Lexikon

Dieses historisch-landeskundliche Lexikon der Provinz Posen soll im Rahmen der Partnerschaft Hessen-Wielkopolska weiterführende Kenntnisse über den „neuen Nachbarn“ Hessens vermitteln.

 

 

 

Adelnau ( Odolanów )

Die älteste Erwähnung einer Festung („castrum“) Odolanow, in deren Schutz sich eine kleine Siedlung entwickelte, findet sich in der am Ende des 14.Jahrhundert verfassten Chronik des Johannes von Czarnkow (1320-1387).

Der Ortsname geht vermutlich auf einen Grundherrn namens Odolan zurück. Nach dem Ausscheiden der benachbarten schlesischen Fürstentümer aus dem polnischen Staat im 14. Jahrhundert wurde A. zu einem strategisch  bedeutenden Grenzort.

Zu schweren Konflikten mit der polnischen Krone kam es während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als der Besitzer des Ortes von A. aus einen Bürgerkrieg in Großpolen gegen das damals in Polen regierende Haus Anjou hervorrief und steuerte. 1373 hatte er seinen Stammsitz eigenmächtig zur Stadt erhoben. Als Nachfolger der Anjou verbannte König Władyslaw II Jagiello (1386-1434) den Aufständischen zunächst aus Polen, berief ihn dann allerdings 1387 zum Woiwoden von Posen. König Władyslaw II Jagiello verlieh A. 1403 erneut das Stadtrecht, nachdem er den Ort 1386 zur  Krondomäne im Rang einer Starostei gemacht hatte. Die einst königliche Stadt verlor ihre Bedeutung dadurch, dass die Burg angesichts der abge-sicherten Grenze nach  Schlesien an  Bedeutung verlor, bis sie 1832 endgültig abgetragen wurde.

Ab 1578 befand sich die Stadt im Besitz des Johann von  Zborowski, die bis zu diesem Zeitpunkt den Status einer „königlichen Stadt „ genoss. Später gehörte die Stadt der Familie Leszczynski. Die Grundherren von Adelnau konvertierten im frühen 16. Jahrhundert zum protestantischen Glauben.

Während des Nordischen Krieges hatte Adelnau erst unter sächsischer, dann unter russischer Besetzung schwer zu leiden. 1793 (zur Zeit der preußischen Inbesitznahme ) wies die Ortschaft nur noch  996 Einwohner  auf.  Von 1807 bis 1932  war Adelnau Kreisstadt, bis der gleichnamige Kreis in den Kreis Ostrowo eingegliedert wurde. 1819 schenkte König Friedrich Wilhelm III (1770-1840) die Herrschaft Adelnau (samt der viel größeren Herrschaft Krotoschin) dem Fürsten Thurn und Taxis als Entgelt für dessen Postregal in den neuen preußischen Provinzen. Bereits nach wenigen Jahrzehnten kam es jedoch zu Auseinandersetzungen über diesen Besitz, nach deren Beendigung der Fürst zwar die Güter und Forsten behielt, die Stadt aber völlig unabhängig wurde. In preußischer Zeit wuchs die Stadt allmählich auf 2500 Einwohner heran.

1919 wurde die Stadt polnisch.

In den 1960er Jahren entdeckte man  auf dem Gemeindegebiet ein Erdgasvorkommen und es entwickelte sich eine regional nicht unbedeutende Förderindustrie.

►Städtepartnerschaft mit Heringen ( Werra ).

 

Lit.:

Schick, F. : Heimatbuch des Kreises Adelnau. Lissa 1903

 

 

Akt von Gnesen (poln. : Zjazd gnieźnieński)

 

Otto III (973-1002), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, (980- 24. Jan. 1002) unternahm im Frühjahr 1000 eine Pilgerreise nach Gnesen, um den rasch an Berühmtheit gewinnenden Märtyrer  Adalbert (       – 997) seine Verehrung zu erweisen.

Neben dem religiösen Grund gab es noch einen zweiten: es galt, die politischen Beziehungen zu dem seit den sechziger Jahren des 10. Jahrhunderts konstituierenden polnischen Staat zu klären.

Otto III erhöhte den polnischen Herzog Boleslaw Chobry (995-1025) von einem „tributpflichtigen Abhängigen“ zu einem „amicus et socius“ sowie „cooperator imperii“.  Die Krönung mit dem Diadem des Kaisers bedeutete jedoch nicht die formelle Erhebung zum König. Darüber hinaus überreichte er die Kopie der Lanze des Heiligen Mauritius, die –von Heinrich I (919-936) erworben- zu den Reichskleinodien zählte. Die Übergabe dieser Nachbildung war ein Symbol dafür, dass Polen nun –  wie Böhmen und Ungarn- als Mitglied des kirchlichen und politischen Systems Europas akzeptiert wurde.

Otto III anerkannte durch diese als „Akt von Gnesen“ umschriebenen Handlungen die selbständige Stellung des Fürsten und seinen Wunsch nach der Errichtung einer autokephalen Landeskirche mit einem eigenen Oberhaupt. Dies bedeutete die Gründung eines Erzbistums in Gnesen, dem die Bistümer Krakau, Breslau und Kolberg zugeordnet wurde. Die Bischöfe Poppo von Krakau, Johannes von Breslau und Reinbern von Kolberg wurden dem Erzbistum Gnesen unterstellt.

Die Magdeburger Ansprüche auf Diözesanrechte östlich der Oder waren damit hinfällig geworden;  die junge polnische Kirche blieb damit dem Einfluss der Reichskirche entzogen.

Das Treffen von Gnesen war der Abschluss eines Prozesses der Eingliederung Polens in die lateinisch-christliche Zivilisation,

 

Lit.:

* Bogolte, Michael: Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“. Berlin 2002

* Fried, Johannes: Otto III und Boleslaw Chobry. Stuttgart ²2001

* Görich, Kurt: Ein Erzbistum in Prag oder Gnesen? In : Zeitschrift für Ostforschung. 40 (1991) S.10-27

 

Alvenslebensche  Konvention

Bei dieser zwischen dem preußischen König und dem russischen Zaren abgeschlossenen Vereinbarung handelte es sich um keinen völker-rechtlich bindenden Vertrag, zu dessen Abschluss Gustav von Alvensleben (1803-1881) am 08. Februar 1863 in der russischen Hauptstadt St.Petersburg eintraf.

Von Alvensleben war auch kein Diplomat, sondern ein Militär- der Generaladjutant des preußischen Königs Wilhelm I (1797-1888) und somit Ver-bindungsoffizier des Monarchen zum preußischen Generalstab.

Sein Auftrag bestand darin, mit der russischen Regierung Einvernehmen über die Maßnahmen zu erzielen, welche die beiden Regierungen gemeinschaftlich zur Unterdrückung des polnischen Aufstandes, der am 22. Januar 1863 im unter russischer Herrschaft stehenden Königreiches Polen ausgebrochen war, anwenden können.

Kernpunkt dieser mit dem russischen Staatskanzler Fürst Alexander Gortschakow (1798-1883 ) erzielten Übereinkunft ermöglichte den Befehlshabern der jeweiligen russischen und preußischen Armee, auf das Ersuchen des jeweiligen Oberbefehlshabers der beiden Armeen oder auf Bitte der Grenzbehörden dieser beiden Länder, sich gegenseitig Hilfe bei politischen Unruhen zu leisten oder aber im Bedarfsfall die Grenze zu überschreiten, um Aufständische zu verfolgen oder dabei Hilfe zu leisten.

Aus Furcht der beiden Monarchien vor der polnischen Nationalbewegung und deren Kampf gegen die Fremdherrschaft der Teilungsmächte, die den territorialen Status Quo im östlichen Mitteleuropa ernsthaft gefährdete, enthielt diese Konvention eine geheime Zusatzklausel, die eine gegenseitige Pflicht zur Unterdrückung von politisch auffälligen Aktivitäten polnischer Unabhängigkeits-bestrebungen vorsah.

Diese Konvention provozierte die Ablehnung durch die liberale Mehrheit des preußischen Landtags. Wenn auch die Konvention in der Praxis kaum Anwendung fand, so hielt sie die anderen europäischen Mächte von einer Intervention zugunsten der aufständischen Polen ab.

 

Lit. :

  • Scheidt, H.: Die Konvention Alvensleben. Diss. München 1936
  • Jeismann, Karl Ernst/ Trzeciakowski, Lech: Polen im europäischen Mächtesystem des 19. Jahrhunderts: die „Konvention Alvensleben“ 1863. Frankfurt/Main 1994

 

Amt für Umsiedelung der Polen und Juden  ►Umwandererzentrale

 

 

Annulationsgesetz

Durch das Annulationsgesetz vom 17. Juli 1920 wurden alle Kauf – und Pachtverträge, die von Privatpersonen mit dem preußischen Fiskus abgeschlossen worden waren, aufgehoben, wenn sie nicht vor oder erst nach dem 11. November 1918 durch Eintragung  in das Grundbuch Rechtsgültigkeit erlangt hatten.

In die Besitzrechte für  diesen  enteignungsgleichen Vorgang traten die polnischen Finanzbehörden ein. Von diesem Gesetz waren besonders die von der preußischen Ansiedlungskommission angesetzten Siedler betroffen. Direkt nach Inkrafttreten dieses Gesetzes wurden 3000 Ansiedlungsverträge annulliert, was zur Folge hatte, dass der Völkerbund aufgrund einer deutschen Beschwerde den polnischen Staat zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 80.000 Goldfranken verurteilte.

 

 

Anonymus, Gallus

 

(*unbekannt, + nach 1116) A. war ein Benediktinermönch, der seine liturgische Ausbildung in gelehrten Kreisen von LeMans, Poitiers und Orleans erhielt und stammte aus dem Kloster des Heiligen Nikolaus auf dem Lido in Venedig. Er wurde wahrscheinlich in Südfrankreich geboren, kam nach 1100 über Ungarn nach Polen. Um 1111 lebte er am polnischen Hof in Krakau. In den Jahren 1111 bis 1116 schuf er dort eine Chronik, die die polnische Geschichte von „sagenhaften“ Zeiten bis 1113 behandelt.

Seine in drei Bücher aufgeteilte „Cronica et gesta ducum sive principum Polonorum“ hat er 1116 formal beendet. Sie ist im damals üblichen Stil der „gesta ducum“ mit Cursus und in  Reimprosa geschrieben. Das erste Buch beginnt mit Popiel, dem legendären Fürsten von Gnesen, und Piast, dem Stammvater der Piasten, und berichtet über die wichtigsten Taten der Herrscher bis zum Geburtsjahr von Boleslaw III (1085). Das zweite Buch umfasst die letzten Regierungsjahre Wladyslaw I Hermans (+ 1102) und die Zeit der gemeinsamen Regierung von Boleslaw III und dessen Halbbruder Zbigniew bis zur Alleinherrschaft Boleslaws, während das dritte Buch den Heereszug des deutschen Kaisers Heinrich V (1081 oder 1086-1125) nach Schlesien, die Blendung Zbigniews und die Sühne Boleslaws in Gnesen (1113) schildert.

Obwohl das Werk nur Dynastengeschichte vermittelt, ist es die wichtigste Quelle für die älteste Periode des polnischen Staates.

 

Lit.:

  • Gallus Anonymus : Chronik und Taten der Herzöge und Fürsten von Polen. Graz 1978
  • Mühle, Eduard: Neue Vorschläge zur Herkunft des Gallus Anonymus und zur Deutung seiner Chronik. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung 60(2011) S.267-285

 

 

Ansiedlungsdörfer

Nach der 2. Teilung Polens (1793) setzte zur Förderung der Landesentwicklung in den an Preußen gefallenen Gebieten eine staatlich subventionierte Anwerbung und Ansiedlung von Landwirten  ein. Sie fand bereits im Jahre 1807 ein abruptes Ende, ohne nennenswerte Erfolge vorweisen zu können. Die 1886 gegründete  ►Ansiedelungskommission für West-preußen und Posen hatte die Aufgabe, die Abwanderungswelle von Deutschen aus den preußischen Ostprovinzen in die westdeutschen Gebiete und nach Übersee aufzuhalten. Die abwanderungswilligen Deutschen sollten durch Ansiedelung auf  Bauernhöfen oder Handwerkerstellen zu Eigentum kommen und sesshaft gemacht werden. Weitere deutsche Siedler wurden in anderen Provinzen angeworben.

Die Ansiedelungskommission kaufte zu diesem Zweck Güter auf. Da die meisten der erworbenen Güter für eine Ansiedelung größerer Personengruppen nicht geeignet waren, wurden sie erst einmal von Gutsverwaltern  für die Ansiedelungskommission zur Aufsiedelung vorbereitet. Die Vorflutverhältnisse wurden geordnet, Straßen und Wege gebaut, die Entwässerung von Wiesen und Sümpfen durchgeführt und die nicht für die Landwirtschaft brauchbaren Flächen wurden aufgeforstet.

Erst danach  wurden die Flächen für eine Ansiedelung freigegeben. Alle Wohn – und Wirtschaftsgebäude hatte der Siedler aus eigenen Mitteln bzw. durch Darlehensaufnahme selbst zu erstellen. Dies führte dazu, dass die Ansiedler ihre regionaltypischen Baugewohnheiten in die Ansiedelungsdörfer mitbrachten und die Häuser der Ansiedelungsdörfer recht unterschiedlich waren.

 

 

Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen (Pruska Komisja Osadncza)

Als sich Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Bevölkerungsstruktur im Osten des Deutschen Reiches durch die Abwanderung vieler Deutscher in den industrialisierten Westen  und den gleichzeitigen Zuzug von Polen veränderte, ordnete die preußische Regierung Massenausweisungen an. Da sich dies als wenig erfolgreich erwies und politisch  auf das heftigste kritisiert wurde, sollte der Abwanderungsverlust durch die Ansiedelung“provinz-fremder“ Deutscher ausgeglichen werden. Hierfür war eine planmäßige Kolonisation in Form eines staatlichen Ankaufs von Grundstücken – vorrangig aus polnischem Besitz – und der Ansiedlung einer deutschen bäuerlichen Bevölkerung vorgesehen.

Die Denkschrift des Regierungspräsidenten von Bromberg, Christoph von Tiedemann (1836-1907), über „Maßregeln zur Germanisierung der Provinz Posen“ von 1886 bildete wohl den Auslöser für die bereits seit längerem in konservativen Kreisen des Deutschen Reiches diskutierten Möglichkeiten, das Deutschtum in den östlichen Provinzen zu stärken.

Am 26. April 1886 wurde das Gesetz  über die „Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen “ veröffentlicht, zu dessen Durchführung durch ein Königliches Dekret am 21. Juni 1886 die “ Ansiedelungskommission in den Provinzen Westpreußen und Posen “ gegründet wurde, die der Staatsregierung unmittelbar unterstand und in Posen ihren Sitz nahm. Die Kommission bestand aus 14 Mitgliedern , der die Oberpräsidenten der Provinzen Posen und Westpreußen, je ein Kommissar des Landwirtschafts-, Innen – , Finanz – und Kultusministers sowie der Ministerpräsident und sieben ernannte Mitglieder angehörten. Für den Ankauf von Grundbesitz, die Einrichtung von Siedlerstellen und der Schaffung der entsprechenden sozio-kulturellen Infrastruktur (Schulen, Kirchen etc.) stellte die preußische Regierung einen Finanzfonds zur Verfügung, der zunächst mit 100 Millionen Mark ausgestattet wurde. Durch die Gesetze vom 20. April 1898 und O1. Juli  1902 wurde dieser Fond auf 350 Millionen Mark erhöht.

Die Aufgabe der Kommission bestand darin, die für eine Ansiedelung geeigneten Ländereien zu kaufen, die Preisgrenzen festzulegen, die Ansiedelungs-verträge zu bestimmen und die Ansiedelungs-grundstücke für die Besiedelung vorzubereiten.

Bis 1919 hat die Ansiedelungskommission insgesamt 460 884 ha Land ( davon 334 297 ha von Deutschen ) erworben und bis zum Ende des 1. Weltkrieges 86,5 % des aufgekauften Bodens verteilt, woraus 22 500 Siedlerstellen entstanden, auf denen ca. 150 ooo Menschen in rund 300 neuangelegten Dörfern lebten.

Intention und Arbeit der Ansiedelungskommission fanden rasch ein polnisches Pendant; Kredit- und Parzellierungsgenossenschaften für polnische Kleinbauern entstanden. Allein zwischen 1887 und 1907 wurden 85 polnische Kreditgenossenschaften neu gegründet. Während der kurzen Amtszeit des Reichskanzlers Leo von Caprivi (1831-1899), der aus außen –und parteipolitischen Gründen einen Ausgleich mit Polen anstrebte, wurden die polnischen Wirtschaftsorganisationen durch die preußischen Rentenbanken unterstützt. Dank eigener Initiativen und der kurzfristigen staatlichen Förderung bis 1894 gelang es den polnischen wirtschaftlichen Institutionen in relativ kurzer Zeit den Aktivitäten der Ansiedlungskommission wirksam zu begegnen.

Die durch den Versailler Vertrag bedingte Abtretung der Provinz Posen an den neuentstandenen polnischen Staat wurde die Ansiedelungs-kommission Anfang 1919 in polnische Verwaltung übernommen. Zur Abwicklung der restlichen Arbeiten und Aufgaben richtete man eine Geschäftsstelle in Berlin ein. Am 10. März 1924 wurde die Ansiedelungskommission aufgelöst.

Der  Oberste Polnische Volksrat setzte 1919 die meisten Bestimmungen des Ansiedlungsgesetzes von 1866 außer Kraft und schuf eine polnische Nachfolgebehörde (Urząd osadniczy).

 

Lit. :

  • Letkemann, Peter: Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen. In : Ostdeutsche Gedenktage.1986. Bonn 1985 S.20-263
  • Bruchhold – Wahl, Hannelore : Die Krise des Großgrundbesitzes und die Güterankäufe der Ansiedlungskommission in der Provinz Posen in den Jahren 1886 – 1898, Dissertation Universität Münster 1981
  • Falk, Carl : Die Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen in und nach dem Kriege. Ergebnis und Abschluss ihrer Tätigkeit. Diss. Berlin 1927
  • Jakóbczyk, Witold : Pruska komisja osadnicza 1886 – 1919, Poznań 1976
  • Stumpfe, E. : Polenfrage und Ansiedelungskommission. Darstellung der staatlichen Kolonisation in Posen – Westpreußen und kritische Betrachtungen über ihre Erfolge, Berlin 1902
  • Zwanzig Jahre deutscher Kulturarbeit 1886-1906. Tätigkeit und Aufgaben neupreußischer Kolonisation in Westpreußen und Posen. Berlin 1907

 

Antonin (Krs. Ostrowo)

Dieses 16 km südlich von Ostrowo gelegene Dorf ist durch seinen englischen Park mit einem alten Baumbestand bekannt.  Hier befindet  sich ein für Fürst Anton Radziwill (1775-1833)  nach den Entwürfen von K.F. Schinkels (1781-1841) von 1822 bis 1824 errichtetes Jagdschloss, das sich durch eine interessante Architektur auszeichnet:   Der Kern des Gebäudes ist achteckig, vier Pavillons sind so angesetzt, dass ein kreuzförmiger Grundriss entsteht wie bei einer Kirche. Die Flügel sind drei Stockwerke hoch, der Mittelteil hat vier Stockwerke und ist von einem hohen achtseitigen Zeltdach abgeschlossen, das von einer Aussichtsplattform überragt wird.

Der Mittelbau ist ein einziger offener Saalbau, in dem in zwei Stockwerken Galerien verlaufen, die eine Verbindung mit den Wohnräumen der Flügel herstellen.

Für den Pianisten Fryderyk Chopin (1810-1849) war hier stets ein Zimmer reserviert

 

Arbeiter – und Soldatenräte  ► Deutsche Volksräte in der Provinz Posen

 

Arbeitslager für Deutsche

 

Am Ende des 2. Weltkrieges befanden sich noch  etwa  600.000 Deutsche auf dem Gebiet der 2. Polnischen Republik.

Die Rote Armee ließ zunächst einmal die Deutschen, die weder evakuiert waren oder flüchten konnten, in örtlichen Gefängnissen internieren. Der sowjetischen Forderung nach „Reparationen in Sachleistungen“ wurde insoweit Rechnung getragen, in dem die Rote Armee unverzüglich mit dem Transport von inhaftierten Deutschen  in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit begann.

Nach Konstituierung der polnischen Verwaltungsorgane setzten diese die Verhaftungen von Deutschen fort.

Die im ehemaligen „Reichsgau Wartheland“ verbliebenen Reichsdeutschen wurden in der Regel rasch ausgewiesen, die Volksdeutschen wurden dagegen in Arbeitslager interniert. In den Jahren 1945/46 fasste man die im polnischen Staatsgebiet inhaftierten Deutschen u.a. in den Zentralarbeitslagern Potulitz (Potulice) bei Bromberg (Bydgoscz) und Gronowo bei Lissa (Leszno) zusammen.

Die in diesen Lagern internierten arbeitsfähigen Deutschen wurden für ein Zehntel des Arbeitslohnes polnischer Arbeiter eingesetzt.

 

Lit.:

  • Bekker, Gustav/ Stankowski, Witold: Wspólna czy podzielona pamieć: obóz Potulitz/Lebrechtsdorf/ Potulice w latach II wojny światowej i jego powojenne losy 1941-1945-1945-1949: praca zbiorowa. Bydgoszcz 2007

 

 

Arbeitslager für Juden

 

Im „Warthegau“ gab es insgesamt  12 Arbeitslager für Juden mit 12.000 Insassen.

Die Arbeitskräfte wurden überwiegend im Ghetto Litzmannstadt angeworben.

Die jüdischen Arbeitskräfte wurden zu Erdarbeiten eingesetzt, teils dem städtischen Tiefbauamt in Posen, einer Eisenbahnfirma und einer Posener Gärtnerei zur Verfügung gestellt.

Von 1941 bis 1943 wurden alle Strassenreparaturen, Wegeanlagen und Instandhaltungsarbeiten in Posen ausschließlich von jüdischen Zwangsarbeitern ausgeführt. Die Geheime Staatspolizei (GESTAPO) stellte die jüdischen Häftlinge der „Deutschen Arbeitsfront“ zur Verfügung, die diese dann weiter vermittelte.

 

Lit.:

  • Alberti, Michael: Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939-1945. Wiesbaden 2006
  • Ziółkowska, Anna: Obozy pracy przmusowej dla Zydów w Wielkopolsce w latach okipacji hitlerowskiej 1941-1943. Poznań 2005

 

 

Arbeiterbewegung

Die Provinz Posen wies eine ausgeprägte Agrarstuktur auf – Institutionen und Aktivitäten einer organisierten Arbeiterbewegung waren daher nur vereinzelt zu verzeichnen.

Erst 1870 waren in der Stadt Posen erste gewerkschaftliche Organisationen der Metallarbeiter sowie der Tischler, Zimmerleute und Buchdrucker entstanden.

Eine Streikwelle, die 1872 die Stadt Posen erfasste, wurde von einigen hundert Arbeitern getragen. Noch im gleichen Jahr engagierten sich  Otto Kapell und Karl Flinn von dem Allgemeinen Arbeiterunter-stützungsverein in Posen, so dass ein sozialistischer Verein entstehen konnte. Diesem Verein, dessen Vorsitzender der polnische Zimmermann Jan Baady war, gehörten sowohl polnische als auch deutsche Arbeiter an. Auch in Bromberg, Rawitsch und Nakel versuchten Kapell und Finn sozialistische Organisationen zu gründen.

1873 gründeten sich in Posen ein Verein der Tabakarbeiter und ein Verein der Böttcher, die unter sozialdemokratischem Einfluss standen.

Nach dem Abklingen der Streikbewegung verlor der Posener sozialistische Verein an Einfluss und behauptete sich nur noch bis 1876.

Die sozialdemokratische Tätigkeit in Posen beschränkte sich bis 1878 auf einige wenige Versammlungen und einen begrenzten Wahlkampf zu den Reichstagswahlen.

Auffallend ist, dass bis 1878 in Posen zu den Wahlen keine sozialdemokratische Liste aufgestellt wurde.

Vor den Reichstagswahlen 1877 bildete sich im Wahlkreis Kröben-Rawitsch ein Arbeiterwahlkomitee unter der Leitung des Zigarrenmachers W.I. Sellentin. Das Komitee gab ein Wahlflugblatt heraus, das sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache verfasst war und in dem sowohl in deutscher wie in polnischer Sprache zur Wahl des Breslauer Sozialdemokraten K.P. Reinders in den Reichstag aufgefordert wurde. Reinders erhielt in diesem Wahlkreis 572 Stimmen, während Finn im Bromberger Wahlkreis 106 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Im Wahlkreis Posen- Stadt kandidierte kein sozialdemokratischer Politiker.

Am 30. Januar 1878 sprach Max Schlesinger, Redakteur der Breslauer Parteizeitung „Wahrheit“ vor etwa 500 Personen in Posen über die soziale und wirtschaftliche Situation der Arbeiter. Mit seinem Vortrag gab Schlesinger den Anstoß zur Gründung des sozialdemokratischen Lesevereins „Concordia“ am 07. Februar 1878, der durch Vorlesungen und Vorträge, die auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen sollten, zur Information aber auch zur Unterhaltung seiner Mitglieder beitragen sollten.

An der am 02. April 1878 unter der Leitung des Vereins „Concordia“ durchgeführten Kundgebung, auf der der Reichstagsabgeordnete Julius Kräcker (1839-1888) aus Breslau über das Thema „Was wollen die Sozialdemokraten“ sprach, nahmen über 800 Personen teil.

Unter dem Eindruck einer zunehmenden Bedeutung sozialdemokratischer Aktivitäten, wurde dem Leseverein die Durchführung von Veranstaltungen untersagt und der stellvertretende Vorsitzende verhaftet. Im Juni 1878 wurde „Concordia“ aufgelöst.

Am 21. Oktober 1878 wurde das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ in Kraft gesetzt. Dieses Gesetz ermächtigte die Landespolizeibehörden, Vereine, eingetragene Genossenschaften oder Hilfskassen sowie alle Druckschriften zu verbieten, „welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats – oder Gesellschaftsordnung bezwecken“. Am 26.Oktober wurden daraufhin die Ortsvereine der Tabakarbeiter in Posen und Rawitsch aufgelöst. Das zur Reichstagswahl 1881 in Posen gebildete Sozialistische Wahlkomitee, das zur Wahl  Julius Kräckers aufrief, wurde am 21.Oktober 1881 verboten.

Infolge des sog. „Sozialistengesetzes“ in Deutschland kam es seit 1878 zu einer engen Zusammenarbeit deutscher und polnischer Sozialisten, die auf gegenseitiger organisatorischer und propagandistischer Hilfe beruhte. Höhepunkte der gegenseitigen Unterstützung waren die Vorbereitungen zur Reichstagswahl 1881 und die Genfer 50-Jahr-Feier der polnischen Revolution von 1830.

Am 25. Januar 1890 lehnte der Reichstag die Verlängerung des „Sozialistengesetzes“ ab.

 

Trotz der in Preußen – insbesondere nach der Reichsgründung 1871 –  gegenüber den Polen vertretenen nationalistischen Staatsauffassung hatte die deutsche Sozialdemokratie sehr früh die Wiederherstellung eines polnischen Staates zu ihrer politischen Forderung erhoben. Noch vor dem Verbot der Sozialdemokratie 1878 konzentrierte sich die SPD in ihrer politischen Arbeit u.a. auf die überwiegend von einer polnischsprachigen Bevölkerung bewohnten Gebiete. So wurde schon 1877 auf dem SPD-Parteitag die Gründung eines polnischen Parteiblattes in der Provinz Posen und in Oberschlesien diskutiert.

Die am 10. September 1893 erfolgte Gründung der „Polnischen Sozialistischen Partei des preußischen Teilgebietes“ (Polska Partja Socjalistyczna Zaboru pruskiego) begrüßte die SPD.  Diese neue Partei stellte kein eigenes Programm auf, sondern erkannte das 1881 beschlossene „Erfurter Programm“ an.  Die PPS war demnach als eine autonome Untergliederung der SPD anzusehen.

Die PPS erhielt das Recht, durch eigene Delegierte an Beschlüssen der obersten SPD-Organe mitzuwirken. Im  Gegenzug verpflichtete sie sich, die Bestimmungen  des Parteistatuts wie jede Parteigliederung einzuhalten. Für Posen bildete die SPD mit der PPS eine gemeinsame Bezirks-organisation.

In einer Entschließung forderte die neugegründete Partei die Autonomie für das preußische Teilungsgebiet Polens und einen „polnischen Unterricht an den Schulen dieser Gebiete“. Die Reorganisation und Unabhängigkeit Polens gehörte nicht zu den Forderungen der PPS.

Sicherlich hatte die SPD bei ihrer Unterstützung der PPS Hoffnung auf eine Stärkung ihrer gerade im Gebiet von Posen recht unbedeutenden Position.

Für die Reichstagswahlen 1897 stellten die SPD und die PPS ein gemeinsames Wahlprogramm auf, dem die Grundsätze des Erfurter Programmes zugrunde lagen. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass im Gebiet von Posen die Spitzenkandidaten Polen waren.

Insbesondere im Posener Wahlbezirk führte diese Strategie zu einem politischen Fiasko- die Stimmenzahl der sozialdemokratischen Liste in der Stadt Posen sank von 11o2 im Jahre 1893 auf 620 im Jahre 1897 und im Regierungsbezirk Posen ging sie von 2076 auf 996 zurück.

Die Forderung nach Wiedererlangung der staatlichen Souveränität Polens unter Einschluss der Provinz Posen, die sich die PPS ab 1896 offen zu eigen machte, führte zu einer Abkühlung der Beziehungen beider Parteien.

Die PPS löste sich während ihres 3.Parteitages mit der Verabschiedung eines eigenen Partei-programmes, der im April 1897 durchgeführt wurde, endgültig von der SPD. Nicht zuletzt wegen des geringen Einflusses der PPS und ihrer organisatorischen Infrastruktur (151 Mitglieder zählte die PPS 1911) änderte die PPS diesen Beschluss, erkannte das Erfurter Programm wieder an und wurde somit wieder ein Bestandteil der SPD.  Das Verhältnis zwischen der SPD und der PPS blieb noch einige Zeit ungeklärt, da es die SPD-Führung nicht zu einem offenen Bruch kommen lassen wollte. Die finanzielle Unterstützung der PPS wurde erste Ende des Jahres 1900 eingestellt.

Die Sozialdemokratie verfügte 1908 über  392 Mitglieder, 1910   über    1073 Mitglieder und 1914  nur über 1027 Mitglieder .

 

Es wurde möglich, ab 1901 als Kopfblatt der in Breslau erscheinenden „Volkswacht“ die „Posener Volkszeitung“ dreimal in der Woche erscheinen zu lassen. Sie stellte aber- obwohl stark subventioniert- 1904 ihr Erscheinen wieder ein, weil es nicht gelang, einen größeren Bezieherstamm zu gewinnen.

 

Im April 1912 verlangte der SPD-Parteivorstand vor dem Hintergrund der hohen Zuschüsse für die von der PPS herausgegebenen „Gazeta Robotnicza“ eine nur noch wöchentliche Herausgabe.

Die PPS beschloss daraufhin, eine von der SPD unabhängige Tageszeitung zu gründen, woraufhin die SPD die Zuwendungen für die „Gazeta Robotnica“ sperrte, die Ende Dezember 1912 ihr Erscheinen einstellen musste.

Der SPD-Parteivorstand unterbreitete – nicht zuletzt wegen der massiven Angriffe der PPS-  dem Parteitag in Jena am 29. September 1913 einen Antrag, die Einigungsbedingungen von 1906 aufzuheben und die PPS aus der Gesamtpartei auszuschließen. Dieser Antrag wurde –bei einigen wenigen Gegenstimmen- angenommen.

In den ehemals zu Preußen gehörenden Gebiete entstand bald nach deren Eingliederung in den polnischen Staat eine den neuen Verhältnissen angepasste und auf die sozialdemokratische Tradition gestützte besondere deutsche sozialdemokratische Partei für Posen und Pommerellen mit Sitz in Bromberg unter Führung von Arthur Pankratz (1897-1975) , die die wöchentlich erscheinende „Volkszeitung“ herausgab.

Bereits 1923 kam es zu einer Vereinigung der sozialdemokratischen Parteien für Oberschlesien, das Teschener Schlesien und Posen als „Deutsche Sozialdemokratie Polens“.

Auf einer im August 1925 in Kattowitz stattgefundenen Konferenz wurde beschlossen, alle deutschen sozialistischen Organisationen Polens zu einer einheitlichen Partei zusammen zu schließen- der „Deutschen Sozialistischen Arbeitspartei Polens“.

Der praktische Zusammenschluss verzögerte sich bis 1929, da man sich nicht auf den Hauptsitz der Partei einigen konnte, obwohl bereits seit 1925 der neue Name von allen Bezirksorganisationen geführt wurde.

Ihr gelang es als einziger deutscher Organisation die Teilungsgrenzen schon frühzeitig zu überwinden und eine das ganze Staatsgebiet Polens umfassende Einheitsorganisation zu bilden.

Aus Protest gegen das Bündnis der DSAP mit der PPS zu den Parlamentswahlen am 04. und 11. März 1928 trat der Bezirk Bromberg aus der DSAP aus. Unter Führung des Sejmabgeordneten Arthur Pankratz gründete sich die „Deutsche Sozialdemokratische Partei Polens“ mit Sitz in Bromberg.

Mit dem Austritt des Bromberger Bezirkes aus der DSAP 1928 hörte jedoch die in Bromberg herausgegebene „Volkszeitung““ auf, Organ der DSAP zu sein.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland orientierte sich die „Volkszeitung“ redaktionell und politisch an den neuen politischen Machthabern in Deutschland.

 

Lit.:

  • Mai, Joachim: Vom gemeinsamen Kampf deutscher und polnischer Sozialdemokraten gegen nationale und soziale Unterdrückung in Posen 1885-1886. In : Deutsch-slawische Wechselseitigkeit in sieben Jahrhunderten. Gesammelte Aufsätze. Red. Joachim Tetzner. Berlin 1956. S. 637-646
  • Kubiak, Stanisław: Ruch socjalistyczny w Poznańkioem 1982-1890. Poznań 1961
  • Danilczuk, B.: Działalność SPD i PPS Zaboru Pruskiego w Poznańskiem w latach 1891-1914. Toruń 1962 ( Die Tätigkeit der SPD und der PPS in der Provinz Posen in den Jahren 1891-1914)
  • Heike, Otto: Die deutsche Arbeiterbewegung in Polen 1835-1945. Dortmund 1969
  • Blachetta-Madajczyk,Petra:Klassenkampf oder Nation. Deutsche Sozialdemokratie in Polen 1918-1939. Düsseldorf 1997 (= Schriften des Bundesarchivs, 49)

 

Archiv der Gemeinschaft Evangelischer Posener

Mit der Gründung des Kirchendienstes Ost im Jahre 1949 unter der Leitung des Posener Pfarrers Dr. Richard Kammel (1892-1957)  waren Räumlichkeiten vorhanden, um Archivalien der ehemaligen Posener Kirche zusammenzutragen, zu sammeln und zu katalogisieren. Unterstützung erfuhr diese Sammel-tätigkeit durch Carl Brummack (1895-1971), ehemaliger Konsistorialrat in Posen, der von 1946 bis 1954 Vorsitzender des Hilfskomitees der Glieder der Posener evangelischen Kirche (später: Gemeinschaft Evangelischer Posener) war.

Mit dem Neubau des 1958 eröffneten Paul – Blau – Hauses in Lüneburg als Altenheim in Trägerschaft des Hilfskomitees wurden bauliche Voraussetzungen zur Übernahme der bislang in Berlin gesammelten Archivalien und der ordnungsgemäßen Lagerung der Aktenbestände des Hilfskomitees getroffen.

1984 wurde die Bild – und Aktensammlung der Gemeinschaft Evangelischer Posener als Dauerleihgabe dem  Nordostdeutschen Kulturwerk mit Sitz in Lüneburg übergeben.

Es umfasst hauptsächlich zwei Gruppen von Archivalien:

Akten aus der  Arbeit des Hilfskomitees von 1945 an bis in die siebziger Jahre sowie umfangreiches Bildmaterial.

Der Aktenbestand illustriert die Situation der Flüchtlinge, Umsiedler und Vertriebenen, insbe-sondere aus  dem „Reichsgau Wartheland“ in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland und verdeutlicht anschaulich anhand der umfangreichen Korrespondenz die Integration dieser Bevölkerungs-gruppen in das bundesdeutsche Wirtschafts-, Sozial – und Kultursystem. Weiterhin gibt das Aktendepositum Auskunft über organisatorische Strukturen und die Arbeit der Gemeinschaft Evangelischer Posener.

Das zweite Depositum besteht aus verschiedenen Bildträgern (Fotopositive, – negative und Dias), die die großen Städte der Provinz in der Zwischen-kriegszeit dokumentieren. Ablichtungen von Sakralbauten und Pfarrhäuser bilden jedoch – neben den Aufnahmen von in der evangelischen Kirche tätigen Personen – die Hauptmotive dieser Sammlung.

 

 

Argenau ( Gniewkowo )

Eine von Sümpfen umgebene Burg, die Schutz für die zwischen Königsberg und Schlesien verlaufende Handelsstraße bot, bildete den Kristallisationspunkt für eine Ansiedlung.  1185 erfolgte die erste urkund-liche Erwähnung, wonach Herzog Leszek von Masowien  der Marienkirche zu Wloclawek eine Kapelle in einem Ort namens „Gniewo“ übereignete. Ganz sicher ist diese Notiz jedoch nicht, da die Echtheit der Urkunde bezweifelt wird. Die Gründung der Stadt nach deutschem Recht erfolgte gegen Ende des 13. Jahrhunderts während  der Regentschaft des  kujawischen Herzog Ziemomysls, der 1287 starb. Im Jahre 1287 wurde das Herzogtum Inowroclaw geteilt. Der jüngste Sohn Kazimierz (Großvater der polnischen Königin Hedwig I 1373-1399) wurde Herzog eines Herzogtums Gniewkowo. 1322 wurde dieses Herzogtum von Rittern des Kreuzordens besetzt, 1343 wurde es wieder zurückgegeben. Wladislaw der Weise (1327/1330-1388), letzter Herzog von Kujawien, verkaufte seine Ländereien 1377 (und damit auch die Stadt A.) an den polnischen König Ludwig den Großen (reg. 1370 – 1382).

Argenau war somit eine königliche Stadt, aber an verschiedene Grundherren verpachtet.

1507 und 1536 größere Brandverwüstungen, die in einem königlichen Abgabenerlass Erwähnung finden.

1878 wurde der ursprüngliche Name des Ortes Gniewkowo in Argenau geändert.

 

 

Aufstand von 1846

Nach den Plänen der polnischen Revolutionäre, die sich nach der Niederschlagung des gegen Russland gerichteten Aufstandes von 1830 / 31,soweit sie entfliehen konnten, zuerst in die Emigration nach Frankreich , dann aber wieder nach Preußen begaben und dort in Posen ihr Hauptquartier aufge-schlagen hatten, sollte in der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 1846 gleichzeitig in allen drei polnischen Teilungsgebieten ein Aufstand ausbrechen. Diese Pläne wurden jedoch Anfang Februar dem Posener Polizeipräsidenten verraten. Daraufhin wurden 254 Verschwörer, darunter ihr Führer Ludwik Mierosławski (1814-1878) verhaftet und in Berlin wegen Hochverrats vor Gericht gestellt.

 

Lit.:

Sala, Moritz: Geschichte des polnischen Aufstandes vom Jahre 1846. Wien 1867

 

 

 

Aus dem Posener Lande

Organ für die Bekanntmachungen der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Posen , der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Bromberg, des Ausschusses für Naturdenkmalpflege in der Provinz Posen, der Königlichen Ansiedelungskommission für West-preußen und Posen, der Königlichen Akademie in Posen, der Kaiser – Wilhelm – Bibliothek , des Kaiser- Friedrich – Museums und der Stadtbibliothek in Bromberg. Verlagsort Lissa. Herausgeber Dr. Georg Minde – Pouet (1871-1950) in Bromberg und Dr. Wilhelm Christiani in Posen. Erschien 1906 zuerst als „Zwanglose Beilage zur Posener Lehrer-zeitung „.

Fortsetzung ►Aus dem Ostlande.

 

Auslandsdeutsche − Volksdeutsche

 

Auslandsorganisation der NSDAP

Die Auslandsorganisation der NSDAP wurde 1931 von Gregor Strasser (1892-1934) ins Leben gerufen.

Seit Ende 1934 bestand in Polen eine Landesgruppe der NSDAP. Sie hatte den Rang einer Gau-organisation und unterstand der Hamburger Zentrale der Auslandsorganisation. Die Landesgruppe hatte die Aufgabe, Bürger des Deutschen Reiches, die in Polen lebten, und der Freistadt Danzig als NSDAP – Mitglieder zu erfassen, soweit sie bereits  Partei-mitglieder waren bzw. für eine Mitgliedschaft zu werben. Die Auslandsorganisation der NSDAP existierte in der Zweiten Republik Polen nicht legal, da sie die Aufnahme in das polnische Vereins-verzeichnis nicht beantragte. Trotzdem tolerierten polnische Behörden die Tätigkeit dieser Partei-organisation.

Die Landesgruppe Polen der AO – NSDAP hatte ihren Sitz  in Warschau und hier in der Privatwohnung des Konsulatssekretärs der Deutschen Botschaft, K. Dannenberg. Landes-gruppenleiter war seit 1835 Hans Bernhard, Vizekonsul und stellvertretender Leiter der Passstelle.

Mit der Besetzung der führenden Funktionen der AO – NSDAP mit Botschafts- – und Konsulatsvertretern des Deutschen Reiches konnte diese im Schutz der diplomatischen Immunität ihre Tätigkeit entfalten. Organisatorisch war die Landesgruppe in Kreis – und Ortsgruppen gegliedert. In den Woiwodschaften Pomorze und Poznań  arbeiteten aktiv die Kreis-organisation Bromberg mit dem Kaufmann und Paßstellenleiter Kurt Teske an der Spitze und die Ortsgruppe Posen, bis 1935 unter der Leitung des Konsulatsangestellten Prox. Weitere Ortsgruppen gab es in Międzychod (Birnbaum), Środa (Schroda), Nowy Tomyśl (Neutomischel) und Wyrzysk (Wirsitz). 1939 unterstanden der Kreisleitung der AO – NSDAP Posen folgende Ortsgruppen:

  • Poznań (Posen)
  • Koźmin (Koschmin)
  • Rawicz (Rawitsch)
  • Międzychód (Birnbaum)
  • Rogoźno (Rogasen)
  • Nowy Tomyśl (Neutomischel)

mit insgesamt 279 Mitgliedern. In Großpolen lebten 1937  3375 Reichsdeutsche.

„Idee und Wille“ –so lautete der Titel des parteiamtlichen Organs der Landesgruppe Polen der AO, die in Warschau herausgegeben wurde.

Um nicht in Konflikt mit dem polnischen Staat zu geraten und ihm keinen Anlass für Maßnahmen gegen ihre Tätigkeit zu geben, verbot die Führung der Landesgruppe u.a. das Tragen von Partei-abzeichen in der Öffentlichkeit, das Tragen von Uniformen in der Öffentlichkeit und jegliche öffentliche Stellungnahme zu innenpolitischen Fragen oder öffentliche Erörterung bilateraler Fragen zwischen Deutschland und Polen. Polnische Staatsbürger deutscher Nationalität erhielten zu Veranstaltungen der AO – NSDAP keine Einladungen.

Die Tätigkeit der NSDAP-AO endete mit der Besetzung Polens und der Konstituierung des Reichsgaues Wartheland.

 

Lit.:

* Koop, Volker : Hitler fünfte Kolonne. Die Auslands-Organisation der NSDAP. Berlin 2009

 

Ausschuss für Nationalitätenfragen (1919 – 1939 )

 

 

Bamberger

Bezeichnung für katholische Kolonisten aus Franken, die in den Kämmereidörfern Winiary, Dembsen, Jersitz, Wilda, Gurtschin, Luban und Rataj der Stadt Posen angesiedelt wurden. Ihre Ursprungsheimat war das Hochstift Bamberg im oberen Maintal.

Während des Nordischen Krieges schloss  König August II der Starke von Polen und Kurfürst von Sachsen (1697-1706, 1709-1733) ein militärisches Bündnis mit Zar Peter I  dem Großen von Russland (1682-1725) gegen den schwedischen König Karl XII (1697-1718). Während dieses Krieges wurde die Stadt Posen von 1703 bis 1709 von schwedischen Truppen besetzt, wobei  die Stadt und die Region unter Belagerungen durch ein polnisch – sächsisch – russisches Heer (1704) und vor allem durch die Pest furchtbar zu leiden hatten.

 

Die Kämmereidörfer, die wesentlich zum Hauptaufkommen der städtischen Einnahmen beitrugen und z.T. seit dem Mittelalter zum städtischen Grundbesitz der Stadt zählten , waren  durch die  kriegerischen Handlungen des Nordischen Krieg zerstört und  durch die 1709 in dieser Region wütenden Pest entvölkert. Um die Kämmereidörfer wieder „zu beleben“, beschloss die Posener Stadtverwaltung, deutsche Bauern anzuwerben, wie es die Fürsten und Magnaten zur selben Zeit überall im Lande bei der Gründung der Hauländer – und Schulzendörfer taten. Mit der Anwerbung der Siedler wurde eine Bedingung verknüpft, die Bewerber mussten „guter katholischer  Religion“ sein. Diese Bedingung war unmittelbare Auswirkung der verschärften konfessionellen Gegensätze während des Nordischen Krieges. Nach der Besatzung der Stadt Posen hatten die  schwedischen Befehlshaber  die protestantischen Bewohner  beschützt, gefördert und die freie Religionsausübung durchgesetzt.

Zwischen 1719 und 1754 wurden die Kämmereidörfer mit rund 80 Familien, die etwa 400 Personen umfassten – vorwiegend aus dem Fürstbistum Bamberg – wieder besiedelt. Die Anwerbung im Hochstift Bamberg hatte deswegen Erfolg, weil die Bevölkerung Süddeutschlands aus sozioökonomischen Gründen zur Auswanderung gezwungen war (in diese Zeit fällt auch der sog. „Schwabenzug“; d.h. die Auswanderung nach Südosteuropa).

Die Größe der bäuerlichen Betriebe, die den Bambergern überlassen wurden, lagen zwischen  einem ½ und 1 ½  Hufen (15 – 45 Morgen) Ackerland und zusätzlich noch Wiesen und Weiden. Die Bamberger wurden als Erbzinspächter angesetzt. Es handelte sich dabei um das sog. „emphyteutisches Recht“, das die Nutzung des Landes gegen Zins – und Naturalabgaben und Arbeitsleistungen vorsah. Ohne Einwilligung des Stadtkämmerers durfte das überlassene Land weder belastet, abgetreten, verschenkt oder verkauft werden. Die Arbeitsdienste der Bamberger umfassten die Reinigung der Straßen in der Stadt Posen, das Mähen städtischer Wiesen und die Lieferung von „Maien“ (Birkengrün) zu Pfingsten und Fronleichnam.  Der Einzelne musste dabei nicht mehr als 6 Arbeitstage im Jahr  leisten. Darüber hinaus musste jährlich ein Pachtbetrag, eine Kopf – und Staatssteuer (Hiberna) abgeführt werden. Der „ Bamberka – Brunnen“, eine Arbeit des Bildhauers Josef Wackerle (1880-1959), der sich in der Nähe des Posener Rathauses befindet, erinnert an die Einwanderer des 18. Jahrhunderts.

Zur Erhaltung und Pflege der Bamberger Tradition wurde 1996 der „Verein der Posener Bamber“ gegründet. Zu den Zielen des Vereins zählt

  • die Tradition der Bamberger als integralen Bestandteil der Stadt zu kultivieren
  • Pflege von Baudenkmälern
  • Informationen über die Geschichte der Bamberger zu verbreiten, und zwar mit Betonung auf ihre Verdienste für die Stadt, Region und ganz Polen seit Anfang des 18.Jahrhunderts bis heute.

Seit 1996 wird auch ein „Bamber-Tag“ in Posen und zwar immer am ersten  Sonntag nach dem 01. August, dem Tag der Ankunft der ersten Siedler, gefeiert.

 

Lit. :

  • Hoffmann, Waldemar: Wie die “ Bamberger “ bei Posen zu Polen wurden, Schlawe 1906
  • Bär, Max : Die Bamberger bei Posen, Posen 1882
  • Bär, Max : Die „ Bamberger“ bei Posen. In : Zeitschrift für Geschichte und Landeskunde der Provinz Posen 1 ( 1882 ) S. 295 – 368
  • Kraft, Adolf : Die Bamberger im Posener Raum, in : Jahrbuch Weichsel – Warthe 19 ( 1973 ), S. 62 – 71
  • Metz, Friedrich: Die Bamberger und die Stadt Posen, in: Geschichte der Stadt Posen, hrsg. von Gotthold Rhode, Neuendettelsau 1953, S. 269 – 276
  • Paradowska, Maria: Bambrzy, mieszkancy dawnych wsi miasta poznania. Warzawa/Poznan 1975
  • Paradowska, Maria : Die Bamberger im Posener Land, Bamberg 1994
  • Paradowska, Maria: Poznan Bambers-the Past and the Present. In: Etnologia Polonia 22 (2001)

 

 

Baranow (poln.: Baranowo)

Stadtrechte erhielt B. 1426, eine aufstrebende Entwicklung nahm die neugegründete Kommune nicht. Von den Folgen eines Brandes 1631 erholte sich die Stadt nicht mehr, zumal nur einige Jahrzehnte später lediglich zwei Kilometer entfernt die Stadt Kempen (Kępno) gegründet wurde.

1660 versuchte der Grundherr, Adam von Biskupin, durch die Anwerbung von deutschen Siedlern der Entwicklung der Stadt neue Impulse zu verleihen. Mit ihren knapp 900 Einwohnern gehörte B. zu den zahlreichen Zwergstädten der Provinz und deshalb entzog die preußische Regierung  1907 B. die Stadt-rechte.

  1. ist Geburtsort von Wojciech Baranowski (1548 – 1615), seit 1608 Primas von Polen.

 

Lit.:

  • Zimmer, P.: Umwandlung der Stadt Baranow (Kreis Kempen) in eine Landgemeinde. In : Aus dem Posener Lande 3 (1908) S.232 ff

 

 

Bartsch ( poln. Barycz )

Rechter Nebenfluss der Oder (Odra) mit einer Länge von 133 km. Entspringt bei Ostrowo (Ostrow Wlkp.) im sog.  “ Bartschbruch „, einem Sumpfgebiet. Die Quellen der Bartsch liegen sehr niedrig, daher hat sie fast kein Gefälle und zeigt an ihrem Oberlauf den Charakter eines Tieflandflusses.

Im Zuge der Siedlungspolitik Friedrich des Großen (1712-1786)  wurde die Bartsch reguliert.  Zu Teichen aufgestaut, diente die Bartsch auch Zwecken der Fischwirtschaft.

1963 wurde ein 5302 Hektar großes Areal der Bartsch-Niederung  zum Vogelschutzgebiet erklärt. Die Bartsch mündet bei dem Dorf Wysznowe (poln: Wyszanów  in der Nähe von Schlichtingsheim (Szlichtyngowa ) in die Oder.

 

 

 

Bartschin  (poln.: Barcin ) Kreis Schubin

Die Stadt liegt am linken Ufer der Netze, etwa zwei Kilometer vor ihrem Einfluss in den Pturker See.

Da alle älteren Urkunden der Stadt verloren gegangen sind, ist das Gründungsjahr bzw. das Jahr der Verleihung der Stadtrechte nicht mehr festzustellen. Als Ortschaft bzw. Flecken dürfte Bartschin jedoch schon seit langem bestanden haben, denn hier existierte ein sicherer Netze-Übergang für die aus dem Süden kommenden Handelswege zur Ostsee.

Urkundlich erwähnt wurde Bartschin erstmals 1390 in einem  Grodbuch  von Gnesen. Das Marktrecht erhielt B. 1472. 1460 gehörte das Städtchen der adligen Familie Krotowski, während deren Herrschaft der Ort Magdeburger Stadtrecht  erhielt.

1560 trat Johann Krotowski zur Brüdergemeinde über und übergab ihr die katholische Pfarrkirche mit allen Besitztümern. Die Brüdergemeinde bestand jedoch nur insgesamt 60 Jahre, denn als die Familie Krotowski 1620 ausstarb, löste sich auch diese religiöse Vereinigung wieder auf.

1772, mit der 1. Teilung Polens, kam Bartschin zum “ Königlich Preußischen Territorium „. Da der Grenzverlauf zunächst nicht eindeutig festgelegt war (was immer wieder zu Übergriffen führte), wurden militärische Einheiten in Bartschin stationiert.

1852 wütete die Cholera in dem Ort.

Die Stadt gehörte zum Kreis Schubin(poln.: Szubin) im Regierungsbezirk Bromberg.

Bartschin blieb auch während der preußischen Verwaltung  Kleinstadt. 1899 hatte der Ort 1009 und 1905  1255 Einwohner. Nach der amtlichen Volkszählung 1931 verzeichnete die Stadt 2098 Einwohner.

Im Jahr 1920 wurde Bartschin polnisch, nachdem zahlreiche Kampfhandlungen zwischen polnischen Aufständischen und dem deutschen Grenzschutz vorausgegangen waren.

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges war die Stadt Sammelpunkt für internierte Polen deutscher Nationalität, die in das Innere des Landes verbracht werden sollten. Am 07.September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt.

Bereits vier Tage, nachdem sowjetische Truppen die Stadt besetzten, bildete sich am 25.Januar 1945 eine erste kommunale Verwaltungsstruktur.

Der Ausbau der Kalkwerke “ Kujawy “ nach 1945 zur größten Zementfabrik der Volksrepublik Polen bewirkte ein Anwachsen der Bevölkerung auf über 10.000 Einwohner.

 

Baschkow  (poln.: Baszków)

Kreis Krotoschin

 

 

Behle  ( poln. : Biala )

Eines der ältesten Dörfer des Netzedistriktes.  „Herrschaft Behle „- so wurde dieser Ort ab 1245 als polnisches Krongut erstmals urkundlich erwähnt. Ausgangspunkt zahlreicher Dorf – und Stadt-gründungen. Die Kirche soll schon um das Jahr 1108 errichtet worden sein. Um 1378 schien Johann Czarnkowski Grundherr von B. gewesen zu sein. Der Ort ist in keiner der frühen Steuerlisten aufgeführt, so dass er wohl als kirchliches Eigentum steuerfrei war. 1773 gehörte es mit einem Gut dem Grafen Radolinski. 1871 wurde auf dem Gut das Eugenienstift mit einem Kindergarten, einer Schwesternstation und einer Mutter – und Säuglingsstation erbaut. 1912 wurde das Gut für 3 Millionen Reichsmark der Ansiedlungskommission verkauft.

1939 lebten in B. 1689 Einwohner.

 

 

 

Bentschen   (poln.: Zbąszyn) Kreis Meseritz

 

Boleslaw Chobry (992- 1025) hatte während seiner Kriege den militärischen Wert befestigter Plätze und  Anlagen schätzen gelernt angesichts der Über-legenheit des deutschen Heeres in der Schlacht auf dem offenen Feld. Deshalb sorgte er – insbesondere in den Grenzlandschaften – konsequent für die Anlage neuer Burgen bzw. den Ausbau der Befestigungen schon vorhandener. Verbunden mit der militärischen Optimierung der Verteidigungs-anlagen war auch die Einführung eines Verwaltungs-systems- der sog. Kastellane. An der Spitze eines Bezirks stand der sog. „Kastellan“ oder „Burggraf“, der mit der gesamten Verwaltung betraut war. Bei Kriegsgefahr zog er alle wehrfähigen Männer seines Bezirkes zusammen und führte sie dem Kriegs-herren zu. Er übte die uneingeschränkte Gerichts-barkeit aus und zeichnete verantwortlich für die Erhebung der Steuern und der Leistung der Frondienste.

Eine solche Kastellanatsburg war Bentschen.

Aus dem Jahre 1231 datiert die erste  urkundliche Erwähnung einer Siedlung und es wird vermerkt, dass Bentschen  als Stadt –ausgestattet mit deutschem Recht – gegründet wurde.

Während der Regierungszeit Kazimierz dem Großen (reg. 1333-1370) gelang es dem großpolnischen Ritter Brkowicz 1235 die westlichen Grenzburgen, darunter auch Bentschen, von den schlesischen Herzögen für die polnische Krone zurück zu erobern, und bis 1793 polnisch zu bleiben.

1311 wurde B. Stadtrecht verliehen.

Ende des 14. Jahrhunderts erfuhr die Stadt eine fundamentale Änderung ihrer Rechtsgrundlagen, in dem sie aus königlichem Besitz in das Eigentum eines Adelsgeschlechts überging. Abraham Zbaski – der adlige Grundbesitzer – wandte sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts der hussitischen Lehre zu. Der Bischof von Posen, Stanislaw Ciolka , belegte daher den Adligen wegen seines Schutzes und der Hilfe, die er den nach Bentschen gezogenen Hussiten gewährte, mit einem Bannfluch. Andreas von Bnin-Opalinski  belagerte gemeinsam mit dem Gnesener Starosten Peter aus Bnin  Bentschen, das sich zu einem Zentrum der hussitischen Lehre in Polen entwickelt hatte. Mit dieser militärischen Aktion erreichte man die Auslieferung der hussitischen Geistlichen, die in Posen öffentlich verbrannt wurden.

Reformatorische Lehren fanden erst 1540 in B. wieder Resonanz. Der Grundherr und der über-wiegende Teil der städtischen Bevölkerung traten zum Protestantismus über.

Ende des 17. Jahrhunderts ging durch Erbfolge die Stadt und Herrschaft Bentschen von den Zbaskis auf die Familie Ciswicki über, die katholisch war und daher die protestantische Pfarrkirche den Katholiken übergeben werden musste.

Der Ausbau B. zu einer Festung, mit dem bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen wurde, konnte erst 1627  abgeschlossen werden. Trotzdem konnten schwedische Truppen diese Festung 1655 einnehmen und zerstören.

Mit der 2. Teilung Polens kam B.  unter preußische Herrschaft. Die Stadt hatte zu  jener Zeit 1050 Einwohner, darunter 146 Juden. Noch immer war die Tuchmacherei die Haupterwerbsquelle der Bentschener Bevölkerung. Im Laufe ihrer Geschichte war die Stadt mehrfach von Katastrophen betroffen: Ein Hochwasser der Obra überschwemmte 1795 das gesamte Stadtgebiet. Am 29. Juli 1830 brannte die Vorstadt vollständig ab und am 08.  Juli 1845 zerstörte ein Feuer große Teile des Marktplatzes und die angrenzenden Straßen bis zur Obrabrücke.

Die Herrschaft Bentschen verkaufte Graf Garczynski im Februar 1848 an den Grafen James von Pourtalis-  Gergier in Paris. Dieser erwarb B. mit der Absicht ,seine Pariser Sammlung hierher zu verlegen. Er starb jedoch bereits 1851 und sein Sohn Edmond gab das Vorhaben  seines Vaters auf und verkaufte 1855 seinerseits die Herrschaft Bentschen weiter an den Grafen Julius zur Lippe- Biesterfeld. 1898 erwarb Major von Klitzing Bentschen, der das Schloß abtragen ließ.

Der große Aufschwung der Stadt in der Neuzeit setzte mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Frankfurt/Oder nach Posen ein, die 1870 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Bentschen entwickelte sich zu einem wichtigen Eisen-bahnknotenpunkt im Osten des Deutschen Reiches.

Während des „Großpolnischen Aufstandes“ 1919 war die Stadt wegen ihres verkehrstechnisch wichtigen Bahnhofes heftig umkämpft. Bentschen wurde 1920 dem polnischen Staat zugesprochen.

Von November 1938 bis August 1939 befand sich in B. ein Lager für aus Deutschland vertriebene Juden.  1938 lebten in der Stadt 5400 Menschen, darunter 360 Deutsche und 52 Juden. Am 27.Oktober 1938 begann die Polizei in Deutschland, Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen auszu-weisen. Anlass hierfür war ein Erlass des polnischen Innenministeriums vom 06. Oktober 1938, mit dem polnische Staatsangehörige im Ausland aufgefordert wurden, ihre Pässe überprüfen und verlängern zu lassen. Alle bis zum 29. Oktober des Jahres nicht verlängerten Pässe sollten ihre Gültigkeit und die Besitzer der Pässe ihr Recht auf Rückkehr nach Polen  verlieren.

Die deutschen Behörden nutzten die Gelegenheit, Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus Deutsch-land zu vertreiben. Mit der Eisenbahn wurden die Ausgewiesenen an die polnische Grenze gebracht, in der Regel in die Umgebung von Bentschen oder  Beuthen. Nach deutschen Schätzungen wurden etwa 17.000 Menschen deportiert, genaue Zahlen liegen jedoch nicht vor. Mit Gewalt wurden sie zum Überqueren der Grenze gezwungen; die polnische Polizei hielt die aus ihrer Sicht illegal über die Grenze Geschobenen an und brachte sie nach Bentschen. Bis zum 31. Oktober 1938 hatte die Polizei in Bentschen 5799 Ankömmlinge registriert. An diesem Tag verboten die polnischen Zentral-behörden den Juden das Verlassen der Stadt- Sie hofften, die Konzentration einer großen Anzahl aus Deutschland ausgewiesener Juden nahe der Grenze würde Deutschland zu Verhandlungen über die Rückkehr der Ausgewiesenen zwingen.

Trotz rascher Hilfe herrschten im Lager katastrophale Verhältnisse, denn letztendlich mussten die infrastrukturellen Grundlagen (der Größenordnung einer Kleinstadt entsprechend) aufgebaut werden, ohne hierzu vorbereitet gewesen zu sein.

Unter den Ausgewiesenen in B. befand sich auch die Familie Grynszpan aus Hannover – ihr Sohn Herschel (1921-1942)  verübte auf den deutschen Botschaftssekretär Ernst von Rath (1909-1938) ein Attentat, das die Nationalsozialisten zum Vorwand für das Pogrom am 09. November 1938 ( sog. „Reichskristallnacht“) nahmen.

Nach kurzem Gefecht besetzten deutsche Truppen bereits am 01. September 1939 die Stadt.

  1. unterhält seit dem 16. Dezember 2004 partnerschaftliche Beziehungen zum Amt Brieskow- Finkenherd (Brandenburg).

 

Literatur :

  • Bentschen, eine deutsche Stadt. Auf Grund statistischen Materials bearbeitet im März 1911, Bentschen 1911
  • Jonas, Otto : Stadt und Schloss Bentschen, Bentschen 1909
  • Maurer, Trude : Abschiebung und Attentat. Die Ausweisung der polnischen Juden und der Vorwand für die „Kristallnacht“. In : Pehle, Walter H. (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938. Von der „Reichskristallnacht“ zum Völkermord. Frankfurt/Main 1988. S. 52 –73
  • Milton, Sybil : Menschen zwischen Grenzen. Die Polenausweisung 1938. In :Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte 1990. München/Zürich 1990 S. 184-208

 

 

Bentschener Seenkette

Die genau nordsüdlich gerichtete Bentschener Seenkette, die von der Bentschener Obra durchflossen wird, reicht vom Köbnitzer See im Süden bis zum Großen See bei Rybojadel im Norden. Die Bentschener Obra durchfließt von Süden nach Norden folgende Seen: den Köbnitzer, Groitziger, Bentschener, Naßletteler, Mühlensee bei Tirschtiegel und den Großen See bei Rybojadel. Neben diesen meist großen Seen- mit einer Fläche von 7,6 qkm ist der Bentschener See der größte Westposener und der viertgrößte See der ehemaligen Provinz Posen.- zählen zu der Seenkette der Mouzener am Südende des Bentschener Sees, Hinter – und Vordersee, beides Kleinseen südwestlich vom Naßletteler und am Großen See der Judensee im Südosten, sowie der Pfarr – und der Tiefe See im Nordosten. Die Bentschener Seenkette, die ihre topographische Form in der letzten Eiszeit entstanden ist,  ist keine subglazial angelegte Rinne, sondern ein offen abfließender Schmelzwasserstrom.

Der Köbnitzer See umfasst ein Areal von 247 ha.

Der Groitziger See ist mit einer Flächenausdehnung von 65 ha. erheblich kleiner als sein südlicher Nachbar. Von Süden her schiebt sich eine Halbinsel, auf der das Dorf Groß – Groitzig liegt, weit in den See vor. Der See nimmt von Südosten den Scharker Graben auf.

Der Bentschener See wird von seiner Fläche her nur vom Goplo – und vom Powidzer See übertroffen. Der Nordteil des Sees ist im Durchschnitt 2 km breit und fast 3 km lang, so dass der See die größte geschlossene Wasserfläche des Posener Landes aufzuweisen hat.

 

 

Bernsteinstrasse

Es gab außerhalb des Römischen Reichs einige wenige Handelswege, entlang welcher Bernstein seit der Vorzeit bis in die Alpenländer und nach Italien gelangte. Durch die Ausweitung des Imperium Romanum bis an die Donau wurde wahrscheinlich bereits unter Augustus und Tiberius zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine Handelsroute als Staatsstraße (Römerstraße) auf dem Gebiet des Römischen Reichs ausgebaut.

Die wintersichere Verbindung zwischen Carnutum an der Donau und Aquileia in Italien wird römische Bernsteinstraße genannt und ist dem römischen Straßennetz zugehörig. Der Verlauf dieser römischen Bernsteinstraße ist in der  Tabula Peutingeriana verzeichnet. Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) berichtet, dass Bernstein von der Ostseeküste nach Aquileia auf dieser Straße transportiert worden sei. Ihm verdankt sie ihren Namen.

 

In vielen märkischen Gebieten – z. B. in Talsand-flächen des Thorn -Eberswalder-Urstromtales – wurden im Zuge von Regulierungs- und Dammbauarbeiten Bernstein-Lagerstätten entdeckt. Archäologen vermuten in dieser Region des heutigen Polen ein Handelszentrum.

Nicht weit entfernt, im westlichen Thorn-Eberswalder-Urstromtal, fand man beim Bau des Finowkanals reiche Bernsteinlager; außerdem 1800 beim Mergelabbau eine Scholle Glaukonit-Sand mit Bernstein.

 

Die Bernsteinhändler der Antike wählten mit ihrer kostbaren Fracht immer die vermeintlich sicherste Route. Dieser Weg änderte sich wegen Überfällen und Völkerwanderungen mehrmals. Bei gleichwertigen Alternativen wählte man Flussläufe, an denen im Laufe der Zeit eine steigende Zahl Karawansereien sichere Übernachtungsmöglich-keiten bot.

Man unterscheidet vier Routen. Die drei Landrouten mit ihren Varianten orientieren sich an den großen Flussläufen:

 

Die Nordseeroute (von und über England)

Die östliche, älteste Landroute (Weichsel)

Die mitteldeutsche Landroute (Oder und Elbe)

Die westdeutsche Landroute (Rhein und Maas)

 

Literatur .

  • Graichen, Gisela/ Hesse, Alexander . Die Bernsteinstraße: verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil. Reinbek b. Hamburg 2013

 

Betsche  (poln.: Pszczew )

In prähistorischer Zeit bestanden verschiedene Siedlungen im Umkreis des heutigen Pszczew (Betsche). Archäologen konnten nachweisen, dass in dieser wasserreichen Landschaft bis zum 12. Jahrhundert Raseneisenerz  gewonnen wurde.

Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und stammt entweder von der Bezeichnung für „ Biene“ ab oder wurde von einem Wort, das „glänzend“ bzw. „schimmernd“ bedeutet, und sich wahrscheinlich auf schimmernde Seeflächen bezieht, abgeleitet.

Bei Betsche handelt es sich also um eine recht alte Stadt, deren Gründungsdatum nicht mehr genau ermittelt werden kann. Aus frühgeschichtlicher Zeit ist eine Befestigung  nachweisbar, die zur Sicherung einer alten Handelsstraße diente, die von dem Oderübergang bei Frankfurt über Meseritz (poln.: Międzyrzez) weiter über Neustadt b. Pinne (poln.: Lwónach Posen führte. (Als jedoch 1833 die Strecke von Küstrin über Schwerin a.d. W. und Pinne die Poststraße nach Posen wurde, verlor die alte Straße an Bedeutung.) Diese Ortschaft, 1256 erstmals urkundlich als „cappellanus de Pczew“ erwähnt, gehörte über Jahrhunderte als sog. „ Tafelgut „ den Bischöfen von Posen, die hier wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert eine Kirche gegründet haben. 1288 soll der Auftrag zur Stadtgründung gegeben worden sein, aber die entsprechenden Dokumente, die dies belegen konnten, sind verbrannt. Sitz eines Kirchenbezirkes mit 60 Pfarreien wurde Betsche 1289, deren Gebiet sich bis zur Oder erstreckte. Die Betscher Kirche zählt zu den ältesten in ganz Polen.

1412 wurde B. als Stadt bezeichnet.

Anfang des 15. Jahrhunderts bestätigte der Bischof erneut das Stadtrecht. 1654 entstand der so genannte „Bischofshof“ vor allem als Stätte der Erholung. Während des Dreißigjährigen Krieges war Betsche oft Schauplatz militärischer Auseinander-setzungen. Schwedische Truppen brandschatzten die Stadt 1631.

In den Jahren 1709 / 1710 entvölkerte eine Pestepidemie die Stadt  fast völlig. Während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) befand sich in Betsche das russische Hauptquartier.

Bei der Übernahme der Stadt durch Preußen 1793 zählte sie nur noch 552 Einwohner. Ab 1795 befand sich B. im Besitz des Fürsten von Hohenlohe – Ingelfingen, der sie aber kurz darauf an den Baron von Hiller – Gärtringen veräußerte. 1834 wurde B. vom Patronat des Grundherrn befreit.

Begünstigt durch die nahen Staats – bzw. Provinzgrenzen und wegen des unübersichtlichen Geländes haben vor allem im 19. Jahrhundert Verbrecherbanden in Stadt und Umgebung ihr Unwesen getrieben bzw. von hier aus  ihre Streifzüge geplant.

Nach 1919 verlief nahe der Stadtgrenze von Betsche die deutsch – polnische Staatsgrenze. Zunächst der Grenzmark Posen – Westpreußen nach dem 1. Weltkrieg administrativ zugeordnet, gehörte  Betsche von 1938 bis 1945 zur Provinz Brandenburg.

1923 war die Stadt Gründungsort des Gewerkschaftsbundes „ Polen in Deutschland“.

Die Anordnung, Deutsche haben die Stadt zu verlassen, wurde am 29. Januar 1945 erteilt und einen Tag später eroberte die Rote Armee die Stadt. Am o1. Juli 1945 wurden die ersten Deutschen ausgewiesen. 1946 verlor Betsche seine Stadtrechte.

Betsche hatte Anfang des 20. Jahrhunderts knapp 1900 Einwohner. Bis heute ist diese Zahl ungefähr gleichgeblieben, was darauf zurückzuführen ist, das sich keine Industrie ansiedelte. Die Gemeinde  ist heute inmitten eines Landschaftsschutzparks gelegen, dass ein touristisch bedeutsames Erholungsgebiet ist.

 

Lit.:

  • Lesny, F.: Spacerkiem po Pszczewie. Pszczew 2002
  • Piotrowski, Robert: Spotkania z historia Pszczew. Pszczew 2011

 

Betscher Seenkette

Die Betscher Seenkette bildet die unmittelbare Fortsetzung der  Bentschener  Seenkette. Folgende Seen zählen zu dieser Kette: der Wendromierz -, Betscher, Dreifrei -, Chlop- und Betscher Stadtsee, der Scharziger, Jeziorko, Weißer, Staluner, Schwarzer, Liebucher und Rokittener See. Hydrographisch hat diese Kette früher eine Einheit gebildet; nur noch der Südteil entwässert noch zur Obra; der Scharziger See dagegen nach Norden zu den Liebucher Seen und diese entwässern nach Norden zur Warthe.

Die Seen der Betscher Gruppe weisen erhebliche Tiefen auf: der Stadtsee  bei Betsche ist fast 19 m; der Liebucher See 34 m tief.

Der Wendromierzsee schließt sich unmittelbar an den Rybojadeler See an; er hat eine Größe von 73 ha. und ist bis zu 13 m tief.

Der Chlopsee hat bei einer Fläche von 225 ha  eine Länge von mehr als 4 km. Früher war er noch um 3 km länger, da er den moorigen Grund westlich der Stadt Betsche bis in die Nähe des Scharziger Sees ausfüllte. Die Durchschnittstiefe dieses Sees ist mit 9 m angegeben.

Der Betscher Stadtsee mit einem Areal von 67 ha erstreckt sich in einer Senke, die von der moorigen Fortsetzung des Chlopsees durch eine flache Bodenschwelle getrennt ist, auf der die Stadt Betsche liegt. Die größte Tiefe des Betscher Stadtsees beträgt 18  m.

Der Scharziger See stellt eine Verbreiterung der ziemlich schmalen Betscher Seenrinne dar. Mit einer Breite und Länge von 1, 5  km bildet dieser See ein fast rundliches Becken mit einer Flächenausdehnung von 179 ha.

In einer Nebenrinne liegt im Nordosten des Scharziger Sees ein nur 12 ha großes Seebecken, das den Namen Jeziorko (= Kleiner See) trägt.

Der Weiße See und seine unmittelbare Fortsetzung, der Schwarze See, waren ein Teil des Liebucher Sees. Erst eine Seespiegelsenkung und eine Verlandung großer Teile des Schwarzen Sees haben die heutige Trennung in drei Seen bewirkt, wozu noch der Staluner See gehört, der in einer Parallelsenke des Weißen und des Schwarzen Sees liegt.

Der Weiße See hat eine Fläche von  56, der Schwarze von 24 und der Staluner von 23 ha.

Der Liebucher See ist mit seinem Areal von 340 ha Größe im Westposener Bereich der zweitgrößte See und wird von der Flächenausdehnung nur vom Bentschener See übertroffen. Mit 34 m größter und über 11m mittlerer Tiefe gehört er zu den tiefsten Seen des gesamten Posener Landes.

In der direkten Fortsetzung des Liebucher Sees nach Westen erstreckt sich die Rinne des Rokittener Sees. Der See ist 71 ha groß.

 

 

Bibliotheken ; öffentliches Büchereiwesen

Die Grundlagen für ein deutsches Bibliothekswesen in Polen wurden bereits vor 1919 gelegt. Während der polnischen Zeit nach 1919 war  das deutsche Büchereiwesen auf Vereinsbasis organisiert; die finanziellen Zuwendungen kamen aus dem Deutschen Reich. Die Hauptamtlichen wurden im Reich ausgebildet, so dass es möglich war, das deutsche Büchereiwesen in Polen dem reichsdeutschen anzugliedern.

Der in Polen zu diesem Zweck gegründete „Verband deutscher Büchereien“ war für Posen und Pommerellen, Kongreßpolen und später auch für Wolhynien zuständig; der Kattowitzer „Verband deutscher Volksbüchereien in Polen“ für Oberschlesien, Teschen- Bielitz, Galizien und Wolhynien, bis er dieser die Zustaändigkeit  an die Posener Zentrale abtrat. Beide entwickelten sich zu Zentralstellen des deutschen Volksbüchereiwesens in Polen, betreuten aber auch wissenschaftliche Bibliotheken und waren dem Leihverkehr der reichsdeutschen Bibliotheken angeschlossen.

Um die Versorgung der Angehörigen der deutschen Minderheit mit deutscher Literatur auch in der Fläche sicher zu stellen, wurden sog. „Wanderbüchereien“ zusammengestellt.

Der Posener Verband übernahm nur Reste des ehemaligen preußischen Büchereiwesens der Provinzen Posen und Westpreußen. Die frühere Provinzialbücherei und die Kreiswanderbüchereien waren ebenso wie die Bestände der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in polnischen Besitz übergegangen. Was in örtlichen Volksbüchereien und sonstigen deutschen Vereinsbüchereien noch vorhanden war, wurde zu deutschen Volksbüchereien neu zusammengestellt.

Nach der Bildung des Warthegaus im Jahre 1939 wurde in der Schulabteilung des Reichsstatthalters in Posen ein Dezernat für das Volksbüchereiwesen gebildet, dem die Leitung des Aufbaues oblag, und in jedem der drei Regierungsbezirke eine Büchereistelle mit Sitz in Posen, Hohensalza und Litzmannstadt schuf. Die bislang das deutsche Büchereiwesen tragenden Vereine wurden aufgelöst, ihre Bücher den Gemeinden übergeben und für den Neuaufbau verwendet.

Bei der Planung des neuen Bibliothekswesens ging man von einem System von Stützpunktbüchereien aus. Als erste sollten alle Kreisstädte mit einer gut ausgebauten Bücherei versehen werden, dann die kleinen Städte als natürliche ländliche Mittelpunkte und schließlich jene Dörfer, die Sitz des Amtskommissars waren.

Im Regierungsbezirk Hohensalza wurden bis zum o1.Oktober 1941 38 Volksbüchereien, 340 Schüler-büchereien, eine Oberschulbücherei und drei Krankenhausbüchereien errichtet. Im Regierungs-bezirk Posen sollten bis Herbst 1941 110 Volksbüchereien und 350 Schülerbüchereien eingerichtet werden.

 

Das deutsche Büchereiwesen hatte zwei wichtige politische Aufgaben zu erfüllen.

  1. Festigung des deutschen Volkstums
  2. Integration der unterschiedlichen deutschen Volksgruppen

 

Das wissenschaftliche Bibliothekswesen des Gaues wurde durch die Posener Staats-und Universitäts-bibliothek repräsentiert. Sie ging auf die 1902 gegründete Kaiser-Wilhelm-Bibliothek zurück. Während der polnischen Zeit war sie Universitäts-bibliothek geworden mit Pflicht-exemplarrecht für ganz Polen. Durch eine Verfügung des Chefs der Zivilverwaltung wurde bereits am 07.Oktober 1939 ein deutscher Fachmann als kommissarischer Verwalter eingesetzt.

Zu den unmittelbaren Aufgaben der Bibliothek zählte die Angleichung an deutsche Verwaltungsformen, Schließung der Lücken im deutschen Schrifttum, Zusammenstellung mehrerer Handbüchereien mit aktuell benötigtem Schrifttum (insb. national-sozialistische Literatur, Literatur für Wartheland-forschung, Familienforschung, baltisches Schrifttum). Die Aussonderung unerwünschten Schrifttums sollte allmählich durchgeführt werden.

Durch Verordnung des Reichsstatthalters wurde zur Sicherung des gesamten polnischen Buchbesitzes im Warthegau eine Sammelstelle errichtet. Aus den gesammelten Buchbeständen (1943 waren es etwa zwei Millionen Bände) vervollständigte die Bibliothek ihre Bestände.

Die Bibliothek wurde gemeinsam mit der Reichsuniversität im April 1941 eröffnet. Noch vor der Eröffnung wurde sie dem Deutschen Leihverkehr und dem Dubletten-und akademischen Schriften-tausch angeschlossen. Im April 1942 wurde der Bibliothek durch Anordnung des Reichsstatthalters rückwirkend vom 01.September 1939 eines der beiden Pflichtexemplare von Druckschriften des Warthegaues zugesprochen (das zweite Exemplar ging an die Deutsche Bücherei in Leipzig).

Ihre Weiterentwicklung wurde so angelegt, dass sie die Funktion sowohl einer Universitätsbibliothek als auch einer Zentralbibliothek allgemeiner Art für das Wartheland wahrnehmen konnte.

 

Lit.:

  • Gębolyś, Zdisław: Biblioteki mniejszości niemieckiej w II Rzeczypospolitej. Katowice 2012

 

 

Bidegast – Vereinigung

Wurde 1959 als Traditionsgemeinschaft  vertriebener deutscher Bromberger gegründet. Sie wählte ihren Namen nach der altgermanischen Bezeichnung für die Burg und den Handelsplatz an der Brahe, auf dem 1346 die Stadt Bromberg gegründet wurde.

Im Rahmen des Bromberger Bundestreffens am 05. / 06. September 1959 fand die erste Sitzung des neugeschaffenen Beirates der Heimatkreise Bromberg – Stadt und Bromberg – Land statt. Einstimmig beschloss dieser Beirat, der Wahl-versammlung der Heimatkreise den Vorschlag zur Gründung einer Vereinigung zu unterbreiten, die die beiden Heimatkreise in ideeller und materieller Hinsicht unterstützen sollte. Mit den Erträgen dieser zu gründenden Vereinigung sollten neben den organisatorischen Aufgaben der beiden Bromberger Heimatkreise in erster Linie die Schaffung eines Bromberger Heimatmuseums gefördert werden.

Um die Zusammenarbeit mit den beiden Bromberger Heimatkreisen so eng wie möglich zu gestalten, sollen die Heimatkreisvertreter im Vorstand der Bidegast-Vereinigung vertreten sein.

Die „ Bidegast – Vereinigung“  setzt sich schwerpunktmäßig folgende Ziele:

* Pflege der Heimatkunde und Geschichte der Stadt und des Landkreises Bromberg

* Erforschung der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung Brombergs

Mit Hilfe der Stadt Wilhelmshaven konnte 1962 eine erste Heimatstube eröffnet werden, die als „Bromberger Sammlung“  seit 1972 im Küsten-museum der Stadt untergebracht ist.  Darüber hinaus gibt sie die vierteljährlich erscheinende  Zeitschrift “ Bromberg „, die vierteljährlich erscheint, heraus. Mit der Ausgabe der Folge April 2012 wurde das Erscheinen dieses Periodikums eingestellt.

 

Lit.:

*Samel, Wilfried: Bidegast-Vereinigung. In : 50 Jahre Landsmannschaft Westpreußen. Geschichte-Heimatkunde-Organisation. Hrsg. von Hans Jürgen Schuch. Münster 1999 S.107-108

 

 

Bifurkation 

Eine einzigartige hydrographische Erscheinung im Stadtgebiet von Wongrowitz (poln.Wągrowiec), die zu den seltensten Naturerscheinungen  auf dieser Erde zählt.

Es handelt sich um eine Kreuzung zweier separater hydrographischer Systeme, gebildet durch die Flüsse Welna und Nielba. Die Welna besitzt eine größere Fließgeschwindigkeit sowie eine größere Wasser-menge und nimmt bei der Kreuzung mit der Nielba einen Teil des Wassers mit, etwa 0,14 m³ /s. Im Ergebnis dieses Wirbels in der Mitte der Kreuzung fließt sie weiter in ihrem Bett; ähnlich wie auch die Nielba. Vor der Kreuzung beträgt der Durchfluß der Welna 3,44m³ /s und der der Nielba 1,03m³/s (mittlerer Jahresdurchfluß ) und nach der Kreuz-ungsstelle 3,58 m³/s und 0,89m³/s.  Die Nielba fließt noch etwa 2,5 Kilometer im eigenen Bett weiter, um dann in die Welna zu münden.

Entstanden ist diese hydrographische Erscheinung wahrscheinlich aufgrund der Begradigung der Welna zwecks Landgewinnung in den Jahren zwischen 1884 und 1887.

 

 

Birnbaum    ( poln.: Międzychód ) Kreis Birnbaum

Die Gründungsgeschichte der Stadt ist unbekannt. 1378 erstmals urkundlich erwähnt, wurde diese nach deutschem Recht gegründete Ortschaft bereits 1400 als Stadt bezeichnet. Auch aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt ist wenig bekannt.  Hat eine der ältesten evangelischen Kirchengemeinden im Posener Land aufzuweisen. 1597 kaufte Christoph von Unruh die Stadt von dem inzwischen wieder katholisch gewordenen Grafen Ostrorog ab. Der neue Grundherr veranlasste eine neue deutsche Einwanderung, die insbesondere Menschen ansprach, die vor dem Hintergrund  des Elends des in Deutschland wütenden 30jährigen Krieges hier ihre Zuflucht suchten. Das Gewerbe und Handwerk der Stadt blühte aufgrund der Zuwanderung auf. Die 1627 ausgebrochene Pest entvölkerte die Stadt nahezu.

Ein Stadtbrand Pfingsten 1635 vernichtete nahezu alle Akten, Dokumente und Urkunden der Stadt.

Christop von Unruh tolerierte das seelsorgerische Wirken der Reformation. Am 30. September 1677 fand in B. eine allgemeine Zusammenkunft der Unität lutherischer Patrone und Pastoren statt.

1712 besetzten russische Truppen im Kampf gegen die Schweden die Stadt, die durch einen Großbrand fast gänzlich zerstört wurde.

Daniel Jaenisch (1729-1786), Begründer der polnischen Bücherkunde, wurde  in der Stadt geboren.

Nach der 2. Teilung Polens wurde die Stadt preußisch. Minister von Struensee kaufte 1796 die Stadt für 295.000 Taler.  Russland hatte aber die Grenzen seines Teilungsgebietes durch eine rigorose Zollgesetzgebung gegenüber dem preußischen Teil Polens wirtschaftlich nahezu abgeriegelt und damit der Tuchindustrie ihr wichtigstes Absatzgebiet verschlossen. Birnbaums Tuchmacher wanderten größtenteils in das russische Teilungsgebiet Polens ab. Von 1806 bis 1815 gehörte B. zum Herzogtum Warschau. 1881 weist die Stadt 3207 Einwohner auf (davon waren  2028 evangelischen Glaubens und 568 Juden).

Das Jahr 1868 brachte der Stadt zwei Katastrophen- im August zerstörte ein Brand den größeren Teil der Neustadt und im Winter trat die Warthe über die Ufer und überschwemmte die Stadt.

 

Lit. :

  • Birnbaum / Warthe. Hrsg. von Margarete Becker ( u.a. ) ; Heft 1 – 5, Friedberg 1967 – 1977
  • Kenez, Csaba János ( Hg. ) : Das Bürgerbuch von Birnbaum 1668-1853. Marburg 1982
  • Lorenz, Torsten : Von Birnbaum nach Międziechód. Bürgergesellschaft und Nationalitätenkampf in Großpolen bis zum Zweiten Weltkrieg. Berlin 2005 ( = Frankfurter Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas, 10 )
  • Osięgłowski, J. : Międzychód. Dzieje-gospodasta- kultura. Warszawa 1981
  • Radtke, M. : Festschrift zum 300jährigen Kirchenjubiläum der evangelischen Gemeinde Birnbaum 1600 – 1900, Birnbaum 1900
  • Reinhold, W. : Chronik der Stadt Birnbaum und des Kreises Birnbaum oder : Geschichte der Städte Birnbaum, Schwerin, Zirke, Kähme, Blesen, Birnbaum 1843
  • Szczepanska- Hartke, K.: Miedzychodzanie i ich miasto/ Birnbaumer und ihre Stadt. Miedzychod 2008

 

Birnbaum – Zirker Seengruppe

Die Anzahl der Seen dieser Gruppe wird von keiner der anderen Posener Seengruppe übertroffen.

Das Gebiet, über das sich diese Seengruppe erstreckt, reicht vom Westen ab Birnbaum bis in die Gegend von Scharfenort (poln.: Ostroróg) und Pinne (poln.: Pniewy) im Osten.

Dieser Seengruppe werden der Küchensee, der Belsch – und Schulzensee, der Chrzypskoer See, der Bielskoer, der Kulmer, Jaroschewoer, Schrimmer, Bialtscher und Luttomer See zugerechnet. Weiterhin gehören zu dieser Gruppe der Große See bei Mylin und der Gorzyner See.

Der Chrzypskoer See ist mit seinen 323 ha der größte See der Birnbaum – Zirker Seengruppe

 

 

 

Biskupin

Biskupin gehört zu einer Region, die „Pałucki“ genannt wird, die sich im nördlichen Teil von Großpolen  ausbreitet und im Osten an Kujawien grenzt. Auf einer Halbinsel des Biskupiner Sees wurden nach der Regulierung der Gonsawka  1933 die Reste einer Wehrsiedelung der Lausitzer Kultur entdeckt., die 1934 durch die Professoren Dr. Jozef Kostrzewski und Dr. Zdzislaw Rajewski von der Posener Universität systematisch archäologisch untersucht wurden, die zu den interessantesten prähistorischen Siedlungen Polens zählt.

 

Die Halbinsel Biskupin war ursprünglich eine vollständig vom Wasser umgebene Inselsiedlung, etwa zweihundert Meter breit und hundertvierzig bis hundertsechzig Meter lang. Ein breiter Ring aus rund vierzigtausend Pfählen umgab diese Insel. Er sollte sie gegen Unterspülung schützen, aber auch Angriffe erschweren. Die Siedlung selbst war von einer Rundstraße umgeben. Bei einer Gesamtinselfläche von etwa 20.000 Quadratmetern nahmen die Wehranlagen an die 7000 Quadratmeter ein, so dass nur noch für dreizehn Häuserreihen Platz blieb. In etwa hundert Holzhäusern lebten ca. zwölf – bis fünfzehnhundert Menschen.

 

Diese Wehrsiedelung aus der frühen Eisenzeit wurde nach dem im Erdreich erhalten gebliebenen Funden rekonstruiert und  wird heute als Museum betrieben.

 

Lit. :

  • Rajewska, Z. : Biskupin- a fortified settlement dating from 500 b.C. Poznan 1980
  • Gediga, Boguslaw: Biskupin –Rezeptionsgeschichte und Öffentlichkeitsarbeit. Burgwallforschung im akademischen und öffentlichen Diskurs des 20. Jahrhunderts. In : Frühgeschichte der Universität Leipzig. Hrsg. von Sabine Rieckhoff u.a. Leipzig 2009 S.155-163

 

 

Bismarckkopf

Diese bei Exin gelegene Erhebung zählt mit 162 m Höhe mit zu den höchsten in der ehemaligen Provinz Posen

 

 

Blesen (poln.: Bledzew)

Die Geschichte der Stadt Blesen ist eng mit dem Wirken des Zisterzienserordens verbunden. Von 1308 bis 1320 gehörte das Gebiet von Blesen nachweislich zur Mark Brandenburg. 1312 schenkte Markgraf Waldemar von Brandenburg (um 1280- 1319) den slawischen Ort Blesowe dem Kloster Semmritz mit der Auflage, hier eine städtische Siedlung anzulegen.

Die seinerzeit von dem großpolnischen Herzog Wladislaus Odonicz (reg. 1231-1239), Neffe Mieskos III ( + 1202) ,  aus dem Kloster Dobrilugk in der Lausitz nach Großpolen gerufenen Zisterzienser hatten ursprünglich in der sumpfigen Region des späteren Althöfchens (Stary Dworek) eine klösterliche  Niederlassung gegründet, die sie jedoch wegen der ungeeigneten Lage wieder aufgaben und nach Semmritz weiterzogen. Den Landsitz dort hatten sie unter der Bedingung erhalten, hier ein Kloster zu errichten. 1286 konnte dieses Kloster seiner Bestimmung übergeben werden. Wasser-mangel in Semmritz bewegte den Konvent, einen neuen Standort für das Kloster zu suchen

1412 wurde der Sitz des Klosters nach Blesen verlegt; der gesamte Konvent fand sich jedoch erst 1578 dort ein.  Zwischen 1458 und 1468 verlieh der polnische König dem Ort auf Bitte des Abtes Magdeburger Stadtrecht.  Am Ende des Mittelalters umfasste der Klosterbesitz 38 % der Grundfläche des späteren Kreises Schwerin / Warthe (poln.: Skwierzyna).  Blesen war Mediatstadt, die ihre Rechte 1485 von der klösterlichen Verwaltung erhielt .B. war somit die letzte Stadt Großpolens, die einer klerikalen Initiative ihren Ursprung verdankt. 1691 bestätigte diese Rechte der polnische König Stanislaus August erneut.  Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden nur Deutsche als Mönche in das Kloster aufgenommen. Erst 1511 bestimmte der polnische Reichstag, dass auch Polen in das Kloster aufgenommen werden mussten und 1537 setzte er fest, dass nur polnische Adlige zum Abt des Klosters Blesen ernannt werden konnten. 1592,1632 und 1661 zerstörten gewaltige Feuer die kleine Stadt nahezu vollständig.

1793 säkularisierten die preußischen Behörden das Kloster und hoben es 1835 gänzlich auf. Das Klostergebäude wurde -einschließlich der Kirche-1842 für 5000 Taler mit der Bedingung versteigert, sämtliche aufstehenden Gebäude abzureißen, so dass ab 1907 fast keine baulichen Reste mehr vorfindbar waren.

Blesen war ein bedeutender Mittelpunkt des Viehhandels mit Großeinkauf in Russland. 1822 wurden die Grenzen des russischen Reiches durch hohe Zölle abgeriegelt und der Viehhandel verlor an Bedeutung.

Seit 1922 der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet, wurde Blesen 1938 der Provinz Brandenburg unterstellt.

Am 21. Januar 1945 rückten russische Truppen in Blesen ein.

Nach dem 2.Weltkrieg kam B. zu Polen und verlor am 30. August 1945 die Stadtrechte. Zwischen 1945 und 1947 wurde nahezu die gesamte fast ausschließlich deutsche Bevölkerung vertrieben.

Städtepartnerschaft : Podelzig

 

Lit. :

  • Haertel, Leo : Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Blesen, Bledzew 1928

 

 

Block der Nationalen Minderheiten (poln.: Blok Mniejszośi Narodowych)

Der Verfassungsgebende Sejm hatte mit der Verabschiedung einer polnischen Verfasssung am 17.März 1921 eine seiner Hauptaufgaben erfüllt. Doch tagte und beriet er weiter, da die nationalistisch eingestellte Mehrheit die These vertrat, dass er seine Arbeit verlängern müsse, um möglichst viele Gesetze unter Mitwirkung der Vertreter der nationalen Minderheiten Polens zu verabschieden .

Die am 28. Juli 1922 verabschiedete Wahlordnung für das polnische Parlament benachteiligte alle Minderheiten Polens und  de facto die Wahl von Angehörigen nationaler Minderheiten in den Sejm verhindert. Die Verfasser des Entwurfs dieser Wahlordnung nutzten die Ergebnisse der 1921 durchgeführten Volkszählung und teilten Polen de facto in zwei Wahlgebiete ein:

  1. das ethnisch überwiegend polnische
  2. das national gemischte mit einer überwiegend nichtpolnischen Bevölkerung

 

In  den erstgenannten Gebieten wurden kleine Wahlkreise mit 4-5, höchstens 7-10 Mandaten gebildet. So verloren die nationalen Minderheiten die Chance, Mandate zu gewinnen. Entgegengesetzt ging man in den östlichen Grenzgebieten vor. Um einer zahlenmäßig geringen polnischen Bevölkerung Chancen auf eine parlamentarisch-politische Vertretung zu eröffnen, schuf man große Wahlkreise mit vielen Mandaten.

Ein weiterer, die partizipativen Möglichkeiten der Minderheit einschränkender, Punkt war die sog. „Staatsliste“. Von 444 Abgeordneten im Sejm sollten nur 372 in Wahlkreisen gewählt werden, während 72 Mandate eben über diese Staatsliste  vergeben wurden.

Deshalb schlossen sich die Parteien und politischen Gruppierungen der nationalen Minderheiten zu einer Listenverbindung zusammen. Nach langen Verhandlungen kam es am 17. August 1922 zu einer Sitzung der Minderheitenführer, an der Vertreter der Juden, Ukrainer, Deutschen, Weißrussen, Weißruthenen und Russen teilnahmen und die den „Block Nationaler Minderheiten“ gründeten.

Diese Gründung geschah vor der letzten Sitzungsperiode des „Verfassungsgebenden Sejms“ am 26. September 1922.

Die Wahlen zum Zweiten Sejm und dem Senat fanden am 95. November 1922 statt. Die Wahlbeteiligung betrug 68 %. Beeindruckend war der Erfolg des Blockes: auf ihn entfielen bei der am 05. Nov. 1922 durchgeführten Sejmwahl insgesamt 16 % aller abgegebenen Stimmen und er wurde damit zur zweitstärksten politischen Kraft. Die jüdische Minderheit entsandte 35 Abgeordnete in den Sejm, auf die ukrainische entfielen 20 Mandate, die deutsche erhielt 17 Sitze und die weißruthenische war mit 11 Abgeordneten im Sejm vertreten. Auf die russische Minderheit entfiel ein Parlamentssitz. Im Senat waren die nationalen Minderheiten mit insgesamt 27 Mandaten vertreten.

Als Antwort auf die politischen Erfolge des „Blocks“ verstärkte sich die Kampagne der polnischen Rechte gegen dieses Wahlbündnis. Sie begann, die Theorie von der „polnischen Mehrheit“ zu entwickeln und offensiv zu vertreten. Nach dieser Theorie müsste sich die parlamentarische Vertretung der nationalen Minderheiten auf die Verteidigung ihrer Rechte beschränken. Dagegen sollten gesamtgesell-schaftliche Fragen mit der Mehrheit der polnischen Stimmen unter Ausschluss der Vertreter der nationalen Minderheiten entschieden werden. Die Umsetzung dieser Theorie im politischen Alltag der Innenpolitik Polens hätte der Rechten die Mehrheit gesichert. Eine Mehrheit  bestehend aus einem Bündnis der Linken, der linken Mitte und der nationalen Minderheiten kam nicht zustande, da die PPS dieses Bündnis politisch nicht mittragen wollte.

Die Ermordung des polnischen Präsidenten Gabriel Narutowicz (1865-1922) am 16. November 1922, die nationalistische, fremdenfeindliche und anti-semitische Ausschreitungen auslöste, verhinderte eine grundlegende Lösung des polnischen Minderheitenproblems. Da der Block ein politisch sehr heterogenes Gebilde war,  hörte dieses Wahlbündnis angesichts der sich verschärfenden innenpolitischen Situation gegenüber den Minderheiten binnen kurzem auf, eine politisch gestaltende Kraft zu sein.

 

Lit. :

  • Korzec, Paul: Der Block der Nationalen Minderheiten im Parlamentarismus Polens des Jahres 1922. In : Zeitschrift für Ostforschung 24 (1975) S. 193-220
  • Rudnicki, Szymon: Politycy zydowscy wobec idei Bloku Mniejszosci Narodowych w 1922 roku. W: Problemy narodowosciowe Europy Srodkowo-Wschodniej w XIX i XX wieku. Poznan 2004 321- 332

 

 

 

 

 

Bnin (poln. : Bnin)

Ein Landstädtchen,  zwischen dem Kurniker und dem langgestreckten Bniner See gelegen.  1245 erstmals urkundlich erwähnt, war Bnin im 13. Jahrhundert eine Feste der polnischen Fürsten und Starostensitz. Der schlesische und Krakauer Herzog Heinrich der Bärtige (1201-1238) schlug Wladislaw Odos Sohn  1233 militärisch. Bevor er aber  Bnin aufgab, zerstörte er Stadt und Burg. Heinrich der Bärtige ließ die Stadt wieder aufbauen und befestigen, doch die Stadt eroberten polnische Herzöge zurück.

Bei der Teilung von 1249 zwischen Przemyslaw und Boleslaw fiel der Ort Letztgenanntem zu. 1395 Stadtrecht.

Als Bnin preußisch wurde, hatte die Stadt eine Einwohnerzahl von 954 und befand sich im Besitz des Grafen Szoldrski. Am 04. August 1862 zerstörte ein Sturm innerhalb einer Viertelstunde 40 Wohnhäuser und 3 Mühlen.

Heute der Stadt ►Kornik eingemeindet.

 

Lit. :

  • Wilhelm, Gerhard : Bnin. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 15 (1969) S.116/117

 

 

Blütenau ( poln.: Kwieciszewo)

(Kreis Mogilno)

 

Bojanowo (poln. : Bojanowo )

Evangelische  Schlesier, die während des 3ojährigen Krieges ihre Heimat verlassen mussten,  legten  1638  die Siedlung planmäßig an.  Das Land zur Ansiedlung war ihnen von dem polnischen Starosten und Erbtruchseß der Krone Polens, Stephan von Bojanowski, zur Nutzung überlassen worden. Diese adlige Familie wanderte um 1390 aus Schlesien nach Polen aus und erwarb hier das Gut Stary Bojanow (Alt – Boyen, Kreis Kosten). Von dem Grundbesitz leitete die adlige Familie ihren Geschlechternamen ab. Sie erwarb in der Posener Region weitere Güter, u.a. auch um das Jahr 1500 Bärsdorf (Golaszyn) bei Rawitsch. In dessen Nähe wies Stephan von Bojanowski den schlesischen Flüchtlingen einen exakt vermessenen Siedlungs-platz zu.

Der polnische König Wladislav IV (1632 – 1648) verlieh der neugegründeten Siedlung bereits am 16. April 1638 städtische Privilegien. Die Familie B. hatte in der lutherischen Kirche eine führende Stellung inne und war einige der wenigen polnischen Adelsfamilien, die am lutherischen Glauben bis zu den Teilungen Polens treu blieb. Dank der Unterstützung dieser Familie wurde in der Stadt 1670 ein lutherisches Gymnasium gegründet, das bis zum Nordischen Krieg bedeutend war.

Bald zeigte sich, dass das Terrain, das für den Bau der Stadt bestimmt war, zu knapp ausfiel und deshalb wurde neben B. eine neue Stadt angelegt, die den Namen Boguslawowo erhielt. 1791 kam es zu einer Zusammenlegung der Städte Bojanowo und Boguslawowo.

Zum bedeutendsten Gewerbe der Stadt entwickelte sich die Tuchmacherei, die durch die Qualität ihrer Produkte rasch zur wirtschaftlichen Prosperität der Stadt beitrug. Mit der russischen Grenzsperre ab 1820 verlor der Tuchhandel abrupt an Bedeutung und die bisher als wohlhabend zu bezeichnende Stadt verarmte zusehends.

Viele der im Jahre 1815 mit 279 ermittelten selb-ständigen Tuchmacher wanderten in den russisch besetzten Teil Polens (und hier vor allem nach Lodz) aus  oder verdienten ihren Lebensunterhalt als Saisonarbeiter in Schlesien.

 

Am 12. August 1857 vernichtete ein  Feuer 450 Häuser der Stadt, darunter auch das Rathaus und die über zweihundert Jahre alte Holzkirche. 19 Einwohner Bojanowos fanden dabei den Tod. Lediglich 40 Häuser blieben von der Katastrophe verschont und ca. 2000 Menschen waren obdachlos.Mit staatlicher Unterstützung und dank privater Zuwendungen konnte die Stadt wieder aufgebaut werden.

Eine Darstellung der Geschichte B. begegnet erheblichen Schwierigkeiten durch den Mangel an Quellen, da das umfangreiche städtische Archiv diesem Stadtbrand zum Opfer fiel.

 

Nach Ende des 1. Weltkrieges wurde die Stadt im Januar 1920 wieder polnisch. Die Grenze zu Deutschland verlief in etwa zwei Kilometern Entfernung.

Am 05. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt.

Am 20. Januar 1945 flüchteten die Deutschen aus der Stadt vor der Roten Armee, die am 23. Januar einrückte.

 

Lit. :

  • Laubert, Manfred : Der Verfall Bojanowos im 19. Jahrhundert. Die Tragödie einer deutschen Stadt in der Ostmark. In : Deutsche Blätter in Polen, Jg. 2. 1925, S. 72 – 80
  • Böhm, Tadeusz / Drodźdźnski, Marian : Dzieje Bojanowo, Poznań 1987
  • Jędràś, Stanislaw: Miasto i gmina Bojanowo. Leszno 2005

 

Böhmische Brüder

Anhänger einer vorreformatorischen religiösen Reformbewegung, In der 2. Hälfte des 15 Jahr-hunderts aus den Utraquisten, einer gemäßigten Gruppe der Hussiten, hervorgegangen und 1467 unter dem lateinischen Namen „Unitas Fratrum“ (Brüderunität) zusammengeschlossen. Die Böhmischen Brüder strebten eine Erneuerung des Lebens aus dem Geist der Bergpredigt an und verwarfen Eid, Kriegsdienst, die Übernahme von Staatsämtern und privates Eigentum. Ferdinand I (1503-1564), König von Böhmen, verfügte 1547 die Ausweisung der Böhmischen Brüder innerhalb von 42 Tagen. Graf Raphael von Lissa erlaubte den Zuzug von 500 Glaubensflüchtlingen, die am 24. Juni 1548 Lissa erreichen.

Der Bischof von Posen sah durch den Zuzug der Böhmischen Brüder seine geistliche Macht bedroht und erwirkte bei dem polnischen König Sigismund II August (1548-1572) am 04. August 1548 den Befehl, dass die Glaubensflüchtlinge Großpolen zu verlassen hätten.

Thorn im königlichen Preußen nahm die Vertriebenen auf. Trotz dieser rigiden Maßnahme nahmen der Einfluss und die Bedeutung der Böhmischen Brüder auf das religiöse Leben in Großpolen zu. Vom königlichen Preußen aus entsandten sie häufig ihre Geistlichen nach Böhmen, Mähren und Großpolen, um ihre Glaubensanhänger zu betreuen und um neue Anhänger zu gewinnen.

1551 nahmen verschiedene Adlige in Großpolen das Bekenntnis der Böhmischen Brüder an. Jacob Ostrorog übergab 1553 mehrere katholische Kirchen den Böhmischen Brüdern, nachdem er zu dem neuen Glauben konvertiert war. Trotz des Zuspruchs und der Unterstützung aus adligen Kreisen konnte der „neue“ Glaube in königlichen Städten nur im Geheimen praktiziert werden.

 

1555 errichten die Böhmischen Brüder in Lissa ihre erste Schule. 1557 wurden in den Woiwodschaften Posen, Kalisch und Sieradz bereits mehr als 30 Kirchen dieser Glaubensgemeinschaft gezählt.

Eine erste Unterredung über eine engere Zusammenarbeit der Kirchen des helvetischen Bekenntnisses und der Böhmischen Brüder  als Allianz gegen Maßnahmen der katholischen Kirche fand am 24. Mai 1555 statt. Im selben Jahr erwirkte der Posener Bischof eine königliche Verfügung, wonach alle dissidentischen Kirchen in Großpolen verboten wurden. Während in den königlichen Städten dieser Befehl ausgeführt wurde, leisteten etliche großpolnische Adlige dagegen Widerstand.

An der Synode von Sandomierz (1570) nahmen Vertreter der helvetischen, lutherischen und böhmischen Glaubensvertreter teil und gingen ein politisches Zweckbündnis ein, um gegen gegen-reformatorische Bestrebungen vorzugehen. Nach dieser Synode verstärkten die Jesuiten ihre Aktivitäten. Ihre gegenreformatorischen Aktivitäten hatten mitunter einen brachialen Charakter.

Unter ihrem letzten Bischof, Johann Amos Comenius (1592-1670) hörten die Böhmischen Brüder als eigene Gemeinde zu bestehen auf.

 

Lit. :

* Dworzaczkowa, Jolanta: Bracia czescy w Wielkopolsce w XVI i XVII wieku. Warszawa 1997

 

Bomst (poln. : Babimost ) Kreis Bomst

Bomst liegt an der Faulen Obra, auch Brätzer Faule Obra genannt, an der Übergangsstelle eines sich hier auf 2, 5 Kilometer  verengenden nordsüdlich verlaufenden urstromartigen Talzuges. Als eine der ältesten Siedlungen der Region entstand die Stadt im Schutz einer im Sumpf errichteten Grenzburg, die um das Jahr 1000 schon existierte.

1257 gelangte Bomst als Dorf in den Besitz des Zisterzienserklosters in Obra. Als Stadt (oppidum) urkundlich erstmals bereits 1329 erwähnt,  erhielt Bomst das Stadtrecht durch Wladyslaw Jagiello (1386-1434) jedoch erst 1397 verliehen. Im Jahre 1319 kam die Stadt an Brandenburg, sie gelangte aber bald wieder an Schlesien. 1385 kam Bomst wieder an Polen  und wurde Immediatsatdt.

1524 errichtete man in B. eine Zollstätte.

Neben der Altstadt, die auf der Obrainsel – dem Werder – angelegt wurde, entwickelte sich ab 1652 im Nordosten eine von schlesischen Glaubensflüchtlingen angelegte Neustadt. Sie folgten einem Aufruf des Starosten von Zegocki. Das Tuchmachergewerbe blühte in der Stadt auf (um 1700 gab es rund 800 Tuchmacher in der Stadt), doch nach den großen Bränden in den Jahren 1681 und 1742, die die Stadt nahezu vollständig vernichteten , und nach einer Pestseuche 1710 verlegte im 18. Jahrhundert dieses Gewerbe seinen Standort nach Züllichau. Von 1355 bis 1793, dem Jahr der preußischen Inbesitznahme,  war B. polnische Immediatstadt mit Sitz eines Starosten.

1871 lebten 2272 Menschen in der Stadt, davon waren 1042 katholisch, 1070 evangelisch und 160 jüdisch.

Bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts war Bomst Kreisstadt.

Die Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen 1919 fügte der Stadt, die der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet wurde, erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu.

1945 war der Ort zu 35 % zerstört.

Heute rund 4100 Einwohner. B. unterhält eine Städtepartnerschaft zu Neuruppin.

 

Lit.

  • Kreis Bomst. Lissa i.P. 1915
  • Dobrindt, Otto : Durch den Kreis Bomst und die angrenzenden Landschaften. Unruhstadt 1925
  • Wirth, Carl : Der Kreis Bomst. Ein Heimatbuch mit Stadtplänen und Verkehrsgarten , Berlin – Neukölln 1965

 

Borek   (poln.:  Borek )

Stadt auf der Kalischer Hochebene (Wysoczyna Kaliska); 17 Kilometer östlich von Gostyn gelegen.

Das Dorf Zdziesz, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Borek befand, erhielt am 28. März 1392 Stadtrechte verliehen, die jedoch nicht in Anspruch genommen wurden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass es aufgrund der verliehenen Privilegien zur Ausführung einer städtischen Siedlung in einem Nachbarort kam, die erstmals 1394 als „Borek“ urkundlich dokumentiert ist.

Als Stadt anerkannt ist Borek erst seit 1415, nachdem die beiden Orte „Borek“ und „Zdziesz“, die sich in adligem Besitz befanden, zu einem Gemeinwesen zusammengefasst wurden.

„Borek“ – abgeleitet von dem polnischen Begriff für junger Nadelwald – als gemeinsamer Name für diese neue Stadt setzte sich erst 1424 durch, vorher fand auch urkundlich der Name Z. Verwendung.

Seit dem 15. Jahrhundert war das Städtchen ein Zentrum des Tuchmacher- und Leinenhandwerks. 1653 gestattete König Johann II Kasimir (1648-1668) einen regelmäßigen Jahrmarkt.

Seit dem 17. Jahrhundert ist Borek ein Wallfahrtsort.

Heute 2200 Einwohner.

 

 

Brahe (poln.:  Brda )

Linker Nebenfluss der Weichsel. Sie entspringt 15 km östlich von Rummelsburg/Miastko (Pommerscher Landrücken) aus einer Kette von fünf Seen und mündet bei Bromberg / Bydgoszcz in die Weichsel. Ihr Lauf hat eine Länge von 238 km; ihr Flussgebiet beträgt rund 4700 qkm. Der untere Lauf des Flusses ist schiffbar und durch den  Bromberger Kanal mit der Netze – und so mit der Oder – verbunden.

Der Fluss verläuft u.a. durch die Mittel-gebirgslandschaft der Kaschubei und ist bei Kanuten sehr beliebt.

 

 

Brahe – Netze – Kanal

 

Brätz ( poln.: Brojce)

Bereits seit der Bronzezeit sind in der Gemarkung der heutigen Ortschaft Brätz menschliche Siedlungen nachweisbar. 1925 wurden bei Fundamentarbeiten für den Neubau eines Polizei-gebäudes Reste eines Urnengräberfeldes freigelegt.  Die dem ehemaligen Kreis Meseritz zugehörige Stadt liegt an der Faulen Obra in einem an dieser Stelle breiten urstromartigen Talzug.  Brätz wurde von dem Bomster Starosten und Posener Unterkämmerers  Petrus Korzbock am 28. Juli 1428 in dem Walde Broyca, von dem sich der Name der Stadt ableitet, nach magdeburgischem Recht gegründet. Die Gründungsurkunde für Brätz stellte der polnische König Wladislaw II Jagiełło (1386 – 1434) aus.  Trotz der Zusage des Grundherrn, Neuansiedler zwanzig Jahre von allen Abgaben zu befreien, verzögerte sich die Entwicklung dieser urbanen Neugründung. Die als lang gestreckte Angersiedlung angelegte Stadt, deren erste Ansiedler aus Schlesien stammten, gehörte von ihrer Gründung bis zur 2. Teilung  1793 zu Polen. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Stadt Zufluchtsort für protestantische Glaubensflüchtlinge und lebhaftes Handelsstädtchen. Die protestantische Gemeinde in Brätz zählte zu den ältesten des Posener Landes.  Während des polnischen Erbfolgekrieges (1733 bis 1735) wurde der Ort infolge von militärischen Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahr der preußischen Inbesitznahme (1793) hatte der Ort insgesamt 894 Einwohner. (798 evangelisch, 11 katholisch, 85 jüdisch) Ein von Kindern verur-sachtes Feuer  zerstörte 1807 mehr als die Hälfte der Stadt. Dies war nach  1657 (Schwedisch – polnischer Krieg) das zweite Mal, bei dem Feuer die Stadt nahezu zerstörte. Nach dem Wiener Kongress 1815 wieder preußisch, wurde Brätz 1922 der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet. Im Zuge der Auflösung der Grenzmark erfolgte 1938 eine administrative Zuordnung zur Provinz Brandenburg.

 

Lit. :

  • Hämpel, Walter : Heimatbuch von Brätz 1428-1928. Brätz 1928
  • Tureczek, Marali : Brójce – Zarys. Dziejów Miasta 1428-1946. Zielona Góra 2003

 

 

Bromberg  (poln.:  Bydgoszcz )

Am rechten Ufer der Brahe befand sich um die Jahrtausendwende ein rundlicher Burgwall zum Schutz einer Handelsstraße. Urkundlich wird erstmals 1238 eine Holzburg inmitten dieses Burgwalles erwähnt. Sie wurde von den Polen Bydgoszcz und von den benachbarten Ordensrittern Brambur genannt.

Die älteste Urkunde, in der Bromberg erwähnt wird, ist eine Verpflichtungserklärung des Herzogs von Kujawien gegenüber dem Deutschen Ritterorden, in der er dem Orden 1138 friedliches Verhalten zusagt. Vermutlich hat es am Fuß der Burg eine Siedlung gegeben.

War der Ort zunächst polnisch, kam er später zu Pommern. 1239  eroberte der kujawische Herzog Konrad (1187-1247) von den Pommern den Platz, den er zum Mittelpunkt seines Herrschaftsbereiches ausbaute.

Bereits 1268 wurde B. dem Krakauer Herzog Boleslaw übereignet. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts war der Herr über Bromberg wieder ein kujawischer Herzog.

In dem 1327 zwischen dem Deutschen Ritterorden und Polen ausgebrochenen Krieg eroberte der Orden die Bromberger Burg. Im Waffenstillstand von 1330 verpflichtete sich der Orden zur Herausgabe der Burg, um sie im Jahr später wieder zu besetzen. Der Deutsche Ritterorden verzichtete im Frieden von Kalisch (1343) endgültig auf den Besitz der Burg  Bromberg. Die durch diesen Vertrag vereinbarte Grenze bewirkte die Wiedererrichtung der Burg als Grenzfeste und die Besiedlung der durch die Kriegswirren entvölkerten Region unterhalb der Burg.

Der Ort neben der Burg war während dieser Zeit gänzlich zerstört worden.

Am 19. April 1346 übertrug der polnische König Kasimir III der Große (1333-1370) die Wüstung den deutschen Lokatoren Johannes Kesselhut und Konrad, damit sie dort eine Stadt nach magdeburgischem Recht gründeten. Der König wünschte nach den langen Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Orden, das im Frieden von Kalisch 1343 vereinbarte Grenzgebiet zu Pommerellen zu sichern und zu besiedeln.

Die Stadt entwickelte sich in den folgenden zwei Jahrhunderten zu einer bedeutenden Handelsstadt, die mit der benachbarten Stadt Thorn in Wettbewerb trat. Heinrich von Plauen (1370-1429) zerstörte 1409 die Stadt vollständig, nachdem Bromberger zwei Salzkähne der Ordensstadt Thorn gekapert hatten.1453 brach eine Revolte gegen den Deutschen Orden aus, die zum 13jährigen Krieg führte, der den Verlust Westpreußens im Zweiten Thorner Frieden 1466 für den Deutschen Orden zur Folge hatte. Der territoriale Besitz des Ritterordens wurde auf Ostpreußen ohne das Ermland beschränkt, so dass Bromberg sich nun tief im polnischen Hinterland befand. Für die Stadt Bromberg wurden somit die Handels – und Verkehrswege an die Ostsee frei. 1485 brach in der Stadt eine Pestepidemie aus, die sich 1497 wiederholte. Auf Veranlassung des Königs Sigismund II August von Polen (1548-1572) vertrieb der Starost 1555 die Juden Brombergs, die nach Fordon flüchteten. (Dieses Ausweisungsdekret hob erst  König Friedrich II  1773 auf.)

1627 verbot König Sigismund III (1587-1632) Protestanten den Erwerb von Grundstücken und Häusern im Stadtgebiet sowie die Berufung in öffentliche Ämter. Verheerend war B. vom Nordischen Krieg (1700-1721) betroffen, da die Stadt in dieser Zeit wechselnde Besatzungen von schwedischen, russischen und polnischen Truppen zu erleiden hatte. Vor allem durch den Bau des Bromberger Kanals wuchs Bromberg wieder zu seiner ehemaligen wirtschaftlichen Bedeutung  heran. Die am Unterlauf der Brahe ansässigen Betriebe der Holzverarbeitung machten Bromberg zu einem der größten Zentren der Holzindustrie in Deutschland.  Die seit 1772 preußische Stadt war von 1807 bis 1815 Departmentshauptstadt des Großherzogtums Warschau und von 1815 bis 1919 Bezirkshauptstadt der Provinz Posen. Der entscheidende Schritt für Brombergs wirtschaftliche Entwicklung war der Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz 1851.  So wuchs die städtische Bevölkerung von 27.000 Einwohnern im Jahre 1870 auf über 95.ooo im Jahre 1910, wovon 11% polnischer Nationalität waren.1890 wies die Stadt 31 131 Einwohner auf, von denen 28.281 evangelisch, 11063 katholisch waren. 1428 Einwohner bekannten sich zum jüdischen Glauben und 359 waren anderweitig konfessionell gebunden.

Die Stadt übergab man am 20. Januar 1920 an die polnische Verwaltung. Bromberg wurde Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft. Zwischen 1920 und 1925 verließen etwa 24.000 Deutsche die Stadt. Am 16.und 17. Juli 1921 kam es in Bromberg  zu erheblichen Unruhen aufgrund sozialer Spannungen. Rund 7000 Menschen demonstrierten vor dem Rathaus, forderten „Arbeit und Brot“, stürmten dann das Gebäude und demolierten es. Erst polnisches Militär beendete diese Unruhen. Bromberg litt sehr stark an den Folgen des deutsch – polnischen Zollkrieges der Jahre von 1923 bis 1933.

Während des Krieges wurden in der Stadt Massenhinrichtungen als Reaktion auf den ►„Bromberger Blutsonntag“ durchgeführt. 1939 wurde Bromberg als Teil des Reichsgaus Danzig-Westpreußen dem Deutschen Reich eingegliedert.  B. war bis 1945 ein Stützpunkt der Rüstungs-industrie.

Im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört –  von der historischen Altstadt blieben nur noch einige wenige Gebäude erhalten. 1945 verlor die Stadt mehr als ein Viertel ihrer Bevölkerung. Am 17. März 1945 wurde B.  Hauptstadt der Woiwodschaft Pomorze, die ab 1950 Woiwodschaft Bydgoszcz hieß.

Am 01. Januar 1973 wurde die Stadt Fordon eingemeindet.

Heute 308.000 Einwohner.

 

Lit. :

 

  • Historia, kultura, zycie gospodarcze. Gdynia 1959
  • Czasnojc,Marek : Bydgoszcz, Sczcezin 1995
  • Hepke, Marian : Bromberg – Buch der Erinnerung, Münster 1968
  • Historia Bydgoszczy ( Geschichte Brombergs ) , Tom I do roku 1920, Warszawa – Poznan 1991
  • Jähnig, Bernhart / Ohlhoff, Gerhard ( Hrsg. ) : 650 Jahre Bromberg , Münster 1995 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens, Bd. 26 )
  • Kühnast, Ludwig : Historische Nachrichten über die Stadt Bromberg von der Gründung der Stadt bis zur preussischen Besitznahme, Bromberg 1837
  • Schmidt, E. : Gründung der Stadt Bromberg. In : Jahrbuch der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt 1896 S.5-26
  • Meinhardt, Günther : Aus Brombergs Vergangenheit. Ein Heimatbuch für den Stadt – und Landkreis, Wilhelmshaven 1973
  • Mincer, F.: Dzieje Bydgoszczy do roku 1806. Zielona Góra 1992
  • Rister, Herbert (Bearb.) : Verzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums über das Bromberger Land, Wilhelmshaven 1977
  • Schmidt, Erich : Aus Brombergs Vorzeit. Die Burg Bydgoszcz – Bromberg, Bromberg o.J.
  • Ryszard, Kabaciński u.a.: Bydgoscz, zarys dziejów. Bydgoscz 1980
  • Nadolski, L.M./ Kalinski, A.: Bydgoszcz 1945. Bydgoszcz 2011

 

 

Bromberger Bund der Bevölkerung deutscher Abstammung

Ende 1990 schlossen  sich in Bromberg „polnische Bürger deutscher Herkunft“ zusammen- zunächst noch als Zweigverein der „Gesellschaft polnischer Bürger deutscher Herkunft Danzig“.

Bereits 400 Mitglieder wies dieser neue Verein 1991 auf. Ziele dieses Zusammenschlusses sind  vor allem:

  • Pflege deutscher Kultur und Tradition
  • Erwerb deutscher Sprachkenntnisse

So wurden neben einer sozialen Betreuung und Beratung vor allem Deutsch-Kurse angeboten.

Am 25.Mai 1991 gründete der Bromberger Bund Ortsgruppen in Hohensalza, Nakel und Schubin.

 

 

Bromberger Blutsonntag (poln.: Krwawa Niedziela)

Kein Thema ist so umstritten wie die Ereignisse des 03. September 1939 in Bromberg.

Der „Bromberger Blutsonntag“ (03./04, September 1939) war eine der Auswirkungen der seit Kündigung des „Deutsch –Polnischen Freundschaftsvertrages“ herrschenden antideutschen Stimmung in der polnischen Öffentlichkeit.

Das ständige Schüren der Meinung, die Deutschen in Polen seien eine Gefahr für die polnische Armee im Falle einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Polen, fand Zustimmung bei den um seine Existenz als Staat bangenden Polen.

Bei Kriegsausbruch wurden in der Stadt Hunderte als verdächtig angesehene Mitglieder der deutschen Minderheit verhaftet und am 02. September auf Fußmärschen in das Landesinnere gebracht.

Als am 03. September 1939 gegen 10.00 Uhr polnische Truppen bei ihrem Rückzug aus der Tucheler Heide durch Bromberg kamen, verbreitete sich das Gerücht, Volksdeutsche hätten diese militärischen Verbände beschossen. Daraufhin vermutete man in jedem in der Stadt lebenden Deutschen (insgesamt 6,4 % oder 9200 Einwohner) einen Diversitanten, ein Mitglied der „ 5. Kolonne“ und einen Saboteur.

Die ausbrechende Panik, die durch deutsche Luftangriffe und die ungeordnet durch den Ort ziehenden Teile polnischer Armeeeineinheiten angefacht wurde, soll dann schließlich das Klima geschaffen haben, in dem die meisten Morde und Misshandlungen an Volksdeutschen durch polnische Zivilisten und Soldaten stattfanden.

Die deutsche Zivilbevölkerung Brombergs wurde verhaftet, misshandelt oder getötet. Kurt Lück (1900-1942) bezifferte in einem Artikel „Die Bilanz politischer Morde im  Warthegau“ (Ostdeutscher Beobachter vom 09. Januar 194o) die Zahl der deutschen Opfer auf 1888, d.h. 1030 Getötete und 858 Vermisste.

In einer ersten Verlautbarung über die Bromberger Ereignisse sprach das Auswärtige Amt schon von 5347 ermordeten Deutschen

Vermutlich auf direkten Befehl  Hitlers gab man die Zahl der Opfer später mit mehr als 58000 an und instrumentalisierte diese Zahlen propagandistisch.

Am 10. September 1939 wurden auf dem Friedensplatz in Bromberg polnische Geiseln erschossen- nach einem Strafgericht des Sicherheitsdienstes der SS. Dem als „Vergeltung“ für den „Bromberger Blutsonntag“ kaschierten Massenmord fielen 10.500 Polen zum Opfer; 13.000 Polen wurden in Konzentrationslager deportiert.

 

Lit. :

  • „Die polnischen Greueltaten an den Volksdeutschen in Polen. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes auf Grund urkundlichen Beweismaterial zusammengestellt. Berlin 1939
  • Breyer, Richard: Die Septemberereignisse 1939 in polnischer Sicht. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 15 (1969) S.28-35
  • Heike, Otto: Die ersten Opfer des Zweiten Weltkrieges: Fälschung und Wirklichkeit über den Umfang der Gewaltmaßnahmen gegen die Deutschen in Polen im September 1939. In : Zeitschrift für Ostforschung 18(1969) S.475-482
  • Aurich, Peter : Der deutsch-polnische September 1939. Berlin/Bonn ² 1985
  • Rhode, Gotthold : Der „Bromberger Blutsonntag“ am 03. September 1939. In : Ostdeutsche Gedenktage 1989. Bonn 1988 S. 276-281
  • Schubert, Gunter : Das Unternehmen “ Bromberger Blutsonntag „. Tod einer Legende, Köln 1989
  • Jastrzebski, Wlodzimierz : Der Bromberger Blutsonntag-Legende und Wirklichkeit. Poznan 1990
  • Runzheimer , Jürgen: Bromberger Blutsonntag. In : Wolfgang Benz: Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte. München 1992 S.47-49
  • Jastrzębski, Włodimierz: Bydgoszcz w pierwszych dniach wojny 1939 do roku. In : Bydgoszcz. 650 lat praw miejskich. Bydgoszcz 1996 S.252-262
  • Rieß, Volker : Bromberger Blutsonntag. In : Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Hrsg. von Wolfgang Benz. München ³1998. S.404-405
  • Bydgoszcz 3-4 wreśnia 1939. Studia i dokumenty. von Tomasz Chiciński/Paweł Machewicz. Warszawa 2008
  • Olstowski, Przemyslaw: W sprawie tragiczznych wydarzen 3-4.IX 1939 roku w Bydgoszczy. In : Zapski Historyczne 74 (2009), Nr.1 S.115-143
  • Krzoska, Markus: Der „Bromberger Blutsonntag“ 1939. Kontroversen und Forschungsergebnisse. In : Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 2(2012) S. 237-248

 

 

Bromberger Heide  (poln. :Puscza Bydgoska)

 

Bromberger Kanal (poln. : Bydgoski – Kanal)

Der Bromberger Kanal verbindet die Brahe (Brda) mit der Netze (Noté)

Die Pläne für den Bau des Bromberger Kanals wurden schon 1772 entworfen.

Auf Veranlassung Friedrich des Grossen (1712- 1786) begann 1773 der Bau dieses 26 km langen  Kanals , der als organisatorisches Meisterwerk seiner Zeit galt, da dieses Bauvorhaben innerhalb von 18 Monaten ausgeführt und fertig gestellt werden konnte . Neben dem Finowkanal und dem Plauer Kanal war dies das dritte große Kanalbauprojekt in der Regierungszeit Friedrichs des Großen. Durch den Bau dieser Wasserstraße, beabsichtigte der preußische König den Getreide-handel von der Weichsel und damit von Danzig, dessen preußische Besetzung Katharina  II (1729-1796) verhindert hatte, nach Stettin zu verlegen.  Etwa 20.000 Arbeiter u.a. aus Sachsen, Thüringen und dem Sudetenland (und von denen 5000

in dem sumpfigen Gelände starben) waren an dem Bau beteiligt, dessen Kosten sich auf über 2 Millionen Mark beliefen. Mit der Fertigstellung dieses Kanals im Jahre 1774, für dessen Bauleitung der Geheime Rat Franz Balthasar Schönberg von Brenckendorff (1723-1780)  verantwortlich zeichnete, wurde das Stromgebiet der Weichsel über die untere Brahe, die Netze und die Warthe mit dem Wasserwegenetz der Oder und der Elbe verbunden. Der Kanal führt von Bromberg bis Nakel. Die Netze entwickelte sich nach Fertigstellung dieses Kanals zu einer wichtigen Wasserstraße. Dem Kanal verdankte die Stadt Bromberg ihr ständiges Wachstum und ihre überregionale wirtschaftliche Bedeutung.

Da die Wasserscheide zwischen Brahe und Netze über der Brahe bei Bromberg und 4,9 m über der Netze bei Nakel lag, war der Bau von sieben Schleusen zur Brahe und zwei Schleusen zur Netze erforderlich.

Ein Gesetz des deutschen Reiches vom 01. April 1905 verfügte den Ausbau des 26 km langen Kanals. Der Ausbau, der erst 1917 fertig gestellt werden konnte, machte den Kanal für größere Schiffe befahrbar.

 

Lit. :

  • Garbe, Heinrich : Der Bromberger Kanal. Bromberg 1874
  • Heidrich, Kurt : Geschichte des Bromberger Kanals. Nakel 1901
  • Winid, Walenty: Kanal bydgoski. Warszawa 1928
  • Schmidt, Bruno: Der Bau des Bromberger Kanals. In : Westpreußen-Jahrbuch 22 (1972) S.33-3
  • Schmidt, Bruno: Der Ausbau des Bromberger Kanals 1905/17. In: Westpreußen-Jahrbuch 23 (1973) S.121-126
  • Badtke, Marek: Kanal bydgoski. Bydgoszcz 2006

 

 

Bromberger Sammlung, ►Bidegast – Vereinigung

Mit Hilfe der Patenstadt Wilhelmshaven wurde 1969 die Heimatstube Bromberg durch den Heimatkreis in Wilhelmshaven  eröffnet. Sie befand sich zunächst im Küstenmuseum, wo zwei Räume zur Verfügung standen, in denen die ersten gesammelten Erinnerungsstücke an Bromberg ausgestellt werden konnte. 1979 konnte die Heimatstube in dem neu erbauten City – Haus Ausstellungsräume  beziehen.

Sie will eine Übersicht über die historische Bedeutung der Stadt Bromberg vermitteln und ihre regionalen, kulturellen sowie wirtschaftlichen Leistungen verdeutlichen. Darüber hinaus soll diese Sammlung die besondere historische Funktion der Stadt als Mittler zwischen Ost und West in der Brückenstellung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk zeigen.

Der ständigen Ausstellung angegliedert sind ein Archiv und eine umfangreiche Bibliothek.

 

 

Bromberger Vertrag

Am 06. November 1657 zwischen Johann Kasimir von Polen  (reg. 1648-1668) und dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) als Bündnisvertrag gegen Schweden in Bromberg geschlossen, der bestimmend war für die staatsrechtliche Stellung Preußens zu Polen bis zur 1. polnischen Teilung. Mit der Umwandlung des Ordenslandes Preußen in ein weltliches Herzogtum 1525, erhielt  der Hohenzoller Albrecht, Preußen als erbliches Lehen von Polen. Bei dem jeweiligen Regierungsantritt eines Kurfürsten von Brandenburg musste dieses Lehen erneut bestätigt werden. Mit dem Bromberger Vertrag sicherte sich der Kurfürst seine Souveränität im Herzogtum Preußen und die letzte Stufe in dem Aufstieg des brandenburgisch – preußischen Staates zur europäischen Großmacht.

 

Lit.:

  • Koch, Friedrich: Der Bromberger Staatsvertrag zwischen dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und König Johann Kasimir von Polen im Jahre 1657. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 21 (1906). S. 1-20
  • Staemmler, K.D.: Große Politik am Braheufer. Der brandenburgisch-polnische Vertrag von Bromberg 1657. In: Westpreußen-Jahrbuch 1(1950) S.140 ff.

 

Buchsammelstelle

Auf Anordnung des Reichsstaathalters für den Reichsgau Wartheland vom 13. September 1939 in der beschlagnahmten St. Michaeliskirche eingerichtet.

Von ihr wurden erhebliche Bestände an Büchereien aus polnischem und jüdischem Besitz im Warthegau erfasst und beschlagnahmt.

Dazu zählten auch die Büchereien der Synagogen, der Klöster sowie Privatbibliotheken.

 

Budsin (poln. : Budzyń )

Kleinstadt im Kreis Kolmar, deren Name entweder mit dem polnischen Adelsgeschlecht von Budsinski zusammenhängt oder vom slawischen “ buda “ – Hütte abgeleitet werden kann. Erste urkundliche Erwähnung 1435 als adlige Gründung. 1458 Verleihung des Magdeburger Stadtrechtes. Ab 1581 war B. königliches Eigentum und unterstand der Aufsicht des Starosten von Rogasen, Christoph Sokolowski. Ein verheerender Brand verwüstete 1626 die Stadt, bei dem die Hälfte aller Wohnhäuser verbrannte. Davon betroffen war auch das städtische Archiv, so dass urkundliche Quellen über die Stadt nur noch sehr spärlich vorhanden sind. 1641 erhielt die Stadt erneut ein Privileg mit deutschem Stadtrecht von König Wladislaw IV (1632 – 1648) verliehen, um den Wiederaufbau des Ortes zu fördern. Der 2. Schwedische Krieg  machte jedoch dem Wiederaufbau der Stadt ein rasches Ende.

1774 preußisch, wies Budsin zu jener Zeit nur noch 379 Einwohner auf, von denen 275 Polen und 74 Deutsche waren.

 

Buk (poln.: Buk)

Das Dorf Buk vererbte Herzog Presmislaus I von Großpolen 1257 testamentarisch der Posener Domkirche. Das Magdeburger Stadtrecht erhielt B. 1289 von Przemysl II (1257-1296). Am 08.  Juli 1303 wurde der Ort im Tausch an den Bischof von Posen abgetreten, in dessen Besitz er dauerhaft verblieb, bis 1796 die kirchlichen Güter in dem nun preußisch gewordenen Buk eingezogen wurden.

Buk weist eine im Basiliskenstil erbaute Kirche auf, wovon es in der Provinz Posen nur zwei gibt. Im Mittelalter war Buk eine recht bedeutende Weberstadt. Jagiello (König von Polen 1346-1434) empfing hier den Bruder von Heinrich von Plauen (Hochmeister des Deutschen Ordens, 1410-1413) als Abgesandten des Deutschen Ordens zu Verhandlungen.

Während des 15. Jahrhunderts war Buk eine der bedeutendsten Städte Großpolens und im 16. Jahrhundert ließ Bischof Jan Lubranski (1456-1520) die Stadt durch den Bau einer Verteidigungsmauer befestigen. 1534 zerstörte ein Feuer nahezu die ganze Stadt. Da die Stadt bischöflicher Besitz war, wurde die Ansiedelung von Juden nicht gestattet.

1796 entzog die preußische Regierung dem Bischof von Posen  die Besitzrechte an der Stadt, zog die kirchlichen Güter ein und machte Buk zur königlichen Domäne.

Am 08. Juni 1858 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt.

Die deutsche Wehrmacht besetzte am 10. September 1939 die Stadt.

Am 26. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Buk.

 

Lit. :

  • Kowalczyk, Andrzej: Buk. Zarys dziejów miasta. Poznań 1989

 

Buchdruck und Verlagswesen

 

Bund der Deutschen in Polen

Im Juli 1921 gegründete Organisation, die alle Deutschen aus Kongreßpolen, Galiziens und der ehemaligen Provinz Posen erfasste.

 

 

Bund der Posener

Der von der Deutschen Landsmannschaft der Provinz Posen zu Groß-Berlin angestrebte Zusammenschluss aller landsmannschaftlichen  Vereine der ehemaligen Bewohner der Provinz Posen, die 1919 und später Polen verlassen mussten, fand am 27.Februar 1926 seinen organisatorischen Abschluss.

Auf  Initiative des früheren Wongrowitzer Pfarrers         Paarmann erklärten u.a. der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Posen, Franz Künzer (1864- nicht ermittelbar), das Mitglied des Reichstags         Budsuhn, Geheimrat     Kairies (ehemaliger Vize-Präsident der Posener Eisen-bahndirektion) und Regierungsrat      Wollberg (Bürgermeister a.D. von Lissa) ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Gründung eines „Bundes der Posener“.

