1918-1939

1918

  • Januar. US – Präsident Wilson verkündet ein 14- Punkte

Programm, das u.a. die staatliche Reorganisation Polens mit freiem Zugang zum Meer vorsieht.

März. Das Polnische Nationalkomitee erhält begrenzte Gewalt über die „autonome polnische Armee“ in Frankreich, die durch ein Dekret der

Französischen Regierung vom 04. Juni 1917 gebildet worden war.

Am 07. und 12. Oktober proklamiert der Regentschaftsrat in zwei Aufrufen das “ vereinigte unabhängige Polen „.

8. Oktober. In einer an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson gerichteten Denkschrift forderte Dmowski ganz Posen und Westpreußen, Oberschlesien, drei Kreise Niederschlesiens und Ostpreußen als autonome Provinz oder als selbständigen Kleinstaat.

9. November. Nach Ausrufung der Republik in Deutschland und der Abdankung Kaiser Wilhelm II bittet Generaloberst von Besseller in Warschau um seine Ablösung als Generalgouverneur in Polen.

11. November. Waffenstill-standsvertrag und Beendigung aller Kampfhandlungen; faktisches Ende des 1. Weltkrieges.11./14. November. Józef Pilsudski (*05.Dez.1867 + 12. Mai1935) übernimmt die Staatsgewalt. Der Regentschaftsrat bestätigt die Regierungsübernahme und löst sich auf. Andere polnische Regierungen, die sich kurz zuvor in dem österreichischen Teilgebiet Kongreßpolens und in Westgalizien gebildet haben, unterstellen sich Pilsudski.

So entsteht ein – allerdings ein zunächst nur Kongreßpolen und Westgalizien umfassender – polnischer Staat.

14. Nov. Gründung eines Obersten Polnischen Volksrates unter Leitung des Prälaten Stanisław Adamski und dem oberschlesischen Reichstagsabgeordneten Wojciech Korfanty in Posen.

18. November. Der Rat der Volksbeauftragten des Deutschen Reiches erkennt den neuen Staat an und entsendet Harry Graf Kessler als Gesandten nach Warschau

28. November. Der von Pilsudski ernannte Ministerpräsident Jedrzej Moraczewski setzt für den 26. Januar 1919 demokratische Wahlen für Kongreßpolen, Posen, Westpreußen, Oberschlesien und Masuren an.

03.- 06. Dezember. In Posen tagt ein Landtag ( Teilgebiets – Sejm ), der einen “ Obersten Volksrat “ und ein “ Kommissariat “ ( als Exekutive ) bildet. Der Oberste Volksrat unterstellt sich dem Pariser Nationalkomitee, erklärt sich bis zur Friedensregelung für ein Verbleiben im Deutschen Reich und lehnt Pilsudski ab. Angesichts der durch die revolutionären Umwälzungen handlungsunfähig gewordenen deutschen Behörden übernimmt der Oberste Volksrat bald alle Regierungsfunktionen.

15. Dezember . Abbruch der diplomatischen Beziehungen Polens zum Deutschen Reich auf politischen Druck der Alliierten .

Anfang Dezember. Tagung eines polnischen Teilgebietslandtages in Posen, der den Wunsch der Posener Polen, sich dem polnischen Staat anzuschließen, politischen Nachdruck verleiht.

27. Dezember. ( Großpolnischer Aufstand ). In Posen bricht ein Aufstand der örtlichen, von Warschau beeinflussten, Polnischen Militärorganisation (POW) – 1915 von Pilsudski illegal gegründet.

Es gelingt der POW Posen am 04. Januar 1919 und den mehrheitlich polnischen Teil der Provinz unter ihre Kontrolle zu bringen. Als polnische militärische Verbände weiter vordringen wollen, leisten ihnen deutsche Grenzschutzdivisionen Widerstand, so dass das Netzegebiet, Westpreussen sowie westliche Teile der Provinz Posen zunächst unter deutschem Einfluss bleiben.

 

1919

26. Januar. Wahlen zum verfassunggebenden polnischen Parlament werden – allerdings nur in Kongreßpolen und in Westgalizien – durchgeführt.

o7.Februar. Ein von den Alliierten verfügter und von einer polnischen Delegation und der deutschen Regierung vereinbarter Waffenstillstand tritt in Kraft und beendet die militärischen Auseinandersetzungen infolge des Großpolnischen Aufstandes.

12. Februar. Im Rahmen der Pariser Friedenskonferenz wird eine spezielle “ Kommission für polnische Angelegenheiten “ unter Vorsitz des französischen Völkerrechtlers Jules Combon konstituiert.

