1772-1918

1772

1. Teilung Polens. Russisch – preußisch – österreichische Verhandlungen seit Januar 1777 führen am o5. August 1772 zu einer “ Partage “  (Verkleinerung ) Polens, das ca. 1/3 seines Gebietes und seiner Einwohner verliert ( 220.000qkm mit 4 Mio. Einwohnern ). Preußen erhält das Ermland, Westpreußen (ohne Danzig und Thorn) und den Netzedistrikt.

 

1791

3. Mai. Der Sejm verabschiedet die erste geschriebene Verfassung Europas. In dieser Verfassung werden in 11 Artikeln u. a. die Teilung der Gewalten festgeschrieben, das liberum veto aufgehoben und die katholische Religion zur herrschenden erklärt. Die gegen den “ Jakobinismus “ an der Weichsel mobilisierten russischen Truppen intervenieren in Polen. Polnische Truppen unter Führung von T. Kosciuszko leisten Widerstand, müssen aber vor der besser ausgerüsteten russischen Armee weichen. Gleichzeitig verhandeln der Berliner und Petersburger Hof über neue Gebietserwerbungen in Polen.

 

1793

23. Januar. 2. Teilung Polens zwischen Russland und Preußen. Preußen erhält Großpolen mit Posen sowie Danzig und Thorn (rund 58.ooo qkm, “ Südpreußen “ genannt.

 

1794

24. März . Tadeusz Kosciuszko (*04.Feb.1746 + 05.Okt.1817)erklärt auf dem Marktplatz von Krakau den nationalen Aufstand gegen die Teilungsmächte Polens. Dieser Aufstand wird von russischen Truppen niedergeschlagen. Polen hört auf als Staat zu bestehen, nachdem sich Preußen

 

1795

dem russisch -österreichischen Teilungsvertrag anschließt und weitere            Teile Polens einschließlich der Stadt Warschau erhält (3. Teilung Polens).

 

1807

Aufgrund des Friedensvertrages von Tilsit muss Preußen seinen Territorialgewinn aus der 2. und 3. Teilung Polens sowie den Netzedistrikt abtreten.

Napoleon Bonaparte bildet daraus zwei Vasallenstaaaten:

– das Herzogtum Warschau

– die Freie Stadt Danzig

Friedrich August von Sachsen nimmt im Sinne des Posener Vertrages von 1806 die Königswürde an.

  • /28. Feb. Im Bündnisvertrag von Breslau und Kalisch sichert der russische Zar Preußen nach der sich abzeichnenden Niederlage Napoleons zu, dass es neben dem territorialen Erwerb aus der 1. Teilung Polens eine Landverbindung zwischen Schlesien und Westpreußen erhalten solle, die somit  Posen, Gnesen und das Kulmer Land umfassen musste

 

1815

Schlussakte des Wiener Kongresses. In Artikel II werden die Grenzen festgelegt, die dann im wesentlichen bis 1914 Bestand haben. Der Hauptteil des Herzogtums Warschau wird als “ Königreich Polen“ ( Kongeß – Polen ) “ für immer “ Besitz des russischen Reiches. Der Westen des Herzogtums kommt als „Großherzogtum Posen “ an Preußen. Österreich erhält Galizien und Teile Wolhyniens. Krakau wird freie Stadt unter Aufsicht der drei Teilungsmächte ( 4. Teilung Polens ) Die Einheit der polnischen Nation soll durch für Handel und Verkehr offene Grenzen gefördert werden.

15. Mai. Besitzergreifungspatent . König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (* 03. Aug.1770 +07.Juni 1840) führt nun auch den Titel          “ Großherzog von Posen „. Den polnischen Bürgern des Großherzogtums wird ein umfassender Schutz ihrer Nationalität zugesichert. Zum Statthalter wird Fürst Anton Radziwill (1755 – 1833) ernannt; zum ersten Oberpräsidenten Josef von Zerboni di Sposetti.

 

1821   

16. Juli. Durch die päpstliche Bulle “ De salute animarum “ wird ein   Erzbistum Gnesen – Posen geschaffen. Das bisher zur Kirchenprovinz Gnesen gehörende Bistum Breslau wird ausgegliedert und exemtes Fürstenbistum.

 

1822

23. Dezember. Der preußische Unterrichtsminister, K. von Altenstein, erlässt ein Reskript über die polnische Sprache in den Schulen des „Großherzogtums Posens“, in dem darauf hingewiesen wird, dass “ Religion und Muttersprache die höchsten Heiligtümer der Nation „seien. In den Gymnasien sollen Polnisch und Deutsch gleichberechtigte Sprachen sein.