Am 27.  Februar 1926 fand eine Versammlung von Vertretern der Posener Heimatkreise statt. Während dieser Veranstaltung erfolgte der organisatorische Zusammenschluss aller Posener Heimatvereine zum „Bund der Posener“, der sich u.a. zum Ziel setzte:

  • Pflege der Beziehungen zu den Deutschen in Polen
  • Sammlung aller „Deutsch-Posener“ im Reich
  • Allgemeine Weckung und Pflege des Interesses für die Deutschen in Polen

 

.

 

Bund deutscher Gesangvereine Posen – Pommerellens

Zu den wichtigsten kulturellen Organisationen der Deutschen  in Polen zählten die Gesangsvereine und Chöre, die im Bund deutscher Gesangsvereine Posen-Pommerellens zusammengeschlossen waren.

Diese kulturelle Vereinigung mit Sitz in Bromberg wurde am 12. November 1922 gegründet. Zum Zeitpunkt seiner Gründung gehörten ihm 27 Vereine mit knapp 1400 Mitgliedern an;  1930 umfasste der Bund 30 Sängerkreise mit nahezu 2500 Mitgliedern.

 

Lit.:

  • Hetschko, A.: Das deutsche Chorwesen in Polen. In : Deutscher Heimatbote in Polen 7(1928) S.153-156

 

Bund Deutscher Osten

Der „Bund Deutscher Osten“ wurde am „Tag des deutschen Ostens“ am 27. Mai 1933 gegründet und vereinigte den „Deutschen Ostmarkenverein“ u.a. mit dem „Heimatbund Ostpreußen“, der „Jungpreußischen Bewegung“ und dem „Reichsbund der Schlesier.

Neben dem „Verein für das Deutschtum im Ausland“ (VDA) war eine der wichtigsten Institutionen der NS-Volkstumspolitik.

Unter der Leitung seines Reichsführers  Franz Lüdtke (1862-1945) und dessen Nachfolger Theodor Oberländer (1905-1998) und SS-Standartenführer Hermannn Behrends (1907-1948) hatte sich der BDO die Aufgabe gestellt, „das deutsche Volk mit den geistes –und raumgeschichtlichen Fragen des Ostens vertraut“ zu machen. Er verfolgte aber von Anfang an die zunächst geheime Revisionspolitik des NS-Regimes im Osten Europas, d.h. in erster Linie die Zerstörung des jungen Nachbarstaates Polen.

 

Bund Deutscher Turnerschaft in Polen

Siehe ► Deutsche Turnerschaft in Polen

 

 

Bund zum Schutz der westlichen Grenzgebiete

(Zwiazek Obrony Kresow Zachodnich)

 

Byschewo

Urkundlich ist belegt, dass der Schatzmeister des Herzogs von Kujawien, Graf Nikolaus, das Dorf Byschewo mit fünf Nachbardörfern dem Kloster Leubus in Schlesien schenkte, das 1253 Mönche zur Vorbereitung einer Klostergründung entsandte. 1256 konnte bereits der Konvent, d.h. der Abt mit 12 Mönchen und 12 Laienbrüdern, aus dem Kloster Leubus in die ersten Klostergebäude einziehen.

Kurz nach seiner Gründung wurde jedoch das Kloster durch Ordensritter geplündert. Es wurde unter dem Namen Neu – Byschewo in der Nähe des Fischerdorfes Smeisze  wiedergegründet, woraus sich später der Ort  Krone an der Brahe entwickelte.

1819 wurde das  Kloster aufgehoben.

 

 

Bythin

  • Stadt

 

Centralstelle zur Beschaffung deutscher Ansiedler und Feldarbeiter

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu einer großen Auswanderungsbewegung unter den deutschen evangelischen Kolonisten in Galizien. Verursacht wurde dies durch eine massive Abwerbungskampagne der preußischen Regierung unter den evangelischen Deutschen in Österreich – Ungarn, die hierzu 1903 in Berlin die „ Centralstelle … „ gründete. Friedrich von Pils, Geschäftsführer dieser neugegründeten Institution, reiste persönlich nach Galizien, um dort für eine Übersiedlung in die preußischen Provinzen Posen und Westpreußen zu werben.

 

Die preußische Abwerbungsaktion hatte zur Folge, dass manche deutsche Kolonie in Galizien rund die Hälfte ihrer Einwohner verlor, was die evangelische Kirche Galiziens existenziell bedrohte. Ein „Aktionskomitee zur Wahrung der Interessen der galizischen evangelischen Landeskirche“, dessen Vorsitzender Pastor Fritsche und Geschäftsführer Pastor Theodor Zöckler (1867-1949) waren, sollte Maßnahmen für die Verbesserung der wirt-schaftlichen, kulturellen und sozialen Situation der Deutschen in Galizien entwickeln, um so die Abwanderung zu stoppen.

Trotz dieser Bemühungen warb die Zentralstelle auch 1904 noch mehrere hundert evangelische Familien nach Preußen. Sie unterstützte die Ausreisewilligen, in dem sie den Verkauf ihrer land-wirtschaftlichen Anwesen übernahm. Für Anwerbung, Um – und Ansiedlung hatte die preußische Staatsregierung bis 1902 einen Fonds von 350 Millionen Reichsmark bereitgestellt.

Schätzungen zufolge wanderten bis zum Jahre 1907 ungefähr 10.000 Deutsche aus Galizien nach Posen und Westpreußen aus.

 

 

Czarnikau  (poln. Czarnków)

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedelung reichen in der Region bis in das 2. Vorchristliche Jahrtausend zurück.

Zur Sicherung einer von Posen nach Kolberg (poln.: Kołobrzeg) führenden Handelsstraße wurde  im 11. Jahrhundert am Übergang über die Netze eine Burg errichtet, um deren Besitz Polen und Pommern schon im 11. Jahrhundert kämpften. Im Umfeld dieser Burg entwickelte sich zu Beginn der Regierung des Königs Wladyslaw Jagiello (1386 bis 1434) eine Handelsniederlassung, aus der sich die spätere Stadt C. entwickelte.

Die erste urkundliche Erwähnung  C. als Stadt findet sich in den Posener Grodbüchern des Jahres 1397.  Ebenso wenig wie über die Stadtgründung  sind auch über die folgenden Jahrhunderte bis zum 17. Jahrhundert keine Urkunden mehr erhalten, aus denen sich die Stadtgeschichte rekonstruieren  ließe.

Schon vor 1618 gewährte die katholische Grundherrschaft der evangelischen Gemeinde Privilegien, da die polnischen Magnaten daran interessiert waren, durch die Anwerbung von Handwerkern die Stadt zu entwickeln. Insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges kamen viele Glaubensflüchtlinge aus Schlesien nach Czarnikau. Sie führten die im Posener Raum bis dahin kaum praktizierte Tuchmacherei ein, die zum wirtschaftlichen Aufblühen der Stadt erheblich beitrug.

Während des schwedisch-polnischen Erbfolge-krieges (1655-1660) wurde die Stadt nicht nur erheblich zerstört, sondern durch eine Pestepidemie nahezu entvölkert.

Als im Nordischen Krieg (1700-1721) der schwedische König Karl XII (1682-1718) von dem russischen Heer vernichtend geschlagen wurde, zogen sich die Reste des schwedischen Heeres 1709 über C. nach Pommern zurück. Erneut brach eine durch die schwedischen Truppen einge-schleppte Pest aus, an der fast die gesamte Einwohnerschaft C. starb.

Infolge der 1. polnischen Teilung geriet die Stadt am 13. September 1772 unter preußische Herrschaft, wobei die Grenze zu Polen in knapp 5 Kilometer Entfernung zur Stadt verlief. Unter den 46 Städten des Netzedistrikts gehörte C. mit 1648 Einwohnern zu den vier größten der Region.

Am o9. Juli 1807 wurde die Stadt dem neuge-gründeten ►Großherzogtum Warschau eingegliedert, um am 09. Mai 1819 im Vollzug des Wiener Vertrages wieder unter preußische Herrschaft gestellt zu werden.

Durch die Einführung der maschinellen Textilproduktion  und der unzureichenden finanziellen Ausstattung für Neuinvestitionen brachen in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das einst erfolgreiche Tuchmachergewerbe zusammen. Als Russland darüber hinaus 1822 seine Grenzen für die Einfuhr von Weberei –Erzeugnissen sperrte, standen die Tuchmacher in C. – ebenso wie die in der gesamten Region – vor dem wirtschaftlichen Ruin.

Um die Jahrhundertwende Kreisstadt mit ca. 5000 Einwohnern.

Ab dem o5. Januar 1919 wird Czarnikau dem neu entstandenen polnischen Staat eingegliedert. Der nördlich der Netze gelegene Teil des Stadtgebietes (die spätere Gemeinde Deutsch-C.) verblieb bei Deutschland.

Heute rund 10.000 Einwohner.

 

Lit. :

 

  • Klemm, Julius: Heimatkunde des Kreises Czarnikau, Czarnikau 1909
  • Klemm, Julius: Kurzgefasste Geschichte der Stadt Czarnikau, Czarnikau 1893
  • Kowala, Stefan: Dzieje Czarnkow na przestrzeni wieków, Czarnków 1994
  • Kulejewska- Topolska, Z.: Dzieje miasta Czarnkowka do roku 1939. : Rocznik Nadnotecki 1 (1966) S. 9- 32
  • Otto, Karl : Die Geschichte des Deutschtums in Czarnków (Czarnikau) und Umgebung. Poznań 1938
  • Słodowy, Antoni: Krótki zarys dziejów powiatu czarrnkowskiego i miasta Czarnkowa. Czarnków 1926

 

Cybina

Nebenfluss der Warthe, der südlich des Dorfes   Iwno  (poln.: Iwno)-Kreis Kosten – entspringt. Fluss durch Posen, der in die Warthe mündet. Hat eine Länge von 41 km.

 

Czempin (poln.: Czempin)

Das heutige Czempin wurde im 14. Jahrhundert auf dem Gelände des Dorfes Piechynin angelegt. Die erste Erwähnung als Stadt erfolgte 1399.

1561 wurde das Stadtrecht bestätigt.

Bei der Zweiten Teilung Polens kam C. 1793 unter preußische Herrschaft.

Von 1807 bis 1815 gehörte C. zum von Napoleon Bonaparte geschaffenen „Herzogtum Warschau“.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Stadt am 10. Jan.1920 dem neugebildeten polnischen Staat zugeordnet,

1880 lebten 2156 Menschen in der Stadt; 2005   5109.

 

Lit. :

  • Raszcynski, F.: Historia Czempinia. Poznań 1923

 

 

 

Damaslaw (poln.: Damasławek)

In dieser Region wurde schon 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung gesiedelt. Im 9.Jahrhundert errichtete man in D. eine Burg. Die urbanen Anfänge von D. reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück, wonach die Entstehung der Stadt auf einen Ritter Damaslaw zurückzuführen ist.

Der polnische König Władyslaw IV (reg. 1632- 1648) schenkte die Landgüter von D. dem Zisterzienser -Orden.

Die deutschen Bewohner der Stadt wanderten 1922 geschlossen ab.

 

Deutsch – Filehne  (poln.: Wieleń pólnocny)

Aufgrund des Versailler Vertrages bildete bei der  Stadt Filehne (Wielen) die Mitte des Flusses Netze die Grenze zwischen Deutschland und Polen.

 

Dorf am Nordufer der  Netze, das erst 1920 entstand, als der polnische Teil der Netzebrücke hochgezogen wurde und die Verbindung mit Filehne unterbrach. Zunächst bestand der Ort nur aus einigen Gehöften und einigen Wirtschaftsgebäuden sowie dem Bahnhof Filehne – Nord. Entlang der Straße nach Groß – Drensen wurde eine geschlossene Siedlung errichtet, so dass sie am 13. Dez.1927 zur neuen selbständigen Gemeinde Deutsch – Filehne wurde.

Infolge der Verwaltungsreform am 01. Oktober 1938 kamen der Netzekreis und damit auch die Gemeine Deutsch-Filehne an die Provinz Pommern.

1939 hatte der Ort 722 Einwohner.

Deutsch – Polnische Minderheitenerklärung  (vom 05. Nov. 1937 )

Der Ablauf der Geltungsfrist der 1922 abgeschlossenen Genfer Konvention über Oberschlesien am 14. Juli 1937 veranlasste die Reichsregierung, in Warschau Anfang 1937 den Abschluss eines bilateralen deutsch – polnischen Minderheitenschutzvertrages anzuregen.

Ende April 1937 lehnte die polnische Regierung den deutschen Vorschlag ab.

Wie der deutsche Botschafter in Warschau, Hans Adolf von Moltke (1884-1943), dem polnischen Außenminister Jozef Beck (Minister von 1932-1939 ) am 01. Mai 1937 daraufhin mitteilte, empfahl Hitler, dass die beiden Regierungen jeweils eine eigene, aber sachlich übereinstimmende, öffentliche Erklärung über den Schutz der auf ihrem Gebiet lebenden deutschen bzw. polnischen Minderheit abgeben sollten. Sollte die polnische Regierung diesen Vorschlag ebenfalls ablehnen, würde dies – so Hitler drohend – die zwischenstaatlichen Beziehungen belasten.

Anfang Juli 1937 wurde der polnischen Regierung der deutsche Entwurf einer solchen Erklärung übermittelt, der in der Folgezeit zum Gegenstand intensiver diplomatischer Konsultationen und Beratungen wurde.

Im Verlauf der Monate September und Oktober wurden dann alle Einzelheiten der gemeinsamen Minderheitenerklärung einschließlich ihrer Verkündung in beiden Ländern abgesprochen. Hierzu gehörte u.a. auch die Vereinbarung, nach der Hitler am Tage ihrer Veröffentlichung Vertreter des „Bundes der Polen in Deutschland“ und Staats-präsident Ignacy Mościcki (Amtszeit 1926-1939)  eine Abordnung führender Persönlichkeiten der deutschen Minderheit in Polen zu einer Audienz empfangen sollten.

Im Einzelnen sah diese übereinstimmende Erklärung ein Assimilierungsverbot, ein Verbot der Diskriminierung und Koalitionsfreiheit für die jeweiligen Minderheiten  vor.

 

Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt

Diese bilaterale Vereinbarung wurde am 26. Januar 1934 von Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath im Namen der Regierung des Deutschen Reiches und dem Botschafter in Berlin, Jozef Lipski (1894-1958) im Namen der Regierung der Republik Polen in Berlin unterzeichnet.

In dem auf zehn Jahre befristeten Nichtangriffspakt wurde vereinbart, zukünftige Streitfragen zwischen den Staaten friedlich zu lösen. Insbesondere die schwierige Situation jener Gebiete, die Deutschland aufgrund der Regelungen des Versailler Vertrages abtreten musste, sollte auf diese Weise geregelt werden. Der Vertrag wurde am 28. April 1939 einseitig von Deutschland gekündigt.

Polen war zu diesem Zeitpunkt ein Alliierter Frankreichs und hatte 1932 einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion geschlossen. Der von Benito Mussolini (1883-1945) 1933 betriebene „Viererpakt“ zwischen Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien wurde von Polen als Bedrohung betrachtet. Frankreich vertrat bei diesem Pakt zwar Polens Interessen, Piłsudski und Außenminister Jozef Beck (1894-1944) fürchteten dennoch, dass ein Viererpakt eine erste Revision der Grenzen auf Kosten Polens nach sich ziehen könnte. Dieser Vertrag war am 7. Juni 1933 paraphiert  worden, wurde allerdings nie ratifiziert. Eine zweite Gefahr sah Polen in Deutschlands Politik gegenüber der Sowjetunion, die sich am Vertrag von Rapallo orientierte. Am 5. Mai 1933 hatte der bereits gleichgeschaltete Deutsche Reichstag einstimmig beschlossen, den Nachfolgevertrag zu Rapallo, den Berliner Vertrag von 1926, zu verlängern. In schlimmster Konsequenz konnte dieser Vertrag auf eine  neue Teilung Polens hinauslaufen. Die polnische Führung hoffte, diesen beiden Gefahren zu entgehen, indem sie den Nichtangriffspakt mit Deutschland unterzeichnete. Der Unterzeichnung war eine Kriegsdrohung Polens an Deutschland vorangegangen, falls es den Viererpakt ratifizieren würde. Zwar war nach Einschätzung Frankreichs diese Kriegsdrohung Polens „nicht wirklich ernst gemeint“, sie wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die national gereizte Stimmung in Warschau.

Adolf Hitler fürchtete, Frankreich könne zusammen mit seinen Verbündeten Polen und Tschechoslowakei gegen Deutschland vorgehen. Zwischenfälle im „Polnischen Korridor“ und in der Freien Stadt Danzig waren häufig, eine Intervention Piłsudskis in Danzig, aus der sich ein Krieg entwickeln könnte, schien möglich. Pläne für einen Krieg mit Polen hatten im Reichswehrministerium und auch im Auswärtigen Amt Tradition. Hitler setzte sich verbal dagegen für eine Entspannung der Lage an den deutschen Ostgrenzen ein, während er gleichzeitig die Aufrüstung betrieb. 1934 sah er Deutschland noch als verwundbar an. Die Reichswehr war am Anfang ihrer Aufrüstung der polnischen Armee kräftemäßig noch unterlegen. Bereits kurz nach der Machtübernahme im Mai 1933 ergriff er die diplomatische Initiative zu diesem Nichtangriffspakt und streckte diplomatische Fühler zu den Polen aus.

Am 18. Oktober 1934 erklärte Hitler hohen Parteifunktionären jedoch:

„Alle Abmachungen mit Polen haben nur vorübergehenden Wert. Ich denke gar nicht daran, mich ernstlich mit Polen zu verständigen.“

Wie die Probleme mit Polen später behandelt werden sollten, ließ er in dieser Rede offen.

Der Nichtangriffspakt markiert eine Wende in der Politik des Deutschen Reiches. Vorrangiges Ziel war nun nicht mehr nur die Revision des Versailler Vertrages, sondern eine expansive Politik mit dem Ziel der Schaffung  von „Lebensraum im Osten“. Damit wandte sich Hitler auch von der kooperativen Revisionspolitik mit Russland ab. 1935 deutete Hermann Göring (1893-1946) Sonderemissär für Polen, bei seinen Besuchen die Rolle an, die Polen von Hitler zugedacht war: Polen sollte als Juniorpartner oder Trabant Deutschlands an einem Eroberungszug gegen die Sowjetunion teilnehmen und als Anteil an der Beute sich im Süden der Sowjetunion, der Ukraine , nach Osten ausdehnen zu  können.

Propagandistisch war der Pakt einer der ersten großen Erfolge Hitlers. Fortan konnte er immer, wenn er vom Frieden sprach – und das tat er in diesen Jahren häufig – darauf hinweisen, dass er als einziger deutscher Politiker bereit zur Versöhnung mit Polen war. Außerdem war der Pakt ein Schlag gegen die französische Politik der kollektiven Sicherheit. Polen hat das verbündete Frankreich bei Vertragsabschluss nicht einmal konsultiert.

Die britisch-französische Garantieerklärung für Polen nahm Hitler am 28. April 1939 zum Anlass, den Nichtangriffspakt mit Polen zu kündigen.

Wenige Monate danach griffen deutsche Truppen am 1. September 1939 Polen an.

Lit.:

  • K. Lapter: Pakt Piłsudski-Hitler. In: Polsko-niemiecka deklaracja o niestosowaniu przemocy z 26 stycznia 1934. Warszawa 1962 (Cz II dok 11).
  • Zygmunt J. Gasiorowski: The German-Polish Non-aggression Pact of 1934. In: Journal of Central European Affairs. Nr. 15, 1955, S. 3–29.
  • Hans Roos: Polen und Europa. Studien zur polnischen Außenpolitik 1931–1939 (= Tübinger Studien zur Geschichte und Politik. Band 7, Tübingen 1957.
  • Schramm, Gottfried: Der Kurswechsel der deutschen Polenpolitik nach Hitlers Machtantritt. In: Roland G. Förster (Hrsg.): „Unternehmen Barbarossa“. Zum historischen Ort der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1933 bis Herbst 1941 (= Beiträge zur Militärgeschichte 40). München 1993, S. 23–34.

 

Deutsch-Polnisches Liquidationsabkommen

Das Deutsch-Polnische Liquidationsabkommen vom 31. Oktober 1929 regelte den Verzicht gegenseitiger finanzieller Ansprüche zwischen Polen und dem Deutschen Reich.

Das deutsch-polnische Verhältnis war nach dem Ende des  Ersten Weltkrieges und der Wiedererrichtung des polnischen Staates schwierig und konfliktträchtig. Polen gelang es nicht, von Deutschland eine Garantie seiner Westgrenzen zu erlangen. Konfliktträchtig war auch die Frage der deutschen Minderheit in Polen. Dennoch strebten Außenminister Gustav Stresemann (1878-1929) und sein polnischer Amtskollege August Zaleski (1883-1972) eine gewisse Normalisierung der Beziehungen an. Dies galt auch für Stresemanns Nachfolger Julius Curtius (1887-1948). Dazu wurden die 1928 unterbrochenen Verhandlungen zu einem Handelsabkommen wieder aufgenommen. Daneben begannen Verhandlungen über einen „Generalausgleich“ durch ein sogenanntes Liquidationsabkommen.

Das Abkommen wurde teilweise parallel zu den Verhandlungen der Sachverständigen zur Neuregelung der deutschen Reparationen (Young-Plan) in Den Haag ausgehandelt. Allerdings weigerte sich die Reichsregierung, wie von der polnischen Regierung gefordert, ein  Junktim zwischen beiden Verträgen zu akzeptieren. Auf deutscher Seite wurden die Verhandlungen von dem Gesandten Ulrich Rauscher (1884-1930) geleitet. Die polnischen Interessen vertrat Außenminister August Zaleskii (1883-1972).

In der deutschen Innenpolitik war es nicht unumstritten. Die Ratifizierung zog sich auf deutscher Seite hin und konnte vor dem Ende des Kabinetts Müller und der Auflösung des Reichstages nicht mehr abgeschlossen werden. Insbesondere die politische Rechte protestierte gegen das Abkommen, weil sie dies als Abkehr von der Strategie sah, Polen mit wirtschaftlichen Mitteln zu schwächen. Die  NSDAP sah darin eine grundsätzliche Abkehr von der Revisionspolitik und die DNVP beklagte den Verzicht auf Milliardenwerte. Die inhaltliche Kritik war verbunden mit persönlichen Angriffen gegen den deutschen Verhandlungsführer Rauscher. Vermischt wurde die Diskussion des Abkommens mit der Debatte um den Youngplan. Insbesondere Hjalmar Schacht (1877-1970) wandte sich in diesem Zusammenhang gegen das Abkommen.

Der Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) zögerte, das Abkommen zu unterschreiben. Er machte seine Zustimmung von einer Mittelaufstockung für die „Osthilfe“ abhängig. Daneben hatte er aber rechtliche Vorbehalte. Einige der von der Opposition in Auftrag gegebenen Gutachten kamen zu dem Schluss, dass für eine Zustimmung im Parlament eine verfassungsändernde Mehrheit erforderlich sei. Erst als die Regierung den Präsidenten davon überzeugen konnte, dass eine einfache Mehrheit genügen würde, unterschrieb er das Gesetz.

In dem Abkommen verzichteten beide Seiten auf alle gegenseitigen Forderungen finanzieller Art, die aus dem Ersten Weltkrieg oder dem Versailler Vertrag hervor-gegangen waren. Darin eingeschlossen waren sowohl Forderungen der Staaten untereinander wie auch die zu Lasten von Privatleuten. Deutschland verzichtete dabei auf mögliche Forderungen von 2 Milliarden Reichsmark. Auf polnischer Seite waren es Ansprüche in Höhe von etwa 800 Millionen Reichsmark. Polen stellte alle laufenden Verfahren zur Liquidation deutscher Güter ein. Dem Abkommen beigegeben war eine polnische Note, in der Polen mit Blick auf Verträge deutscher Landeigentümer, die diese seit 1886 bis zum Kriegsende mit der preußischen Ansiedlungs-kommission geschlossen hatten, auf das Wiederkaufsrecht im Erbfall verzichtete. Damit war der Besitz von etwa 12.000 Familien rechtlich abgesichert. Der Wert des in Frage stehenden Besitzes betrug immerhin 500 Millionen Reichsmark.

Zur Klärung von Streitfällen wurde ein ständiges deutsch-polnisches Schiedsgericht mit Sitz in Paris eingesetzt. Der neutrale Vorsitzende wurde bei Bedarf vom Bundes-präsidenten der Schweiz. Das Abkommen war eines der wenigen erfolgreichen Ansätze zur Klärung des deutsch-polnischen Verhältnisses in der Zwischenkriegszeit.

 

 

Deutsche Blätter in Polen

1924 erfolgte unter Leitung von Dr. Hermann Rauschning (1887-1982) im Verlag der Historischen Gesellschaft die Herausgabe der ersten Ausgaben dieser kulturellen Monatsschrift, die ihr Erscheinen im Herbst 1931 infolge der Weltwirtschaftskrise einstellen musste. Dr. Hermann Rauschning war bis 1927 Schriftleiter dieser Publikation, danach zeichnete Dr. Paul Zöckler für die Herausgabe verantwortlich. Die “ Deutschen Blätter in Polen “ erfuhren im Jahre 1934 in den  „Deutschen Monatsheften in Polen“ eine Fortsetzung.

 

 

Deutsche Bücherei

Die Deutsche Bücherei wurde Ende 1919 errichtet. Ihr Grundstock bildeten die zahlreichen Vereins -und Privatbibliotheken, die bei der Übernahme der Verwaltung der Provinz Posen durch die polnischen Behörden nicht der Beschlagnahme unterlagen. Die wichtigste dieser Bibliotheken war die der  „Historischen Gesellschaft für Posen“ mit ihren ca. 10 000 Bänden. Übernommen wurden darüber hinaus die Buchbestände des Naturwissenschaftlichen Vereins, des Vereins junger  Kaufleute und des Kaufmännischen Vereins.

Von der Deutschen Bücherei gingen  – neben der Versorgung der deutschen Minderheit in Polen mit belletristischer, wissenschaftlicher und Jugendliteratur – zahlreiche Impulse für die Kulturarbeit der Deutschen in Polen aus. So vermittelte sie bspw. Künstler für öffentliche Auftritte in Zusammenarbeit mit einer polnischen Agentur.

Unter dem Namen „Deutsche Bücherei“ arbeitete die Bibliothek zunächst  nur in Posen. Als 1925 ihr Wirkungskreis auf das Land Posen und auf Pommerellen ausgedehnt wurde, wurde sie bei den polnischen Behörden als „Verband deutscher Büchereien“ gemeldet. Im Zusammenhang mit dem 1933 verkündeten Vereinsgesetz musste sie, da inzwischen zahlreiche Zweigstellen eingerichtet worden waren, als “ Deutscher Büchereiverein “ mit Ortsgruppen eingetragen werden. Auf diese Weise waren die Zweigstellen als Ortsgruppen juristisch abgesichert. Die Leitung der Deutschen Bücherei lag zunächst in den Händen von  Dr. Hermann Rauschning (1887-1982), der an ihrem Aufbau maßgeblich beteiligt war. Nach seinem Ausscheiden 1926 übernahm Dr. Paul Zöckler die Verantwortung, der 1934 von Dr. Kurt Lück (1900-1942)  abgelöst wurde. Am 12. August 1938 wurde durch die polnischen Behörden der Büchereiverein mit seinen Ortsgruppen geschlossen.

 

Lit.:

  • Gębołys, Zdislaw: Biblioteki mniejszości niemieckiej w II. Rzeczypospolitej. Katowice 2012

 

 

 

Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft

Im Jahre 1880 gründete sich in Bromberg eine Historische Gesellschaft für den Netzedistrikt unter Vorsitz von Erich Schmidt. Unabhängig von dieser Gründung entwickelten sich weitere wissenschaftliche und künstlerische Vereine, so u.a. der 1867 gegründete “ Naturwissenschaftliche Verein “ und der 1878 ins Leben gerufene Kunst-verein, der Ausstellungen organisierte und kunst-historische Vorträge ermöglichte.

Um einer Zersplitterung des Vereinswesens in Bromberg entgegenzuwirken, entschlossen sich die Vereinsverantwortlichen 1902 – nicht zuletzt auf Drängen des Oberpräsidenten von Bittner – eine Dachorganisation zu bilden- die „Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Bromberg“. Ihr traten alle wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Vereine bei und bildeten die Abteilungen für Geschichte, Natur-wissenschaften, Kunst, Technik und Musik. 1903 bildete sich auch eine Abteilung für Literatur und 1906 eine für Rechts – und Staatswissenschaften. Erster Vorsitzender der Gesellschaft war von 1902 bis 1908 Oberregierungsrat Dr. Georg Albrecht, dem von 1908 bis 1919 Landgerichtsgerichtspräsident Otto Rieck folgte.

Die Gesellschaft gab zwei wissenschaftliche Jahrbücher,  Jahresberichte und seit 1904 die Veröffentlichungen der Abteilung für Literatur heraus.

Nach Gründung des polnischen Staates und der Eingliederung Brombergs in das polnische Gemeinwesen wurde die Arbeit für die Gesellschaft zunehmend schwieriger, da viele Mitglieder in das Deutsche Reich übersiedelten und die Gesellschaft keine staatlichen Zuschüsse mehr erhielt. Darüber hinaus wurde die Bibliothek der Gesellschaft in die städtische Bücherei eingegliedert und die umfangreichen Sammlungen bildeten das Fundament für das neugegründete Museum der Stadt Bromberg.

1939 hörte die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft faktisch auf, nur die historische Abteilung setzte ihre Arbeit bis 1945 fort.

 

Lit. :

  • Schönbeck, Otto: 25 Jahre Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zu Bromberg. Bromberg 1927

 

 

Deutsche Jungenschaft in Polen

Die Keimzellen der 1926 in Wreschen gegründeten Deutschen Jungenschaft in Polen (eine der profiliertesten bündischen Jugendorganisationen außerhalb Deutschlands)  waren Wandervögel – und Pfadfindergruppen in Posen – Pommerellen. Der Alt – Wandervogel Dr. Burchard wurde Ostern 1926 in Wilhelmsau zum ersten Bundesführer der DJiP gewählt. Die  kleinste Jungenschaftseinheit bildete die Sippe, mehrere Sippen bildeten einen Stamm und mehrere Stämme einen Gau. Die DJiP setzte sich aus den Gauen Warthe- Land, Weichsel- Land, Lodz – Land, Oberschlesien und Beskiden zusammen. Organ der DJiP war die Zeitschrift „Zelte im Osten“. Die Arbeit der DJiP wurde durch das Fehlen einer behördlichen Legitimation nicht gerade gefördert, so dass die Aktivitäten der DJiP an den privaten deutschen Schulen weitergeführt wurden. Die polnischen Schulbehörden hatten – von Ausnahmen abgesehen – keine Einwände gegen die einheitliche Gliederung und Zielsetzung der „Schülerwandergruppen“, deren Zugehörigkeit zur DJiP mehr oder weniger stillschweigend zur Kenntnis genommen wurde. Zu einer offiziellen Auflösung der DJiP ist es nie gekommen, mit Zuspitzung der deutsch – polnischen Auseinandersetzungen zerfiel diese Form der bündischen Jugendarbeit in den Jahren 1935 / 36.

 

 

Deutsche Minderheit in Polen zwischen den Weltkriegen

In der Provinz  Posen und Pommerellen fand die letzte Volkszählung unter deutscher Verwaltung im Jahre 1910 statt. Als Kriterium für die Feststellung der Volkszugehörigkeit war die Muttersprache maßgeblich. Diese amtliche Volkszählung wies für das Gebiet von Posen und Pommerellen 1.100.372 Personen mit deutscher Muttersprache aus. Bei der ersten amtlichen Zählung des polnischen Staates im Jahre 1921 war die Zahl der  Deutschen auf 503.617 und bis zur von Friedrich Heidelck  durchgeführten deutschen Selbst-zählung 1926 auf 341.505 Personen zurück gegangen.

Der Rückgang der deutschen Bevölkerung bis zum  Jahre 1921 betrug 54,2 %.

Die zweite deutsche Selbstzählung im Jahre 1934 wies dann nur noch 312.690 Deutsche in Posen uns Pommerellen aus, was gegenüber dem Stand von 1910 einen Rückgang von 71,6 % bedeutete.

Die amtliche polnische Volkszählung vo9n 1931 ergab für Posen und Pommerellen 298.036 Deutsche.

 

Lit.:

  • Heidelck, Friedrich : Die Stellung des Deutschtums in Polen. In : Deutsche Blätter in Polen 6 (1928) S.

 

 

Deutsche Monatshefte in Polen

Deutsche Blätter in Polen

Eine Zeitschrift , die sich der Geschichte und Gegenwart der Deutschen in Polen widmete, und seit 1934 in Kattowitz herausgegeben wurde. Die „Deutschen Monatshefte in Polen“ erschienen monatlich in einer Stärke von zwei bis drei Bogen. Als Herausgeber zeichneten Viktor Kauder (1899-1985) und Dr. Alfred Lattermann (1894- 1945) verantwortlich.

 

 

 

Deutsche Nothilfe

Unter Federführung des Deutschen Wohlfahrts-verbandes wurden die „Jungdeutsche Partei“ und die „Deutsche Vereinigung“ zu Verhandlungen zu-sammengeführt, was 1934 zur Gründung der Deutschen Nothilfe führte. Das Ziel dieser karitativen Organisation war die Hilfe für und die Unterstützung von arbeitslosen Deutschen in Polen, die infolge der Weltwirtschaftskrise materielle Not litten.

Die Deutsche Nothilfe finanzierte sich anfangs durch einen Abzeichenverkauf und durch Spenden, die nach einem Aufruf, in dem um die Abgabe von 2 % des Einkommens aller Deutschen gebeten wurde, eingingen.

Kleidersammlungen wurden von der Deutschen Nothilfe ebenso durchgeführt wie Mütter-erholungskuren organisiert.

Später wurde in Trägerschaft der Deutschen Nothilfe die „Heima GmbH“ gegründet, die Heimarbeits-aufträge vergab und sich durch den Verkauf von diesen Waren finanzierte.

 

Deutsche Partei-Vereinigung des deutschen Volkstums in Polen

Die Deutsche Partei-Vereinigung des deutschen Volkstums in Polen (DP-Verein.) war eine kurzlebige Partei der deutschen Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik 1918 bis 1922. Die Partei ist nicht zu verwechseln mit der Deutschen Partei der späteren Jahre der Zweiten Polnischen Republik.

Im Jahr 1919 wurde die DP-Verein. im Hinblick auf die bevorstehende Nachwahl der Verfassung-gebenden Versammlung in Pommerellen und im Netzedistrikt im Mai 1920 gegründet. Sie trat im Wahlkreis Pommerellen I gemeinsam mit der Zentralarbeitsgemeinschaft der Politischen Parteien (Z.A.G.) in einer gemeinsamen Wahlliste an. Die Liste erhielt 33.514 Stimmen und zwei Mandate, von denen eines auf die Deutsche Partei… fiel (Gustav Heike) und das andere an die Z.A.G.

Im Wahlkreis Pommerellen II trat die Deutsche Partei alleine an und erhielt 51.728 Stimmen und 4 Mandate.

Im Parlament bildeten die Abgeordneten der DP-Verein. gemeinsamen mit dem Abgeordneten der Z.A.G. und den zwei Abgeordneten der Deutschen Volkspartei eine gemeinsame Fraktion „Deutsche Vereinigung“.

Die Partei löste sich 1922 auf.

Lit.:

  • Mads Ole Balling: Von Reval bis Bukarest – Statistisch-Biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919-1945, Band 1, 2. Auflage. Kopenhagen 1991

 

 

 

 

Deutsche Stiftung

Mitglieder der im Januar 1919 einberufenen preußischen verfassungsgebenden Landes-versammlung bildeten mit Parlamentariern der Weimarer Nationalversammlung einen sog. „Ostauschuß“, der sich zunächst aus neun- später aus zwölf- Abgeordneten aller politischen Parteien zusammensetzte, die von den deutschen Bewohnern der zu diesem Zeitpunkt noch zum Deutschen Reich gehörenden Provinzen Posen und Westpreußen in die beiden Parlamente gewählt worden waren.

Eine Hauptaufgabe des „Ostausschusses“ sahen dessen Mitglieder darin ,zu verhindern, dass sich die „Deutschen Volksräte“ in den Ostgebieten des Deutschen Reiches nicht von den sich konstituierenden Parteien entfremdeten, die die entstehende republikanische Gesellschaft politisch zu tragen bereit waren. Weiterhin wollte er „die Bildung eines einheitlichen und entschlossenen Volkswillens durch Aufklärung in den bedrohten Gebieten“ gegen die Abtrennung der Ostgebiete erreichen und ein weiteres Vordringen polnischer Aufständischer verhindern.

Vorsitzender des Ostausschusses, der eine uneingeschränkte Unterstützung durch die Regierungen des Reiches und Preußen genoss, war der Zentrumsabgeordnete der Nationalversammlung, Dr. Paul Fleischer (1874-1960).

Weiterhin gehörten u.a.

  • Max Winkler (1875-1961), Bürgermeister von Graudenz, Deutsche Demokratische Partei
  • Otto Hoetzsch (1876-1946) , Historiker, Deutsch-Nationale Volkspartei
  • Richard Wende (Gewerkschaftssekretär, SPD)

 

diesem Gremium an.

Als Verbindungsmann zwischen dem „Ostausschuß“ und dem preußischen Innenministerium war Erich Krahmer-Möllenberg (1882-1942) tätig, der bis 1918 als Assessor bei der Bezirksregierung in Bromberg  beschäftigt war.

 

Nach intensiven politischen Bemühungen sahen die Verantwortungsträger Mitte des Jahres 1919 ein, dass sich die Abtrennung der Ostgebiete auch mit militärischer Gewalt nicht würde verhindern lassen und konzentrierte daher seine Aktivitäten auf “ den künftigen Schutz der Deutschen in den abzutretenden Gebieten“.

Aus dem  interfraktionellen “ Ostausschuß “ und der Arbeitsgemeinschaft für Posen und Westpreussen entstand im September 1920 die “ Deutsche Stiftung“ als privatrechtlich organisierte Institution zur Führung und Unterstützung der deutschen Minder-heitenorganisationen in Polen.  Am 19.Oktober 1920 durch den Innenminister Carl  Severing (1875-1952) formell als eine private Organisation zur Finanzierung von Aktivitäten und Organisationen der deutschen Minderheit in den durch den Versailler Vertrag an Polen abgetretenen Gebieten bestätigt, zeichnete sie für den unauffälligen Transfer der von der deutschen Reichsregierung zur Verfügung gestellten Mittel zur Unterstützung der Deutschen in Polen verantwortlich. Die „Deutsche Stiftung“ wurde somit zu einer der wichtigsten Institutionen, die die Politik der Weimarer Republik hinsichtlich Fragen der auslandsdeutschen Minderheiten mitgestaltete.

Die Hauptaufgabe der „Deutschen Stiftung“ bestand in der Erhaltung deutscher Schulen in Polen, der deutschen Kirchengemeinden und der deutschen Publizistik in Polen durch Bereitstellung finanzieller Förderungen. Die hierfür erforderlichen Geldmittel stammten aus der Liquidierung der Vermögenswerte der militärischen Verwaltung der durch das Deutsche Reich während des 1.Weltkrieges besetzten Gebiete und aus regelmäßigen Zuwendungen aus dem Reichshaushalt.

Der „Ostausschuß“ setzte seine Tätigkeit in Form eines parlamentarischen Beirates fort und übernahm somit die politische Verantwortung für die Tätigkeit der „Deutschen Stiftung“ gegenüber dem Parlament.

Alle seinerzeit Verantwortlichen waren sich darüber einig, dass die „Stiftung“ ihre Arbeit und Aufgaben nur dann mit Erfolg erledigen könne, wenn ihre Tätigkeit der Öffentlichkeit unbekannt blieb. Insbesondere der Finanztransfer sollte aus Sorge um außenpolitische Kontroversen nicht publik werden. Daher war die parlamentarisch-politische Kontrolle der Stiftung äußerst gering; ein Einfluss offizieller politischer Institutionen auf die Arbeit der Stiftung unterblieb.

 

Zum Leiter der Stiftung wurde  Erich Krahmer – Möllenberg  ernannt, der dieses Amt ununterbrochen bis zum Jahr 1940 ausübte.

Die Organisationsform der Deutschen Stiftung war die eines eingetragenen Vereins.

Infolge der Inflation des Jahres 1923 verlor das Vermögen, dessen Ertrag die Arbeit der „Deutschen Stiftung“ finanziell ermöglichte, erheblich an Wert. Bei der Reorganisation der finanziellen Basis der Arbeit der „Deutschen Stiftung“ sollte nach  Ansicht der Entscheidungsträger eine Kreditinstitution in einem neutralen Land gegründet werden. Nach langen Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amt, dem Reichsministerium der Finanzen, der „Deutschen Stiftung“ und der „Zentralgenossen-schaftskasse“, deren Mehrheitsaktionär die preußische Regierung war, wurde im Juni 1925 in Den Haag die „Holländische Buitenland-Bank“ mit einem Stammkapital von vier Millionen holländischen Gulden gegründet. Mit dieser Gründung vereinfachte sich das Verfahren der Subventionierung, da der Finanztransfer nunmehr über die Kreditinstitute der deutschen Minderheit in Westpolen bankenintern erfolgen konnte.

1933 übernahm der Vertreter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP die Funktion des parlamentarischen Beirates.

Unter Kontrolle der „Volksdeutschen Mittelstelle“ und unter Leitung des SS-Obergruppenführers Werner Lorenz (1891-1974) wurde die „Deutsche Stiftung“ ab 1937 abgewickelt.

 

Lit. :

  • Krekeler, Norbert : Revisionsanspruch und geheime Ostpolitik der Weimarer Republik. Die Subventionierung der deutschen Minderheit in Polen 1919 – 1933, Stuttgart 1973

 

Deutsche Turnerschaft in Polen

Konnten sich die deutschen Turnvereine in der Provinz Posen der staatlichen Unterstützung sicher sein, änderte sich dies unter der neuen polnischen Administration nach 1919 grundlegend.

Der neue organisatorische Aufbau der Strukturen der Vereine der deutschen Turner in Polen begann in Posen – Pommerellen, wo sich die Turnvereine im Juli 1921 zum Verband der „ Deutschen Turnerschaft in Polen“ zusammen schlossen. In Kattowitz gründeten die deutschen Turnvereine am 13. November 1921 die „Deutsche Turnerschaft in Polnisch – Oberschlesien“, der 1922 die Turnvereine aus dem ehemals österreichischen Teschener Schlesien beitraten.

Es kam schnell zu Kontakten zwischen den beiden Verbänden, die 1925 zur Fusion führten. Für die neue Organisation wurde der Name „ Deutsche Turnerschaft in Polen“ während der Gründungs-versammlung übernommen, die am 04. Juli 1925 stattfand.

Dieser Verband erfasste bis 1935 alle Turn  -und vereinzelte Sportvereine der deutschen Minderheit. Aber trotz intensiver Bemühungen gelang es bis 1939 nicht, einen Zentralverband aller deutschen Turn-und Sportvereine in Polen zu gründen.

Die Satzung, die am 07. Januar 1926 in das Vereinsregister Bromberg (poln.:Bydgoszcz) ein-getragen wurde, sah in § 2 als Zweck des Verbandes u. a. vor:

„Förderung des Turnens und aller sonstigen Leibesübungen in weitesten Sinne als eines Mittels zur körperlichen, geistigen , sittlichen und völkischen Kräftigung“

Die beiden Regionalverbände der Deutschen Turnerschaft in Polen führten alljährlich Gauturnfeste und regelmäßig Landesturnfeste mit Leicht-athletikwettkämpfen durch.

Ein vom Verein für das Deutschtum im Ausland bezahlter Wanderturnlehrer war in den deutschen Turnvereinen Polens kontinuierlich tätig. Kontakte zu Organisationen der Turner in Deutschland duldeten die polnischen Behörden nicht. So wurden u.a. im Jahre 1928 deutsche Turner aus Rawitsch zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie an einem Lehrgang für Turner in Berlin teilgenommen hatten. Im Juli 1929 wurden in Bromberg, Posen und Thorn mehrere Turner und Pfadfinder verhaftet, weil sie an Turn – und Ausbildungskursen in Deutschland teilge-nommen hatten.

Unmittelbar nach dem Machtantritt Hitlers passte sich die Leitung der Deutschen Turnerschaft in Polen an die politisch – ideologische Zielsetzung der Nationalsozialisten an. Diese politische Ausrichtung fand ihren Ausdruck in einer Grundsatzerklärung, die in den monatlich erscheinenden „Mitteilungen“, dem Verbandsorgan der Deutschen Turnerschaft in Polen, im Mai 1933 veröffentlicht wurde. In den beiden darauf folgenden Ausgaben der „Mitteilungen“ wurden auch die für die Turner in Deutschland herausgegebenen neuen „Richtlinien für die Gestaltung und den Sinn der Arbeit“ abgedruckt.

Im Sinne der „Gleichschaltung“ und einer direkten Einflussnahme sollte ab 1933 unter Federführung der „Deutschen Turnerschaft…“ ein organisa-torischer Zusammenschluss aller deutschen sportausübenden Vereine erreicht werden. Dieser Aufgabe wurde die DTP nicht gerecht.

1935 schloss sich der Gauturnverband Mittelpolen mit Sitz in Lodz der Deutschen Turnerschaft in Polen an.

Im März 1935 wies die Deutsche Turnerschaft in Polen folgende Mitgliederzahlen auf:

 

* Posen – Pommerellen     32 Vereine mit 2144 Mitgliedern

* Ostoberschlesien             14 Vereine mit 3212 Mitgliedern

* Mittelpolen                         09 Vereine mit  1149 Mitgliedern

 

Lit.:

  • Jurek, Thomas : Kultura Lizyczna mniesjszości niemiecky w Polsce w latach 1918-1939. Gorzów Wlkp.,Poznań 2002

 

 

Deutsche Vereinigung im Sejm und Senat

Nach der Auflösung des Deutschtumsbundes zur Wahrung der Minderheitenrechte in Polen verlor die deutsche Minderheit in Polen eine institutionell-organisierte Interessensvertretung und konzentrierte sich auf die deutschen Parlamentarier im polnischen Parlament.

Bei der Deutschen Vereinigung  handelte es sich somit um einen Zusammenschluss der deutschen Senatoren und Abgeordneten in beiden Häusern der polnischen  Volksvertretung, die in ihren Wahlkreisen Büros unterhielten, die die organisatorische Struktur der DV bildeten – so Kurt Graebe (1874-1952) und Eugen Neumann (1874-1939) in Bromberg, Bernt Saenger und Senator Erwin Hasbach (1875-1970) in Posen, Eugen Naumann in Kolmar und Kurt Graebe in Ostrowo. Die organisatorisch-politische Lücke, die nach der Auflösung des Deutschtumbundes entstand, füllte die „Deutsche Vereinigung im Sejm und Senat“. Obwohl die „Deutsche Vereinigung“ offiziell keine politische Partei war und ihre Aufgabe darin bestand, Kontakte zwischen den Abgeordneten und ihren Wählern aufrecht zu erhalten, war sie die führende politische Kraft, die die deutsche Minderheit in Polen um eine politische Zielrichtung sammelte.

Das Bromberger Büro war die Hauptgeschäftsstelle der DV, die sich in fünf Abteilungen gliederte und die für  alle das Leben der deutschen Minderheit in Polen berührende Fragen bearbeitete. Sie wurde im Jahre 1922 – unmittelbar nach den Wahlen am 05 und 12. November – gegründet. Wichtig war vor allem der seit 1925 bestehende Hauptwahl-ausschuß, dem ein Fünfer – , später ein Neuner-ausschuß vorstand. In diesem kleinen Gremium wurden nicht nur Entscheidungen über Wahlvor-bereitungen und Kandidatenaufstellung, sondern mit der Zeit auch über alle politischen Fragen der deutschen Minderheit in Posen – Pommerellen getroffen. Vorsitzender war Dr. Eugen Naumann. Leiter des zentralen Bromberger Büros war Friedrich Heidelck, bis er 1933 von Hans Wiese abgelöst wurde. Von Mai bis September 1934 zeichnete Adolf Kraft und danach Hans Joachim Kohnert (1905-1972) für die Leitung des Zentralbüros verantwortlich. Das Tätigkeitsgebiet beschränkte sich auf Posen – Pommerellen, wurde jedoch bei Wahlen auch auf Wolhynien und Galizien ausgedehnt.  Der Zentrale in Bromberg waren Bezirke mit Verwaltungssitzen in Bromberg und in Posen unterstellt. Die Bezirke wiederum waren in sog. Geschäftsstellen unterteilt, die sich mit den Kreisen der Woiwodschaften deckten. Die Geschäftsstellen wurden von sog. „Vertrauensmännern“ getragen, von denen es 1932  758 gab.

Politisches  Sprachrohr war die in Bromberg erscheinende  „Deutsche Rundschau“.

Die politischen Zielsetzungen korrespondierten eng mit denen des aufgelösten Deutschtumbundes; identisch waren auch die Funktionäre beider Organisationen.

Die Finanzierung der Arbeit der „Deutschen Vereinigung im Sejm und Senat“ wurde durch Subventionen der deutschen Reichsregierung sowie durch Abgaben (eine sog. „ freiwillige Steuer „) ihrer Anhänger und Unterstützer sichergestellt. Diese „freiwillige Steuer“ betrug z.B. für Bauern und Grund-besitzer 75 Groschen pro Morgen.

 

 

Deutsche Vereinigung für Westpolen

Der Abschluss des deutsch – polnischen Nichtangriffspaktes 1934 bot die Voraussetzungen zur Gründung einer einheitlichen Interessensvertretung der deutschen Minderheit in Posen, Pommerellen und das Kulmerland mit Sitz in Bromberg. Am 08.September 1934 wurde diese neue Organisation –als Gegenbewegung zur Jungdeutschen Partei – durch den Zusammenschluss des lange in Westpreußen bestehenden „ Deutschen Zentralwahlausschuß“, dem „ Deutschen Jungblock“ mit Sitz in Graudenz und dem „ Deutschen Einheitsblock“ mit Sitz in Posen gebildet.

Die zentrale Geschäftsstelle der Deutschen Vereinigung (DV) in Bromberg übernahm die Aufgaben des bisherigen in Bromberg bestandenen Büros der deutschen Sejmabgeordneten und baute diese aus, nachdem die deutsche Minderheit in Polen seit 1935 im Sejm mit Abgeordneten nicht mehr vertreten war. Zu diesen Aufgaben zählte insbesondere die Rechtsberatung, die Schul-abteilung, die Erarbeitung von Interpellationen und Beschwerden.

 

Jeder Angehöriger der deutschen Minderheit in Polen, der 18 Jahre alt war, konnte Mitglied der DVW werden. Die Organisationsstruktur der DWV war identisch mit der administrativen Struktur der Woiwodschaft. Ihre Hauptaufgabe sah diese neue Organisation in der Pflege der Traditionen und Kultur der Deutschen in Polen im Rahmen des polnischen Staatswesens.

Innerhalb eines halben Jahres nach Gründung entstanden in Großpolen 150 Untergliederungen der DVW Bis zum Mai 1934 zählte die DWV bereits 16.474 Mitglieder. Um die Jahreswende 1935/36  steigerte sich die Mitgliederzahl auf 27.804 Mitglieder. Im Frühjahr 1939 hatte die DWV in den Wojewodschaften Posen und Pommerellen rund 35.000 Mitglieder und war somit die zweitgrößte Organisation der deutschen Minderheit in Polen.

Bei Veranstaltungen trugen die Mitglieder der DVW eine einheitliche Kleidung, bestehend aus einer schwarzen Hose bzw. Rock, weißes Hemd und schwarze Krawatte. Das Tragen dieser Kleidung  in der Öffentlichkeit war verboten und zog bei einer  Zuwiderhandlung eine Geldstrafe nach sich.

Leiter der Zentrale der DVW wurde Hans Joachim Kohnert  (1905-1972) und zum Vorsitzenden Erich von Witzleben  gewählt. Ab 1935 vereinigte Kohnert beide Positionen in Personalunion.

Der Zentrale in Bromberg waren Bezirksverbände unterstellt, deren Sitze sich in Bromberg, Kolmar, Hohensalza, Lissa, Ostrowo und Posen befanden.

Das Logo der DVW war ein nach oben gerichteter Pfeil auf schwarzem Grund- dieses Zeichen war die sog.“Tatrune“.

 

Zusehends verwischte sich aber der Unterschied zwischen der JDP und der DV. Beide vertraten nationalsozialistische Positionen bzw. deren Programmatik. Die Deutsche Vereinigung wurde ab 1934 von Rudolf Heß (1894-1987) und besonders durch den Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) gefördert, dessen Aufgaben die DV in Polen übernahm. Führende nationalsozialistische Kreise in Deutschland erkannten sowohl die DV als auch die JDP als Repräsentanten des Nationalsozialismus in Polen an. Der wesentliche Unterschied zwischen den Organisationen bestand nicht in ideologisch – doktrinären Positionen, sondern in den Formen der politischen Arbeit und der Vorgehensweise wurden die Differenzen deutlich.

Die Vereinigung war Herausgeberin des „Posener Tageblatts“ und des „Pommereller Tageblatts“, die in erster Linie agitatorische Zwecke erfüllten.

In den Jahren 1936 / 37 wurde der DV die “ kulturell – bildende Arbeit an ihren Mitgliedern und deren Kindern“,  die Betreuung von Jugendlichen sowie die Einrichtung von Bezirksgeschäftsstellen durch die polnischen Behörden untersagt. In einigen Kreisen wurden sogar Ortsgruppen aufgelöst.

Ab 1938 mussten alle öffentlichen Veranstaltungen angemeldet und die Texte der im Programm vorgesehenen Wortbeiträge in polnischer Über-setzung mit eingereicht werden.

Im Herbst 1939 wurde die Vereinigung aufgelöst.

 

Lit.:

  • Breyer, Richard: Die deutsche Bevölkerung in Polen 193 bis 1939. In : Deutschland und Polen von der nationalsozialistischen Machtergreifung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Braunschweig 1986. S. 71-81 ( = Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung, 22/IX)

 

 

Deutsche Volksräte

Die Revolution im November 1918 führte in Deutschland zum Sturz der Monarchie. Die politische Macht übernahmen die überall in Deutschland entstehenden Arbeiter – und Soldatenräte.

Bereits am 10. November entstand in Posen der erste Soldatenrat mit August Twachtmann (* 01.Mai 1883) als Vorsitzendem und einen Tag später konstituierte sich ein Arbeiterrat. Beide Räte vereinigten sich zum Vollzugsausschuß des Arbeiter – und Soldatenrates in Posen, der ständige Kontakte zu der politischen Leitung der Arbeiter – und Soldatenräte in Berlin unterhielt. Weitere Arbeiter – und Soldatenräte bildeten sich in der Provinz  Posen in Bromberg, Birnbaum (Międzychod) ,Czarnikau (Czarnkow),Filehne (Wieleń), Kolmar (Chodzicz), Lissa (Leszno), Meseritz (Międzyrzecz), Nakel (Naklo), Rawitsch (Rawicz), Schubin (Szubin), Wirsitz (Wyrzysk) und Wollstein (Wolsztyn). Bis zum Ende des Jahres 1918 nahmen in der Provinz Posen weitere 300 Räte ihre Arbeit auf, die von der Regierung in Berlin als exekutive Organe der lokalen Ebene anerkannt wurden.

Aufgrund der schwachen Einflüsse der sozialistischen Bewegung in Großpolen hatten die Arbeiter- und Soldatenräte keine größere Bedeutung und es mangelte ihnen daher an Einfluss und politischer Durchsetzungskraft.

Die und die politische Entwicklung in Deutschland animierte weitere politische Kreise und Organisationen, eigene politische Vertretungen, die sog. „Volksräte“ zu bilden. Dieser „Deutsche Volks-rat“ entstand neben den ebenfalls neu entstandenen Arbeiter – und Soldatenräte, dem Polnischen und  Jüdischen Volksrat. Der erste deutsche Volksrat entstand bereits am 14. November 1918 in der Provinz Posen. Zum Vorsitzenden  des Vollzugsauschusses dieses Volksrates  wurde Dr. Alfred Hermann, Professor an der Königlichen Akademie in Posen, gewählt. Weiterhin gehörten u.a. Eugen Naumann, und Dr. Leo Wegener (+ 1936) dem Vollzugsausschuss an.  Der Volksrat richtete sich mit einem Aufruf an die deutsche Bevölkerung in der Provinz Posen, indem er sie aufforderte, Lokalräte im Rahmen des Deutschen Volksrates der Provinz Posen, der am 12. Dezember 1918 berufen wurde, zu bilden. Im Dezember 1918 entstand in Bromberg die Zentrale der deutschen Volksräte, eine Vereinigung der lokalen deutschen Volksräte, deren Einfluss sich aber im wesentlichen auf das Netzegebiet und Pommerellen beschränkte. Zum Vorsitzenden der Zentrale der deutschen Volksräte wurde Georg Cleinow (1873-1936) und zu seinem Stellvertreter Kurt Graebe (1874-1952) gewählt.

Der Deutsche Volksrat wurde, da er sich für den staatsrechtlichen Verbleib der Provinz Posen beim Deutschen Reich einsetzte, von den Arbeiter – und Soldatenräten als konterrevolutionäre Organisation angesehen und forderte deren Auflösung.

Mit dem  Großpolnischen Aufstand verloren die deutschen Volksräte ihren politischen Einfluss und Status.

Nachdem Prof. Dr. Hermann als Abgeordneter in die Deutsche Nationalversammlung gewählt wurde, löste ihn in der Führung des Deutschen Volksrates zunächst Regierungsrat Dr. Brose ab, an dessen Stelle nach kurzer Zeit Landrat a.D. Eugen Naumann trat.

Am 24. Februar 1920 kam es in Posen zu einer Versammlung der deutschen Volksräte unter Leitung des ehemaligen Zniner Landrates Eugen Naumann. Während dieser Versammlung wurde der „ Deutsche Volksrat“ aufgelöst und der “Deutschtumsbund zur Wahrung der Menschenrechte“ gegründet. Neben den Vertretern der Deutschen Volksräte waren in dieser neuen Organisation die Deutsche Volkspartei, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Demokratische Partei und die Christliche Volkspartei „Zentrum“ vertreten.

 

 

Deutsche Volksliste (poln.:Niemiecka Lista Narodowošciowa)

Die Deutsche Volksliste war ein von den Nationalsozialisten in den annektierten polnischen Gebieten entworfenes Verfahren zur Klassifikation und Selektion der Bevölkerung  in Deutsche und Polen.

Bereits am 21. September 1939 wurde auf Veranlassung von Gauleiter Arthur Greiser (1897-1946) die in den vom Deutschen Reich okkupierten polnischen Gebieten  wohnende Bevölkerung in vier Kategorien der “ Deutschen Volksliste “ eingeteilt, um hiermit zu entscheiden, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten konnten.

Das am 06. November 1939 bekannt gegebene erste Einteilungsprinzip sah nur die Unterscheidung zwischen „Bekenntnisdeutscher“ und „deutsch-stämmig“ vor. Im Mai 1940 und Januar 1941 wurde die Deutsche Volksliste erweitert, um weitere Personengruppen „eindeutschen“ zu können. Die zunächst nur im Reichsgau Wartheland geübte Praxis der Deutschen Volksliste wurde im September 1940 auf alle dem Deutschen Reich eingegliederten Ostgebiete angewandt.

Die nationalsozialistische Volkstumspolitik – auf programmatischen Vorgaben Himmlers (1900-1945)  beruhend- sah vier Kategorien der Volksliste vor:

  1. Volksdeutsche, die in Polen vor 1939 ansässig waren, sich durch ein „Bekenntnis zum Deutschtum“ während der Jahre 1919 bis 1939 hervorgetan hatten, bzw. aus dem Baltikum, Südosteuropa oder der Sowjetunion um – und in Polen angesiedelt wurden ( Balten-, Bessarabien-,Wolhyniendeutsche ) – Volksliste 1
  2. Deutschsprachige Staatsbürger Polens, die sich zwischen 1919 und 1939 nicht aktiv zum „Deutschtum bekannt“ hatten. – Volksliste 2. In die Gruppe 2 der DVL wurden diejenigen Volksdeutschen eingestuft, „die sich in der polnischen Zeit zwar nicht aktiv für das Deutschtum eingesetzt,… die aber gleichzeitig ihr Deutschtum nachweislich bewahrt“ hatten. Gemeint waren bspw. „Grundbesitzer, Kaufleute, Handwerker usw., die nicht selten bei aller inneren Bewahrung ihres Deutschtums ein besonderes Hervortreten“ hatten vermeiden müssen, da dieses „mit einer Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Existenz verbunden gewesen wäre“.
  3. „Deutschstämmige“ Staatsbürger Polens, deren Zurechnung aufgrund des Namens, der Abstammung, der Sprache u.a. erfolgte. (Volksliste 3). In die Abteilung 3 der DVL wurden die folgenden Personengruppen eingetragen, „die im Laufe der Jahre Bindungen zum Polentum eingegangen waren, sich aber nicht gegen das Deutschtum betätigt hatten und insofern die Prognose rechtfertigen, dass sie wieder voll-wertige Mitglieder der deutschen Volks-gemeinschaft werden.“
  • Personen nichtdeutscher Abstammung, „die in völkischer Mischehe mit einem deutschen Volkszugehörigen lebten, in der sich der deutsche Teil durchgesetzt hatte“
  • die Angehörigen der „völkisch nicht klar einzuordnenden, tatmäßig und kulturell zum Deutschtum neigenden Bevölkerungsgruppen mit slawischer Haussprache“
  1. „Eindeutschungsfähige“ , die nicht aktiv für das „Polentum“ eingetreten waren, aber die deutsche Sprache nur mangelhaft beherrschten. – Volksliste 4. I die Abteilung 4 wurden „diejenigen deutschstämmigen Personen aufgenommen, die politisch im Polentum aufgegangen waren“, in dem sie sich vor dem September 1939 z.B. „ausgesprochen deutschfeindlichen polnischen Organisationen oder polnischen politischen Parteien angehört oder sich sonst deutsch-feindlich betätigt „ hatten.

 

Direkte Folge der unterschiedlich Eingestuften war die Verleihung einer juristisch differenzierten deutschen Staatsangehörigkeit. Die in die Abteilung  1 und 2 aufgenommenen Personen erhielten blaue DVL-Ausweise und erwarben damit mit Wirkung vom 26.  Oktober 1939 die uneingeschränkte deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Angehörigen der Kategorien 3 und 4 (für sie gab es grüne DVL-Ausweise) erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft auf Widerruf verliehen. Der Rechtsrahmen für diese Kategorie, die im Reichsstaatsangehörigkeitsgesetz von 1913 nicht enthalten ist, wurde durch die „Zwölfte Verordnung  zum Reichsbürgergesetz vom 25. April 1943“ geschaffen und durch die „Verordnung über die Staatsangehörigkeit auf Widerruf vom 25. April 1943“ ergänzt.

Den in der Gruppe 4 der DVL aufgenommenen Personen- sie bekamen rote Ausweise- wurde die deutsche Staatsangehörigkeit nicht verliehen. Sie konnten diese nur durch Einzeleinbürgerung und dazu nur auf Widerruf erwerben.

Parallel zu der Kategorie „ Staatsangehörige auf Widerruf „ wurde – ebenfalls mit der v.g. Zwölften Verordnung „ – die Kategorie der „Schutz-angehörigen“ geschaffen und durch die „Erste Verordnung über die Schutzangehörigkeit des Deutschen Reiches vom 25. April 1943“ näher bestimmt.Damit war die Hierarchisierung der Bewohner der besetzten Gebiete noch nicht abge-schlossen. „Juden und Zigeuner“ hatten keinerlei Status im Rahmen der Volksliste und wurden auch nicht als „ Schutzangehörige“ definiert und standen deshalb außerhalb des Rechtsrahmens des Reichsbürgergesetzes.

1944 waren etwa 3 Millionen Menschen in den sog. „eingegliederten Ostgebieten“ (also den Reichs-gauen Danzig-Westpreußen und Wartheland sowie den Regierungsbezirken Zichenau und Kattowitz in der DVL eingetragen. Im Reichsgau Wartheland wurden nur etwas mehr als 0,5 Millionen Menschen in die Volksliste eingetragen.

 

Das Dekret vom 28. Februar 1945 „Über den Ausschluss feindlicher Elemente aus der polnischen Gesellschaft“ gestand den Angehörigen der Gruppen 3 und 4 der „Volksliste“ die uneingeschränkten Bürgerrechte zu, soweit der Eintrag unter Zwang erfolgte und sie durch ihr Verhalten die Bewahrung ihrer polnischen Identität unter Beweis gestellt hatten.

Eine völlig geänderte Rechtsauffassung vertrat demgegenüber das Dekret vom 28.Juni 1946 „ Über die strafrechtliche Verantwortung für Abweichungen vom eigenen Volkstum während des Krieges 1939-1945.“ Bereits die bloße Erklärung der Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum wurde darin in den Rang eines Straftatbestandes erhoben und somit vom Kriterium der Zugehörigkeit zu einer bestimmten DVL –Gruppe abgerückt,  die ganz im Ermessen der deutschen Behörden gelegen hatte.

Eine Ergänzung jener Bestimmungen stellte das Dekret vom 13. September 1946 „Über den Ausschluss von Personen deutscher Volkszu-gehörigkeit aus der polnischen Gesellschaft“ dar. Es regelte den Status der Angehörigen der Gruppe 1 und 2 in radikaler Weise und bedeutete eine Vorentscheidung über den Entzug der polnischen Staatsangehörigkeit und der späteren Zwangs-aussiedlung.

Am 20.Juli 1950 wurde ein sog. “Amnestiegesetz“ über die „Aufhebung von Sanktionen und Restriktionen gegenüber Bürgern, die ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum erklärt hatten“ erlassen.

 

Lit.:

  • Becker, Erich: Die deutsche Volksliste als Mittel zur Festigung deutschen Volkstums in den eingegliederten Ostgebieten. In : Zeitschrift für Völkerrecht 26 (1942), 1 35-38
  • Prospieszalski, Karol Marian: Niemiecka Lista Narodowa w „Kraju Warty“. Wybór dokumentów. Poznań 1949
  • Weiß, Herman: Deutsche Volksliste. In : Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Hrsg.. von Wolfgang Benz u.a. München ³ 1998. S.424-425
  • Schuch, Hans-Jürgen : Deutsche Volksliste. Rechtliche Grundlagen-aufnahme- Staatsangehörigkeit. In : Westpreußen-Jahrbuch 51(2001) S.142-144
  • Stryikowski, Krzysztof: Połozenie osób psianych w Wielkopolsce na niemecką liste narodowściową w latach 1945 –1950. Poznań 2004
  • Wolf, Gerhard: Deutsche Volksliste. In : Handbuch der völkischen Wissenschaften. Hrsg. von Michael Fahlbusch und Ingo Haar. München 2008. S.129
  • Frachowiak, Johannes : Die „Deutsche Volksliste“ als Instrument der nationalsozialistischen Germanisierungspolitik in den annektierten Gebieten Polens 1939-1945. In : ders.: (Hrsg.): Nationalistische Politik und Ressentiments. Deutsche und Polen von 1871 bis zur Gegenwart. Göttingen 2013 S.181-220

 

 

Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen

Herausgeber dieses von 1923 bis 1939 erschienenen Periodikums aller in Polen bestehenden deutschen wissenschaftlichen Gesell-schaften war die Historische Gesellschaft für Posen. Redigiert wurde sie von Dr. Hermann Rauschning (1887-1982) und seit 1926 von Dr. Alfred Lattermann (1894-1945). Insgesamt sind 36 Bände erschienen. Fortgesetzt wurde die Herausgabe dieser Zeitschrift auch nach der Besetzung Posens durch deutsche Truppen unter dem Namen  “ Deutsche wissen-schaftliche Zeitschrift des Warthelandes „. 1942 erschien die letzte Ausgabe dieser Reihe.

 

 

Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift des Warthelandes

►Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift für Polen.

 

 

 

Deutscher Heimatbund Posener Flüchtlinge

Infolge des Versailler Vertrages kam ein breiter Flüchtlingsstrom aus den ehemaligen preußischen, nun polnischen Provinzen Westpreußen und Posen in das Deutsche Reich. Es bildeten sich rasch Selbsthilfeorganisationen, die sich neben karitativen auch politischen und publizistischen  Aufgaben widmeten. Die Hauptgeschäftsstelle des reichsweit organisierten “ Deutschen Heimatbundes Posener Flüchtlinge „, der am 28. März 1919 durch den Architekten Bruno Schwalbe aus Neustadt/Pinne in Birnbaum gegründet wurde, befand sich in Frankfurt / Oder.  Der Heimatbund betrieb in Meseritz eine sog. “ Ostmärkische Volkshochschule “ und gab die monatlich erscheinende Zeitschrift “ Die verlorene Ostmark “ heraus, deren Schriftleitung Dr. Franz Lüdtke (1882-1945) übernahm.

War der Heimatbund zunächst eine politische Organisation mit militärischem Gepräge, der eine Wiedereroberung der Provinz Posen anstrebte, widmete sich diese Organisation nach Abschluss des Versailler Vertrages der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Betreuung  ihrer über 300.000 Mitgliedern, für die sie Lobbyfunktionen im gesellschaftlichen und parlamentarischen Raum übernahm.

Das von dem Heimatbund getragene Flüchtlings-heim in Frankfurt / Oder, in dem sich auch dessen Hauptgeschäftsstelle befand,  bot bis zum 15. Mai 1920 17922 Personen eine erste Unterkunft.

Am 26. September 1920 schloss sich der „Heimatbund “ mit dem “ Reichsverband Ostschutz “ zum „Deutschen Ostbund “ zusammen, der 1922 / 23 weit über 1 Million Mitglieder aufweisen konnte. Ehrenvorsitzender des „Deutschen Ostbundes “ war der Reichspräsident  Paul von Hindenburg (1847-1934), Vizepräsidenten u.a.  Franz Lüdtke (1882-1945)  und der ehemalige Posener Verlagsdirektor E. Ginschel.

 

 

 

Deutscher Ostmarkenverein

►Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken

 

 

Deutscher Schulverein in Polen

Im Mai 1921 mit Sitz in Bromberg gegründet, dessen Leitung der letzte deutsche Direktor der Bromberger Hindenburg – Schule, Dr. Otto Schönbeck, als Hauptgeschäftsführer übernahm, war die namhafteste Organisation für das private Schulwesen in Polen. Die Vereinigung bemühte sich zwischen 1920 und 1939 um den Erhalt und den Ausbau deutscher Schulen in Polen und führte zahlreiche Aus – und Fortbildungstagungen für Pädagogen durch. Bestanden 1920   12 private deutsche Schulen, so war der Verein im Jahre 1929  für 84 und im Jahre 1938 für 96 Schulen Rechtsträger. Seine finanziellen Mittel erhielt der Schulverein über die  Deutsche Stiftung, die vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland gesammelt wurden. Von diesen Geldern wurden die Sachaufwendungen der Schulen (so z.B. des Schillergymnasiums in Posen) bestritten, die Lehrergehälter gezahlt, sowie Stipendien gewährt.

 

Lit. :

  • Nasarski, Peter ( Hrsg. ) : Deutsche Schulen im Ausland ( 2 . Band), Bonn, Berlin 1989

 

 

Deutscher Stipendienverein der Provinz Posen

Dieser Verein, der von seinem Gründer, dem Superintendenten Harhusen in Neu – Skalmierschütz / Kreis Ostrowo (poln.: Nowe Skalmierzyce) geleitet wurde, verfolgte – ähnlich wie die polnischen Vereine – die Unterstützung begabter junger Menschen während ihres Hochschul – oder Fachschulstudiums.

1910 hatte der Verein ca. 300 Mitglieder und konnte insgesamt 11 Stipendien vergeben. (zum Vergleich: der Marchincowski – Verein konnte 1909 552 Stipendiaten mit einer Summe von rund 97.000 RM unterstützen.)

 

 

Deutscher Wohlfahrtsdienst

Polen und Deutschland waren gleichermaßen daran interessiert, Kindern ihrer jeweiligen nationalen Minderheit alljährlich einen Ferienaufenthalt im jeweiligen „ Mutterland“ zu ermöglichen. Dieser deutsch – polnische Jugendaustausch beruhte auf zwischenstaatlichen Vereinbarungen. In der Regel fand eine bilaterale Konferenz zur Absprache und zur Regelung organisatorischer Fragen jeweils im Januar eines Jahres statt.  Das Deutsche Reich wurde durch die Reichszentrale für Stadtkinder e.V. und Polen durch den Westmarkenverein vertreten. Die Vertretung der polnischen Minderheit in Deutschland nahm der Verband der Polen in Deutschland wahr, der Deutsche Wohlfahrtsdienst die der deutschen Minderheit in Polen. Mit der organisatorischen Vorbereitung und Durchführung der Verschickung deutscher Kinder aus ganz Polen nach Deutschland wurde dem Deutschen Wohlfahrtsdienst übertragen.  Zuletzt nahmen  jährlich 7000 Kinder an dieser Aktion teil, die in Deutschland von der Inneren Mission und der Caritas betreut wurden. Die Gesamtleitung des Deutschen Wohlfahrtsdienstes befand sich in Bromberg. Geschäftsführer war Pastor Kurt Eichstaedt.

Zu den Tätigkeitsfeldern dieser karitativen Organisation, aus der Zusammenfassung der konfessionellen Wohlfahrtseinrichtungen „Innere Mission“ und „Caritas“nach dem 1. Weltkrieg ent-standen, war u.a.auch die Suche und Vermittlung von Arbeitsstellen.

Auch sorgte er für Witwen und Waisen, Erholung und ärztliche Behandlung Bedürftiger.

Im Herbst 1939 übernahm im Zuge der Annektierung Polens die NS-Volkswohlfahrt die Aufgaben des Wohlfahrtsdienstes.

 

Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte (poln . : Związek Niemieckości do Zachowania Praw Mniejszości)

Diese Organisation  ging aus den deutschen Volksräten hervor, die sich im letzten Quartal des Jahres 1918 gebildet hatten, um polnische Besetzungsversuche abzuwehren. Daneben entstand die von den politischen Parteien und den freien Gewerkschaften getragene „Zentral – Arbeitsgemeinschaft der deutschen Parteien“.  Zwischen beiden Organisationen kam es 1920 /21 zu ernsthaften politischen Auseinandersetzungen. Das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches war an der „Einigkeit des Deutschtums in den Abtretungsgebieten“ interessiert und favorisierte eine Vereinigung der beiden Organisationen. Diese kam jedoch nicht zustande, weil die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten eine Zusammenarbeit mit dem eher nationalistisch ausgerichteten Deutschtums-bund ablehnten.  Das Auswärtige Amt favorisierte daraufhin den Deutschtumsbund als alleinige Vertretung der Deutschen in Polen und entzog der Zentral – Arbeitsgemeinschaft jegliche Förderung.

Am 24. Februar 1920 tagten in Posen die Vertreter der deutschen Volksräte unter Leitung des ehemaligen Landrates von Znin, Eugen Naumann (1874-1939). Während dieser Tagung löste man den Deutschen Volksrat auf und gründete den Deutschtumsbund… Außer den Strukturen der Volksräte gehörten der neuen Organisation auch die deutschen Parteien, mit Ausnahme der Sozial-demokratie, an. In die Organisationsstrukturen des Deutschtumbundes wurden auch der Bauernverein, der Handwerkerverband, der Deutsche Schulverein, der Gustav-Adolf-Verein, die Deutsche Bühne sowie Turn –und Sportvereine eingebunden.

Anliegen des Deutschtumbundes war es, die diversen bürgerlichen politischen Gruppierungen der Deutschen in Polen auf überparteilicher und national-kultureller Grundlage zusammen zu schließen. Das wichtigste Anliegen galt der Inanspruchnahme der im Minderheitenschutzvertrag kodifizierten Rechte. Dazu bemühte er sich bei den verschiedenen polnischen Regierungsstellen um die ausschließliche Interessensvertretung der deutschen Minderheit sowie bei der deutschen Reichsregierung und bei dem Rat bzw. dem Sekretariat des Völkerbundes.

Der Deutschtumsbund war bis zu seinem Verbot 1923 die stärkste und einflussreichste Organisation der Deutschen in Polen. Ihre Arbeit leitete die Zentrale mit Sitz in Lodz, an der Spitze des Deutschtumsbundes stand der Hauptvorstand mit Sitz in Bromberg.

Aufgrund der prinzipiellen Konflikte zwischen den vor allem im Westen Polens dominierenden National-demokraten und den die ehemals russischen Teilungsgebiete beherrschenden Sozialisten konnten sich manche der rasch aufeinander folgenden Kabinette nur mit Hilfe einer Tolerierung der Regierung durch die parlamentarischen Vertreter der nationalen Minderheiten Polens im Amt halten.

Diese politische Konstellation führte zu nationalistischen Vorwürfen, die errungene Unabhängigkeit Polens durch allzu großes Entgegenkommen gegenüber den nationalen Minderheiten zur Disposition zu stellen.

Die polnischen Behörden – insb. die Militärbe-hörden– beobachteten mit wachsender Unruhe die dynamischen Aktivitäten des Deutschtumsbundes.

In dieser angespannten Situation, die am 16. Dezember 1922 in der Ermordung des mit den Stimmen der Minderheitenabgeordneten gewählten Staatspräsidenten Gabriel Narutowicz (1865-1922) gipfelte, verhängte der Woiwode von Pommerellen im Spätherbst 1922 ein Verbot des Deutschtums-bundes, weil er ihn wegen staatsfeindlicher Aktivitäten und des Hochverrates verdächtigte.

Die Durchsuchung der Geschäftsstelle des Deutschtumsbundes verlief ergebnislos, es fanden sich keine Belege, die den Grund des Verbotes belegten.

Das Oberste Gericht in Warschau, bei dem der Deutschtumsbund Revision eingelegt hatte, rügte zwei Jahre später das Vorgehen der Behörden und hob das Verbot mangels Beweisen auf.

Der Deutschtumsbund wurde bis zu seiner Auflösung vom Auswärtigen Amt als einzige Kontaktstelle für die Durchführung karitativer und wirtschaftlicher Stützungsmaßnahmen angesehen. Der Deutschtumsbund leistete eine Art Amtshilfe für die reichsdeutschen Behörden, indem er als offizielle Instanz für den Nachweis der „Verdrängten-eigenschaft“ der aus Polen abgewanderten Deutschen fungierte.

Das Ermittlungsverfahren gegen den Deutschtumsbund dauerte sieben Jahre, eine Gerichtsverhandlung wurde erst am 11. April 1930 eröffnet. Die Anklage vor den Woiwodschaftsgericht in Bromberg galt insgesamt 10 Funktionsträgern des Deutschtumsbundes .die man der Sabotage, des Geheimnis- und Staatsverrates beschuldigte. Nach Abschluss des wenige Tage dauernden Prozesses wurden die Angeklagten nur wegen ihrer Aktivitäten und Beteiligung an einer staatsfeindlichen Organisation schuldig gesprochen. Das Strafmaß hierfür war Gefängnisstrafe von einer Dauer von einem bis zu sechs Monaten.

Auf die am 10. Sept. 1923 beim Woiwod-schaftsgericht in Posen eingereichte Klage gegen die Verbandsauflösung erfolgte keine Entscheidung.

Nach der Auflösung des Deutschtumsbundes gingen seine Aufgaben auf die Wirtschaftsverbände und berufsständischen Organisationen der Deutschen in Polen über.  Die Spitze dieser Institutionen stellte der sog. „Fünferausschuß“ und spätere „Neuner-ausschuß“ dar, der sich verwaltungstechnisch auf das Büro der deutschen Abgeordneten in Sejm und Senat  in Bromberg stützte.

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Dobberschütz   ( poln. : Dobrzyca )

Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes (12 Kilometer westlich von Pleschen/Pleszew gelegen) stammt aus dem Jahr 1327, als dem Adligen Mikolaus Dobrzycki der Besitz des Ortes urkundlich bescheinigt wurde.

Stadtrechte erhielt der Ort 1440 von Władysław III von Warna (1424-1444) verliehen;den Stadtstatus erhielt sie jedoch 1934 entzogen.

1458 führte man D. unter den Städten auf, die bei dem Entsatz der Marienburg mitwirkten.

Die kleine Stadt lebte in erster Linie vom Handwerk und hatte bis in das 18.Jahrhundert nicht mehr als 1000 Einwohner.

Im 17. Jahrhundert wurde D.von schwedischen Truppen zerstört. 1655 zog sich der Hetman Jerzy Sebastian Lubormirski (1616-1667), der Führer eines Adelsaufstands gegen König Johann II Kasimir (1648-1668), nach einem Sieg über die königlichen Truppen bei Tschenstochau in das großpolnische Hinterland zurück und schlug sein Hauptquartier in D. auf.

1717 erlosch das Geschlecht der Dobrzycki und der Landadlige Aleksander Gorzenski (1671-1754) erwarb  die Stadt. Dessen Enkel, General Augustyn Gorzenski, Adjutant des Königs Stanislaus II August Poniatowski (1732-1798).

1795), Sejm-Abgeordneter und Mitgestalter der Verfassung vom 03.Mai 1791, sorgte ab 1772 für eine Neubelebung der städtischen Wirtschaft.

Infolge der Teilungen Polens geriet D. ab 1793 unter preußische Herrschaft.

Die Stadt und ihre Güter wechselten im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer, bevor 1890 der bibliophile Graf Zygmunt Czarnecki (1884-1939) die Stadt erwarb, die sich bis 1939 in Familienbesitz befand. Diese Familie sorgte für eine Anbindung der Stadt an die Eisenbahn, gründeten Landwirtschaftsvereinigungen und eine Landwirt-schaftsbank.

Bei der Volkszählung 1905 hatte die Ortschaft 1428 Einwohner. Das örtliche Schloss diente den Nationalsozialisten als Internierungslager.

 

 

Doiza

Unweit des Dorfes Hammer (Kuznica Zbąska) im Kreis Bomst liegt das Quellgebiet dieses 15 km langen Flusses. Mündet unweit der Stadt Obra in den Obra – Nordkanal. Durchfließt u.a. den Wiosker, den Wollsteiner- und den Berzyner-See.

 

Dolzig  (poln.: Dolsk)

12 Kilometer südlich von Schrimm (Śrem) am Dolziger See gelegen.

In der sog. „ Bulle von Gnesen“  des Papstes  Innocentius II (1130 – 1143) erstmals 1136  urkundlich erwähnt, in der  der Ort als Eigentum  des Gnesener Erzbistums aufgezählt ist. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts (etwa um das Jahr 1257) befand sich die Stadt im Eigentum der Bischöfe von Posen –sie blieb in ihrem Besitz bis zur Säkularisierung im Jahre 1797.

Bischof Johann V.Doliwa erwirkte 1359 von König Kasimir III (reg. 1333 – 1370) die Verleihung Neumarkter Rechts für Dolzig. Die Stadt lag an einer Handelsroute, die von Posen nach Breslau führte, und hatte daher Marktprivilegien. Während militärischer Auseinandersetzungen  brannte Dolzig 1383 ab.

1790 großer Stadtbrand.

1866 entstand in D. der erste Bauernverein in Großpolen.

 

Lit.:

  • Jabczynski, J.: Rys historyczny miasta Dolska i jego okolic. Poznań 1857
  • Budzyń, Krzyztof: Nasz Dolsk. Dawne widoki miasta i okolicy. Śrem 2009

 

 

Doruchow ( poln.: Doruchów )

Das Dorf im äußersten Süden Großpolen wurde 1213 als Grundbesitz eines Grundherrn namens Doruch erstmals urkundlich erwähnt.

  1. erlangte 1775 Bekanntheit in ganz Polen, als im landesweit letzten Hexenprozess 14 Frauen des Ortes der Zauberei angeklagt und lebend auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Diese Ereignisse führten im Jahr darauf zur Abschaffung von Folter und Todesstrafe bei Anklagen weg

 

 

Drage (poln. Drawa )

168 km langer Nebenfluss der Netze (Noteć), der im Fünfseengebiet auf dem Baltischen Höhenrücken zwischen Polzin (poln.:Polczyn Zdrój) und Tempel-burg (poln.: Czaplinek) entspringt und  in die Netze mündet. (unweit der Stadt Kreuz /Ostbahn- Krzyz Wlkp.) Im Ober – und Mittellauf durchfließt die Drage zwölf Seen. Die bedeutendsten sind der Dratzig – See (Jezioro Drawsko), der mit 83 m zu den tiefsten Seen Norddeutschlands zählte und der Große Lübbe – See (Jezioro Lubie).  Da auf der Drage Holz geflösst wurde, hatte dieser Fluss eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung für die Region.

Der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) versuchte 1680/1681 die Drage schiff-bar zu machen, um so den Handelsverkehr zwischen Hinterpommern und der Neumark zu fördern.

Von 1368 bis 1772 bildete die Drage die Grenze zwischen Brandenburg und dem zu Polen gehörenden Land Krone. Sie war bis zur Reformation auch die natürliche Grenze der Bistümer Cammin und Posen. Heute wird die Drage für den Wassersport genutzt.

Das Einzugsgebiet dieses Flusses umfasst 3198 qkm.

 

 

Dubin   ( poln.: Dubin )

Als Sitz eines Kastellans erstmals 1271 erwähnt. Neben der Burg muss sich bereits im 13. Jahrhundert eine dörfliche Siedlung befunden haben, die sich seit 1284 im Besitz des Kastellans Stephan von Kröben befand. Er erhielt von König Przemysl II ( reg. 1295 – 1296 ) die Erlaubnis, dieses Dorf zur Stadt zu entwickeln. Es ist zu vermuten, dass die Gründung der Stadt nicht umgehend nach Erteilung des Privileges erfolgte, denn noch 1310 wird D. als Dorf in den Urkunden geführt. Die älteste urkundliche Erwähnung Dubins als Stadt stammt vom 08. März 1446.

1895 wurde D. ihr Status als Stadt aberkannt.

 

 

Eindeutschung

Seltener ist „Rückdeutschung“ oder „Wieder-eindeutschung“. Dies waren Bezeichnungen der nationalsozialistischen Amtssprache für Maßnahmen zur Feststellung der Volkszugehörigkeit und der Festlegung der Staatsangehörigkeit nach unterschiedlichen Gesichtspunkten und Stufungen für

  1. Volksdeutsche

Menschen deutscher Abstammung, die durch Gebietsabtrennungen nach dem ersten Weltkrieg, Staatsangehörige fremder bzw. neugebildeter Staaten geworden waren und

  1. für Angehörige fremder Völker

soweit sie nach nationalsozialistischer Beurteilung „rassisch einen  wertvollen Bevölkerungszuwachs“ bedeuten konnten.

Die Maßnahmen waren Teil der von den Nationalsozialisten angestrebten Germanisierung Osteuropas, die die Vertreibung der dort ansässigen Bevölkerung aus ihrer Heimat beinhaltete. Den Ausführungsauftrag erhielt der Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900-1945) mit dem „Erlass des Führers und Reichskanzlers zur Festigung deutschen Volkstums“.

Die ersten Eindeutschungsmaßnahmen wurden 1939 in den eingegliederten Ostgebieten durchgeführt.

►deutsche Volksliste

 

Enteignungsgesetz von 1908

Dieses Gesetz „Über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen  und Posen“ vom 03. März 1908 ermächtigte die preußische Regierung, polnische landwirtschaftliche Güter bis zu einer Gesamtfläche von 70.000 Hektar im Wege der Enteignung zur Weiterveräußerung an deutsche Siedler zu erwerben. Wenn auch dieses Gesetz erst nach vier Jahren Anwendung fand (die Verabschiedung dieses Gesetzes hatte eine nationale und internationale kritische Presse-berichterstattung zur Folge) und vier Güter mit einem Gesamtumfang von 1700 ha enteignet wurden, verurteilte der Reichstag im Jahre 1913 diese Vorgehensweise.

 

 

 

Erklärung über den Schutz der Minderheiten (05. Nov. 1937)

Am 05. November 1937 veröffentlichten die deutsche und polnische Regierung eine Erklärung zum Minderheitenschutz, die den Status der deutschen Minderheit in Polen und den der polnischen in Deutschland sichern sollte.

Für die Behandlung der jeweiligen Minderheit wurden folgende Grundsätze als maßgeblich angesehen:

  1. Verbot der zwangsweisen Assimilierung oder der Behinderung des Bekenntnisses zur Zugehörigkeit zu einer Minderheit
  2. Das Recht auf freien Gebrauch ihrer Sprache in allen wirtschaftlichen, öffentlichen und kulturellen Bereichen
  3. Gewährleistung des Rechts auf Selbstorganisation der Minderheit
  4. Gewährleistung des Rechtes auf den Betrieb von Schulen und der freien Religionsausübung
  5. Angehörige einer Minderheit dürfen bei Wahlen oder bei der Ausübung eines Berufes nicht behindert oder benachteiligt werden.

 

Bei dieser Erklärung handelte es sich um kein völkerrechtliches bilaterales Abkommen, sondern stellte nur eine politische Willens- und Absichts-erklärung dar.

 

 

Erzbistum Genesen (Archidiecezja Gnieźnienśka)

…ist die älteste römisch-katholische Erzdiözese in Polen.

Der Erzbischof von Gnesen ist gleichzeitig Metropolit der gleichnamigen Kirchenprovinz, der die Bistümer Bromberg (Bydgoszcz) uns Leslau (Włocławek) als Suffragandiözesen angehören.

Das Erzbistum Gnesen wurde auf Betreiben des polnischen Herzogs und späteren Königs Boleslaw I (965-1025)

im Jahr 1000 von Kaiser Otto III (980-1002) durch den „Akt von Gnesen“ als unabhängiges, dem Papst direkt unterstelltes polnische Metropolitanbistum gegründet.

Erster Erzbischof wurde der Bruder des Märtyrers Adalbert von Prag, Gaudentius.

Dem Erzbischof von Gnesen wurden im Jahr 1000 als Suffragane die Bischöfe der zeitgleich errichteten Bistümer von Kolberg, Krakau und Breslau zugeordnet.

Ab etwa 1075 gehörte auch der Bischof von Posen zur Kirchenprovinz Gnesen.

Der Metropolit von Gnesen krönte die polnischen Könige und war ab 1412 Primas von Polen und Litauen. Ab 1572 war der Gnesener Erzbischof als Primas von Polen bei Thronvakanzen zugleich Interrex (Reichsverweser) des polnisch-litauischen Reiches.

Durch die Teilungen Polens verlor das Erzbistum Gnesen sein weltliches Herrschaftsgebiet und die meisten seiner Suffragane und fiel 1793 selbst an Preußen.

Die päpstliche Bulle „De salute animarum“ 1821 vereinigte Gnesen mit dem Bistum Posen in Personalunion mit Sitz in Posen und zwei Domkapiteln. Einzigtes Suffragan blieb Kulm.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden die bei dem Deutschen Reich verbliebenen Teile des Erzbistums als Freie Prälatur Schneidemühl verselbständigt.

Seit dem polnischen Konkordat von 1925 bildete Posen-Gnesen bis 1948 eine polnische Kirchenprovinz.

 

 

 

 

Einwandererzentrale

Die Einwandererzentralstelle (EWZ) wurde auf Grundlage des „Erlasses des Führers und Reichskanzlers vom 07. Okt. 1939 Mitte Oktober 1939 (vermutlich am 11.10.) errichtet.

Damit wurde eine Zentralbehörde geschaffen, die aufgrund der im Herbst 1939 durch internationale Verträge einsetzenden Umsiedlungen deutscher Volksangehöriger aus europäischen Staaten, alle damit verbundenen behördlichen Maßnahmen durchzuführen hatte.

Die Einwandererzentrale mit dem Hauptsitz in Posen wurde mit der Rückführung, Umsiedlung und Einbürgerung dieser neuen Staatsbürger, die bis dahin ausnahmslos eine fremde Staatsangehörigkeit besaßen, beauftragt.

Die Hauptaufgabe der EWZ bestand also in der Erfassung von volksdeutschen Umsiedlern.

Organisatorisch wurde die EWZ dem Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (Amt III des Reichssicherheitshauptamt –RSHA) unterstellt.

Die EWZ gliederte sich wie folgt:

1.Abteilung I- Statistik

  1. Abteilung II – Planung
  2. Abteilung III – Meldestelle (Erstellung und Ausgabe eines amtlichen Ausweises)
  3. Abteilung IV – Gesundheitswesen
  4. Abteilung V- Staatshoheitsangelegenheiten (Fragen des Personen-und Familienstandes und Einbürgerung)

In dieser Abteilung wurde unter anderem auch die rassische Überprüfung der Umsiedler und die Überprüfung des zurückgelassenen und mitge-brachten Vermögens vorgenommen.

 

Lit.:

  • Stippel, Andreas : NS-Volkstumspolitik und die Neuordnung Europas. Rassenpolitische Selektion der Einwandererzentralstelle des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD (1939-1945). Paderborn 2011

 

Evangelisch – Lutherische Kirche in Westpolen (Altlutherische Kirche)

Bis zur Neugründung des polnischen Staates im November 1918 war die Evangelisch – Lutherische Kirche in Westpolen ein Teil der „Evangelisch – Lutherischen Kirche in Preußen“, deren Oberkirchenkollegium sich in Breslau befand.  Die Kirche war aus den aus den Unionskämpfen in Preußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hervorgegangen, indem sich ihre Anhänger der von König Wilhelm III (1770-1840) im Jahre 1830 verfügten Vereinigung der Lutheraner und Reformierten widersetzten und nach zehnjährigen Auseinandersetzungen eine vom Staat unabhängige Freikirche schufen

Die sieben deutschen an Polen gefallenen Gemeinden der Evangelisch – lutherischen Kirche in Preußen schlossen sich auf einer Synode in Bromberg am 13. Oktober 1922 – sich weiterhin als Glied der evangelisch – lutherischen Kirche in Preußen betrachtend –  als „ Evangelisch – lutherische Diözese in Polen „ zusammen. Nachdem polnische Behörden die kirchenrechtliche Verbindung mit dem Oberkirchenkollegium in Breslau  nicht gestatteten, konstituierte sich die „Evangelisch – lutherische Diözese in Polen“  auf der Synode in Thorn am 09. Juli 1924  als selbständige  „ Evangelisch – Lutherische Kirche in Polen. „. Dieser Name musste auf Verlangen des polnischen Staates in „ Evangelisch – Lutherische Kirche in Westpolen“ geändert werden.

 

Die Evangelisch – Lutherische Kirche in Westpolen, deren Leitungsgremium in Rogasen saß, bestand zuletzt aus 23 Gemeinden (in sechs Parochien zusammengefasst) mit rund 3700 Gläubigen (Stand 1936), die von sechs Pastoren und einem Hilfsprediger seelsorgerisch betreut wurden.

Oberste Verwaltungsbehörde war das Konsistorium, dessen  Sitz der  Wohnort  des jeweiligen Superintendenten war.

Finanziell unterstütze diese Kirche der Martin-Luther- Bund in Erlangen.

 

 

Evangelischer Verein für die Kirchengeschichte der Provinz Posen

Auf der Provinzialsynode, die im November 1908 tagte, wurde die Gründung eines Vereines zur Pflege der provinziellen Kirchengeschichte angeregt.

Die Synode stellte einen ersten Betrag zur Gründung dieses Vereines zur Verfügung und wählte einen Ausschuss, der die weiteren notwendigen juristischen und organisatorischen Schritte vorbe-reiten sollte. Mitglieder dieses Ausschusses waren Prof. Dr. Arnold (Breslau), Geh. Konsistorialrat Albertz (Posen) und Geh. Regierungsrat Dr. Friebe (Posen).

Anlässlich des in Wreschen gefeierten Jahresfestes des Posener Hauptvereines der Gustav – Adolf – Stiftung wurde am 27. Juni 1910 der “ Evangelische Verein für die Kirchengeschichte der Provinz Posen “ gegründet.

In den Vorstand wurden neben den Mitgliedern des Gründungsausschußes noch Dr. Theodor Wotschke (1871-1939)  und Pfarrer W. Bickerich gewählt.

Die sich selbst gestellte Aufgabe, “ die Kenntnis der Geschichte der Provinzialkirche zu fördern „, sollte durch die Herausgabe eines Jahrbuches, die Errichtung eines Archivs und die Erfassung kirchengeschichtlich relevanter Gegenstände erfolgen.

 

Evangelisches Vereinshaus in Posen

Durch Verfügung des Woiwoden vom 1. Juni 1939 wurde der Verein „Evangelisches Vereinshaus-Herberge zur Heimat“ in Posen liquidiert und das Eigentum des Vereins (hier das Evangelische Vereinshaus) einem polnischen Liquidator über-geben.

 

Evakuierung und Flucht

Am 22. Juni 1944 begann die sowjetische Großoffensive, die innerhalb weniger Wochen den breiten Raum zwischen Dnjepr und Weichsel überwand und die Front auf etwa 300 Kilometer Entfernung an Posen heranbrachte.

Der Glaube an den von Hitler versprochenen Endsieg geriet ins Wanken, die deutschen Bewohner des östlichsten Teils des Warthegaus erfasste zusehends eine Unruhe, die sich u.a. in Reisen in das Deutsche Reich niederschlug.

Dies bewog Arthur Greiser (1897-1946) dazu, am 29.Juli 1944 eine Verordnung zu erlassen, in der den Deutschen das Verlassen des Reichsgaus verboten wurde.

Nach dem Beginn  des Warschauer Aufstands am 01. August 1944 stieg die Absatzbewegung an. Die Lage normalisierte sich etwas nach seiner Nieder-schlagung und  nachdem die sowjetische Offensive zum Halten gebracht wurde. So wurde den Behörden ermöglicht, Pläne für eine Evakuierung der Bevölkerung aus dem Reichsgau vorzubereiten.

Zuständig für die Planung der Evakuierung und für die Freigabe der Stichworte, die die Durchführung der Evakuierung auslösen sollte, war der Gauleiter und Reichsstatthalter des Warthelandes, Artur Greiser, der gleichzeitig Reichsverteidigungs-kommissar war.

Raummäßig war der Reichsgau Wartheland in drei Evakuierungszonen eingeteilt, von Ost nach West in die Zonen A, B, und C. (Posen lag z.B. in der Zone C.)

Das Evakuierungsvolumen lässt sich aus der Einwohnerzahl des Warthegaues zum Jahresende 1944 abschätzen. Sie wurde im „Ostdeutschen Beobachter“ vom 26.Oktober 1944 mit 1,25 Millionen Deutscher angegeben.

Niemand glaubte jedoch zu diesem Zeitpunkt ernsthaft daran, dass jemals mehr als die A – Zone (Gebiet ostwärts des sog. Kohlebeckens zwischen Gotenhafen und dem oberschlesischen Kohlenrevier) zeitweise evakuiert werden müsste. Die Planungen sahen deshalb vor allem die Räumung der A – Zone vor, wobei die C – Zone als Auffanggebiet dienen sollte. Die Pläne sahen keine Evakuierung der polnischen Bevölkerung vor. Industrieanlagen sollten zerstört werden, wenn sie nicht demontiert werden konnten.

Für die Evakuierungszonen B und C waren weder Treckstrassen noch Auffangkreise im Altreich in der Planung vorgesehen.

Am 12. Januar 1945 begann die sowjetische Weichseloffensive. Die Front näherte sich rasch Großpolen, das in der zentralen Angriffszone lag. In  diesem Frontabschnitt wurden über zwei Millionen sowjetische Soldaten eingesetzt. Die Deutschen konnten diesen Kräften nur etwa 400.000 Soldaten der Heeresgruppe A entgegenstellen. Als sich die sowjetischen Panzer dem Warteland näherten wurde, wurde mit der Räumung der östlichen Gebiete des Gaues begonnen. Nach deutschen  Schätzungen lebten im Januar 1945 in Lodz (Zone A) 100.000 Deutsche.

Die Auslösung der Evakuierung sollte auf zwei Stichworte hin erfolgen:

  1. a) Florian Geyer (Evakuierung von deutschen Frauen, Kindern und Kranken)
  2. b) Frundsberg (Evakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung)

Das Stichwort Frundsberg wurde für den Posener Raum um die Mittagszeit des 20. Januars 1945 ausgelöst. Am gleichen Tage erklärte die NS-Führung Posen zur Festung.

In den meisten Fällen kamen die Bemühungen für eine Evakuierung zu spät, und der zuvor vorbereitete Plan konnte nicht umgesetzt werden. Die Strassen waren überfüllt mit Flüchtlingskolonnen, die sich mit den auf dem Rückzug befindlichen Wehrmachts-einheiten vermischten. Wegen häufiger Luftangriffe konnte man die Bahnlinien praktisch nicht benutzen.

Die allzu späte Ankündigung der Räumung führte dazu, dass sich die Zivilbevölkerung  auf dem Schauplatz der Kampfhandlungen befand. Allerdings waren die Verluste, die durch die unmittelbaren Kriegshandlungen verursacht wurden, weniger groß als die Opfer aufgrund der Witterungseinflüsse. Die meisten Menschen kamen infolge der Kälte um, da Temperaturen um  –20 Grad  Celsius herrschten.

 

Lit.:

  • Rogall, Joachim : Die Räumung des „Reichsgau Wartheland“ vom 16. Bis 24. Januar 1945 im Spiegel amtlicher Berichte. Sigmaringen 1993

 

 

Exin (poln.: Kcynia)

Wie  durch archäologische Funde bestätigt werden konnte, reichen die Anfänge der Besiedlung des Exiner Stadtgebietes bis in das 4. und 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück.

1088 stiftete Herzog Władyslaw Hermann  (1043-1102) dem Ort eine dem Heiligen Aegidius geweihte Kirche, woraus sich eine gewisse Bedeutung dieser Siedlung im Mittelalter ableiten lässt.

Im 13. Jahrhundert befand sich am Fuße der Exiner Berge ( 136, 2m ) ein Fischerdorf – Kcina. Am 29. Juni 1262 erkannte der Herzog von Großpolen und Kalisch, Boleslaus der Fromme (1239- 1279) die strategische Bedeutung des Fischerdorfes und verlieh der Siedlung deutsches Recht (29.Juni 1262) und stattete sie mit erheblichem Landbesitz aus. Die faktische Gründung der Stadt übertrug er den Rittern Johannes und Rainer, die zugleich als Vögte Verwaltungs- – und Gerichtsbefugnisse hatten. Exin war als Ort für die Hofhaltung der polnischen Könige vorgesehen und  wurde deshalb als befestigte Stadt mit einer Burg auf den Exiner Bergen angelegt.  Mit der Befestigung der Stadt entstand gleichzeitig ein weiterer strategischer Verteidigungspunkt im Nord-osten des Paluckenlandes gegen die Pommern.

Historisch ist Exin als königliche Stadt und als Mittelpunkt einer Starorstei wenig hervorgetreten.

Fast in jedem Jahrhundert haben Kriege, Brände und Seuchen die Stadt heimgesucht.

1612 wurde in der Stadtmitte ein Karmeliterkloster gegründet.

Während des 2. schwedisch – polnischen Krieges kam es 1656 bei Exin zu einer Schlacht zwischen dem polnischen General Stefan Czarniecki (Kastellan von Kiew, + 1665) und schwedischen Truppen. Hierbei wurde die Stadt erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Als Antwort des polnischen Adels auf die in dem Warschauer Religionstraktat gewährte Religions-freiheit bildete sich die „Exiner Konföderation“ zur Verfolgung der Protestanten.

Am o6. März 1773 kam Exin unter preußische Verwaltung und bis zur 2. polnischen Teilung 1793 verlief die Grenze zu Polen in einer Entfernung von weniger als 1000 m. 1775 wird die Stadt durch einen Brand vollständig zerstört.  Friedrich der Große (1712-1786) stellte 5000 Taler als “ Bauhilfsgelder “ für den Wiederaufbau zur Verfügung.

Juden, die 1594 erstmals urkundlich in der Stadtgeschichte Erwähnung fanden, machten 1846 mit 1071 Einwohnern fast 44 % der Stadtbevölkerung aus.

Während Exin vor der preußischen Inbesitznahme durch sein Töpferhandwerk sehr bekannt war, bildeten später die reichen Ton – und Lehmvorkommen am Rande der Stadt die Grundlage für eine prosperierende Ziegelindustrie.

Am 10. Januar 1920 kam die Stadt zum wiedererstandenen Polen

1939 und 1945 blieb die Stadt von Kampfhandlungen verschont. Am 20.Januar 1945 – nach dem entsprechenden Räumungsbefehl – verließ die deutsche Bevölkerung Exins die Stadt.

 

Lit. :

  • Pietrowski, Tadeusz: Z przesłości Kcyni: z okozji 666 rocznicy załozenia miasta. Kcynia 1928
  • Brosowski, Fritz . : Festschrift zum 700 jährigen Bestehen der Stadt Exin, Bergen 1962
  • Brosowski, Fritz : Exin zu preußisch – deutscher Zeit. In : Jahrbuch Weichsel –Warthe 9 (1963) S.92-97
  • Hoppe, Hans: Das 700jährige Exin. Seine Geschichte bis 1793. In :Jahrbuch Weichsel-Warthe 8 ( 1962 ) S. 93 -101
  • Jastrzebski, W. : Dzieje Kcyni i okolice, Kcynia 1994

 

 

Faule Obra (poln.: Leniwa Obra)

Dieser Fluss ist ein rechter Zufluss der  (Obrzyca), mündete jedoch ursprünglich direkt in die Oder, bevor diese reguliert wurde.

Die F.O. entspringt nordwestlich von Brätz (Brőjce), fließt dann in südlicher Richtung an Bomst (Babimost) vorbei, durchfließt den (Jez. Wojnowskie) und mündet bei Groß Schmöllen/ Gemeinde Karge (Smolno Wielkie/Kargowa) in  die Obryzca bei Unruhstadt

 

 

Fehlen, Kloster

Graf Benjugmin – Woiwode von Posen – bemühte sich um die Gründung eines Klosters auf seinem Grundbesitz  und wandte sich deshalb an den Abt des Zisterzienser – Klosters in Paradies und bat um die Überstellung von Klostergeistlichen  zum Aufbau  eines Tochterkloster im Kreis Bomst. 13 Mönche unter Leitung von Olibert zogen 1278 nach Fehlen. Um  die Fehlener Klostermönche vor räuberischen Überfällen zu sichern, schenkte ihnen der polnische König Wladislaus die Stadt Priment und veranlasste sie 1422 den Sitz des Klosters von Fehlen in die die Stadt ► Priment zu verlegen.

 

 

Ferienkinderaktion►Deutscher Wohlfahrtsdienst

 

Deutschland und Polen waren gleichermaßen daran interessiert, Kindern „ihrer“ nationalen Minderheit alljährlich einen Ferienaufenthalt im jeweiligen „Mutterlande“ zu ermöglichen. Die Idee zu diesem Austausch, der erstmals 1925 umgesetzt wurde, stammte von Pastor Richard (* 1882, +   ), Leiter der Inneren Mission in Posen.

Die Vorbereitungen für den deutsch-polnischen Austausch fanden bereits im Januar eines Jahres statt, zu dem die Vertreter beider Länder zu einer Konferenz eingeladen wurden.

Für das Deutsche Reich trat die Reichszentrale Landaufenthalt für Stadtkinder e.V. auf, während Polen durch den Westmarkenverein (Zwiazek Zachodni) vertreten war. Die Vertretung der polnischen Minderheit in Deutschland nahm der Verband der Polen in Deutschland e.V. (Zwiazek Polakow w Niemczech) wahr, der Deutsche Wohlfahrtsdienst e.V. die der deutschen Minderheit in Polen.

Der Tagungsort der Konferenz lag abwechselnd einmal in Polen und einmal in Deutschland.

Die jeweils gleiche Anzahl polnischer Kinder aus Deutschland sowie deutscher Kinder aus Polen konnten ohne Pass in  speziellen  Sonderzügen für  bis zu sechs Wochen in das jeweils andere Land fahren.

 

 

Festungsfront Oder – Warthe – Bogen (Niemicki Miedzyrzecki Rejon Umocniony)

Die Festungsfront Oder – Warthe – Bogen war eines der größten militärischen Projekte der Weimarer Republik und die zweitgrößte Fortifikationsanlage in Europa nach der Maginot – Linie.

Der Versailler Vertrag billigte dem Deutschen Reich nur eine Armee mit einer Sollstärke von 100. 000 Soldaten zu, dem polnischen Staat hingegen mit 500.000 Soldaten. Zum Ausgleich dieses personellen Missverhältnisses im Falle einer militärischen Konfrontation und zum Schutz der strategisch wichtigen Oderübergänge plante der deutsche Generalstab ab 1928 ein geheimes bauliches Netzwerk aus Kampfbunkern und Panzer-sperren im Lebuser Land.

Der Bau der Festungsanlage erfolgte ab 1934 mit der Regulierung des Flusses       ( Olobok ) und dem Errichten hydrotechnischer Objekte, die die Überflutung weitläufiger Landstriche ermöglichen sollte. Verantwortlich für die Arbeiten zum Aufbau der Festungsanlagen war der Inspekteur der Pioniere und Festungen, Generalmajor Otto Förster (1885-1966). Mit dem Bau und der Fertigstellung der Festungsanlage verband das Militär die Hoffnung, einem gegnerischen militärischen Angriff auf unbegrenzte Zeit widerstehen zu können.

Diese Konzeption genehmigte Adolf Hitler (1889-1945) nach seinem Besuch in Hochwalde ( Wysoka ) im Oktober 1935, wodurch sich der Baufortschritt der Anlage erheblich beschleunigte. Ihre Fertigstellung war für das Jahr 1944 projektiert, später wurde dieser Termin  auf das Jahr 1951 verlängert.

Im Zuge der Änderung seiner Kriegspläne befahl Hitler im April 1938 den Schwerpunkt aller militärischen Befestigungsarbeiten an die deutsche Westgrenze zu verlegen. Die Bauarbeiten an der Festungsfront des Oder – Warthe – Bogens wurden somit unterbrochen und nur noch die bereits angefangenen Objekte fertig gestellt.

Entstanden war bis zum Jahre 1938 eine unterirdische, 15 bis 40 m tiefe und weiträumige Bunkeranlage mit einer Gesamtlänge von über 25 km und einer Ausbaufläche von neun Hektar. 1943 nahm in den unterirdischen Räumen eine Flugzeugfabrik ihre Produktion auf.

Nach der sowjetischen Offensive 1944 erinnerte sich die militärische Führung an das unvollendete Bauwerk. Trotz erheblicher deutscher Anstrengungen zur Verstärkung der Festungsanlage, gelang der 44. Panzerbrigade der Roten Armee unter Führung von Oberst J. Gusakowski in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 1945 ein Durchbruch in der Nähe von Kalau (Kaława). Nach dem Krieg übernahm die sowjetische Armee die gesamte Anlage, die deren Ausrüstung demontierte und einen Teil der Bunker sprengte. Vorübergehend nutzte die Rote Armee das Gelände für Manöver und militärische Übungen.

Ende der vierziger Jahre von der sowjetischen Armee aufgegeben, übernahmen die polnischen Streitkräfte den Gesamtkomplex, um ihn 1957 endgültig aufzugeben.

In den achtziger Jahren war an die Lagerung radioaktiver Materialien in den unterirdischen Anlagen geplant, doch vehemente Bürgerproteste vereitelten dieses Vorhaben.

Die Überreste dieses militärischen Bauwerkes eigneten sich Fledermäuse an, so dass 1980 das unterirdische System von Korridoren  in seiner Bedeutung als größtes Winterschlafquartier für diese Tierart in Mittel – und Nordeuropa zum Naturpark erklärt wurde.

Bis zu 30.000 Tiere-zum Teil seltene Arten- suchen jedes Jahr diesen Ort im  Spätsommer auf und überwintern dort bis Februar.

 

Lit.:

  • Leibner, Günter : Die Festung „Oder-Warthe- Bogen.“ Buchholz 2000
  • Fuhrmeister, Jörg: Der Ostwall. Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 2008

 

 

Festung Posen (Twierda Poznań)

Zwischen dem 12. und 15. Januar 1945 begann  die Rote Armee eine Großoffensive von der  Ostsee bis zu den Karpaten. Die weit  überlegenen  sowjet-ischen Verbände erzwangen  binnen weniger Tage weiträumige operative Durchbrüche.

Dies führte zur Zerschlagung der deutschen Heeresgruppe A, die im Vorfeld des Warthegaus stand.

Adolf Hitler (1889-1945) erklärte am 19. Januar 1945 die Stadt Posen zur Festung, die „unbedingt gehalten“ werden musste. Der Festungs-kommandant von Posen, Generalmajor Ernst Mattern (1890- 1945/ Selbstmord)  rief, nachdem am 22. Januar 1945 erste Einheiten der von Generaloberst Tschujkow (1900-1982) befehligten  8. Gardearmee der Roten Armee die  Stadt erreichten, die polnische Bevölkerung  Posens auf, die Stadt zu verlassen. Dieser Aufforderung folgte nur ein Teil der polnischen Bevölkerung; die Mehrheit – seriöse Schätzungen gehen von 120.000 bis 150.000 Polen aus- blieb in der Stadt.

Als sich der sowjetische Belagerungsring um Posen am 25.Januar schloss, befanden sich in der „Festung Posen“ etwa 15.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht – zumeist schlecht und mangelhaft ausgebildete „Alarmeinheiten“, bestehend aus jungen Rekruten, Unteroffiziers- und Offiziers-schülern sowie einigen Volkssturmbataillonen. Insgesamt standen den die Stadt „verteidigenden deutschen militärischen Verbänden“ nicht mehr als ein halbes Dutzend Panzer und 30 Sturmgeschütze zur Verfügung, größere Munitionsvorräte gab es nicht mehr. Am 28.Januar begann die sowjetische Luftwaffe die Stadt zu bombardieren, während die an Material und Soldaten weit überlegeneren sowjetischen Verbände den Belagerungsring immer weiter einengten.

.Die ersten Maßnahmen des Festungs-kommandanten konzentrierten sich darauf, die organisierte Evakuierung der Zivilbevölkerung einzuleiten und Kommandos zu bilden, die weitere, die Stadt passierenden Soldaten, auffangen sollten. Wegen seiner angeblichen Absicht, die Stadt kampflos zu übergeben und der unzureichenden Verteidigungsmaßnahmen wurde Mattern auf Befehl Heinrich Himmlers am 30. Januar 1945 seiner Aufgabe enthoben. Das militärische Oberkommando als Festungskommandant übernahm der Standarten-führer der SS,  Ernst Gonell (1902- 1945).

Die von 1822 bis  1829 erbaute Zitadelle war die letzte Rückzugsmöglichkeit der deutschen militärischen Verbände, die am 18. Februar zum letzten Mal mit Lebensmitteln und Munition versorgt werden konnten Das war auch der Tag des Generalangriffs auf die Zitadelle. Am 23. Feb. 1945 wurde die Kapitulationsurkunde unterzeichnet.

Gomel beging Selbstmord.

Die Schlacht um Posen hatte auf deutscher Seite ca. 5000 Menschenleben gefordert, auf sowjetischer Seite starben 6000 Soldaten, ferner eine nicht mehr genau zu eruierende Anzahl von Zivilisten.

50 % der Häuser waren teilweise oder vollständig zerstört, die Altstadt war sogar zu 75 % zerstört.

 

Lit. :

  • Baumann, Günther: Posen ` 45. Bastion an der Warthe, Düsseldorf 1992
  • Karalus, Maciej/ Krzyzzaniak, Michal: Poznań 1945. Bitwa o Poznań w fotografii i dokumentach. Poznań 2010

 

 

 

Feuerstättengesetz

Mit dem Ansiedlungsgesetz vom 26. April 1886 stellte der deutsche Staat Finanzmittel zur Verfügung, um polnische Landwirtschaftsgüter auf-zukaufen und deutsche Kolonisten auf diesen Gebieten anzusiedeln.

Dies war Ausdruck einer Polenpolitik, den östlichen Reichsteil stärker zu „germanisieren“.

Eine weitere Maßnahme dieser Politik war das sog. „Feuerstättengesetz“.

Dieses im Jahre 1904 verkündete Gesetz sollte eine weitere Ausdehnung polnischer Neusiedlungen verhindern, in dem es polnischen Bauern eine Niederlassung und den Bau von Häusern verbot.

Ein polnischer Landwirt (Michal Drzymala ;1857-1937) umging dieses Verbot, nachdem die von ihm beantragte Baugenehmigung  für ein neues Wohn-haus in Pogradowitz (Podgradowice)/ Kreis Bomst von den preußischen Behörden abschlägig beschieden wurde.

Drzymala bewohnte zuerst Scheune und Schweinestall, da auf seinem Grundstück noch kein Wohngebäude existierte. Die Behörden verboten ihm jedoch, dort Feuerstätten aufzubauen.

Daraufhin kaufte Drzymala einen ausrangierten, heizbaren Zirkuswagen und ließ sich dort mit seiner Familie nieder. Um die Bauvorschriften zu umgehen, verschob er den Wagen regelmäßig geringfügig  innerhalb des Grundstückes.

Nach einigen Jahren ständiger Rechtsstreitigkeiten musste Drzymala jedoch kapitulieren und das Grundstück 1900 wieder verkaufen.  Dank zahlreicher Spenden konnte er sich einen Hof in einem Nachbardorf kaufen.

 

Lit. :

  • Dworzecki, Z. : Michał Drzymala 1857 -1937. Poznań 1988
  • Gründler, Karl Friedrich: Nationalheld auf Rädern. In : Die Zeit vom 17.06.2004
  • Sprungala, Martin: Das Leben des polnischen „Helden“ Michel Drzymala (1857-1937). In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 2007 S.152-161

 

 

Filehne  (poln. :Wielèn  ) ► Deutsch – Filehne

Die Stadt liegt an der Südseite der Netze, die im Schutze einer pommerschen Grenzburg an einem strategisch wichtigen Flussübergang gegründet wurde. Diese Grenzfestung wurde im Jahre 912 errichtet. Die Gründung Filehnes ist historisch exakt nicht zu belegen; wahrscheinlich erfolgte sie im 13. Jahrhundert auf einem Grundstück, das Herzog Władisław Odonicz (1231 – 1239) dem schlesischen Zisterzienserkloster Leubus zum Zweck einer Stadtgründung schenkte. Die Schenkungsurkunde stammt aus dem Jahr 1228. Es kam jedoch nicht zu dieser Gründung und das Filehner Territorium fiel  wieder an die polnische Krone. Etymologisch leitet sich der Name der Stadt von dem slawischen Wort jelen – Hirsch ab. Eine Vermutung, die durch das städtische Wappen eine Bestätigung zu erhalten scheint. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde die Stadt 1458. 1515 wurden die Herren von Filehne Erbherrn des Gebietes; bisher hatten sie es als Lehen der polnischen Krone innegehabt. Filehne war ab diesem Zeitpunkt keine königliche Stadt mehr.1592 kaufte das Filehner Gebiet die adlige Familie Czarnkowski, da die adlige Familie Gorka, in dessen Besitz sich  dieses Gebiet vorher befand, in männlicher Linie ausgestorben war.

Einwandernde Deutsche gründeten 1673 eine Neustadt. Filehne hatte im Jahr 1642 das Stadtprivileg verliehen erhalten. Am 13. September 1772 wurde Filehne preußisch.

In der Nacht vom 04. / 05. Mai 1783 zerstörte ein Brand die Stadt  nahezu vollständig, ihr  Fortbestand  war ernstlich in Frage gestellt, konnte aber dank königlicher Unterstützung rasch wieder aufgebaut werden.

1807 wurde Filehne dem Herzogtum Warschau unterstellt. 1816 hatte die Stadt 2719 Einwohner, davon waren 970 Lutheraner, 569 Katholiken und 1180 Juden.

Bedeutender Holzhafen.

 

Lit. :

  • Beheim-Schwarzbach, Max : Geschichte der Stadt Filehne und ihres Gebietes. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 11 (1896 ) S. 321 – 348
  • Grossert, O : Evangelium und Deutschtum im Filehner Gebiet unter polnischer Grundherrschaft 912 – 1789, Schönlanke 1829
  • Obst, B. : Heimatkunde des Kreises Filehne. Lissa 1904
  • Wielėn. Przeszłość i wspołczesność. Wieleń 1988

 

Flinta  ( Fluss)

Fluss bei Ritschenwalde

 

Follusch   (Fluss)

 

Fordon  ( Fordon )

Ein slawischer Burgwall am Weichselknie namens Wyszogrod (Hohe Burg) wurde erstmalig 1112 urkundlich genannt. Er war ein wichtiger Wehrposten. Nach  dessen Zerstörung durch den Deutschen Orden 1330 blieb er wüst.

Wladyslaw von Oppeln (zwischen 1326 und 1332-1401) – Lehnsherr des nördlichen Teiles von Kujawien – stellte am 21. Oktober 1382 eine Urkunde zur Gründung einer Stadt an einem für den Handel günstig  gelegenen Platz an der Weichsel aus, die den Namen “ Wyszogro´d “ oder “ Hoghenberg “ tragen sollte und in der wahrscheinlich norddeutsche Siedler angesiedelt wurden.  Er verlieh den Bürgern der Stadt zahlreiche Freiheiten, belehnte die Stadt mit mehreren Dörfern, stattete sie mit einer Vogtei aus und überließ ihr alle damit verbundenen Einnahmen.

Die neue Siedlung wurde 2 km nordöstlich an der Stelle, wo sich heute Fordon befindet, wieder aufgebaut und hatte Kulmer Stadtrechte.

Da aber im gleichen Jahr König Ludwig I von Polen (1370-1382)  starb, ohne Erben zu hinterlassen, setzten in der Folgezeit verheerende Machtkämpfe um die Nachfolge ein, so dass nach der  Stadt-gründung keine Entwicklungsfortschritte verzeichnet werden konnten.

Erst der neue König Wladyslaw II Jagiello (1386-1434), der 1386 in Krakau den Thron bestieg, stellte 1413 eine Urkunde zum Bau einer Pfarrkirche in Wyszogro´d oder Fordon aus. Mit dieser Urkunde ist erstmals der Name „Fordon“ belegt, der sich von  Furt ( forda ) ableitet.

Am 24. Juli 1424 erhielt  Fordon magdeburgisches Recht als königliche und reichsunmittelbare Stadt verliehen. Wirtschaftlich blühte die Stadt auf, als sie einen Hafen erhielt. Hier wurde der sog. „Weichselzoll“ erhoben.

Nach dem Tod des Königs verpfändete dessen Witwe 1441 die Stadt an den Starosten von Inowroclaw. Damit verlor die Stadt ihre Rechte und Privilegien als reichsunmittelbare Stadt.

Im 16. Jahrhundert gab es verstärkt Ausweisungen von Juden aus Städten im Königreich Polen. Die Juden Brombergs zogen daher in das nahegelegene Fordon.

In den Jahren 1617 und 1649 zerstörten große Brände die Stadt nahezu vollständig, wovon sie sich aber stets rasch erholen konnte.

Im 2. schwedisch -polnischen Erbfolgekrieg besetzten 1656 schwedische Truppen Fordon und plünderten die Stadt, die 1617 durch ein Feuer fast völlig zerstört wurde.

Fordon war bei der Besitzergreifung durch Preußen 1772 eine der vier Städte des Netzedistrikts, die mehr als 1000 Einwohner hatte. Kurz danach erlebte Fordon einen wirtschaftlichen Aufschwung durch einen umfangreichen Getreidehandel.

Nach 1815 gewann die Stadt dadurch an Bedeutung, dass sie der letzte Weichselhafen vor der preußischen Grenze war. Wenn der Fluss im  Sommer Niedrigwasser führte, fuhren die Frachtkähne nur bis Fordon. Hier musste die Fracht auf die Eisenbahn umgeladen und weiter transportiert werden.

Am o1. November 1885 wurde die Eisenbahnlinie Bromberg – Fordon eröffnet, die die Voraussetzung für eine industrielle Entwicklung  der Stadt bildete. In den Jahren 1891 bis 1893 erfolgte mit einem Kostenaufwand von 8,4 Millionen Mark der Bau der 1325 m langen Fordoner Eisenbahn – und Straßenverkehrsbrücke über die Weichsel, die bis in die Neuzeit die längste Brücke Deutschlands war.

In der Nacht zum 21. Januar 1945 wurde für die Fordoner Bevölkerung der Räumungsbefehl erteilt. Fordon wurde nicht verteidigt, so dass russische Truppen die Stadt am 27. Januar kampflos  besetzten.

Am 01. Januar 1973 wurde die selbständige Stadt in den Verwaltungsbereich des Stadtkreises Bromberg eingegliedert. Mit 76.800 Einwohnern ist F. der größte Stadtteil Brombergs.

 

Lit. :

  • Biegański, Z.: Dzieje Fordonu i okolice. Bydgoszcz 1997
  • Piechowski, B. : Historia Fordonu. Bydgoszcz 1924

 

Fordoner Brücke

Mit 1325 m war sie die längste Brücke Deutschlands. Diese einzigartige Brücke wurde durch den bauausführenden Ingenieur Georg Christoph Mertens am 01. Nov. 1893 fertig gestellt.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Brücke über die Weichsel am 03. September 1939 zerstört. Der Wiederaufbau erfolge erst 1941. Deutsche Truppen sprengten diese Brücke 1945 erneut, die von Polen wieder aufgebaut wurde.

 

Forschungsinstitut für Nationalitätenfragen            

Das von Pilsudski-freundlichen politischen Kreisen in Warschau  errichtete „Forschungsinstitut…..“ verfolgte die Entwicklung aller Minderheiten in Polen und stellte das gesammelte Material in eigenen Publikationen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

( Warschau 1919 – 1939 )

 

Fraustadt  (poln. Wschowa )

Das Fraustädter Ländchen,  mit der Stadt Fraustadt als dessen Mittelpunkt, liegt an der Grenze zwischen den alten piastischen Ländern Schlesien und Großpolen. Als Grenzstadt  wechselte Fraustadt in seiner Geschichte mehrfach die staatliche Zugehörigkeit.

Obwohl das genaue Gründungsdatum nicht mehr bekannt ist,  entstand das deutschrechtliche Dorf Frowenstadt, das neben der slawischen Burg Wschowa angelegt wurde, um das Jahr 1250. Die älteste urkundliche Erwähnung der Siedlung stammt aus dem Jahr 1248. Als Stadt wird Fraustadt zum ersten Mal im Jahre 1273 bezeichnet, wo sie in der Gründungsurkunde für das benachbarte Dorf Pritschen als „anliegende Stadt ( civitas adiacens )“ erwähnt wird. Sie  gehörte bis 1343 zum Herzogtum Glogau und wurde dann von König Kasimir III der Große (reg .1333-137o) erobert. Dies bedeutete die Trennung von Schlesien, was für die Stadt erhebliche Vorteile mit sich brachte. Er verlieh der Stadt frühzeitig großzügige Privilegien, um sie so als wichtige Grenzfestung an sich zu binden  Der Widerstand der Fraustädter gegen Versuche der Rückeroberung durch die Glogauer Piasten ist daher nachvollziehbar. Im Mittelalter war Fraustadt, das 1310 Magdeburger Stadtrecht erhielt, ein bedeutendes Tuchhandelszentrum. 1432 erhielten die Fraustädter Bürger Zollfreiheit für den Handel mit Tuchen nach Russland eingeräumt und seit 1493 wurden Fraustädter Tuchwaren mit einer Plombe, auf der das Stadtwappen und der Reichsadler abgebildet waren, als Qualitätszeichen versehen.

  1. lag an der von Glogau nach Posen führenden Handelsstraße, die eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von F. bildete. Von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Fraustadts wurde auch die königliche Privilegierung, die Zollfreiheit, einen freien Salzmarkt und eine weitgehend selbständige Ratswahlordnung umfasste.

1332 erhielt F. von Herzog Johann von Steinau das Recht verliehen, Geld zu prägen.

.König Mathias Corvinius von Ungarn (1443-1490), der sich wegen seiner Ansprüche auf Böhmen mit Polen im Krieg befand, veranlasste Herzog Johann (der Grimmige ) (1435-1504) von Sagan in Großpolen einzufallen. Er belagerte vom 20. bis 23. März 1474 Fraustadt, deren Vorstadt er zwar zerstören, aber die er nicht einnehmen konnte.

Während der Zeit der Habsburger Gegenreformation war Fraustadt ein Zufluchtsort zahlreicher schlesischer Protestanten, die die Wirtschaftskraft der Stadt erhöhten.  Unter den Flüchtlingen befand sich Andreas Gryphius (1616-  1664), der von 1632 bis 1634 das städtische Gymnasium besuchte. Auf Betreiben des Starosten Hieronymus Radomicki wurde 1633 nördlich der Altstadt eine mit Magdeburger Recht ausgestattete „Neustadt“ angelegt, die erst 1794 unter preußischer Herrschaft mit der „Altstadt“ zu einem einheitlichen städtischen Gemeinwesen zusammengeführt wurde. Der Zuzug der Glaubensflüchtlinge hatte einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt zur Folge. Neue Gewerbe (z.B. Goldschmiede ) siedelten sich an und weitere Techniken der Getreideverarbeitung fanden Eingang in die regionale Wirtschaft.

 

Nach dem verheerenden Brand von 1685 und der Pest von 1709/10 setzte der wirtschaftliche Niedergang der Stadt ein, der durch die Einschränkung der Selbstverwaltung der Stadt beschleunigt wurde. Etwas Aufmerksamkeit genoss die Stadt während der Herrschaft der sächsischen Könige in Polen (1697- 1763) dank seiner Lage an einer der Hauptverbindungswege zwischen Sachsen und Polen. Die sächsischen Könige hielten in Fraustadt mehrmals Reichstage ab und empfingen hier ausländische Gesandtschaften (so u.a.  die türkische 1737 und die persische 1755)

Die “ Schlacht bei Fraustadt “ (eine der wichtigsten militärischen Operationen des Nordischen Krieges 1700-1712) am 13. Februar 1706 zwischen Röhrsdorf und Geyersdorf, bei der die schwedischen Truppen das sächsisch – russische Heer schlugen, war eine der Voraussetzungen  für den Altranstädter Frieden.

Trotz aller retardierenden Faktoren in der städtischen Entwicklung gehörte Fraustadt, als das städtische Gemeinwesen 1793 preußisch wurde, mit 4579 Einwohnern zu den größten Städten Polens. 1841 brannte die gesamte Neustadt Fraustadts ab.

Durch die russische protektionistische Politik gegen ausländische Einfuhren verlor F. ab 1820 seine führende Position als  Zentrum der Tuchproduktion.

Ein Großteil des Fraustädter Hinterlandes wurde aufgrund des Versailler Vertrages ab 1920 Bestandteil des neuen polnischen Staates.  Fraustadt selbst wurde Kreisstadt in der Grenzmark Posen – Westpreußen und ab 1938 in der Provinz Schlesien. Obwohl die Stadt vom 28. bis 30. Jan. 1945 hart umkämpft war, wurde sie nur wenig zerstört. Ab 1950 der Wojewodschaft Grünberg/ Zielona Gora zugehörig, gehört sie seit 1975 zur Woiwodschaft Lissa / Leszno. 1939 hatte die Stadt 7740 Einwohner; 1970 9942 Einwohner.

Die noch immer große Zahl von Windmühlen in Stadtnähe weist zurück in das 18. Jahrhundert, in der Fraustadt als “ Stadt der 100 Windmühlen “ bekannt war.

 

Lit. :

  • Braune, August Gustav Wilhelm : Geschichte der Stadt Fraustadt, Fraustadt 1889
  • Klinkowski, Edmund : Fraustadt im Jahre 1793. In :Quellen und Forschungen zur Heimatkunde des Fraustädter Ländchens 3/1938 S. 37-48
  • Moritz, Hugo : Geschichte Fraustadts im Mittelalter. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen. 19(1904) S. 195-244
  • Schober, Willi : Eckpfeiler Fraustadt. Schneidemühl 1937
  • Schober, Erich ( Hrsg. ) : Siebenhundert Jahre Fraustadt in Schlesien 1273 bis 1973. Ein Bildband , Herne 1973
  • Sprungala, Martin: Kronika Wschowy. Chronik der Stadt Fraustadt. Dortmund/Wijewo 2017

 

 

Fraustädter Ländchen

westlicher Ausläufer der Südposener Hochfläche. Das Gebiet fällt nach der Oder und den zur Bartsch und Oder führenden Landgräben ab. Das Höhengelände wird durch den Kreutscher Landgraben, der in einem langen Bogen zur Oder führt, in zwei Teile zerlegt, von denen der südliche zwischen dem Kreutscher und dem Polnischen Landgraben liegt. Dieser langgestreckte Teil der Bodenschwelle stößt südwestlich von Schlichtings-heim in der Südecke der Provinz fast an die Oder heran. Im Norden grenzt die Hochfläche des Fraustädter Ländchens mit einem landschaftlich reizvollen Seengebiet an die Obraniederung. Nordwestlich von Fraustadt  beginnt ein westwärts nach Schlesien sich fortsetzender Höhenzug. Es sind die Tillendorfer Höhen, die mit dem Judenberg auf 121 m ansteigen.

 

Lit.:

  • 50 Jahre Heimathefte „Das Fraustädter Ländchen“. Inhaltsübersicht Heft 1/1955 bis Heft 4/2005. Hrsg. vom Freundeskreis Fraustädter Ländchen e.V. Lahnstein 2006

 

Freistaat Schwenten

Das Ende des 1. Weltkrieges, die Pläne zur Wiederherstellung eines polnischen Staates und das Interesse des deutschen Staates, die Provinz Posen nicht zu verlieren, ließen  einen Freistaat im Kreis Bomst entstehen, der vom 05. Januar bis 10. August 1919 bestand.

Durch erhebliche nationalpolitische Aktivitäten zeichnete sich Pfarrer Emil Hagemann (1864-1946) in Schwenten aus, der den Anschluss seiner Gemeinde an Polen verhinderte. Pfr. Hagemann rief sämtliche Einwohner zur Teilnahme an einer Versammlung auf, die eine neunköpfige Kommission wählte und die Verhandlungen mit dem polnischen Militär führen sollte, das sich auf dem Vormarsch nach Schwenten befand. Gleichzeitig wurde Schwenten unter Berufung auf das „Selbstbe-stimmungsrecht der Völker“ zum neutralen Gebiet erklärt, in das weder deutsches noch polnisches Militär einrücken sollte.

Die ausgerufene „Republik Schwenten“ erkannten Polen und Deutschland an.

 

Am 10. August 1919 fasste der Freistaat, dessen Präsident Pfr. Hagemann war, in öffentlicher Versammlung den Beschluss, seine Neutralität aufzugeben und sich Deutschland anzuschließen.

Der deutsche Grenzschutz des Generalkommandos Glogau marschierte daraufhin am 16. August 1919 in Schwenten ein. Anhaltende Kämpfe zwischen Deutschland und Polen setzen ein und fanden erst ihr Ende, als der ehemalige „Freistaat Schwenten“ erneut zur neutralen Zone erklärt wurde.

Die international besetzte „Grenzregulierungs-kommission“ entschied am 09. Juni 1920 zugunsten des Verbleib Schwentens bei Deutschland.

 

Lit. :

  • Hagemann, Erich : Der Freistaat Schwenten oder deutsche Not und Treue in der Grenzmark Posen. Prenzlau 1938
  • Steinberg, Werner : Husarenstück der Weltgeschichte ( Chronik des Freistaates Schwenten) Breslau 1940
  • Sprungala, Martin: Der „Freistaat Schwenten“- Wahrheit oder Propaganda. In: Jahrbuch Weichsel-Warthe 55 (2009) S.150-159

 

 

Freie Ostmärkische Volkshochschule (Wolny Unywersytet Ludowy Prowincje Wschodnich)

Träger dieser Bildungseinrichtung mit Sitz in Meseritz war der ► Deutsche Heimatbund Posener Flüchtlinge. Sie entstand aus der Kulturarbeit des Deutschen Volksrates Meseritz und des Deutschen Heimatbundes Posener Flüchtlinge und nahm ihre Arbeit am 27. Oktober 1919 auf.

Berufskundliche Bildung, Sprachkurse, Konzerte, öffentliche Vorträge und Informationsveran-staltungen strukturierten die Arbeit dieser Einrichtung, die von Franz Lüdtke (1882-1945) geleitet wurde. Ein weiterer Arbeitschwerpunkt galt der Flüchtlingsfürsorge und der Information über die nach 1919 an Polen abgetretenen Gebiete. Die Freie Ostmärkische Volkshochschule unterhielt eine Zweigstelle in Tirschtiegel(poln.Trzciel).

Finanziell unterstützt wurde die Arbeit der Volkshochschule durch das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sowie der Landesabteilung Brandenburg der Reichszentrale für Heimatdienst. Sie gab eine eigene Publikation „Heimatbücher der Freien Ostmärkischen  Volks-hochschule“ heraus.