25. Februar. Die polnische Friedensdelegation überreicht der Kommission für polnische Angelegenheiten ihre Forderungen, die u.a. die Eingliederung der Provinz Posen in den polnischen Staat einschließt.

29. Mai. Einreichung der „Bemerkungen der deutschen Delegation“ zu den Friedensbedingungen, in denen die deutsche Regierung die polnischen Ansprüche ablehnt und sich lediglich zur Abtretung des Hauptteils der Provinz Posen und zur Gewährung nichtterritorialer Zugänge Polens zur Ostsee bereit erklärt.

1. Juni . Erste Wahlen in Posen zum Verfassungsgebenden Sejm.

28. Juni. Abschluss des Friedensvertrages von Versailles. Deutschland tritt zugunsten Polens u.a. die gesamte Provinz Posen ab.

Weiterhin wird in dem Friedensvertrag die Einschränkung des Wechsels der Staatsangehörigkeit verankert, die es dem polnischen Staat ermöglicht, allen Personen den Erwerb der polnischen Staatsangehörigkeit zu versagen, die sich nach dem 01. Januar 1908 in einem der an Polen fallenden Gebiete niedergelassen haben.

Zu Artikel 93 des Versailler Vertrages gibt “ Polen … sein Einverständnis, dass die alliierten und assoziierten Mächte in einem Vertrag, diejenigen Bestimmungen aufnehmen, die sie zum Schutz der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten für nötig halten.“

Polen unterzeichnet noch am gleichen Tag ein “ Minderheitenschutzabkommen „, das in Artikel 2 den “ vollen Schutz von Leben und Freiheit ohne Unterschied der Geburt, der Nationalität, der Sprache, des Volkstums oder der Religion “ garantiert. Der Artikel 8 dieses Abkommens berechtigt die nationalen Minderheiten Polens zur Gründung eigener kultureller und karitativer Einrichtungen. Infolge des Versailler Vertrages werden 90 % des Gebietes der Provinz Posen mit einer deutschen Bevölkerung von 670.ooo Menschen dem polnischen Staat eingegliedert.

 

1921

17.März. Die endgültige Verfassung Polens wird angenommen. Die       Staatsgewalt liegt beim Sejm ( 444 Abgeordnete ). Ihm steht ein Senat ( 111 Mitglieder ) als Oberhaus zur Seite. Beide gehen aus allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen hervor. Beide zusammen wählen den Staatspräsidenten (auf sieben Jahren) mitrepräsentativen Befugnissen. Die Regierung, vom Staatspräsidenten berufen, ist dem Sejm verantwortlich. Den nationalen Minderheiten Polens wird volle Gleichberechtigung und das Recht auf Pflege ihrer Kultur, Sprache und Religion garantier (über 30 % der 27 Mio Einwohner gehören nicht – polnischen Nationalitäten an).

11. September. In Lodz wird die erste Tagung aller deutschen Organisationen Polens eröffnet.

30. Sept. Polen zählt 25,7 Mio. Einwohner, davon 4 Mio. Ukrainer, je 1,1 Mio. Deutsche und Weißruthenen und etwa 2,1 Mio . Juden.

  • Feb. Die durch die neuen Staatsgrenzen mehrfach durchschnittenen Bistumsgrenzen werden durch ein Konkordat neu gezogen. Staats – und Bistumsgrenzen fallen nun zusammen. 5. bis 16. Oktober. Die Konferenz von Locarno verweigert Polen eine Viermächtegarantie für die Westgrenze (im Unterschied zur deutsch –französischen Grenze). Die Verträge sicherten damit Deutschland die Option gegenüber Polen, eine Politik der Grenzrevision zu betreiben.

28. Dezember. Gesetz über die Agrarreform. Für 10 Jahre wurde eine jährliche Quote von 200.000 ha festgesetzt, die dem Großgrundbesitz in Polen gegen Entschädigung enteignet und parzelliert werden sollte. Dieses Gesetz fand vor allem gegen den deutschen Großgrundbesitz in Posen / Pommerellen Anwendung.

 

1926

12. Mai . Staatsstreich Pilsudskis und Einschränkung der       parlamentarischen Demokratie. Polen entwickelt sich zu einer Militärautokratie.

4. Dez. Gründung des „Großpolnischen Lagers“ (OWP) in Posen durch R.Dmowski als eines Zusammenschlusses der Rechtsopposition gegen das am 02. Okt. gebildete Kabinett Pilsudskis.

