulausbildung 1964-1965 war sie erneut Mitarbeiterin im FDGB-Bundesvorstand und dann von 1965-1970 Dozentin und stellvertretende Direktorin der Gewerkschaftshochschule „Fritz Heckert“ in Bernau bei Berlin. 1968 erhielt sie eine Professur daselbst und wurde von 1968 bis 1989 Mitglied des Präsidiums des FDGB-Bundesvorstandes, Sekretärin und Stellvertreterin des Vorsitzenden des FDGB-Bundesvorstandes, 1971-1989 Mitglied des ZK der SED. 1973 bis 1977 war Töpfer Vizepräsidentin des DDR-Friedensrates * und von 1976 bis 1990 Mitglied der Volkskammer, dabei zeitweise zwischen 1976 und 1981 Mitglied des Präsidiums der Volkskammer. Am 7. Januar 1990 beging Töpfer Suizid; sie resignierte vor den Angriffen auf ihre Person in der Wendezeit

 

Lit.:

  • Buch, Günther : Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. Berlin/Bonn 1987. S.325
  • Müller-Engbers, Helmut u.a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon. Berlin 2001 S.859

 

*Der Friedensrat der DDR war eine gesellschaftliche Organisation in der DDR, die statutgemäß für den Weltfrieden, Entspannung, für friedliche Koexistenz von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen, für Abrüstung, Freiheit, nationale Unabhängigkeit und für die Abschaffung von Neokolonialismus, Rassismus und für antiimperialistische Solidarität eintrat. Der Friedensrat der DDR war nicht Teil der unabhängigen Friedensbewegung sondern eine von der SED gesteuerte und abhängige Organisation, die die Rüstungs- und Kriegspolitik der UDSSR nicht in Frage stellte. Ihm gehörten etwa 300 Personen an, zumeist Funktionäre der SED, der Blockparteien und Massenorganisationen der Nationalen Front, sowie Personen aus dem kulturellen und politischen Leben und aus den Kirchen.

Innerhalb der SED war der Friedensrat seit 1975 der ZK-Abteilung Auslandsinformation zugeordnet, die seit 1966 von Manfred Feist, Schwager von Erich Honecker, geleitet wurde.

Der Friedensrat der DDR war Mitglied des Weltfriedensrates und entsandte Vertreter in die Nationale Front. Signet des Friedensrates war die Friedenstaube Picassos.

 

 

Trąbalski, Franciszek

* 10. Oktober 1870 in Czempin , †26. Juli 1964 in Zabrze

 

Trąbalski besuchte das deutsche Gymnasium in Schrimm, dort bestand er die Reifeprüfung. Nach der Schule trat er an der höheren Handelsschule ein Studium an. Um dieses finanzieren zu können arbeitete er im kaufmännischen Bereich und erteilte Nachhilfeunterricht. Zeitgleich erlernte er den „ordentlichen Beruf“ eines Schuhmachers.

Ende 1888 eröffnete er, um den Lebensunterhalt für seine Familie bestreiten zu können, eine Schuhmacherei in Leipzig. Die Schumacher-Innung, die über den Zuzug aus Polen keinesfalls erfreut war, erzwang die Schließung seiner Werkstatt. Nun arbeitete er in den Kellerräumen seines Hauses in der Poniatowskistraße.

Neben seinen politischen Aufgaben arbeitete Trąbalski nebenberuflich in der Zeit von 1894 bis 1896 als Lehrer an polnischen Kleinschulen in Leipzig. Nach der Geburt seines Sohnes Stanislaw nahm er eine Tätigkeit als städtischer Beamter auf. Ab 1899 veröffentlichte er in der von der SPD unterstützten Arbeiterzeitung, Gazeta Robotnicza, erste Artikel.

Bereits in frühester Jugend interessierte ihn Politik. Schon in jungen Jahren verteilte er Flugblätter auf denen zum Widerstand gegen die preußische Germanisierungspolitik, gegen die gewaltsame Einführung der deutschen Sprache in Polen, in der nun preußischen Provinz aufgerufen wurde. Als ihm infolgedessen die Verhaftung drohte, floh der erst 18-Jährige aus seinem Geburtsort  wegen seiner politischen Überzeugung, zuerst nach Berlin, später über Halle nach Leipzig. Trąbalski nahm Kontakt zu deutschen Sozialdemokraten auf; mit August Bebel  und besonders zu Wilhelm Liebknecht hatte er ein freundschaftliches Verhältnis. Trąbalski trat noch im gleichen Jahr (1888) dem polnischen Gesangsverein in Leipzig bei, hinter welchem sich wegen des noch herrschenden sozialistischen Gesetzes, eine illegale sozialistische Organisation verbarg. Da Trąbalski bis zur Aufhebung des „Sozialistengesetzes“ Kurierdienste für den im benachbarten Borsdorf wohnenden Wilhelm Liebknecht übernahm, lernte er ebenfalls dessen Sohn Karl Liebknecht  kennen. In dieser Organisation war unter anderem ab 1900 auch Rosa Luxemburg, Hugo Haase als auch Lenin, der, wenn er in Leipzig weilte, bei Trabalski wohnte. Unmittelbar nach dem Fall des Sozialistengesetzes trat Trąbalski am 1. Oktober 1890 der nun wieder legal agierenden SPD bei. Mit dem Beginn des Jahres 1891 wurde er zugleich Mitglied des kurz zuvor in Berlin gegründeten Bundes Polnischer Sozialisten (TSP). Im Jahr 1901 wurde er durch die Genossen veranlasst nach Kattowitz in Oberschlesien, zu übersiedeln. Dort sollten Kontaktstellen aufgebaut werden damit die Parteiarbeit für die PPS aktiviert werden konnte. Eine weitere solche Kontaktstelle baute er in Königsberg auf, in der für Flüchtlinge Geld, Pässe und anderes zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Treffpunkt wurde durch den sogenannten Königsberger Prozess bekannt, in dem Karl Liebknecht als Verteidiger Trabalskis auftrat. Trabalski war dort als Parteisekretär tätig.

Im Jahr 1893 wurde er Führer der polnischen Sozialisten in Leipzig. Im selben Jahr trat er der KKS bei. Von 1906 bis 1909 war er Sekretär im Parteivorstand im preußischen Teil Polens.

1922 bis 1939 diente Trąbalski als Führer aller polnischen Sozialisten in Deutschland. Darüber hinaus (1922-1937) war er Chefredakteur der Głos Ludu (Stimme des Volkes) und Związkowiec (Gewerkschafter). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er einer der Führer der PPS (Polnische Sozialistische Partei) in Schlesien und von 1945 bis 1948 war er Mitglied der Parteiführung. Im März 1945 wurde Trąbalski Stellvertretender Oberbürgermeister im schlesischen Zabrze. Dieses Amt behielt er bis 1949. In der Zeit von 1947 bis 1952 war er Mitglied des Sejm und diente am Anfang der Legislaturperiode als Senior-Marschall (Alterspräsident). Während seines langjährigen Engagements im öffentlichen Dienst war er Leiter der polnischen sozialistischen Bewegung in Deutschland, Mitglied des Sejm, Alterspräsident und diente am 4. Februar 1947 für einen Tag als amtierendes Oberhaupt des polnischen Staates, als vorübergehender Präsident des Staatlichen Nationalrates (kollegiales Staatsoberhaupt zu diesem Zeitpunkt). Nachdem die PPS und die durch die Sowjetunion unterstützte kommunistische Partei PPR 1948 vereint waren, wurde er Mitglied der neuen Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei.

In der Polnischen Stadt Zabrze ist eine Straße nach ihm benannt: Prezydenta Franciszka Trąbalskiego.

Parallel zu seiner journalistischen, entwickelte sich seine schriftstellerische Tätigkeit. Er war Autor diverser Broschüren in die er hauptsächlich zu geschichtlichen Themen schrieb. Bereits im Juni/Juli 1945 wurde eine Schrift von ihm über Katyn  mit dem Titel „Das barbarische Massaker von Katyn“, veröffentlicht.

Das Buch endet mit Satz „Das polnische Volk soll diese Morde niemals vergessen, die ganze Welt darf sie nie vergessen. Die Morde an unschuldigen polnischen Offizieren, die die Russischen Tiere im Wald von Katyn begannen haben, auf Befehl der kommunistischen Regierung. Schande über sie.“

  • Ein halbes Jahrhundert des Sozialismus im polnischen Schlesien,1947

Lit.:

  • Mike Schmetzer/Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 40. Jahrgang, Berlin 1998.
  • Michael Rudloff: Eine Biographie zwischen den Systemen. In: Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig. Frankfurt am Main [u. a.] 1997
  • Zbigniew Kantyka: Franciszek Trąbalski (1870–1964). Aktivist der sozialistischen Bewegung. (Übersetzung), Katowice 1985
  • Zbigniew Gołasz: Franciszek Trąbalski i jego broszura „Barbarzyński mord w Katyniu”. w: „Kroniki Miasta Zabrza” nr 2/2010
  • Zbigniew Gołasz: Zapomniany prezydent. „Nasze Zabrze Samorządowe” nr 10/2007
  • Zbigniew Gołasz: Franciszek Trąbalski, Strażnik prawdy o Katyniu. „Nasze Zabrze Samorządowe” nr 4/2010

 

 

Trąmpczyński, Wojciech (dt. auch Adalbert von Trampczynski;

* 08. Feb. 1860in Deblowo ( Krs. Gnesen oder Krs. Filehne ); † 02.März 1953 in Poznan

Trąmpczyński stammte aus einer Familie von Gutsbesitzern. Er studierte Jura in Breslau und Berlin. . Seit 1886 betrieb er eine Rechtsanwalt –und Notarpraxis in Posen.

Politisch gehörte er dem Stadtrat von Posen als Mitglied der polnischen Fraktion an. Zwischen 1911 und 1918 gehörte er auch dem Preußischen Abgeordnetenhaus an. Dem Reichstag gehörte er von 1912 bis 1918 an. Er war dort Vorsitzender der polnischen Fraktion. Während des Ersten Weltkrieges gehörte er dem geheimen überparteilichen polnischen Bürgerkomitee an.

Im Januar 1919 wurde er vom Obersten Volksrat zum Verwalter der von Polen beanspruchten Provinz Posen ernannt, wogegen das preußische Staatsministerium scharf protestierte. Kurze Zeit später am 14. Februar 1919 wurde er zum Sejmmarschall (d. h. zum Parlamentspräsidenten) gewählt und organisierte die Kanzlei des Sejms. Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges von 1920 war er Vorsitzender des Bürgerkomitees für Staatsverteidigung. Auf Basis der Märzverfassung von 1921 übernahm er als Sejmmarschall bei der Bildung einer Regierung eine Vermittlerrolle zwischen Staatsoberhaupt und dem Sejm.