 

Lit.:

  • Lüdtke, Franz: Die „Freie Ostmärkische Volkshochschule“ des Deutschen Heimatbundes Posener Flüchtlinge. O.O. 1920

 

 

Freie Prälatur Schneidemühl (Wolna Prałatura Pilska)

Nach dem 1. Weltkrieg vollzogen sich durch die staatliche Reorganisation Polens an der Ostgrenze des Deutschen Reiches territoriale Veränderungen.

Restgebiete der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen, die nicht dem polnischen Staat zufielen, wurden zu einer neuen Provinz ► „Grenzmark Posen – Westpreußen“ administrativ zusammengefasst. Kirchenrechtlich gehörten diese Gebiete jedoch noch zur Erzdiözese Gnesen – Posen bzw. zum Bistum Kulm.

Es handelte sich um die Dekanate Betsche, Bomst, Deutsch Krone, Fraustadt und Schneidemühl; insgesamt waren es 45 Pfarreien mit etwa 80.000 bis 100.000 Katholiken.

Auf Drängen des preußischen Staates richtete der Erzbischof von Gnesen- Posen, Kardinal Dr. Edmund Dalbor (1869 – 1926) am 22. November 1920 eine Erzbischöfliche Delegatur in Tütz (Deutsch – Krone) ein. Dies war kirchenrechtlich die einfachste Lösung, da hierfür keine eigenen Rechte aufgegeben werden mussten. Am 01. Dezember 1920 nahm die Delegatur ihre Arbeit auf und war für die Verwaltung der Dekanate Deutsch – Krone, Schneidemühl, Betsche, Bomst und Fraustadt zuständig. Zum ersten Delegaten, mit den Vollmachten eines Generalvikars ausgestattet, berief Kardinal Dalbor den bisherigen Generalvikar für das Bistum Posen, den Posener Domherren Prälat Dr. Robert Weimann (1870 – 1925). Seiner Verwaltung unterstellte man im August 1922 auch die zur Diözese Kulm gehörenden Nord – Dekanate Lauenburg / Bütow, Schlochau und Flatow. Diese kirchenrechtlichen Veränderungen hatten jedoch nur vorläufigen Charakter, denn am 01. Mai 1923 verfügte Papst Pius XI  (1922 –1939) die Errichtung einer „ Apostolischen Administratur Tütz“, die Rom direkt unterstellt war. Die Bischöfe von Posen – Gnesen sowie von Kulm entband der Papst damit von der Jurisdiktion über diese Gebiete.

Nach dem Tod von Prälat Weimann 1925 erfolgte die Ernennung von Prälat Maximillian Kaller (1880- 1947) zu dessen Nachfolger, der seinen Amtssitz nach Schneidemühl verlegte. Durch das Preußische Konkordat vom 14. Juli 1929 wurde die „„Prälatura Nullius Schneidemühlensis“ verfügt, die am 13. Dezember 1930 als neue Diözese den Namen „Freie Prälatur Schneidemühl“  übernahm. Der Prälat hatte die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Diözesanbischof. Er gehörte – wie auch der Bischof von Ermland und Berlin – als Suffragan zur Kirchenprovinz des Erzbischofs von Breslau und hatte auf der Deutschen Bischofskonferenz Sitz und Stimme.

Nach seiner Wahl zum Bischof von Ermland erfolgte am 28. Oktober 1930 in Schneidemühl die Weihe von Prälat Maximillian Kaller zum Bischof. Sein Nachfolger wurde Dr. Franz Hartz (1881 – 1953), der bis Ende Januar 1945 seine Diözese verwalten konnte, bis ihn die Kriegsereignisse zwangen, aus Schneidemühl zu fliehen.

Kardinal August Hlond (1881-1948) enthob den Generalvikar der Freien Prälatur Schneidemühl, Johannes Bleske, mit Wirkung zum 01. September 1945 seines Amtes, so dass die Diözese somit keinen amtierenden deutschen Oberhirten mehr hatte.

Nach dem Krieg wurde die Freie Prälatur Schneidemühl zur seelsorgerischen Betreuung der Vertriebenen weitergeführt. Der Vatikan berief einen Apostolischen Visitator für die deutschen Gläubigen und die Angehörigen des Klerus der ehemaligen Freien Prälatur Schneidemühl.

 

Lit. :

  • Schmauch, Hans : Die Freie Prälatur Schneidemühl. In : Preußenland. Mitteilungen der historischen Kommission für ost – und westpreussische Landesforschung. 3 (1965 ) S. 33 – 45
  • Sprungala, Martin : Die Prälatur Schneidemühl – die kirchliche Neuordnung der Provinz Posen nach 1919. In : Jahrbuch Weichsel – Warthe 49 ( 2003 ) S. 76 – 85
  • Westphal, Franz : Die Apostolische Administratur Schneidemühl. Schneidemühl 1928

 

 

 

 

Fremdvölkische

Bezeichnung des Nationalsozialismus für Menschen, die nach der nationalsozialistischen Rassenkunde und –lehre nicht dem deutschen oder einem ihm „artverwandten Volk „ angehörten. Im Gegensatz zu den Deutschen, die in  ihrer Mehrheit angeblich einer hochwertigen nordischen Rasse angehören sollten, galten die als fremdvölkisch eingestuften Menschen als minderwertig. Sie wurden von den Nationalsozialsten auch als Untermenschen bezeichnet.

Als Fremdvölkische wurden vor allem Polen, Russen sowie Sinti und Roma betrachtet.

Der Reichsführer SS und Chef der Polizei, Heinrich Himmler,  führte 1940 in der Denkschrift „Einige Gedanken über die Behandlung der Fremd-völkischen im Osten, die Hitler ausdrücklich als Richtlinie der Politik im  besetzen Osten anerkannte, aus:

„Für die nichtdeutsche Bevölkerung des Ostens darf es keine höhere Schule geben als die vierklassige Volksschule. Das Ziel dieser Volksschule hat lediglich zu sein: Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein, und ehrlich, fleißig und brav zu sein. Lesen halte ich nicht für erforderlich.“

Bereits ein Jahr zuvor, war Himmler von Hitler durch Führererlass vom 07.Oktober 1939 beauftragt worden, für die „Festigung deutschen Volkstums“ und die „ Ausschaltung des schädigenden Einflusses von solchen volksfremden Bevölkerungsteilen, die eine Gefahr für das Reich und die deutsche Volksgemeinschaft bedeuten…“ zu sorgen.

 

Friderizianische Kolonien

Bei der ersten Teilung Polens 1772 entfiel auf Preußen u.a. der Netzedistrikt. Durch die Ansiedlung deutscher Bauern und Handwerkern versuchte der preußische König  zur Verbesserung der sozialen  und wirtschaftlichen Situation des Netzedistriktes beizutragen

 

 

Frieden von Tilsit

Bezeichnung für den Friedensschluss Frankreichs mit Russland am 24. Juni 1807 und mit Preußen am 09. Juli 1807.

Der Friede von Tilsit beendete den Krieg Frankreichs gegen die russisch – preußische Koalition nach der verheerenden Niederlage Preußens bei Jena und Auerstadt: Russland hatte nach der verlorenen Schlacht bei Friedland (14. Juni) um einen Waffenstillstand gebeten. Preußen entging seiner Zerschlagung als Staat nur aufgrund der Fürsprache des russischen Zaren, musste aber zahlreiche Territorien abgeben – seine sämtlichen westelbischen Besitzungen an das neugeschaffene Königreich Westfalen; die Erwerbungen aus der zweiten und dritten Teilung Polens an das Herzogtum Warschau. Danzig wurde Freie Stadt mit französischer Besatzung.Das preußische Heer durfte nur 42.000 Soldaten umfassen.

 

Lit.:

  • Tempel, Ferdinand: Die Verhandlungen in Tilsit vom 24. Juni bis 09. Juli 1807 . Straßburg 1916
  • Sicher, Ernst Ludwig : 200 Jahre Tilsiter Frieden. Arnstadt 2007

 

 

Friedheim (Miasteczko)

Auch wenn F. in der Städtematrikel von 1458 noch nicht aufgeführt war, muss ihre Erhebung zur Stadt in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgt sein, denn 1497 wird der Ort urkundlich als Stadt erwähnt.

  1. war eine mittelbare Stadt im Besitz unter-schiedlicher adliger Geschlechter.

Im Zuge der preußischen Inbesitznahme bestritt der Grundherr Szembek, dass der Ort jemals städtische Privilegien erhalten habe.

Trotz intensiver Recherchen konnten entsprechend verliehene städtische Privilegien dokumentarisch nicht belegt werden.

 

 

Fünfte Kolonne „

 

Bezeichnung für Agenten-, Spionen – und Verrätergruppen sowie für staatszersetzende Organisationen, die einen Staat von innen heraus im Auftrag einer ausländischen Regierung  bekämpfen. Der Begriff entstand während des „Spanischen Bürgerkrieges“  (1936 – 1939), als Franco – Truppen in vier Kolonnen gegen die von „Internationalen Brigaden“ verteidigte spanische Hauptstadt erreichten, während dessen sie durch Anhänger Francisco Francos (1892-1975) , die sich in der Stadt aufhielten, in ihren militärischen Operationen unterstützt wurden.

 

Die wachsende Spannung in den deutsch – polnischen Beziehungen, die durch die Aufkündigung des deutsch – polnischen  Nichtangriffspaktes von 1934  durch das Deutsche Reich am 28. April 1939 ihren sichtbaren Ausdruck fand, führte zu einer Steigerung der deutsch-feindlichen Stimmung in der polnischen Öffentlichkeit. Die deutsche Minderheit in Polen wurde dabei mit einem besonderen Misstrauen beobachtet, ihr unterstellte man illoyales Verhalten gegenüber ihrem Heimatstaat in Form der Vorbereitung unterschiedlicher desintegrativer und diversanter Handlungen.

Diese antideutsche Stimmung steigerte sich noch nach dem Einmarsch deutscher Truppen in der Tschechoslowakei am 16. März 1939, wobei die politischen Aktivitäten der Sudetendeutschen Partei unter Führung von Konrad Henlein   (1898-1945) als Beleg für das Zusammenspiel der national-sozialistischen Führung und den Führungs-persönlichkeiten der Organisationen der deutschen Minderheit zur Destabilisierung von Regierungen und zur Realisierung außenpolitischer Ziele des deutschen Reiches gewertet.

Innenpolitisch verstärkte sich vor diesem Hintergrund die Befürchtung, die deutsche Minderheit in Polen könnte eine ähnliche Rolle im bilateralen Verhältnis spielen. Diese Befürchtungen waren nicht ganz unbegründet, denn die Geheime Staatspolizei und der Sicherheitsdienst versuchten Angehörige der deutschen Minderheit in Polen für antipolnische Aktionen anzuwerben. Das Auswärtige Amt untersagte am 06. Juni 1939 diese Vorhaben. Von verschiedenen Institutionen des Deutschen Reiches unter den in Polen lebenden Deutschen ange-worbene sog. „Vertrauensmänner“ stellten Proskriptionslisten antideutsch eingestellter Polen zusammen. Noch im August 1939 schlug der Vorsitzende der Jungdeutschen Partei, Rudolf Wiesner (1890-1974), der Volksdeutschen Mittelstelle vor, ihm eine eine analog Henleins entsprechende Rolle zu übertragen. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.

Die Erwartung des unvermeidlich erscheinenden Krieges mit Deutschland und die damit unterstellten Sicherheitsrisiken hinsichtlich der deutschen Minderheit bestimmten die Entscheidung der polnischen Regierung zur offenen Verfolgung ihrer deutschsprachigen Bürger. Von Mai bis August 1939 lief die Welle der Schließung deutscher Schulen, Zeitungen, Genossenschaften, Vereine und Betriebe sowie der Entlassungen, Ausweisungen und Verhaftungen immer höher auf. Angesichts der konfrontativen innenpolitischen Entwicklung flohen viele Deutsche aus Polen. Die vom Deutschen Reich eigens für diesen Personenkreis eingerichteten Sammellager wiesen am 21. August 1939 rund 70.000 Flüchtlinge auf.

Bei Kriegsausbruch wurden nach offensichtlich seit längerem vorbereitete Listen Massenverhaftungen als Maßnahme gegen befürchtete antipolnische Aktivitäten unter der deutschen Minderheit durchgeführt, die mehr als 10.000 Deutsche erfassten. (Verschleppungsmärsche)

Nur vereinzelt waren Maßnahmen und Aktionen zur Störung des polnischen militärischen Widerstandes und zur Unterstützung militärischer Operationen der Wehrmacht durch die deutsche Minderheit zu verzeichnen.

 

Lit. :

  • De Jong, Louis : Die Fünfte Kolonne im Zweiten Weltkrieg. Stuttgart 1959 ( = Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, 4 )

 

 

 

 

 

Gembitz / Kr. Czarnikau  ( poln. : Gebiczyn)

Kleinstadt im Kreis Czarnikau, bereits vor 1315 als Siedlung existent. Polnische Großgrundbesitzer warben deutsche Siedlungswillige, überwiegend aus Pommern und der Neumark, zum Wiederaufbau (um 1719 ) 1883 wurde Gembitz Stadtrecht verliehen.

 

Gembitz / Kr. Mogilno  ( poln. : Gebice)

Älteste Erwähnung eines Dorfes G. in einer Urkunde vom 13. November 1365. Im Jahr 1383 war der Ort bereits Stadt unter königlicher Herrschaft.

 

Gemeinschaft Evangelischer Posener

Die Gemeinschaft Evangelischer Posener (Hilfskomitee) e.V. steht in der Nachfolge der ► „Unierten Evangelischen Kirche in Polen “ für die ehemaligen Provinzen Posen und Westpreußen. Sie bestand bis 1939 unter der Leitung von General-superintendent  D. Paul Blau(1861-1944). Während des 2. Weltkrieges wurde ihr unter der national-sozialistischen Verwaltung die öffentlich – rechtliche Stellung als Kirche aberkannt.

 

Anlässlich der „Konferenz der evangelischen Kirchenfeier“, die vom 27.bis 31. Mai 1945 im hessischen Treysa (heute  Schwalmstadt) tagte, wurde die „Evangelische Kirche in Deutschland“ organisatorisch neu gebildet und das „Evangelische Hilfswerk der EKD“ (später mit der „Inneren Mission“ zum „Diakonischen Werk“ zusammengeschlossen) gegründet.

Ein Weiterbestehen der alten Ostkirchen oder ihre Integration in die neugegründeten Strukturen der Evangelischen Kirche Deutschlands war nicht möglich. Amtsträger und Repräsentanten der Ostkirchen waren nicht an einer bloßen Eingliederung in die Gemeinden der neuen Aufenthaltsorte interessiert, sondern waren eher bestrebt, bestimmten „Anliegen der ehemaligen  deutschen Kirchen in Ost-und Südosteuropa Rechnung zu tragen“.

Geplant war die Bildung sog.“ Hilfskomitees“, die – trotz des Koalitionsverbotes der Alliierten für die Vertriebenen- unter der organisatorischen und rechtlichen Inobhutnahme durch das Evangelische Hilfswerk ihre Arbeit aufnehmen konnten.

Auf Einladung der Kirchenkanzlei der EKD und des Evangelischen Hilfswerkes fand vom 29. bis 31. Juli 1946 in Frankfurt/Main eine Konferenz statt, zu der führende Vertreter der früheren deutschen evangelischen Ostkirchen eingeladen wurden.

Auf der Frankfurter Tagung wurde die Bildung eines „Kirchlichen Hilfsausschusses für die Ostver-triebenen“ beschlossen. Gemäß seiner Satzung hatte er die Aufgabe“ in seelsorgerischer und geistlicher Hinsicht den Dienst der Hilfskomitees anzuregen und zu lenken und diese Arbeit zusammen zu fassen und zu betreuen. Er erstrebt nicht die Bildung besonderer Flüchtlingskirchen.“

Nach der Frankfurter Tagung hatte man sich an den Oberkonsistorialrat Carl Brummak (1895-1971 – bis 1945 Pfarrer der Matthäi-Kirche in Posen – Wilda) gewandt, um die Arbeit zugunsten der ehemaligen  Posener Evangelischen Kirche zu aktivieren. Es wurde für das Posener Hilfskomitee 1946 zunächst eine Dienststelle in Lübeck errichtet; sie war später in Lüneburg und dann in Hannover ansässig.

Brummack berief Ende Juni 1947 einen Pfarrkonvent in Treysa und lud zu einer Tagung im  September 1947 nach Hannover ein. Es kam hier zur Bildung eines Exekutivausschusses und eines Beirates von Geistlichen und Laien, In den ersten Jahren seines Bestehens sah das Hilfskomitee seine Hauptaufgabe im seelsorgerischen und karitativen Dienst: also um eine Förderung der Integration der Heimat-vertriebenen im umfassenden Sinn.

Die Gemeinschaft hat ihren Sitz im D.- Paul – Blau – Haus in der Bernhard – Riemann – Strasse 30 in Lüneburg, wo sich auch das Archiv und die Redaktion der “ Posener  Stimmen “ befinden.

Diese Zeitung erschien ab  1947 als eine ein–bis zweiseitige Beilage zu dem „Evangelischen Gemeindeblatt für den Kirchenbezirk Urach“, ab März 1949 als selbständiges Organ (allerdings mit einer Unterbrechung von etwa drei Jahren, wo sie nur eine Beilage zu den „Stimmen aus dem Osten“,  dem Mitteilungsblatt der Deutschen aus dem Weichsel-Warthe –Land war“), dann endgültig selbständig ab Oktober 1953.

Seelsorgerische und karitative Aufgaben bestimmen heute – neben der Dokumentation der Geschichte der evangelischen Kirche im Posener Land –  die Tätigkeiten der Gemeinschaft.

 

Lit. :

  • 50 Jahre Gemeinschaft Evangelischer Posener. Lüneburg 1997

 

 

Generalplan Ost

 

Beim Generalplan Ost (GPO) handelt es sich um eine Reihe von Plänen, Planungsskizzen und Vortragsmaterialien zu einer möglichen neuen Siedlungsstruktur im Rahmen der  national-sozialistischen Ostpolitik in den von der NS-Regierung während des Zweiten Weltkrieges eroberten und besetzten Gebieten Polens und der Sowjetunion. Der Generalplan Ost war ein auf der Grundlage der NS-Rassendoktrin  erarbeitetes theoretisches Konzept, das als Planungsgrundlage für die Kolonisierung und „Germanisierung „von Teilen Ost- und Ostmitteleuropas dienen sollte. Diese Schriften wurden seit Frühjahr 1940 durch das Planungsamt des Reichskommisariat für die Festigung des deutschen Volkstums RKF), die Planungsgruppe Gr. lll B beim Sicherheitsdienst des Reichssicherhauptamts der SS (RSHA) und des Instituts für Agrarwesen und Agrarpolitik der Berliner Universität erstellt. An den verschiedenen Planungen in den Jahren von 1940 bis 1942, die unter dem Oberbegriff Generalplan Ost zusammengefasst werden, wurde zunächst im Auftrag des Reichsführer-SS Heinrich Himmler, später auch im Auftrag des NS-„Chefideologen“ Alfred Rosenberg (1893-1946) gearbeitet. Aufgrund der Kriegs-ereignisse und der Widerstände in der einheimischen Ostbevölkerung scheiterte sowohl der Generalplan Ost als auch der später auf diesen aufbauende Generalsiedlungsplan endgültig.

 

Mit der Eroberung des Westteils von Polen sollten Vorstellungen zur Besiedelung dieses Gebietes verwirklicht werden. Aufschlussreich ist die Verwendung des Begriffs „Ober Ost“ in Hitlers Geheimerlass vom 7. Oktober 1939 zur „Festigung deutschen Volkstums“. In Abschnitt II heißt es: „In den besetzten ehemals polnischen Gebieten führt der Verwaltungschef Ober-Ost die dem Reichsführer- SS übertragenen Aufgaben nach dessen allgemeinen Anordnungen aus. Der Verwaltungschef Ober-Ost und die nachgeordneten Verwaltungschefs der Militärbezirke tragen für die Durchführung die Verantwortung.“ Der Agrarwissenschaftler Konrad Meyer  (1901-1973) , seit 1939 in enger Beziehung zu der von Albert Brackmann (1871-1952)  geleiteten und für Ostforschung zuständigen Publikationsstelle Berlin-Dahlem stehend und wie Brackmann ein Anhänger der „ostkolonisatorischen Mission“, war nach dem Angriff auf Polen schon im April/Mai 1940 planerisch für den „deutschen Neuaufbau im Osten“ in den eingegliederten Ostgebieten, den Reichsgauen Wartheland und Danzig-Westpreußen , tätig geworden. Ein größerer Gesamtplan wurde zwei Tage nach dem Angriff auf die UdSSR am 22. Juni 1941 durch Heinrich Himmler bei Meyer in Auftrag gegeben, mit dem Himmlers Siedlungsprogramm konkretisiert werden sollte. Die erste Fassung des Plans lag am 15. Juli 1941 vor, und Himmler ordnete am 20. Juli 1941 bei einem Besuch in Lublin gegenüber dem dortigen SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik (1904-1945)  an, „ein Großsiedlungs-gebiet im Raum um die bereits vorhandenen volksdeutschen Kolonien bei Zamosch“ zu schaffen Von einigen Historikern wird angenommen, dass es sich bei dieser Maßnahme möglicherweise um ein erstes umgesetztes Teilelement des GPO mit der Zielsetzung, zwischen den „einzudeutschenden“ Gebieten im Wartheland und den künftig von Deutschen zu besiedelnden Teilen der UdSSR eine „Siedlungsbrücke“ zu bilden, gehandelt haben könnte.

Einige Planungen sahen vor, Teile der Bevölkerung Polens und der westlichen Teile der Sowjetunion nach Sibirien zu verbannen. Nach der am 28. Mai 1942 vorgelegten und im Dezember noch einmal überarbeiteten Version sollten das Wartheland, Ostoberschlesien und Westpreußen einschließlich von Teilen des „Generalgouvernements Polen“ (GG) völlig „eingedeutscht“ und in Teilen der eroberten Sowjetunion drei „Reichsmarken“ gebildet werden:

  1. „Ingermanland“ südlich von Leningrad; 2. das Narewgebiet mit Bialystok und Litauen; 3. der „Gotengau“ mit Krim und dem Gebiet um Cherson. Die für die „Eindeutschung“ zunächst gesetzte Frist von 25 Jahren wurde am 23. Dezember 1942 noch einmal auf 20 Jahre herabgesetzt, und Böhmen und Mähren, Elsass-Lothringen, die Untersteiermark und Oberkrain wurden auf Himmlers Wunsch ebenfalls der Planung zugeordnet. Die „frei gewordenen Gebiete“ in Osteuropa sollten mit mehreren Millionen Deutschen besiedelt werden. Voraussetzung zur vollen Umsetzung der Pläne wäre der militärische Sieg gegen die Sowjetunion gewesen.

‎Insgesamt wurden  816 polnische Gemeinden abgesiedelt – die Zahl der zwangsweise ausge-siedelten Polen betrug 2, 478 Millionen, d.h. 9,2 % der gesamten Bevölkerung  Polens.

 

 

Literatur

  • Matthias Burchard: Der Generalplan Ost, ein finsteres Kapitel Berliner Wissenschaftsgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin, 1997
  • Bruno Wasser: Himmlers Raumplanung im Osten. Der Generalplan Ost in Polen 1940–1944, Basel 1994
  • Czeslaw Madajczyk (Hrsg.): Vom Generalplan Ost zum Generalsiedlungsplan. Dokumente, München 1994
  • .Mechthild Rössler, Sabine Schleiermacher (Hrsg.): Der „Generalplan Ost“. Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik, Berlin 1993.
  • Helmut Heiber: Der Generalplan Ost. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Dokumentation 6 (1958), Heft 3, S. 281–325.

 

 

 

Genossenschaftswesen

Die Neuwieder Raiffeisenorganisation kam erst 1890, also als letzte genossenschaftliche Organisation, in das Posener Land. Trotzdem sollte sie sich zum stärksten und bedeutendsten Genossenschaftsverband in der Provinz Posen entwickeln.

Von Anfang an hatte sich der Raiffeisenverband mit der Ansiedlungskommission mit dem Ziel verbunden, die aufgrund des Ansiedlungsgesetzes von 1886 errichteten Dörfer genossenschaftlich zu betreuen.

Die erste Genossenschaftsgründug der Neuwieder Raiffeisenzentrale erfolgte 1890 in einem der ältesten Ansiedlungsdörfer der Provinz in Libau (Łubowo) bei Gnesen.

Der Neuwieder „Generalverband“, dem die Raiffeisenkassen nach dem zentralistischen Prinzip angegliedert wurden, fasste sie 1895 in einem Unterverband für die Provinz Posen in Janonwitz (Kreis Znin) zusammen. Hieraus entwickelte sich dann der „Verband deutscher Genossenschaften in der Provinz Posen (Raiffeisen)“ mit Sitz in Posen.

Als genossenschaftliches Blatt der Verband seit 1900 den „Raiffeisenbote“ heraus, der nach dem Ersten Weltkrieg im „Landwirtschaftlichen Zentral-wochenblatt“ seine Fortsetzung fand.

Dem Posener Raiffeisenverband schlossen sich dem 1. Weltkrieg die Volksbanken Pommerellens, die deutschen Genossenschaften Polnisch-Ober-schlesiens und des Bielitzer Landes an. Darüber hinaus beriet und betreute der „Verband deutscher Genossenschaften in Polen“ ( wie er nunmehr hieß ), die Schwesterverbände in Galizien, Lodz und das neuerstandene Genossenschaftswesen in Wolhynien.

1925 erfolgte die Wahl von Dr. Friedrich Swart (1883-1957) zum Verbandsdirektor.

1938 gehörten der Raiffeisenorganisation

  • 352 Kreditgenossenschaften mit 31000 Mitgliedern und einem Eigenvermögen von 18 Millionen Zloty
  • 139 landwirtschaftliche Ein – und Verkaufsgenossenschaften mit 8200 Mitgliedern und einem Eigenvermögen von 3 Millionen Zloty und einem Warenumsatz von 50 Millionen Zloty
  • 51 Molkereigenossenschaften mit 3700 Mitgliedern, einem Eigenkapital von 2,2 Millionen Zloty und einer Milchlieferung von 140 Millionen Litern Milch jährlich
  • 7 Viehverwertungsgenossenschaften mit 2000 Mitgliedern, rund 35o TSD Zloty Eigenvermögen und einem Umsatz von 8,4 Millionen Zloty

 

an.

 

Verband der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften (Schultze- Delitzsch )

1850 wurde in Eilenburg (Sachsen) im Sinne der Ideen von Hermann Schultze –Delitzsch (1808-1883) die erste Kreditgenossenschaft Deutschlands, zunächst noch als „Vorschußverein“ bezeichnet, gegründet. Bereits ein Jahrzehnt später breitete sich der genossenschaftliche Gedanke in der Provinz Posen aus.  So zählten die „Vorschußvereine“ in Bromberg (1860),  Lissa (1861), Wollstein (1864), Punitz (1866) und Neutomischel (1868) zu den ältesten Genossenschaften des Posener Landes.

Die deutschen Vorschußvereine  der Provinz schlossen sich 1872 zu einem „Unterverbande der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen-schaften in der Provinz Posen  (Schultze-Delitzsch)“ mit Sitz in Bromberg zusammen, der dem „Allgemeinen Verband Deutschlands“ angehörte. Der Verband führte lediglich die Prüfung in den angeschlossenen Genossenschaften durch, ohne sich um die systematische genossenschaftliche Entwicklung der Provinz zu bemühen.

Vor dem 1. Weltkrieg (1910) zählten  die 37 Vorschußvereine der Provinz Posen über 23.000 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte Vertreter städtischer Berufe waren und die übrigen der ländlichen Bevölkerung angehörten.

Nach der Abtretung der Provinz Posen an die Republik Polen verloren die Vorschußvereine ihren verbandlichen organisatorischen Rückhalt in Berlin. Da sie infolge der Abwanderung vieler Mitglieder und durch die Geldentwertung so geschwächt waren, dass sie weder organisatorisch noch wirtschaftlich einen neuen leistungsfähigen  zu errichten vermochten, schlossen sich die Vorschußvereine den „Verband deutscher Genossenschaften“ (Raiffeisen) in Posen an.

 

Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften (Offenbach)

 

Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen in der Provinz Posen entwickelte sich erst seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Gründung von Molkereigenossenschaften.

Als sich 1889 die 18 Genossenschaftmolkereien zum Molkereirevisionsverbande vereinigten, wurde damit auch der Grundstein zum „Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften für die Provinz Posen“ (Offenbach) gelegt. Dieser neue Genossenschaftstyp der Molkereien wurde- im Gegensatz zu den Vorschußvereinen- von der Landwirtschaft getragen.

1885 wurde in Feuerstein (           ) bei Lissa die erste Spar-und Darlehenskasse in der Provinz Posen gegründet. Der Verband mit Sitz in Posen nahm die Gründung von landwirtschaftlichen Spar –und Darlehenskassen erst im Jahre 1895 auf.

1897 zählte der Verband 240 Genossenschaften, 1900 waren es bereits 340. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges gehörten dem Verband über 500 Genossenschaften an. Über die Mitglieder und die wirtschaftliche Stärke der im Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften vereinigten Mitglieder geben folgende Zahlen Aufschluss:

 

Ende 1890 hatten 288 Kreditgenossenschaften über 27.000 Mitglieder und 129 andere Genossen-schaften Ende 1907  etwa 9000 Mitglieder. Die Genossenschaftsguthaben beliefen sich in den Kreditgenossenschaften auf 2,13 Millionen Zloty, die Spar – und sonstigen Einlagen auf 21,5 Mio. Zloty.

 

Obwohl sich die Offenbacher und Raiffeisen-  Organisation im Grundsätzlichen kaum voneinander unterschieden, gelang es nicht, sie zu vereinen.

Da das Betätigungsfeld des Raiffeisenverbandes hauptsächlich in den Ansiedelungsbezirken lag und die Behörde der Ansiedelungskommission zur wirtschaftlichen Festigung der von ihr neu angelegten Bauerndörfer die genossenschaftlichen Zusammenschlüsse förderte, waren die Gegner der staatlichen Ansiedelungspolitik auch Gegner der Raiffeisenorganisation. Dazu gehörten die konservativen Kreise des Großgrundbesitzes, die in der Ansiedelungspolitik eine Gefährdung ihres Standes sahen.

 

Die deutschen Genossenschaften im ehemaligen preußischen Teilungsgebiet Posen schlossen sich nach 1919 in zwei Genossenschaftsverbänden

  • dem Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Westpolen (VlGW, Offenbach)
  • Verband deutscher Genossenschaften in Polen (VdGP, Raiffeisen)

zusammen.

Die Tätigkeit des VlGW war auf das Territorium der Woiwodschaft Poznań beschränkt. Er zählte 1933 168 Genossenschaften mit rund 11.ooo Mitgliedern. Der VdGP war landesweit tätig und zählte 1933 377 Genossenschaften mit rund 34.000 Mitgliedern.

Am 29. Oktober 1920 beschloss der Sejm eine neue gesetzliche Grundlage für das Genossenschaftswesen in Polen. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes am 01. Januar 1921 verloren alle bisher geltenden Genossenschaftsgesetze ihre Gültigkeit.

Einige wichtige Inhalte des neuen Gesetzes :

  1. die Genossenschaften können neben den wirtschaftlichen Aufgaben auch die Hebung des kulturellen Standes ihrer Mitglieder zum Ziel haben.
  2. Mitgliederlisten werden nicht mehr bei Gericht geführt, sondern von den Genossenschaften selbst. Der Vorstand allein hatte die Befugnis, über die Neuaufnahme von Mitgliedern zu entscheiden.
  3. Anstelle der Aufsichtsorgane, die im deutschen Recht das Genossenschaftswesen überwachten, war im polnischen Recht ein sog.“ Genossenschaftsrat“ getreten; eine Art Selbstverwaltungskörper mit öffentlichen Befugnissen. Der Genossenschaftsrat wurde bei dem Finanzministerium gebildet und bestand aus Vertretern einzelner Ministerien und zu mindestens 2/3 aus ernannten Mitgliedern der einzelnen Revisionsverbände.

 

Der ehemalige Raiffeisenverband vereinigte jedoch seit 1926 die Verwaltung beider Genossen-schaftsverbände in sich. Der Offenbacher Verband existiert nur noch formal weiter.1934 ist er offenbar auch formal dem VdGP eingegliedert worden.

Direktor des VdGP war seit 1825 Dr. Friedrich Swart.

1934 waren auf dem Gebiet von Großpolen tätig:

* 255   Kreditgenossenschaften

* 108   landwirtschaftliche Handelsgenossenschaften

* 54     Molkereigenossenschaften

* 29     Brennereien

* 10    Viehverwertungsgenossenschaften

* 16    Sonstige

 

Lit. :

Bloch, Walter : Die deutschen Genossenschaften in Westpolen. Diss.jur. Freiburg im Breisgau. 1938

Pawlicki, W. : Zur Entwicklung des Genossenschaftswesens in der Provinz Posen. Tübingen 1912

Swart, Friedrich : Diesseits und jenseits der Grenze. Das deutsche Genossenschaftswesen im Posener Land und das deutsch-polnische Verhältnis bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Leer 1954

 

 

 

Germanisierung ( ► Eindeutschung)

Dieser Begriff war eine Umschreibung der Nationalsozialisten für eine Vertreibung der slawischen Völker aus ihrer Heimat in Osteuropa, die Ansiedlung von deutschen an ihrer Stelle und die „Eindeutschung“ von Angehörigen fremder Völker, soweit sie nach Ansicht der Nationalsozialisten „rassisch einen wertvollen Bevölkerungszuwachs“ bedeuten konnten.

Ziel war es, ein kulturell, sprachlich und rassisch einheitliches  deutsches Siedlungsgebiet zu schaffen.

Nach der Eroberung Polens übernahm der „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“ die Planung und Durchführung der G.

 

Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation

Die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation (GFK) wurde am 12. April 1912 auf Initiative von Friedrich von Schwerin und Max Sering (1857-1939) gegründet. Ihre Aufgabe bestand in der Förderung der Besiedelung der nur dünn bevölkerten Ostgebiete des Deutschen Reiches.

Das publizistische Organ war die Zeitschrift „Archiv für innere Kolonisation“. Nach dem Tod von Schwerin 1925 übernahm bis 1932 Wilhelm Freiherr von Gayl (1879-1945) die Führung der Gesellschaft. Eine bedeutende Rolle in der GFK spielte Alfred Hugenberg (1865-1951).

Zu den Aufgaben der GFK gehörten die Anwerbung für die Siedlung, die Erforschung wissenschaftlicher Fragen, die Mitwirkung bei der Siedlungs-gesetzgebung sowie die Förderung und Beratung von Siedlungsträgern und Siedlungsbewerbern.

Die GFK wurde am 26. Juni 1934 im Zuge der Gleichschaltungsmaßnahmen der National-sozialisten zwangsweise aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie sich zunächst 1946 in Schleswig-Holstein, später in der ganzen britischen Zone neu.

Seit 1955 entstanden mehrere Tochter-gesellschaften, darunter als bedeutendste die GFK GmbH, die später in Deutsche Gesellschaft für Landentwicklung (DGL GmbH) umbenannt wurde und bis 1994 existierte.

Das Aufgabengebiet nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste vor allem die Strukturentwicklung agrarisch genutzten Raumes durch Beratung und gezielte Förderungsmaßnahmen

 

 

Giecz (poln.: Giecz)

Die Chronik des Gallus Anonymus erwähnt G. als eine der mächtigsten Burgen des frühpiastischen Polens. G. war eines der wichtigsten Zentren  – neben Posen und Gnesen – des polnischen Staates im Mittelalter. Ihr fiel eine wichtige strategische Bedeutung zu, da sie im Süden Großpolens den Zugang zu den Hauptstädten der Piasten sichern und verteidigen sollte.

Die Burg entstand in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. In das Ende des 10. Jahrhunderts fällt die Errichtung des fürstlichen Palatiums, dessen Bau jedoch nie vollendet wurde.

1038 überfielen Böhmen den Ort, plünderten ihn und verkauften seine Einwohner als Sklaven.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau der Burg.

Im 13. Jahrhundert war der Ort eines der Zentren der Verwaltung und des Handels in Großpolen. In jener Zeit erhielt der Ort  Stadtrechte und wurde Sitz einer Kastellanei.

1331 erfolgte eine vollständige Zerstörung der Stadt durch die Kreuzritter, wovon sie sich nicht erholte. Auch die Änderung des Verlaufs der Handelsrouten führte zum Verfall der Stadt.

1948 begann man in G. mit systematischen archäologischen Forschungen und 1963 wurde hier ein archäologisches Reservat gegründet.

G.- heute ein Dorf mit 140 Einwohnern- befindet sich 12 km nordöstlich von Schroda und 33 km östlich von Posen.

 

 

Glowna

Rechter Nebenfluss der Warthe, der am südlichen Ufer des Lednickie-Sees entspringt.

Die Länge des Flusses beträgt 46 km, sein Einzugsgebiet 247 km²: Die Glowna fließt nordwestlich an Pudewitz (Pobiedziska) vorbei und durch den    (jez. Biezdruchowski).

Durch den Stau des Flusses ist der Kowalski-See mit einer Fläche von 34 Hektar entstanden.

 

Die Glowna mündet in die Warthe.

 

 

Gnesen  ( Gniezno )

Im südöstlichen Teil des Großpolnischen Tieflandes (Nizina Wielkopolska) liegt die Stadt,  die heute rund 70.000 Einwohner ausweist. Gnesen gilt als die erste Hauptstadt Polens und ist von altersher Sitz der polnischen Erzbischöfe. Trotz intensiver archäologischer Forschungen blieben die Anfänge der Ansiedlung Gegenstand divergierender wissen-schaftlicher Diskussionen. Derzeit wird angenommen, dass die erste Siedlung während der Wende vom 08. bis 09. Jahrhundert entstand.  Im 8.und 9. Jahrhundert hatte sich Gnesen immer stärker als Zentrum des westslawischen Stammes der Polanen durchgesetzt. Die Christianisierung nach der Mitte des 10.Jahrhunderts als auch die zeitweilige Vereinigung der slawischen Stämme zwischen Ostsee und Tatra hatte diese Entwicklung verstärkt. Um etwa 940 entstand eine Wehrburg  an der Stelle des heutigen Domes, die von einem Erd- und Holzwall umgeben war und nördlich davon eine zweite, die Sitz des Fürsten war.

Mitte des 10. Jahrhunderts war Gnesen Hauptstadt des Kleinstaates Gnesen .Auf Betreiben des Papstes Sylvester II (um 950 -1003) errichtete man das erste polnische Erzbistum. Zum Erzbischof Gnesens wurde im Jahr 1000 der Bruder und Begleiter des Prager Bischof Wojciech/Adalbert, Radzim, ernannt (genannt Gaudentis). Seit dieser Zeit ist Gnesen die kirchliche Hauptstadt Polens. Bis zu den Teilungen Polens krönten die Gnesener Erzbischöfe die polnischen Könige und übten während eines Interregnums die Funktion eines „Interrex“ aus.

Im Jahre 1000 unternahm der deutsche Kaiser-Otto III (980-1002) eine Pilgerfahrt nach Gnesen. Die Synode, die in Gegenwart des Kaisers stattfand, ernannte Gnesen zum Sitz des Erzbischofs. Diesem Erzbistum unterstellte er die Bistümer Kolberg, Krakau und Breslau und ermöglichte damit den Aufbau einer eigenständigen polnischen Kirchen-organisation. Dies kam dem Streben  Boleslaw nach polnischer Selbständigkeit entgegen und 1025 wurde in der Stadt Bolesław I Chobry (992 – 1025) zum ersten König von Polen gekrönt.  Damit wurde die polnische Unabhängigkeit vom Deutschen Reich und die eigenständige Konsolidierung  Polens manifest und die Stadt Gnesen zum Symbol polnischer Souveränität.

Anfang des 11. Jahrhunderts wies die Stadt 20- bis 25.ooo Einwohner auf. Gnesen blieb bis 1320 Krönungsstadt und erhielt vor 1243 als erste Stadt ► Großpolens deutsches Recht. 1038 wurde die Stadt durch böhmische Truppen und 1331 durch den Deutschen Orden zerstört. Nach dem militärischen Überfall der Böhmen erfolgte die Verlegung der  Hauptstadt Polens nach Krakau; Gnesen blieb – trotz des Verlustes seiner weltlichen Bedeutung –   weiterhin Sitz des Erzbistums. Die spätmittel-alterliche Geschichte der Stadt war bis zum Frieden von Kalisch 1343 geprägt von den Kämpfen mit dem Deutschen Ritterorden, der im Sommer 1331 G. zerstörte. Gleichzeitig entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum; so erstreckten sich die Handelsbeziehungen auf das Kulmerland und Masowien. Aber auch Leipzig, Nürnberg, die Lausitz, Schlesien, Krakau, Stettin und Wilna waren in die Handelsbeziehungen der Stadt einbezogen.

Die Blütezeit des Handels, bei der G. eine internationale Rolle spielte, begann im Mittelalter, doch erst im 16.   und zu Beginn des 17 Jahrhunderts setzte eine dynamische Entwicklung ein. Anstoß dazu gab das wirtschaftliche Wachstum Russlands, Weißrusslands und Litauens, wodurch in diesen Ländern u.a. ein großer Bedarf an Tuchen und Metallerzeugnissen entstanden war; im Westen bestand große Nachfrage nach Pelzwaren und Leder. Ein erheblicher Teil des Warenstroms lief über Gnesen. Kaufleute aus dem Osten erwarben in Gnesen Textilien, die bis zu 70% aller ihrer in Polen getätigten Einkäufe ausmachten. Dieser für Gnesen bedeutsame Handel kam um die Mitte des 17. Jahrhunderts zum Erliegen. Die Ursachen hierfür waren Veränderungen in der Organisationsstruktur des Handels (Russland begann seine Produkte auf dem Seeweg über den Hafen Archangels auszuführen); Kriege, die das Land heimsuchten sowie der verheerende Stadtbrand  am 27. April 1613, der die Stadt nahezu vollständig verwüstete.

1656 hatte das polnische Heer  unter dem Kommando von Stefan Czarnecki (Kastellan von Kiew/ 1599-1665) und Jerzy Lubormirski (Kronfeld-hetmann/ 1616-1667)  im Kampf gegen die Schweden in der Nähe von Gnesen eine Niederlage erlitten. Nach ihrem Sieg drangen die Schweden in die Stadt ein, plünderten sie und setzten sie in Brand. Die zwischen 1708 bis 1710 wütende Pest entvölkerte nicht nur die Stadt, sondern auch Großpolen in einem bis dahin nie erreichten Ausmaß. 1743 wies die Stadt nicht mehr als 60 Einwohner auf. Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763) hatte eine Periode grenzenlosen Elends in Gnesen zur Folge und verhinderte den Wiederaufbau der Stadt nachhaltig.

Mit der 3. Teilung Polens fiel Gnesen an Preußen. Zu dieser Zeit hatte die Stadt 3350 Einwohner (2598 Katholiken; 685 Juden, 59 Protestanten und 8 Angehörige sonstigen Glaubens.) Nach seinem Besuch Gnesens am 04. Juni 1800 ordnete König Friedrich Wilhelm III den Wiederaufbau der Stadt an. Eine rege Werbetätigkeit zur Ansiedelung von Deutschen setzte zu jener Zeit ein, wobei Überbevölkerung und enorme Steuerlasten in Südwestdeutschland diese Werbetätigkeit erleichterten.

1806 marschierten französische Truppen in die Stadt ein und G. wurde eine „ Herzoglich-Warschauische Kommune“.  1813 erreichten russische Truppen die Stadt. Nach dem „Wiener Kongress“ 1814/15 kehrte G. nach Preußen zurück.

1848 stellte der preußische König eine „ polnische Reorganisation“ des Großherzogtums Posens in Aussicht; u.a. sollte ein Teil der Provinz als „Herzogtum Gnesen“ eine eigene Verwaltung erhalten.

Das historische Zentrum der Stadt wurde bei einem Brand 1819 völlig zerstört, was aber die Möglichkeit für eine grundlegende städtebauliche Veränderung eröffnete.

Am 10. November 1918 wurde in Gnesen, ausgelöst durch die politischen Vorgänge der November-revolution in Berlin, ein revolutionärer Soldatenrat gebildet und kurz darauf besetzten Aufständische die Stadt. Der deutsche Stadtrat wurde durch den Polnischen Obersten Volksrat abgelöst.

Die Wehrmacht besetzte am 11. September 1939 Gnesen. Über 10.000 Polen wurden unmittelbar nach der deutschen Besetzung aus dem Kreis Gnesen in das Generalgouvernement umgesiedelt.

Am 19. Januar 1945 evakuierte man die deutsche Bevölkerung der Stadt.

Seit 1992 sind Gnesen und Speyer Partnerstädte.

Die neugotische Kathedrale ist  seit 1994 ein Weltkulturdenkmal der UNESCO. Gegenwärtig hat die Stadt 71.000 Einwohner.

 

Lit.

  • Zdanowski, Edmund: Z Bialym Orlem w Herbie. Gawedy o Gniznie. Gniezno 2008
  • Studia i Materiały Historyczne. Warszawa, Poznań 1984
  • Gerke, Wilfried: Heimatbuch für den Kreis Gnesen – Witkowo, Hannover 1981
  • Topolski, Jerzy : Gniezno – Zarys Dziejów, Posen 1979
  • Warschauer, Adolf : Geschichte der Stadt Gnesen, Posen 1918

 

 

Gnesener Bronzetür

Der linke Flügel besteht aus einem einzigen bronzenen Gußteil und misst 328 x 84 x 1,5 Zentimeter. Der rechte Flügel ist von fast gleichem Ausmaß, wurde aber in 24 Einzelteilen gegossen und erst anschließend zusammengefügt. Die Gussformen sind nicht erhalten. Nach Einbau diente die Tür fast ausschließlich Schauzwecken. Sie wurde lediglich bei Krönungen und hohen kirchlichen Feiertagen geöffnet.

Die 18 Bilder (von einer phantasievoll mit Tieren und Fabelwesen belebten Ranke umrahmt) folgen thematisch den Legenden über das Leben Adalberts. Sie sind gleichmäßig auf beide Türflügel verteilt. Der Zyklus beginnt links unten und verläuft auf dem linken Flügel von unten nach oben, auf dem rechten umgekehrt von oben nach unten. Der Zyklus ist in Dreiergruppen unterteilt.

Die ersten drei Bilder der linken Seite stellen Adalberts Jugend dar: Seine Geburt (I.), die Heilung des kranken Knaben auf dem Altar der Kirche in Libice (II.) und die Ankunft in der Domschule in Magdeburg (III.). Es folgen drei Szenen aus seinem Wirken als Bischof von Prag: Ein Gebet am Grab der Märtyrer (IV.), Investitur durch Otto II in Verona (V.) und die Heilung eines Besessenen (VI.). Die obersten drei Bilder der linken Seite zeigen Adalberts Abwendung von der Welt: Einen Traum, in dem Christus dem Bischof erscheint (VII.), Befreiung von Christensklaven (VIII.) und eine Wunderszene im römischen Kloster auf dem Aventin (IX.).

Die rechte Seite beginnt oben mit Adalberts Tätigkeit als Missionar. Nach der Landung seines Schiffes in Preußen  (X.) zeigt die Tür den Bischof, wie er Heiden tauft (XI.) und vor den feindlichen Preußen predigt (XII.). In der Mitte findet sich sein Tod: Die letzte Messe (XIII.), der Märtyrertod (XIV.) und der aufgebahrte Leichnam mit dem auf einem Pfahl aufgespießten Kopf Adalberts (XV.). Die drei letzten Szenen beschreiben den Beginn seines Heiligen-kultes. Herzog Boleslaw kauft den Leichnam des Missionars frei (XVI.), der Leib wird feierlich nach Gnesen überführt (XVII.) und in der Kathedrale zu Gnesen beigesetzt (XVIII.).

Auftraggeber des Werkes war ein Erzbischof von Gnesen, Zdislaw I (vor 1177–1180) oder Bugumil (nach 1180 bis vor 1191). Die Tür soll von Künstlern aus dem Maasgebiet geschaffen und in Gnesen selbst gegossen worden sein. Es gibt aber auch Vermutungen, dass ein Zusammenhang mit dem Dom zu Hildesheim besteht, denn die Szenen der Bernwardstür im Hildesheimer Dom haben eine vergleichbare, auf mittelalterlichen Bildertüren seltene Anordnung. Allerdings verläuft die Bilderfolge in Hildesheim umgekehrt: auf der linken Seite abwärts und auf der rechten aufwärts. Auch eine gemeinsame Vorlage beider Kunstwerke ist möglich.

Lit.:

  • Adam Bujak: Porta Regia. Die Bronzetür von Gnesen. Gniezno 1988
  • Pavol Černý: Das Leben des hl. Adalbert von Prag auf der Bronzetür von Gnesen. In: Tausend Jahre Benediktiner in den Klöstern Břevnov, Braunau und Rohr. Erzabtei St. Ottilien 1993,
  • Adolph Goldschmidt: Die Bronzetüren von Nowgorod und Gnesen. Universität/Kunstgeschichtliches Seminar, Marburg 1932 (Die frühmittelalterlichen Bronzetüren; 2).

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Gnesener Seenplatte (Pojezierze Gnieźneńskie)

Im Osten der Kletzkoer Seengruppe befindet sich ein Gebiet mit einem unübersehbaren Seenreichtum, in der die Welna entspringt. Die oberen Welnaseen werden unter dem Begriff „Gnesener Seenplatte“ zusammengefasst.

Den Zentralpunkt der Gnesener Seengruppe bildet der Lengisee im Nordosten von Gnesen, weil sich in diesem See eine Reihe von Rinnen vereinigen, und die vom Lengisee ihren gemeinsamen Abfluss nach Norden zu den Rogowoer Seen finden. Der Lengisee ist 46 ha groß.

Der Wierzbyczanier See ist 199 ha groß und gilt als der Hauptquellsee der Welna.  In seinem Abflußtal befindet sich der Jankowoer See, der 36 ha groß ist.

Zur Gnesener Seenplatte zählen die Gnesener Seenrinne, der Jeloneksee, der Kreuzsee, der Pyszczyner See, der Schkulasee und der Golombkier See.

 

 

Gollantsch  (poln . : Gołańcz)

In vorgeschichtlicher Zeit wurde am Nordufer des Smolary – Sees eine Waldburg errichtet, auf deren Resten das Geschlecht der Palucken im Hochmittelalter eine Wohn – und Wehrburg errichteten. Im Schutze dieser Burg entstand eine Ansiedelung, die sich zum Handelszentrum der Region entwickelte.

Wann die Stadt , die urkundlich erstmals 1222 erwähnt wurde, Stadtrecht verliehen erhielt , ist nicht mehr exakt festzustellen, muss aber nach dem Jahre 1361 erfolgt sein.

1656 eroberten die Schweden die Stadt und zerstörten die Befestigungen der Burg, die deren Besitzer Smogulecki wieder aufbaute.

Im ersten Viertel  des 18. Jahrhunderts siedelten sich zahlreiche Tuchmacher  in der Stadt an, die für den Absatz ihrer Erzeugnisse die günstige Lage der Stadt am Handelsweg von Posen nach Nakel und Bromberg nutzten.

Bei der 1. Teilung Polens wurde die Stadt preußisch.

Die Besetzung der Stadt durch das Deutsche Reich endete mit dem Einmarsch der Roten Armee am 22. Januar 1945.

 

Lit. :

  • Gołańcz : z dziejów miasta i regionu.praca zbiorowa. Pod. red. Andrzeja Wędzkiego. Gołańcnz 2001

 

 

 

 

Gonsawa  ( poln. : Gasawa )

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts schenkte der polnische Graf Dirsier, der Besitzer des Dorfes, dieses der Abtei in Tremesssen. Die älteste urkundliche Erwähnung dieser Siedlung findet sich in dem großen Klosterprivilegium von Tremessen aus dem Jahr 1145. 1227 führten die polnischen Herzöge eine Versammlung in G. durch, der der Gefangennahme des Pommernherzogs Swantopalk (um 1195-1266) dienen sollte, der aber von diesem Vorhaben unterrichtet wurde. Er überfiel am 14. November die in G. tagenden Fürsten, von denen er etliche tötete bzw. schwer verletzte.

Ein Privileg, das W. Jagiello (1351-1434 ) am 10. April 1388 in Tremessen ausstellte, die sich im Besitz des Augustiner – Chorherren-Stiftes in Tremessen befand.

  1. blieb in seiner Geschichte immer ein unbedeutendes Ackerstädtchen und hatte 1788 nicht mehr als 229 Einwohner.

 

Gonsawka

Linker Nebenfluss der Oberen Netze, mündet unterhalb Rynarzewo (Kreis Schubin) in Netze.

Entspringt in einem kleinen See unweit von Glemboczek (Głęboczek)

 

Goplanen

Die Goplanen (lat. Glopeani, was ungefähr „Anwohner des Goplosees“ bedeutet) gehörten zu den polnischen Urstämmen in der Nähe des  Goplosees, dem sie ihren Namen verdanken.

Der „Bayrische Geograph“ berichtet in seiner Chronik, dass die Goplanen angeblich bis zu 400 Burgen zwischen dem 7. und 9 Jahrhundert kontrollierten mit der Burg von Kruschwitz als Hauptstadt.

Die Stammesföderation der Goplanen ging im 10. Jahrhundert im Staat der Piasten und damit im späteren Volk der Polen auf.

 

 

Goplo – See (poln.: Jezioro Gopło)

Mit 36,5 qkm ist der Goplo – See, der auch als das „polnische Meer “ bezeichnet wird,  der größte im Posener Land. Mit seiner Länge von 29 km war er der größte See Norddeutschlands. Durch die ► Netze (Noteć) mit dem Pakowskie – See verbunden.

Er beginnt 12 km südlich von Inowrocław und erstreckt sich 37 km von Norden nach Süden und wird durch eine große Halbinsel längs geteilt.

Durch den Kanal Notecki ist er mit dem Bromberger Kanal (Kanal Bydgoski), durch den Kanal Warta –Gopla mit der oberen Warthe und mit einem weiteren Kanal mit der Weichsel verbunden.

 

 

Goraer Seengruppe

Sie ist unmittelbar östlich der Schrimmer Seen gelegen und umfasst außer dem großen Jaroschewoer See meist nur kleine, zum Teil aber ziemlich tiefe Seen. Es handelt sich dabei um den 6 ha großen Moczydlo – See, den Glemboczeksee mit 8 ha, den Großen Goraer See, einer Schmelz-wasserrinne aus der Eiszeit, den Widrznasee, den Krawosee, denn Okienkasee und den Bukowieczko-see. Diese Seengruppe zählt zur Birnbaum – Zirker Seengruppe.

 

 

Görchen ( Miejska Gorka ) -Kr. Rawitsch

1422 Stadtrecht. Heute rund 3000 Einwohner zählende Kleinstadt.

Der polnische Ortsname beschreibt die Anhöhe, auf der die Siedlung an der Dombrotschna gegründet wurde.

Knotenpunkt der Eisenbahnen Liegnitz –Kobylin und Gostkowo- Pakoslaw.

 

Lit. :

  • Böhm, Tadeusz :Dzieje Miejskiej Gorki. Poznan 1985

 

 

Gostyn   (poln.:Gostyn)

Die Siedlungsgeschichte reicht bis in die mittlere Steinzeit zurück. Weitere archäologische Funde stammen aus der Zeit des Römischen Reiches.

1278 erhielt der Ort vom Herzog von Großpolen, Przemysl II (1257-1296), das Magdeburger Stadt-recht verliehen. Ihre Lage an dem Handelsweg Posen –Breslau begünstigte ihre Entwicklung.  Während des 15. und 16. Jahrhunderts war G. ein wichtiges Zentrum der Reformation. Am 15. Juni 1565. fand hier eine Synode unterschiedlicher Glaubensrichtungen statt.

Schon im 15.Jahrhundert wurde in der ehemaligen Kreisstadt eine stattliche gotische  monumentale barocke Anlage des Philippinen – Stiftes, dessen Errichtung  der damaligen Besitzer Adam Konarzewski förderte, gebaut. Die Kirche dieses Klosters errichteten Giovanni und Giorgio Catenazzi nach dem Vorbild und den Plänen der venezianischen Kirche Sa. Maria della Salute – sie wird zu den schönsten barocken Kirchen in Polen gezählt. G. erlangte eine größere Bedeutung für die Region als sakraler Ort erst im 16. Jahrhundert und 1647 entwickelte sich die Stadt zum Wallfahrtsort.

1761 fand eine Schlacht zwischen Russland und Preußen während des Siebenjährigen Krieges nahe G. statt. 1787 verheerender Stadtbrand.

1793 kam die Stadt unter preußische Herrschaft.

Am o. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt.

 

Lit. :

  • Kołomlocki, W.: Dzieje miasta Gostyń. Kosćian 1928
  • Łęcki, Włodzimierz : Gostyń. Poznan 1997
  • Markowski, S (red.): Bibliografia historii miasta Gostynia, Gostyń 1987
  • Sierpowski, S. : Dzieje Ziemi Gostyńskiej, Poznań 1979

 

Grabow  (poln.: Grabow)

Im Mittelalter war G. Krongut. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als eines der Güter der polnischen Herrscher erfolgte 1264, die erste schrift-liche Erwähnung eines Schlosses 1366, der Stammsitz des polnischen Adelsgeschlechts Zaremba.

Der Besitzer des an der Prosna (poln.: Prosna)gelegenen Dorfes, Benjamin Graf von Zaremba, erhielt am 19. August 1416 vom polnischen König das Recht verliehen, diesen Ort zur Stadt mit magdeburgischem Recht zu erheben.

Aber schon zur Zeit des Gründers der Stadt ging diese aus dem Besitz der Familie Zaremba in den der polnischen Krone über. Sie wurde Mittelpunkt der Starostei Grabow, zu deren Verwalter Angehörige der Familie Zaremba bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts berufen wurden.

1628 wurde in G. ein größeres Schloss errichtet, das aber bereits während des 2. Schwedenkrieges (1656-1660) –ebenso wie auch ein großer Teil der Stadt – zerstört wurde.

Wirtschaftlich profitierte die Stadt von den nahe gelegenen Eisenhütten. Um das Jahr 1790 hatte die Stadt nur 787 Einwohner.

Im Zuge der 2. Teilung Polens wurde G. 1793 preußisch, ab 1815 war die Stadt Grenzort an der Grenze zu Russland.

  1. unterhält seit 2006 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Emlichheim.

 

Lit. :

  • Karwowski, St. : Grabow w dawnej ziemi Wielunskiej. Poznan 1890

 

 

Grätz  (poln. Grodzisk Wielkopolski)

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1257. Herzog Przemysław (1221-1257) erlaubte den Zisterziensern des Klosters Paradies die Gründung von Dörfern nach deutschem Recht. 1259 bestätigte der Bruder des ermordeten Herzogs Przemyslaw, Boleslaw der Fromme (1239-1279), die Schenkung des Dorfes Grätz an das Kloster Paradies.

Der polnische Name der Stadt leitet sich von dem polnischen Wort „Grod“ = Burg ab. Grätz lag an einer im Mittelalter wichtigen Handelsstraße, die von Kopnitz nach Schlesien und von Bentschen(poln:  zur Neumark führte. Am Ende des 13. Jahrhunderts erhielt G. offenbar Stadtrecht, denn 1303 wurde G. schon als Stadt bezeichnet.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts kamen Hussiten nach Grätz (poln.:Grodzisk) und begründeten hier die Tradition des Bierbrauens. Grätzer Bier war ein qualitativ hochwertiges Bier, das im In-und Ausland vertrieben wurde.

Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt eines der Zentren des Protestantismus in Polen und der Sitz einer der größten Druckereien reformatorischer Schriften, gefördert durch die adlige Grund-herrschaft, die Familie von Ostrorog. Aus Deutschland eingewanderte Lutheraner gründeten zu dieser Zeit neben der bereits bestehenden Stadt eine Neustadt. Als jedoch zu Beginn der Gegenreformation in Polen der Grundherr von Grätz, Graf Ostorog, wieder katholisch wurde und 1662 ein Bernhardinerkloster in der Stadt gegründet wurde, schrumpfte der Einfluss des Protestantismus in der Stadt erheblich.

Im Januar 1793 geriet G. unter preußische Herrschaft.

1887 erfolgte die Teilung des Kreises Buk und G. wurde Kreisstadt des östlichen Teils.

Eines der Zentren der polnischen Aufstands-bewegung und Hauptquartier des Westabschnitts war G. im Jahre 1918.

Bis 1932 war G. Sitz des Landkreises und zu dieser Zeit entwickelte sich hier schnell die Lebens-mittelindustrie.

In Młyniewo bei G. wurde ein Durchgangslager zuerst für Juden und dann auch für Polen eingerichtet. Später war hier ein Kriegs-gefangenenlager für französische, serbische, britische und sowjetische Soldaten.

Ein Paradebeispiel maniristischer Architektur ist die Pfarrkirche des Ortes, die von K. Bandura d. Ä. (vor 1648) erbaut wurde.

 

Lit. :

  • Grodzisk Wielkopolski. Zarys dziejów. Pod. Red. Bogusław Polak. Grodzisk 1990
  • Majkowski, H. : Grodzisk Wielkopolski. Przeszłość- zabytki- ludzie. Poznan 1938

 

 

Grenzmark Posen – Westpreußen

Die nach dem Versailler Vertrag beim Deutschen Reich  verbliebenen westlichen Teile des Regierungsbezirkes Marienwerder (Provinz Westpreußen) und des Regierungsbezirkes Bromberg (hier Stadtkreis Schneidemühl, Netze-kreis, und den Kreisen Meseritz, Schwerin/ Warthe, Bomst und Fraustadt) wurden gemäß Beschluss des Preußischen Landtages vom 21. Juli 1922 am 01. Oktober 1922 in der neu gebildeten Provinz „Grenzmark Posen – Westpreußen“ mit der Provinzialhauptstadt Schneidemühl zusammen-gefasst.

Mit einer Fläche von 7700 qkm und einer Einwohnerzahl von 337.578 Menschen (lt. Volkszählung vom 16. Juni 1933) war die Grenzmark die kleinste und am dünnsten besiedelte preußische Provinz. Die Grenzmark setzte sich aus drei nicht zusammenhängenden Gebietsteilen zusammen. Das Gebiet der Grenzmark besaß eine 430 km lange Nord -–Süd – Ausdehnung.

Der Provinziallandtag trat abwechselnd in Schneidemühl und in Obrawalde zusammen.

Ab  1933  verlor die Grenzmark Posen – West-preußen sukzessive Teile ihrer provinziellen Selbständigkeit. So wurde sie in diesem Jahr mit der Provinz Brandenburg in Form der Personalunion der Oberpräsidenten verbunden. Ab 1934 ging die gesamte Provinzialverwaltung an das Oberpräsidium Brandenburg über. Frankfurt/Oder war ab 1937 Sitz des Oberpräsidenten der Provinzen Brandenburg und Grenzmark Posen – Westpreußen.

Im Zuge der so genannten „Reichsreform“  wurde die Grenzmark, deren territorialer Zuschnitt allen Verwaltungs – und Wirtschaftsgrundsätzen wider-sprach, mit Wirkung ab dem 01. Oktober 1938 durch das „ Gesetz über die Gebietsbereinigung in den östlichen preußischen Provinzen“ vom 21. März 1938 aufgelöst

Die fünf nördlichen Kreise Schneidemühl, Deutsch – Krone, Flatow, Netzekreis und Schlochau wurden der Provinz Pommern  unterstellt und mit den bis dahin brandenburgischen Kreisen Arnswalde und Friedeberg sowie den pommerschen Kreisen Dramberg und Neustettin zum Regierungsbezirk Grenzmark Posen – Westpreußen vereinigt.

Die Kreise Bomst, Meseritz und Schwerin a.d.Warthe, bis 1919 Teil der Provinz Posen, wurden der Provinz Brandenburg eingegliedert; der Kreis Fraustadt wurde der Provinz Schlesien unterstellt.

 

Lit. :

  • Hubatsch, Walther (Bearb. ) : Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815 – 1945. Bd. 2 Teil II. Provinz Grenzmark Posen – Westpreußen, Marburg / Lahn 1975
  • Lüdtke, Franz : Grenzmark Posen – Westpreußen. Eine Heimatkunde, Leipzig 1927
  • Schmitz : Hans Jakob : Landeskunde der Grenzmark Posen – Westpreußen, Breslau 1929
  • Schmitz, Hans Jakob : Schrifttum zur „ Geschichte des Netze – Warthelandes, insbesondere der Grenzmark Posen – Westpreußen, Schneidemühl o.J.
  • Dittmann, Hans : Die Provinz Grenzmark Posen – Westpreußen – ihre Entstehung und Selbstverwaltung, Meseritz 1926
  • Grenzmark Posen – Westpreußen. Beab. von G. Janschek u.a.. In : Handwörterbuch des Grenz – und Auslands-deutschtum.Bd.3 Breslau 1938 S.85-97
  • Wasicki, Jan : Prowincja Grenzmark Posen – Westpreußen 1918 – 1933, Zielona Gora 1967
  • Treffler, Guido : Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen (1920-1938). In : Die Vertriebenen vor der Vertreibung. Die Heimatländer der deutschen Vertriebenen im 19. und 20. Jahrhundert: Strukturen, Entwicklungen, Erfahrung. Bd.1. Hrsg. von Walter Ziegler. München 1999 S.253-257

 

 

Grenzmärkische  Gesellschaft zur Erforschung und Pflege der Heimat (Towarzystwo Badań i pielęgnowania Wiedzy ojczstej w Marchii Pogranicze)

Vereinigung der landesgeschichtlichen Forschung, die 1924 durch Oberstudiendirektor   Paul  Becker (1859- 1931)  mit Sitz in Schneidemühl gegründet wurde. Die Tätigkeit dieser Gesellschaft knüpfte an die Arbeit des zwei Jahre zuvor gegründeten Vereines in Fraustadt an.

Ihre Aufgaben sah diese regionale heimatkundliche Vereinigung darin, „die Natur und die Geschichte der Grenzmark Posen –Westpreußen zu erforschen,… und die Heimatliebe ihrer Bewohner zu stärken.“

Die Grenzmärkische Gesellschaft… gliederte sich in eine naturwissenschaftliche, archäologische, historische und genealogische Abteilung.

Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse der einzelnen Sektionen in den „Grenzmärkischen Heimatblättern“.

Das auf dem Grundstock einer vorgeschichtlichen Sammlung der Gesellschaft basierende und seit 1928 durch systematische Grabungen ausgebaute Landesmuseum in Schneidemühl beherbergte die bedeutendsten vorgeschichtlichen Funde der Provinz.

1931 zählte der Verein 408 Mitglieder.

 

Grenzmarkdienst Posen – Westpreußen

Eine von dem Oberpräsidenten der Grenzmark Posen – Westpreußen, Friedrich von Bülow (1868-1936) , 1922 gegründete zwanglose Organisation , die insbesondere durch Vorträge, sog. Grenzmärkische Heimatabende, Konzert – und Vortragsreihen, Wanderausstellungen und die Organisation von Konzerten zur Belebung des kulturellen Angebotes in der Grenzmark und zur regionalen Identitätsfindung beitragen sollte.

Der Grenzmarkdienst pflegte eine enge Zusammenarbeit mit der „Reichszentrale für Heimatdienst“ und den Organisationen des Auslands – und Grenzdeutschtums.

 

 

Grenzschutz Ost (►Großpolnischer Aufstand )

Die militärische Niederlage und die Folgen der deutschen Revolution vom o9. November 1918 boten Polen die Möglichkeit  zur Proklamierung eines unabhängigen polnischen Staates.

Durch die sofortige Inbesitznahme der von Polen beanspruchten Gebiete sollten vollendete Tatsachen geschaffen werden, noch ehe sich die Pariser Friedenskonferenz mit den Grenzfragen befassen würde.

Der Posener Aufstand (►Großpolnischer Aufstand) vom 27. Dezember 1918 war die Reaktion auf diese politische Situation. Die grundsätzliche Position der deutschen Revolutionsregierung in der Ostpolitik unmittelbar nach Ende des 1. Weltkrieges beschränkte sich auf die Aussage, wonach der deutsche Osten sich selber helfen müsse, denn die Waffenstillstandsbedingungen vom 01. August 1918 hatten die deutsche Ostgrenze nicht in Frage gestellt. Truppentransporte zum Schutz der Ostgrenze wurden daher nicht organisiert bzw. verhindert.

Freiwillige Verbände zum Schutz vor polnischen militärischen Aktionen wurden unter der Bezeich-nung „Heimatschutz  Ost “ bereits am 16. November 1918 aufgestellt. Tragende Instanz dieser militärischen Formationen war das durch Erlass des preußischen Kriegsministers vom 15. Nov. 1918 zum „ Schutz der östlichen Provinzen gegen die aus den Gebieten östlich der Reichsgrenze drohenden Gefahren“ geschaffene AOK Heimatschutz – Ost.

Auf Befehl der Obersten Heeresleitung wurden am 24. November Freiwilligen – Verbände zum Schutz der Ostmark gebildet. Die militärische Gliederung dieser Verbände entsprach der alten Friedensgliederung der kaiserlichen Armee.

Mit dem Waffenstillstandsabkommen vom 17. November 1919 wurde der Grenzschutz Ost aufgelöst, um die für die Reichswehr  festgesetzte Höchstzahl von 100.000 Mann nicht zu über-schreiten.

 

Lit. :

  • Nakata, Jan: Der Grenz-und Landesschutz in der Weimarer Republik 1918 bis 1933: die geheime Aufrüstung und die deutsche Gesellschaft. Freiburg i.Br. 2002

 

 

 

Grenzzonengesetz

Am 23. Dezember 1927 erging eine Verordnung des polnischen Staatspräsidenten über die Staats-grenzen, durch die für die polnischen Grenzgebiete wesentliche Beschränkungen der persönlichen und wirtschaftlichen Rechte der Grenzbevölkerung eingeführt wurden.

Diese Verordnung wurde in den Jahren 1928 und 1932 abgeändert und ergänzt, um schließlich durch die Novelle vom 09. Juli 1936 verschärft zu werden.

Um den Schutz der Grenzen sicherzustellen, teilte das Gesetz die Grenzgebiete Polens in

 

– einen Grenzwegstreifen

– einen Grenzstreifen

– eine Grenzzone

ein.

Während der Grenzwegstreifen, der in der Hauptsache dienstlichen Zwecken der Grenz-beamten diente, in einer Breite von höchstens 15 m festgelegt wurde, umfasste der Grenzstreifen (auch als kleine Grenzzone bezeichnet) ein Gebiet längs der Grenze eine Breite von 2 km, konnte aber dort, wo besondere Verhältnisse es erforderlich machten, bis auf 6 km erweitert oder unter 2 km verringert werden.

Die Grenzzone umfasste das ganze Gebiet der an der Staatsgrenze anliegenden  Kreise.

In der Grenzzone durften Ausländer unbewegliches Vermögen nur mit einer besonderen Genehmigung erwerben. Der zuständige Woiwode konnte in der Grenzzone aus Gründen der Staatssicherheit oder zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung einzelnen Ausländern den Besitz, die Pacht, Nutzung oder Verwaltung eines Grundstückes, die Ausübung von Handel und Gewerbe und die Leitung eines Unternehmens verbieten. Dieses Gesetz ermöglichte es darüber hinaus dem Woiwoden,  innerhalb der Grenzzone die Tätigkeit jedes Vereins und Verbandes sowie jeder Genossenschaft vorübergehend oder ganz zu verbieten, wenn nach seinem Ermessen die Fortsetzung der Tätigkeit des Verbandes aus Gründen der öffentlichen Sicherheit oder des Grenzschutzes nicht mehr geboten erschien. Diese Entscheidungen bedurften keiner Begründung und waren sofort vollstreckbar. Es war weiterhin in das Ermessen der Verwaltungsbehörden gestellt, Personen zwangsweise aus dem Grenz-streifen auszusiedeln.

 

Lit. :

  • Meyer, Heinz : Das polnische Grenzzonengesetz, Berlin 1937

 

 

Grodbücher

Die Bezeichnung für diese Dokumentensammlungen leitet sich von dem lateinischen Begriff „ castrum“ (Burg oder Schloß), polnisch = grod ab und bezeichnet einen sicheren Ort, an dem diese Bücher unter Leitung eines vom Starosten ernannten Schloßrichters in lateinischer Sprache  geführt wurden.

In ihnen wurden alle den Rechtsstand des Landadels betreffenden Erklärungen über deren Besitz-verhältnisse verzeichnet. Diese Art der Protokollierung wurde aber auch häufig für Schuld-verschreibungen oder Personenstandsbeur-kundungen in Anspruch genommen. Privatpersonen hatten ebenfalls das Recht, die in ihrem Besitz befindlichen Urkunden in die Grodbücher eintragen zu lassen. Kirchliche Institutionen und Gemeinden brachten ebenfalls ihre Urkunden abschriftlich zur Eintragung in die öffentlich zugänglichen Dokumentensammlungen. Die Kopie einer Urkunde durch Eintrag in das Grodbuch diente vor allem der Sicherung dieser Urkunde gegen ihren unwieder-bringlichen Verlust. War eine solche Urkunde (z.B. das Gründungsprivileg einer Stadt) verloren gegangen, konnte aus dem Grodbuch ein Duplikat durch Abschrift der Grodbucheintragung ausgefertigt werden, das juristisch unbeanstandet wie eine Originalurkunde Anerkennung fand.

 

Lit.:

  • Lekszycki, J.von : Die ältesten großpolnischen Grodbücher. Osnabrück 1965

 

Großpolen  ( Wielkopolska )

Historischer Begriff für das ursprüngliche Kerngebiet des polnischen Staates an der Warthe. ( Warta ) und Netze ( Notec ).

Die Landschaft Großpolen (Polonia maior, Wielkopolska) bildet den historischen Kern Polens.

Polonia Maior, woraus  sich der Begriff Großpolen ableitet, war im 09./10.Jahrhundert die Bezeichnung des Siedlungsgebietes der Polanen- also des slawischen Stammes, dessen Fürsten, die Piasten, Ende des 10. Jahrhunderts das erste polnische Königreich gründeten.

Im Jahr 1138 wurde Großpolen ein eigenes Teilherzogtum im Rahmen der Senioratsverfassung Polens. Unter Mieszko III Stary (1126-1202) bildete sich hier ein eigener großpolnischer Zweig der Piasten, die  mit um die Vormacht in Polen kämpften.

Im Jahr 1314 gelang es Herzog Wladyslaw I Lokietek erstmals wieder alle drei Teile Großpolens zu vereinen. Das Herzogtum wurde formell aufgelöst und 1320 in die Woiwodschaften Posen und Kalisch aufgeteilt.

 

Grosspolen erstreckte sich von der Oder im Westen bis in die Gegend östlich von Lodz im Osten; im Süden grenzte es an Schlesien , im Norden reichte es bis Bromberg und grenzte an Pommerellen und das spätere Preußen. Der Begriff steht für keine amtliche Verwaltungseinheit. Das damit bezeichnete Gebiet umfasst heute ganz oder teilweise die Wojewodschaften Gorzów, Zielona Góra, Poznan, Pila, Bydgoscz, Leszno, Konin, Kalisz und Sieradz. Im 19. und beginnenden 20 Jahrhundert war Grosspolen weitgehend mit der preußischen Provinz Posen bzw. dem Großherzogtum Posen identisch.

Die polnische Bezeichnung Grosspolens (Abk. Wlkp) findet sich heute in vielen Städtenamen der Region.

Die deutsche Bezeichnung „Großpolen“ ist etwas irreführend, da sie ein großes, alle polnischen Siedlungsgebiete umfassendes, Gebiet suggeriert.

 

 

Großpolnische Chronik (Chronicon Poloniae)

Die Großpolnische Chronik wurde um das Jahr 1295 von verschiedenen Autoren, zu denen der  Bischof Bogufal von Posen ebenso zählt wie Janko Czarnkόw (Vizekanzler des Königs, 1320-1387) und  Kazimierz (Archidiakon von Gnesen), in lateinischer Sprache verfasst. In ihr beschreiben die Verfasser die Geschichte Polens von den Anfängen bis zum Jahre 1271. Der erste Teil der Chronik  ( bis zum Jahre 1202 ) ist die Zusammenfassung der  historio-graphischen Arbeit von Wincenty Kodłubek.  Neun Handschriften der Großpolnischen Chronik, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, sind erhalten. Erst 1720 wurde die Chronik gedruckt und 1822 in eine polnische Version übersetzt.

 

Lit.:

  • Warmski, M.St. von.: Die grosspolnische Chronik: eine Quellenuntersuchung. Krakau 1879

 

 

Großpolnische Seenplatte (Pojezierze Wielkopolski)

Die G.S. ist von der Eiszeit durch 800 Seen und Moränenhügel geprägt.

Sie grenzt im Norden und Osten an das Weichseltal und im Süden und Westen an das Warthetal.

 

 

Großpolnischer Aufstand (Powstanie Wielkopolskie)

Angesichts der militärischen Niederlage  der Mittel-mächte und der beginnenden Revolution in Deutschland ergriffen die Polen die Initiative zur Restitution eines polnischen Staates, ohne die Entscheidungen der Siegermächte abzuwarten.

1918 entstanden drei polnische Machtzentren:

  • der Regentschaftsrat in Warschau
  • die revolutionäre Volksregierung in Lublin
  • das Nationalkomitee in Paris

Nach seiner Entlassung  aus der Magdeburger Haft  am 10. November 1918 kehrte Joséf  Pilsudski  (1867-1936) sofort nach Warschau zurück und übernahm hier die Macht. Der Regentschaftsrat und die Lubliner Regierung lösten sich auf.

In dieser Zeit der Entstehung eines polnischen Staates und der Berufung einer ersten polnischen Regierung blieb das ganze preußische Teilungsgebiet Polens beim Deutschen Reich.

Am 14. November beschlossen die polnischen Abgeordneten im Deutschen Reichstag und im Preußischen Abgeordnetenhaus zusammen mit den Vertretern des Posener Volksrates einen “ Obersten Polnischen Volksrat “ (Naczelna Rada Ludowa) als politische Repräsentanz der Polen im preußischen Teilungsgebiet zu bilden. Noch am selben Tag erkannte der Posener Arbeiter -und Soldatenrat den Obersten Polnischen Volksrat als legitimierte Vertretung der polnischen Bevölkerung an.  Zum 03. Dezember schrieb der Polnische Volksrat  Wahlen zu einem „Teilgebiets-Landtag“ aus. Diese Wahlen sollten den Volksrat, der bisher kein Mandat der polnischen Bevölkerung besaß, demokratisch legitimieren. Auf deutscher Seite wurde diese Absicht als Versuch gewertet, diesen Landtag als Zeichen der Zugehörigkeit der Provinz Posen zum künftigen polnischen Staat zu stilisieren. Als direkte Reaktion auf die Anerkennung gründete sich ebenfalls am 14. November 1918 unter Leitung von Prof. Alfred Herrmann (1879-1960) ein ►“ Deutscher Volksrat „, der sich für den Verbleib der Provinz Posen beim Deutschen Reich engagierte.

Die im Februar 1918 durch Wincenty Wierzejewski (1889-1972) gegründete “ Polnische Militär – Organisation des preußischen Teilgebiets “ (Polska Organizacja Wojskowa Zaboru Pruskiego ; abgek. POW) und polnische Volkswehren bereiteten einen Aufstand vor, mit dem Ziel, die preußische Provinz dem  neuentstehenden polnischen Staat anzu-schließen.

Vom 03. bis  05. Dezember 1918 tagte in Posen der Teilgebiets-Sejm, der das preußische Teilungsgebiet für den neuen polnischen Staat forderte.

Am 15. Dez.1918 brachen die diplomatischen Beziehungen zwischen Warschau und Berlin ab.

Am 27. Dezember unterbrach der aus Amerika nach Polen zurückgekehrte Komponist Ignacy Jan Paderewski (1860-1941) seine Fahrt nach Warschau in Posen. Wegen der zu Ehren Paderewskis ausge-hängten polnischen und alliierten Fahnen kam es zu Auseinandersetzungen, die bald zu Kämpfen mit den in Posen verbliebenen deutschen Truppen und zu einem Aufstand in der gesamten Provinz führten. Die polnischen Aufständischen beherrschten in Kürze die Stadt Posen und den größten Teil der Provinz Posen.  Reichswehrminister Gustav Noske  (1868-1946) veröffentlichte am o7. Januar 1919 einen „Aufruf der Reichsregierung zur Bildung eines freiwilligen Grenzschutzes“ (► Grenzschutz Ost), der zum militärischen Widerstand gegen den polnischen Aufstand aufrief.

Die Unterstellung des „ Grenzschutzes“ unter das Kommando der Obersten Heeresleitung erfolgte am 03.Februar 1919.

Am o8. Januar 1919 teilt der Oberste Polnische Volksrat dem preußischen Staatsministerium telegraphisch mit, dass er die Verwaltung der Provinz Posen übernommen habe.

Der Großpolnische Aufstand wurde mit der Unterzeichnung des ►Waffenstillstandsabkommens von Trier  (16. Februar 1919) beendet

Die hier festgelegte Demarkationslinie wurde später – mit nur geringen Änderungen- durch den Versailler Vertrag als polnische Staatsgrenze anerkannt. Aufgrund des am 28. Juni 1919 in Versailles unterzeichneten Friedensvertrages erhielt Polen fast die gesamte Provinz Posen. Am 01. August 1919 wurden die Woiwodschaft in Posen und die Woiwodschaft Pommerellen mit Sitz  in Thorn konstituiert.

Ein „Ministerium  für das ehemalige preußische Teilgebiet“ wurde am 17. August 1919 gegründet. Seine Aufgabe bestand darin, die Integration des ehemaligen preußischen Teilgebietes in den neuen polnischen Staat nachhaltig zu fördern.  Und bestand bis zu seiner Auflösung am 15.  April 1922 in  Posen.

 

Lit. :

  • Schmitz, H.J.: Polnische Schriften zum Posener Aufstand und den Grenzkämpfen 1918/19. In : Grenzmärkische Heimatblätter. Zeitschrift der Grenzmärkischen Gesellschaft zur Erforschung und Pflege der Heimat.13(1937) Heft 2. S.113/114
  • Czubiński, Antoni : Powstanie Wielkopolskie 1918 -1919. Geneza-charakter-znaczenie. Poznań 1978
  • Molenda, Szymon: Materiały bibliograficzne do dziejów powstania wielkopolskiego. Kalisz 1978
  • Vogt, Dietrich : Der Großpolnische Aufstand 1918 / 19. Bericht, Erinnerungen, Dokumente, Marburg 1980
  • Noak, Beata : Powstanie wielkopolskie 1918-1919: bibliografia w wyborze. Poznań 1988
  • Grot, Zdislaw/Czubinski, Antoni: Powstanie Wielkopolskie 1918-1919. Poznań 2006

 

 

Güterbetriebsfonds

Dieser Fond wurde 1833 gebildet und mit 1 Million Taler ausgestattet. Er diente dem Ankauf verschuldeter polnischer Güter im Großherzogtum Posen und unterstützte bei der Wiederveräußerung an deutsche – meist adlige – Interessenten.

 

Lit.:

  • Laubert, M. : Der Flottwellsche Güterbetriebsfonds in der Provinz Posen. Ein Beitrag zur preußischen Polenpolitik und ostmärkischen Siedlungsgeschichte. Breslau 1929

 

 

Hauländereien

Unmittelbar nach dem Regierungsantritt Karls V  (1500-1558) begannen für die Niederländer religiöse Verfolgungen. Ziel dieser religiösen Intoleranz waren besonders die aus Deutschland eingewanderten Wiedertäufer und Mennoniten. Sie suchten Zuflucht vor der Verfolgung in Preußen, da ihnen hier Herzog Albrecht        Glaubensfreiheit zusicherte. Aus Preußen wurden einige Familien in den versumpften Danziger Werder abgeworben, den sie kultivierten.

Der polnische König Stephan Bathory (1576-1586) förderte die Ansiedlung holländischer Glaubens-flüchtlinge. So wurden vom Ausgang des 16. Jahrhunderts bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Gebiete im Raum zwischen Putzig- Danziger Werder im Norden bis Demblin an der Weichsel südlich von Warschau erschlossen.

Eine erste Urkunde über die Niederlassung von „Holländern“ im Posener Gebiet stammt aus dem Jahr 1594- sie betrifft die Siedlung Przylubie (jetzt: Grätz an der Weichsel) im Kreis Bromberg.

Der Siedlungsbegriff „Holland“ oder „Hauland“ wurde für eine besondere Gattung von Dörfern im polnischen Staatsgebiet verwandt, und zwar zunächst für Siedlungen, die überwiegend von Holländern auf der Talsohle der Weichsel von Danzig über  Graudenz-Thorn-Warschau bis Demblin errichtet worden sind. Da die holländischen Einwanderer unter besonderen Rechtsgrundlagen angesetzt wurden (im sog. „Privileg“ vereinbart) und die Selbstverwaltung  der Gemeinde in der sog. „Willkür“ (Dorfverfassung) kodifiziert wurde, wurde der Begriff  „Holland“ zu einem spezifischen Rechts-und Verwaltungsbegriff.

Das „Holland“ war also eine Siedlung, die aufgrund eines Vertrages zwischen dem Grundherren und der Gemeinschaft der Siedlungsbewerber zustande kam. Die Holländer waren Entwässerungsbauern, die die Fähigkeit mitbrachten, Niederungsland (also Sümpfe und Moraste) trockenzulegen und Über-schwemmungsland einzudeichen.

Als im Laufe der Siedlungsperiode auch Deutsche aus Pommern, der Neumark, Brandenburg und Schlesien unter denselben Bedingungen wie die Holländer angesiedelt wurden, bezeichnete man auch diese Dörfer als „Holland“.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts tauchte neben dem Begriff Holland auch der Ausdruck „Hauland“ im Sinne von „ausgehauenem Land“ (= gerodeten) auf.

Die Stellung der Siedler zu ihrem Grundherren,  ihre Pflichten und Rechte waren in der Gründungs-urkunde (in der Gerechtigkeit oder dem Privileg) kodifiziert. Der Siedlungsvertrag wurde von der Gemeinschaft der Siedlungsbewerber  mit dem Eigentümer des Siedlungslandes angesprochen. Für die Einhaltung des Vertrages war die gesamte Gemeinde verantwortlich. Die Dorfgemeinschaft war nach demokratischen Grundsätzen aufgebaut, die den Gemeindemitgliedern gleiche Pflichten auferlegten und gleiche Rechte zuteilten. Die Siedler waren also freie Menschen, während die Mehrzahl des polnischen Landvolkes in Erbuntertänigkeit und Leibeigenschaft lebte. Die Einwanderer zahlten in der Regel ein „Einkaufsgeld“ und übernahmen das Land in Erbpacht. Die Pachtdauer lag zwischen 25 und 80 Jahren. Nach Ablauf der Pachtzeit hatten die Pächter ein Vorpachtsrecht. Für jede Hufe (ent-spricht 30 Morgen) entrichtete der Bauer an den Verpächter einen Jahreszins und an den Staat die allgemeine Steuer. Die ersten Jahre waren von der Pachtzahlung befreit, weil die Siedler alle Mittel für den Aufbau ihrer Höfe benötigten. Wenn die Verlängerung der Pachtverträge unterblieb, musste der Grundherr dem Bauern für die aufstehenden Gebäude eine Entschädigung zahlen.

Im Allgemeinen waren die Holländer von Hand-und Spanndiensten befreit. Obwohl die Holländer formal Pächter waren, konnten sie ohne Einwilligung des Grundherren ihre Höfe verkaufen, weiterverpachten oder verpfänden. Nur die Dorfgemeinschaft hatte ein Einspruchsrecht. In den meisten Privilegien waren den Einwanderern freie Religionsausübung, die Errichtung einer Schule und die Einstellung evangelischer Geistlicher und Lehrer gestattet.

 

Lit.:

  • Maas, Walther: Hauländereien, Holländereien. In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen 29 (1935) S.199-210
  • Maas, Walther: Die Posener Hauländereien. In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen. 34(1938) S. 78-126

 

 

Haideberg ( Kobylagóra)

10 km von Schildberg (Ostrezesów)) entfernt direkt an der Grenze zu Schlesien gelegen.

Die Stadt war im 18. Jahrhundert sehr stark heruntergekommen, so dass sie im Jahr 1800 nur noch 109 Einwohner aufzuweisen hatte.

Im 19. Jahrhundert verzeichnete das Städtchen einen gewissen Aufschwung, doch die Einwohner-zahl bewegte sich um 500 Personen, so dass die Regierung den Ort zum Dorf herabstufte.

Nach 1900 erhielt der Ort den Namen Haideberg.

 

 

Hauptamt für die Liquidierung des deutschen Besitzes (Glowny Urzad do Spraw Likwidacji Niemieckiej w Poznaniu)

 

 

Haupttreuhandstelle Ost, Treuhandstelle Posen (poln. : Glowny Urzad Powierniczy Wschodu )

Eingerichtet  wurde diese Behörde durch einen Erlass vom 19. Oktober 1939 des Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring (1893-1946).

Ihre Aufgabe bestand

  • in der Erfassung, Beschlagnahme und Verwaltung sowie Verwertung und Verkauf des Vermögens des polnischen Staates sowie der privaten Vermögenswerte der polnischen und jüdischen Einwohner, die in den dem Deutschen Reich eingegliederten Gebieten wohnten
  • sowie der umfassenden Regelung und Kontrolle des Geld-, Kredit – und Versicherungswesens im Zuständigkeitsbereich.

 

Bis 1942 beschlagnahmten die Treuhandstellen auch das Vermögen derjenigen Volksdeutschen, die in der Abteilung III und IV der Deutschen Volksliste geführt wurden. Auf Veranlassung des Ober-kommandos der Wehrmacht und des Reichs-kommissars für die Festigung des deutschen Volkstums setzte die Haupttreuhandstelle Ost im Herbst 1943 die Beschlagnahme von Vermögens-werten dieser Personengruppe aus.

Zur Haupttreuhandstelle Ost gehörten insgesamt fünf Treuhandstellen und zwar die

 

  • Treuhandstelle Danzig – Westpreußen ( mit einer Außenstelle in Bromberg )
  • Treuhandstelle Posen
  • Treuhandstelle Zichenau
  • Treuhandstelle Kattowitz
  • Treuhandstelle Warschau

Polnische Vermögenswerte unterlagen generell einer Meldepflicht und mussten bei der Haupttreu-handstelle Ost angezeigt werden. Die Verfügungen zur Beschlagnahme wurden von dem territorial zuständigen Treuhandstellen ausgestellt und den Polizeileitstellen zur Ausführung übergeben. Die Verfügungsgewalt über die beschlagnahmten Vermögenswerte wurde mit der sog. „Polen-vermögensordnung“ vom 15. Januar 1940 bestimmten Reichsministerien und Reichsbehörden übertragen.

Mit der Enteignung erfolgte gleichzeitig die körperliche bzw. psychische Vernichtung der polnischen Staatsbürger durch Deportation, durch Zwangsarbeit oder Einweisung in ein Konzen-trationslager. Sie war Teil der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten und diente vorrangig der illegalen Kriegsfinanzierung des Deutschen  Reiches. Teile des beschlagnahmten Eigentums nutzte der Reichsstatthalter für den Reichsgau Wartheland, um ethnopolitische Ziele im Sinne der „Stärkung des Deutschtums“ zu realisieren.

 

In seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan ordnete Hermann Göring (1893-1946) mit der „Dritten Anordnung über die Haupttreu-handstelle Ost betreffend Verwertung der ehemals polnischen Vermögenswerte in den eingegliederten Ostgebieten“ am 18. Januar 1942 einen Verkaufs-stop für beschlagnahmtes Vermögen mit sofortiger Wirkung an. Ab diesem Zeitpunkt durfte die Verwertung von gewerblichen Unternehmen aller Art sowie von städtischen Hausgrundstücken nur noch an Kriegsteilnehmer und – versehrte, Volkstums-, Spanien – und Freikorpskämpfer und an besonders bewährte Volks – und Reichsdeutsche erfolgen.

Von den Treuhandstellen wurden daraufhin sog. „Auffanggesellschaften für Kriegsteilnehmer“ gegründet, deren Hauptaufgabe darin bestand, geeignet erscheinendes ehemaliges polnisches und jüdisches Vermögen für den v.g. Personenkreis bis zum Kriegsende kommissarisch zu verwalten. Anfang 1945 erfolgte die Verlegung der Dienststelle der Treuhandstelle Posen nach Neubrandenburg.

 

Lit. :

  • Broszat, Martin : Kompetenzen und Befugnisse der Haupttreuhandstelle Ost . In : Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. Band 2. Stuttgart 1966 S. 235 -239
  • Dingell, Jeanne : Zur Tätigkeit der Haupttreuhandstelle Ost, Treuhandstelle Posen 1939 bis 1945. Frankfurt/Main 2003
  • Rosenkötter, B. : Treuhandpolitik. Die „Haupttreuhandstelle Ost“ und der Raub polnischer Vermögen 1939 – 1945, Essen 2003

 

 

Hauptwahlausschuß

Nach dem Verbot des „Deutschtumsbundes zur Wahrung der Minderheitenrechte“ unter dem Vorwurf des Hochverrates im August 1923 wurde Ende des Jahres 1923 ein sog.“Hauptwahlausschuß“ gebildet, dem 60 Vertreter der berufsständischen, wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen der Deutschen in Polen angehörten.

Diese Organisation nahm die Interessen der deutschen Bevölkerung in Schulangelegenheiten, Kulturfragen, in der Wohlfahrtspflege, Rechts-beratung u.v.m (in ständiger Ab- und Rücksprache mit den deutschen Abgeordneten und Senatoren) wahr.

 

Heimatbund der Deutschen aus Bromberg und dem Netzegau

Der Verein  wollte gemäß §2 seiner Satzung „für die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen aller Landsleute“ eintreten. Er will „ alle aus Bromberg und dem Netzegau geflüchteten, vertriebenen und abgewanderten Landsleute zusammen schließen und der Sammelpunkt für sie ohne Unterschied des Standes, der Partei und des Bekenntnisses sein. Der Verein tritt für die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen aller Landsleute ein und hält die Verbindung mit der früheren Heimat aufrecht. Er wird den dort verbliebenen Landsleuten in ihrer Arbeit für die Erhaltung des Deutschtums größtmögliche praktische und geistige Unterstützung zu Teil werden lassen.“

Der Heimatbund gab monatlich eine eigene Zeitschrift unter dem Titel „Heimatbund-Nachrichten“ heraus, zunächst mit einem Umfang von sechs, später mit acht Seiten. Schriftleiter war anfangs Hans Jarchow, von November 1927 bis Ende 1930 Max Kritsch. Neben historischen Berichten über Bromberg, Erinnerungen und Berichten über und aus Bromberg wurde über Aktivitäten des Deutschen Ostbundes informiert, dessen Mitglied der Heimatbund war. Der Ostbund war eine von der deutschen Regierung anerkannte Interessen-vertretung der Ostflüchtlinge.

 

Heimatbund Wartheland

Im April 1941 unter Gauhauptmann Robert Schulz gegründet.

 

Heimatauskunftsstelle

Als im August 1952 das Lastenausgleichsgesetz und das Gesetz über die Feststellung von Vertreibungs – und Kriegssachschäden von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurden, wurden zur Feststellung der Vetreibungsschäden zusätzlich zu den in den Stadt – und Landkreisen errichteten Ausgleichsämtern besondere, jeweils für ein bestimmtes Vertreibungsgebiet zuständige,  Dienst-stellen gebildet. Insgesamt wurden 34 Heimatauskunftsstellen errichtet. Ihre Aufgabe besteht darin, auf Anforderung der Ausgleichsämter die Feststellungsanträge der Vertriebenen auf Anerkennung eines Vermögensverlustes zu begutachten und den Behörden Auskünfte über die Verhältnisse in ihrem Gebiet zu erteilen. Darüber hinaus sind die Heimatauskunftsstellen von der Bundesregierung vor Erlass von Rechts-verordnungen über die Bewertung von Vertreibungsschäden gutachterlich zu hören.  Die Heimatauskunftsstelle für Posen hat ihren Sitz in Hamburg.

 

Lit.:

  • Lippky, Gerhard: 25 Jahre Heimatauskunftstellen in Schleswig-Holstein. Eine Dokumentation. Kiel 1978

 

 

Heimatbriefe, Heimatzeitungen

Eine Reihe von Heimatkreisgemeinschaften in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe gaben recht schnell nach Flucht und Vertreibung periodisch erscheinende Druckschriften heraus, die die ersten und wichtigsten Hilfsmittel zur Zusammenführung der ehemaligen Bewohner aus den Kreisen des Posener Landes in der Bundesrepublik Deutschland darstellten.

Diese Periodika sollen die geistige Verbindung der Vertriebenen zu ihren Heimatorten wach halten und ihre Kultur bewahren helfen. Das geschieht besonders durch geschichtliche und kulturelle Abhandlungen sowie neuere Berichte aus dem Herkunftsbereich. Sie übernehmen nicht selten durch ihre Berichterstattung über Personen und Familien sowie durch Hinweise auf Zusammenkünfte nicht selten die Funktion einer „Lokalzeitung“.

Es  (Stand 2008) erscheinen folgende Periodika:

  • Eichenbrücker Nachrichten
  • Heimatgruss ( Hrsg. Heimatkreis Meseritz)
  • Altburgunder Heimatbote
  • Das Fraustädter Ländchen
  • Zeitschrift der Bidegast- Vereinigung
  • Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief
  • Kolmarer Heimatbrief
  • Heimatbrief . Monatsschrift der Landsleute aus dem Heimatkreis Netzekreis .

 

 

Heimatkreisgemeinschaften

  1. der Deutschen aus Polen weisen keine einheitliche Rechtsstruktur auf, sie sind ein loser personeller Zusammenschluss von Vertriebenen aus Polen.

Einige kommunale Gebietskörperschaften der Bundesrepublik Deutschland  haben eine Paten-schaft über eine  H. übernommen.

Seit der „Wende“ zahlreiche Aktivitäten in der Zusammenarbeit mit polnischen Stellen entwickelt.

 

 

Heimatstuben, Heimatmuseen

Unmittelbar nach Ende des 2.Weltkrieges begannen engagierte Deutsche aus Polen- trotz erheblicher existentieller Sorgen und Probleme – kulturgeschichtliche Dokumente ihrer Vergangenheit zusammen zu tragen.

Keine dieser auf privater Initiative beruhenden Sammlungen hatte die Möglichkeit, an die Sammlungen der gewachsenen Kulturtraditionen der Deutschen im Posener Land anzuknüpfen, da viele der Büchereien, Archive und Regionalmuseen entweder kriegsbedingt zerstört oder aber verstreut und durch Flucht und Vertreibung nicht mehr erreichbar und zugänglich waren.

In den neuen Initiativen sammelten die Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Verlust ihrer Heimat die aus ihren Herkunftsorten stammenden Erinnerungs-stücke. Sie sollen Orte oder Regionen mittels diverser Zeugnisse der Vergangenheit rekon-struieren und präsentieren.

Die in der Bundesrepublik  neu  aufgebauten Archive und Sammlungen der Deutschen aus dem Posener Raum bildeten nicht nur eine Aufbewahrungsstätte für die materiellen Zeugnisse der Geschichte der Deutschen aus Polen, sondern einen Kristallisations-kern und Reservoir für die historisch-landeskundliche Forschung.

Im Laufe der Jahre wurden die privaten Initiativen von den Heimatkreisgemeinschaften in Trägerschaft übernommen.

Gesammelt werden alle Gegenstände, die einen Eindruck von den kulturellen, politischen, sozialen oder geographischen Gegebenheiten der jeweiligen Region vermitteln können.

Nachlässe, Schenkungen, Deposita sowie gezielte Ankäufe ergänzten und erweiterten diese Sammlungen, die – bei Bestehen einer Patenschaft- in die jeweiligen Räumlichkeiten der Heimatmuseen der Paten integriert wurden.

Folgende Einrichtungen existieren in der Bundesrepublik Deutschland:

  • Heimatstube und Bibliothek der Heimatkreisgemeinschaft Ostrowo
  • Eichenbrücker Heimatstube, Wendisch-Evern
  • Wollsteiner Heimatstube, Bad Bevensen
  • Sammlung Bromberg, Wilhelmshaven
  • Archiv der Gemeinschaft Evangelischer Posener
  • Heimatstube Schneidemühl, Cuxhaven
  • Netzekreis-Archiv, Husum
  • Meseritzer Sammlung und Archiv, Büren- Wendsburg

 

Lit.:

  • Nasarski,Peter (Bearb.) : Archive und Sammlungen der Deutschen aus Polen. Erlebte Geschichte-bewahrtes Kulturgut. Berlin/Bonn 1993

 

 

Herrnkirch ( poln.: Zerniki)

Bei Znin

 

 

 

 

 

Herzogtum Warschau ( Księstwo Warzawskie )

Polnische Emigranten, die sich mit dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit Polens als Folge der drei Teilungen nicht abfinden wollten, bemühten sich, Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) für ihr Vorhaben der Aufstellung einer „Polnischen Legion“ im Dienste Frankreichs zu interessieren. Napoleon hatte  polnischen Unterhändlern wiederholt die Befreiung ihrer Heimat zugesichert.

Napoleon Bonaparte beauftragte 1797 General Henryk Dąbrowski (1755-1818) nach seinem ersten italienischen Feldzug diese Legion im Dienste der Lombardischen Republik aufzustellen. Die Polen, die sich zum Dienst in dieser speziellen militärischen Einheit verpflichteten, hofften auf eine militärische Auseinandersetzung zwischen Napoleon und den drei Teilungsmächten Polens, um so für die Freiheit ihres eigenen Landes kämpfen zu können. Diese Hoffnung zerstörte der Frieden von Lennéville (03. Feb. 1801). Erst mit dem Krieg gegen Preußen fanden militärische Verbände mit polnischen Soldaten wieder das Interesse des französischen Herrschers. Nach der Schlacht von Jena 1806 forderte Napoleon Dąbrowski auf, einen Aufstand in Großpolen zu initiieren und ihm schnellstens polnische Truppenverbände zuzuführen. Napoleons Gegenleistungen für diese Unterstützung hinsichtlich der Wiederherstellung eines unabhängigen polnischen Staates blieben vage und unpräzise.

Dąbrowskis Einmarsch in Posen am 06. November 1806 folgte in Kürze der Abfall Südpreußens einschließlich Warschaus vom Königreich Preußen und die Aushebung von Truppen in den Bezirken Posen, Kalisch und Warschau.

Während seines Aufenthaltes in Warschau (Januar 1807) setzte Napoleon eine vorläufige Regierungs-kommission für die preußisch– polnischen Gebiete ein, ohne jedoch zielführende Aufgaben für deren künftige Arbeit zu formulieren.

Mit dem am 07. Juli 1807 geschlossenen Frieden von Tilsit wurden die polnischen Hoffnungen auf die Wiederherstellung einen souveränen und territorial vereinten Staates Polen enttäuscht. Im Interesse einer Verständigung mit dem russischen Zaren Alexander I (1777-1825) verzichtete Napoleon auf die Rekonstruktion des polnischen Staates. Deshalb entstand zunächst nur ein polnischer Rumpfstaat, in dessen Bezeichnung sich Polen als Begrifflichkeit nicht wieder findet. Gebildet wurde das „Herzogtum Warschau“ aus dem größten Teil des preußischen territorialen Erwerbs aus den drei Teilungen, ohne Westpreußen und das Ermland (beide Gebiete verblieben bei Preußen) und ohne den an Russland abgetretenen Bezirk Bialystok.

Mit 104.000 qkm und rund 2,6 Millionen Einwohnern umfasste das Herzogtum zwar einen Großteil des altpolnischen Kernlandes mit Großpolen, Kujawien und Masowien, aber eben doch nur einen Bruchteil der alten „Rzeczpospolita“.

Sichtbarster Ausdruck der eingeschränkten Souveränität des Herzogtums war die Einsetzung des Wettiners Friedrich August von Sachsen als Herzog, der nach dem Posener Vertrag vom Dezember 1806 die Königswürde angenommen hatte.

Die Verfassung des neuen Staates diktierte Napoleon in wenigen Stunden und oktroyierte sie der Regierungskommission ohne Diskussion auf. Recht und Verwaltung des Herzogtums waren eine unveränderte Adaption des französischen Systems.

Das Herzogtum wurde in sechs Departements geteilt: Bromberg; Posen; Kalisch; Warschau, Plock und Lomza. Den Departements standen Präfekten, den 60 Kreisen Unterpräfekten vor, die sämtlich ernannt wurden.

Die Verfassung des Herzogtums war demzufolge straff zentralistisch aufgebaut und gab dem Monarchen und der sechs Personen umfassenden Regierungskommission eine umfassende Machtfülle – im Gegensatz zu der nur alle zwei Jahre für zwei Wochen zusammentretenden Legislative, die aus einem gewählten Sejm und einem ernannten Senat bestand.

 

Napoleon schuf mit dem Herzogtum Warschau einen Pufferstaat zwischen seinen ehemaligen und potentiellen Kriegsgegnern Österreich und Russland. Gleichzeitig schwächte er das besiegte Preußen durch die umfangreichen Gebietsabtrennungen erheblich.

 

Während des Krieges mit Österreich 1809 war  das Herzogtum Warschau nur ein Nebenkriegs-schauplatz. Mitte April 1809 rückte das Armeekorps des Erzherzogs Ferdinand d` Este gegen Warschau vor und konnte von Jozef Poniatowski (1763-1813) nicht aufgehalten werden. Im weiteren Verlauf des Krieges gelang es aber der polnischen Armee ganz Galizien mit Krakau und Lemberg zu besetzen. Durch den Wiener Friedensvertrag vom 14. Oktober 1809 erhielt das Herzogtum Warschau nur Österreichs Erwerb aus der dritten Teilung Polens (Westgalizien), dazu ein kleines Teilstück des Erwerbs von 1772 (Zamość). Das Herzogtum Warschau wuchs damit auf rund 150.000 qkm und etwa 4, 3 Millionen Einwohnern an, aber die 1. Teilung Polens war mit dem Wiener Friedensvertrag indirekt wieder bestätigt worden.

Der russisch– französische Krieg, dessen Beginn Napoleon mit einem Aufruf am 22. Juni 1812 erklärte, endete mit einer Niederlage des französischen Herrschers.

Russische Truppen besetzten am 08. Februar 1813 Warschau und hatten bis zum Mai 1813 das gesamte Herzogtum unter ihrer Kontrolle. Am 22. Mai 1815 verzichtete Friedrich August von Sachsen mit einer in Luxemburg abgegebenen Erklärung auf das Herzogtum und entband Untertanen und Staatsbedienstete von allen eidlichen Pflichten ihm gegenüber

 

Ein von den russischen Besatzungsbehörden eingesetzter „Vorläufiger Oberster Rat des Herzogtums“, dem je zwei Russen und Polen sowie ein im Dienst des Herzogtums verbliebener preußischer Beamter angehörten,   leitete seit dem März 1813 die Verwaltung des Herzogtums. In dieser Form bestand das Herzogtum interimistisch noch zwei Jahre bis zum Abschluss des Wiener Kongresses (September 1814 – Juni 1815).

Diese Konferenz der europäischen Mächte sollte nach den Umwälzungen der Französischen Revolution und der napoleonischen Herrschaft eine dauerhafte Friedensordnung in Europa schaffen. Alle Alliierten waren sich in der Frage einig, dass ein mit Russland engverbundenes wiedervereinigtes Polen – so wie es der russische Zar anstrebte – eine Gefährdung des Gleichgewichtes der Kräfte im europäischen Staatengefüge zur Folge hätte. Daher erfolgte rasch eine Einigung über eine grundsätzliche Aufrechterhaltung der Teilung Polens, wobei die Einheit der polnischen Nation durch freien Warenverkehr und Kontakt über die Grenzen der Teilungsgebiete erhalten bleiben sollte.

Faktisch stellte dieses Verhandlungsergebnis des Kongresses eine vierte Teilung Polens dar,  die Polen als eigenständigen souveränen Staat bis zum Jahre 1918 liquidierte und das Herzogtum Warschau zu einer kurzen historischen Epoche der polnischen Staatlichkeit zwischen den Teilungen werden ließ.

 

Lit.:

  • Flatt, Jerzy B.: Topographie des Herzogtums Warschau nebst einem kurzen Abriss der polnischen Geschichte bis auf die neuesten Zeiten. Leipzig 1810
  • Senkowska- Gluck, Monika : Das Herzogtum Warschau. In : Heinz-Otto Siebur (Hg.) : Napoleon und Europa. Köln /Berlin 1971 S.221-230

 

 

Hilfskomitee der Glieder der Posener Evangelischen Kirche

Das „Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland“ gründete sich am 31. August 1945 auf dem 1. Kirchentag in Treysa und nahm u.a. die Flüchtlingsfrage als Arbeitsauftrag an.

So wurde am 13.Januar 1947 Kons. Rat Carl Brummack mit der Leitung des „Hilfskomitees der Glieder der Posener Evangelischen Kirche“ beauf-tragt.

Nach anfänglich anderer Auffassung  stimmte bei dem 1.Posener Pfarrkonvent in Treysa am 24. Juni 1947 die Leitung der Posener  Evangelischen Kirche dem Beschluss zu, die Gesamtleitung des Hilfskomitees H.K. Carl Brummack zu übertragen und den Sitz nach Lübeck zu legen.

Bereits am 30. Mai 1947 hatte Brummack eine erste Arbeitstagung in Hannover einberufen, wobei die Bildung eins Vorstands und eines Exekutiv-ausschusses  sowie die Anstellung eines Geschäftsführers angeregt wurde.

Das H.K. definierte seine Aufgaben wie folgt:

  1. Die Sesshaftmachung der Flüchtlinge (inkl. Arbeitsbeschaffung) zu unterstützen
  2. Auswanderungswillige zu beraten und zu unterstützen
  3. die Suche nach Familien- und Gemeindeangehörige duchzuführen
  4. kulturelle und seelsorgerische Betreuung

 

 

Hilfskomitee ehemaliger Posenkämpfer

► Festung Posen

Zusammenschluss von Personen, die in der am 22. Januar 1945 in der zur Festung erklärten Stadt Posen gegen die Rote Armee kämpften. Existiert seit 1965. Kameradschaftspflege, Aufklärung von Vermißtenschicksale, Hilfe für Bedürftige. Hrsg. eines Periodikums.

 

 

 

 

Historische Gesellschaft für die Provinz Posen

(Historycznego Towarzystwa dla Prowincji Poznańskiej)

In den Posener deutschen Zeitungen erschien am 28. Februar 1885 ein Aufruf /Einladung zu einer Besprechung über die  „Pflege des historischen Sinnes der deutschen Einwohner der Provinz und Förderung ihrer historischen Interessen“, der u.a. von dem Staatsarchivar Dr. Bernhard Endrulat (1828-1886), dem Stadtrat Wilhelm Kantorowicz und dem Chefredakteur Theodor Fontane unterzeichnet war.

Die Initiative zur Gründung einer solchen Institution ging von dem in Kempen geborenen Historiker und Archivar Adolf Warschauer (1855-1930) aus. Er war 1892 als „Aushilfsarbeiter“ an das seit 1869 bestehende Staatsarchiv gekommen.

Am 05. März 1885 fand im historischen Sitzungssaal des Posener Rathauses die Gründungsversammlung der „Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen statt. Die Gründungsmitglieder sahen die wesent-lichen Aufgaben der Gesellschaft in der „Förderung der geschichtlichen Forschungen in der Provinz Posen“, „der Herausgabe eines Periodikums“, „in der Erhaltung der Geschichtsdenkmäler der Provinz“ und „der Errichtung eines Provinzialmuseums“.

Erster Vorsitzender der Gesellschaft war der jeweilige Oberpräsident. Ende 1885 hatte die Historische Gesellschaft schon 450, nach einem Jahrzehnt über 1100 und 1919 sogar 1545 Mitglieder in zahlreichen Sektionen in den einzelnen Städten der Provinz. Damit war die Historische Gesellschaft eine der mitgliederstärksten wissenschaftlichen Ver-einigungen im Deutschen Reich. Sie war nach dem Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen der zweitgrößte Geschichtsverein im Kaiserreich.

Neben einer intensiven Publikationstätigkeit standen Vortragsveranstaltungen, Exkursionen und der Aufbau einer Bibliothek im Mittelpunkt der Aktivitäten der Gesellschaft.

Ab 1890 entstanden in den Städten der Provinz Sektionen der Gesellschaft, deren Zahl im Jahr 1895 schon 50 betrug.

In ihrer von 1885 bis 1918 erscheinenden  ►Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen , deren Herausgabe zunächst Staats-archivars Dr. Endrulat; ab dem 2. Jahrgang von dem Archivassistenten Dr. Ehrenberg und später von Archivdirektor Dr. Prümers übernommen wurde, veröffentlichte die Historische Gesellschaft wertvolle Beiträge zur Posener Landesgeschichte. Mit der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt (1880 gegründet) wurde 1899 ein Vertrag geschlossen, durch die die Zeitschrift der Historischen Gesell-schaft für die Provinz Posen auch zum Organ der Netze-Gesellschaft wurde.

Für kleinere Aufsätze und Mitteilungen schuf sie sich außerdem in den von 1900 bis 1923 erscheinenden ► „Historischen Monatsblättern für die Provinz Posen„ ein zweites Organ. Mitarbeiter beider Zeit-schriften und Herausgeber der „ Monatsblätter „ war der langjährige Geschäftsführer der Gesellschaft,  Adolf Warschauer (1855-1930).

Am 18. Oktober 1901 fand die letzte Sitzung der Historischen Gesellschaft als selbständige Institution statt, bei der der Vorstand eine Empfehlung zur Auflösung der Gesellschaft aussprach. Am 12. November 1901 konstituierte sich die Historische Gesellschaft als „Historische Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft“ wieder, die der damalige Oberpräsident der Provinz Posen – trotz vieler Widerstände – gründete.

Der Aufbau einer Bibliothek war neben der publizistischen und Vortragstätigkeit eine der Haupt-aufgaben der Gesellschaft. Durch den Tausch-verkehr mit 204 Gesellschaften und Vereinen wuchs der Bestand der Bibliothek rasch an. Diese Bibliothek war im Staatsarchiv untergebracht. Als die Landesbibliothek, die spätere Kaiser-Wilhelm- Bibliothek, errichtet wurde, gab die Gesellschaft ihr 1894 fast 15.000 Bände (zunächst als Leihgabe, 1904 gegen eine Entschädigung) ab.

Der Übergang der Provinz Posen an die Republik Polen im Jahre 1919 änderte die Situation der Gesellschaft grundlegend. Der Wegzug vieler Deutscher aus der nun polnisch gewordenen Provinz machte eine Neuorganisation der Gesellschaft unumgänglich. So war der Gesamtbetand der Mitglieder auf 5% des Bestandes von 1910 geschrumpft und umfasste nur noch 73 Mitglieder. Der Name der Gesellschaft wurde 1922 in „Historische Gesellschaft für Posen “ umgeändert. Ab 1923 erschien regelmäßig als Organ der H.G. die „Deutsche Wisssenschaftliche Zeitschrift in Polen“. Die“ Historischen Monatsblätter“ wurden durch die „Deutschen Monatsblätter in Polen“ ersetzt.  Die Leitung der Gesellschaft übernahm der Leiter des „Posener Tageblatts“ Wilhelm Löwenthal, der den Verein über die komplizierte Übergangsphase hinüberrettete. Die Gesellschaft erkannte bald, dass sich die künftige Arbeit nicht allein auf die Geschichte der Provinz erstrecken konnte, sondern dass neben die Lokal -und Regionalgeschichte nun die Geschichte der Deutschen in der ganzen Republik Polen treten musste und die Erörterung der sich aus den geschichtlichen und kulturellen Wechselbeziehungen zwischen dem polnischen und deutschen Volk ergebenden Fragen.

Zum Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft wurde zunächst der Direktor des Verbandes der deutschen Genossenschaften, Leo Wegner (1870-1936), und von 1925 bis 1945, Friedrich Swart (1883-1957), gewählt. Der Leiter der neube-gründeten Deutschen Bücherei, Hermann Rauschning (1887-1982), übernahm die redak-tionelle Verantwortung für die Herausgabe der Zeitschriften der Historischen Gesellschaft. Aus der „Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen “ wurde seit 1923  die “ Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen „, die auch die Veröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen Vereins und der Bromberger Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft sowie des Thorner Coppernicus – Vereins aufnahm. Daneben gab die Historische Gesellschaft die „Deutschen Blätter in Polen “ heraus, die zunächst mit sachlich erweiterter Aufgabenstellung die „Historischen Monatsblätter für die Provinz Posen “ ablösten, 1931 aber eingestellt wurden.

In Berlin gründete sich am 12. November 1921 die Vereinigung der reichsdeutschen Mitglieder der Gesellschaft unter Vorsitz von Julius Kothe (1861-  ), die die in Deutschland ansässigen oder dorthin aus Polen nach dem 1. Weltkrieg abgewanderten Mitglieder erfasste. Ihre anfangs rege Vortrags-tätigkeit erlahmte bereits nach wenigen Jahren.

Die landesgeschichtliche Forschung in den bei dem Deutschen Rich verbliebenen Teilen der Provinz Posen fand in der „Grenzmärkischen Gesellschaft zur Erforschung und Pflege der Heimat“ mit Sitz in Schneidemühl ihren organisatorischen Zusammen-schluss unter Leitung von Hans Jakob Schmitz.

Die Arbeit der historischen Gesellschaft konnte sich nicht allein auf die Geschichte der ehemaligen Provinz erstrecken, sondern musste nun  die Geschichte der Deutschen in der ganzen Republik Polen erfassen. Über den Posener Raum hinaus trat mehr und mehr das Deutschtum in ganz Polen und seine geschichtliche Stellung gegenüber dem polnischen Volk und Staat in den Gesichtskreis der Gesellschaft.

Die Gesellschaft feierte am 12. März 1935 im Saal des Posener Evangelischen Vereinshauses ihr 50jähriges Bestehen.

Das wissenschaftliche Wirken der Gesellschaft erfuhr durch den Ausbruch des II. Weltkrieges erhebliche Einschränkungen durch die wachsende Zahl von Einberufungen und die Ansprüche der Kriegswirtschaft, bis es im Laufe des Jahres 1944 so gut wie völlig zum Erliegen kam.

Nach der Eingliederung des Warthegaues in den deutschen  Staatsverbund kam es zur Gründung der „Landeskundlichen Forschungsstelle“  und damit zu einer Konkurrenzsituation zu der bestehenden „Historischen Gesellschaft für Polen“. Zunächst war vorgesehen, die „Historische Gesellschaft“ aufzulösen. Dieses Vorhaben unterblieb nach einer Entscheidung Arthur Greisers; die Gesellschaft gab sich daraufhin eine neue Satzung und einen neuen Namen – Historische Gesellschaft  für den Reichs-gau Wartheland.

In ihren Vorstand sollten neben einem Vertreter der Landeskundlichen Forschungsstelle ,Vertreter der Reichsuniversität, der Posener Stadtverwaltung und des Reichsarchivs von Posen vertreten sein.

Durch Flucht und Vertreibung wurde die Arbeit der Gesellschaft zwangsläufig eingestellt, die Gesell-schaft formell jedoch nicht aufgelöst.

( ►Historisch – landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Posen ; ► Historische Monatsblätter für die Provinz Posen )

 

Lit. :

* Endrulat, B.: Über die Aufgaben der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz  Posen   (1) 1885 S.5-13

* Serrier, Thomas : Die Posener Historische Schule. Zur Geschichte der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen im Kaiserreich (1885 bis 1918 ). In : Schultz, Helga (Hrsg. ) : Preußens Osten – Polens Westen. Das Zerbrechen einer Nachbarschaft, Berlin 2001 S.73 – 91 (= Frankfurter Studien zur  Grenzregion, 7 )

* Kothe, Julius : zum 5ojährigen Bestehen der Historischen Gesellschaft für Posen 1885 – 1935 ( Mitteilungen der Historischen Gesellschaft für Posen ), Heft 3 1935, Seite 1 – 6

 

 

Historische Gesellschaft für den Netzedistrikt

Der unmittelbare Anlass zur Gründung eines historischen Vereins war das Auffinden heimischer Bodenfunde bei Bauarbeiten auf dem Gelände  der Provinzial-Gewerbeausstellung im Sommer 1880.

Unter Vorsitz des Kaufmannes und Stadtrates  Hermann Franke fand am 29. Oktober 1880 die Gründung eines Historischen Vereines in Bromberg statt. In Paragraph 1 der Satzung wurde als Zweck des Vereins beschrieben: “ Altertümer und Gegen-stände historischen Werts vorzugsweise in Bromberg und im Netzedistrikt aufzusuchen oder für deren Aufsuchung und Erhaltung für die Wissenschaft Sorge zu tragen.“ Weiter wurden die Vortragstätigkeit und die Herausgabe von Publikationen als Aufgabe benannt.  Die Historische Gesellschaft… war der erste deutsche Verein seiner Art in der Provinz Posen, denn er entstand fünf Jahre vor der Gründung der Historischen Gesell-schaft  für die Provinz Posen.

Verwaltungsbeamte und Journalisten bildeten den Kern der Mitglieder dieses historischen Vereins, dem sich bald auch örtliche Fabrikbesitzer sowie einige Gutsbesitzer und Geistliche anschlossen.

Bereits im Gründungsjahr umfasste die Gesellschaft 88 Mitglieder.

Das Hauptaufgabengebiet sahen die Mitglieder darin, archäologische Funde in der Region aufzuarbeiten, weshalb man von Anfang an den Aufbau einer eigenen Sammlung betrieb. Die Sammlung der Bodenfunde der Historischen Gesellschaft fand eine erste provisorische Unterbringung in einem Raum des Königlichen Gymnasiums am Weltzienplatz in Bromberg, der sich bald als unzureichend erwies.

1886 erschien das erste Jahrbuch, das als Reaktion auf die 1885 erstmals erscheinende Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen zu sehen ist.

1888 erfolgte die Namensänderung in “ Historische Gesellschaft für den Netzedistrikt zu Bromberg „.

1896 war die Gesellschaft… Organisator des 550jährigen Stadtjubiläums. 1899 kam es zu einer verlegerischen Zusammenarbeit mit der Historischen Gesellschaft von Posen – es erfolgte eine gemeinsame Herausgabe der Historischen Zeitschrift und der Historischen Monatsblätter.

Die Beziehungen zur Posener Gesellschaft waren von Anfang an kompliziert und auch dadurch belastet, dass die Bromberger sich auf allen Gebieten von der Provinzialregierung in Posen vernachlässigt fühlten.

Die Bromberger Gesellschaft musste zwei Drittel ihrer Einnahmen nach Posen abführen und war so in ihrer Arbeit empfindlich eingeschränkt. Der Vertrag über die Kooperation mit der Historischen Gesellschaft in Posen wurde 1891 gekündigt.

Als 1902 die ►“ Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft “ gegründet wurde, gliederte sich die Gesellschaft als historische Abteilung in diese ein.  1921 wurde die Abteilung für Geschichte der Deutschen Gesellschaft… aufgelöst, da durch den Übergang der Stadt an Polen ein Großteil  der Mitglieder abgewandert war.

Die Stadtverwaltung Brombergs übernahm nach der Rekonstitution des polnischen Staates die Samm-lung der Altertümer, die fast 11.000 Exponate umfasste.

1939 stellte die „Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft“ stillschweigend ihre Arbeit  ein.

 

Lit.:

  • Schmidt, Erich : Geschichte der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt zu Bromberg während der ersten 25 Jahre 1880-1905. Posen 1905
  • Inhaltsverzeichnis der Jahrbücher der Historischen Gesellschaft für den Netzekreis von 1866-1899. In: Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen. Heft 36 (1939)

 

 

Historisch – landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen

(poln. : Historyczno – Krajoznawczą Komisje dla Poznańskiego i Niemczyzny w Polsce )

 

Diese 1950  unter dem Vorsitz von Wolfgang Kothe (1907-1984) in Marburg gegründete Kommission setzt die Tradition der „Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen “ fort.  Bei der Gründung der Kommission war den Gründungsmitgliedern be-wusst, dass eine Wiederbelebung der Historischen Gesellschaft nicht möglich und eine nur aus wenigen Fachwissenschaftlern bestehende Institution ebenso wenig gewollt war. Den Vorsitz der neugegründeten Kommission übernahm der letzte Vorsitzende der Historischen Gesellschaft, Friedrich Swart; die Geschäftsführung Manfred Laubert (1877-1960). Im Mai 1952 gaben sie ihre Ämter an Walter Kuhn (1910-1983) und Gotthold Rhode (1916-1991) ab; Friedrich Swart (1883-1957) wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

Zur rechtlichen Fundierung der Arbeit der Kommission  wurde 1955 die Konstituierung als BGB – Gesellschaft (eingetragener Verein) beschlossen.

Nach der Gründung der Kommission wurden zunächst alle ehemaligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Historischen Gesellschaft wegen einer Zusammenarbeit angesprochen und um deren Manuskripte, die infolge des Krieges nicht (mehr) veröffentlicht werden konnten, heraus-zugeben oder aber der wissenschaftlichen Forschung  zugänglich zu machen.

Der Bearbeitung einer Bibliographie für das Arbeitsgebiet der Kommission, für die Herbert Rister (1908-1993) und Hans Moritz Meyer gewonnen werden konnten, und der Würdigung der 700 – Jahrfeier der Gründung Posens zu deutschem Recht durch die Herausgabe einer Monographie zur Stadtgeschichte durch Gotthold Rhode (1916-1990) galt in den Anfangsjahren der Kommission die besondere Aufmerksamkeit.

Die Kommission verfügte bis zum Jahre 2000 über kein eigenes Periodikum oder einer speziellen Schriftenreihe. Ihre Mitglieder haben eine Reihe von Einzelveröffentlichungen zu unterschiedlichsten Aspekten zur Geschichte der Provinz und einzelner Städte sowie zu Fragen des deutsch – polnischen Miteinanders herausgegeben.

Nach dem Tod von Gotthold Rhode  übernahm Dr. Richard Breyer (1917-1999)  den Vorsitz in der Kommission.

Seit 1996 war der in Herne wirkende Bibliotheks-direktor Dr. Wolfgang Kessler Vorsitzender der Kommission, Dr. Breyer wurde zum Ehren-vorsitzenden gewählt.

 

Lit. :

Historisch – Landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen . In : Zeitschrift für Ostforschung, 4 ( 1955 ), Heft 2, S. 557 – 565.

 

Kommission  für die Geschichte der Deutschen in Polen e.V. (Hrsg. ) : Fünfzig Jahre Forschung zur Geschichte der Deutschen in Polen. Die Historisch – Landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen 1950 – 2000, Herne 2001 ( = Beiträge zur Geschichte der Deutschen in Polen und der deutsch – polnischen Beziehungen, 1 )

 

Rhode, Gotthold : Die Historisch – Landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen in den Jahren 1956 – 1964 , in : Zeitschrift für Ostforschung, Band 13, 1964. S. 231 – 239

 

Rhode, Gotthold : Dreiunddreißig Jahre Forschungen zur Geschichte Polens. Veröffentlichungen der Historisch – Landeskundlichen Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen, in : Plum , Werner ( Hrsg. ) : Ungewöhnliche Normalisierung. Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu Polen, Bonn 1984

 

Rhode, Gotthold : Die Historisch – Landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen, in : Zeitschrift für Ostforschung,

  1. Jahrgang 1980 ( Heft 2 / 3 ), S. 403 – 413

 

 

Historische Monatsblätter für die Provinz Posen

Unter redaktioneller Verantwortung von  Adolf Warschauer (1855-1930)  wurde die erste Ausgabe dieser Zeitschrift als Beilage der Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen und der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt im Januar 1900 herausgegeben.

Die Historischen Monatsblätter wurden monatlich herausgegeben, für kleinere Aufsätze von besonders aktuellem Interesse, wissenschaftliche Mitteilungen, Fundberichte, Nachrichten bestimmt und als Korrespondenzblatt für die Mitglieder , die Zweig-vereine und Sektionen der Historischen Gesellschaft für Posen gedacht.

Die Historischen Monatsblätter erschienen bis zum Jahr 1923 und wurden von 1924 bis 1931 als „Deutsche Blätter in Polen“ fortgeführt.

 

 

Hohensalza ( Inowroclaw )

Die älteste urkundliche Erwähnung der an einer Handelsstrasse in die Lausitz gelegenen Stadt stammt aus dem 12. Jahrhundert, als der masowische Fürst Leszek Bialy (1184-1287) den Ort dem Biskupat in Breslau übereignete. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war H.Hauptstadt eines selbständigen Fürstentums. Nachdem Pommern 1239 H. zerstört hatten, erhielt sie nach ihrem Wiederaufbau 1267  Magdeburger Stadtrecht verliehen.  Dies belegt eine Urkunde, die Wladysław Lokietek (1306-1333) für die Stadt Radziejów ausstellte.In ihr gab er R. dasselbe Recht, wie die Bürger von H. durch seinen Vater Kasimir ( ca. 1211-1267) erhalten haben

1332 vom Deutschen Ritterorden erobert, erfolgte die Rückgabe der Stadt an das polnische Königreich erst 1432 aufgrund eines Friedensvertrages.

Mitte des 15.Jahrhunderts musste die polnische Königin die Stadt verpfänden, da sie sich vom Reichsvizeschatzmeister 1000 ungarische Gulden lieh.

Die Stadt hatte unter den militärischen Übergriffen des Deutschen Ordens sehr zu leiden, so dass von den mittelalterlichen Bauwerken fast nichts mehr erhalten ist.  Schwedische Truppen zerstörten 1657 die Stadt erneut fast völlig.Von den Folgen dieser Brandschatzung sollte sich die Stadt nicht wieder erholen; H. galt noch im 18.Jahrhundert als „verfallene Stadt“.

Am 30. August 1775 brannte die Stadt fast völlig nieder. Als die Stadt  1772 unter  preußische Verwaltung kam, zählte H. nur 592 Einwohner. In der Indaganda wurde jedoch erwähnt, dass neben den christlichen Einwohnern der Stadt noch etwa 200 jüdische Familien hinzuzurechnen sind.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt trugen wesentlich die Erschließung der Steinsalzlager und die Gründung eines Solbades 1875 bei. Hohensalza genoss als Solbad einen ausgezeichneten Ruf in ganz Deutschland. Vor dem 1. Weltkrieg lieferten die Salinen jährlich 25.000 t Salz; die Bergwerke 55.000 t Steinsalz.

1903 wurde der Name der Stadt in Hohensalza geändert.

Heute hat die Stadt 73000 Einwohner und ist nach wie vor ein bedeutendes Heilquellenbad. Bad Oeynhausen ist die Partnerstadt.

 

Lit.. :

  • Becker, P. : Inowrazlaw unter Friedrich dem Großen. In : Historische Monatsblätter für die Provinz Posen 2 (1901), 6 S.81 -87
  • Biskupa, M. : Dzieje Inowrochlawia. Warszawa 1978
  • Hoffmann, Otto W. : Hohensalza, Hilden 1979
  • Towarzystwo Naukowe w Toruniu : Dzieje Inowroclawia , Warszawa / Poznan / Torun 1982

 

 

Indaganda

1793 kam das Posener Gebiet unter dem Namen „Südpreußen“ unter preußische Herrschaft. Alle Städte hatten einen Katalog von 83 Fragen zu beantworten, der Auskunft über den „Zustand und die Beschaffenheit “  der südpreußischen  Städte bei preußischer Inbesitznahme geben sollte.

Zunächst beschäftigten sich die Fragen mit dem Namen, der Lage und dem äußeren Aussehen der Stadt sowie der Anzahl, Bauart und Bedachung der Häuser.

Gefordert war die Aufzählung der öffentlichen Gebäude, weiterhin verlangte der Fragebogen Angaben über die Anzahl der Brunnen, genaue Zahlenangaben über die Bewohner ( mit Benennung des Familienstandes und der Religionszugehörigkeit) und über die von ihnen ausgeübten Berufe oder Gewerbe.

Besonders genaue Auskunft  wurde über das Brau – und Brennereigewerbe gewünscht.

Es folgte eine Anzahl von Fragen über das Kämmerei –  und Schuldenwesen, das öffentliche Eigentum, Wahl und Besoldung der Mitglieder des Magistrats. Weiterhin waren die von der Stadt an den Staat oder die Grundherrschaft zu leistenden Abgaben aufzuführen sowie die Aufwendungen für das Armen-, Hospital- und Medizinwesen aufzu-listen.

Ebenso mussten die Termine für die Jahr – und Wochenmärkte aufgeführt und die Beschaffung von Lehm, Kalk und Holz beschrieben werden.

Nicht alle der „topographisch-statistischen Fragen über den Zustand und die Beschaffenheit der Städte“ wurden korrekt beantwortet; viele der Antworten weisen innere Widersprüche auf und Zahlenangaben scheinen vielfach auf Schätzungen zu beruhen.

 

Interalliierte Grenzkommission

 

Internierung von Deutschen gegen Ende und nach dem 2. Weltkrieg

Noch während des Krieges waren von polnischer Seite die gesetzlichen Grundlagen zur Verfolgung und Bestrafung  der Deutschen in Polen gelegt worden. Das „Lubliner Komitee“, das nach der Befreiung des ersten polnischen Ortes westlich der von Hitler und Stalin gezogenen deutsch-sowjetischen Interessengrenze agierende polnische Staatsautorität, erließ am 31.Dezember 1944 ein Dekret über die „Strafzumessung der faschistisch-hitlerischen Verbrecher, die der  Tötung und Misshandlung von Zivilpersonen und von Kriegs-gefangenen schuldig sind, sowie für Verräter des polnischen Volkes.“ Das letztere bezog sich auf die Volksdeutschen. Als Strafen konnten Tod oder Gefängnis, Verlust der  Bürgerrechte und Ver-mögensentzug verhängt werden. Die Verfahren wurden durch Sondergerichte verhandelt, von denen ohne schriftliche Begründung Anklage erhoben werden konnte und gegen deren Urteile keine Rechtsmittel zulässig waren. Speziell zur Bestrafung der Volksdeutschen, die bis 1939 polnische Staatsangehörige waren, sich während des Krieges zur deutschen Nationalität bekannt hatten, war ein Dekret über „Sicherungsmaßnahmen gegen Volksverräter“ gedacht, das am 04. November 1944  erlassen worden war. Alle polnischen Staatsbürger, die sich während der Besatzungszeit zur deutschen Nationalität bekannt oder ihre deutsche Abstammung erklärt hatten (►Deutsche Volksliste) konnten für unbegrenzte Zeit in Lagern interniert und zur Zwangsarbeit eingesetzt werden. Den Betroffenen und ihren Familienangehörigen wurden alle bürgerlichen und öffentlichen Rechte entzogen, ihr Vermögen beschlagnahmt.  Diese Internierungs-lager waren dem Sicherheitsministerium, Abteilung Gefängnisse und Lager, unterstellt. Oft übernahmen die polnischen Behörden die Arbeits-und Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Bereits 1945 wurde die schwer überschaubare Anzahl  kleinerer Lager zu drei großen Zentrallagern zusammengefasst:

  • Warschau für Zentralpolen
  • Potulitz für Nordpolen
  • Jaworzno für Südpolen

Am 28. Februar 1945 wurde das Gesetz über den „Ausschluß feindlicher Elemente aus der polnischen Volksgemeinschaft“ erlassen. Dieses Gesetz sah eine Überprüfung der in der „Deutschen Volksliste“ eingetragenen Personen vor, bei deren negativen Ausgang dieselben Strafen wie bei dem Dekret vom November 1944 verhängt wurden.

 

Lit. :

  • Dokumentation der Vertreibung.Band I/3. Polnische Gesetze und Verordnungen 1944-1955. Bonn 1960
  • Hirsch, Helga : Die Rache der Opfer. Berlin 1988
  • Rasmus, Hugo : Schattenjahre in Potulitz 1945. Schicksalsjahre in polnischen Internierungslagern. Eine Dokumentation. Münster 1995

 

 

Institut für Heimatforschung

Die Initiative zur Gründung des „Instituts für Heimatforschung“ ging von dem Geographen und Direktor des Instituts für Allgemeine Wehrlehre an der Friedrich-Wilhelm-Universität, Oskar Ritter von  Niedermayer (1855-1948) aus.

Er unterbreitete im Herbst 1936 dem Landeshistoriker Willy Hoppe (1884-1960),seit 1935 Prorektor der Berliner Universität, den Vorschlag, ein Institut zur kulturpolitischen Betreuung der Grenzmark Posen-Westpreußen zu gründen.

Dieser Vorschlag fand auch Interesse bei dem Regierungspräsidenten Friedrich Bachmann.

Ende November 1936 fanden erste Gespräche zur Realisierung dieses Vorschlages statt, wobei Niedermayer betonte, dass das zu gründende „Institut für Heimatforschung“ eine Außenstelle des „Instituts für Allgemeine Wehrlehre“ werden sollte.