 

1823   

08. April. Das „Regulierungsgesetz „ bestätigt den Bauern die bereits bestehende persönliche Freiheit, die Aufhebung aller Lasten und die Übereignung des von ihnen bewirtschafteten Landes. Das schon 1819 verbotene “ Bauernlegen “ wird durch genaue Festlegung des von den Bauern an die Grundherrn als Entschädigung abzutretenden Landanteils unmöglich gemacht. Die Bauern sollen für eine bestimmte Übergangszeit Nutzungsrechte am grundherrlichen Wald behalten. Die Regulierungen, die nun beginnen, ziehen sich über dreißig Jahre hin.

 

1824

Das “ Großherzogtum Posen “ erhält einen in drei Stände gegliederten Landtag, in dem der Adel 24, die Städte 16 und die Bauern 8 Sitze haben.

 

1827

Der erste Landtag tritt zusammen. Er hat durch den Adel eine polnische Mehrheit. Die Verhandlungen sind zweisprachig.

 

1830

Da die Polen im Großherzogtum den Aufstand im russischen Teilungsgebiet unterstützen und der Bruder des Fürsten Radziwill dabei eine führende Rolle spielt, wird der Statthalter abberufen und das Amt nicht wieder besetzt. Das Großherzogtum wird damit faktisch wie eine preußische Provinz behandelt.

 

1832

14. April. Durch eine Verordnung wird die deutsche Sprache im Behördenverkehr zur Amtssprache erklärt.

 

1833

Den Kreistagen wird das Recht genommen, Kandidaten für die Landratsstellen vorzuschlagen; von nun an werden nur noch deutsche Beamte oder Adlige zu Landräten ernannt.

 

1840

07. Juni. König Friedrich Wilhelm III stirbt. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV. (*15.Okt.1795  +02.Jan.1861 ), sucht die Versöhnung mit den im Großherzogtum Posen lebenden Polen.

 

1841

Oberpräsident E. von Flottwell wird abberufen und durch Graf Adolf Heinrich von Arnim Boitzenburg (1803 – 1868) ersetzt. Er unterstützt den von Marcincowski geleiteten “ Verein für Unterrichtshilfe“.

 

1842

Der Posener Buchhändler Walenty Stefanski (1812 – 1877) gründet den “ Bund der Plebejer „. Er steht mit der “ Demokratischen Gesellschaft „, einer polnischen Emigrantenorganisation, in enger Verbindung.

 

1843

In Posen wird eine Landesleitung der “ Demokratischen Gesellschaft „( deren Zentrale weiterhin in Versailles bei Paris verbleibt ) eingerichtet, die eine rege konspirative Tätigkeit entfaltet.

 

1845

Der als Oberbefehlshaber eines neuen Aufstandes vorgesehene Ludwik Mieroslawski (1814 – 1878 ) kommt nach Posen. Hier versucht er, den konservativen Adel und den Bund der Plebejer zu einem gemeinsamen politischen Handeln zu verbinden.

 

1846

12. Februar. Mieroslawski, durch einen polnischen Adligen beim preußischen Polizeipräsidenten von Posen angezeigt, wird verhaftet. Die Unruhen im österreichischen Teilungsgebiet Polens veranlassen die      preußischen Behörden zu schärferem Vorgehen.

 

1847

02. August – 02. Dezember. Der in Berlin öffentlich geführte “ Polenprozeß“  gegen 254 einer Verschwörung Verdächtiger endet mit einem Urteil, bei dem 134 Angeklagte freigesprochen, 112 zu Gefängnisstrafen und 8 Angeklagte ( darunter Mieroslawski ) zum Tode verurteilt werden. Die Todesurteile werden jedoch nicht vollstreckt.

 

1848

20.März. Während der Revolution werden die in Berlin Verurteilten des “ Polenprozesses “ befreit. Am gleichen Tag bildet sich in Posen ein polnisches Nationalkomitee, dem u.a. der Erzbischof angehört. Das Nationalkomitee entsendet eine Abordnung zu König Friedrich Wilhelm IV.

24. März. Der König erlässt eine Kabinettsorder, in der eine „nationale Reorganisation des Großherzogtums “ und die Einsetzung einer aus Polen und Deutschen zusammengesetzten Kommission zugesagt werden. Das polnische Nationalkomitee verlangt die Aufstellung polnisch -nationaler Streitkräfte, die Einsetzung polnischer und die Abberufung missliebiger deutscher Beamter. Ausschreitungen gegen jüdische und deutsche Bewohner des Großherzogtums sind zu verzeichnen. Polnische Kampfverbände werden organisiert. Im Großherzogtum bilden sich deutsch – nationale Gegenbewegungen, die eine Teilung des Großherzogtums befürworten.