Im Jahr 1922 wurde Trąmpczyński zum Marschall des Senats in dessen erster Amtsperiode (bis 1927) gewählt. Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber dem Umsturz von 1926 durch Pilsudski übernahm er eine Vermittlerrolle zwischen den neuen Machthabern und den Anhängern der bisherigen Regierung. Dies trug zur Verhinderung eines Bürgerkrieges bei.

Nach dem Erlass der Verfassung von 1935 ging er in das Lager der Opposition über.

Lit.:

  • Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 389 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  • Jahrbuch Weichsel-Warthe 51(2005) S.89

 

 

 

Treskow, Otto Heinrich Karl von

*11.Juli1831 in Radojewo;+ 08.Okt.1901 in Radojewo

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.389

 

 

Treskow ,Walther von

  1. Juli 1874 in Owinsk; † 15. Mai 1928 in Danzig

Treskow studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin. 1897 legte er in Berlin das Referendarexamenab. 1902 wurde er Regierungsreferendar in Posen, 1904 Regierungsassesor in Harzburg.  1909 wurde er Landrat in Mogilno. 1911 schied er aus dem Staatsdienst aus und übernahm die Bewirtschaftung des Familienguts in Owinsk.

 

 

 

Lit. :

John, Bruno (Bearb.): Biographisches Handbuch der deutschen Politik. Bd.2 München 2004

 

 

 

Trawinski , Bruno

* 24. September 1893 in Bromberg, + 13.Dezember 1977

Nach dem Besuch der Volksschule bildete er sich an der Volkshochschule weiter und belegte Kurse in Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster. Von 1933 bis 1935 war er Hörer an der Verwaltungsakademie der Universität Breslau.

Von 1919 bis 1933 war Trawinski Mitglied der Zentrumspartei und der Gewerkschaft der christlichen Metallarbeiter. 1946 wurde er Mitglied der CDU und gehörte zahlreichen Parteigremien an. Ab 1946 war er Sozial- und Rechtssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund  in Köln.

Vom 20. April 1947 bis 17. Juni 1950 war Bruno Trawinski Mitglied des Landtages des Landes Nordrhein- Westfalen. Er wurde im Wahlkreis 057 Düsseldorf-Mettmann-Süd direkt gewählt.

 

 

Trzcinski, Eduard von polnisch:Edward Prandota-Trzciński na Trzcinnie h. Rawicz,

* 14. Februar 1874 in Schloss Popowo; † 27. Oktober 1948

Trzcinski besuchte zuerst das katholische Gymnasium ad sanctam Mariam Magdalenam zu Posen, dann das zu Inowrazlaw, wo er das Abiturientenexamen bestand. Er studierte auf der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und Staats-wissenschaften an den Universitäten zu Berlin und München, wo unter Leitung von Prof. Dr. Lujo Brentano nach Einreichung der Dissertation über die Entwicklung des polnischen Genossenschaftswesens in Posen und Westpreußen promovierte. Er widmete sich danach der Landwirtschaft und übernahm und bewirtschaftete das Gut Gocanowko im Kreis Strelno.

Von 1907 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 9 (Krotoschin,  Koschmin). Hier gehörte er der  Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.483

 

 

Turno , Hippolyt von

* 30. November 1828 in Objezierze (Oberau); † 13. März 1897 ebenda

 

Turno besuchte das Köllnische Gymnasium in Berlin und die Bergakademie Freiberg im Königreich Sachsen. Nach einem Aufenthalt in Paris wurde er Landwirt. Er besaß die die Herrschaft Objezierze mit den Rittergütern Objezierze, Nieczajna, Zulin und Pacholewo (alle im Kreis Obornik).

Von 1871 bis 1881 war er Mitglied im Posener Provinziallandtag und von 1879 bis 1882 des Preußischen Abgeordnetenhauses. Von 1871 bis 1874 vertrat er den Wahlkreis Bromberg 4 (Inowraclaw – Mogilno) und von 1877 bis 1884 den Wahlkreis Posen-Stadt im Deutschen Reichstag für die Polnische Fraktion.

Lit. :

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 55 und 64
  • Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 4, 1900, Reimer, Berlin
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.483
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988. S. 391

 

Veltman , Philipp

* 15. Dez. 1859 in Rogasen † 13. Feb. 1916 in Aachen

Veltman besuchte das Gymnasium in Essen und studierte in Berlin und  Freiburg/Breisgau. Anschließend war er an verschiedenen Gerichten tätig und nacheinander beigeordneter Bürgermeister in Essen sowie von 1885 bis 1895 Beigeordneter Bürgermeister in Aachen. Dort wurde Veltman am 10. September 1895 als Nachfolger von Ludwig Pelzer zum Oberbürgermeister gewählt und am 15. März 1896 in sein Amt eingeführt. Philipp Veltman war zudem von 1901 bis 1916 Abgeordneter im Provinziallandtag und von 1896 bis 1916 Abgeordneter im Preußischen Herrenhaus.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen im Amt des Oberbürgermeisters von Aachen unterzeichnete er am 24. Dezember 1896 das noch von seinem Vorgänger initiierte Gesetz zur Eingemeindung von Burtscheid und sorgte für dessen verwaltungs-technische Umsetzung. Einige Jahre später war es Veltman selber, der die Einge-meindung der Gemeinde Fort nach Aachen vorangetrieben hatte, die dann mit gesetzlicher Wirkung zum 1. April 1906 in Kraft trat.

Veltman hatte sich in Aachen vor allem auf dem Kunst- und Kultursektor verdient gemacht

 

Viebig, Ernst Friedrich Ferdinand

* 24. September 1810 in Rokitten bei Meseritz,  † 13. Oktober 1881 in Düsseldorf

Ernst Viebig wurde 1810 in Rokitten als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Nach einem juristischen Studium trat Ernst Viebig in den preußischen Staatsdienst ein. (1833 Regierungsreferendar in Magdeburg, ab 1834 in Posen)

Von 1838 bis 1840 war er Regierungsassesor in Merseburg und ab 1840 stv. Landrat in Gnesen. Ab !846 tätig als Regierungsrat – zunächst bei der Finanzverwaltung in Posen und seit 1856 bei der Regierung in Sigmaringen. Als Oberregierungsrat ab 1856 bei der Regierung in Trier und seit1868 in Düsseldorf tätig.

Ab dem 29. Mai 1848 war er Abgeordneter für dem Wahlkreis Posen in der Frankfurter Nationalversammlung. Er schloss sich der Mehrheitsfraktion der Nationalliberalen, der sogenannten Kasino-Fraktion *, an. Im Laufe der Verhandlungen über die Verfassung des künftigen Deutschlands spaltete sich im September 1848 die sogenannte Landsberg-Fraktion vom Kasino (die Fraktionen wurden im Allgemeinen nach ihrem Tagungslokalen benannt) ab, der sich auch Ernst Viebig anschloss. Die neue Fraktion plädierte für eine Stärkung der Zentralgewalt und des Parlaments und dem gemäß für eine Schwächung der einzelstaatlichen Befugnisse. Mit dem 21. Mai 1849 beendete Viebig seine Abgeordnetentätigkeit.

Er wurde danach als Regierungsrat zunächst in das 1849 preußisch gewordene Sigmaringen versetzt, später dann, 1858, als Oberregierungsrat nach Trier. Schließlich wurde er 1868 stellvertretender Regierungspräsident in Düsseldorf, dieses Amt übte er bis zu seinem Tod 1881 aus.

Viebig war verheiratet und hatte zwei Söhne und eine Tochter, die Schriftstellerin Clara Viebig (1860–1952). Der Komponist Ernst Viebig war sein Enkel.

Lit.:

  • Christel Aretz, Peter Kämmereit: Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur. Rhein-Mosel-Verlag, Zell an der Mosel 2010
  • Best, Heinrich/Weege,Wilhelm: Biographisches Handbuch der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1998. S.343
  • Koch, Rainer (Hrsg.): Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Kelkheim 1989. S.410
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.105

* Casino war die Bezeichnung einer seit dem 25. Juni 1848 bestehenden politischen Fraktion in der Frankfurter Nationalversammlung. Wie bei den meisten Fraktionen der Nationalversammlung bezieht sich der Name auf den üblichen Versammlungsort der Fraktionsangehörigen in Frankfurt am Main. Versammlungsort waren die exklusiven Räumlichkeiten der Frankfurter Casinogesellschaft im Gebäude Rossmarkt 10, wo sich sonst seit 1802 ein großer Teil der politischen Elite Frankfurts traf.

Die Casino-Fraktion war in der Frankfurter Paulskirche die größte und einflussreichste Fraktion. Ihre Vertreter waren im Wesentlichen nationalliberal.

 

 

Schulz- Vanhagen, Elmar

* 15. März 1939 in Schneidemühl

 

Von 1960 bis 1967 Studium alter Sprachen und Philosophie in Münster und Hamburg. Staatsexamen 1967 und 1969 Promotion zum Dr. phil. In Münster (Dissertation: Properz und das griechische Programm).

Seit 1969 im Schuldienst und als Lehrer in Münster und Bielefeld tätig.

Von 1977 bis 1984 war er Aufsichtsbeamter für Gymnasien am Schulkollegium Münster und anschließend bis 1993 Leiter der Schulabteilung bei dem Regierungspräsidenten in Köln.

Daran schloss sich bis 1998 eine Tätigkeit als Gruppenleiter im Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen an. Bis 2003 war S.-V. Abteilungsleiter im Ministerium für Jugend und Kinder, als man ihn als Staatssekretär für dasselbe Ministerium in die Landesregierung berief.

 

 

Victor, Willy

*20.Jan. 1876 in Posen; 02. April 1956 in Israel

 

  1. kam 1904 nach Wandsbek (bis 1938 selbständige Stadt, heute Stadtteil von Hamburg), wo er sich als Rechtsanwalt und Notar niederließ.

1905 war er Mitbegründer des „Jüdischen Volksvereins“ und ein Jahr später erfolgte seine Berufung in den Vorstand der zionistischen Ortsgruppe Hamburg.

Seit 1914 vertrat er als Stadtverordneter die SPD im Wandsbeker Parlament und ab 1920 als ehrenamtlicher Stadtrat.

1933 als Jude und Sozialdemokrat von der  SA verfolgt, emigrierte er über die Schweiz nach Palästina. Mit dem Versuch, sich als Geschäftsmann in Tel Aviv eine berufliche Existenz aufzubauen, war er nicht erfolgreich.

 

 

Waldstein, David Felix

 

* 6. Februar 1865 oder 1866 in Gnesen; † 8. Dezember 1943 in London

 

Nach dem Abitur auf dem Gymnasium in Gnesen studierte Waldstein, der jüdischen Glaubens war, von 1882 bis 1885 an der Humboldt-Universität zu Berlin Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft. Nach dem Referendariat in Königsstein im Taunus und Frankfurt am Main ließ er sich 1890 als Rechtsanwalt in Altona nieder. 1901 erfolgte die Bestallung als Notar. Er war viele Jahre Vorsitzender der Ortsgruppe Hamburg und Altona im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens*. Am 14. November 1935 wurde ihm aufgrund der 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz wegen seiner jüdischen Herkunft die Notarzulassung entzogen. Zum 30. November 1938 wurde ihm – wie allen Juden – die Rechtsanwaltszulassung entzogen und ein Berufsverbot erteilt. 1939 emigrierte er nach London.