Ende April 1937 entwarf Niedermeyer ein Konzept für das zu gründende Institut –es sollte eine überwiegend kulturpolitische Institution entstehen, die an das „Grenzmärkische Heimatmuseum“ in Schneidemühl angegliedert werden sollte.

Aufgrund dieses Konzeptes fiel Ende Juni 1937 der offizielle Beschluß zur Gründung des Institutes. Die Aufgaben des Instituts weiteteten sich jedoch inhaltlich als auch räumlich weiter aus als ursprünglich vorgesehen.

Es sollte aber vorrangig die Regierung in der „Führung des Deutschtumskampfes“ durch Forschung und Veröffentlichungen unterstützen. Es war ein „nationalpolitisches Forschungsinstrument mit dem Zweck, das deutsche Volkstum und seinen Lebensraum der wirtschaftlich und demographisch geschwächten Grenzgebiete zu erforschen, um es in  seiner Existenz zu stärken.“

Die Finanzierung des Institutes übernahmen zu gleichen Teilen das Wissenschafts – und das Preußische Finanzministerium.

Am 20. April 1937 erfolgte die offizielle Institutsgründung durch einen Erlass des Wissenschaftsministeriums.

Kommissarischer Leiter war von Niedermayer, faktischer Leiter war jedoch sein Stellvertreter, der Staatswissenschaftler Arno Winter

Das IfH war in vier Forschungsbereiche gegliedert:

  1. Staat und Wirtschaft
  2. Geographie und Volkstum
  3. Geschichte und Sprachen
  4. Vorgeschichten

Ein Lektorat für Polnisch und  Russich kam später noch hinzu.

Die offizielle Eröffnungsfeier fand am 18. Februar 1938 in Schneidmühl statt.

Ende 1937 wurde von staatlicher Seite das wissenschaftliche Programm des Institutes als nicht realisierbar kritisiert. Tatsächlich war die wissenschaftliche Tätigkeit des IfH unbedeutend.

Lediglich zwei Publikationen wurden bis 1941 herausgegeben und nur für die Sommersemester 1938 und 1939 sind Lehrveranstaltungen der Leiter der vier Forschungsbereiche des IfH an der Beliner Universität zu verzeichnen.

Niedermayer beantragte am 13. September 1939 die Angliederung des IfH an die neugegründete Reichs-universität Posen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Niedermayer versuchte daraufin, das IfH nach Berlin zu  verlegen. Es sollte sich zur wisssenschaftlichen Informationsstelle für alle im europäischen Osten tätigen Stellen und Organisationen entwickeln. Das Wissenschaftsministerium reagierte abermals ablehnend auf dieses  Ansinnen.

Das IfH wurde faktisch wegen seiner Ineffektivität am 30. Jan. 1942 offiziell aufgelöst.

 

Lit.:

  • Jahr, Christoph: Institut für Heimatforschung in Schneidemühl. In : Handbuch der völkischen Wissenschaften. Hrsg. von Ingo Haar und Michael Fahlbusch. München 2008 S.256-260

 

 

 

 

 

Institut zur Erforschung der Nationalitätenfragen

Im Mai 1926 meldete die Presse, dass in Warschau ein Institut zur Erforschung der Nationalitätenfragen als private Organisation gegründet worden sei, dem viele Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angehören würde. Zum Leiter des Instituts wurde T.Holowko und zum Sekretär S.Paprocki gewählt.

In Wirklichkeit wurde damals das Institut nur reaktiviert. Die Gründung des Instituts erfolgte im Dezember 1921 als Initiative von Politikern, Publizisten und Personen, die sich mit der Nation-alitätenproblematik beschäftigten. Es hatte die Aufgabe, den Zustand und die Entwicklung der nationalen Minderheiten zu erforschen. Die Organisatoren gingen davon aus, dass die politische Lösung der Minderheitenfragen auf wissenschaftlich objektiven, genauen und vielseitigen Kenntnissen über die Minderheiten, die die Gebiete der Republik Polen bewohnten, gestützt werden sollten.

In den Jahren 1922 bis 1924 fanden im Rahmen der Tätigkeit des Instituts nur einige Diskussionsabende statt. Bis 1928 wurden die Abteilung für die internationale Minderheitenfrage, die Abteilung für die nationalen Minderheiten in Polen und die Abteilung für die Fragen  der polnischen Minder-heiten im Ausland gebildet. Die deutsche Bevölkerungsgruppe spielte dabei nicht die größte Rolle. Dies bewies u.a.die Tatsache, dass im Rahmen der zweiten Abteilung Kommissionen für alle Minderheitengruppen, nur nicht für die deutsche, gegründet wurden. Zu den Aufgaben des Instituts gehörte auch die Erforschung der Nationalitäten-fragen in anderen Ländern Europas, vor allem im Hinblick auf die polnischen Minderheiten im Ausland.

Tatsächlich spielte das Institut eine bedeutende Rolle in der Gestaltung der polnischen Minder-heitenpolitik.

Das Institut gab ein Periodikum heraus, das von 1927 bis 1939 erschien.

 

 

Janowitz  (Janowiec)/ Kreis Znin

Der Ort, an der Welna gelegen, führte ursprünglich den Namen Janowy młyn (Johannes-Mühle), der erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts durch den Namen Janowitz verdrängt wurde.

Herzog Przemysl II (1257-1296) verlieh am 22.Mai 1295 dem Besitzer des Dorfes, dem Ritter Voytacho, das Recht, das Dorf zur Stadt zu erheben.

1458 erhielt J. Stadtrecht.

In der Liste der grosspolnischen Städte wird der Ort ab 1458 geführt.

Bei der Zweiten Teilung Polens kam die Stadt 1793 an Preußen.

 

Lit.:

  • Konatowski, K.J./Przybysz: Dzieje Janowca Wiekopolskiego. Janowiec Wlkp. 1995

 

 

Jaratschewo   ( Jaraczewo )-Kreis Jarotschin

König Sigismund I von Polen (   1506-1548) gab am 28. Februar 1519 die Erlaubnis, das  Dorf J. zu einer Stadt zu erheben und erhielt Magdeburger Stadtrecht verliehen.

  1. war im 20.Jahrhundert ein unbedeutendes Ackerstädtchen, dessen Einwohnerzahl kontinuierlich sank (1905 nur noch 850 Einwohner). Deshalb wurde J. zum Dorf zurückgestuft.

Vor 1939 ca. 3000 Einwohner.

 

Jaroslawiec, Abkommen von               –

► Märzrevolution 1848

 

Jarotschin (poln. : Jarocin)

An der Kreuzung eines wichtigen Handelsweges von Breslau nach Thorn und von Posen nach Kattowitz gelegene Stadt. Das Dorf Jorossino wurde dem Zisterzienserkloster Lenden geschenkt. Erstmalig wurde Jarotschin im Jahre 1257 urkundlich erwähnt, als der Herzog von Großpolen und Kalisch, Boleslaw der Fromme (1239 – 1279), der Stadt zahlreiche Privilegien verlieh. Am 13. April 1293 erteilte Herzog Przemysław II von Großpolen, die Erlaubnis, nach deutschem Recht Polen und Deutsche in der Stadt anzusiedeln. Dank ihrer Lage an einer Haupt-handelsstrasse von Breslau nach Thorn und von Posen nach Kalisch  wurde die Stadt an der Wende des 13. zum 14. Jahrhundert ein reges Handwerker – und Handelszentrum. Während des Dreißigjährigen Krieges, als Tausende von Deutschen und Polen wegen ihres Glaubens verfolgt wurden, verweigerte J. Glaubensflüchtlingen Zuflucht, da die Stadt streng katholisch war.   Nach den militärischen Einfällen der Schweden in der Mitte des 17. Jahrhunderts und einem  Feuer im Jahre 1733, verlor die Stadt ihre wirtschaftliche Bedeutung. 1735 war die Armut unter der Bevölkerung so groß,  dass der Rat der Stadt sich genötigt sah, die bereits eingezogenen Kopf-steuern wieder auszuzahlen. Während des Sieben-jährigen Krieges hatte die Stadt erneut unter militärischen Besetzungen zu leiden, wobei sie 1773 wiederum durch ein Feuer zerstört wurde. Ende des 18. Jahrhunderts war J. im Besitz der Prinzen von Glogau. 1793 wurde Jarotschin preußisch, hatte aber nur 150 Einwohner.  Kreisstadt wurde Jarotschin im Jahre 1887. Bei der Auflösung des Kreises Pleschen nach dem Ersten Weltkrieg kam der weitaus größte Teil dieses Kreises zu Jarotschin. Im November 1918 bildete sich in J. der erste Soldatenrat der Provinz Posen.

Ende Januar 1945 nahmen sowjetische Truppen die Stadt ein.

heute 27.ooo Einwohner.

 

Lit. :

  • Matuszweski, Kazimierz : Z przeszłości miasta Jarocina. Poznań 1937
  • Dzieje Jarocina. Pod.red. C. Luczaka. Poznan 1998
  • Keding, Max : 700 Jahre Jarotschin. In : Posener Stimmen. 5 / 1957, S. 3 und 4
  • Kohlmeyer, Otto : Zum 650jährigen Bestehen der Stadt Jarotschin, o.O., o.J.
  • Orlowski, Peter : Zum 700jährigen Bestehen der Stadt Jarotschin. In : Posener Stimmen. 5 / 1957 . S. 9 und 10

 

 

Jugendbewegung

Um 1930 dürfte es mindestens 127 deutsche Jugendverbände in Polen gegeben haben, hiervon die meisten im Raum Posen-Pommerellen und in Mittelpolen.

Zu den ältesten Formen der Jugendbewegung in der Provinz Posen zählt der Wandervogel.

Im Sommer 1903 wurde der Obersekundaner Wilhelm Brunne aus Posen von den Berliner Wandervögeln eingeladen, an einer Fahrt in den Böhmerwald teilzunehmen.

Brunne ging als sog. “Kronfuchs“ des „Ober-pachanten“ Karl Fischer mit, der wesentlich zum  Aufbau zahlreicher Wandervogel-Gruppen im Posener Land beitrug.

1904 gründeten sich rund um Posen eine Reihe von Wandervogel-Ortsgruppen, so dass bereits 1905 die Aufnahme eines Kreises „Posen-Schlesien“ in den „Alt-Wandervogelbund für Jugendwanderungen“ beantragt werden konnte.

Am 23.Januar 1909 wurde die bis dahin dem Alt-Wandervogel angeschlossene WV-Ortsgruppe aufgelöst und an ihrer Stelle ein selbständiger Bund der „Posener Wandervogel“ gegründet. Ihm schlossen sich später auch die anderen Gruppen des Posener Landes an. Zum Bundesleiter wurde der Vorsitzende des Elternbundes des WV, Prof. Dr. Burchard, gewählt.

Auch als eigenständiger Bund arbeitete der Posener Wandervogel weiterhin eng mit anderen WV-Bünden zusammen. Seit Anfang 1911 gehörte der Posener Wandervogel zum „Verband Deutscher Wandervögel“, der Arbeitsgemeinschaft von den Alt-Wandervögeln und den Wandervögeln/Deutscher Bund, an , der die Einigung aller damaligen Wander-bünde herbeizuführen bereit war.

Als am 05. Januar 1913 der neue Einigungsbund „Wandervogel/Bund für deutsches Jugendwandern“ gegründet wurde, schloss sich ihm auch der Gau Posen an.

Zu Beginn des 1.Weltkrieges meldeten sich viele Führungskräfte des WV freiwillig zum Kriegsdienst, wovon viele starben.

Ein zeitweiliger Aufschwung erlebte der  Posener WV im Herbst und Winter 191/17 dadurch, dass in dem nahe bei Posen gelegenen „Warthelager“ eine größere WV-Ortsgruppe entstand, der zum Kriegsdienst eingezogene Wandervögel aus allen Teilen Deutschlands angehörten.

Die anfänglichen Befürchtungen bei der Neugründung des polnischen Staates, der Wandervogel werde verboten, trafen nicht zu. Unmittelbar nach Kriegsende wurde wieder eine Zeitschrift unter dem Titel „Das ferne Land“ von dem von Walter Maas geleiteten „Arbeitsamt der Jugendbewegung in Polen“ herausgegeben.

Im November 1921 kam es zu einem ersten informellen Treffen in Lissa, bei dem Bemühungen um die Reaktivierung des alten Bundes auf der Tagesordnung standen.

Hier verständigte man sich drauf, einen Gautag durchzuführen, der im Juni 1922 in Bromberg stattfand. Hier schlossen sich die existierenden Gruppen zu einem „Bund der Wandervögel in Polen“ zusammen.

 

 

Träger der evangelisch-kirchlichen Jugendarbeit  waren in erster Linie der „Landesverband Evangelischer Jungmännervereine in Polen“  und die „Kirchliche Arbeitsgemeinschaft für die weibliche Jugend in Polen.“

Die Arbeit in den einzelnen Gruppen erfolgte zwar nach zentralen Richtlinien, beschränkte sich aber nicht nur auf eine seelsorgerische oder theologische Gemeindearbeit, sondern umfasste vor allem musisch-kulturelle Inhalte. Das Jugendheim Zinsdorf bei Bromberg entwickelte sich unter Leitung von Pastor Heinrich Dinckelmann in den dreißiger Jahren zum Zentrum für die evangelische Jugendarbeit in Polen.

Die Jungmännerorgnisationen der unierten Kirche in den Woiwodschaften Posen und Pommerellen schlossen sich am 13.November 1924 auf einem Kongress in Nakel zusammen. Damit wurde der Landesverband evangelischer Jungmänner-vereine in Polen (EVJM) mit Sitz in Posen gegründet.

Anfänglich schlossen sich 24 Jungmännervereine und zwei Posaunenchöre dem Landesverband an. Im Januar 1927 zählte der EVJM bereits 58 Abteilungen, darunter 27 Posaunenchöre.

Sehr unterschiedlich waren die Formen der Verbandsarbeit – neben der Beschäftigung mit theologischen Fragen und der musikalischen Fortbildung maß man sportlichen Übungen große Aufmerksamkeit bei.

Ab 1927 beschäftigte man einen Jugendpastor, so dass 1933 der dem EVJM –Landesverband angeschlossenen Organisationen 140 betrug.

 

Neben den evangelischen Jugendverbänden vereinten die deutschen Sportvereine in Polen  die höchste Zahl von Jugendlichen.

Bereits lange vor 1929, als der Zusammenschluss der 49 deutschen Turnvereine in Polen zur „Deutschen Turnerschaft“ erfolgte, war bei diesen Vereinen eine rege Jugendarbeit entwickelt worden. Die Arbeit des Sudetendeutschen Turnerbundes diente der Deutschen Turnerschaft in Polen als Vorbild. Zahlenmäßig starke Abordnungen von Jugendlichen beteiligten sich an Veranstaltungen im Sudetenland und nahmen vor allem an den großen Turn-und Sportfesten in Deutschland teil.

 

Die Geschichte der Deutschen Pfadfinderschaft in Polen  ist relativ kurz; sie umfasst im wesentlichen nur die letzen drei Jahre des 1. Weltkrieges und die Zeit bis 1925, als die beiden aktivsten deutschen Jugendbünde in Polen (Wandervogel und Pfad-finder) ihre organisatorische Eigenständigkeit aufgaben und die Deutsche Jungenschaft in Polen gründeten.

Soldaten gründeten während des 1.Weltkrieges (zumeist Angehörige des Deutschen Pfadfinder-verbandes) in Posen und Bromberg – dem Vorbild des englischen „Scouting for boys“ entsprechend- Pfadfindergruppen.

Das Kriegsende und die Ausrufung der Republik Polen führten zur vorübergehenden Auflösung der Pfadfindergruppen im Posener Raum.

1920/21 fanden sich an deutschen Gymnasien und Lehrerseminaren Personen, die die Deutsche Pfadfinderschaft in Polen gründeten.

 

Keimzellen der Deutschen Jungenschaft in Polen, der bedeutendsten Jugendgruppierung auf bündischer Grundlage, waren die Wandervogel-und Pfadfindergruppen Posen-Pommerellens, die sich 1925 bei Sonnenwendfeiern bei Posen und Thorn, bei Gnesen und Bromberg mit ähnlichen Jugendverbänden aus Mittelpolen und Ober-schlesien zur Jungenschaft Wartheland zusammen-schlossen. Ab 1927 bestand dann die Deutsche Jungenschaft in Polen.

Ihr übergeordnetes Ziel war es, die deutschen Jungen in Polen zu Männern zu erziehen, „die in unverbrüchlicher, opferbereiter Liebe zur Heimat stehen, in ihrem Volkstum wurzeln und geeignet sein können, einmal Führer ihres Volkstums in jeglichen Berufen zu werden.“.Als einheitliche Kluft trugen sie ein olivgrünes, später graues, Hemd, eine kurze dunkelbraune (später auch graue) Hose und ein  blaues Halstuch.

Die stärksten Stämme der DjiP bestanden an  den Gymnasien in Lodz, Posen, Bromberg, Graudenz und Kattowitz.

Aus den Aktivitäten der Jungenschaft sind die jährlichen und zunehmenden Besuche bei den deutschen Kolonien in Galizien, in der Weichselniederung und Wolhynien sowie im Cholmer und Lubliner Land hervorzuheben. Das erste große Bundeslager der DjiP fand schon 1926 unter Beteiligung mehrerer Gruppen in Marienau bei Danzig statt.

Da die DJiP  von den polnischen Behörden nicht amtlich anerkannt wurde, führten die Jungenschaften im einzelnen ihre Arbeit später als Schülerwandergruppen oder Sportkreise an den höheren deutschen Privatschulen durch, von den Schulbehörden in den westlichen Wojewodschaften bis 1929/30 stillschweigend geduldet.

Mit der Zuspitzung der deutsch-polnischen Auseinandersetzungen zerfiel die DjiP, zu einer offiziellen Auflösung ist es aber nie gekommen. Die älteren Jungenschaftsführer gingen in die politischen Organisationen der Deutschen bzw.Gruppen lehnten sich eng an die kulturellen Deutschtumsverbände.

 

Sozialistische deutsche Jugendorganisationen waren im  Posener Raum nur rudimentär vorhanden. In Bromberg existierte eine Gruppe der Deutschen Sozialistischen Arbeiterjugend in Polen (DSJP). Die DSJP gehörte bis zum Juni 1920 zum Verband der  Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Deutsch-land.

Ungeachtet des Beitritts zur Sozialistischen Internationale (1926) wurde die Forderung nach einer kulturellen Autonomie für das Deutschtum in Polen als erster Programmpunkt betrachtet.

Im Vordergrund der Arbeit standen Wanderungen, Vortragsabende, Sport und Spiel. Einheitlich wurden blaue Kittel und rote Halstücher getragen.

 

Die polnischen Behörden, die in den zwanziger Jahren die deutsche Jugendarbeit zunächst toleriert hatten, verfolgten die zahlenmäßige und organisatorische Entwicklung der deutschen Jugend-verbände mit Misstrauen und Sorge. Vom Jahre 1934 an setzte man polnischerseits die Tätigkeit der deutschen Bünde, die durchweg mit der Hitler-Jugend des 3. Reiches kaum etwas zu tun hatten, mit „Vortrupps des Nationalsozialismus“ gleich. Entsprechende restriktive Maßnahmen – wie bspw. Veranstaltungsverbote oder Presseangriffe- waren die Folge.

Obgleich eine staatsfeindliche Agitation nicht festzustellen war, wurden Jugendheime geschlossen und Zusammenkünfte aufgelöst. Zwischen 1934 und 1938 fanden in Polen 133 Gerichtsverhandlungen gegen deutsche Jugendgruppen oder derenLeiter  statt.

 

Lit. :

  • Nasarski, Peter : Deutsche Jugendbewegung und Jugendarbeit in Polen 1919 – 1939, Würzburg 1957 ( Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis, 6 )
  • Nasarski, Peter ( Hrsg. ) : Deutsche Jugendbewegung in Europa. Versuch einer Bilanz, Köln 1967

 

 

Jungdeutsche Partei für Polen ( JDP )    ( Partia Mlodoniemiecka w Polsce )

Diese Partei – eine Exponentin des National-sozialismus in Polen – war aus dem 1921 in Bielitz gegründeten „Deutschen Nationalsozialistischen Verein“ hervorgegangen. Diese politische Gruppierung blieb zunächst bedeutungslos. (1927 gehörten ihr nicht mehr als 300 Mitglieder an). 1928 erfolgte die Umbenennung in „Jungdeutsche Partei für Polen“.

Nationalsozialistisches Gedankengut wurde von der JDP offen propagiert, mit dem Anspruch in ganz Polen zu wirken.  Die JDP bediente sich in der politischen Auseinandersetzung militanter Methoden.

Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus im Deutschen Reich gewann die JDP an Attraktivität und so konnte sie ihre politischen Aktivitäten von Oberschlesien auf ganz Polen ausdehnen. Die sich negativ entwickelnde wirtschaftliche und soziale Lage der deutschen Minderheit in der Zweiten Republik Polens zur Zeit der Weltwirtschaftskrise bot der JDP günstige Ansatzpunkte zur Ausdehnung ihrer Tätigkeit. Das sich daraus entwickelnde sozio-kulturelle Klima begünstigte das wachsende Misstrauen der deutschen Bevölkerung gegen die etablierten Führungskräfte der Minderheiten-organisationen. Die JDP erhob daher einen Führungsanspruch innerhalb der deutschen Minderheit in Polen. Sie beabsichtigte, die anderen deutschen Organisationen in Polen zu paralysieren und auszuschalten und strebte eine „volksdeutsche Erneuerung“ an.

1932 begann die JDP deshalb eine Kampagne mit dem Ziel,ihren Einfluß unter der deutschen Bevölkerung Polens auszudehnen. In dema-gogischen Angriffen der JDP auf die Organisationen der deutschen Minderheit wurde der reale wirtschaftliche Niedergang und der zunehmende Verlust politischer Einflussnahme mit dem persönlichen Versagen miteinander konkurrierender Minderheitenführer begründet. Ab 1933 verstärkte die JDP ihre Anstrengungen, sich als politische Organisation landesweit zu organisieren. Dies sah die JDP als unabdingbare Vorraussetzung für die von ihr angestrebte „völkisch-sozialistische Erneuerung der deutschen Volksgruppe in Polen“ an.

Im November und Dezember 1933 kam es zur Gründung der ersten Ortsgruppen der JDP in den westlichen Woiwodschaften der II.Republik Polen, die sich aus dem „Verband Deutscher Ansiedler und Bauern“ heraus entwickelten, dessen Mitglieder ab 1934 zu 90 % der JDP angehörten.

In der Zeit von März bis Juni 1934 entstanden 107 Ortsgruppen. Im November 1934 hatte die JDP in den Woiwodschaften Posen  und Pommerellen über 13.000 Mitglieder; bis 1937 wuchs die Zahl auf über 16.000 Mitglieder an.

Mitglied der JDP konnte jeder polnische Staats-bürger nach dem vollendeten 18. Lebensjahr werden, wenn er sich zum Deutschtum bekannte. Es hatte das aktive und ab dem 21.Lebensjahr auch das passive Wahlrecht für die Organe und Gremien der Partei. Entgegen den statuarischen Bestimmungen wurden die Funktionäre in der Regel ernannt. Landesweit arbeitete die JDP nach dem Führer-Gefolgschaftsprinzip.

Die Loyalitätserklärung der JDP zum polnischen Staat bei konsequenter Einforderung der Minder-heitenrechte, besonders aber die Selbstdarstellung als eine „junge Bewegung“ zogen vor allem junge Angehörige der deutschen Minderheit in Polen an. Die so gewonnenen neuen Mitglieder hatten  – erst nach der Jahrhundertwende geboren – die Zeit der Zugehörigkeit der Provinz Posen zum Deutschen Reich kaum bewusst erlebt. Diese Generation hatte im polnischen Staat ihre grundsätzliche Lebenserfahrung  gemacht. Die Gründe für die ständige Opposition der älteren Generation gegen den polnischen Staat waren für diese junge Generation direkt nicht nachvollziehbar. Sie erlebte jedoch ihre Abgrenzung als Deutsche von der sie umgebenden polnischen Bevölkerung durch die kulturelle und wirtschaftliche Integration in die deutsche Minderheit. Die von der JDP deklarierte Loyalität, die Deutschtum und damit nationale Loyalität demonstrierte,  musste ihnen  wie eine Lösung ihrer Stellung im und zum polnischen Staat vorkommen.

Um die territoriale Expansion der JDP zu verhindern und damit auch die Erweiterung ihrer Wirkungs-möglichkeiten musste die Deutsche Vereinigung in Sejm und Senat eine eigene Partei aufbauen. Sie wandelte ihr Wahlbüro formell in eine politische Partei um. Bei den polnischen Behörden wurde die Genehmigung  einer sog. „Volkstums-organisation“ beantragt und deren Statut eingereicht. Um der JDP wirksam entgegen zu können, ergriff die DV organisatorische Übergangslösungen. Es kam daher im Mai 1934 im Posener und Pommereller Gebiet zur Gründung von Jugendverbänden- dem „Deutschen Jungblock“ und dem „Deutschen Einheitsblock“, die später in der „Deutschen Vereinigung „ aufgingen, als deren Statut am 08. September 1934 durch das polnische Innen-ministerium genehmigt wurde.

Im April  1934 begannen auf Initiative  Erik von Witzlebens (1884-1958) Gespräche zwischen JDP-Vertretern und Vertretern des Sejm –Büros, um eine einheitliche deutsche Organisation zu schaffen. Am Ende langwieriger Verhandlungen wurde zwischen beiden Organisationen das Statut einer neuen Organisation, der „Deutschen Vereinigung“ unterschrieben, die im Oktober 1939 durch die deutschen Besatzungsbehörden aufgelöst wurde.

Die “ Deutschen Nachrichten“ – am o1. November 1934 als Organ der JDP gegründet – erschienen zunächst nur in Posen, wurden aber in den folgenden Jahren in ganz Polen vertrieben. Diese Tageszeitung hatte eine Auflage von 12.000 Exemplaren für das Gebiet Posen-Pommerellen. Chefredakteur der „Deutschen Nachrichten“ war zunächst Ewald Sadowski (ehemals Redakteur des „Posener Tageblatts“), seit 1936 Dr. Walter Güntzel.

Die JDP wurde massiv von der NSDAP unterstützt.

 

Lit.:

  • Unsere Leitsätze. Erläuterungen zu den weltanschaulichen und politischen Grundgedanken der Jungdeutschen Partei für Polen. Bielsko 1933
  • Heike, Otto: Die deutsche Minderheit in Polen. Ihr Leben und Wirken kulturell, gesellschaftlich, politisch. Leverkusen 1986

 

 

 

Jutroschin  ( Jutrosin )

Die älteste Erwähnung des Dorfes J. findet sich in einer Urkunde des Jahres 1281. Wann der Ort Stadtrechte erhielt, ist unbekannt. Im Jahr 1472 findet sich eine Erwähnung als Stadt.

Am 07.  April 1532 wütete ein verheerendes Feuer in der Stadt, bei dem alle älteren Urkunden zerstört wurden.

1642 gründete Stanislaus von Konary – Kolaczkowski neben Jutroschin eine Zufluchtsstätte für Glaubensflüchtlinge aus Schlesien. 1854 und 1861 richteten Brände größere Schäden in der Stadt an.

Im 19.  Jahrhundert war die Stadt ein wichtiges Zentrum des Getreidehandels.

 

Lit.:

  • Jędràś, Stanislaw: Miasto i gmina Jutrosin. Leszno 1999

 

 

Kaiser – Friedrich – Museum

Durch das Dotationsgesetz von 1875 war die Verantwortung für die Pflege von Wissenschaft und Kunst innerhalb der einzelnen Provinzen den Provinzial-Verbänden zugefallen.

Im Jahre 1899 erhielt die Provinz Posen das Recht der Selbstverwaltung und bald begannen die ersten Verhandlungen des Provinzial – Ausschusses mit der Reichsregierung über die Gründung eines Museums. Daraufhin konnte 1893 das ehemalige Gebäude des General-Kommandos am Wilhelms – Platz erworben werden. Der Erwerb der Immobilie erfolgte mit der Absicht, dieses Gebäude für die Einrichtung einer Landesbibliothek und eines Museums zu verwenden.Die Sammlungen der wissenschaftlichen Gesellschaften der Provinz Posen mit über 3000 Exponaten bildeten den Grundstock für die Schau-sammlungen des im Oktober 1894 errichteten Provinzialmuseums. Damit war vorgegeben, dass der Schwerpunkt des Museums nicht auf künstlerischem Gebiet, sondern in der Darstellung der regionalen Altertumskunde lag. Da das Gebäude jedoch baufällig war, musste das Provinzialmuseum am 29. April 1899 geschlossen werden.

Nach den Entwürfen des Ministerialdirektors Karl Hinckeldeyn (1847-1927) wurde von 1900 bis 1903 das Gebäude für das Provinzialmuseum errichtet, dessen Namen mit Erlaß vom 02. November 1902 bestimmt wurde. 1903 wurde das Kaiser – Friedrich – Museum mit der  Verwaltung der von der Reichs-regierung erworbenen Exponate der Raczynskischen Galerie beauftragt.

Das neue Museumsgebäude konnte am o5. Oktober 1904 eröffnet und der Öffentlichkeit übergeben werden.

 

 

Kaiser – Wilhelm – Bibliothek

Gegen  Ende des 19.Jahrhunderts entstand eine Initiative, in Posen eine wissenschaftliche und öffentlichkeitswirksame Bibliothek zu gründen. Im März 1898- parallel zu den Beratungen des preußischen Abgeordnetenhauses über den weiteren Ausbau des Ansiedlungsgesetzes von 1886-  stellte der Ministerialdirektor Dr. Althoff dem Vortragenden Rat im Königlichen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-angelegenheiten, Dr. Friedrich Schmidt, seinen Plan zur Errichtung einer Bibliothek vor.

Neben den kulturpolitischen Absichten war eine solche Bibliothek „ Teil des strategisch-politischen Ziels zur Schaffung eines deutschen Kulturzentrums mit nationaler Ausrichtung…“

Die Eingabe im April 1898 hatte Erfolg, denn dieser genehmigte bereits am 08. Juni 1898 die nach Kaiser Wilhelm II (1859-1941) zu benennende Bibliothek. Der Vertrag „betreffend die Einrichtung der K.W.- Bibliothek“ wurde zwischen Preußen, der Provinz und der Stadt Posen 1899 geschlossen.

Bücherspenden- insbesondere von 279 Verlagen-, die den Grundstock für die zukünftige Bibliothek bildeten, waren das Echo eines im gesamten Deutschen Reich erfolgten Aufrufs. In vier Jahren sammelte man über 100.000 Bände-  vor allem historische und juristische Publikationen sowie Veröffentlichungen aus dem Bereich der Medizin und der Landwirtschaft wurden durch Belletristik und Propagandaliteratur ergänzt.

Den Bau des Bibliotheksgebäudes leitete Karl Hinckeldeyn (1847-1927), den Erbauer des Kaiser-Friedrich-Museums. Die Bauarbeiten wurden im Jahre 1902 beendet und am 14.  November 1902 konnte die KWB eröffnet werden.

Erster Direktor der Bibliothek wurde Prof.Rudolf Focke (1852-1918)

Das Organisationskomitee mit dem Direktor der Königlichen Bibliothek in Berlin, Dr. Wildmann, an der Spitze formulierte den Aufgabenbereich der Bibliothek.

Neu war die Benutzungsordnung dieser Bibliothek (orientiert an den populärwissenschaftlichen Bibliotheken Amerikas), die eine Ausleihe von Büchern ohne Legitimation und Bürgschaft ermöglichte.

Ihre Funktion gewann  im Jahre 1903 an Bedeutung, als in Posen die Königliche Akademie gegründet wurde, für die die KWB als wissenschaftliche Bibliothek fungierte.

Der wissenschaftliche Wert der Bestände der KWB wurde oftmals sehr kritisch beurteilt- insbesondere im Zusammenhang mit ihrer Germanisierungspolitik. Diese  erfüllte vor allem die 30.000 Bände umfass-ende Sammlung der Provinz-Wanderbibliothek, eine separate Abteilung in der Bibliothek. Diese Abteilung bestand vornehmlich aus schöngeistiger und populärwissenschaftlicher Literatur.

Am Ende des Jahres 1918 übernahm Antoni Bederski die Aufsicht über diese Bibliothek im Auftrag des Vollzugsausschusses des Arbeiter-und Soldatenrates. Im Auftrag des Organisations-ausschusses wurde sie am 18. April 1919 umbenannt und gehörte als Universitätsbibliothek seit dem 30. Juni 1919 offiziell der Universität an.

Zur Zeit der Neuorganisation der Bibliothek 1918 belief sich der Bibliotheksbestand auf 250 000 Bände, vor allem deutsche Bücher. Es wurden  Anstrengungen unternommen, der polnischen Literatur ein grössseres Gewicht zu verschaffen.

Für die Gestaltung der Büchersammlung war es zudem wichtig, der Bibliothek das Pflicht-exemplarrecht  zuzubilligen; 1919 zunächst ein regionales, 1927 dann das gesamtpolnische. 1939 zählte die Bibliothek bereits über eine halbe Million Bände, etwa 60 % dieses Bestandes waren deutsche Drucke.

Am 13. September 1939 gelangte die Bibliothek wiederum in deutsche Hand. In dieser Zeit wurden  die Bestände selektiert, die wertvollsten Objekte auf verschiedene deutsche Bibliotheken verteilt. Der größte Teil der Sammlung wurde jedoch ausge-lagert.

Seit dem 21. April 1941 fungierte die Bibliothek wieder als Staats- und Universitätsbibliothek.

Im Vergleich zu anderen Bibliotheken  der Stadt Posen ging die Universitätsbibliothek aus der Zeit des 2. Weltkrieges weitgehend unversehrt hervor. Gebäude und Einrichtung waren zu 20 % zerstört. Nach ersten Ordnungsarbeiten konnte die Bibliothek im Oktober 1946 wieder geöffnet werden.

 

Lit. :

  • Focke, R.: Die Aufgaben und Ziele der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek zu Posen. In: Historische Monatsblätter für die Provinz Posen. 3(1902) S.180-191
  • Die Begründung der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in Posen in den Jahren 1898 bis 1902. Posen 1904
  • Focke, Rudolf: Die Kaiser-Wilhelm-Bibliothek und das Bibliothekswesen der Provinz Posen. Posen 1911

 

 

 

Kalau ( Kalawa)

Die erste urkundliche Erwähnung von K. stammt aus dem 13. Jahrhundert, er wird darin als Grundbesitz des Grafen Bronisz aus Paradies erwähnt.

Ab 1234 befand sich der Ort im Besitz der Zisterzienser, die etwa 3,5 km südlich von Kalau ein Kloster unterhielten.

Die Bauern von Kalau waren bis zur Auflösung des Klosters 1820 dienst – und abgabenpflichtig.

Der Begriff „Kalauer“ stammt aus dem „Kladderatsch“. Dort hatte sich ein Redakteur für seine ständig wiederkehrende Witzspalte die Überschrift „Das Neueste aus Kalau“ einfallen lassen.

1925 hatte der Ort 723 Einwohner.

 

 

Kalischaner Seengruppe

Die Kalischaner Seengruppe besteht aus dem Kalischaner See mit zwei in Nord – Süd – Richtung verlaufenden Seenketten sowie dem Margoniner See mit einem Areal von 240 ha.

Der Kalischaner See zählt mit 321 ha und einer Tiefe von 27 m zu den größten Posener Seen .Der See  hat einen Abfluss im Westen zur Timnitza und einen zweiten im Osten zur Rudka.

Die beiden Seenketten umfassen den Stralkowoer (25 ha), Murwinek (9 ha), und Zbyszewicer See (38 ha) sowie den Oporzyner (21 ha), Zoner (40 ha) und Tonischewoer See (48 ha)

 

 

Kähme ( poln. : Kamionna )

Diese 6 Kilometer südöstlich von Birnbaum gelegene Siedlung wurde erstmals 1261 urkundlich als „districtus Camone“  erwähnt. Wann der Ort Stadt-rechte erhielt ist nicht mehr zu ermitteln. Jedoch steht K. bereits 1458 auf der Liste der besteuerten grosspolnischen Städte. Kurz hierauf muss der Ort wieder zu einem Dorf herabgesunken zu sein, da K. in einer Gründungsurkunde von 1638 erneut der Status einer Stadt verliehen wird.

Ein Brand zerstörte die mittelbare Stadt im Besitz adliger polnischer Familien im Jahre 1700 fast vollständig. 1816 hatte K. nicht mehr als 420 Einwohner und die preußische Regierung stufte 1874 K. wieder zu einem Dorf zurück.

 

 

Kämmereidörfer

Da die Städte im Posener Raum nicht über ausreichende (Steuer -) Einnahmen verfügten, erwarben sie Besitzungen, um diese selbst zu bewirtschaften und Gewinne abzuschöpfen bzw. Pacht zu erheben.► Bamberger

 

Kantverein zur Förderung der akademischen Berufsausbildung

Der 1924 in Bromberg gegründete Verein betreute den deutschen Nachwuchs in Polen- mit Ausnahme der Woiwoschaft Schlesien.

Zwischen 1834 und 1939 lenkte der „Kantverein“ Jugendliche mehr in kaufmännische und handwerkliche Berufe, da die akademischen Berufe für Deutsche in Polen nur wenig Aussischten boten.

 

 

Kempen  (poln.: Kępno )

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Ortes stammt aus dem  Jahre 1282. Mit dieser Urkunde bestätigte Herzog Przemyslaw II (1257-1296) dem Paladin Przibislaw eine Schenkung, in der auch Kempen Erwähnung fand. Im 13. und 14. Jahrhundert hieß Kempen noch Langinfurt, was darauf schließen lässt, dass eine Durchquerung des Sumpfgeländes die Gründung einer Ortschaft an dieser Stelle begünstigt hat. 1616 erhielt K. ihr Stadtwappen verliehen. K. hatte im 17. Jahrhundert unter Kriegen zu leiden. Nach dem sog.“Kleinen Nordischen Krieg“ bestätigte König Jan Kazimierz Wasa (1609-1672) 1660 der Stadt das Magdeburger Stadtrecht, da die Stadt von schlesischen Glaubens-flüchtlingen wieder neu begründet wurde, da sie im Laufe der vorausgegangenen Jahrhunderte völlig zerstört war. Mit der Teilung Polens und der unmittelbaren Nähe der Stadt zum russischen Teilungsgebiet wurde Kempen für den Handel attraktiv und prosperierte sehr schnell. So regelte z.B. ein Grenzamt der Deutschen Arbeitszentrale den Durchreiseverkehr russischer Saisonarbeiter.

Fast die gesamte Stadt fiel 1854 einem Brand zum Opfer.

In Kempen genossen Juden einen besonderen Schutz und Vergünstigungen, so dass im Jahre 1840 54 % der Bevölkerung Juden waren und somit der Ort eine der größten jüdischen Gemeinden seiner Zeit aufwies.

Trotz größerer Protestversammlungen wurde K. durch den Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 der Republik Polen zugesprochen und am 10. Januar 1920 übergeben.

Am o1. September 1939 besetzten deutsche Truppen den Ort.

Die Rote Armee eroberte die Stadt am 21. Januar 1945, nachdem die deutsche Bevölkerung Kempens am 17. Januar 1945 evakuiert worden war.

 

Lit.:

* Grot, Z. / Mika, M.: Kępno. Studia historii budownictwa miast polskich. Warszawa 1958

* J. Kastan : Kempen wie es war. Berlin 1924

  1. Kurzawa/ S. Nawrocki : Dzieje Kępna. Warszawa/Poznan 1978

* P.Pietsch : Kempen in südpreussischer Zeit. In : Historische Monatsblätter der Provinz Posen. 1 (1900)

 

 

Ketscher Seengruppe

Die Ketscher Seengruppe in der Nähe der Stadt Posen umfasst den Großen und Kleinen Ketscher, sowie den Seewörther See.

Der Große Ketscher See weist eine Flächen-ausdehnung von 310 ha auf; die Durchschnittstiefe beträgt 11 m. Der Kleine Ketscher See ist 34 ha groß und bis 2,3 m tief und ist der Rest eines ehemals recht großen, aber recht flachen Rinnensees, der infolge seiner Flachheit schnell verlandete.

Der kleinste See dieser Gruppe ist der Seewörther mit 32 ha und einer Tiefe von 10 – 12 m.

 

 

Kiebel (Kęblowo)- Kreis Bomst

  1. gehörte zu den schlesisch-polnischen Grenzburgen, deren Zugehörigkeit zwischen den beiden Ländern bis zum 14. Jahrhundert ständig wechselte. Es muss damals bereits eine deutschrechtliche Stadt im Schutz der Burg bestanden haben, da 1327 ein Vogt von K. urkundlich Erwähnung fand.

1393 kamen Burg und Stadt aus dem Besitz der polnischen Krone in den der adligen Familie Zbąski. 1474 zerstörte Herzog Hans von Sagan (1435-1504) die Stadt.

Seitdem blieb die Stadt mittelbar und im Besitz adliger Geschlechter. Die Stadt, die zweimal (1630 und 1823) durch Brände erheblich zerstört wurde, verlor ihre städtischen Rechte 1883.

 

 

Kirchenpolitik der Nationalsozialisten im Reichsgau Wartheland

Im Reichsgau Wartheland strebte Reichsstatthalter Arthur Greiser (1897-1946) eine den national-sozialistischen Prinzipien entsprechende Regelung der Kirchenfrage an, was zu erheblichen Auseinandersetzungen  führte.

Anstelle des christlichen Glaubens sollte der politische Glaube einer Weltanschauungspartei treten, der alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens durchdringen sollte.

Greiser erklärte das von deutschen Truppen im September 1939 eroberte Gebiet zu einem „rechtsfreien Raum“ und im Frühjahr 1940 äußerte er sich vor höheren Offizieren dahingehend, der Reichsgau solle „im Sinne der Gedanken der künftigen Reichsverfassung gestaltet werden“. Er wollte den Reichsgau zu einem „Mustergau“ umgestalten, in dem systematisch, kompomißlos und kohärent nationalsozialistische Prinzipien Anwendung finden sollten.

Verordnungen des Reichsstatthalters aus dem Herbst 1939 brachten erste erhebliche Einschränkungen für die Kirchen mit sich. Greiser erließ eine Verordnung über die Einführung des Reichssammlungs – Gesetzes vom 28. Februar 1939 für den Warthegau und am 24. Februar 1940 entzog er den Kirchen in den „eingegliederten Ostgebieten“ die Steuervergünstigungen. Am 14. März 1940 erließ er eine Verordnung über die Erhebung von Beiträgen zugunsten religiöser Vereinigungen; danach hatte der Regierungspräsident die Beitragsleistungen zu genehmigen und ihm waren auch der Haushaltsplan und die Jahresrechnungen vorzulegen. Diese Verordnung beseitigte auch jeden Anspruch der Kirchen auf Leistungen des Staates; die Beitragsleistung wurde auf volljährige Mitglieder beschränkt.

Kirchenkollekten und Sammlungen zugunsten der Kirchen verbot Greiser am 06. Februar 1941.

Diese Maßnahmen dienten der juristischen Beschränkung der Kirchen auf den Status eines privatrechtlichen Vereins.

Die organisatorische Verbindung der evangelischen Kirche des Warthelandes mit der des Altreiches wurde als nicht bestehend betrachtet.

Die Veröffentlichung der „Verordnung über die Trennung von Kirche und Staat“ ( sog. „13 Punkte“) vom 14. März 1940 ist weder unter diesem noch zu einem anderen Datum nachweisbar. Die 13 Punkte umfassende Verordnung wurde vielmehr nur mündlich am 10. Juli 1940 von Regierungsrat Dudzus, dem Kirchenreferenten Greisers, den Vertretern des Posener Konsistoriums in einer Unterredung mitgeteilt.

Im Einzelnen sah diese Verordnung vor:

  1. Es gibt keine Kirchen mehr im staatlichen Sinne, nur religiöse Kirchengesellschaften im Sinne von Vereinen.
  2. Die Leitung liegt nicht in Händen von Behörden, sondern es gibt nur Vereinsvorstände.
  3. Aus diesem Grunde gibt es auf diesem Gebiete keine Gesetze, Verfügungen oder Erlasse mehr.
  4. Es bestehen keine Beziehungen mehr zu Gruppen außerhalb des Gaues, auch keine rechtlichen, finanziellen oder dienstlichen Bindungen an die Reichskirche.
  5. Mitglieder können nur Volljährige durch schriftliche Beitrittserklärung Sie werden aber nicht mehr hineingeboren, sondern müssen erst bei Volljährigkeit ihren  Beitritt erklären. Es gibt keine Landes-, Volks –oder Territorialkirchen. Wer vom Altreich neu in den Warthegau zieht, muss sich auch schriftlich erst neu eintragen lassen.
  6. Alle konfessionellen Untergruppen sowie Organisationen (Jugendgruppen) sind aufgehoben und verboten.
  7. Deutsche und Polen dürfen nicht mehr zusammen in einer Kirche sein (Nationalitätenprinzip).
  8. In den Schulen darf kein Konfirmandenunterricht mehr abgehalten werden.
  9. Es dürfen außer dem Vereinsbeitrag keine finanziellen Zuschüsse geleistet werden.
  10. Die Vereine dürfen kein Eigentum wie Gebäude, Häuser, Felder, Friedhöfe haben, außer ihrem Kultraum.
  11. Sie dürfen sich ferner nicht in der Wohlfahrtspflege bestätigen. Dies steht einzig und allein der NSV zu.
  12. Alle Stiftungen und Klöster werden aufgelöst, da diese der deutschen Sittlichkeit und Bevölkerungspolitik nicht entsprechen.
  13. In den Vereinen dürfen sich Geistliche nur aus dem Warthegau betätigen. Dieselben sind nicht hauptamtlich Geistliche, sondern müssen einen Beruf haben.

 

Die daraufhin veranlassten antikirchlichen Maßnahmen des Reichsstatthalters ab dem Sommer 1940 stellten die praktische Umsetzung dieser Verordnung dar.

Am 23. Juni 1941 beschlagnahmte die GESTAPO die Bargeldbestände des Posener Konsistoriums; am 23. Juli auch die Konten des Konsistoriums und des Oberkirchenrates.

Die Verordnung Greisers „Über religiöse Vereinigungen und Religionsgesellschaften im Reichsgau Wartheland“ vom 13. September 1941 anerkannte die christlichen Kirchen im Warthegau nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Im Reichsgau Wartheland bestanden somit die

  • Posener evangelische Kirche deutscher Nationalität im Wartheland
  • Litzmannstädter evangelische Kirche deutscher Nationalität im Wartheland
  • Evangelisch-lutherische Kirche deutscher Nationalität im Warthegau-West
  • Römisch-katholische Kirche deutscher Nationalität im Reichsgau Wartheland

 

als juristische Personen des privaten Rechts.

Sie sollten nach Maßgabe der von dem Reichsstatthalter zu erlassenden Verwaltungs-anordnungen an die Stelle der am 01.September 1939 im Gebiet des Reichsgaues Wartheland bestehenden Rechtspersonen der evangelischen und römisch-katholischen Kirchen treten.

Des Weiteren wurde bestimmt,

  • das die religiösen Vereinigungen ihre Satzungen zur Genehmigung vorzulegen hatten
  • dass sich der Reichsstatthalter ein Einspruchsrecht bei der Bestellung der Vorstandsmitglieder vorbehielt

 

Die Vorlage der angeforderten Satzungen stellten die Kirchen vor eine schwierige Aufgabe. Erst nach längeren und sorgfältigen Beratungen reichte die deutsche katholische Kirche im Wartheland am 25. April 1942 ihre Satzung ein, die Posener evangelische Kirche ihren ersten Entwurf am 30. April 1942.

 

Lit. :

  • Gürtler, P. : Die Auseinandersetzung zwischen dem  Reichs-statthalter und den evangelischen Kirchen im Reichsgau Wartheland 1939-1945. Trennung von Staat und Kirche im nationalsozialistischen Weltanschauungsstaat. Theol. Diss. Göttingen 1955

 

 

Kletzko   (poln. Kłecko )

Im Frühmittelalter bestand an der Stelle der heutigen Stadt eine mit Wällen befestigte Wehrsiedlung, später eine Burg als Sitz eines Starosten

1253 schenkte der Herzog Przemysl diesen Ort seinem Bruder Herzog Boleslaw von Kalisch und Rogasen (1221-1279), der die Gründungsurkunde für die Stadt 1255 ausstellte und ihr magde-burgisches Recht verlieh. Nach der Lokations-urkunde beauftragte der Herzog  Heinrich Strofisus mit der Errichtung der Stadt. Sie erhielt eine eigene Gerichtsbarkeit. Ab 1296 befand sich die neuge-gründete Stadt im Besitz des Glogauer Herzogs Heinrich III (1274-1309). Die ab 1331 befestigte und durch eine Burg geschützte Stadt wurde durch den Deutschen Ritterorden erobert und zerstört, erholte sich jedoch hiervon rasch. 1383 und 1450 zerstörten Brände erneut die Stadt erheblich. Während des „Goldenen Zeitalter“ Polens entwickelte sich Kletzko zu einer wohlhabenden Stadt. Sie verlor aber ihre Rechtsfreiheit in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Ihren wirtschaftlichen Reichtum verlor die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert durch Kriege und durch das konsequent gehandhabte Verbot der Niederlassung jüdischer Kaufleute.

1793 kam die Stadt bei der zweiten Teilung Polens unter preußische Herrschaft.

 

Am 10. September marschierte die Wehrmacht in die Stadt ein.

Die Rote Armee eroberte K. am 21. Januar1945.

 

 

Kletzkoer Seengruppe

Die Kletzkoer Seengruppe erstreckt sich im Osten der Schockener Seengruppe und hängt mit dieser hydrographisch zusammen, da die Entwässerungs-ader aller Kletzkoer Seen, die Kleine Welna, in die Schockener Gruppe übergeht.

Es handelt sich bei dieser Seengruppe um ausschließlich Rinnenseen, die in Ketten in die Hochfläche eingefurcht sind. Die Hauptkette der Kletzkoer Gruppe verläuft vom Welnatal bei Janowitz über Kletzko und setzt sich über eine Talwasser-scheide hinweg in der Rinne des großen Lendnitzasees fort. Parallel zur Kletzkoer Seenrinne verläuft eine zweite Kette kleinerer Seen, die nach ihrem größten See als die Dziallnyer Seenkette bezeichnet wird.

Die Kletzkoer Rinne enthält drei auffallend lange und schmale Rinnenseen: im Norden den Lopiennoer  (96 ha), in der Mitte den Kletzkoer See (174 ha) und im Süden den Paulsdorfer See, der 113 ha groß ist.

Südlich des Paulsdorfer Sees liegen in der Fortsetzung seiner Rinne drei Kleinseen : der Kamioneker, Dziecmiarkier und der Linie – See.

In einer aus Südwesten kommenden Seenrinne liegen der Glembokier (26 ha) und der Slawnoer See (20 ha).

Zur  Dziallyner Seenrinne werden der Judittener See (17 ha), der Owieczkier See (15 ha), der Dembnitzaer See (15 ha) und der Dziallyner See (52 ha) gezählt.

Zur Kletzkoer Seengruppe gehören auch der Rybnoer und der Turostowoer See mit einer Größe von 16 bzw. 35 ha .

 

 

Koblin  (Kobylin)

  1. zählt zu den ältesten Städten Polens, denn ihre erste urkundliche Erwähnung findet sich in Dokumenten aus dem Jahre 1289, als Erzbischof Jakub Świnka die Kirche des Ortes besuchte. Erste Grundherren der Stadt im 13. und 14. Jahrhundert waren die Woiwoden von Kalisch.

Am 21. Dezember 1430 erteilte Wladyslaw Jagiello  (1386-1434)  auf Wunsch des Grundherrn Nicolaus Wierzbienta, Woiwode von Kalisch, dem Ort Magdeburger Stadtrecht.

Als Folge der Gegenreformation kam es um 1630 durch eine Massenflucht aus Schlesien zu einem bedeutenden Zuzug von Protestanten.

Von 1683 bis 1696 befand sich K. im Besitz des adligen Geschlechts Leszczynski, dessen namhafter Vertreter, der polnische König Stanislaw Leszczynski (1677-1764), sich öfters in der Stadt aufhielt. Nach Abdankung Stanislaw Leszczynskis erwarb der enge Vertraute von August III (1736-1763), Josef Herzog von Sulkowski, den Ort.

1793, bei der 2 Teilung Polens, wurde die Stadt Teil Preußens.

 

Lit. :

  • Dworzaczkow, J u.a. : Kobylin. Zarys dziejów. Kobylin 1990

 

 

Kolmar (poln. Chodziez )

Die an der alten Handelsstrasse von Posen nach Pommern am Südrand des Netzetales gelegene Stadt erhielt auf Veranlassung des Erbherrn Trajan von Lekno durch König Wladyslaw III (1434 – 1444) 1434 Stadtrechte verliehen. Bereits 1409 wurde zunächst nur eine Burg am Rattaier See urkundlich erwähnt, aber lange vorher hat hier ein Fischerdorf bestanden, in dem der Templerorden zwischen 1250 und 1300 eine Kirche erbaute.

 

Im 16. Jahrhundert konvertierte der Grundherr Potulicki zum Protestantismus, übergab den für Chodziesen berufenen evangelischen Geistlichen die katholische Pfarrkirche und zwang viele der Bewohner seiner Grundherrschaft zum Glaubens-übertritt.

Als 1656 Lissa während des schwedisch– polnischen Krieges wegen seiner Parteinahme für die protestantischen Schweden von polnischen Truppen zerstört wurde, zogen zahlreiche Lissaer Handwerker –vor allem Tuchmacher– nach Chodziesen.

Die Stadt wurde im 17. und 18. Jahrhundert aufgrund militärischer Auseinandersetzungen mehrmals zerstört. Durch Epidemien wurde die Einwohnerzahl erheblich verringert.

Das polnische Adelsgeschlecht der Grudzinskis, denen das Chodzieser Gebiet von 1649 bis 1830 gehörte, förderte zum wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres Besitzes den Zuzug von Deutschen.

Im Zuge der 1. Teilung Polens wurde Chodziesen 1772 preußisch.  Von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Stadt war die Gründung eines selbständigen Kreises, dessen Verwaltungssitz C 1818 wurde. Kurze Zeit danach (1798)

zerstörte ein Brand die Stadt völlig.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Chodziesen der Grundstein für die keramische Industrie gelegt, die auch heute noch für die Region strukturbestimmend ist.

In Würdigung der Verdienste des Landrates Colmar – Meyenburg erhielten Stadt und Kreis 1878 den Namen Kolmar verliehen.

Am 08. Januar 1919 griffen polnische Verbände die Stadt an und nach erheblichen Kämpfen besetzten sie die Stadt, die sie aber nach einigen Tagen wieder räumten. Gemäß dem Versailler Vertrag  wurde Kolmar am 20. Januar 1920 in den neuen polnischen Staatsverband eingegliedert.

In den 1920er Jahren errichtete man aufgrund der besonderen regionalen Klimaverhältnisse ein Sanatorium für Tuberkuloseerkrankungen.

Am 03. September 1939 besetzten deutsche Truppen  die Stadt.  1943 wurde der Stadt Kolmar erneut Stadtrecht verliehen. Kaum zerstört wurde die Stadt während der Besetzung durch sowjetische Truppen am 25. Januar 1945.

Heute hat die Stadt, die ein touristisches Zentrum Westpolens ist, rund 20.000 Einwohner und ist das größte polnische Produktionszentrum von Porzellan.

Am 27. März 1992 wurde zwischen den Städten Nottuln / Nordrhein – Westfalen und Kolmar eine ►Städtepartnerschaft vereinbart.

 

Lit. :

  • Kabat, Johann: Historia zabudowy Chodziezy. Chodziez 2008
  • Dzieje Chodziezy. Praca zbiorowa pod. Red. S. Chmieleskiego. Chodziez 1998
  • Krüger, Paul : Antlitz und Geschichte des Kreises Kolmar, Kiel 1970
  • Lück, K. : Geschichte des Deutschtums in Chodziez (Kolmar) und Umgebung. Posen 1937

 

 

Kolmarer Seengruppe

Die Kolmarer Seengruppe – eingebettet in die Kolmarer Hügellandschaft –  besteht aus dem Kolmarer Stadtsee, dem Warower und dem Schützensee. Die beiden letztgenannten Seen sind nur kleine und flache Becken. Der Schützensee ist bspw. 18 ha groß und 3 bis 4 m tief. Der Warower See ist 35 ha groß und 4 bis 5 m tief.

Diese drei Seen liegen nicht hintereinander, sondern sie bilden vom Nordende des Schützensees über den Warower – See zum Nordende des Stadtsees hin einen unregelmäßigen, nach Norden hin geöffneten Bogen.

Der Kolmarer Stadtsee (früher Rattaier See) ist mit 126 ha der größte der Kolmarer Seengruppe. Die Gestalt des Stadtsees entspricht dem eines regelmäßigen Parallelogramms mit abgestumpften Enden, dessen Länge ungefähr doppelt so groß ist wie seine Breite.

 

 

Königliche Akademie

In verschiedenen akademischen Zeitschriften Deutschlands sowie in einigen kulturpolitischen  Blättern und selbstverständlich in der Lokalpresse Posens waren Gedanken und Argumente zur Gründung einer Posener Universität erörtert worden.

Diese Forderung hatten unter Berufung auf die sog. Lubrański-Akademie des 16.Jahrhunderts und auf eine von den Jesuiten gegründete Universität im 17. Jahrhundert Teile der polnischen Bevölkerung erhoben. Auch verschiedene Repräsentanten des deutschen Bürgertums in Posen befürworteten die Schaffung einer Universität.

Als Hauptgegner der Gründung  einer Hochschule trat der Ostmarkenverein auf, der von einer Volluniversität eine Stärkung der polnischen Intelligenz befürchtete. Auf den Tagungen seines Gesamtausschussses im September und Dezember 1902 sowie mittels entsprechender juristischer Gutachten protestierten die Repräsentanten des Ostmarkenvereins gegen den Universitätsplan und brachten ihn schließlich zum Scheitern.

Mit der Gründung dieser Akademie im Jahre 1903 wurde die von dem Provinziallandtag geforderte Errichtung einer Universität in Posen nicht erfüllt. Es handelte sich eher um ein selbständiges wissenschaftliches Unterrichtsinstitut mit dem Charakter einer Volkshochschule.

Vorgeschichte und Struktur der schließlich gegründeten Akademie ließen sie als politischen und wissenschaftsorganisatorischen Kompromiss erscheinen. Die Ausbildung von Studenten war nicht vorgesehen; die an der Akademie erworbenen Zeugnisse und Leistungsbescheinigungen wurden im universitären Bereich nicht anerkannt.

Das erste Semester unter dem Rektorat von Prof. Dr. Eugen Kühnemann (1868-1945) wurde im Herbst 1903 eröffnet. Außer Vorlesungen und seminaristischen Übungen hatte die Akademie auch Fortbildungskurse für Oberlehrer , Volksschullehrer und mittlere Beamte durchzuführen und die Dozenten der Akademie waren verpflichtet, die Arbeit der ► Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft durch Vortragsreisen in die Provinz Posen zu unterstützen.

Als Hörer der Kollegs und Übungen, die überwiegend abends stattfanden, schrieben sich insbesondere Angehörige der deutschen Mittel-schicht  Posens ein. Von der polnischen Bevölk-erung wurde die Akademie boykottiert.

Der Schwerpunkt der Lehrtätigkeit lag auf dem Gebiet der philosophischen Fakultät, wo neben den Naturwissenschaften, Geographie, Mathematik auch die Geisteswissenschaften wie Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und neuere Sprachen besonderes Gewicht hatten. Die Gesamt-zahl der Hörer betrug etwa 1000 Personen.  Nach vier Semestern an der Akademie konnte eine Diplomprüfung abgelegt werden, die jedoch keine akademische Anerkennung fand. Die Forderung nach dem Ausbau der Akademie zu einer Universität wurde immer wieder abgelehnt.

Die Königliche Akademie wurde durch den Obersten Polnischen Volksrat 1919 geschlossen.

 

Lit. :

  • Bryl Mariusz: Königliche Akademie w Poznaniu 1903-1918. In: Labuda, Adam S.( Hrsg.): Dzieje historii sztuki w Polsce. Poznań 1966 S. 120-144
  • Neubach, Helmut : Die Königliche Akademie in Posen (1903-1918), eine verhinderte Universität.In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 49 ( 2003 ) S. 71-76
  • Neubach, Helmut : Statteiner Universität nur eine königliche Akademie in Posen (1903-1918). In : Universitäten im östlichen Mitteleuropa. Zwischen Kirche, Staat und Nation- Sozialgeschichte und politische Entwicklungen. Hrsg. von Peter Wörster. München 2007 S.127-144
  • Schutte, Christoph : Die Königliche Akademie in Posen (1903-1919) und andere kulturelle Einrichtungen im Rahmen der Politik zur „Hebung des Deutschtums“. Marburg 2008

 

 

Königliche Städte

Unterstanden direkt dem Monarchen und den Nutznießern der königlichen Gütern- den Starosten.

Die Autonomie der Staädte war beschränkt- die Starosten hatten Einfluß auf den Stadtrat und sie konnten die Finanzen dieser Städte kontrollieren.

In der Praxis kam es oft zu Streitigkeiten mit dem Starosten; dann konnten die K.Städte beim königlichen Assesorengericht Berufung einlegen.

Von den 264 Städten Großpolens waren 30% königlich.

Adlige, die Grundbesitz innerhalb einer königlichen Stadt hatten, sollten deren Obrigkeit akzeptieren und die entsprechenden Steuern entrichten. Einige Eigentümer bemühten sich, vom König Befreiungen für ihre Liegenschaften zu erhalten. Dies führte zur Bildung von sog. „Juridiken“- also Grundbesitz innerhalb einer Stadt, die damit der Jurisdiktion der Stadtbehörde entzogen waren.

 

Königlicher Zuruf

Der preußische König Friedrich Wilhelm III ( 1770-1840  ) hatte in seinem  „Zuruf an die Einwohner des Großherzogtums Posen“ am 15.Mai 1815 den Beschlüssen des Wiener Kongresses  vom 09. Juni 1815 schon Rechnung getragen und der polnischen Bevölkerung zugesichert, sich in eine Monarchie zu integrieren, ohne dass sie dadurch ihre Nationalität verleugnen müssten. Daher sollte die polnische Sprache neben der deutschen gleichberechtigte Amtssprache sein. Den polnischen Untertanen sollten alle öffentlichen Ämter offenstehen und das Großherzogtum solle eine Verfassung wie die übrigen Provinzen Preußens erhalten.

Der preußische König bestellte Fürst Anton Radziwill (1755-1833) zum Statthalter. Radziwill war ein in dieser Provinz geborener Pole und zudem durch Heirat mit dem Haus Hohenzollern verbunden. Die eigentliche Administration des Großherzogtums übernahm die preußische Verwaltung unter Vorsitz eines Oberpräsidenten.

 

Königreich Polen

Am 05.November 1916 wurde eine Proklamation des deutschen und östereichischen Kaisers veröffentlicht, in der sie die Gründung eines König-reiches Polen erklärten.Es blieb ungeklärt, welche Grenzen dieses staaliche Gebilde einmal haben würde. Außerdem solle der „Anschluss“ an Deutschland und Österreich-Ungarn nicht aufge-geben werden.

Deutschalnd und Österreich –Ungarn riefen im Dezember 1917 einen Rat der Regenten als höchste staatliche Instanz für das Königreich Polen ins Leben, der die Oberhoheit über einige Bereiche des öffenlichen Lebens wie Gerichtsbarkeit, Unterrichtswesen oder regionale Verwaltung inne-hatte.

 

 

Konkordia Literarische Gesellschaft m.b.H.

Die Deutsche Stiftung war nur ein Teil des staatlich-institutionellen Apparates, der ab den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zur Unterstützung der deutschen Minderheit aufgebaut  wurde.

Mit dem Beginn der Abwanderung der deutschen Bevölkerung aus den an Polen abgetretenen Gebieten waren viele der deutschen Zeitungsverlage durch den Verlust von Abonnenten , den Verlust von Anzeigenkunden oder den mit den neuen Grenz-ziehungen verbundenen Einschränkungen und Behinderungen des Vertriebsgebietes in wirtschaft-liche Schwierigkeiten geraten.

So kam es im Januar 1920 zur Gründung der „Konkordia Literarische Gesellschaft m.b.H.“ mit Sitz in Berlin. Die Aufgaben dieser Gesellschaft bestanden in der Versorgung deutscher Zeitungen und Zeitschriften mit Material, der dauerhaften wirtschaftlichen Sicherung bedrohter Unternehmen sowie der Beeinflussung im „nationalen Sinne“, d.h. Erhalt und Konservierung einer öffentlichen revisionistischen Meinung im Hinblick auf die neue Ostgrenze des Deutschen Reiches.

Das Stammkapital dieser Gesellschaft betrug 10 Millionen Reichsmark, das je zur Hälfte vom Preußischen und vom Reichsfinanzministerium aufgebracht worden waren. Dennoch war die „Konkordia“ keinem Ministerium unterstellt, ihre Arbeit wurde lediglich vom Reichsrechnungshof kontrolliert.

Die grundsätzliche Beschlussfassung über die Arbeit der „Konkordia“ oblag einem Aufsichtsrat, der sich aus Vertrauenspersonen der Gesellschafter (das waren Preußen und das Deutsche Reich), einem Vertreter des „Vereins Deutscher Zeitungsverleger“ und vier Parlamentariern, die dem Ostauschuß angehörten, zusammensetzte.

Unverzüglich nach Gründung der Konkordia nahm Max Winkler, Geschäftsführer der K., Kontakt zu Zeitungsverlegern in Westpreußen, Posen und Oberschlesien auf, um über die zur Weiterführung der deutschen Zeitungen notwendigen Unter-stützungsmaßnahmen zu verhandeln. Während er kleineren Zeitungen von nur lokaler Bedeutung  Darlehen zukommen ließ, strebte er bei Zeitungen mit einem überregionalen Verbreitungsgebiet den Erwerb von Beteiligungen an. Auf diese Weise kontrollierte die „Konkordia“ bereits Ende des Jahres 1922 nahezu die gesamte deutsche Presse in Polen. So befand sich die in Bromberg erscheinende „Deutsche Rundschau“ zu 60% im Besitz der „Konkordia“, am „Posener Tagblatt“ war sie mit 41 % beteiligt.

 

 

 

Kolonialstädte

Durch die von einem Lokator herbeigeführten Einwanderer neu erbauten Siedlungen, die nach einem bestimmten Schema angelegt wurden. Ein viereckiger Marktplatz befand sich in der Mitte der Ortschaft, von dessen Ecken gradlinig die Hauptstraßen ausgehen. Diese werden rechtwinklig von anderen, zu den Marktseiten parallel verlaufenden Straßen, geschnitten.

 

 

Konstitution vom 03. Mai 1791

Neben der Verfassung der französischen Republik war die am 03. Mai verabschiedete polnische Verfassung die fortschrittlichste ihrer Zeit. Sie hob das „liberum veto“ und die Wählbarkeit der Könige auf und führte eine dem Sejm verantwortliche Regierung ein. In dieser Verfassung wurden die Unabhängigkeit der Städte und die rechtliche Gleichstellung der Bauern garantiert.  Darüber hinaus schränkte sie die Macht des polnischen Adels ein und festigte die Zentralmacht.

Bereits 1792 bzw. 1793 wurde diese Verfassung auf Intervention der russischen Zarin Katharina II (1729-1796), die sich mit dem diese Verfassung ablehnenden polnischen Adel verbündete, wieder beseitigt.

 

Kopnitz (Kopanica)

Auf einer Erhebung in einem von der Obra durchflossenen Sumpf  und an der Handelsstrasse zwischen Frankfurt / Oder und Posen gelegen,  wurde diese Stadt errichtet.

In der „Großpolnischen Chronik“ findet sich der Hinweis, Herzog Boleslaw II der Wilde von Schlesien (um 1217- 1278) habe 1246 die Burg K. erbaut.

Diese Grenzfeste wechselte im 13. und 14. Jahrhundert ihre Zugehörigkeit zu Schlesien, Brandenburg und Großpolen.

Im Schutz der Burg entstanden zwei Dörfer, Klein –und Groß-K., die bereits im 14. Jahrhundert deutsches Recht hatten.

Zu der Stadtgründung kam es im Jahre 1641, wozu der polnische König Wladyslaw IV dem Starosten die Genehmigung erteilte.

Am 23. April 1793 zerstörte ein großflächiges Feuer die Stadt  im Kreis Wollstein, die 1861 1040 Einwohner hatte.

 

 

 

Koschmin  (poln. Koźmin)

Stadt an der Orla, die bereits im 10. Jahrhundert als Siedlung existierte.  Der erste polnische Staat der Piasten beherrschte seine Neueroberungen durch Burgen mit dazu gehörigen Burgbezirken, denen ein königlicher Beamter (Kastellan) vorstand. Der Name der Stadt erschien in den historischen Quellen erstmals im Jahr 1232. Zwischen 1251 und 1283 erhielt der Ort Stadtrecht. Neben dem polnischen Ortsnamen Koźmin wurde 1350 der deutsche Name „Horle“ urkundlich erwähnt. Bis 1312 gehörte der Ort dem Templer-Orden, von 1312 bis 1338 war der Ort königliche Stadt und von 1369 bis 1382 gehörte die Stadt Bartosch von Wiesenburg, die 1382 der polnische König Ludwig I (1342 – 1382) eroberte. Im 15. Jahrhundert zählte K. zu den bekanntesten Städten in Großpolen. Zu jener Zeit gründete man für die nach K. hereinströmenden Tuchmacher außerhalb der Stadt eine neue Stadt, die die Bezeichnung „Neu-Koschmin“, einen eigenen Bürgermeister und Stadtrat erhielt.

Im 16. Jahrhundert gehörte Koschmin dem evangelischen Grafen Gorka, im 18. Jahrhundert der fürstlichen Familie Sapieha ( ? ), deren Reichtum und Stolz Anlass zur Entstehung vieler Sagen war. Der Umgebung von Koschmin hat der Schriftsteller Gustav Freytag in seinem Roman “ Soll und Haben “ ein poetisches Denkmal gesetzt. Im Verlauf der beiden schwedischen Kriege  wurde Koschmin geplündert und niedergebrannt. Außerdem starben viele Einwohner an der Pest.

Bei der zweiten Teilung des polnischen Staates wurde die Stadt 1793 Teil Preußens. Ab 1807 war K. Teil des Herzogtums Warschau, bis es 1815 wieder an Preußen fiel und Kreisstadt des Kreises Koschmin wurde.

1875 erfolgte der Anschluss der Stadt an das Schienennetz von Jarotschin nach Gnesen.

 

Nach der Wiedererrichtung Polens kam die Stadt 1920 zum neugegründeten  Staat.

Im September 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht K.

Die Rote Armee eroberte die Stadt im Januar 1945.

  1. unterhält Städtepartnerschaften mit Bellheim (Rheinland-Pfalz) und der Verwaltungsgemeinde Bad Tennstedt (Thüringen).

 

 

Lit. :

  • Koziol, T. : Die Geschichte der Stadt Koschmin und ihrer ehemaligen Besitzer, Heft 1 – 5, Koschmin 1894
  • Koschel, Gustav : Heimatkunde des Kreises Koschmin, Lissa 1899
  • Pfanz, G. : Das Schloß in Koschmin. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt, Koschmin 1886
  • Lukomski, Stanislaw: Koźmin wielki i nowy i monografia historyczna. Poznań 1914
  • Wawrzyńczak, J. : Kronika miasta Koźmina. Koźmin 1959
  • Pietrowski, Michal : Unser kleines Vaterland: Koźmin in Grosspolen. Hilfsmaterialien für die Realisierung der Regionalbildung. Bad Oeynhausen 2003

 

 

Kosten  ( poln. : Kościan )

Ursprünglich eine kleine Niederlassung auf einer Insel in der Obra, entwickelte sich diese Stadt rasch, da sie an  einer wichtigen Heer – und Handelsstrasse  zwischen Großpolen und Schlesien lag.  Die alte Burg, in deren Schutz sich die Stadt entwickeln sollte, ist wohl schon im 13. Jahrhundert gegründet worden.Im Jahre 1332 belagerte und eroberte König Kazimierz III der Große (1310ß-1370) Kosten und unterstellte das Gemeinwesen der Krone als königliche Immediatstadt. Im 14. Jahrhundert (das genaue Datum ist unbekannt) erhielt K. Stadtrecht.

Die Jahre 1400 bis 1655 wurden generell als die goldenen Jahre der Stadt bezeichnet. Kosten war im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum der Tuchmacherei und erhielt vom polnischen König Kasimir IV  (1447 – 1492) eine Fabrikmarke, damit nicht minderwertigere Ware als Kostener Erzeugnis zum Kauf angeboten werden konnte.

Zu jener Zeit stieg die Sadt zur zweitwichtigsten Großpolens nach Posen auf. Sie war eine wichtige Stationdes Handels zwischen Posen und Glogau. Die Stadt hatte im 15. Jahrhundert 15.000 Einwohner.

Schon früh verbreitete sich in der Stadt die Reformation, zumal der damalige Starost von Kosten selber Lutheraner war.

Das Bernhardinerkloster in K. wurde zwischen 1603 und 1611 errichtet. Seine Gebäude nutzte man ab 1827 als Nervenheilanstalt. Ab 1940 übernahm das „SS-Sonderkommando Lange“ die Gebäude und führte hier die Euthanasie durch-  so sollten die polnischen psychiatrischen Anstalten „gesäubert“ werden, um so Platz für Verwundete des Krieges zu schaffen. So verloren insgesamt 3334 Menschen ihr Leben.

Die religiöse Intoleranz und die damit verbundene Verfolgung der Protestanten Anfang des 17. Jahrhunderts führte zu erheblichen  Abwanderungen und zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Die Urkunden zur älteren Geschichte der Stadt verbrannten 1655 während des Kleinen Nordischen Krieges, als die Stadt von den Schweden erorbert wurde.Der Wiederaufbau der Stadt nach diesem Krieg ging nur schleppend voran.

1794  kam die Stadt dann unter preußische Herrschaft.

 

Lit. :

Dzieje Koscian. Koscian 2000

Kościan : zarys dziejów / praca zbiorowa pod. Red. Zbigniewa Wielgosza. Warszawa u. a. 1985

Prenzler, Wilhelm : Kosten-eine kleine Stadt im Posener Land. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe  (28) 1982  S.115-121

 

 

Kostener Kanal

 

 

Kostschin ( Kostrzyn )

Urkundlich belegt ist die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1251 durch Großherzog Przemysł I (1220-1257)

Im Ringen um die Herrschaft über Großpolen zwischen den Herzögen Władysław Łokietek (ca.1260-1333), Heinrich von Glogau und dem böhmischen König Wenzel (1294-1335)  am Ende des 13. Jahrhunderts versuchte Łokietek u.a. dadurch politische Unterstützung zu gewinnen, indem er dem Klarissinenkloster Gnesen  die ehe-mals landesherrliche Stadt K übereignete. Er befreite die Stadt von allen Lasten des polnischen Rechts.

 

 

 

 

Kraina (Krajna)

Bezeichnung für eine Region mit einer Fläche von 4000 km², die ein regelmäßiges Dreieck bildet , das im Westen durch die Küddow (poln.: Gwda), im Osten durch die Weichsel, im Süden durch die Netze und im Norden durch die Dobrinka (Debrzynka) begrenzt wird. Um das Jahr 1000 war die Kraina eine Wald – und Brachwildnis, die in der Folgezeit nur spärlich besiedelt wurde und sich bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts im Besitz pommerscher Herzöge befand.

Polen beanspruchte dieses Gebiet ebenfalls für sich und eroberte es, konnte es aber auf Dauer nicht halten.

Der Deutsche Ritterorden beanspruchte ab dem Jahre 1308 die Kraina ebenfalls, bis der Frieden von Kalisch (1343 ) den Streit zugunsten Polens regelte. Kurz darauf wechselte die Kraina in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg.

 

 

Kreuz  (Krzyz  Wielkopolski)

Nördlich der Einmündungen von Drage (Drawa) und Hammerfließ in die Netze (Noteć) liegt Kreuz im Nordwesten der Woiwodschaft Großpolen. Die Stadt ist zwar ein wichtiger Bahnknoten, liegt aber abseits des überregionalen Straßennetzes. Über eine zwei Kilometer lange Stichstraße gelangt man auf die  Woiwodschaftsstrasse von Drezdenko (Driesen) nach Wieleń (Filehne). Die nächstgrößere Stadt ist Gorzów (Landsberg a.d. Warthe), das 60 Kilometer entfernt liegt.

Der Ortsname Kreuz/Ostbahn besteht offiziell erst seit der Stadterhebung im Jahre 1936. Zunächst gründete 1701 der Grundherr von Filehne Johann Sapieha am Westufer des Kaisersees ein so genanntes Holländerdorf, das den Namen Sapiehadorf erhielt. 1750 entstand am gegen-überliegenden Ufer eine weitere Siedlung. In den Kirchenbüchern des ausgehenden 18. Jahrhunderts werden die Siedlungen mit Drageseite und Busch-seite bezeichnet. Später wurden die Ortsnamen Drage-Lukatz (Łokacz Wielkie) und Busch-Lukatz (Łokacz Maly) geläufig.

Von 1847 bis 1848 wurde durch die Örtlichkeit hindurch die Strecke der Stargard-Posener Eisenbahn-Gesellschaft. 1848 wurde an der geplanten Abzweigung der Strecke Küstrin-Posen mit dem Bau eines Bahnhofes begonnen, der ein im klazzisistischen Stil errichtetes Empfangsgebäude erhielt. Obwohl der Bau der Preußischen Ostbahn erst Ende 1849 endgültig vom preußischen Landtag genehmigt wurde, war der Bahnhof Kreuz mit der Südwest-Nordost-Ausrichtung seiner Gleise darauf angelegt, dass eine Strecke von Berlin an die untere Weichsel und nach Ostpreußen einmal die Hauptstrecke werden sollte. Der Bau der Ostbahn wurde 1849 von dem besagten Bahnhof aus begonnen und am 27. Juli 1851 über Schneidemühl bis nach Bromberg fertig gestellt. Weitere Teilabschnitte der zuletzt 740 Kilometer umfassenden Strecke folgten bis zur Eröffnung des letzten Teilstücks vom ersten Berliner Ostbahnhof nach Gusow am 1. Oktober 1867. Von dem Zeitpunkt an kreuzten sich hier daher zwei wichtige Eisenbahnstrecken und führten später zu der Namensgebung „Kreuz“.

Nachdem in den folgenden Jahren von dieser Stelle aus weitere Bahnlinien nach Deutsch Krone (Wałcz) und Rogasen(Rogoźno) gebaut wurden, hatte der Bahnhof so sehr an Bedeutung gewonnen, dass sich in seinem Umfeld eine neue Siedlung entwickelte. Es entstanden zunächst planlos angelegte Straßenzüge mit Geschäften und öffentlichen Gebäuden. 1882 wurde die evangelische Kirche errichtet, und 1900 wurde der Marktplatz fertig gestellt. Die guten Bahnverbindungen und der nicht weit entfernte Netzehafen veranlassten mehrere Industriebetriebe wie eine Stärkefabrik und Holz verarbeitende Unternehmen, sich am Ort niederzulassen. 1914 wurden die beiden Lukatz-Dörfer eingemeindet. Von 430 im Jahre 1880 hatte sich die Einwohnerzahl 1910 auf 2.400 erhöht.

Bis 1922 hatte Kreuz zum Posener Kreis Czarnikau gehört. Nach dem Großpolnischen Aufstand 1918/19 und dem Verlust großer Teile Westpreußens an Polen durch den Versailer Vertrag kam die Stadt in die neu gebildete Provinz Grenzmark Posen –Westpreußen und befand sich dort unmittelbar an der polnischen Grenze im Kreis Deutsch Krone. 1938 wurde die nicht lebensfähige Provinz Grenzmark aufgelöst und in die eingegliedert. Bis 1945 lag Kreuz nun im Netzekreis.Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten 4.956 Menschen in der Stadt. Bei der Eroberung durch die sowjetischen Truppen wurde Kreuz zu 85 Prozent zerstört.

Mit der schleswig-holsteinischen Stadt Bredstedt besteht ein Patenschaftsvertrag.

Die Stadt –und Landgemeinde Krzyż Wielkopolski umfasst ein Gebiet von 174,5 km² mit 8.934 Einwohnern.

 

 

Kriewen  ( poln. : Krzywiń)

Über den Obraübergang bei K. verlief ein alter Handelsweg von Großpolen Schlesien. Die großpolnischen Herzöge errichteten zu seiner Kontrolle einen Burgwall.

Das Städtchen Kriewen, an der Obra gelegen, gehörte bis zu den Teilungen  Polens dem 6 Kilometer östlich gelegenen Benediktinerkloster Lubin, das gegen Ende des 11. Jahrhunderts gegründet wurde. 1257 verlieh der großpolnische Herzog Przemyśl dem Kloster das Recht, den bestehenden Ort zur Stadt zu erheben. Nachdem die Kämpfe mit den Glogauer Herzögen, bei denen die Stadt schwer geschädigt wurde, vorüber waren, konnte sich K. (im 14. und 15. Jahrhundert wegen seiner  Lage an der verkehrsreichen Handelsstrasse von Posen nach Breslau gelegen, zu einem bedeutenden Ort entwickeln. Im 13. Jahrhundert war K. Sitz eines Kastellans. Die ehemalige evangelische Kirche von Kriewen, deren schmale Osthälfte im 12. Jahrhundert von dem Kloster errichtet wurde, gehört mit zu den ältesten Bauwerken der Region.

 

Lit.:

  • Langner, Alicja/Florczak, Jerzy: Miaso i gmina Krzywiń

 

Kröben  ( Krobia )

Der Ort wird in den Grosspolnischen Annalen aus dem Jahre 1232 als Münzstätte des Posener Bischofs erwähnt. Die älteste urkundliche Nachricht über den Ort stammt aus dem Jahre 1258. Von dem alten Dorf war wahrscheinlich eine Hälfte bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts im Besitz des Bischofs von Posen, die zweite kam um 1300 unter dieselbe Herrschaft. Als mittelbare Stadt blieb K. bis zur preußischen Inbesitznahme im Eigentum der Posener Kirche. Stadtrecht nach 1400.

1807 wurde die Stadt Teil des Herzogtums Warschau, kam aber 1815 wieder zurück an Preußen und wurde Sitz des Kreises Kröben. 1878 wurde K. Teil des Kreises Gostyn.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde K. dem neuge-gründeten Polen zugesprochen.

Die katholische Kirche der Stadt, die dem heiligen Andreas geweiht ist, gehört zu den ältesten der Provinz Posen.

 

 

Krone an der Brahe ( poln.: Koronowo )

Die Stadt, 21 km nördlich von Bromberg gelegen, führte im 19. Jahrhundert den Namen „Polnisch Crone„ zur Unterscheidung von Deutsch Krone in der Nähe von Schneidemühl.

Es war die nördlichste Stadt der Provinz Posen.

Ab 1886 lautete der Name „Crone an der Brahe“, später wurde das C durch das K ersetzt.

Bereits Jahre vor der Gründung der Stadt hatte Graf Nikolaus, Schatzmeister  des Herzogs Kasimir von Kujawien (ca.1211-1267) , seine Erbgüter Byschewo, Salmo und Wiensowo als Schenkung für die Gründung eines Zisterzienserklosters vorgesehen.

1256 gründeten Zisterzienser aus dem schlesischen Kloster Leubus in Byschewo ein Kloster. Der Herzog von Kujawien stattete das Kloster mit weitgehenden Rechten aus und übertrug dem Abt die Gerichtsbarkeit.

Der erste aus Holz und Fachwerk errichtete Klosterbau brannte bereits 1288 vollständig ab.

Das Kloster wechselte daraufhin seinen Sitz in den benachbarten Ort Schmeysche, der sich rasch entwickelte.

Das an Grundbesitz reiche Kloster (1368 zählten u.a. 28 Dörfer zum Eigentum) strebte die Gründung einer Stadt an. Auf Ersuchen des Abtes Johann erteilte König Kasimir der Grosse dem Kloster 1368 einen Freibrief und erlaubte ihm die Gründung einer Stadt nach Magdeburger Stadtrecht, die den Namen Koronowo erhielt.

Die Zisterzienser – die entsprechende Rodungs- und Infrastrukturarbeiten leisteten – warben deutsche Handwerker und Bauern, um die neugegründete Stadt rasch aufzubauen und zu entwickeln.

 

Die militärische Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Orden und Polen verursachte in der 2. Hälfte des Jahres 1409 massive Schäden an Stadt und Kloster.

 

Die wirtschaftlichen Forderungen des Klosters, der Zwang der Kroner Bürger zu unentgeltlicher Arbeitsleistung für das Kloster und die Verarmung infolge des schwedisch-polnischen Krieges lösten Mitte des 18. Jahrhunderts Tumulte gegen das Kloster aus, das deswegen Klage vor Gericht erhob. Die vermittelnde Einschaltung des polnischen Königs führte zu einer akzeptierten Kompromisslösung.

 

1772 – zur Zeit der preußischen Inbesitznahme der Stadt – zählte K. nur noch 756 Einwohner.

1819 wurde das Kloster nach dem Tod der beiden letzten Mönche aufgehoben. Das Abteigebäude des Klosters wurde Behördenhaus, andere Gebäude wurden bspw. als Gefängnis genutzt.

Eine Hochwasserkatastrophe 1888 zog die Stadt in erhebliche Mitleidenschaft.

 

Am 02. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt kampflos. In den folgenden Jahren wurden die in der Stadt wohnenden Polen zwangsweise in das General-Gouvernement umgesiedelt.

Sowjetische Truppen besetzten die Stadt am 26. Januar 1945 kampflos.

 

Lit.:

  • Zarys dziejów miasta. Bydgoszcz 1968
  • Rasmus, Hugo: Die Stadt Krone an der Brahe. Wo die Flößer einst zu Hause waren. In : Westpreußen-Jahrbuch 49 (1999) S.25-40

 

 

Krotoschin ( Krotoszyn )

Die Region um K. war im Mittelalter eine stark bewaldete Grenzregion, die Großpolen von Schlesien trennte.

Anfang des 15. Jahrhunderts erhielt der Grundherr des Gebietes Krotoschin, ein Ritter namens Wiezbieta, vom polnischen König Władysław Jagiello (1386-1434)  das Privileg verliehen, eine Stadt zu gründen. Nach einer misslungenen ersten Stadt-gründung gab Wiezbieta 1415 ein weiteres Lokationsdokument heraus, in der er erneut die Rechten und Pflichten der zu gründenden Stadt nach Magdeburger Recht bestimmte. Die junge Stadt entwickelte sich nach ihrer Gründung nur langsam, obwohl an der von Kalisch nach Glogau und der von Thorn nach Breslau führenden Handelsstasse gelegen,  bis sie 1453 fast völlig niederbrannte. Der Wiederaufbau erfolgte dank der beharrlichen Unterstützung der neuen Besitzer, der Familie Niewieski. So konnte sich die Stadt bis zum Ende des 15. Jahrhundert zu einem regionalen Wirtschaftszentrums Großpolens entwickeln.

1548 siedelte sich eine größere Gruppe „Böhmischer Brüder“ in Krotoschin an, wodurch die Reformation auch hier Fuß fassen konnte.

1574 wechselte die Stadt in den Besitz von Jan Rozdrazewski, Posener Kastellan und Senator des Königreichs Polen, der die Stadt durch die Schenkung von Grundbesitz wirtschaftlich stärkte,  sowie sozial und kulturell förderte.

Während des Dreißigjährigen Krieges war die Stadt eine der Zufluchtsstätten für evangelische Glaubens-flüchtlinge, die insbesondere aus Schlesien nach Polen emigrierten. Die weitere Entwicklung der Stadt unterbrach die Besatzung der Stadt durch schwedische Truppen des Generals Wrzeszczzowic, die im Laufe des polnisch – schwedischen Krieges (1655 – 1660)  Krotoschin am 05. Juni 1656 zunächst plünderten und anschließend vollständig zerstörten. Dies war eine Reaktion auf die ablehnende Haltung des Krotoschiner Grundherrn gegenüber dem protestantischen Glauben. Er protestierte deshalb energisch gegen die kampflose Kapitulation der Woiwoden von Posen und Kalisch (Christoph Opalinski und Karl Grudzinski) nach dem Einmarsch der schwedischen Truppen in Polen und deren Treueschwur für den schwedischen König Karl X (1622-1660). Im März und April des Jahres 1656 sammelten sich in den Krotoschiner Wäldern der oppositionelle großpolnische Adel, der im April 1656 Lissa, den Hauptsitz der reformatorischen Bewegung, eroberte. Obwohl die Stadt nach dieser Brandschatzung rasch wieder aufgebaut werden konnte und gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast wieder 3000 Einwohner zählte (die Hälfte davon Juden), gewann sie ihre Bedeutung als regionales Zentrum nicht wieder zurück.

Im Verlauf des Nordischen Krieges (1700-1721) erhoben schwedische, russische und sächsische Truppen Kontributionen von der Stadt. Zusätzlich forderte eine Pestepidemie weitere erhebliche Opfer. 1774 zerstörte ein Feuer weite Teile der Stadt, so dass die Grundherren die Herrschaft K. zum Kauf anboten.

Mit der 2. Teilung Polens wurde Krotoschin 1793 preußisch und noch im selben Jahr Kreisstadt des in der neuen Provinz Südpreußen gebildeten Kreises Krotoschin. In dieser Stadt wies die Stadt rund 3800 Einwohner auf, von denen sich 1550 zum katholischen, 650 zum lutherischen und 1600 zum jüdischen Glauben bekannten.

Infolge der militärischen Niederlage Preußens bei Jena und Auerstädt (1806) wurde Südpreußen im Frieden von Tilsit dem von Napoleon geschaffenen Herzogtum Warschau eingegliedert.

 

Nach 1815 erhielt die Stadt eine Garnison und wuchs zur viertgrössten Stadt der Provinz Posen an.

Im Jahre 1819 erhielt der Fürst Karl Alexander  von  Thurn und Taxis (1770-1825) die Herrschaft Krotoschin als Entschädigung für den Verlust seines Postrechtes übertragen. 1841 wurde die gesamte Stadt erneut durch ein Feuer zerstört.

Am 12. November 1918 konstituierte sich ein Arbeiter – und Soldatenrat und in Krotoschin erfolgte die Berufung eines Volksrates am 17. November, der einen sog. „Vollzugsausschuß“ wählte. Die ersten Wahlen des Stadtrates im neuerstandenen Polen fanden am 25. März 1919 statt.

Nach der im September 1939 erfolgten Besetzung K. durch deutsche Truppen, wurde fast ein Viertel der städtischen Bevölkerung in das General-gouvernement zwangsweise umgesiedelt.

 

Die 1. Ukrainische Armee eroberte die Stadt am 23. Januar 1945.

Mit 29.000 Einwohnern ist Krotoschin heute die drittgrößte Stadt der Region Kalisch, die eine Städtepartnerschaft mit Deirdorf (Rheinland-Pfalz) pflegt.

 

Lit.

Anders, Pawel : Krotoszyn. Poznan 1994

Drescher, Herbert : Stadt und Herrschaft Krotoschin in der Zeit des Königreichs Polen ( 1415 – 1793, Pforzheim 1978

Kasperska, Helena : Krotoszyn.  Informator historyczny. Krotoszyn 1994

Krotoski, K. : Dzieje miasta Krotoszyna. Miasta Krotoszyn i jego dziedzice za czasów polskich (od 1415 do 1779). Krotoszyn 1930

Marciniak,Ryszard : Krotoszyn, Poznan 1996

 

 

Kruschwitz  ( Kruszwica )

Stadt am Ausfluss der Netze (Noteć) aus dem Goplosee gelegen, zählt zu den ältesten Siedlungen Polens. Die frühmittelalterliche befestigte Siedlung auf der sog. „Burginsel“ entstand wahrscheinlich im 9. Jahrhundert war und  vermutlich die wichtigste Wallburg des polnischen Stammes der Goplanen und Wiege der späteren königlichen Piasten-dynastie. Im Jahre 964 soll Mieszko I (963 –992) in K. das erste Bistum in Polen gegründet und auf dem Ostufer des Sees eine Kathedrale errichtet haben. An Stelle dieser ersten hölzernen Kirche wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts eine romanische Basilika errichtet. Im 12. und 13. Jahrhundert war K. ein bedeutendes Gewerbe – und Handelszentrum.  Die Blütezeit von Kruschwitz endete, als  Bischof Onold 1159 den kujawischen Bischofssitz nach Leslau ( Wloclawek ) verlegte.  Der sagenumwobene Mäuseturm (Mysia Wieła ?? ) ist ein Überrest des von Kasimir dem Großen (1333 – 1370)  in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts erbauten Schlosses.

Um 1303 erhielt der Ort Magdeburger Stadtrecht verliehen.Im Jahre 1132 erorberten Deutsche Ritter den Ort. Im 15. Jahrhundert war neben der Burg nur noch ein unbedeutender  Ort vorhanden. 1501 zerstörte ein Feuer die Stadt.

Während des schwedisch-polnischen Krieges (1655 – 1657) eroberten schwedische Truppen K. und machten die Stadt zu einem Stützpunkt für ihre militärischen Operationen. Polnische militärische Verbände unter Führung von Stefan Czarniecki      (+1655) versuchten vergeblich, Kruschwitz wieder kontrollieren zu können. Erst nach Abzug der Schweden 1657 gelang es ihnen, Kruschwitz zu besetzen.

1772 mit der preußischen Inbesitzunahme war K. die kleinste Stadt mit 79 Einwohnern im Königreich Preußen.Nach seinem Besuch des Ortes im Juni 1836 verfügte der spätere König Friedrich Wilhelm IV, den Mäuseturm und die aus dem 11. Jahrhundert stammende katholische Kirche baulich zu erhalten und instand zu setzen.

1987 zählte die Stadt 8500 Einwohner.

 

Lit. :

  • Callier, Edmund : Kruschwitz, Inowroclaw 1895
  • Manke, Arthur : Der Mäuseturm bei Kruschwitz und der Goplosee. Lissa 1907.

 

 

Kruschwitz,  Arbeitslager

►Internierung von Deutschen

Für die nach Ende des II.Weltkrieges in Polen verbliebenen Deutschen, die nicht evakuiert wurden bzw. flüchten konnten, wurde in Kruschwitz-Lagiewnitz ein Arbeitslager errichtet.

In dieses Arbeitslager, das von 1945 bis 1948 bestand, starben rund 2000 Insassen infolge der unzureichenden hygienischen und versorgungs-technischen Bedingungen.

Am 10.Oktober 1999 wurde auf dem Friedhof der Kollegiatkirche in K. eine Gedenkstätte errichtet, die an die Toten dieses Arbeitslagers erinnert.

 

 

 

 

Kruschwitzer Vertrag

 

Der Deutsche Orden war in seinen Bemühungen gescheitert, in Ungarn und im Heiligen Land eine eigene staatliche Existenz zu etablieren.

Deshalb wollte er die angestrebte autonome Herrschaft über die zu erobernden Gebiete zunächst diplomatisch absichern.

Der piastische Herzog Konrad von Masowien ( 1202-1247) sicherte dem Deutschen Orden in diesem 1230 abgeschlossenen Vertrag die Übertragung des Kulmer Landes zwischen den Flüssen Weichsel, Drewenz und Ossa als Lehen oder Schenkung mit einer Reihe von Hoheitsrechten, die nur dem Landesherren zustanden für seine Missionstätigkeit und für seine militärische Hilfe gegen die Pruzzen zu.

Damit erhielt der Orden weitgehende Souveränität in diesem Gebiet zugestanden.

 

Der Vertrag von Kruschwitz wurde am 16. Juni 1230 in Kruswica /Kruschwitz zwischen Konrad von Masowien (um 1187-1247) und dem Deutschen Orden unter Hermann von Salza (um 1162-1239)  geschlossen. Die Originalurkunde ist verschollen.

Der überlieferte Text inseriert in der ausgestellten „Bulle von Rieti“ Papst Gregors IX (1167-1241) vom 03.August 1234 und in Transsumpten von 1257. Durch den Vertrag von Kruschwitz wurden dem Deutschen Orden durch Herzog Konrad von Masowien das Kulmerland sowie alle künftigen Eroberungen in Preußen mit allen zugehörigen Rechten als Schenkung übertragen. Der Vertrag erfüllte, was sich der Deutsche Orden 1235 (rückdatiert zum 26. März 1226) in der Goldenen Bulle von Rimini von Kaiser Friedrich II (1194-1250) hatte bestätigen lassen. Mit der Papstbulle von 1234 wurden hingegen die zu erobernden heidnischen Länder als Eigentum des heiligen Petrus in ausschließlich päpstlichen Schutz genommen. Der Wortlaut der tradierten Urkunde des Vertrages von Kruschwitz lässt vermuten, dass das Urkundenkonzept von einem Mitglied des Deutschen Ordens stammte.

Kontrovers ist am Vertrag von Kruschwitz weniger das Rechtsgeschäft als vielmehr das Echtheitsproblem (bestritten von Max Perlbach(1948-1921) ; von der polnischen Historio-graphie weitgehend geteilt). Der Historiker August Seraphim (1863-1924)  hat wiederum erhebliche Gründe für die Authentizität des Vertrages namhaft gemacht. Die Echtheitskontroverse hat insofern grundsätzliche Bedeutung, sodaß im Fälschungsfalle die rechtliche Basis des Ordensstaates in Preußen hinfällig  sein könnte.

Außer Frage steht, dass das Ergebnis der Entwicklung in Preußen nicht den ursprünglichen Absichten Konrads I. entsprach. Der Masowier-herzog betrachtete den Einsatz des Ritterordens stets unter dem Gesichtspunkt der Hilfeleistung im „Heidenkampf“, wie er ihn unter dem Aspekt der Keuzzüge gegen die „Ungläubigen“ verstand. Der Deutsche Orden unter der Leitung des Hochmeisters Hermann von Salza betrachtete den Vertrag als Instrument im Konsens der „Goldenenen Bulle von Rimini“ zur Schaffung eines selbstständigen Herr-schaftsgebietes in Preußen.

Gerade der „Schenkungsakt“ im Wortlaut des Vertrages wirft im Nachhinein Fragen auf: In einer Zeit feudaler Zersplitterung, in der jeder Landesfürst danach trachtete, die Ausdehnung der eigenen Ländereien zu maximieren, wäre der freiwillige Verzicht Konrads auf sein preußisches Lehen schlicht feudal untypisch.

Dagegen spricht wiederum das Faktum einer unmittelbaren pruzzischen Bedrohung der masowischen Kernlande, was eine Notsituation seitens Konrads von Masowien belegt und dementsprechend eine Preisgabe seiner Ansprüche unter den gegebenen Umständen rechtfertigt, insbesondere, da er über Kulmerland, dass zu dieser Zeit von den Pruzzen besetzt war, gar nicht mehr gebot.

Zweifelsohne kann der Kruschwitzer Vertrag als wichtige Voraussetzung für die „Schwertmission“ des Deutschen Ordens angesehen werden, da höchstwahrscheinlich ohne sein Zustandekommen keine militärischen Operationen seitens des Ordens eingeleitet worden wären.

Konrad von Maowien hätte jedoch wegen seiner eigenen territorialen Interessen bei eigenen Streitkräften diese Übereinkunft niemals getroffen. Die Vereinbarungen mit Hermann von Salza entsprachen vielmehr dem Bedürfnis nach befriedeten Grenzen, um machtpolitische Interessen bezüglich einer angestrebten Reunifikation Polens weiterverfolgen zu können. Insofern gewann der Herzog von Masowien mit dem Vertrag von Kruschwitz eine größere Handlungsfreiheit für seine innnerpolnischen Ziele.

 

Lit.:

  • Maschke, E.: Polen und die Berufung des Deutschen Ordens nach Preßuen.o.O. 1934
  • Jasinski, Tomasz: Kruschwitz, Rimini und die Grundlagen des preussischen Ordenslandes. Marburg 2008

 

 

Küddow ( poln. Gwda )

147 km langer nördlicher Nebenfluss der► Netze (poln.: Notec). Er entspringt auf der Pommerschen Seeenplatte in der Nähe des Dorfes Porost (Porst) nördlich des Virchowsees (Jezioro Wierzchowo) auf einer Höhe von 149 m über NN, während die Mündung in 48 m Höhe NN liegt. Der Fluss hat daher über 100 m Gefälle, das sind 0,69 m auf je 1 km und weist daher eine gewaltige Wasserkraft auf, die zu industriellen Zwecken genutzt wird- besonders durch das Stauwerk bei Borkendorf (poln.:Borek Mielenski) für die Elektrizitätswerke bei Jastrow. An der Küddow und bei Usch (poln.: Ujście)  in die Netze mündet, liegt die Stadt  ►Schneidemühl(poln.: Piła). Ab 1775 provisorisch und ab 1788 endgültig schiffbar gemacht. Zwischen den beiden Weltkriegen Ausbau des an der Küddow – Mündung gelegenen Netzehafens ► Usch.

23 km ihres Unterlaufes waren schiffbar. Das gesamte Stromgbiet umfasst 4744 qkm.

Bis 1772 bildete dieser Fluss die Grenze zwischen Pommern und Polen

 

Kujawien  ( poln.: Kujawy )

Landschaft des frühgeschichtlichen Polens, zwischen der oberen Netze (Noteć), einem Teil der unteren Weichsel und dem Goplo- See gelegen.  Kujawien gilt als Stammsitz des ersten polnischen Herrschergeschlechts- der Piasten. Den Piasten war es gelungen, die einzelnen Stämme der Polen unter ihrer Herrschaft zu  vereinen. Aber diese Einheit war nur von kurzer Dauer- Boleslaw  (Schiefmund, 1102-1138) teilte das Reich unter seinen Söhnen auf. Damit zerfiel  das Land in einzelne Fürstentümer (sog.Seniorate), wovon Kujawien eines war. Die Mongolen zerstörten 1241 etliche Ortschaften in Kujawien; Litauer fielen in den Jahren 1269,1277 und 1278 in Kujawien ein, töteten viele seiner Bewohner oder versklavten sie.

Die fruchtbaren Böden und der Salzreichtum begünstigten die Besiedlung Kujawiens. 1136 erscheint der Name dieser Landschaft erstmals in Urkunden. Kulturelles und politisches Zentrum des Gebiets sowie Sitz des kujawischen Bischofs war im 11. und 12. Jahrhundert die Stadt ► Kruschwitz. Ab 1223 selbständiges Fürstentum, verlor es an Bedeutung, als der Sitz des Bistums nach Leslau/ Włocławek und die Residenz der Fürsten nach ► Hohensalza / Inowrocław verlegt wurde. Das seit 1267 in zwei Fürstentümer geteilte Kujawien ging im 14. Jahrhundert im vereinigten Königreich Polen auf. Aus Kujawien stammt einer der bekanntesten polnischen Volkstänze, der Kujawiak.

Der westliche Teil Kujawiens fiel durch den Vertrag vom 30. September 1773 an Preußen, der östliche an das Russische Reich.

 

Lit. :

  • Prümers, Rodgero : Die Geschichte Kujawiens mit besonderer Berücksichtigung des alten Kreises Inowrazlaw, Posen 1910

 

 

Kujawische Hochfläche

Die Kujawische Hochfläche umfasst nur einen Teil der Landschaft Kujawiens. Sie wird von der Ostposener Hochfläche durch eine Linie vom Ostrower See über den Pakoscher See und die Netze getrennt. Im Norden verläuft die Grenze an der  Weichsel und im Norden am Thorn-Eberswalder –Urstromtal.

Der Grösse nach gehört die K.H. mit ihrem Areal von 2100 qkm zu den kleinsten Posener Landschaften.

Im Gegensatz zur unmittelbar benachbarten Ostposener Hochfläche ist die K.H. sehr arm an  Seen. Dafür besitzt sie aber den größten aller Seen der ehemaligen Provinz Posen- den Goplosee mit einem Gesamtareal von 36,5 qkm.

 

 

Kulturwart

Das vierteljährlich erscheinende Periodikum, herausgegeben von der ► Landsmannschaft Weichsel-Warthe, diente der Unterstützung der Kulturarbeit dieser Organisation. Die erste Ausgabe dieser Zeitschrift wurde am 31. Oktober 1952 in hektographierter Form herausgegeben. Da der Kulturwart zunächst nur als Arbeitshilfe für die ehrenamtlichen Kulturwarte in Nordrhein – Westfalen konzipiert war, betrug die Auflage der ersten Ausgabe 40 Exemplare. 1958 übernahm der Bundesverband der Landsmannschaft Weichsel – Warthe die Herausgabe dieser Zeitschrift. 1959 wurde die Herausgabe des Kulturwartes zugunsten der von Peter Nasarski (1914-2001) heraus-gegebenen Zeitschrift “ West -Östliche Begegnung “ aufgegeben, aber bald darauf erschien der Kulturwart wieder als eigenständige Publikation. Schriftleiter waren Dr. Fritz Weigelt, Eugen Nippe (1911-  ), Dr. Richard Breyer (1917-1999),Dieter Kraeter und Albert Rentz. Seit 1980 betreute Wilfried Gerke (* 1944 ) diese Zeitschrift redaktionell. Das Erscheinen dieser Zeitschrift wurde mit der Nummer 213 im Jahr 1998 eingestellt.

.

 

 

Kurnik (poln. : Kornik)

Kornik, ca. 20 km südöstlich von Posen gelegen, wurde erstmals im 1372 urkundlich erwähnt. Die Stadt mit heute 7800 Einwohnern erhielt das Stadtrecht wahrscheinlich 1426 verliehen. Sie war  bis zum 16. Jahrhundert Sitz des Adelsgeschlechts der Gorka. Nach mehreren Wechseln ging der Gutsbesitz zuletzt an die adlige Familie Zamoyskis über, die ihren Besitz 1935 dem polnischen Staat schenkten.

Die gotische Burg dieses Städtchens wurde 1845 bis 1860 für Tytus Działyński (1797-1861) nach Entwürfen von K.F. Schinkel (1781-1841) im Stil der englischen Neugotik und nach Motiven der islamischen Architektur umgebaut. Als patriotisches Denkmal der polnischen Nation gedacht, dient die Burg heute als Museum und Bibliothek. (Bibliothek der Akademie der Wissenschaften). Die Bibliothek enthält Drucke aus der Zeit vor 1500 sowie Manuskripte von Adam Mickiewicz (1798-1855),Cyprian Kamil Norwid (*1821 ,†1883 )  und Napoleon Bonaparte (1769-1821). Der Schloßpark zählt zu den größten dendrologischen Parks Polens (Arboretum) mit über 10.000 exotischen Bäumen und Sträuchern.

Städtepartnerschaft mit Königstein im Taunus.

 

Kurniker Seenkette

Diese Seengruppe umfasst insgesamt 9 Seen, u.a. zwar den Raczynski -, Lekno – , Seeburger, Ellernsee, Bniner, Kurniker, Großer und Kleiner Skrzynkier und der Waldauer See.

Die Seen stimmen fast auffällig in ihrer Breite überein; sie beträgt etwa 500 m. Größere Unterschiede zeigen sich in der Länge und Größe der Seen: weitaus am längsten ist der rund 5 km lange Bniner See. er übertrifft auch mit seiner Fläche von 254 ha alle anderen. Ungefähr gleich lang und gleich groß sind der Raczynski, Ellern Kurniker und Große Skrzynkier: sie sind 2 bis 2,5 km lang und zwischen 72 und 87 ha groß.

Ursprünglich haben alle 9 Seen einen einzig zusammenhängenden See gebildet, ihre Trennung in die heutigen Einzelbecken ist erst ein Werk späterer Verlandung.

Der Raczynskisee, bei der Stadt Santomischel gelegen, und die in ihm gelegene Eduardsinsel haben ihren Namen  nach dem Grafen Eduard Raczynski, der auf der Insel Selbstmord verübte. Der See ist 79 ha groß.

Der Waldauer See ist nur 15 ha groß und mit seiner Durchschnittstiefe von 1 Meter ist er der kleinste und flachste See der Kurniker Seenkette.

 

 

Kurziger Seenkette

Zu der Kurziger Seenkette gehören folgende Seen: Kurziger, Langer, Höllengrund -, Tscheischt -, Hinter – und Vordersee.

Die Kurziger Seenkette erstreckt sich im Westen des Meseritzer Beckens. Die Seen dieser Kette sind nicht groß; keiner der genannten umfasst ein Areal von 1 qkm- am größten ist der Langer See mit 98 ha.

 

Kwieciszewo

Ein Dorf K. existierte bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts und befand sich damals im Besitz des Klosters Tremessen. Der Ort kam 1326 durch Tausch in den Besitz des Gnesener Domkapitels und es darf angenommen werden, dass bei dieser Gelegenheit neben dem alten Dorf eine Stadt gleichen Namens nach Neumarkter Recht angelegt wurde. Die Gründungsurkunde der Stadt datiert auf den 26. April 1326.

Während des Krieges mit dem Deutschen Orden wurde die Stadt völlig zerstört, so dass Kasimir der Grosse (1333-1370) 1342 dem Domkapitel noch einmal das Recht erteilte, die Stadt K. wieder zu gründen, die mittelbar und im klerikalen Besitz verblieb.

Durch Kabinettsorder vom 14.Oktober 1874 wurde K. in ein Dorf zurück gestuft.

 

 

Labiauer Vertrag

Die im Juni 1656 zwischen dem schwedischen und brandenburgischen Monarchen abgeschlossene Vereinbarung sah vor, Polen durch einen Angriffs-krieg militärisch zu besiegen. Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688)  sollte dafür in den erblichen und souveränen Besitz  der Woiwodschaften Posen und Kalisch kommen. Damit hätte sich die Hohen-zollernherrschaft bedeutend nach Nordosten erweitert. Die Ende Juli 1656 von den Schweden und Brandenburgern gewonnene Schlacht bei Warschau schien die Eroberungspläne zu realisieren. 1657 erhielt Polen militärische Unter-stützung durch Rußland, Dänemark und Österreich. Der Kurfürst von Brandenburg wechselte daraufhin die Fronten und bekam dafür im Vertrag von Wehlau (16. Sept. 1657) Ostpreußen zugesichert.

 

 

Labischin  ( Labiszyn )

In vorgeschichtlichicher Zeit befand sich hier auf einer geschützten Netzeinsel sehr wahrscheinlich ein von Jägern und Fischern bewohnter Ort. Später entstand hieraus eine befestigte Siedlung, in deren Schutz sich Handwerker und Kaufleute nieder-ließen und so den Anfang eines städtischen Gemeinwesens bildeten. Die historisch belegbaren  Anfänge dieser an der Netze gelegenen Stadt reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück, als Labischin zu einem befestigten Ort gegen die mit ihrem Hauptsitz in Nakel konzentrierten Pomoranen ausgebaut wurde. Urkundlich erwähnt  erstmals 1362 im Codex Diplomaticus, in dem sie als Besitz des Wojewoden von Kujawien aufgeführt ist.1376 wird von dem Bau eines Wasserschlosses berichtet. Von diesem Jahr gehen  die Historiker als Gründungsjahr der Stadt aus. Wann L.Stadtrecht erhielt ist unbekannt,wurde aber bereits um die Mitte des 15. Jahrhundert als Stadt geführt.

Im schwedisch – polnischen Krieg besetzten schwedische Tgruppen 1955 Labischin ,die auf ausdrücklichen Befehl des schwedischen Königs nicht zerstört wurde, da die Stadt von Kriegs-flüchtlingen überfüllt war.

Um die Anzahl der Einwohner seiner Stadt und die kommunale  Wirtschaftskraft zu steigern, über-eignete Graf Felix von Skorzewski, der Besitzer der Stadt,  ansiedlungswilligen Tuchmachern Bauplätze und Baumaterial und  es erfolgte so  1772 die Gründung einer Neustadt auf dem linken Netzeufer.

Am 12. September 1761 brannte die Stadt völlig ab, die mit der 1. polnischen Teilung preußisch wurde.

Bei einem erneuten Stadtbrand 1825 wurde das städtische Archiv zerstört.

Das Töpfer – und Tuchmachergewerbe waren im 18. Jahrhundert wirtschaftsbestimmend für die Stadt, ebenso wie der Geflügelhandel.

 

Lit. :

  • Brosowski, Fritz : Lüderitz – Labischin. Eine Kleinstadt im Posener Lande. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 13 ( 1967 ) S. 78 – 82
  • Kempf, F. : Aus dem Jahre 1794. Ein heimatkundlicher Beitrag aus der Geschichte der Stadt Labischin. In ; Aus dem Posener Lande 4 (1909) S. 1-2

 

 

 

Landeskundliche Forschungsstelle des Reichsgaus Wartheland (Krajowy Instytut Badowczy w Okręgu Rzeszy“ Kraj Warty“)

Noch im Gründungsjahr der Reichsuniversität Posen wurde die LKF , die sich als Verbindungs-stelle zwischen Universität., Wirtschaft und Politik verstand ,ins Leben gerufen.

Deren Leitung übernahm der Prorektor der Reichsuniversität Prof. Walter Geisler (1891-1945)

Die LKF vereinigte Vertreter verschiedener Disziplinen, darunter die Leiter der wissen-schaftlichen Anstalten der Gauselbstverwaltung sowie die Direktoren der Institute und Seminare der Reichsuniversität, die Forschungen zur Landes-kunde des Warthelandes initiieren, betreuen und publizieren sollten.Die Hauptaufgabe der Einrichtung bestand in der umfassenden Förderung des „ Heimatgefühls der deutschen Menschen im Wartheland“ durch Erforschung der Eigenart des Landes und seiner Bewohner. Es sollten die Vorraussetzungen geschaffen werden, um „das neu angesiedelte Deutschtum heimatfest zu machen“.

Um die Grundlagen für weitere Forschungen zu schaffen, standen Materialerhebungs- und Sammelarbeiten am Anfang der Tätigkeit der LKF. Dazu gehörte die Erarbeitung eines Atlasses für das Wartheland, Bibliographien sowie fach-spezifische  Projekte, wie z.B. in der Germanistik die Sammlung von Märchen. Der Fokus des Wissenschaftlichen Interesses war dabei immer auf die  Sicherung von  Spuren „deutscher“ Kultur gerichtet.

Eines der Hauptprojekte der LKF war ein Atlasprojekt für das Wartheland- der Atlas sollte einen erschöpfenden Überblick über Land und Bevölkerung des Warthelandes geben.

 

 

Landesverband deutscher Lehrer und Lehrerinnen

Von dem  alten  Provinziallehrerverein in Posen waren – bedingt durch den Mitgliederschwund während und nach dem 1. Weltkrieg – nur noch rudimentäre institutionelle Reste vorhanden. Die Initiative zur Gründung eines neuen Lehrervereins, der alle deutschen Lehrkräfte im neu konstituierten Polen umfassen sollte, ging von den Aktivisten des Provinziallehrervereins aus. Am 26.und  27. Juli 1920 fanden sich in Bromberg 250 Lehrer/innen aus den ehemaligen preußischen Provinzen Westpreußen und Posen zusammen, um eine berufsständische Organisation zu gründen.

In einer Kampfabstimmung wurde Bromberg als Sitz des Hauptvorstandes des Landesverbandes deutscher Lehrerinnen und Lehrer bestimmt und Rektor Gustav Radtke zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Oberstudien-direktor Dr. Otto Schönbeck.

Die 7 Bezirksvereine Netzegau, Posen, Pommerellen, Oberschlesien, Bielitz – Teschen, Galizien und Lodz), auf die der Landesverband organisatorisch aufbaute, umfasste 1077 Mitglieder. Trotz schwerer Bedenken wegen der schwierigen Finanzierung wurde die Herausgabe eines Verbandsorgans beschlossen. Diese Verbandszeitung,  die “ Deutsche Schulzeitung in Polen“, betreute der Bromberger Volksschullehrer, Willi Damascke (1892-1957) redaktionell .

Im Juni 1923 wurde erstmals das “ Jahrbuch deutscher Lehrer in Polen “ herausgegeben. Am 15. September 1924 gründete man die nach dem Posener Lehrer Gutsche benannte Genossenschaft (LEGUT), an der der „Deutsche Schulverein“ sowie der „Landesverband… „ zu jeweils 50 % beteiligt waren. 1925 erwarb die Legut in Bromberg die „W.Johnes Buchhandlung“, in der seit 1920 die „Deutsche Schulzeitung in Polen“ herausgegeben wurde. Vornehmlich konzentrierte sich die Genossenschaft auf die Herausgabe von Lehr – und Lernbüchern, die den Besonderheiten des privaten deutschen Schulwesens und des deutsch-sprachigen Unterrichts in Polen Rechnung tragen sollte.

Die Gründung dieser Genossenschaft ermöglichte u.a. auch die Herausgabe deutscher Schüler-zeitschriften, so u.a.  “ Jugendland “ und „Kinder-freunde „. So wurden bis 1939 etwa 25 Schul-bücher herausgegeben.

Der Landesverband gründete für seine Mitglieder eine Krankenunterstützungskasse und sorgte für eine umfassende Haftpflicht – und Rechts-schutzversicherung.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Arbeit dieser berufsständischen Organisation war die Lehrerfortbildung.

Auf den Generalversammlungen am 03- März und 14. April 1940 in Bromberg wurde die Auflösung der „LEGUT “ beschlossen und am 24. August 1940 fand die letzte Tagung des „Landesverbandes deutscher Lehrer und Lehrerinnen “ in Posen statt.

 

Lit.  :

  • Rudolf, Philippi : Der Landesverband deutscher Lehrer und Lehrerinnen in Polen (1920- 1940 ). In :Westpreußen- Jahrbuch 21 (1971) 81-89
  • Schönebeck, Rudolf : Dennoch. Erinnerungen für die deutschen Lehrer in Polen 1919/1939. Bromberg 1940

 

 

Landesverband Evangelischer Jungmänner-vereine in Polen

Träger der evangelischen Jugendarbeit war in erster Linie diese Organisation. Die Arbeit der einzelnen Gruppen erfolgte nach zentralen Richtlinien – sie war aber nicht nur einseitig auf Bibelarbeit oder Gemeindearbeit ausgerichtet. Kulturelle Freizeitgestaltung, kirchliche Sing – und Laienspielwochen sowie Posaunistenfeste erfreuten sich großer Beliebtheit. Jugendtage und kirchliche Wochen waren Höhepunkte der evangelischen Jugendarbeit in Polen.

Im Jugendheim Zinsdorf bei Bromberg entwickelte sich unter Leitung von Pastor Heinrich Dinckelmann in den dreißiger Jahren ein Zentrum für die evangelische Jugendarbeit der ehemaligen Provinz.

 

 

Landsmannschaft Weichsel – Warthe (Ziomkostwa Wisła – Warta )

Nach Flucht und Vertreibung fanden sich viele Deutsche aus dem Vorkriegspolen in den westlichen Besatzungszonen zunächst in den drei kirchlichen Hilfskomitees zusammen, da die Alliierten über die Vertriebenen ein Koalitionsverbot verhängt hatten.

Bei den Bemühungen um den landsmann-schaftlichen Zusammenschluss der Deutschen aus Polen nach Aufhebung des Koalitionsverbotes 1949 traten die aus dem besonderen Charakter der Zusammensetzung dieser Menschengruppe resultierenden Schwierigkeiten hervor. Der  Zusammenschluss der Deutschen aus dem ehemals russischen, preußischen und österreich-ischen Teilungsgebiete Polens erfolgte zwischen den Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien, aus dem Posener Raum sowie aus Galizien. Die aus Pommerellen – Westpreußen und aus Ost – Oberschlesien stammenden Vertriebenen schlossen sich anderen Landsmannschaften an.

Am o6. Mai 1949 versammelten sich in Hannover ehemalige Parlamentsabgeordnete und führende Vertreter kirchlicher, kultureller und wirtschaftlicher Organisationen der deutschen Minderheit Polens, um eine zentrale Vertretung der Deutschen aus Polen – nämlich eine Landsmannschaft der Deutschen aus dem Weichsel- und Wartheland-  zu gründen. Nach langen Verhandlungen mit den kirchlichen Hilfskomitees für Mittelpolen und Galizien kam es am 04. Oktober 1949 in Hannover zur Gründung der Landsmannschaft Weichsel – Warthe. Ihr erster Sprecher wurde  Waldemar Kraft (1898-1977), seine Stellvertreter Dr. Johannes Scholz und Otto Heike (1901-1990).

Satzungsgemäße Ziele der Landsmannschaft sind der Erhalt der Verbundenheit der Deutschen aus dem Posener Land, Mittelpolen,Galizien und Wolhynien, die Wahrung des kulturellen Erbes, die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts und des Rechtes auf Heimat sowie die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder.

Pfingsten 1951 wurde in Hannover das erste Bundestreffen durchgeführt.

Die Landsmannschaft hat für die rechtliche Gleichstellung und die soziale und wirtschaftliche Eingliederung der Deutschen aus Polen in den Anfangsjahren eine wichtige Beratungs- und Lobbyfunktion ausgeübt. So war bis 1955 die Frage der Staatsangehörigkeit für die während des 2. Weltkrieges eingebürgerten „Volksdeutsche“ gesetzlich nicht geregelt.

Die mit hohem ehrenamtlichem Engagement geleistete Kulturarbeit hat sich auf die Erfassung dinglichen Kulturguts und die Darstellung der Leistungen der Deutschen in Polen  und deren Erfahrungen im Zusammenleben mit Polen, Ukrainern, Juden und Russen konzentriert.

1990 hat das Land Hessen eine Patenschaft für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe übernommen.

 

Lit.:

  • Von der Konfrontation zur Kooperation. 50 Jahre Landsmannschaft Weichsel-Warthe. Wiesbaden 2000
  • Wurzeln und Wandlungen unseres Kulturerbes. 40 Jahre Landsmannschaft Weichsel-Warthe. Hrsg, von Peter Nasarski. Berlin/Bonn 1991

 

 

Landschaft

Damit bezeichnete man im Mittelalter eine politisch-ständische Organisation. Eine Landschaft war die Gesamtheit der Landstände in einem mittel-alterlichen Staat. Deren Versammlungen wurden „Landtag“ genannt, während die „Landschaft“ die Institution bezeichnete. Ursprünglich war mit der Landschaft die gesamte Bevölkerung eines Gebiets gemeint, gebraucht wurde der Begriff dann aber nur für die politisch handlungsfähigen Bewohner und schließlich deren ständische Vertretung.

Die Landschaften (Landstände) verloren im Zeitalter des Absolutismus ihre politische Bedeutung und wurden zu einer lokalen Selbst-verwaltungsinstitution. In Preußen bestanden die Landschaften als Vertretung des örtlichen Adelsund hatten entsprechend ihrer wirtschaftlichen Basis vor allem landwirtschaftlichen Charakter. In die „Land-schaft“ wurden Vertreter gewählt, die den Titel „Landschaftsrat“ trugen und in ihrer Gesamtheit das „Landschaftskollegium“ (Kabinett) bildeten. Aus ihren Reihen wählten sie den „Landschaftsdirektor“, dessen Wahl der Bestätigung durch den König bedurfte. Der Landschaftsdirektor war ein beamteter Verwaltungschef einer Landschaft, der die Beschlüsse des Landschaftskollegiums vorzu-bereiten hatte. Diese wurden dann der Land-schaftsversammlung vorgelegt. Diese Ver-sammlung bestand aus dem „Landschafts-präsidenten“, den „Landschaftsräten“ und den „Landschaftsabgeordneten“. Sie alle waren ehrenamtlich tätig.

Ein wichtiges Instrument der Landschaft war die „Kreditkasse“, die den Mitgliedern Hilfe gewährte und in die alle einzahlten.

 

 

Landwirtschaftlicher Verein Kujawien

Organisation deutscher Landwirte aus Posener Raum. Bestand von 1826 bis 1945

 

 

Laskowka ( poln.: Laskówka)

 

 

Lednitza – See  ( poln.                 )

Auf einer der Inseln dieses in der Nähe von Gnesen gelegenen Sees befindet sich eines der ältesten Zentren des ersten polnischen Staates, wo Spuren einer Siedlung und Residenz der ersten polnischen Fürsten, Mieszkos I (922/945-992) und Bolesław I (967-1025) des Tapferen entdeckt wurden. Diese herzogliche Burg wurde 1038 durch böhmische Truppen zerstört. Bis heute ist jedoch die Ruine der Kirche aus dem 11. Jahrhundert erhalten geblieben.

 

 

Lekno  ( poln. : Łekno )

Ein Dorf acht Kilometer nordöstlich von Wongrowitz (poln. : Wągrowiec ) am Ufer des Lekno – Sees (poln:Jez. Ɫekneńskie) gelegen. Im frühen Mittelalter war Lekno einer der größten Orte im ► Paluckenland. Der Ort wurde vom 08. bis 13. Jahrhundert durch eine fürstliche Burg geschützt, die an der Strasse von Kalisch an die Ostsee lag. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts existierte bereits ein Marktplatz mit einer Gaststätte – ein sicheres Indiz für einen regen Handelsverkehr, der durch die Stadt führte.  Zunächst Sitz einer örtlichen Herrschaft entwickelte sich Lekno rasch zu einem der regionalen Zentren Polens mit einem Kastellan, der Verwaltungs- – und Gerichts-befugnisse ausübte.

1136 erwähnt eine Urkunde des Papstes Innozenz II (vor 1116-1143) den Ort als “ Lecna. “ in einer Liste von Städten, die an den erzbischöflichen Stuhl in Gnesen Abgaben zu entrichten hatten.

Auf Initiative des Erzbischofs Jakob von Znin (er amtierte von 1136- 1148)  ließ der Palucke Zbilut 1142 / 43 Zisterzienser aus dem rheinisch – bergischen Land  kommen, die am südwestlichen Ufer des Sees ein Kloster gründeten. Die Besetzung des neuen Klosters mit zunächst einem Abt und 12  Mönchen erfolgte aber erst im Jahre 1153.

Auf Veranlassung des Erzbischofs von Gnesen stiftete der Graf von Pangrod zuvor 30.000 preußische Morgen Land, die die wirtschaftliche Existenz des Klosters sicherten. 1331 wurde Lekno bei einem Kriegszug des Deutschen Ordens zerstört. Der trotzdem folgende Aufschwung der Stadt wurde durch einen Brand 1383 abrupt beendet.  1396 wurde das Kloster nach Wongrowitz verlegt. In Folge dieses Ortswechsels, der erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts abgeschlossen war), verlor Lekno an Bedeutung und wurde so zu einem Vorwerk des Klosters Wongrowitz.  Bis zum 18. Jahrhundert verfielen die von den Zisterziensern errichteten Gebäude völlig. 1793 zählte Lekno nur noch 161 Einwohner – sicherlich eine der Folgen des Brandes von 1741, durch den die Stadt vollständig zerstört wurde.

1888 wurde Lekno durch die  Entziehung des Stadtrechtes in eine Landgemeinde umgewandelt.

 

Lit. :

  • Depdolla, Wilhelm: Geschichte des Klosters Lekno- Wongrowitz: ein Beitrag zur Geschichte und Heimatkunde der Ostmark. Lekno 1917

 

 

Lenzig (KZ bei Posen)

 

Lewitz

Kreis Birnbaum.

Stadtrecht bis 1874.

 

 

 

 

Lissa  ( Leszno )

Lissa mit heute rund 55.000 Einwohnern gehört mit zu den interessantesten Ortschaften der Region. Nach Posen war sie sie größte Stadt des ehemaligen Regierungsbezirks Posen. Der nach seinem Gründer Raphael Leszczyński benannte Ort (1470) besitzt seit 1547 Stadtrechte. Ein Dorf Lissa existierte bereits seit dem frühen Mittelalter. 1555 erfolgte die Gründung eines Gymnasiums in Lissa, das damit das Älteste in der späteren Provinz Posen ist. Die älteste urkundliche Erwähnung Lissas erfolgte im Jahre 1393. Im 16. und 17. Jahrhundert fanden hier aus Böhmen und Mähren vertriebene Böhmische Brüder (Hussiten) sowie  Tausende von protestantischen Schlesiern aus dem Erbfürstentum Glogau und aus Guhrau Zuflucht. Berühmtestes Mitglied der protes-tantischen Reformbewegung war der mährische Pädagoge  Jan Amos Comenius (1592-1670), der von 1628 bis 1650 in Lissa lebte.

Um 1625, als die Gegenreformation in Schlesien anwuchs und die Verfolgung der Protestanten zunahm, suchten Glaubensflüchtlinge in Polen Asyl. Der Grundherr von Lissa, Graf Raphael (1579 – 1636) gewährte den Flüchtlingen Asyl, die den Ort zu einem bedeutenden Zentrum der Tuchweberei entwickelten. Bis zum Ende des 30jährigen Krieges verdoppelte sich so die Einwohnerzahl auf 12.000.

Zwischen Kasimir von Polen (                   ) und Carl XX von Schweden (              ) brach  der Schwedisch-Polnische Erbfolgekrieg (1655-160)  aus, wobei Lissa  sich auf  Seiten der  Schweden befand. Am 27. April 1655 griffen polnische Truppen die Stadt an, die sie einen Tag später eroberten.

1656 wurde Lissa fast vollständig  zerstört.

Während des „Nordischen Krieges“ (1700-1721) erhob der Schwedische König Karl XII  (1682-1718)  den Grundherrn Lissas, Stanislaus Leszczynski, 1704 auf den polnischen Thron. Als „königliche Stadt“ hielt sie Treue zum neuen polnischen König. Doch eine russische Armee besetzte am 29. Juni 1707 die Stadt, raubte sie aus und zerstörte sie dann  vollständig.

1656 und 1707 besetzten  und zerstörten polnische bzw. russische Truppen die Stadt. Ab 1660 erfolgte der Wiederaufbau der Stadt und viele der geflohenen Protestanten kehrten nach Lissa zurück.

Von 1793 bis 1920 war Lissa ( mit Unterbrechung 1807 bis 1815 zum Fürstentum Warschau gehörig ) unter preußischer Herrschaft.

Im Jahre 1767 zerstörte eine Brandkatastrophe erneut einen Großteil der Stadt, 1790 wütete ein weiterer Brand in der Stadt.

1887 wurde L. Sitz der Kreisverwaltung.

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der jungen Stadt waren bis in das 18.Jahrhundert hinein vor allem das Weberhandwerk und die Mühlen sowie der Handel mit ihren Produkten nach Schlesien. Mit dem Ausbau weiterer Eisenbahnverbindungen etablierte sich Lissa als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt in Großpolen.

Vor dem 1.Weltkrieg besaß Lissa eine Bevölkerung von 17.156 Menschen, davon eine polnische Minderheit von 2356.

Nachdem Polen wieder unabhängig geworden war und die Stadt besetzte, wanderten viele der deutschen Bürger dieser Stadt aus.

Während des 2. Weltkrieges wurde ein Großteil der polnischen Bevölkerung zwangsumgesiedelt. Am 21. Oktober 1939 wurden 20 Angehörige der städtischen Elite öffentlich exekutiert; 20% der Lehrerschaft Lissas hingerichtet. In der Umgebung Lissas errichtete man ein Zwangsarbeitslager für Polen und Juden. Seit 1975 ist Lissa Woiwodschaftsstadt. Die Stadt, die heute 62.000 Einwohner aufweist, ist eines der Zentren des polnischen Segelflugsportes.

Die Architektur der Kreuzkirche Lissas diente als Vorbild für die Michaelis – Kirche in Hamburg und die Kreuz – Kirche in Dresden.

Partnerstadt :  Weinstadt ( Baden-Württemberg)

 

Lit. :

  • Voigt, Paul: Aus Lissas erster Blütezeit. Lissa 1905
  • Dünnhaupt, Hans : Lissa in Posen. Ein Städtebild, Lissa 1908
  • Historia Leszna. Red. Jerzy Topolski. Leszno 1997
  • Komolka, Mirosław / Sierpowski, Stanisław : Leszno. Zarys dziejów. Poznań 1987
  • Leszczynski, Raphael : Quellen und Forschungen zur Geschichte Lissas, Lissa o.J.
  • Nawrocki, Waclaw: Leszno w dziejach polskich, Leszno 1947
  • Gaj, Jerzy: Historia Leszna. Leszno 1997

 

 

Liquidationsabkommen

Das Deutsch-Polnische Liquidationsabkommen vom 31. Oktober 1929 regelte den Verzicht gegenseitiger finanzieller Ansprüche zwischen Poen und dem Deutschen Reich . Es war eine der wenigen Vereinbarungen der Zwischenkriegszeit zur Normalisierung der Beziehungen beider Staaten.

Das deutsch-polnische Verhältnis war nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Wieder-errichtung des polnischen Staates schwierig und konfliktträchtig. Polen gelang es nicht, von Deutschland eine Garantie seiner Westgrenzen zu erlangen. Konfliktträchtig war auch die Frage der deutschen Minderheit in Polen. Dennoch strebten Außenminisetr Gustav Stresemann(1878-1921) und sein polnischer Amtskollege August Zaleski (1883-1972) eine gewisse Normalisierung der Beziehungen an.. Dazu wurden die 1928 unterbrochenen Verhandlungen zu einem Handelsabkommen wieder aufgenommen. Daneben begannen Verhandlungen über einen „Generalausgleich“ durch ein sog. Liquidationsabkommen. Das Abkommen wurde teilweise parallel zu den Verhandlungen der Sachverständigen zur Neuregelung der deutschen Reparationen (Young-Pln) in Den Haag ausgehandelt.

In dem Abkommen verzichteten beide Seiten auf alle gegenseitigen Forderungen finanzieller Art, die aus dem Ersten Weltkrieg oder dem Versailler Vertrag hervorgegangen waren. Darin eingeschlossen waren sowohl Forderungen der Staaten untereinander wie auch die zu Lasten von Privatleuten. Deutschland verzichtete dabei auf mögliche Forderungen von 2 MilliardenReichsmark.Auf polnischer Seite waren es Ansprüche in Höhe von etwa 800 Millionen Reichsmark. Polen stellte alle laufenden Verfahren zur Liquidation deutscher Güter ein.

Dem Abkommen beigegeben war eine polnische Note, in der Polen mit Blick auf Verträge deutscher Landeigentümer, die diese seit 1886 bis zum Kriegsende mit der Ansiedelungskommission geschlossen hatten, auf das Wiederkaufsrecht im Erbfall verzichtete. Damit war der Besitz von etwa 12.000 Familien rechtlich abgesichert. Der Wert des in Frage stehenden Besitzes betrug immerhin 500 Millionen Reichsmark.

Zur Klärung von Streitfällen wurde ein ständiges deutsch-polnisches Schiedsgericht mit Sitz in Paris eingesetzt. Der neutrale Vorsitzende wurde bei Bedarf vom Bundespräsidenten der Schweiz ernannt.

 

 

 

Lobsens ( poln.: Lobzenica )

Diese Stadt liegt an der Lobsonka, einem rechten Nebenfluss der Netze (poln.: Notec). Eine Burg, die den Übergang am Fluss sicherte, existierte bereits im Mittelalter.

  1. wird 1141, anlässlich des Baues einer Kirche, erstmalig urkundlich erwähnt.

Urkundlich ist auch eine Pfarrei seit dem Jahre 1398 belegt. Im 14. und 15. Jahrhundert siedelte sich in der Ortschaft eine bedeutende Zahl deutscher Kolonisten an. Damit verbunden erfolgte 1438 die Verleihung des Magdeburger Stadtrechts. Im 16. Jahrhundert ließen sich in Lobsens Schotten und Böhmen nieder. Die Handelsverbindungen mit Danzig förderten den Aufschwung und den Ausbau der Stadt.  Eine der Folgen des 1. Nordischen Krieges war die Besetzung der Stadt durch schwedische Truppen im Jahre 1655, die kurze Zeit darauf von polnischen Truppen zurück erobert und dabei geplündert wurde.

1692 enteignete der Grundherr die Stadt  und bildete aus dem vormals städtischen Grundbesitz  das Vorwerk Rattay, wodurch die Stadt verarmte.

Während des 2. Nordischen Krieges (1700 – 1721) drangen wiederum schwedische Truppen in die Stadt. Wiederholte Brände in den Jahren 1712,1731 und 1819, bei denen mehr als die Hälfte der Stadt zerstört werden, schädigten die Stadt in ihrer Wirtschaftskraft nachhaltig. 1772, zur Zeit der preußischen Inbesitznahme, zählte die Stadt  1319 Einwohner.

Mit der Bildung des Herzogtums Warschau wurde L. Kreisstadt des Kreises Kamin. Nach dem Übergang der Stadt zur preußischen Provinz Posen 1815 Verlust des Kreisstatus und Zugehörigkeit zum Kreis Wirsitz.

