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Das polnische Woodstock

Das Festival in Jarocin (polnisch Festiwal w Jarocinie) war ein jährlich von 1980 bis 1994 stattfindendes Musikfestival in Polen in der Stadt Jarocin, im östlichen Teil der Woiwodschaft Wielkopolska . Zu Beginn wurde die Veranstaltung Ogólnopolski Przegląd Muzyki Młodej Generacji (Gesamtpolnische Schau der Musik der jungen Generation) genannt. Bereits zuvor fanden in Jarocin von 1970 bis 1979 die Großpolnischen Rhythmen der Jugend (Wielkopolskie Rytmy Młodych) statt, ab 1983 wurde der Name Festival der Rockmusik (Festiwal Muzyków Rockowych) geändert.

Gespielt wurde hauptsächlich Blues, Rock, Heavy Metal und Punk Rock. Zum 2. Festival 1981 kamen etwa 10.000 Jugendliche. Die Teilnehmer, Bands und Organisatoren stand unter Beobachtung des polnischen Sicherheitsdienstes . Nach Ende der Volksrepublik Polen  war der Rebellionsgedanke nicht mehr die treibende Kraft. 1993 wurde Philipp Moris  Sponsor und es kam zu Ausschreitungen gegen die Kommerzialisierung des Festivals. Auch im darauffolgenden Jahr kam es zu Ausschreitungen; 70 Personen wurden verletzt und es entstand Sachschaden. Daraufhin verweigerten die Behörden Jarocins die Genehmigungen für das Festival, welches damit sein Ende fand. Später wurden Versuche gemacht es wiederzubeleben, diese konnten aber nicht an die Erfolge anknüpfen.

 

Seit 2000 gibt es das Nachfolgefestival Jarocin PRL Festiwal und hier gibt es weitere Informationen:

http://jarocinfestiwal.pl/

 

Das süße Wahrzeichen Posens

An St. Martin ist ein kleines Hefe-Hörnchen der große Hit – sogar im eigenen Museum

Die einen sagen Hörnchen. Die anderen beißen in ein Croissant. In Poznan (Posen) hat das Gebäck jedes Jahr zu St. Martin am 11. November seinen großen Auftritt. Dann ist das sündhaft süße Martinshörnchen in der großpolnischen Messestadt sprichwörtlich in aller Munde.

Das Martinshörnchen ist ein Croissant mit Weißmohnfüllung, wird seit Jahren von rund 100 Bäckern und Konditoren in Posen und Umgebung (man muss sich speziell bewerben!) hergestellt und hat seit 2008 von der EU in Brüssel den Segen als regionale Spezialität mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Ins Originalhörnchen gehören zum Plunderteig aus Hefe, der gewalzt, geknetet und befüllt wird: viel Butter, Weißmohn, Vanille, klein gehackte Feigen oder Datteln, Rosinen und Sahne. Und damit das leckere Gebäck im richtigen Glanz erscheint, wird das Posener „Rogal swietomarcinski“ auch noch mit einer Zuckerglasur bestrichen und mit gemahlenen Nüssen bestreut.

Fünf auf einen Schlag

Es soll Zeitgenossen geben, die schaffen an St. Martin fünf Hörnchen auf einen Schlag. Wie viele Verdauungsschnäpse sie hinterher brauchen, wird nicht berichtet – es sollen aber einige sein. Über eine Million Stück des Gebäcks werden am 11. 11. verkauft, der in ganz Polen im Übrigen auch als Unabhängigkeitstag gefeiert wird. In Poznan, der größten Messestadt unseres östlichen Nachbarn, reitet in einem bunten Umzug St. Martin samt Gefolge durch die Stadt und verteilt auch – ja richtig – Hörnchen. Viele Menschen feiern auf den Straßen mit, haben sich kostümiert, tanzen und singen – und genießen ihre Martins-Hörnchen.

Mit dem Karnevalsbeginn wie im Rheinland oder den Laternenumzügen der Kinder im deutschsprachigen Raum („Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir…“) hat der 11. November in Posen nichts zu tun. Auch das hierzulande beliebte Martinssingen, das lodernde Martinsfeuer oder das traditionelle Martinsgans-Essen (mit Klößen und Rotkohl) ist in Polen nicht wirklich verbreitet. Von allen Martinsbräuchen kommt noch der Weckmann oder Stutenkerl aus Hefeteig mit Rosinen, den Kinder an St. Martin im Rheinland und in Westfalen als Naschwerk bekommen, dem polnischen Hörnchen nahe

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Die Martinslegende kennt viele Geschichten, die mehr oder weniger wahr sind. Als sicher gilt, dass Martin von Tours ein römischer Legionär war, der in einem kalten Winter seinen Mantel mit einem Bettler teilte. So wurde er zum Symbol der Barmherzigkeit. Diese Geschichte war häufig Thema in den Novemberpredigten in den Posener Kirchen. Während einer dieser Predigten im Jahr 1891 rief der Priester Jan Lewicki die Gläubigen dazu auf, Bedürftigen zu helfen. So weit, so wahr. Dem Aufruf soll auch der Konditor Josef Melzer gefolgt sein, erzählt man sich, und der beschloss, einige Bleche speziell vorbereiteter Hörnchen zu backen und an die Armen zu verteilen: Das Martinshörnchen war gebacken und freut sich bis heute großer Beliebtheit.

Relativ neu ist auch ein Museum der besonderen Art: Im „Rogalowe“ am Markt wird dem Martinshörnchen ein kleines Denkmal gesetzt. Die beiden Macher Tomasz und Szymon erzählen auf Englisch (bald auch auf Deutsch) ihre kleine Croissant-Kunde und lassen ihre Gäste selber kneten, füllen, probieren – lecker (www.rogalowemuzeum.pl).