 

Waldstein gehörte zunächst der Freisinnigen Vereinigung an, die sich 1910 mit der Freisinnigen Volkspartei* und der württembergischen Demokratischen Volkspartei zur Fortschrittlichen Volkspartei vereinigte. 1918 beteiligte er sich an der Gründung der Deutschen Demokratischen Partei.

 

Felix Waldstein war von 1908 bis 1918 Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus. Bei der Reichstagswahl 1912 wurde er für den Wahlkreis Schleswig-Eckernförde in den Reichstag des Kaiserreiches gewählt (bis 1918). 1919/20 gehörte er der Weimarer Nationalversammlung an. Anschließend war er bis Februar 1921 erneut Abgeordneter des Reichstages.

 

Lit.:

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.783
  • Hamburger, Ernest: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918. Tübingen 1968. S.364-366
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.401
  • Schumacher, Martin/Lübbe, Katharina/Schröder, Wilhelm Heinz: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation Düsseldorf ² 1994 S. 609
  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düsseldorf 1995 S.169
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 10. München 2001
  • Haunfelder, Bernd: Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Münster 2004. S. 414.

 

*Der Centralverein.. wurde 1893 in Berlin gegründet. Er repräsentierte die Mehrheit der assimilierten bürgerlich-liberalen Juden in Deutschland, trat für deren Bürgerrechte und ihre gesellschaftliche Gleichstellung ein. Er war die bedeutendste Organisation unter den zahlreichen jüdischen Verbänden, die sich als Reaktion auf den erstarkenden Antisemitismus im Kaiserreich bildeten. 1938 verboten.

 

* Die Freisinnige Volkspartei (FVp) war eine liberale Partei während des Deutschen Kaiserreichs, die 1893 aus einer Aufspaltung der Deutschen Freisinnigen Partei hervorgegangen war und 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei aufgegangen ist. Sie knüpfte an die Tradition der Deutschen Fortschrittspartei an.

Im Jahr 1894 hat sich die Freisinnige Volkspartei ein Parteiprogramm gegeben. Darin forderte sie unter anderem die Einführung des recht demokratischen Reichstagswahlrechts auch in den Einzelstaaten. Sie strebte die Parlamentarisierung des Reiches an. Außerdem forderte sie Diäten für Abgeordnete und eine gerechtere Einteilung der Wahlkreise. Nicht zuletzt wurde eine jährliche Verabschiedung des Heeresetats angestrebt. Höhere Heeresausgaben wurden konsequent abgelehnt. Ähnlich kritisch stand die Partei zunächst der Kolonialpolitik und dem Flottenbau gegenüber. In wirtschaftspolitischer Hinsicht sollten Eingriffe des Staates begrenzt werden. Dagegen wollte die Partei Gewerkschaften gesetzlich anerkennen und forderte die Förderung von Selbsthilfeeinrichtungen sowie eine Abschaffung der Privilegien des Großgrundbesitzes.

Siehe auch: Ludwig Elm: Freisinnige Volkspartei (FVp). 1893–1910. In: Dieter Fricke u. a. (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945). Band 2. Leipzig 1984, S. 694–707.

 

 

Wambeck, Maximilian

 

* 04.Oktober 1895 in Kletzko ( Kreis Gnesen), + 08. September 1983 in Köln

 

Nach dem Besuch einer Volksschule wechselte er 1910 auf eine Handels-und Gewerbeschule. Anschließend war er als Kaufmann tätig, bis er sich freiwillig bei Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete.

Bevor er ab 1920 als selbständiger Getreidehändler tätig war, war er aktiv an den Grenzschutzkämpen 1918/1919 beteiligt und von den polnischen Behörden verhaftet und interniert gewesen.

1928 erwarb er das Brennereigut Wischin (Krs. Kolmar). Stadtverordneter in Rogasen.

Mit Wirkung zum 01. Februar 1932 in Berlin in die NSDAP aufgenommen und als Einzelmitglied der Auslandsabteilung zugeteilt.

Am 01. Jan. 1934 erfolgte wegen seiner polnischen Staatsangehörigkeit sein Ausschluss aus der NSDAP.

Seinen Beitritt zur Jungdeutschen Partei (JDP) * erklärte W. am 28. Mai 1934, wo er Kreisleiter und Führer des Ordnungsdienstes des Gaues Posen der JDP war.

Angeblich ohne Wissen der JDP-Landesleitung berief ihn der Staatspräsident als Vertreter der deutschen Minderheit in den Senat.

Da er sich weigerte, die Annahme dieses Mandates auf Verlangen der JDP abzulehnen, schloss diese ihn am 26. Nov. 1938 aus der Partei aus.

Am 05. September 1939 Wiedereintritt in die JDP, am 30. Jan.1941 Eintritt in die NSDAP.

Lebte nach 1945 zunächst in Niedersachsen, später in Köln. Ehrenamtliche Mitarbeit in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe.

* Die Jungdeutsche Partei in Polen (JdP) (polnisch: Partia Młodoniemiecka w Polsce) war eine 1921 als Deutscher Nationalsozialistischer Verein für Polen in Bielitz gegründete Vereinigung der deutschen Minderheit im polnischen Staat. Am 29. Mai 1930 wurde sie in Jungdeutsche Partei umbenannt.

Seit 1932 war sie in Oberschlesien tätig, seit 1934 auch in Großpolen, Pommerellen und in Łódź.

Sie entwickelte sich mit ihrem stark von nationalsozialistischen Einflüssen aus dem Deutschen Reich geprägten Kurs rasch zur stärksten Partei der Minderheit. Die führenden Politiker um den Vorsitzenden Rudolf Ernst Wiesner bekämpften die klassischen Minderheitenparteien entschieden, erklärten pro forma ihre Loyalität zum polnischen Staat, arbeiteten de facto aber auf dessen Zerschlagung hin. Im Oktober 1939, nach dem Polenfeldzug, wurde die Partei von den deutschen Besatzungsbehörden aufgelöst.

Mitte der 1930er Jahre hatten die Jungdeutschen etwa 50.000 Mitglieder. Ihr publizistisches Organ war die seit 1933 in Kattowitz erscheinende Tageszeitung Der Aufbruch.

Bis 1930 war die Partei nur lokalpolitisch tätig. In der IV. Legislaturperiode (1935-1938) des Senates wurde Rudolf Wiesner vom Staatspräsidenten als Vertreter der deutschen Staatsgruppe in den Senat berufen.

 

 

Wartenberg, Felix

*08. Mai 1838 in Drewno(Krs. Znin), +

 

1897 Probst in Kaminiec, seit 1892 auch Dekan und 1893 auch Kanonikus des Kollegiatstifts in Kruschwitz

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.403

 

 

Wawrzyniak, Peter

*30. Jan.1849 in Wyrzeka bei Schrimm; +09.Nov.1910 in Posen

 

Studium der Theologie am Priesterseminar Gnesen und in Münster. 1872 Vikar in Schrimm. 1898 Probst in Mogilno.

Bankdirektor

Gründer der Tageszeitung „Dzienek Berlinskie“

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-918. Düsseldorf 1988 S.404

 

Wege, Kurt

 

* 5. April 1881 in Kaczyna, Kreis Posen-Ost; † unbekannt

 

Nach dem Besuch des Königlichen Gymnasiums in Gnesen bis zur Obersekunda war Wege von 1897 bis 1908 als landwirtschaftlicher Beamter tätig. Im September 1908 machte er sich selbständig und kaufte ein ca. 400 Morgen großes Hofgut in Follstein-Ludwigsdorf bei Deutsch-Filehne, das er in der Folgezeit bewirtschaftete. Er leistete aktiven Militärdienst beim Feld-Artillerie-Regiment 56 in Lissa und war Teilnehmer des Feldzuges gegen die „Hottentotten“ in Deutsch-Südwestafrika. Von 1914 bis 1918 nahm er als Soldat beim Feld-Artillerie-Regiment 53 sowie beim Feld-Artillerie-Regiment 500 am Ersten Weltkrieg teil.

Wege war seit Mai 1919 Erster Vorsitzender des Landbundes im Netzekreis und gleichzeitig Erster Vorsitzender des Landbundes in der Grenzmark Posen-Westpreußen. Er trat in die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ein und war seit 1919 Kreistagsabgeordneter des Netzekreises, sowie Abgeordneter des Provinziallandtages der Grenzmark. Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 wurde er in den Deutschen Reichstag gewählt, dem er bis November 1933 angehörte. Im Parlament vertrat er den Wahlkreis 5 (Frankfurt a.d.O.).

 

Lit.:

  • M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Auisbürgerung 1933-1045. Hrsg. von Martin Schumacher. Düsseldorf ²1992 S.614

 

Wegner , Ernst Gustav Wilhelm

* 16. Januar 1900 in Szymborze; † 19. Juni 1945 ebenda

Ernst Wegner wurde 1900 als Sohn eins Chemikers geboren. In seiner Jugend besuchte er von 1909 bis 1912 das Gymnasium in Köthen, dann bis 1918 das Realgymnasium in Bernburg.

Im Sommer 1918 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Als Angehöriger des Garde-Jäger-Bataillons in Potsdam wurde er jedoch nur noch kurz, von September bis November 1918, an der Front eingesetzt.

Nachdem Wegner Ostern 1919 das Abitur nachgeholt hatte, studierte er Medizin in Greifswald, Halle, Innsbruck und München, wo er 1924 das Staatsexamen ablegte und zum Dr. med. promovierte. 1925 ließ er sich als praktischer Arzt im sächsischen Kirchberg nieder.

Politisch schloss Wegner, der bereits im März 1920 mit der Brigade Ehrhardt am Kapp-Putsch teilgenommen hatte, sich Ende der 1920er Jahre der NSDAP an. In den folgenden Jahren leitete er für diese einen Ortsverein und trat als Gauredner auf. 1930 wurde er auch Mitglied der SA, in der er 1938 den Rang eines Sanitätsbrigadeführers erreichte. Im selben Jahr wurde er Gauobmann des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes in Sachsen. Außerdem wurde er Stadtverordneter und Fraktionsführer der NSDAP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Kirchberg.