28. März. Mieroslawski kehrt nach Posen zurück

28. April. Der Belagerungszustand wird verhängt, um die staatliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

5. April. Polen – Debatte im preußischen Landtag. Der junge Abgeordnete Otto von Bismarck – Schönhausen appelliert an den preußischen Innenminister R. von Auerswald, den polnischen

Wünschen und Forderungen nicht nachzugeben. Der Minister erklärt, sich hierzu nicht äußern zu wollen und entzieht Bismarck das Wort. Bismarck lässt seine nicht gehaltene Rede am 20. April in der“ Magdeburger Zeitung “ drucken; darin warnt er vor Nachgiebigkeit gegenüber Polen oder gar einer Wiederherstellung Polens, da dann “ Preußens beste Sehnen durchschnitten und Millionen Deutscher der polnischen Willkür überantwortet “ würden.

14. und 26. April. In zwei königlichen Kabinettsordern wird eine Teilung des Großherzogtums angekündigt. Die mittleren und östlichen Kreise sollen reorganisiert, die westlichen Kreise mit Posen dem Deutschen Bund angeschlossen werden. Das polnische Nationalkomitee löst sich unter Protest gegen den Teilungsplan auf; die Kampfverbände leisten jedoch Widerstand. Preußische Truppen unter Befehl von General von Pfuel schlagen den am 29. April ausbrechenden Aufstand nieder.

18. Mai. Eröffnung der Nationalversammlung in Frankfurt. Da sich die Polen nicht an den Wahlen beteiligt haben, entsendet das Großherzogtum von zwölf Abgeordneten nur einen Polen.

24.- 26. Juli. Polen – Debatte in der Frankfurter Nationalversammlung. Mit 341 gegen 31 Stimmen wird das Großherzogtum in den Deutschen Bund aufgenommen (scheidet aber am o3. Oktober 1851 wieder aus. )

19.-23. Oktober. In der Polen – Debatte der preußischen Nationalversammlung wird beschlossen, den Bewohnern des Großherzogtums Posens  “ die ihnen bei der Verbindung mit dem preußischen Staat ein-geräumten besonderen Rechte “ zu erhalten.

 

1849

08. November. Annahme der preußischen Verfassung. In Artikel 1 ist von einer Sonderstellung des Großherzogtums nicht mehr die Rede; im Schriftverkehr wird es nur noch als “ Provinz Posen “ bezeichnet.

 

1851

scheiden auf preußischen Antrag und mit Zustimmung der Gesandten des Deutschen Bundes die Provinzen Preußen und Posen aus dem Deutschen Bund aus. (03. Oktober )

 

1852

der 1851 zum Oberpräsidenten der Provinz Posen ernannte Eugen von Puttkamer ( Vertreter eines “ harten Kurses “ gegenüber den Polen ) ordnet an, dass Deutsch zur alleinigen Verhandlungssprache vor den Gerichten wird. Die Amtsblätter erscheinen nur noch in deutscher Sprache.

 

1854

Das Schulregulativ  für die Volksschulen der Provinz Posen sieht vor, dass Lesen, Schreiben , Rechnen und Religion weiterhin in polnischer Sprache unterrichtet werden dürfen, dass aber der Unterricht erheblich eingeschränkt wird, um den Zugang zu höherer Bildung für polnische Kinder zu erschweren bzw. sie zu zwingen, deutsche höhere Schulen zu besuchen. Aus den „preußischen Polen “ sollen nun “ polnische Preußen “ werden.

 

1867

Im Norddeutschen Reichstag protestieren die polnischen Abgeordneten gegen die Einbeziehung der “ Provinz Posen “ in den Norddeutschen Bund.

 

1871

Infolge der Reichsgründung wird Posen als Hauptstadt der Provinz Posen Bestandteil des preußischen Staates.

 

1873

28. Oktober. Durch einen Erlass des Oberpräsidenten wird Deutsch als einzige Unterrichtssprache in der Provinz Posen bestimmt. Polnisch als muttersprachlicher Unterricht wird beibehalten. Der Religionsunterricht kann in polnischer Sprache erteilt werden.

 

1874

Im Verlauf des von Bismarck forcierten “ Kulturkampfes „ gegen die katholische Kirche werden der Erzbischof von Gnesen – Posen und weitere einhundert Geistliche verhaftet.

 

1885

Gründung der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen.

 

1886

26. April. Ein Ansiedlungsgesetz, durch das deutsche Bauern zur Ansiedlung vor allem auf ehemals polnischem Grundbesitz angeregt werden sollen, wird verabschiedet.100 Millionen Reichsmark werden zur “ Stärkung des deutschen Elements in den Provinzen Westpreußen und Posen gegen polonisierende Bestrebungen durch Ansiedlung deutscher Bauern und Arbeiter “ bereitgestellt. In Posen werden daraufhin eine Landbank ( Bank Ziemski ) und eine Genossenschaftsbank (Bank Spolek Zarobkowych) gegründet, um den Maßnahmen der deutschen Reichsregierung durch Unterstützung der polnischen Bauern zu begegnen.

