Personen

Julius Blau

Julius Blau (* 31.Mai 1861 in Pleschen, † 16. Feb. 1939  in Frankfurt/Main) war bereits als Referendar nach Frankfurt gekommen, wo er 1890 als Rechtsanwalt am Landgericht zugelassen wurde. 1908 erfolgte seine Ernennung zum Justizrat, 1920 zum Notar.

Blau betätigte sich schon früh in jüdischen Vereinigungen. Mit Fritz Auerbach und anderen gründete er den Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben, wurde 1900 in den Vorstand des jüdischen Gemeindeausschusses gewählt. Von 1903 bis 1939 führte er den Vorsitz im Vorstand der Israelitischen Gemeinde.

Hier konnte er aktiv an der Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Frankfurt mitwirken. Die Erbauung der Westendsynagoge, der Neubau des Philanthropin(übersetzt: Stätte der Menschlichkeit, Schule der israelitischen Gemeinde) sowie eines neuen Krankenhauses, die Erstellung des neuen Friedhofes, die Erweiterung der Börneplatzsynagoge und der Umzug der Gemeindeverwaltung in das ehemalige Bankhaus Rothschild in der Fahrgasse bildeten Marksteine seiner Tätigkeit.

Die Änderung der Gemeindeverfassung, die Neuorganisation des schulischen Religionsunterrichts, die Schaffung einer liberalen Kultuskommission, ein mustergültiger Ausbau der rituellen Anstalten, die Begründung von Gemeindebibliothek und Museum, die Einbeziehung der Jugendfürsorge in die Gemeindearbeit sind weitere Tätigkeitsfelder, in denen er sich engagierte.

Julius Blaus Wirkungskreis spannte sich aber noch weiter und umfasste die einflussreiche Tätigkeit in zahlreichen jüdischen Hilfsorganisationen, welche vielen Glaubensgenossen in Deutschland und im Ausland gerade während der Zeit des Nationalsozialismus beigestanden haben. Auch als Mitglied im Verwaltungsrat der Jewish Colonization Association leistete Blau seit 1903 Maßgebliches auf den Gebieten Siedlungs-, Ein- und Auswanderungswesen. Noch kurz vor seinem Tode hatte er Beratungen mit Hilfsstellen in Paris geführt.

Bei den Novemberpogromen 1938 wurde sein Anwesen im Reichenbachweg in Falkenstein  – heute ein Stadtteil von Königstein im Taunus – angezündet.

Bestattet wurde er auf dem Neuen Jüdischen Friedhof an der Eckenheimer Landstraße in Frankfurt; sein Grab kann noch heute aufgesucht werden.

Aron Freimann

Wenn Frankfurt am Main heute eine der größten Hebraica- und Judaica-Sammlungen Europas aufweist, dann verdankt das die Mainmetropole dem Historiker und Bibliothekar Aron Freimann.

Am 05. August 1871 in Filehne geboren, studierte er ab 1893 Geschichte und Orientalisitk an der Berliner Universität. Gleichzeitig besuchte er das dortige Rabbinerseminar.

Seit 1898 war Freimann an der damaligen Stadtbibliothek (der heutigen Universitätsbibliothek) als Bibliothekar beschäftigt.

Mit der Unterstützung zahlreicher Mäzene baute er die Hebraica- und Judaica-Sammlung der Bibliothek zur größten des europäischen Kontinents und zu einer der bedeutendsten Sammlungen weltweit aus.

Die Nationalsozialisten enthoben ihn im März 1935 seines Amtes und belegten ihn mit einem Hausverbot. Im April 1939 emigrierte er in die Vereinigten Staaten.

Von 1929 bis 1939 gab er die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ heraus. Weiterhin war er verantwortlich für die Redaktion des Handbuches „Germania Judaica“, in der die Geschichte der jüdischen Gemeinden Deutschlands dokumentiert wurde.

Weiterhin engagierte sich Freimann in verantwortlichen Positionen der Jüdischen Gemeinde Frankfurts.

Adelheid von Hessen ( poln.: Adelajda Heska)

Adelheid wurde 1324 als Tochter von Landgraf Heinrich II und dessen Ehefrau Elisabeth von Thüringen (1306-1367) geboren.Am 29. Sept,1341 verheiratete man sie in Posen mit dem polnischen König Kasimir (Kazimierz III Wielki) (reg. 1333-1370), nachdem dessen erste Gemahlin Aldona-Anna von Litauen ( ? -1339) zwei Jahre zuvor verstorben war.In der Kathedrale von Posen krönte man Adelheid zur Königin von Polen.Die Ehen Kasimir des Großen waren von der ständigen Furcht vor dem Aussterben der herrschenden Piastendynastie, deren letzter Vertreter er war, überschattet.Den dynastischen Erwartungen ihres Gatten konnte Adelheid wegen ihrer Unfruchtbarkeit nicht gerecht werden. Das Paar entfremdete sich und die K������nigin lebte allein und zurückgezogen die meiste Zeit auf Schloss Zarnowice.1356 heiratete Kasimir seine böhmische Geliebte- eine bigamistische Ehe, die Adelheid zum Anlass nahm, nach Hessen zurück zu kehren.1361 ließ der König seine zweite Ehe, 1368 auch jene mit Königin Adelheid annullieren.