Von Juli 1932 bis November 1933 saß Wegner als Abgeordneter der NSDAP im Reichstag, in dem er den Wahlkreis 29 (Leipzig) vertrat.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 wurde Wegner zum Staatskommissar für Gesundheitswesen im sächsischen Innenministerium bestellt. 1934 wurde er dort zum Ministerialrat befördert. Des Weiteren wurde ihm als Rektor die Leitung der Staatsakademie für Rassenhygiene, die Leitung des Gauamtes für Volksgesundheit und 1935 die Leitung des Deutschen Hygienemuseums übertragen. 1937 wurde Wegner auf Wunsch des Reichsärzteführers Gerhard Wagner von seinen Tätigkeiten im Innenministerium entbunden und stattdessen zum Leiter der Ärztekammer Sachsens ernannt. Zudem fungierte er als Leiter der Akademie für ärztliche Fortbildung und war Amtsleiter der kassenärztlichen Vereinigung in Dresden.

1939 übernahm Wegner die Leitung der Abteilung Gesundheit in der Führung der Deutschen Arbeitsfront (DAF). 1941 wurde er Hauptstellenleiter Hauptamt für Volksgesundheit (HAVG).

Literatur

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007.

 

 

Wegner, Leon

* 31. März 1824 in Posen; † 9. Juli 1873 ebenda.

Leon Wegner studierte bis 1849 Rechtswissenschaft in Breslau. Anschließend war er zunächst als Rechtsanwalt tätig und wurde dann Justitiar und Syndikus des erzbischöflichen Generalkonsistoriums in Posen. Er war Mitbegründer und erster Generalsekretär der Polnischen Gesellschaft der Wissenschaftsfreunde, Direktionsmitglied der Gesellschaft für Wissenschaftshilfe und Verfasser mehrerer politisch-historischer Schriften.

Von 1854 bis 1855 und von 1863 bis 1873 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Außerdem war er 1867 Abgeordneter des Wahlkreises Bromberg 5 (Gnesen, Wongrowitz) im Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes. Er gehörte der Polnischen Fraktion an.

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 64
  • Schwarz,Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.493
  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988. S. 406
  • Bernd Haunfelder und Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870.  Düsseldorf 1989.S. 485

 

 

Weigand, Hermann Eduard Karl Emil Ferdinand

* 02. Februar 1854 in Bromberg; † 16. Oktober1926 in Berlin.

Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg legte er das 2. Staatsexamen ab. Von 1890 bis 1904 arbeitete er als Regierungsbaumeister (Assessor) für Hoch- und Tiefbau im öffentlichen Dienst, von 1904 bis 1921 amtierte er als Stadtbaurat für Tiefbau in Neukölln. Unter seiner Leitung und Planung entstanden dort über 20 Gebäude, vor allem Schulen. Mindestens ebenso wichtig waren der Aufbau einer Kanalisation mit Rieselgütern und -feldern in Waßmannsdorf und Boddinsfelde in Brusendorf im Rahmen des Hobrecht-Planes sowie der Bau des Neuköllner Schiffahrtskanales. An ihn erinnert heute die Berliner Straße Weigandufer.

 

 

Weigelt, Friedrich

*16.Nov.1899 in Zduny, + 04. Juli 1986 in München

  1. und 2. Lehrerprüfung in Berlin.

Universität und Handelshochschule in Berlin.

1917 bis 1919 Militärdienst.

Ab 1920 Mitglied der SPD.

Bis zur Entlassung 1933 Lehrer in Berlin, daneben journalistische Tätigkeit.

Nach 1933 Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur am Deutschen Theater in Berlin.

Ausbildung als Fotograf, Dolmetscher und Übersetzer.

Hauptschriftleiter im Verlag Adolf Holzapfel in Berlin.

Bis 1945 Schriftleiter in der Nachrichtenstelle des Reichsrundfunks.

Nach Kriegsende Bürgermeister in St. Aegyd/Österreich.

Ab 1949 Oberschulrat im Berliner Hauptschulamt.

Begründer und Leiter des „Theaters der Schulen“.

Ab 1953 Regierungsdirektor in der Senatsverwaltung für Volksbildung.

 

Lit.:

  • Breunig, Walter/Herbst, Andreas: Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946-1963. Berlin 2011. S. 274

 

Wendorff, Klaus-Heinrich von

*27.Okt.1912 in Gnesen;+ 15. Sept. 1999 in Bonn

Regierungsrat

1957 Bundestag

GB/BHE

 

Wenzel, Hugo

*23.o8.1891 in Bojanowo;+ 24.Jan.1940 KZ Sachsenhausen

Von 1921 bis 1927 Landtag von Mecklenburg-Schwerin, KPD-Abgeordneter, zeitweise Fraktionsvorsitzender

 

Lit.:

  • Schumacher, Martin: M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Düssledorf 1995 S.174

 

 

 

Weimann, Anna

*02.Feb.1899 in Glinau (Krs.Neutomischel)

 

Volksschule

Land-und Heimarbeiterin

Arbeiterin Osram AG in Berlin.

1927 selbständiges ambulantes Gewerbe.1932 Lebensmittel-geschäft.

Illegale antifaschistische Tätigkeit

Mitglied der KPD/SED.

HO-Verkäuferin, Verkaufsstellenleiterin

 

Lit.:

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957. S.397

 

 

Weisser , Gerhard

* 09. Februar 1898 in Lissa; † 25. Oktober 1989 in Bonn

 

Gerhard Weisser geboren als Sohn des Landgerichtsrates Rudolf Weisser und dessen Ehefrau Johanna, geb. Pulst. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Magdeburg und bestand dort im Jahre 1917 die Abiturprüfung. Während seiner Schulzeit war Weisser Mitglied des Wandervogels. Nach dem Abitur wurde Weisser zum Kriegsdienst einberufen und absolvierte diesen bis 1918, um dann in Göttingen das Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften aufzunehmen. Unter dem Einfluss der Neufries’schen Schule um Leonard Nelson(1882-1927) – mit dem es einige Jahre später aufgrund wissenschaftlicher und persönlicher Differenzen zum Bruch kommen sollte – beschäftigte er sich in dieser Zeit auch intensiv mit philosophischen Fragen. 1923 promovierte Weisser in Tübingen mit einer Arbeit zum Thema „Wirtschaftspolitik als Wissenschaft“ zum Dr. rer. pol. mit Summa cum laude.

Seine berufliche Laufbahn begann Weisser 1923 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Stadtverwaltung Magdeburg, bald darauf bekleidete er die Funktion des Stellvertreters des Leiters des Städtischen Wohnungsamtes, um dann 1927 zum Städtischen Finanzverwalter dieser Stadt ernannt zu werden. In dieser Zeit trat Weisser in die SPD ein und 1930 wählten ihn die Einwohner der Stadt Hagen zu ihrem Bürgermeister. Er wurde auch Mitglied des Westfälischen Provinziallandtages. Dieses Amt hatte er bis zur Machtübernahme der NSDAP 1933 inne. In der Nazizeit arbeitete Weisser für verschiedene Verlage und war u. a. Geschäftsführer der Firma Otto Schwartz & Co. Noch während des Zweiten Weltkriegs, nämlich 1943, habilitierte Weisser in Rostock mit einer Arbeit, die erst 1949 unter dem Titel „Form und Wesen der Einzelwirtschaften. Theorie und Politik ihrer Stile“ veröffentlicht werden sollte. Er erhielt allerdings nicht die Venia Legendi.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Weisser die Leitung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums in Braunschweig. Im März des Folgejahres wurde er in Hamburg zum Generalsekretär des Zonenbeirats der britischen Zone gewählt, zudem hatte er ehrenamtlich die Präsidentschaft des „Gesamtverbandes der gemeinnützigen Wohnungsunternehmen“ inne. Von 1948 bis 1950 bekleidete er das Amt des Staatssekretärs im Finanzministerium in Nordrhein-Westfalen.

 

1950 schließlich wurde Gerhard Weisser ordentlicher Professor für Sozialpolitik und Genossenschaftswesen an der Universität Köln. Von 1954 bis 1970 war er Vorstandsvorsitzender der wieder gegründeten Friedrich-Ebert-Stiftung, und nach der Niederlegung dieses Amtes bis zu seinem Tode Ehrenpräsident des Kuratoriums. Weisser arbeitete in dieser Zeit auch in der „Kammer für Soziale Ordnung“ der evangelischen Kirche mit, in allen Programmkommissionen der SPD bis zum Godesberger Programm, auch gehörte er der SPD-Grundwertekommission an.

 

Nachdem Weisser 1966 emeritiert wurde, ging er nach Göttingen, um hier als Honorarprofessor zu lehren. Im gleichen Jahr gründete der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler u. A. zusammen mit Karrenberg das „Forschungsinstitut für Gesellschaftspolitik und beratende Sozialwissenschaft e.V.“ (heute: „Institut für beratende Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – Gerhard-Weisser-Institut e.V.“), dessen wissenschaftlicher Direktor er wurde. 1968 erhielt Weisser das Bundesverdienstkreuz mit Stern. 1983 verlieh ihm die Fakultät der Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum die Ehrendokterwürde. Im Oktober 1989 verstarb er in Bonn.

 

Weissers sozialpolitische Überlegungen waren um den „Lebenslagenansatz“, das „Lebenslagenkonzept“ zentriert. Lebenslagen lassen sich nach Weisser nicht hinreichend durch sozioökonomische Größen, wie etwa Einkommen, Ausbildung, Wohnungsgröße usw. bestimmen. Es ging ihm um die Qualität der Chancen, über die der Einzelne oder Gruppen verfügen, um zu Wohlbefinden gelangen zu können. Hierbei hat Weisser explizit an die Schwachen und Gefährdeten der Gesellschaft, an sozial benachteiligte Schichten, gedacht, die nicht von milden Gaben oder staatlicher Fürsorge abhängig sein sollten, sondern denen vielmehr verbesserte Rechtsansprüche und Mitbestimmungsrechte zustünden. Einen nachweisbaren Niederschlag fand die kritische Weiterentwicklung des Lebenslagenkonzepts u. A. im Bundessozialhilfegesetz.

Sozialpolitik war für Weisser ein sehr umfassender Begriff, und er selbst nutzte eher den Begriff Gesellschaftspolitik, als einen „Ausdruck des Systems der praktischen Gesellschaftspolitik“. Die Gewährleistung einer freiheitlichen und gerechten Gesellschaft war für Weisser nur dann denkbar, wenn „sozialorganisatorische und sozialpädagogische Mittel“ zusammenwirken. Insofern ist Weisser auch als Pädagoge gesehen worden. In Kürze kann man Weissers gesellschaftspolitische Theorie wohl am ehesten als eine „Theorie der Verteilung von Lebenslagen“ bezeichnen.

 

Sowohl im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als auch im Zusammenhang mit seinem sozialdemokratischen Engagement, ist einer großer Teil seiner Publikationen mit der Neubegründung und Weiterentwicklung des Konzeptes des freiheitlich-demokratischen Sozialismus befasst. Er hielt den demokratischen Freiheitlichen Sozialismus, worunter er einen dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus verstand, für real umsetzbar. Ihm ging es um ein Mehr an Freiheit durch Sozialismus, wobei er insbesondere Komponenten wie Mitbestimmung, freie Gemeinwirtschaft und Vermögenspolitik betonte. Innerhalb der SPD vertrat er die Ansicht, dass marxistisch-philosophische Ausrichtungen zugunsten der Anerkennung von Grundwerten, wie etwa Solidarität oder Freiheit, zurückgedrängt werden sollten.