Ein schwerer Stadtbrand suchte 1819 die Stadt heim.

Am 20. Januar 1920 wurde Lobsens dem neuen Staat  Polen zugeordnet.

Bereits am 01. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt.

 

Lit. :

  • Mietz, Andrzej/ Pakulski, Jan : Łobzenica. Torun 1993
  • Papstein, Herbert : Der Kreis Wirsitz. Ein westpreußisches Heimatbuch. Bad Zwischenahn 1973

 

 

Lobsenser Seengruppe

Diese Seengruppe erstreckt sich westlich der Mrotschener Seenkette und umfasst die Seen, die beiderseits der unteren Lobsonka auftreten. Die untere Lobsonka selbst durchfließt keine Seen. Im Osten der Lobsonka – Seenkette finden wir außer einigen vereinzelt gelegenen Seen zwei Seenketten, die beide in nordsüdlicher Richtung ausgerichtet sind : Die Lubczaseenkette mit dem Stryewo , Dreidorfer, Topolla – und Witzlebener See, und die Fergusoner Kette mit dem Lunken-, Großen und Fergusoner See,, deren Abfluss sich mit dem Lubczafließ kurz vor dessen Mündung in die Lobsonka vereinigt.

Die Lubczarinne beginnt mit dem langen und ziemlich breiten Stryewo – See, der 18 ha groß ist. Unmittelbar an diesen See schließt sich der nur 10 ha große Dreidorfer an, auf denn dann der 32 ha große Topollasee folgt. Erst in einer größeren Entfernung folgt in dem nunmehr stark eingetieften Tale der Lubcza der 25 ha große Witzlebener See.

Die Fergusoner Seenkette zieht dicht neben der Lobsonka nach Süden und umfasst nur kleine Seen. Der Lunkensee ist 14 ha groß,  der Große See ist rund 20 ha, der Fergusoner 26 ha und der Kleine See bei Ferguson etwa 9 ha groß.

An vereinzelt gelegenen Seen östlich der Lobsonka ist hier der 20 ha große Röthsee zu nennen, der durch eine scharf gefurchte Rinne mit dem großen Stryewosee in Querverbindung steht. Westlich dieses Sees befindet sich der Güntergoster See, der 32 ha groß ist.

Westlich der Lobsonka befindet sich eine weitere Seenrinne, die unweit der Lobsonka in dem Röthsee ihren Anfang nimmt und über den kleinen Piesnoersee zu dem Großen See bei Blugow , dem längsten und größten See ganz Nordposens, weiterzieht, um westlich dieses Sees zu enden. Der Röthsee ist 23 ha, der Oiesnoer 9 ha groß  und der Große See  umfasst ein Areal von 300 ha von einer Länge von 8 km.

 

 

Lobsonka  ( Fluss )

Rechter Nebenfluss der ►Netze, der aus mehreren Quellen in der Nähe von Hüttenbusch (      ) entsteht. Als Netze fließt sie zuerst in südliche Richtung und nimmt die Stallune auf, die ebenfalls als Quellfluss der Lobsonka anzusehen ist. Erst bei Eintritt in den Kreis Wirsitz bei Lobsens erhält der Fluß den Namen Lobsonka.  In der Nähe von Nakel mündet die Lobsonka in die Netze.

 

 

 

Lokator

Siedlungsunternehmer aus der Zeit des mittelalterlichen Landesausbaus östlich von Elbe und Saale, der mit dem polnischen Adligen oder kirchlichem Grundherrn einen Ansiedlungsvertrag abschloss, in dem die Rechte und Pflichten der Siedler exakt beschrieben wurden und durch den er mit der Werbung von Siedlern und der Gründung einer Stadt beauftragt wurde. Er leitete die Anlage der Hofstätten, die Urbarmachung der Fluren (besonders die Wasserbaumaßnahmen in Sumpf – und Flußniederungsgebieten), die Verteilung der Flurgrund-stücke, erhob im Namen der Grund-herrschaft die Abgaben und übte niedergerichtliche und administrative Funktionen aus. Für diese Dienstleistung erhielt der Lokator überlicherweise  Grundeigentum, ein Monopolrecht (Schank – oder Mühlenrecht) und das erbliche Bürgermeisteramt.

Die Neugründung der Stadt schloss sich meist an bereits bestehende polnische Ortschaften an. Die Kolonialstadt war aber keine Vergrößerung der bereits bestehenden Stadt, sondern eine eigenständige Ortsgründung.

 

 

Lond  (pol. : Ląd )

25 km westlich von Konin liegt nahe der Warthe einer der bedeutendsten Klosterbauten Groß-polens. Das Kloster wurde um 1145 von Zisterziensern aus Altenburg (in der Nähe von Köln) gegründet.

Neueren Forschungen zufolge soll die Gründung erst 1175 oder 1186 erfolgt sein; die angebliche Gründung 1145 soll auf einer Fälschung der Stiftungsurkunde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beruhen.

Zunächst durften nur Kölner Bürgersöhne in den Konvent eintreten. Erst im 16. Jahrhundert setzte die katholische Kirche die Aufnahme von Polen durch. Erhalten sind vom gotischen Konvent (um 1350) noch Kapitelsaal und Kreuzgang, die unter Einbezug älterer Mauern erbaut wurden. Im Oratorium sind noch Fresken erhalten, die aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen.

1796 wurde der größte Teil des Grundbesitzes des Klosters durch das Königreich Preußen einge-zogen. Das Kloster wurde 1819 aufgehoben.

 

Lit.:

  • Domaskowski, Kościól i klasztor w Lądzie. 1981
  • Jaros, Dariusz: Die Zisterzienserklöster der Altenburger Linie: Lekno, Lond, Obra. In : Knefelkamp,Ulich/ Reddig, Wolfgang: Klöster und Landschaften. Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Frankfurt/O.. 1999 S. 177-185

 

 

Lopienno  (poln. : Lopienno )

Älteste Erwähnung des Ortes 1399.

Die Stadtgründung erfolgte 1591 durch den Grundherrn und königlichen Sekretär Andreas Zakrzewski. Durch Kabinettsordner vom o8. August 1888 wurde die Stadt wieder zu einer Land-gemeinde herabgestuft. 1910 : 1222 Einwohner.

 

Lit. :

  • Stryjakowski, : Wiadomosci o Lopiennie i jego koscielce. Poznan 1887

 

 

Luban ( poln.: Luboń )

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft stammt aus dem Jahr 1316.

1719 wurden 60 Siedler aus dem Erzbistum Bamberg in L. angesiedelt.(- Bamberger)

Der deutsche Unternehmer Moritz Milch erwarb 1907 in dem Ort ein Grundstück, um darauf zwischen 1910 und 1912 eine Fabrik zur Herstellung von Kunstdünger zu errichten. Mit einer Produktion von 120.000 Tonnen Phosphat pro Jahr zählte die Fabrik zu den modernsten und leistungs-starken Produktionsstätten ihrer Zeit.

 

 

Lubin (Kloster )

Eines der ältesten und reichsten Klöster, das um das Jahr 1070 gegründet wurde. Als Gründer gilt Graf Michael Skarbek auf Gora, der den Orden des Heiligen Benedikt aus Frankreich 1048 in das Land rief. Der Graf stiftete ein wohlhabend aus-gestattetes Kloster, das sich durch weitere Schenkungen bald zu einem reichsten der Region entwickelte.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde im Kloster eine Musikschule eingerichtet, die der Franzose Lambert leitete. Nachdem Lambert an den russischen Zarenhof berufen wurde, wurde die Musikschule geschlossen.

Das Kloster wurde 1835 aufgehoben.

 

Lit. :

* Paech, Joseph: Die Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei Lubin von ihrer Gründung bis zu ihrer ersten Zerstörung im Jahre 1383. o.O. 1908

 

 

Lubranski – Akademie (poln. : Akademia Lubranskiego)

Das Collegium Lubranski entstand 1519 in Posen auf Initiative des Bischofs  Jan VII Lubranski (1456-1520). Sie war die erste humanistische Schule in Polen.

Die Akademie bestand bei ihrer Gründung aus der theologischen und der humanistischen Fakultät. In ihrer Blütezeit war die Institution auch eine international angesehene Lehreinrichtung.

Die dynamische Entwicklung der Akademie wurde durch die Konkurrenz einer Jesuitenschule, die 1573 in Posen eröffnet wurde, gestoppt.

Die Akademie besaß nicht das Recht, akademische Grade zu erteilen, so dass die Prüfungen an Universitäten abgelegt werden mussten.

Die Akademie wurde 1773 mit dem Jesuitenkolleg Posen zur Wojewódzka Szkola Wydzialowa zusammengeführt, die 1793 geschlossen wurde. Heute beherbergt das Gebäude der Akademie das Archiv  und Museum der Erzdiözese Posen.

 

Lit:

  • Mazurkiewicz, Karol: Poczatki Akademji Lubrańskiego w Poznaniu (1519-1535). Poznań 1921
  • Skuratowicz, Jan: Akademia Lubrańskiego: pomnik wielkopolskiej kultury i nauki. Poznań 2007

 

 

Dr. Kurt – Lück – Stiftung

Im sog. “ Westvermögens – Abwicklungsgesetz „, das am 01. September 1972 in Kraft trat, wurde u.a. bestimmt, dass neben einem Teil der Erlöse aus der Liquidation des Westvermögens ostdeutscher Kreditinstitute Zweidrittel der auf den Ausgleichsfonds übergegangenen Forderungen durch den Lastenausgleich abgefundener Gläubiger für die kulturellen Zwecke zu verwenden sind, die in § 96 BVFG genannt sind.

Die am 22. Oktober 1972 gegründete Dr. Kurt – Lück – Stiftung e.V. meldete bei dem Bundesministerium der Finanzen ihren Anspruch an, als empfangsberechtigte Einrichtung anerkannt zu werden. Die entsprechenden Durchführungs-verordnungen des “ Abwicklungsgesetzes “ sahen aber vor, dass nur Einrichtungen in der Rechtsform einer Stiftung des Bürgerlichen Rechts bei der Mittelvergabe berücksichtigt werden können. Daraufhin errichtete die Lück – Stiftung eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die ►Stiftung Kulturwerk Wartheland, die in der 1974 erlassenen „Westvermögens – Zuführungs-verordnung“ als „gebietliche Einrichtung“ bestätigt wurde.

Aufgaben der Dr. Kurt – Lück – Stiftung sind u.a.:

* das Kulturgut der deutschen Volksgruppe in den in der Zwischenkriegszeit zur Republik Polen gehörenden Gebieten sowie den Anteil dieser Volksgruppe an der deutschen Kultur zu pflegen und weiterzuentwickeln.

* die deutsch – polnischen kulturellen Beziehungen zu fördern.

 

 

Luterak

In ganz Polen seit dem 16. Jahrhundert ein den Deutschen nachgerufenes Schimpfwort, das auch Eingang in die Literatur gefunden hat.

 

 

Luttomer Seengruppe

Zu dieser Seengruppe gehört vor allem der fast 6 km lange und meist nur 200 – 300m breite Luttomer See. Er ist 174 ha groß. Außer dem Luttomer rechnen wir noch mehrere kleine Seen zu dieser Seengruppe: den Godzieszewoer See, den Goleczewer und Bragantsee.

 

 

 

Lutynia ( Fluss )

 

 

 

Magdeburger Recht

Für die Wirtschafts- – und Sozialgeschichte des europäischen Ostens war das sog. „Magdeburger Recht“ von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Über Jahrhunderte hinweg war das Magdeburger Stadtrecht die Rechtsnorm der Städte in weiten Teilen Europas. Der Einflussbereich des größten bis in die frühe Neuzeit bestehenden mittelalterlichen Rechtsgebietes reichte von Litauen im Nordosten bis Kiew im Osten und Ofen im Süden.

Das Magdeburger Recht beruht auf dem „Sachsenspiegel“ und verbreitete sich überwiegend im Binnenland, während das Lübecker Recht in den Ostseeländern Verbreitung fand. Aus dem Magdeburger Recht leiteten sich verschiedene Varianten ab, wie z.B. das Kulmer Recht.

Sachlich umfasste das M.R. das Straf – und Zivilrecht. Es garantierte bürgerschaftliche Selbstverwaltung mit einem Schultheißen und einem Schöffengericht.Kennzeichnendes Moment des M.Rs. war die Freiheit des Bürgers.

Im Mittelalter erhielt nicht jede Stadt ihr eigenes Stadtrecht. Den neuen Städten wurde von den Gründern meist das Recht einer schon bestehenden Stadt verliehen – die “ Tochterstadt “ konnte dann ihre „Mutterstadt“ um Rechts-belehrung und um Gerichtsurteile bitten. Sie brauchten sich nicht mehr an das Hofgericht ihres Landesherrn wenden.

Verschiedenste Städte im Posener Land wurden nach Magdeburger Recht ( wieder – ) gegründet oder erhielten es verliehen, so z.B. Posen 1253, Kruschwitz 1422.

Die Verleihung des Magdeburger Stadtrechts hatte nicht nur eine Schutzfunktion für die angeworbenen deutschen Siedler, sondern entwickelte sich auch zu einem  Instrument der polnischen Landes – und Grundherren zur Hebung der Landeskultur.

 

Lit.:

  • Ebel, Wilhelm : Deutsches Recht im Osten. Sachsenspiegel, Lübisches und Magdeburgisches Recht. Kitzingen o.J.
  • Thieme, Hans : Die Madeburger und Kulmer Stadtrechte im Deuttschen Osten. Köln 1971

 

 

Margonin  (poln. : Margonin)

Obwohl urkundlich erstmals 1364 erwähnt, weisen die  “ Schanzen “ in der Nähe der Stadt  auf eine sehr frühe Besiedlung der Gemarkung hin. Leider existieren kaum urkundliche Belege über die Geschichte der Stadt. Zunächst war diese Stadt durch Wenden besiedelt, denen um 1200 Polen folgten.

1402 verlieh König Wladislaw Jagiello (1348-1434) Margonin Stadtrecht. Durch die Kriege des Mittelalters, den Dreißigjährigen Krieg und die schwedisch – polnischen Kriege sank die Stadt zu einem bedeutungslosen Dorf herab.

Die Bestätigung der städtischen Privilegien 1696 führte zu einem Zuzug neuer Siedler nach Margonin. Hiervon profitierte die Stadt rasch und entwickelte sich zu einer bedeutenden Tuchmacherstadt.

Schon vor 1760 war Margonin in den Besitz der Familie Skórzewski übergegangen. Sehr wahr-scheinlich hat diese Familie dafür Sorge getragen, das Margonin während der Adelskämpfe von 1768 nicht gelitten hat. Diese Magnatenfamilie hatte häufig den späteren Textdichter der polnischen Nationalhymne Józef Wybicki (1747-1822) zu Gast, der in M. seine Braut kennen lernte und 1793 heiratete.  Zur Zeit der preußischen Inbesitznahme 1772 hatte Margonin mit 1200 Bürgern mehr Einwohner als Bromberg.

1773 wurde die Stadt durch einen Brand nahezu zerstört.  Die Abwanderung der Tuchmacher  aus der Stadt in das russische Teilungsgebiet setzte 1825 ein. Andere Bewohner der Stadt strebten nach den sich entwickelnden Industriezentren Deutschlands- insbesondere nach Berlin

Am 18. Januar 1920 wurde M. wieder polnisch.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 1945 floh die deutsche Bevölkerung Margonins vor den heranrückenden sowjetischen Truppen, die die Stadt am 23. Januar erreichten.

Heute zählt diese Stadt 5780 Einwohner.

 

Lit. :

  • Rzepy, Krzysztof : Dzieje Margonina, Poznań 2002
  • Waldow, Ewald : Margonin. Meine Heimat, Berlin. O.J.

 

 

Marienburger Vertrag

Im Ersten Nordischen Krieg (1655-1660) gegen Polen – Litauen konnte sich König Karl X Gustav von Schweden (1622-1660) nur mühsam militärisch behaupten. In dem am 25. Juni 1656 abge-schlossenen Vertrag von Marienburg trat der schwedische König u.a. die von ihm eroberte großpolnische Woiwodschaft Posen an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg wegen seiner militärischen Unterstützung gegen Polen ab.

Der Vertrag bestätigte die im Vertrag von Königsberg vom 17. Januar 1656 getroffene brandenburgisch-schwedische Allianz, zudem übergab König Karl X. Gustav die durch die schwedischen Truppen ab 1655 besetzte polnische Region  Großpoelen mit den Woiwodschaften von Posen  und Kalisch an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm.

Schweden garantierte Friedrich Wilhelm Beistand gegen jeden Angriff auf seine Besitzungen. Der Brandenburgische Kurfürst stimmte ebenfalls zu, 4.000 Mann Hilfstruppen für den Schwedisch-Polnischen Krieg zu stellen

 

 

Mietschisko (poln. : Miéscisko)  

  1. war schon 1436 königliche Stadt. Begünstigt durch ihre Lage an Haupthandelswegen wurde sie im 15. Jahrhundert durch eine Neustadt erweitert. erhielt von König Kasimir IV (1447-1492) Magdeburger Stadtrecht verliehen. 19o4 erfolgte die Umbenennung der Stadt in Markstädt. Wegen mangelnder Zukunftsaussichten wurde M. 1931 das Stadtrecht entzogen. Doch während der nationalsozialistischen Besatzung erklärte man M noch einmal zur Stadt.

Seit dem 24. Juni 2000 unterhält M. eine Partnerschaft mit der Gemeinde Scharnebeck (Landkreis Lüneburg). Heute weist M. eine Einwohnerzahl von rund 59oo auf.

 

 

Märzrevolution

Im Großherzogtum Posen brach nach der Märzrevolution 1848 ein Aufstand der polnischen Bevölkerung für ihre nationale Befreiung und Loslösung von Preußen aus, der im wesentlichen von Bauern und Handwerkern getragen und unterstützt wurde. Der polnische Adel setzte auf eine Verständigung mit dem preußischen König.

General Karl Wilhelm Freiherr von Willisen(1790-1879) gelang es als Bevollmächtigter der preußischen Regierung das ►Abkommen von Jaroslawiec abzuschließen und die Aufständischen zur Niederlegung ihrer Waffen zu veranlassen. Alle Zusagen dieses Abkommens wurden von preußischer Seite nicht eingehalten.

Der Aufstand wurde fortgesetzt und die Aufständischen errangen bei Miloslaw einen Sieg über die preußischen Truppen, mussten jedoch am 09. Mai 1848 vor der Übermacht der Preußen kapitulieren.

Willisens Nachfolger, General von Pfuel, verfolgte die Aufständischen mit brutalsten Mitteln.

 

Mediatstädte

Städte, welche keine eigene Gerichtsbarkeit hatten, sondern unter Ämtern oder sonst einer Gerichtsbarkeit standen.

 

Meseritz  ( poln. : Międzyrzecz )

Der Name der an dem Zusammenfluss von  Obra und Packlitz gelegenen Stadt bedeutet “ zwischen den Flüssen“.

Die Anfänge der Besiedelung der Stadt Meseritz reichen bis in das 08. Jahrhundert zurück. Hier an der Kreuzung wichtiger Handelsstrassen, die von Schlesien nach Pommern, von Deutschland über Polen bis hin in den Fernen Osten reichten, bestand eine Burg zur Sicherung , in deren Schutz sich eine slawische Siedlung entwickelte.

Die erste urkundliche Nachricht über den Ort Meseritz verdanken wir dem sächsischen Chronisten Thietmar von Merseburg (975-1018), der im 6. Buch seiner Chronik über den Feldzug Kaiser Heinrich II (973-1024) gegen den polnischen König Boleslaw Chobry (966 oder 967 –1027) berichtet. Um das Jahr 1005 hat der deutsche König und spätere Kaiser Heinrich II.(973-1024) während seines Feldzuges  gegen den polnischen Großfürsten   in einer Abtei  Mezirici übernachtet. Damit kann nur das spätere Meseritz gemeint sein, denn 997 gründete der Bischof Adalbert von Prag (956-997) hier eine Abtei. Wahrscheinlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde auf einem Landstreifen  zwischen den Flüssen Packlitz und Obra eine Burg zum Schutz Großpolens gegen militärische Übergriffe errichtet. Im Schutz dieser Burg siedelten sich an ihrer Ostseite eine kleine Anzahl polnischer Handwerker und Ackerknechte an.Die Burg wird erstmals in der Chronik des allus Anonymus 1094 erwähnt, als Boleslaw III Krzywousty sie von den Pommern zurückeroberte. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte im Zuge der Besiedlungspolitik der großpolnischen Herzöge die Stadtgründung Meseritz, die als Marktsiedlung neben der durch Wälle und Sümpfe geschützten Burg entstand. Historiker gehen davon aus, dass bei der Stadtgründung schlesische Piasten beteiligt waren. Urkundlich als „civitas“ bereits 1259 erwähnt, zählt Meseritz somit zu den ältesten Städten Großpolens. 1269 eroberte der brandenburgische Markgraf Otto V Meseritz und brandschatzte die noch junge Stadt. Die Stadt, die sich ab 1296 in brandenburgischem Besitz befand, verpfändete der Markgraf Johann V 1316 Meseritz an einen Ritter von Uchtenhagen. In den Besitz der Herzöge von Glogau gelangte Meseritz 1319, wurde ab 1329 wieder polnisch und blieb es bis zur 3. Teilung Polens.  1385 verpfändete die polnische Königin Hedwig von Anjou (1373-1399) Stadt und Schloss Meseritz an den Posener Bischof.

Als eine der Folgen des Hussittenkrieges (1419 – 1434) mit ihren blutigen Ausschreitungen flohen zahlreiche Deutsche aus Schlesien und Böhmen nach Meseritz. Die Stadt wurde 1474 durch den ungarischen König Matthias Corvinus (1443-1490) erobert und erheblich zerstört.

Mit der Verleihung des Magdeburger Stadtrechtes 1485 durch König Kasimir II (1477 – 1492) fand die Gründungsgeschichte der Stadt ihren Abschluss.

Die Meseritzer Burg wurde 1520 im Krieg zwischen dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Hohenzollern, und König Sigismund von Polen durch brandenburgische Truppen, die den Deutschen Orden unterstützten, zerstört. Im selben Jahr fand  die Reformation erste Anhänger in Meseritz und bereits 1540 waren alle Einwohner der Stadt protestantisch.

Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts blieb die Stadt von Kriegen verschont. Verheerende Stadtbrände in den Jahren 1606, 1666 und 1731 zerstörten Meseritz jedes Mal fast vollständig.

Der Nordische Krieg (1701 – 1709) mit den ständigen Durchzügen sächsischer, schwedischer und russischer Truppen konfrontierte die Stadt und ihre Bewohner mit allen negativen Begleit-erscheinungen eines Krieges; nicht zuletzt mit der Pest, an der über 2000 Einwohner Meseritz starben. Aufgrund der Petersburger Konvention  vom 25. Januar 1793 wurde Meseritz preußisch. Die Stadt war zu jener Zeit eine der bedeutendsten Tuchmacherstädte Polens.  Wie bedeutend gerade diese Stadt im Export von Tuchen nach Russland und China war, beweist die Tatsache, dass in China diese Stoffe unter dem Namen“ Meseritzkoe“ gehandelt wurden. Eine “ Russische Tuch-kompanie“ unterhielt in Meseritz ein Büro, das regelmäßig die Märkte in Nischny Nowgorod mit Stoffen aus dieser Stadt versorgte. 1806 hielt sich Napoleon (1769-1821) in der Stadt auf., auf den in M. ein Attentat geplant war.

1822 verlegte Russland seine Zollgrenze an die Westgrenze seines polnischen Teilungsgebietes (und damit direkt an Preußen angrenzend) und belegte die Einfuhr ausländischer Tuche mit hohen Zöllen. Weiterhin kündigte Russland den am 15. Mai 1815 geschlossenen Zollvertrag, der den Ein – und Ausfuhrzoll auf 10 % festschrieb. Durch diese protektionistische Politik  gingen die Absatzmärkte in Ostpolen, Russland und in China verloren, so dass das bedeutendste Gewerbe der Stadt an Bedeutung verlor und viele der Tuchmacher Meseritz in das russische Teilungsgebiet Polens abwanderten.

Nach dem 1. Weltkrieg verblieb Meseritz beim Deutschen Reich, obwohl es massive polnische militärische und politische Aktivitäten zur Eingliederung der Stadt in den neugegründeten polnischen Staat gab. 1920 kam infolge des Versailler Vertrages  die östliche Hälfte des Kreises Meseritz an Polen, der westliche Teil mit der Stadt Meseritz wurde der Provinz Grenzmark Posen – Westpreußen unterstellt. 1938 wurde dieser Teil des früheren Kreises Meseritz dem Regierungsbezirk Frankfurt / Oder zugeordnet.

1923 wurde die an Meseritz angrenzende Landgemeinde Winitze eingemeindet, so dass die Einwohnerzahl von Meseritz vor dem 2. Weltkrieg fast 10.000 betrug.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee am 31. Jan.1945 wurde die Stadt polnisch.

Sie wurde am 15. März 1945 Sotz eines Powiats und gehörte ab dem 07. Juli 1945 zur Woiwodschaft Posen, von 1945 bis 1975 zur Wojiwodschaft Zielona Gőra und anschließend bis 1999 zur Woiwodschaft Gorzőw.

1996 wies die Stadt als regionales Verwaltungs- -, Wirtschafts- – und Kulturzentrum mehr als 20.000 Einwohner auf.

Partnerschaft mit Bad Freienwalde.

 

Lit. :

  • Sarg, Adolph: Materialien zu einer Geschichte der Stadt Meseritz. Tremesen 1881
  • Warschauer, Adolf ( Hrsg. ) : Zacherts Chronik der Stadt Meseritz, Posen 1883
  • Allihu, H.: Die Evangelischen in Meseritz und ihr Gotteshaus. Halle 1884
  • Becker, Paul : Geschichte der Stadt Meseritz, Meseritz 1930
  • Heimatkreis Meseritz ( Hrsg. ) : Stadt und Kreis Meseritz. Ein Heimatbuch. Teil 1 bis 3, Herne 1972 – 1979
  • Kade, Karl : Gründung und Namen von Stadt und Schloss Meseritz, Meseritz 1893
  • Kurnatowski, Stanislaw: Z przeszlości Międzyrzecza- Poznań 1961
  • Rittershausen, Konrad / Jokisch, Hans : Das Bürgerbuch von Meseritz 1731 – 1851, Marburg 1981
  • Mykietőw/M. Tumczek (hg.): Ziema Miądzyrecka ślam historii. Międzyrzecz 2005
  • Strzyzwski, Wojciech/Tureczek, Marceli: Międzyrzecz- dzieje miasta. Międzyrzecz 2009
  • Kirmiel, Andrzej: Miedzyrzecz i ziema miedzyrzecka. Szkice z przeszlosci. Miedzyrzecz 2015

 

Meseritzer Seengruppe

Zu dieser Gruppe werden die Seen gezählt, die im Meseritzer Becken liegen. Abgesehen von einigen Kleinseen, wie z.B. dem Obst – und Kainschnersee, ist für die Lage der Meseritzer Seen charakteristisch, dass sie sich alle in den Randpartien des Beckens erstrecken und in einem Kreis um die Stadt Meseritz liegen, der einen Radius von 4 bis 5 km hat. Folgende Seen werden zu dieser Gruppe gezählt : Im Norden der Glembuchsee mit einem Areal von 120 ha , im Nordosten der Glamboczeksee bei Kalzig mit 24 ha, im Osten der Solbener und Bobelwitzer See mit 40 bzw. 36 ha, zwischen beiden die kleinen Becken des Hinter – und Mittelsees; im Südosten der Bauchwitzer mit dem Wischener See ( 108 ha ), im Süden der Niptersche See mit 17 ha, daneben der Staakensee; im Westen des Meseritzer Beckens befinden sich die drei Grodenseen, von denen zwei 4,6 ha und der dritte 3,2 ha groß ist.

Das Meseritzer Becken wird im Westen und Südwesten von der Sternberger Hochfläche, im Süden von der Bauchwitzer Hochfläche, im Osten und Norden von dem Endmoränengelände um Politzig und Kalzig begrenzt.

 

 

Mieltschin  ( poln. : Mielzyn )

Die älteste dokumentarische Erwähnung des Ortes erfolgte 1373. Wann M. zur Stadt erhoben wurde, ist nicht mehr feststellbar; jedoch wird sie 1517 als Stadt bezeichnet.

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts gründete der Besitzer des Ortes, Stanislaus Otto Trąmpczynski auf dem linken Ufer der Struga die Stadt neu, während die alte Siedlung auf dem rechten Ufer des Flusses den Namen Mielzynek erhielt.

Am o1.Oktober 1907 erfolgte die Umwandlung der Stadtgemeinde M. in eine Landgemeinde.

 

 

Mieschkow ( poln.: Mieszków )

In einer Urkunde aus dem Jahre 1290 bestätigte der Bischof Johann von Posen die Einweihung einer Kirche in M. Der Ort blieb aber über viele Jahrhunderte Dorf und erhielt erst 1777 Stadtrechte.

Aufgrund einer Kabinettsorder vom 29. Juli 1871 nahm M. am 26. November 1873 eine Landgemeinde- Verfassung an.

 

 

Miloslaw ( Miloslaw )

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Ortes stammt aus dem Jahr 1382. Wahrscheinlich war er zu dieser Zeit schon Stadt.

1487 tauschte Adalbert Gorski Jarotschin gegen Miloslaw. Gleichzeitig erteilte ihm der polnische König das Privileg, in M. Zoll zu erheben.

Während der Reformation ein starkes Zentum des Protestantismus.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte M. nur noch 959 Einwohner.

 

Lit. :

  • Kucharski, B. : Miłosław, Poznań 1997

 

 

Minderheit

Der Begriff M. ist als Bezeichnung für eine bodenständige, fremde Volksgruppe innerhalb eines Staates mit der Ausbildung des modernen Nationalstaates im Gegensatz zur „ Mehrheit“ ( dem Staatsvolk ) entstanden.

Eine nationale Minderheit lässt sich nach folgenden Merkmalen definieren:

  • eine relativ bedeutende Bevölkerungsgruppe mit dem Willen zur Bewahrung und zur Entfaltung eigener Kultur und Sprache
  • deren Mitglieder besitzen das Bürgerrecht des Staates, den sie bewohnen ( daher also keinen Ausländerstatus )
  • sie will ihre Eigenständigkeit bewahren, ist sich ihrer Besonderheit bewusst und versteht sich als Gemeinschaft

 

 

Minderheiten- und Nationalitätenpolitik der II. Republik Polen

Minderheitenschutzvertrag  ( 28. Juni 1919 )

Art.93 des Versailler Vertrages legte für Polen fest, in einem gesonderten Vertrag mit den alliierten und assoziierten Mächten Regelungen zu akzeptieren, die sie für notwendig erachteten, um die Minderheiten in Polen zu schützen. („ Polen ist damit einverstanden, dass die alliierten und assoziierten Hauptmächte in einem mit ihm abzuschließenden Vertrag die Bestimmungen aufnehmen, die sie zum Schutz der Interessen der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten für notwendig halten“)

Dieser Minderheitenschutzvertrag wurde am 28. Juli 1919 mit Polen abgeschlossen.

In einer Note an den polnischen Minister-präsidenten  Ignacy Jan Paderewski (1860-1941)  vom 24.Juni 1919 legte der französische Minister-präsident Georges Clemenceau (1841-1929) als Präsident des Obersten Rates die Grundlagen dar, auf denen das Minderheitenschutzsystem basierte. Neu war die Form, in der die Garantie der Minderheitenschutzverträge organisiert war. Nicht den Groß- bzw. Siegermächten wurde sie übertragen, sondern dem Völkerbundsrat als einem kollektiven Garanten. Zweck dieser Regelung war es, den Schutz der Minderheiten vor den individuellen politischen Interessen einer einzelnen Garantiemacht abhängig zu machen.

Für Polen war das Minderheitenschutzabkommen nicht ein gewöhnlicher internationaler Vertrag, sondern das völkerrechtliche Instrument, die international anerkannte Staatlichkeit Polens nach der Teilung zu begründen. Mit der Übertragung der Verantwortlichkeit für die Minderheitenschutzrechte auf den Völkerbund wurde dieses Thema zu einer Fragestellung von internationalem Rang.

Der Minderheitenschutzvertrag enthält nur ein Minimalprogramm an Minderheitenschutz. Er sicherte den Angehörigen der Minderheiten die gleichen bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte wie den Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung zu. Alle Bestimmungen des Minderheitenschutzvertrages musste der polnische Staat als Grundgesetz  anerkennen, denen kein innerstaatliches Recht, keine Verordnung oder amtliche Handlung widersprechen durfte. Der Vertrag billigte den Minderheiten keinen Kollektivstatus zu – das Minderheitenschutzsystem schuf kein Kollektivrecht der Nationalität, sondern nur einen individuellen Anspruch auf einen national-kulturellen Sonderstatus.

Die Minderheiten hatten kein eigentliches Appellationsrecht. Eine Minderheit konnte unter Berufung auf die Minderheitenschutzverträge eine Petition bei dem Völkerbund einreichen. Diese Petition besaß nur den Wert einer  Information und wurde –ohne Stellungnahme oder Kommentar – vom Generalsekretär des Völkerbundes an die Ratsmitglieder zur Kenntnisnahme weitergeleitet. Erst wenn daraufhin eine Ratsmacht aufgrund ihrer Garantiepflicht die Initiative ergriff, konnte die Petition offiziell vor den Rat gelangen und ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt werden.

Dieses Verfahren förderte die Tendenz der Minderheiten, sich an einen Staat als Anwalt ihrer Interessen anzuschließen.

Alle eingegangenen Petitionen wurden danach zuerst an den beklagten Staat weitergeleitet. Daraufhin hatte er innerhalb von drei  Wochen nach Eingang der Petition Gelegenheit dem Generalsekretär mitzuteilen, ob er Bemerkungen zum Sachverhalt machen wolle. Im negativen Fall war die Petition nach Ablauf dieser Frist den Mitgliedern des Völkerbundsrates zuzuleiten. Andernfalls war dem beklagten Staat ein Zeitraum von zwei Monaten zur Abgabe einer Stellungnahme einzuräumen, die dann  mit der Minderheiten-petition den Ratsmitgliedern zugeleitet wurde.

Die betroffenen Staaten sahen in dem Vertrag eine Beschneidung ihrer Souveränität und eine Form der ausländischen Intervention in innerstaatliche Fragen.

Am 13. September 1934 kündigte Außenminister Jozef Beck in einer Sitzung des Völkerbundes, aus dem Deutschland ausgetreten war, den Minderheitenschutzvertrag.

Polen stellte die Zusammenarbeit mit inter-nationalen Organisatonen ein, sofern sie der Kontrolle über die Behandlung der Minderheiten dienten-  solange kein allgemeines einheitliches Minderheitenschutzgesetz  europaweit eingeführt werde.

 

Ministerium für das ehemalige preußische Teilungsgebiet ( Ministerstwo byłej Dzielncy Pruskiej )

Die Reorganisation des polnischen Staates nach dem 1.Weltkrieg war ein schwieriges Unterfangen. In den ehemals drei Teilungsgebieten Polens hatten sich unterschiedliche gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und politische Strukturen und Standards herausgebildet. Der staatsrechtliche Charakter der Grenzen des zukünftigen polnischen Staates stand anfangs weder gegenüber Deutschland noch der Sowjetunion fest. Daraus ergaben sich  eine Reihe von Problemen  rechtlicher, administrativer, wirtschaftlicher und sozialer Natur, die die neugeschaffenenen polnischen Behörden zu lösen hatten.

Trotz der Errichtung einer einheitlichen Zentralregierung mit Fachressorts in Warschau wurde ein Ministerium mit einem territorialen Aufgabenbereich für die ehemals zum Deutschen Reich gehörenden Gebiete mit Sitz in Posen eingerichtet.

Ende 1918 war mit dem Kommissariat des Obersten Volksrates ein polnisches Machtzentrum in Posen entstanden, das nach dem Aufstand im Dezember 1918 große Teile der Provinz Posen kontrollierte. Neben der komplizierten Regelung des Verhältnisses zu den Organen  des Deutschen Reiches bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrages lag es im Interesse der polnischen Staatsorgane, gewisse Rechts – und Wirtschaftsstrukturen des polnischen Teilungs-gebietes zu erhalten.

Deshalb wurde am 01. August 1919 das „Ministerium für das ehemalige preußische Teilungsgebiet“ geschaffen, das die Macht vom Obersten Volksrat übernahm.

Der Zuständigkeitsbereich des Ministeriums erstreckte sich auf die Wojwodschaft Posen und Pommerellen. Das Ministerium hatte nicht nur ausführende (exekutive) Funktionen, sondern konnte auch spezielle Gesetze zum Ziel der Ablösung von Deutschland erlassen. Zu den wichtigsten Aufgaben zählte die Übernahme der am 20. Januar 1920 von Deutschland abgetretenen Gebiete sowie der umbau der bisherigen preußischen Verwaltung, die fast ausschließlich von deutschen Beamten besetzt war.

Neben der Trennung von Deutschland befasste sich das Ministerium u.a. auch mit dem Problem der Integration der ehemals preußischen Gebiete in den polnischen Staat. Dazu zählte insbesondere die Wirtschaftspolitik mit der Regelung des Warenverkehrs zu den beiden anderen ehemaligen Teilungsgebieten, um  so den höheren Lebensstandard im ehemals preußischen Bereich nicht zu gefährden und  so befürchtete Unruhen unter der Bevölkerung zu vermeiden.

Der Minister für das ehemalige preußische Teilungsgebiet war Mitglied des Ministerrates und hatte somit die gleiche Dienststellung und sämtliche Rechte wie die anderen Minister. Das Ministerium hatte seinen Sitz in Warschau, seinen  administrativen Apparat jedoch in Posen.

Bereits bei seiner Errichtung war das Ministerium als eine Institution mit zeitlich befristeter Tätigkeit betrachtet worden.

Aufgelöst wurde das Ministerium im April 1922, nachdem bei den einzelnen Fachministerien Abteilungen für die Westgebiete eingerichtet wurden.

 

Lit.:

  • Gulczyński, Andrzej : Ministerstwo byłej Dzielnicy Puskiej (1919-1922 ). Poznań 1995

 

 

Mixstadt  ( poln. : Mikstat ) 

Die zum ehemaligen Kreis Schildberg  gehörende Stadt wurde 1366 als „adelige Stadt“ erstmals urkundlich erwähnt.  Ursprünglich hieß der Ort Komorowo.

1566 erwarb die Stadt die Vogtei und war damit dem polnischen König unmittelbar untergeordnet.

Mehrmals durch Brände zerstört, erreichte die Stadt erst unter der Herrschaft Sigmund III Wasa (1566-1632) wieder eine wirtschaftliche Blüte.

Zählt heute etwas mehr als 6.200 Einwohner.

 

 

Modrze

Ehemalige Stadt

 

Mogilnitza

Entspringt in der an kleinen Seen reichen Gegend von Duschnik, Pinne und Neustadt aus drei Quellbächen. Insgesamt 50 Kilometer lang. Im Unterlauf heißt dieses Gewässer auch Prut.

 

 

Mogilno  (poln. : Mogilno)

Der Ursprung der Stadt geht auf das am 11. April 1065 von Bołeslaw dem Kühnen (1058 – 1079) gegründete Benediktinerkloster zurück, das mit zu den ältesten im Posener Land zählt. Die Gründungsurkunde des Klosters findet  sich im Codex Diplomaticus Majoris Poloniae. Von polnischen Adligen beschenkt und mit Privilegien ausgestattet, entwickelte sich das Kloster rasch. Es erwarb nicht nur in unmittelbarer Nähe, sondern auch jenseits der kujawischen Grenze und in Pommern Landbesitz. Vor 1366 legten die Mönche in unmittelbarer Nähe ihres Klosters eine dörfliche Siedlung an, die denselben Namen wie das Kloster – nämlich Mogilno – erhielt. Dieses Dorf schien nicht ganz unbedeutend gewesen zu sein, da es außer einer dem Heiligen Clemens gewidmeten Kirche noch eine Pfarrkirche besaß, die dem Heiligen Jacobus geweiht war. Der Abt des Klosters wandte sich im Mai 1398 an König Władislaw Jagiello (1386-1434) anlässlich seines Aufenthaltes in Inowrazlaw mit der Bitte, dem Dorf Stadtrechte zu verleihen. Am 17. Mai 1398 entsprach der polnische Herrscher dieser Bitte und stellte ein entsprechendes Privileg aus. Bis zur preußischen Inbesitznahme blieb Mogilno im Eigentum des Benediktinerklosters. Das neue Gemeinwesen war dadurch in seiner Selbständigkeit erheblich eingeschränkt, da es somit keine unmittelbare Stadt, sondern von dem Abt und dem Konvent des Klosters als Grundherr abhängig war.

Bis zum 17. Jahrhundert ist wenig über die Geschichte der Stadt, die zu den kleinsten Großpolens gehört, bekannt, da bei einem Brand Anfang des 17. Jahrhunderts alle städtischen Urkunden vernichtet wurden. Den damaligen Leiter des Klosters, Andreas Wilczynski, baten die Bürger Mogilnos um die Ausstellung neuer Urkunden. Am 18. November  1609 wurde eine neue Urkunde ausgestellt, deren Inhalte die Stadt an eine an bäuerliche Verhältnisse erinnernde Abhängigkeit von der Grundherrschaft brachte. Die von der Stadt an das Kloster zu leistenden Abgaben bestanden in jährlichen Zahlungen, Frondienstleistungen sowie in umfangreich abzuführenden Naturalien.  Nicht nur ökonomisch wurde Mogilno eng an das Kloster gebunden. Den gleichen Charakter der Abhängigkeit erhielt auch die kommunale Verfassung der Stadt. Der Abt des Klosters übte eine uneingeschränkte Kontrolle über  städtische  Angelegenheiten aus.

Das Privileg von 1609 beeinflusste die Entwicklung der Stadt in den folgenden zwei Jahrhunderten negativ und gestaltete die Beziehungen der Stadt zum Kloster konflikthaft.

Die am 01. Juni 1655 Mogilno besetzenden schwedischen Truppen brandschatzten den Ort, dessen Einwohnerzahl  in den folgenden Jahren auf  290 Personen sank.

Der Nordische Krieg blieb für M. ebenfalls nicht ohne Folgen. Es hätte einer fürsorglichen Grundherrschaft bedurft, um das darniederliegende Gemeinwesen wieder  aufzubauen. Doch das selbst verarmte Kloster bestand auf der Erfüllung aller in dem Privileg von 1609 festgeschriebenen Verpflichtungen der Stadt. Die Folge waren permanente Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern der Stadt und dem Kloster. Das Kloster sprach u.a. den Bürgern Mogilnos das Recht ab, wegen dieser Auseinandersetzungen königliche Gerichte anzurufen und betrachtete diesen Schritt künftig als streng  zu bestrafenden Aufruhr. Dennoch kam es ab 1730 zu mehreren Prozessen vor weltlichen und klerikalen Gerichten- die Rechtsgültigkeit des Privilegs wurde jedoch dabei nicht zur Disposition gestellt.

In den Jahren 1709/1710 wütete die Pest in der Stadt.

1774 ging Mogilno an den preußischen Staat über. Friedrich der Grosse (1712-1786) zog bald nach der Inbesitznahme die Klostergüter als Domänen ein und entschädigte das Kloster für diesen Verlust durch eine jährliche Zahlung. Damit verlor das Kloster alle herrschaftlichen Rechte über die Stadt. Der Zuzug von Protestanten und Juden war erst zu preußischer Zeit möglich, da das Kloster dies bislang streng untersagte.

Erhebliche Zerstörungen verursachte ein Feuer, das 1777 ausbrach. Friedrich der Große ordnete den Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Stadt an. Am 30. September 1808 wurde die Stadt durch Feuer wiederum völlig zerstört.

1815 – nachdem die Stadt nach den Befreiungskriegen  wieder preußisch wurde – bestimmte man Mogilno zur Hauptstadt eines Kreises, da sie zu jener Zeit mit 586 Einwohnern die größte Stadt der Region war.

Das Benediktinerkloster wurde 1833 säkularisiert und zunächst als Schule genutzt. Später wurde es zur Unterbringung von Obdach – und Mittellosen verwandt.

Partnerstadt : Engelskirchen (Deutschland)

 

Lit. :

  • Łuczak, C. : Studia z dziejów zie mogilenskiej. Poznań 1978
  • : Sześć wieków miasta Mogilna. Poznan 1999
  • : Dzieje Mogilno.. Poznan 1998
  • Ratajeski, Grzegorz : Mogilno. Poznań 1998
  • Warschauer, Adolf : Geschichte der Stadt Mogilno, in : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, Jg.13 ( 1898 ), Seite 174 bis 207

 

 

Mogilnoer Seengruppe

Die Mogilnoer Seengruppe ist neben der ►Birnbaum – Zirker die ausgedehnteste Seen-gruppe des Posener Landes. Zu ihr werden alle Quell – und Durchflußseen der westlichen Netzte von Tremessen im Westen bis hinunter zum Mölno – und Sadlogoscher See unterhalb Pakosch im Norden und bis zum Powidzer See im Südosten.

Keine zweite Posener Seengruppe besitzt eine solche Zahl großer Seen wie die Mogilnoer, darunter u.a. den►Goplo – , den Powidzer, den Pakoscher und Skorsentschiner See.

Entsprechend der hydrographischen Zusammen-gehörigkeit der Seen wird diese Seengruppe in drei Untergruppen

unterteilt.:

– im Westen die der Pannaseen, die nach ihrem gemeinsamen Abfluss, der Panna, benannt wurde,

– die Pakoscher Seenkette, die vom Skorsentschiner See im Süden bis zum Sadlogoscher See im Norden reicht,

– die Powidzer Seenkette, die vom Ostrowoer See im Norden bis zum Powidzer im Süden reicht.

 

Die Pannaseengruppe  erstreckt sich in einem großen Halbkreis um die mächtige Endmoräne von Hochberg (Duszno) im Osten von Gnesen. Der Nordteil dieses Halbkreises wird von der Wiecanowoer Rinne gebildet, in der sich der Steinfelder (48 ha), Winiecer (55 ha), Chwalowoer (29 ha) und der Wiecanowoer See (325 ha) befinden.

Den Südteil des Halbbogens bildet der Popielewoer See ( 313 ha und mit 50,5 m der tiefste der Posener Seen ) mit dem südlich gelegenen Ostrowitter See (281 ha ), und den Ostteil nimmt der Mogilnoer (86 ha) und Schidlowoer See (142 ha groß, mit 11 m gehört er zu den tiefsten Posener Seen) ein.

Die Pakoscher Seengruppe beginnt mit dem Skorsentschiner See und setzt sich über den Kaminietzer, Bronislawer, Pakoscher und Mölnosee (125) bis zum Sadlogoscher See (57 ha) fort. Die obersten Seen dieser Kette sind die Quellseen der westlichen Netze.

Der Skorsentschiner See ist mit einem Areal von 748 ha einer der größten Posener Seen. Der Kaminietzer See hat eine Größe von 284 ha. Der drittgrößte Posener See  ist mit seinen 800 ha Flächenausdehnung der Pakoscher See. Entlang der Powidzer Seenkette verlief bis zum 1. Weltkrieg die deutsch – russische Grenze. Der Powidzer See hat ein Areal von 12 qkm und ist  somit der zweitgrößte des Posener Landes Zu dieser Seenkette zählen der Budsislawer (133 ha), der Suscheewoer  (93 ha) und der Korntaler oder Woyciner See (129 ha). Weiterhin ist der Ostrowoer See zu dieser Gruppe zu zählen.

 

 

Moschin ( Mosina )

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1288. Höchstwahrscheinlich kam es erst im Jahre 1429 zur städtischen Lokation, als Wladyslaw Jagiello (1386-1434) M. Magdeburger Stadtrecht verlieh, was in den Jahren 1450 und 1552 bestätigt wurde.

Ein verheerender Brand zerstörte M 1780 völlig.

Jakob Krauthofer-Krotowski proklamierte 1848 die Republik Polen in Moschin.

Durch den Bau der Eisenbahnlinie Posen-Warschau 1856 entwickelte sich die Stadt wirtschaftlich erfolgreich.

Am 25. Januar 1945 eroberten sowjetische Truppen die Stadt, die bereits ein Jahr später wieder 5192 Bewohner zählte. Heute hat sie rund 12.000 Einwohner und unterhält eine Städtepartnerschaft mit Seelze/Niedersachsen.

 

Lit.:

  • Prümmers, Rodgero: Über die Stadt Moschin vor 100 Jahren. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen. 11 (1896) S. 471-478
  • Lojko, Jerzy: Zarys dziejow Mosiniy i okolic. Mosina 1992
  • Lęckiego, W.: Mosina 700 lat. Warszawa/Poznań 2002

 

 

Mrotschen  (Mrocza)

Die Stadt liegt an der Rakitka, einem Fluss der 3 Kilometer von Nakel entfernt in  die Netze mündet.

Am 17. August 1393 erhielt Arnold von Waldow, der Besitzer des Ortes, vom polnischen König die Erlaubnis, das Dorf zur Stadt zu erheben.

Im 16. Jahrhundert erfolgte wahrscheinlich die Einwanderung von Schlesiern in den Ort.  1774 preußisch, zu jener Zeit wies der Ort 385 Einwohner auf.

Um 1780 brannte die Stadt vollständig ab.

 

 

Murowana Goslin  (poln. : Murowana Goslina)

Der Name der Stadt (murowana – poln. für gemauert und gostl für Ritter/Soldat ) leitet sich von dem im 14. Jahrhundert errichteten Granitturm ab.

Wann der Ort, am Fluss Goslinka (einem rechten Nebenfluss der Warthe) gelegen, Stadtrechte erhielt, ist nicht mehr belegbar. Es muss jedoch vor 1398 erfolgt sein, da in diesem Jahr erstmals der Ort als Stadt Erwähnung findet.

1793 preußisch.

1817 zerstörte ein Feuer große Teile der Stadt.

Am 10. Januar 1920 polnisch.

Am 21. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt.

Die Stadt heute ist agrarwirschaftlich geprägt und zieht durch seine Nähe zum Nationalpark „Puszcza Zielonka“ Touristen an.

Seit 2002 Partnerschaft mit Hemmingen.

Heute rund 10.000 Einwohner.

 

Lit.:

  • 600 lecie Murowanej Gośliny 1389-1989. Murowana Goślina 1989
  • Brust, Mieczyslaw:Dzieje Murowanej Gośliny. Poznan 2006

 

 

Murowaner – Gosliner Seengruppe

Der größte See dieser Gruppe, die im Süden der gleichnamigen Stadt zu finden ist, ist der Kaminsker mit 37 ha und der Plawnoer See ist 11 ha groß. Weiterhin gehören zu dieser Gruppe der Plawnoer See (11 ha), der Schwarzhauländer (ebenfalls 11 ha) und der Bürgersee (12 ha Areal).

Alle diese Seen sind abflusslos und regeln ihren Wasserstand durch Versickerung.

Zu dieser Seengruppe zählt auch die Glembotscheker Seenrinne im Osten der Stadt. Diese Seenrinne besteht aus einer Kette von vier kleinen Seen, die durch ein Fließ untereinander verbunden sind; der Grünheide -, der Glembotschek -, der Hertha – und der Worowoer See.

Zu der Murowaner – Gosliner Seengruppe werden weiterhin der Hammersee, der Woynowoer und der Lomnoer, der Tucznoer, der Nawisker und der Laskoner See als zugehörig betrachtet

 

 

 

Nakel  ( poln. Nakło )

In der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts  errichteten die Pomoranen an der Stelle der heutigen Stadt eine zwischen schützenden Sümpfen gelegene Burg, die einen strategisch wichtigen Netze – Übergang vor polnischen Angriffen sicherte. Es gelang dem polnischen Herzog Boleslaw III (1102-1138), die Festung zwischen 1109 und 1122 viermal einzunehmen, die seither zum Herzogtum Großpolen gehörte.

1124 hielt sich der päpstliche Legat Aegidius von Tusculum in Polen auf, der die Neuordnung der Kirchenbezirke nach der Unterwerfung der Pommern vornahm Dabei wurde das Erzbistum Gnesen um das nördlich der Netze gelegene Gebiet der Kastellanei Nakel erweitert. Dies ist einer päpstlichen Besitzbestätigung für das Erzbistum Gnesen von 1136 zu entnehmen, in der  Nakel erstmals urkundlich Erwähnung fand. Peter von Dusden gründete 1299 eine Stadt nach Magdeburger Recht im Schutze der bestehenden Burg, die Sitz einer Kastellanei wurde. Nakel zählte somit zu den ersten Stadtgründungen in Großpolen.Nakel unterstand als königliche Stadt direkt dem König. Am Ort befand sich eine königliche Zollstätte und ein Gericht. 1329 eroberte der Deutsche Ritterorden, als militärische Vergeltung für die Übergriffe der masowischen Herzöge des Kulmer Landes, die neugegründete Stadt   und zerstörte sie erheblich.  Die zwischen 1409 und 1466 in der Nakeler Gegend ausge-tragenen Ordenskriege hatten negative Auswirkungen auf das Wachstum der Stadt, die der Deutsche Ritterorden  1409 erfolglos belagerte. 1515 zerstörte ein Brand die Stadt völlig. König Sigismund I (    ) erneuerte 1520 das Privileg der Stadtgründung und bestätigte damit ihre Rechte, da durch den Stadtbrand alle Urkunden verbrannt waren.  Im 17. Jahrhundert gehörte Nakel zu den sieben Städten des Posener Landes, die eine Stadtmauer aufwiesen

1772 wurde die Stadt preußisch, die 1795 von einer Immediatstadt in eine Domänenstadt umgewandelt wurde.

Durch Napoleon kam Nakel 1807 zum Herzotum Warschau, wurde aber durch den Wiener Kongreß 1815 wieder Preußen angegliedert. Dort gehörte die Stadt zum Kreis Wirsitz im Regierungsbezirk Bromberg.

Durch den Bau des ► Bromberger Kanals erlebte der Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem Anschluss an das Bahnnetz (1851) entwickelte sich Nakel zum Eisenbahnknotenpunkt. Um die Jahrhundertwende war Nakel zu einem bedeutenden Wirtschafts- – und Verwaltungs-zentrum im Netzedistrikt geworden. 1910 lebten in Nakel 8787 Menschen, von denen 57,1 % Deutsche waren. Am 25. Februar  1919 besetzten polnische Truppen die Stadt. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Zuckerproduktion als wichtigster Erwerbszweig der Stadt ausgebaut.

Zwischen 1939 und 1945 wurde Nakel dem Reichsgau Danzig – Westpreußen eingegliedert. Während der deutschen Besatzung wurden alle Polen aus der Stadt ausgesiedelt.

Russische Panzertruppen erreichten am 21. Januar 1945 die Netzebrücke bei Nakel, die bis zum 22. Januar umkämpft war.

 

Lit. :

  • Rutsch : Chronik und Beschreibung von Nakel nach amtlichen Quellen und zuverlässigen Mitteilungen bearbeitet, Nakel 1875
  • Heidrich, Rudolf : Die Stadt Nakel und ihre Geschichte, Nakel 1910
  • Heidrich, P. : Nakel in den Jahren 1772 – 1806, Nakel 1901
  • Csallner, Heinz : Die Geschichte der Stadt Nakel an der Netze. In : Westpreußen-Jahrbuch 46 (1996)  51-56
  • Samelski, Tadeusz : Naklo nad Kronika wydarzeń. Bydgoszcz 2002

 

 

Natio

Eine seit 1926 in Warschau erscheinende viersprachige Zeitung (polnisch, deutsch, französisch und englisch), die sich den Fragen der nationalen Minderheiten Zwischenkriegspolens widmete. Dieses gemeinsame Organ der Minoritäten Polens sollte der Annäherung der politischen Vertreter der Deutschen, Juden, Ukrainer, Weißrussen und Litauer in Polen dienen. Gleichzeitig sollte es eine minderheitenfreundliche polnische und internationale Zielgruppe mit Grundlagenmaterial zur Lage und Politik der nationalen Minderheiten in Polen versorgen

Die Herausgabe der Zeitung wurde zu einem Großteil vom Auswärtigen Amt Deutschlands verdeckt finanziert.Mit Natio sollte auch eine Konkurrenz zu der in Warschau erscheinenden „Sprawy Narodowósciowe“ geschaffen werden, die aus regierungsamtlicher Sicht die Minderheiten-frage sowohl national als auch international darstellte.

Bereits im Frühjahr 1928 musste die Zeitschrift jedoch infolge zunehmender Repressionen des polnischen Staates ihr Erscheinen wieder einstellen.

 

Nationalitätenverhältnisse in der Provinz Posen

 

Nationalsozialismus

–  Auslandsorganisation der NSDAP

 

 

 

Naturwissenschaftlicher Verein

1837 als „Naturwissenschaftlicher Verein der Provinz Posen“ von 212 Personen gegründet. Insbesondere sollte er sich der Erforschung der Provinz in naturwissenschaftlicher Hinsicht widmen.

Dem ersten Vorstand gehörten u.a. an:

– General von Grolmann  (         ) als Vorsitzender

– Prof.Dr. H.Loew ( Lehrer) als stv.Vorsitzender

-und Stadtrat           Schneider

Seit 1894 gab der Verein eine eigene Zeitschrift heraus.

1912 umfasste die vereinseigene Bibliothek  über 6000 Einheiten, überwiegend Literatur zu naturwissenschaftlichen Fragen und Themen der Provinz Posen

Weiterhin wurden naturwissenschaftliche Samm-lungen angelegt, die später den Grundstock für die entsprechenden Sammlungen des Kaiser-Friedrich- Museums bildeten.

1902 wurde der Naturwissenschaftliche Verein als naturwissenschaftliche Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft eingegliedert.

Während des 1. Weltkrieges stellte der Verein seine Arbeit ein.

1921 gelang es dem Chemiker Albrecht Hammer den Verein zu reaktivieren und gliederte ihn 1925 der Polytechnischen Gesellschaft an.

 

 

 

Nekla (poln. Nekla)

Stadt im Kreis Wreschen (Wreześnia) gelegen, 36 km östlich von Posen.

Etwa 6750 Einwohner

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 1405

Von 1725 bis 1793 besaß Nekla Stadtrechte, die im Jahr 2000 erneut verliehen wurden

 

 

 

Netze   (poln. : Noteć)

Die Netze, der wichtigste Nebenfluss der Warthe,  entspringt  zwei Quellarmen – der östliche der beiden Quellflüsse, vom Austritt aus dem Goplosee an Montwy genannt, ist der Hauptquellfluss. Der westliche Quellarm entspringt dem Skorzenciner See südöstlich von Gnesen. Beide Quellflüsse vereinigen sich nördlich von Pakosch im Pakoscher See.  Die Netze ist insgesamt 370 km lang und ab Nakel schiffbar.  Bei Nakel tritt die Netze in das Thorn – Eberswalder – Urstromtal und ändert als „untere Netze“ ihre Richtung in Ostwest. Bis zur Einmündung der Küddow bei Usch ist ihr Gefälle äußerst gering, auf 51 km Lauflänge fällt der Fluss nur um 1,9 m oder 4 cm auf 1 km. Dieses Stück der Netze heißt darum die „träge Netze“.  Von der Küddowmündung steigt das Gefälle der Netze und der Fluss wird zur „lebhaften Netze„. Ihr Stromgebiet umfasst 17240 qkm, aus dem die Netze eine regelmäßige Wasserzufuhr erhält. Der Fluss ist – im Sinne der Pläne des Geheimen Finanzrates Franz Balthasar von Brenckendorff (1723-1780) und auf Veranlassung des preußischen Königs – vollständig kanalisiert und  als Verbindung der Oder mit der Weichsel durch den Bromberger Kanal verkehrswichtig. Die Netze mündet östlich von Landsberg (Gorzow Wielkopolski) bei Zantok (Santok) in die Warthe.

Als Nebenflüsse speisen die Netze die Gonsawka, die Lobsonka, die Drage, die Brahe und die Küddow.

Im Frühjahr wurden aufgrund des Hochwassers regelmäßig die Talauen überschwemmt, wodurch fruchtbare Sinkstoffe abgelagert wurden, so dass man die Netze auch als „polnischen Nil“ bezeichnete.

 

 

 

Netzebruch (poln.:   Legi Notecki)

Der Netzebruch ist ein Teil des Thorn –Eberswalder Urstromtales. Entstanden ist der Netzebruch während der Diliuvialzeit vor 100 bis 50 Millionen Jahren. Er ist das Schmelzwasserbett der diluvialen Gletscher, die bei ihrer Rückbildung hier zum Stillstand kamen.

Das bis zu 10 km breite Netze Urstromtal war für viele Jahrhunderte mit seinen Bruchwäldern und unzähligen Wasserläufen eine natürliche Grenz-landschaft, die nur an wenigen Stellen überquert werden konnte. Durch regelmäßige Frühjahrs-hochwasser sperrte er sich einer Besiedelung.  Erst im 16. und 17. Jahrhundert siedelten Einwanderer am Rande der Bruch-landschaft und versuchten, von ihren am Talrand angelegten Dörfern aus den Bruch zu nutzen. Erst mit der Regulierung der ►Netze ab 1772 wurde die Sumpflandschaft entwässert und das Gebiet einer landwirt-schaftlichen Nutzung zugeführt

.Die verheerenden Überschwemmungen im Warthebruch von 1736 waren Anlass zur Einsetzung einer Trockenlegungskommission, die 1738 ihre Arbeit aufnahm. Oberdeichinspektor von Haerlem  unterbreitete 1739 einen Vorschlag zur Melioration beider Brüche, der die Besiedelung des Netzebruches mit 82 Familien vorsah. Der  Beginn der Arbeiten wurde durch den Siebenjährigen Krieg verhindert. 1763 erfolgte die Vermessung des Netzebruches und im Juni wurde mit der Trocken-legung begonnen, die 1769 beendet war. Die gesamten Arbeiten standen unter der Leitung des Domänenrates Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff (1723-1780).

Die Mehrzahl der Neusiedler des trockengelegten Bruches waren deutschsprachige Einwanderer aus Polen. Wegen des nicht ausreichenden Hochwasserschutzes wurden im 19. Jahrhundert mehrere Dämme, Deiche und Gräben errichtet. Zwischen 1782 und 1874 entstand der Hochwasserdamm Pollychen –Zantoch, der zur Trennlinie zwischen Warthe-und Netzebruch wurde. Doch auch weiterhin gab es in fast jedem Jahr Schäden durch Hochwasser. Aus diesem Grunde erließ der Reichstag 1929 das Warthe und Netzegesetz. Im Rahmen von Arbeitsbe-schaffungsmaßnahmen für Arbeitslose wurden die Dämme verbessert und Schöpfwerke errichtet.

 

Lit.:

* Neuhaus, Erich: Die Fridericanische Kolonisation im Warthe –und Netzebruch 1906 ( = Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark,18)

 

 

Netzedistrikt

Unter dem Begriff „ Netzedistrikt“ verstand man von 1772 bis 1807 den durch die Erste Teilung Polens an Preußen gekommenen Teil Polens. Er umfasste das Gebiet zu beiden Seiten der Netze mit zusammen 9350 qkm mit rund 180.000 Einwohnern. Die Grenzen wurden 1776 durch eine preußisch- polnische Kommission berichtigt und 1777 endgültig festgelegt. Zum Netzedistrikt zählten die Kreise  Bromberg, Schubin, Wirsitz, Hohensalza, und Strelno, Kolmar, Czarnikau und Filehne, sowie Teile der Kreise Mogilno, Znin und Wongrowitz. Der  Abtretungsvertrag wurde erst am 18. September 1873 in Warschau vollzogen. Die Urkunde ist von dem Gesandtschaftsrat Gideon von Benoit und dem Bischof von Kujawien, Anton von Ostrowski sowie von  weiteren 90 Personen (Senatoren und Adlige) unterzeichnet.

Der Netzedistrikt wurde zunächst als eigene preußische Verwaltungseinheit behandelt, dann aber 1775 zu Westpreußen geschlagen und damit dem Königreich Preußen einverleibt.

Durch den Frieden von Tilsit musste Preußen fast den gesamten Netzedistrikt an das neu gebildete Herzogtum Warschau abtreten, erhielt es aber durch den am 03. Mai 1815 in Wien mit Russland geschlossenen Vertrag zurück. Der größere Teil wurde 1815 zum Regierungsbezirk Bromberg, der kleinere Teil zum Regierungsbezirk Marienwerder geschlagen.

1920 wurde der größte Teil des Netzedistrikts polnisch. Bei der Grenzmark Posen-Westpreußen blieben lediglich der Netzekreis, die Kreise Flatow, Deutsch-Krone und der später gegründete Stadtkreis Schneidemühl.

 

Lit.:

  • Der Netzedistrikt. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart. Bromberg 1868
  • Sommer, Hugo: Der Netzedistrikt bis 1774- Posen 1939
  • Wojahn, Willi: Der Netzedistrikt und die sozialökonomischen Verhältnisse seiner Bevökerung um 1773. Münster 1996

 

 

 

Netzesenke

ist beiderseits der Netze gelegen und bildet einen Teil des Thorn – Eberswalder Urstromtales. In der Provinz Posen befand sich nur der nördliche – zwischen Usch und Kreuz  gelegene – Teil.

 

 

Netzwalde (poln.: Rynarzewo)

Diese an der Mündung der Gonsawka in die Netze gelegene Stadt wurde am 11. November 1299 gegründet.

Wie es in der Gründungsurkunde heißt, zeichnete König Władislaw I Lokietek (1306 – 1333) den Grafen Heinrich für seine Dienste damit aus, eine Stadt nach Neumarkter Recht gründen zu dürfen. Da der zu gründende Ort an einer alten Handels-strasse lag, wurde ihm auch das Recht, Zoll zu erheben, erteilt.

Nach einem grundherrlichen Privileg vom 05. November 1593 wurde die Stadt erneut nach Magdeburger Recht gegründet.

Der Zuzug von deutschen Siedlern begann 1633, die der Gutsbesitzer Andrzej Gembicki anwarb, um so seine durch die militärischen Ausein-andersetzungen mit den Schweden menschenleer gewordenen Ländereien  wieder wirtschaftlich nutzen zu können.

Netzwalde, das bis 1905 Rynarzewo hieß, wurde 1772 /1793 ? preußisch  und zählte zu jener Zeit rund 250 Einwohner. Netzwalde wurde 1920 wieder polnisch. Bis zu jener Zeit die kleinste Stadt Preußens. Waren vor 1919 noch 60 % der Wohnbevölkerung der Stadt Deutsche, so sank deren Anteil 1939 auf 10 %.

 

 

Netzer Heide  (poln.: Puszcza Noteca)

Dieses Naturschutzgebiet hat eine Flächen-ausdehnung von 2500 qkm; in seiner Ost – West – Ausdehnung weist die Netzer Heide eine Länge von 100 km aus.

Das in den Jahren 1922 bis 1924 durch einen Borkenkäfer verursachte großflächige Waldsterben hatte eine natürliche Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der Region zur Folge. Der Waldboden, überwiegend aus Sand bestehend, wurde zu bis zu 45 m hohen Dünen zusammengeweht. Insbesondere im Süden der Netzer Heide entstanden kleinere Moore und Seen. Klempicz – eine Stadt inmitten dieser Heide-landschaft gelegen, ist durch einen breiten Widerstand gegen die Pläne, hier ein Atomkraftwerk  errichten zu wollen, bekannt geworden.

Es handelt sich um das zweitgrösste zusammen-hängende Waldgebiet Polens nach dem Urwald von Bialowicza (Puszcza Białowieska)

 

Lit.:

  • Kusiak, Władysław: Puszcza Notecka. Poznań 2002

 

 

 

Neu – Bentschen

Eine Folge des Friedensvertrages von Versailles war die Teilung von 16 verkehrstechnisch wichtigen Eisenbahnlinien zwischen Deutschland und Polen; 9 Eisenbahnlinien mussten im Bereich der Reichsbahndirektion Osten stillgelegt werden. Wichtige Eisenbahnknotenpunkte, wozu Bentschen im Bereich der Eisenbahndirektion Posen zählte, erhielt die polnische Eisenbahnverwaltung über-tragen.

Die durch die Unterbrechung im Eisenbahnnetz bedingten Umleitungen waren derart zeitintensiv, dass sich die deutsche Regierung 1923 dazu entschloss, die in den Eisenbahnknotenpunkt Bentschen ehemals einmündenden , von der neuen deutsch-polnischen Grenze durchtrennten Eisen-bahnlinien, auf deutscher Seite durch den Bau eines neuen Knotenpunktes, wieder zu vereinen. Deshalb wurde der Grenz- und Zollbahnhof Neu- Bentschen errichtet. Dies machte die Ansiedlung einer großen Anzahl von Eisenbahn-, Zoll-, Post- und Polizeibeamten erforderlich. Da größere Ortschaften für die Aufnahme von etwa 520 Familien in der Nähe dieses neuen Bahnhofes nicht vorhanden waren, errichtete die Eisenbahndirektion Ost ein Gemeinwesen mit allen dafür erforderlichen infrastrukturellen Voraussetzungen und Gegeben-heiten- Neu-Bentschen.

Im November 1925 konnte der Betrieb des Güterbahnhofes aufgenommen werden; im August 1930 folgte die Eröffnung des Personenbahnhofes. Über den Bahnhof Neu-Bentschen verlief der Personenverkehr zwischen Ostpreußen und dem Deutschen Reich als privilegierter Durchgangs-verkehr durch die polnische Republik.

 

 

 Neubrück  (poln. : Wartoslaw)

Die Stadt wurde durch den Grundherrn Graf Lukas Bininski 1781 am linken Ufer der Warthe gegründet. Sechs Kilometer westlich von Wronke.

Später wieder Dorf, verlor Stadtrechte in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

 

Neumarkter Recht

Das Neumarkter Recht (lateinisch ius Theotonicum Noviforense, auch ius Theotonicum Sredense; polnisch Prawo średzkie) erhielt seine Bezeichnung nach der Stadt Neumarkt in Schlesien.. Es fußte auf dem Magdeburger Recht.

Vermutlich in seinen ersten Regierungsjahren stattete Herzog  Heinrich (1156-1238) den damaligen Markt Szroda mit deutschem Recht aus. Dabei fand das Magdeburger Recht Anwendung, das in einzelnen Punkten den schlesischen Verhältnissen angepasst und als Neumarkter Recht bezeichnet wurde. Nachfolgend wurde das in Neumarkt praktizierte deutsche Recht Vorbild für andere Orte. Erstmals erwähnt wurde es 1223, als der Breslauer Bischof Lorenz die Stadt Ujest zu dem Recht aussetzte, „das der Neue Markt Herzog Heinrichs, der Szroda genannt wird“, anwandte. (eodem iure, quo utitur Novum Forum ducis Henrici, quod Szroda dicitur.)

Neben zahlreichen Städten und Dörfern in Schlesien wurde das Neumarkter Recht auch in Groß- und Kleinpolen sowie Rotreußen verliehen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand das Neumarkter Rechtsbuch, das jedoch nur fragmentarisch überliefert ist.

 

Lit.:

  • Meinardus, Otto: Das Neumarkter Rechtsbuch und andere Neumarkter Rechtsquellen. Breslau 1906
  • Sandow, Erich : Das Halle-Neumarkter Recht. Stuttgart 1932

 

 

Neustadt a.d. W. (poln.: Nowe Miasto nad Warta)

Die vor dem Jahr 1312 entstandene Stadt zählt mit zu den ältesten der Provinz.

Als Nowemiasto wurde die Stadt 1458 in einer Veranlagung der Städte für militärische Erfordernisse erstmals urkundlich erwähnt.

Die im Jahre 1665 gegründete Neustadt, Laskowka genannt, entwickelte sich nicht so wie geplant und sank später zu einer Vorstadt herab.

 

Lit.:

  • Czarny, Eugeniusz : Nowe Miasto nad Wartą i okolice dawnych pocztówkach widakówki z lat 1899 -1918. Nowe Miasto n.Wartą 2003

 

 

Neustadt b. Pinne ( poln. : Lwo´wek )

Die Stadt wurde 1414 unter dem Namen Wojszyn durch den Woiwoden von Posen  angelegt. Bereits fünf Jahre später baute der Gründer der Stadt direkt neben diesem Ort eine neue Siedlung mit einem großzügig dimensionierten Marktplatz auf, die er Lwow nannte .1514 erhielt der Ort Magdeburger Stadtrecht verliehen, das 1583 durch weitere Privilegien(verliehen von König Stefan Bathory) ergänzt wurde. Vom 16. Jahrhundert an hieß die Stadt Lwowek (Klein – Löwenberg).  1641 und 1786 vernichteten verheerende Brände die Stadt fast vollständig und 1655 wurde sie von schwedischen Truppen zerstört.

Evangelische Deutsche wanderten seit der Mitte des 17. Jahhunderts aus Sachsen, der Lausitz und Schlesien in die Stadt.

Weshalb die Stadt im 17. Jahrhundert die deutsche Bezeichnung Neustadt erhielt, ist nicht eindeutig belegbar; vermutlich jedoch deshalb, weil sie nach den Zerstörungen wieder neu aufgebaut werden musste.

1793 preußisch.

1918 war Neustadt eines der Zentren der polnischen Aufstandsbewegung.

 

Lit. :

  • Śmigielski, Antoni : Lwòwek. Poznań 1994
  • Wojcieszak, Bogumił : Lwówek na dawnej pocztówe. Nowy Tomyśl 1997

 

Neutomischel  (poln.: Nowy Tomysł)

Aus einem Marktflecken, der sich um die für evangelische Siedler der umliegenden Holländer-gemeinden errichteten Kirche gebildet hatte, ist heute eine Kleinstadt mit über 10.000 Einwohnern geworden. Um das 1779 / 1780 errichtete evangelische Gotteshaus hatten sich Händler, Gastwirte und Handwerker niedergelassen, so dass der  Besitzer der Herrschaft Tomysl, Felix auf Szoldry – Szoldrski., hier eine Stadt anlegen ließ.

Seine Eingabe an den König, eine Stadt nach Magdeburger Recht gründen zu wollen, beantwortete Stanisław August (1764 – 1795) am o8. August  1786 zustimmend. Neutomischel ist die jüngste Stadt der ehemaligen Provinz Posen.  Durch ein Privileg vom 18. Februar 1788 erließ der Grundherr für seine Mediatstadt eine ausführliche Stadtordnung. Mit der 2. Polnischen Teilung begann für Neutomischel die Zeit unter preußischer Obrigkeit.

Einen großen Aufschwung nahm die Stadt durch den Hopfenanbau und den Hopfenhandel. Durch den Hopfen wurde Neutomischel im In – und Ausland bekannt, denn aus ganz Europa kamen Händler zum Einkauf von Hopfen in die Stadt.  Neutomischel war der größte Handelsplatz für Hopfen in Preußen. Ihre Bedeutung als Handels-mittelpunkt verdankte sie dem Kaufmann Joseph Jacob Flatau(1812-1887), der 1837 von Posen nach Neutomischel übersiedelte und durch die Verbesserung der Qualität des Hopfens für ihren weltweiten Absatz sorgte. Die Brände der Jahre 1802, 1817, 1822 und zuletzt 1879 waren Ursache für grundlegende architektonische Verbesserungen der Stadt. 1887 wurde Neutomischel Kreisstadt, nachdem der Kreis Buk in zwei Kreise (Grätz und Neutomischel) geteilt wurde. Im Jahre 1900 hatte die Stadt 1895 Einwohner.

Am 03. Januar 1919 gelang es polnischen Aufständischen, die Stadt ohne Kampf zu besetzen. ( ► Großpolnischer Aufstand ).

Am 07. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt. Der  Befehl zur Räumung der Stadt erging am 20. Januar 1945 an die deutsche Bevölkerung Neutomischels.

Russische Truppen besetzten Neutomischel am 27. Januar 1945 .

Die Stadt wurde wieder Kreisstadt und hatte 1960 4466 Einwohner.  Zum Wachstum der Stadt trug in erster Linie der Ausbau eines Werkes für chirurgische Instrumente bei, der die Arbeit des während des 2. Weltkrieges aus Berlin verlagerten Windler – Werkes fortführte.

Auf 6725  stieg  die Einwohnerzahl der Stadt im Jahre 1970, 1986 wuchs diese Zahl auf über 12.000.

 

Lit. :

  • Kraft , Arno ( Hrsg. ) : …. und dazwischen Neutomischel. Ein Erinnerungsbuch für ehemalige Bewohner und ihre Nachkommen, Berlin 1988
  • Polak, Bogusław : Dzieje Nowego Tomyśl, Nowy Tomyśl 1998
  • Stärke, Helmut : 200 Jahre Neutomischel. In : Jahrbuch Weichsel – Warthe. 32 ( 1986 ). S. 100 – 105
  • Strödicke, Theodor : Kurzgefasste Chronik der Stadt Neutomischel, Neutomischel 1888

 

 

Nielba ( Fluss )

Der 7 Kilometer lange Fluss entspringt dem Rygielskie-See. Er bildet in der Stadt Wongrowitz (Wagrowiec) eine interessante Sonderheit-  er kreuzt sich mit dem Fluss Welna und nach 2 km mündet die N. endgültig in die Welna.►Bifurkation

 

Nordische Kriege

Bezeichnung für zwei im 17./18.Jahrhundert geführte militärische Auseinandersetzungen um die Vormachtstellung in Nordeuropa.

Der 1.Nordische Krieg (auch Schwedisch-Polnisch-Dänischer Krieg genannt, 1655 bis 1660) entstand, als König Johann II Kasimir von Polen (reg.1648-1668) nach Abdankung der Königin Christine von Schweden (1626-1689) als letzter Wasa Anspruch auf Schweden erhob. Hierauf griff Karl X Gustav (reg. 1654-1660), um die neu erworbene Groß-machtstellung zu erhalten, 1655 Polen an, das sich im Krieg mit Russland befand. Verbündet mit Brandenburg, siegte Schweden bei Warschau. Wegen des schwedischen Machtzuwachses schlossen Kaiser Leopold I (1640-1705) und Dänemark ein Bündnis mit Polen. Brandenburg verließ das aufgezwungene Bündnis mit Schweden, schloss Frieden mit Polen (Wehlau; 10.09.1657) und erhielt die Souveränität  in Preußen. Inzwischen hatte es die habsburgische Diplomatie vermocht, Russland zum Einfall in das schwedische Livland zu bewegen. Aus Polen vertrieben, wandte sich Karl X Gustav gegen Dänemark und erreichte im Frieden von Roskilde (1658) die Abtretung von Südschweden, Trondheim und Bornholm. Seit 1659 versuchte Frankreich einen Frieden zu vermitteln, um die Machtverhältnisse im Norden zu erhalten. Nach dem Tod Karls X Gustav wurde der Friede von Oliva (03.o5.1660) geschlossen, der die Verhältnisse von 1655 wiederherstellte und die brandenburgische Souveränität in Preußen bestätigte. Im Frieden von Kopenhagen (06.06.1660) gab Schweden Trondheim und Bornholm an Dänemark zurück.

Der von den Verbündeten Dänemark-Sachsen-Polen und Russland gegen Schweden geführte 2. Nordische Krieg (1700-1721) verfolgte das Ziel, die schwedische Hegemonie in Nordeuropa zu brechen. Der schwedische König Karl XII (1682-1718) wandte sich 1700 zunächst gegen Dänemark, das im Frieden von Traventhal (18.08.1700) aus der Koalition ausschied. Am 30.11.1700 schlug Karl XII Zar Peter I (reg.1698-1725) den Großen, bei Narwa. Er vertrieb die Sachsen aus Polen und ließ 1704 Stanislaus Leszczyński (1677-1766) zum polnischen König wählen. Im Frieden von Altranstädt (24.09.1706) musste August der Starke (1670-1733) auf die polnische Krone verzichten und das Bündnis mit Russland lösen. Auf dem Feldzug in die Ukraine unterlag Karl XII bei Poltawa (08.07.1709) dem russischen Heer, das in der Folge Riga und Reval eroberte.

 

Lit.:

  • Schirren, Carl: Zu Geschichte des Nordischen Krieges. Kiel 1913
  • Um die polnische Krone . Sachsen und Polen während des Nordischen Krieges 1700-1721. Berlin 1962 ( = Schriftenreihe der Kommission der Historiker der DDR und Volkspolens,1)
  • Frost, Robert: The northern wars: war, state and society in northeastern europe 1558-1721. O.O. 2000

 

 

Nordostdeutsches Archiv

Das Nordostdeutsche Archiv wurde als Abteilung des Instituts Nordostdeutsches Kulturwerk seit 1983 aufgebaut. In den Arbeitsbereich des Archivs wurden Aufgaben übernommen, die von 1965 bis 1979 ansatzweise vom Deutschen Archiv für Kulturgut des Nordostens und ab 1980 von der Nordost – Bibliothek wahrgenommen wurden.

Im Archiv werden schriftliche und bildliche Materialien verwahrt, die regional u.a. auch aus dem Posener Raum stammen und die Geschichte der Deutschen und ihres Verhältnisses zu anderen Völkern dokumentieren.

Zeitlich betrifft die Masse der Archivalien  die Zeitspanne vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die fünfziger, sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Unter den Materialien stellen das Gros persönliche und sachliche Dokumente wie bspw. standesamtliche Urkunden, Schulzeugnisse, Reisepässe, Kaufverträge, Hypothekenbriefe und Wertpapiere. Zahlreich sind neben  Fotos auch Briefe, Postkarten, Tagebücher und familien-geschichtliche Aufzeichnungen im Nordost-deutschen Archiv vorhanden

Im Nordostdeutschen Archiv wird u.a. auch das Archiv der ► Gemeinschaft Evangelischer Posener e.V. als Dauerleihgabe aufbewahrt.  Das „ Posener Archiv“, seit 1984 in Verwahrung des Nordost-deutschen Archivs, umfasst hauptsächlich zwei Gruppen von Archivalien:

  • Akten des Hilfskomitees von 1945 bis in die sechziger Jahre
  • Bildmaterial aus der Posener Region

 

Nicht zuletzt finden sich im Bestand des Archivs Augenzeugenberichte aus der Zeit von September 1939 bis zum Mai 1945. Das Bildmaterial stammt aus der Zwischenkriegszeit. Neben vielen Aufnahmen von in der evangelischen Kirche tätigen Personen zählen Sakralbauten und Pfarrhäuser  zu den Hauptmotiven dieses Materials. Daneben finden sich aber auch Fotoserien zu den großen Städten des Posener Landes.

 

Lit.:

  • Bambergr-Stemann, Sabine: Wie arbeitet das „Nordostdeutsche Kulturwerk“ in Lüneburg? In: Kulturpolitische Korrespondenz Nr.1057 (1998) S.8-9

 

 

Nordostdeutsches Kulturwerk e.V.

Zunächst wurde unter der Bezeichnung “ Verein Nordostdeutsches Kulturwerk “ in Lüneburg am 26. März 1951 eine Institution gegründet, um sowohl die ideelle wie materielle Trägerschaft für eine hauptsächlich wissenschaftlichen Zwecken dienenden Nordostakademie (später:  Ostdeutsche Akademie, heute: Ost – Akademie)  auf eine juristisch verlässliche Grundlage zu stellen.

Das aus  Mitteln des Bundes und des Landes Niedersachsen finanziell geförderten Kulturwerkes verfolgt heute das Ziel, , die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fragen der Kultur – und Landesgeschichte von Mecklenburg, West – und Ostpreußen, Brandenburg,  der Provinz Posen, Polen, der baltischen Länder und Russland zu betreiben, anzuregen und zu fördern. Ausgehend von seinen materialreichen und laufend erweiterten dokumentarischen Sammlungen verfolgt das Nordostdeutsche Kulturwerk eine ganze Reihe von Arbeitsschwerpunkten im Bereich der Landeskunde und Kulturgeschichte, der Kartographiegeschichte, der Schulgeschichte, Erforschung historischer Stadtansichten sowie der Geschichte der Kulturbeziehungen in Nordosteuropa. Zu diesem thematischen Rahmen werden wissenschaftliche Tagungen, kulturhistorische Ausstellungen und Vorträge veranstaltet sowie Lehrveranstaltungen an den Universitäten Hannover und Hamburg abgehalten.

Im Eigenverlag des Nordostdeutschen Kultur-werkes erscheinen neben der Institutszeitschrift „Nordost – Archiv “ auch mehrere Buchreihen.

 

 

Nordposener Hochfläche

Die Nordposener Hochfläche wird im Süden von dem Thorn – Eberswalder Urstromtal, im Osten von der Weichsel und im Westen von der Drage begrenzt. Im Norden fehlt eine natürliche Grenze. Die Lange, schmale Hochfläche hat eine Größe von 3300 qkm, zählt somit zu den viertgrössten Landschaften der Posener Region.

Die Nordposener Hochfläche ist geologisch gesehen der Südrand des Baltischen Höhen-rückens. Sie erhebt sich im Süden fast auf seiner ganzen Länge von der Weichsel bis unweit der Drage über das Urstromtal.  Die Hochfläche zeigt besonders in ihrer Mitte, zwischen der Brahe und der Küddow, eine deutende Höhenentwicklung. Sie überragt  hier im Durchschnitt die 100 m – Höhenlinie. Im Osten, zwischen Brahe und Lobsonka, erhebt sie sich über dem Netzetal auf 100 – 110 m und steigt dann langsam nach Norden zu an,  und hier im Norden erheben sich weite Flächen über 120 m und erreichen als höchste Höhe 154 m. Im Westen, zwischen Lobsonka und Küddow, dagegen erhebt sie sich an der Netze in einigen dem Talrand aufgesetzten Hügelreihen auf 187 m und in den Eichbergen bei Wirsitz sogar auf 194 m; jenseits der Hügelreihen aber senkt sie sich auf etwa 100 m. Die beiden Flanken der Nordposener Hochfläche, zwischen Weichsel und Brahe im Osten  und zwischen Küddow und Brahe im Westen, ähneln im Aufbau dem Mittelstück, nur dass ihre Durchschnittshöhe unter 100 m fällt.

Die Nordposener Hochfläche überragt zwar in ihrer größten Höhe alle Posener Landschaften außer der Schildberger; in der Durchschnittshöhe aber wird sie von der Südposener merklich übertroffen und dies gilt auch so für die Ostposener Hochfläche. Keine der Posener Landschaften aber besitzt so große Höhenunterschiede wie die Nordposener, weil sie nämlich ihrer ganzen Länge nach an das durchschnittlich tiefstgelegene Posener Tal, das Thorn – Eberswalder Haupttal, stößt  und die im zuströmenden Flüsse , wie Brahe, Lobsonka, Küddow und Drage ein starkes Gefälle mit einer überdurchschnittlich hohen Wasserführung haben. So entstanden auch die tiefen Täler in der Hochfläche. Der größte Höhenunterschied liegt südlich von Wirsitz am Netzetalrand, wo sich die  Eichberge bis 140 m über der Talsohle erheben.

 

 

Oberpräsidenten der Provinz Posen

Im 17. und 18. Jahrhundert  Beamter, der den Vorsitz in den Zentralbehörden einer preußischen Provinz führte. Seit 1815 oberster Verwaltungs-beamter einer preußischen Provinz und von 1857 bis 1883 zugleich meist Regierungspräsident.

Oberpräsidenten der preußischen Provinz Posen, die über größere Machtbefugnisse als die meisten anderen preußischen Oberpräsidenten verfügten,  waren :

 

Amtszeit :

  • Zerboni di Sposetti, Joseph
  • Baumann, Johann Friedrich Theodor von
  • Flottwell, Eduard Heinrich von

1840-1842                Arnim-Boytzenburg, Graf  Adolf Heinrich von

1843 – 1850             Beurmann, Carl Moritz von

  • Bonin,Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von
  • Puttkamer, Eugen von

1860-1862                Bonin, Gustav Carl Heinrich Wilhelm Gebhard von

1862 –1869              Horn, Carl Wilhelm Heinrich Georg von

  • Königsmarck, Graf Otto von

1873 –1886              Guenther,William Barstow von

  • Zedlitz-Trützschler, Dr. Robert Graf von
  • Wilamowitz-Moellendorf, Hugo Theodor Wickardt von

1899 –1903              Bitter, Karl Julius Rudolf von

  • Waldow-Reitzenstein, Wilhelm Hans August von
  • Schwartzkopf, Dr. Philipp
  • Eisenhart-Rothe, Johann Karl Friedrich Moritz Ferdinand von

 

 

Oberpräsidium der Provinz Posen

Durch den Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen den westlichen Teil des ehemaligen  Herzogtums Warschau einschließlich des südlichen  Teils des ehemaligen Netzedistrikts mit  Bromberg und Inowrozlaw (bis auf die Kreise Kulm, Michelau und Thorn, die zu Westpreußen kamen). Die drei ehemals südpreußischen Bezirke Posen, Bromberg und Kalisch kamen wieder zurück, jedoch nicht vollständig, denn vom Dep. Posen kam ein kleiner, vom Dep. Kalisch der größte Teil nebst der Stadt Kalisch an Russland.

Die nun zu Preußen gehörenden Gebiete , die im wesentlichen die alte Landschaft Großpolen (Wielkopolska) darstellten, wurden 1815 bei der Neugliederung der Verwaltungsbezirke zu den beiden Regierungsbezirke Posen und Bromberg vereinigt und  bildeten zusammen das Groß-herzogtum Posen bzw. ab 1849 die Provinz Posen. Die Einteilung in Kreise wurde 1818 vorgenommen und bestand bis 1887, als im Interesse einer effizienteren Verwaltung die Anzahl der Kreise durch Teilung erhöht wurde.

Der 1815 zum ersten Oberpräsidenten der Provinz berufene Zerboni di Sposetti war dort bereits 1793 als Justiziar der Kriegs – und Domänenkammer Petrikau (Südpreußen) tätig gewesen. Er war bis 1833 zugleich Präsident des Regierungsbezirkes Posen. Nach Bromberg wurde v. Kamienski als Regierungspräsident berufen. Die Tätigkeit des Oberpräsidenten wurde 1845 durch Dienst-vorschriften von 1817 und 1825 geregelt. Die Kompetenz des Oberpräsidenten wurde 1845 nochmals um die Erteilung von Konzessionen für Handel und Gewerbe erweitert. Das Gemeindegesetz von 1853 ermöglichte der Behörde Eingriffe in fast alle Gemeindeange-legenheiten. Per Gesetz aus dem Jahre 1883 wurde beim Oberpräsidium ein Provinzialrat eingerichtet und ein Provinzialausschuß als Organ der Selbstverwaltung berufen. Diese nahmen ihre Arbeit in Großpolen im Jahre 1889 auf.

 

 

Oberschlesischer Turm

Posen war eine bedeutende Messestadt und daher richtete Posen 1911 die „Ostdeutsche Ausstellung für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft“ aus.

Oberschlesien wollte seinen industriellen Aufschwung präsentieren. Die Stadt Posen benötigte einen neuen Wasserturm und eine neue Markthalle. Der Gedanke lag daher nahe, die oberschlesische Ausstellung in einem gesonderten Bauwerk zu veranstalten und dieses so zu gestalten, das es später weiter genutzt werden konnte.

Der Oberschlesische Turm wurde zu einem Wahrzeichen des Messezentrums.

Der obere Teil, das spätere Wassserbassin, diente während der Ausstellung als Restaurant. Die Kosten des von Prof. Hans Pölzig (1869-1936) aus Breslau entworfenen und von der Donners-marckhütte erbauten Turmes, beliefen sich auf 625.000 Reichsmark, die die Oberschlesische Eisen-industrie übernahm. Der Turm ging nach der Ausstellung in den Besitz der Stadt Posen über, die ihn als Wasserturm weiter nutzte.

 

 

Obersitzko  (poln.: Obrzycko)

Eine auf einer Anhöhe an der Warthe errichtete Siedlung ist bereits um das Jahr 1100 belegt. Schon im Mittelalter muss O., seit 1238 Sitz einer Kastellanei, Stadtrecht besessen haben, denn sie wird in der Städtematrikel von 1458 geführt. O. muss jedoch später wieder zu einem Dorf herabgesunken sein, denn in den Steuerlisten aus dem Jahr 1580 und auch später wird der Ort nicht mehr unter den Städten aufgeführt. Im 17. Jahrhundert warb der Grundherr Christoph Radziwill durch Vermittlung seines Pächters Johann Schlichting deutsche protestantische Siedler nach O. Der adlige Grundherr erwirkte während einer Reichsversammlung am 24. März 1638 von König Wladisław III   (                ) die Wiederherstellung städtischer Rechte.

Grosse Teile der Stadt zerstörte ein Feuer am 15. Juni 1739.

 

Lit.:

  • Kucharski, Bogdan: Obrzycko i okoloce. Poznań 1978

 

 

 

Obornik  (poln. : Oborniki)

Etwa ein Kilometer unterhalb der Welnamündung lag an der Warthe eine slawische Siedlung. Sehr wahrscheinlich noch im 13. Jahrhundert (um 1250)  wurde im Schutz einer Burg am östlichen Welnaufer eine deutsche Kolonialstadt angelegt. O. zählt damit zu den ältesten Städten der Region. 1255 wurde in der Stadt ein Franziskanerkloster errichtet. Im 14. Jahrhundert während der Zeit der polnischen Teilfürstentümer gehörte die Stadt zum Besitz der Glogauer Herzöge und erst ab 1395 war sie wieder Teil des polnischen Königreiches.  Obornik erhielt am 15. März 1485 das Magdeburger Stadtrecht verliehen.

Obornik war – wie auch Posen, Meseritz, Fraustadt Kosten , Schildberg u.a. – eine königliche Stadt, d.h. sie unterstand unmittelbar der Hoheit des polnischen Königs, während die meisten Städte der Provinz „adlige Städte“ waren  und der Hoheit eines Magnaten oder Grundherrn unterstanden.

1480 zerstörte ein verheerendes Feuer nahezu die gesamte Stadt.

Im 17. und 18. Jahrhundert suchten schwere Kriege und Bürgerkriege das Land heim. Anschließend entvölkerte die Pest auch die Wartheniederung um Obornik. Der königliche Starost Boguslav  von Unruh  sorgte sich intensiv um den Wiederaufbau der ihm anvertrauten Region und warb Siedler ab dem Jahre 1700 an.

Mit der zweiten Teilung Polens wurde Obornik preußisch. Unter preußischer Herrschaft kam es zur Säkularisierung und damit zur Auflösung des Klosters. 1795 hatte die Stadt 750 Einwohner. 1814 zerstörte ein Brand die Stadt nahezu vollständig. O. profitierte weder von der Warthe-Schifffahrt noch von der in zwei Kilometer entfernt verlaufenden Bahnlinie Posen-Schneidemühl, so dass die Stadt im 19. Jahrhundert über den Status einer Landgemeinde nicht mehr hinauswuchs. 1883 hatte die Stadt nicht mehr als 2800 Einwohner.

1919  wieder polnisch.

Die deutschen Behörden befahlen am 20. Januar 1945 die Räumung der Stadt innerhalb von zwei Stunden, die am 23. Januar 1945 von russischen Truppen besetzt wurde.

 

Lit. :

  • Brauer, Wilhelm Reinhold : Obornik, eine “ königliche “ Stadt an der Warthe, Berlin 1960
  • Dzieje Obornik, Pod red. Czesław Luczak, Poznan 1990
  • Gollnick, : Heimatkunde des Kreises Obornik. Lissa 1901

 

 

Obra (Nebenfluss der Warthe)

Größter linksseitiger  Nebenfluss der Warthe, der auf der Südposener Hochfläche im Kreis Koschmin entspringt und 253 km lang ist. Die Obra ist einer der eigenartigsten Flüsse, denn sie hat drei Mündungen nach verschiedenen Himmels-richtungen.

Die Obra tritt – meist kanalisiert – in das 330 qkm große und das 60 km lange Obrabruch und gabelt sich hier in die 28 km lange Moschiner Obra (mündet in die mittlere Warthe ), in die 31 km lange Faule Obra (mündet in die Oder) und in die 114 km lange Nördliche Obra, die die Bentschener Seenkette durchfließt und bei Schwerin (Skwierzyna)  in die Warthe mündet

Die beiden letztgenannten Mündungen sind erst ab 1783 künstlich geschaffen worden, um das wüste Bruchgelände, das die mittlere Obra im Warschau-Berliner Urstromtal bildete, zu entwässern.

Der Fluss hatte keinerlei Bedeutung für die Binnenschifffahrt der Region; heute überwiegend Sport- und Freizeitnutzung.

 

 

Obra  ( Kloster )

Das Kloster Obra ist eine ehemalige Zisterziensermönchsabtei in Polen. Es befindet sich in der Woiwodschaft Großpolen rund 6 km südwestlich der Stadt Wollstein  (Wolsztyn).

 

Das Kloster Obra wurde als Tochter des Klosters Łękno (später Kloster Wagrowiec (Wongrowitz)) aus der Filitation von Altenberg im Bergischen Land, die sich wiederum von der Primarabtei Morimond ableitet, im Jahr 1237 vom Kantor Sandivius (Sendziwoj) der Gnesener Domkirche aus dem Jelenczyk-Geschlecht gestiftet. Das Kloster war eines der drei sog. „kölnischen Kloster“. Die Konventualen kamen bis 1553 aus dem Rheinland. Im 17. Jahrhundert war der Abt Generalvikar des Ordens für Polen und Preußen. 1835 wurde das Kloster aufgelöst. Die Kirche wurde zur Pfarrkirche. Jetzt befindet sich dort ein geistliches Seminar.

Die ersten näheren Angaben zur Bausubstanz enthält der Visitationsbericht aus dem Jahr 1580. Kurz vor 1600 wurde an das gemauerte Presbyterium der Kirche ein Langhaus aus Backstein angebaut. Die neue Kirche wurde 1596 geweiht. Ein neues Klostergebäude aus Backstein wurde 1618 bis 1633 errichtet. Es liegt rechts von der Kirche. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das Kloster großenteils zerstört. Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert nach dem Projekt von Giovanni Catenazzi (1660-1724) wiederaufgebaut. Sie ist ein einschiffiger gewölbter Rokokobau und wurde 1787 wieder geweiht.

 

Lit. :

  • Schneider, Ambrosius: Lexikale Übersicht der Männerklöster der Cistercienser im deutschen Sprach- und Kulturraum, in: Schneider, Ambrosius; Wienand, Adam; Bickel, Wolfgang; Coester, Ernst (Hrsg.): Die Cistercienser, Geschichte – Geist – Kunst, 3. Aufl., Wienand Verlag Köln 1986, S. 680
  • Schneider, Ambrosius: Kolonisation und Mission im Osten, in: Schneider, Ambrosius; Wienand, Adam; Bickel, Wolfgang; Coester, Ernst (Hrsg.): Die Cistercienser, Geschichte – Geist – Kunst, Köln ³ 1986
  • Faryna-Paszkiewicz, Hanna/Omilanowska, Małgorzata/Pasieczny, Robert: Atlas zabytków architektury w Polsce, Warzawa 2001
  • Jarosz, Dariusz: Die Zisterzienserklöster der Altenburger Linie: Lekno, Lond, Obra, in Knefelkamp, Ulrich, Reddig, Wolfgang F.: Klöster und Landschaften, Zisterzienser westlich und östlich der Oder, ²1999, S. 177-185
  • Krason, Józef: Uposażenie klasztoru cystersów w Obrze w wiekach średnich, Poznań 1950
  • Wyrwa, Andrzej: Procesy fundacyjne wielkopolskich klasztorów cysterskich linii altenberskiej Łękno, Obra, Ląd, Poznań 1995

 

 

Obrabruch

Der Obrabruch war ein unfruchtbares, morastiges Sumpfland, bevor es durch Entwässerungs-Maßnahmen zu einem äußerst fruchtbaren Niederungsgebiet 1783 umgestaltet wurde,

Durch den neuen Obrakanal steht der Obranbruch mit der Warthe in Verbindung. Die Obra tritt mit zwei Armen aus dem Bruch. Der linke Arm vereinigt sich mit der aus dem Kreis Meseritz kommenden Faulen Obra und fliesst westlich zur Oder.; der Hauptarm geht nördlich zur Warthe. Von Norden her fliest dem Obrabruch der Pruth zu.

 

 

Olabok  ( Kloster )

Nonnenkloster

 

 

Olobok

kleiner Fluss, der in die Prosna mündet

 

 

Opalenitza   (poln. : Opalenica)

1393 erstmals urkundlich erwähnt, befand sich der Ort zu jener Zeit im Besitz des Ritters Tyczy Bar, der aus Pommern stammte und in polnischen Diensten stand. 1401 erhielt dieser Ritter die königliche Erlaubnis, O. zur Stadt zu erheben. Von 1445 bis 1775 gehörte die Stadt der adligen Familie Opalinski.

Im 16. Jahrhundert traten die Einwohner von O. zur Arianertum über, wofür der Woiwode von Posen die Stadt zur Strafe niederbrannte. Erst nach erneuter Konversion durften sie ihre Stadt wieder aufbauen.

1793 – zur Zeit der preußischen Inbesitznahme – hatte Opalenitza 583 Einwohner.

Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte ist einer der Haupterwerbszweige der Stadt, die heute 16.000 Einwohner aufweist

 

Lit. :

  • Duzinski, C. : Z dziejów Opalenicy ( 1401-1901) . Poznan 1902
  • Luczak, Czesław : Dzieje Opalenicy, Poznań 1993

 

 

Optanten

Nach Artikel 91, Abs. 3 des Versailler Vertrages     („Die deutschen Reichsangehörigen, die ihren Wohnsitz in den endgültig als Bestandteil Polens anerkannten Gebieten haben, erwerben von Rechts wegen die polnische Staatsangehörigkeit unter Verlust der deutschen. Indes können deutsche  Reichsangehörige, die sich nach dem 01. Januar 19o8 in jenen Gebieten niedergelassen  haben, die polnische Staatsangehörigkeit nur mit besonderer Genehmigung des polnischen  Staates erwerben. Zwei Jahre lang nach dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages sind die über achtzehn Jahre alten deutschen Staatsan-gehörigen, die in einem der als Bestandteil Polens anerkannten Gebiete ihren Wohnsitz haben, berechtigt, für die deutsche Staatsangehörigkeit zu optieren. Polen deutscher Reichsangehörigkeit im Alter über 18 Jahren, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben sind ebenso berechtigt, für die polnische Staatsangehörigkeit zu optieren. „) waren die in den an Polen abgetrennten ehemals deutschen Gebieten wohnhaften Deutschen berechtigt, für die Beibehaltung ihrer deutschen Staatsangehörigkeit zu optieren. Die Optionsfrist lief bis zum 10. Januar 1922, d.h. zwei Jahre nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages, aus.

Nach deutschen Schätzungen machten 150.000 bis 175.000 Personen vom Recht des Erwerbs der polnischen Staatsangehörigkeit keinen Gebrauch. Die entsprechenden Ausführungen des Versailler Vertrages sahen für die Optanten keinen direkten Zwang zur Auswanderung aus Polen vor. Den Optanten verweigerte man jedoch – entsprechend den polnischen Bestimmungen über die Frage des Aufenthaltsrechtes für Ausländer – eine Aufenthaltsbescheinigung.

1924 waren nur noch 26.000 Optanten nachzuweisen; sie wollten als deutsche Staats-angehörige in Polen bleiben. Der polnische Staat drängte jedoch auf deren Aussiedlung. Der Präsident der Völkerbundkommission, Kaeken-beek, erkannte das polnische Verlangen nach Abzug aller Optanten an. Es kam daraufhin zu einem in Wien zwischen Deutschland und Polen unterzeichneten Abkommen, demzufolge alle Optanten bis zum o1. Juli 1926 Polen zu verlassen hatten. ( ► Wiener Abkommen )

Die Zahl der Deutschen in der ehemaligen Provinz Posen hatte sich bis zum Jahre 1921 laut der damaligen polnischen Volkszählung auf 327.846 Personen verringert. Im Jahre 1926 betrug sie nach deutschen Selbstschätzungen nur noch 224 254 Personen, im Vergleich zu 1911 hatte sich die Zahl der Deutschen somit  um 545. 785 Personen verringert.

Lit.:

  • Boysen, Jens: Staatsbürgerliche Optionen in Posen nach 1918. In : Deutschsein als Grenzerfahrung. Minderheitenpolitik in Europa zwischen 1914 und 1950. Hrsg. Von Matthias Beer u.a. Essen 2009. S.175-188

 

 

Organische Arbeit (praca organicza)

Seit Mitte der 1830er Jahre begann die polnische Elite der Provinz Posen Rahmenbedingungen zu schaffen, die den gesellschaftlichen, wirtschaft-lichen und kulturellen Belangen und Interesssen der polnischen Bevölkerung dienten, gleichzeitig aber als Schutz gegen die Benachteiligung der polnischen Bevölkerungsteils der Provinz durch die deutsche Herrschaft gedacht waren.

Damt verbunden war die Hoffnung auf Wieder-herstellung  Polens als souveräner Staat. Die staatliche Einheit Polens sollte der letzte Schritt einer „organischen Arbeit“ sein, der die Stellung der Polen innerhalb der Wirtschaft der Provinz stärken und das allgemeine Bildungsniveau der polnischen Bevölkerung heben sollte.

Die Aktivisten der „organischen Abeit“ lehnten dahe einen bewaffneten Kampf um die Unabhängigkeit Polens ab. Die Aktivitäten der „Organischen Abeit“ bewegten sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.Mentor dieser Bewegung innehalb der polnischen Nationalbewegung war der Arzt Karol Marcinkowski (1800-1846).Auf ihn gehen maßgeblich die Gründung des „Bazar“ in Posen 1838 und der „Towarzystwo Naukowej Pomocy“ (Gesellschaft für wissenschaftliche Hilfe) 1841 zurück.

Das „Bazar“ –ein repräsentatives Gebäude in der Stadtmitte- umfasste ein Hotel, einen Versammlungssaal, Läden und Werkstätten. Die „Towarzystwo…“ förderte begabte polnische Schüler und Studenten aus unvermögenden Familien.

Dies und und die Gründung von Wirtschafts-vereinen liess ein selbstbewusstes polnisches Bürgertum entstehen, das sich nationalpolnisch enaggierte und die antipolnishen Maßnahmen der preußischen Behörden weitestgehend in das Leere laufen ließ.

 

 

Orla  ( poln.: Horla)

kleiner rechtsseitiger Nebenfluss der Bartsch, der beim Dorf Budy (Krs.Krotoschin) entspringt, fliesst durch Koschmin (Koźmin). Bei Jutroschin (Jutrosin) münden die Radenz (Radęcą) und die Ochla, südlich von Rawitsch (Rawicz) die Dąbroczna) und Maslőwka) in die Orla, bevor sie nach 88 km in die Bartsch  (               ) mündet.

Ihr Flussgebiet bildet – mit Ausnahme des letzten Stückes – einen Teil des großpolnischen Grenzlandes gegen Schlesien.

 

 

Ostbank für Handel und Gewerbe

1898 in Posen gegründet.

Nach Kriegsende 1918 vom polnischen Staat liquidiert.

Auf deutschem Gebiet konnte sie mit Sitz in Königsberg (Ostpreußen) aber weiterbestehen und nahm 1939 ihre Tätigkeit im besetzten Polen wieder auf.

 

 

Lit.:

  • Losse, Ingo: Kredit für NS-Verbrechen. Die deutschen Kreditinstitute in Polen und die Ausraubung der polnischen und jüdischen Bevölkerung 1939-1945. München 2007

 

Ostmarkenzulage

….für deutsche Beamte sollte eine Entschädigung für die schwierigen dienstlichen und häufig wenig angenehmen sozialen Verhältnisse bieten und sollte gleichzeitig dafür sorgen, das eine Versetzung nicht als Bestrafung empfunden wurde.

In Preußen erhielten Beamte der unteren und mittleren Laufbahn ab 1903 nach fünf Jhren Dienstzeit in den „gemischtsprachigen Provinzen“ eine Gehaltszulage von 10 Prozent.

 

 

Oschinitza ( Fluss )

Die  Quelle dieses Flusses befindet sich südlich des Dorfes Orzeschkowo (Krs. Birnbaum). Als Kwiltscher Fluss fließt dieses Gewässer nach Nordosten, mündet zunächst im Großen Bialscher See, verlässt diesen mit dem Namen Luttomer Fließ und mündet als Oschinitza östlich von Zirke in die Warthe.

 

 

Ostdeutsche Landesaustellung

(► Oberschlesischer Turm  )

Am 16. Mai 1910 eröffnet. Leistungsüberblick der Wirtschaft der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches, insbesondere Aussteller aus Schlesien, der Provinz Posen, Ost – und Westpreußen und Pommern. ca. 1000 Aussteller. Ausstellungs-gelände : 350 000 qm

 

Ostflucht

…ist ein zum ersten Mal bei der Gründung der Königlich-Preußischen Ansiedlungskommission   1886 amtlich benutzter Begriff, der sich auf die stetige Abwanderung größerer Bevölkerungsteile aus den wirtschaftsschwachen östlichen Landesteilen Preußens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezog

Der Nationalökonom Friedrich List (            ) war der Erste, der sich über die deutsche Überseewanderung Gedanken machte und die Auswanderer in den Ostprovinzen Preußens oder in  grenznaher Ansiedlung entlang der  Donau bis an das  Schwarze Meer unterbringen wollte, damit sie nicht fremde  Volkswirtschaften bereicherten, sondern dem  Mutter-land erhalten blieben. Auf die Auswanderung wurde als Problem aber erst reagiert, als die Politiker in Preußen sich bewusst wurden, dass sie zu einer Bevölkerungsverschiebung führte, zumal aus den Provinzen Ost-und Westpreußen, Schlesien und  Posen viele Arbeitssuchende, darunter viele aus dem starken polnischsprachigen Bevölkerungsteil dieser Gebiete, entweder nach Übersee oder in die aufstrebenden Industrieregionen im Westen des Reiches abwanderten 1886 reagierte die preußische Regierung mit der Einrichtung der Preußischen Ansiedlungskommission , die dem demographischen Wachstum des  polnischen Bevölkerungsanteils Einhalt gebieten sollte, denn die Polen wurden als Gefahr für die Germanisierungsabsichten wahrge-nommen, zumal sie sich auch politisch organisierten und ausdrücklich seit 1848 die Gründung eines eigenen Nationalstaates ins Auge gefasst hatten.

 

Ostkolonisation

Unter dieser Bezeichnung wird die Besiedelung sowie die wirtschaftliche Erschließung der Gebiete östlich der Elbe- Saale und des Böhmerwaldes bis zur Save und zum Schwarzen Meer verstanden.

Die Ostkolonisation ist Teil einer übergreifenden Bewegung, die vom 11. bis zum 13. Jahrhundert fast den gesamten europäischen Raum erfaste.

Überbevölkerung ließ Kolonisationsbemühungen der geistlichen und weltlichen Fürsten zu einer mächtigen Migrationsbewegung vom 12. bis zum 14. Jahrhundert werden. Die Urbanisierung großer Flächen des Besitzes der Grundherren war das Ziel der Anwerbung der Kolonisten.

Mit der Einwanderung deutscher Siedler ging eine tiefgreifende Veränderung der Siedlungs- und Rechtsstrukturen in den zuvor überwiegend slawisch bewohnten Gebiete einher.

Seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts ließ die Ostkolonisation infolge der großen Menschen-verluste durch Pestepidemien, der Ver-schlechterung der Siedlungsbedingungen und der sich entwickelnden nationalen Widerstände nach.

Angeworben wurden die Siedler einerseits von lokalen weltlichen Landesherren und von den Königen des benachbarten Polen. Auch religiöse Gemeinschaften,die im Zuge der Christanisierung Landbesitz erhalten hatten, suchten diesen durch das Ansetzen von Kolonisten einträglich zu machen.

Die Siedler wurden mit Land und Privilegien geworben. Ansiedlungen wurden gewöhnlich von ►Lokatoren organisiert, die im Gegenzug eine privilegierterte Stellung als die angeworbenen Siedler erhielten, z.B. das Schulzenamt.

 

Lit.:

  • Kuhn, Walter: Die deutsche Ostsiedlung in der Neuzeit. Köln/Graz 1955
  • Zernack, Klaus: Der hochmittelalterliche Landesausbau als Proble der Entwicklung Ostmitteleuropas. In : Ders.: Preußen-Deutschland-Polen. Aufsätze zur Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen. Berlin 1991. S.171-183
  • Higounet, Charles: Die deutsche Ostsiedelung im Mitttelalter. Berlin 2001

 

 

Ostposener Hochfläche

Die Ostposener Hochfläche wird im Süden vom Warschau – Berliner Tal, im Norden vom Thorn-Eberswalder Haupttal, im Osten  vom Netzetal und im Westen vom Durchbruchstal der Warthe und einer Linie begrenz, die unterhalb der Welnamündung zum Netzeknie bei Czarnikau gezogen wird.

Innerhalb dieser Grenzen ist die Hochfläche rund 8500 qkm groß.

Im Norden der Ostposener Hochfläche zieht sich an der Netze entlang ein Höhenzug, dessen einzelne Teile Endmoränen darstellen und stellenweise bedeutende Höhen erreichen, so der Tempelberg bei Kolmar mit 191 Metern und der Bismarckkopf bei Exin mit 162 Metern.

 

 

Ostrów Lednicki

Zwischen den Ortschaften Dziekanowice/ Schönfelde und Siemianowo/Alfredsthal befindet sich auf der größten Insel (7,5 ha) des Lednicka-Sees ein archäologisches Freilichtmuseum mit den Resten einer Burganlage aus der Mitte des 10. Jahrhunderts.

Die Insel war  bereits in der Jungsteinzeit bewohnt.

Vermutlich ist in diesem Gebiet der Keim des Staates der Polanen zu suchen, die im 10 Jahrhundert die Staatsgründung Polens betrieben.

Die Polanenherzöge errichteten auf der Insel eine Burg, die 1038 durch Bratislav von Böhmen während der „destructio Poloniae“ (der Verwüstung Polens) zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.

Archäologische Forschungen haben ergeben, dass in diesem Teil Großpolens bereits im 06. Jahrhundert gesiedelt wurde. Die erste Burganlage, die von einem holzverstärkten Erdwall umgeben war, wurde an der Wende vom 09. bis 10. Jahr-hundert errichtet.Die Holz-und erdwälle umfassten ein Gelände von ca. 1,5 ha.Im Innern des Komplexes befand sich das gemauerte Palatium des Herzogs. Daneben errichtete man eine von Handwerkern bewohnte Vorburg.

Die im 10. Jahrhundert errichtete Burgkapelle diente bis zum 15. Jahrhundert als Pfarrkirche.

Quer über die Insel verlief zu jener Zeit der Weg von Posen nach Gnesen. Beide Seeufer sollen durch eine mehr als 600 m lange Holzbrücke miteinander verbunden gewesen sein.

Heute ein bedeutender archäologischer Standort in Großpolen.

Die Burg ist von der UNESCO als Denkmal von besonderer Bedeutung unter Schutz gestellt worden.

 

Lit.:

  • Rospenk, Marian : Krótki zarys dziejów miasta. Ostrow 1928

 

 

Ostrowo   (poln. : Ostrów  Wlkp.)

Der Name der Stadt ist dem polnischen Wort für “ Insel „( Ostrow ) entlehnt. Die Stadt wurde am Ufer des kleinen Flusses Krepa gegründet, der rechter Zufluss des Olobok ist. Das älteste sich auf die Stadt beziehende Dokument ist die Schenkungsurkunde vom 30. Juni 1293, durch die Przemysław II. (1257-1296) sein Erbvermögen einem Ritter namens Tarcsin übereignete.

1404 erstmals als Stadt urkundlich erwähnt, war aber eine der kleinsten in der Region. Grund hierfür war eine ungünstige  Lage abseits der Handels-strasse Breslau- Kalisch. Ab dem 15. Jahrhundert begann der wirtschaftliche Verfall des Ortes.

Während des Nordischen Krieges erfolgte 1711 die totale Zerstörung des Ortes, der nur noch als Wüstung bezeichnet wurde. Das Elend der von Pest und Bränden geplagten Stadt war so groß, dass die Ostrowoer Bürger 1791 (erfolgreich) die Annullierung der Stadtrechte beantragten, um so keine Steuern mehr zahlen zu müssen. Infolge des Zuzugs zahlreicher aus Schlesien und Sachsen zugewanderter Protestanten baute der Großschatz-meister von Polen, Johann Georg von Przebendowski als Grundherr der Gemarkung die Stadt Ostrowo wieder auf (die zu jener Zeit nur noch aus 12 Häusern bestand, die von 20 Familien bewohnt wurde) und erwirkte 1717 die erneute Verleihung städtischer Privilegien. Mit der Über-nahme der Stadt durch die adlige Familie Radziwill 1775 entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum des Handwerks und des Handels.

Durch die 2. polnische Teilung wurde Ostrowo 1793 preußisch; zu jener Zeit verzeichnete sie 2541 Einwohner  (1296 evangelischen, 891 katholischen und 381 jüdischen Bekenntnisses) Das Rathaus wurde nach Entwürfen des preußischen Architekten K.F. Schinkel (1781-1841) erbaut.

Die preußische Zeit endete mit dem von Stefan Rowinski geleiteten Aufstand der Polen, der am 07. November 1918 ausbrach und am 10. November zur Ausrufung der „republika ostrowska“ führte- einen Monat vor dem „Großpolnischen Aufstand“

Mit heute 74.000 Einwohner ist O. die fünftgrösste Stadt in Wielkopolska  und ist bekannt durch ihre Honigkuchenbäckerei.

Städtepartnerschaft mit Nordhausen/Thüringen.

 

Lit.:

  • Bessert, M.: Aus der Vergangenheit der Stadt Ostrowo. Ostrowo 1914
  • Dzieje Ostrzeszowa. Pod.red. Stanisław Nawrocki . Kalisz 1991
  • Käding, Otto / Pommerenke, Arno : Heimatbuch für den Kreis Ostrowo / Provinz Posen mit angrenzenden Kreisen Kempen und Kalisch, Kirschlengern 1983
  • Kostrzewski, M.: Ostrów i Okolice. Poznan 1969
  • Nawocki, S.: Ostrów Wielkopolski. Dzieje miasta i regionu. Poznań 1990
  • Rospenk, M.: Krótki zarys dziejów miasta Ostrowa. Ostrów 1928
  • Serwanski, Edward : Ostrow Wielkopolski. Poznan 1992

 

 

Owinsk   (poln. : Owińska)

1242 erhielten Zisterzienserinnen aus Trebnitz in Schlesien den Ort geschenkt, die hier ein Tochterkloster anlegten. Der heutige Klosterbau wurde nach einem Brand im 18. Jahrhundert nach Entwürfen des italienischen Baumeisters Pompeo Ferrari 1720 begonnen und 1731 geweiht.

Im englischen Park des Ortes befindet sich ein  neuklassizistisches Palais, das von 1804 bis 1806 von K.F. Schinkel (1781-1841) errichtet wurde.

Bauherr war der in Berlin und Paris tätige Kaufmann Otto Sigismund von Treskow, dessen Familie das Schloss bis 1945 bewohnte und das 1968 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 

Ursprünglich handelte es sich bei dem Gebäudekomplex um ein Kloster mit angrenzenden Gütern. Mit der zweiten Teilung Polens fiel Owinsk im Jahr 1793 an Preußen. Die Herrschaft Owinsk mit den zugehörigen Ortschaften wurde von dem vermögenden Kaufmann und Kanonikus Sigmund Otto Joseph von Treskow (1756-1825) im Jahre 1797 erworben, der seine geschäftliche Tätigkeit in Berlin und Paris entfaltet hatte. Gleich nach der Übernahme der Güter wurden von dem neuen Besitzer erhebliche Mittel in die Verschönerung der Parkanlage und des herrschaftlichen Schlosses investiert. Zahlreiche Wirtschaftsgebäude wurden errichtet, umfangreiche Planierungen vorgenommen und eine Chaussee mitten durch das Dorf gelegt.

Zu dieser Zeit galt der junge Friedrich Gilly (1772-1800) als das aufstrebende Talent unter den deutschen Architekten. Er hatte kurz zuvor mit seinem Denkmalsentwurf für Friedrich den Großen für Aufsehen gesorgt und war seit 1798 Professor an der von seinem Vater David Gilly mitbegründeten Berliner Bauakademie. Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Catel  waren seine freundschaftlich verbundenen Schüler. Gilly hatte gute Kontakte in die Ostprovinzen aufgebaut. Aber im Alter von nur 28 Jahren starb er am 3. August 1800 in Karlsbad an Tuberkulose und hinterließ zahlreiche unvollendete Bauprojekte, die unter der Leitung seines Vaters von seinen Schülern fertig gestellt wurden. Ob Schloss Owinsk durch Gillys Tod bereits in der Vorplanungsphase ins Stocken kam und wann genau Schinkel selbst eingegriffen hat, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit aufklären. Als erster Planer der Anlage gilt Ludwig Friedrich Catel(1776-1819). Dieser war Architekt, Architekturtheoretiker, Manufaktur-unternehmer sowie Initiator und Gründungsschriftführer des Berlinischen Künstler-Vereins.

Schinkel hat sich damals nachweislich in der Posener Gegend aufgehalten. Es spricht einiges dafür, dass die erste Entwurfsplanung für die Anlage zunächst von Ludwig Catel gefertigt wurde und diese noch vor Abschluss der Bauarbeiten nach Plänen Schinkels modifiziert und erweitert wurde. Das Gebäude wurde jedenfalls noch während der Bauphase umgeplant, was sich etwas ungünstig auf die Proportionen auswirkte. Insbesondere wurden Giebelrisalite angefügt, um eine herrschaftlichere Wirkung zu erzielen.

Bis 1945 war die Anlage im Eigentum der Familie von Treskow. Das Schloss wurde in Zeiten des Sozialismus als Schule genutzt und nach der Wende privatisiert. Der Denkmalschutz ließ keinen Hotel-betrieb zu, so dass das ungenutzte Gebäude verwahrloste. Im Jahr 2004 kaufte die Gemeinde das Schloss zurück, um das Bauwerk zu schützen.

 

 

Packlitz 

mündet in die Obra bei Meseritz

 

Pakosch    ( poln. Pakosć )

Bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts bestand am Oberlauf der Netze eine Ansiedlung. die den Namen Pakosch führte.

Der Lauf der Netze bildete die Grenze zwischen Kujawien und Grosspolen, und da Pakosch auf dem westlichen Ufer des Flusses lag, gehörte der Ort zu Grosspolen.

Die ältesten Nachrichten, die über den Ort erhalten sind, beziehen sich auf die ehemalige Pfarrkirche, die dem heiligen Jacobus gewidmet war. Sie wurde um das Jahr 1250 dem Erzbischof Fulco von Gnesen abgetreten und die hierüber ausgestellte Urkunde ist die älteste aus der Geschichte der Stadt. Herzog Kasimir von Kujawien (ca.1211-1267)  ließ 1259 eine kleine Festung zum Schutz gegen Übergriffe der Pommern errichten. Während des Krieges des Deutschen Ordens gegen Polen war diese Burg die einzigste in Kujawien, die der Orden nicht erobern  konnte.

Aufgrund des Privilegs König Kasimirs des Großen (1333-1370) vom 09. Februar 1359 konnte der Grundherr des Dorfes diese Ansiedlung zur Stadt weiter entwickeln.

Nachdem durch die Schlacht bei Tannenberg (1410) der Nordosten des Landes dauernd vor den Übergriffen des Deutschen Ordens gesichert war, entwickelte sich P. zu einem Handelsmittelpunkt. Am 12. August 1415 erhielt die Stadt ein Privileg, das ihr Zollfreiheit gewährte.

Im 16. Jahrhundert gewann die reformatorische Bewegung in Großpolen eine Reihe von Anhängern. Die Grundherren von Pakosch, die Fam. Krotowski, bekannten sich jedoch nicht zum lutherischen Protestantismus, sondern schlossen sich den Böhmischen Brüdern an. Der damalige Grundherr von P., Johann Erasmus Krotowki, seit 1562 Woiwode von Inowrazlaw, war mit Ursula Barbara Ostrorog, der Tochter des General-starosten Jacob Ostrorog, dem Oberhaupt der Böhmischen Brüder in Großpolen,  verheiratet. Im Jahre 1660 erbaute der damalige Besitzer von Pakosch, Sigismund Dzialynski, ein religiöser Eiferer, ließ nach seiner Rückkehr aus Palästina in der Umgebung der Stadt 25 Kapellen errichten, um aus seiner Stadt ein “ Neu -Jerusalem “ zu machen. Der von ihm angelegte „Kalvarienberg“ ließ Pakosch zu einem beliebten Wallfahrtsort werden. Ein Brand zerstörte die Stadt 1684 vollständig.

Mitte des 17. Jahrhunderts mussten die in der Stadt wohnenden Juden ein Pogrom erleiden. Am 14. Mai 1656 metzelten militärische Einheiten Czarneckis Pakoschs Juden ausnahmslos nieder. Über zwei Jahrhunderte siedelten sich Juden nicht wieder in P. an.

Über das Schicksals Pakoschs während des Nordischen Krieges wissen wir aus urkundlicher Überlieferung nur so viel, dass der Kujawische Landtag P. zu den Städten zählte, die durch diesen Krieg am meisten zu leiden hatte und deshalb für eine Steuerermässigung empfohlen wurde.

1761 wurde Pakosch von russischen Truppen besetzt, die die Stadt als Lazarett nutzten.

Friedrich der Große besetzte 1772 zwar den Netzedistrikt, bezog aber von der Landschaft am Oberlauf der Netze nur die Stadt ► Labischin in die neuen Grenzen Preußens mit ein. Erst im Februar 1773, als er sich dazu entschloss, die Grenze des preußischen Königreiches weiter in das groß-polnische Territorium vorzuschieben, nahm er auch Pakosch in preußischen Besitz. Die Stadt hatte zu jener Zeit nur noch 468 Einwohner.

Die Dzialynskische Familie verkaufte 1789 ihren Pakoscher Besitz an den Ritterschaftsrat Leutnant Johann Carl von Gerhardt zu Flatow.

 

Lit. :

  • Warschauer, Adolf : Geschichte der Stadt Pakosch, in : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, Jg. 20 ( 1905), Seite 1 – 54
  • Jastrezębski, W.: Dzieje Pakości. Warszawa 1978

 

 

Paluckenland   (poln. Pałucki )

Kennzeichnet eine ethnographisch – historische Region/ Landschaft, die sich zwischen  dem Oberlauf der Netze und der Welna befindet. Diese Landschaft umfasst eine Fläche von rund 2000 qkm und ist heute verwaltungsmäßig den drei Wojewodschaften Posen, Bromberg und Schneidemühl zugeordnet.

Der Name P. deutet etymologisch auf slawischen Ursprung hin. Luk = Bogen, womit die bogenförmige Gestalt dieser Landschaft eine Deutung für die Regionbezeichnung findet. Eine andere (vielleicht zutreffendere) Interpretation weist auf das zum polnischen Hochadel gehörende Geschlecht der Palucki hin, die auch in dieser Gegend Grundherren waren.

Geologisch – morphologisch weist die Landschaft verschiedene Geländeformen auf, die die Eiszeit hinterlassen hat. Beherrschend für das Land-schaftsbild sind Endmoränen, deren höchste Erhebung mit 161 m der nördlich von Exin gelegene Bismarckskopf ist. Den tiefsten Punkt bildet das Netze – Flussbett mit 45 m. Auffällig sind die zahlreichen Seen, die sich in den ehemaligen Abflussrinnen des Gletschereises gebildet haben. Insgesamt sind es ca. 15o Seen, die 50 % der Gesamtfläche dieses Landstriches ausmachen.

An Bodenschätzen sind nur Steinsalz- und Gipsvorkommen zu verzeichnen, besonders in der Nähe von Wapno und Damaslawek.

Vier Landschaftsschutzreservate – eines bei Grocholin, zwei bei Labischin und eines bei Wongrowitz- sind in der Region ausgewiesen.

Zur geschichtlichen Vergangenheit der Region :

Die vorhistorische Siedlung Biskupin ist eines der markantesten archäologischen Zeugnisse Ps. Aus der Frühzeit ist bekannt, dass die sog. “Bernsteinstrasse“ vom römischen Imperium durch P. zu den Lagerstätten an der Ostsee führte.

Die Randlage dieser Landschaft begünstigte schon in der Zeit der Piasten- Herzöge eine eigenständige autarke Entwicklung. Lekno wurde 1136 in einer päpstlichen Bulle als Sitz eines Kastellans genannt. P. spielte im Krieg mit dem Deutschen Orden eine nicht unwesentliche Rolle. König Jagiello   (vor 1362-1434) lagerte nach seinem Sieg 1410 bei Tannenberg und der erfolglosen Belagerung der Marienburg hier. Von Hohensalza aus leitete er die weiteren Kriegshandlungen gegen den Deutschen Orden.

1772 wurde P. bei der Teilung Polens preußisch.

 

 

Paradies  (poln . : Go¿cikowo – Paradyz)

Der polnische Graf von Bronisch, der in der Mongolenschlacht fiel, wandte sich um 1230 an das Zisterzienserkoster in Lehnin, um sie für die Gründung eines Tochterklosters am Ort Gotschichowo zu gewinnen. Die ersten Zisterzienser trafen um 1234 ein, um mit dem Bau einer Kirche und des Klosters zu beginnen. Der 11. November 1236 gilt als der Gründungstag des Klosters, als nach Fertigstellung einiger Gebäude, die ersten Geistlichen des Ordens einzogen. Papst Innocenz IV. (1195-1254) bestätigte am 23. Oktober 1247 die Klostergründung und nahm es unter seinen Schutz.

Der Klosterbesitz wurde im weiteren Verlauf durch Schenkungen und Zukäufe beträchtlich erweitert.

Mit Beginn der Reformation setzte der wirtschaftliche Niedergang des Klosters ein, da ihm viele der gewährten Privilegien entzogen wurden.

Nach der Inbesitznahme des Gebietes 1793 durch Preußen wurden die Klostergüter gegen Zahlung einer Entschädigung eingezogen.

1819 wurde es dem Kloster untersagt, neue Mitglieder aufzunehmen. Die letzten vier Mönche verließen das Kloster 1834. Bereits 1836 wurde in den Klostergebäuden ein katholisches Lehrer-seminar mit angeschlossenem Internat eingerichtet. Hierin wurden-bis zur Auflösung dieser Ausbildungsanstalt 1926 -etwa 3000 Lehrer auf ihren Beruf durch eine qualifizierte Ausbildung vorbereitet.

 

Lit. :

  • Curaeus, Achatius : Beschreibung des Zisterzienserklosters Paradies in der Grenzmark vom Jahre 1564, Schwiebus 1928
  • Doetsch, Wilhelm : Kloster Paradies. Ein Kulturzentrum an der deutschen Ostgrenze, Meseritz 1926

 

 

 

Patenschaft des Landes Hessen über die Landsmannschaft  Weichsel – Warthe

Durch einen Kabinettsbeschluss vom 03 April 1990 übernahm das Bundesland Hessen die Patenschaft über die Landsmannschaft Weichsel -Warthe.

Die hessische Landesregierung will mit der Übernahme dieser Patenschaft dazu beitragen, dass das deutsche Kulturerbe aus dieser speziellen Region Ostmitteleuropas bewahrt bleibt.

In der am 11. Mai 1990 in Wiesbaden von dem hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann übergebenen Urkunde wird ein besonderer Akzent auf die Brückenfunktion  der LWW, vermittelnd zwischen dem deutschen und polnischen Volk zu wirken, gesetzt.

 

 

 

Lit. :

  • 10 Jahre Patenschaft durch das Land Hessen über die Deutsch-Baltische Landmannnschaft und die Landsmannnschaft Weichsel-Warthe. Wiesbaden 2001

 

 

 Patenschaften

Rund 400 Kreise, Städte und Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland haben eine Patenschaft über eine ostdeutsche Kommune oder Region übernommen.

Eine Patenschaft ist eine freiwillig übernommene Obhutsverpflichtung westdeutscher Kommunen gegenüber ostdeutschen Vertriebenen.

Eine Patenschaft unterscheidet sich von einer Partnerschaft darin, das die beiden Teilnehmer nicht gleichen Rechte und Pflichten haben, sondern eine einseitige Fürsorgeaufgabe wahrgenommen wird.

Der Wunsch, ein Patenschaftsverhältnis zwischen ost – und westdeutschen Gemeinden herzustellen, ging im Allgemeinen von den Vertriebenen aus.  Vor allem die Vertreter der ostdeutschen Heimat-kreisgemeinschaften und deren politische Repräsentanten bemühten sich, in der Form einer Patenschaft die Eingliederung der Vertriebenen und die Erhaltung ihres kulturellen und geschichtlichen Erbes zu fördern.

Zwischen 1950 und 1960 wurden die meisten dieser Patenschaftsverhältnisse begründet.

Um Hilfen zu geben und den Patenschaften eine gewisse Systematik zu geben, beschlossen die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzen-verbände und der Verband der Lands-mannschaften am 06. Juli 1953 gemeinsame „Richtlinien für die Übernahme von Patenschaften über ostdeutsche Gemeinden und Gemeinde-verbände „.

Diese Richtlinie ergänzte der Deutsche Städtetag seinerseits durch „ Richtlinien für die Pflege ostdeutscher Kulturwerte und für die kulturelle Betreuung von Heimatvertriebenen“ .und schließ-lich hatte auch der Deutsche Landkreistag am 30. Aug. 1954 seine Stellungnahme in Form einer entsprechenden Richtlinie herausgegeben.

Die Aufgaben einer solchen Patenschaft umfassen im einzelnen:

 

* die Pflege und Erhaltung ostdeutscher kultureller Werte

* kulturelle und soziale Betreuung der Vertriebenen

* Unterstützung der organisatorischen Zusammenschlüsse (Heimatkreisgemeinschaften)

* städtebauliche Hinweise in Form von entsprechender Benennung von Straßen und Plätzen

Neuerdings werden solche Patenschaften um Partnerschaften mit den heute polnischen Städten ergänzt.

 

Folgende Patenschaften bestehen für die ehemalige Provinz Posen:

– Schubin-Bergen

-Bromberg(Stadt -und Landkreis) -Wilhelmshaven

– Wongrowitz / Eichenbrück- Landkreis Lüneburg

– Kolmar-Kreis Lemgo

– Meseritz-Kreis Paderborn

– Netzekreis-Kreis Nordfriesland

– Schneidemühl-Stadt Cuxhaven

– Schönlanke           -Stadt Husum

-Schwerin/Warthe – Landkreis Paderborn

– Wollstein -Landkreis Uelzen

– Chodziez-Kreis Lippe

 

Das Land Hessen hat 1990 die Patenschaft über die Landsmannschaft Weichsel – Warthe übernommen.

Als Ausfluss der sog.“ Ostpolitik“ wurden ab Mitte der siebziger Jahre zahlreiche Städte-partnerschaften mit Kommunen in Polen begründet, wobei die bestehenden Patenschaften vielfach Initiator dieser Beziehungen waren.

 

Lit. :

  • Reichert – Flögel, Ute : Ostdeutsche Patenschaften heute, Bonn o.J.

 

 

Partnerschaft

 

 

Patent vom 15. Mai 1815

Wiener Kongress. Erklärung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III (1770-1840)  zur Besitzergreifung der Provinz Posen

 

 

Patent vom 18. März 1848

erlassen von König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861). Die bislang nicht dem Deutschen Bund angehörende Provinz Posen wird diesem eingegliedert.

 

 

Petersburger Konvention

Am 07. August 1792 erfolgte der Bündnisvertrag zwischen Preußen und Russland und nach langen Verhandlungen wurde am 23. Januar 1793 zwischen Friedrich Wilhelm II (1744-1797)  und Katharina II (1729-1796) der Abschluss der die Teilung Polens festsetzenden Petersburger Konvention abgeschlossen. In dieser Konvention wurde dem preußischen König neben Thorn und Danzig das Gebiet Großpolens bei der 2. Teilung Polens als territorialer Zugewinn zugeschrieben. (►Teilungen Polens )

 

 

Peisern  (poln.: Pyzdry )

Das als Ort bereits 1186 urkundlich erwähnte Pyzdre wurde an einem strategisch wichtigen Übergang am rechten Ufer der Warthe angelegt. Als im Jahre 1233 die Kämpfe zwischen Ladislaus Odosohn (            ), dem Erben von Großpolen, und Heinrich dem Bärtigen von Schlesien (1165-1238), der Ansprüche auf Großpolen erhob, ausbrachen, drang Heinrich siegreich in Großpolen ein und eroberte die Gebiete von Posen, Kalisch, Peisern und Schroda. Ladislaus sah sich einem Frieden genötigt, der die Warthe zum Grenzfluss machte. Peisern blieb so unter der Herrschaft von Ladislaus.

Nach dem Tod von Ladislaus Odosohn 1239 kam es zwischen seinen Söhnen Przymsel und Boleslaw zu einer Reihe von Teilungen, bis sie sich 1253 darauf einigten, dass Boleslaw u.a. die Region von Peisern und Schrimm zufallen sollte.