Adelheid verstarb 1371 und wurde im Kloster Ahnaberg bei Kassel beigesetzt.

Hedwig Jahnow

Die erste Frau im Magistrat der Stadt Marburg wurde am 21. März 1879 in Rawitsch geboren. Ihr Vater konvertierte vom jüdischen zum evangelischen Glauben, um im öffentlichen Dienst verbeamtet zu werden. 1989 bestand H.J. die Lehrerinnenprüfung für mittlere und höhere Mädchenschulen. Sie hatte zwei Anstellungen als Lehrerin, bevor sie sich 1903 entschloß, ein Studium an der Berliner Universität zu beginnen. Im November 1906 bestand sie das Oberlehrerinnen-Examen für die Fächer Geschichte und Religion. Ab 1907 war sie an der Elisabethschule in Marburg tätig. Jahnow trat nach Ende des Ersten Weltkrieges in die neu gegründete Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein. Bei der Kommunalwahl am 3. März 1919 wurde sie in den Stadtrat Marburgs gewählt, ein Jahr später entsendet die Partei sie in den Magistrat der Stadt. Sie war die erste Frau überhaupt, die dieser Einrichtung angehörte. Jahnow ist während ihrer Zeit im Stadtrat Mitglied in verschiedenen Ausschüssen, unter anderem im Armenausschuss und Friedhofsausschuss. Mit der Kommunalwahl im Jahr 1924, bei der die Deutsche Demokratische Partei dramatisch an Stimmen verlor und nur noch zwei Sitze im Stadtrat erhielt, fand Jahnows politische Tätigkeit ein Ende. 1935 wurde sie von den Nationalsozialisten wegen ihrer jüdischen Vorfahren vom Schuldienst suspendiert. Jahnow versuchte Ende 1938 nach England zu emigrieren. Allerdings wird die damals 59-Jährige von den dortigen Behörden wegen ihres hohen Alters abgelehnt. England nahm damals nur junge Emigranten auf. Im Juni 1942 wurde Jahnow von einem Gericht wegen Hörens von Feindsendern zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Jahnow wurde daraufhin im Gefängnis in Ziegenhain untergebracht. Am 7. September 1942 wurde sie gemeinsam mit anderen Juden und jüdischstämmigen Menschen aus Marburg nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 23. März 1944 an Unterernährung starb.

Hanns J. Jenner

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion war Hans J. Jenner, geboren am 27. April 1882 in Posen, seit 1904 als Gerichtsreferendar und ab 1908 als Gerichtsassessor in Elsaß-Lothringen tätig.

1914 fand er eine Anstellung bei der Staatsanwaltschaft in Saargemünd und war anschließend Amtsrichter in Mühlhausen/Elsaß und seit 1915 Landrichter am dortigen Landgericht. Nach der Ausweisung aus Elsaß-Lothringen nach dem 1. Weltkrieg war Jenner bei dem Reichsministerium des Innern tätig. Zwischen 1919 und 1920 war Jenner als ständiger Vertreter des Reichskommissars bei der Reichszentralstelle für Vertriebenenfürsorge in Freiburg/Breisgau beschäftigt, danach bei dem Ministerium des Innern als Referent für Elsaß-Lothringen.

Im September 1921 übernahm Jenner auftragsweise die Verwaltung des Oberlahnkreises und wurde im Oktober 1921 zum Preußischen Regierungsrat ernannt.

Ab Januar 1922 war Jenner dann Landrat des Oberlahnkreises in Weilburg. Er war als Gegenkandidat des Frankfurter SPD-Kommunallandtagsabgeordneten Paul Langgemach (1875-1962) aufgestellt worden, der den Kreis zwar seit April 1921 kommissarisch geleitet hatte, sich bei der Abstimmung im Kreistag jedoch nicht gegen die Stimmmehrheit der Fraktionen „Zentrum“ und „Deutsche Demokratische Partei“ durchsetzen konnte.

In der Ära des zunächst parteilosen Jenner übernahm der Kreis zahlreiche finanzielle Verpflichtungen (u.a. die Beteiligung an den Mainkraftwerken und an der Nassauischen Heimstätte) und litt Ende der 1920er Jahre unter einer hohen Verschuldung.

Im November 1931 versetzte man Jenner in den einstweiligen Ruhestand.

Nach seiner Tätigkeit als Landrat in Hessen war er bei der Regierung in Liegnitz und ab 1937 bei der Regierung in Hannover beschäftigt.

Jenner war von 1926 bis 1929 Abgeordneter des Wahlbezirkes Oberlahn – Usingen im Hessen-Nassauischen Provinziallandtages und vertrat hier die DDP.Bei den Kommunallandtagswahlen 1929 kandidierte Jenner zwar, doch konnte er sich gegen den Sozialdemokratischen Rudolf Bierbrunner (1884-1837) nicht behaupten. Sein Todesdatum ist nicht ermittelbar.