 

Weisser hatte auch, seit seiner Studienzeit, ein starkes Interesse an erkenntniskritischen und wissenschaftstheoretischen Fragen, die vor allem normativer Natur waren. Er knüpfte hierbei sowohl an den Philosophen Jakob Friedrich Fries (1773-1843) an, als auch an kritizistische Gemeinwohlkonzepte eines Immanuel Kant (1724-1804). Von seinem Lehrer aus der Studienzeit in Göttingen, Leonard Nelson, grenzte er sich mehr und mehr ab.

 

Im Rahmen seiner wohnungswissenschaftlichen Studien beschäftige Weisser sich insbesondere mit Wohnungsgenossenschaften, mit gemeinnützigen Kooperativen in diesem Bereich. Weisser war wesentlich am Aufbau und der Entstehung des Gesamtverbandes Gemeinnütziger Wohnungs-unternehmen (GGW) beteiligt.

Von 1954 bis 1966 war W. Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 

 

Lit.:

  • Jarck, H.-R. : / Schul, G.: Braunschweigisches Biografisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hannover 1996 S.643
  • Ostdeutsche Gedenktage 1998 S.73
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie.Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 10. München 2001 S.414
  • Haunfelder, Bernd: Nordrhein-Westfalen. Land und Leute 946-206. Ein biographisches Handbuch. Münster 2006. S.480/481
  • Soénius, Ullrich S./Wilhelm, Jürgen (Hrsg.): Kölner Personenlexikon. Köln 2008 S.569

 

Wenzel, Hugo

* 23.8.1891 in Bojanowo , † 24.1.1940 im KZ Sachsenhausen

Geboren am 23. August 1891 in Bojanowa, Sohn eines Dampfmühlenarbeiters; lernte Schmied, danach Wanderschaft. Im Oktober 1913 zum Militär einberufen, Kanonier im Weltkrieg. Anfang 1918 desertierte er und war während der Novemberrevolution Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates und der Arbeiterwehr in Diedenhofen/Hessen. 1908 Mitglied der SPD, während des Krieges Spartakusgruppe und seit 1917 in der USPD. Anfang 1919 zog Wenzel nach Mecklenburg, wurde Mitglied der KPD in Wismar und zählte bald zu den führenden Funktionären in Mecklenburg, dort im März 1919 Parteisekretär. 1921 in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt, stand 1923 auf dem linken Flügel, wurde 1924 Orgleiter des KPD-Bezirks Mecklenburg und zog im Februar 1924 wieder in den Landtag ein. Er wurde Vorsitzender der neun Abgeordnete umfassenden KPD-Fraktion. Nach dem »Offenen Brief« 1925 aktiver Anhänger der linken Opposition. Die KPD verlor bei den Wahlen im Juni 1926 drastisch und bekam nur noch drei Abgeordnete (Alfred Buhler, Hans Warnke und Wenzel). Da diese durch Stimmenthaltung eine sozialdemokratisch geführte Koalitionsregierung ermöglichten, wurden sie vom ZK einer »opportunistischen Entgleisung« bezichtigt. Nach der Landtagsauflösung im Frühjahr 1927 verlor Wenzel seine Immunität, ihm drohte eine lange Haftstrafe. Er wurde als Bezirkssekretär abgelöst und nach einem zweimonatigen Sanatoriumsaufenthalt an die Internationale Leninschule nach Moskau geschickt. Im Oktober 1928 zurück, Chefredakteur des »Volksechos«, eines Kopfblattes der »Roten Fahne« für die Provinz Brandenburg.
Im März 1930 vom Reichsgericht in Leipzig zu einem Jahr und drei Monaten Festung verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: »Der Angeklagte verdient eine besonders harte Strafe, weil er, von Beruf Schmied, sich aus eigener Kraft und aufgrund seines Besuchs von kommunistischen Parteischulen ein so umfangreiches Wissen angeeignet hat…« Nach der Entlassung aus der Festung Gollnow im Sommer 1931 wieder Redakteur. Im Februar 1933 zog er nach Berlin, um unterzutauchen, soll aber seine Wohnung Mitarbeitern des AM-Apparates unter Wilhelm Bahnik, mit dem er verwandt war, zur Verfügung gestellt haben. Im Juli 1933 verhaftet, im Mai 1934 wegen »Mangels an Beweisen« überraschend außer Verfolgung gesetzt, arbeitete Wenzel in den Berliner Siemens-Schuckert-Werken. Bei Kriegsausbruch als ehemaliger KPD-Spitzenfunktionär verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert, wurde gegen ihn wegen seiner Verbindungen zum AM-Apparat erneut ermittelt. Hugo Wenzel litt an einer schweren Lungen-Tbc und starb am 24.Januar 1940 im KZ Sachsenhausen.

Lit.:

Weber, Hermann/ Herbst, Andreas : Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.858

 

 

Wentzel, Ernst von

+04. Nov.1851 in Belencin bei Wollstein

Studium der Agronomie, Rittergutsbesitzer

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.412

 

 

Westarp, Kuno Friedrich Viktor Graf von

 

* 12. August 1864 in Ludom, Provinz Posen; † 30. Juli 1945 in Berlin)

 

Kuno Graf von Westarp wurde am 12. August 1864 in Ludom bei Posen als Sohn des Königlich Preußischen Oberförsters Viktor Graf von Westarp (1826–1868) und seiner Frau Emma von Oven (1831–1910) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Potsdam studierte er seit 1882 Rechtswissenschaft an den Universitäten in Tübingen, Breslau, Leipzig und Berlin.

1885 beendete er sein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen. 1886 leistete er Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Breslau. Weitere Übungen als Unter- und Reserveoffizier erfolgten beim 1. Garde-Regiment zu Fuß in Potsdam. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ er sich in die Landwehr überführen. Zuletzt hatte er dort den Rang eines Leutnants der Garde-Landwehr-Infanterie inne.

Westarp trat 1887 in den preußischen Verwaltungsdienst ein, nahm eine Tätigkeit als Referendar in der Inneren Verwaltung auf und arbeitete als solcher im Landkreis Oberbarnim unter Landrat Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921) , dem späteren Reichskanzler des Kaiserreiches. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen im März 1891 übernahm er als Regierungsassessor die Vertretung des Landrates des Landkreises Gostyn. Er wurde im Oktober 1891 Hilfsarbeiter beim Landrat des Landkreises Bomst, leitete den Kreis seit Anfang 1893 zunächst kommissarisch und erhielt im Oktober 1893 die endgültige Ernennung zum dortigen Landrat. Von 1900 bis 1904 amtierte er als Landrat des Landkreises Randow. Gleichzeitig war er seit 1902 als kommissarischer Hilfsarbeiter im Preußischen Innenministerium tätig. Westarp wurde 1903 zum Polizeidirektor ernannt und wirkte von 1904 bis 1908 als Polizeipräsident in Schöneberg und Wilmersdorf. Seit dem 1. April 1908 übte er eine Tätigkeit als Oberverwaltungsgerichtsrat am Oberverwaltungs- gericht Berlin aus. Während des Ersten Weltkrieges leitete er von 1914 bis 1918 die Freiwillige Krankenpflege des Verwundeten-transportes des militärischen Eisenbahndienstes der Berliner Bahnen.

Westarp war seit Januar 1919 erneut als Oberverwaltungs-gerichtsrat in Berlin tätig, bis er im April 1920 in den Ruhestand trat. Im Dezember 1919 wurde er Redakteur der Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung, deren Aktienmehrheit er 1925 erlangte. Während der Zeit des Nationalsozialismus war Westarp Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Als solches widmete er sich zeitgeschichtlichen Studien und seinen Erinnerungen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde seine Wohnung durchsucht. Im Juni 1945 wurde er von sowjetischen Soldaten festgenommen, kurz darauf aber wieder entlassen. Kuno Graf von Westarp starb am 30. Juli 1945 in Berlin.

 

Westarp schloss sich in den 1890er Jahren dem Bund der Landwirte an und galt als Befürworter des „Volkstumskampfes“. Er vertrat konservative wie nationale Interessen und trat in die Deutschkonservative Partei (DkP) *ein. Am 12. Dezember 1908 wurde er als Abgeordneter in den Reichstag nachgewählt, dem er bis November 1918 angehörte. Im Parlament war er seit 1912 zunächst stellvertretender Vorsitzender und vom 26. November 1913 bis 1918 dann Fraktionsvorsitzender der Deutsch-konservativen Partei. Während des Ersten Weltkrieges bekämpfte er entschieden sämtliche Bestrebungen nach einem Verständigungsfrieden und setzte sich stattdessen für die Aufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges ein. Eine Reform des preußischen Dreiklassen-wahlrechts lehnte er grundsätzlich ab.

 

Nach der Novemberrevolution beteiligte sich Westarp an der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Bei der Reichstagswahl 1920 wurde er in den Deutschen Reichstag gewählt. Im Parlament vertrat er den Wahlkreis 3 (Potsdam II). Westarp zählte zunächst zum alldeutsch-völkischen Flügel der DNVP und war Verbindungsmann der Partei beim Kapp-Lüttwitz-Putsch. Mitte der 1920er Jahre mäßigte er seine politische Haltung, woraufhin er nun auch für eine deutschnationale Regierungsbeteiligung eintrat. Von Februar 1925 bis Dezember 1929 war er Vorsitzender der DNVP-Reichstagsfraktion und von 1924 bis 1928 Parteivorsitzender der DNVP. Während seiner Zeit als Partei- und Fraktionsvorsitzender beschäftigte er sich vornehmlich mit christlichen Themen. Zeitweise war Westarp Mitglied des Vorstands des rechtskonservativen Berliner National-klub von 1919.

Weil die DNVP seine Pläne, die Kandidatur Heinrich Brünings (1885-1970) zu unterstützen, ablehnte, und sein Nachfolger Alfred Hugenberg (1865-1961) mit seiner scharf antirepublikanischen Politik immer mehr sein Missfallen erregte, trat Westarp im Juli 1930 aus der Partei aus. Im gleichen Jahr beteiligte er sich gemeinsam mit Gottfried Reinhold Treviranus (1891-1971) an der Gründung der Konservativen Volkspartei (KVP), deren Beirat er angehörte und für die er noch bis Juli 1932 im Reichstag saß.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zog sich Westarp aus dem politischen Leben zurück. Obwohl er die nationalsozialistische Diktatur in weiten Teilen ablehnte, stimmte er den machtpolitischen Erfolgen und Zielen noch bis zur Kriegswende 1941/42 zu.