Nach dem Tode seines Bruders Przymsel 1257 vereinigte er während der Minderjährigkeit seines Neffen Przemisl III ganz Großpolen, von dem er schließlich nur Posen an seinen Neffen abtreten sollte.

1352 ging Peisern in Flammen auf,als der Deutsche Orden militärisch gegen              vorging.

 

 

Lit. :

  • Meyer, Emil : Peisern im Mittelalter ( bis 1400 ). Ein Beitrag zur Geschichte des Städtewesens in Großpolen. In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Heft 34 /1938 127- 174
  • Pawel, Anders : Pyzdry. Miasto nad Warta. Poznań 1993

 

 

Piasten

Die Piasten waren eine polnische Herrscherdynastie, die zahlreiche Herzöge und Könige zwischen dem 9.Jahrhundert und 17. Jahrhundert stellten. Die Piasten entstammen dem Stamm der Polanen. Der Name „Piasten“ bezieht sich auf ihren legendären Stammvater Piast. Die Bezeichnung „Piasten-Dynastie“ wurde von dem polnischen Historiker Adam Naruszewicz (1733–1796) im 18. Jahrhundert geprägt.

Erstes Herrschaftszentrum der Piasten war im 9. Jahrhundert Giecz.Kurz darauf übernahm das nahegelegene Gnesen diese Funktion. Die  Geschichte Polens begann mit der Entwicklung eines ersten Staatsgebildes auf dem Gebiet des heutigen Großpolens (Posen-Gnesen-Kalisch) unter den Piasten.

Durch Eroberungen waren zeitweilig Schlesien, Pommern, BöhmenRuthenien, die Slowakei und die beiden Lausitzen Teil des Herrschaftsgebiets der Piasten.

Die Nachbarschaft dieses Polens zum Heiligen Römischen Reich bedingte eine teilweise gespannte Koexistenz, in der vereinzelte Piasten (zum Beispiel Mieszko I(045-992), Kasimir I. der Erneuerer (1016-1058), Władysław I. (Herman) (1261-1333) durch Treueide oder Tributpflicht gegenüber den römisch-deutschen Kaisern, Ehen mit Vertretern des deutschen Hochadels (Salier, Ottonen) und andere Verträge ihr Staatswesen vor äußeren Eingriffen schützen wollten. In einem etwa 1080 erwähnten päpstlichen Auszug wird ein „Dagome ludex“ vom Jahre 991/2 genannt, wo, wie man annimmt, Mieszko I das Reich der Polen in päpstliche Obhut (Peterspfennig) übergab. Die Titel der später sogenannten Piasten schwankten, je nach Machtposition, zwischen Herzog und König..Weitere einflussreiche Nachbarn des piastischen Polen waren damals das Königreich Böhmen unter den Premysliden das Königreich Ungarn unter den Arpaden und den Anjou , das Reich der Kiewer Rus sowie ab dem späten 13. Jahrhundert der  Deutsche Orden und das Großfürstentum Litauen.

Mit dem Tod von Boleslaw III Schiefmund 1138 brach in Polen der Partikularismus aus, der für fast 150 Jahre die Geschicke Polens bestimmen sollte. Polen zerbrach in eine Vielzahl zeitweilig einander bekriegender piastischer Herzogtümer, wodurch die politische Stellung und Autorität Polens in Europa des 13. Jahrhunderts stark geschwächt wurde. Mit Bolesławs Tod wurde das  Senioratsprinzip rechtlich wirksam und scheiterte schon wenige Jahre nach dem Tod des polnischen Souveräns. Es kam zum Streit zwischen den Söhnen, die Polen in kleine Herrschaftsbereiche zerfallen ließen. Die jeweiligen Beherrscher Krakaus, der Hauptstadt der Senioratsprovinz Kleinpolen, waren „Seniorherzöge“, die ihnen unterstellten Familienmitglieder „Juniorherzöge“. Einige dieser Territorialfürsten – besonders Mieszko III. (1127-1202), Władysław III. Dünnbein (1161-1231), Leszek I. der Weiße (1186-1227) und die schlesischen Sprosse der Dynastie bestiegen den Krakauer Thron mehrere Male und wurden auch mehrmals abgesetzt.

Das Goldene Zeitalter der Piasten endete, als 1370 die königliche und gleichzeitig jüngste Linie der Piasten (abstammend vom jüngsten Sohn des Bolesław III.) mit König Kasimir III dem Großen erlosch

 

Lit.:

  • Mühle, Eduard: Die Piasten.Polen im Mittelalter. München 2011

 

 

 

 

 

Pinne (poln. Pniewy )

In einem päpstlichen Schreiben aus dem Jahre 1325 findet sich die erste urkundliche Erwähnung der Stadt.

Stadtrecht erhielt der Ort möglicherweise schon Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts.

Bei der 3. Teilung Polens wurde die Stadt Teil Preußens.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Stadt dem wiedererstandenen Polen zugeordnet.

Die Deutschen richteten während des 2. Weltkrieges ein Arbeitslager für Juden in P. ein.

Städtepartnerschaft mit Oer- Erkenschwick und Lübbenau.

 

Lit. :

  • Lewin, Louis: Aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde zu Pinne. Pinne 1903
  • Jędraszeski, Marek: Obrazki z Pniew. Poznań 1992
  • Polaka, Bogusław : Dzieje Pniew, Poznań 1998

 

 

Pleschen ( poln. Pleszew )

In einer Urkunde aus dem Jahre 1283, ausgestellt von Herzog Przemysl II (              ) findet sich der erste dokumentarische Nachweis über diese Stadt an der Ner, dem letzten Prosnazufluß, gelegene Stadt.

Im Mittelalter war P. eine vom Handwerk geprägte Stadt, die in der 2. Hälfte des 16. und in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts eines der wichtigsten Zentren des polnischen Protestantismus war.

Urkunden der Stadt verbrannten 1806 vollständig,

Nach den Teilungen Polens hatte Pleschen eine ungünstige Lage – direkt an der Grenze zu Rußland, die durch die Prosna gebildet wurde.

Die Stadt mit heute rund 18.700 Einwohnern wird von agrarisch-industriellen Wirtschaftsstrukturen geprägt und ist heute ein wichtiges Zentrum ökologischer Landwirtschaft in Polen.

Partnerstadt : Spangenberg in Hessen

 

Lit. :

  • Drozdowski, Marian ( red. ) : Dzieje Pleszewa, Kalisz 1989

 

 

Plietnitz (Fluss)

Die Plietnitz (polnisch Plitnica, früher Płytnica) ist ein rechter Nebenfluss der ►Küddow (polnisch Gwda), eines rechten Nebenflusses der in die ►Warthe  mündenden Netze  in Großpolen.

 

 

 

 

 

Pogorzella  ( poln.: Pogorzela )

Kreis Krotoschin. seit 1458 als Stadt existent. Die Familie Pogozelski, der seit 1529 die Stadt und die umliegenden Dörfer gehörte, gab der Stadt ihren Namen. P. liegt im mittleren Tal der Kalischer Hochebene.

  1. entwickelte sich zu einem Zentrum des Protestantismus. Samuel Dambrowski (1577 in P. geboren) gehörte in der Zeit vor der Gegen-reformation zu den führenden Persönlichkeiten der evangelischen Gemeinden Polens.

Durch die 1709 wütende Pest erlitt P. erhebliche Bevölkerungsverluste.

Nach der 2. Teilung Polens wurde die Stadt preußisch.

 

Lit. :

  • Herbert Drescher : Die Stadt Pogorzela im Wandel der Zeiten (1458-1945). Heidelberg 2001
  • Ziemia pogorzelska. Pogorzela 2005

 

 

Polanen

Die Polanen waren der westslawische „Urstamm“ Polens, deren Namen das Land noch heute trägt.

„Polane“ war im Altwestslawischen die Bezeichnung für Feldbewohner (Bewohner des bestellten Feldes).

Die Polanen siedelten sich wahrscheinlich etwa im 6. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung zwischen den Flüssen Oder und Weichsel an. Ihre Hauptsiedlung war die heutige Stadt Gnesen. In der Folgezeit eroberten sie weiter Gebiete oder vereinigten sich mit anderen slawischen Völkern der Umgebung. So dass sie sich rasch zum mächtigsten Stamm der Region entwickelten. Aus den von ihnen kontrollierten Gebieten entwickelte sich dann im späten 10. Jahrhundert das König-reich Polen.

Dem Fürsten Mieszko I gelang es Ende des 10. Jahrhunderts alle polnischen Stämme unter seiner Herrschaft zu vereinen, zu christianisieren und einen Staat zu gründen, den am ab dem 11. Jahrhundert als Polen bezeichnete.

 

Lit.:

  • Czupkiewicz, Lubomir: Polanie Zachodni i ich państwo. Wrocław 1998
  • Siwiński, Jacek Brunon: Wczesne dzieje Polan. Łódź 1990

 

 

Polnische Frage

Die „Polnische Frage“ wer eines der großen politischen Probleme Europas vom Ende des 18.Jahrhunderts bis 1918. Gegenstand dieses Problems war die Willensbildung darüber, ob die gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Annexionsobjekt herabgesunkene und 1795 durch eine dritte Teilung von der Landkarte Europas eliminierte polnische Adelsrepublik wieder errichtet werden sollte und mit welchem territorialen Umfang. Die mit dem Versailler Vertrag erfolgte staatsrechtliche Rekonstruktion Polens nach dem 1. Weltkrieg löste die Polnische Frage.

 

Lit.:

  • Zum Verständnis der polnischen Frage in Preussen und Deutschland 1772-1871. Referate einer deutsch-polnischen Historiker-Tagung vom 14.bis 16. Januar 1986 in Berlin-Nikolassee.Hrsg.von Klaus Zernack. Berlin 1987

 

 

Polnische Sozialistische Partei des preußischen Teilgebietes  (Polska Partja Socjalistyczna zaboru pruskiego)

Gegründet wurde diese sozialdemokratische Partei am 10. September 1893 in Berlin als Zusammen-schluß polnischer sozialistischer Organisationen in Preußen, die auf der Grundlage des Erfurter Programmes der SPD arbeitete. Die PPS forderte die Autonomie für das preußische Teilungsgebiet und polnischen muttersprachlichen Unterricht, jedoch bestand sie nicht auf der Rekonstituierung eines unabhängigen polnischen Staates.

Die PPS hatte das Recht, durch Delegierte an den Beschlüssen der obersten SPD – Organe mitzu-wirken. Sie musste sich aber dazu verpflichten, die Bestimmungen des Parteistatuts wie jede andere Parteigliederung auch einzuhalten.

Sie verfolgte jedoch konsequent die Linie der „Dreiteileeinheit“ der polnischen Arbeiterbewegung, was stets zu erheblichen Konflikten mit der SPD führte.

Der Gründung der PPS war am 12.Dezember 1890 in Berlin die Konstituierung eines Vereins Polnischer Sozialisten (Towarzystwo Socjalistów Polskich) vorausgegangen. Dieser Verein gab – mit finanzieller Unterstützung des SPD – Parteivorstandes – die wöchentlich erscheinende „Gazeta Robotnicza “ heraus, die von der PPS als ihr Parteiorgan übernommen wurde. Die Kooperation SPD / PPS (u.a. wurde zur Reichs-tagswahl 1897 von beiden Parteien ein gemeinsames Wahlprogramm erstellt; es wurde vereinbart, dass in der Provinz Posen die Spitzenkandidaten Polen sind) wurde im April 1897 während des III. Parteitages der PPS aufgekündigt. So wurde ein eigenes – nicht mit der SPD -Parteileitung abgestimmtes – Parteiprogramm  verabschiedet.

Der SPD – Parteivorstand wollte es nicht zum offenen Bruch kommen lassen und finanzierte bis zum Dezember 1900 die Herausgabe der Gazeta Robotnicza weiter. Die PPS verlor – trotz der versuchten Profilierung als eigenständige Partei – zunehmend an Bedeutung, gab ihre Selb-ständigkeit auf und wurde erneut Bestandteil der SPD. Im April 1906 wurde ein Abkommen zwischen der SPD und der PPS unterzeichnet, das der PPS die früheren finanziellen Zuwendungen der SPD wieder zusicherte.

Der SPD – Parteivorstand legte dem 1913 stattfindenden Parteitag einen Antrag vor, die Verträge des Jahres 1906 zu kündigen und die PPS aus der Gesamtpartei auszuschließen, nachdem über die Höhe der finanziellen Zuwendungen keine Einigung erzielt werden konnte. Dieser Antrag wurde mit nur wenigen Gegenstimmen angenommen. Damit war der Bruch zwischen beiden Parteien in Preußen endgültig vollzogen.

Die PPS hatte etwa 2000 Mitglieder.

 

 

Polnischer Aufstand 1806/07

Nach der 3. Teilung Polens bildete sich in Paris ein Komitee unter der Leitung von General Henryk Dabrowski (1744-1818), das die staatliche Unabhängigkeit forderte.

1797 hatte er eine polnische Legion gegründet, die an der Seite Napoleons kämpfte und die einen großen Zulauf hatte.

Napoleon ließ zwar diese militärischen Verbände für sich kämpfen –die Friedensschlüsse vom Campo Formio 1798 und Luneville 1801 hatten jedoch keine Auswirkungen auf die polnische Frage.

Enttäuscht verließen viele der Polen die Legion und kehrten nach Polen zurück.

Der preußisch-französische Krieg 1806 veränderte jedoch die Situation. Napoleon rief Dombrowski aus Italien zu sich und nach der Einnahme Berlins wurde D. nach Posen gesandt, um hier einen Aufstand vorzubereiten.

Am 03.November 1806 besetzten französische Truppen Posen und bereits am 06. November verlas hier Dombrowski hier einen Aufruf Napoleons, der dazu aufforderte, Polen sollten für Frankreich zu den Waffen greifen. dafür garantierte Napoleon die staatliche Wiederherstellung Polens.30 000 Polen bildeten daraufhin militärische Verbände.

Auf der Grundlage des Friedens von Tilsit wurde am 21. Juli 1807 aus den von Preußen abgetretenen Gebieten das „Großherzogtum Warschau“ gebildet, dessen Oberhaupt der neuernannte König von Sachsen wurde.

Das „Großherzogtum Warschau“ war jedoch keine eigenstaatlich und völkerrechtlich selbständiges Gebilde, sondern abhängig von Frankreich. Dies führte erneut zu erheblichen Enttäuschungen bei Polen.

 

 

 

 

Polnischer Thronfolgekrieg

Bezeichnung für den europäischen Krieg von 1733 bis 1735/38; er wurde nach dem Tod August des Starken (reg.1694-1733) um die Thronfolge in Polen geführt. Stanislaus Leszczynski (1677-1766), der mit Unterstützung König Karls XII von Schweden (reg.1697-1718) bereits von 1704 bis 1709 anstelle August des Starken König von Polen war, wurde als Kandidat Frankreichs aufgestellt – gegen die von Russland und Österreich unterstützte Kandidatur seines Sohnes. Sein Versuch, die Krone zu behaupten, scheiterte jedoch. Nach der Besetzung Warschaus und der Einnahme Danzigs durch die Russen (1734) erlangte Friedrich August II von Sachsen die polnische Krone.

Im Frieden von Wien (1738) wurde Leszczynski auf Lebzeiten mit dem Herzogtum Lothringen entschädigt.

 

Der Polnische Thronfolgekrieg (1733–1738), auch Polnischer Erbfolgekrieg genannt, war ein Krieg um die Thronfolge Polens nach dem Tod August II  (des Starken) († 1. Februar 1733).

Während Österreich und Russland nach einigem Zögern die Bestrebungen des neuen sächsischen Kurfürsten, August des Starken Sohn Friedrich August II unterstützen, dass den Fortbestand der Personalunion Sachsen-Polen bedeutete, wollte Frankreich den früheren polnischen König Stanislaus I Leszczyński (den Schwiegervater Ludwigs XV) als Nachfolger einsetzen.

Die Kriegshandlungen begannen 1733 mit dem Erscheinen russischer Truppen vor Warschau woraufhin der sächsischen Partei die Wahl Friedrich Augusts gelang. Der einige Tage zuvor ebenfalls gewählte Stanislaus Leszczynski floh nach Danzig das daraufhin 1734 von russischen und sächsischen Truppen eingenommen wurde. Aber erst die Aufgabe der Konföderation von Dzików beendete 1735 die Kampfhandlungen gegen die sächsischen Truppen in Kleinpolen. Im Übrigen wurden im Rahmen des Bündnisses wieder einmal russische Truppen in Ostpolen stationiert, da Sachsen aufgrund der unsicheren Haltung Preußens seine Truppen in der Nähe der Grenze haben wollte.

1733 erklärte Frankreich Österreich und Russland den Krieg. Die Kriegshandlungen fanden hauptsächlich an der Rhein-Grenze statt, zunächst noch unter dem Befehl des greisen Prinzen Eugen von Savoyen (der hier den preußischen Kronprinzen Friedrich mit der Kriegskunst näher vertraut gemacht haben soll). Den Franzosen gelang unter anderem die Eroberung der Festungen Kehl und Philippsburg. Ein weiterer Kriegsschauplatz war Italien, wo Frankreich und das verbündete Sardinien bei Parma und Guastalla siegreich blieben. Die Österreicher  wurden hier zudem von spanischen Truppen bedrängt, die die Ansprüche des Herzogs von Parma und spanischen Infanten Karl auf Neapel und Sizilien stützten und 1734 bei Bitonto siegten. Frankreich hatte in diesem Krieg das ökonomische und militärische Übergewicht, wollte aber seine Mittel für den sich seit der Pragmatischen Sanktion 1713 abzeichnenden Österreichischen Erbfolgekrieg aufsparen.

Im Wiener Präliminarfrieden 1735 wurde daher der Sachse als August III als König von Polen bestätigt. Stanislaus Leszczynski wurde von Ludwig XV. mit den Herzogtümern Bar und Lothringen entschädigt, wo er als Landesvater sehr beliebt wurde. Der Krieg endete mit der Verkündigung des Wiener Friedens am 18. November 1738.

 

 

Polska Centralna Organizacja dla oczyszczenia Poznania od Zydow i Niemcow

eine in Posen nach dem 1. Weltkrieg arbeitende Organisation zur Verdrängung von Deutschen und Juden aus dem Posener Gebiet.

 

 

Posemuckel

Posemuckel, eher als scherzhafter Begriff für eine abseits gelegene, unbedeutende Stadt und als Inbegriff des Provinziellen geläufig, bestand aus den Siedlungen Klein – und Groß – Posemuckel und hatte 1883 insgesamt 501 Einwohner. Im Kreis Bomst gelegen, gehörte das Dorf ab 1920 zur ehemaligen Grenzmark Posen – Westpreußen.

Das Dorf am Rande der Obrasümpfe geht auf eine slawische Ansiedlung zurück. 1257 wurde P. dem Zisterzienserkloster Obra überlassen.1319 ging der Ort von Polen an das Kurfürstentum Branden-burg, später an das Herzogtum Glogau über und schließlich 1335 an Polen zurück. Bei der Zweiten Teilung Polens kam das Dorf 1793 an Preußen.

Die Nationalsozialisten änderten den Namen des Ortes, der slawischen Ursprungs ist, in Posenbrück.

Nach 1945 erhielten die beiden an der „Faulen Obra“ gelegenen Orte die Namen „Podmokle Wielkie“ und Podmokle Małe.

Partnergemeinde : Neuruppin (Brandenburg)

 

 

 

Posen  (poln. Poznań )

Die am Mittellauf der Warthe gelegene Stadt ist mit rund 590.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Polens und das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum ► Grosspolens.

Die ältesten Spuren der Besiedlung im Bereich des heutigen Posens reichen in die Zeit von 8000 bis 9ooo v.Chr. zurück.

Die Entwicklung des Siedlungswesens erfolgte im 1-2. Jahrhundert n.Chr., als durch Großpolen die sog.“ Bernsteinstrasse“ verlief.

Auf der Dominsel (Ostro´w Tumski) wurde im 9. Jahrhundert eine Burg angelegt, die zugleich Herzogresidenz und eine der Hauptstädte des ersten Piastenstaates war. Später wurde die Stadt von Mieszko I (922/945-992) zu einem Macht-zentrum der ► Piasten ausgebaut.  Posen war zu jener Zeit eine starke, nach Westen vorgeschobene Festung, die die damalige Hauptstadt Gnesen zu schützen hatte. 966 nahm Polen das Christentum an und  968 entstand in Posen der erste polnische Bischofssitz, ab 1138 Sitz der Herzöge von Grosspolen.  1038 überfiel der tschechische Herzog Brestislav Großpolen und zerstörte Burg und Kathedrale.

1253 wurde am linken Wartheufer durch Thomas von Guben im Auftrag der Herzöge von Großpolen die Neustadt ( heute Altstadt ) in dem damals typischen Schachbrettmuster angelegt. Hier verlief eine der bedeutenden Handelsstraßen, die vom Deutschordensland über Gnesen und Guben in das Deutsche Reich führte. Die Stadtgründung erfolgte mit dem Ziel, hier ein bedeutendes Handelszentrum zu schaffen. Auf Wunsch der großpolnischen Herzöge wurde für die neue Stadt der Name der auf dem gegenüberliegenden östlichen Wartheufer bereits bestehenden kleinen Siedlung Poznan übernommen. Mit der 2. Teilung Polens 1793 kam die Stadt unter preußische Herrschaft, war aber zwischen 1807 und 1815 Teil des Herzogtums Warschau. Nach 1815 wurde Posen Hauptstadt des Großherzogtums Posen; ab 1830 Verwaltungssitz der preußischen Provinz Posen. Posen war 1848 Zentrum der polnischen National-bewegung in Preußen.

Nach dem 1. Weltkrieg brachte ein Aufstand (27. Dez. 1918) die Stadt in polnische Hand, was eine Massenabwanderung der in der Stadt wohnenden Deutschen zur Folge hatte. Wohnten 1910 noch 65.467 Deutsche in der Stadt (entspricht 41,7 %), so sank der Anteil 1930 auf 2,59 % oder 6387 Personen.  Während des 2. Weltkrieges war Posen Zentrum des Reichsgaues Wartheland. Während der sowjetischen Oder – Offensive wurde die Stadt 1945 in größerem Umfang zerstört.

 

Posen ist eine der ältesten Städte im heutigen Polen.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis in die Zeit des Jungpaläolithikums zurück.

Um 1300 bis 1200 vor Christus entstanden Siedlungen der Lausitzer Kultur.

Wahrscheinlich im 9. Jahrhundert entwickelte sich Posen zum Zentrum eines Stammesstaates der ►Polanen, die in dieser Zeit den Prozess der Vereinigung zu einem größeren staatlichen Organismus aufnahmen.

Die Entwicklung der Posener Burg –errichtet auf  der Dom –Insel (Ostrow Tumski) – war eng mit der Gründung des polnischen Staates als eines stammübergreifenden Gebildes. Zum Schutz der der damaligen Hauptstadt Gnesen wurde die Burg im 10. Jahrhundert erweitert und stark befestigt.

968 –zwei Jahre nach Christianisierung des Landes –entstand in Posen das erste Bistum. Es handelte sich dabei um ein Missionsbistum, das Rom unmittelbar unterstand.

Im Schutz der Posener Burg entstand ein umfangreicher Siedlungskomplex, der schon gegen Ende des 10.Jahrhunderts einen städtischen Charakter aufwies. Am linken und rechten Wartheufer entwickelten sich weitere Siedlungen, die funktional mit der Burg auf der Dominsel verbunden waren.

Posen wird als befestigte Siedlung in der Thietmar-Chronik 1005 erwähnt. Hieraus sowie vor allem aus archäologischen Grabungsfunden geht hervor, dass Posen eine der am stärksten ausgebauten Festungen im Staate Boleslaus des Kühnen (Boleslaw Chobry  965/967-1025) war.

1005 kam vor Posen der Feldzug des deutschen Kaisers Heinrich II  (973-1023) angesichts der mächtigen Befestigungen der Posener Burg zum Erliegen; die deutschen Truppen verzichteten auf deren Eroberung.

 

Das Ende der ersten Entwicklungsphase Posens stand in Verbindung mit dem militärischen Übergriff des böhmischen Herzogs Bretislav auf Grosspolen. Obwohl seine Truppen 1038 die Posener Burg und die Kathedrale zerstörten, konnte dies die wirtschaftliche Entwicklung Posens ebenso wenig aufhalten, wie die Verlegung des Hauptstadtsitzes von nach Krakau durch Kasimir den Erneuerer (1038-1058).

 

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts nahmen die am rechten Wartheufer gelegenen Siedlungen eine wichtige Rolle ein. Doch die vom Wasser eingeschlossene Dominsel und die im Sumpf-gelände gelegene Śródka ließen keine Ausdehnung zu. Weiterhin wandelte sich Posen an der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts von einer Wehrburg und einem Fürstensitz zu einer Stadt nach westeuropäischem Vorbild.

Die Gründung einer Stadtgemeinde am linken Wartheufer erfolgte 1253 nach Magdeburger Stadtrecht, die mit Stadtmauern umgeben wurde. Lokator dieser Neustadt war Thomas von Guben, die sich auf  das Territorium der heutigen Altstadt erstreckte.

 

Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt einen großen Aufschwung. Bereits 1394 hatte Posen von König Wladislaus Jagiello (1362-1434) das Stapelrecht erhalten, wodurch sich die Stadt zu einem Zentrum des europäischen Handels entwickeln konnte. Vorteilhaft wandelt sich auch das Handelsstrassennetz. Durch die Stadt verlief der Handelsweg von Russland und Litauen nach Mitteldeutschland und schließlich weiter nach Westen. Dies wirkte sich positiv auf  die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt aus und legte den Grundstein für die Blütezeit im 16. Jahrhundert ( sog. Goldenes Zeitalter ).

 

1518 gründete Bischof Jan Lubrański (1456-1520) eine Akademie- eine Lehranstalt mit dem Charakter einer Hochschule. Zwei  Jahre später entstand in der Stadt die erste Buchhandlung.

Zu jener Zeit war Posen eines der wichtigsten polnischen Zentren der Kultur und der Medizin.

Die reiche Stadt hob ihr Prestige, in dem sie die Errichtung repräsentativer Gebäude finanzierte. Nach Posen kam der herausragende italienische Architekt Giovanni Battista Quadro aus Lugano, wo er für 10 Jahre als Stadtbaumeister tätig war.

Der große Brand im Jahre 1536 zerstörte fast das ganze jüdische Stadtviertel, den Markt mit dem Rathaus und das Schloss. Nach dieser Katastrophe wurde die Stadt wieder im Renaissancestil aufgebaut.

 

Die Entwicklung der Stadt vollzog sich vor allem außerhalb der Stadtmauern. Um die Stadt herum bestand ein Kranz von mehr als zehn Siedlungen, von denen ein Teil über eine Stadtrechte verfügte.

 

Mit der Eröffnung eines Jesuiten-Kollegs im Jahre 1572 in Posen endete die Zeit der religiösen Toleranz in der Stadt. 1617 gab es keinen protestantischen Gottesdienst mehr in Posen. Die Verleihung des Bürgerrechtes an Nichtkatholiken wurde verboten.

Im 17. und  18. Jahrhundert hemmten Feuersbrünste, Überschwemmungen (1736 zerstörte eine Überschwemmung fast 30 % der Stadt und die Einwohnerzahl sank auf 8000 ) und Kriege ( so besetzen schwedische Truppen 1655 die Stadt, übergaben sie den Brandenburgern und 1657 besetzte ein polnisches Heer die Stadt, das sie zerstörte.) sowie veränderte Handelsrouten den Aufstieg der Stadt. Die Situation änderte sich erst mit König Stanislaw August (                         ) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die vom König zur grundlegenden Reform des polnischen Staates  eingesetzte Kommission der Guten Ordnung erreichte gemeinsam mit den städtischen Behörden den Wiederaufbau Posens, die Wiederbelebung von Handel und Handwerk. Zum Ende des 18. Jahrhunderts zählte die Stadt Posen bereits 15.000 Einwohner.

 

Am 30. Januar 1793 besetzten preußische Truppen die Stadt, die Hauptstadt des Departements der neu gebildeten preußischen Provinz Südpreussen wurde.

1848 war Posen Zentrum der polnischen Nationalbewegung.

Die neue preußische Verwaltung setze die Arbeit der Kommission der Guten Ordnung  fort, in dem sie die Voraussetzungen für die Entwicklung der städtischen Wirtschaft verbesserte.

Als Hauptstadt einer an das Russische Reich angrenzenden Provinz hatte Posen einen besonderen Status-nämlich den einer Festung gegen den mächtigen Nachbarn. Die alten Wehranlagen, die sich für die Weiterentwicklung der Stadt als hinderlich erwiesen, wurden geschleift und  Grund und Boden maßgeblich für die Industrialisierung genutzt.

1848 konnte die erste Eisenbahnlinie in Großpolen in Betrieb genommen werden, die die Stadt Posen mit der pommerschen Stadt Stettin verband. 1888/89 suchte eine Hochwasserkatastrophe die Stadt heim.

Nachdem 1902 die zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichteten preußischen Befestigungen abgetragen wurden, konnte Joseph Stübben (1845-1936) einer der bekanntesten deutschen Stadtplaner seiner Zeit, ein repräsentatives Stadtviertel entwerfen.

Entsprechend dem politischen Anspruch, der zugewanderten deutschen Einwohnerschaft optimale Lebensbedingungen zu schaffen, hatte die Stadt hohe Regierungsdarlehen erhalten, die in Posen eine positive Wirtschafts – und Bevölkerungsentwicklung auslösten.

Am Ende des 1.Weltkrieges traten starke ethnische Spannungen in der Stadt auf. Gemäß der Volkszählung von 1910 stand das Verhältnis von Polen und Deutschen bei 55 : 45 % (156.691 Einwohner). Viele polnischsprachige Posener sahen in der sich abzeichnenden militärischen Niederlage des deutschen Kaiserreiches eine politische Möglichkeit für eine Eingliederung der Stadt in den wiedergegründeten polnischen Staat. Der Aufstand polnischer Nationalisten  (Großpolnischer Aufstand) vom 27. Dezember 1918, der sich von der Stadt Posen aus auf die Provinz ausdehnte, erreichte sein Ziel:

Posen und weite Teile der Provinz Posen wurden im Zuge des Versailler Vertrages dem neu errichteten polnischen Staat ohne vorherige Volksabstimmung angegliedert. Am 11. November 1918 ernannte der Oberste Volksrat Jarogniew Drewski (            )  zum Oberbürgermeister der Stadt

Am 10. September 1939 besetzte die Wehrmacht Posen und die Stadt wurde Hauptstadt des Reichsgaus Wartheland. Ein großer Teil der polnischen Bevölkerung wurde vertrieben, statt ihrer wurde vor allem Deutschbalten angesiedelt. Am 29. Mai 1944 war die Stadt Ziel eines alliierten Luftangriffs.

Am 23.Februar 1945 wurde die Stadt, die die Nationalsozialisten zur Festung erklärten, durch sowjetische Truppen nach schweren Kämpfen erobert. Am Ende  des 2.Weltkrieges waren 55 % der Stadt zerstört.

Nach der Einnahme der Stadt wurde in den Jahren 1945 bis 1947 nahezu die gesamte deutsche Bevölkerung vertrieben.

Die Folgezeit war durch den Wiederaufbau der kriegsbedingten Stadt geprägt.

 

Die Partnerschaft zwischen den Städten Hannover und Posen gehörte zu den ersten vier kommunalen Partnerschaften, die überhaupt zwischen deutschen und polnischen Städten geschlossen wurden.

 

 

Lit. :

 

  • Die Stadt Posen in südpreussischer Zeit, Posen 1907
  • Geschichte der Stadt Posen. Im Auftrag der Historisch – Landeskundlichen Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen herausgegeben von Gotthold Rhode, Neuendettelsau 1953
  • Jaffe, Moritz : Die Stadt Posen unter preussischer Herrschaft, Leipzig 1909
  • Ludat, Herbert : Posen vor der Lokation. In : Deutsch-slawische Frühzeit und modernes polnisches Geschichtsbewusstsein. Köln 1969 S. 72-81
  • Topolski, Jerzy : Dzieje Poznańia. Poznań 1988
  • Waldow, Ewald ( Hrsg. ) : Festschrift zur Siebenhundertjahrfeier der Gründung der deutschen Stadt Posen, Berlin 1953
  • Warschauer, Adolf : Überblick über die Geschichte der Stadt Posen, Berlin 1895

 

 

Posen, Bistum

Für das Missionsgebiet im Bereich des späteren Polens errichtete Otto der Große (912-973) 968 ein Bistum in Posen, das durch die Gründung von Gnesen an Bedeutung verlor, dem es im 11. Jahr-hundert als Suffragan unterstellt wurde.

Durch die Bulle „De salute animarum“ wurden 1821 die Bistumsgrenzen weitgehend den preußischen Staatsgrenzen der neuen Provinz angepasst. Posen wurde gleichzeitig in Personalunion mit Gnesen zum Erzbistum Posen-Gnesen mit Sitz in Posen erhoben. Beide Domkapitel blieben bestehen.

Nach den Abtretungen an Polen nach dem 1. Weltkrieg wurden die bei dem Deutschen Reich verbliebenen Bistumsteile der Freien Prälatur Schneidemühl zugewiesen.

 

 

Posen, Friede von

Der Friede von Posen wurde am 11. Dezember 1806 in Posen unterzeichnet. Er beendete den Krieg zwischen Frankreich und Sachsen (Alliierter des Königreichs Preußen) nach der Niederlage Sachsens während des Vierten Koalitionskrieges.

1806 beteiligte sich Sachsen an der Seite Preußens am Krieg gegen das napoleonische Frankreich. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 kämpften auch 22.ooo sächsische Soldaten. Sie endete für Preußen und seine Verbündeten mit einer Niederlage.

Sachsen musste 25 Millionen Francs Reparationszahlungen sowie Hilfslieferungen zur Versorgung der französischen Armee leisten und dem Rheinbund beitraten. Kurfürst Friedrich August III wurde von Napoleon am 20.Dezember 1806 zu König Friedrich August I (1750-1827) ernannt. Sachsen wurde zum Königreich erhoben.

 

 

Posener Abkommen vom 09. Jan. 1915

Nach dem Vormarsch der deutschen und österreichisch – ungarischen Truppen 1914 / 15 und der Besetzung eines großen Teils Russisch – Polens musste die Verwaltung für die besetzten Gebiete reorganisiert werden.

Die Abgrenzung der Verwaltungsräume zwischen dem Deutschen Reich und Österreich – Ungarn erfolgte im sog. “ Posener Abkommen “ vom 09. Januar 1915. Den nördlichen Teil Russisch – Polens erhielt dabei das Deutsche Reich als Besatzungsgebiet zugewiesen.

 

 

Posener Altenheim

Die Gründungsversammlung des „Bauvereins der Posener Evangelischen Kirche“ fand am 29.Dezember 1955 in der Nordostdeutschen Akademie in Lüneburg statt.

Der Bauverein wollte eine Einrichtung realisieren, die sowohl Altenheim als auch ein „Posener Haus der Heimat“ sein sollte. So sollte das Posen-Archiv als auch das Büro des Hilfskomitees der Glieder der Posener Evangelischen Kirche hier beheimatet werden.

Neben Eigenmitteln (vorwiegend Spenden) erfolgte die Finanzierung aus Zuwendungen der Inneren Mission, des Landeskirchenamte Hannover, des niedersächsischen Sozialministeriums und durch eine Hypothek der Sparkasse Lüneburg.

Am 16.Oktober 1956 konnte ein Grundstück in Lüneburg erworben werden. Im September 1957 fand die Grundsteinlegung und am 06. September 1958 die Einweihung des „Paul-Blau-Hauses“ statt.

1963 wurde das Heim auf 100 Plätze erweitert.

 

 

Posener Archiv  ( Archiv der ► Gemeinschaft Evangelischer Posener )

Mit der Gründung eines „Kirchendienstes Ost“ konnte ab 1949 in Berlin die Erfassung des “ geistigen und geistlichen Erbes “ der Posener Evangelischen Kirche und das Sammeln von Archivalien  erfolgen.

Mit dem Neubau des 1958 eröffneten Paul – Blau – Hauses in Lüneburg – einem Altenheim für Posener  – konnte eine Überführung der in Berlin gesammelten Archivalien nach Niedersachsen erfolgen.

Seit 1984 befinden sich die Archivbestände als Depositum im Archiv des ►Nordostdeutschen Kulturwerkes, ebenfalls mit Sitz in Lüneburg

 

Posener Aufstand

Durch die Beschlüsse des „Wiener Kongresses“ (1815) war  in einem Gebiet, das seinen polnischen Charakter behalten hatte, das preußische „Großherzogtum Posen“ gebildet werden. Damit wurden letztendlich politisch die Teilungen Polens festgeschrieben.

Nationale Auseinandersetzungen waren daher die Folge. Bereits 1846 hatten sie bis an einen Aufstand herangeführt, doch die preußische Polizei konnte ihn noch einmal verhindern. In der aufkommenden revolutionären Stimmung von 1848 breitete sich in Kreisen der radikalen polnischen Intelligenz, unter dem Kleinadel sowie bei Handwerkern die Idee eines nationalen Aufstandes für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Polens immer mehr aus.

Anfang März 1848 kam es zu großen Demonstrationen in der Stadt Posen. Als durch die Märzrevolution in Berlin die seit 1847 inhaftierten polnischen Patrioten befreit wurden, beschleunigten sich die Ereignisse.

Am 20. März wurde in Posen von Vertretern des liberalen Bürgertums und des katholischen Klerus ein gemäßigtes polnisches Nationalkomitee ins Leben gerufen, das im Streben nach einem Kompromiss Ruhe und Besonnenheit anmahnte. Gleichzeitig gründeten die in Berlin begnadigten Polen ein revolutionäres Komitee für ein selbständiges Polen, das für ein  Bündnis zwischen  einem geeinten Deutschland und einem freien Polen gegen das zaristische Russland eintrat.

Die revolutionäre Bewegung selbst schien an beiden Komitees und ihren Proklamationen wenig interessiert zu sein. In wenigen Tagen hatte sie das ganze Großherzogtum erfasst; die preußischen Adler an öffentlichen Gebäuden wurden herunter gerissen, Verwaltungsakten vernichtet, preußische Beamte verjagt, Polizisten entwaffnet. Die Aufständischen besetzen Postämter, konfiszierten Gelder der preußischen Verwaltung und formierten bewaffnete Abteilungen zum Marsch auf Posen, bereit zum Kampf gegen preußische Truppen. Etwa 70 polnische Komitees übernahmen in verschiedenen Städten und Dörfern die Verwaltung.

Eine Delegation des Nationalkomitees verhandelte daraufhin mit dem preußischen Hof  um die Autonomie des Großherzogtums, um die Bildung eines polnischen Korps (innerhalb der preußischen Armee), eine stärkere Beteiligung der Polen an der Verwaltung und die offizielle Anerkennung der polnischen Sprache.

Politisch verunsichert durch die Niederlage am 18. März versprach die preußische Regierung alles und sagte eine tiefgreifende Reform im Großherzogtum Posen zu. Angesichts der Bereitschaft zum bewaffneten polnischen Widerstand bereitete sich die preußische Monarchie auf die Vernichtung der polnischen Unabhängigkeitsbewegung vor.

Am 03.April verhängte die liberale Regierung Camphausen/ Hansemann den Belagerungs-zustand in Posen und entsandte Truppen in das Großherzogtum. Sie besetzten Gemeinden, lösten die polnischen Komitees auf und setzten die preußischen Verwaltungsbehörde n wieder ein. Das Nationalkomitee, immer noch darauf bedacht, sich nicht provozieren zu lassen, verhandelte unterdessen mit dem Sonderbeauftragten des preußischen Königs, General von Willisen, über eine Reorganisation des  Großherzogtums und die Einführung einer polnischen Verwaltung. Dieser aber forderte ultimativ binnen drei Tagen die Auflösung aller polnischen Komitees sowie aller bewaffneten Abteilungen, die sich zwischenzeitlich in fünf Lagern /Stützpunkten vereinigt hatten. Das polnische Nationalkomitee, nunmehr bereit, Stärke zu demonstrieren, rief die polnischen Bauern auf, sich in den militärischen Lagern zusammen zu finden, und innerhalb von drei Tagen erhöhte sich die Zahl der polnischen Kämpfer auf 15.000 bis 20.000 Mann. Preußische Truppen umzingelten diese Lager und bereiteten sich auf einen Angriff vor. Das Komitee kapitulierte angesichts der militärischen Situation und schloss am 11.April die ►Konvention von Jaroslawiec. Sie sah vor, dass innerhalb von drei Tagen alle polnischen Abteilungen entwaffnet und aufgelöst werden sollten. In den Lagern kam es daraufhin zu massiven Protesten und sogar zu Meutereien. Während sich auf polnischer Seite die Auseinandersetzungen zwischen den rebellierenden bewaffneten Verbänden und dem Nationalkomitee hinzogen, verfügte der preußische König am 14. April die Teilung des Großherzogtums Posen in einen östlichen polnischen  und einen westlichen deutschen Teil und der sofort dem Deutschen Bund zugeschlagen wurde.

Am 26. April wurden durch königlichen Erlass weitere Gebiete von der Reorganisation ausgeschlossen.

Eine repressive preußische Politik  hatte einen bewaffneten Aufstand zur Folge.

Differenzen unter den Aufständigen und die militärische Übermacht Preußens führten am 09. Mai zur Kapitulation der aufständischen Abteilungen. Preußische Truppen besetzten nun das Großherzogtum vollständig.

 

 

Posener Evangelischer Chorgesangverband

Nachdem 1863 in Darmstadt der “Evangelische Kirchengesang-Verein für Deutschland“ entstanden war, bildeten sich auch in den preußischen Provinzen Organisationen des Chorgesanges mit dem Zweck, die bereits vorhandenen Kirchen-gesangsvereine zusammen zu schließen und ihre Arbeit nachhaltig zu fördern und zu unterstützen.

Bei der 1887 stattgefundenen Provinzialsynode wurde eine Kommission gewählt, die die Gründung eines Kirchenchorverbandes vorbereiten sollte.

War zunächst die Gründung eines solchen Verbandes nur für den Regierungsbezirk Bromberg vorgesehen, so wurde sie aber durch Anregung eines Konsistorialrates   auf die gesamte Provinz ausgedehnt.

Die konstituierende Versammlung des „Posener Evangelischen Chorgesangverbandes“ fand am 07/08. Nov. 1888 in Bromberg statt.

Ein Jahr nach der Gründung gehörten dem Verband 16 Chöre an, 1892 27 und 1909 steigerte sich die Mitgliederzahl auf 67 Chöre.

 

 

Posener Freundeskreis

Klub „ kathedersozialistisch“ geschulter Ökonomen und Juristen unter der Führung Alfred Hugenbergs (1865-1951), eines Mitbegründers des Alldeutschen Verbandes. Ein informelles Netzwerk von einflussreichen Verwaltungsbeamten und mehreren in der Ansiedlungspolitik Engagierten. Ihr Ziel bestand darin, durch persönlichen Einsatz und vertrauliche Zusammenarbeit die Grundlagen für ein konzentriertes Vorgehen zur Stärkung des östlichen Deutschtums zu schaffen. Seine wichtigsten Mentoren waren Max Weber  (1864-1920) und Max Sering (1857-1939), Begründer der Lehre der „Inneren Kolonisation“.

Dieser Kreis suchte nach Möglichkeiten, eine genuine deutsche Bauernsiedlung zu initiieren. Ludwig Bernhard (        ), Mitglied des Kreises, verfasste in diesem Sinne sein Buch über „Das polnische Gemeinwesen im preußischen Staat“. Hugenberg war zunächst bei der Ansiedlungs-kommission in Posen, danach im Preußischen Finanzministerium, um als Lobbyist für das Anliegen des „Posener Freundeskreises“ zu werben.

 

 

 

Posener Heimatgrüsse

Mit der Zunahme des Arbeitskräftebedarfs im Westen und der Arbeitslosigkeit im Osten des Deutschen Reiches gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen  viele Arbeitskräfte in den stärker industrialisierten Westen.

Aus Ostpreußen, Posen, Schlesien, aber auch aus Kongreßpolen und Galizien gingen zahlreiche Menschen als Saisonarbeitskräfte in die Land-wirtschaft Sachsens (Sachsengänger), aber auch in das rheinisch – westfälische Industriegebiet.

Die Pastoren Wilhelm Carl Timm ( 1864 – 1915 ), Arthur Rhode (1868 –1967 ) und Bernhard  Wiele (1869-1935 )  gaben ab 1903 das Gemeindeblatt „Posener Heimatgrüsse„ heraus, um so die seelsorgerische Betreuung der polnischen und deutschen „Sachsengänger „ zu gewährleisten.

Das Blatt erschien zunächst zweimonatlich, später – etwa ab 1913 – vierzehntäglich. 1919 wurde die Herausgabe dieses Periodikums eingestellt.

 

 

Posener Programm

Bezeichnung für die erste öffentlich verlautbarte politische Position über den Umgang mit den nationalen Minderheiten in dem nach dem 1. Weltkrieg wieder erstandenen polnischen Staat. Am 14.Oktober 1919 führte der national-demokratische Politiker, Stanislaw Grabski (1831-1949), Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des polnischen Parlamentes und späterer Kultusminister) während einer öffentlichen Versammlung in Posen aus:

„Wir wollen unsere Beziehungen auf Liebe stützen, aber es gibt eine andere Liebe für die Landsleute und eine andere für die Fremden. Ihr Prozentsatz bei uns ist entschieden zu hoch. Posen kann uns einen Weg weisen, in welcher Weise der Prozentsatz von 14 oder gar 20 auf 1,5 gebracht werden kann. Das fremde Element wird sich umsehen müssen, ob es sich anderswo nicht besser befindet. Das polnische Land ausschließlich für Polen“.  ( S.H. Rauschning : Die Entdeutschung Westpreussens und Posens. S. 45 )

Eine Erscheinungsform polnischer Nationalitäten-politik war die Verdrängung, in dem u.a. der Erwerb der polnischen Staatsbürgerschaft (►Optanten) verweigert wurde, der Ausschluss aus dem Staatsdienst erfolgte oder Handwerker und Dienstleister von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen wurden. So sank bspw. der  deutsche Bevölkerungsanteil in der ehemaligen Provinz Posen bis 1921 um 54,2 % und bis 1929 um 69 % gegenüber den Zahlen von 1910 infolge der vielfältigen administrativen und wirtschaftlichen Maßnahmen der polnischen Regierung , um so den Kreis der Deutschen in Polen, die Anspruch auf den international garantierten Minderheitenschutz              hatten, qualitativ erheblich zu verringern.

 

 

Posener Provinzial-Sängerbund

Der älteste Männerchor der Provinz Posen dürfte die „Liedertafel“ in Lissa – gegründet 1845 – sein.

Weitere Vereine gründeten sich noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Bromberg, Lissa, Meseritz, Posen und Wollstein.

Die Anregung, diese Vereine zu einer provinzweiten Organisation zusammen zu schließen, ging von Posen aus. Während der 48´er Revolution bildete sich eine Bürgerwehr. Die Abteilung des städtischen Lehrers Albert Vogt stimmte auf  dem Weg zum und  vom Übungsplatz stets Lieder an, so dass sie bald  als „Sänger-abteilung“ bezeichnet wurde. Hieraus gründete sich der „Allgemeine Männergesangverein in der Provinzialhauptstadt Posen“. Am 19. Juni 1851 erging die erste öffentliche Aufforderung des Vorstandes des AMGV an alle bestehenden Vereine der Provinz, einen Sängerbund zu gründen.

Am 22. Januar 1852 gab der Vorstand des Posener AMGV bekannt, dass die eingereichte Satzung durch die königliche Regierung genehmigt sei und er zu einem  Provinzialsängerfest vom 02. bis 04. Juni nach Posen einladen könne. 20 Vereine waren dem Sängerbund beigetreten.

Obwohl an den ersten Sängerfesten auch polnische Vereine teilnehmen, gestalteten sich diese Feste zunehmend deutschnationaler.

 

Lit. :

  • Remisch, Karl: Einiges aus der Geschichte des Posener Provinzial- Sängerbundes. In : Aus dem Posener Lande 6(1911) S.316-320

 

 

Posener Reden

Die Posener Reden waren zwei Geheimreden, die Heinrich Himmler (1900-1945) als Reichsführer-SS am 4. und 6. Oktober 1943 im Rathaus der damals von Deutschen besetzten polnischen Stadt Posen hielt. Ihre Aufzeichnungen sind die ersten bekannten Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus, in denen ein hochrangiges Regierungsmitglied die damals stattfindenden Massenmorde an Juden vor ausgewähltem Publikum offen aussprach. Sie belegen, dass das NS-Regime den Holocaust gewollt, geplant und durchgeführt hat.

 

Die Posener Reden vom Oktober 1943 sind zwei von 132 in verschiedener Form erhaltenen Reden, die Himmler zwischen 1925 bis 1945 vor Funktionsträgern der NSDAP und des NS-Regimes hielt. Die erste Rede hielt er vor 92 SS-Offizieren, die zweite vor Reichs- und Gauleitern sowie weiteren Regierungsvertretern. Sie gehören zu seinen wichtigsten Reden während des Krieges, die seine Rolle als „Architekt der Endlösung“ und Visionär eines von einer „Rasse-Elite“ getragenen künftigen „SS-Staates“ zeigen.

Der Völkermord an den Juden war  nicht das zentrale Thema dieser Reden. Himmler verzichtete hier auf die sonst üblichen Tarnbegriffe dafür und sprach ausdrücklich über die Ausrottung der Juden, die er als historische Mission des National-sozialismus darstellte.

In der Literatur war bis 1970 nur der erste Vortrag als „Posener Rede“ bekannt. Die damals entdeckte zweite Rede wird oft mit der ersten verwechselt oder gleichgesetzt.

Himmler trug die Posener Reden zu einem Zeitpunkt vor, als die deutsche Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg ständige Rückschläge erlitt, die die NS-Führungseliten zunehmend verunsicherten. Die Alliierten hatten auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943 die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als einzig akzeptables Kriegsziel beschlossen. Der Sieg der Sowjetunion am 2. Februar in der Schlacht von Stalingrad hatte die Kriegswende eingeleitet. US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882-1945) hatte am 12. Februar die Strafverfolgung der Hauptverantwortlichen für Krieg und Völkermord angekündigt; dem folgte der Kongress der Vereinigten Staaten am 18. März. US-Truppen waren am 7. Juli auf Sizilien gelandet und rückten nach dem Frontenwechsel Italiens am 8. September allmählich nach Norden vor. Am 1. Oktober befreiten sie Neapel von der deutschen Besatzung.

Auch die Rote Armee leitete am 17. Juli eine erfolgreiche Sommeroffensive ein, bei der Partisanen am 3. August viele Bahnverbindungen hinter der Ostfront sprengten. In der Woche vom 27. Juli bis 3. August zerstörten alliierte Luftangriffe mit der Operation Gomorrha Hamburg, am 18. August auch das Rüstungszentrum Peenemünde. Zugleich wuchs der Widerstand gegen die deutschen Besatzer: In Norwegen (17. August) und Dänemark (29. August) mussten diese deshalb den Ausnahmezustand verhängen. Oppositionelle Deutsche planten Deutschlands Neuordnung (Kreisauer Kreis 9. August) und Attentate auf Adolf Hitler („Operation Walküre“, 12. August). Dieser befahl am 4. September die Strategie der „verbrannten Erde“ für den absehbaren Rückzug der Ostfront und ein Standrecht für Befehlsverweigerer in der Wehrmacht, das am 2. Oktober zunächst im Generalgouvernement eingeführt wurde.

Rede vom 4. Oktober 1943

Himmler arbeitete die meisten seiner Reden nicht vorher aus, sondern hielt sie anhand knapper handschriftlicher Notizen. Seit Ende 1942 wurden seine mündlichen Vorträge nicht mehr steno-graphiert, sondern auf Wachsschallplatten aufgezeichnet. Diese Tonaufnahmen tippte Unter-sturmführer Werner Alfred Venn ab und korrigierte dabei einige offenkundige grammatische Fehler oder ergänzte fehlende Worte. Himmler korrigierte diese Rohfassung handschriftlich nochmals; der so autorisierte Text wurde auf einer Schreibmaschine mit großen Typen erneut kopiert und dann abgelegt.

Von Himmlers dreistündiger Rede am 4. Oktober 1943 ist die maschinenschriftliche Endfassung von 115 Seiten (ein Blatt ging verloren) in den SS-Akten aufgefunden und als Dokument 1919-PS beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegs-verbrecher vorgelegt worden. Am 23. Verhand-lungstag wurde eine Passage daraus zitiert, die jedoch nicht den Holocaust betraf. Auch der Tonmitschnitt dieser Rede ist erhalten, so dass die Unterschiede zwischen gesprochener und redigierter Textfassung überprüft werden können: Sie sind geringfügig und in keinem Fall sinnverfälschend

 

Himmler hielt die erste Posener Rede nicht, wie irrtümlich oft angenommen, im Posener Schloss, sondern im Posener Rathaus. Bei der dortigen SS-Gruppenführertagung (Leitungsebene der SS) waren 33 Obergruppenführer, 51 Gruppenführer und acht Brigadeführer der SS aus dem ganzen Reich anwesend. Viele davon kamen aus den besetzten Gebieten Osteuropas. Weite Teile der Rede betrafen daher die prekäre Situation an der Ostfront. Die Kriegs- und Widerstandserfolge der „Slawen“ als angeblicher Untermenschen bedurften einer Erklärung, um die SS-Offiziere auf die bevorstehenden harten Kämpfe im dritten Winter des Russlandkrieges einzustimmen.

Nur etwa zwei Minuten der Rede befassten sich mit den Judenmorden. Dabei setzte Himmler die Erfahrungen seiner Zuhörer mit Massen-erschießungen, Ghettoauflösungen und Vernichtungslagern beziehungsweise ihre Kenntnis davon voraus. Die Rede sollte bereits verübte Verbrechen rechtfertigen und die Hörer auf deren „höheren Zweck“ einschwören. Dazu wurde der Redetext auch etwa fünfzig nicht anwesenden hohen SS-Offizieren zur Kenntnisnahme zugeschickt, was diese zu bestätigen hatten.

Nach einer Totenehrung stellt Himmler seine Sicht des Kriegsverlaufs dar. Der zähe russische Widerstand sei auf die Politkommissare zurückzuführen, man sei einem russischen Angriff knapp zuvorgekommen, durch Versagen der Bundesgenossen sei der Sieg 1942 verschenkt worden. Himmler spekuliert über das Potential der russischen Armee, äußert sich abfällig über den „Wlassow-Rummel“, verbreitet sich über die Minderwertigkeit der „slawischen Rasse“ und schließt Gedanken an, wie eine deutsche Minderheit dort herrschen könne.

In späteren Passagen spricht Himmler über Italien, dessen Armee kommunistisch verseucht und anglo-amerikanisch eingestellt sei, und streift die Verhältnisse auf dem Balkan und den übrigen besetzten Gebieten, deren Widerstandshandlungen er als lästige Nadelstiche gering schätzt. Kurz geht er auf den Luft- und Seekrieg ein und wendet sich dann der „inneren Front“ zu. Feindsender und Luftangriffe verursachten Defätismus, zur Abschreckung müsse man Exempel statuieren.

Anschließend widmet sich Himmler der „Lage auf der Feindseite“, spekuliert über das Verhältnis zwischen England (gemeint: Vereinigtes Königreich) und den USA sowie über deren Belastbarkeit und Kriegsbereitschaft. Ausführlich geht er auf Personalveränderungen in der SS, einzelne Divisionen und Polizeiverbände ein, skizziert seine Aufgaben als Reichsminister und die der SS-Wirtschaftsbetriebe.

In seiner Skizze des Kriegsverlaufs im Osten nimmt Himmler auch zum millionenfachen Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter Stellung. Wie schon in Vorkriegsreden und in Übereinstimmung mit Hitlers Ausführungen in „Mein Kampf“ spricht er davon, dass die Ausmerzung der slawischen „Untermenschen“ eine historische und natürliche Notwendigkeit sei. Hier sei „Gemüt am falschen Platze“:

„Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kamerad-schaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und sonst zu niemandem. Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“

 

Dann spricht er über den Völkermord an den Juden in einer unverschleierten Sprache, die von einem Vertreter des NS-Regimes bis dahin nicht gehört worden war:

„Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet’, sagt ein jeder Parteigenosse‚ ‚ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.’ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte. […] Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.“

Anschließend lobt Himmler die „Haltung“ der SS-Männer und verbreitet sich auf rund 30 von 116 Seiten über deren vorgebliche „Tugenden“ sowie über ihre Aufgabe, in 20 bis 30 Jahren die Führungsschicht Europas zu stellen.

 

Rede vom 6. Oktober 1943

Von der zweiten Posener Rede sind sowohl Himmlers knappe Redenotizen als auch der vollständige, nach einer Stenografie auf Schreibmaschine ausgeführte, in Details korrigierte Redetext sowie dessen von Himmler autorisierte Endfassung erhalten. Alle drei Fassungen befanden sich in den Akten des „Persönlichen Stabes Reichsführer-SS“, dessen Dokumente die US-Behörden 1945 vollständig beschlagnahmten.

Die in den USA auf Mikrofilm aufgenommenen Redetexte wurden an das Bundesarchiv übergeben. Bei der Auswertung dieser nun zugänglichen Dokumente entdeckte der Historiker Erich Goldhagen 1970 in Koblenz diese bis dahin unbekannte Rede.

Ende September 1943 hatte die Parteikanzlei alle Reichs- und Gauleiter, den Reichsjugendführer Arthur Axmann(1913-1996) und die Reichsminister Albert Speer (1905-1981) und Alfred Rosenberg (1893-1946) zu einer Konferenz eingeladen. Die Tagung begann am 6. Oktober um 9:00 Uhr mit Referaten Speers, seiner Referenten und vier Großindustriellen zur Rüstungsproduktion. Es folgten Vorträge von Karl Dönitz (1891-1980) und Erhard Milch, bevor Himmler von 17:30 bis 19:00 Uhr seine Rede hielt. Sie ist kürzer als die erste Posener Rede, enthält aber eine etwas längere und unmissverständliche Passage über den Völkermord. Sie wird meist im Zusammenhang mit Albert Speer erwähnt.

Himmler geht in seiner Rede zuerst auf die Partisanen in Russland und die Unterstützung durch die Wlassow-Hilfstruppe ein. Falsch sei die verbreitete Vorstellung, hinter der deutschen Front gäbe es einen 300 Kilometer breiten Gürtel, der von Partisanen beherrscht werde. Vielfach werde geäußert, dass Russland nur durch Russen besiegt werden könne. Dieser Gedanke sei falsch und gefährlich. Slawen seien grundsätzlich unzuverlässig und man dürfe russische Hilfswillige darum nur in gemischten Verbänden als Kämpfer einsetzen.

Die Gefahr durch eingeschleuste Fallschirmspringer, flüchtige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sei gering, da die deutsche Bevölkerung „in einer tadellosen Verfassung ist und dem Gegner keinen Unterschlupf“ gewähre und die Polizei das Problem im Griff habe. Eine von einigen Gauleitern geforderte „Gau-Sondertruppe“ gegen einen Aufstand im Lande sei unnötig und unzulässig.

Dann leitete Himmler „in diesem allerengsten Kreise“ zur „Judenfrage“ über, die er als „die schwerste Frage meines Lebens“ bezeichnet:

„Ich bitte Sie, das, was ich Ihnen in diesem Kreise sage, wirklich nur zu hören und nie darüber zu sprechen. Es trat an uns die Frage heran: Wie ist es mit den Frauen und Kindern? – Ich habe mich entschlossen, auch hier eine klare Lösung zu finden. Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten, sprich also umzubringen oder umbringen zu lassen – und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es musste der schwere Entschluss gefasst werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen. Für die Organisation, die den Auftrag durchführen musste, war es der schwerste, den wir bisher hatten. […]“

„Ich habe mich für verpflichtet gehalten, […] zu Ihnen als den obersten Würdenträgern der Partei, dieses politischen Ordens, dieses politischen Instruments des Führers, auch über diese Frage einmal ganz offen zu sprechen und zu sagen, wie es gewesen ist. Die Judenfrage in den von uns besetzten Ländern wird bis Ende dieses Jahres erledigt sein. Es werden nur Restbestände von einzelnen Juden übrig bleiben, die untergeschlüpft sind.“

Zum Schluss stellt er nochmals als Ziel heraus, die deutsche Volkstumsgrenze für ein 120-Millionen-Volk um 500 Kilometer nach Osten zu verschieben, und endet mit dem Appell:

„Wenn wir dies sehen, dann wird uns nie der Glaube verlassen, nie werden wir untreu werden, nie werden wir feige sein, nie schlechter Stimmung sein, sondern wir werden uns bemühen, würdig zu sein, unter Adolf Hitler gelebt zu haben und mitkämpfen zu dürfen.“

 

Lit.

  • Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg (IMT): Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher., Nachdruck München
  • Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl, München 2001
  • Richard Breitman: Himmler und die Vernichtung der europäischen Juden. Schöningh, Sammlung zur Geschichte und Gegenwart, 1996

 

 

Posener Stimmen

Der Konvent der Posener Pastoren, der im Jahre 1947 im hessischen Treysa tagte, beauftragte Dr. Walter Threde mit der Schriftleitung eines im Dienste des Posener Hilfskomitees noch heraus-zugebenden Presseorgans. Aufgrund der alliierten Pressegesetze konnte zunächst keine eigene Zeitschrift herausgegeben werden, so dass das Angebot der Redaktion des von der Militärregierung bereits genehmigten „Evangelischen Gemeinde-blattes für den Kirchenbezirk Urach“, einen Teil dieser Veröffentlichung für die Glieder der Evangelischen Posener Kirche bereitzustellen, dankbar angenommen wurde.

So erschienen am 17. August 1947 zum ersten Mal als Teil des „Uracher Gemeindeblattes“ die  „Posener Stimmen.“ Im Frühjahr 1949 beschloss das “ Posener Hilfskomitee “ ein redaktionell und organisatorisch eigenständiges Blatt heraus-zugeben. Der erste „Heimatbrief Posener Stimmen“ erschien im März 1949. Die „Heimatbriefe “ , die sechs – bis achtmal jährlich erscheinen sollten, wurden von Dr. Johannes Scholz und Oberlandeskirchenrat Carl Brummack heraus-gegeben. Da eine Bezugsgebühr nicht erhoben wurde, musste die Herausgabe der “ Heimatbriefe “ bereits Pfingsten 1949 wieder eingestellt werden.

Die 1949 gegründete  ► Landsmannschaft Weichsel – Warthe gab ab Januar 1950 ein Mitteilungsblatt „Stimmen aus dem Osten “ heraus, der die “ Posener Stimmen “ beigelegt wurden. Da das Erscheinen der “ Stimmen aus dem Osten “ im September 1953  eingestellt werden musste, wurden die “ Posener Stimmen“  ab Oktober 1953 als monatlich erscheinendes Mitteilungsblatt des Hilfskomitees der Glieder der Posener Evangelischen Kirche wieder als selbständiges Periodikum herausgeben. Die Schriftleitung übernahm Dr. Ilse Rhode (1902-1959). Die Posener Stimmen hatten 1953 eine Auflage von 7500 Exemplaren; 2011 verzeichnete sie 1050 Bezieher.

Zugeordnet werden den „Posener Stimmen“ monatlich die Beilage „Weichsel-Warthe“ und fünfmal jährlich die die Mitteilungen des „Deutschen Geschichtsvereins für die Provinz Posen“

 

 

Potarzyce

Ehemalige Stadt

Potulitz ( poln. : Potulice)

Den Mittelpunkt des Dorfes, 9 Kilometer östlich von Nakel gelegen, bildete das Landgut der Gräfin Aniela Potulicka mit einem 22.000 Morgen umfassenden Grundbesitz. Die kinderlose Adlige hinterließ der Katholischen Hochschule in Lublin ihr Vermögen und verfügte, dass das Gut ausschließlich für die Einrichtung eines Seminares für katholische Priester Verwendung finden sollte. Dieses Seminar, das 1934 – zwei Jahre nach dem Tod der Gräfin – seine Arbeit aufnahm, bildete Priester für die Seelsorge der im Ausland lebenden Polen aus. Unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Priesterseminar geschlossen.

Das Schloss mit seinen Wirtschaftsgebäuden und der gesamte Grundbesitz fiel unter die Verwaltung der ► Haupttreuhandstelle Ost mit ihrer Dienststelle in Bromberg. Die SS richtete im Winter 1939 / 1940 eine Unterführerschule in den Räumen des Schlosses ein.

Vor dem Hintergrund der zwangsweisen Umsiedlung von Polen aus dem neu gebildeten ► Reichsgau Wartheland in das General-gouvernement wurde die SS- Unterführerschule aufgelöst und ab Herbst 1940 für die Einrichtung eines Umsiedlersammellagers und später für ein von SS – Sicherheitskräften geführtes Arbeitslager, das dem KZ Stutthoff unterstellt war, vorbereitet.

Der Ausbau des Lagers erfolgte zwischen dem Herbst 1941 und dem Sommer 1942. Unmittelbar hinter dem Schloss, das als Hauptverwaltungs-gebäude diente, wurden 30 Wohn -–und 8 Werkstatt – Baracken errichtet. Über 11000 Menschen internierte man in diesem Lager während des Krieges.

Am 20. Januar 1945 wurde das SS- Lager wegen des Herannahens der Roten Armee zunächst aufgelöst. Ab Feb. 1945 Inbetriebnahme des Lagers als Internierungs-, Arbeits – und Kriegsgefangenenlagers für Deutsche.  Von 1945 bis 1949 wurden rund 37.000 Personen in diesem Lager interniert. Aufgrund der schlechten Verpflegung und unzureichender hygienischer Bedingungen gab es eine hohe Sterblichkeitsrate in Potulitz. Schätzungen gehen von 3500 bis 12.000 Todesfällen zwischen 1945 und 1949 aus.  Erst mit der Aussiedelung der letzten Deutschen in die Bundesrepublik lösten polnische Behörden das Lager im Dezember 1949 auf.

Am 06. September 1998 wurde auf dem Gelände des Lagers eine Gedenktafel errichtet, die an die Häftlinge und Opfer erinnern soll, die zwischen 1941 und 1949 hier inhaftiert waren.

 

Lit. :

  • Hecker, Hans : Potulice. Aus den Erinnerungen von „Arbeitslager“- Insassen ( 1945 – 1949 ). In : Jahrbuch Weichsel – Warthe. 18 (1972 ) S. 54 – 59
  • Jastrzębski, W. : Potulice –hitlerowski obóz przesiedleńczy i pracy. Bydgoszcz 1967
  • Kent, Martha : Eine Porzellanscherbe im Graben. Eine deutsche Flüchtlingskindheit. Frankfurt/Main 2004
  • Rache ist eine Krankheit. In : Die Zeit vom 03. September 1948
  • Rasmus, Hugo : Schattenjahre in Potulitz 1945. Schicksal in polnischen Internierungslagern. Eine Dokumentation, Münster 1995

 

 

Powidz  (poln.: Powidz )

Bereits vor der Stadtgründung wurde am Powidzer See eine Burg angelegt. Am o8. Juni 1243 stellte der Fürst von Kalisch eine Urkunde aus, mit der er einen Lokator namens Balduin, der sehr wahrscheinlich aus Flandern stammte, mit der Anlage einer Stadt beauftragte. Die von dem Lokator anzulegende Stadt lag an der Kreuzung damals wichtiger Handelsstraßen. Die ältesten Aufzeichnungen sind leider verbrannt, so dass über die mittelalterliche Geschichte von Powidz wenig bekannt ist.

Wahrscheinlich war P. auch durch die militärischen Übergriffe des Deutschen Ordens in erhebliche Mitleidenschaft gezogen worden, denn in einem Privileg König Kasimirs  (1427-1492) vom 10. August 1464 würdigt dieser die Verdienste der Bürger der Stadt im Kampf gegen den Orden und schenkte P. ein Dorf zur Belohnung.

Ab 1773 war die Stadt für drei Jahre von preußischen Truppen besetzt und ging erst 1793 in preußische Verwaltung über. Um 1800 war die frühere Starostenstadt Sitz des Powidzer Kreises, der bis Tremessen und Witkowo und weit in das spätere Kongreßpolen reichte. Die Teilungen Polens beeinträchtigte die Entwicklung der Stadt, so dass ihr 1931 das Stadtrecht entzogen wurde.

Powidz und die sie umgebende Region wurden aufgrund ihres ökologisch hochwertigen Zustandes durch eine Verordnung des Woiwoden von Konin am 16. Dezember 1998 als Landschafts-schutzgebiet ausgewiesen. Die Region zählt heute zu den touristisch interessantesten Zielen Großpolens.

 

Lit. :

  • Lattermann, Alfred : Kurheim 700 Jahre alt. In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift im Wartheland. 7/8 ( 1943 ) S. 236 – 242

 

 

Presse und Publizistik

Nach dem 1.Weltkrieg zählten die Städte Posen und Bromberg zu den Zentren der Presse der deutschen Minderheit.

Die Abwanderung der Deutschen hatte auch Auswirkungen auf das Zeitungswesen. Deutsche Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein oder gingen in anderen Blättern auf.

Nur größere Presseorgane konnten sich behaupten. In Posen erschien bspw. das „Posener Tageblatt“ mit einer Auflage von 9000 Exemplaren, in Bromberg die „Deutsche Rundschau in Polen“ mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren.

Während der II.Republik Polen wurden 133 deutsche Zeitungen und Zeitschriften herausgegeben. Zwischen 1919 und 1939 erschienen:

  • Bojanower Anzeiger
  • Advent- Beobachter
  • Botschafter des Ewigen Evangeliums
  • Bromberger Presse
  • Bromberger Tageblatt
  • Bromberger Volkszeitung
  • Buchhändler in Polen
  • Deutsche Bühne Bromberg
  • Deutsche in Polen
  • Deutsche Nachrichten
  • Deutsche Rundschau in Polen
  • Deutsche Schulzeitung in Polen
  • Freie Gewerkschaft
  • Gewerkschaftsring
  • Zeitschrift für die deutschen Kinder in Polen
  • Kamerad
  • Der Kinderfreund
  • Milchwirtschaftlicher Anzeiger in Polen
  • Missionsbote
  • Nachrichtenblatt des Verbandes Deutscher Industrieller und Kaufleute
  • Neuer Mutterndienst
  • Ostdeutsche Rundschau
  • Ostdeutsches Volksblatt
  • Presseberichte der Vereinigten Deutschen Volksräte für Posen und Westpreußen
  • Richtmappe für die deutsche Jugend in Polen
  • Sang und Klang
  • Stadt-und Landbote für die Kreise Międzychơd und Szamotouly
  • Warthe und Netze Zeitung
  • Kreiszeitung für den Kreis Nowy Tomyśl
  • Neutomischel Kreiszeitung
  • Arbeiter und Ende. Jahrweiser für das Deutschtum in Polen
  • Arbeitergemeinschaft im deutschen Jugendwerk
  • Aufbruch
  • Blätter aus dem Posener Diakonissenhause
  • Brennende Wunden
  • Bücherschau des Sortimenters in Polen
  • Deutsche Blätter in Polen
  • Deutsche Hochschüler in Polen
  • Deutscher Landstand
  • Deutsche Monatshefte in Polen
  • Deutsche Nachrichten
  • Deutsche Tageszeitung in Polen
  • Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift in Polen
  • Evangelische Religionslehrer in Polen
  • Evangelische Religionslehrer in der Diaspora
  • Evangelischer Heimatgruss für die im Heer stehenden Glieder der Evangelischen Kirche in Polen
  • Evangelisches Gemeindeblatt für die Unierte Evangelische Kirche in Polen
  • Kampfblatt der deutschen Jugend
  • Für Volk und Kirche
  • Gehilfen der Freunde
  • Gemeindebote der Gemeinde gläubig getaufter Christen
  • Glaube und Heimat. Gemeindeblatt für die Unierte Evangelische Kirche in Polen
  • Handel und Gewerbe in Polen
  • Heimatpost
  • Historische Monatsblätter für die Provinz Posen
  • Illustrierte Roman-Welt. Die Romanzeitungfür Haus und Familie
  • Jugendruf
  • Monatsschrift für evangelische Männerjugend
  • Jugendland
  • Jugendstunde
  • Kapital-und Wirtschaftsberichte
  • Kindergottesdienst
  • Kirche und Heimat
  • Kirchlicher Nachrichtendienst
  • Kirchliches Amtsblatt des Evangelischen Konsistoriums zu Posen
  • Landmann
  • Landwirt
  • Landwirtschaftliches Zentralwochenblatt für Polen
  • Leiterinnenhilfe des Landesverbandes der Evangelischen Familienhilfe in Posen
  • Lichtträger. Stimmen des neuen Jugendstrebens
  • Luthererbe in Polen
  • Milchwirtschaftliche Zeitung für Polen
  • Missionsnachrichten aus den Baptistischen Gemeinden der Posen-Pommerellischen Vereinigung
  • Nachrichten aus der Heidenwelt
  • Nachrichten des Verbandes der Weiblichen Handels –und Büroangestellten
  • Neueste Nachrichten in Polen
  • Ostdeutsche Warte
  • Pflug
  • Polnische Gesetze in deutscher Übersetzung
  • Polnische Verordnungen in deutscher Übersetzung
  • Posener Anzeiger
  • Posener Bienenwirt
  • Posener Evangelisches Kirchenblatt
  • Posener Genossenschaftsblatt
  • Posener Neueste Nachrichten
  • Posener Provinzial Handwerker Zeitung
  • Posener Raiffeisenbote
  • Posener Tageblatt
  • Posener Warte
  • Posener Zeitung
  • Posener Zeitungsdienst
  • Schaffen und Schauen
  • Unsere Kinderkirche. Blätter für den Hilfsdienst
  • Verbandsgruß des evangelischen Verbandes zur Pflege der Weiblichen Jugend in Polen
  • Wahrheit
  • Werbebote
  • Wolhynischer Bote
  • Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen
  • Zeitschrift des Naturwissenschaftlichen Vereins
  • Zeitschrift der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft
  • Werderbote
  • Rawitscher Zeitung
  • Szamociner Zeitung
  • Deutsche Handwerker in Polen
  • Grenzlandbote
  • Wirsitzer Zeitung
  • Tagesrundschau
  • Volksbeobachter
  • Volksdeutsche Jugendarbeit
  • Volksstimme
  • Volkszeitung
  • Wirtschaftszeitung
  • Der kleine Friedensbote
  • Deutsche Volkszeitung in Polen
  • Chodziesener Zeitung
  • Anzeiger für den Netzedistrikt
  • Monatsschrift für die Jugend
  • Kujawischer Bote
  • Kempener Wochenblatt
  • Neuer Volksfreund
  • Stadt – und Landbote. Generalanzeiger für die Kreise Gniezno, Mogilno,Witkowo, Strzelno, Znin, Obornik, Wongrowitz
  • Volksbote
  • Krotoschiner Zeitung
  • Lissaer Anzeiger
  • Lissaer Tageblatt
  • Lissaer Zeitung
  • Wollsteiner Zeitung
  • Stadt- und Landbote für das Posener Land.
  • Wollsteiner Zeitung

 

Die größte deutsche Tageszeitung war die „Ostdeutsche Rundschau“ aus Bromberg, die nach 1920 unter dem Titel „Deutsche Rundschau in Polen“ herausgegeben wurde.

Von 1920 bis 1939 wurde diese Zeitung insgesamt 546mal beschlagnahmt und 872 Strafverfahren eingeleitet.

Die Redakteure der in Polen erscheinenden deutschen Publikationen schlossen sich im „Verband deutscher Redakteure zusammen, der seinen Sitz in Kattowitz hatte.

 

Lit.:

 

  • Bernhardt, S.: Die deutsche politische Tagespresse Polens. Diss. Poznań 1926
  • Guttmann, F. (Hrsg.) : Almanach der deutschen Presse in Polen. Kattowitz 1930
  • Dresler, Adolf : Die deutsche Presse in der polnischen Republik 1918-1939. In : Deutsche Forschung im Osten 4/1944.S.1-10
  • Kowalak, Tadeusz : Prasa niemiecka w Polsce 1918 – 1939. Warschau 1971
  • Kowalak, Tadeusz : „Deutsche Rundschau in Polen“ 1918-1939. Szkich monograf. In : Zapiski historyczny 35 (1970) 1, S. 123-150
  • Kowalak, Tadeusz: Niemiecki osrodek prasowy w Bydgoszczy w okresie miedzywajennym. In : Kwartalnik hist. 74 (1967), 4 S. 963-994
  • Gierlak, Maria: Deutsche Presse in Polen 1919-1939. Forschungsstand,-postulate und-desiderate. In : Sibylle Schönborn (Hrsg): Grenzdiskurse. Zeitungen deutschsprachiger Minderheiten und ihr Feuilleton in Mitteleuropa bsi 1939. Essen 2009 S.67-80
  • Lakeberg, Beata Dorota: Die deutsche Minderheitenpresse in Polen 1918-1939 und ihr Polen- und Judenbild. Frankfurt/Main u.a. 2010

 

Preußische Besitzergreifung 1815

Am 03.Mai 1815 war zwischen Preußen und Russland der Vertrag über das Herzogtum Warschau, der u.a. über die Zukunft des Posener Landes entschied, abgeschlossen.

Die Kabinettsorder vom 14. Mai ordnete die militärische Besitzergreifung an.

Am 24. Mai rückte Generalleutnant August von Thümen (1757-1826) nach Meseritz ein, gleichzeitig das 2. Bataillon des 13. Schlesischen Landwehrregiments in Rawitsch.

Von Norden rückte das 5. Ostpreußische Landwehr-Kavallerieregiment vor. Es erfolgte eine förmliche Inbesitznahme nach der militärischen Besetzung gemeinschaftlich durch die Chefs der Militär – und Zivilverwaltung.

Am 08. Juni erfolgte der Akt der Besitzergreifung des gesamten Großherzogtums.

 

 

Priment  (poln.: Przement )

Am Südrand des Obrabruches erhob sich auf einer Insel gegenüber der Nordspitze des Primenter Sees bereits im 13. Jahrhundert eine Burg, die Sitz eines Starosten war. Im Schutz dieser Burg entwickelte sich eine Ansiedelung, der bereits am Anfang des 14. Jahrhundert Stadtrechte verliehen wurden. Mit der endgültigen Festigung der schlesisch-großpolnischen Grenze (1343) verlor die Burg an Bedeutung.

Im 13. Jahrhundert wurden im Gebiet der Provinz Posen vier Klöster des Zisterzienser – Ordens angelegt. Von der ältesten Niederlassung in ►Paradies wurde während der Regierungszeit Władisław Jagiello  (1386 bis 1434) ein Tochter-kloster Fehlen gegründet, das 1422 die Stadt Priment erwarb und seinen Sitz dorthin verlegte.König Władyslaw II Jagiello verlieh dem Ort am 25. Juni 1406 Magdeburger Stadtrecht. Die ursprüngliche frühgotische Anlage des Primenter Klosters wurde durch einen in den Jahren 1651 bis 1696 ausgeführten Neubau fast völlig verdrängt.

1656 besetzten brandenburgische Truppen die Stadt und zerstörten sie.

In Folge der zweiten Teilung Polens wurde Priment Teil des preußischen Staates. Da die Stadt gerade einmal 300 Einwohner zählte, wurde ihr am 01. Juni 1797 das Stadtrecht entzogen. Das Kloster wurde säkularisiert und 1834 aufgelöst.

1919 wurde P. das zuvor dem Landkreis Bomst angehört hatte, Teil des neu errichteten polnischen Staates.

Die Gemeinde Bestensee ( Brandenburg ) ist seit 2002 Partnergemeinde von P.

 

Lit. :

  • Zimniewicza, K. : Przemet. Zarys dziejów. Warszawa 1991

 

 

 

 

Primenter Seengruppe

Die Primenter Seengruppe umfasst 13 Seen von mehr als 10 ha. Größe, darunter die beiden größten Südposener Seen, den Primenter mit 7,6 qkm und den Domniker mit 3,8 qkm Flächenausdehnung.

Die beiden  etwas abseits im Süden gelegenen Seen sind der Große und Kleine Ilgener mit 79 und 50 ha Größe. An den Primenter See schließt sich unmittelbar ein See an, dessen Teile verschiedene Namen haben : Brennoer, Weißer, Seichter und Städteler See. Da diese Namen nicht verschiedene Seen, sondern nur Teile ein und desselben Sees bezeichnen, können wir den ganzen Komplex den  Brennoer See nennen. Er umfasst  eine  Fläche von 201 ha.

An den Brennoer See schließt sich im Südosten eine Kette von drei ungefähr gleich großen Seen an: Linciuszsee (44 ha), Brzeczniesee (50 ha) und der Hegesee (43 ha). Im Osten des Brennoer Sees befinden sich der Krzywcesee (13 ha), der Domniker See (382 ha), der Große See (80 ha) und die beiden Boszkowoer Seen ( 36 und 37 ha ). Als letzter See dieser Reihe ist der Trzebidzaer See mit einer Flächenausdehnung von 75 ha zu nennen.

Der Primenter See hat eine Länge von 14 km; er wird in der Länge nur noch vom Goplo – und Pakoscher See übertroffen. Eine gewisse Berühmtheit hat die im Primenter See gelegene Maiglöckcheninsel wegen ihrer Schönheit erlangt.

 

 

Prosna

Die Prosna ist ein linksseitiger Nebenfluss der Warthe. Sie entspringt in der Woiwodschaft Oppeln und mündet nach 180 Kilometern langem nordwärts gehenden Lauf unweit von Peisern (Pyzdry) in die Warthe. Bis 1918 war die Prosna auf fast ihrer gesamten Länge ein Grenzfluss des Deutschen und des Russischen Kaiserreiches.

 

 

Protestantismus

Durch Kaufleute und Studenten, die an deutschen Universitäten studierten, fand reformatorisches Gedankengut frühzeitig Eingang in Polen.

Der Reichtum des polnischen Klerus und dessen Privilegien bildeten die ständige Quelle von Konflikten mit dem Adel. Eine weitere Ursache für die Streitigkeiten bildeten der sog. „Kirchenzehnt“ und vor allem das klerikale Gerichtswesen über weltliche Personen. Der Reichtum des Klerus, sein geringer Wissensstand und sein geringes moralisches Niveau riefen Kritik an der katholischen Kirche hervor und erleichterten das Eindringen reformatorischer Ideen.

Von großer Bedeutung für die Verbreitung der lutherischen Lehre war die 1525 erfolgte Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum und die damit verbundene Einführung des lutherischen Glaubens.

Der ehemalige Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg (1490-1586), gilt somit als Begründer der ersten evangelischen Landeskirche und Beschützer aller Protestanten in Polen. (Verfolgte Prediger fanden in Ostpreußen Asyl, reformatorische Schriften wurden  in Königsberg gedruckt. Die Königsberger Universität, 1544 gegründet, bildete Prediger für die lutherischen Gemeinden aus.)

Bereits 1518 hatte der in Posen lehrende Humanist und Dichter Johannes Vadianus  (              ) erfolgreich für Luther geworben.

Bedeutungsvoll für die weitere Ausbreitung der Reformation in Posen erwies sich  das 1519 errichtete Gymnasium. 1528 lehrte an dieser Schule Antonius Niger (um 1500-1551), der in Erfurt dem Humanistenkreis von E. Hesse (             ) angehört hatte und nun für die lutherische Lehre warb.

Sein Nachfolger, der als Jurist, Humanist, Pädagoge und Theologe geschätzte Christoph Hegendorf  (um 15oo-1540) – unter dem das Gymnasium seine Blütezeit erlebte – bekannte 1532 offen seine reformatorische Überzeugung. Als Privatlehrer und Erzieher vieler großpolnischer Magnaten erreichte er, dass sich in den kommenden Jahrzehnten der großpolnische Adel der Reformation anschloss. Dem wachsenden Druck des katholischen Klerus musste er aber weichen und 1535 das Land verlassen.

Bei der Popularisierung der neuen Religion trat Graf Andreas Gorka (1500-1551) besonders in Erscheinung, der die Reformation nachhaltig förderte.

Während des Petrikauer Reichstages 1548 setzte sich der größte Teil des polnischen Adels entschieden für die Reformation ein.

In Großpolen bildeten sich rasch 60 Gemeinden, die sich zu einem Synodalverband zusammen schlossen.

Im Sommer 1555 wurde die Glaubensfreiheit in  Polen garantiert. Der polnische König entsandte einen Bevollmächtigten zum Papst, durch den er die wichtigsten Forderungen der Protestanten vertreten ließ. So sollte der Papst eine Messe in polnischer Sprache genehmigen, die Kommunion in beiderlei Ausführung und die Priesterehe zulassen, sowie eine Generalsynode einberufen. Der überraschte Papst stimmte nur dem letzten Punkt zu und entsandte den Bischof von Verona, Ludovico Lippomano (             ) als Nuntius nach Polen. Seit 1555 war somit in Polen als erstem Land ständig ein apostolischer Nuntius tätig.

Der Protestantismus in Polen war keine einheitliche Bewegung. Neben den Lutheranern und Calvinisten waren nach ihrer Verfolgung in Böhmen die Brüdergemeinden in Polen aufgenommen worden. Als besonders radikale Gruppierung traten die Antitrinitarier auf, die die zentrale Glaubensthese von der Dreieinigkeit und damit die Göttlichkeit Jesu ablehnten. ( A.oder Sozzianer). Mit Ausnahme der Letztgenannten schlossen sich die Protestanten 1570 in Sandomierz zu einem Verbund zusammen, um ihre Glaubensfreiheit zu verteidigen.

Die katholische Seite blieb ihrerseits angesichts der konfessionellen Herausforderungen nicht untätig.

Da die Machtmittel fehlten zu einem gewaltsamen Vorgehen fehlten und die königlichen Beamten eine Ausführung von kirchlichen Urteilen verweigerten, versuchten die Bischöfe eine indirekte Wiedereroberung theologischen Terrains. Es erfolgte eine Berufung des Jesuitenordens nach Polen (1564); dieser baute rasch ein exzellentes Erziehungssystem auf, mit dem es ihm gelang, die Nachkommen vieler protestantisch gewordener Familien zu rekatholisieren.

Die Gegenreformation fand in dem durch Jesuiten erzogenen König Sigismund III (1587-1632) Unterstützung. Reformierte konnten keine staatlichen Beamte werden, in den königlichen Städten mussten Protestanten ehemals katholische Kirchen wieder räumen.

Ausschreitungen gegen evangelische Einrichtungen blieben oftmals straffrei. In Großpolen verloren die Protestanten so zwei Drittel ihrer Kirchen. Um 1648 bestanden in Großpolen nur noch 28 protestantische Gemeinden, wovon sich bis zum „Toleranzpatent“ von 1768 zehn behaupten konnten.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) strömten viele evangelische Glaubensflüchtlinge nach Polen, da sich der polnische König Wladislaw IV (1632-1648) ihnen gegenüber tolerant verhielt.

Die  polnischen Könige Sigismund III  (1587-1632), Wladislaw IV (1632-1648)und Johann  Kasimir (1648-1668) entstammten dem schwedischen Königshaus, erhoben immer wieder Ansprüche auf den schwedischen Thron, der ihnen aber von den protestantischen Schweden verweigert wurde. Als Johann Kasimir dem schwedischen König Karl X Gustav (1622-1660) die Anerkennung verweigerte, kam es 1655 zum schwedisch-polnischen Krieg.

Die Schweden erfochten gemeinsam mit brandenburgischen Truppen in der Schlacht bei  Warschau 1956 einen entscheidenden Sieg über die Polen, erlitten aber bei der Belagerung des Klosters Tschenstochau große Verluste durch eine ausgebrochene Seuche, was sie zum Abzug veranlasste. Diese der „Schwarzen Mutter Gottes“ zugeschriebene Rettung des Nationalheiligtums  entfachte den religiösen Fanatismus der Polen, der sich gegen die Protestanten in Polen richtete. Viele evangelische Kirchen wurden enteignet oder zerstört und Protestanten wurden getötet.

1660 fand der schwedisch-polnische Krieg mit dem Frieden von Oliva (03.Mai 1660) sein Ende. Den Protestanten in Polen wurde Amnestie gewährt, was sich aber kaum auswirkte, ihre Entrechtung ging weiter. August der Starke (1697-1733) konvertierte zum katholischen Glauben, um die polnische Krone zu erlangen. Die Gegen-reformation erreichte so ihren Höhepunkt. 1763 starb König August III. Die evangelischen Adligen erstritten vor der Wahl des neuen Königs die Gleichberechtigung für die nichtkatholischen Bevölkerungsgruppen Polens. Mit Hilfe Russlands kam es  zum „Warschauer Vertrag“, der am 05.März 1768 vom sog. „Stummen Reichstag“ gebilligt wurde. Er gewährte den Evangelischen in Polen das Recht, Gemeinden zu bilden, Kirchen und Schulen zu bauen, ein Konsistorium einzurichten, eine Kirchenordnung aufzustellen und Synoden zu halten.

 

Lit.:

  • Angermann, A. : Die evangelischen Kirchen des Posener Landes seit 1772. Posen 1912
  • Kiec, Olgierd: Protestantyzm w Poznańskiem 1815-1918. Warszawa 2001.

 

 

Provinz “ Grenzmark Posen – Westpreußen „

► Grenzmark Posen – Westpreußen

 

 

Provinz Posen

Die preußische Provinz Posen mit der Provinzialhauptstadt Posen hatte eine Größe von 28.971 qkm, gliederte sich in die beiden Regierungsbezirke Posen und Bromberg und war in 42 Verwaltungskreise eingeteilt. Im Wiener Kongress, der nach den napoleonischen Kriegen im Jahre 1815 die Grenzen im östlichen Europa festlegte, kam das Posener Land als “ Großherzogtum Posen“ zu Preußen. Nach dem polnischen Aufstand im Jahre 1848 wurde es in “ Provinz Posen “ umbenannt. Im Versailler Vertrag, der den 1. Weltkrieg beendete, wurde der größte Teil der Provinz als „wojewodzto poznanskie “ dem neuentstandenen polnischen Staat unterstellt.

 

 

 

Provinz Südpreußen

Südpreußen war eine von 1793 bis 1807 bestehende Provinz des Staates Preußen. Sie wurde auf dem größten Teil der bei der Zweiten Teilung Polens erworbenen Gebiete errichtet und umfasste die bisherigen polnischen Woiwod-schaften Brześć Kujawski, Kalisch, Ɫęczyca , Płock, Posen , Rawa und Sieradz. 1795 kam infolge der Dritten Teilung die Stadt Warschau mit ihrem westlichen Umland hinzu, gleichzeitig wechselten die Gebiete nordöstlich der Weichsel um Plock zur neuen Provinz Neuostpreußen.

Südpreußen unterstand dem Generaldirektorium in Berlin. Hauptstadt war 1795–1807 Warschau. Verwaltungsmäßig war die Provinz in die Kammerdepartments Kalisch, Posen (seit 1793) und Warschau (zusätzlich seit 1795) geteilt, welche sich wiederum in adlige Landrats-Kreise bzw. kgl. Ämter gliederten. Die Fläche betrug rund 53.000 km², die Einwohnerzahl etwa 1,4 Mio. Bedeutende Städte waren neben Warschau und den vormaligen Woiwodschaftssitzen noch Petrikau mitverwaltet.

König Friedrich Wilhelm III von Preußen förderte 1798–1806 besonders die deutsche (nicht-preußische) Einwanderung nach Südpreußen und Neu-Ostpreußen. Einwanderer auf adligen Ländereien nannte man Hauländer, solche auf königlichen Amts-Ländereien Kolonisten. Im Frieden von Tilsit 1807 verlor Preußen die Provinz gänzlich an das Herzogtum Warschau, erhielt jedoch beim Wiener Kongress 1815 das westliche Drittel um Posen zurück, welches nun den größten Teil der neu gebildeten Provinz Großherzogtum Posen ausmachte.

 

Lit. :

  • Simsch, Adelheid: Die Wirtschaftspolitik des preußischen Staates in der Provinz Südpreußen 1793-1806/07. Berlin 1983
  • Heike,Otto: Die Provinz Südpreusen. Preussische Aufbau- und Verwaltungsarbeit im Warthe- und Weichselgebiet. Marburg 1953

 

 

Provinziallandtag

Die Provinziallandtage wurden in Preußen im Jahre 1823 gebildet. Sie bestanden aus den Vertretern des Adels, der Städte und der Landgemeinden. Da die Teilnahme an den Landtagswahlen vom Besitz an Grundeigentum abhing, war der größere Teil der Bevölkerung von diesen Wahlen ausgeschlossen und die Mehrheit des Adels in den Landtagen gesichert. Die Landtage wurden vom König einberufen; ihre Kompetenzen beschränkten sich auf Fragen der örtlichen Wirtschaft und der Provinzialverwaltung und hatten ansonsten nur beratende Funktionen. Die Vorsitzenden der Provinziallandtage trugen den Titel Marschall des Landtages.

Der Landtag wirkte als ständisch gegliederte Vertretung, die die „königlichen Propositionen“ (= vorgelegte Gesetzesentwürfe) zu beraten hatte, sowie Bitten und Beschwerden an den König richten konnte.

Der Posener Provinziallandtag gliederte sich in die drei Stände

  • Ritterschaft
  • Vertreter der Städte
  • Vertreter der Landgemeinden.

 

Von den 49 Abgeordneten des 1. Landtages waren 22 von den Rittergutsbesitzern ihres Wahlkreises direkt gewählt, den 2 Stand bildeten die 16 Abgeordneten der Städte, die wie die 8 Abgeordneten des 3. Standes indirekt über Wahlmänner gewählt wurden.

Voraussetzung für das aktive und passive Wahlrecht war in allen drei Ständen der Grundbesitz.

Zum Abgeordneten war wählbar, wer 20 Jahre alt, Christ und unbescholten war, sowie zehnjährigen ununterbrochenen Beiz eines Grundstückes bestimmter Größe oder mit bestimmten Wert nachweisen konnte.

In den 1. Stand konnten nur Gutsbesitzer gewählt werden, die Abgeordneten im 2. Stand mussten dem Magistrat einer Stadt angehören oder ein Gewerbe ausüben, dessen Betriebswert zusammen mit dem Grundbesitz mindestens 6000 Taler betragen musste, während für die Abgeordneten des 3. Standes der Mindestwert ihres Grundstückes auf 1500 Taler festgelegt war.

 

 

Pudewitz ( poln: Pobiedziska )

Der Ort war bereits Mitte des 13. Jahrhunderts vielfach Aufenthaltsstätte grosspolnischer Fürsten und besaß 1266 schon Magdeburgisches Stadtrecht. Die älteste Information über den Ort stammt aus dem Jahre 1236. Fürst W. Odanic hatte die Burg eingenommen. In dieser Burg war Fürst Przemysl oft zu Gast, wo er 1254 ein Handelsprivileg für das Dominikanerkonvent in Posen gewährte.

Während des Krieges Wladislaw Lokieteks (1261-1333) mit dem Deutschen Orden zerstörten Ordensritter die Stadt nahezu vollständig.

1442 ging die Stadt in den Besitz von Lukas von Gorka über. 1579 zerstörte ein Brand die Stadt nahezu vollständig.

Die 1313 errichtete Pfarrkirche zählt zu den ältesten gotischen Kirchenbauten, deren architektonische Gestaltung durch einen quadratischen Chor bestimmt wird.

 

Lit. :

  • Frankiewicz, B. : Z dziejów Ziemi Pobiedziskiej, Pobiedziska 1988 – 1990

 

 

 

 

Punitz  (poln. Poniec)

Stadt an der Grenze zu Schlesien im Kreis Gostyn, deren Gründung wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte und damit zu den ältesten Städten der ehemaligen Provinz Posen zählt. Eine Gründungsurkunde existiert nicht mehr, aber ein Ort „Ponez“ wird dokumentarisch erstmals im Jahre 1271 erwähnt.

Durch die Stadt führte die einst für Großpolen wichtige Handelsstraße Breslau – Schrimm – Posen. 1297 nahm der Herzog von Glogau, Heinrich I, Neffe und Erbe des Königs Przemysl II (1257 – 1296)  Großpolen in Besitz. Zu dieser Zeit scheint die Stadt in den Besitz der Krone gekommen zu sein, bei der sie aber nur für kurze Zeit als königliche Immediat – Stadt blieb.

Der Glogauer Herzog Heinrich III erhob Punitz 1310 zum Sitz eines Kreises, der etwa 70 Orte umfasste. Drei Jahre später verlieh er das Stadtrecht. Etwa 1340 gelang Władyslaw Ellenlang (1261-1333) die Eingliederung P.s. nach Großpolen. Infolge der ungeklärten Erbfolge nach dem Tod des Königs Ludwig I von Ungarn und Polen (1370 – 1382) entwickelte sich zwischen den Anhängern der ungarisch – polnischen und litauisch – polnischen Union ein heftiger Bürgerkrieg , in dessen Verlauf Stadt und Burg Punitz 1383 hart umkämpft und vollständig zerstört wurden. Erst 1392 konnte der Ort wieder aufgebaut werden.

Während des Dreißigjährigen Krieges war Punitz Zufluchtsort für protestantische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien.

Im November 1704 fand in der Nähe der Stadt eine Schlacht während des  Nordischen Krieges  (1700-1721) statt, bei der Karl XII von Schweden (1682-1718)  die Sachsen besiegte.

Durch den preußisch – russischen Teilungsvertrag vom 23. Januar 1793 (2. Teilung Polens) kam die Stadt zu Preußen.  Die Stadt zählte zu jener Zeit 1436 Einwohner, von denen wiederum 571 Polen waren. Juden lebten zur Zeit der preußischen Inbesitznahme nicht in der Stadt.

Während der Revolution bildete sich am 08. / 09. November 1918 in Punitz ein Arbeiter – und Soldatenrat, der den Bürgermeister am 28. November 1918  seines Amtes enthob und die Führung der Amtsgeschäfte dem bisherigen 1. Beigeordneten übertrug. Punitz wurde am 03. Januar 1919 polnisch.

Am 08. September 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt.

 

 

Lit. :

  • Waehner, Paul : Punitz 1271 – 1945. Berichte zur Geschichte der Stadt, Karlsruhe 1982
  • Klinkowski, Edmund : Zur Geschichte der Stadt Punitz in südpreußischer Zeit ( 1793 – 1806 ). In : Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Posen 1937 ( Heft 33 ), S. 122 – 141

 

 

Radolin   (poln. : Radolin)

Städtchen im Netzekreis, am Schönlanker Mühlenfließ, etwa 1, 5 km von der Netze entfernt, gelegen. König August III von Polen (1696-1763) erteilte 1759 dem Grafen Andreas Radolinski das Privileg zur Gründung einer Stadt auf seinem Erbgut Behle (Biała). Die Gründung der Stadt erfolgte in der Absicht, hier das Tuchmacher-gewerbe anzusiedeln. Trotz Zuweisung zahlreicher Privilegien erwies sich die Gründung der Stadt angesichts der nur sieben Kilometer entfernt aufblühenden Stadt Schönlanke (poln.: Trzcianka) als Fehlschlag.  Die während der Zeit des Großherzogtums Warschau vorgenommene ent-schädigungslose  Beschlagnahme von Tuchen und die nach 1815 erhobenen hohen Zölle für Textilwaren durch die russische Regierung führten unweigerlich zum Verlust einer tragfähigen wirtschaftlichen Basis für dieses Handwerk.

1772 zerstörte ein Brand die Stadt nahezu vollständig.

1783 wies die Stadt nur noch 396 Einwohner auf. Bis 1843 stieg die Einwohnerzah1 auf 721 an. 1857 gab der Ort seine Stadtrechte freiwillig auf und sank zur Landgemeinde herab.

 

 

 

Rakwitz  (poln. Rakoniewice ).

In einer Urkunde des Jahres 1252 schenkte der Herzog Boleslaw Pobozny (1249-1279) dem Ritter Rakon für seine militärischen Verdienste bei der Rückeroberung der Burgen Bentschen (Zbaszyn) und Driesen (Drezdenko) Landbesitz mit dem Privileg, ein Dorf zu gründen- Rakoniewice

Auf Bitten des Grundherrn von Rakoniewice erteilte am 24. Februar 1662 der König von Polen Johann Kasimir (1609-1672), die Genehmigung, die Stadt „Polnisch Freystadt neben R. “ für protestantische Flüchtlinge aus Schlesien im Kreis Wollstein zu gründen. Anlässlich des polnischen Reichstages zu Warschau wurde die Gründungsurkunde abgefasst und dem Grundherrn überreicht. Der König sicherte den Rakwitzern wesentliche Rechte und Privilegien zu, so u.a. gewährte er der Stadt für 24 Jahre Befreiung von allen königlichen und staatlichen Steuern und Abgaben. Polnisch – Freistadt, dieser Name sollte an die gleichnamige schlesische Stadt erinnern, wurde um 18oo in Rakwitz umbenannt. Ob der neue Name der Stadt von dem schon vorher bestandenen Dorf Rakoniewiec oder den im Schlesischen bestandenen Ort Rakwitz über-nommen wurde, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.

1708 brannte die Stadt  zur Hälfte ab. An Preußen kam die Stadt  1793.

Ende des 19.Jahrhunderts hatte Robert Koch (1843-1910) in R. von 1869 bis 1872 seine erste Arztpraxis.

Die Stadt, die seit 1815 zum Landkreis Bomst gehört hatte, musste nach dem 1. Weltkrieg 1919 an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden.

Am 20. Jan. 1927 zerstörte ein  Brand große Teile des Marktes.

 

Lit.:

  • Schultze, K. : Die Geschichte der evangelischen Kirche zu Rakwitz. Posen 1929
  • Schulz, Karl: Eine kleine Stadt zwischen Deutschland und Polen. Hameln 1978
  • Sprungala, Martin: 750 Jahre Rakoniewice/Rakwitz. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 49 (2003) S.38-41

 

 

 

 

Räumung des Reichsgaus Wartheland

In Kenntnis der militärisch hoffnungslosen Situation der deutschen Streitkräfte an der Ostfront gab es seit dem Sommer 1944 in den Reichsgauen Danzig- Westpreußen, Wartheland und Pommern Räumungspläne, die meist die Aufnahme der Bevölkerung von frontnahen Kreisen in westlicheren Kreises vorsah.

Am besten bekannt sind diese Pläne für den Reichsgau Wartheland, die drei Zonen vorsahen:

  • A umfasste die zu räumenden Kreise im Osten des Reichsgaus
  • C die Aufnahmekreise für die Bevölkerung aus der Zone A
  • B in der Mitte diejenigen Kreise, die den durchziehenden Trecks Unterkunft und Verpflegung stellen sollten

 

Entsprechende geheime Instruktionen lagen den Kreisleitern der NSDAP vor, doch sollte die Evakuierung nicht eher beginnen, bevor nicht ein Stichwort durchgegeben wurde – „Florian Geyer“ für die Vorbereitung und „Frundsberg“ für die Durchführung der Räumung.

Die Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus dem Reichsgau Wartheland begann man aufgrund einer Weisung Adolf Hitlers vom 13. Juli 1944 die „Vorbereitungen für die Verteidigung des Reiches“ zu organisieren.

Bei den Trecks aus dem Reichsgau Wartheland, die in das nördliche Brandenburg, weiter nach Westpommern und sogar bis in die Provinz Hannover geleitet wurden, zeigte sich oft, dass einzelne entschlossene Personen als Treckleiter durch Organisationstalent persönliche Autorität erlangten, so dass ihre Trecks unversehrt durchkamen.

Vom Reichsstatthalter des Reichsgaues Warthe-land, Arthur Greiser (1897-1946), der für die verspätete Evakuierung in seinem Befehlsbereich die Hauptverantwortung trug, ist versucht worden, wenige Wochen nach dem Beginn von Evakuierung und Flucht eine Übersicht über das Geschehen zu gewinnen. Aus Potsdam forderte sein Stellvertreter   August    Jäger (1887-1946) am 20.  Februar 1845 alle Landräte, Oberbürgermeister und Amts-kommissare auf, bis zum 15. März genaue Berichte über die Durchführung von Trecks zu erstatten.

 

Lit. :

  • Hielscher, Karl: Das Kriegsende 1945 im Westteil des Warthelandes und im Osten der Neumark. In : Zeitschrift für Ostforschung 34 (1985) S. 211-248

 

 

Raschkow  (poln.:Raszkow)

Der Besitzer der Stadt, der 1466 Magdeburger Stadtrecht verliehen wurde, lud 1637 schlesische Lutheraner zur Niederlassung in der am Olobok gelegenen Stadt mit dem Zugeständnis „ deutscher Freiheit für alle Zeiten“ ein. Anscheinend haben nur wenige Lutheraner dieses Angebot angenommen.

Um 1800 hatte die Stadt nur 692 Einwohner, von denen 17 Schnapsbrenner und 17 Bierbrauer waren.

Nach 1900 errichtete die Königliche Ansiedlungskommission auf angekauften polnischen Gütern Ansiedlungen.

1945 hatte die Stadt rund 2000 Einwohner.

 

Lit. :

  • Nowak – Bolnow, Bolesław : Raszków. Historia i Współczesność Miasta i Gminy. Raszków o. J.
  • Bartczak, Jacek: Gmina i miasto Raszków. Raszków 2012

 

 

Rat der Deutschen in Polen

Angesichts des Nationalsozialismus in Deutschland und als Reaktion auf die von der NSDAP geförderten ► Jungdeutschen Partei beschlossen die nichtsozialistischen deutschen Parteien Polens am 16. Oktober 1934 die Gründung einer Dach-organisation – den Rat der Deutschen in Polen. Ihm schlossen sich der “ Deutsche Volksbund  in  Oberschlesien“, der “ Deutsche Volksverband “ aus Mittelpolen, die “ Deutsche Vereinigung aus Posen – Pommerellen“, der „Deutsche Volksrat für Klein-polen„ sowie kleinere Verbände aus Wolhynien  an. Vorsitzender war Senator Hasbach.

Am 23. September 1935 wurde Erwin Haßbach (1875-1970) durch den Staatspräsidenten der Republik Polen für den Rat in  den Senat berufen und am 22. Nov. in dieser Funktion bestätigt.

Der Rat hatte seinen Sitz in Warschau und war bis zum September 1939 tätig.

 

 

Rawitsch  (poln. Rawicz )

Die Entstehung dieses Ortes ist eng mit dem Dreißigjährigen Krieg verbunden. Der österreichische Kaiser Ferdinand II (1578-1637)  ging in Schlesien gegen Protestanten derart intolerant und rücksichtslos  vor, so dass ab 1629 viele Schlesier nach Polen flohen

Der Graf von Görchen und oberster Lagerherr der Krone Polens, Adam Albrecht Przyjama – Przyjeminski, gewährte Hunderten schlesischen Protestanten, die angesichts der Habsburger Gegenreformation nach Polen flüchteten, eine erste Unterkunft auf seinem Stammgut in Sierakowo. (1310 wurde dieses Dorf erstmals urkundlich erwähnt.) Auf dem Reichstag zu Warschau  1638  erhielt  Przyjeminski die königliche Ermächtigung zur Anlage einer Stadt. Das Gründungsprivileg für „Rawicz“  unterzeichnete der polnische König Wladisław IV (1632-1648) am 24. März 1638, der ihr auch gleich Magdeburger Recht gewährte. Gewährt wurde den Ansiedlern das Recht freier Religionsausübung und der Grundherr überließ ihnen Grundstücke zur Errichtung einer Kirche, einer Schule und eines Friedhofes. Der Breslauer Architekt Flandrin (       ) erhielt den Auftrag, einen systematischen Stadtplan zu entwerfen. Rasch wuchs die Stadt durch die Aufnahme weiterer schlesischer Glaubensflüchtlinge. Wies die Stadt 1640 noch 160 Einwohner auf, so hatte sie bereits drei Jahre später 501 Einwohner und 1650 verzeichnete Rawitsch bereits 1615 Einwohner.

Während der schwedischen Invasion brannte 1655 die hölzerne Stadt nieder, entstand aber rasch wieder in massiver Form.

Ihr rasches Wachstum verdankte die Stadt nicht zuletzt auch ihrer günstigen Lage an der Handelsroute, die von Posen nach Breslau führte.

Während des Nordischen Krieges besetzte die Stadt ein starkes  russisches Korps und verwüstete Rawitsch am 1. Juli 1707 erheblich. Einige Rawitscher Bürger wurden nach Moskau verschleppt. 1704 hielt sich der schwedische König Karl XII (1682-1718)  über ein Jahr in der Stadt auf. Doch war das für diese Stadt eine schlimme Zeit mit ihren Kontributionen, Plünderungen, Ver-wüstungen und der Pest. Haupterwerbszweig  war zu jener Zeit die Stoffherstellung. 1710 forderte eine Pestepidemie 1835 Menschenleben.

Infolge der Thronstreitigkeiten nach dem Tode August des Starken (1670-1733) besetzten im November 1733 sächsische Truppen die Stadt.

1776 zwang der Erb – und Grundherr die Stadt, eine Bürgschaft für seine privaten Schulden in Höhe von 83.ooo Dukaten zu übernehmen. Da die Schulden nicht zurückgezahlt werden konnten, wurde die Stadt gepfändet.

Nach der 2. Teilung Polens 1793 besetzten preußische Truppen die Stadt und König Friedrich Wilhelm II (1744-1797) besichtigte bereits am 17. Oktober die Stadt. Trotz der beiden großen Stadtbrände von 1794 und 1801, die jeweils mehr als ein Drittel der Bebauung der Stadt zerstörten, blieb Rawitsch – nach Posen – die Stadt mit der größten Einwohnerzahl in Großpolen. Der letzte polnische Grundherr, Graf Mycielski, hatte  1776 die Stadt zum Ausgleich seiner Schulden verpfändet. Diese waren so groß, dass die Stadt nahezu bankrott war. Als 1839 die Konkursmasse an die Gläubiger ausgezahlt werden konnte, blieben trotzdem noch Forderungen in Höhe von 335.000 Talern unbefriedigt. Bis 1890 – dem Ablauf der Verjährungsfrist von 50 Jahren – konnte daher die Stadt kein Eigentum erwerben.

 

Mit dem Ende des preußischen Staates nach der Niederlage bei Jena und Auerstädt gehörte Rawitsch von 1806 bis 1815 zum Großherzogtum Warschau.  Die protektionistische Wirtschaftspolitik des Russischen Reiches, die 1816 zur Sperrung der Grenzen  für den Import von Tuchwaren führte, veränderte die ökonomische Struktur der Stadt grundlegend. Der Niedergang der Tuchmanufaktur war jedoch begleitet von der schnellen und positiven Entwicklung der agrarischen Strukturen und dem Beginn der Industrialisierung der Region, zu deren wichtigstem Zweig sich die Zigarren – und Tabakproduktion

Nach der Volkszählung von 1910 hatte Rawitsch 11.525 Einwohner (9149 Deutsche, 1661 Polen und 360 Juden)

Polnische Truppen besetzten Rawitsch am 17. Januar 1920.

Die Struktur der Stadt veränderte sich- durch den land- und forstwirtschaftlichen Charakter der Region entstanden in R. eine bedeutende Lebens-mittelindustrie, Zuckerfabriken und Schnaps-brennereien.

Der Kommunist Boleslaw Bierut (1892-1956), nach 1945 polnischer Staatspräsident, verbüßte in R. von 1933 bis 1938 eine Gefängnisstrafe.

Am 01. September 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt. Ab 1940 wurden die in der Stadt wohnenden Polen systematisch aus – und Deutsche aus Wolhynien und dem Baltikum angesiedelt. Während des 2. Weltkrieges wurden im Rawitscher Gefängnis 1300 Menschen ermordet.

Die Stadt wurde fast kampflos von Einheiten der Roten Armee eingenommen, nachdem die deutsche Bevölkerung aus Rawitsch am 22. Jan. 1945 floh.

Von 1946 bis 1956 waren etwa 19.000 Regimegegner und Soldaten der anti-kommunistischen Heimatarmee in R. inhafttiert.

Seit 1886 Kreisstadt, verlor Rawitsch mit der Verwaltungsreform 1975 seine Rolle als Verwaltungszentrum der Region. Die Stadt Sarnowe (deutsch: Sarne) mit ca. 2500 Einwohnern wurde 1973 eingemeindet. Die heute 30.000 Einwohner zählende Stadt ist seit 1999 wieder Sitz einer Kreisverwaltung.

Der Entwurf für die 1808 eingeweihte evangelische Kirche stammt vom Königlichen Oberbaudirektor Carl Gotthard  Langhans (1733-1808), der u.a. auch das Brandenburger Tor erbaut hat.

Rawitsch unterhält eine Partnerschaft mit Eilenburg.

 

Lit. :

  • Geisler, Wilhelm/Waluch, Johannes : 350 Jahre Stadt Rawitsch im Posener Land. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 25(1979) S.115-119
  • Kaiser, E. : Beiträge zur Geschichte der Stadt Rawitsch im 17. Jahrhundert, Rawitsch o.J.
  • Koczy, L.: Dzieje miasta Rawicza 1639-1914. Poznan 1938
  • Merschel : 200 Jahre Geschichte der Stadt Rawitsch, Rawitsch 1911
  • Sobisiak, W. : Dzieje ziemi rawickiej, Poznań 1966
  • Weiß, H. : Heimatkunde des Kreises Rawitsch. Lissa 1898

 

Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (Kürzel: RKF, auch RKFDV) Dies war die vom Reichsführer-SS bei der Erledigung der ihm von Adolf Hitler im Erlass zur Festigung des deutschen Volkstums vom 7. Oktober 1939 übertragenen Aufgaben geführte Amtsbezeichnung. Diese Aufgaben umfassten die Rückführung zur „endgültigen Heimkehr in das Reich “ von Reichs-und Volksdeutschen aus dem Ausland, die „Ausschaltung des schädigenden Einflusses“ von „volksfremden Bevölkerungsteilen auf Reich und deutsche Volksgemeinschaft “ und „die Gestaltung neuer deutscher Siedlungsgebiete durch Umsiedlung“.

Anlass für diesen Auftrag war die im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag am 28. September 1939 vereinbarte Umsiedlung der Deutschen östlich der neugezogenen Grenze, was über 100.000 Personen betraf. Bereits vorher waren einige organisatorische Strukturen zu ähnlichen Zwecken geschaffen worden, zuletzt für die mit Italien beabsichtigte und bereits länger verhandelte Optionsregelung. Diese Strukturen wurden nun erheblich erweitert, da wegen Hitlers Plänen für den Angriff auf die Sowjetunion hier nun Eile geboten war.

Deutsche und „Eindeutschungsfähige“ aus dem  Ausland (ca. 1 Mio.) wurden ins Reich, einschließlich der annektierten Gebiete, und „Fremdvölkische “ aus diesen Gebieten ins Generalgouvernement umgesiedelt. Bei darüber hinausgehenden Maßnahmen führten unterschiedliche Prioritäten zu Konflikten innerhalb der deutschen Verwaltung. Während Zivilverwaltung und Militär die Ansicht vertraten, dass kriegswirtschaftlichen Erwägungen absoluter Vorrang einzuräumen sei, hielten der Reichsführer-SS Heinrich Himmler als der verantwortliche Reichskommissar und letztlich auch Hitler an der rassistisch motivierten Politik fest, die eine Ausrottung wesentlicher Bevölkerungsteile bedeutete. Die polnische Bevölkerung war als Arbeitsreservoir für die Ausführung von untergeordneten Arbeiten vorgesehen, die physische Vernichtung der Juden und der polnischen Intelligenz, was beides sehr weit gefasst wurde, hatte jedoch Vorrang.

Weitere Schritte ging Himmler mit der von ihm beauftragten Erstellung des Generalplanes Ost für Osteuropa, der u. a. die deutsche Kolonisierung des Ingermanlandes südlich von Leningrad und des „Gotengaus “ auf der Krim vorsah, der geplanten und begonnenen Erstellung eines Generalsiedlungsplanes für ganz Europa sowie dem ersten Versuch zur Umsetzung des Generalplanes im Generalgouvernement mit der Aktion Zamosc.

Volksdeutsche Mittelstelle

Mit der Einsetzung des Reichsführers-SS als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums wurde ihm auch die bis dahin Adolf Hitler direkt unterstellte Volksdeutsche Mittelstelle (VoMi) zugewiesen. Aufgabe der Volksdeutschen Mittelstelle war vor allem die Abwicklung der Umsiedlungen deutscher Bevölkerung. Unter ihrem Leiter Werner Lorenz wurden zahlreiche weitere Institutionen geschaffen, so dass es bald zu Kompetenzstreitigkeiten mit dem Stabshauptamt kam. Neben der Anordnung des Reichsführers-SS vom 28. November 1941 über „den Aufbau der Volkstumsarbeit der NSDAP und die Abgrenzung der Zuständigkeiten der Hauptämter der SS“ kam es daher am 9. September 1942 zu einer Vereinbarung über die Abgrenzung der Aufgaben zwischen dem Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle und dem Stabshauptamt durch die Chefs der beiden Hauptämter.

 

 

 

Reformation

Die Ursprünge der Reformation in Polen sind im ökonomisch motivierten Antiklerikalismus des Adels zu suchen.

Begünstigt durch die Nachbarschaft zu Sachsen hatte Großpolen seit den Anfängen der Reformation viele seiner Prediger aus Wittenberg berufen. Daher war es kein Zufall, dass sich Großpolen zum Schwerpunkt des Luthertums in Polen entwickelte. Die räumlich-territoriale Nähe zum Ursprung des Luthertums war mit der „Hypothek“ belastet, dass die aus deutschen Ländern stammenden Pastoren in der Regel die polnische Sprache nicht beherrschten und ihre seelsorgerische Arbeit sich so auf die deutsche Bürgerschaft in den polnischen Städten beschränken musste. Die Dominanz Deutscher bei den Protestanten erschwerte die Ausbreitung der neuen Lehre in anderen Städten Polens.

Anders als in Deutschland fehlte in Polen vor allem ein starkes Bürgertum, das die Reformations-bewegung entscheidend hätte unterstützen können. Weiterhin mangelte es an charismatischen Persönlichkeiten bei den großpolnischen Lutheranern.

Eine wesentliche Ursache für die schwache Wirkung des reformatorischen Impulses in Polen ist in den doktrinären Schwierigkeiten unter den polnischen Protestanten und deren Zersplitterung in verschiedenen Kirchen zu suchen, die die Einheit der Bewegung schwächten.

 

König Sigismund I (reg. 1506-1548) befahl, reformatorische Keime von Anfang an zu unterdrücken. Er erließ daher das Edikt von Thorn am 24. Juli 1520, das u.a. ein Verbot der Einfuhr, des Verkaufs und der Lektüre lutherischer Schriften unter Strafandrohung (so bspw. Güterbe-schlagnahme oder Landesausweisung)

Zur Finanzierung des Krieges gegen Moskau beabsichtigte er, Steuern auch auf kirchlichen Besitz zu erheben. Deshalb gab er dem Druck der katholischen Kirche nach, sich eindeutig und entschieden gegen die Reformation zu wenden.

Dieses Edikt verfehlte jedoch seinen Zweck, wie einer Erneuerung des Edikts am 15. Februar 1522 zu entnehmen ist. Der König drohte sogar mit der Todesstrafe denjenigen, die sich zu Luther bekennen oder dessen Schriften lesen sollten. Zur Verfolgung der Protestanten sollten die Bischöfe Inquisitoren einsetzen, um so bei Verdacht des religiösen Dissidententums Durchsuchungen vornehmen zu können.

Trotz der restriktiven Maßnahmen und drakonischer Strafandrohungen gewann  die Lehre Luthers- besonders unter dem polnischen Adel – an Zuspruch. Doch König Sigismund versuchte die divergierenden kirchenpolitischen Ziele auszugleichen, so dass die Maßnahmen gegen den lutherischen Glauben nie konsequent ausgeführt wurden.

Begünstigend für die Verbreitung des reformatorischen Glaubens in Großpolen war ein reger Handelsverkehr der Region mit deutschen Städten. Großpolnische Städte hatten infolge der mittelalterlichen Ostkolonisation noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein teilweise starkes Bürgertum, das sich dem neuen Glauben näherte.

Nachdem Łukasz Gơrka 1535 zum Posener Amtmann (Wojewoden) ernannt war und sein Sohn Andrzej das Amt des Kastellans von Posen übernommen hatte, begann sich der Spielraum der reformatorischen Bewegung allmählich zu vergrößern. Andrzej Gorkas Sympathien für die evangelische Glaubensbewegung gingen sogar so weit, dass er dem vom Posener Bischof gesuchten Prediger Jan Schlucyan, dem u.a. lobende Äußerungen über Luther vorgeworfen wurden, bei sich Unterschlupf bot.

1543 und 1945 trat der in Krakau zusammengekommene Sejm dem König offen entgegen, als großpolnische Landboten die Wiederherstellung des Rechts auf ungehinderte Reisen in das Ausland forderten und damit Erfolg hatten. Das wiederum ermöglichte ein Studium an deutschen Universitäten und damit ein Kennenlernen der reformatorischen Lehre.

Die erste für Großpolen bezeugte Synode der evangelischen Kirche trat im Februar 1555 in Posen zusammen.

Der kirchlichen Jurisdiktion wurde mit einem königlichen Edikt vom 13. Januar 1557 das Recht der Ahndung von Häresie entzogen und zur Angelegenheit weltlicher Organe gemacht.

Während des Reichstages zu Lublin 1568/69 bekundete König Sigismund August (1520-1572) seine Bereitschaft, die Protestanten anzuhören, sobald sich diese auf einen gemeinsamen Standpunkt geeinigt hätten. Auf Initiative der kleinpolnischen Calvinisten trat daraufhin am 09. April 1570 eine Generalsynode in Sandomir zusammen, um sich auf den vom König verlangten Konsens zu einigen, Am 12. April 1570 formulierten die Calvinisten, Lutheraner, die böhmischen Brüder und die Unitarier den sog. „Consensus Sandomiriensis“.

Der Warschauer Sejm nahm am 28. Januar 1573 die Sandomirer Formel in die sog. „Generalföderation“ auf, deren dreizehn Artikel sowohl Bestimmungen für die Zeit des Interregnums nach dem Tod des Königs als auch für das Wahlkönigtum enthielten. Die Generalkonföderation sicherte jedem Adligen die Bekenntnisfreiheit zu und verpflichtete den polnischen König zum Glaubensfrieden.

 

Jesuiten eröffneten Kollegien (so u.a. 1572 in Posen) – diese Schulen zogen besonders jene polnischen Adelskreise an, die ihren Söhnen eine zeitgemäße Bildung verschaffen wollten, ein Studium im Ausland jedoch nicht bezahlen konnten. So sicherte sich der Katholizismus seine Einflussmöglichkeiten und eine generationenbezogene Konversion des Glaubens war die Folge. Sogar der Neffe des Reformators Jan Łaski (1499-1560), der Kastellan von Sieradz, Albert Łaski, bekannte sich wieder zu Rom.

In der Innenpolitik Polens hatte der Streit um die Religion wieder an Schärfe zugenommen, denn Zygmunt (1587-1632) unterstütze die Rekatholisierungsbestrebungen und war nicht bereit, gegen offene Rechtsverletzungen durch Katholiken gegen diese vorzugehen. Als der König sich in Schweden aufhielt, konnte Zamoyki 1593 auf einem Reichstag eine Beruhigung dahingehend erreichen, das die königlichen Amtsträger (Starosten) bei Unruhen in Städten eingreifen und bestehende Rechte schützen sollten. Dieser Beschluss wurde jedoch zwei Jahre später widerrufen, als der König die unnachgiebige Linie der Bischöfe gegen die Protestanten uneingeschränkt unterstützte. Seit 1601 betrieben die Bischöfe offen die Rücknahme der Warschauer Konföderation von 1573, die die rechtliche Gleichstellung der Bekenntnisse und staatliche Toleranz zur Folge hatte.

 

Lit. :

  • Koniecki, Otto : Geschichte der Reformation in Polen. Breslau 1872
  • Wotschke, Theodor: Geschichte der Reformation in Polen. Leipzig 1911
  • Schramm, Gottfried : Der polnische Adel und die Reformation 1548-1607. Wiesbaden 1965

 

 

 

Regierung Grenzmark Posen – Westpreußen (Rejencja Pograniczna Poznań-Prusy Zachodnie

Aus den 1919/20 beim Deutschen Reich verbliebenen westlichen Restgebieten der früheren Provinzen Posen und Westpreußen wurde am 20. November 1919 der „Regierungsbezirk Bromberg in Schneidemühl“ errichtet, wohin nach Räumung von Bromberg am 20. Januar 1920 das dortige Regierungspräsidium unter dem Regierungs-präsidenten von Bromberg und stellvertretenden Posener Oberpräsidenten Friedrich von Bülow (1868-1936) umgesiedelt war. Bülow wurde zum Überleitungskommissar der „Regierungsstelle Schneidemühl“ ernannt. Erst durch das Gesetz über die Neuordnung der kommunalen Verfassung und Verwaltung in der Ostmark vom 21. Juli 1922 wurden die Restgebiete als preußische Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen zusammen-geschlossen. Die Provinz bestand aus drei unzusammenhängenden Regionen von vergleichs-weise geringer Fläche mit nur einem Regierungsbezirk (Schneidemühl) sowie den Kreisen Schlochau,Flatow, Deutsch Krone, dem Stadtkreis Schneidemühl und dem Netzekreis, den Kreisen Schwerin/Warthe, Meseritz, Bomst und dem Kreis Fraustadt.

Das Amt des Oberpräsidenten fiel mit dem des Regierungspräsidenten zusammen.

1935 ging die gesamte Provinzialverwaltung an das Oberpräsidium Brandenburg über. Bei einer gebietsmäßigen Neuordnung der Grenzmark 1938 fielen die vormals zum Regierungsbezirk Posen gehörigen Kreisteile an die Provinzen Brandenburg und Schlesien. Die verbleibenden Teile fielen an Pommern. Die Provinz Grenzmark Posen – Westpreußen hatte damit zu bestehen aufgehört.

 

 

Reichsbund der Posener

 

Reichsgau Wartheland  (Okreg Rzeszy Kraij Warty)

Nach der deutschen Besetzung Polens ordnete Adolf Hitler (1889-1945) durch den Erlass vom 08. Oktober 1939 eine            „Neuordnung der Ostge-biete … im Verbande des Deutschen Reiches “ an. Aus dem größten Teil der ehemaligen preußischen Provinz Posen sowie den zentralpolnischen Territorien von Kutno, Kalisz und Lódź und aus einem Landstreifen südlich der ostpreußischen Grenze wurde der Reichsgau Posen ( seit dem 29. Januar 1940 Reichsgau Wartheland ) mit 43.905 qkm und 4,9 Mio. Einwohnern ( davon waren 85 % Polen, 7 % Deutsche und 8 % Juden )  gebildet.  Dieser Reichsgau stellte den größten Verwaltungsbezirk dar, der aus einem Teil des vom Deutschen Reich annektierten polnischen Gebiets gebildet wurde

Die Reichsgaue waren Selbstverwaltungs-körperschaften, die unmittelbar den Reichs-behörden unterstanden. An der Spitze eines Reichsgaues stand der Gauleiter der NSDAP als Reichsstatthalter. Reichsstatthalter leiteten die gesamte Verwaltung- sowohl im Bereich der staatlichen Verwaltung als auch in dem der Gau –Selbstverwaltung. Ausgenommen waren nur die Bahn-, Post-, Justiz – und Finanzverwaltungen. Der Reichsstaathalter hatte als Gauleiter auch die oberste politische Führung der Partei inne.

Der Reichsgau Wartheland war bis 1945 ein integraler Bestandteil des Deutschen Reiches.

Allerdings hatte er insoweit eine Sonderstellung, als er vom alten Reichsgebiet weiterhin durch eine Polizeigrenze (mit Passierscheinzwang) getrennt blieb.

Der Reichsgau Wartheland war in die drei Regierungsbezirke Posen, Kalisch und Hohensalza gegliedert. Am 01. April 1940 verlegte man den Sitz des Regierungsbezirkes Kalisch nach Litzmann-stadt (Lodz).

Zum Regierungsbezirk Posen gehörten die  Landkreise Scharnikau, Gostyn, Grätz, Jarotschin, Kosten, Krotoschin, Lissa, Meseritz,

Obornik, Posen- Stadt, Posen – Kreis, Rawitsch, Schrimm, Schroda, Samter, Wollstein, Wreschen.

Den Nordosten des Reichsgaues bildete der Regierungsbezirk Hohensalza, der folgende Landkreise umfasste:

Gnesen- Stadt, Gnesen – Kreis, Hohensalza – Stadt, Hohensalza – Kreis, Schubin, Wongrowitz und Znin. Vom Deutschen Reich unterschied sich die Zivilverwaltungsstruktur in dem Reichsgau Wartheland vor allem dadurch, dass die Parallelstrukturen von Territorial – und Parteiverwaltung weitgehend aufgehoben waren. Das politische Oberhaupt war sowohl regionaler Reichsbeamter (Reichsstatthalter) als auch Parteifunktionär ( Gauleiter )

Diese Funktionen hatte  seit dem 26. Oktober 1939 der frühere Danziger Senatspräsident Arthur Greiser (1897-1946)  inne, sein Stellvertreter war August Jäger (1887 – 1946).

Greiser betonte in seinen Reden des Öfteren, dass er von Hitler mit „besonderen Vollmachten“ ausgestattet sei, um den ihm anvertrauten Reichs-gau zum Mustergau nach Leitvorstellungen einer künftigen Reichsverfassung zu gestalten.

Bereits am 30. Oktober 1939 ordnete Himmler die „Germanisierung“ des Reichsgaues an.  Dies bedeutete:

  1. die vollständige und endgültige Eindeutschung der hierzu geeignet erscheinenden Schichten
  2. Abschiebung aller nicht eindeutschbaren „Fremdvölkischen“
  3. Neubesiedlung durch Deutsche

Juden des Reichsgau Wartheland  wurden deportiert, die polnische Bevölkerung des Reichsgaus zum Teil zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt oder ab Dezember 1939 in das Generalgouvernement abgeschoben. Für die im Reichsgau verbliebenen Polen galten Sondergesetze. So wurde bspw. die Eheschließung von Polen durch die Anordnung vom 10. September 1941  behindert und der Schulunterricht auf minimale Bildungsinhalte reduziert. Polen durften Gottesdienste nicht gemeinsam mit Deutschen besuchen. Am 04. Oktober 1941 verhaftete die GESTAPO rund 500 polnische Priester, um so die Arbeit der katholischen Kirche zu unterbinden.

Durch unveröffentlichten Erlass vom Dezember 1939 galten vorläufig hinsichtlich der polnischen Ortsnamen die bis 1918 gültigen deutschen Ortsnamen. Für die polnischen Gebiete östlich der Reichsgrenze von 1918 galten vorläufig weiterhin die polnischen Bezeichnungen.

Am 18. Mai 1943 legte der Reichsstatthalter mit Zustimmung des  Reichsministers des Inneren alle Namen von Orten mit Postdienststellen und Bahnhöfen endgültig in einer deutschen Form fest.

Kreise im Reichsgau:

 

Regierungsbezirk Hohensalza

Stadtkreise

  • Gnesen
  • Hohensalza
  • Leslau

Landkreise

  • Altburgund
  • Dietfurt
  • Eichenbrück
  • Gnesen
  • Hermannsbad
  • Hohensalza
  • Konin
  • Kutno
  • Lesla
  • Mogilno
  • Waldrode
  • Warthbrücken

 

Regierungsbezirk Litzmannstadt

Stadtkreise

  • Kalisch
  • Litzmannsatdt

Landkreise

  • Kalisch
  • Kempen
  • Lask
  • Lentschütz
  • Litzmannsatdt
  • Ostrowo
  • Schieratz
  • Turek
  • Welun

Regierungsbezirk Posen

Stadtkreise

  • Posen

Landkreise

  • Birnbaum
  • Gostingen
  • Grätz
  • Jarotschin
  • Kolmar
  • Kosten
  • Krotoschin
  • Lissa
  • Obornik
  • Posen
  • Rawitsch
  • Samter
  • Scharnikau
  • Schrimm
  • Schroda
  • Wollstein
  • Wreschen

 

Der 26. Oktober, an diesem Datum wurde der Reichsgau Wartheland errichtet, wurde zum Feiertag erklärt und als sog. „Tag der Freiheit“ begangen.

 

Lit.:

  • Schütze, Hermann: Der Reichsgau Wartheland. Breslau/Halle 1942

 

 

 

Reichsstiftung für deutsche Ostforschung

Am 03. Mai 1941 durch eine Verordnung über die Einrichtung einer Reichsstiftung für deutsche Ostforschung unter der Schirmherrschaft von Hermann Göring (1893-1946) geschaffene Einrichtung, mit der die Forschungsaktivitäten der neu gegründeten Reichsuniversität Posen mit denen der Wissenschaftler anderer Hochschulen und Instituten koordiniert und konzentriert werden sollten.

Ihre Aufgabe lag in der wissenschaftlichen Erforschung des „im Osten gewonnenen Raum(es) in seinem völkischen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten“ sowie der Auswertung und Vermittlung der Ergebnisse an die vor Ort  Tätigen, d.h. Beratungstelle diverser NS-Dienststellen im Warthegau. ( §1 der Satzung der Reichsstiftung )

Präsident dieser neuen Stiftung wurde der Reichsstatthalter Arthur Greiser (1897-1946)

Unter dem Präsidium des Reichsstatthalters waren die Leitungsämter der Stiftung mit denen der Reichsuniversität besetzt. Der Rektor der Reichsuniversität Posen wurde zum wissen-schaftlichen  Leiter der Stiftung bestimmt.

Die Stiftung betrieb einige Versuchsgüter in der Umgebung von Posen, auf denen sie land – und gartenbauwirtschaftliche Experimente durchführte.

Die Stiftung gliederte sich in eine Arbeits-gemeinschaft für Ostsiedlung, für Ostwirtschaft, für die Wiederbesiedlung des Ostens, für Ostrechtsforschung und in eine Abteilung für deutsche Landschaftsgestaltung.

Besondere Bedeutung fiel der Arbeitsgemeinschaft für die Wiederbesiedlung des Ostens zu, in der Pläne für eine Neuordnung des Warthelandes im nationalsozialistischen Sinne erarbeitet wurden, d.h. sie hatte die Aufgabe, Konzepte zu entwickeln, wie das Wartheland „ germanisiert“ werden könnte.

Geschäftsführer der Stiftung war Wilhelm Zoch, Hauptabteilungsleiter bei dem Beauftragten des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums, Abtlg. Planung in Posen.

Die Stiftung sollte wirtschaftlich auf eine autarke Grundlage gestellt werden. Die Reichsstiftung erhielt als Stiftungsvermögen von Göring als Chef der Haupttreuhandstelle Ost die beschlagnahmte Nationalstiftung Kórnik sowie den Besitz des Fürsten Radziwill in Antonin und Ostrowo übertrage.

 

Lit.:

  • Białkowski, Blazej: Reichsstiftung für deutsche Ostforschung. In: Handbuch der völkischen Wissenschaften. Hrsg. von Ingo Haar und Michael Fahlbusch. München 2006 S.556-562

 

 

Reichsuniversität  Posen

Bereits im Oktober 1939 beauftragte das Wissenschaftsministerium den SS – Sturmbannführer und „Ostbeauftragten  des Reichsstudenten – und Dozentenführer“, Dr. Hanns Streitt (1896-?), mit den vorbereitenden Aufgaben zur Errichtung einer Universität in Posen. Im November 1939 konnten auch Heinrich Himmler und der Reichsstatthalter und Gauleiter des Warthelandes, für die Idee der Gründung einer deutschen Universität gewonnen werden. Obwohl bereits am 11. November 1939 die Bibliothek der in Gründung befindlichen Hochschule unter der kommissarischen Leitung von Alfred Lattermann (1894-1945) ihre Arbeit aufnahm, fand die Eröffnungsfeier unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels (1897-1945)  erst am 27. und 28. April  1941 statt.

Hauptgebäude der Reichsuniversität Posen war der neuromanische Bau aus der wilhelminischen Zeit in der Innenstadt. Ein erheblicher Ausbau der Universität war vorgesehen, damit sie ihre Funktion als „Zentrum und Vorposten deutscher Wissenschaft“ in Osteuropa erfüllen könne. Außerhalb des Stadtzentrums war die Errichtung einer Universitätsstadt mit Instituten, Kliniken, Sportanlagen und Wohnhäusern vorgesehen.