 

1894

erfolgt in Posen die Gründung des “ Vereines zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken „, der nach den Initialen seiner Gründer “ Hakatisten – Verein “ genannt wird. ( 1898 verlegt der Verein seinen Sitz nach Berlin und nennt sich Deutscher Ostmarkenverein ).

 

1898

„Beamtenerlaß “ des Reichskanzlers Hohenlohe, der den Beamten die Förderung des Deutschtums zur Pflicht macht – nationalbewußte Polen können somit nicht mehr Beamte werden.

 

1901

Eine Anordnung, wonach in den höheren Klassen der Volksschulen der Provinz Posen nun auch der Religionsunterricht in deutscher Sprache erteilt werden muss, führt in Wreschen und anderen Orten in der Umgebung von Gnesen zu Schulstreiks.

 

1903

Errichtung einer “ Königlichen Akademie „ in Posen, die jedoch nicht berechtigt ist, akademische Grade zu verleihen.

 

1904

Erlass des sog.“ Feuerstättengesetzes“. Polnische Bauern dürfen auf neuerworbenen Grundstücken ohne besondere behördliche Genehmigung keine Häuser mehr bauen.

 

1906/07

Wegen der Verdrängung der polnischen Sprache aus dem Volksschulunterricht brechen erneut Schulstreiks aus, die nicht nur Posen, sondern auch Westpreußen, Teile des Ermlandes sowie die Regierungsbezirke Oppeln (Oberschlesien) und Köslin (Pommern) erfassen. Die Streiks werden erst nach Monaten und durch Repressalien gegenüber Eltern und Geschwistern der streikenden Schüler beendet. Etwa 4o.ooo Schüler bleiben dem Unterricht fern.

 

1908

19. April. Ein Vereinsgesetz schreibt polnischen Vereinen die Benutzung der deutschen Sprache vor. Lediglich in den Kreisen des Deutschen Reiches, in denen mehr als 60 % der Bevölkerung polnisch als Muttersprache angeben, ist die Zulassung der polnischen Sprache erlaubt.

Ein Gesetz des preußischen Landtags “ Zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Posen und Westpreußen “ sieht die Zwangsenteignung polnischen Gutbesitzes vor. Obwohl dieses Gesetz kaum angewandt wird, erregt es großes Aufsehen und scharfe Kritik.

  • 1911 Mit der sog. „Ostdeutschen Ausstellung“ soll der Rang Posens als kultureller und wirtschaftlicher Metropole im Osten des Deutschen Reiches dokumentiert werden.

 

1914

Ausbruch des 1. Weltkrieges. Polnische Soldaten kämpfen gezwungenermaßen gegeneinander in den Armeen der Teilungsmächte.

  • August. Errichtung eines “ Generalgouvernements Warschau „mit einer zivilen deutschen Verwaltung.

 

1916

11./ 12. August. Verhandlungen zwischen dem österreichisch – ungarischen Außenminister Burian und dem deutschen Außenminister Bethmann – Hollweg in Wien über die Zukunft Polens. Ein Königreich Polen soll proklamiert, aber erst nach Kriegsende konstituiert werden.

5. November. In Warschau und Lublin wird die Polenproklamation durch die beiden Generalgouverneure im Namen Kaiser Wilhelms II und Kaiser Franz Josephs verlesen. Ein Königreich Polen in engem Anschluss an die Mittelmächte mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung wird verkündet. Eine genauere Bestimmung der Grenzen des Königreichs Polen bleibt vorerst offen. Die Bildung einer polnischen Armee ist vorgesehen. Ein „Provisorischer Staatsrat “ wird ernannt.

 

1917

30. März. Die nach der Februarrevolution gebildete „ Provisorische Russische Regierung „ forderte die Schaffung „ eines unabhängigen Polnischen Staates, gebildet aus all den Gebieten, deren Bevölkerung in der Mehrheit aus Polen besteht. „

15. August. Gründung eines Polnischen Nationalkomitees unter demVorsitz von Roman Dmowski ( * 1984 + ) in Laussanne als offizielle politische Vertretung Polens, dem überwiegend rechtsgerichtete Politiker aller drei Teilungsgebiete angehören. Frankreich,Italien, Großbritannien und die Vereinigten Staaten erkennen diese Organisation als Vetretung eines künftigen polnischen Staates an.

12. September. Berufung eines “ Regentschaftsrates “ in Warschau durch die Mittelmächte.