 

 

Werke:

  • Westarp, Kuno von: Aus meinen Erinnerungen. Revolution von unten im letzten Jahrzehnt des Kaiserreichs. In : Preußische Jahrbücher 234-238 , 1933 /194
  • Konservative Poltik im letzten Jahrzehnt des Kaiserreichs. Berlin1935

 

Lit.:

* Everling, Friedrich: Graf Westarp. In : Armin, Hans von/Below, Georg von (Hrsg.): Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Berlin 1925 S.453-458

* Teipel, Heinrich ; Graf von Westarp. Der Parlamentarier wider den Parlamentarismus. Berlin 1931

* Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.497

* Thimme, Annelise : Flucht in den Mythos. Die Deutschnationale Volkspartei und die Niederlage von 1918. Göttingen 1969

* Kuno Graf Westarp. In : Rössler, Helmuth/Günther , Franz: Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Band 3. München ²1975 S.3114-3115

* Krüger, Peter: Kuno Graf von Westarp. In : Benz, Wolfgang (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Weimarer Republik. München 1988 S.364

* Gaertringen, Friedrich Freiherr Hiller von :  Westarp, Kuno Graf von.Oberver-waltungsgerichtsrat und konservativer Politiker. In : Ostdeutsche Gedenktage 1995. Bonn 1994 S.184-189

* M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten  der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Hrsg. von Martin Schumacher. Düsseldorf ²1992 S.620

* Kuno Graf von Westarp: Konservative Politik im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Bearb. von Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen unter Mitwirkung von Karl J. Mayer und Reinhold Weber. In: Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Dritte Reihe, Bd. 10. Düsseldorf: 2001.

* Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 10. München 2001 S.458

* Zirlewagen, Marc: Kuno Graf v. Westarp, in: Zirlewagen, Marc (Hg.): 1881–2006 – 125 Jahre Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Ein historischer Rückblick, Pressburg 2006, S. 248-250

* Jones, Larry Eugene [Hrsg.]: „Ich bin der letzte Preuße“- der politische Lebensweg des konservativen Politikers Kuno Graf von Westarp (1864 – 1945). Köln-Weimar- Wien 2006

* Zirlewagen, Marc : Kuno Graf v. Westarp. In : Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 27. Nordhausen 2007 Sp. 1527-1533

* Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010 S.286/287

 

* Die Partei konstituierte sich am 7. Juni 1876 aus sehr verschiedenen Gruppen: Adligen, Großgrundbesitzern, Anhängern der Regierung Bismarck wie Moltke, traditionsorientierten Protestanten und Christlich-Sozialen. Sie erkannte die Verfassung des Deutschen Kaiserreichs an und trat für die Bewahrung der monarchischen Vorrechte, Stärkung der Religion, gegen Zentralismus und Parlamentarismus sowie für Bekämpfung der Sozialdemokratie ein. Die Deutschkonservative Partei war die Nachfolgepartei der preußischen Altkonservativen, erlangte aber im Gegensatz zu diesen auch in einigen Bundesstaaten außerhalb von Preußen Bedeutung. Erster Vorsitzender der Partei wurde der Gutsherr und Reichstagsabgeordnete Otto von Helldorff-Bedra. Das Programm der Partei war bis ins Detail mit Bismarck abgesprochen.

Ihr Hauptorgan war die Neue Preußische Zeitung (Kreuzzeitung).

Zunächst setzte die Partei sich deutlich von Bismarck und der ihn unterstützenden Freikonservativen Partei ab, doch näherte sie sich ab 1877 seiner Politik wieder an – insbesondere, als er zur Schutzzollpolitik überging. Ihre Hochburgen hatte die Partei in Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und der Provinz Sachsen. Im Preußischen Abgeordnetenhaus war sie, begünstigt durch das Dreiklassenwahlrecht, die stärkste Kraft. Im Herrenhaus war ihre Stellung sogar noch stärker. So hatte sie einen wesentlichen Einfluss auf Offizierskorps, Beamtenschaft und Geistliche und über den Bundesrat auch auf die Reichspolitik.

Vgl. auch: Booms, Hans: Die Deutschkonservative Partei. Preußischer Charakter, Reichsauffassung, Nationalbegriff. Düsseldorf 1954

 

 

 

Węźyk, Felix von ( Dr.phil)

*18.Dez.1842 in Rogaszyee bei Schildberg, +

 

Studium in Breslau, Berlin und Leipzig.

Schriften zur polnischen Geschichte.

 

Lit.:

Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.415

 

 

Wierschowski, Wladislaus

*24. April 1886 in Schwedenhöhe (Krs.Bromberg); + Sommer 1945 in Danzig

 

Volksschule, Fleischerlehre.

1905-1919 Bergarbeiter im  Ruhrgebiet. Nach Unfall Invalide.

1919-1933 Angestellter des Landarbeiterverbandes.

Von 1923 bis 1930 MdL Danzig

 

Lit.:

  • Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Düsseldorf 1995 S.801

 

 

Wierzbinski, Wladislaus von

*13. Jan.1820 in Sciborze bei Inowrazlaw

Jura-Studium in Berlin. Gutsbesitzer

Führend an den Aufständen von 1848 und 1863 beteiligt.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.416

 

 

Wilamowitz-Moellendorff , Hugo Theodor Wichardt Freiherr von

 

* 18. Juni 1840 auf Gut Markowitz; † 30. August 1905 auf Gut Kobelnik, Kreis Strelno

Hugo von Wilamowitz-Moellendorff stammte aus einer adligen Gutsbesitzerfamilie polnischer Herkunft, die seit der Zweiten Polnischen Teilung (1793) in Preußen ansässig war und auf den Generalfeldmarschall Wichard von Möllendorff (1724–1816) zurückging. Hugos Vater Arnold Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff (1813–1888) war der jüngste der drei Adoptivsöhne des Generals. In der Familie war Primogenitur üblich, daher konnte nur Hugo als ältester Sohn den Freiherrntitel erben. Einer seiner Brüder war der klassische Philologe Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848–1931).

Hugo von Wilamowitz-Moellendorff besuchte das Gymnasium in Bromberg und bezog nach dem Abitur die Ritterakademie in Brandenburg an der Havel. Hier studierte er Jura und Volkswirtschaft. Später wechselte er an die Universitäten zu Heidelberg und Berlin. Nach dem Studium leistete er den Militärdienst ab und trat als Reserveoffizier in die Landwehr ein.

Wilamowitz begann nach dem Militärdienst seine Laufbahn in der Verwaltung, zunächst am Kreisgericht in Berlin, später bei der Regierung der Provinz Posen. Schon 1867 wurde ihm als Landrat die Verwaltung des Kreises Inowrazlaw anvertraut. Nach neun Jahren Dienst übernahm er 1876 die väterlichen Güter zu Markowitz und Kobelnik, nachdem der Vater Arnold sich zur Ruhe gesetzt hatte. Sein jüngerer Bruder Ulrich wurde in diesem Jahr Professor in Greifswald. Als Gutsbesitzer engagierte sich Wilamowitz in der Politik. Noch 1876 ließ er sich als Kandidat der Deutschkonservativen Partei für den Wahlkreis Posen-Land 2 in das Preußische Abgeordnetenhaus wählen. In der einen Legislaturperiode (bis 1879), die er dem Abgeordnetenhaus angehörte, machte sich Wilamowitz in Posen und Berlin einen Namen.

1884 wurde er in den Preußischen Staatsrat berufen. Seit 1888 war er Vorsitzender des Posener Provinzialausschusses. In diesem Jahr starb auch sein Vater Arnold, und Hugo von Wilamowitz-Moellendorff erhielt vom Kaiser dessen Mandat als Mitglied des Preußischen Herrenhauses und wurde in den Freiherrenstand erhoben. Mit der Berufung zum Oberpräsidenten der Provinz Posen im Jahr 1890 erreichte seine Karriere ihren Höhepunkt. In dieser Funktion bemühte er sich um Verständigung zwischen Polen und Deutschen in der Provinz und geriet mit den radikalen ostpreußischen Junkern in Konflikt, die den Deutschen Ostmarkenverein gründeten und besonders durch Ferdinand von Hansemann, Hermann Kennemann und Heinrich von Tiedemann (HKT, daher „Hakatisten“) Wilamowitz’ Politik hintertrieben. In einer Denkschrift richtete sich der Oberpräsident 1897 an die preußische Regierung in Berlin, die jedoch nicht beachtet wurde. 1899 wurde Wilamowitz durch Rudolf von Bitter als Oberpräsident abgelöst und zog sich auf sein Gut Kobelnik zurück. Hier starb er am 30. August 1905 an den Folgen eines Herzanfalls während eines Ausritts.

 

 

Lit. :

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf 1988 S.417
  • Sprungala, Martin : Wilamowitz-Moellendorf, Hugo von. In : Ostdeutsche Gedenktage 2005/2006 Bonn 2004
  • Neubach, Helmut: Hugo von Wilamowitz- Moellendorf (1840-1905), der einzige einheimische Oberpräsident der Provinz Posen. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 52(2006) S.66-68

 

 

 

Wittkowski , Margarete

 

* 18. August 1910 in Posen ; † 20. Oktober 1974 in Singen (Hohentwiel )

 

Die Tochter eines jüdischen Kaufmanns besuchte in ihrer Geburtsstadt das Gymnasium und studierte von 1929 bis 1932 Volkswirtschaftslehre in Berlin. Bis 1931 engagierte sie sich in der zionistischen Bewegung. Sie emigrierte beim Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 in die Schweiz. An der Universität Basel promovierte sie 1934 bei dem Philosophen Herman Schmalenbach (1885-1950) mit einer staatswissenschaftlichen Arbeit über die Verflechtung deutscher Großbanken mit der Industrie in der Weimarer Republik zum Dr. rer.pol.

In der Folgezeit untersuchte Margarete Wittkowski die Wirtschaftspolitik der faschistischen Staaten und veröffentlichte 1942 während des Zweiten Weltkrieges zusammen mit Jürgen Kuczynski (1904-1997) ein Buch in englischer Sprache unter dem Titel Die Wirtschaftspolitik der Barbarei, Hitlers neue europäische Wirtschaftsordnung. Darin wird mit dem politischen Mythos aufgeräumt, die deutschen Nationalsozialisten hätten ein besonders effizientes ökonomisches System errichtet. Vielmehr wird die Ansicht vertreten, dass in den meisten Industriezweigen die Arbeitsproduktivität niedriger und die Rate an Arbeitsunfällen höher als vor 1933 sei, und dass Gewinnsteigerungen erzielt werden durch Monopolisierung, billige Rohstoffe eroberter Länder und Vernachlässigung der Konsumgüterproduktion sowie Beschneidung der Rechte der Arbeiter und Verlängerung ihrer Arbeitszeiten. Zu einem Zeitpunkt, als deutsche Armeen anscheinend erfolgreich in die Sowjetunion vorgedrungen sind und die USA noch nicht aktiv auf dem europäischen Kriegsschauplatz eingegriffen haben, warnen die Autoren vor den Schwierigkeiten, die für die US-amerikanische Wirtschaft entstehen werden, wenn nach einem deutschen Sieg in Europa ein faschistisch ausgerichteter europäischer Wirtschaftsblock massiv billige Waren produziert und exportiert.