Diese universitäre Neugründung sollte mit ihrer Forschung und Lehre besonders der NS – Ideologie dienen.  Deshalb zählten zu den Aufgaben der Reichsuniversität  u.a. Forschungs-arbeiten zur Volkstums – Umsiedlungspolitik in den „eingegliederten“ Gebieten und zu den wirtschaft-lichen Entwicklungsmöglichkeiten dieser  Regionen. Darüber hinaus ordnete man der Universität die Funktion einer „Führerschule des deutschen Ostens„ und einer nationalsozialistischen Musteruniversität zu. Im weiteren Verlauf des Krieges traten zunehmend  mehr wehrwissenschaftliche Aufgaben in den Vordergrund der Lehr – und Forschungstätigkeit. Für diese Universität war die Einrichtung einer Reihe neuartiger Lehrstühle geplant: Rassenkunde, Volkslehre, Geschichte und Sprache des Judentums, Grenz – und Auslandsdeutschtum.

Rektor der Reichsuniversität war Peter Johannes Carstens (1893-1979)- ein Spezialist für Tierzucht und Genetik der Haustiere, SS – Standartenführer und Stabsführer im Rasse – und Haupt-siedlungsamt der SS.

Die Lehrkörper der Herder – Hochschule in Riga und des Theologisch – Philosophischen Luther – Instituts in Dorpat, die durch die Umsiedlung der Balten  in das Posener Land kamen, fanden hier eine Weiterbeschäftigung.

Im Sommersemester 1941 hatte die Universität 49 Lehrkräfte, Ende 1943 waren es bereits 78 Professoren und 74 wissenschaftliche Mitarbeiter.  Die Zahl der Studenten stieg ebenso an. Hatte die Reichsuniversität zu Beginn des Vorlesungs-betriebes im Sommersemester 1941 erst 191 Studenten, so wuchs ihre Zahl auf 868 im Sommersemester 1942 an. Im Sommersemester betrug die Zahl der immatrikulierten Studenten  1298.

Zur Immatrikulation wurde nicht nur das Reifezeugnis benötigt, sondern auch der Ahnenpass, der Wehrpass und ein Führungs-zeugnis vom Arbeits – oder Ausgleichsdienst. Aufnahme als Student fand jedoch nur, wer vor 1939 einer nationalsozialistischen Jugend-organisation angehörte und keine polnischen Verwandten hatte. Volksdeutschen, die in die Abteilung 4 der Deutschen Volksliste aufge-nommen worden waren, war der Hochschulbesuch grundsätzlich verwehrt. Angehörige der Abteilung 3 bedurften zur Immatrikulation eine besondere Genehmigung durch die SS.

Mit dieser restriktiven Aufnahme von Studenten sollte die Entwicklung der Universität als „Kader-schmiede für die künftige Germanisierungspolitik“ nachhaltig gefördert werden. Zahlreiche „Facheinsätze“, „Wissenschaftseinsätze“ und „Landeinsätze“ führten die Studenten in die Praxis der nationalsozialistischen Besatzungspolitik ein. Diese  Hochschule „ neuen Typus“ konnte – trotz ehrgeiziger Ziele nationalsozialistischer Wissen-schaftspolitik – aufgrund von Personalmangel sowie organisatorischer und finanzieller Unzu-länglichkeiten bis zu ihrer endgültigen Schließung im Februar 1945 keine breite und wissenschaftlich authentische Tätigkeit entwickeln.

Die Universität löste sich schließlich bei Kriegsende 1945 auf. Am 19.Januar 1945 schaffte Pof. Blohm, der mit der Räumung der Universität beauftragt war, einige Kisten nach Greifswald und ordnete die Vernichtung aller Geheimsachen an.

 

Lit. :

  • Camphausen , Gabriele : Die Reichsuniversität Posen ( 1941 – 1945 ), in : Nordost – Archiv 21(1988). S. 101 –112
  • Gogul, R. : Die Bedeutung der „Reichsuniversität Posen „ für die Germanisierungspolitik in Polen im zweiten Weltkrieg. In : Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt- Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. 17, 1968 Heft 2. S. 189-195
  • Piotrowski, Bernard: W sluzbie rasizmu i bezprawia. „Uniwersytet Rzeszy“ w Poznaniu ( 1941 –1945 ), Poznań 1984
  • Wroblewska, T.: Die Rolle und Aufgaben einer nationalsozialistischen Universität in den sogenannten östlichen Reichsgebieten am Beispiel der Reichsuniversität Posen 1941-1945. In : Pädagogische Rundschau Bonn 1978  173 – 194
  • Wróblewska, Teresa: Die Reichsuniversitäten Posen, Prag und Strassburg als Modelle nationalsozialistischer Hochschulen in den von Deutschland besetzten Gebieten. Tórun 2000
  • Pisorski, Jan M.: Reichsuniversität Posen (1941-1945). In : Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften. Hrsg. Von Hartmut Lehmann/Gerhard Oexle Band 1. Göttingen 2004 S.241-272
  • Białkowski,B.: Die Reichsuniversität Posen als Paradeexemplar der „Verreichlichungspolitik“ des Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. In : Baeckler, Christian u.a.: (hg.): Les Reichsuniversitäten de Strasbourg et den Poznan et les resistances universitaires 1941-1944. Strasbourg 2005. S. 47-65
  • Białkowski, B.: Reichsuniversität Posen. In : Ingo Haar/Michael Fahlbusch (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. München 2008 S.569-578
  • Schaller, Helmut Wilhelm: Die „Reichsuniversität Posen“ 1941-1945. Vorgeschichte, nationalsozialistische Gründung, Widerstand und polnischer Neubeginn. Frankfurt/M. 2010

 

 

Reisen  (poln. : Rydzyna )

1422 erhielt die von dem böhmischen Grafen Wirbna angelegte Ortschaft, die eine berühmte Piaristenschule aufweisen konnte, Stadt-recht. Dieser Adlige errichtete auf einer künstlich angelegten Insel ein Schloss und nannte sich nach dem Ort Rydzynski. In einer Urkunde des Jahres 1458 wird Reisen als Stadt nach deutschem Recht erwähnt. 1507 bestätigte Sigismund I  (1506 – 1548) den Brüdern Peter und Nikolaus Rydzynski urkundlich die weitere Gültigkeit des Magdeburger Rechts für Reisen sowie die Befreiung  der Stadt von der Gewalt der königlichen Beamten.

Während des dreißigjährigen Krieges  flüchteten verfolgte Evangelische aus Schlesien nach Reisen.

Im Juli 1707 brannten russische Truppen  die Stadt nieder.

Die Herrschaft Reisen ging 1737 aus dem Besitz der Grafen Leszczynski in den der Familie der Sulkowskis über. Alexander  Joseph Graf Sulkowski (1695-1762), Günstling und Kabinetts-minister August des Starken (1670-1733), errichtete auf einem Grundriss von nahezu 1000 Quadratmetern ein Schloss, das er allerdings nur vorübergehend bewohnte, da er meist in Dresden residierte.

Mit der 2. Teilung Polens  ( 1793 ) wurde die Stadt preußisch.

Während des 1. Weltkrieges waren im Reisener Schloss französische und russische Offiziere als Kriegsgefangene untergebracht. Nach 1919 baute man das Schloss mit seinen Nebengebäuden als Schule aus, in der ausschließlich Söhne von vermögenden polnischen Familien Aufnahme fanden.

 

Lit. :

  • Kunze, Otto : Reisen – eine Kleinstadt im Posener Land. In : Jahrbuch Weichsel – Warthe 10 (1964) S. 94- 98
  • Kręglewska-Foksowicz, E. : Rydzyna. Poznan 1969

 

 

 

Residenzschloß in Posen

Mit dem Bau einer kaiserlichen Residenz in Posen wurde im Jahre 1905 begonnen. Prof. Franz Heinrich Schwechten (1841 – 1924), Architekt der Berliner Kaiser – Wilhelm – Gedächtniskirche, lieferte die Entwürfe für diesen Bau, der am 20. August 1910 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

Der Baukomplex mit seinem romanischen Charakter besteht aus drei Teilen und zwar aus dem 73 m hohen Turmbau mit der Schlosskapelle, dem mittleren Wohnteil und dem östlich hieran angrenzenden Saalbau.

Das Schloss hatte 423 Räume, wobei sich die Verwaltungs- – und Wirtschaftsräume im Erdgeschoss und die Dienst – und Privaträume des Kaisers im 1. Stockwerk befanden.

Im 1. Weltkrieg wurde die östlichste Residenz des deutschen Kaisers zeitweise als Hauptquartier von Hindenburg und als Lazarett benutzt.

Ab 1918 wurde er für die neugegründete Universität genutzt. Nach der deutschen Besetzung Posens wurde das Residenzschloß  Sitz des Reichstatt-halters, der das Schloss baulich erheblich umgestaltete. Die Schlosskapelle wurde dabei gänzlich zerstört. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde das Schloss als Lazarett genutzt.

Heute ist es kulturelles Zentrum der Stadt.

 

Lit. :

  • Schwendemann, Heinrich , Dietsche, Wolfgang : Hitlers Schloß. Die „Führerresidenz“ in Posen. Berlin 2003

 

 

Revolution / März 1848

Am 20. März 1848 – zwei Tage nach der Revolution in Berlin – bildete sich in Posen ein polnisches Nationalkomitee, dessen Führung Ludwik Mieroslawski (1814 – 1878) übernahm.

Das Komitee forderte vom preußischen König einen Autonomiestatus für die Provinz Posen im Rahmen der preußischen Monarchie. Die deutschen Bürger Posens bildeten am 22. März 1848 ebenfalls ein Komitee, das sich die polnischen Forderungen zu eigen machte und dem polnischen Komitee eine Zusammenarbeit vorschlug. Dieses Angebot wurde ausgeschlagen. Das deutsche Nationalkomitee stellte daraufhin Bürgerwehren auf und verlangte die Eingliederung in den Deutschen Bund.

Die preußische Regierung schlug eine Teilung der Provinz vor – der Westteil der Provinz sollte hiernach in den Deutschen Bund eingegliedert und aus dem Ostteil ein polnisches Herzogtum Gnesen mit weitgehender Autonomie gebildet werden. Dieser Vorschlag scheiterte am Widerstand beider Volksgruppen. Das polnische Nationalkomitee forderte nach wie vor einen Autonomiestatus für die ganze Provinz, die Deutschen lehnten die Eingliederung der Stadt Posen mit ihrem überwiegenden deutschen Bevölkerungsanteil in das Herzogtum Gnesen ab.

Der Aufstand der Polen unter Führung von Mieroslawski wurde von preußischem Militär und von den deutschen Bürgerwehren rasch unterdrückt.

 

Ritschenwalde  ( poln: Ryczywol )

1426 stellte König Jagiello (1348-1434) in Gnesen ein Privileg zugunsten der Stadt Ritschenwalde aus, das auch gleichzeitig die älteste urkundlich bekannte Erwähnung des Ortes darstellt.

Während des schwedisch – polnischen Krieges erlitt die Stadt erhebliche Zerstörungen. In jene Zeit fällt auch die Anwerbung deutscher Siedler.  Die Stadt wurde zur Zeit der 2. Polnischen Teilung durch Preußen übernommen und hatte 553 Einwohner (112 Protestanten, 318 Katholiken und 123 Juden).

 

Lit.:

  • Koerth, A.: Ritschenwalde in südpreußischer Zeit. In : Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift für Polen. Jahr 1936. Heft 31 S.224-227

 

 

 

Rogalin

  1. ist heute ein Dorf mit 700 Einwohnern, das erstmals 1294 urkundlich Erwähnung fand.

Der polnische Magnat Kazimierz Raczyński erwarb 1768 einen Landsitz in dem 17 Kilometer südlich von Posen gelegenen gleichnamigen Dorf.

Auf seine Veranlassung hin errichtete J.F. Knöbel  noch im selben Jahr ein klassizistisches Palais, das er bereits 1780 seinem Schwiegersohn gegen Zahlung einer Leibrente übereignete.

Das in späteren Jahren zerfallene Palais in Rogalin ließ Edward Raczyński (1847-1926) zwischen 1892 und 1895 restaurieren und zehn Jahre später erbaute er die Pavillons für eine Gemäldegalerie, wofür er sukzessive über  4000  Werke von polnischen und anderen europäischen Künstlern ankaufte.

Während des 2. Weltkrieges beschlagnahmten die Nationalsozialisten diese Sammlung und richteten in dem Palast ein Schulungslager der Hitlerjugend ein.

Heute dient das Anwesen wieder musealen Zwecken und beherbergt eine umfangreiche Bildergalerie der europäischen Malerei des 19. Jahrhunderts.

Der Schlosspark weist Reste des einst größten zusammenhängenden Eichenwaldes Europas auf, deren Bäume zum Teil über 1000 Jahre alt sind.

 

Lit.:

  • Pawlaczyk, Matuisz: Warszawa 1981

 

 

 

Rogasen  (poln .: Rogozno)

Die Stadt wurde vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet. Der polnische Herrscher Przemyslaw II (1295 – 1296) hatte hier seine Residenz, wo ihn am 08. Februar 1296  Soldaten Ottos IV von Bamberg töteten. Der Stadt erhielt am 01. April 1422 Stadtrecht durch König Jagiello (1351-1434) verliehen, der in Rogasen ein Schloss errichtete.  Ein Brand zerstörte 1530 die Stadt nahezu vollständig. Im selben Jahr kaufte der polnische König Sigismund der Alte (1506 – 1548) die Stadt für seine Frau, Bona Sforza (1494-1557).

1654 besetzten schwedische Truppen die Stadt.

1750 gründete man die Neustadt, die bereits 1794 aufgrund einer Anordnung  mit der bestehenden Stadt R. vereinigt wurde.

1793 preußisch.

 

Lit. :

  • Borasa, Zygmunt : Dzieje Rogozna, Poznań 1993

 

 

Rogowo   ( poln. : Rogowo )

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhielt R. erneut Stadtrechte.

 

 

Rogowoer Seengruppe

Das obere Welnatal, das die Gnesener Seen-gruppe entwässert, breitet sich bei Rogowo beckenartig aus. Dieses Rogowoer Becken erstreckt sich in Nord- Süd – Richtung und hat eine Länge von 6 km. Die tiefsten Stellen dieses Beckens nehmen im Süden der Ziolasee, im Norden der Rogowoer See und neben dem Zioala,der Andreas – und der Rudnosee ein. Der Rogowoer See hat ein Areal von 353 ha, der Ziola 303 ha, der Andreassee 16 ha und der Rudnosee 8 ha. Alle diese Seen haben einmal zusammen gehangen und sind erst durch eine Verlandung voneinander getrennt worden.

In das Rogowoer Becken führen von Südosten und Südwesten Seenrinnen herein. Von Südosten die Lubczer Rinne mit dem Lubczer See, der 50 ha groß ist und von Südwesten die Rinne des langen und schmalen Dziadkowoer Sees, der 79 ha groß ist.

Weiterhin zählen zu dieser Gruppe der Koldromber See (98 ha), der Niedzwiadyer See (20 ha), der Retscher See (19 ha) und der 31 ha große Mühlburger ( Mielnoer ) See.

In nördlicher Fortsetzung des Rogowoer Beckens befinden sich zwei Senken, in denen der Ottensunder See (201 ha) und der Katschkowoer See zu finden sind. Beide sind Rinnenseen, die erst durch Verlandung voneinander getrennt worden sind.

Der letzte zu nennende See dieser Gruppe ist der Tonndorfer See mit einer Größe von 225 ha. Die Häufung großer Seen auf so engem Raum in den Senken um Rogowo ist in der ehemaligen Provinz Posen ein einmaliges geologisches Phänomen.

 

 

Rohra  (Fluss)

Dieses Flüsschen entspringt dem so genannten „Teufelsspring “ – einer Quellerosionsnische – die zu den schönsten und größten Quellgebieten der ehemaligen Provinz Posen zählt. Die Rohra mündet in die Küddow.

 

 

 

Rothenburg a.d. Obra  ( poln.: Rostarzewo )

1379 wurde der am Nordrande des Obrabruches gelegene Ort erstmals urkundlich erwähnt und zwar unter der Bezeichnung Restaurzewo.

Das während des Nordischen Krieges (1700  -1721) vollständig zerstörte und durch die Pest 1709 entvölkerte Dorf  wurde höchstwahrscheinlich nicht mehr an der alten Stelle wieder aufgebaut, denn  in dem am 04. Juli 1746 ausgestellten Privileg zur Gründung einer Hauländerei für protestantische Flüchtlinge findet sich kein Hinweis ,in der auf den ursprünglichen Ort  Bezug genommen wird. Diese Hauländerei entstand neben dem alten Dorf unter der Bezeichnung  „Rostarzewo“, die sich rasch zur Stadt entwickelte und der der polnische König am 17. Februar 1752 Stadtrecht verlieh.

In dieser Zeit wird zum ersten Mal auch der spätere Name der Stadt gebräuchlich, da die meisten Kolonisten aus Rothenburg / Schlesien stammten. Die endgültige Namensänderung beschloss der Magistrat der Stadt erst im Jahre 1897, den die preußischen Behörden im Jahr darauf bestätigten.

Im Zuge  der 3. Teilung Polens im Jahre 1793 fiel R. an Preußen. In dieser Zeit wies die Stadt „85 Feuerstellen“ auf und von den insgesamt 424 Einwohnern waren 18 katholischen, 333 evangelischen und 75 jüdischen Glaubens. Ange-sichts der schlechten wirtschaftlichen Situation erwog die preußische Verwaltung die Möglichkeit, R. zu einem Marktflecken herab zu stufen. Die Bewohner der Stadt sprachen sich jedoch bei einer Abstimmung gegen die Aufgabe der Stadtrechte aus.

Der Ausgang des 1. Weltkrieges brachte für Rothenburg den Anschluss an Polen. 1919 hatte der Ort ca. 1250 Einwohner.

Aus steuerlichen Gründen verlor R. im Jahre 1926 doch noch seine Stadtrechte und wurde dem Woyt aus Rakwitz unterstellt.

 

Lit. :

  • Eckert, Horst : Rothenburg an der Obra. In : Jahrbuch Weichsel – Warthe. 23 ( 1977 ) S. 108 – 112

 

 

Rozdrazewo (poln.: Rozdrazew)- Kreis Krotoschin

1358 durch Kasimir den Grossen (1333-1370) gegründet.

Stadt, später zum Dorf herabgestuft.

 

Ruda (Kreis Schubin)

Dieses an der Netze gelegene Gemeinwesen gründete 1337 Kasimir der Große (1333-1370)

 

Rudener Seenkette

Diese Seenkette besteht nur aus drei Seen: dem Rudener mit 112 ha, dem Wilzer mit 54 ha und dem Wuschener See mit 28 ha Areal. Sie erstreckt sich im westlichen Teil des Obraurstromtales. Die Seenkette nimmt von Süden her den Abfluss des Schlawaer See , die Schlawaer Faule Obra ,im Rudener See auf, doch geht dieses Gewässer nicht durch die ganze Seenkette hindurch, sondern bricht aus dem Rudener See nach Nordwesten zur Bentschener Obra aus.

 

 

Rugi Pruskie

(Ausweisungen von Polen und Juden aus Preußen 1855 /56)

Vor allem der „Kulturkampf“ förderte unbeabsichtigt in der Provinz Posen die Bildung eines selbstbewussten polnischen Nationalgedankens, der sich auch im Bürgertum und unter den Bauern verfestigt hatte.

Um dieser Entwicklung sowie dem zu verzeichnenden Rückgang der deutschen Bevölkerung in der Provinz Posen und der polnischen Zuwanderung aus Kongreßpolen und Galizien , die in den bisher überwiegend deutsch besiedelten Gebieten Posens und Westpreußens polnische Mehrheiten zu etablieren drohte, zu begegnen, waren Maßnahmen erforderlich.

Am 26.März 1885 wurden die Polizeibehörden durch den Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) in einem ersten Erlass angewiesen ( der 2. Erlass stammt vom 26. Juli 1885 ), alle Personen in ihr Heimatland auszuweisen, die ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den östlichen Provinzen des Deutschen Reiches angetroffen würden.

Bismarck reagierte hiermit auf  die illegale Einwanderung von Polen und Juden aus dem österreichischen und russischen Teilungsgebiet Polens, die sich als preisgünstige Arbeitskräfte zur Verfügung stellten. Er befürchtete eine Bevölkerungsverschiebung zuungunsten der Deutschen in den östlichen Grenzprovinzen Insgesamt 30.000 Menschen, darunter ein Drittel Juden, wurden aus Preußen ausgewiesen

 

Lit. :

  • Neubach, Helmut : Die Ausweisungen von Polen und Juden aus Preussen 1885/86. Ein Beitrag zu Bismarcks Polenpolitik und zur Geschichte des deutsch-polnischen Verhältnisses. Wiesbaden 1967 (= Marburger Ostforschungen, 27)

 

 

Rynarzewo

1219 verlieh Herzog Wladislaus Graf Heinrich einen Freibrief eine Stadt nach Neumarkter Recht anzulegen.

1773 preußisch

1895 -676 Einwohner

 

 

Samotschin  (poln . : Szamocin)

Das im Netzebruch , 15 km östlich von Kolmar (Chodziez) , gelegene Städtchen erstmals  als Samoczanso in einer Urkunde aus dem Jahre 1311 erwähnt, wonach ein gewisser Jesko den Ort an das Kloster  Byssau ( Krone a.d. Brahe ) verkaufte. Das Kloster Byssau hatte die Absicht, hier ein Filialkloster zu gründen. Zu einer solchen Gründung kam es jedoch nicht, weil das Bistum Posen Besitzansprüche geltend machte. 1364 wurde der Gutsort Szamoczino dann der Diözese Posen zugeteilt. Eine alte Verkehrsstraße, die schon griechische und römische Kaufleute für den Transport von Bernstein benutzten, führte durch die Stadt.

Über die weitere Entwicklung des Dorfes liegen über einen längeren Zeitraum keine Informationen vor.

Um 1580 gehörte das Dorf zur Parochie Margonin und führte dorthin seine Steuern ab. Um das Jahr 1600 befand sich die Ortschaft im Besitz der Familie von Unruh, die aber für die Entwicklung des Ortes nichts veranlasste.

Samotschin  war bis in das 18. Jahrhundert von unwegsamen Sümpfen und ausgedehnten Wald-flächen umgeben.

Durch die Pest nahezu entvölkert und durch  mehrere militärische Überfälle zwischen 1708 und 1710 vollständig zerstört, warb der neue Grundherr von Samotschin Joseph von Betkowski 1744 Hand-werker, insbesondere Tuchmacher, Weber und Färber an, um nach dem Vorbild anderer polnischer Magnaten den kleinen, von polnischen Bauern bewohnten Ort, wirtschaftlich zu heben.  Durch einen entsprechenden königlichen Erlaß 1748 des polnischen König August III (1733 – 1763) erhielt Samotschin Stadtrechte.

Am 03. August 1750 verkaufte von Betkowski seinen Samotschiner Grundbesitz  an den Kastellan von Santok, Leo von Raczynski (1700-1756) , für die Summe von 117.000 Gulden.

Der neue Grundherr war nicht weniger um den Wohlstand der jungen Stadt besorgt als sein Vorgänger. Um das Jahr 1755 gab er sog. „Reklameblätter“  heraus, um so Kaufleute und Handwerker für eine Ansiedlung auf seinem Besitz zu interessieren und anzuwerben. Nicht weniger als 178 verschiedene Berufe führte er in diesen „Reklameblättern“ auf, die er für seine Vorhaben zu gewinnen suchte. Die Ausführung dieser ehrgeizigen Pläne zur Stadtentwicklung verhinderte der frühe Tod des Grafen. Sein Sohn Filip versuchte nun die Vorhaben seines Vaters zu realisieren, was ihm zum Teil auch erfolgreich gelang. Tuchmacher übten in der Folgezeit den größten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt aus.

1772 – als Samotschin durch die erste Teilung Polens preußisch wurde – hatte die Stadt nur noch 336 Einwohner.

Die aufstrebende Entwicklung der jungen Stadt wurde durch die Kriegszeiten zwischen 1806 und 1815 stark beeinträchtigt, hatte Samotschin Waren und Lebensmittel kostenfrei an die napoleonische Armee zu liefern. Als 1831 eine Dampfmaschine für das Weberhandwerk in Betrieb genommen wurde, war es die erste in Großpolen. In der Nacht vom 03. auf den 04. September 1840 brach ein Großfeuer in der Stadt aus, das 32 – zumeist Häuser von Tuchmachern – und 75 Ställe zerstörte. In Verbindung mit den wirtschaftsprotektionistischen Maßnahmen des zaristischen Russlands, der zum Verlust des Hauptabsatzmarktes dieses Hand-werkes führte, sowie die Erfindung des mechanischen Webstuhls hatten einen enormen Strukturwandel zur Folge.   1861 spielte das Tuch-machergewerbe in der städtischen Wirtschaft keine Rolle mehr. Samotschins  zweiter wirtschaftlicher Eckpfeiler – der Handel mit Holz, Heu, Getreide und Vieh- sicherte der Stadt eine gewisse überregional ausstrahlende Bedeutung als Handelsplatz.

Trotzdem setzte Anfang der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts eine weitere Auswanderungswelle nach Amerika ein.

 

Am 19. Januar 1920 wurde Samotschin polnisch. Hatte die Stadt 1910 noch 3034 Einwohner, von denen 154 polnischer Nationalität waren, betrug die Einwohnerzahl 1920 nur noch 1613.

Am 01. September 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt, die wiederum am 22. Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde.

  1. unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde Grasberg.

 

Lit. :

 

  • Ebert : Samotschin als Handels – und Fabrikstadt. Geschichtlicher Rückblick.1.Teil, Samotschin 1908
  • Mordal, Pawel : Ziemia Szamotulska. Poznań 1993
  • Schmidt, Hans : Die Geschichte des Deutschtums in Szamocin (Samotschin ) und Umgebung, Poznań 1939
  • Szemelczka, Jan: Dzieje Szamocina. Szamocin 1998

 

 

 

Samotschiner Seengruppe

Diese Seengruppe befindet sich im Nordosten von Kolmar und besteht aus einer großen Anzahl meist kleinerer Seen. Eigenartig ist die Lage der meisten dieser Seen, besonders der Seen dicht bei Samotschin: Sie liegen nicht auf der Hochfläche südlich des Netzetals, sondern auf einer Talterrasse, die in einer Breite von rund 2 km das Netzetal begleitet und sich rund 20 m über dem Boden des Netzetals erhebt. Die Samotschiner Seen erstrecken sich in einer größtenteils vermoorten Rinne, die sich auf der Terrasse dicht am Rande der Hochfläche entlangzieht. Diese Rinne könnte ein ehemaliger Netzearm sein.

Der größte der Samotschiner Seen ist der Laskowoer See, der rund 50 ha groß und 2,5 km lang ist. Er hing früher mit dem ihm benachbarten Sikirasee zusammen, der 14 ha groß ist. Im Westen von Samotschin befindet sich der 10 ha große Slomker See.

 

 

Samter  (poln. : Szamotouly)

Als Besitzer des Ortes „Schamothule“ – einer am Fluss Sama gelegenen Siedlung – wurde in einer Bestätigungsurkunde des großpolnischen Herzogs Przemyslaw II (1257-1296) des Jahres 1284 der Posener Kastellan Thomislaus genannt. In Würdigung seiner Dienste verlieh ihm der Herzog in Kalisch am 13.Oktober 1284 das Recht, den Marktflecken S. zur Stadt auszubauen.

 

Im fünften Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts muss die Stadt einer so furchtbaren Feuerkatastrophe zum Opfer gefallen sein, dass die Gemeinde aufgelöst wurde und ihr Wiederaufbau erst nach einem königlichen Gnadenakt wieder erfolgen konnte. Der Erbherr der Stadt, Peter von Schamotuli, der durch seine Verhandlungen mit dem polnischen König Kasimir (1447-1492) die Neugründung der Stadt 1450 veranlasst hatte, hielt sich ,so oft es seine Amtsgeschäfte zuließen, in der neuerbauten Stadt auf, was für die weitere Entwicklung der Stadt bedeutsam war.

Es bestand zu jener Zeit bereits die sog. „ Osówka“, eine im Norden der Stadt lokalisierte Abwehr-festung mit zwei Vorstädten. Infolge kriegerischer Auseinandersetzungen wurde der Ort 1383 / 1384 völlig zerstört. Das Lokationsrecht wurde daher um das Jahr 1423 wieder erneuert. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts zählte Samter zu den großen Handels – und Handwerkszentren Polens. Das Jahr der Verleihung der Stadtrechte an Samter lässt sich nicht mehr genau bestimmen, ist aber wahrscheinlich um das Jahr 142o erfolgt.

Im 16. Jahrhundert gehörte die Stadt der Familie Gorka. Graf Andreas Gorka (gest. 1552), ein entschiedener Anhänger der Reformation, nahm die Böhmischen Brüder (Glaubensflüchtlinge) auf, so dass sich die Stadt zu einem wichtigen Zentrum für die Reformation entwickelte. Obwohl der polnische König 1549 befahl, das die Böhmischen Brüder die Stadt unverzüglich zu verlassen hätten, widersetzten sich die Gorkas dieser Anordnung. Samter entwickelte sich so zu einem wichtigen Zentrum der Reformation in Polen. 1776 zerstörte erneut ein Brand nahezu die gesamte Stadt. Der damalige Besitzer, Graf Joseph von Mycielski (Woiwode von Inowroclaw) bemühte sich erfolg-reich um den Wiederaufbau der Stadt, die 1793 preußisch wurde.

In Samter gründete sich 1840 die „Gesellschaft der Sammler von polnischen Altertümern“ – der erste archäologische Verein Polens.

 

Lit. :

  • Lopinski, Roman : Materialien zur Geschichte der Stadt Samter. Von 1284-1700 , Samter 1886
  • Rudolph, A.: Heimatkunde des Kreises Samter. Lissa 1899
  • Mordal, P. : Ziema Szamotulska. Poznań 1993

 

Sandberg (poln.: Piaski) Kreis Gostyn

Eine der jüngsten Städte, die von ihrem Besitzer Karl Leszcyc von Pierzchno Kaszutski auf der Feldmark des Dorfes Strzelce 1773 gegründet wurde.  1775 erhielt diese Ortschaft, die zur Zeit ihrer Gründung 383 Einwohner aufwies, Stadtrecht. Zu jener Zeit trug die Stadt den Namen Piaseczna Gora.

  1. verlor 1934 aufgrund seiner geringen Bevölkerungszahl das Stadtrecht.

 

 

Santomischel (poln.:  Zaniemyśl) Kreis Schroda

Die Ortschaft, 31 km südöstlich von Posen im Kreis Schroda gelegen, besteht urkundlich belegt bereits seit 1239. S. erhielt Stadtrechte erst 1742, die ihr 1934 wieder aberkannt wurden.

 

Lit.:

  • Sobczak, Jerzy : Zaniemysl i okolice. Zaniemyśl 2001

 

 

Sarne  (poln. : Sarnowa) Kreis Rawitsch

Bereits in der Bulle des Papstes Innocentius (amt. 1130-1143) aus dem Jahre 1136 wird eine Feste Sarnow genannt, die wahrscheinlich als befestigter Platz zur Sicherung einer Handelsstraße diente. Sarne ist eine der ältesten Städte in der ehemaligen Provinz Posen. Sarne gehörte im 13. Jahrhundert dem Kloster Trebnitz. 1292 wurde Sarne erstmals urkundlich als Stadt erwähnt. Am 11. November 1407 erhielt Sarne das Magdeburger Recht verliehen. Um 1630 verzeichnete die Stadt einen erheblichen Bevölkerungszuwachs durch Glaubensflüchtlinge aus Schlesien. Ein verheerender Brand zerstörte die Stadt 1809 nahezu vollständig, dem u.a. auch das Stadtarchiv zum Opfer fiel, so dass die Geschichte der Stadt heute nur noch schwer zu rekonstruieren ist.

Unter den Städten im Posener Land war Sarne als Stadt der Viehhändler bekannt.

Ihre Stadtrechte verlor Sarne 1793 und wurde  Rawitsch(poln.: Rawicz)  eingemeindet.

 

 

Selchower Seengruppe

Die Selchower Seengruppe umfasst u.a. den Großen und den Kleinen Petznicksee, die 14 bzw. 8 Hektar groß sind. Die beiden Seen bildeten früher eine Einheit, die erst durch Verlandung in die beiden heutigen Seen geteilt worden ist.

Auch der 10 Hektar große Kloddensee- im Nordosten der  Gruppe gelegen- ist wie die beiden Vorgenannten ein Endmoränensee.

Zu den übrigen Seen der Gruppe zählen der 22 Hektar große „Große Ratzigsee“, der 12 Hektar umfassende „Schulzsee“ , der 18 Hektar große „Pennowsee“, der „Tiefsee“ (12 Hektar) und der 55 Hektar umfassende „Lukatzer See“. Er ist der einzige größere See auf der nördlichen Netzetalterasse.

 

Semmritz (poln.: Zemsko)  Kreis Schwerin

Bereits um  das Jahr 1000 soll auf dem Semmritzer Gebiet eine Grenzburg bestanden haben. Damit gehört der Ort mit zu den ältesten slawischen Siedlungen des Kreises Schwerin/Warthe. 1260 schenkten die Grafen Eustachius und Woiteczko ihren in  der Gegend des späteren S. liegenden Besitz dem Zisterzienserkloster Dobrilugk in der Niederlausitz, um hier ein Tochterkloster errichten zu lassen. Diesem Wunsch kamen die Mönche des Zisterzienserklosters gerne nach, denn das von ihnen ursprünglich für die Errichtung eines Klosters in Aussicht genommene Gelände im Gebiet des späteren Althöfchen (Stary Dworek) erwies sich als denkbar ungeeignet. Mit der Errichtung des Klosters begann der Zisterzienserorden 1282, das 1285 bezogen werden konnte.

Die von den Mönchen angeworbenen deutschen Siedler entwickelten S. rasch zu einer wohlhabenden Siedlung.

1407 machte Wassermangel eine Verlegung des Klosters nach Blesen erforderlich.

 

 

Seniorat

Als Boleslaw III (1102-1138) am 20. Oktober 1138 starb, trat zur Vermeidung von Bruderkämpfen eine Nachfolgeregelung in Kraft, die als S. bezeichnet wurde.

Die vier älteren Söhne Boleslaws erhielten jeder ein Herzogtum, dessen Grenzen etwa den alten Stammesgrenzen entsprachen:

 

-Wladyslaw   –      Schlesien

– Mieszko   –          Großpolen

– Boleslaw  –         Masowien und Kujawien

– Heinrich –            Kleinpolen

Der jeweils Älteste einer Generationslinie als „Senior“ oder „maximus dux“ sollte zu seinem Erbgut das westliche Kleinpolen mit der inzwischen zur Hauptstadt aufgestiegenen Stadt Krakau, die Länder Łęczyca / Lentschütz und Sieradz, die alte Krönungsstadt Gnesen sowie die Oberhoheit über Pommern erhalten.

Der Senior sollte die Einheit des Landes nach außen hin verkörpern und die herrschaftlichen Rechte der Münze, des Gerichts- und des Heereswesens ausüben. Die Teilgebiete waren nicht als selbständige Fürstentümer gedacht, sondern galten als Eigentum der Sippe, die der Senior für das ganze Land vertrat.

Diese Regelung funktionierte jedoch nur für kurze Zeit, innere Kämpfe und eine Teilung des Landes folgten, die fast 180 Jahre dauern sollte.

 

 

Sonderfahndungsbuch Polen

Das Sonderfahndungsbuch Polen wurde ab Mai 1939 vom Amt II des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS zusammen mit Mitgliedern der deutschen Minderheit verfasst. Es enthielt mehr als 61.000 Namen von Personen, die nach der Besetzung Polens entweder verhaftet oder erschossen werden sollten.

Mit der Durchführung der „Unternehmen Tannenberg“ genannten Vernichtung der polnischen Intelligenz wurden die von Reinhard Heydrich (1904-1942) aufgestellten Einsatz-kommandos  beauftragt. Die offizielle Aufgabe der Einsatzkommandos war die „Bekämpfung aller reichs – und deutschfeindlichen Elemente“ rückwärts der kämpfenden  Truppe .Heydrich erweiterte den Aufgabenbereich  der Einsatz-gruppen auf alle Personen, die gemäß der NS-Ideologie feindlich waren.

Im September und Oktober 1939 wurden mindestens 20.000 Polen in 760 Massen-exekutionen durch die Einsatzkommandos und reguläre Einheiten der Wehrmacht ermordet.

 

Lit. :

  • Spiess, Alfred/Kichtenstein, Heiner: Unternehmen Tannenberg. Der Anlass zum Zweiten Weltkrieg. Frankfurt/M/ Berlin 1989
  • Reichskriminalpolizeiamt (Hrsg.): Sonderfahndungsbuch Polen. Berlin 1939

 

 

Sozial- kulturelle Gesellschaft der deutschen Minderheit des Warthelandes

 

Nach der Eroberung  Großpolens durch die sowjetische Armee verblieben in diesem Gebiet ca. 130.000 Personen deutscher Nationalität, was 10 % aller hier am Ende der NS-Okkupation lebenden Menschen entsprach.

1945 erfolgten im Zusammenhang mit der geforderten „Polonisierung“ der  Westgebiete die ersten Aussiedlungen. Am 26. Mai 1945 bechloß das Zentralkomitee der Polnischen Arbeiterpartei (PPR), die Deutschen aus der Grenzzone östlich der Oder auszusiedeln.

Unabhängig davon, dass Deutsche zur Ausreise gezwungen wurden, wurde beschlossen, sie in größerem Umfang als Arbeitskräfte zu nutzen.

Vor allem die lokalen Starosten mahnten an, deutsche Arbeitskräfte zurück zu halten. Die wirtschaftlichen Argumente überzeugten, um die Aussiedlungen zu stoppen bzw. einzuschränken.

Anfang 1946 lebten in der Woiwodschaft Poznan 56.008 Volksdeutsche.

Im Frühjahr 1947 wurden die Aussiedlungen wieder aufgenommen. In der Woiwodschaft Poznań bestanden Sammelpunkte in Grünberg und Lissa  bis Ende 1947 musste die Mehrheit der Deutschen (32.025 Personen) die Wojewodschaft verlassen.

Im Gebiet der gesamten Wojewodschaft Poznań hielten sich nach Ansicht der Behörden Anfang 1949 etwa 400 „Reichsdeutsche“ und ca.12.000 Volksdeutsche auf; im Sommer 1949 wurde die zwangsweise Aussiedlung beendet.

 

Die Sozial-kulturelle Gesellschaft der deutschen Minderheit des Warthelandes wurde am 20. Oktober 1990 vom Woiwodschaftsgericht registriert. Mehrheitlich sind die Mitglieder dieser Gesellschaft Nachfahren von Ansiedlern aus der Bamberger und Würzburger Region, die sich im 18. Jahrhundert in die spätere Provinz Posen anwerben ließen.

Die Gesellschaft ist in den fünf Woiwodschaften Posen ( Poznań ), Lissa (Leszno), Konin (Konin), Kalisch (Kalisz) und Landsberg an der Warthe (Gorzow Wlkp.) tätig. Es handelt sich dabei um das Gebiet, das während des 2. Weltkrieges im „Reichsgau Wartheland“ zusammengefasst war und neben dem größten Teil der ehemaligen preußischen Provinz Posen Teile des ehemaligen „Kongreßpolens“ umfasst. Als eine von rund 40 Vereinigungen der deutschen Minderheit in Polen ist sie diejenige mit dem territorial umfangreichsten Tätigkeitsgebiet.

Anlässlich der Volkszählung 2002 hatten 1013 Menschen in Großpolen ihre deutsche Nationalität angegeben. 2011 hatten sich 3241 Personen zur deutschen Nationalität bekannt.

Die Mitgliedschaft können alle Personen deutscher Nationalität bzw. deutscher Abstammung erwerben; es werden aber auch polnische Partner aus „Mischehen“ aufgenommen.

Im Gründungsjahr 1990 traten 512 Personen der Gesellschaft bei.

.Die Gesellschaft gliederte sich in eine Senioren -, Frauen – und Jugendgruppe, einen Wirtschafts- – und Wissenschaftsarbeitskreis und eine Arbeitsgruppe für Tourismus.

Rund 85 Prozent der Angehörigen der deutschen Minderheit verfügen über keine oder mangelhafte Deutschkenntnisse. Deshalb werden von der Gesellschaft regelmäßig Sprachkurse angeboten und durchgeführt.

 

Gründer und 1. Vorsitzender der Gesellschaft war Alois Siebert(1935-2013). In Zusammenarbeit mit dem Posener West-Institut führte die Gesellschaft am 11. Dezember 1991 eine Konferenz zum Thema „Die deutsche Minderheit in Polen- ihr Platz und ihre Rolle in der Realisierung der guten Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland“ durch.

In der Nacht vom 15. auf den 16. November 1992 kam es zu einem Bombenanschlag auf den Sitz der Gesellschaft im Privathaus des Vorsitzenden.

Der 2013 gewählte Vorsitzende, Bartosz Polusz, trat am 22 Juli 2013  aufgrund der hohen Verschuldung der Gesellschaft von seinem Amt zurück.

 

 

Sulmirschütz  (poln. : Sulmierzyce) Kreis Adelnau

Eine Grenzburg namens „Sulmira“ fand bereits im 13. Jahrhundert Erwähnung. Archäologen fanden in dieser Region Spuren menschlicher Besiedelung, die weit in das Neolithikum zurückreichen.

  1. erhielt am 12. November 1457 durch König Kasimir IV (1447-1492) Magdeburger Stadtrecht verliehen. Als Grenzort an der Handelsstraße von Breslau nach Kalisch konnte die königliche Stadt (ab 1524 königliche Zollstätte) sowohl von Zollein-nahmen als auch vom Handel leben.

Durch einen königlichen Abfindungsvertrag vom 01. Mai 1819 ging die Stadt in den Besitz des Fürsten von Thurn und Taxis über.

Das hölzerne Rathaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und beherbergt heute ein kleines Museum.

 

Lit. :

  • Dzieje miasta: praca zbiorowa. Red. Karol Olejnik. Sulmierzyce 2000
  • Wawrzyńzak, J.: Sulmierzyce- miasta Klonowicza 1457-1957. Sulmierzyce 1957

 

 

Südpreussen

Der in Grodno versammelte polnische Reichstag  trat unter dem Druck der Großmächte Preußen und Russland (►2. polnische Teilung) die Woiwod-schaften Posen, Gnesen, Kalisch, Sieradz, Wielun und die Hälfte der  Woiwodschaften Rawa und Plock, den Rest von Kujawien, die Woiwodschaft Leczyna, das Dobriner Land sowie die Städte Thorn und Danzig ab. Das von Preußen neu erworbene Gebiet bildete mit seinem Hauptteil die Provinz Südpreußen, die in die Kammer-departements Posen, Petrikau und  Plock gegliedert und dem Königreich Preußen ange-gliedert wurde.

Im Ganzen handelte es sich um ein Territorium von 1056 Quadratmeilen, das mit 1. 150. 000 Einwohnern verhältnismäßig dünn besiedelt war.

Das Gebiet wurde zunächst dem Minister von Voß unterstellt. Nach dem polnischen Aufstand von 1794 wurde er durch den schlesischen Provinzialminister Graf Hoym ersetzt, der die Provinz bis 1798 verwaltete; dann wurde sie wieder v. Voß übergeben. Die Provinzialminister Südpreußens waren in ihrer Amtsführung direkt dem Kabinett verantwortlich. Erst 1798 unterstellte man die Provinz Südpreußen dem Berliner Generaldirektorium, der preußischen staatlichen Zentralverwaltung.

 

Südpreußen war eine von 1793 bis 1807 bestehende Provinz des Staates Preußen in der Landschaft Großpolen. Sie wurde auf dem größten Teil der bei der Zweiten Teilung Polens annektierten Gebiete errichtet und umfasste die bisherigen polnischen Woiwodschaften Brześć, Kalisch , Ɫęczyca, Płock, Posen, Rawa  und Sieradz . 1795 kam infolge der Dritten Teilung die Stadt Warschau mit ihrem westlichen Umland hinzu, gleichzeitig wechselten die Gebiete nordöstlich der Weichsel um Plock zur neuen Provinz Neuostpreußen.

Südpreußen unterstand dem Generaldirektorium in Berlin. Hauptstadt war von 1795 bis 1807 Warschau. Verwaltungsmäßig war die Provinz in die Kammerdepartments  Kalisch, Posen (seit 1793) und Warschau (zusätzlich seit 1795) geteilt, die sich wiederum in adlige Landratskreise bzw. kgl. Ämter gliederten. Die Fläche betrug rund 53 000 km², die Einwohnerzahl etwa 1,4 Millionen. Bedeutende Städte waren neben Warschau und den vormaligen Woiwodschaftssitzen noch Petrikau und Gnesen. Die kleine Provinz Neu – Schlesien wurde von Südpreußen mitverwaltet.

König Friedrich Wilhelm III von Preußen(1720-1840) förderte von 1798 bis 1806 besonders die deutsche (nichtpreußische) Einwanderung nach Südpreußen und Neuostpreußen. Einwanderer auf adligen Ländereien nannte man Hauländer, solche auf königlichen Amtsländereien Kolonisten.

Im Frieden von Tilsit  verlor Preußen 1807 die Provinz gänzlich an das Herzogtum Warschau, erhielt jedoch beim Wiener Kongress 1815 das westliche Drittel um Posen zurück, welches nun den größten Teil der neu gebildeten Provinz Großherzogtum  ausmachte.

 

 

Lit. :

  • Prümers, Rodgero ( Hrsg. ) : Das Jahr 1793. Urkunden und Aktenstücke zur Organisation Südpreußens, Posen 1895

 

 

Szczypiorno

S.ist seit 1978 ein Stadtteil im Südwesten der polnischen Kreisstadt Kalisch.

Internierungslager, in dem um die Jahreswende 1918 / 19  mehr als 8ooo Männer und Frauen unter schlechtesten Bedingungen gefangen gehalten wurden. Unter den Gefangenen befand sich auch der Generalsuperintendent Paul Blau (1861-1944)

 

 

Scharfenort  (poln. :Ostrorog) Kreis Samter

1383, als die befestigte Anlage einer Belagerung standzuhalten  hatte, scheint noch keine Stadt vorhanden gewesen zu sein. Mitte des 15. Jahrhunderts muss jedoch eine nennenswerte Siedlung bestanden haben, denn S, hatte 1458 vier Soldaten abzustellen.

Im Jahre 1412 erhielt der Ort Stadtrecht. S .befand sich seit 1436 im Besitz der Adelsfamilie Ostroróg.

Diese Stadt spielte während der Reformation eine große Rolle. Der Besitzer der Stadt, Jakob Ostrorog, übergab 1555 die Pfarrkirche der Unität der Böhmischen Brüder, nachdem er sich selbst ihrem Bekenntnis angeschlossen hatte. Bald befand sich in  Scharfenort eine der Haupt-gemeinden der Böhmischen Brüder in Großpolen. Hier war nicht nur der Sitz des Seniors, hier wurden u.a. auch die Synoden abgehalten und in Scharfenort richteten die Böhmischen Brüder  eine Schule ein.

1595 zerstörte ein Brand die Stadt nahezu vollständig.

Als die Jahre 1632 die Familie Ostroróg ausstarb, nahmen die Katholiken die Stadt in Besitz und entzogen der Gemeinde der „Böhmischen Brüder “ innerhalb kürzester Zeit alle Grundlagen ihrer Existenz.

 

 

Schildberg  (poln. : Ostrzeszow)  Kreis Schildberg

Die Anfänge der Siedlung, aus der sich S. entwickelte, reichen bis weit in die Zeit vor der Christianisierung Polens zurück.

Den Stadtname Ostrzeszow verzeichnete zum ersten Mal der polnische Chronist Janko von Czarnkow (ca.1320-1387) 1347. Die deutsche Namensform für den Ort lässt sich dagegen bereits 1283 urkundlich nachweisen.

Das Nebeneinander beider Stadtnamen lässt darauf schließen, dass neben der ursprünglichen polnischen Stadt eine deutsche Siedlung angesetzt wurde.

  1. war eine Handelsstation auf der Straße von Breslau nach Kalisch und auf der sog. „Bernsteinstrasse“ von Südeuropa an die Ostsee.

Das ursprüngliche Gemeinwesen S. lag auf der Wasserscheide zwischen Bartsch und Prosna, etwa 3 km östlich von der heutigen Stadt. Diese alte Siedlung ist bei den Mongolenüberfällen 1241 zerstört worden, ihre Einwohner ermordet oder als Sklaven verkauft. Einem Teil der Bevölkerung gelang die Flucht – sie bauten die Stadt wieder auf, jedoch an anderer Stelle und zwar an der Straga, einem Nebenfluss der Bartsch.

1285 wird S. in einer Urkunde wieder als Stadt erwähnt.

Der polnische König Kasimir der Große (1333 – 1370) errichtete am Rand der Stadt Schildberg eine Grenzburg gegen Schlesien, die während des schwedisch – polnischen Krieges zerstört wurde. 1402 erfolgte die Verleihung des Stadtrechts. Im 17. Jahrhundert zogen Lutheraner nach Schildberg, die zu jener Zeit eine „ königliche Stadt „ war und somit unmittelbar der königlichen Gewalt unterstand. Den zuziehenden Lutheranern wurde – ebenso wie den Juden – das Wohnrecht verweigert. Die Zahl der in der Stadt wohnenden Lutheraner stieg nach 1795, nachdem Friedrich Wilhelm II (1744-1797) die Schildberger Starosteigüter dem General von Reichel schenkte, der neue Siedler – bevorzugt Evangelische – anwarb.

Dieser Besitz wechselte jedoch rasch wieder, so dass Aloysius von Biernacki, der 1830 nach dem November-Aufstand zum polnischen Finanzminister  berufen wurde, Eigentümer der Güter wurde.

Zum Ende des 1.Weltkrieges begannen sich die Polen in Geheimkomitees zu organisieren, sodass sie die im November 1918 entstehenden Arbeiter- und Soldatenräte sofort dominierten. Direkt nach Ausbruch des Großpolnischen Aufstands in  Posen wandelten sich d diese am o6.Januar 1919 in Volksräte  um und beherrschten bald die Stadt.

1939 eroberten deutsche Truppen die Stadt so rasch, dass es zu keinen Kampfhandlungen kam.

In einem der Gebäude des Allgemeinbildenden Lyzeums befand sich von 1939 bis 1945 das Gefangenenlager „Stalag XXI“, worin insgesamt 125.000 polnische und alliierte Soldaten inhaftiert waren. Hier war u.a. auch der später heilig gesprochene Franziskanermönch Maksymilian Kolbe (1894-1941) interniert.

Partnerstadt : Stuhr

 

Lit. :

  • Nawrocki, Stanislaw : Dzieje Ostrzeszowa. Kalisz 1990
  • Schicke, F. : Der Kreis Schildberg. Lissa 1905

 

 

Schildberger Hochfläche

Im südlichsten Zipfel des Posener Landes gelegen, gehört die Schildberger Hochfläche mit einer Ausdehnung von 1300 qkm geologisch zum Schlesischen Landrücken.

Diese Hochfläche wird im Osten durch die Prosna und  im Norden durch das Bartschbruch begrenzt. Hier befindet sich die bedeutendste Einzelerhebung der Provinz, die Haideberger Höhe mit 284 m.

Der Entwicklung nach stellt die S.H. eine gut entwickelte Endmoräne dar.

 

Schlacht von Posen

 

Schlichtingsheim  (poln. : Szlichtyngowa ) Kreis Fraustadt.

Als sich durch das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II (1578-1637) 1629 die Anhänger der Reformation in Schlesien Verfolgungen ausgesetzt sahen, flüchteten viele in das benachbarte Königreich Polen, dessen Gesetze Glaubens-verfolgung verboten. Der damalige Erbherr von Gurschen und Landrichter, Johann Georg von Schlichting, erhielt 1644 von König Wladislaw IV (1595-1648) die Erlaubnis, evangelische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien auf  dem Gelände seines Gutes Gurschen anzusiedeln, eine Stadt zu gründen und sie nach seinem Familiennamen „Schlichtingkowo “ zu nennen. Seit der Gründung war jedoch der Name Schlichtingsheim geläufig.

1653 verlieh der polnische König der Stadt das Niederschlagsrecht für aus Schlesien ein – oder aus Schlesien ausgeführte Leinen und Leinenwaren. Schlichtingsheim blieb eine kleine Handwerker-stadt, deren Einwohnerzahl sich kaum änderte (1793: 748 Einw.; 1939: 1038 Einw.  , 1970 : 1220 Einw.). Die Bewohner von Schlichtingsheim waren bis 1945 fast ausschließlich Deutsche. (1898 zählte der Ort 861 Einwohner, davon waren 128 katholischen und 15 jüdischen Glaubens)

1709 wütete eine Pestepidemie in der Stadt an der über 500 Menschen starben.

Der hohe Grenzzoll, den Friedrich der Große in der 2 . Hälfte des 18. Jahrhunderts einführte, schädigte den Handelsverkehr der Stadt, der sich ausschließlich nach Schlesien orientierte, nach-haltig. Der Ort entwickelte sich so zu einem Hauptplatz des Schmuggels

Ab 1793 war die Stadt preußisch und gehörte bis 1920 zur Provinz Posen. Von 1920 bis 1938 wurde das Städtchen der Provinz „Grenzmark Posen – Westpreußen “ unterstellt. Ab dem 01. Oktober 1938 verwaltungsmäßig in die Provinz Schlesien eingegliedert.

Sowjetische Truppen besetzten den Ort am 09. Feb. 1945.

Heute Kleinstadt mit 13oo Einwohner; 2 km nördlich der Mündung der Bartsch (Barycz) in die Oder gelegen.

 

Lit. :

  • Hannasky, Martin : Aus Schlichtingheims vergangenen Tagen. Bilder und Notizen aus der Geschichte von Schlichtingsheim und seiner Kirche, Schlichtingsheim 1920
  • Koerth, Albert : Schlichtingsheim in südpreussischer Zeit. In : Quellem und Forschungen zur Heimatkunde des Fraustädter Ländchens 3(1938) S. 57-61
  • Schober, Erich : Ein Bürgerbuch der Stadt Schlichtingsheim ( Kreis Fraustadt) 1799-1851. In :Quellen und Forschungen zur Heimatkunde des Fraustädter Ländchens. Fraustadt 1936. S. 3-44.

 

 

 

 

Schmiegel   (poln. : Smigiel)  Kreis Schmiegel

Der Name der Stadt wird vermutlich von dem polnischen “ smiga  “ (Windmühlenflügel) abge-leitet, da das Panorama des Ortes dank seiner Lage auf mehreren Hügeln von altersher durch eine große Anzahl von Windmühlen geprägt war.

  1. entstand an der Stelle des früheren Dorfes Kolzanowo.

Heinrich von Oppeln erhielt um das Jahr 1400 vom polnischen König Władysław Jagiello   (1348-1434) die Erlaubnis, auf seinem Erbgut eine Stadt – ausgestattet mit Magdeburger Recht- zu gründen. Wahrscheinlich hat erst sein Nachfolger Ramziel Oppeln die Gründung am 24. Juni 1415 vollzogen.

Die Stadt trug zunächst den Namen „Coschnau“, doch bereits 1435 ist Schmiegel urkundlich belegt.

1474 zog der Saganer Herzog Hans plündernd durch die Region und zerstörte u.a. S.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts zählte S. zu den größeren Städten der Woiwodschaft und gegen Ende dieses Jahrhunderts war die Stadt vollständig durch Wälle gesichert.

Schmiegels große Zeit war das Zeitalter der Reformation, in der die Stadt Zentrum verschiedener Anders- oder Neugläubiger, insbesondere der Sozianer, war. Jahrelang war Schmiegel das polnische und europäische Zentrum dieser  Glaubensgemeinschaft, die die „Dreieinig-keit“ leugnete und daher auch als „Antitrinitanier“ bezeichnet wurde.  Die religiöse Toleranz basierte auf der damaligen Unzufriedenheit der bäuerlichen Bevölkerung mit Kirche und Staat, die sich von dem religiösen Revisionismus vor allem eine Besserung ihrer sozial-ökonomischen Lage erhofften. Schon um 1560 wurden in der Stadt lutherische Predigten gehalten.

Die Anwerbung von Textilfachleuten, insbesondere aus Schlesien, sind nach mehreren Bränden (1616, 1618 und 1627) und Seuchen, fast zwangsläufig und verhalf der Stadt zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die während des Stadtbrandes 1618 zerstörte Kirche der Unitarier konnte nicht wieder errichtet werden und so wanderten die in Schmiegel wohnenden Angehörigen dieser Glaubensrichtung in andere socianische Zentren Polens ab.

In der von 1709 bis 1711 dauernden Pestepidemie starb über die Hälfte der Bewohner.

Mit der 2. Teilung Polens wurde die Stadt dem Königreich Preußen eingegliedert, was den Niedergang der Textilindustrie nach sich zog, da sich die traditionellen Absatzmärkte nun im russischen Teil Polens befanden. Um 1817 begann die Abwanderung der Weber nach Lodz und Pabianice (russisches Teilungsgebiet Polens), da die Stadt kaum noch Erwerbsmöglichkeiten für diesen Personenkreis bot.

Der große Stadtbrand vom 25. September 1814 hatte einen gänzlichen Neuaufbau und Umbau der Stadt zur Folge.

Gleichzeitig mit dem Ausbruch des großpolnischen Aufstandes in Posen am 27. Dezember 1918 übernahmen polnische Aufständische ohne Kampf die Stadt – und Kreisbehörden in Schmiegel. Bis 1936 wanderten fast 90 % der deutschen Bevölkerung der Stadt nach Deutschland aus.

Am 08. September 1939 erreichten deutsche Truppen die Stadt.

 

Lit. :

  • Gomolec, L.: Dzieje miasta Śmigla. Poznań 1960
  • Moritz, H.: Ein verschwundener Stadtname. Zur älteren Geschichte von Schmiegel. In : Historische Monatsblätter für die Provinz Posen 2(1901) S.1-7
  • Marx, E.: Beiträge zur Heimatkunde des Posener Landes, insbesondere der Stadt und des Kreises Schmiegel. Schmiegel 1911
  • Matzel, Oskar : Schmiegel. Geschichte einer deutschen Handwerkerstadt im Osten, Rotenburg ( Wümme ) 1975

* Silbernagel, F.  : Aus der Geschichte meiner Heimatstadt Schmiegel. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe   1960   S.

 

 

Schneidemühl   (poln. Piła ).

Stadt 6 km oberhalb der Mündung der ►Küddow (Gwda) in die ► Netze gelegen. Schneidemühl entstand gegenüber einem slawischen Fischerdorf auf dem westlichen Ufer der Netze. Königin Hedwig von Ungarn (reg. 1384-1399) soll bereits 1380 ein erstes Stadtprivileg ausgestellt haben. Sie gehörte zur Starostei Usch.1456 wurde es erstmals „Snydemole“ genannt. Bis 1480 war S. Mediatstadt der adligen Familie Opalinski. Mathias Opalinski trat sie an König Kasimir IV ( reg. 1447 – 1492 ) von Polen ab. Die drei Söhne des Generalstarosten Andreas Gorka (gest. 1551 und Besitzer der Stadt S.) hatten in Wittenberg studiert und bei Martin Luther (1483-1546) kennen gelernt, dessen Reformation sie unterstützen. 1506 und 1511 wurde S. zwar als Stadt erwähnt, aber erst König Sigismund I (1506 –1548) verlieh ihr am 04.März 1513 Magdeburgisches Stadtrecht. Während der Gegenreformation unter der Herrschaft des polnischen Königs Sigismund III (1596-1632) schenkte dieser die Starostei Usch gemeinsam mit der Stadt Schneidemühl seiner Frau Konstantia, einer habsburgischen Prinzessin, die eine jesuitische Erziehung genossen hatte. Schneide-mühl war damit zu einem sog. „Schatullgut“ der jeweiligen polnischen Königin geworden, d.h. alle Abgaben der Stadt waren direkt der Herrscherin zu entrichten, die auch rasch dem evangelischen Leben der Stadt ein Ende setzte. Sie gab die ehemaligen katholischen Kirchen der Starostei Usch- Schneidemühl, die ausnahmslos evangelisch geworden waren, dem römisch-katholischen Klerus zurück. Die zahlreichen Ereignisse des 17. Jahrhunderts wirkten sich äußerst negativ auf die städtische Entwicklung aus. Während des russisch-polnischen Krieges 1606 bis 1611 hatte Schneide-mühl Kriegssteuern zu entrichten. Nach dem großen Brand, der 1626 fast die ganze Stadt vernichtete, ließ die Königin eine neue Vermessung der Stadt vornehmen und wieder errichten. Sie erhielt dabei ihre räumliche Struktur, die bis zum 2. Weltkrieg erhalten blieb. Am 24. April 1656 besetzten schwedische Truppen die Stadt, die besonders repressiv gegen die in der Stadt wohnenden Juden vorgingen.  Zahlreiche Tote forderte die zwischen 1708 und 1710 grassierende Pest in Schneidemühl, sodaß nur noch sieben Menschen in der Stadt wohnten. Von etwa 1600 bis 1820 war die Tuchmacherei das bedeutendste Gewerbe der Stadt. Einfälle der Schweden im 16./17. Jahrhundert führten zum Erliegen der wirtschaftlichen Entwicklung. Mit der 1. Teilung Polens  kam Schneidemühl 1772 an Preußen  Bei der preußischen Inbesitznahme wies der Ort nur noch 1361 Einwohner auf. Die erneute Katastrophe eines Brandes, der 1834 nahezu die gesamte Stadt zerstörte, stellte die Weiterexistenz Schneidemühls in Frage.

1888 überschwemmte die Küddow nach einem schneereichen Winter Schneidemühl. 200 Häuser wurden unterspült und stürzten ein, fast 600 Gebäude mussten geräumt werden,

Infolge einer im Jahre 1892 drohenden Cholera-gefahr ordnete die Regierung eine allgemeine Untersuchung der Trinkwasserverhältnisse an. In Schneidemühl sollten daraufhin einige Brunnen tiefer gelegt werden. Zu diesem Zweck hatte man eine neue Rohrleitung 72m tief hinabgesenkt, die weitere Arbeit wegen des nahenden Winters eingestellt. Im Frühjahr 1893, als die Arbeiten wieder aufgenommen werden sollten, brach am Himmelfahrtstag neben dem Bohrloch ein gewaltiger Strahl schlammigen Wassers aus der Erde.

Innerhalb von 5 Wochen wurden 8400 Kubikmeter Erde ausgeschwemmt und 132.000 Kubikmeter Wasser an die Oberfläche getrieben.

1910 zählte die Stadt 26.126 Einwohner ( 95,6 % Deutsche ). 1919 musste auf heftigste Proteste der Bürgerschaft der Stadt die bereits von den Alliierten beschlossene Abtretung an Polen wieder rückgängig gemacht werden.  Von 1922 bis 1938 war S: Hauptstadt des Regierungsbezirks ►Grenzmark Posen – Westpreußen, nach der Gebiets – und Verwaltungsreform von 1938 Hauptstadt des pommerschen Regierungsbezirkes Schneidemühl. Schneidemühl war ein bedeutender Eisenbahn – und Straßenbahnknotenpunkt und in der Zwischenkriegszeit ein Hauptgrenzübergang nach Polen.

Die Stadt, im Januar 1945 zur Festung erklärt,  wurde im Januar / Februar 1945 bei den Kämpfen um den sog. “ Pommernwall “ zu 75 % zerstört. Gebäude wurden abgetragen, da deren Bausteine  dem Wiederaufbau Warschaus dienten.Heute hat die Stadt rund 68.000 Einwohner und ist Hauptstadt der gleichnamigen Wojewodschaft.

 

Am 08. Sept. 1957 übernahm die Stadt Cuxhaven die Patenschaft über Schneidemühl.

  1. unterhält Städtepartnerschaften mit Cuxhaven und Schwerin.

 

Lit. :

 

  • Becker, Paul : Aus der Geschichte der Stadt Schneidemühl. Schneidemühl 1912
  • Laubert, Manfred : Schneidemühl und der Kreis Kolmar in den Anfängen der neupreußischen Zeit. Schneidemühl 1925
  • Richardt, Max(Bearb.): Schneidemühl. Die Hauptstadt der Provinz Posen-Westpreußen. Berlin 1930
  • Boese,Karl : Geschichte der Stadt Schneidemühl. Würzburg 1965 ( Ostdeutsche Beiträge des Göttinger Arbeitskreis, Band 30 )
  • Łęcki, W. : Piła i okolice, Warszawa 1983
  • Boras, Zygmunt: Piła. Zarys dziejow (do roku 1945). Piła 1993
  • Grenz-und Regierungsstadt Schneidemühl. Zeittafel zur Geschichte der Stadt Schneidemühl. Bielefeld 1998

 

 

 

Schneidemühler Seengruppe

Die Seen der Schneidemühler Seengruppe liegen zu beiden Seiten des unteren Küddowtals, und zwar mit wenigen Ausnahmen im Osten dieses Tales. Nur wenige Seen erstrecken sich auf der Geschiebemergelhochfläche am Ostrand dieses Tales, wie der Große Kleschineksee, der Stahrener See und der Blodsee bei Schmilau. Der Große Kleschineksee ist 30 ha, der Stahrener 22 ha und der Blodsee rund 20 ha groß. Alle drei Seen sind Grundmoränenseen.

Rinnensee sind der Kopssee (33 ha), der Arendtsee (27 ha), der Sand – und der Plötzensee (13 bzw. 37 ha Areal). Weiterhin sind zu dieser Seengruppe der Stüsselsdorfer (8 ha) und der Schwarzsee (15 ha) zu zählen.

 

 

Schokken  ( poln. : Skoki ) Kreis Wongrowitz

Die geschichtlichen Anfänge der slawischen Siedlung sind nicht genau bekannt. Belegbar ist, dass sie an einer Kreuzung wichtiger Handelsstraßen entstanden ist. Die Gründung dieser an der Welna gelegenen Kleinstadt erfolgte im Jahr 1367, als der Grundherr Janusz aus Podlesie die Zustimmung des polnischen Königs Kasimir des Großen (1333 – 1370) erhielt, die Siedlung nach Neumarkter Recht zu erweitern. Im 16.und 17.  Jahrhundert war die Stadt eine der wichtigsten Zufluchtsstätten von Protestanten in Großpolen. Während des 16. Jahrhunderts befand sich die Stadt im Besitz der Familie  Latalsky, die sich 1560 den nach Schokken geflohenen „Böhmischen Brüdern“ anschlossen und die Stadt den Anhängern reformatorischer religiöser Bekenntnisse öffneten. Sie ließen die Stadt zu einem der großen Reformationszentren in Polen werden.

Anfang des 17. Jahrhunderts gehörte Schokken der Familie Rej, die sich intensiv dem wirtschaftlichen Aufbau der Stadt widmete. Siedlern aus Nordostdeutschland (insb. Pommern und Brandenburg) sagten sie für die Dauer von vier Jahren Steuerfreiheit und Nutzungsrechte an den herrschaftlichen Wäldern sowie generelle Glaubens – und Handelsfreiheit zu, die sich in der 1632 gegründeten Neustadt niederließen.

Die Neubürger Schokkens – überwiegend Tuchmacher, Leinweber und Schuhmacher – erwarben sich ab 1655 durch Lieferungen an das schwedische Heer großen Reichtum, den sie aber durch Kontributionszahlungen nach dem polnischen Sieg über die Schweden wieder verloren.

Religiöse Auseinandersetzungen, die Verfolgung der „ Böhmischen Brüder“, der Nordische Krieg, Pestepidemien und letztendlich der wirtschaftliche Verfall kennzeichneten die Geschichte der Stadt im 18. Jahrhundert.

Zur Zeit der preußischen Inbesitznahme 1793 hatte die Stadt 1050 Einwohner.

Am 18. November 1918 organisierte sich in Schokken ein Volksrat und kurz vor Jahresende übernahmen polnische Behörden die staatliche Gewalt in der Stadt.

Die deutsche Bevölkerung floh aus der Stadt am 20. Januar 1945, sowjetische Truppen besetzten am 23. Januar 1945 Schokken.

Heute eine Kleinstadt mit etwa 3700 Einwohnern. Seit 1995 gibt es eine Städtepartnerschaft mit der Samtgemeinde Bardowick.

 

Schokkener Seengruppe

Die Schokkener Seengruppe dehnt sich im Nordosten der Murowaner – Gosliner Seengruppe aus. Sie besteht aus den Seen des Schokkener Beckens, die in der Nähe des Städtchens Schokken gelegen sind, wie der Hammersee, Maciejak-, Schwarze und Briesen – Wluknoer See. Weiterhin zählen  zu dieser Gruppe die Seen mehrerer Rinnen, die in das Schokkener Becken eintreten bzw. seinen Abfluss aufnehmen. Es handelt sich dabei um die Gatscher Seenrinne mit den Seen von Schwanau und Gatsch; die Rogasener mit dem Rogasener und Buschdorfer See und die Prusietzer Seenrinne mit dem Prusietzer, Kleinen See bei Przysieka und dem Lechliner See.

Die Seen des Schokkener Beckens sind durchweg recht flach. Am tiefsten ist der Schwarze See, der bei einer Größe von nur 13 ha fast 9 m tief ist. Wie der Doppelname Briesen – Wluknoer See andeutet, handelt es sich bei diesem 107 ha großen See eigentlich um zwei Seen, die an ihrer Verbindungsstelle so stark verrohrt sind, dass man jedem der Seeteile einen besonderen Namen gab.

Der Maciejkasee hat eine Flächenausdehnung von 128 ha und der Hammersee eine Größe von 79 ha.

Die beiden Seen der Gatscher Seenrinne sind die Reste eines langen Rinnensees, der durch einen von den Endmoränen kommenden Schmelz-wasserstrom gebildet wurde. Der Schwanauer See ist 330 ha und der Gatscher See 35 ha groß.

Die Rogasener Seenrinne führt alle in dem Schokkener Becken sich sammelnden Gewässer durch die kleine  Welna in das Welnaurstromtal ab. In der Größe überragt der  Buschdorfer See mit 177 ha Areal den Rogasener mit 136 ha.

Am Nordende des Buschdorfer Sees tritt von Nordosten her eine Querrinne in die Rogasener Rinne ein, die die Rogasener Rinne mit der Prusietzer Rinne verbindet. Unweit des Buschdorfer Sees liegt der ovale, 24 ha große, Schwarze See bei Grzybowo. Mit 15,4 m ist dieser See der tiefste See der Schokkener Seengruppe.

Zur Rogasener Seenrinne verläuft die Prusietzer Seenrinne fast parallel. Der nördlichste und größte See dieser Rinne ist der Prusietzer See mit einem Areal von 71 ha.

 

 

Schönlanke  (poln. Trzcianka) Kreis Czarnikau.

Die ehemalige Kreisstadt des Netzekreises ist eine verhältnismäßig junge Stadt.

Um die Gebiete ihrer Herrschaft nördlich der Netze zwischen Drage und Küddow urbar und lukrativ zu entwickeln, hatten etliche polnische Grundherren im 16. Jahrhundert vermehrt deutsche Siedler angeworben. Im Zuge dieser Besiedlung entstanden an dem Weg von Behle (poln.:   Biała)              und Schloppen ( poln.:         ) ein Vorwerk und das Dorf Schönlanke, die direkt bei dem 1505 durch Wenzel Trzinski, einem Lehnsmann des Grundherren Graf Czarnkowski gegründeten Dorfes Trzianka angelegt wurden.  Eine Handwerker-siedlung, die zwischen dem Vorwerk und dem Dorf entstand und zum Kristallisationspunkt der späteren Stadt werden sollte, wird erstmals 1671 als „Trscianka“ (Rohrfließ) in einem Jahrmarktsprivileg erwähnt.

Am 03. März  1731 verlieh  König August II von Polen ( 1697-1706 und 1710 und 1733 ) dieser Handwerkersiedlung Magdeburger Stadtrecht. Dieses Stadtprivileg schuf eine günstige Voraus-setzung für die rasche Aufwärtsentwicklung der jungen Stadt. Während die Bewohner des Dorfes und des Vorwerkes weiterhin Untertanen des Grundherren blieben, verwalteten sich die Stadtbürger nun selbst. Sie war die bedeutendste Tuchmacherstadt der Region bis zu der 1.Teilung Polens, als dieser Handwerkszweig  wegen der protektionistischen Politik Russlands (ab 1822) und wegen des damit verbundenen Verlustes der bisherigen Absatzmärkte zur wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit herabsank. Seit 1772 preußisch, gehörte Schönlanke bis 1815 zu Westpreußen und wurde dann der Provinz Posen (Kreis Czarnikau) zugeteilt, der sie bis 1920 angehörte.

Nach der preußischen Inbesitznahme erlebte die Stadt dank der Trockenlegung des Netzebruches und des im 19. Jahrhundert erfolgten Baues der Ostbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Mit der Gründung des Netzekreises in der Grenzmark Posen – Westpreußen , der sich aus den Resten der Kreise Filehne und Czarnikau zusammensetzte, wurde der Ort 1919 Kreisstadt Mit der Auflösung der Grenzmark wurde Schönlanke 1938 der Provinz Pommern eingegliedert.

Während die Eingemeindung des Dorfes Schönlanke in die Stadt schon 1905 erfolgte, wurde das Amt /Vorwerk S. erst 1925 Teil der Stadt.

Am 06. November 1938 ging in der sog. „Reichskristallnacht“ die Synagoge in Flammen auf.

Am 25./26. Januar 1945 flohen die meisten Bewohner der Stadt vor der heranrückenden Roten Armee. In Absprache mit dem Bürgermeister Froese versuchte der Geschäftsführer der Deutschen Möbelwerke, Paul Plumbaum, ein Sozialdemokrat, die Stadt friedlich zu übergeben, doch er wurde bei dem Versuch der Kontaktaufnahme erschossen.

Am 27. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt, wobei die Innenstadt vollständig zerstört wurde.

Die Stadt hat heute knapp 17.000 Einwohner.

 

Lit. :

  • Schulz, Carl : Merktafeln zur Geschichte des Netzekreises und der Stadt Schönlanke, Schönlanke 1930
  • Spade, Eduard : Geschichte der Stadt Schönlanke und Umgebung, Deutsch – Krone 1885
  • Schulz, Carl : Die Herrschaft Schönlanke im Jahre 1793. Schönlanke 1932
  • Pieske, Gerhard : Schönlanke: eine Stadt –und Heimatkunde. Lübeck 1980

 

 

Schönlanker Seengruppe

Im Westen der Küddowmündung erstreckt sich nördlich von Schönlanke eine Reihe von Seen, die nur noch teilweise untereinander in Verbindung stehen.

Der östlichste dieser Seen ist der abflusslose, nur 10 ha große Bomblinsee, der 20 m tief ist. Westlich hiervon schließen sich der Kühnensee und der 54 ha große Zaskersee an. Der Zaskersee ist ein langer Rinnensee, der – wie der Kühnensee – zu dem Niekosker Fließ hin entwässert. Der Kühnensee ist rund 8 ha groß und nicht tiefer als 3 m.

Zur Schönlanker Seengruppe, die eine subglaziale Schmelzwasserrinne zu sein scheint, gehören weiterhin der Logosee  60 ha), der Große (92 ha) und der Kleine Straduhner See (11 ha).

 

 

Schrimm  ( poln. : Śrem )  Kreis Schrimm

Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Umstand, dass sich hier ein bequemer Übergang über die Warthe befand. Bereits ein Handelsweg der Etrusker von den Alpen bis zur Ostsee führte an diesem Ort vorbei. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde des Papstes Innocenz II (1088-1143) aus dem Jahre 1136, in der er dem Erzbistum Gnesen seine Besitztümer, darunter Immobilien in Schrimm, bestätigt. Zur Sicherung des Flussüberganges über die Warthe wurde eine Burg angelegt, die jedoch zerstört wurde, als der schlesische Herzog Heinrich der Bärtige (um 1165-1238) Großpolen besetzte. Er ließ die Festungs- und Verteidigungsanlagen 1232 wieder errichten, doch polnische Einheiten eroberten sie bald nach ihrer Fertigstellung zurück. Während der Herrschaft von Władyslaw Odonicz (+ 1239), Herzog von Großpolen, war S. Mittelpunkt einer Kastellanei und des öfteren Stätte des königlichen Gerichts. Im Schutze der Festung entwickelte sich eine Marktsiedlung am linken Ufer der Warthe, der der Herzog Bołeslaw der Fromme (+ 1279) 1243 Stadtrecht verlieh.

Nach Norden gewährte ein Altarm der Warthe und nach Süden die Warthe der Stadt natürlichen Schutz, während dem Westen jegliche natürlichen Hindernisse fehlten. Während der großpolnischen Adelsfehde 1383 zerstört. 1393 erbaten daher die Bürger der Stadt Schrimm von dem polnischen König Władyslaw Jagiello (1386-1434) die Erlaubnis, ihre Stadt auf die in der Warthe gelegene Insel Kobylec zu verlegen. Das 1398 erlassene Dekret des polnischen Königs, das die Städte Schrimm und Punitz zu Zollstätten erklärte, über die der polnische Handel mit der schlesischen Stadt Breslau abzuwickeln sei,hatte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt S. zur Folge.

Im 15. Jahrhundert zählte Schrimm mit zu den bedeutendsten Städten Großpolens. Die Stadt verweigerte – neben Posen die einzigste Stadt Großpolens – in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts den Zuzug von protestantischen Glaubens-flüchtlingen, wodurch ein wirtschaftlicher Nieder-gang einsetzte, der durch die Folgen der Pest 1636 und die Verwüstung der Stadt 1656 durch brandenburgische Truppen verschärft wurde. 1736 trat die Warthe über ihre Ufer und zerstörte den größten Teil der Stadt.

Zur Zeit der preußischen Inbesitznahme 1793 zählte Schrimm nur 1453 Einwohner. Die Stadt befand sich in einem solch schlechten Zustand, dass sich die preußischen Beamten dazu  entschieden,  das zur Kreisstadt erhobene Schrimm nicht als Standort der Kreisbehörden zu wählen, sondern diese nach Kurnik zu verlegen, wo sie bis 1827 blieben.

 

Lit . :

  • Chmielewski, Stefan : Dzieje Śremu, Warszawa, Poznań 1972
  • Palat, Z. : Śrem. Studium historyczno-urbanistyczne. Poznan 1982
  • Szmidt, Zbigniew : Śrem. Poznan 1984
  • Wendrak, August : Schrimm in südpreussischer Zeit. Ein Beitrag zur kulturgeschichtlichen Heimatkunde (Beilage zum Jahresbericht des Kgl. Gymnasiums zu Schrimm ) Schrimm 1913
  • Kantecki,Maximilian: Schrimm im Mittelalter (bis 1500). Schrimm 1886 (=Wissenschaftliche Beilage zum XX. Jahresbericht des Königlichen Gymnasium in Schrimm)

 

 

Schrimmer Seengruppe

Zur Schrimmer Seengruppe werden der Schrimmer See mit 122 ha, der Kleine See bei Chalin mit 20 ha und der Plutno – See mit 21 ha Flächenausdehnung gezählt.

Eine ungewöhnliche Tiefe weist der Schrimmer See auf: seine mittlere Tiefe von 21 m wird von keinem anderen Posener See erreicht, seine Maximaltiefe von 49 m nur noch von der des Popielewoer Sees bei Tremessen übertroffen. Das geologisch interessante an dieser Tiefe ist, dass sie fast 10 m unter den Meeresspiegel herabreicht, also eine Kryptodepression darstellt – der einzig bekannte Fall im Posener Land.

 

 

Schroda  (poln. : Środa)  Kreis Schroda

Durch Schroda führten alte Handelsstraßen von Posen nach Warschau und nach Kattowitz, so dass der Ort erstmals 1231 dokumentarisch belegt ist. Das genaue Gründungsdatum der Stadt kann jedoch nicht mehr exakt bestimmt werden, da alle mittelalterlichen Urkunden zerstört sind. Im frühen Mittelalter gab es hier eine Festung, in dessen Schutz sich eine Siedlung entwickelte.

1261 bekam der Ort Stadtrecht verliehen. Schroda war eine “ königliche Stadt „, da auf königlichem Grundbesitz gegründet. 1331 zerstörten militärische Einheiten des Deutschen Ordens die Stadt

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Schroda durch Vieh – und Getreidehandel sowie durch Fach-webereien zu einer wohlhabenden und bedeutenden Stadt, in der ab 1574 die groß-polnischen Landtage der vereinigten Woiwod-schaften Posen, Gnesen und Kalisch abgehalten wurden.

Ab 1631 versammelten sich alle vier Jahre die Ritter aus Großpolen in Schroda, um ihre militärische Einsatzfähigkeit zu prüfen.

Seuchen und Krieg waren die Ursachen für den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. So zerstörten schwedische Truppen die Stadt 1655 vollständig. 1703 plünderten und zerstörten wiederum schwedische Truppen die Stadt.

1009 Einwohner zählte Schroda, als sie 1793 preußisch wurde (897 Katholiken, 10 Protestanten und 102 Juden).

1809 schenkte Napoleon Bonaparte (1769-1821)  die Herrschaft Schroda dem General Jan Henryk Dabrowski  (1755-1818)

1900 zählte die Stadt 5869 Einwohner, von denen sich 5015 zum katholischen, 652 zum protestantischen und 192 zum jüdischen Glauben bekannten. Die kleine Gemeinde von Baptisten zählte 10 Mitglieder.

Am 10. September 1939 besetzte die deutsche Armee Schroda.

 

 

Lit. :

  • Drobig, B. : Geschichte der Stadt Schroda, Schroda 1904
  • Nawrocki, Stanisław : Dzieje Środy Wielkopolskiej i jej regionu. Środa Wkp. 1990

 

 

Schubin  (poln. : Szubin)  Kreis Schubin

Um einen links der Gonsawka gelegenen Rundwall entstand eine Siedlung, die sich ausdehnte.

Urkundlich erstmals belegt ist der Ort in einem sog.“Rezeß“ (einer vertraglichen Auseinander-setzung) aus dem Jahre 1365, in der der Grundherr Sendziwoj aus Schubin, Starost von Hohensalza und Argenau, als Zeuge benannt wurde. Die Stadtgründung erfolgte am o5. Juni 1365. 1497 verlegte der Posener Woiwode Czarnkowski seinen Hauptsitz für die Verwaltung seiner Güter nach Schubin. Eine lebhafte wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war die Folge. Diese Adelsfamilie verhielt sich, obwohl zutiefst Katholiken, tolerant gegenüber den protestantischen Siedlern, die von ihr in das Land geholt wurden. 1655 besetzten schwedische Truppen die Stadt. Im 17. Jahrhundert gehörte die Stadt den Opalinskis, wechselte aber 1741  in den Besitz des Grafen Mycielski über, der  in der Stadt auch ein Schloss besaß.

In der 2.Hälfte des 18. Jahrhunderts verzeichnete die Stadtgeschichte eine wirtschaftlich auf-strebende Entwicklung. Das fruchtbare Hinterland Schubins (Kujawien) entwickelte sich zu einem  Überschußproduzenten von Getreide, das in der Hansestadt Danzig Käufer fand. Um den Transport dieses landwirtschaftlichen Produkts zu gewähr-eisten, wurde das Moorgebiet rund um Schubin durch einen Brückenbau überquert, wofür die Stadt einen Brückenzoll erheben konnte.

1772 kam die Stadt bei der 1. Teilung Polens unter preußische Herrschaft. Um das Jahr 178o wurde neben der Altstadt eine Neustadt gegründet. 1789 hatte die Stadt 1170 Einwohner (936 Polen, 154 Deutsche und 80 Juden). Im Zuge der neuen Gebietseinteilung wurde Schubin am 01. Januar 1818 Kreisstadt des selbständigen Kreises Schubin.

In der Nacht vom 01. auf den 02. Mai 1840 zerstörte ein Brand die Altstadt vollständig. Zum Wiederaufbau erhielt die Stadt von König Friedrich Wilhelm III (1770-1840) 20.000 Taler zum Geschenk.

1910 wurde hinter dem Hauptbahnhof von Schubin nach Salz gebohrt. Mit 2000 m Bohrtiefe war es zu seiner Zeit das tiefste Bohrloch Deutschlands — eine wirtschaftliche Ausbeutung des Salzvor-kommens war jedoch nicht möglich.

Am 11. Januar 1919 wurde die Stadt von polnischen Truppen besetzt.

Am 06. September 1939 rückten deutsche Soldaten in Schubin ein.

 

Lit. :

  • Biskup, Marian : Dzieje Szubin. Poznan 1974
  • Heimatkreis Altburgund / Schubin ( Hrsg. ) : Der Kreis Schubin, Bergen 1975

 

 

Schulitz   (poln. : Solec Kujawski)  Kreis Bromberg

Schon längere Zeit vor der Erhebung zu einer Stadt nach Magdeburger Recht war Schulitz (Kreis Bromberg) urkundlich belegt. Im Jahre 1244 wird in einer Urkunde die Lage eines anderen in ►Kujawien gelegenen Ortes durch die Bezug-nahme auf Schulitz bestimmt.

Der Name der Stadt steht mit dem im mittelalterlichen Polen wichtigen Handelsgut, dem Salz, in einem engen Zusammenhang.

Am 28. Juni 1325 verlieh der kujawische Herzog Przemyslaw (1278-1339) dem Ort Stadtrechte. Bereits sieben Jahre nach der Verleihung städtischer Privilegien besetzte der Deutsche Orden während der militärisch ausgetragenen Auseinandersetzungen mit dem polnischen König Władyslaw I Lokietek (1261-1333) um Pommerellen Schulitz. Die zwölfjährige Ordensherrschaft endete 1343 mit dem Frieden von Kalisch.

Die religiöse Intoleranz Kaiser Karls IV und seines Nachfolgers Philipp in den Niederlanden zwang viele Protestanten, ihre Heimat zu verlassen und sich in Preußen oder Polen anzusiedeln. Um Schulitz kam es ab 1600 zur Gründung einer Reihe von Holländerdörfern.

Nachdem die Stadt nach dem Brand von 1635 wieder vollständig aufgebaut werden musste, wurde sie im 2. Schwedischen Krieg (1655 – 1660) wiederum erheblich zerstört. Der zu Beginn des 18. Jahrhunderts ausgebrochene sog. “ Nordische Krieg “ war Ursache für die erneute Zerstörung der Stadt. 1703 töteten Schulitzer Bürger eine militärische Einheit der Schweden, worauf die schwedische Armee die Stadt bis auf die Grund-mauern zerstörte.

Bis 1730 wies Schulitz ausschließlich polnische Bürger auf.  Zur Zeit der preußischen Besitznahme der Stadt (1772) waren 33,5 % der Bewohner der Stadt Deutsche und 66,5 % Polen. Erst im Jahre 1800 erhielt die Stadt den Namen Schulitz.

1910 waren von den 4514 Einwohnern der Stadt 4281 deutscher Nationalität.

In Ausführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde die Stadt am 19.Januar 1919 polnisch, so dass eine starke Abwanderung der deutschen Bevölkerung einsetzte. Die Volks-zählung vom 30. September 1921 verzeichnet nur noch rund 3200 Einwohner, von denen 852 polnische Staatsangehörige waren.

 

Lit. :

  • Rudolf, Philipp : Aus der Geschichte von Schulitz und den umliegenden Dörfern, Posen 1936

 

 

Schulstreiks 

1905 verfügte die preußische Regierung, dass die deutsche Sprache auch im Religionsunterricht der Schulen in der Provinz Posen Anwendung finden müsse. Da Protestversammlungen und publizistische Gegenwehr  keinen Erfolg hatten und der Religionsunterricht auch weiterhin nicht mehr in der Muttersprache erteilt werden durfte, verweigerten 1906 zunächst im Regierungsbezirk Posen 1980 von 3709 Kindern in 33 Schulen den Unterricht.

Der Hirtenbrief der polnischen katholischen Kirche vom 14. Oktober 1906 hatte einen landesweiten Schulstreik zur Folge: Am 14. November streikten provinzweit 46 886 Kinder an 755 Schulen.

 

Lit.:

  • Korth, Rudolf: Die preussische Schulpolitik und die polnischen Schulstreiks. Ein Beitrag zur preußischen Polenpolitik der Ära Bülow. Würzburg 1963.
  • Wydarzenia wrzesińskie w roku 1901. Red. Zdisław Grot. Poznań 1964

 

 

Schulwesen der deutschen Minderheit

 

Internationale Verträge bildeten die juristische Grundlage für das deutsche Schulwesen in Polen. Insbesondere der „Minderheitenschutzvertrag“ vom 28. Juni 1919 (der sog. „Kleine Versailler Vertrag“) stellte die völkerrechtlich kodifizierte Basis für jegliche Tätigkeit und Initiative nicht nur der deutschen Minderheit in Polen auf wirtschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Gebiet dar.  Danach musste u.a. der freie Gebrauch  der Muttersprache, das Recht auf Errichtung, Leitung und Beaufsichtigung  eigener Schulen, Wohlfahrts-einrichtungen und kirchlichen Anstalten ohne Unterschied der Nationalität durch den polnischen Staat garantiert werden. Artikel 9 dieses Minderheitenschutzvertrages verpflichtete den polnischen Staat dazu, überall dort, wo „fremd-sprachige polnische Staatsbürger in beträchtlichem Verhältnis“ wohnten, „angemessene  Erleich-terungen zu schaffen“, damit deren Kinder „Unter-richt in ihrer eigenen Sprache“ genießen konnten. Der polnische Staat organisierte infolgedessen gesonderte öffentliche Schulen mit deutscher Unterrichtssprache oder errichtete in polnischen Schulen Parallelklassen mit deutscher Unter-richtssprache für Kinder deutscher Nationalität.

Besagter Artikel 9 des Minderheitenschutzvertrages wurde von den polnischen Behörden dahingehend interpretiert, dass zur Eröffnung bzw. Erhaltung einer rein deutschen Schule mit Lehrkräften deutscher Nationalität eine Mindestzahl von 40 Kindern erforderlich sein musste. Wenn diese Anzahl bei  einer Schule zwei Jahre hindurch unterschritten wurde, dann verlor sie ihr Privileg als Minderheitenschule. Diese Bestimmung fand Aufnahme in das Allgemeine Schulgesetz vom 17. Februar 1922. Zwischen 1918 und 1927 verließen fast eine Million Deutsche Polen; allein aus den Wojewodschaften Posen und Pommerellen etwa 840.000. Dadurch sank der Versorgungsgrad öffentlicher deutscher Schulen ebenfalls.

Die Anstrengungen der deutschen Minderheit verlagerten sich daher – da sich der polnische Staat seinen schulischen Verpflichtungen gegenüber den Minderheiten aufgrund der demografischen Entwicklung und der innenpolitischen Situation zu entziehen versuchte- immer mehr auf die Organisation eines privaten Schulwesens. Hierfür wurde der „Deutsche Schulverein in Polen“ mit Sitz in Bromberg unter Leitung von Dr. Otto Schönbeck (                          ) gegründet. Der Schulverein übernahm durch Schulgründungen, indirekte Beaufsichtigung des Schulwesens, Einstellungen von Lehrkräften und Schulleitern, das Angebot von Fortbildungs-veranstaltungen sowie Eingaben an polnische Behörden die Rolle einer autonomen Kulturstelle. Unterstützt wurde der „Schulverein“ in seiner Arbeit durch den – Landesverband deutscher Lehrer und Lehrerinnen in Polen.

Schul- bzw. Elternvereine übernahmen die öffentlich- rechtliche Trägerschaft über die Privatschulen, die ausnahmslos dem Deutschen Schulverein angehörten.

Im Schuljahr 1923/24 bestanden in Polen 1039 Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache und 82.500 Schülern, davon waren 901 öffentliche Schulen mit 74.200 Schülern, und 138 Privatschulen mit 8600 Schülern. Das deutsche allgemein bildende höhere Schulwesen umfasste in diesem Schuljahr 34 Schulen mit deutscher Unterrichtssprache und 8400 Schülern. (davon waren 3 in staatlicher Trägerschaft mit 1300 Schülern und 31 Privatschulen mit 7100 Schülern.) Außerdem wurden in neun polnischen Schulen Klassen mit Deutsch als muttersprachlichem Unterricht für etwa 15oo Schülern deutscher Nationalität geführt.

Im Spannungsfeld zwischen der negativen demographischen Entwicklung der deutschen Minderheit und einer sich gegenüber den autonomen schulischen Einrichtungen der Minderheit restriktiv verhaltenden Behörden sank die Zahl der öffentlichen Volksschulen im Schuljahr 1929 / 1930 auf 356 mit 49.700 Schülern. Demgegenüber stieg die Zahl der Schulen mit Parallelklassen „Deutsch“ auf 166 mit 9300 Schülern und die der Schulen in privater Trägerschaft auf 246 mit 10.800 Schülern.

Das allgemein bildende höhere deutsche Schulwesen zählte zu jener Zeit sechs staatliche Schulen mit 3700 Schülern und 30 Privatschulen mit 8800 Schülern.

Durch das Gesetz über Privatschulen vom 11. März 1932 wurde das gesamte private Schulwesen in Polen erheblich eingeschränkt. Dieses Gesetz machte den Bestand einer privat getragenen Schule von der staatlichen Verwaltung abhängig, die eine solche Schule jederzeit mit dem Vorhalt schließen durfte, dass Unterricht und Erziehung in einem Geist erfolgten, der mit staatlichen Interessen nicht vereinbar sei oder dass sich die Schule schädlichen erzieherischen Einflüssen ihrer Schüler nicht erfolgreich widersetzte. Mit diesem Gesetz wurde nicht nur ein Instrumentarium zur Einflussnahme auf das private Schulwesen in Polen geschaffen, sondern es stellte auch ein wirksames Mittel des politischen Drucks auf  Schulen dar.

Die Schließung von Privatschulen oder der Abbau von staatlichen Leistungen zugunsten des Schulwesens der deutschen Minderheit, die die gesetzlichen Auflagen nicht mehr erfüllten, führte zur Entwicklung des Hausunterrichts  durch sog. „Wanderlehrer“, den der Deutsche Schulverein federführend organisierte. Mit diesen Lehrern arbeiteten Vertrauensleute der Deutschen Vereinigung zusammen, die die Kinder in dem den Lehrern zugewiesenen Gebieten registrierten, für die Mobilität der Lehrer sorgten und deren Unterkunft und Verpflegung organisierten. Dieses spezielle Bildungsangebot umfasste bspw. im Netze-Gebiet neun Kreise, 265 Ortschaften und 1800 Kinder und im Posener Gebiet 13 Kreise, 245 Orte und 2500 Kinder. Trotz der Teils sehr empfindlichen Geld- und Freiheitsstrafen, die den von der polnischen Schulverwaltung nicht aner-kannten „Wanderlehrer“ (die keine staatliche Unterrichtserlaubnis hatten) drohten, entwickelte sich diese Bewegung aus Sicht des Deutschen Schulvereins positiv. Nach Angaben der polnischen Polizei waren im Jahr 1935 in Großpolen und Pommerellen insgesamt 52 Wanderlehrer tätig.

Im Schuljahr 1937/38 umfasste das Schulwesen für die deutsche Minderheit in der Wojewodschaft Posen und in Pommerellen 191 Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache  (darunter 98 Privatschulen) mit nahezu 13000 Schülern, 130 Schulen mit Parallelabteilungen mit Deutsch als Unterrichtssprache sowie 15 öffentliche Schulen, die zusätzlich Deutsch als Unterrichtsfach anboten.  Das höhere deutsche Schulwesen in diesem Gebiet bestand aus 5 Gymnasien ( davon vier in privater Trägerschaft ) und 4 Lyzeen, die von insgesamt 950 Schülern besucht wurden.

Bis 1939 wurde das Privatschulwesen der deutschen Minderheit in Polen durch die Deutsche Stiftung subventioniert.

 

Lit..:

  • Braun, Karl : Das deutsche Schulwesen in Polen, Langensalza 1922
  • Dobbermann, Paul : Die deutsche Schule im ehemals preußischen Teilgebiet Polens.Posen 1925
  • Eser, Ingo : Das private Schulwesen der deutschen Minderheit in den polnischen Wojewodschaften Posen und Pommerellen 1919 – 1939. Marburg 1995 ( Magisterarbeit)
  • Mauersberg, Stanisław : Das deutsche Schulwesen im unabhängigen Polen 1919-1939. In : Nordost-Archiv N.F. 1(1992 ) S. 487-500
  • Eser, Ingo : „Volk, Staat, Gott“. Die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen 1918-1939. Wiesbaden 2008

 

 

 

Schulzendörfer

Siedlungsform, die während der zweiten Ein-wanderungswelle von Deutschen im 16. und 17. Jahrhundert, im Netzegebiet entstand. In Brandenburg und Pommern verschlechterte sich im 16. Jahrhundert die wirtschaftliche und soziale Lage der bäuerlichen Bevölkerung zunehmend. Zur gleichen Zeit waren polnische Grundbesitzer an der Kultivierung von Ödland und Waldgebieten interessiert.  Ein Siedlungsunternehmer (Lokator) trat an einen Grundherrn heran und bot ihm an, eine bestimmte Anzahl von Personen zu werben, um mit ihnen ein Dorf zu gründen. Zahlreiche Vergünstigungen ( u.a. Befreiung vom Frondienst ) und die Zuteilung von einer Hufe (30 preußische Morgen) Land waren auslösendes Moment für  zahlreiche Dorfgründungen in den Kreisen Filehne, Czarnikau, Wirsitz und Schubin. Wenn auch die Ansiedelungen nach dem Vorbild des Mittelalters geschahen, so waren doch die Freiheiten bei weitem nicht so großzügig bemessen wie damals. Schönlanke wurde als erstes Schulzendorf in der späteren Provinz Posen gegründet. Das Bürgermeisteramt (Schulze) wurde dem Siedlungs-unternehmer mit der niederen Gerichtsbarkeit übertragen. Darüber hinaus erhielt er Landbesitz und gewisse Zuwendungen und Rechte (bspw. Brau – und Fischereirecht) für sein unter-nehmerisches Risiko.  Dafür trug er dem Grundherrn gegenüber die alleinige Verantwortung für die Einhaltung des Siedlungsvertrages und für die Ablieferung der Bar – und Naturalabgaben. Ursprünglich war das Schulzenamt erblich, später wurde es verkäuflich.

Vielfach trugen die Dörfer den Namen des ersten Schulzen, wie bspw. Jankendorf (poln.:Sokołńow Budzyńskie/(Kreis Kolmar) oder Gramsdorf (poln.: Bukowiec) /(Kreis Obornik)

Für die Schulzendörfer waren das Straßen – und das Angerdorf typisch. Sie wurden häufig an der Stelle mittelalterlicher Dörfer angelegt, die in der Wüstungsperiode zerstört wurden.

 

Schwabensiedlungen

 

Lit.:

  • Weise, Erich: Die Schwabensiedlungen im Posener Kammerdepartment 1799-1804. Würzburg 1961
  • Heike, Otto: 150 Jahre Schwabensiedlungen in Polen 1795-1945 Leverkusen 1991

 

 

Schwarzenau  (poln. : Czerniejewo) Kreis Witkowo

.Am Fluss Wreschnitza (Wrześnica) gelegen, ist ursprünglich als Stapelplatz für den Handel vorwiegend mit den Pelzjägern Russlands gegründet worden. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1284. Wann genau die Siedlung Stadtrecht verliehen erhielt, ist nicht zu ermitteln, da die entsprechenden Dokumente und Urkunden verloren gegangen sind. Die Stadterhebung erfolgte zwischen 1386 und 139o nach Magdeburger Recht. Im 15. und 16, Jahrhundert warben polnische Grundbesitzer deutsche Bauern aus Brandenburg und Pommern, um den Ort zu bevölkern.

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts war eine zweite Einwanderungswelle zu verzeichnen, die für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes entscheidend war.

Etwa 1780 ließ General Jan Lipski – Eigentümer des Ortes – hier einen Palast errichten.

Bei der zweiten Teilung Polens fiel S. 1793 an Preußen.

 

Lit. :

  • Studia z dziejów Czerniejewa i okolice. Z tradycji walk narodow –wyzwoleńczych 1794-1945. red. Bogusława Polaka. Czerniejewo- Poznań 1982

 

 

Schwedisch-Polnischer Krieg

Als nach der Konversion und dem Thronverzicht von Königin Christina von Schweden Karl X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken (reg. 1654-1660) die Krone übernahm und Johann Casimir von Polen als Wass-Sproß dessen Königtum nicht anerkannte, kam es zum Krieg zwischen Schweden und Polen.1655 gelang es den Schwden, Warschau und Krakau zu erobern und Johann Casimir zur Flucht nach Oberschlesien zu zwingen.

Brandenburg, seit dem Königsberger Vertrag vom 17. Jan. 1656 Schwedens Verbündeter, erhielt für militärische Hilfe im Marienburger Vertrag (25.Juni 1656) vier polnische Palatinate (u.a. Posen und Kalisch), siegte zusammen mit Schweden über die Polen in der Schlacht von Warschau (28.bis 30.Juli 1656) und erhielt von Schweden die Souveränität  über Preußen.

Im Vertrag von Wehlau (19. Septemnber 1657) schloss Brandenburg jedoch Frieden mit Polen unter Anerkennung seiner Souveränität über Preußen und Übertragung von Lauenburg und Bütow als polnischem Lehen.

 

 

Schwenten  (poln.: Swietno)  Kreis Bomst

Über die Gründung von Schwenten als Ort / Siedlung liegen keine Urkunden vor. Nach Überlieferungen soll im Jahre 1680 im Wald der polnischen Gräfin Bielinsky eine Rodung geschlagen worden sein, worauf  man ein Haus zur Unterbringung Pestkranker errichtete Dieser Ort galt als heilig und wurde daher polnisch “ Swietno “ genannt, woraus sich später der Name Schwenten entwickelte.

1793 wurde Schwenten preußisch. 1797 verkauften die Bielinskys ihren Grundbesitz an den Prinzen von Oranien, den späteren König Wilhelm I der Niederlande (1772-1843). 1881 starb der letzte Besitzer des Gutes und daher wurde es dem preußischen Staat zum Kauf angeboten, der aber nach den damaligen Gesetzen nur Ödland ankaufen durfte. Die Firma Jaffe aus Bromberg kaufte den umfangreichen Grundbesitz, den sie forstwirtschaftlich nutzte. Am 30.Januar 1945 besetzten russische Truppen den Ort.

 

Lit. :

  • Fimmel, Gustav : Schwenten und seine Geschichte. In : Jahrbuch Weichsel – Warthe 36 ( 1990 ) S. 92 – 96
  • Ratajczak, J. : Świętno. In : Zeszyt wielkopolska 9 ( 1969 ) S. 99 – 104

 

 

Schwerin  (poln. :Skwierzyna )  Kreis Schwerin

Der Name der Stadt lässt sich von dem slawischen Wort „Zwer“ = Tier ableiten und lässt auf ein wildreiches Gebiet schliessen.

Sie war auf einer flachen Sanddüne am linken Wartheufer angelegt worden.

Die ersten sicheren Nachrichten über die Siedlung stammen aus dem kirchlichen Raum- schon 1226 wurde in S. ein Gotteshaus benannt. Dies deutet darauf hin, dass sich zu diesem Zeitpunkt schon ein funktionierendes Gemeinwesen entwickelt hatte.

Das bereits in vorchristlicher Zeit besiedelte Gebiet kam 1234 unter schlesische Herrschaft. Zur Stadt erhoben wurde das Fischerdorf 1295 unter der Herrschaft des polnischen Königs Przemysł II (1257-1296). Die Anlage der Stadt erfolgte sehr wahrscheinlich zum Schutz von Warentransporten vor Überfällen, die über die durch Schwerin führende Fernhandelsstrassen von Stettin über Posen nach Krakau führte. Dank eben dieser Lage am Schnittpunkt von zwei mittelalterlichen Handels-straßen entwickelte sich die Stadt rasch.

Die Besiedelung des Ortes an der Obramündung wurde von den Zisterziensermönchen des Klosters Paradies (30 Kilometer südlich gelegen) betrieben.

Der Name der Stadt, die sich an der Warthe unweit der Obramündung befindet, leitet sich  vom polnischen „Skwierzyna “ (Wildpark) ab.

Erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1312 findet die Stadt Erwähnung, die die Schlichtung eines Streites zwischen Schwerin und dem benachbarten Kloster Blesen dokumentiert. Schwerin gehörte unmittelbar nach seiner Gründung dem polnischen König, bevor sie nach verschiedenen Grenzkämpfen unterschiedlichen schlesischen Herzögen und ab 1309 dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg unter-stand. Ab 1343 (Frieden von Kalisch) befand sie sich wieder in polnischem Besitz, in dem sie bis 1793 ( der preußischen Inbesitznahme ) blieb.

Eine starke Aufwertung erhielt die Stadt im Jahr 1390, als König Wladyslaw Jagiello (1348-1434) mit den pommerschen Herzögen einen Vertrag über eine Handelsstraße von Stettin über Schwerin nach Posen und Krakau abschloss – eine wesentliche Förderung des bedeutsamen  Durchgangshandels von der Ostsee nach Innerpolen.

Nach einer durch einen Brand im Jahre 1400 verursachten totalen Zerstörung erneuerte der polnische König Władyslaw Jagiello (1348-1434) 1406 die der Stadt bei ihrer Gründung verliehenen Rechte und Privilegien und darüber hinaus verlieh er S. Magdeburger Stadtrecht.

Im Kriege zwischen Sigismund I  (1467-1548) und dem Hochmeister Albrecht von Brandenburg (1490-1586) wurde S. von deutschen Hilfstruppen Albrechts geplündert und zum Teil niedergebrannt.

Bald nach dem Reichstag zu Wilna (1563), welcher den Protestanten gleiche Rechte wie den Katholiken gewährte, trat in S. der Probst  mit der gesamten Gemeinde zur Lutherischen Lehre über. Erst während der Gegenreformation  wurden sie zwangsweise wieder rekatholisiert. So wurde der protestantischen  Gemeinde 1604 ihre Kirche abgenommen und den Katholiken übergeben. (Der Kreis Schwerin gehörte bis 1945 zu den Hochburgen der deutschen Katholiken im Posener Land).

In ihrer Geschichte brannte Schwerin viermal vollständig und dreimal teilweise ab, insbesondere als Folge der militärischen Auseinandersetzungen während des schwedisch-polnischen, des Siebenjährigen, des russisch-polnischen und des napoleonischen Krieges.

So brachte das Jahr 1712 der Stadt, nachdem die Pest unter den Bewohnern gehaust hatte, wieder viel Unglück. Die polnische Armee besetzte am 18. Juni die Stadt, die sie brandschatzten. Russische Truppen plünderten S. vierzehn Tage lang.

Am 25. Januar 1793 (2.Teilung Polens) besetzten preußische Truppen die Stadt.

1812 bezogen französische Truppen in der Stadt Quartier. Durch den „Wiener Kongreß“ erhielt Preußen u.a. S. zugesprochen. Die Stadt wurde mit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 in den Kreis Birnbaum eingegliedert.

Die Stadt suchte 1821 ein verheerender Brand heim. Der Bau der Posen –  Berliner Chaussee 1833 brachte der Stadt eine Schnellpostverbindung und infolgedessen einen regen Handelsverkehr. 1887 wurde Schwerin zur Kreisstadt des gleich-namigen neuen selbständigen Kreises erhoben.  1910 wurde S. an die Bahnlinie Landsberg-Birnbaum angeschlossen und damit die Voraussetzungen geschaffen, dass sich Industrie entwickeln konnte. So entstand ein regionales Zentrum für Holzverarbeitung und Textilherstellung.

Schweren Schaden fügte die Grenzziehung 1920 dem wirtschaftlichen Leben der Stadt zu, da die Bahnlinie in das nunmehr polnische Birnbaum dadurch zerschnitten wurde; dies galt auch für die Wartheschifffahrt. 1922 verwaltungsmäßig der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet, wurde S. nach der Auflösung dieser Provinz 1938 dem Regierungsbezirk Frankfurt/ Oder zugeordnet. 1910 zählte die Stadt insgesamt 6713 Einwohner.

 

In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1945 erging an die Bewohner Schwerins der Befehl zur Evakuierung. Etwa 50 % der Stadt wurde nach der Besetzung durch die Rote Armee durch Brandstiftung zu 70%  zerstört.

Vor dem 2. Weltkrieg (1939) lebten in der Stadt 8900 Menschen, heute sind es 10.500.

Schwerin unterhält eine Städtepartnerschaft mit dem brandenburgischen Bernau.

 

Lit. :

  • Koerth, Eduard : Aus der Chronik der Stadt Schwerin a.W. Schneidemühl 1925
  • Kirmiel, Andrzej : Skwierzyna – miasta pogranicza. Historia miasta do 1945 roku. Bydgoszcz 2004
  • Tscheuschner, Oskar : Heimatkunde des Kreises Schwerin (Warthe ), Schwerin 1929
  • Thome, Benno : Schwerin ( Warthe ) 1793 – 1945. Wirtschafts- -, Kultur – und Sozialgeschichte einer ostdeutschen Kleinstadt, Kiel 1963
  • Klemt, Erich ( Hrsg. ) : Kreis Schwerin / Warthe. Ein Heimatbuch, Witten 1975
  • Szatecki, H. : Urkundliches zur Geschichte der Stadt Schwerin a.W. Schwerin a.W. 1883

 

Schwersenz  (poln. Swarzẹdz ) Kreis Posen Ost

Schon im 14. Jahrhundert ist urkundlich ein Dorf „Swanrancz“ belegt. Gehörte diese kleine Ansiedlung mit eigener Pfarrkirche zunächst der Familie Gorka, wechselte dieser Besitz später an die Familie Czarnkowski.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war der Kalischer Woiwode Sigismund von Grudzinski Grundherr. Um das Dorf zu entwickeln und neue Bewohner zu gewinnen, wandte er sich an die in der nahe gelegenen Stadt Posen wohnenden Juden, die trotz des erheblichen Zuwachses ihrer Bevölkerung auf das Gebiet des städtischen Ghettos beschränkt waren und unter Wohnungs-mangel litten. Für den 1590 ausgebrochenen Brand in der Stadt Posen machte man die Juden verantwortlich, die man der Stadt verwies. Mit dem Ältesten der jüdischen Gemeinde schloss der Grundherr am 03. Juni 1621 einen Vertrag, in dem er den Posener Juden zusicherte, so viele in seiner Gemeinde anzusiedeln, die dies wünschten. Gleichzeitig verpflichtete sich Grudzinski zum Bau von Wohnhäusern, die er an die zugezogenen Familien vermietete. Auch für den Bau einer Synagoge überließ er der jüdischen Gemeinde ein Grundstück sowie die hierfür erforderlichen Baumaterialien kostenfrei. So entwickelte sich neben dem Dorf eine neue Stadt mit einer nahezu ausschließlichen jüdischen Wohnbevölkerung. Diese Neustadt hieß zwar ursprünglich Grzymalowo, die aber rasch den Namen  Schwersenz  übernahm.

In zahlreichen Flugblättern warben der polnische König Wladislaw IV (1632-1648) und seine Magnaten (darunter auch Sigismund von Grudzinski) deutsche Protestanten zur Ansiedlung in Polen an, die in Deutschland wegen ihres Glaubens diskriminiert bzw. verfolgt wurden. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts siedelten sich daher zahlreiche, insbesondere schlesische, Glaubensflüchtlinge in der neuen , neben dem Dorf Swanrancz gelegenen Stadt an, für die der Grundherr am 28. August 1638 ein 33 Punkte umfassendes Privileg ausstellte, das gleichzeitig den rechtlichen Status als Stadt begründete.

Polnische, russische und schwedische Truppen brandschatzten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Schwersenz mehrmals und Einquartierungen sowie Kriegskontributionen beschleunigten die wirtschaftliche Zerrüttung der Stadt. Pestepidemien in den Jahren 1709/1710 dezimierten die Einwohnerzahl der Stadt erheblich.

Stadt und Herrschaft Schwersenz kaufte der Posener Kaufmann und Bankier, Johannes Klug, 1791. 1793 wurde S. preußisch und wechselte in demselben Jahr in den Besitz der adligen Familie der Bojanowskis über.

Zwischen 1941 und 1943 gab es in S. ein Arbeitslager für Juden.

Heute hat die Stadt über 13.000 Einwohner und einer der größten Möbelproduzierenden Betriebe Polens hat seinen Sitz in S.

Städtepartnerschaft : Ronnenberg.

 

Lit. :

 

  • Białek, W. : Swarzędz 1638-1988. Swarzędz 1988
  • Nawrocki, Stanisław ( red. ) : Dzieje Swarzędza, Poznań 1988
  • Swarzędz : 350 lat miasta. 1638 – 1988, Swarzędz

 

 

 

Schwetzkau  (poln. Święcichowa) – Kreis Lissa

Przemyslaw I (1220-1257) gestattete 1257 dem Abt der Benediktinerabtei, Jakob von Lubin, Schlesier anzuwerben und auf seiner Grundherrschaft anzusiedeln. Eine der Siedlungen – Svecechov, das spätere S- wurde dabei als Stadt angelegt. Urkundlich wird diese Siedlung als Zollstätte und als Eigentum der Abtei in einer von dem Herzog Noleslav am 22. Februar 1258 in Posen ausgestellten Urkunde erstmals erwähnt.

Die Handelsstraße Glogau – Schrimm wurde in Schwetzkau von einer aus Posen kommenden Straße, die einen wichtigen Handelsweg nach Breslau darstellte, geschnitten.

Aufgrund der handelspolitischen Bedeutung des Ortes gestattete Herzog Przemyslaw II (1257-1296) am 17. Mai 1277 den Ort nach deutschem Recht zu besiedeln.

König Kazimierz III (1310-1370) eroberte das Fraustädter Land während eines mehrjährigen Krieges gegen Schlesien, wobei u.a. S. vollständig niedergebrannt  wurde. 1345 wurde das Frau-städter Land mit Polen vereinigt.

Bei den Wirren nach Ludwigs Tod (1382) versuchte Heinrich VII von Glogau das Fraustädter Land zurück zu erobern. S. wurde während der darauf folgenden militärischen Auseinandersetzungen mehrmals geplündert und erheblich zerstört.

Nach einem militärischen Überfall 1448 wurde die Stadt geplündert. Nach einem verheerenden Brand 1549 erhielt S. Steuernachlass gewährt, um so den Wiederaufbau der Stadt zu unterstützen.

Das religiöse Leben im Fraustädter Land wurde von Schlesien her bestimmt. Von dort drang die Reformation nach S. vor und fand 1552  Eingang in der Stadt.

 

Die Durchführung des Restitutionsediktes von Kaiser Ferdinand II (1578-1637) vom 06. März 1629 hatte erhebliche Auswirkungen auf die an Schlesien angrenzenden Gebiete Polens.

Der Übertritt zum katholischen Glauben wurde den evangelischen Schlesiern freigestellt, wer sich dem aber  widersetzte, musste binnen drei Jahren auswandern. Als Aufnahmeland bot sich  Polen an, dessen König Wladyslaw IV (1595-1648)  im Juli 1635 den österreichischen Kaiser um Schonung für die Protestanten bat und warb mit Religionsfreiheit Siedler an.

1642 nahmen schwedische Truppen die Stadt ein. Während des Nordischen Krieges rückte am 09. Februar 1706 der schwedische General Rhenskjöld mit 12.300 Mann in S. ein.  Ein Jahr später zerstörten russische Truppen die Stadt.

Im Verlauf des Bürgerkrieges / Konföderation von Tarnograd) hielten sich 1727 plündernde Truppen in der Stadt auf. Mit der Übernahme Schwetzkaus in den preußischen Staatsverband 1793 verlor die Lubiner Abtei ihre grundherrschaftlichen Rechte bei der Wahl und Bestätigung der Mitglieder des Magistrates. 1793 preußisch. Die Indaganda wies einen erbärmlichen Zustand der Stadt aus, die nur 1199 Einwohner hatte.

In den Jahren 1780 und 1876 zerstörten Brände die Stadt nahezu vollkommen.

Am 17. Januar 1920 wurde die Stadt der polnischen Verwaltung übergeben.

1934 verlor der Ort sein Stadtrecht.

Die Gemeinde unterhält eine Partnerschaft mit Großhabersdorf. (Bayern)

 

Lit :

  • Schulz, Johannes : Zur Geschichte von Schwetzkau – einer Klosterstadt im Fraustädter Land, Köln/Wien 1971 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte, 7 )
  • Beiffert, Karl : Schwetzkau. Geschichte einer kleinen Stadt im Osten,Poznan 1931.

 

 

Smoguletz (pon.: Smogulec) Kreis Wongrwitz

1338 durch Kasimir d. Grossen (1333-1370) gegründet.

Stadt, zum Dorf herabgestuft.

 

Städtepartnerschaften

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg haben Partnerschaftsbeziehungen deutscher  Städte zu ausländischen Kommunen einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit geleistet. Die kommunalen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen entwickelten sich nach 1945 nur langsam. Nicht allein die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen politischen Systemen und die in den ersten Nach-kriegsjahren forcierte Westintegration der Bundesrepublik, sondern auch die Frage der Nichtanerkennung der Oder – Neisse – Grenze sowie die zunehmende mentale und emotionale Distanz bei großen Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung gegenüber Osteuropa ließen die Aufnahme von Kontakten zu Polen nicht als vordringlich erscheinen. Die ersten westdeutsch- polnischen Städtepartnerschaften entstanden vorwiegend aufgrund privater Initiativen. Politisch möglich wurden Städtepartnerschaften jedoch erst nach dem Abschluss des sog. „ Warschauer Vertrages“ vom 07. Dezember 1970. 1976 wurde der erste bundesdeutsch–polnische Partner-schaftsvertrag zwischen Bremen und Danzig abgeschlossen.

Mit der Wende 1989 / 1990 und der damit verbundenen Transformation des politischen und ökonomischen Systems der vormals sozialistischen Länder eröffneten sich auch auf kommunaler Ebene vielerlei Möglichkeiten der Kooperation.

Der am 17. Juni  1991 zwischen den beiden Staaten geschlossene „Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammen-arbeit“ eröffnete den Kommunen erweiterte Möglichkeiten der Kooperation.

Die aus Partnerschaftsbeziehungen, die in der Regel vertraglich vereinbart sind, erwachsenden Begegnungen zwischen den Bürgern ist ein Weg Verständigung zu fördern und Verständnis füreinander zu wecken. Städtepartnerschaften haben geholfen, den europäischen Gedanken in breiteren Bevölkerungsschichten zu vertiefen.

Die kommunale Zusammenarbeit im Rahmen von Städtepartnerschaften erstreckt sich u.a. auf :

– den Kulturaustausch

– den Jugend – und Schüleraustausch

– Sportbegegnungen

  • Expertentreffen / Erfahrungsaustausch zu kommunalen Themen
  • Kooperation im Bereich des Umweltschutzes

Verschiedene bundesdeutsche Gemeinden unterhalten partnerschaftliche Beziehungen zu polnischen Kommunen der ehemaligen preußischen Provinz Posen. Es sind dies (Stand Juni  2002) :

  • Adendorf ( Nds. ) – Wągrowiec
  • Allendorf (Lumda) -Golancz
  • Alzey – Kosćian
  • Amelinghausen ( Nds. ) – Wapno
  • Amt Pütz ( Brandenburg ) – Zbąsynek
  • Amt Breskow- Finkenherd ( Brandenburg) -Zbąszyń
  • Assendorf (Niedersachsen) – Trzciel
  • Emleben (Thüringen)- Zduny
  • Engelskirchen (NRW)- Mogilno
  • Erkner (Brandenburg) – Goluchőw
  • Bad Freienwalde – Meseritz
  • Bad Oeynhausen – Inowrocław
  • Bad Tennstedt (Thüringen ) – Kozmin
  • Bardowick / Niedersachsen – Skoki
  • Belhagen (Rh.-Pfalz) – Kozmin
  • Bergen (Nds) – Srėm
  • Bernau – Skwierzyna (Schwerin / Warthe)
  • Bestensee (Brandenburg ) – Przement
  • Bischofsheim (Hessen) – Dzierzoniow
  • Biesenthal ( Brandenburg ) – Nowy Tomysl
  • Bleckede ( Niedersachsen) – Kostrzyn
  • Bredstedt (Schleswig-Holstein) – Krzyz (Wlk.)
  • Charlottenburg – Wilmersdorf – Miedzyrzecz
  • Dahme – Spreewald ( Landkreis ) – Powiat Wolsztyn
  • Dahlenburg ( Nds.) – Damasławek
  • Delligsen ( NdS) – Grodzisk Wielkopolska
  • Dierdorf (Rhl.-Pfalz) – Krotoszyn
  • Dresden- Gostyn
  • Eilenburg (Sachsen) – Rawicz
  • Elbe – Elster (Landkreis ) – Powiat Naklo
  • Emlichheim ( NRW ) – Grabow
  • Falkenberg ( Märkischer Oderkreis ) – Trzciel
  • Flotwedel – Rakoniewice
  • Fronreute ( Ba. – Wü. ) – Tarnowo Podgórne
  • Gadebusch – Czarnikau
  • Garbsen – Wrzesnia
  • Goch (NRW ) – Nowy Tomysl
  • Groshabersdorf ( Bayern) – Święciechowa
  • Groß – Gerau ( Hessen ) – Szamotuły
  • Hannover – Poznan
  • Haren/ Ems – Miedzyrzecz
  • Hemmingen ( Niedersachsen ) – Murowana Goslina
  • Heringen/Werra (Hessen) – Odolanow
  • Ihlow (Nds) – Baranőw
  • Jatznik ( Krs. Pasewalk-Strausberg) – Kargowa
  • Karlstadt ( Bayern) – Śmiegiel
  • Königslutter ( Nds.) – Opalenica
  • Königstein ( Hessen ) – Kornik
  • Krakow am See – Ujście
  • Kyritz Brandenburg) – Wolsztyn
  • Letschin (Oderbruch ) – Pszczew
  • Lübben / Spreewald – Wolsztyn
  • Lübbenau und Oer – Erkenschwick – Pniewy
  • Lüchow-Danneberg (Landkreis) – Oborniki
  • Lüneburg ( Landkreis ) – Wagrowiec
  • Mannheim – Bydgoszcz
  • Marktheidenfeld (Bayern) – Pobiedziska
  • Mettmann ( NRW ) – Znin
  • Nambuhren ( Niedersachsen ) – Buk
  • Netzen ( Brandenburg ) – Rydzyna
  • Neunkirchen (Saar) – Wolsztyn
  • Neuruppin ( Brandenburg ) – Babimost
  • Norden – Czempin
  • Nordhausen – Ostrów Wlkp.
  • Nottuln ( NRW ) – Chodziez
  • Pasewalk (Meckl.-Vorpommern) – Zbaszyn
  • Plön ( Schleswig – Holstein) – Schillen
  • Podelzig (Brandenburg) – Bledzew (Blesen)
  • Potsdam – Mittelmark ( Landkreis ) – Powiat Nowy Tomysl
  • Ronneberg ( Thüringen ) – Swarzedz
  • Rosche ( Niedersachsen ) – Kletzko
  • Rudersdorf – Lubon
  • Rüdersdorf b.Berlin -Lubon
  • Samtgemeinde Ilmenau ( Nds.) – Golancz
  • Scharnebeck ( Nds) – Miescisko
  • Schlüchtern – Jarocin
  • Schönberg – Sierakow
  • Schulzendorf (Brandenburg) – Kargowa (Unruhstadt)
  • Schwalm-Eder – Kreis ( Hess) – Powiat Piła
  • Schwerin – Piła
  • Seelow ( Brandenburg ) – Miedzychod
  • Seelze ( Nds) – Mosina
  • Spangenberg ( Hessen ) – Pleszew
  • Speyer – Gniezno
  • Steinach (Thüringen) – Gostyń
  • Stuhr – Schildberg / Ostrzesow
  • Suhl – Leszno
  • Unterallgäu (Landkreis) – Gostyń
  • Nottuln / NRW – Chodziez
  • Vestenbergsgreuth ( Bayern ) – Nowe Miasto nad Warta
  • Weinstadt (b. Stuttgart ) – Miedzychod
  • Wernshausen ( Thüringen ) – Koscian
  • Wiehl – Rogozna
  • Wienhausen (Samtgemeinde Flotwedel / NdS ) – Rakoniewice
  • Wilhelmshaven – Bydgoszcz
  • Wustrow (Mecklenburg-Vorpommern — Rogozna
  • Zahna (Sachsen-Amhalt) – Steszew

 

Lit. :

  • Stadtverwaltung Speyer ( Hrsg. ) : Gniezno – Geschichte und Gegenwart. Speyer 1997 ( = Schriftenreihe der Stadt Speyer, 8 )

 

 

Starost

Lokale Beamte, die als königliche Statthalter die herrschaftliche Gerichtsbarkeit innehatten. Der S. war eine Vertrauensperson des Monarchen, die von dem König eingesetzt wurde, ihn vertrat und in seinem Namen herrschaftliche Funktionen ausübte.

Dem Starosten oblag die polizeiliche, judikative und wirtschaftliche Verwaltung eines Gebiets des königlichen Besitzes.

1316 wurde in Großpolen dieses neue Amt der Territorialverwaltung eingeführt.

 

 

Statthalter der Provinz Posen

Ihnen oblagen in erster Linie Repräsen-tationspflichten, entschieden aber bei den die Provinz betreffenden Angelegenheiten mit.

 

 

Stenschewo  (poln.: Stęszew)  Kreis Posen West

Stadt 22 km südwestlich von Posen. Umgeben von  8 Seen war die Stadt ein bevorzugtes Ausflugsziel der Posener Bevölkerung.

Im sog. „Kleinen Nordischen Krieg“ (1655-1660) brannten die Schweden die Stadt nieder. 1704 – während des „Großen Nordischen Krieges“ brannte die Stadt erneut nieder und 1709 wütete auch hier die Pest.

1799 wurde die hoch verschuldete Herrschaft S. an den damals im Exil befindlichen niederländischen Erbprinzen Willem von Oranien (1772-1843), den Schwager des preußischen Königs, verkauft.

 

Stenschewoer Seengruppe

Diese Seengruppe erstreckt sich im Südostwinkel der Westposener Hochfläche, die im Osten vom Warthedurchbruchstal und im Süden vom Obra-urstromtal begrenzt wird.

Bestehend aus dem Tomicer-, Podgayer-, Großdorfer-, Dembnoer-, Bochenek-, Lipno-, Skrzynka-, Kessel- und Budzyner-See.

Die Seen sind größtenteils abflusslos, nur der Tomicer-, der Podgyer- und der  Großdorfer –See entwässern  in die benachbarte Dematschewoer Seenrinne und der Budzyner- See fliesst in die Moschiner Obra ab.

Der Tomicer-See hat eine Flächenausdehnung von 68 Hektar, der Großdorfer See ist 35 Hektar groß, der Podgayer See umfasst ein Areal von 27 Hektar.

Der Dembnoer-, der Bochenek- und der Lipno-See  liegen im Nordosten von Stenschewo in einer abflusslosen Rinne.

Der Dembnoer See hat eine Größe von 25 Hektar und eine Tiefe von fast 11 m. Der neben ihm liegende Bochenek-See ist durch Verlandung vom Dembnoer –See getrennt worden (Grösse: 4,5 Hektar)

Der Lipno-See hat eine Größe von 9 Hektar und der Skrzynsee umfasst ein Areal von 3 Hektar, wobei er durch Verlandung seines Westteils einen großen Teil seiner Fläche verloren hat.

4,8 Hektar ist der Kesselsee groß und der Budzyner-See 19 Hektar.

Der Gurka-See gilt als einer der schönsten Seen und ist daher ein beliebtes Ausflugsziel( Fläche von 106 ha).


Stiftung Kulturwerk Wartheland

Von der Landsmannschaft Weichsel – Warthe wurde 1972 die Dr. Kurt Lück-Stiftung als eingetragener Verein gegründet, um in den Genuss der Zuwendungen aus der Westvermögens- Zuführungsverordnung  (WZVO) vom 24. August 1974 zu gelangen.

Da aber die hier für die Pflege der ostdeutschen Kultur zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nur an Stiftungen, nicht aber an BGB-Vereine, ausgezahlt werden durften, errichtete die Lück-Stiftung am 02. Mai 1974 im Einvernehmen mit der Landsmannschaft die „Stiftung Kulturwerk Wartheland“ mit Sitz in Hannover. Vom zuständigen Regierungspräsidenten wurde sie am 17.März 1975 als rechtsfähige Stiftung des Bürgerlichen Rechts anerkannt.

Am 24. August 1974 wurde die Stiftung als zuständige territoriale Einrichtung in der an diesem Tage erlassenen „Westvermögens- Zuführungs-verordnung“ (WVZO) aufgeführt.

Laut der WVZO ist die Stiftung Kulturwerk Wartheland der Stiftung Nordostdeutsches Kulturwerk (NOKW) mit Sitz in Lüneburg  angeschlossen.

Dem NOKW stehen Finanzmittel zur Verfügung, bei denen es sich um Erträge von in Westdeutschland bis 1945 angelegten Vermögenswerten deutscher Kreditinstitute mit Sitz in den deutschen Ostgebieten bzw.die vor dem 09. Mai 1945 ihren Sitz in der 2. Polnischen Republik hatten. In der WVZO ist festgelegt, dass ein Teil der Liquidationserlöse dieser Vermögenswerte bzw. deren Zinsen für  die Pflege der ostdeutschen Kultur verwandt und den entsprechenden Stiftungen zugeführt werden sollen.

Gemäß ihrem Stiftungsauftrag will die Stiftung Kulturwerk Wartheland das „ heimatliche Kulturgut pflegen sowie weiterentwickeln und im Sinne einer europäischen Völkerverständigung die deutsch-polnischen kulturellen Beziehungen fördern.“

Diese Aufgaben nimmt für die Stiftung Kulturwerk Wartheland ein fünfköpfiger Vorstand wahr, der von der Lück-Stiftung jeweils für fünf Jahre berufen wird. Daneben besteht ein sieben-bis neunköpfiger Stiftungsrat, der von der Landsmannschaft  Weichsel – Warthe für 5 Jahre berufen wird und der die Tätigkeit des Vorstandes zu prüfen hat.

 

Die Ziele der Stiftungssatzung werden durch

– Förderung der wissenschaftlichen Forschung

– die Förderung von Publikationen wissenschaftlicher und schöngeistiger Art

– die Durchführung von Ausstellungen

realisiert.

 

 

Storchnest  ( poln. Osieczna ), Kreis Lissa

Im Mittelalter führte ein Handelsweg am Nordufer des Ɫomiewski-Sees entlang. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts befand sich dieses Gebiet im Besitz von Wojsław Borek, dem 1385 verstorbenen Kastellan von Santok. In seine  Zeit dürfte der Bau der Burg und die Anlage der Stadt fallen (wahrscheinlich um 1370).

Das älteste erhaltene Dokument mit der Erwäh-nung des Ortsnamens stammt aus dem Jahr 1399.

Mit der um 1500 erfolgten Aufteilung des Familienbesitzes begann eine neue Ära der Stadt-geschichte. Lukasz II Gőrka erwarb einen Teil der Ortschaft und der umliegenden Güter. Er überließ sie seinem Sohn Andrzej, dem späteren Generalstarost von Großpolen. Dieser erreichte bei dem polnischen König 1530 die Verleihung des Magdeburger Stadtrechts.

Andrzej Gorka zeigte sich  der neuen protest-antischen Lehre gegenüber aufgeschlossen. In dieser Zeit Zuzug vieler Protestanten aus Schlesien.

Nur wenige Monate waren seit dem 1793 erfolgten Anschluss der Stadt an Preußen vergangen, als ein verheerender Stadtbrand wütete.

1793 hatte die Stadt 834 Einwohner und 1878 bereits 1698 Bewohner.

 

 

 

Storchnester Seengruppe

Die Storchnester Seengruppe besteht aus 13 Seen von mindestens 10 ha Größe, die ausnahmslos hydrographisch zusammenhängen. 12 dieser Seen liegen dicht nebeneinander, während der dreizehnte , der Jeseritzer, der größte und tiefste der ganzen Gruppe , mehrere Kilometer nördlich gelegen ist, ihren gemeinsamen Abfluss aufnimmt und nach Norden zur Obra leitet.

Zu dieser Seengruppe zählen der Große Swierczyner See (84 ha), der Woinowitzer (66 ha), Witoslawer (59 ha) , der Retschker (58 ha), der Launer See (140 ha) , der Grätzer  (17 ha), der Swierczyner (11 ha), der südliche Seehofener (14 ha) , der nördliche Seehofener (24 ha), Kleine Swierczyner (40 ha) und der Gurschnoer See (25 ha).

 

 

Strelno  (poln. Strzelno) Kreis Strelno

Eine Siedlung ist für das 11.Jahrhundert nachgewiesen. 1190 rief Piotr Włostowicz, Prälat und Kastellan von Kruschwitz, Prämon-stratenserinnen nach S. und  übergab ihnen die vorhandene Kanonikerkirche zur Gründung eines Klosters.

Vielleicht 1133 – wie es Jan Długosz (1415-1480) in seiner Chronik angibt- wurde mit der Rotunde eine weitere Kirche errichtet, die heute eines der ältesten romanischen Bauwerke Polens darstellt.

Als Papst Eugen III (1145 – 1153) dem Kloster Tremessen in einer Urkunde des Jahres 1147 seine Besitzungen bestätigte, führte er hierunter auch das Dorf S. auf, dass das Kloster vom damaligen Grundherrn geschenkt erhielt, als der Orden 1133 T. zu seinem Filialsitz wählte. In diese Zeit fiel auch die Gründung eines Prämon-stratenser- Klosters, das einen ausgedehnten Grundbesitz in der Region erwarb. Die Nonnen des Prämonstratenserordens bemühten sich um die Verleihung deutschen Stadtrechtes, das Strelno vor 1356 erhalten haben muss, da in einer königlichen Urkunde aus diesem Jahr S. erstmals als „civitas“ Erwähnung findet. 1193 bestätigte Papst Coelestin III (ca.1106-1198) das gegründete Kloster, dessen Verwaltung unter der Leitung eines Propstes stand.

Im Besitz der Prämonstratenser blieb die Stadt bis zur preußischen Inbesitznahme 1772.

Strelno wurde im Verlauf ihrer Geschichte mehrmals zerstört, am schwersten geschädigt jedoch durch den Brand am 22. Mai 1761. 1788 hatte die Stadt nur noch 835 Einwohner, ein Jahrhundert später (1871) bereits 3315.

Da die preußischen Behörden die Aufnahme von Novizinnen nicht mehr gestatteten und die letzte Nonne in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verstarb, gab der Orden das Kloster auf.

Der klösterliche Besitz wurde Staatsdomäne. Der Nobelpreisträger für Physik, Albert Abraham Michelson (1952-1932), wurde in S. geboren.

Heute weist die Stadt rund 13.000 Einwohner auf. Die Prokop – Kirche (errichtet um 1160) ist eines der wenigen vollständig erhaltenen früh-romanischen Baudenkmäler in Polen

 

 

Lit. :

  • Alexandrowicz, M. : Strzelno i okolice, Strzelno 1979
  • Kapaciński, Ryszard : Historia Miasta Strzelna. Bydgoszcz 2001

 

 

Strykowoer See

Mit einer Flächenausdehnung von 372 Hektar gehört dieser See zu den grössten Seen Westposens. Mit einer Länge von 9 km zählt er mit zu den längsten Seen der Provinz Posen.

 

 

Tal des Todes (Dolina Śmierci)

Das Tal des Todes liegt in Fordon, einem Stadtteil von: BrombergAnfang des Zweiten Weltkrieges wurden im Oktober und November 1939 im Tal des Todes in Fordon Massenhinrichtungen an ca. 5.000 polnischen und jüdischen Einwohnern aus Bromberg und Umgebung durchgeführt. Es handelte sich vor allem um Lehrer, Beamte, Intellektuelle und Priester. Die Hinrichtungen wurden vom Volksdeutschen Volksschutz, der von Ludolf-Hermann von Alvensleben kommandiert wurde, und dem Einsatzkommando 16 der  Gestapo durchgeführt. Die Opfer waren im sogenannten Sonderfahndungsbuch Polen vermerkt.

 

Teilungen Polens

Nach dem Tod des Königs August III von Sachsen – Polen (1696-1763) war in Anwesenheit russischer Truppen 1764 der von Zarin Katharina II ( 1729-1796) protegierte Stanisław Poniatowski zum polnischen König gewählt. Während seiner Regierungszeit kam es zu den Teilungen des polnischen Staates: Im Ergebnis der 1. Teilung Polens am 05. August 1772 erhielt Österreich Ostgalizien und Lodomerien (rund 85.000qkm mit über 2 Mio Einwohnern); Preußen erhielt West-preußen ohne Danzig und Thorn sowie die Diözese Ermland und den ►Netzedistrikt ( rund 35.000 qkm mit 365.000 Einwohnern ). Russland bekam das polnische Livland und Weißrussland zwischen Düna, Dnjepr und Drush, Teile der Woiwodschaften Polozk und Minsk sowie Witebsk und Mstislaw (rund 84.000 qkm  mit 1,3 Mio Einwohnern. Die 1. Teilung Polens hatte das polnische Territorium um 30 %, die Einwohnerzahl um 39 %  dezimiert.