 

1934

26. Januar. Abschluss eines deutsch – polnischen Nichtangriffs-abkommens.

13. September. Polen kündigt den Minderheitenschutzvertrag von 1919 und entzieht damit seinen nationalen Minderheiten die Möglichkeit, sich direkt an den Völkerbund zu wenden.

16. Oktober. Die konservativen deutschen Parteien Polens schließen sich zum “ Rat der Deutschen in Polen “ zur Abwehr der nationalsozialistischen „Jungdeutschen Partei “ zusammen.

 

1937

O5. November. Erklärung der polnischen und deutschen Regierung über den Schutz der Minderheiten in ihren Ländern.

 

1939

28. April .Hitler kündigt den deutsch – polnischen Nichtangriffspakt von 1934.

12. Mai. Zwei deutsche Senatoren, E. Hasbach und R. Wiesner, überreichen Staatspräsidenten Moscicki eine Denkschrift, in der Rechtsschutz für sich häufende Ausschreitungen gegenüber Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen gefordert wird.

23. August. Abschluss des deutsch – sowjetischen Nichtangriffspaktes mit geheimem Zusatzprotokoll über die Abgrenzung von Interessenssphären in Ostmitteleuropa und eine künftige Teilung Polens.

1. September. Angriff deutscher Truppen auf Polen und Beginn des II. Weltkrieges.

3. September. Verfolgung von Deutschen in Polen Tausende von Angehörigen der deutschen Minderheit Polens werden verhaftet und durch Fußmärsche in das Innere Polens gebracht.

10. September. Deutsche Truppen besetzen Posen.

17. September. Sowjetischer Einmarsch in Polen, nachdem die sowjetische Regierung dem polnischen Botschafter in Moskau mitgeteilt hat, sie betrachte den polnischen Staat als nicht mehr bestehend.

30. September. Bildung einer polnischen Exilregierung.

3. Oktober. Konferenz in Posen über die Frage der zukünftigen Behandlung Polens durch die deutsche Besatzungsmacht. Das eroberte Polen sollte in eine von Deutschland abhängige Kolonie umgestaltet werden.

4. Oktober. Ein Zusatzprotokoll zum deutsch – sowjetischen Grenz – und Freundschaftsvertrag vom 28. September legt den Grenzverlauf im besetzten Polen fest. Die fünfte Teilung Polens ist damit vollzogen.

7. Oktober. Geheimer Erlass Hitlers über die Ernennung Himmlers zum Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums. Umfangreiche Umsiedlungs – und Enteignungsmaßnahmen in den von Deutschen besetzten Gebieten Polens werden eingeleitet.

8. Oktober. Ein Erlass Hitlers über die “ Gliederung und Verwaltung der Ostgebiete “ verfügt die Eingliederung weiter Gebiete West – und Mittelpolens in das Deutsche Reich. Der “ Reichsgau Wartheland „ wird mit der Hauptstadt Posen gebildet und besteht aus den drei Regierungsbezirken Hohensalza ( Inowroclaw ), Kalisch ( Kalisz ) und Posen ( Poznan ) Arthur Greiser wird NSDAP – Gauleiter und Reichsstatthalter. Der “ Reichsgau Wartheland “ umfasst 43.943 qkm und hat 4,2 Millionen, von denen 85 % Polen sind.

28. Oktober. Arthur Greiser ruft eine “ Zentralstelle für die deutsche Volksliste “ ins Leben, die – gestützt auf “ eindeutige “ Kriterien – den Nachweis führen soll, wer Volksdeutscher ist. Diese Volksliste umfasst fünf Einstufungsgruppen und wird Vorbild für die 1941 erlassene “ Verordnung über die Deutsche Volksliste und die deutsche Staatsangehörigkeit „. Die Regierung Lettlands regelt die Umsiedlung lettischer Bürger deutscher Nationalität, die u.a. auch in dem sog. “ Reichsgau Wartheland “ angesiedelt werden. ( Rund 35.000 Umsiedler aus dem Baltikum, aus Wolhynien, Bessarabien, der Bukowina und anderen Gebieten werden im Warthegau zwischen 1939 und 1943 angesiedelt. )

31. Okt. Befehl Himmlers zur Deportation der jüdischen und eines Teiles der polnischen Bevölkerung aus den „Eingegliederten Ostgebieten“ in das Generalgouvernement

15. November. Beginn der ersten systematisch organisierten Deportationen von Juden und Polen aus dem Warthegau in das Generalgouvernement.