Nach Kriegsende kehrte Margarete Wittkowski nach Berlin zurück und arbeitete zunächst als Wirtschaftsjournalistin. Mit Kuczynski gründete sie die Wochenzeitung Die Wirtschaft und leitete zeitweise das Wirtschaftsressort der SED-Tageszeitung Neues Deutschland. Von 1950 bis 1954 übernahm sie leitende Aufgaben im Verband deutscher Konsumgenossenschaften, ab 1951 als Präsidentin.

 

1932 trat sie in die KPD ein. Bis 1939 unterstützte sie von der Schweiz und von Frankreich aus, zeitweise unter dem Decknamen Hilde, in der Illegalität innerhalb Deutschlands journalistisch und als Kurier die Widerstandsarbeit ihrer Partei gegen den Nationalsozialismus. Im April 1939 siedelte sie nach Großbritannien über, dort wurde sie Organisationsleiterin der englischen Exilorganisation ihrer Partei. 1946 wurde sie Mitglied der SED und 1954 Mitglied des Zentralkomitees der SED.

Im Konflikt um eine Abschwächung des sozialistischen Prinzips vom Primat der Politik über die Ökonomie, eine stärkere Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Profitabilität und von Bedürfnissen der Bevölkerung in der Planung sowie eine Dezentralisierung wirtschaftlicher Entscheidungsprozesse nahm Margarete Wittkowski auf dem 29. Plenum des Zentralkomitees im November 1956 und danach die Position der Reformbefürworter um Karl Schirdewan (1907-1998) und Ernst Wollweber (1898-1967) sowie der Wirtschaftsfunktionäre Gerhart Ziller (1912-1957) , Fred Oelßner (1903-1977) und Fritz Selbmann (189-1977) ein. Deren politische Linie (Schirdewan-Wollweber-Fraktion) unterlag aber im Februar 1958 auf dem 35. Plenum des Zentralkomitees zunächst dem orthodoxen Kurs des Generalsekretärs Walter Ulbricht (1893-1973). Während daraufhin die meisten ihrer Mitstreiter ihre Ämter verloren, wurde Margarete Wittkowski lediglich vorübergehend zur Kandidatin des Zentralkomitees zurückgestuft. Als dann, wie im gesamten Ostblock nach 1961, diese wirtschaftlichen Reformen unter dem Namen Neues ökonomisches System der Planung und Leitung beschlossen und umgesetzt wurden, wurde sie eine wichtige Vertreterin der neuen Wirtschaftspolitik in der Regierung. Ihr Partner an für Wirtschaftsfragen zuständiger Stelle im Politbüro der Partei war der Kuczynski-Schüler Werner Jarowinsky (1927-1990).

 

In der Deutschen Wirtschaftskonferenz, der von der Sowjetischen Militäradministration errichteten zentralen Steuerungsbehörde der Wirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone, übernahm Margarete Wittkowski 1948 Aufgaben einer stellvertretenden Vorsitzenden der Hauptverwaltung Planung. Von 1952 bis 1958 und von 1963 bis 1967 ist sie Abgeordnete der Volkskammer der DDR. Von 1954 bis 1961 übernahm sie leitende Aufgaben in der Staatlichen Plankommission als stellvertretende Vorsitzende, Vorsitzender war Bruno Max Leuschner.  Zudem amtierte sie 1953/54 kurzzeitig als kommissarische Ministerin für Handel und Versorgung.

Vom 9. Februar 1961 bis 14. Juli 1967 war Margarete Wittkowski als stellvertretende Vorsitzende des Ministerrats zuständig für den Bereich Handel, Versorgung und Konsumgüterproduktion und Stellvertreterin der Vorsitzenden Otto Grotewohl (1894-1964) (bis 24. September 1964) und Willi Stoph (1914-1999). Ab 1967 bis zu ihrem Tod war sie Präsidentin der Deutschen Notenbank, ab 1. Januar 1968 Staatsbank der DDR. Sie gehörte ab 1972 erneut dem Ministerrat an. In diesen Ämtern war sie dafür verantwortlich, den Versorgungsbedarf der Bevölkerung zu ermitteln sowie Produktion, Einkauf und Verteilung von Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs und von Konsumgütern zu koordinieren bzw. Auslandsverschuldung und Ausgleich der Zahlungsbilanz zu überwachen.

 

 

Lit.:

 

  • Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1957. S.381
  • SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Berlin/ Bonn 1961 S.383
  • Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/Winkler, Jürgen: So funktionierte die DDR. Band 3. Lexikon der Funktionäre. Reinbek b. Hamburg. 1994 S.374
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 10. München 2001
  • Helmut Müller-Enbergs, Bernd-Rainer Barth: Wittkowski, Margarete. In: Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon . 4. Ausgabe. Berlin 2006, Band 2.

 

Wojahn , Klaus

* 28. Feb.1935 in Neuhof (           )

Wojahn besuchte die Realschule in Lüneburg  und absolvierte danach eine Ausbildung zum Landwirt. Nach dem Besuch verschiedener Fachschulen machte er den Abschluss zum Landwirtschaftsmeister. Im Jahr 1961 trat er der CDU bei, für die er von 1968 bis 1991 Ratsherr und von 1977 bis 1981 Bürgermeister der Gemeinde Gusborn  war. Er war auch im Rat der Samtgemeinde Dannenberg, deren Bürgermeister er von 1981 bis 1991 war. Außerdem war er Kreistagsabgeordneter im Landkreis Lüchow- Dannenberg, wo er von 1990 bis 1994 CDU-Fraktionsvorsitzender war. Zudem war er von 1981 bis 1991 stellvertretender Landrat des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Wojahn war von 1994 bis 2003 Abgeordneter im Landtag von Niedersachsen, dem er durch ein Direktmandat im Wahlkreis 61 Lüchow-Dannenberg angehört

 

Wojczewski, Ignaz

*25. Mai 1823 in Fraustadt; + 01.Nov.1880

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Düsseldorf S.423

 

 

Wojtkowski , Paul

 

* 20. Dezember 1892 in Wollstein; † 14. April 1960 in Nordhausen

 

Der gelernte Drahtzieher siedelte in das Ruhrgebiet über, wo er seit 1910 Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes war, bevor er 1913 in die SPD eintrat. 1917 wechselte er zur USPD und 1920 zur KPD. Für die Partei saß er im Stadtrat von Essen und war Mitglied des preußischen Landtages seit 1928. Mitte 1930 berief ihn die Parteizentrale zum hauptamtlichen  Sekretär der KPD-Bezirksleitung Ruhr sowie 1931 der Bezirksleitung Oberschlesien. Dort ließ er  sich im April 1932 wiederum in den preußischen Landtag wählen.

Als die NSDAP an die Macht kam, floh er 1933 nach Berlin und arbeitete hier  als Schlosser. Doch schon bald wurde er verhaftet, allerdings wieder freigelassen. Nachdem er 1938 erneut verhaftet wurde, wurde er in das KZ Buchenwald verbracht

.Nach Kriegsende wurde er  Mitglied der Zonenleitung der KPD in der britischen Besatzungszone und ging 1947 nach Thüringen, wo er verschiedene Aufgaben in der SED und im Landesvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes wahrnahm. Bei den Landtagswahlen 1950 wurde er zum Mitglied des Thüringer Landtags gewählt und dort zum Vizepräsidenten.

Von 1954 bis zu seinem Tode stand er dem Rat der thüringischen Stadt Nordhausen vor und gehörte der SED-Bezirksleitung in Erfurt an.

 

Lit.:

  • Stadt Essen u.a. (Hrsg.): Essener Köpfe. Essen 2015 S.370
  • Weber, Hermann/Herbst, Andreas: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin 2004 S.880/881
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Band 10. München 2001 S.563
  • Schumacher, Martin : M.d.L. Das Ende der Parlamente und die Abgeordneten der Landtage und Bürgerschaften der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung  1933-1945. Düsseldorf 1995 S.177
  • Neubach, Helmut: Parteien und Politiker in Schlesien. Dortmund 198S.200
  • Weber, Hermann: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Bd.2 Frankfurt/Main 1969 S.349
  • Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 3. Wahlperiode. Berlin 1928 .603
  • Handbuch für den Preußischen Landtag. 4. Wahlperiode. Berlin 1932 S.502

 

 

Wolff, Eduard

*06. März 1852 in Lissa;+ 31. Mai 1914

 

Studium der Rechts-  und Staatswissenschaften in Breslau und Leipzig. 1882 Rechtsanwalt, seit 1896 auch Notar.

Kreistag, Stadtverordnetenvorsteher.

Gehörte von 1898 bis 1908 dem Preußischen Abgeordnetenhaus (Freisinnige Fraktion) an.

 

Lit.:

  • Mann, Bernhard: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus 1867 -1918. Düsseldorf 1988 S.424

 

 

Wypochowicz, Artur

* 01. Januar 1893 in Posen, + 09. Februar 1972 in Magdeburg

Wypochowicz trat 1918 der Polnischen Sozialistischen Partei bei. 1921 wurde er Mitglied der KPD,  die er von 1921 bis 1933 in der Magdeburger Stadtverordnetenversammlung  vertrat.

Bereits 1930 erfolgte eine Inhaftierung wegen Landes- und Hochverrat.  Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten  im Jahr 1933 beteiligte sich Wypochowicz am Widerstand. Er wurde verhaftet und in das KZ Buchenwald deportiert. Hier erfolgte  1945 seine Befreiung.

Wypochowicz kehrte nach Magdeburg zurück und gehörte hier von 1946 bis 1957 wieder der Stadtverordnetenversammlung an.

Die Stadt Magdeburg benannte zeitweise eine Straße nach ihm benannt.

Lit.

* Buchholz, Ingelore:  Was Magdeburger Straßennamen erzählen, ca. 1983, Hrsg. von der SED- Stadtleitung Magdeburg

 

Zachert, Klaus

* 26. Juli 1942 in Tirschtiegel, Landkreis Meseritz; † 13. April 2011 in Bamberg

Nach dem Abitur 1963 leistete Zachert von 1963 bis 1965 Grundwehrdienst, ehe er bis 1968 in Bamberg und Bayreuth für das Lehramt studierte. Ab 1968 war er Lehrer an Volksschulen, von 1987 bis 2006 Konrektor an der Volksschule Bamberg-Gaustadt. In den Jahren 1987 bis 1991 war Zachert Fachberater für Informatik an Volksschulen in Bamberg.