Die 2. Teilung Polens am 23. Januar 1793 brachte Preußen  Danzig und Thorn , ►Posen, Kalisch, ►Gnesen, Dobrzyn, Tschenstochau , ein Stück von Rawa und das halbe Brzesk, insgesamt rund 58.000 qkm ein, die als ►“ Provinz Südpreußen “ organisiert wurden; Russland erhielt die restlichen Teile Litauens, die Ukraine, die Hälfte Wolhyniens, Podolien, Nowogrodek und Brzesk, insgesamt rund 228.000 qkm. Das nicht mehr lebensfähige Polen umfasste nur noch 240.000qkm und 3,4 Mio. Ein-wohner. Einen Aufstand der polnischen Bevölkerung unter Führung von Tadeusz Kościuszko (1746-1814) nahm Katharina II zum Anlass, sich mit Österreich und Preußen über eine vollständige Aufteilung Polens zu verständigen. Nach den Verhandlungen am 03. Januar und 24. Oktober  1795 erhielt Russland das restliche polnische Litauen, den Großteil von Samogitien, das übrige Schwarzrußland, Podlesien und Wolhynien, ein Stück von Cholm, Kurland und Semgallen (146.000 qkm); Österreich bekam Sandomir, Lublin, Radom, Teile der Palatinate Brzesk, Podlachien und Masowien (51.000 qkm mit rund 1 Mio. Einwohnern); Preußen erhielt Teile Masowiens samt Warschau, das Gebiet zwischen Weichsel, Bug und Njemen (Neu – Ostpreußen) sowie ein Stück des Bezirks Krakau (Neu -Schlesien) – (43.000 qkm mit rund 1 Mio Einwohnern).

König Stanisław August Poniatowski (1732-1798) dankte am 25. Nov. 1795 ab und erhielt eine von den Teilungsmächten bewilligte jährliche Apanage von 200.000 Dukaten. Polen war damit von der politischen Landkarte Europas verschwunden.

 

Lit. :

  • Cegielski, Tadeusz : Das alte Reich und die erste Teilung Polens 1768-1774. Stuttgart/Wiesbaden 1988
  • Müller, Michael G. : Die Teilungen Polens 1772, 1793, 1795, München 1984
  • Kaiser, F.B. / Stasiewiski, B. ( Hrsg. ) : Die erste polnische Teilung 1771, Köln / Wien 1972

 

 

Tempelberg

Mit 191 m ist diese südwestlich bei Kolmar gelegene Erhebung eine der höchsten Punkte des nördlichen Großpolen.

 

 

 

Theater

Nachweise für ein Theaterleben in der Stadt Posen gibt es bereits für das Jahr 1599. Da in der damaligen Zeit in Posen ein starkes deutsches Bürgertum vertreten war, wurden Theateraufführungen in deutscher wie in polnischer Sprache gespielt.

Nach der Zweiten Teilung Polens im Jahr 1793 bewarben sich mehrere polnische und deutsche Unternehmer um eine  Theaterkonzession für Posen und die Provinz Südpreußen.

Karl Kasimir Döbbelin, Sohn des bekannten Berliner Theaterleiters Carl Theophiel Döbbelin (1727-1793), erhielt die Konzession.

Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass in Posen am Wilhelmsplatz das erste, für damalige Verhältnisse repräsentative, technisch gut ausgestattete und 1000 Personen fassende Gebäude am 17.Juni 1804 eröffnet wurde.

Ab 1828 übernahm Ernst Vogt (             ) die Leitung des Theaters und bestimmte die Geschicke der Posener Bühne bis zu seinem Tode im Jahre 1852. Neben Opern und Operetten standen anspruchsvolle Stücke auf dem Spielplan. Vogt übernahm erfolgreich erste Versuche, deutsches und polnisches Theater zu vereinen.

Von 1852 bis 1856 leitete Franz Wallner (1810-1876) das Theater.

Einen künstlerischen Gewinn bedeutete es für das Posener Theater, als 1867 der bisher in Breslau, Magdeburg und Frankfurt/Main wirkende Theaterdirektor Friedrich Schwerner (               ) verpflichtet werden konnte. Die zeitgenössischen Kritiker würdigten ihn als „Meister der Inszenierungskunst“.

Das vor 70 Jahren erbaute Theatergebäude war inzwischen so baufällig geworden, dass es geschlossen werden musste. Man wich in die seit Jahren auf dem Königsplatz untergebrachte Sommerbühne aus, schritt aber zugleich zum Bau eines neuen Theatergebäudes anstelle des Abgerissenen.

Der Bau des neuen Theaters war zu einer Prestigefrage für die Deutschen in Posen geworden, denn die Polen hatten in der Zwischenzeit in der Stadt ein eigenes repräsentatives Theater erbaut, das 1975 seine Arbeit aufnahm. Das deutsche Theater, dessen Bau 50.000 Mark kostete, wurde 1879 mit einer Egmont-Aufführung eröffnet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließen die Unzu-länglichkeiten des Gebäudes am Wilhelmsplatz den Gedanken an ein neues Theaterhaus aufkommen. Es wurde der berühmte Baumeister Prof. Max Littmann (1862-1931) nach Posen verpflichtet. Am Königsring wurde ein moderner  Theaterbau errichtet; das neue Haus hatte 1000 Plätze. Es wurde am 30.September mit der „Zauberflöte“ eröffnet.

Die Organisation des deutschen Theaterlebens in Polen nach 1919 knüpfte an die Tradition der deutschen Berufstheater an, die sich in den größeren Städten zur Zeit der Teilung Polens befunden hatten. Im ehemaligen preußischen Teil Polens waren dies u.a. die Theater in Posen und Bromberg.

Drei  Organisationsformen des deutschen Theaters in Polen zu jener Zeit waren zu unterscheiden:

  1. die Laienspiel – Ensembles, die meistens unter der Leitung eines erfahrenen Theater-fachmannes standen
  2. Theater, denen ein bestimmter Bezirk zugeteilt war, in denen reichsdeutsche Ensembles als Wanderbühnen Tourneen unternahmen
  3. Theater, die über ein eigenes Haus und ein Ensemble von Berufsschauspielern verfügten. (so das „Deutsche Theater „ in Bielitz )

 

Die Laienspielbewegung konstituierte sich rasch nach Beendigung des 1. Weltkrieges. Infolge intensiver Förderung durch deutsche Behörden erreichte sie sehr schnell eine erstaunliche Blüte: in den dreißiger Jahren bestanden in den ehemals preußischen Gebieten Polens neun Laienbühnen (die sog. „ Deutschen Bühnen „), die von Vereinen getragen wurden.  Ihr Ziel war es, die verbliebene deutsche Bevölkerung kulturell zu betreuen.

Die beste und größte dieser Laienbühnen war die „Deutsche Bühne Bromberg“, ihr folgten Posen, Thorn und Graudenz. Die Laienbühnen in Konitz (Chojnice), Schwetz (Swiecie) und Wollstein (Wolsztyn) stellten ihre Tätigkeit  in den Jahren zwischen 1925 und 1932 ein. Unterstützt wurde die Arbeit der Laienbühnen durch regelmäßige finanzielle Zuwendungen der ►„ Deutschen Stiftung“. Aber auch Schauspieler und Ensembles aus Deutschland unterstützen mit Gastspielen die Laienbühnen.

Die „ Deutsche Bühne Bromberg“  wurde am 09. September 1920 gegründet. Das „Deutsche Haus“ (Elyseum – Theater mit 510 Sitzplätzen) stand als Spielstätte zur Verfügung. Der Verein „ Deutsche Bühne„ wurde Mitte des Jahres 1922 gegründet  und am 30. Januar 1923 amtlich registriert. Die Zahl der Mitglieder bewegte sich zwischen 160 und 200. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Hans Titze gewählt. Titze, von Beruf Lehrer, war zugleich Theaterdirektor und wirkte auch als Regisseur und Schauspieler mit. 1937 wurde Theodor Danie zum Vorsitzenden des Vereins gewählt, die Theaterdirektion übernahmen W. Damaschke (1892-1957) und A. Sonnenberg.

Die „Deutsche Bühne Bromberg „ debütierte am 11. November 1920. In ihren 19 Spielzeiten brachte sie rund 285 Sprech- und Musikstücke an rund 1500 Abenden zur Aufführung. Dazu kamen noch rund 200 Gastspielfahrten.

Über ihre eigentliche Aufgabe, die deutsche Theaterkunst zu pflegen, hinaus war die Deutsche Bühne in Bromberg auch bemüht, das deutsche Publikum mit polnischen Bühnenwerken bekannt-zumachen. So wurde 1931 eine Kochanowski- Feier veranstaltet, während im darauf folgenden Jahr die Uraufführung eines Theaterstückes des polnischen Schriftstellers Brandowski stattfand.

Durch eine entsprechende Verfügung verbot der Starost in Bromberg am 05. Mai 1939 die Theatervorstellungen und sonstige Veranstaltungen der „ Deutschen Bühne „.

Nach der Besetzung Brombergs im September 1939 hat die „ Deutsche Bühne“ unter Damaschkes und Sonnbergs Leitung ihre kulturelle Tätigkeit wieder aufgenommen und Aufführungen inszeniert. Später wurde sie zum „Kleinen Haus „der Städtischen Bühnen Brombergs“.

Erst im Sommer 1935 entschloss sich die Posener Geschäftsstelle der Deutschen Vereinigung, die Gründung einer deutschen Laienbühne zu unterstützen. Die Leitung der Bühne übernahm Günther Reissert, ein gebürtiger Posener, der mehrere Jahre an anderen deutschen Bühnen in Polen gewirkt hatte. Sein künstlerischer Mitarbeiter wurde Franz Gürtler, Studienrat am Schiller-gymnasium in Posen. Zeitgleich mit dem Aufbau des Ensembles wurde der Verein „Deutsche Bühne Posen“ mit Kurt Lück  (1900 –1942) als Vor-sitzendem gegründet. Das Theater nahm seinen Spielbetrieb am 02. Dezember 1935 auf. In der ersten Spielzeit gab es fünf Inszenierungen mit insgesamt 16 Vorstellungen. Bis 1939 bereitete die Posener Deutsche Bühne insgesamt 28 Inszenierungen vor.

Anknüpfend an die Arbeit der „Deutschen Bühne Posen“ wurde im Mai 1940 die Landesbühne Gau Wartheland als Wanderbühne mit Sitz in Posen gegründet. Die Leitung blieb in den Händen von Günther Reissert. Auffallend war, dass ausländische Werke  – insbesondere nach 1933 – nur selten zur Aufführung kamen und unter den nach 1934 aufgeführten Stücken befand sich kein einziges Werk, das in Deutschland nicht zugelassen war.

 

Lit. :

  • Drewniak, Boguslaw : Deutschsprachiges Theater in Polen zwischen 1933 und 1939, in: Exil. Forschung, Erkenntnis, Ergebnisse.16. Jahrgang S. 59 – 74
  • Klemenz, Hans : Deutsche Bühne Bromberg. In : Jahrbuch Weichsel-Warthe 5 (1959) S.80-85
  • Knudsen, Hans : Deutsches Theater in Posen. Bad Nauheim 1961
  • Kotowski, Wojciech: Teatry Deutsche Bühne w Wielkopolsce i na Pomorze 1919-1939. Warszawa/Poznan 1985

 

 

Thorn – Eberswalder Tal

 

 

Tilsit, Friede von

 

Das in Tilsit  geschlossene Friedensabkommen zwischen Frankreich und Russland ( 07.Juli 1807) und Frankreich und Preußen ( 09. Juli ) , das den 4. Koalitionskrieg ( 1806/07 ) beendete. Zar AlexanderI (1772-1825) sicherte in persönlichen Verhandlungen mit Napoleon (1796-1821) den Fortbestand Preußens, das jedoch fast alle Erwerbungen aus der 2. und 3. Teilung Polens und die Gebiete links der Elbe verlor, die weitgehend zur Bildung des Herzogtums Warschau und des Königreichs Westfalen verwendet wurden.

 

 

 

Tirschtiegel  (poln. :  Trzciel) Kreis Meseritz

Der Name der Stadt ist aus den polnischen Begriffen “ Trzjel “ oder “ Trciel “ abgeleitet und bedeutet  „Rohrstadt „.

Ein Ringwall und weitere Wallanlagen deuten darauf hin,  dass an den Seen in der Umgebung von T. bereits in vorgeschichtlicher Zeit gesiedelt wurde. Der heutige Siedlungskern der Altstadt wird auf eine altslawische Wehrsiedlung zurückgeführt.

Um das Jahr 1000 entstand an einer Furt über die Obra eine Burg, die die hier vorbeiführende Heer –und Handelsstraße schützen und sichern sollte. Daneben legte man ein Fischerdorf an, aus dem sich dann T. entwickeln sollte.

Nach dem Tod Boleslaw III (1102 bis 1138) erfolgte eine Teilung des polnischen Reiches unter seinen Söhnen. Dabei kam die Meseritzer Region an Großpolen. Bei der Abtrennung Schlesiens von Polen im Jahre 1163 fiel das Meseritzer Gebiet an den Herzog Konrad von Glogau.

Herzog Boleslaw von Liegnitz (1217-1278) trug mit seinen Brüdern Konrad und Heinrich um seine schlesischen Besitzungen Erbstreitigkeiten aus. Konrad wurde bei dieser Auseinandersetzung von den großpolnischen Herzögen unterstützt. Durch die Vermittlung des Breslauer Bischofs Thomas I kam ein Vergleich zustande, durch den Konrads Ansprüche  auf die Herzogtümer Glogau und Wohlau anerkannt wurden. Bei der sich daraus ergebenden neuen Grenzfestsetzung erhielt Konrad u.a. auch die um das Jahr 1000 errichtete Grenzburg mit der Siedlung Tirschtiegel. Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes datiert aus dem Jahr 1252 anlässlich eben dieser Grenzfestsetzungen.

1293 verpfändete Herzog Heinrich III von Glogau (1274-1309) seine Besitzungen an den Markgrafen Konrad von Brandenburg.

Am 10. August 1319 schloss der Markgraf Waldemar von Brandenburg mit den Söhnen Heinrichs des Getreuen (von Schlesien), den Herzögen Heinrich und Primko, einen Vertrag, der auch Tirschtiegel betraf. Gemäß diesem Vertrag überließen ihm die beiden Herzöge Sagan, Crossen und Meseritz, um von ihm, falls er ohne Erben sterben würde, u. a. Kopanitz, Bentzin, Tirschtiegel, Züllichau und Schwiebus zu erhalten.

Bereits vier Tage nach Abschluss dieses Vertrages starb im Alter von 28 Jahren der Markgraf Waldemar. Da auch sein Vetter Heinrich von Landsberg  ein Jahr später verstarb, fielen diese Gebiete wieder an die schlesischen Herzöge zurück.

Während der Regierungszeit Kasimirs III des Großen (1310  – 1370) scheint Tirschtiegel um das Jahr 1335 endgültig in den polnischen Staats-verband eingegliedert worden zu sein, nach dem der großpolnische Ritter Maczko Borkowicz die westlichen Großburgen erobert hatte.

Ab 1394 wurde Tirschtiegel als Burg und Stadt in den polnischen Grodbüchern erwähnt, der Magde-burger Stadtrecht verliehen war.

Eine Urkunde hierüber ist nicht mehr erhalten, da die Stadt am 04. Mai 1656 von schwedischen Truppen niedergebrannt wurde,

 

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts legten deutsche evangelische Einwanderer aus Schlesien mit Unterstützung des Grundherrn auf der westlichen Obraseite eine rechtlich selbständige Neustadt an. Das genaue Jahr des Zuzugs der protestantischen Glaubensflüchtlinge lässt sich exakt nicht mehr feststellen, es wird jedoch angenommen, daß die ersten Familien zwischen 1630 und 1640 in Tirschtegel eintrafen. In wenigen Jahrzehnten überflügelte die Einwohnerzahl der Neustadt die der Altstadt. Alt – und Neustadt Tirschtiegels bestanden bis 1888 als selbständige Gemeinden. Am 12. Mai 1650 verlieh Graf Opalinski von Bnin der Neustadt ebenfalls Magde-burger Stadtrecht.

 

Während des schwedisch –polnischen Krieges (1655 – 1660) plünderten am 04. Mai 1656 schwedische Truppen die Altstadt, die sie dabei auch nahezu vollständig zerstörten. Bei dem Brand der Altstadt soll auch die mittelalterliche Grenzburg zerstört worden sein.

Bei ihren Feldzügen gegen Preußen kamen die mit den Österreichern verbündeten russischen Truppen während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) auch bis nach Tirschtiegel.

Mit der Zweiten Teilung  Polens kam Tirschtiegel am 07. Mai 1793 zum Königreich Preußen und wurde der neu gebildeten Provinz Südpreußen zugeordnet. Die Ausbeutung der Mediatstädte nahm solche Formen an, dass viele Städte vor dem Ruin standen. Um dies zu verhindern, erging durch König Friedrich Wilhelm am 10. August 1796 eine Erklärung zur Verfassung dieser Städte. In ihr beschnitt der König die Rechte der Erbherren, da diese seine landesherrlichen Rechte bezweifelten und die von den Erbherren angesetzten Steuern die Bewohner allzu oft nicht in die Lage versetzten, dem Staat Steuern zu zahlen. Infolge der sich aus der königlichen Erklärung ergebenden Streitig-keiten, schlug der Tirschtiegeler Bürgermeister dem damaligen Grundherrn Graf Nikolaus Mielczynski vor, die gesamte Herrschaft an die Stadt zu verkaufen. Die erste Rate des Kaufpreises von 480.000 Mark wurde auch sofort gezahlt.  Dies war ein einmaliger Vorgang mit erheblichen politischen Konsequenzen. Die Kriegs – und Domänenkammer in Posen legte deshalb den gesamten Vorgang dem preußischen König vor, der 1805 entschied, die weiteren Kaufverhandlungen als unzulässig zu unterbinden.

1807 wurde die Stadt an das von Napoleon Bonaparte errichtete und in Personalunion mit Sachsen verbundene Großherzogtum Warschau abgetreten. Die Altstadt brannte am 03. April 1809 fast vollständig nieder.

1815 wieder preußisch, wurde Tirschtiegel dem Kreis Meseritz zugeordnet.

Gemäß der Volkszählung von 1843 lebten in der Alt – und Neustadt Tirschtiegels 2400 Einwohner, von denen 64% evangelischen, 23 % katholischen und 13 % jüdischen Glaubens waren.  1885 stellte Bürger-meister Wende bei der preußischen Regierung den Antrag, die Verwaltung der Alt – und Neustadt zu vereinen und einem Bürgermeister zu übertragen. Die Regierung gab diesem Antrag statt und übertrug die gemeinsame Verwaltung der beiden Städte dem Bürgermeister der Neustadt, was zu erheblichen  Protesten der Einwohner der Altstadt führte. Bedeutsam für die Wirtschaft der Stadt war neben der Landwirtschaft und Fischerei der Hopfenanbau, der allerdings Ende des 19. Jahr-hunderts an Bedeutung verlor.

Während des Großpolnischen Aufstandes kam es 1918 zu heftigen Kämpfen um die Stadt.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges entschied eine interalliierte Kommission am 14. Juli 1920 über die staatsrechtliche Zugehörigkeit der Stadt, die am 01. Juli 1922 der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet wurde. Die neue deutsch –polnische Grenze verlief in unmittelbarer Nähe zur Stadt, die sich durch den Verlust des regionalen Umfeldes erheblichen wirtschaftlichen  Schwierigkeiten aus-gesetzt sah. Aber der Bahnhof samt der von Norden nach Süden verlaufenden Eisenbahnlinie kam durch den Versailler Vertrag zu Polen. Bei der Auflösung  der Grenzmark wurde Tirschtiegel mit dem Kreis Meseritz am 01. Oktober 1938 der Provinz Brandenburg zugeordnet. 1939 lebten in T. 2215 Einwohner.

  1. war Sitz der Reichsfachschule für Korbmacher. Während des II.Weltkrieges war in der Stadt ein Arbeitslager für Juden eingerichtet.

Am  27. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt, die rasch der polnischen Verwaltung unterstellt und die deutschen Bewohner zwangs-ausgesiedelt wurden.

T.s Partnerstadt ist seit 1993 die 20 km südlich von Hamburg gelegene Gemeinde Asendorf, seit 2000 gibt es eine weitere Patenstadt mit Falkenberg.

 

Lit. :

  • Diering, Norbert : Tirschtiegel in alten Ansichten, Zaltbommel (Niederlande ), 1995
  • Menzel, August : Geschichte der Stadt Tirschtiegel, Schleswig 1985 ( Manuskript )
  • Tureczek, Marceli : Trzciel studia z Dziejów miasta. Trzciel 2008

 

 

Tremessen  (poln. : Trzemeszno) Kreis Krotoschin

Diese Stadt, mit heute    Einwohnern, hieß im Jahre 1145 noch Chermeso und entstand durch Ansiedlungen rund um ein Augustinerkloster, das der heilige Adalbert (um 956-997) im Auftrag von Herzog Mieszko I (922/945-992)gegründet haben soll. Der Leichnam des von Pruzzen ermordeten Missionsheiligen war hier zunächst bestattet, bis man ihn 999 nach der Heiligsprechung in den Dom von Gnesen überführte.  Die ursprüngliche, bereits im 11. Jahrhundert zerstörte Klosteranlage ist heute nur noch durch Ausgrabungen bekannt. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts ging das Kloster als Stiftung des Herzogs Boleslaw III in den Besitz der Augustinerchorherren über, denen es – zusammen mit der Ortschaft  – bis zur Säkularisierung 1793 gehörte.  Die erste Urkunde über Tremessen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Vor 1382 erhielt Tremessen das Stadtrecht verliehen.

Die verheerenden Brände der Jahre 1520, 1522 und 1548 sowie die Pest zerstörten die Stadt in mehrfacher Hinsicht.

Am 23. August 1656 wurde das polnische Heer im Norden der Stadt durch schwedische Truppen zerstört, die daraufhin Tremessen plünderten. 1766 bestand der Ort aus nur noch 15 Häusern. Doch bald begann sich die Stadt wieder zu entwickeln, als der Abt des Klosters eine Neustadt gründete – einen Vorort, wo sich Handwerker ansiedelten.

Zur Zeit der preußischen Inbesitznahme (1793) zählte der Ort 769 Einwohner.

1836 wurde das Kloster säkularisiert.

Infolge des Großpolnischen Aufstandes übernahmen Polen am 29. Dezember 1918 die kommunale Verwaltung.

 

Lit. :

  • Jonat, Friedrich Karl : Geschichte des Deutschtums in Trzemeszno (Tremessen) und Umgebung. Poznan 1934
  • Mogilno, Strzelno, Trzemeszno i okolice. Warszawa 1980

 

 

Umsiedlung der Deutschbalten und der Deutschen aus Wolhynien und Galizien

 

Umsiedlung der Deutschbalten aus Estland und Lettland

Im geheimen Zusatzvertrag zum Hitler – Stalin – Pakt vom 23. August 1939 wurden eben der Abgrenzung von Interessensphären zwischen dem Deutschen Reich und  der UdSSR  u.a. auch über das Schicksal der in den Territorien der UdSSR lebenden Deutschen entschieden. Sie sollten aus dem nunmehr sowjetischen Einfluss- und Machtbereich umgesiedelt werden und zwar auf Grund von Verträgen, die einen geregelten Ablauf und eine Entschädigung für zurückgelassene Vermögenswerte ermöglichten. Diese Umsiedlung wurde euphemistisch und zugleich unrichtig als “ Heimholung in das Reich “ bezeichnet. Die Mehrzahl der Umsiedler wurde eben nicht im „Reich „, sondern in die dem Reich angegliederten neuen Ostgebiete, insbesondere in dem ►Reichsgau Wartheland angesiedelt. Der erste derartige Vertrag, offiziell “ Protokoll “ genannt, wurde am 15. Oktober 1939 mit dem kleinsten der infrage kommenden Staaten, mit der Republik Estland, geschlossen. Am 30. Oktober folgte ein analoger Vertrag mit der Republik Lettland. Als die Verträge geschlossen wurden, waren beide Staaten noch selbständig, die Bestimmungen des Zusatzvertrages nicht bekannt.  Estland hatte aber nach einem sowjetischen Ultimatum ebenso wie Lettland einen gegenseitigen Nichtangriffs – und Beistandspakt  schließen müssen, wobei der Roten Armee und der sowjetischen Marine Stützpunkte eingeräumt werden mussten.

In beiden Verträgen wurde festgehalten, dass es sich um die Entlassung estnischer bzw. lettischer Staatsangehöriger deutscher Volkszugehörigkeit aus der estnischen bzw. lettischen Staatsbürgerschaft handele.

In Estland waren es 13.700 Menschen, die aus der estnischen Staatsbürgerschaft entlassen wurden, also 96,5 % der erfassten Deutschen. In Lettland waren es 52 583 Personen oder 84,2 %  der 1935 gezählten deutschen Bevölkerung.

Umsiedlung der Deutschen aus Wolhynien und Galizien

Grundlage der Umsiedlung war ein zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion am 03. November geschlossenes und am 16. November 1939 unterzeichnetes “ Abkommen über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus dem zur Interessenszone der UdSSR und der ukrainischen und weißrussischen Bevölkerung aus dem zur Interessenssphäre des Deutschen Reiches gehörenden Gebietes des früheren polnischen Staates.“

Es handelte sich also um ein zweiseitiges Abkommen, um einen Austausch der auf der jeweils anderen Seite wohnenden  konnationalen Bevölkerung.

Die Umsiedlung, die laut Abkommen bis zum o1. März 1940 abgeschlossen sein musste, lag in der Hand einer gemischten Kommission mit je einem Hauptbevollmächtigten sowie einer entsprechenden Anzahl von Gebiets – und Ortsbevollmächtigten. Zuständig war auf  deutscher Seite die ►Volksdeutsche Mittelstelle. Die mit großen Hoffnungen und Erwartungen an das Deutsche Reich aufgebrochenen 64 600  Umsiedler aus Wolhynien und    55 400 aus Ostgalizien erwartete insofern eine Enttäuschung , als sie nach dem Aufenthalt in Auffanglagern nur in Sonderfällen geschlossen im “ Reichsgau Wartheland “ angesiedelt wurden und auf Höfe kamen, die kurz zuvor erst polnischen Landwirten entschädigungs-los enteignet worden waren. Die tief religiösen Umsiedler entsetzte darüber hinaus die bald einsetzende antikirchliche Propaganda der NSDAP.

Im Laufe der Zeit äußerten immer mehr Ansiedler offen ihren Willen zur Rückkehr in die alte Heimat. Die nationalsozialistische Verwaltung trat sehr streng gegen solche Willensäußerungen oder Pläne auf. Dies führte zwangsläufig zur offenen Unzufriedenheit der Ansiedler gegenüber den Behörden.

 

Entgegen ihren Erwartungen wurden die Volksdeutschen nicht im Deutschen Reich, sondern in den dem Reich angeschlossenen Gebieten Polens, vor allem in den Gauen „Wartheland“ und „Danzig-Westpreußen“ angesiedelt. Denn anders als die deutsche Propaganda ihnen vorgaukelte, ging es weder Hitler noch Himmler um die „Heimholung“ der Volksdeutschen, sondern um die „Eindeutschung“ der dem Reich einverleibten Gebiete.

68 % aller Umsiedler wurden im Warthegau angesiedelt.

Zu diesem Zweck sollten einerseits die Deutschen aus dem Ausland dort angesiedelt , andererseits aber auch die dort lebenden Polen in das besetzte, aber nicht annektierte,  „Generalgouvernement“  ausgesiedelt werden. Geplant war, dass die etwa 7,8 Millionen Polen und rund 700 000 Juden, die 1939 in den westlichen Gebieten lebten, innerhalb von zehn Jahren vollständig vertrieben werden sollten. Über die rein ideologische Zielsetzung hin-aus ergab sich die Aussiedlung schon als Notwendigkeit, um für die auslandsdeutschen Umsiedler Platz zu  schaffen.

Der bevorstehende Krieg gegen die Sowjetunion und die damit verbundenen Vorbereitungen forderten sämtliche Kapazitäten. Dementsprechend bedeuteten die Angriffsvorbereitungen auch das vorläufige Aus für die Umsiedlungspläne.

Der Stopp der Umsiedlungspläne löste noch nicht die Probleme der bereits in den inkorporierten Gebieten des Reichs befindlichen Volksdeutschen. Die mangelnden Wohnmöglichkeiten in den für die Neuansiedlung vorgesehen Gebieten sorgten dafür, dass die Mehrzahl der Volksdeutschen zunächst in vorläufigen Quartieren wie Schulhallen oder gar Sammellagern untergebracht waren. Durch den getrennten Transport von Frauen und Männern waren viele Familien auseinandergerissen worden und mitunter dauerte es Monate, bis sie wieder zusammenfanden. Das Auseinanderreißen von Familien – und Nachbarschaftsbeziehungen zerstörte das landsmannschaftliche Gruppen-bewusstsein.

Trotz der Umsiedlung und Vernichtung von rund 1,2 Millionen Polen und der Ansiedlung von etwa 1 Million Volksdeutscher waren die annektierten polnischen Gebiete nicht eingedeutscht worden, der Anteil der Deutschen an der Gesamt-bevölkerung war lediglich von 10 auf 20 bis 25 Prozent gestiegen und nicht, wie vorgesehen, auf über 50.

 

Lit.:

  • Historische Gesellschaft für die Povinz Posen: Die Heimkehr der Galiziendeutschen. Leipzig 1940
  • Volkmann, Hans-Erich: Zur Ansiedlung der Deutschbalten im „Warthegau“. In : Zeitschrift für Ostforschung 30 (1981) S.527-588
  • Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939 -1959. Bonn 2010
  • Leniger, Markus: Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1939-1945. Von der Minderheitenbetreuung zur Siedlerauslese. Berlin 2006
  • Kotzian, Otfried: Die Umsiedler. Die Deutschen aus West-Wolhynien, Galizien, der Bukowina, Bessarabien, der Dobrudscha und in der Karpatenukraine. München 2005
  • Döring, Stephan: Die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Jahren 1939 bis 1940. Frankfurt/Main 2001

 

Umwandererzentralstelle ( Centralna Placówka Przesiedleńcza )

 

Behörde, die während des Zweiten Weltkrieges die Vertreibung von Polen und Juden aus polnischen, 1939 dem Deutschen Reich eingegliederten  Gebieten, abwickelte.

Sie war für die Verwaltung der Übergangslager, in denen die Vertriebenen vorübergehend unter-gebracht wurden, und für deren „rassische Klassifizierung“ zuständig.

Am 11. November 1939 war in Posen der Sonderstab für Umsiedlung von Polen und Juden eingerichtet worden, er ging bald in das Amt für Umsiedlung der Polen und Juden beim Höheren SS – und Polizeiführer über. Dieses wiederum wurde im Frühjahr 1940 in „Umwanderungsstelle“ und einige Wochen später in „Umwanderungs-zentralstelle“ umbenannt. Insgesamt 920.000 Polen und Juden wurden von dieser Behörde aus polnischen, dem deutschen Reich eingegliederten Gebieten ausgewiesen und in das General-gouvernement abgeschoben.

Ihre Aktivitäten erfolgten nach sog. „Nahplänen“, die unmittelbar auf die Ansiedlung „Volksdeutscher“ abgestimmt waren. Im Rahmen des ersten Nahplanes, der 1939 einsetzte und der die Aussiedlung der politisch führenden polnischen Intelligenz und auch der Juden zum Ziel hatte, wurden im Gebiet des Reichsgaues Wartheland 87.883 Personen in das Generalgouvernement umgesiedelt. Dies diente in erster Linie zur Schaffung von Wohn – und Erwerbsmöglichkeiten für baltendeutsche Umsiedler.

Der zweite Nahplan umfasste die Aussiedlungen, die für die Unterbringung der Wolhynien-, Galizien-, Cholmer – und Narewdeutschen erforderlich waren.

 

 

Unierte Evangelische Kirche in Polen

Durch den Zusammenschluss aller nach dem Versailler Friedensvertrag an Polen gefallenen Gemeinden der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union der Kirchenprovinz Posen, des größten Teils der Kirchenprovinz Westpreußen und kleinerer Teile der Kirchenprovinz Schlesien und Ostpreußen entstanden. Sie gliederte sich in 34 Diözesen und umfasste 405 Pfarrgemeinden.

Die oberste Verwaltungsbehörde war das Konsistorium in Posen. Geleitet wurde die Unierte Evangelische Kirche von D. Paul Blau (1861-1944).

In der 2. Republik Polen waren die Protestanten in Großpolen zahlenmäßig die bedeutendste religiöse Minderheit. Bekannten sich laut Volkszählung von 1910 644.750 Menschen zum Protestantismus, waren es 1921 322.878 und 1931 197.571 Personen.

Der UEK gehörten ausschließlich Angehörige der deutschen Minderheit an.

Die Leitung der Kirche und Funktionäre deutscher Organisationen betrachteten die Kirche als Glaubensgemeinschaft der deutschen Minderheit. Eine wesentliche Aufgabe geistlichen Wirkens sahen sie in der Festigung deutschen National-bewusstseins.

Durch eine Verordnung des Ministeriums für das ehemals preußische Teilgebiet vom 03. Juli 1920 wurde die kirchenrechtliche Verbindung der Unierten Evangelischen Kirche mit der Mutterkirche mit Sitz in Berlin abgebrochen und dem Konsistorium als der obersten Verwaltungsbehörde die Befugnisse des Evangelischen Oberkirchen-rates übertragen.

Seit der Gründung waren die polnischen Behörden daran interessiert,  die Gemeinden der Unierten Kirche der Evangelisch – Augsburgischen Kirche anzuschließen.

Das Ministerium für die ehemaligen preußischen Gebiete erklärte die von der Provinzialsynode der Unierten Kirche im April 1920 einstimmig angenommene „ Notverfassung“ für ungültig. Das Konsistorium wandte sich unter Berufung auf den Minderheitenschutzvertrag an den Völkerbund, um mit einer Denkschrift gegen den Versuch des polnischen Staates, die Eigenständigkeit der Unierten Kirche zu verhindern, protestieren.

Der polnische Staat gab sich am 21. März 1921 eine Verfassung, die in den Artikeln 113 bis 116 Bestimmungen über die Religionsgemeinschaften enthielt. Sie beließen den Kirchen der nationalen Minderheiten ihren Status als öffentlich-rechtliche Körperschaft.

Doch sollten gemäß Art.115 der Verfassung die Rechtsordnung der Kirchen vom Staat genehmigt und die Kirchenverfassungen neu geregelt werden.

So war auch eine Unterbindung des Zusammen-hanges der Kirchen Polens mit Organen außerhalb des polnischen Staates möglich. (Die Rechtsordnung der UEK hatte bis 1939 keine endgültige, vom polnischen Staat anerkannte, Form erhalten)

Der Besitzstand der UEK blieb nach 1918 im Prinzip unangetastet. Lediglich in Posen mussten die Protestanten die Kapelle des Kaiserschlosses und die Garnisonskirche abgeben.

Hauptform der Finanzierung war von 1918 bis 1939 die von allen Gläubigen erhobene Kirchensteuer. Das System der Berechnung dieser Steuer wurde auf der Landessynode 1923 von einer Kommission unter Vorsitz von Arthur Rhode (1868-1967) ausgearbeitet. Die Höhe der Steuer hing vom Umfang und der Qualität des im Besitz des Steuerzahlers befindlichen Bodens ab.

Stadtbewohner – ein Arzt wurde z.B. wie der Besitzer von 200 Morgen Land behandelt. Vor 1918 zog die staatliche Verwaltung die Kirchensteuer ein. Die Leitung der UEK verzichtete auf diese staatliche Dienstleistung nach 1918.Die Notwendigkeit, Kirchensteuer zu zahlen, wurde als patriotische Pflicht dargestellt. Es wurde auch nicht mehr von einer Steuer, sondern von Kirchen-beiträgen gesprochen. Gläubige, die keine Beiträge entrichteten, hatten auch ein Recht auf Inan-spruchnahme religiöser Dienstleistungen.

Eine weitere wichtige Einnahmequelle waren die Kollekten. Die Durchführung der Kollekten löste jedoch häufig Konflikte mit den örtlichen polnischen Behörden aus, die darauf  bestanden, dass Geldsammlungen ihrer Zustimmung bedurften.

Die Einnahmen aus den Kirchenbeiträgen und Kollekten deckten nicht alle für die Aufrecht-erhaltung der Arbeit der UEK erforderlichen Ausgaben. Die meisten Zuschüsse, die etwa die Hälfte aller Ausgaben der UEK deckten, kamen aus Deutschland und hier vom Berliner Evangelischen Kirchenrat und dem Gustav-Adolf-Verein.

Die Unierte Evangelische Kirche unterhielt den in Posen gegründeten Luther – Verlag, der neben theologischen Schriften viele Publikationen zur Heimat – und Kirchengeschichte herausgab, und in Zinsdorf eine Ausbildungsstätte für Diakonie.

Für die Herausgabe des Gemeindeblattes “ Glaube und Heimat “ zeichnete die Unierte Evangelische Kirche ebenfalls verantwortlich.

Die Unierte Evangelische Kirche in Polen zählte 1939 406 Pfarrgemeinden mit insgesamt über 290.000 Gemeindemitgliedern.

Nach 1933 wandte sich die UEK gegen die nationalsozialistischen Ideen zur Gestaltung des Christentums  und gegen jegliche Erscheinungs-formen eines „germanischen Heidentums“.

Das Jahr 1934 brachte eine radikale Veränderung der politischen Lage durch die „Jungdeutsche Partei“, die zunehmend an Einfluss gewann.

Am 14. Mai 1934 erfolgte durch die UEK rein offizielles Verbot jeder politischen Bestätigung.

Die Jungdeutsche Partei eröffnete daraufhin eine Pressekampagne gegen die UEK und veranstaltete antikirchliche Demonstrationen.

Der Versuch, einen Kompromiss mit dem polnischen Staat zu finden, war auch durch äußere Umstände bedingt.

Die geschwächte evangelische Kirche im Reich war nicht mehr imstande, die UEK nachhaltig zu unterstützen. Stark verschlechtert hatte sich auch das Verhältnis zu den deutschen Diplomaten, die das Dritte Reich in Polen vertraten.

Das Gebäude des Evangelischen Vereinshauses wurde im Juni 1939 vom „Verband der Aufständischen in Großpolen“  übernommen. Am 18. August ordnete das Ministerium für Glaubens-gemeinschaften und öffentliche Bildung die Schließung der Theologischen Schule in Posen an. Am 23. August 1939 ordnete der Posener Woiwode an, alle unierte Geistlichen, die nicht die polnische Staatsbürgerschaft besäßen, hätten Polen innerhalb von drei Tagen  zu verlassen.

 

Lit.

  • Kiec, Olgierd: Die evangelischen Kirchen in der Wojewodschaft Posen ( Poznań) 1918-1939. Wiesbaden 1998 (= Deutsches Historisches Institut Warschau. Quellen und Studien, 8 )
  • Besier, Gerhard: Altpreußische Kirchengebiete auf neupolnischem Gebiet. Die Diskussion um „Staatsgrenzen und Kirchengrenzen“ nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Göttingen 1988

 

 

Unruhstadt (poln. : Kargowa) Kreis Bomst

Die Region um Unruhstadt wurde während der Regentschaft des polnischen Königs Boleslaw I Chobry (992-1025) Teil des Piastenreiches.

1360 findet das Dorf Karge als „Cargowa“ erstmals urkundliche Erwähnung. In einer Urkunde des Jahres 1400 ist der Name eines Eigentümers von Karge vermerkt: Witeck Kotwitz. Diese Familie erhielt durch Kazimierz III (1333-1370) eine Einbürgerung – verbunden mit der Aufnahme in den polnischen Adel- nachdem er das Fraustädter Ländchen seinem Reich angegliedert hatte und diese Familie über einen großen Grundbesitz verfügte.

Karge entwickelte sich zu einem Zentrum des bäuerlichen Handels und erhielt 1630 das Marktrecht verliehen.

1641 verkaufte Albrecht Zychlinski die Herrschaft Karge an Christoph von Unruh, der ein Jahrzehnt später die Stadt U. (eine Siedlung für evangelische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien) gründete, die seither die Geschichte von Karge bestimmte, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur neugegründeten Stadt befand. 1661 erhielt U. Stadtrecht. ( Erst nach 1945 sind U. und K. durch polnische Behörden zu einem Gemeinwesen vereint worden). Die Gründungsurkunde wurde vom polnischen König Johann Kasimir (1648 – 1668) 1661 ausgestellt, der ihr auch Magdeburger Stadt-recht verlieh. In der neugegründeten Stadt siedelten sich insbesondere protestantische Tuch-macher aus Schlesien an, die eine blühende Tuchindustrie aufbauten. Die gefertigten Textilien gingen hauptsächlich auf die Messen nach Leipzig, Naumburg und Braunschweig.

Nach dem Tode August des Starken (1670-1733) wurde im Verlauf der kriegerischen Ausein-andersetzungen zwischen den beiden polnischen Thronkandidaten Friedrich August von Sachsen (1750-1827) und Stanislaw Leszcynski (1677-1766) die Stadt von militärischen Übergriffen (1735) betroffen. Es handelte sich dabei um eine Art Strafexpedition der Anhänger Leszcynskis, denn die Familie von Unruh unterstützte Friedrich August. Die im Ort stationierte Einheit sächsischer Soldaten konnte der Brandschatzung Unruhstadts keinen wirkungsvollen Widerstand entgegen setzen.

Zur Zeit der preußischen Inbesitznahme 1793 hatte die Stadt 1518 Einwohner, wovon 1183 Protestanten, 27 Katholiken und 351 Juden waren. . Der letzte Erbherr, Moritz von Unruh (1770-1836) war derart verschuldet, so dass sich der preußische Staat gezwungen sah, ab 1828 die Verwaltung  des Gutsbesitzes zu übernehmen. 1839 kam es zur Zwangsversteigerung und die Herrschaft wurde Eigentum des preußischen Fiskus, der sie 1850 an den Königlich Preußischen Ökonomierat August Rothe aus Reisen/ Rydzina verkaufte.

Während des Großpolnischen Aufstandes wurde U. von polnischen Aufständischen besetzt, die jedoch deutsche Truppen verdrängten.

  1. verblieb 1920 bei Deutschland und der Grenzmark Posen – Westpreußen zugeordnet. Mit deren Auflösung seit 1938 der Provinz Branden-burg zugeordnet.

Am 29.Januar 1945 marschierten sowjetische Truppen in U. ein und im Juni desselben Jahres wurden erste polnische Umsiedler aus Ostpolen in der  Stadt angesiedelt.

  1. pflegt eine städtepartnerschaftliche Beziehung zu Jatznick (Kreis Pasewalk-Strausberg).

 

Lit. :

  • Petruik,Stefan : Unruhstadt und Karge. Eine im Zeitalter der Toleranz entstandene Stadt im Spannungsfeld zwischen Polen und Deutschland. Langballigholz 2005
  • Conrad, Robert: Alte Heimat Karge –Unruhstadt. Eine Chronik. Burghaun 1993

 

 

Usch (poln:Ujscie )    Kreis Kolmar

Diese Stadt, im äußersten Westen des Kreises Kolmar gelegen, ist neben Gnesen wohl eine der ältesten Städte der Provinz.  Ursprünglich als wendische Festung erbaut, diente die Stadt als Grenzfestung gegen die Pommern und zur Sicherung eines Überganges an der Mündung der Gwda in die Netze (von dem polnischen Wort „ujście (Mündung) leitet sich der Name der Stadt ab.). Der Heilige Otto (Bischof von Bamberg; um 1060-1139) missionierte im 11. Jahrhundert von Usch aus die heidnischen Pommern. Usch, von Boleslaw (992-1025) zur Starostei erhoben, kam etwa 100 Jahre später gewaltsam in den Besitz des schlesischen Fürsten Ladislaus und blieb bis 1229 an Eigentum schlesischer Herzöge. 1413 erhielt  Usch durch den polnischen König Wladislaus II Jagiello das Stadtrecht verliehen, obwohl der Ort zu jener Zeit kaum mehr als 400 Einwohner gehabt haben dürfte. Nach 1430 war Usch mehrfach im Pfandbesitz polnischer Adliger und 1489 erwarb der Posener Wojewode Mathias von Bnin die Stadt.

Zum Sitz der Starosten für die königlichen Besitzungen, die nördlich der Stadt bis Jastrow reichten, wurde Usch um 1560. Die Verwaltung wurde später verlegt, doch blieb die Bezeichnung            “ Starostei Usch “ bis 1772 erhalten. 1655 fiel Usch nach blutiger Schlacht in die Hände des schwedischen Generals Wittenberg und die Bevölkerung hatte unter den militärischen Folgelasten erheblich zu leiden.

Bereits mit der 1. Teilung Polens 1772 kam Usch unter preußische Verwaltung. 1772 zählte der Ort 446 Einwohner, wovon sich 78 % zum Polentum bekannten.

Brandkatastrophen suchten Usch 1775, 1784,1813 und 1834 heim.

1809 wurde die erste Glashütte in Usch errichtet, um die Fundstätten von Quarz in der Umgebung zu nutzen. (heute zählt die Huta Szakla Ujscie zu den grössten Produzenten von Glasbehältern).

Im Jahre 1910 ergab die letzte preußische Zählung 2430 Einwohner, wovon 37 % Polen waren.

1919 – geteilte Stadt zwischen Deutschland und Polen.

Während des 2.Weltkrieges zerstörten die Nationalsozialisten den Kalvarienberg von Usch, einen Wallfahrtsort.

Seit 1996 besteht eine Partnerschaft mit Krakow am See (Mecklenburg-Vorpommern)

 

 

Uscher Vertrag

Der schwedische König Karl Gustav X ( reg. 1654 – 1660 ) drang 1655 in Großpolen ein. Das schwedische Heer unter Führung des Generals von Wittenberg fand nur schwachen polnischen militärischen Widerstand vor und konnte sich rasch einen strategisch wichtigen Übergang über die Netze bei Usch sichern.

Obwohl der polnische Adel daraufhin eine 15000 Soldaten umfassende Armee aufstellte, wagte er keine Gegenoffensive. Vielmehr unterwarfen sich die Adligen dem schwedischen König und erkannten ihn durch den Vertrag zu Usch am 25. Juli 1655 als ihren König an. Sie übergaben ihm ihr Land mit allen Hoheitsrechten, während der schwedische König dem polnischen Adel die ungehinderte Ausübung ihrer Religion und ihrer Gesetze zusicherte. Weiterhin wurde durch diesen Vertrag festgelegt, dass jeder großpolnische Einwohner, der zugunsten des polnischen Königs Johann Kasimir Partei ergreifen würde, mit der Konfiszierung seines gesamten Besitzes rechnen müsse.

Die schwedischen Truppen drangen während des 2. Schwedisch – polnischen Krieges (1655 – 1660) weiter vor. Sie eroberten u.a. Krakau, dessen Kommandanten Stephan Czarnecki freier Abzug gewährt wurde. Dieser unternahm mit den unter seinem Kommando stehenden militärischen Verbänden im April 1656 einen Feldzug gegen Großpolen, um den großpolnischen Adel für den Abschluss des Vertrages von Usch, den er als Verrat am polnischen König empfand, zu bestrafen. Czarneckis Truppen zerstörten während ihrer militärischen Operationen zahlreiche Gemeinden und Städte Großpolens.

 

 

Verband der deutschen Presse in Polen

1920 organisierten sich in Bromberg die Schriftleiter der in Polen erscheinenden deutschen Tages – und Wochenzeitungen zu dem “ Verband der deutschen Presse in Polen „.

 

Verband deutscher Katholiken in Polen

Die deutschen Katholiken bildeten eine kleine Minderheit innerhalb des gesamten Deutschtums in Polen.

Nach der Volkszählung des Jahres 1921 betrug ihr Anteil 12,2 % bezogen auf die gesamte Minderheit. In der Wojewodschaft Posen gaben 16.638 Personen (oder 8,6 %) „römisch-katholisch“ als Konfession an. Die Volkszählung im Jahre 1931 weist nur noch 118.500 katholische Staatsbürger Polens aus, die deutsch als ihre Muttersprache angaben.

Die deutschen Katholiken im Polen der Zwischenkriegszeit befanden sich hinsichtlich der Pflege und Unterhaltung ihrer kulturell-nationalen Eigenart in einer schwierigen Situation, denn sie waren in ihrer Religionsausübung auf die polnische katholische Kirche angewiesen, die den muttersprachlichen Belangen der deutschen Minderheit nur ungenügend Rechnung trug.

Die deutschen Katholiken besaßen bis 1919 drei Kirchen:

  • die Jesuitenkirche und die Herz-Jesu-Kirche in Bromberg
  • die Franziskanerkirche des hlg. Antonius in Posen.

Deutsche Andachten wurden 1919 untersagt, die Kirchengebäude den polnischen Katholiken übergeben.

Seit Anfang der 20er Jahre entstanden in den ehemaligen preußischen Teilgebieten Polens selbständige deutsche katholische Organisationen, deren Aufgaben vor allem die Förderung der kulturellen Tätigkeit und Wohlfahrtspflege war.

Am 22. Juli 1923 in Kattowitz gründeten der Sejmabgeordneten Dr. Eduard Pant (1887- 1938) und den Schulrat Thomas Szczeponik den „Verband deutscher Katholiken in Polen“. Von Kattowitz dehnte der Verband seine Tätigkeit auf die Gebiete von Posen und Pommerellen sowie auf das benachbarte Teschener Schlesien und auf Galizien aus.

Ziel des Verbandes war es, die im ganzen Land als kleine völkische Minderheit in der polnischen katholischen Kirche und als religiöse Minderheit innerhalb der überwiegend protestantischen Deutschen lebenden deutschen Katholiken in Polen zu betreuen und ihre Interessen und Rechte zu vertreten. Nach eigenem Selbstverständnis war der Verband ein kultureller Verein, „der das Deutschtum auf der Grundlage der katholischen Weltanschauung pflegen will“. Der Verband deutscher Katholiken unterstand nicht der Aufsicht der kirchlichen Behörden.  Er gab eine Wochen-zeitschrift mit dem Titel „Die katholische Welt„ sowie ein Jahrbuch heraus.

Eine führende Rolle unter den deutschen Katholiken im Posener Gebiet nahm in den ersten Jahren nach 1918 der katholische Geistliche Domherr  Joseph Klinke (1869-1932 ) aus Gnesen ein, der 1922 bei den Parlamentswahlen in den Sejm gewählt wurde.

In Posen war der Domherr Joseph Franz Paech  für den Vdk tätig, der nach der Besatzung Polens für den Reichsgau Wartheland zum Apostolischen Administrator der der deutschen Katholiken Polens ernannt wurde.

Im Posener Bereich zählte der VdK 29 Ortsgruppen mit rund 4700 Mitgliedern (Stand 1935).

In einem fast ausschließlich protestantischen Umfeld im ehemaligen preußischen Teilungsgebiet Polens waren die Voraussetzungen für die Arbeit des Verbandes nicht günstig. Hinzu kam die vielfach intolerante Haltung weiter evangelischer Kreise gegenüber den deutschen Katholiken, denn öfters wurde die Gleichung „polnisch=kathholisch“ bei der Bewertung der deutschen Katholiken benutzt.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Januar 1933 hatte für den Verband erhebliche innerorganisatorische Auseinander-setzungen zur Folge. Eduard Pant und seine engsten Mitarbeiter waren als gläubige Katholiken entschiedene Gegner des NS:

Am 16. Dezember 1934 wurde Dr.Pant nach scharfen Auseinandersetzungen von der Generalversammlung des VdK mit 14o gegen 116 Stimmen als Vorsitzender abgewählt. Die Gegner Pants auf dieser Generalversammlung rekrutierten sich vor allem aus den Delegierten der Bezirke Posen und Pommerellen.

 

Lit.:

  • Kotowski, W. : Die Lage der deutschen Katholiken in Polen in den Jahren 1919-1939. In : ZfO 39(1990) S. 39-67
  • Smigiel, Kazimierz : Die statistischen Erhebungen über die deutschen Katholiken in den Bistümern Polens 1928 und 1936. Marburg/Lahn 1992
  • Matwiejczyk, Witold : Niemiecy katolicy w Poznanskiem a polityka narodowościowa rządu pruskiego 1871-1914. Lublin 2009

 

Verband Deutscher Volksgruppen

Zusammenschluss der europäischen Auslandsdeutschen, dessen Gründung auf die Initiative deutscher Minderheitenpolitiker zurück ging, die teils dem Baltikum, vor allem aber aus Posen und Westpreußen entstammten.

 

Lit.:

  • Michaelsen: Der Europäische Nationalitäten-kongress 1925-1938. Frankfurt/M. 1984

 

 

Verband der Leistungspolen (Związek Wydajncych Polaków)

Denjenigen Polen im Reichsgau Wartheland, die sich durch eine hohe Arbeitsproduktivität aus-zeichneten, wurden gewisse Rechte zugesichert, die ihnen eine materielle Gleichstellung mit den Deutschen vortäuschten. Dieser, am 20. Dezember 1942 im Reichsgau Wartheland gegründeten Organisation, gehörten etwa 2 % der polnischen Bevölkerung an. Versuch der politischen Spaltung der Polen durch Nationalsozialisten.

 

Verband zur Verteidigung der Westbezirke (Związek Obrony Kresów Zachdonich, ZOKZ)

Im März 1922 in Posen als überparteiliche Organisation konstituiert, mit dem Ziel, den polnischen Besitzstand in den Westgebieten auf allen Gebieten des Lebens zu festigen durch möglichst restlose Verdrängung der Deutschen und durch Stärkung des Polentums.

Im Raum Posen trat er gegen die deutschen Großgrundbesitzer, gegen die deutschen Bauern und Gewerbetreibenden sowie gegen die deutschen Genossenschaften  auf.

Der Verband hatte seinen Sitz in Posen. Haupt-geschäftsführer war Dr. Meißner. 1930 ca. 35.000 Mitglieder in nahezu 5oo Ortsgruppen.

Im Jahr 1826 hatte er 18.000, 1929 schon 29.000 Mitglieder und im Jahre 1935 zählte der Verband 50.000 Mitglieder.

Der deutsch-polnische Nichtangriffspakt hatte zur Folge, dass der Verband im November 1934 seinen Namen in „Polnischer Westverband“ (Polski Związak Zachodni, PZZ)  abänderte, seinen Sitz von Posen nach Warschau verlegte und künftig die Sorge um die polnische Bevölkerung in Deutschland in sein Programm aufnahm.

Von 1939 bis 1944 wirkte die Organisation im Untergrund und wurde am 13. November 1944 in Lublin reaktiviert, wobei sie ihre Tätigkeit nun auf die damals unter polnische Verwaltung gestellten deutschen Ostgebiete erstreckte.

 

 

Verein deutscher Ansiedler und Bauern

1933 als Gegenorganisation von Landwirten mit kleinem Landbesitz in Großpolen zur West-polnischen Landwirtschaftlichen Gesellschaft mit Sitz in Poznań/ Posen gegründet. Ihre Tätigkeit erstreckte sich auf die Wojewodschaft Poznań. Der Verein war zur Verteidigung der Interessen der bäuerlichen Mittelschicht gegründet worden. Das sollte u.a. durch Beratung über Renten – und Schuldenfragen, Landkauf und berufsspezifische Fragen geschehen. Zu diesem Zweck wurde ein Rechtsberatungsbüro eingerichtet und Weiter-bildungskurse ausgeschrieben.

In den ersten Monaten nach der Konstituierung versuchte der Verband, Einfluss auf die Bauern auszuüben, die noch in der WELAGE verblieben waren. Der VdAB betrachtete sich ausschließlich als Wirtschaftsorganisation, die sich aus den sich Anfang 1934 schon abzeichnenden Kontroversen zwischen Deutscher Vereinigung und Jung-deutscher Partei heraus zu halten versuchte.

Die von dem VdAB deklarierte politische Überparteilichkeit und Neutralität hinderte die Jungdeutsche Partei jedoch nicht daran, in dieser Organisation Einfluss zu gewinnen. Dies gelang ihr mit ihren radikalen Vorwürfen gegen die WELAGE anfangs sehr gut und der VdAB nutzte seinerseits das Organ der Jungdeutschen Partei, um durch eine Beilage seine eignes Periodikum vertreiben zu können.

Das  zunehmend enger werdende Verhältnis zur Jungdeutschen Partei rief  in den Reihen des VdAB Widerspruch hervor. Deshalb gab der VdAB ab April 1934 ein eigenes Organ, „Der Landmann“, heraus.  Die verbandspolitische Linie der Neutralität und die ausschließliche Betonung der wirtschaftlichen Interessensvertretung eröffnete den unterschiedlichen politischen Lagern der deutschen Minderheit, den VdAB zu instrumentalisieren.

Auf dem Kongress des VdAB am 14. Mai 1934 wurde dieser in „ Verein deutscher Bauern“ (VDB)  umbenannt. Außerdem wurde auf diesem Kongress eine verstärkte Zusammenarbeit mit polnischen staatlichen Einrichtungen und Behörden angekündigt. Der pro – jungdeutschen Stimmung unter den Mitgliedern Rechnung tragend, wurde ihnen die Mitgliedschaft in politischen Organisationen, mit Ausnahme der Deutschen Vereinigung, freigestellt. In der Folgezeit konnte der VDB seine Organisationsstrukturen erweitern und dehnte sich auf den Norden der Woiwodschaft aus.

Auf den Versuch einer Einigung zwischen der Jungdeutschen Partei und der Deutschen Vereinigung im Spätsommer 1934 reagierte der VDB mit erheblichen Vorwürfen an die Adresse der JDP. Der Kern der Vorwürfe auf den Einigungsversuch kreiste um  den Verrat der Interessen der deutschen Kleinbauern durch die Unterordnung der Ziele des Großgrundbesitzes. Das gespannte Verhältnis wich einer Wiederannäherung an die JDP erst, als eine Verständigung zwischen den beiden politischen Organisationen der deutschen Minderheit in Polen erfolglos verlief. Mit der neuerlichen engen Bindung an die JDP verstärkten sich jedoch die Konflikte innerhalb des VDB zwischen den JDP – Anhängern und den Mitgliedern, die die Unabhängigkeit des VDB uneingeschränkt erhalten wollten. Die nun einsetzenden Versuche der JDP, den VDB zu majorisieren, verliefen im Ergebnis erfolglos. Der VDB erklärte daraufhin seine Neutralität gegenüber der Deutschen Vereinigung und setzte seine kritisch– ablehnende Position nur noch gegen deren Wirtschaftsorganisation fort. Gleichzeitig übte die Führung des VDB erhebliche und grundsätzliche Kritik an Programmatik und Arbeit der JDP. Die JDP stellte  nach diesem politischen Positionswechsel  des VDB seine finanzielle Unter-stützung sofort ein. Da die Mitglieder die Aufnahme eines Kredites bei dem polnischen Staat ablehnten, um so die Arbeit des VDB fortsetzen zu können, nahm der Vorstand eine finanzielle Zuwendung der Deutschen Vereinigung in Anspruch. Dies führte wiederum zu publizistischen Angriffen der JDP gegen den Vorstand des VDB, der im Februar 1935 auf Druck der projungdeutschen Mitglieder zurück trat. Dem im Juli 1935 neu gewählten Vorstand des VDB gehörten ausschließlich JDP – Mitglieder an. Sowohl programmatisch als auch  organisatorisch wurde der VDB nun den tagespolitischen Erfordernissen des JDP angepasst und gegen die Deutsche Vereinigung instrumentalisiert. So verschaffte sich die JDP eine politische Basis im landwirtschaftlichen Mittelstand. Für die Jahre 1936 und 1937 sind kaum Aktivitäten des VDB belegt. Er war in dieser Zeit mit seiner eigenen organisatorischen Umstrukturierung beschäftigt, organisierte Weiterbildungskurse und bestritt Veranstaltungen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Ab Februar 1938 begann eine verstärkte Koordinierung der Wirtschaftsreferate der JDP und des VDP, was de facto auf den Verzicht der Existenz des VDP als eigenständige Organisation bedeutete und auf eine Unterordnung des VDB als Sektion der JDP hinauslief.

 

 

Verein Deutscher Hochschüler in Polen  (VDH) (Związka Niemieckich Studentów)

Obwohl die größten Impulse für den Aufbau einer Organisation für deutsche Studenten an polnischen Hochschulen von Posen ausgingen, wurde der erste Verein Deutscher Hochschüler in Lemberg gegründet. Bereits 1922 wurde in der ehemaligen galizischen Hauptstadt eine studentische Verbindung gegründet, der sich die deutschen Studentinnen und Studenten der Universität, der Technischen Hochschule sowie der Handelshochschule anschlossen.

Auf Anregung von  Dr. Kurt Lück (1900-1942) erfolgte am 06. März 1925 in Posen die Gründung des VDH, von wo aus auch die entscheidenden Impulse für eine überregionale Organisation und den landesweiten Ausbau des         “ Vereines Deutscher Hochschüler “ ausgingen. Lück hatte in Deutschland studiert und in Breslau mit einer Arbeit über die Bauern in der polnischen Literatur des 19. Jahrhunderts promoviert. Nach Posen zurück gekehrt, musste er sein deutsches Examen „nostifizieren“ (der deutsche akademische Abschluss musste durch eine Prüfung in Polen bestätigt werden) Lück knüpfte – in enger Abstimmung mit dem VDH Lemberg – bald Kontakte zu deutschen Studenten in Krakau und in Warschau. In Krakau erfolgte im November 1925 und in Warschau im Herbst 1926 die Gründung eines örtlichen VDH.  Im Herbst 1926 trafen sich Vertreter aller Vereine Deutscher Hochschüler sowie aus Polen stammende Studenten der Technischen Hochschule Danzig zu einer Tagung in Lodz, in deren  Verlauf der Verband der Vereine deutscher Hochschüler in Polen gegründet wurde.

Erster Vorsitzender des VDH wurde Daniel Voß. Diese nichtschlagende Verbindung sah seine Hauptaufgaben in der Bildungsarbeit, der kulturellen Betreuung der deutschen Minderheit in Polen und der Interessensvertretung der deutschen Akademiker in Polen. In seiner Arbeit verstand sich der VDH als nationalbewusste Organisation, die sich der „Förderung des deutschen Volkstums in Polen“ verpflichtet fühlte.

Sowohl der Kyffhäuserverband als auch der Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) sowie private Förderer und Organisationen der Deutschen in Polen unterstützen den V. finanziell.

Im Juni 1939 suspendierten polnische Behörden die Arbeit aller VDH-Gruppen. Nach der Besatzung Polens durch das Deutsche Reich wurden alle polnischen Universitäten geschlossen. Die Vereine Deutscher Hochschüler konnten daher an ihre Arbeit nicht mehr anknüpfen bzw. reaktiviert werden.

Insgesamt waren bis 1939 etwa 1000 Studenten Mitglied im VDH.

 

Lit.:

  • Bierschenk, Theodor : Die Vereine Deutscher Hochschüler in Polen 1922-1939. Hannover 1989
  • Rentz, Albert : Der Verein Deutscher Hochschüler in Polen. In : Kulturwart 1955/ Heft 31 S. 15 ff

 

 

Verein für Erforschung und Pflege der Heimat

Diese regionale heimatkundliche Vereinigung wurde am 22. März 1922 gegründet.

Ziel dieses Zusammenschlusses war:

+ die Erforschung des Fraustädter Landes in historischer, volkskundlicher und naturwissen-schaftlicher Sicht

+ der Erhalt von Kunst- und Naturdenkmälern der Region

+ die Schaffung und Unterhaltung eines Heimatmuseums

Unter Verantwortung des in der Gründungsversammlung gewählten Vorsitzenden Dr. Franz Pfützenreiter (        ), der den Verein bis 1934 leitete, erschien bereits im Juni 1922 die erste Ausgabe eines monatlich erscheinenden Periodikums unter dem Titel „Das Fraustädter Ländchen“, das der „Posen- Schlesischen Grenzzeitung“ beilag.

Ab 1934 bis zum Kriegsende 1945 führte Prof. Willi Schober (1914-1991) den Verein.

 

 

Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken

Konservative Großgrundbesitzer  unter Leitung von Hermann Kennemann (1815-1910), Heinrich von Tiedemann (1843-1922) und Ferdinand Hansemann (1861-1900) organisierten am 16. September 1894 eine spektakuläre „ Huldigungs- und  Pilgerfahrt“ zu Otto von Bismarck, an der rund 2000 Personen teilnahmen. Sie war als politische Demonstration gegen die Polenpolitik des Reichskanzlers Leo Graf von Caprivi (1831-1899) gedacht, die unter dem Begriff „Versöhnungspolitik“ subsumiert wurde.

In seiner fast einstündigen Rede betonte der ehemalige Kanzler des Deutschen Reiches die Notwendigkeit der Provinz Posen zum Schutz der Ostgrenze des Deutschen Reiches und sprach sich gegen Pläne aus, Polen unter Einbeziehung der Provinzen Posen und Westpreußen wieder zu errichten. Die polnischen Adligen und die polnische Geistlichkeit machte er für die Schwierigkeiten des Zusammenlebens der Nationalitäten in der Provinz Posen verantwortlich.

Diese politische Demonstration wurde von den Behörden der Provinz Posen nicht unterstützt; der Posener Regierungspräsident Ewald Himly untersagte seinen Beamten eine Teilnahme an der Fahrt.

Bei den Vorbereitungen dieser Fahrt waren bereits Überlegungen angestellt worden, einen „Verein zur Wahrung deutscher Interessen in der Provinz Posen“ zu gründen. Und so bildete sich am 28. September 1894 ein Gremium. Das zur konstituierenden Versammlung eines „Vereins zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken“ einlud.

Am 03. November 1894 kamen 80 „Männer aus allen Berufsständen der Provinz Posen“ im Hotel Mylius in Posen zusammen, um den Verein zu gründen.

Satzungsgemäßes Ziel dieser Organisation war „ Kräftigung und Sammlung des Deutschtums in den mit polnischer Bevölkerung durchsetzten Ostmarken des Reichs durch Hebung und Befesti-gung deutschnationalen Empfindens sowie durch Vermehrung und wirtschaftliche Stärkung der deutschen Bevölkerung. „ Es gehe ihm um die „Abwehr des polnischerseits seit Jahrzehnten betriebenen systematischen Vorgehens gegen die deutsche Bevölkerung“.

Die Mitgliederzahl dieser die öffentliche Meinung in polenfeindlicher Hinsicht beeinflussenden Organisation entwickelte sich sprunghaft. Gehörten ihr zur Gründung knapp 80 Mitglieder an, so waren es im Jahr 1900 bereits 20. 000 und bis 1906 hatte sich die Mitgliederzahl mit 40.600 verdoppelt

Den Vorsitz des Vereins, der im Mai 1899 in „Deutscher Ostmarkenverein“ umbenannt wurde, übernahmen die drei Posener Großgrundbesitzer, die auch schon dessen Gründung veranlasst hatten:

  • Ferdinand von Hansemann (1861-1900)
  • Hermann Kennemann (1815-1910)
  • Heinrich von Tiedemann /1843-1922)

 

Polen bildeten aus den Anfangsbuchstaben der Familiennamen bald die Bezeichnung „Hakatisten“ und gebrauchten diesen Begriff nicht nur für die Vereinsmitglieder, sondern auch ganz allgemein für national gesinnte Deutsche. Dieses Schlagwort sollte sich zum Synonym für die Diskriminierung der polnischen Minderheit im deutschen Reich entwickeln.

Eine der Ursachen, die zur Gründung des Ostmarkenvereins führte, lag in den strukturellen Veränderungen begründet, die in den östlichen preußischen Landesteilen die wirtschaftliche Situation beeinflussten. (z.B. Abwanderung vieler Deutscher, die aufgrund des industriellen Aufschwungs im Westen Deutschlands den landwirtschaftlichen, ökonomisch rückständig geprägten Osten verliessen. Dies führte zu einer vermehrten Ansiedlung polnischer Bauern. Frei gewordene Handwerker- und Kaufmannsstellen wurde in vielen Orten von Polen besetzt, die wiederum selbst aus anderen Teilungsgebieten Polens zugewandert waren.

Gerade die Kreise, die maßgeblich an der Vereins-gründung beteiligt waren, wollten diesen Prozess aufhalten und umkehren.

Als Reaktion auf die Gründung des „Ostmarken-vereins“ wurde 1904 – nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen- ein polnischer Verein als Gegenorganisation unter dem Namen „Straź- Towarzystwo ku obronie sprawekonomicznych społecznych i obywatelskich“ ( Die Wacht- Verein zur Verteidigung der ökonomischen, gesell-schaftlichen und bürgerlichen … ) gegründet.

Sitz des Ostmarken-Vereins war zunächst Posen, dann ab 1896 Berlin.

1906 ließ sich der Hauptvorstand ermächtigen, zur Führung der laufenden Geschäfte einen Geschäftsausschuß aus den in Berlin und Umgebung ansässigen Vorstandsmitgliedern zu bilden.

Er bereitete Entscheidungen des Hauptvorstandes vor und erledigte sämtliche laufenden Geschäfte.

Der Verein unterhielt zunächst zwei Geschäfts-stellen, eine in Posen, die für die Provinzen Posen und Westpreußen zuständig war, und eine in Berlin für das restliche Reich. 1895 wurden dann eigenständige Geschäftsstellen und Landes-ausschüsse in Königsberg und Breslau konstituiert.

Für Posen entstand ein Provinzialverband erst im September 1908.

 

Mitglieder :

 

Jahr                    reichsweit     Provinz Posen

  • 5-6000
  • 132 3490

1901               21.545                                   4000

1904               35.000                                   7300

1907               45.500                                   9111

1913               54.150                                   12.512

 

 

 

Ortsgruppen ( incl. Sammelstellen)

 

Jahr                           reichsweit                 Provinz Posen

1895                          116                             41

1896                          123                             36

1897                          118                             41

1906                          406                             79

1913                          486                              118

 

 

Nach dem 1. Weltkrieg sah der DOV sein Hauptziel in der Revision der deutschen Ostgrenze. Das Auswärtige Amt ignorierte jedoch den DOV bei seiner Politik gegenüber und mit Polen.

Der DOV wurde durch die Gestapo 1934 verboten, da er es kategorisch ablehnte, sich dem vom „Außenpolitischen Amt“ der NSDAP gegründeten „Bund Deutscher Osten“ anzugliedern.

 

Lit. :

  • Galos, Adam/ Gentzen, Felix –Heinrich/ Jakóbczyk,Witold : Die Hakatisten. Der Deutsche Ostmarkenverein (1894-1934). Ein Beitrag zur Geschichte der Ostpolitik des deutschen Imperialismus. Berlin 1966
  • Grabowski, Sabine: Deutscher und polnischer Nationalismus. Der Deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straź 1894-1914. Marburg 1988 ( = Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, 3)
  • Krysiak, Franz : Hinter den Kulissen des Ostmarkenvereins. Aus den Geheimakten der preußischen Nebenregierung für die Polenausrottung.. Posen 1919
  • Ohnesseit, Wilhelm: Der Kampf um die Ostmark und der Deutsche Ostmarkenverein. In : Preußische Jahrbücher 213 (1928) S.319-337
  • Oldenburg, Jens: Der Deutsche Ostmarkenverein 1894-1934. Berlin 2002

 

 

Verfassung vom 17. März 1921

Gleichzeitig mit dem Rigaer Friedensschluss verabschiedete der Sejm am 17. März 191 eine Verfassung, die völlig auf dem Prinzip der parlamentarischen Demokratie beruhte.

Das Parlament bestand aus zwei Kammern- dem Sejm und Senat-, das den Staatspräsidenten wählte, der nur über Repräsentationsrechte verfügte.

Den Angehörigen der nationalen Minderheiten in Polen, die einen Teil des Staatsvolkes bildeten, wurde die volle Gleichberechtigung sowie der Anspruch auf die bürgerlichen Grundrechte mit dieser Verfassung verbürgt.

Ihre Forderung nach national-kultureller Autonomie dagegen abgelehnt, weil sie ihre Integration in die Gemeinschaft der polnischen Bürger angeblich verhindere.

Die Beratungen im Sejm über den Verfassungsentwurf zeigten aber, dass der Gesetzgeber fürchtete, mit der sog.“Konnationale“ (d.h. mit dem Staat, in dem die jeweils sprachverwandte Gruppe die regierende Mehrheit bildet) zusammen zu arbeiten.

 

Versailler Friedensvertrag

Bei der Lösung territorialer Fragen im Zusammen-hang mit einer Friedenslösung in Europa nach dem 1.Weltkrieg war in Paris eine Zentralkommission (Central Commission on Territorial Questions) gebildet worden.

Diese Kommission nahm die Berichte der einzelnen regional begrenzten Kommissionen und Unterausschüsse entgegen und legte diese nach Prüfung dem Obersten Rat zur endgültigen Ent-scheidung vor.

Mit der Festlegung der polnischen Grenzen wurde eine eigene Polenkommission (Commission des affaires polonaises) beauftragt.

Am 29.Januar 1919 hielt Roman Dmowski (1864-1939), der polnische Vertreter auf der Friedens-konferenz, vor dem Obersten Rat eine Rede, in der er u.a. den freien Zugang zur Ostsee als Polens wichtigste Frage betonte.

Die Polenkommission schloss sich dem mündlich und in Form von Denkschriften vorgetragenen polnischen Forderungen im Wesentlichen an.

Am 07. Mai wurde der deutschen Regierung ein Entwurf eines Friedensvertrages vorgelegt, gegen deren beabsichtigten Friedensbedingungen die deutsche Regierung heftigst protestierte.

Die deutsche Seite erklärte sich jedoch in ihrer Antwortnote bereit, die unbestreitbar polnischen Gebietsteile der Provinz Posen abzutreten und Polen Freihäfen in Memel, Danzig und Königsberg einzurichten. Zur Abtretung von Westpreußen, Danzig, Memel und Oberschlesien erklärte sie sich jedoch nicht bereit.

Die Einwände der deutschen Regierung fanden bei den Alliierten wenig Beachtung. Die neue Note der Alliierten vom 16. Juni 1919 enthielt nur gering-fügige Abänderungen und verlangte die bedingungslose Annahme.

Das deutsch-polnische Verhältnis nach dem 1. Weltkrieg stand durch die einseitig zuungunsten Deutschlands getroffenen Regelungen in Versailles unter einem konfrontativen Vorzeichen.

Weiterhin wurden im sog. “Kleinen Versailler Abkommen“ vom 28. Juni 1919 die ethnischen, konfessionellen und sprachlichen Rechte  der deutschen Minderheit in der neugegründeten polnischen Republik völkerrechtlich geregelt.

In Art. 2 dieses Abkommens wird u.a. ausgeführt, dass „sich die Polnische Regierung verpflichtet, allen Bewohnern ohne Rücksicht  auf ihren Geburtsort. Sprache, Rasse oder Religion vollständigen Lebens- und Freiheitsschutz zu gewähren.“

Gleichzeitig wurde Polen durch das Abkommen verpflichtet, dass die nationalen Minderheiten im Fall der Verletzung der Bestimmungen dieses Abkommens Klage bei dem Völkerbund einreichen können. ( Zwischen 1920 und 1934 wurden an den Völkerbund 300 deutsche Klagen aus Polen gerichtet – von insgesamt 1117; doch nur 7 wurden den Foren des Völkerbundes nach einer Vorprüfung vorgelegt.)

Die Rechte der nationalen Minderheiten wurden auch in der am 17. März 1921 verabschiedeten Verfassung in den Art. 109 und 11o kodifiziert.

Der polnische Außenminister Jozef Beck (1894-1944) reichte am 13. September 1934 eine Deklaration seines Landes an den Völkerbund ein.

Mit dieser Deklaration kündigte der polnische Staat die Bestimmungen des „Kleinen Versailler Vertrages“ auf, erklärte aber gleichzeitig Fragen des Schutzes der deutschen Minderheit in Polen zu einer bilateral zu verhandelnden Angelegenheit zwischen Deutschland und Polen.

Die daraufhin anberaumten Verhandlungen zwischen 1935 und 1937 führten zu dem Austausch gleichlautender Memoranden zum Schutz der jeweiligen Minderheit.

 

Lit.:

  • Kolb, Edmund: Der Frieden von Versailles. München 2005
  • Versailles 1919 – aus der Sicht des Zeitzeugen. München 2002
  • Schwabe, Klaus: Quellen zum Friedensschluß von Versailles. Darmstadt 1997

 

 

Verordnung des Staatspräsidenten über die Staatsgrenze vom 23. Dez. 1927 (sog. Grenzzonengesetz )

Die Verordnung unterschied drei verschiedene Grenzgebiete. Zunächst der Grenzstreifen – eine parallel zur Staatsgrenze verlaufende Fläche von 15 m Breite. Die kleine Grenzzone hatte eine Breite von 2 bis 6 km und die große Grenzzone  umfasste alle polnischen Kreise, die an die Landesgrenzen stießen. Der Besitz und Erwerb von Grundeigentum unterlag der Genehmigungspflicht des Wojewoden, der auch über eine Enteignung von Grund und Boden gegen Entschädigung entschied. Die Wohnsitznahme war genehmigungspflichtig. Vereine, Genossenschaften etc. konnten – sofern es der Schutz der Grenzzone erforderte – verboten und aufgelöst werden.

Dieses “ Grenzzonengesetz “ wurde überwiegend als repressive Maßnahme gegen die in Polen ansässigen Minderheiten verwandt. (Ausweisungen von Personen, Verweigerung der Auflassungen bei Grundstücken, Verbot von kulturellen, politischen und sozialen Vereinen etc.)

 

 

Verschleppungsmärsche

Die Regierung der Republik Polen erließ am 23.  Juni 1939 ein Gesetz über den Kriegszustand, in dem u.a. verfügt wurde:

„Bei Personen, die die Sicherheit, Ruhe und öffentliche Ordnung gefährden oder das Interesse der Verteidigung des Staates gefährden können, können die Verwaltungsbehörden Haussuchungen anordnen, auch Verhaftungen, Internierungen… vornehmen, die Kreisbehörden auf 3 Monate, die Wojewoden auf unbestimmte Zeit während der Dauer des Kriegszustandes.“

In den ersten Septembertagen des Jahres 1939 wurden viele dem in Polen lebenden Deutschen ohne Gerichtsbeschluss inhaftiert bzw. interniert. Nach seit Jahren vorliegenden Listen wurden führende deutsche Persönlichkeiten aus Polen verhaftet und in den Osten Polens transportiert werden.

Diese Maßnahmen beruhten auf dem am 30. Juni 1939 beschlossenen Gesetz über den Kriegszustand, in dem die Aufhebung der bürgerlichen Rechte und Maßnahmen zur Überwachung und Internierung verdächtiger Personen für den Kriegsfall kodifiziert war. Polen mutmaßte in der gespannten deutsch – polnischen Situation jener Jahre, vor dem Hintergrund der Zerschlagung der Tschechoslowakei und der Rückgliederung des Memelgebietes  sowie des erklärten politischen Willens der Reichsregierung, die Grenzen von 1920 zu verändern, dass jeder Angehörige der deutschen Minderheit in Polen von den Nationalsozialisten zu Sabotage – oder Spionageaufgaben eingesetzt werden könne.

Die zu Internierenden wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Für die erste Gruppe wurden rote Haftbefehle ausgestellt. Hierzu zählten insbesondere Persönlichkeiten der Minderheitenorganisationen, Verlagsleiter, Redakteure, Bankdirektoren, in kleineren Städten und Landgemeinden auch Lehrer, Pastoren und Kantoren
  2. Rosa Haftbefehle galten für Verdächtige der zweiten Kategorie: politisch Unbelastete, die aber im Vereins – oder Parteileben hervorgetreten waren sowie alle Reichsdeutschen.
  3. Gelbe Haftbefehle wurden für jene Deutschen ausgestellt, die aus militärischen oder anderen Gründen vorübergehend in das Landesinnere verbracht werden sollten.

Am 02. September wurden die Verhafteten zu Transporten zusammengestellt, die zu den Internierungsorten in z.T. die physischen Kräften übersteigenden Märschen  überführt wurden. Viele dieser Transporte waren nicht mit  den lebens-notwendigen Dingen ausgestattet. Begleitmann-schaften einiger dieser Transporte zeichneten sich durch Brutalität und Sadismus gegenüber den Internierten aus.

Aus 1131 Ortschaften im westlichen Polen (ehemalige Provinzen Posen und Westpreußen) wurden Deutsche in 4o größeren Marschgruppen zusammengestellt, da der Bahnverkehr durch Luftangriffe zum Erliegen kam. Dokumentarisch erfasst wurden 4500 Verschleppte, davon wurden 1794 ermordet. Die Unterlagen sind jedoch unvollständig. Man rechnet, dass aus den beiden vag. Regionen ca. 10.000 Deutsche verschleppt und auf den Märschen 2200 Menschen gestorben sind, da sie den Anstrengungen der Märsche nicht gewachsen waren.

 

 

 

Lit. :

  • Die Verschleppung der Deutschen aus Posen und Pommerellen im September 1939. Eine Dokumentation. Im Auftrag der Historischen – Landeskundlichen Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen bearbeitet von Hans Freiherr von Rosen, Berlin / Bonn 1990

 

 

Vierzehn Punkte

Bezeichnung für den Friedensentwurf des US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1856-1924) nach dem Ersten Weltkrieg, den er in seiner Jahresbotschaft an den Kongress am 08. Januar 1918 darlegte.

In Bezug auf Polen umfassten diese Grundsätze unter Punkt 13 folgende Forderung:

„die Schaffung eines unabhängigen polnischen Staat, der sämtliche von unzweifelhaft polnischer Bevölkerung bewohnten Gebiete umfassen sowie einen freien und sicheren Zugang zum Meer erhalten sollte.“

Erst angesichts der Aussichtslosigkeit eines Siegfriedens griff Deutschland im Waffen-stillstandsersuchen vom 03./04.Oktober 1918 diese „Vierzehn Punkte“ auf. Die Alliierten erklärten sich schließlich bereit, die „Vierzehn Punkte“ als Basis des Waffenstillstandes und künftiger Friedens-verhandlungen anzuerkennen.

 

 

Volksdeutsche

Der Begriff „Volksdeutsche, den es schon  vor 1933 gab, wurde in der NS-Zeit zur amtlichen Bezeichnung für Angehörige der deutschen Sprache und des deutschen Kulturkreises, die keine deutschen Staatsangehörige waren und außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches  von 1937 und außerhalb der Grenzen Österreichs in sog. Deutschen Sprachinseln oder Streusiedlungen lebten.

Von 1939 bis 1945 wurden etwa 900.000 Volksdeutsche zur „Rückwanderung“ nach Deutschland veranlasst.

Die Verbindung vom Deutschen Reich zu den “Volksdeutschen“ wurde von verschiedenen Partei-und Regierungsstellen aufrechterhalten.

1936 wurde im Auftrag Adolf Hitlers von dessen Stellvertreter Rudolf Hess (1894-1987) die ►„Volksdeutsche Mittelstelle“ eingerichtet, um alle mit Fragen der Volksdeutschen befassten Partei – und Regierungsstellen unter einer gemeinsamen Leitung zusammen zu fassen.

Die Volksdeutsche Mittelstelle unterstand der NSDAP unter Leitung eines SS- Führers, wurde aber 1938 dem Führer und Reichskanzler persönlich unterstellt.

Sie nutzte- in Verbindung mit dem Sicherheitsdienst der SS ihren Einfluss, um die Volksdeutschen im Sinne des NS zu beeinflussen und sie für die Ziele der nationalsozialistischen Politik zu missbrauchen.

 

Volksdeutsche Mittelstelle ( VOMI ).

 

Im Oktober 1934 schuf die nationalsozialistische Führung in Berlin eine eigene Institution für Fragen deutscher Minderheiten, die zunächst die Bezeichnung „Volkstumsbüro“ trug, im März 1936 in „ Volksdeutsche Mittelstelle“ umbenannt wurde.

Sie war anfangs dem Amt des Stellvertreters Hitlers, Rudolf Hess (1894 – 1987) unterstellt. Verwaltete die VOMI zunächst nur die von der Reichsregierung für die Volksdeutschen bereit gestellten Finanzmittel, so war sie nach der „Gleich-schaltung“ des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, des Bundes Deutscher Osten und anderer ähnlicher Organisationen ausschließlich für alle Fragen des „ Auslandsdeutschtums“ zuständig.

Die Ernennung von SS- Obergruppenführer Werner Lorenz (1891 – 1974) am o1. Juni 1937 zum Leiter der VOMI  und etwas später von SS – Oberführer Helmut Behrens (       ) zu seinem Stellvertreter führten zur allmählichen Eingliederung dieser Institution in den Zuständigkeits- – und damit Machtbereichs des SS- Reichsführers Heinrich Himmler (1900 – 1945).

Im Juni 1941 wurde dann die VOMI formal den Hauptämtern der SS gleichgestellt und dem „Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums“ unterstellt.

Lag die Hauptarbeit der VOMI bis zu diesem Jahr auf dem Gebiet der Unterstützung auslands-deutscher Organisationen und Aktivitäten  durch Gewährung von finanziellen Mitteln, so wurde sie nun für Zwecke der nationalsozialistischen Volks-tumspolitik eingesetzt. Dies bedeutete die Ansiedlung von „Volksdeutschen“ in den vom Deutschen Reich besetzten Gebiete im Osten Europas und die Umsiedlung der nichtdeutschen ansässigen Bevölkerung.

So organisierte und leitete das Amt XI der VOMI die Umsiedlung der Deutschen aus dem Baltikum in den Reichsgau Wartheland. Aus diesem Gau wurden hierfür über eine Million Polen in das Generalgouvernement deportiert, um Platz für die deutschen Umsiedler zu schaffen, die u.a. auch aus Wolhynien, Galizien und dem Cholmer Land zum Zwecke der „Germanisierung“ Westpolens hier sesshaft gemacht werden sollten.

 

 

Volksdeutscher Rat

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten lagen die politischen Kompetenzen über Fragen der deutschen Minderheit in Polen ausschließlich beim Auswärtigen Amt.

Bereits 1933 wurde Rudolf Hess (1894-1987), Stellvertreter Hitlers, mit der Betreuung der deutschen Minderheitengruppen beauftragt.

Am 27.Oktober 1933 gründete er den Volksdeutschen Rat, dessen wesentliche Aufgabe die sog. „Gleichschaltung“ aller  politischen Vertretungsorgane und  Institutionen der deutschen Minderheiten war.

Die machtpolitischen Auseinandersetzungen über Kompetenzen, Zuständigkeiten und Verant-wortlichkeiten in Deutschland spiegelten sich auch bei der deutschen Minderheit in Polen wider. Hier gab es harte Auseinandersetzungen zwischen der „Deutschen Vereinigung“ und der „Jungdeutschen Partei“.

Die Jungdeutsche Partei wurde ausschließlich durch die NSDAP unterstützt, die „Deutsche Vereinigung“ erhielt ihre Förderung durch das Auswärtige Amt und die Deutsche Stiftung.

Der Volksdeutsche Rat wurde der► Auslands-organisation der NSDAP unterstellt.

 

 

Volksdeutscher Selbstschutz

Der Volksdeutsche Selbstschutz war unmittelbar nach den militärischen Kampfhandlungen in den von Deutschen bewohnten Gebieten Westpolens im September 1939  als Milizorganisation entstanden. Seine Aufgabe bestand offiziell darin, Volksdeutsche in Polen zu rekrutieren und zu organisieren, die später in die SS und Polizei-dienste übernommen werden sollten. Seine Tätigkeit im Gebiet des späteren Reichsgaues Wartheland wurde auf hilfspolizeiliche Funktionen beschränkt, so u.a. auf die Bewachung von deutschem Besitz und Hilfsdienste für die SS und Gestapo.

Ihm gehörten innerhalb kürzester Zeit weit über 100.000 „wehrfähige “ Angehörige der deutschen Minderheit an.

Vielerorts verselbständigte sich der Volksdeutsche Selbstschutz zu einer Organisation, in der Angehörige der deutschen Minderheit in Polen als Rache für angebliche oder tatsächlich erlittene Diskriminierung  Verbrechen verübten.

In einem Schreiben Heinrich Himmlers (1900-1945)  vom 29. September 1939 an das Oberkommando der Wehrmacht und die Militärbefehlshaber definierte er die Aufgaben des „Volksdeutschen Selbstschutzes“: „Der Selbstschutz ist eine Organisation der Polizei und untersteht den Befehlshabern der Ordnungspolizei…. Über den Einsatz des Selbstschutzes verfügt der Befehlshaber der Ordnungspolizei, der auch die erforderlichen Weisungen für Bewaffnung, Ausbildung und Dienstaufsicht über den Selbstschutz erlässt. Ich ersuche, dafür Sorge zu tragen, dass Polizeibefugnisse nicht von anderen Organisationen in Anspruch genommen werden.“

Im  Bereich des Militärbefehlshabers von Posen beschränkten sich die dort als Selbstschutzführer eingesetzten SS-Führer im Wesentlichen darauf, die ihnen unterstellten Selbstschutzmänner als Wachmannschaften einzusetzen. Im übrigen betrieben sie Werbung für SS und Hilfspolizei.

Nachdem defacto der Selbstschutz längst etabliert war, erließ Himmler am 07. Oktober 1939 die „Vorläufigen Richtlinien für die Organisation des `Selbstschutzes in Polen ` „.

„Der Selbstschutz ist eine Polizeiorganisation. Mit seiner Gründung sind die Stäbe bei den Militärbezirken in Übereinstimmung mit den Führern der Ordnungspolizei beauftragt. Die SS-Führungsstäbe unterstehen gleichzeitig den Höheren SS- und Polizeiführern. Über die Verwendung des Selbstschutzes bestimmen die Führer der Ordnungspolizei…. Für die Durchführung polizeilicher Aufgaben sind die Polizeiverwaltungen zuständig. Sie dürfen dem Selbstschutz Aufgaben wie die Überführung von Flüchtlingen und die Übernahme von Kriegs-gefangenen und die Bewachung und Sicherung wichtiger Anlagen und Objekten überlassen. Zu größeren polizeilichen Aktionen darf der Selbstschutz auch außerhalb seines örtlichen Bereiches verwendet werden.“

Mit Erlass vom o8. November 1939 verfügte Himmler die Auflösung des Volksdeutschen Selbstschutzes zum 30. November 1939. Seine Mitglieder wurden in die SS, SA, NSKK oder NSFK übernommen.

 

Lit. :

  • Jansen, Christian / Weckbecker, Arno : Der „ Volksdeutsche Selbstschutz „ in Polen 1939 / 1940 ( Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Bd. 64 ), München 1992
  • Jansen, Christian/Weckbecker, Arno : Eine Militz im „Weltanschauungskrieg“. Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40. In : Wolfgang Michalka (Hg.): Der Zweite Weltkrieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. Weyarn 1997

 

 

Volkszeitung in Polen

Diese sozialdemokratische Zeitung war das Nachfolgeorgan der „Volksstimme „, die 1920 mit der Abtrennung der Provinz Posen vom  Deutschen Reich ihr Erscheinen einstellen musste. Die SPD übergab alle ihre Rechte und das unbewegliche Vermögen der Sozialdemokratie Posens, so u.a. ein Haus am Theaterplatz in Bromberg, das auch die Druckerei beherbergte.

Chefredakteur  dieser Wochenzeitung war Artur Pankratz (1897-1975)

Die „Volkszeitung“ hatte als Wochenschrift der DSAP 1927 eine Auflage von 1800 Exemplaren, die bis 1931 auf 2300 gesteigert werden konnte.

Subventioniert wurde sie von der SPD und der „Deutschen Stiftung“.

Die Volkszeitung löste bereits 1928 die Zusammen-arbeit mit der Deutschen Sozialistischen Arbeiter-partei Polens (DSAP) und wurde zum Zentralorgan der von Pankratz gegründeten► „Deutschen Sozialdemokratischen Partei Polens „. Noch bis zum 26. März 1933 führte die Zeitung den Untertitel „Organ für die werktätige Bevölkerung“, ab dem 02. April 1933 „Die deutsche Wochenzeitung in Polen.“

Am 01. Oktober 1936 wurde der Name der Zeitung  in “ Deutsche Volkszeitung in Polen. Illustrierte Tageszeitung “ abgeändert, unter dem sie nur noch wenige Monate erscheinen konnte. Die letzte Ausgabe erschien am 26. Juni 1937.

 

Lit. :

  • Heike, Otto : Die deutsche Arbeiterbewegung in Polen 1835 bis 1945 , Dortmund 1969

 

 

 

Waffenstillstand von Trier

Die nach der Revolution vom November 1918 auch in der Provinz Posen gebildeten Arbeiter- und Soldatenräte, die national gemischt waren, wurden von polnischen Kreisen zur Vorbereitung eines Umsturzes zwecks Wiederbegründung eines polnischen Staates genutzt.

Sie gründeten polnische militärische Verbände, die um die Jahreswende 1918/1919 etwa 70.000 Mann stark waren.

Am 27. Dezember 1918 begann der sog. ►“Großpolnische Aufstand“ in Posen, durch den in kurzer Zeit der größte Teil der Provinz von aufständischen Truppen kontrolliert wurde.

Zahlreiche Selbstschutz – und Grenzschutz-einheiten (Freikorps, Volks-und Bürgerwehren) organisierten – teilweise unterstützt durch reguläre deutsche Truppen- militärischen Widerstand. Es kam  zu für beiden Seiten verlustreichen Kämpfen, bis die Reichsregierung am 16. Februar 1919 in Trier einen  Waffenstillstand abschloss und eine Demarkationslinie anerkannte, die im Wesentlichen der bestehenden Frontlinie entsprach. Sie verlief von der Weichsel südlich von Thorn über Samotschin, Kolmar, Czarnikau, Birnbaum, Bentschen, Lissa, Rawitsch nach Schildberg.

 

 

Wapno (poln.: Wapno) Kreis Wongrowitz

  1. ist eine Gemeinde mit ca. 2500 Einwohnern im Kreis Wongrowitz (Wągrowiec).

Unter der 1299 erstmals erwähnten Gemeinde wurde im 19.Jahrhundert eine Gipslagerstätte entdeckt, deren Abbau 1828 begann. 1871 stieß man auf ein Steinsalzvorkommen, das seit 1907 abgebaut wurde. 1911 erwarb das belgische Unternehmen Solway das Bergwerk und gründete nach dem 1. Weltkrieg die Solvay Werke in Polen.

Das Steinsalzwerk Wapno war eines der bedeutendsten Salzbergwerke der Neuzeit in Polen, dessen größte Fördermengen in den Jahren von 1950 bis 1965 erreicht wurden.

1966 war die Lagerstätte im Wesentlichen erschöpft und der Bergbau wurde eingestellt. Dabei erfolgte nur eine ungenügende Sicherung der bergbaulichen Anlagen. Dadurch kam es 1977 zu einem verherrenden Wassereinbruch, der zu karstartigen Ausspülungen des Gipslagers führte und Einbrüche im Zentrum des Ortes zur Folge hatte. 324 Einwohner mussten sofort evakuiert werden; bis Januar 1978 setzten sich diese Einbrüche fort.  Der größte erfolgte in der Nacht zum 29. September 1977, als über 1000 Einwohner evakuiert werden mussten und fast das gesamte Ortszentrum versank.

Partnergemeinde:Amelimghausen , Niedersachsen.

 

Lit.:

  • Patro, Gustawa: Gmina Wapno. Wągrowiec 1998

 

 

Warthe (poln.:  Warta )

Größter rechter Nebenfluss der Oder. 756 km lang und über 400 km (ab Konin) schiffbar. Die Warthe entspringt auf der Polnischen Platte bei Zawiercie (südlich von Tschenstochau ) und durchfließt die ausgedehnten Sumpfniederungen Westpolens. Nimmt bei Schwerin a.d.W. die ► Obra und östlich von Landsberg die ►Netze auf  und mündet bei Küstrin in die Oder als deren größter Nebenfluss. Nach den Flussregulierungen seit 1819 wuchs die Bedeutung der Warthe als Wasserverkehrsstrasse, bis die Eisenbahn für erhebliche Konkurrenz sorgte. Das gesamte Wassereinzugsgebiet mit den linksseitigen Nebenflüssen Obra und Prosna sowie der rechtsseitigen Welna und Netze beträgt 54.000 qkm.

An der Mündung der  Warthe bei Küstrin wurde im Jahre 2001 der Nationalpark Warthemündung eingerichtet.

 

 

 

Warthe – Netze – Niederung

 

Warthegau 

►Reichsgau Wartheland

 

 

Wartheländischer Dichterkreis

 

Im Anschluss an ein „Großdeutsches Dichtertreffen“ in Weimar lud der Gauleiter Arthur Greiser (1897-1946) auf Betreiben des Philologen und Schriftstellers Dr. Franz Lüdtke (* 05. Sept.1882 in Bromberg; 30 April 1945 in Oranienburg) zu einer ersten „Ostdeutschen Dichterwoche“ nach Posen ein. Anlässlich eines Empfanges sämtlicher  aus diesem Anlass in Posen anwesenden Literaten gründete sich am 31. Oktober 1941 der „Wartheländische Dichterkreis“. An diese Gründungsversammlung schloss sich eine mehrtägige Besprechung auf Schloss Johannesbach über die in Zukunft zu leistende Kulturarbeit zugunsten des „Warthelandes als organischem Teil des ostgermanischem Territoriums an.

Teilnehmer dieser Tagung waren neben Franz Lüdtke, Herybert Menzel (1906-1945), Carl Simon, Wolfram Krupka, Paul Grabein, Valentin Polcuch (1911-1989), der Gaukulturreferent Vermöhlen, der Landeskulturverwalter Maut und ein namentlich nicht mehr zu ermittelnder Referent des Reichs-propagandaamtes.

Zum Präsidenten dieser Vereinigung von Schriftstellern, die „im Deutschen Reiche mit Blickrichtung nach Osten geschrieben oder als deutsche Dichter im Polen der Zwischenkriegszeit“ gelebt haben, wurde Franz Lüdtke gewählt.

Seine bei der Gründung formulierten Ziele (u.a. Förderung des literarischen Nachwuchses, Herausgabe einer eigenen Buchreihe, Durchführung einer jährlich stattfindenden „Posener Dichterwoche“, intensive Mitarbeit bei Presse, Rundfunk, Film und Theater konnte der Warthe-ländische Dichterkreis nur bedingt realisieren. Die von ihm verantwortete und von Heinz Kindermann (1894-1985)  im Jahr ?? herausgegebene Anthologie „ Du stehst in großer Schar. Junge Dichtung aus dem Wartheland“ – eine literarische Sammlung ohne ästhetischen Wert und Manifest nationalsozialistischer Gesinnung – sowie  die gestaltende Teilnahme an einer von der Stadt Eichenbrück (Wongrowitz ; Wągrowiec ) anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Stadtgründung veranstalteten Kulturwoche im Oktober 1943 waren die einzigen nennenswerten Aktivitäten dieses Kreises. Danach trat er geschlossen nicht mehr in Erscheinung. Auch sonst erzielte diese Vereinigung keine nachhaltige literarische oder kulturpolitische Wirkung.

 

Lit. :

 

  • Kriebel, Karl Friedrich : Der Wartheländische Dichterkreis. In : Der Kulturwart 66/67 (1964 ) S. 48- 49

 

 

Wartheseen

Im Nordwesten des Dorfes Chojno befindet sich der Radzischewoer See mit einer Flächenausdehnung von 46 ha. Parallel zum Radzischewoer See erstreckt sich der Chojnoer See mit einem Areal von 50 ha.

Westlich des C. – Sees befindet sich der Bucharzewoer See mit einer Größe von 14 ha. Westlich des B. – Sees erstreckt sich die Rinne des Kupker und Nieczolker Sees. Der Kupker See ist 73 ha groß; der Nieczolker See – der dicht an die Warthe heranreicht – weist eine Größe von 27 auf.

Westlich des Kupkersees findet sich der Lichwinssee (49 ha, 10m Tiefe). Es handelt sich bei diesem See um einen Rinnensee, dessen Nordteil verlandet ist und der in die Warthe abfließt.

Zu dieser Seengruppe zählen darüber hinaus der „Mönchsee“ (31 ha); der Klossowskisee (142 ha), der Barlinsee (108 ha), der Sandsee (14 ha), Mittelsee (8 ha), der Schnecken – (15 ha) und der Mühlensee (33 ha).

Westlich des Mühlensees befinden sich der Radegoscher und der Cheninsee (22 ha). Der Radegoscher See ist mit 33 m Seespiegelhöhe der niedrigst gelegene See des Posener Landes und weist eine Größe von 47 ha auf.

Als letzter zu nennender See zählt der Meriner See (48 ha) zu dieser Seengruppe

 

 

Weichsel (poln. Wisla)

Mit 1068 km ist die Weichsel der längste Fluss Ostmitteleuropas mit einem Einzugsgebiet von rund 200.000 qkm.

Im 14. bis 16. Jahrhundert war die Weichsel ein häufig benutzter Wasserweg für den Handel.

 

Die Weichsel ist ein 1.047 Kilometer langer Strom in Polen. Das Einzugsgebiet umfasst jedoch auch Teile der Slowakei, Weißrusslands und der Ukraine. Der längste Gewässerlauf in ihrem Flusssystem sind die 1213 Flusskilometer von der Quelle des Westlichen Bug bis zur Ostsee.

Der Strom entspringt in den Schlesischen Beskiden am 1.214 m hohen (ehemals: Widderberg) .Nach dem Verlassen des Gebirges wendet sie sich nach Osten und bildet ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen.

Sie fließt ostwärts durch in eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau -Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland sowie östlich vom Lubliner Hügelland begrenzt wird. Etwa 70 km nach dem Stausee fließt die Weichsel durch die alte Königsstadt Krakau (Kraków). Von Niepołomice 25 km östlich von Krakau bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien und dem Russischen Reich. 70 km hinter dem Ort mündet der Karpatenfluss Dunajec. Bald hinter Sandomierz mündet von den Karpaten her der San  in die Weichsel. Weiter nördlich erreicht sie das polnische Tiefland. Kurz hinter Warschau (Warszawa) gelangt sie in den Bereich überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler, durch die ihr von Osten, kurz vorher vereint, Bug und Narwe zufließen. Hier wendet sie sich stark nach Westen und passiert u.a. Płock und Toruń (Thorn). Bei Włocławek besteht seit 1970 ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoscz (Bromberg), dessen Stadtzentrum nicht am Strom liegt, verlässt sie das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht in einem kleineren den baltischen Landrücken. Dieser umfasst zwischen Weichsel und Oder die Pommersche Seenplatte, zwischen Weichsel und Njemen die Masurische Seenplatte. In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden am Mittellauf umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durch-geführt, um die Schiffbarkeit zu verbessern.

 

Der Einstrom des Flusses in die Ostsee wurde natürlicherweise durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrung versperrt, des westlichen Teils der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana). Zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew (Mewe) zweigt nach Osten die Nogat ab, die erst 1371 durch ein Hochwasser vom selbständigen Fluss (wieder) zum Weichselarm wurde und im Bereich der Elbinger Niederung das Frische Haff (polnisch: Zalew Wiślany, also Weichselhaff) mündet. Kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel (Szkarpawa ), die ebenfalls ins Frische Haff mündet und bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom war, und die Danziger Weichsel, die nahe der Stadt Danzig den Dünenrücken durchbrach und die in die Danziger Bucht (polnisch Zatoka Gdańska) mündete. Im Jahre 1840 entstand bei einem Hochwasser ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig, woraufhin der westliche untere Teil des alten Mündungsarms versandete. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung der Dünenrücken durchstochen, um die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas zu vermindern. Seit der größte Teil des Weichselwassers durch diesen Weichsel-durchstich, polnisch Przekop Wisły, in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt und wurde zunehmend Tote Weichsel genannt, polnisch Martwa Wisła.

Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat ihrerseits ein Delta ausgebildet. Dessen nördlichster Arm wird weiterhin Wisła Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt.

Ob der Name „Weichsel“ indoeuropäischer oder prä-indoeuropäischer Herkunft ist, gibt es bisher keine einhellige Meinung.

 

Weichsel-Oder-Operation

Die Weichsel-Oder-Operation  ist die Bezeichnung einer Offensive an der deutsch-sowjetischen Ostfront des Zweiten Weltkrieges. Die Rote Armee begann am 12. Januar 1945 eine neue strategische Offensive auf der 1.200 Kilometer breiten Front zwischen der Ostsee und den Karpaten. Sie endete am 3. Februar 1945. Im Verlauf dieser Operation führte die Rote Armee zwei Unteroperationen durch: Warschau-Posener- und die Sandomierz-Schlesische Angriffsoperation.

Am 12. Januar 1945 griff die 1. Ukrainische Front aus dem Baranow-Brückenkopf heraus an, gefolgt von der 1. Weißrussischen Front zwei Tage später. Bis zum 18. Januar waren die sowjetischen Truppen auf 500 km Breite bis zu 150 km tief eingebrochen und hatten die Hauptkräfte der Heeresgruppe A zerschlagen. Warschau wurde am 17. und Krakau am 19. Januar 1945 erreicht, und ebenfalls am 19. Januar überquerten die ersten sowjetischen Truppen die Grenzen des Deutschen Reichs.

 

Der Vormarsch erfolgte in der Hälfte der vom sowjetischen Oberkommando veranschlagten Zeit. Die deutsche Führung zog 40 Divisionen von anderen Fronten ab, konnte aber den sowjetischen Vormarsch nicht stoppen.

Am 25. Januar 1945 wurden die rund 30.000 bis 63.000 Verteidiger der zur Festung erklärten Stadt  Posen  eingeschlossen. Der nun folgende Kampf um Posen dauerte noch fast einen Monat bis zur Kapitulation der letzten Verteidiger. In der Zeit vom 26. Januar bis zum 3. Februar durchbrach die 1. Weißrussische Front an der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze in der Neumark die deutschen Verteidigungslinien und bildete die ersten Brückenköpfe bei Küstrin an der Oder  Gleichzeitig stieß die 1. Ukrainische Front nach Schlesien vor, während die 4. Ukrainische Front Südpolen und die Nordtschechoslowakei (die heutige nördliche Slowakei ) eroberte.

Die Kämpfe waren für beide Kriegsparteien sehr verlustreich. Die Rote Armee verlor nach eigenen Angaben 193.125 Soldaten (davon 43.251 Tote und Vermisste sowie 149.874 Verwundete), 1.267 Panzer, 374 Geschütze und 343 Flugzeuge.

 

Welna

Der 116 km lange rechte Nebenfluss der Warthe entspringt dem Weidenhofer See (Jez. Wierzbiczańskie) bei ►Gnesen (Gniezno) und mündet bei Obornik in die Warthe (Warta) . Der Flußname leitet sich von dem altpolnischen Wort „wełna“ (= Welle) ab. In der Stadt Wongrowitz (Wągrowiec) weist der Fluss eine interessante hydrologische Erscheinung auf, die sog. ►Bifurkation. Sie mündet bei Obornik in die Warthe.

Nebenflüsse der Welna sind die Flinta, die Kleine Welna, die Rudka und die Nielba.

 

 

 

Welnau  (poln. Kiszkowo )  Kreis Gnesen

23 km nordwestlich von Gnesen.Im 14. Jahrhundert war König Kasimir der Große (1333- 1370) von Polen häufig Gast in Welnau, um hier zu jagen. Bei einem seiner Jagdbesuche schenkte Kasimir den Ort einem seiner Günstlinge, dem Adligen Kiszka, der die Stadt 1395 Kiszkowo benannte. Kiszkowo besaß aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung einige große Privilegien, so u. a. das Recht, gerichtliche Entscheidungen endgültig zu fällen bzw. Hexenprozesse zu führen. Dieses Recht stand zu jener Zeit noch nicht einmal Gnesen zu. Im Jahre 1708 brach in der Stadt die Pest aus. Lediglich 6 Einwohner überlebten und an den früheren Wohlstand konnte danach nicht wieder  angeknüpft werden. 1881 wurde aus der Stadt ein Marktflecken.

 

Westpolnische Landwirtschaftliche Gesellschaft   ( WELAGE )

( Zachodniopolskie Towarzystwo Rolnicza )

Schon im Frühjahr 1919 kam es in dem von dem Großpolnischen Aufstand  erfassten Teils der Provinz Posen zur Gründung einer deutschen landwirtschaftlichen Einheitsorganisation, die mit ihrer Eintragung in das Vereinsregister am 02. April 1919 unter der Bezeichnung „Hauptverein der deutschen Bauernvereine“ ihre Tätigkeit aufnahm.

Nördlich der deutsch – polnischen Demarkations-linie entstand der „Verband  deutscher Landwirte“ mit Sitz in Bromberg. Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages erfolgte im Juni 1920 die Fusion dieser beiden landwirtschaftlichen Vereine. Im September 1921 wies diese Interessens-vertretung deutscher Landwirte im Westen des neuen polnischen Staates bereits 25 Kreisverbände mit 170 Ortsvereinen auf. Ihre Hauptaufgaben sah sie in der

  • Unterstützung der gesellschaftlichen und genossenschaftlichen Zusammenarbeit der Landwirtschaft
  • Interessensvertretung deutscher Landwirte gegenüber der polnischen Regierung und den polnischen Behörden
  • juristischen Beratung und Unterstützung (bspw. Durch Gewährung von Prozesskostenbeihilfen und Bereitstellung von Rechtsbeiständen )
  • Steigerung der Effektivität der land-wirtschaftlichen Produktion durch ent-sprechende qualifizierte Aus – und Fortbildung

 

Zur beruflichen Qualifizierung wurden u.a. Fortbildungskurse, Jungbauerntagungen zum fachlichen Erfahrungsaustausch, Vortragsreihen und Lehrschauen sowie Hofbesichtigungen organisiert. Für die berufliche Weiterbildung der Junglandwirte konnte der Verein 1920 bei der Landwirtschaftskammer die Einrichtung sog. „landwirtschaftlicher Winterschulen“ erwirken.

Die polnische Regierung löste am 28. August 1923 den Hauptverein der deutschen Bauernvereine mit der Begründung auf, er sei mit dem „Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte“ identisch. Belegt wurde diese Verbotsverfügung nicht; eine vom Hauptverein der deutschen Bauernvereine eingereichte Klage nicht verhandelt.

Daher entschlossen sich die Verantwortungsträger des aufgelösten Hauptvereines zur Gründung einer neuen Organisation. Bereits am 09. November 1923 konstituierte sich die „Westpolnische Landwirtschaftliche Gesellschaft“, deren Programmatik und organisatorischen Strukturen identisch mit dem aufgelösten Hauptverein waren.

Um den polnischen Behörden jeden Vorwand zur Ablehnung der neuen Organisation zu nehmen, ließ man aus dem Namen der neuen Organisation  jeden Hinweis auf ihren deutschen Charakter weg.

Die Verantwortung für die Geschäftsführung trug der Hauptvorstand, der sich aus vier ehrenamtlich tätigen Berufslandwirten und zwei hauptamtlich angestellten Geschäftsführern zusammensetzte. Oberstes beschlussfassendes Organ der WELAGE war die Generalversammlung, in die jede Ortsgruppe einen Delegierten entsandte. In der WELAGE konnten nur Landwirte deutscher Nationalität und deren Familienangehörige, sowie Personen deutscher Nationalität, die an der Entwicklung der Landwirtschaft interessiert waren, ihre Mitgliedschaft begründen. Außerdem vereinigte die WELAGE landwirtschaftliche Gesellschaften, Vereine und Institutionen als juristische Mitglieder.

Der Tätigkeitsbereich der WELAGE wurde von den polnischen Behörden nur für Posen und Pommerellen genehmigt. Entsprechende Bemühungen, eine Erweiterung des Wirkungs – und Arbeitsbereiches auf ganz  Polen zu erreichen, blieben erfolglos. Da in Pommerellen bereits eine eigene deutsche landwirtschaftliche Berufs-organisation, der Landbund Weichselbund tätig war, beschränkte sich die Arbeit der WELAGE faktisch auf die Woiwodschaft Posen.

Bereits ein Jahr nach ihrer Konstituierung hatte die WELAGE einen ebenso großen organisatorischen Umfang wie der Hauptverein zum Zeitpunkt seiner Auflösung. Hatte die WELAGE 1925 rund 9200 Mitglieder, die in 172 Ortsvereinen und 25 Kreisgruppen organisiert waren, wies die Mitgliederstatistik 1938  10900 Stammmitglieder in 27 Kreisgruppen und 73oo Familienangehörige aus.

Vorsitzender der WELAGE war bis zum Sommer 1938 der Gutsbesitzer Georg Freiherr von Massenbach – Konin.(               ). Sein Nachfolger in diesen Ämtern wurde der Pächter des Rittergutes Hilarow bei Jarotschin und ehemalige Sejm-Abgeordnete Bernd von Saenger (          )

Sie gab das „Landwirtschaftliche Zentralwochen-blatt für Polen“ heraus.

Die WELAGE, mit einer Haupt – und neun Bezirks-geschäftsstellen, finanzierte sich aus den Beiträgen ihrer Mitglieder, die zwischen 25 und 35 polnischen Groschen pro Morgen landwirtschaftlich genutzter Flächen betrugen.

Die Mitglieder der WELAGE verfügten zusammen über 1,5 Millionen Morgen Grundbesitz, wobei die Großgrundbesitzer in der Mitgliederschaft dominierten (► Verband deutscher Ansiedler und Bauern).

Um in den Genuss von Agrar – Subventionen, die von der Regierung Deutschlands zur Unterstützung der deutschen Minderheit in Polen bereit gestellt wurden, zu kommen, war ab 1925 die Mitglied-schaft in der WELAGE zwingende Voraussetzung.

Mit der Errichtung des „ Reichsgaues Wartheland“ 1939 wurde die WELAGE aufgelöst; ihre Arbeit und Aufgaben übernahm der „Reichsnährstand“

 

Lit. :

  • Klusak, Gustav : Die „Westpolnische Landwirtschaftliche Gesellschaft“ in Posen ( I ). In : Jahrbuch Weichsel – Warthe (1986 ) S. 62 – 71

 

  • : Die „Westpolnische Landwirtschaftliche Gesellschaft „ in Posen ( II ). In : Jahrbuch Weichsel – Warthe

(1987 ) S. 37 – 42

 

 

Westposener Hochfläche

Die Westposener Hochfläche wird im Osten und Norden vom Warthetal, im Süden und Westen vom Obratal begrenzt.

Sie hat eine Größe von rund 6000 qkm, die größte Höhe der Westposener Hochfläche wird in den Nordheimer Höhen mit 154 m erreicht.

Die Landschaft weist mit 145 Seen die größte Anzahl von allen Posener Landschaften aus.

 

 

Wielichowo (poln.:Wielichowo) Kreis Schmiegel

Die älteste urkundliche Erwähnung dieses Gemeinwesens, 17 Kilometer nordwestlich von Schmiegel (Smiegiel) gelegen, findet sich in einem Dokument des Jahres 1297.

Für die sich im Besitz des Bischofs von Posen befindliche Ortschaft stellte der polnische König Władysław Jagiello (1348-1434) am 15.Juli 1429 eine Urkunde über die Verleihung städtischer Privilegien aus. Das Vorhaben der Stadtgründung wurde jedoch bald aufgegeben. Stattdessen erbaute man neben dem bereits bestehenden Dorf W. eine Stadt, der man den Namen Czolkowiec (1430) gab, der jedoch durch den Dorfnamen verdrängt wurde.

Heute kleines Städtchen mit rund 1600 Einwohnern

 

 

 Wiener Abkommen

► Optanten

Am 30. August 1924 wurde dieses deutsch – polnische Abkommen über Staatsangehörigkeits – und Optionsfagen in Wien abgeschlossen, das in Artikel 12 dem weiteren Verbleib der inzwischen auf 20. 563 Restoptanten in Polen kurze Fristen setzte.

Es wurde vereinbart, dass die Wohnsitzverlegung der Optanten in das Deutsche Reich spätestens stattzufinden habe:

  1. am 01. August 1925 von Personen, die in Polen keinerlei Grundeigentum besitzen
  2. am 01. November 1925 von Personen, deren Grundbesitz im Gebiet einer Festung oder in einer Grenzzone gelegen ist.
  3. am 01. Juli 1926 von Personen, deren Grundbesitz in Polen außerhalb eines Festungsgebietes oder außerhalb der Grenzzonen gelegen ist.

 

 

Wiener Kongress

Bezeichnung für die gesamteuropäische Staatenkonferenz von 1814 / 15 , auf der, nach dem Sieg der gegen Napoleon verbündeten Mächte in den Freiheitskriegen über die politische Neuordnung des Kontinents entschieden wurde.

Gegen die russische Forderung, das napoleonische “ Herzogtum Warschau “ insgesamt als konstitutionelle Monarchie in Personalunion mit Russland zu verbinden und Preußen für den Verlust seiner polnischen Gebiete mit Sachsen abzufinden, formierte sich der Widerstand der ehemaligen Verbündeten. Der russische Zar Alexander I. (1777-1825) willigte in einen Kompromiss ein: Mit der Angliederung des sog. Großherzogtums Posens an Preußen und Galiziens an Österreich sowie mit der Internationalisierung der Stadt Krakau wurde die Teilung Polens erneuert. Nur ein Teil des Herzogtums Warschau kam als das neue Königreich Polen unter die Herrschaft der russischen Zaren. Alle altpolnischen Länder sollten “ nationale Institutionen “ erhalten und als Freihandelszone untereinander verbunden bleiben.

Lit.:

  • Botzenhart, Manfred : Reform, Restauration und Krise. Deutschland 1789–1847. Moderne deutsche Geschichte (MDG) / herausgegeben von Hans-Ulrich Wehler ; Band 4. In: Edition Suhrkamp: 1252 = N.F., Band 252: Neue historische Bibliothek. 4. Auflage., Frankfurt 1996 / (1. Auflage) 1985, S. 80–85.
  • Manfred Botzenhart: Der Wiener Kongress. Rücktritt ins Privatleben. Stein und die ständischen Bestrebungen des westfälischen Adels (Juni 1814 – Dezember 1818). In: Manfred Botzenhart (Hrsg.):
  • Braubach, Max: : Von der französischen Revolution bis zum Wiener Kongress. München, 1974.
  • Peter Burg: Der Wiener Kongreß: der Deutsche Bund im europäischen Staatensystem. München, 1984. (Deutsche Geschichte der neuesten Zeit Bd.1)
  • Hans-Dieter Dyroff (Hrsg.): Der Wiener Kongress – Die Neuordnung Europas. München 1966.
  • Fehrenbach, Elisabeth: Vom Ancien Régime zum Wiener Kongress. München 2001
  • Alexandra von Ilsemann: Die Politik Frankreichs auf dem Wiener Kongress. Hamburg 1996
  • Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution, 4. Auflage, München 2004:
  • Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806–1871. Frankfurt, 1995. S. 313–329

 

 

Wilatowen (poln.: Wylatowo )- Kreis Mogilno

Der Ort wird schon 1147 als Besitz des Klosters Tremessen erwähnt. Noch als Dorf erhielt W. unter Wladyslaw Odonicz (1190-1239) deutsches Recht verliehen. Die Erhebung zur Stadt muss in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgt sein, da W. 1368 noch als Dorf, 1388 aber schon als Stadt bezeichnet wird.

Ein Brand zerstörte 1756 große Teile der Stadt.

Durch Kabinettsorder vom 28. Feb. 1781 wurde W. wieder zu einem Dorf zurückgestuft.

 

 

Wirsitz (poln: Wyrzysk) Kreis Wirsitz

an der Lobsonka gelegen. Prähistorische Funde belegen die Existenz einer Siedlung mit Fliehburg. Die ersten diese Stadt betreffenden Überlieferungen stammen aus dem Jahr 1326. Stadtrecht erhielt W. 1565 verliehen, verlor sie aber wieder und erhielt sie 1773 erneut durch Friedrich II (1712-1786). 1772 preußisch.  Bei der preußischen Inbesitznahme zählte die Stadt nur noch 207 Einwohner, von denen 96 protestantisch, 53 katholisch und 58 jüdischen Glaubens waren.

 

Lit. :

  • Pappstein, Herbert ( Hrsg. ) : Der Kreis Wirsitz, Osnabrück 1973

Sierpowski, Stanislaw : Dzieje Wyrzyska. Poznań 1999

 

Wissek  (Wysoka) Kreis Wirsitz

…ist eine Stadt mit 2.900 Einwohnern in Polen. Sie liegt 25 km östlich von Schneidemühl (Piła) auf der Krajna .

Die Ersterwähnung der Stadt stammt von 1260. Im Jahre 1505 erhielt Wissek Stadtrecht,das 1722 nach einem großen Stadtbrand erneuert wurde. 1772 kam Wissek zu Preußen und verblieb dort, mit einer Unterbrechung in den Jahren 1807 bis 1815, als die Stadt dem Großherzogtum Warschau zugeschlagen war, bis sie 1920 auf Grund des Versailler Vertrages zur Republik Polen kam.

Von 1818 an gehörte sie dem preußischen Kreis Wirsitz an und war zwischen 1920 und 1939 Teil des Powiat Wyrzysk, der im Zweiten Weltkrieg wieder zum Landkreis Wirsitz wurde. Seit 1945 gehört Wysoka wieder zu Polen.

 

 

Witkowo  ( poln. : Witkowo ) Kreis Witkowo

Die Siedlung Witkowo soll ihren Namen nach einem im Jahr 1131 erwähnten adligen Grundeigentümer Witoslaw Witków erhalten haben.

1363 erstmals urkundlich erwähnt, wurde Witkowo zwischen 1676 und 1684 zur Stadt erhoben – ein Privileg, das 1740 und 1782 bestätigt wurde.

Durch die 2. Teilung Polens wurde W. preußisch.

1919 hob die neue polnische Regierung die Funktion Witkowos als Kreisstadt auf und schlug den Kreis dem Kreis Gnesen zu.

Das Kriegsgefangenenlager in W. wurde 1919/20 umfunktioniert zu einem Gefangenenlager für deutsche politische Häftlinge.

 

 

Wohlfahrtspflege  ( Deutscher Wohlfahrtsdienst; Deutscher Wohlfahrtsbund, kirchliche karitative Organisationen )

Mit karitativer Tätigkeit befasste sich die Unierte Kirche vor allem im Rahmen der Inneren Mission.

Im Raum Posen war der 1878 gegründete Provinzialverein für Innere Mission mit Sitz in Posen für die Wohlfahrtspflege zuständig.

Unter den dem Landesverband unterstehenden Verbänden und Organisationen hatte die Tätigkeit der Diakonissenanstalt in Posen die nachhaltigste Wirkung. Sie war 1865 gegründet worden.

1921 arbeiteten in der ehemaligen Provinz Posen 387 Schwestern der Anstalt in 137 Einrichtungen. Ihre wesentliche Aufgabe bestand in der gesundheitlichen Betreuung und in  der Arbeit in zahlreichen Einrichtungen der Sozialbetreuung.

Geschäftsführer wurde 1918 Pfarrer Richard Kammel, sein Nachfolger Superintendent Johannes Steffani.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Provinzialverein liquidiert und seine Immobilien eingezogen. Als „Landesverband für Innere Mission in Polen“ neugegründet.

 

Wollstein (poln. : Wolsztyn)  Kreis Bomst

Einzelheiten über die Gründung der Stadt sind nicht bekannt, außer das W. gegen Ende des 14. Jahrhunderts vom Zisterzienserkloster aus Paradies bei Meseritz gegründet wurde. In der ältesten erhaltenen Urkunde aus dem Jahr 1458 wird W. schon als Stadt bezeichnet.

Das Tuchmachergewerbe gab dem Ort seinen Namen, denn in ihm wurde „Wolle nach dem Stein“ (ein altes Wollmass) gehandelt.

Von 1420 bis 146o entwickelte sich W. dynamisch und wurde- da die wirtschaftliche Bedeutung der Handelsstrasse Posen- Schlesien an Bedeutung gewann- ein regionales Wirtschaftszentrum. Im Laufe der Jahrhunderte suchten die Stadt elementare Katastrophen (Feuer und Epidemien) heim.

Während des schwedisch-polnischen Krieges wurde 1656 die evangelische Kirche verwüstet und die deutsche Bevölkerung flüchtete nach Preußen.

Aber schon 1658 rief der Gutsherr Piotr Powodowski die Geflohenen zurück.

Ein verheerender Brand zerstörte die Stadt 1810  zu großen Teilen.

Bei der preußischen Inbesitznahme Ws hatte die Stadt 1554 Einwohner, von denen 389 katholischen und 561 jüdischen Glaubens waren.

Von 1872 bis 1880 machte der spätere Nobelpreisträger Robert Koch (1843-1910)  als Kreisarzt in Wollstein seine ersten Entdeckungen.

Partnerstadt ist Lübben (Spreewald).

 

 

Wollsteiner Seen

Zu dieser Seengruppe zählen der Wioska-, der Wollsteiner- und Berzyner See, ferner der Obraer See, der Swenty – See und der Hammersche See.

Der 78 ha umfassende Hammersche – See steht in keinem hydrographischen Zusammenhang mit den anderen genannten See, da er zur Bentschener Obra abfließt

Der Wioskasee ist fast 2,5 km lang und 45 ha groß, der seine Größe durch die Aufstauung als Mühlenteich verdankt.

Der Wollsteiner See (146 ha) und der Berzyner See (374 ha) haben vor geologisch sehr kurzer Zeit noch einen einzigen See gebildet, der dann durch die Entstehung einer sog. Seebrücke in zwei Seen zerfiel. Zwischen diesen beiden Seen entwickelte sich die Stadt Wollstein als das  „Posener Inter-laken“.

Der Obraer See hat eine Größe von 116 ha und ist bis zu 7m tief. In den Osten des Sees mündet der Obra – Mittelkanal, dessen Wasser durch den See zum Obra – Nordkanal weitergeleitet wird. Seiner Entstehung nach ist dieser See zweifellos ein Rinnensee.

Nördlich des Dorfes Obra befindet sich der Swenty – See mit einer Größe von 21 ha.

 

 

Wongrowitz  (poln. : Wągrowiec) Kreis Wongrowitz

Der Name der Stadt wird von Wedrowiec (= Wanderer) abgeleitet.

Wann sich die ersten Ansiedlungen in der Nähe der Furt über den Fluss Welna bildeten, ist historisch exakt nicht mehr zu ermitteln. Fest steht nur, dass sie schon vor dem Jahr 1319 existiert haben müssen, denn in diesem Jahr erwarb das Kloster Lekno die Hufe Prostynie, die zwischen der Welna und ihrem südlichen Nebenarm lag – also genau an der Stelle, wo sich die spätere Stadt Wongrowitz entwickelte, die von den Zisterzienser von Lekno aus gegründet wurde.

1396 verlegten die Zisterzienser ihren Sitz von Lekno nach Wongrowitz. Dadurch wurde Wongrowitz Verwaltungszentrum für den riesigen Landbesitz des Klosters, das 1454 die Vogtei ablöste und damit die Stadt uneingeschränkt bis 1797 beherrschte.

In einer Urkunde, ausgestellt am 22. Dezember 1381, findet sich erstmals der Name „Wangrowecz“.  Hierin wird der Ort als „oppidum“ (Stadt) und seine Bewohner als „cives“ (Bürger) bezeichnet. Demnach muss Wongrowitz schon vor diesem Datum städtisches Recht verliehen worden sein.

1520 wurde ein Heeresaufgebot aus ganz Polen bei Wongrowitz zum Kampf gegen den Deutschen Orden versammelt.

1525 vernichtete ein Brand nahezu die gesamte Stadt, so dass sie acht Jahre von der Zahlung aller Steuern und Abgaben befreit werden musste, um so deren Wiederaufbau realisieren zu können.

Seit den Schwedenkriegen 1655/56 und den Bränden von 1742, 1746 und 1783 war die Stadt zu einem wirtschaftlichem Aufschwung nicht mehr in der Lage.

Nach der ersten Teilung Polens 1772 nahm der Oberfinanzrat von Brenkenhoff auf Befehl des preußischen Königs auch den Netzedistrikt für Preußen in Besitz. Die nicht exakten Festlegungen im Teilungsvertrag ermöglichten der preußischen Regierung mehrere Grenzkorrekturen. 1773 kamen auf diese Weise noch Kolmar, Exin und Gollantsch sowie das Gebiet um den Goplosee in preußischen Besitz. Ein Jahr später folgten die Städte Budsin, Mogilno, Znin, Exin und Wongrowitz. Im Frieden von Warschau vom 22. August 1776 verpflichtete sich der preußische König zur Rückgabe einiger der okkupierten Gebiete an Polen, darunter auch die Stadt Wongrowitz.

Mit der 2. Teilung Polens 1793 sollte Wongrowitz erneut unter preußische Hoheit gelangen. Viele der kleineren Städte des preußischen Teilungsgebietes waren so verarmt, dass die preußische Regierung ihre Umwandlung in Landgemeinden in Erwägung zog. Sie machte 21 solcher Städte namhaft, die ihr Stadtrecht verlieren sollten – darunter auch Wongrowitz, dessen Rathaus 1780 eingefallen war und nur noch aus insgesamt 93 Häusern bestand, in denen 612 Einwohner verzeichnet werden konnten. Durch intensive Verhandlungen der städtischen Verantwortungsträger konnte diese Rückstufung verhindert werden.

1853 wurde das Kloster säkularisiert.

 

Lit. :

  • Hockenbeck, Heinrich : Beiträge zur Geschichte des Klosters und der Stadt Wongrowitz nach den Urkunden zusammengestellt, Leipzig 1879 / 1880 ( 2 Bände )
  • Hockenbeck, Heinrich : Die Stadt Wongrowitz in südpreußischer Zeit. In : Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 8 (1893) S. 251 – 306
  • Thiel, Ottomar: Heimatkunde des Kreises Wongrowitz. Lissa 1905
  • Eichenbrücker Vereinigung ( Hrsg. ) : Heimatbuch für den Kreis Eichenbrück – Wongrowitz, Lüneburg 1962

* Makowski, Edmund ( Red. ) : Dzieje Wagrowca, Poznan 1994

 

 

Wongrowitzer Seengruppe

Die Wongrowitzer Seengruppe besteht aus zwei in Nord – Süd – Richtung verlaufenden Seenrinnen:

  1. a) der Gollantscher Seenrinne, die von Gollantsch bis Wongrowitz reicht und bei Wongrowitz in das Welnatal übergeht. Sie findet eine Fortsetzung durch die Lengowoer Rinne, die im Welnatal verläuft und unweit der Prusietzer Rinne endet.
  2. b) der Leknoer Rinne, die außer dem Leknoer See auch den Ostteil des Rgielskoer Sees umfaßt.

Die Gollantscher und Leknoer Rinne stehen an zwei Stellen untereinander in Querverbindung : im Süden durch das West – Ost gerichtete Hauptbecken des Rgielskoer Sees; im Norden durch eine moorige Senke bei Podjeziorze, in deren östlicher Fortsetzung sich der große Czeschewoer See erstreckt.

 

Zur Gollantscher Seenrinne gehören außer den sehr kleinen Seebecken von Gollantsch und Chawlodno die größeren Seen von Podjeziorze (18 ha), Grylewo (110 ha), Bukowitz (56 ha), Kobyletz (68 ha) und Durowo (mit 161 ha Fläche der größte See der Gruppe). Es sind alles Rinnenseen, die untereinander durch ihren gemeinsamen Abfluss verbunden sind. Der unterste See, der Durowoer, endet genau am Nordrande des Welnatales, das die Abflüsse der gesamten Wongrowitzer Gruppe aufnimmt.

Die Lengowoer Seenrinne bildet in ihrer Südwesterstreckung die fast unmittelbare Fort-setzung der Gollantscher Rinne. Zu  ihr gehören der Lengewoer und Wiatrowoer  See .Der Lengowwoer See ist 103 ha groß; seine Durchschnittstiefe beträgt knapp 2 m. Dieser See droht infolge der Zuführung von Sedimentmaterial durch die Welna zu verlanden. Der Wiatrowoer See hat eine Größe von 31 ha.

Zur Leknoer Seenrinne gehören der Rgielskoer See (281 ha), der Leknoer See (88 ha), der Redgoscher (46 ha), Stempuchowoer See (108 ha) und der 165 ha große Czeschowoer See.

 

Woyts

 

 

Wreschen (poln.: Wrzesnia ) Kreis Wreschen

Besitzer der Region Wreschen war seit dem 10. Jahrhundert die Familie Poraje, die es bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts blieb. Die überlebenden Mitglieder dieser Familie sind nach 995 mit ihrem Verwandten, dem späteren heiligen Albert (965-997), nach Polen gekommen. Von König Boleslaus dem Tapferen (967-1025) erbaten sie sich ihren Grundbesitz.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen W. (damals Vresc) stammt aus dem Jahr 1256.

Die erste Erwähnung als Stadt erfolgte 1357 in einem Brief des Krakauer Bischofs- das Stadtrecht erhielt der Ort bereits vor diesem Jahr.

Im Krieg gegen Schweden wurde die Stadt 1664 (andere Quellen nennen 1656) nieder-gebrannt. Dabei sind vermutlich auch die Dokumente über die Vergabe des Stadtrechts verloren gegangen. 1671 wurde das Stadtrecht bestätigt; der Ort erhielt darüber hinaus das Recht einen eigenen Markt abzuhalten.

  1. war der Sitz einer königlichen Zollstelle. Die Einwohner waren überwiegend Polen, ab Mitte des 17. Jahrhunderts begannen auch Deutsche sich anzusiedeln.

Nach der 3. Teilung Polens wurde W. 1793 preußisch.

1818 wurde die Stadt, die sich weiterhin im Privatbesitz befand, Kreisstadt. Besitzer war die Familie Poniński. Erst 1833 wurde die Szlachta entmachtet und die Stadt begann 1841 ihre Selbstverwaltung.

Großes Aufsehen erregte 1901 der ►Wreschener Schulstreik.

Am 10. Januar 1920 wurde die Stadt Teil des wiedererrichteten Staates  Polen und blieb weiterhin Kreisstadt.

Deutsche Truppen besetzten die Stadt am 10. September 1939. Während des Krieges wurde in der Stadt ein Kriegsgefangenenlager für franz-ösische Soldaten errichtet.

Die Rote Armee eroberte die Stadt am 22. Januar 1945,

 

Lit.:

  • Torzweskiego, M.: Wrzesnia-historia miasta. Września 2006
  • Deresiewicz, Janusz : Ziena Wrzesinska. Warszawa 1978
  • Fedtke, B.: Heimatkunde des Kreises Wreschen. Lissa 1900

 

 

 

Wreschener Schulstreiks

Die preußische Regierung erließ die Anordnung, dass ab Ostern 1901 der Religionsunterricht in deutscher Sprache zu erteilen sei.

Erster bedeutender Versuch eines Widerstandes gegen die preußische Schulpolitik, die die nationalen Interessen der Polen missachtete. Ab Mai 1901 setzte der polnische Schulstreik ein und polnische Kinder weigerten sich, am Religionsunterricht in deutscher Sprache teilzunehmen.

Am 26. Mai mussten polnische Kinder nachsitzen, wobei von der Prügelstrafe Gebrauch gemacht wurde.

Daraufhin demonstrierten etwa 200 Personen gegen diese Maßnahme und konnten erst durch polizeiliche Maßnahmen von weiteren Aktionen abgehalten werden.

Der Streik dauerte bis zum Jahre 1902.

 

Lit. :

  • Korth, R.: Die preußische Schulpolitik und die polnischen Schulstreiks. Würzburg 1963

 

 

Wreschnitza ( Wrześnica)

Nebenfluss der Warthe

 

 

Wronke  (poln. Wronki) Kreis Samter

In der Gründungsurkunde des Dominikanerklosters in Wronke vom 21. November 1279 wurde der Ort bereits als Stadt bezeichnet. Sie war unmittelbar, bis sie 1515 von der Krone dem polnischen Grafen Lucas von Górka, dem W. bereits zu jener Zeit verpfändet war, als Eigentum übertragen wurde.

  1. war eine der ersten Städte der Provinz, die eine Eisenbahnverbindung erhielt. Dies führte zu einem raschen wirtschaftlichen Wachstum der Stadt, da sich infolge der Erschließung Industriebetriebe ansiedelten.

Seit 1894 befand sich in W. eines der größten Zentralgefängnisse Deutschlands, in dem 1916/ 1917 Rosa Luxemburg (1871-1919)  inhaftiert war.

Am rechten Wartheufer liegt die sog. „Vorstadt“, früher eine selbständige Landgemeinde. Sie war wahrscheinlich jene alte slawische Siedlung, neben der schon im 13. Jahrhundert die deutsche Kolonialstadt errichtet wurde.

Heute etwa 19.000 Einwohner.

 

Lit. :

  • Grot, Czesław : Wronki. Z dziejów miasta. Wronki 1987