Zachert trat 1983 der SPD bei und wurde bei den Kommunalwahlen 1984 in den Bamberger Stadtrat gewählt, dem er seitdem bis zu seinem Tode ununterbrochen angehörte. In den Jahren 1999 bis 2002 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2000 kandidierte Zachert und erhielt bei vier Gegenkandidaten 18,88 % der Stimmen. Am 8. November 2002 rückte Zachert für Heinz Köhler, der bei der 2002 in den Bundestag gewählt worden war, in den Bayerischen Landtag nach. Zachert war Mitglied des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten und des Ausschusses für Umweltfragen. Nach einem starken Stimmenrückgang der SPD bei der Landtagswahl 2003 schied Klaus Zachert jedoch am 5. Oktober 2003 aus dem Landtag aus.

 

 

Zadek , Alfred von

*14. Feb.1858 in Posen ; † 17. Juli 1931 in Berlin

Zadek war Begründer und Vorsitzender des Sozialistischen Ärzte-vereins Berlin, Herausgeber der Arbeiter-Gesundheitsbibliothek und Autor sozialmedizinischer Abhandlungen, zwischen 1892 und 1911 SPD-Stadtverordneter in Berlin. Seine Schwester war die Ehefrau des Politikers und Theoretikers Eduard Bernstein (1850–1932).

Zadek setze in Berlin kostenlose Desinfektionstellen zur Infektionseindämmung durch.

 

 

Zahn, Christian Gottlieb Conrad

*19.März 1835 in Turowo (Krs. Samter), +25.Nov.1887 in Sondershausen

Gutspächter des Rittergutes in Oberspier, das seine Familie gepachtet hatte.

1881 Unterzeichner von Wahlaufrufen für den auch von den Nationalliberalen unterstützten DRP-Reichstagskandidaten im Wahlkreis Schwarzburg-Sondershausen, Staatsanwalt Oscar Schoenemann.

Mitglied des Schwarzburg-Sondershäuser Landtages von 1879 bis 1997.

Lit.:

  • Lengemann, Jochen: Landtag und Gebietsvertretung von Schwarzburg-Sondershausen 1843-1923. Biographisches Handbuch. Jena u.a. 1998 S.264/265

 

Zietkiewicz, Ludwig (polnisch: Ludwik Ziętkiewicz),

* 16. Juli 1831 in Posen; † 21. Oktober 1897 in Labischin

Zietkiewicz besuchte das katholische Marien-Gymnasium in Posen und bestand die Abiturienten-Prüfung am Gymnasium in Tremessen  am 1. März 1853. Er besuchte dann drei Jahre das katholische erzbischöflich-geistliche Seminar in Posen und wurde in Gnesen am 27. Dezember 1856 geweiht. Vom 18. Januar 1857 an war er als Vikar an der katholischen Kirche in Tremessen  bis zum 26. April 1860 tätig. Am 28. April 1860 übernahm er die selbstständige Verwaltung der katholischen Kirche in Objezierze als Pfarrer.

Zwischen 1882 und 1885 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1874 bis 1877 des Deutschen Reichstages für die Polnische Fraktion und den Wahlkreis Posen 2 (Birnbaum, Samter, Obornik).

Lit.:

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin 1904, S. 56
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.505
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus (1867–1918).Düsseldorf 1988, (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Band 3)
  • Marian Banaszak, Leszek Wilczyński, Hieronim Szatkowski: “ Księża społecznicy w Wielkopolsce, 1894-1919: Ś-Ż “ , 2009,

 

Hans-Jürgen Zimmermann

* 1942 in Goslin

Seit 1948 lebt Hans-Jürgen Zimmermann im ehemaligen Landkreis Ludwigslust und seit 1967 in der Stadt Ludwigslust. 1961 machte er das Abitur in Boizenburg und studierte anschließend Landwirtschaft in Rostock. Von 1967 bis 1990 war er im Kreislandwirtschaftsrat, in der Agrar-Industrie-Vereinigung Lewitz, in der LPG Weselsdorf und anderen landwirtschaftlichen Stellen tätig.

In dieser Zeit war er in der Kirchentagsarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs unter Leitung von Pastor Joachim Gauck aktiv, und setzte sich für besseren Verbraucherschutz sowie für Landschafts- und Naturschutz ein. 1989 war Zimmermann Mitbegründer der Bürgerbewegung Neues Forum in Ludwigslust und Vertreter der Bürgerbewegung am Runden Tisch des Landkreises.

Bei der ersten freien Kommunalwahl in der DDR am 6. Mai 1990 wurde er mit Unterstützung der SPD, CDU und FDP zum Bürgermeister der Stadt Ludwigslust gewählt. Er blieb Bürgermeister, bis er 2009 nicht wieder zur Wahl antrat.

Zimmermann war von 1990 bis 1999 Kreistagsmitglied für Bündnis 90/Die Grünen. Außerdem war er unter anderem Vorstandsmitglied des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern.

 

 

 

Zindler,Max

* 5. Juni 1852 in Lobsens; † 15. April 1908 in Schönlanke

Zindler besuchte nach privater Vorbereitung das Realgymnasium zu Posen. Er hat die praktische Landwirtschaft erlernt und war seit 1876 im eigenen Besitz in Neudorf bei Schönlanke tätig. 1874-75 hat beim Pommerschen Füsilier-Regiment Nr. 34 seinen Wehrdienst abgeleistet und war danach Hauptmann der Landwehr. Er war Mitglied der Landwirtschaftskammer für Posen und des Kreisausschusses des Kreises Czarnikau. Weiter war er Träger des Roten Adlerordens IV. Klasse, des Offizier-Verdienstkreuzes II. Klasse und der Centenarmedaille. Ab 1890 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und ab 1903 des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Bromberg 1 Czarnikau, Filehne, Kolmar und vertrat hier die Deutschkonservative Partei Seine Mandate endeten mit seinem Tode.

Lit.:

  • Haunfelder, Bernd: Die konservativen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1918. Ein biographisches Handbuch. Münster 2010. S.296

 

Zoltowski, Alfred von eigentlich Żółtowski

* 23. Oktober1841 in Drzewce; † 19. Januar 1877 in Mentone.

Alfred von Zoltowski wurde als Sohn des königlich preußischen Kammerherrn und Mitglied des preußischen Herrenhauses Marcell von Zoltowski geboren. Zoltowski promovierte 1865 an der Universität Berlin mit der Arbeit De coherede substituto (Lange, Berlin 1865) und war Rittergutsbesitzer in Drzewce bei Kröben. Von 1871 bis 1874 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für die Polnische Fraktion und für den Wahlkreis Posen 4 (Kosten- Buk)

Lit.:

 

  • Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 57
  • Teodor Źychliński: Kronika żałobna rodzin wielkopolskich od 1863–1876 r. Leitgeber, Poznań 1877
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.505
  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Wyd. Wiedza Powszechna, Warszawa 1995
  • Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. Reihe B, Band IV (= Genealogisches Handbuch des Adels, Band 54), Limburg an der Lahn 1973, S. 438
  • Albert S. Kotowski: Zwischen Staatsräson und Vaterlandsliebe. Die Polnische Fraktion im Deutschen Reichstag 1871–1918. Düsseldorf 2007, 91–93

 

 

 

Zoltowski, Joseph von

* 22. Mai 1847 in Niechanowo (Kreis Witkowo ; † 1. Februar 1908 in Zakopane

Zoltowski besuchte das Collège in Metz (abgeschlossen mit dem Examen baccalaureat ès-lettres) und dann das Collège francais in Berlin und die Universitäten in Bonn und Berlin. 1870 promovierte er zum Dr. jur. in Berlin. Ein Jahr war er als Referendar  beim Kreisgericht in Posen tätig. Seitdem war er Landwirt auf seinem Rittergut in Ujazd.

Von 1874 bis 1878 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 4 und die Polnische Fraktion.

Literatur :

  • Michał Czajka, Marcin Kamler und Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Warszawa 1995
  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover1965. S.506

 

Zóltowski, Marcell von

* 14. März 1812 in Bialcz , Kreis Kosten † 29. April 1901 in Posen

Zoltowski bewirtschaftete ab 1838 seine geerbten Rittergüter. Im Jahr 1846 wurde er Landschaftsdirektor und von 1863 bis 1869 Generallandschaftsdirektor der Provinz Posen.

Politisch betätigte er sich 1848 als Abgeordneter des Linken Centrums Mitglied der Preußischen Nationalversammlung und 1849–1850 war er Mitglied der preußischen Zweiten Kammer. In den Jahren 1859 bis 1861 und 1862 bis 1867 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses in der Polnischen Fraktion. Von 1880 bis 1901 war er schließlich Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Literatur :

 

  • Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965 S.506
  • Acta Borussica. Band 7 (1879–1890

 

 

Zoltowski, Marzel Adam von polnisch: Marceli Adam Żółtowski ,

* 2. November 1850 in Niechanowo ( Kreis Witkowo) ; † 13. April 1925 in Posen

Zoltowski besuchte das Gymnasium in Posen und studierte an den Universitäten in Berlin und Löwen. Er widmete sich der Landwirtschaft und übernahm 1875 die Güter seines Vaters in Godurowo. Er war ein Mitbegründer der Land Bank in Posen und des Grundeigentümer-Verbands.

Von 1881 bis 1884 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Posen 4 Buk, Schmiegel, Kosten und die Polnische Fraktion.

Lit.:

Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin. 1904, S. 57

 

Zoltowski , Stefan von

* 8. September 1839 in Jarogniewice (Krs. Kosten) ; † 19. September 1901 in Gluchowo.

Zoltowski besuchte das Gymnasium in Posen und studierte an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Berlin. Weiter besuchte er die Hochschulen Metz, Straßburg und Paris. Er betrieb Landwirtschaft auf seinem Rittergut in Gluchow bei Czempiń und weiteren Gütern in den Kreisen Kosten und Schrimm.

Von 1877 bis 1881 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Posen 8 (Wreschen, Pleschen) und die Polnische Fraktion.

Lit.:

* Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: 1904, S. 60

* Schwarz, Max: MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage. Hannover 1965. S.506

 

 

 

Zweigert, Konrad

  1. Januar 1911 in Posen, heute Polen; † 12. Februar 1996

Zweigert  gehörte aufgrund seiner Wahl durch den Deutschen Bundestag (und einer Wiederwahl am 9. Dezember 1955) vom 7. September 1951 bis zum 31. August 1956 dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an.

Einen Amtsnachfolger hatte Zweigert nicht, weil 1956 die Anzahl der Mitglieder der Senate des Bundesverfassungsgerichts von zwölf auf acht reduziert wurde.

Bekannt ist er auch für seine zusammen mit Hein Kötz verfasste Einführung in die Rechtsvergleichung, welche das Standardwerk auf dem Gebiet der Rechtsvergleichung darstellt.

 

Bernstein, Herbert [Hrsg.] ;Festschrift für Konrad Zweigert zum {70. [siebzigsten] Geburtstag . Tübingen 1981